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Historical Symptomatology
GA 185

18 October 1918, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Ich werde versuchen, heute, morgen und übermorgen einiges Bedeutungsvolle anzuknüpfen an die Betrachtung, die ich in der vorigen Woche hier vor Ihnen angestellt habe. Was ich anknüpfen will an diese Dinge, die uns bis zu einer gewissen Tiefe hineingeführt haben in die Impulse, welche die neuere Menschheitsentwickelung beherrschen, das soll sich herausergeben aus allerlei Wendepunkten des neueren geschichtlichen Lebens. Wir wollen versuchen, dieses neuere geschichtliche Leben bis zu dem Punkte zu betrachten, an dem wir sehen können, wie die Menschenseele in der Gegenwart im Weltenzusammenhange drinnensteht, sowohl mit Bezug auf ihre Entwickelung im Kosmos, wie auf ihre seelische Entwickelung gegenüber dem Göttlichen und ihre Ich-Entwickelung gegenüber dem Geistigen. Aber ich möchte einmal diese Dinge an mehr oder weniger Alltägliches und Ihnen Bekanntes anknüpfen. Deshalb lege ich heute zunächst — Sie werden morgen und übermorgen sehen warum — jenen geschichtlichen Überblick über die neuere Menschheitsentwickelung zugrunde, der auch gestern zum Teil der Betrachtung über neuere Geschichte zugrunde gelegen hat, die ich versuchte in meinem öffentlichen Vortrage in Zürich zu geben.

[ 1 ] Today, tomorrow, and the day after tomorrow, I will try to build upon the reflections I shared with you here last week. What I wish to build upon—these matters that have led us to a certain depth into the impulses governing recent human development—will emerge from various turning points in recent historical life. Let us try to consider this recent historical life up to the point where we can see how the human soul stands within the context of the world today—both in relation to its development within the cosmos and to its soul development in relation to the Divine, as well as its “I” development in relation to the Spiritual. But I would like to relate these matters to more or less everyday experiences that are familiar to you. That is why today I am first taking as my starting point—you will see tomorrow and the day after why—that historical overview of recent human development, which also formed part of the basis for yesterday’s reflection on recent history, which I attempted to present in my public lecture in Zurich.

[ 2 ] Wir wissen aus früheren Vorträgen, die ich über ähnliche Themata gehalten habe, daß ich vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus das, was man gewöhnlich Geschichte nennt, verwandelt sehen muß in eine Symptomatologie. Das heißt von dem Gesichtspunkte, den ich hier meine: Dasjenige, was man gewöhnlich empfängt als Geschichte, was verzeichnet wird in dem, was man schulmäßig Geschichte nennt, das sollte man nicht ansehen als das wirklich Bedeutungsvolle im Entwickelungsgange der Menschheit, sondern man sollte das nur ansehen als Symptome, die gewissermaßen an der Oberfläche ablaufen und durch die man durchblicken muß in weitere Tiefen des Geschehens, wodurch sich dann enthüllt, was eigentlich die Wirklichkeit ist im Werden der Menschheit. Während gewöhnlich die Geschichte die sogenannten historischen Ereignisse in ihrer Absolutheit betrachtet, soll hier das, was man historische Ereignisse nennt, nur als etwas angesehen werden, was gewissermaßen ein tiefer darunterliegendes, wahres Wirkliche erst verrät, und, wenn man es richtig betrachtet, offenbart.

[ 2 ] We know from earlier lectures I have given on similar topics that, from the perspective of spiritual science, what is commonly called history must be viewed as a symptomatology. That is to say, from the perspective I have in mind here: what is usually perceived as history—what is recorded in what is conventionally called history—should not be regarded as what is truly significant in the course of human development, but should instead be viewed merely as symptoms that, so to speak, unfold on the surface and through which one must look to perceive the deeper layers of events, through which what is actually the reality of humanity’s becoming is then revealed. While history usually considers so-called historical events in their absoluteness, here what is called historical events should be regarded only as something that, in a sense, first betrays a deeper, underlying, true reality and, when viewed correctly, reveals it.

[ 3 ] Man braucht ja nicht sehr tief zu denken, so wird man sehr bald darauf kommen, wie unsinnig zum Beispiel eine sehr häufig gemachte Bemerkung ist: daß der Mensch der Gegenwart ein Ergebnis der Vergangenheit der Menschheit sei, und diese Bemerkung an die Betrachtung desjenigen knüpft, was dann die Geschichte von dieser Vergangenheit gibt. Lassen Sie diese geschichtlichen Ereignisse, die Sie in der Schule als Geschichte vorgeführt bekommen haben, einmal Revue passieren, und fragen Sie dann, wieviel davon Einfluß gewonnen haben kann, so wie es die Geschichte glaubt darstellen zu können, auf Ihr eigenes Gemüt, auf Ihre eigene seelische Struktur! — Aber die seelische Struktur zu betrachten, wie sie in der Gegenwart hineingestellt ist in die Entwickelung der Menschheit, das gehört ja zur wirklichen Selbsterkenntnis des Menschen. Diese Selbsterkenntnis wird nicht gefördert durch die gewöhnliche Geschichte. Manchmal wird allerdings ein Stück Selbsterkenntnis gefördert, herbeigeführt, aber auf einem Umwege, zum Beispiel wie mir gestern ein Herr erzählte, daß er einmal in der Schule nicht wußte, wann die Schlacht von Marathon geschlagen worden ist und deswegen drei Stunden Arrest bekommen hatte. Das ist allerdings dann etwas, was auf die Seele des Menschen wirkt und was dann auf einem Umwege etwas beitragen könnte zu Impulsen, die zur Selbsterkenntnis führen! Aber die Art und Weise, wie die Geschichte von der Schlacht von Marathon spricht, wird wenig beitragen zur wirklichen Selbsterkenntnis des Menschen. Dennoch muß auch eine symptomatologische Geschichte schon Rücksicht nehmen auf die äußeren Tatsachen, einfach aus dem Grunde, weil sich gerade durch die Betrachtung und Wertung der äußeren Tatsachen der Einblick gewinnen läßt in dasjenige, was wirklich geschieht.

[ 3 ] One doesn’t have to think very deeply to realize very quickly just how nonsensical, for example, a very common remark is: that modern man is a product of humanity’s past, and that this remark ties into the interpretation of what history tells us about that past. Let’s review these historical events that you were taught as history in school, and then ask yourself how much of them could have influenced—as history claims to portray—your own mind, your own psychological structure! — But to consider the psychological structure as it is situated in the present within the development of humanity—that is, after all, part of a person’s true self-knowledge. This self-knowledge is not fostered by conventional history. Sometimes, however, a measure of self-knowledge is fostered or brought about, but in a roundabout way—for example, as a gentleman told me yesterday, that he once didn’t know in school when the Battle of Marathon took place and was therefore given three hours of detention. That is certainly something that affects the human soul and that, indirectly, could contribute to impulses leading to self-knowledge! But the way history speaks of the Battle of Marathon contributes little to a person’s true self-knowledge. Nevertheless, even a symptomatological account must take external facts into account, simply because it is precisely through the observation and evaluation of external facts that insight can be gained into what is actually happening.

[ 4 ] Nun will ich zunächst nur gewissermaßen ein Bild der neueren menschlichen Geschichtsentwickelung aufrollen, jener, die gewöhnlich in der Schule dadurch betrachtet wird, daß man mit der Entdeckung Amerikas, mit der Erfindung des Schießpulvers — nun, Sie wissen ja das alles, nicht wahr — anfängt und sagt: Nun war das Mittelalter abgeschlossen, jetzt beginnt die neuere Zeit. — Aber es handelt sich, wenn man eine solche Betrachtung fruchtbar für den Menschen anstellen will, darum, daß man vor allen Dingen den Blick hinwendet auf die wirklichen Umschwünge in der Menschheitsentwickelung selbst, auf diejenigen großen Wendepunkte, in denen das Seelenleben des Menschen aus einer gewissen Artung in eine andere Artung übergegangen ist. Diese Übergänge bemerkt man sogar gewöhnlich nicht. Man bemerkt diese Übergänge eben nicht, weil man sie über dem Gestrüppe der Tatsachen übersieht. Wir wissen ja aus rein geisteswissenschaftlicher Betrachtung, daß der letzte große Wendepunkt in der menschlichen Kulturentwickelung in den Anfang des 15. Jahrhunderts fällt, wo der fünfte nachatlantische Zeitraum beginnt. Wir wissen, daß 747 vor dem Mysterium von Golgatha der griechisch-lateinische Zeitraum begonnen hat und bis dahin dauerte, wo dann der neuere, fünfte nachatlantische Zeitraum begann, bis in den Anfang des 15. Jahrhunderts. Nur darum, weil man die Dinge oberflächlich betrachtet, kommt für die gewöhnliche Anschauung nicht heraus, daß wirklich das ganze Seelenleben der Menschen sich geändert hat in dem betreffenden Zeitpunkt. Und es ist ein ganz gewöhnlicher Unsinn, wenn man zum Beispiel das 16. Jahrhundert so vorstellt in der Geschichte, als ob es einfach sukzessive aus dem 11. oder 12. Jahrhundert hervorgegangen wäre, und ausläßt jenen beträchtlichen Umschwung, der gegen das 15. Jahrhundert zu, dann auslaufend davon, sich zugetragen hat. Natürlich ist ein solcher Zeitpunkt approximativ, annähernd; aber was ist denn nicht annähernd im wirklichen Leben? Bei all dem, wo ein Entwickelungsvorgang, der in sich in einer gewissen Weise zusammenhängend ist, hinüberdringt in eine andere Zeit, da müssen wir immer von «approximativ» sprechen. Wenn der Mensch geschlechtsreif wird, so kann man auch nicht genau den Tag in seinem Leben bestimmen, sondern es bereitet sich vor und läuft dann ab. Und so ist es natürlich auch mit diesem Zeitpunkt 1413. Die Dinge bereiten sich langsam vor und nicht gleich tritt alles und überall in seiner vollen Stärke auf. Aber man bekommt gar keinen Einblick in die Dinge, wenn man nicht den Zeitpunkt des Umschwunges ganz sachgemäß ins Auge faßt.

[ 4 ] Now, to begin with, I would like to sketch out, so to speak, a picture of the more recent development of human history—the one that is usually covered in school by starting with the discovery of America and the invention of gunpowder—well, you know all that, don’t you—and saying: “Now the Middle Ages were over; now the modern era begins.” — But if one wishes to make such an examination fruitful for humanity, it is essential, above all, to turn one’s gaze toward the actual upheavals in human development itself—toward those great turning points at which the inner life of human beings has transitioned from one mode to another. These transitions usually go unnoticed. We fail to notice them precisely because they are obscured by the thicket of facts. We know, of course, from a purely spiritual-scientific perspective, that the last great turning point in the development of human culture occurred at the beginning of the 15th century, when the fifth post-Atlantean epoch began. We know that the Greco-Latin period began in 747 B.C. (before the Mystery of Golgotha) and lasted until the start of the more recent, fifth post-Atlantean period, which began at the start of the 15th century. It is only because people view things superficially that the ordinary observer fails to realize that the entire soul life of humanity truly changed at that particular point in time. And it is utter nonsense, for example, to conceive of the 16th century in history as if it had simply emerged successively from the 11th or 12th century, while omitting that significant turning point that took place around the 15th century and then gradually came to an end. Of course, such a point in time is approximate; but what in real life isn’t approximate? Whenever a developmental process—which is in itself coherent in a certain way—spills over into another era, we must always speak of it as “approximate.” When a person reaches sexual maturity, one cannot pinpoint the exact day in their life either; rather, it builds up and then comes to pass. And so it is, of course, with this year 1413 as well. Things develop slowly, and everything does not immediately manifest in its full strength everywhere. But one gains no insight into these matters at all unless one properly takes the turning point into account.

[ 5 ] Nun kann man nicht anders — wenn man, zurückschauend hinter die Zeit des 15. Jahrhunderts, nach der wichtigsten Seelenverfassung der Menschheit rückblickend frägt und dann vergleichen will mit dem, was nach dem Beginne des 15. Jahrhunderts immer mehr und mehr in diese Seelenverfassung der Menschheit hineinkam — man kann nicht anders, als das Auge hinwenden zu jenem umfassenden Tatsächlichen, welches sich das ganze sogenannte Mittelalter hindurch über die europäische zivilisierte Menschheit ausbreitete, und das noch innig zusammenhing mit der ganzen Seelenkonstitution der griechisch-lateinischen Zeit: Es ist die Form, welche sich allmählich im Laufe der Jahrhunderte aus dem Römischen Reiche heraus in dem an das römische Papsttum gebundenen Katholizismus herausgebildet hatte. Der Katholizismus kann ja nicht anders betrachtet werden bis zum großen Wendepunkt der neueren Zeit, als daß man ins Auge faßt, wie er ein Universalimpuls war, wie er als Universalimpuls sich ausbreitete. Sehen Sie, die Menschen waren im Mittelalter gegliedert; sie waren gegliedert nach Ständen, sie waren gegliedert nach Familienzusammenhängen, sie waren gegliedert in den Zünften und so weiter. Aber durch all diese Gliederungen zog sich hindurch dasjenige, was der Katholizismus in die Seelen träufelte, und er zog sich hindurch in jener Gewandung, welche das Christentum angenommen hatte unter mancherlei Impulsen, die wir noch kennenlernen werden in diesen Tagen, und unter jenen Impulsen, die ich Ihnen in den vorigen Vorträgen angeführt habe. Es breitete sich der Katholizismus aus als jenes Christentum, das wesentliche Einflüsse in Rom von jenen Seiten empfangen hat, die ich eben charakterisiert habe.

[ 5 ] Now, one cannot help but—when looking back beyond the 15th century, reflecting on the most significant state of mind of humanity, and then seeking to compare it with what, after the beginning of the 15th century, increasingly permeated this state of mind — one cannot help but turn one’s gaze to that all-encompassing reality which spread throughout the entire so-called Middle Ages across civilized European humanity, and which was still intimately connected with the entire spiritual constitution of the Greco-Latin era: It is the form that gradually took shape over the course of the centuries, emerging from the Roman Empire within Catholicism as it was bound to the Roman Papacy. Indeed, up to the great turning point of modern times, Catholicism cannot be viewed in any other way than by recognizing how it was a universal impulse and how it spread as such. You see, people in the Middle Ages were organized into groups; they were organized by social classes, by family ties, by guilds, and so on. But running through all these divisions was what Catholicism instilled in people’s souls, and it ran through them in the form that Christianity had taken on under various impulses—which we will come to know in the coming days—and under those impulses that I have described to you in previous lectures. Catholicism spread as that form of Christianity which received essential influences in Rome from the sources I have just described.

[ 6 ] Womit rechnete denn der von Rom ausgehende und sich in seiner Art durch die Jahrhunderte entwickelnde Katholizismus, der wirklich ein Universalimpuls war, der die tiefste Kraft war, welche in die Zivilisation Europas hineinpulsierte? Er rechnete mit einer gewissen Unbewußtheit der menschlichen Seele, mit einer gewissen Suggestivkraft, die man auf die menschliche Seele ausüben kann. Er rechnete mit jenen Kräften, welche die menschliche Seelenverfassung seit Jahrhunderten hatte, in welchen die menschliche Seele, die erst in unserem Zeitraume erwachte, noch nicht voll erwacht war. Er rechnete mit denen, die erst in der Gemüts- und Verstandesseele waren. Er rechnete damit, daß er ihnen in ihr Gemüt durch suggestives Wirken einträufelte dasjenige, was er für nützlich hielt, und er rechnete bei denen, welche die Gebildeten waren — und das war ja zumeist der Klerus —, mit dem scharfen Verstand, der aber in sich noch nicht die Bewußtseinsseele geboren hatte. Die Entwickelung der Theologie bis ins 13., 14., 15. Jahrhundert ist so, daß sie überall auf den denkbar schärfsten Verstand zählte. Aber wenn Sie Ihre Kenntnisse über das, was der menschliche Verstand ist, von dem Verstande heute nehmen, so können Sie niemals eine richtige Vorstellung gewinnen von dem, was der Verstand bis ins 15. Jahrhundert bei den Menschen war. Der Verstand bis ins 15. Jahrhundert hatte etwas Instinktives, er war noch nicht durchdrungen von der Bewußtseinsseele. Es war nicht ein selbständiges Nachdenken in der Menschheit, das nur von der Bewußtseinsseele kommen kann, sondern es war da und dort ein ungeheuer großer Scharfsinn, wie Sie ihn ganz gewiß in vielen Auseinandersetzungen bis ins 15. Jahrhundert finden, denn gescheiter sind viele dieser Auseinandersetzungen als die der späteren Theologie. Aber es war nicht jener Verstand, der aus der Bewußtseinsseele heraus wirkte, sondern es war jener Verstand, welcher, wenn man populär spricht, aus dem Göttlichen heraus wirkte, wenn man esoterisch spricht, aus dem Engel, aus dem Angelos heraus wirkte; also etwas, worüber der Mensch noch nicht verfügte. Das selbständige Denken wurde erst möglich, als der Mensch auf sich selber gestellt war durch die Bewußtseinsseele. Wenn man auf solche Weise mit suggestiver Kraft einen Universalimpuls so ausbreitet, wie das geschehen ist durch das römische Papsttum und alles, was damit in der Kirchenstruktur verbunden war, dann trifft man viel mehr das Gemeinsame, das Gruppenseelenhafte der Menschen. Und das traf auch der Katholizismus. Und es brachten es — wir werden die Dinge schon von einem anderen Gesichtspunkte noch besprechen — gewisse Impulse der neueren Geschichte dahin, daß dieser Universalimpuls des sich ausbreitenden Katholizismus gewissermaßen seinen Sturmbock fand an dem RömischGermanischen Imperium, und wir sehen, wie die Ausbreitung des universellen römischen Katholizismus eigentlich unter fortwährendem Zusammenprallen und Sich-Auseinandersetzen mit dem RömischDeutschen Imperium geschieht. Sie brauchen ja nur in den gebräuchlichen Geschichtsbüchern die Zeit der Karolinger, die Zeit der Hohenstaufen zu studieren, und Sie werden da überall sehen, daß es sich im wesentlichen darum handelt, daß in Europas Kultur einzieht der katholische Universalimpuls, wie er von Rom aus gedacht wird.

[ 6 ] What, then, did Catholicism—which originated in Rome and evolved over the centuries—expect? It was truly a universal impulse, the deepest force pulsing through European civilization. It counted on a certain unconsciousness of the human soul, on a certain power of suggestion that can be exerted upon the human soul. It counted on those forces that had shaped the human soul’s constitution for centuries, during which the human soul—which only awoke in our own era—had not yet fully awakened. It counted on those who were still in the stage of the emotional and intellectual soul. He counted on instilling into their minds, through suggestive influence, whatever he deemed useful; and in the case of the educated—who were, for the most part, the clergy—he counted on their keen intellect, which, however, had not yet given birth to the conscious soul within itself. The development of theology up through the 13th, 14th, and 15th centuries was such that it relied everywhere on the sharpest possible intellect. But if you base your understanding of what the human intellect is on the intellect of today, you can never gain a true conception of what the intellect was like in human beings up until the 15th century. The intellect up through the 15th century had something instinctive about it; it was not yet permeated by the soul of consciousness. It was not independent thinking among humanity—which can come only from the soul of consciousness—but rather, here and there, an immense sharpness of mind, as you will certainly find in many debates up through the 15th century, for many of these debates are more astute than those of later theology. But it was not that intellect which worked from the soul of consciousness; rather, it was that intellect which—to put it in layman’s terms—worked from the Divine, or, to speak esoterically, worked from the angel, from the Angelos; in other words, something that humanity did not yet possess. Independent thinking only became possible when human beings were left to their own devices through the conscious soul. When one spreads a universal impulse in this way with suggestive power—as happened through the Roman Papacy and everything associated with it in the church structure—one appeals much more to what is common to humanity, to the group-soul aspect of human beings. And Catholicism did just that. And—as we will discuss later from a different perspective—certain impulses of recent history led to a situation where this universal impulse of expanding Catholicism, so to speak, found its battering ram in the Roman-Germanic Empire, and we see how the spread of universal Roman Catholicism actually took place amid constant clashes and confrontations with the Roman-German Empire. You need only study the Carolingian and Hohenstaufen periods in standard history books, and you will see everywhere that the essential point is that the Catholic universal impulse, as conceived from Rome, is making its way into European culture.

[ 7 ] Wenn wir von dem Gesichtspunkt des Beginnes der Bewußtseinsseelenkultur die Sache recht ansehen wollen, so müssen wir auf einen großen Wendepunkt hinblicken, durch den äußerlich symptomatisch sich zeigt, wie das, was durch das Mittelalter wirklich herrschend war in dem eben charakterisierten Sinne, aufhört so herrschend zu sein, wie es früher war. Und dieser Wendepunkt in der neueren geschichtlichen Entwickelung ist der, daß 1309 von Frankreich aus der Papst einfach von Rom nach Avignon versetzt wird. Damit war etwas getan, was früher selbstverständlich nicht hätte geschehen können, worinnen sich zeigte: Jetzt beginnt das, wo die Menschheit anders wird als früher, da sie sich beherrscht wußte von einem Universalimpuls. Man kann sich nicht vorstellen, daß es früher einem König oder einem Kaiser einfach hätte einfallen können, den Papst von Rom irgendwo andershin zu versetzen. 1309 wurde kurzer Prozeß gemacht: der Papst wurde nach Avignon versetzt, und es beginnt jene Zänkerei mit Päpsten und Gegenpäpsten, die eben an die Versetzung des Papsttums gebunden war. Und damit in Verbindung sehen wir dann, wie etwas, was allerdings in einem ganz anderen Zusammenhange mit dem Christentum war, das in eine gewisse äußere Verbindung mit dem Papsttum gekommen war, mit betroffen wurde. Während 1309 der Papst nach Avignon versetzt wird, sehen wir, daß bald danach, 1312, der Tempelherren-Orden aufgehoben wird. Das ist solch ein Wendepunkt der neueren Geschichte. Man soll solch einen Wendepunkt nicht bloß hinsichtlich seines tatsächlichen Inhaltes betrachten, sondern als Symptom, um allmählich zu finden, was für eine Wirklichkeit dahinterliegt.

[ 7 ] If we wish to view the matter correctly from the perspective of the beginning of the culture of the consciousness soul, we must look to a major turning point, which outwardly and symptomatically reveals how that which truly prevailed throughout the Middle Ages—in the sense just characterized—ceases to be as dominant as it once was. And this turning point in recent historical development is the fact that in 1309, the Pope was simply transferred from Rome to Avignon by the French. This marked the occurrence of something that, of course, could not have happened in the past, and it signaled that a new era was beginning in which humanity was becoming different from what it had been before, since it had previously been governed by a universal impulse. It is impossible to imagine that it could ever have occurred to a king or an emperor in the past to simply relocate the Pope from Rome to some other place. In 1309, the matter was settled quickly: the Pope was relocated to Avignon, and thus began the period of strife between popes and antipopes, which was directly linked to the relocation of the papacy. And in connection with this, we then see how something—which, admittedly, was related to Christianity in an entirely different context but had come to have a certain external connection with the papacy—was also affected. While the pope was transferred to Avignon in 1309, we see that shortly thereafter, in 1312, the Order of the Knights Templar was dissolved. This is such a turning point in modern history. One should not view such a turning point merely in terms of its actual content, but as a symptom, in order to gradually discover the reality that lies behind it.

[ 8 ] Nun wollen wir andere solche Symptome vor unserem Seelenauge vorüberziehen lassen. Wir haben sie, wenn wir die Zeit, in welcher dieser Wendepunkt lag, einmal vor unserer Seele auftreten lassen. Da haben wir, über Europa hinschauend, die Tatsache auffällig, daß das europäische Leben mehr nach Osten hinüber doch radikal beeinflußt wird von jenen Ereignissen, die sich im geschichtlichen Leben, ich möchte sagen, wie Naturereignisse wirksam machen. Das sind die fortwährenden Wanderungen — mit den Mongolenwanderungen haben sie in der weiteren neueren Zeit begonnen —, die stattfinden von Asien nach Europa herüber, und die ein asiatisches Element nach Europa . hereinbrachten. Sie müssen nur bedenken, daß man, wenn man an ein solches Ereignis wie das von Avignon diese Tatsache anschließt, man sehr bedeutsame Anhaltspunkte gewinnt für eine historische Symptomatologie. Denn bedenken Sie das Folgende. Wenn Sie wissen wollen, welches die äußeren, nicht die inneren geistigen, sondern die äußeren menschlichen Veranlagungen und Wirkungen waren, welche sich an das Ereignis von Avignon knüpften und die zu ihm geführt haben, dann werden Sie bei einem zusammenhängenden Komplex von menschlichen Entschlüssen und Tatsachen stehenbleiben können. Das können Sie nicht, wenn Sie solche Ereignisse betrachten wie die herüberziehenden Mongolen, bis später dann zu den Türken. Sondern indem Sie solch ein historisches Ereignis, solch einen Tatsachenkomplex ins Auge fassen, müssen Sie folgende Erwägungen anstellen, wenn Sie wirklich zu einer geschichtlichen Symptomatologie kommen wollen.

[ 8 ] Now let us allow other such symptoms to pass before the eye of our soul. We perceive them once we have allowed the period in which this turning point occurred to unfold before our soul. Looking out over Europe, we are struck by the fact that European life, even as it extends further eastward, is radically influenced by those events that, in the course of history—I might say—take effect like natural phenomena. These are the ongoing migrations—which began in more recent times with the Mongol invasions—that take place from Asia into Europe and that brought an Asian element into Europe. You need only consider that, when you link this fact to an event such as that of Avignon, you gain very significant clues for a historical symptomatology. For consider the following. If you wish to know what the external—not the inner spiritual, but the external human dispositions and effects—were that were linked to the event of Avignon and led to it, then you will be able to arrive at a coherent complex of human decisions and facts. You cannot do this if you view such events—such as the Mongol invasions, and later the Turks—in isolation. Rather, when you consider such a historical event, such a complex of facts, you must make the following considerations if you truly wish to arrive at a historical symptomatology.

[ 9 ] Nehmen Sie einmal an: Da ist Europa, da ist Asien (s. Zeiehng. S.16), die Züge gehen herüber. Nun nehmen wir an, solch ein Zug sei bis zu dieser Grenze vorgedrungen, dahinter seien meinetwillen die Mongolen, später die Türken, wer immer, davor seien die Europäer. Wenn Sie die Ereignisse von Avignon nehmen, so finden Sie einen Tatsachenkomplex von menschlichen Entschlüssen, menschlichen Taten vor. Das haben Sie dort nicht. Dort müssen Sie zwei Seiten betrachten, die eine, die hier liegt, und die andere, die hier liegt (auf die Zeichnung deutend). Für die Europäer ist dieser Sturm, der da herüberkommt, einfach wie ein Naturereignis: man sieht nur die Außenseite. Die kommen herüber und stören einfach, sie dringen ein. Dahinter aber liegt all diejenige Kultur, all die Seelenkultur, die sie selbst in sich tragen. Ihr eigenes seelisches Leben liegt dahinter. Das mag man wie immer beurteilen, aber es liegt dieses seelische Leben dahinter. Das wirkt gar nicht über die Grenze hinüber. Die Grenze wird gewissermaßen wie ein Sieb, durch das nur etwas wie elementarische Wirkungen durchgeht. Solche zwei Seiten — ein Inneres, das bei den Menschen bleibt, die hinter einer solchen Grenze stehen, und dasjenige, was nur zugewendet wird dem anderen — finden Sie in dem Ereignis von Avignon natürlich nicht; da ist alles in einem Komplex drinnen. Solche Ereignisse wie diese Wanderungen von Asien herüber, die haben eine große Ähnlichkeit mit der Naturanschauung selber. Denken Sie sich, Sie schauen die Natur an, Sie sehen die Farben, Sie hören die Töne: Das ist ja alles Teppich, das ist ja alles Hülle. Dahinter liegt Geist, dahinter liegen die Elementarwesen, bis heran zu dem hier. Da haben Sie auch die Grenze. Sie sehen mit Ihren Augen, Sie hören mit Ihren Ohren, fühlen mit Ihren Händen. Dahinter liegt der Geist, der kommt hier nicht durch. Das ist in der Natur so. Das ist ja da nicht ganz gleich, aber etwas Ähnliches. Was dahinter als Seelisches liegt, das dringt da nicht durch, das wendet nur die Außenseite nach der anderen Gegend hin.

[ 9 ] Let’s suppose: There is Europe, there is Asia (see Zeiehng, p. 16), and trains run between them. Now let’s suppose that such a train has advanced as far as this border; beyond it—for the sake of argument—are the Mongols, later the Turks, whoever they may be; and in front of it are the Europeans. If you consider the events in Avignon, you’ll find a complex of facts consisting of human decisions and human actions. You don’t have that there. There, you must consider two sides: one that lies here, and the other that lies here (pointing to the drawing). For the Europeans, this onslaught coming over there is simply like a natural phenomenon: they see only the outer surface. They come over and simply cause disruption; they intrude. Behind that, however, lies all that culture—all that culture of the soul—which they themselves carry within. Their own spiritual life lies behind it. One may judge this as one will, but this spiritual life is there. It does not extend across the border at all. The border becomes, as it were, a sieve through which only something like elemental forces pass. Such two sides—an inner life that remains with the people standing behind such a boundary, and that which is directed solely toward the other—you will of course not find in the event of Avignon; there, everything is contained within a single complex. Events such as these migrations from Asia bear a great resemblance to the very view of nature itself. Imagine you are looking at nature; you see the colors, you hear the sounds: all of that is merely a tapestry, merely a covering. Behind it lies the spirit; behind it lie the elemental beings, right up to this point. There, too, you have the boundary. You see with your eyes, you hear with your ears, you feel with your hands. Behind that lies the spirit, which cannot penetrate here. That is how it is in nature. It is not quite the same there, but something similar. What lies behind it as the soul does not penetrate there; it merely turns the outer surface toward the other realm.

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[ 10 ] Es ist außerordentlich bedeutsam, daß man dieses merkwürdige Mittelgebilde ins Auge faßt, wo Völker oder Rassen aufeinanderprallen, die sich gewissermaßen nur ihre Außenseite zukehren, dieses merkwürdige Mittelgebilde — welches auch unter den Symptomen auftritt- zwischen eigentlichem menschlich-seelischen Universalerleben, wie es also angeschaut werden muß, wenn man so etwas erblickt wie das Ereignis von Avignon, und zwischen richtigen Natureindrücken. All das historische Gerede, das in der neueren Zeit heraufgekommen ist, und das keine Ahnung hat von dem Eingreifen eines solchen Mitteldings, all das kommt zu keiner wirklichen Kulturgeschichte. Weder Buckle noch Ratzel konnten daher zu einer wirklichen Kulturgeschichte kommen. Ich nenne zwei weit auseinanderliegende kulturgeschichtliche Betrachter, weil sie von den Vorurteilen ausgingen: Nun, man muß halt dasjenige, was von zwei Ereignissen aufeinanderfolgt, so betrachten, daß das spätere die Wirkung, das frühere die Ursache ist, und die Menschen so darinnen gestanden haben.

[ 10 ] It is of extraordinary significance to consider this peculiar intermediate structure—where peoples or races clash, each, as it were, facing only their outward appearance toward the other—this peculiar intermediate structure —which also appears among the symptoms—between the actual universal experience of the human soul, as it must be viewed when one observes something like the Avignon event, and genuine impressions of nature. All the historical discourse that has emerged in recent times, which has no inkling of the intervention of such an intermediate phenomenon, all of that fails to lead to a true cultural history. Neither Buckle nor Ratzel could therefore arrive at a true cultural history. I mention these two cultural-historical observers, whose views are worlds apart, because they proceeded from the same prejudices: Well, one must simply view two successive events in such a way that the later one is the effect and the earlier one the cause, and that people were situated within this framework.

[ 11 ] Das ist also wiederum solch ein Ereignis. Wenn man es als Symptom betrachtet im neueren Werden der Menschheit, dann wird es, wie wir in diesen Tagen sehen werden, eine Brücke von den Symptomen hinüber zur Wirklichkeit.

[ 11 ] So this, too, is one such event. If we view it as a symptom of humanity’s recent development, then—as we will see in the coming days—it becomes a bridge from the symptoms to reality.

[ 12 ] Nun sehen wir etwas auftauchen aus dem Komplex von Tatsachen heraus, was wir wiederum mehr symptomatisch betrachten wollen. Wir sehen im Westen von Europa, anfangs noch wie ein mehr oder weniger einheitliches Gebilde, dasjenige auftauchen, was später zu Frankreich und England wird. Denn zunächst können wir es — wie wir auftauchen sehen in der Zeit, was später zu diesen zwei Gebilden wird, wenn wir nicht die äußerlichen Unterscheidungen wie den Kanal ins Auge fassen, der aber doch nur etwas Geographisches ist — eigentlich nicht unterscheiden. In England drüben ist in den Zeiten, als die neuere geschichtliche Entwickelung beginnt, überall im Grunde französische Kultur. Englische Herrschaft greift herüber nach Frankreich; die Mitglieder der einen Dynastie machen Anspruch auf den Thron im anderen Lande und so weiter. Aber eines sehen wir, was da auftaucht, was das ganze Mittelalter hindurch ebenfalls zu dem gehört hat, das gewissermaßen in die Unterordnung getrieben wurde durch den katholisch-römischen Universalimpuls. Ich sagte schon, die Menschen hatten Gemeinschaften, sie hatten Blutsverwandtschaften in Familien, an denen sie zäh festhielten, sie hatten zünftliche Gemeinschaften, alles mögliche. Aber durch das alles geht etwas durch, was mächtiger, herrschender war, wodurch das andere in Unterordnung getrieben wird, wodurch dem anderen das Gepräge aufgedrückt wurde: Das war eben der römisch geformte, der katholischeTJniversalimpuls. Und dieser römisch-katholische Universalimpuls machte, wie er die Zünfte oder die anderen Gemeinschaften zu etwas Untergeordnetem machte, ebenso die nationale Zusammengehörigkeit zu etwas Untergeordnetem. Die nationale Zusammengehörigkeit wurde in der Zeit, als der römische Universal-Katholizismus wirklich seine größte impulsive Stärke entwikkelte, nicht für das Wichtigste in der seelischen Struktur der Menschen angesehen. Aber das ging jetzt auf, das Nationale als etwas zu betrachten, was wesentlich wird für den Menschen, in unendlichem Grade viel wesentlicher als es früher sein konnte, da der katholische Universalimpuls allherrschend war. Und bedeutsam sehen wir es gerade in dem Gebiete auftreten, das ich Ihnen eben bezeichnet habe. Aber wir sehen zu gleicher Zeit, während dort die allgemeine Idee, sich als Nation zu fühlen, auftaucht — wir werden noch über die Sache zu sprechen haben —, wie gestrebt wird, eine ganz wichtige, bedeutsame Differenzierung zu vollziehen. Während wir sehen, wie durch die Jahrhunderte hindurch ein gewisser einheitlicher Impuls über Frankreich und England sich ausbreitet, sehen wir, wie im 15. Jahrhundert Differenzierungen eintreten, für die der wichtigste Wendepunkt das Auftreten der Jungfrau von Orleans 1429 ist, womit der Anstoß gegeben wird — und wenn Sie in der Geschichte nachsehen, so werden Sie sehen, daß dieser Anstoß ein wichtiger, ein mächtiger ist, der fortwirkte — der Differenzierung zwischen dem Französischen einerseits, dem Englischen anderseits.

[ 12 ] Now we see something emerging from the complex of facts, which we in turn wish to view more from a symptomatic perspective. In Western Europe—initially still appearing as a more or less unified entity—we see the emergence of what would later become France and England. For at first—as we see what will later become these two entities emerging over time, if we do not focus on external distinctions such as the English Channel, which is, after all, merely a geographical feature—we cannot actually distinguish between them. Over in England, at the time when modern historical development begins, French culture is essentially prevalent everywhere. English rule extended into France; members of one dynasty laid claim to the throne in the other country, and so on. But we see one thing emerging there—something that, throughout the entire Middle Ages, had likewise been part of what was, so to speak, driven into subordination by the Roman Catholic universal impulse. As I said, people had communities; they had blood ties within families to which they clung tenaciously; they had guild communities—all sorts of things. But running through all of this is something that was more powerful, more dominant—something that drove the other into subordination, something that imposed its stamp on the other: That was precisely the Roman-shaped, Catholic universal impulse. And just as this Roman-Catholic universal impulse made the guilds or other communities into something subordinate, so too did it make national solidarity into something subordinate. At the time when Roman universal Catholicism truly developed its greatest impetus, national solidarity was not regarded as the most important element in the spiritual structure of human beings. But it has now become clear that the national is to be regarded as something essential for human beings—infinitely more essential than it could have been in the past, when the Catholic universal impulse was all-dominant. And we see this occurring precisely in the area I have just described to you. But at the same time, while the general idea of feeling oneself to be a nation is emerging there—we will have to discuss this matter further—we see how efforts are being made to bring about a very important and significant differentiation. While we see how, over the centuries, a certain unifying impulse spread across France and England, we also see how, in the 15th century, differentiations began to emerge, with the most important turning point being the appearance of the Maid of Orleans in 1429, which provided the impetus—and if you look into history, you will see that this impetus was a significant and powerful one that continued to have an effect—the differentiation between the French on the one hand and the English on the other.

[ 13 ] So sehen wir das Auftauchen des Nationalen als Gemeinsamkeit Bildendem, und zu gleicher Zeit diese für die Entwickelung der neueren Menschheit symptomatisch bedeutsame Differenzierung, die ihren Wendepunkt 1429 in dem Auftreten der Jungfrau von Orleans hat. Ich möchte sagen: In dem Augenblicke, in dem der Impuls des Papsttums die westliche europäische Bevölkerung aus seinen Fängen entlassen muß, taucht die Kraft des Nationalen gerade im Westen auf und ist dort bildend. — Sie dürfen sich nicht täuschen lassen in einer solchen Sache. So wie Ihnen die Geschichte heute dargestellt wird, können Sie selbstverständlich bei jedem Volk rückwärtige Betrachtungen anstellen und können sagen: Nun ja, da ist auch schon das Nationale gewesen! — Da legen Sie keinen Wert darauf, wie die Dinge wirksam sind. Sie können ja bei den Slawenvölkern nachsehen; die werden selbstverständlich unter dem Eindruck der heutigen Ideen und Impulse ihre nationalen Gefühle und Kräfte möglichst weit zurückführen. Aber die nationalen Impulse waren zum Beispiel gerade in der Zeit, von der wir heute sprechen, in besonderer Art wirksam, so daß Sie eine Epoche umwandelndster Impulse gegeben haben in den Gebieten, von denen wir eben gesprochen haben. Das ist es, worauf es ankommt. Man muß sich zur Objektivität durchringen, damit man die Wirklichkeit erfassen kann. Und eine solche symptomatische Tatsache, die ebenso das Heraufkommen der Bewußtseinsseele ausdrückt, äußerlich offenbart, wie die angeführte, ist auch dieses eigentümliche Sich-Herausorganisieren eines italienischen Nationalbewußtseins aus dem nivellierenden, das Nationale zu einem Untergeordneten machenden päpstlichen Elemente, wie es über Italien bis dahin ausgegossen war. In Italien wird es gerade in dieser Zeit im wesentlichen der nationale Impuls, der die Leute auf der italienischen Halbinsel vom Papsttum emanzipiert. Das alles sind Symptome, die in der Zeit da sind, als sich innerhalb Europas die Bewußtseinsseelenkultur aus der Verstandes- und Gemütsseelenkultur heraus entwickeln will.

[ 13 ] Thus we see the emergence of the national as a unifying force, and at the same time this differentiation—which is symptomatically significant for the development of modern humanity—that reached its turning point in 1429 with the appearance of the Maid of Orleans. I would like to say: At the very moment when the impulse of the papacy is forced to release the Western European population from its clutches, the power of the national emerges precisely in the West and is formative there. — You must not allow yourselves to be deceived in such a matter. Just as history is presented to you today, you can of course look back at any people and say: “Well, yes, the national element was already there!” — In doing so, you are not taking into account how things actually work. You can look at the Slavic peoples, for example; under the influence of today’s ideas and impulses, they will naturally trace their national feelings and forces back as far as possible. But national impulses were, for example, particularly active precisely during the period we are discussing today, so that you have witnessed an epoch of profoundly transformative impulses in the regions we have just discussed. That is what matters. One must force oneself to be objective in order to grasp reality. And just as the fact mentioned earlier outwardly reveals the emergence of the conscious soul, so too does this peculiar process of an Italian national consciousness organizing itself out of the leveling, papal element—which had been poured over Italy up to that point and sought to subordinate the national—serve as a symptomatic fact. In Italy, it is precisely during this period that the national impulse essentially becomes the force that emancipates the people of the Italian peninsula from the papacy. All of these are symptoms present at a time when, within Europe, the culture of the soul of consciousness is seeking to develop out of the culture of the soul of intellect and the soul of feeling.

[ 14 ] In derselben Zeit — natürlich sehen wir da auf Jahrhunderte hin sehen wir dann die Auseinandersetzung, die da beginnt zwischen Mittel- und Osteuropa. Was sich herausentwickelt hat aus demjenigen, was ich als Sturmbock bezeichnet habe für das Papsttum, aus dem Römisch-Germanischen Imperium, das gerät in eine Auseinandersetzung mit den heranstürmenden Slawen. Und wir sehen, wie durch die mannigfaltigsten historischen Symptome dieses Ineinanderspielen Mittel- und Osteuropas stattfindet. Man muß den fürstlichen Herrschaften in der Geschichte nicht so weit die Türe aufmachen, als es heute die Lehrer der Geschichte tun. Schließlich muß man schon der Wildenbruch sein, wenn man den Leuten als große historische Ereignisse jenen Hokuspokus vormacht, der sich abgespielt hat zwischen Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen und so weiter auf einem bestimmten Gebiete von Europa; man muß der Wildenbruch sein, wenn man diejenigen Ereignisse als historisch bedeutsame aufzählt, die er in seinen Dramen, die gerade von diesen Ereignissen handeln, als historisch bedeutsam hinstellt. Diese historischen Familienereignisse haben nicht mehr Bedeutung als sonstiger Familientratsch; diese Familienereignisse haben mit der Entwickelung der Menschheit nichts zu tun. Davon bekommt man erst ein Gefühl, wenn man Symptomatologie in der Geschichte treibt. Denn dann bekommt man einen Sinn für das, was sich wirklich heraushebt, und für das, was für den Entwickelungsgang der Menschheit ziemlich bedeutungslos ist. Bedeutungsvoll in der neueren Zeit ist die allgemeine Auseinandersetzung zwischen der europäischen Mitte und dem europäischen Osten. Aber im Grunde genommen ist es nur wie eine Gebärde, was sich da abgespielt hat mit Ottokar und so weiter. Das weist eigentlich nur hin auf dasjenige, was in Wirklichkeit geschieht. Dagegen ist von großer Bedeutung, daß man nicht einseitig dieses Ereignis betrachtet, sondern so, daß man sieht, wie, während jene Auseinandersetzung fortwährend stattgefunden hat, eine kolonisatorische Tätigkeit von Mittel- nach Osteuropa hinüber die Bauernbewegungen brachte, die später Menschen vom Rhein bis hinunter nach Siebenbürgen brachte, welche dann dort — und durch eine Mischung von Mittel- und Osteuropa trat das ein — das ganze Leben, wie es sich später in diesen Gebieten entwickelte, im allertiefsten Sinne beeinflußten. So daß wir auf der einen Seite die herankommenden Slawen durcheinandergeraten sehen in ihrem Tun mit dem, was sich in Mitteleuropa herausgebildet hat aus dem römisch-germanischen Imperium, fortwährend durchzogen von mitteleuropäischen Kolonisatoren, die nach dem Osten hinübergingen. Und aus diesem merkwürdigen Geschehen steigt dasjenige auf, was dann in der Geschichte die Habsburgische Macht wird. Aber ein anderes, das da aus diesem Getriebe überall in Europa aufsteigt, wie ich es Ihnen charakterisiert habe, das ist die Bildung gewisser Zentren mit einer zentralen, eigenen Gesinnung, die sich innerhalb kleiner Gemeinschaften der Städte ausbildet. Vom 13. bis 15. Jahrhundert ist die Hauptzeit, wo die Städte über ganz Europa hin mit ihrer eigenen Stadtgesinnvng heraufkommen. Dasjenige, was ich vorher charakterisiert habe, spielt so durch diese Städte hindurch. Aber Individualitäten bilden sich in diesen Städten herauf.

[ 14 ] During the same period—of course, we’re looking at centuries here—we then see the conflict that begins between Central and Eastern Europe. What developed out of what I have called the “battering ram” for the papacy—the Roman-Germanic Empire—came into conflict with the advancing Slavs. And we see how, through the most diverse historical manifestations, this interplay between Central and Eastern Europe takes place. One need not open the door to princely rule in history as wide as history teachers do today. After all, one must be a complete fool to present to people as major historical events the hocus-pocus that took place between Louis the Pious and his sons and so on in a certain region of Europe; one must be a Wildenbruch to list as historically significant those events that he himself portrays as such in his plays, which deal precisely with these events. These historical family events are no more significant than any other family gossip; these family events have nothing to do with the development of humanity. One only gains a sense of this by engaging in symptomatology within history. For then one develops a sense of what truly stands out and of what is quite insignificant for the course of human development. What is significant in modern times is the general conflict between Central Europe and Eastern Europe. But fundamentally, what took place with Ottokar and so on is merely a gesture. It actually only points to what is really happening. On the other hand, it is of great importance not to view this event one-sidedly, but rather to see how, while that conflict was continuously taking place, a wave of colonization from Central to Eastern Europe brought about peasant movements that later carried people from the Rhine all the way down to Transylvania, where—and through a blending of Central and Eastern Europe—the — influenced the entire way of life that later developed in these regions in the deepest sense. So that, on the one hand, we see the advancing Slavs becoming entangled in their actions with what had emerged in Central Europe from the Roman-Germanic Empire, a region continually traversed by Central European colonizers who were moving eastward. And out of this remarkable development arises what would later become, in history, the Habsburg Empire. But another phenomenon, emerging from this interplay throughout Europe—as I have described it to you—is the formation of certain centers with a distinct, central mindset that develops within small urban communities. The 13th through the 15th centuries mark the peak period when cities across Europe emerged with their own urban spirit. The phenomenon I described earlier plays out throughout these cities. But individualities also take shape within them.

[ 15 ] Nun ist es immerhin für diese Zeit bemerkenswert und bedeutsam, wie nach der Differenzierung von Frankreich und England, zunächst in England, sich langsam aber gründlich vorbereitet dasjenige, was dann später in Europa zum Parlamentarismus wird. Aus langdauernden Bürgerkriegen — Sie können das in der Geschichte nachlesen —, die von 1452 bis 1485 dauern, entwickelt sich unter mannigfaltigen äußeren Symptomen das historische Symptom des aufkeimenden Parlamentarismus. Die Menschen wollen, als im 15. Jahrhundert das Zeitalter der Bewußtseinsseele beginnt, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen. Sie wollen mitreden, sie wollen parlamentarisieren, sich unterhalten über dasjenige, was geschehen soll, und wollen dann aus dem, worüber sie sich unterhalten, die äußeren Geschehnisse formen, oder wollen sich wenigstens manchmal einbilden, daß sie die äußeren Geschehnisse formen. Und das entwickelt sich, aus ihren schweren Bürgerkriegen im 15. Jahrhundert, innerhalb Englands aus jener Konfiguration heraus, die in deutlicher Differenzierung, in deutlichem Unterschiede ist von dem, was in Frankreich sich auch unter dem Einfluß des nationalen Impulses gebildet hatte. Dieser Parlamentarismus in England bildet sich aus dem nationalen Impuls heraus. So daß man sich klar sein muß darüber: Durch ein solches Symptom wie die Herausbildung des Parlamentarismus aus dem englischen Bürgerkrieg im 15. Jahrhundert sehen wir durcheinanderspielen, oder meinetwillen auch durcheinanderspülen, auf der einen Seite die heraufkommende nationale Idee, und einen Impuls, der uns schon sehr deutlich hinführt zu dem, was die Bewußtseinsseele will, die im Menschen rumort. Und aus Gründen, die sich schon noch ergeben werden, bricht sich der Impuls der Bewußtseinsseele just durch diese Ereignisse in England durch, nimmt aber den Charakter jenes nationalen Impulses an, den er eben gerade nur dort bekommen konnte; daher bekommt er diese Färbung, diese Nuance. Damit haben wir vieles von dem betrachtet, was Europa gerade im Anfange des BewußtseinskulturZeitalters die Konfiguration gegeben hat.

[ 15 ] It is, after all, remarkable and significant for that period how, following the differentiation between France and England—and initially in England—the foundations of what would later become parliamentary government in Europe were slowly but thoroughly laid. Out of protracted civil wars—you can read about this in history books—that lasted from 1452 to 1485, the historical phenomenon of burgeoning parliamentarism emerged amid a variety of external signs. As the age of the conscious soul began in the 15th century, people wanted to take matters into their own hands. They wanted a say; they wanted to establish a parliamentary system; they wanted to discuss what should happen; and they wanted to shape external events based on what they discussed—or at least sometimes imagine that they were shaping external events. And this developed, out of their severe civil wars in the 15th century, within England from a configuration that was distinctly different from what had formed in France, even under the influence of the national impulse. This parliamentary system in England emerged from the national impulse. So we must be clear about this: Through a phenomenon such as the emergence of parliamentarism from the English Civil War in the 15th century, we see interplaying—or, if you will, intermingling—on the one hand the rising national idea, and on the other an impulse that leads us very clearly toward what the soul of consciousness, stirring within the human being, desires. And for reasons that will become apparent, the impulse of the consciousness soul breaks through precisely through these events in England, but takes on the character of that national impulse which it could have acquired only there; hence it takes on this coloring, this nuance. With this, we have considered much of what shaped Europe at the very beginning of the Age of Consciousness Culture.

[ 16 ] Hinter all dem, gleichsam im Hintergrunde wie ein halbes Rätsel für Europa dastehend, entwickelt sich das, was später zum russischen Gebilde wird, mit Recht als etwas Unbekanntes angesehen. Wir wissen, warum: weil es dasjenige, was es in sich trägt, als Keime für die Zukunft in sich trägt. Aber es gebiert sich zunächst aus lauter Altem heraus, oder wenigstens aus solchem heraus, das nicht eigentlich aus der Bewußtseinsseele entspringt, überhaupt nicht aus der menschlichen Seele. Natürlich ist es einmal entsprungen, aber hier entsprang es nicht aus der menschlichen Seele heraus. Keines von den drei Elementen, das konfigurierend eingriff in das russische Gebilde, entsprang aus der russischen Seele heraus. Das eine der Elemente war dasjenige, was von Byzanz kam, aus byzantinischem Katholizismus, das zweite dasjenige, was eingeflossen war durch die normannisch-slawische Blutmischung, das dritte dasjenige, was von Asien herüberkam. Alle drei sind nicht etwas, was produziert wurde aus dem Inneren der russischen Seele heraus, es hat aber die Konfiguration gegeben dem, was sich da als ein rätselhaftes Gebilde hinter dem europäischen Geschehen im Osten ausbildete.

[ 16 ] Behind all this, standing in the background, as it were, like a half-riddle for Europe, what would later become the Russian entity develops, rightly regarded as something unknown. We know why: because it carries within itself the seeds of the future. But it is initially born out of the purely old, or at least out of that which does not actually spring from the conscious soul—not at all from the human soul. Of course, it did spring from the human soul at one time, but here it did not spring from the human soul. None of the three elements that shaped the Russian entity sprang from the Russian soul. One of the elements was that which came from Byzantium, from Byzantine Catholicism; the second was that which had flowed in through the Norman-Slavic intermingling of blood; the third was that which came over from Asia. None of these three elements were produced from within the Russian soul, yet they shaped what emerged there as an enigmatic entity behind European events in the East.

[ 17 ] Und nun suchen wir uns ein gemeinschaftliches Merkmal für all die Dinge, die uns da als Symptome entgegengetreten sind. Ein solches gemeinschaftliches Merkmal gibt es, das sehr auffällig ist. Wir brauchen nur das, was ja die eigentlich treibenden Kräfte sind, mit dem zu vergleichen, was früher die eigentlich treibenden Kräfte in der Menschheitsentwickelung waren, und wir finden einen bedeutsamen Unterschied, der uns charakteristisch hinweisen wird auf das, was das Wesenhafte in der Bewußtseinsseelenkultur ist, und auf das, was das Wesenhafte in der Verstandes- und Gemütsseelenkultur ist.

[ 17 ] And now let us look for a common characteristic among all the things that have presented themselves to us as symptoms. Such a common characteristic does exist, and it is very striking. We need only compare what are, in fact, the driving forces today with what were once the driving forces in human development, and we will find a significant difference that will point us characteristically to what is essential in the culture of the conscious soul, and to what is essential in the culture of the intellectual and emotional soul.

[ 18 ] Wir können es ja, um uns die Sache recht deutlich zu machen, zunächst mit einem solchen Impuls vergleichen, wie es das Christentum ist: etwas, was bei jedem Menschen ganz aus dem ureigensten Innern heraus produziert werden muß, ein Impuls, der wirklich ins geschichtliche Geschehen übergeht, aber der aus dem Innern des Menschen heraus produziert wird. Nun ist das Christentum der größte Impuls von dieser Art in der Erdenentwickelung. Aber wir können ja kleinere Impulse nehmen. Wir brauchen nur dasjenige, was durch das Augusteische Zeitalter in das Römertum hineingekommen ist, zu nehmen, wir brauchen nur auf die zahlreich aus der Menschenseele hervorsprudelnden Impulse im griechischen Leben zu blicken. Da sehen wir, wie überall wirklich aus der Menschenseele heraus produziertes Neues in die Menschheitsentwickelung eintritt. Diese Zeit der Bewußtseinsseelenkultur bringt es in bezug auf so etwas zu keiner Naissance, sondern höchstens zur Renaissance, zu einer Wiedergeburt. In bezug auf das, was aus der menschlichen Seele herauskommt, kommt es höchstens zu einer Renaissance, zu einer Wiederauferstehung des Alten. Denn das alles, was da als Impulse eingreift, das ist ja nichts, was aus der menschlichen Seele herauspulsiert. Das erste, was uns aufgefallen ist, ist ja die nationale Idee, wie man es oftmals nennt, man müßte sagen, der nationale Impuls. Der wird nicht aus der Menschenseele produktiv herausgeboren, sondern der liegt in dem, was wir vererbt erhalten haben, der liegt in dem, was wir vorfinden. Es ist etwas ganz anderes, was, sagen wir, durch die zahlreichen geistigen Impulse im Griechentum auftritt. Dieser nationale Impuls, der ist ein Pochen auf etwas, was da ist wie ein Naturprodukt. Da produziert der Mensch nichts aus seinem Innern heraus, wenn er sich als Angehöriger einer Nationalität betrachtet, sondern er weist nur darauf hin, daß er in einer gewissen Weise gewachsen ist, wie eine Pflanze wächst, wie ein Naturwesen wächst. Und ich habe Sie mit Absicht darauf hingewiesen, daß, was da aus Asien herüberkommt, indem es nur die eine Seite der europäischen Kultur zuwendet, etwas Naturhaftes hat. Wiederum geschieht in Europa nichts, was aus der menschlichen Seele heraus produziert wird, dadurch daß die Mongolen, später die Osmanen einbrechen in die europäischen Ereignisse, obwohl vieles unter diesem Impuls geschieht. Auch in Rußland geschieht nichts, was aus der menschlichen Seele herauskommt, was dadurch besonders charakteristisch ist; das hat nur Byzantinismus und Asiatismus ausgebreitet, diese normannisch-slawische Blutmischung. Es sind gegebene Tatsachen, Naturtatsachen, die hereinkommen ins Menschenleben, aber es wird nichts wirklich aus der menschlichen Seele heraus produziert. Halten wir das einmal fest als Ausgangspunkt für später. Der Charakter dessen, worauf der Mensch pocht, wird ein ganz anderer vom 15. Jahrhundert ab.

[ 18 ] To make the point quite clear, we can initially compare it to an impulse such as Christianity: something that must be generated within every human being from the very depths of their innermost being—an impulse that truly becomes part of historical events, yet is generated from within the human being. Now, Christianity is the greatest impulse of this kind in the development of the Earth. But we can, of course, consider smaller impulses. We need only take what entered Roman culture through the Augustan Age; we need only look at the numerous impulses springing forth from the human soul in Greek life. There we see how, everywhere, something new—truly produced from within the human soul—enters into human development. This era of the culture of the conscious soul does not bring about a “naissance” in this regard, but at most a “Renaissance,” a rebirth. With regard to what emerges from the human soul, there is at most a renaissance, a resurrection of the old. For all that intervenes as impulses is not something that pulsates forth from the human soul. The first thing that strikes us is, as it is often called, the national idea—though one should say the national impulse. This is not productively born from the human soul, but lies in what we have inherited, in what we find already present. It is something entirely different from what, let us say, arises through the numerous spiritual impulses in Greek culture. This national impulse is an insistence on something that is there like a product of nature. Here, the human being produces nothing from within when he regards himself as a member of a nation; rather, he merely points out that he has grown in a certain way, just as a plant grows, just as a natural being grows. And I have deliberately pointed out to you that what comes over from Asia—by focusing solely on one aspect of European culture—has something natural about it. Conversely, nothing happens in Europe that is produced from within the human soul as a result of the Mongols—and later the Ottomans—breaking into European events, even though much occurs under this impulse. Nor does anything happen in Russia that arises from the human soul and is particularly characteristic of it; this has merely spread Byzantinism and Asianism—this Norman-Slavic mixture of blood. These are given facts, natural facts, that enter human life, but nothing is truly produced from within the human soul. Let us note this as a starting point for later. The character of what people insist upon will be quite different from the 15th century onward.

[ 19 ] Betrachten wir mehr innerliche Ereignisse. Wir haben jetzt mehr so die äußerlichen geschichtlichen Tatsachen ins Auge gefaßt; betrachten wir mehr innerliche Ereignisse, die schon mehr im Zusammenhang stehen mit dem die Rinde der menschlichen Seele durchbrechenden Bewußtseinsseelenimpuls. Da sehen wir, wenn wir den Blick zum Beispiel auf das Konstanzer Konzil hin richten, 1415, die Hinrichtung des Aus. In Hus sehen wir eine Persönlichkeit, die, ich möchte sagen, heraufkommt wie einem Menschenvulkan ähnlich, in dieser bestimmten Art. 1414 beginnt das Konstanzer Konzil, das über ihn richtet, mit Beginn des 15. Jahrhunderts, gerade mit dem Beginn der Bewußtseinsseelenkultur. Wie steht dieser Hus drinnen im modernen Leben? Als ein mächtiger Protest gegen die ganze suggestive Kultur des katholischen Universalimpulses. Es bäumt sich in Hus die Bewußtseinsseele selbst auf gegen dasjenige, was die Verstandes- oder Gemütsseele angenommen hat durch den römischen Universalimpuls. Aber im Zusammenhange damit sehen wir — wir könnten auch hinweisen, wie sich das schon vorbereitet hat in den Albigenserkämpfen und so weiter —, wie im Grunde genommen das nicht eine vereinzelte Erscheinung ist. Wir sehen ja, wie in Italien Savonarola auftritt, wir sehen, wie andere auftreten: das Aufbäumen der auf sich selbst gestellten menschlichen Persönlichkeit ist es, die durch das Auf-sich-selbst-gestellt-Sein auch zu ihrem religiösen Bekenntnis kommen will. Sie wendet sich gegen den suggestiven Universalimpuls des päpstlichen Katholizismus. Und das findet seine Fortsetzung in Luther, das findet seine Fortsetzung in der Emanzipation der englischen Kirche von Rom, die so außerordentlich interessant und bedeutsam ist, das finder seine Fortsetzung in dem Calvinischen Einfluß in gewissen Gegenden Europas. Das ist etwas, was wie eine Strömung durch die ganze zivilisierte europäische Welt geht, was mehr innerlich ist als die anderen Einflüsse, was mehr mit der Seele des Menschen schon zusammenhängt.

[ 19 ] Let us consider more internal events. We have so far focused more on external historical facts; let us now consider more inner events that are more closely connected with the impulse of the soul of consciousness breaking through the shell of the human soul. There, for example, when we turn our attention to the Council of Constance in 1415, we see the execution of Aus. In Hus we see a personality who, I would say, bursts forth like a human volcano, in this particular way. In 1414, the Council of Constance, which passes judgment on him, begins at the start of the 15th century—precisely at the dawn of the culture of the consciousness soul. How does this Hus fit into modern life? As a powerful protest against the entire suggestive culture of the Catholic universal impulse. In Hus, the consciousness soul itself rebels against what the intellectual or emotional soul has adopted through the Roman universal impulse. But in connection with this, we see—we could also point out how this was already foreshadowed in the Albigensian Crusades and so on—that, fundamentally speaking, this is not an isolated phenomenon. We see, after all, how Savonarola emerges in Italy; we see how others emerge: it is the rebellion of the human personality standing on its own, which, by standing on its own, also seeks to arrive at its own religious confession. It turns against the suggestive universal impulse of papal Catholicism. And this finds its continuation in Luther; it finds its continuation in the emancipation of the Church of England from Rome, which is so extraordinarily interesting and significant; it finds its continuation in the Calvinist influence in certain regions of Europe. This is something that runs like a current through the entire civilized European world, something that is more internal than other influences, something that is more closely connected to the human soul.

[ 20 ] Aber wie? Auch anders, als das früher der Fall war. Im Grunde genommen, was bewundern wir an Calvin, an Luther, wenn wir sie eben als historische Erscheinungen nehmen? Was bewundern wir an denen, die das englische Kirchentum von Rom frei gemacht haben? Nicht neue produktive Ideen, nicht Neues, das aus der Seele heraus produziert wird, sondern die Kraft, mit der sie das Alte in eine neue Form gießen wollten, so daß, während es früher hingenommen wurde von der mehr unbewußt instinktiven Verstandes- oder Gemütsseele, es jetzt hingenommen werden soll von der auf sich selbst gestellten Bewußtseinsseele des Menschen. Aber nicht neues Bekenntnis wird produziert, nicht neue Ideen werden produziert. Es wird über alte Ideen gestritten, es wird nicht ein neues Symbolum gefunden. Denken Sie nur, wie reich die Menschheit in der Produktion von Symbolen war, je weiter wir zurückgehen. Wahrhaftig solch ein Symbolum wie das Altarsakrament-Symbol, es mußte einmal aus der menschlichen Seele heraus produziert werden. Im Zeitalter Luthers und Calvins konnte man nur darüber streiten, ob so oder so. Aber solch ein Impuls, der aus sich heraus, der ein für sich Individuelles ist, der produziert werden muß aus der menschlichen Seele heraus, war nicht da, im ganzen weiten Umfange war er nicht da. Ein neues Verhältnis zu diesen Dingen bedeutet das Herankommen der Bewußtseinsseelenkultur, aber nicht neue Impulse.

[ 20 ] But how? In a way different from how it used to be. After all, what do we admire about Calvin and Luther if we view them merely as historical figures? What do we admire about those who freed the English Church from Rome? Not new, productive ideas, not something new produced from the depths of the soul, but the power with which they sought to cast the old into a new form, so that, whereas it was previously accepted by the more unconsciously instinctive intellectual or emotional soul, it is now to be accepted by the human being’s self-conscious soul. But no new creed is produced; no new ideas are produced. Old ideas are debated; no new symbol is found. Just consider how rich humanity was in the production of symbols the further back we go. Truly, a symbol such as the sacrament of the altar had to be produced once from the human soul. In the age of Luther and Calvin, people could only argue about whether it should be this way or that. But such an impulse—one that arises from within, that is individual in itself, that must be produced from within the human soul—was not there; across the entire broad spectrum, it was not there. A new relationship to these things signifies the emergence of the culture of the conscious soul, but not new impulses.

[ 21 ] So daß wir sagen können: Indem diese neue Zeit anbricht, wirkt in ihr die heraufkommende Bewußtseinsseele. Sie wirkt sich in geschichtlichen Symptomen aus. Und wir sehen, wie auf der einen Seite die nationalen Impulse wirken, wie auf der anderen Seite selbst bis in die Tiefen des religiösen Bekenntnisses hinein das Aufbäumen der Persönlichkeit wirkt, die auf sich selbst gestellt sein will, weil eben die Bewußtseinsseele herausbrechen will aus ihren Hüllen. Und diese Kräfte, diese zwei Kräfte, die ich eben charakterisiert habe, die muß man in ihren Wirkungen studieren, wenn man jetzt die weitere Fortentwickelung der repräsentativen Nationalstaaten, Frankreich und England, ins Auge faßt. Die erstarken, aber so, daß sie in deutlicher Differenzierung zeigen, wie die zwei Impulse, der nationale und der Persönlichkeitsimpuls, auf verschiedene Weise in Frankreich und in England miteinander in Wechselwirkung treten, und nichts menschlich produziertes Neues, aber Althergebrachtes in Umgestaltung als Grundlage für die geschichtliche Struktur Europas offenbaren. Man kann sagen: Dieses Erstarken des nationalen Elementes, es zeigt sich auf besondere Weise in England, wo das Persönliche, das zum Beispiel in Hus nur als religiöses Pathos wirkte, sich verbindet mit dem Nationalen und sich verbindet mit dem Persönlichkeitsimpuls der Bewußtseinsseele und zum Parlamentarismus immer mehr und mehr wird, den Parlamentarismus immer mehr und mehr ausbildet, so daß dort alles nach der politischen Seite hinschlägt. — Wir sehen, wie in Frankreich‘ überwiegt — trotz des nationalen Elementes, das eben stark durch Temperament und durch sonstige Dinge wirkt — das Auf-sich-gestellt-Sein der Persönlichkeit, und die andere Nuance gibt. Während in England mehr die nationale Nuance die stärkere Färbung gibt, gibt in Frankreich mehr das Persönlichkeitselement die nach außen sichtbare und wirksame Nuance. Man muß diese Dinge wirklich intim studieren.

[ 21 ] So that we can say: As this new era dawns, the emerging soul of consciousness is at work within it. It manifests itself in historical symptoms. And we see how, on the one hand, national impulses are at work, and how, on the other hand, even down into the depths of religious belief, the rebellion of the personality is at work—a personality that wants to stand on its own, precisely because the soul of consciousness wants to break free from its shells. And these forces—these two forces I have just characterized—must be studied in their effects if we are now to consider the further development of the representative nation-states, France and England. They are growing stronger, but in such a way that they reveal, through clear differentiation, how the two impulses—the national impulse and the impulse of the individual—interact in different ways in France and England, and reveal not something new produced by human hands, but rather something time-honored in transformation as the foundation for the historical structure of Europe. One might say: This strengthening of the national element manifests itself in a particular way in England, where the personal—which, for example, in Hus was effective only as religious pathos—unites with the national and with the impulse of the individual within the conscious soul, increasingly taking the form of parliamentarism and shaping it more and more, so that everything there leans toward the political side. — We see how in France—despite the national element, which exerts a strong influence through temperament and other factors—the self-centeredness of the personality predominates, imparting a different nuance. Whereas in England the national nuance provides the stronger coloring, in France it is the personal element that provides the outwardly visible and effective nuance. One really must study these things in depth.

[ 22 ] Daß diese Dinge wirken, objektiv wirken, nicht aus der menschlichen Willkür heraus, das sehen Sie ja da, wo der eine Impuls wirkt, aber nicht fruchtbar wird, steril bleibt, weil er äußerlich keine Förderung findet und weil der Gegenimpuls noch stark genug ist, um ihn zu verkümmern. In Frankreich wirkt der nationale Impuls so stark, daß er das französische Volk emanzipiert vom Papsttum. Daher war es auch Frankreich, das den Papst nach Avignon gezwungen hat. Daher wird da der Mutterboden bereitet für die Emanzipation der Persönlichkeit. In England wirkt stark der nationale Impuls, aber zu gleicher Zeit, wie angeboren, stark der Persönlichkeitsimpuls: die Kultur wird bis zu einem hohen Grade von Rom emanzipiert durch die ganze Nation hindurch, die sich auch ihre eigene Bekenntnisstruktur gibt. In Spanien sehen wir, wie der Impuls zwar wirkt, aber weder durch die Natur des Nationalen durchwirken kann, noch wie die Persönlichkeit aufkommen kann gegen das Suggestive. Da bleibt alles, ich möchte sagen, in den Eierschalen drinnen und kommt früher in die Dekadenz hinein, als es sich entwickeln kann.

[ 22 ] That these things have an effect—an objective effect, not arising from human caprice—you can see this where a particular impulse takes effect but fails to bear fruit, remaining sterile because it finds no external support and because the counter-impulse is still strong enough to stifle it. In France, the national impulse is so strong that it emancipates the French people from the papacy. That is why it was France that forced the Pope to Avignon. That is why the ground is being prepared there for the emancipation of the individual. In England, the national impulse is strong, but at the same time—as if innate—the impulse of the individual is also strong: culture is emancipated from Rome to a high degree throughout the entire nation, which also establishes its own structure of belief. In Spain, we see how the impulse does indeed take effect, but can neither permeate the national character nor allow the individual to emerge against the suggestive influence. Everything remains, I might say, inside the eggshells and slips into decadence before it can develop.

[ 23 ] Die äußeren Dinge sind wirklich nur Symptome für dasjenige, was wir durch die äußeren Symptome hindurch suchen. Und ich möchte sagen: Es ist handgreiflich, wenn man nur schauen will, wie das, was man gewöhnlich historische Tatsachen nennt, nur Symptome sind. 1476 war auf dem heutigen Schweizerboden eine bedeutungsvolle Schlacht. Das, was dazumal in den Menschenseelen gelebt hat, als Karl der Kühne bei Murten besiegt worden ist, das tritt uns symptomatisch am bedeutsamsten entgegen in dieser Schlacht bei Murten 1476: die Austilgung beginnt des mit dem römischen Papsttum innig verbundenen Rittertums, des Ritterwesens. Aber es ist wieder ein Zug, der durch die ganze damals zivilisierte Welt geht, der sich gewissermaßen da nur in einer ganz repräsentativen Erscheinung an die Oberfläche bringt.

[ 23 ] External events are really only symptoms of what we seek to discern through these external symptoms. And I would like to say: It is obvious, if one is only willing to look, that what are commonly called historical facts are merely symptoms. In 1476, a significant battle took place on what is now Swiss soil. What lived in people’s souls at the time when Charles the Bold was defeated at Murten is most significantly reflected in this battle of Murten in 1476: the beginning of the decline of chivalry, the knightly way of life, which was intimately connected with the Roman Papacy. But this is yet another trend running through the entire civilized world of that time, one that, in a sense, comes to the surface there only in a highly representative manifestation.

[ 24 ] Natürlich ist, indem sich so etwas an die Oberfläche bringen will, der Gegendruck des Alten da. Neben dem normalen Fortgang, wissen Sie ja, ist immer alles mögliche Luziferische und Ahrimanische da, das von zurückgebliebenen Impulsen herrührt. Das sucht sich zur Geltung zu bringen. Dasjenige, was als normaler Impuls in die Menschheit eintritt, das muß kämpfen gegen das, was in der luziferisch-ahrimanischen Weise hereinkommt. Und so sehen wir, daß gerade der Impuls, der anschaulich in Wiclif, Hus, Luther, Calvin hervortritt, zu kämpfen hat. Ein Symptom für diesen Kampf sehen wir in dem Aufstand der Vereinigten Niederlande gegen die luziferisch-ahrimanische spanische Persönlichkeit des Philipp. Und wir sehen einen der bedeutendsten Wendepunkte der neueren Zeit — aber nur als Symptom können wir ihn auffassen — 1588, als die spanische Armada besiegt wird, und damit alles dasjenige zurückgeschlagen wird, was von Spanien her als der stärkste Widerstand gegen das Aufkommen der emanzipierten Persönlichkeit sich entwickelt hat. In den niederländischen Freiheitskämpfen und der Besiegung der Armada sind äußere Symptome gegeben. Es sind nur äußere Symptome, denn die Wirklichkeit erreichen wir nur, wenn wir langsam den Weg zum Inneren gehen wollen. Aber indem so die Wellen aufgeworfen werden, zeigt sich immer mehr das Innere. Diese Welle 1588, als die Armada geschlagen wurde, die zeigt eben, wie die sich emanzipierende Persönlichkeit, welche die Bewußtseinsseele in sich entwickeln will, sich aufbäumte gegen dasjenige, was in starrster Form geblieben war aus der Verstandes- oder Gemütsseele.

[ 24 ] Of course, when something like this seeks to come to the surface, the counterforce of the old is present. Alongside the normal course of development, as you know, there are always all sorts of Luciferic and Ahrimanic forces at work, stemming from lagging impulses. These seek to assert themselves. That which enters humanity as a normal impulse must struggle against that which enters in the Luciferic-Ahrimanic manner. And so we see that it is precisely the impulse that emerges so vividly in Wycliffe, Hus, Luther, and Calvin that must struggle. We see a symptom of this struggle in the revolt of the United Netherlands against the Luciferic-Ahrimanic Spanish figure of Philip. And we see one of the most significant turning points of modern times—though we can only regard it as a symptom—in 1588, when the Spanish Armada was defeated, thereby repelling everything that had developed from Spain as the strongest resistance to the emergence of the emancipated personality. The Dutch struggles for freedom and the defeat of the Armada are external symptoms. They are merely external symptoms, for we can only reach the reality if we are willing to slowly make our way inward. But as these waves are stirred up, the inner reality becomes increasingly apparent. This wave of 1588, when the Armada was defeated, demonstrates precisely how the emancipating personality—which the consciousness soul seeks to develop within itself—rebelled against that which had remained in its most rigid form from the intellectual or emotional soul.

[ 25 ] Es ist ein Unsinn, die geschichtliche Entwickelung der Menschheit so zu betrachten: Das Spätere ist eine Folge des Früheren; Ursache — Wirkung, Ursache — Wirkung und so weiter. Das ist ja riesig bequem. Besonders ist es dann bequem, professorale Geschichtsbetrachtung anzustellen. Es ist ja riesig bequem, so — nun, so fortzuhumpeln von Schritt zu Schritt von einer historischen Tatsache zu der anderen historischen Tatsache. Aber wenn man nicht blind ist und nicht schläft, sondern offenen Auges die Dinge ansieht, so zeigen die historischen Symptome selbst, wie unsinnig solch eine Betrachtung ist.

[ 25 ] It is nonsense to view the historical development of humanity in this way: that what comes later is a consequence of what came before; cause and effect, cause and effect, and so on. That is, of course, incredibly convenient. It is particularly convenient when engaging in professorial historical analysis. It is, after all, incredibly convenient to—well, to plod along like this, step by step, from one historical fact to the next. But if one is not blind and is not asleep, but rather looks at things with open eyes, then the historical symptoms themselves reveal just how nonsensical such an analysis is.

[ 26 ] Nehmen Sie ein historisches Symptom, das nun wirklich außerordentlich einleuchtend ist von einem gewissen Gesichtspunkte aus. All das, was da heraufkam seit dem 15. Jahrhundert und was diese Impulse hatte, von denen ich schon Andeutungen gemacht habe: nationaler Impuls, Persönlichkeitsimpuls und so weiter, all das brachte Gegensätze hervor, die dann zum Dreißigjährigen Krieg führten. Die Betrachtung des Dreißigjährigen Krieges, wie er so geschichtlich dargestellt wird, die ist ja besonders wenig vom Standpunkte der Symptomatologie angestellt. Man kann ihn nicht gut nach der Methode des Kaffeeklatsches betrachten, denn schließlich hat es für die europäischen Geschicke doch keine große Bedeutung gehabt, ob gerade der Martinitz und Slawata und der Fabricius aus dem historischen Fenster zu Prag herausgeschmissen worden sind, und wenn nicht just ein Misthaufen darunter gewesen wäre, wären sie tot gewesen; da sie aber auf einen Misthaufen — er soll nur aus Papierschnitzeln bestanden haben, welche die Bedienten vom Hradschin hingeworfen und nicht weggeschafft haben, bis sie endlich zu einem Papiermisthaufen geworden sind — gefallen waren, sind sie am Leben geblieben. Das ist ja eine ganz niedliche Anekdote für den Kaffeeklatsch, aber daß sie in irgendeiner inneren Beziehung zusammenhängt mit der Entwickelung der Menschheit, das wird man doch nicht behaupten können.

[ 26 ] Take a historical phenomenon that is truly extraordinarily illuminating from a certain point of view. Everything that has emerged since the 15th century—and the impulses I have already alluded to: the national impulse, the impulse of the individual, and so on—all of this gave rise to contradictions that ultimately led to the Thirty Years’ War. The way the Thirty Years’ War is typically portrayed in history is, after all, particularly inadequate from the standpoint of symptomatology. One cannot really examine it using the “coffee-table chat” method, for after all, it was of little significance for the fate of Europe whether it was precisely Martinitz, Slawata, and Fabricius who were thrown out of the historic window in Prague—and if there hadn’t happened to be a manure heap below, they would have been dead; but since they fell onto a manure heap—which is said to have consisted only of scraps of paper that the servants at Hradčany had thrown away and not cleared away, until they finally became a pile of paper scraps—they survived. That’s certainly a rather charming anecdote for a coffee-table chat, but one certainly cannot claim that it has any intrinsic connection to the development of humanity.

[ 27 ] Wichtig ist jedenfalls, daß, wenn man beginnt den Dreißigjährigen Krieg zu studieren — ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß er 1618 begonnen hat —, er entspringt aus reinen Bekenntnisgegensätzen, aus dem, was sich gegen den alten Katholizismus, gegen den alten katholischen Impuls herausentwickelt hat. Wir sehen überall, wie sich die schweren Kämpfe aus diesen Gegensätzen der neueren Persönlichkeit zum alten suggestiven Katholizismus herausgebildet hatten. Aber wenn wir dann bis zum Ende studieren und bis zum Jahre 1648 kommen, wo bekanntlich der Westfälische Friede dem Treiben ein Ende gemacht hat, dann können wir uns folgende Frage vorlegen: Was ist denn eigentlich geschehen? — Wenn wir uns nämlich fragen: Wie stand es 1648 mit den protestantischen und katholischen Gegensätzen? Was war aus ihnen geworden im Lauf der dreißig Jahre? Wie hat sich das entwickelt? — Nun, es gibt nichts, was einem bedeutsamer ins Auge fallen kann, als daß es mit Bezug auf die Gegensätze zwischen Protestantismus und Katholizismus und allem, was damit zusammenhing, 1648 genau so stand wie 1618, und zwar ganz genau so. Wenn auch zwischendurch das eine oder andere ein bißchen verändert hatte dasjenige, um das man angefangen hatte sich herumzuzanken, war, wenigstens in ganz Mitteleuropa, es dann noch genau so wie beim Ausbruch. Bloß was sich da hineingemischt hat, was gar nicht in den Ursachen von 1618 lag, all dasjenige, was, nachdem da ein gewisses Feld geschaffen war, sich hineingemischt hat, das hat dann den politischen Kräften in Europa eine ganz andere Struktur gegeben. Der politische Horizont derjenigen, die sich hineingemischt haben, der ist ein ganz anderer geworden. Aber was da beim Westfälischen Frieden herausgekommen ist, was sich wirklich verändert hat gegenüber dem Früheren, das hat nicht das Geringste mit den Ursachen von 1618 zu tun.

[ 27 ] In any case, it is important to note that when one begins to study the Thirty Years’ War—I need not tell you that it began in 1618—it stems from pure doctrinal conflicts, from what developed in opposition to old Catholicism, to the old Catholic impulse. Everywhere we see how the fierce struggles arose from these conflicts between the newer personality and the old, evocative Catholicism. But when we then study the conflict through to its end and reach the year 1648, when, as is well known, the Peace of Westphalia put an end to the turmoil, we can ask ourselves the following question: What actually happened? — For if we ask ourselves: What was the state of Protestant and Catholic antagonisms in 1648? What had become of them over the course of those thirty years? How did this develop? — Well, nothing could be more striking than the fact that, with regard to the conflicts between Protestantism and Catholicism and everything associated with them, the situation in 1648 was exactly the same as it had been in 1618—and I mean exactly the same. Even if, in the meantime, one thing or another had slightly altered the very issue that had originally sparked the disputes, at least throughout Central Europe, the situation was still exactly the same as it had been at the outbreak. But what got mixed in—things that had nothing to do with the causes of 1618, all the factors that, once a certain space had been created, became entangled in the conflict—that is what ultimately gave the political forces in Europe an entirely different structure. The political horizon of those who intervened has become entirely different. But what emerged from the Peace of Westphalia—what has truly changed compared to the past—has not the slightest connection to the causes of 1618.

[ 28 ] Gerade beim Dreißigjährigen Krieg ist diese Tatsache von außerordentlicher Wichtigkeit und bezeugt uns, wie unsinnig es ist, die Geschichte nach dem Gesichtspunkte von Wirkung und Ursache zu betrachten, wie man es gewöhnlich tut. Jedenfalls hat sich aus dem, was sich da entwickelt hatte, gerade das ergeben, daß die führende Stellung von England und Frankreich, wie sie sie in Europa erlangt haben, mehr oder weniger aus diesem Kriege hervorgegangen ist, mit dieser Entwickelung des Krieges zusammenhängt. Aber sie hängt wahrhaftig nicht mit den Ursachen, die zu ihm geführt haben, irgendwie zusammen. Und gerade das ist nun das Wichtigste im Gang der neueren Zeitgeschichte, daß sich anschließend an den Dreißigjährigen Krieg die nationalen Impulse im Verein mit den anderen Impulsen, die ich charakterisiert habe, dazu entwickeln, daß Frankreich und England die repräsentativen Nationalstaaten werden. Wenn vom nationalen Prinzip im Osten heute so viel geredet wird, so darf man dabei nicht vergessen, daß das nationale Prinzip hinübergezogen ist vom Westen nach dem Osten. Das ist wie die Passatströmung auf der Erde: so ist die Strömung des nationalen Impulses vom Westen nach dem Osten gegangen. Das muß man sich nur vollständig klar vor Augen halten.

[ 28 ] This fact is of extraordinary importance, particularly in the context of the Thirty Years’ War, and demonstrates just how absurd it is to view history from the perspective of cause and effect, as is commonly done. In any case, what emerged from the events that unfolded was precisely that the leading position of England and France—as they had attained it in Europe—arose more or less from this war and is linked to the course of the war. But it is truly in no way connected to the causes that led to it. And this is precisely the most important aspect of the course of modern history: that following the Thirty Years’ War, national impulses, in conjunction with the other impulses I have characterized, developed in such a way that France and England became the representative nation-states. When there is so much talk today about the national principle in the East, one must not forget that the national principle has spread from the West to the East. It is like the trade winds on Earth: the current of the national impulse has flowed from the West to the East. One must simply keep this fully in mind.

[ 29 ] Nun ist es interessant, wie dasselbe, nationaler Impuls im Verein mit der Emanzipation der Persönlichkeit, in den zwei differenzierten Gebilden, wo sie, wie wir gesehen haben, 1429 deutlich anfingen sich zu differenzieren, sich ganz verschieden ausnimmt. In Frankreich nimmt sich die Nuance der Emanzipation der Persönlichkeit innerhalb des Nationalen so aus, daß sie vor allem nach innen umschlägt. Ich möchte sagen: Wenn das Nationale (siehe Zeichnung, rot) diese Linie ist und auf der einen Seite vom Nationalen der Mensch liegt, auf der anderen Seite vom Nationalen die Menschheit, die Welt, liegt, so nimmt in Frankreich die Entwickelung vom Nationalen die Richtung zum Menschen hin, in England die Richtung zur Menschheit hin. Frankreich verändert das Nationale innerhalb des Nationalstaates so, daß es hintendiert zur Umänderung des Menschen in sich, daß es darauf hintendiert, den Menschen zu etwas anderem zu machen. In England nimmt aus dem Nationalen heraus das Persönliche den Charakter an, daß es sich hineintragen will in alle Welt, daß es die ganze Welt so machen will, daß überall die Persönlichkeit aufwächst. Der Franzose will mehr zum Erzieher des Persönlichen in der Seele werden, der Engländer will zum Kolonisator der ganzen Menschheit werden mit Bezug auf die Einpflanzung der Persönlichkeit. Zwei ganz verschiedene Richtungen; der Mutterboden ist das Nationale. Einmal schlägt es nach der Seele, nach innen, das andere Mal schlägt es nach außen, nach der Seele der Menschheit. So daß wir zwei parallelgehende Strömungen haben in Frankreich und in England mit zwei sehr stark sich unterscheidenden Nuancen. Daher konnte auch nur in Frankreich, wo das Innere der Persönlichkeit ergriffen wurde, das Gebilde, das sich da jetzt, so wie ich es charakterisiert habe, entwickelte, über Ludwig XIV. und so weiter dann nur zur Revolution hinführen. In England führte es zum ruhigen Liberalismus, weil es sich nach außen entlud, in Frankreich nach innen, nach dem Innern des Menschen.

[ 29 ] It is interesting to note how this same national impulse, combined with the emancipation of the individual, takes on very different forms in the two distinct entities where, as we have seen, they began to diverge clearly in 1429. In France, the nuance of the emancipation of the individual within the national context manifests itself in such a way that it is directed primarily inward. I would say: If the national (see diagram, red) is this line, and on one side of the national lies the individual, and on the other side of the national lies humanity, the world, then in France the development of the national takes the direction toward the individual, while in England it takes the direction toward humanity. France transforms the national within the nation-state in such a way that it tends toward a transformation of the individual from within, that it tends to turn the individual into something else. In England, the personal aspect emerging from the national takes on the character of wanting to extend itself into the whole world, of wanting to shape the entire world so that personality flourishes everywhere. The Frenchman seeks more to become the educator of the personal within the soul, while the Englishman seeks to become the colonizer of all humanity with regard to the implantation of personality. Two entirely different directions; the national is the fertile soil. In one case, it reaches toward the soul, inward; in the other, it reaches outward, toward the soul of humanity. Thus we have two parallel currents in France and England, each with very distinct nuances. That is why it was only in France—where the inner core of the personality was grasped—that the structure which developed there, as I have characterized it, could lead, via Louis XIV and so on, ultimately to the Revolution. In England, it led to quiet liberalism because it discharged itself outward; in France, inward, toward the innermost being of the human person.

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[ 30 ] Dies tritt merkwürdigerweise auch geographisch zutage, und es zeigt sich ganz besonders, wenn wir wiederum einen Wendepunkt in der neueren Geschichte als Symptom betrachten, an dem Wendepunkt, wo der aus der Revolution herausgeborene Napoleon 1805 die Schlacht von Trafalgar an die Engländer verliert. Denn was offenbart sich da? Napoleon, als allerdings eigenartige, aber immerhin als Repräsentanz des französischen Wesens, bedeutet die Wendung nach dem Innern auch geographisch, nach dem Kontinente von Europa hinein. Wenn Sie Europa sich als dieses Gebilde vorstellen (siehe Zeichnung), so wird Napoleon gerade durch die Schlacht von Trafalgar nach Europa hereingedrängt (Pfeil), England nach der ganzen Welt hinaus, in entgegengesetzter Richtung. Dabei müssen wir nicht vergessen, wie diese Differenzierung natürlich auch ihre Auseinandersetzung braucht. Sie braucht ihre Auseinandersetzung, es muß sich gewissermaßen das eine an dem andern abreiben. Das geschieht in dem Kampfe um die Herrschaft in Amerika, Es geht das schon etwas hervor aus diesem Wendepunkt von 1805. Aber wir sehen, indem wir den Blick auf ein paar Jahrzehnte vorher wenden, wie das, was gerade die Nuance im Franzosentum bewirkt hat, der Romanismus, für die Welt zurückgeschlagen wird vom Angelsachsentum in Nordamerika.

[ 30 ] Curiously, this also becomes apparent geographically, and it is particularly evident when we again consider a turning point in modern history as a symptom—namely, the turning point at which Napoleon, born out of the Revolution, lost the Battle of Trafalgar to the English in 1805. For what is revealed there? Napoleon—admittedly a peculiar figure, but nonetheless a representative of the French spirit—signifies a turn inward, even geographically, toward the European continent. If you imagine Europe as this structure (see diagram), Napoleon is pushed into Europe precisely by the Battle of Trafalgar (arrow), while England is pushed out toward the whole world, in the opposite direction. In doing so, we must not forget that this differentiation naturally requires its own conflict. It needs this conflict; in a sense, one must rub against the other. This takes place in the struggle for dominance in America; it is already somewhat evident from this turning point of 1805. But when we look back a few decades, we see how the very nuance that shaped French culture—Romanism—is being pushed back by Anglo-Saxon culture in North America.

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[ 31 ] So spüren Sie, wenn Sie nur wollen, was da waltet und wirkt. So sehen Sie, wie dieser Bewußtseinsimpuls durch seine Kraft gewissermaßen wie der Zauberlehrling nationale Impulse heraufruft, die sich in der verschiedensten Weise in die Menschheit hineinverpflanzen und hineinnuancieren. Man kann an diese Dinge nur herankommen, wenn man in allem den Bewußtseinsimpuls studiert, aber es vermeidet, pedantisch zu werden, sondern sich den Blick frei hält für Bedeutsames und Unbedeutsames, für Charakteristisches und Uncharakteristisches, mehr oder weniger Charakteristisches auch, so daß man dann dadurch aus den äußeren Symptomen zum inneren Gang der Wirklichkeit vordringen kann. Denn das Äußere widerspricht eben oftmals sogar ganz dem, was eigentlich als Impuls in der Persönlichkeit drinnenliegt. Und besonders in einer Zeit, in welcher die Persönlichkeit auf sich selber gestellt wird, da widerspricht das Äußere gar sehr dem, was eigentlich in der Persönlichkeit als ein Impuls drinnenliegt.

[ 31 ] In this way, if you are willing, you can sense what is at work there. In this way, you can see how this impulse of consciousness, through its power—much like the Sorcerer’s Apprentice—evokes national impulses that take root in humanity and infuse it with nuance in the most diverse ways. One can only approach these things by studying the impulse of consciousness in everything, while avoiding pedantry and keeping one’s gaze open to the significant and the insignificant, the characteristic and the uncharacteristic—and even the more or less characteristic—so that one can thereby penetrate from the outer symptoms to the inner course of reality. For the outward appearance often even completely contradicts what actually lies within the personality as an impulse. And especially in a time when the personality is left to its own devices, the outward appearance contradicts very strongly what actually lies within the personality as an impulse.

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[ 32 ] Auch das zeigt sich, wenn man symptomatisch diese Entwickelung der neueren Geschichte der Menschheit verfolgt. Es ist überall so: Da geht die Strömung (rot schraffiert), da geht die Oberfläche — und die Schullehrer erzählen als Geschichte die Unwirklichkeit. Aber es gibt Punkte, da kommt in die geschichtlichen Ereignisse hinein so wie Wogen, die da heraufspülen, manchmal ganz vulkanisch, das durch, was da drunter ist. Wiederum an anderen Punkten, da guckt es, ich möchte sagen, heraus, und einzelne historische Ereignisse verraten das, was drunter ist. Die sind dann als Symptome besonders charakteristisch. Aber manchmal sind es gerade Symptome, wo man, indem man hinschaut auf die symptomatische Tatsache, über das Äußere sehr stark hinwegsehen muß.

[ 32 ] This also becomes evident when one traces this development in the recent history of humanity in a symptomatic way. It is the same everywhere: there is the current (shaded in red), there is the surface—and schoolteachers teach this unreality as history. But there are points where, just like waves washing ashore—sometimes quite explosively—what lies beneath breaks through into historical events. At other points, again, it peeks out, I might say, and individual historical events reveal what lies beneath. These are then particularly characteristic as symptoms. But sometimes it is precisely the symptoms where, by looking at the symptomatic fact, one must look past the outward appearance very strongly.

[ 33 ] Nun, besonders charakteristisch für das Aufkeimen des Bewußtseinsseelenimpulses im Westen Europas ist eine Persönlichkeit sowohl durch ihre persönliche Entwickelung, wie durch ihr ganzes Hineingestelltsein in das neuere geschichtliche Leben. Sie stellte sich im Beginne des 17. Jahrhunderts gerade hinein in dieses Differenzieren des französischen und englischen Impulses mit seiner ganzen Wirkung, die es damals schon entfacht hat auf das übrige Europa. Im 17. Jahrhundert, da hatte es schon eine längere Zeit gewirkt, hatte sich schon ausgebreitet. Es war die Persönlichkeit, die sich da hineinstellte, eine merkwürdige Persönlichkeit, die man in der folgenden Weise schildern kann. Man kann sagen: Diese Persönlichkeit war außerordentlich freigebig, erfüllt von einem wirklichen, tiefen Dankbarkeitsgefühl für alles dasjenige, was sie empfangen hat, erkenntlich im höchsten Grade, in mustergültiger Weise für alles dasjenige, was ihr als Güte von der Menschheit entgegenschlug, eine Persönlichkeit, sehr gelehrt, fast die Gelehrsamkeit der ganzen Zeit in sich vereinigend, eine Persönlichkeit, außerordentlich friedliebend, abgeneigt den Weltenhändeln als Herrscher, nur von dem Ideal erfüllt, daß in der Welt Friede sein soll, geradezu weise mit Bezug auf Entschlüsse und Willensimpulse, von einer außerordentlich tiefen Neigung zu freundschaftlichem Verhalten zu den Menschen erfüllt. — So könnte man diese Persönlichkeit schildern. Man braucht nur ein bißchen einseitig zu sein, so kann man sie so schildern, wenn man sie äußerlich, wie sie sich darstellt in der Geschichte, ansieht.

[ 33 ] Now, a figure is particularly characteristic of the emergence of the impulse of the consciousness soul in Western Europe, both through her personal development and through her complete immersion in recent historical life. At the beginning of the 17th century, this individual placed himself right in the midst of this differentiation between the French and English impulses, with all the effects that these had already begun to exert on the rest of Europe at that time. By the 17th century, this impulse had already been at work for some time and had already spread. It was this individual who placed herself within that context—a remarkable individual who can be described as follows. One might say: This personality was extraordinarily generous, filled with a genuine, deep sense of gratitude for all that she had received, grateful to the highest degree and in an exemplary manner for all the kindness she encountered from humanity; a personality who was highly learned, almost embodying the scholarship of the entire era; a personality who was who was extraordinarily peace-loving, averse to worldly affairs as a ruler, filled solely with the ideal that there should be peace in the world, downright wise with regard to decisions and impulses of the will, and filled with an extraordinarily deep inclination toward friendly behavior toward people. — That is how one might describe this figure. One need only be a little one-sided to describe him this way, if one looks at him from the outside, as he appears in history.

[ 34 ] Man kann sie auch in der folgenden Weise schildern, wenn man nur wieder ein bißchen einseitig wird. Man kann sagen: Das war ein furchtbarer Verschwender, der gar keine Ahnung davon hatte, was er ausgeben konnte oder nicht, das war ein Pedant, so ein richtiger Professorengeist, der überall ins Abstrakte und Pedantische seine Gelehrsamkeit hineintrug. Man kann schildern: Das war ein kleinmütiger Mensch, ein kleinmütiger Charakter, der überall, wo es galt, irgend etwas wacker, tapfer zu verteidigen, kleinmütig sich zurückzog und den Frieden vorzog aus Kleinmut. Man kann sagen: Das war ein verschlagener Mensch, der sich durch das Leben so durchschlängelte, indem er überall klugerweise dasjenige wählte, wodurch er in allem durchkam, und so weiter, Man kann sagen: Das war ein Mensch, der Beziehungen zu anderen Menschen suchte, wie Kinder zu anderen Menschen ihre Beziehungen suchen. Er hatte in seinen Freundschaften ein Element, das geradezu kindisch war, und das ins Phantastisch-Romantische umschlug im Verehren von anderen Menschen und Sich-verehrenLassen von anderen Menschen. — Man braucht nur ein bißchen einseitig zu sein, dann kann man das eine oder das andere sagen. Und tatsächlich gab es Menschen, die das eine sagten, die das andere sagten; manche sagten beides. Und mit alledem hatte man die äußere historische Persönlichkeit von Jakob I. betrachtet, wie sie sich darlebte, als er von 1603 bis 1625 regierte. Man könnte so reden, wie ich zuerst geredet habe, man könnte so reden, wie ich dann geredet habe, und es wird beides gut für Jakob I. passen. Man kennt gar nicht, weder was in seinem Innern in Wirklichkeit lebte, noch was in ihm lebte als Angehöriger der Menschheitsentwickelung der neueren Zeit, wenn man das eine oder das andere schildert. Und doch schlägt gerade in der Zeitperiode, da Jakob I. in England regierte, so etwas wie von unten herauf, und es werden dazumal die Symptome stark charakteristisch für dasjenige, was als Wirklichkeit vorgeht.

[ 34 ] One can also describe him in the following way, even if it means being a bit one-sided again. One could say: He was a terrible spendthrift who had absolutely no idea what he could and could not afford to spend; he was a pedant, a true academic type who injected his erudition into everything in an abstract and pedantic way. One could describe him as: He was a timid person, a timid character, who, whenever it came to defending something valiantly or bravely, would timidly withdraw and prefer peace out of timidity. One could say: He was a cunning person who wound his way through life by wisely choosing whatever would get him through every situation, and so on. One could say: He was a man who sought relationships with others the way children seek relationships with others. There was an element in his friendships that was downright childish, and that veered into the fantastical and romantic in his adoration of others and his desire to be adored by them. — One need only be a little one-sided to say one thing or the other. And indeed, there were people who said one thing, who said the other; some said both. And with all that, one had considered the outward historical personality of James I as it presented itself while he reigned from 1603 to 1625. One could speak as I did at first, one could speak as I did later, and both would apply equally well to James I. When one describes one thing or the other, one has no real knowledge of what actually lived within him, nor of what lived in him as a member of modern human development. And yet, precisely during the period when James I reigned in England, something began to emerge from below, and the symptoms of that time became highly characteristic of what was actually taking place.

[ 35 ] Nun, von diesen Dingen wollen wir dann morgen weitersprechen.

[ 35 ] Well, let's continue talking about these things tomorrow.