Historical Symptomatology
GA 185
3 November 1918, Dornach
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Geschichtliche Symptomatologie
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Wir wollen anknüpfen an die Betrachtungen, die wir gestern gepflogen haben. Wir haben im wesentlichen darauf hingewiesen, wie durch Tatsachen, die ich ja erwähnt habe, das sogenannte Christus-Volk nach dem Osten gewissermaßen hingeschoben worden ist, und wie sich aus anderen Tatsachen heraus ergeben hat, daß aus Europas Mitte, weit übrigens nach Westen hinüber, das eigentliche Kirchenvolk, man könnte auch sagen, die Kirchenvölker sich entwickelt haben. Ich habe dann darauf hingewiesen, wie mit dieser Grundtatsache zusammenhingen die verschiedenen Kämpfe, die sich entwickelt haben gerade um die Wende zu dem fünften nachatlantischen Zeitraum hin, unmittelbar danach. Ich habe aber auch darauf hingewiesen, wie innerhalb desjenigen Gebietes, in dem sich die eigentlichen Kirchenvölker ausgebildet haben, dadurch, daß der Christus-Impuls gewissermaßen nicht fortwirkend, sondern in der Zeit gehalten worden ist, durch Tradition und Schriftüberlieferung fortgepflanzt werden sollte, die Zusammenkoppelung, die Konfundierung gekommen ist zwischen dem Christentum und dem politisch-staatlich organisierten römischen Papsttum, der päpstlichen Kirche; wie dann sich hineingestellt haben einzelne andere Kirchen in diese Papstkirche. Man kann sagen, daß die anderen Kirchen, die sich hineingestellt haben, gewiß große Unterschiede von dem Papstkirchentum aufweisen, daß sie aber auch wiederum vieles gemeinsam haben mit diesem Papstkirchentum, jedenfalls doch Dinge, die uns jetzt in diesem Zusammenhang interessieren. Diese Dinge, die sind so, daß sie uns selbst die protestantische Staatskirche näher dem römischen Katholizismus, der römisch-katholischen Kirche wenigstens erscheinen lassen, als etwa der orthodox-katholische Kirchenstaat, die russische sogenannte Staatskirche, bei der aber das Staatskirchentum nie das Wesentliche war, sondern die Art und Weise, wie durch das russische Volk der Christus-Impuls, fortwährend sich betätigend, sich geltend machte. Ich habe Ihnen dann gezeigt, wie durch dieses Herunterholen des Christus-Impulses in die rein weltlichen Angelegenheiten, in die Angelegenheiten der sinnenfälligen Wirklichkeit, im Extrem herausgekommen ist die jesuitische Konstitution. Und ich habe Ihnen dann gezeigt, wie als das Gegenteil der jesuitischen Konstitution dasjenige auftritt, was man den Goetheanismus nennen kann.
[ 1 ] Wir wollen anknüpfen an die Betrachtungen, die wir gestern gepflogen haben. Wir haben im wesentlichen darauf hingewiesen, wie durch Tatsachen, die ich ja erwähnt habe, das sogenannte Christus-Volk nach dem Osten gewissermaßen hingeschoben worden ist, und wie sich aus anderen Tatsachen heraus ergeben hat, daß aus Europas Mitte, weit übrigens nach Westen hinüber, das eigentliche Kirchenvolk, man könnte auch sagen, die Kirchenvölker sich entwickelt haben. Ich habe dann darauf hingewiesen, wie mit dieser Grundtatsache zusammenhingen die verschiedenen Kämpfe, die sich entwickelt haben gerade um die Wende zu dem fünften nachatlantischen Zeitraum hin, unmittelbar danach. Ich habe aber auch darauf hingewiesen, wie innerhalb desjenigen Gebietes, in dem sich die eigentlichen Kirchenvölker ausgebildet haben, dadurch, daß der Christus-Impuls gewissermaßen nicht fortwirkend, sondern in der Zeit gehalten worden ist, durch Tradition und Schriftüberlieferung fortgepflanzt werden sollte, die Zusammenkoppelung, die Konfundierung gekommen ist zwischen dem Christentum und dem politisch-staatlich organisierten römischen Papsttum, der päpstlichen Kirche; wie dann sich hineingestellt haben einzelne andere Kirchen in diese Papstkirche. Man kann sagen, daß die anderen Kirchen, die sich hineingestellt haben, gewiß große Unterschiede von dem Papstkirchentum aufweisen, daß sie aber auch wiederum vieles gemeinsam haben mit diesem Papstkirchentum, jedenfalls doch Dinge, die uns jetzt in diesem Zusammenhang interessieren. Diese Dinge, die sind so, daß sie uns selbst die protestantische Staatskirche näher dem römischen Katholizismus, der römisch-katholischen Kirche wenigstens erscheinen lassen, als etwa der orthodox-katholische Kirchenstaat, die russische sogenannte Staatskirche, bei der aber das Staatskirchentum nie das Wesentliche war, sondern die Art und Weise, wie durch das russische Volk der Christus-Impuls, fortwährend sich betätigend, sich geltend machte. Ich habe Ihnen dann gezeigt, wie durch dieses Herunterholen des Christus-Impulses in die rein weltlichen Angelegenheiten, in die Angelegenheiten der sinnenfälligen Wirklichkeit, im Extrem herausgekommen ist die jesuitische Konstitution. Und ich habe Ihnen dann gezeigt, wie als das Gegenteil der jesuitischen Konstitution dasjenige auftritt, was man den Goetheanismus nennen kann.
[ 2 ] Dieser Goetheanismus, sagte ich Ihnen, er versucht die gegenteilige Bewegung hervorzurufen, die etwas ähnlich ist dem russischen Christentum, nämlich: hinaufzuheben dasjenige, was hier auf dem physischen Plane ist, in die geistigen Welten. So daß sich trotz aller Verhältnisse auf dem physischen Plane hier die Seele mit den Impulsen verbindet, die in der geistigen Welt selber gehalten werden, die nicht, so wie innerhalb des Jesuitismus, unmittelbar in die sinnenfällige Wirklichkeit heruntergetragen werden, sondern nur durch die Seele heruntergetragen werden. Goethe hat sich seiner ganzen Art nach wenig oft über seine intimsten Gedanken in diesen Angelegenheiten ausgesprochen. Aber wenn man ihn nach dieser Richtung kennenlernen will, ihn selbst, dann darf man immer wiederum auf jene Stelle im «Wilhelm Meister» verweisen, auf die ich schon in anderem Zusammenhange hingewiesen habe, jene Stelle, wo Wilhelm Meister in das Schloß eines vornehmen Mannes kommt und ihm unter anderen Dingen auch die Bildergalerie gezeigt wird. Die Sache ist so eingerichtet, daß eigentlich diese Bildergalerie darstellt die Welthistorie, und im Grunde genommen innerhalb der Weltgeschichte, der Welthistorie darstellt die religiöse EntwickeJung der Menschheit. Also Goethe will eigentlich darstellen — es ist dichterische Darstellung einer großen Idee —, wie Wilhelm Meister durch eine Bildergalerie geführt wird, in welcher gezeigt wird der religiöse Entwickelungsgang der Menschheit. Wilhelm Meister wird durch den Führer bis zu einem gewissen Punkte gebracht: da war die Geschichte gegangen bis zu der Zerstörung Jerusalems, und es vermißte dann Wilhelm Meister, was er dem Führer bemerklich machte, die Darstellung des Lebens, wie er sagt, des göttlichen Mannes, der in Palästina unmittelbar vor der Zerstörung Jerusalems gewirkt hat. Da wurde Wilhelm Meister in ein abgesondertes zweites Gemach geführt, in dem dann gezeigt werden konnte, was im ersten Gemach nicht gezeigt wird. Im ersten Gemach war die Entwickelung der Menschheit durch die Religionen hindurch bis zu der Zerstörung Jerusalems gezeigt. Es war also ausgelassen das ganze Leben, wie es dort heißt, des göttlichen Mannes, des Christus Jesus. Im zweiten Gemach wird ihm gezeigt das Leben des Christus Jesus bis zum Abendmahl. Und nun wird ihm auseinandergesetzt: Ja, sieh einmal, alle die verschiedenen Religionsimpulse bis zu der Zerstörung Jerusalems, welche du im ersten Gemach gesehen hast, die gehen den Menschen an, insofern der Mensch ein Mitglied des Volkes ist, zu dem er gehört. Das ist Volksreligion gewesen, ethnische Religion. Dasjenige aber, was du im zweiten Gemach gesehen hast, das geht den einzelnen an, das spricht zum einzelnen Menschen. Das ist gewissermaßen des Einzelmenschen Privatsache. Das kann man nicht anders als an die Individualität des einzelnen Menschen heranbringen. Das kann nicht Volksreligion sein, das spricht zum Menschen überhaupt.
[ 2 ] Dieser Goetheanismus, sagte ich Ihnen, er versucht die gegenteilige Bewegung hervorzurufen, die etwas ähnlich ist dem russischen Christentum, nämlich: hinaufzuheben dasjenige, was hier auf dem physischen Plane ist, in die geistigen Welten. So daß sich trotz aller Verhältnisse auf dem physischen Plane hier die Seele mit den Impulsen verbindet, die in der geistigen Welt selber gehalten werden, die nicht, so wie innerhalb des Jesuitismus, unmittelbar in die sinnenfällige Wirklichkeit heruntergetragen werden, sondern nur durch die Seele heruntergetragen werden. Goethe hat sich seiner ganzen Art nach wenig oft über seine intimsten Gedanken in diesen Angelegenheiten ausgesprochen. Aber wenn man ihn nach dieser Richtung kennenlernen will, ihn selbst, dann darf man immer wiederum auf jene Stelle im «Wilhelm Meister» verweisen, auf die ich schon in anderem Zusammenhange hingewiesen habe, jene Stelle, wo Wilhelm Meister in das Schloß eines vornehmen Mannes kommt und ihm unter anderen Dingen auch die Bildergalerie gezeigt wird. Die Sache ist so eingerichtet, daß eigentlich diese Bildergalerie darstellt die Welthistorie, und im Grunde genommen innerhalb der Weltgeschichte, der Welthistorie darstellt die religiöse EntwickeJung der Menschheit. Also Goethe will eigentlich darstellen — es ist dichterische Darstellung einer großen Idee —, wie Wilhelm Meister durch eine Bildergalerie geführt wird, in welcher gezeigt wird der religiöse Entwickelungsgang der Menschheit. Wilhelm Meister wird durch den Führer bis zu einem gewissen Punkte gebracht: da war die Geschichte gegangen bis zu der Zerstörung Jerusalems, und es vermißte dann Wilhelm Meister, was er dem Führer bemerklich machte, die Darstellung des Lebens, wie er sagt, des göttlichen Mannes, der in Palästina unmittelbar vor der Zerstörung Jerusalems gewirkt hat. Da wurde Wilhelm Meister in ein abgesondertes zweites Gemach geführt, in dem dann gezeigt werden konnte, was im ersten Gemach nicht gezeigt wird. Im ersten Gemach war die Entwickelung der Menschheit durch die Religionen hindurch bis zu der Zerstörung Jerusalems gezeigt. Es war also ausgelassen das ganze Leben, wie es dort heißt, des göttlichen Mannes, des Christus Jesus. Im zweiten Gemach wird ihm gezeigt das Leben des Christus Jesus bis zum Abendmahl. Und nun wird ihm auseinandergesetzt: Ja, sieh einmal, alle die verschiedenen Religionsimpulse bis zu der Zerstörung Jerusalems, welche du im ersten Gemach gesehen hast, die gehen den Menschen an, insofern der Mensch ein Mitglied des Volkes ist, zu dem er gehört. Das ist Volksreligion gewesen, ethnische Religion. Dasjenige aber, was du im zweiten Gemach gesehen hast, das geht den einzelnen an, das spricht zum einzelnen Menschen. Das ist gewissermaßen des Einzelmenschen Privatsache. Das kann man nicht anders als an die Individualität des einzelnen Menschen heranbringen. Das kann nicht Volksreligion sein, das spricht zum Menschen überhaupt.
[ 3 ] Dann vermißte Wilhelm Meister noch die Geschichte des Christus Jesus vom Abendmahl bis zum Tode und über den Tod hinaus. Da wurde er in ein drittes, ganz geheimes Gemach geführt, wo ihm auch dieses gezeigt wurde. Aber zu gleicher Zeit wurde ihm bemerklich gemacht, daß dies eine so intime Angelegenheit sei, daß man eigentlich kein Recht habe, das so darzustellen, wie es gewöhnlich profaniert dargestellt wird für die äußere Welt. Das müsse zum Allerinnersten des Menschen sprechen.
[ 3 ] Dann vermißte Wilhelm Meister noch die Geschichte des Christus Jesus vom Abendmahl bis zum Tode und über den Tod hinaus. Da wurde er in ein drittes, ganz geheimes Gemach geführt, wo ihm auch dieses gezeigt wurde. Aber zu gleicher Zeit wurde ihm bemerklich gemacht, daß dies eine so intime Angelegenheit sei, daß man eigentlich kein Recht habe, das so darzustellen, wie es gewöhnlich profaniert dargestellt wird für die äußere Welt. Das müsse zum Allerinnersten des Menschen sprechen.
[ 4 ] Nun kann man mit Recht bemerken: Was zu Goethes Zeiten noch so ist, daß man die eigentliche Leidensgeschichte des Christus Jesus nicht äußerlich darstellen sollte, es gilt heute nicht mehr. Wir sind seit jener Zeit durch manche andere Entwickelungsphase gegangen. Aber ich möchte sagen: Die ganze Gesinnung Goethes mit Bezug auf diese Sache geht aus dem eben Angeführten hervor. — Er zeigt ganz klar, dieser Goethe, daß er dasjenige, was Christus-Impuls ist, in das Intimste der Seele hereintragen will, daß er es nicht verquicken will mit demjenigen, was äußerlich volksmäßig ist, jedenfalls nicht verquicken will mit der äußeren Struktur, die sich auf dem physischen Plane vollzieht, sondern daß er ein unmittelbares Verhältnis suchen will zwischen der einzelnen individuellen Menschenseele und dem Christus-Impuls. Goethe tendiert darauf hin, ein spirituelles Verhältnis zwischen der einzelnen Menschenseele und dem Christus-Impuls zu suchen. Das ist von einer großen Bedeutung für das Verständnis nicht nur Goethes, sondern auch des Goetheanismus. Denn wenn man so sprechen kann, wie ich in diesen Tagen zu Ihnen gesprochen habe: daß Goethe und der ganze Goetheanismus gegenüber der äußeren Kultur eigentlich isoliert dasteht, so kann man nicht dasselbe sagen mit Bezug auf die fortschreitende Evolution, wenn man die intimeren religiösen Fortschritte der zivilisierten Menschheit ins Auge faßt. Da stellt Goethe doch in einer gewissen Beziehung auch für seine Person dar die Fortsetzung von etwas anderem. Aber wir werden das erst verstehen, wie Goethe in einer gewissen Beziehung kontrastiert ist mit all dem, was sonst im mitteleuropäischen Kirchentum auftritt, wenn wir nun ins Auge fassen einen dritten Impuls.
[ 4 ] Nun kann man mit Recht bemerken: Was zu Goethes Zeiten noch so ist, daß man die eigentliche Leidensgeschichte des Christus Jesus nicht äußerlich darstellen sollte, es gilt heute nicht mehr. Wir sind seit jener Zeit durch manche andere Entwickelungsphase gegangen. Aber ich möchte sagen: Die ganze Gesinnung Goethes mit Bezug auf diese Sache geht aus dem eben Angeführten hervor. — Er zeigt ganz klar, dieser Goethe, daß er dasjenige, was Christus-Impuls ist, in das Intimste der Seele hereintragen will, daß er es nicht verquicken will mit demjenigen, was äußerlich volksmäßig ist, jedenfalls nicht verquicken will mit der äußeren Struktur, die sich auf dem physischen Plane vollzieht, sondern daß er ein unmittelbares Verhältnis suchen will zwischen der einzelnen individuellen Menschenseele und dem Christus-Impuls. Goethe tendiert darauf hin, ein spirituelles Verhältnis zwischen der einzelnen Menschenseele und dem Christus-Impuls zu suchen. Das ist von einer großen Bedeutung für das Verständnis nicht nur Goethes, sondern auch des Goetheanismus. Denn wenn man so sprechen kann, wie ich in diesen Tagen zu Ihnen gesprochen habe: daß Goethe und der ganze Goetheanismus gegenüber der äußeren Kultur eigentlich isoliert dasteht, so kann man nicht dasselbe sagen mit Bezug auf die fortschreitende Evolution, wenn man die intimeren religiösen Fortschritte der zivilisierten Menschheit ins Auge faßt. Da stellt Goethe doch in einer gewissen Beziehung auch für seine Person dar die Fortsetzung von etwas anderem. Aber wir werden das erst verstehen, wie Goethe in einer gewissen Beziehung kontrastiert ist mit all dem, was sonst im mitteleuropäischen Kirchentum auftritt, wenn wir nun ins Auge fassen einen dritten Impuls.
[ 5 ] Ein solcher dritter Impuls liegt mehr nach Westen zu. Also ChristusVolk, Kirchenvolk, und nun ein dritter Impuls, der auch die Völker in einer gewissen Weise eben impulsiert — man kann nicht gut sagen inspiriert, aber impulsiert. Das ist so, meine lieben Freunde. Man muß sagen: Wie eigentlich dasjenige zustandegekommen ist, was dann in seiner äußersten Konsequenz als Jesuitismus, als dieser Heerbann des Generalissimus Jesus Christus zutage getreten ist, das hat eine tiefe Begründung im ganzen Wesen der zivilisierten Welt. Man kann dieses Wesen nicht verstehen, wenn man nicht auf etwas blickt, was weiter zurückliegt in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit, aber dann nachgewirkt hat. Sie wissen ja wohl aus der äußeren Geschichte und Religionsgeschichte, daß ursprünglich unter den verschiedenen Formen, in denen das Christentum seinen Siegeszug, wenn ich so sagen darf, gemacht hat vom Osten nach dem Westen, diejenigen des Arianismus und des Athanasianismus waren. Jene Völker, die als gotische, auch langobardische, sogar als fränkische Völker, zunächst in der verschiedensten Weise an dem teilgenommen haben, was man mit Unrecht, aber doch eben die Völkerwanderung nennt, diese Völker waren ursprünglich Arianer.
[ 5 ] Ein solcher dritter Impuls liegt mehr nach Westen zu. Also ChristusVolk, Kirchenvolk, und nun ein dritter Impuls, der auch die Völker in einer gewissen Weise eben impulsiert — man kann nicht gut sagen inspiriert, aber impulsiert. Das ist so, meine lieben Freunde. Man muß sagen: Wie eigentlich dasjenige zustandegekommen ist, was dann in seiner äußersten Konsequenz als Jesuitismus, als dieser Heerbann des Generalissimus Jesus Christus zutage getreten ist, das hat eine tiefe Begründung im ganzen Wesen der zivilisierten Welt. Man kann dieses Wesen nicht verstehen, wenn man nicht auf etwas blickt, was weiter zurückliegt in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit, aber dann nachgewirkt hat. Sie wissen ja wohl aus der äußeren Geschichte und Religionsgeschichte, daß ursprünglich unter den verschiedenen Formen, in denen das Christentum seinen Siegeszug, wenn ich so sagen darf, gemacht hat vom Osten nach dem Westen, diejenigen des Arianismus und des Athanasianismus waren. Jene Völker, die als gotische, auch langobardische, sogar als fränkische Völker, zunächst in der verschiedensten Weise an dem teilgenommen haben, was man mit Unrecht, aber doch eben die Völkerwanderung nennt, diese Völker waren ursprünglich Arianer.
[ 6 ] Nun, der dogmatische Unterschied zwischen den Arianern und den Bekennern des Glaubens des Athanasius wird Sie heute ja wenig interessieren, aber er hat eine gewisse Rolle gespielt und man muß doch auf ihn zurückgehen. Der dogmatische Unterschied ist eben dieser, daß aus einer bestimmten Weltanschauungsrichtung heraus Arius entgegengetreten ist in Alexandrien im besonderen dem Athanasius. Und zwar war Athanasius der Anschauung, daß der Christus ein Gott ist wie der Vater-Gott, daß es also den Vater-Gott gäbe und vollständig gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater-Gott der Christus-Gott sei, von Ewigkeit mit ihm gleicher Natur und Wesenheit. Diese Anschauung ist dann übergegangen in den römischen Katholizismus, denn der römische Katholizismus bekennt sich heute noch zu dem Glauben des Athanasius. So daß also zu sagen ist mit Bezug auf den römischen Katholizismus, daß dem zugrunde liegt der Glaube, daß der Sohn ewig und gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater ist.
[ 6 ] Nun, der dogmatische Unterschied zwischen den Arianern und den Bekennern des Glaubens des Athanasius wird Sie heute ja wenig interessieren, aber er hat eine gewisse Rolle gespielt und man muß doch auf ihn zurückgehen. Der dogmatische Unterschied ist eben dieser, daß aus einer bestimmten Weltanschauungsrichtung heraus Arius entgegengetreten ist in Alexandrien im besonderen dem Athanasius. Und zwar war Athanasius der Anschauung, daß der Christus ein Gott ist wie der Vater-Gott, daß es also den Vater-Gott gäbe und vollständig gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater-Gott der Christus-Gott sei, von Ewigkeit mit ihm gleicher Natur und Wesenheit. Diese Anschauung ist dann übergegangen in den römischen Katholizismus, denn der römische Katholizismus bekennt sich heute noch zu dem Glauben des Athanasius. So daß also zu sagen ist mit Bezug auf den römischen Katholizismus, daß dem zugrunde liegt der Glaube, daß der Sohn ewig und gleicher Natur und Wesenheit mit dem Vater ist.
[ 7 ] Arius trat dieser Anschauung entgegen. Arius war der Meinung, daß man nur sagen könne, es gäbe einen überragenden Gott, den VaterGott, und der Sohn-Gott, also der Christus, sei von dem Vater zwar vor der Zeit, aber doch eben geschaffen. Also er sei nicht gleicher Natur und Wesenheit, sondern etwas, was sich aus dem Vater-Gott erst entwickelt hat, was sich entwickelt hat aus dem Vater-Gott als etwas, das der Menschheit näher steht als der Vater-Gott, als etwas, das gewissermaßen die Vermittlung bildet zwischen dem in Höhen schwebenden Vater-Gotte, der zunächst für die menschlichen Erkenntniskräfte nicht zu erreichen ist, und dem, was der Mensch in sich selber findet.
[ 7 ] Arius trat dieser Anschauung entgegen. Arius war der Meinung, daß man nur sagen könne, es gäbe einen überragenden Gott, den VaterGott, und der Sohn-Gott, also der Christus, sei von dem Vater zwar vor der Zeit, aber doch eben geschaffen. Also er sei nicht gleicher Natur und Wesenheit, sondern etwas, was sich aus dem Vater-Gott erst entwickelt hat, was sich entwickelt hat aus dem Vater-Gott als etwas, das der Menschheit näher steht als der Vater-Gott, als etwas, das gewissermaßen die Vermittlung bildet zwischen dem in Höhen schwebenden Vater-Gotte, der zunächst für die menschlichen Erkenntniskräfte nicht zu erreichen ist, und dem, was der Mensch in sich selber findet.
[ 8 ] Ja, so sonderbar das klingt, das scheint zunächst ein dogmatischer Unterschied zu sein. Es ist ein dogmatischer Unterschied nur für den heutigen Menschen, es war kein bloßer dogmatischer Unterschied in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung. Denn das arianische Christentum, das ganz fußte, ganz gebaut war auf der Grundlage, die ich Ihnen eben jetzt auseinandergesetzt habe, von dem Verhältnis des Sohnes zum Vater, dieses arianische Christentum leuchtete instinktiv als etwas Selbstverständliches den Menschen ein, die ich genannt habe, den gotischen, den langobardischen, all den Völkern, die ja zunächst die römische Herrschaft ablösten nach dem Untergange und beim Untergange des römischen Reiches. Sie waren instinktiv Arianer. Sie wissen ja, daß Ulfilas die Bibel übersetzt hat; seine Übersetzung zeigt klar, daß er selber Arianer war. Die Goten noch, die Langobarden und so weiter, als sie nach Italien gekommen waren, sie waren Arianer, und erst als Chlodwig zum Christentum gekommen ist, traten die Franken zum Christentum über. Sie nahmen in einer gewissen Beziehung äußerlich — was ihnen innerlich nicht lag, denn sie waren innerlich früher auch Arianer gewesen —, das Glaubensbekenntnis des Athanasius an. Und als dann das Christentum namentlich unter jene Flagge gekommen ist, deren hauptsächlicher Träger Karl der Große war, da wurde alles zum Glaubensbekenntnis des Athanasius gebracht und damit die Hinüberleitung besorgt zu der römischen Papstkirche. Und ein großer Teil der ursprünglichen Völker, Barbarenvölker, Goten, Langobarden und so weiter, ging ja unter; dasjenige, was nicht volksmäßig unterging, wurde dann durch die Athanasianer vertrieben, ausgerottet. Der eigentliche Arianismus lebte sektenmäßig weiter fort, aber er verschwand in unmittelbarer Wirksamkeit als Volksreligion.
[ 8 ] Ja, so sonderbar das klingt, das scheint zunächst ein dogmatischer Unterschied zu sein. Es ist ein dogmatischer Unterschied nur für den heutigen Menschen, es war kein bloßer dogmatischer Unterschied in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung. Denn das arianische Christentum, das ganz fußte, ganz gebaut war auf der Grundlage, die ich Ihnen eben jetzt auseinandergesetzt habe, von dem Verhältnis des Sohnes zum Vater, dieses arianische Christentum leuchtete instinktiv als etwas Selbstverständliches den Menschen ein, die ich genannt habe, den gotischen, den langobardischen, all den Völkern, die ja zunächst die römische Herrschaft ablösten nach dem Untergange und beim Untergange des römischen Reiches. Sie waren instinktiv Arianer. Sie wissen ja, daß Ulfilas die Bibel übersetzt hat; seine Übersetzung zeigt klar, daß er selber Arianer war. Die Goten noch, die Langobarden und so weiter, als sie nach Italien gekommen waren, sie waren Arianer, und erst als Chlodwig zum Christentum gekommen ist, traten die Franken zum Christentum über. Sie nahmen in einer gewissen Beziehung äußerlich — was ihnen innerlich nicht lag, denn sie waren innerlich früher auch Arianer gewesen —, das Glaubensbekenntnis des Athanasius an. Und als dann das Christentum namentlich unter jene Flagge gekommen ist, deren hauptsächlicher Träger Karl der Große war, da wurde alles zum Glaubensbekenntnis des Athanasius gebracht und damit die Hinüberleitung besorgt zu der römischen Papstkirche. Und ein großer Teil der ursprünglichen Völker, Barbarenvölker, Goten, Langobarden und so weiter, ging ja unter; dasjenige, was nicht volksmäßig unterging, wurde dann durch die Athanasianer vertrieben, ausgerottet. Der eigentliche Arianismus lebte sektenmäßig weiter fort, aber er verschwand in unmittelbarer Wirksamkeit als Volksreligion.
[ 9 ] Nun muß man doch die Frage aufwerfen — zwei Fragen muß man eigentlich aufwerfen. Erstens: Was ist denn das eigentlich, dieser Arianismus, gegenüber dem Glaubensbekenntnis des Athanasius? — Und die zweite Frage ist diese: Warum ist er denn innerhalb der europäischen Entwickelung verschwunden, dieser Arianismus, wenigstens für dasjenige, was äußerlich sichtbar in den geschichtlichen Symptomen ist? — Das ist eine außerordentlich interessante Entwickelung. Da kann man nur sagen, auf die Frage, was ist eigentlich der Arianismus? — : er ist gewissermaßen der letzte Ausläufer, die letzte Ranke derjenigen Weltanschauungen, die, wenn sie hinaufblicken wollten zum Göttlichen, noch versuchten, einen Zusammenhang zu finden zwischen der äußeren sinnenfälligen Welt und dem Spirituell-Göttlichen, die noch ein Bedürfnis hatten, wirklich das Sinnenfällige nach oben anzuknüpfen an das Spirituell-Göttliche. Man kann sagen: Im Arianismus lebt in etwas abstrakterer Form noch derselbe Impuls — aber nur als Impuls, nicht als Sakramentalismus und nicht als Kultus —, der im russischen Christus-Impuls lebt. Diese Art des Christus-Impulses, die mußte eben gerade aus dem Grunde zurückgeschoben werden, weil sie nicht für die Völker Europas war. Und sie wurde auch ausgerottet von denen, die Athanasianer wurden, aus dem Grunde, weil sie für die Völker Europas nicht war.
[ 9 ] Nun muß man doch die Frage aufwerfen — zwei Fragen muß man eigentlich aufwerfen. Erstens: Was ist denn das eigentlich, dieser Arianismus, gegenüber dem Glaubensbekenntnis des Athanasius? — Und die zweite Frage ist diese: Warum ist er denn innerhalb der europäischen Entwickelung verschwunden, dieser Arianismus, wenigstens für dasjenige, was äußerlich sichtbar in den geschichtlichen Symptomen ist? — Das ist eine außerordentlich interessante Entwickelung. Da kann man nur sagen, auf die Frage, was ist eigentlich der Arianismus? — : er ist gewissermaßen der letzte Ausläufer, die letzte Ranke derjenigen Weltanschauungen, die, wenn sie hinaufblicken wollten zum Göttlichen, noch versuchten, einen Zusammenhang zu finden zwischen der äußeren sinnenfälligen Welt und dem Spirituell-Göttlichen, die noch ein Bedürfnis hatten, wirklich das Sinnenfällige nach oben anzuknüpfen an das Spirituell-Göttliche. Man kann sagen: Im Arianismus lebt in etwas abstrakterer Form noch derselbe Impuls — aber nur als Impuls, nicht als Sakramentalismus und nicht als Kultus —, der im russischen Christus-Impuls lebt. Diese Art des Christus-Impulses, die mußte eben gerade aus dem Grunde zurückgeschoben werden, weil sie nicht für die Völker Europas war. Und sie wurde auch ausgerottet von denen, die Athanasianer wurden, aus dem Grunde, weil sie für die Völker Europas nicht war.
[ 10 ] Wenn man diesen Dingen nähertreten will, muß man schon einmal Rücksicht nehmen auf die ursprünglichen Seelenverfassungen der europäischen Bevölkerungsteile. Sehen Sie, diese ursprüngliche Seelenverfassung derjenigen Bevölkerungsteile, die das römische Reich abgelöst haben, die, wie man sagt — was nicht wahr ist, aber ich kann jetzt nicht die Geschichte rektifizieren —, ins römische Reich eingetreten sind und so weiter, also von denen man nur weiß, daß sie eben das römische Reich abgelöst haben, diese Seelenverfassung der sogenannten germanischen Völker ruht eigentlich ursprünglich auf einem anderen Grunde. Sie kommen von den verschiedensten Seiten her, diese Völker, und vermischen sich mit einer anderen ursprünglichen Bevölkerung Europas, mit einer gewissen Bevölkerung, welche man nicht unrichtig benennt, wenn man sie keltische Bevölkerung nennt. Diese keltische Bevölkerung ist ja da und dort in gewissen Volksteilen heute noch in Resten vorhanden. Heute, wo man alles volksmäßig konservieren will, geht man ja auch darauf aus, das Keltische, wo man es antrifft oder wenigstens anzutreffen sich einbildet, zu konservieren in irgendeiner Weise. Aber man stellt sich das Volksmäßige in Europa nur dann richtig vor, wenn man sich eine Urkultur Europas denkt, die keltisch ist und in die sich dann hineinwenden, hineinentwickeln die anderen Kulturen, germanische, romanische, angelsächsische Kultur und so weiter.
[ 10 ] Wenn man diesen Dingen nähertreten will, muß man schon einmal Rücksicht nehmen auf die ursprünglichen Seelenverfassungen der europäischen Bevölkerungsteile. Sehen Sie, diese ursprüngliche Seelenverfassung derjenigen Bevölkerungsteile, die das römische Reich abgelöst haben, die, wie man sagt — was nicht wahr ist, aber ich kann jetzt nicht die Geschichte rektifizieren —, ins römische Reich eingetreten sind und so weiter, also von denen man nur weiß, daß sie eben das römische Reich abgelöst haben, diese Seelenverfassung der sogenannten germanischen Völker ruht eigentlich ursprünglich auf einem anderen Grunde. Sie kommen von den verschiedensten Seiten her, diese Völker, und vermischen sich mit einer anderen ursprünglichen Bevölkerung Europas, mit einer gewissen Bevölkerung, welche man nicht unrichtig benennt, wenn man sie keltische Bevölkerung nennt. Diese keltische Bevölkerung ist ja da und dort in gewissen Volksteilen heute noch in Resten vorhanden. Heute, wo man alles volksmäßig konservieren will, geht man ja auch darauf aus, das Keltische, wo man es antrifft oder wenigstens anzutreffen sich einbildet, zu konservieren in irgendeiner Weise. Aber man stellt sich das Volksmäßige in Europa nur dann richtig vor, wenn man sich eine Urkultur Europas denkt, die keltisch ist und in die sich dann hineinwenden, hineinentwickeln die anderen Kulturen, germanische, romanische, angelsächsische Kultur und so weiter.
[ 11 ] Nun, in seiner Ureigenart hat sich das Keltische am längsten erhalten auf den britischen Inseln, namentlich in Wales. Da hat es auch seine Eigentümlichkeit am längsten bewahrt. Und geradeso wie eine gewisse Art der religiösen Empfindung, möchte ich sagen, nach Osten hinüber abgeschoben worden ist, daß das russische Volk zum Christus-Volk wurde, so geschah es durch gewisse Tatsachen, die Sie in jedem Geschichtsbuch ja nachlesen können, wenigstens in manchen Geschichtsbüchern, daß ein gewisser Impuls im Westen, der namentlich von den britischen Inseln ausging, als eine Nachwirkung sich darstellt des alten Keltentums. Nun, diese Nachwirkung des alten Keltentums, die ist es, welche im Westen letzten Endes ebenso die Struktur des religiösen Lebens angegeben hat, wie diejenigen Dinge, die ich für den Osten und für Mitteleuropa angegeben habe.
[ 11 ] Nun, in seiner Ureigenart hat sich das Keltische am längsten erhalten auf den britischen Inseln, namentlich in Wales. Da hat es auch seine Eigentümlichkeit am längsten bewahrt. Und geradeso wie eine gewisse Art der religiösen Empfindung, möchte ich sagen, nach Osten hinüber abgeschoben worden ist, daß das russische Volk zum Christus-Volk wurde, so geschah es durch gewisse Tatsachen, die Sie in jedem Geschichtsbuch ja nachlesen können, wenigstens in manchen Geschichtsbüchern, daß ein gewisser Impuls im Westen, der namentlich von den britischen Inseln ausging, als eine Nachwirkung sich darstellt des alten Keltentums. Nun, diese Nachwirkung des alten Keltentums, die ist es, welche im Westen letzten Endes ebenso die Struktur des religiösen Lebens angegeben hat, wie diejenigen Dinge, die ich für den Osten und für Mitteleuropa angegeben habe.
[ 12 ] Man muß, wenn man diese Dinge einsehen will, darauf Rücksicht nehmen: Was waren eigentlich die Kelten für ein Volk? — Sie differenzierten sich in vieler Richtung, aber sie hatten einen gewissen gemeinsamen Zug. Und dieser gemeinsame Zug war der, daß sie in ihrem Seelenleben wenig Interesse hatten für den Zusammenhang zwischen Natur und Menschheit. Sie stellten den Menschen in einer gewissen Weise isoliert von der Natur vor ihre Seele hin. Sie interessierten sich für alles Menschliche, aber nicht, wie der Mensch nun vereinigt ist mit der Natur, wie der Mensch zusammen ist mit der Natur. Während man zum Beispiel im Orient, wo der volle Gegensatz sich entwickelt hat gegenüber dem Keltentum, den Zusammenhang des Menschen mit der ganzen Welt, also auch mit der Natur, durch und durch immer fühlt, den Menschen gewissermaßen herauskommen fühlt aus der Natur, wie ich das bei Goethe auch dargestellt habe, hatte der Kelte wenig Sinn für den Zusammenhang der menschlichen Natur mit der übrigen, mit der kosmischen Natur. Dagegen hatte er einen gewissen starken Sinn für das Zusammenleben in der sozialen Gemeinschaft, aber so, daß alles dieses Zusammenleben bei den alten Kelten darauf gestellt war, daß Befehlende und Beherrschte da waren, daß Führer und Geführte da waren. Das ist das Wesentliche, das antidemokratische, das aristokratische Element. Das ist etwas, was eigentlich zurückgeht für Europa bis auf die alte Keltenzeit. Und organisiertes aristokratisches Element, das ist da das Wesentliche, organisiertes aristokratisches Element.
[ 12 ] Man muß, wenn man diese Dinge einsehen will, darauf Rücksicht nehmen: Was waren eigentlich die Kelten für ein Volk? — Sie differenzierten sich in vieler Richtung, aber sie hatten einen gewissen gemeinsamen Zug. Und dieser gemeinsame Zug war der, daß sie in ihrem Seelenleben wenig Interesse hatten für den Zusammenhang zwischen Natur und Menschheit. Sie stellten den Menschen in einer gewissen Weise isoliert von der Natur vor ihre Seele hin. Sie interessierten sich für alles Menschliche, aber nicht, wie der Mensch nun vereinigt ist mit der Natur, wie der Mensch zusammen ist mit der Natur. Während man zum Beispiel im Orient, wo der volle Gegensatz sich entwickelt hat gegenüber dem Keltentum, den Zusammenhang des Menschen mit der ganzen Welt, also auch mit der Natur, durch und durch immer fühlt, den Menschen gewissermaßen herauskommen fühlt aus der Natur, wie ich das bei Goethe auch dargestellt habe, hatte der Kelte wenig Sinn für den Zusammenhang der menschlichen Natur mit der übrigen, mit der kosmischen Natur. Dagegen hatte er einen gewissen starken Sinn für das Zusammenleben in der sozialen Gemeinschaft, aber so, daß alles dieses Zusammenleben bei den alten Kelten darauf gestellt war, daß Befehlende und Beherrschte da waren, daß Führer und Geführte da waren. Das ist das Wesentliche, das antidemokratische, das aristokratische Element. Das ist etwas, was eigentlich zurückgeht für Europa bis auf die alte Keltenzeit. Und organisiertes aristokratisches Element, das ist da das Wesentliche, organisiertes aristokratisches Element.
[ 13 ] Nun gibt es, ich möchte sagen, eine gewisse Blüte dieses aristokratischen keltischen Königstum-Elementes. Der König, der der Führer ist, der um sich herum organisiert seine Hilfsführer und so weiter, das wächst aus dem Keltentum heraus. Und gewissermaßen als der letzte solcher Führer, der in seinen eigenen Intentionen noch auf die ursprünglichen Impulse baute, als der letzte gilt dann der König Artus mit seiner Tafelrunde in Wales, mit seinen zwölf Rittern, von denen erzählt wird — was ja natürlich nicht buchstäblich genommen werden darf —, daß sie Ungeheuer zu erlegen, Dämonen zu besiegen hatten. All das weist noch hin auf die Zeit alten Zusammenlebens mit der geistigen Welt.
[ 13 ] Nun gibt es, ich möchte sagen, eine gewisse Blüte dieses aristokratischen keltischen Königstum-Elementes. Der König, der der Führer ist, der um sich herum organisiert seine Hilfsführer und so weiter, das wächst aus dem Keltentum heraus. Und gewissermaßen als der letzte solcher Führer, der in seinen eigenen Intentionen noch auf die ursprünglichen Impulse baute, als der letzte gilt dann der König Artus mit seiner Tafelrunde in Wales, mit seinen zwölf Rittern, von denen erzählt wird — was ja natürlich nicht buchstäblich genommen werden darf —, daß sie Ungeheuer zu erlegen, Dämonen zu besiegen hatten. All das weist noch hin auf die Zeit alten Zusammenlebens mit der geistigen Welt.
[ 14 ] Die ganze Art und Weise, wie man sich die Artus-Sage gebildet hat, alles das, was sich legendarisch um den König Artus herumgruppiert hat, das zeigt, wie das Keltenelement auch in dieser seiner Fortsetzung lebte in dem Königtum. Und von dieser Seite aus gab es Verständnis für das Befehlsmäßige, das Anordnende, das Organisierende des Königselementes.
[ 14 ] Die ganze Art und Weise, wie man sich die Artus-Sage gebildet hat, alles das, was sich legendarisch um den König Artus herumgruppiert hat, das zeigt, wie das Keltenelement auch in dieser seiner Fortsetzung lebte in dem Königtum. Und von dieser Seite aus gab es Verständnis für das Befehlsmäßige, das Anordnende, das Organisierende des Königselementes.
[ 15 ] Nun geschah folgender Vorgang: Der Christus, welcher der Christus des Ulfila, der Christus der Goten war, der intensiv gefühlt wurde im Sinne des Arianismus, der war ein Christus für alle Menschen; für Menschen, die sich in einer gewissen Beziehung gleich fühlten, für Menschen, die nicht aristokratische und aristokratisierende Unterschiede machen. Er war zugleich eine Nachwirkung, eine letzte Nachwirkung desjenigen, was man im Oriente gefühlt hat als Zusammenwirkung dessen, was der Mensch auf der Erde mit dem ganzen Kosmos und auch mit der Natur erlebt. Die Natur war gewissermaßen herausgeworfen aus jener Konstitution, welche in der sozialen Einrichtung des keltischen Königtums lebte.
[ 15 ] Nun geschah folgender Vorgang: Der Christus, welcher der Christus des Ulfila, der Christus der Goten war, der intensiv gefühlt wurde im Sinne des Arianismus, der war ein Christus für alle Menschen; für Menschen, die sich in einer gewissen Beziehung gleich fühlten, für Menschen, die nicht aristokratische und aristokratisierende Unterschiede machen. Er war zugleich eine Nachwirkung, eine letzte Nachwirkung desjenigen, was man im Oriente gefühlt hat als Zusammenwirkung dessen, was der Mensch auf der Erde mit dem ganzen Kosmos und auch mit der Natur erlebt. Die Natur war gewissermaßen herausgeworfen aus jener Konstitution, welche in der sozialen Einrichtung des keltischen Königtums lebte.
[ 16 ] Diese zwei Dinge — in den Einzelheiten kann ich das nicht erörtern, aber im Prinzipe — kamen in Europa zunächst zusammen und trafen sich mit einem dritten. Sie stießen so zusammen, daß zunächst der Arianismus vordrang; aber weil er noch eine Nachwirkung war desjenigen, was Natur und Mensch zusammenkoppelt, verstanden ihn jene nicht, die unter den rein keltischen Impulsen standen auch in der Fortsetzung der germanischen, der fränkischen Völker und so weiter; sie verstanden ihn nicht, sie verstanden nur dasjenige, was in ihrer Königsstruktur war. Und daher entstand zunächst der Drang, der noch nachwirkte in der altsächsischen Evangelien-Dichtung «Heliand»: den Christus selber umzudeuten in einen Heerkönig, in einen königlichen Anführer, in einen Fürsten, der seine Mannen hat. Aus Unverstand gegenüber dem, was vom Orient noch herüberkam, und aus der Sucht, das, was man verehren soll, als König zu verehren, als weltlichen König zu gleicher Zeit, entstand diese Umdeutung des Christus in der Form des Heerkönigs.
[ 16 ] Diese zwei Dinge — in den Einzelheiten kann ich das nicht erörtern, aber im Prinzipe — kamen in Europa zunächst zusammen und trafen sich mit einem dritten. Sie stießen so zusammen, daß zunächst der Arianismus vordrang; aber weil er noch eine Nachwirkung war desjenigen, was Natur und Mensch zusammenkoppelt, verstanden ihn jene nicht, die unter den rein keltischen Impulsen standen auch in der Fortsetzung der germanischen, der fränkischen Völker und so weiter; sie verstanden ihn nicht, sie verstanden nur dasjenige, was in ihrer Königsstruktur war. Und daher entstand zunächst der Drang, der noch nachwirkte in der altsächsischen Evangelien-Dichtung «Heliand»: den Christus selber umzudeuten in einen Heerkönig, in einen königlichen Anführer, in einen Fürsten, der seine Mannen hat. Aus Unverstand gegenüber dem, was vom Orient noch herüberkam, und aus der Sucht, das, was man verehren soll, als König zu verehren, als weltlichen König zu gleicher Zeit, entstand diese Umdeutung des Christus in der Form des Heerkönigs.
[ 17 ] Nun kam ein Drittes dazu. Das kam vom Süden, das kam aus dem römischen Reich. Das römische Reich, das war ja schon früher infiziert von diesem, man könnte es vielleicht heute nennen staatsmäßigen Elemente. Das römische Reich — es war kein Staat, es war ein Reich, aber man versteht sich vielleicht heute besser, wenn man sagt «staatsähnliches Gebilde» —, dieses römische Reich, es ist ja in gewisser Beziehung sehr ähnlich — nur eben so verschieden, wie die verschiedenen Territorien geographisch auseinanderliegen, verschiedene Bedingungen die soziale Struktur erzeugen —, es ist, nur aus anderen Grundlagen hervorgehend, doch gewissermaßen recht ähnlich dem, was aus der KönigsOrganisation hervorging. Es hat ja dann hingedrängt zur KaiserOrganisation aus der Republik heraus, ist aber eben ein Reich ähnlich dem, was im Keltentum, nur mit germanischer Färbung dann, aus den verschiedenen Königstümern herausgewachsen ist.
[ 17 ] Nun kam ein Drittes dazu. Das kam vom Süden, das kam aus dem römischen Reich. Das römische Reich, das war ja schon früher infiziert von diesem, man könnte es vielleicht heute nennen staatsmäßigen Elemente. Das römische Reich — es war kein Staat, es war ein Reich, aber man versteht sich vielleicht heute besser, wenn man sagt «staatsähnliches Gebilde» —, dieses römische Reich, es ist ja in gewisser Beziehung sehr ähnlich — nur eben so verschieden, wie die verschiedenen Territorien geographisch auseinanderliegen, verschiedene Bedingungen die soziale Struktur erzeugen —, es ist, nur aus anderen Grundlagen hervorgehend, doch gewissermaßen recht ähnlich dem, was aus der KönigsOrganisation hervorging. Es hat ja dann hingedrängt zur KaiserOrganisation aus der Republik heraus, ist aber eben ein Reich ähnlich dem, was im Keltentum, nur mit germanischer Färbung dann, aus den verschiedenen Königstümern herausgewachsen ist.
[ 18 ] Nun konnte dasjenige, was vom Süden aus dem romanischen Reich als die Denkweise, die Empfindungsweise gegenüber dem sozialen Leben heraufkam — weil es eben eine äußerlich auf dem physischen Plane befindliche Struktur ins Auge faßte —, sich niemals wirklich innerlich mit irgend etwas verbinden, was noch als alter instinktiver Impuls aus dem Oriente herüberkam, wie der Arianismus. Das brauchte etwas — verzeihen Sie das paradoxe Wort —, was unverständlich ist, was man dekretiert. Wie überhaupt im Königtum oder im Kaisertum dekretiert wird, so wurde auch im Papsttum dekretiert. Was Arius gelehrt hat, das läßt sich an den Menschen heranbringen, indem man an gewisse Gefühle appelliert, die ja am besten in den Völkern waren, von denen ich gesprochen habe; verwandte Seiten davon sind schließlich in allen Menschen. Dasjenige, was im Athanasianischen Glaubensbekenntnis liegt, das spricht zu dem menschlichen Verständnis-Empfinden recht wenig; das muß man dekretieren, wenn man es einfügen will der Volksgemeinschaft, das muß man zum Gesetze machen. Wie man weltliche Gesetze macht, so muß man auch das Athanasianische Glaubensbekenntnis zum Gesetze machen. So ist es ja auch geworden. Das völlig Unverständliche, Sonderbare von der Gleichheit des Sohnes mit dem Vater, die beide von Ewigkeit her, beide gleich Gott sind und so weiter, das wurde ja auch später so aufgefaßt, daß man sagte, zu verstehen brauche man es nicht, man müsse es glauben. Es ist eben etwas, das sich dekretieren läßt. Der Athanasianische Glaube ließ sich dekretieren. Und er ließ sich — indem er ausgesprochen, indem er unmittelbar angewiesen war auf das Dekretieren — auch einführen in eine politische Kirchenorganisation. Der Arianismus sprach zum einzelnen Menschen, zum individuellen Menschen. Der ließ sich nicht einfügen in eine Kirchenorganisation. Der Arianismus ließ sich nicht dekretieren. Aber auf das Dekretieren kam es an aus jenen Unterlagen heraus, von denen ich Ihnen gesprochen habe.
[ 18 ] Nun konnte dasjenige, was vom Süden aus dem romanischen Reich als die Denkweise, die Empfindungsweise gegenüber dem sozialen Leben heraufkam — weil es eben eine äußerlich auf dem physischen Plane befindliche Struktur ins Auge faßte —, sich niemals wirklich innerlich mit irgend etwas verbinden, was noch als alter instinktiver Impuls aus dem Oriente herüberkam, wie der Arianismus. Das brauchte etwas — verzeihen Sie das paradoxe Wort —, was unverständlich ist, was man dekretiert. Wie überhaupt im Königtum oder im Kaisertum dekretiert wird, so wurde auch im Papsttum dekretiert. Was Arius gelehrt hat, das läßt sich an den Menschen heranbringen, indem man an gewisse Gefühle appelliert, die ja am besten in den Völkern waren, von denen ich gesprochen habe; verwandte Seiten davon sind schließlich in allen Menschen. Dasjenige, was im Athanasianischen Glaubensbekenntnis liegt, das spricht zu dem menschlichen Verständnis-Empfinden recht wenig; das muß man dekretieren, wenn man es einfügen will der Volksgemeinschaft, das muß man zum Gesetze machen. Wie man weltliche Gesetze macht, so muß man auch das Athanasianische Glaubensbekenntnis zum Gesetze machen. So ist es ja auch geworden. Das völlig Unverständliche, Sonderbare von der Gleichheit des Sohnes mit dem Vater, die beide von Ewigkeit her, beide gleich Gott sind und so weiter, das wurde ja auch später so aufgefaßt, daß man sagte, zu verstehen brauche man es nicht, man müsse es glauben. Es ist eben etwas, das sich dekretieren läßt. Der Athanasianische Glaube ließ sich dekretieren. Und er ließ sich — indem er ausgesprochen, indem er unmittelbar angewiesen war auf das Dekretieren — auch einführen in eine politische Kirchenorganisation. Der Arianismus sprach zum einzelnen Menschen, zum individuellen Menschen. Der ließ sich nicht einfügen in eine Kirchenorganisation. Der Arianismus ließ sich nicht dekretieren. Aber auf das Dekretieren kam es an aus jenen Unterlagen heraus, von denen ich Ihnen gesprochen habe.
[ 19 ] So wuchs dasjenige, was aus dem Süden heraufkam, aus dem Athanasianismus, mit der Tendenz zu dekretieren, zusammen mit dem Instinkt nach einer Organisation, an deren Spitze ein Führer mit zwölf Unterführern stand... [Lücke].
[ 19 ] So wuchs dasjenige, was aus dem Süden heraufkam, aus dem Athanasianismus, mit der Tendenz zu dekretieren, zusammen mit dem Instinkt nach einer Organisation, an deren Spitze ein Führer mit zwölf Unterführern stand... [Lücke].
[ 20 ] Für Mitteleuropa hat sich das ineinandergeschoben. Für das britische Westeuropa und später auch für Amerika blieb aber ein gewisser Rest der alten Gesinnung, wie sie in dem Fürstentume, in dem aristokratischen Elemente war, in dem, was das Gesellschaftliche organisiert, das Geistige hineinzieht in das Gesellschaftliche. Daß das Geistige hineinbezogen gedacht wurde im Gesellschaftlichen, das sehen Sie ja dann an der Artus-Sage, indem erzählt wird, daß die Ritter der Artus-Tafelrunde Ungeheuer zu besiegen, Dämonen zu bekriegen hatten und so weiter. Das Geistige also spielte da hinein, spielte so hinein, daß man das nur pflegen kann, wenn man nicht dekretiert, sondern wenn man es zur Natur macht, wenn man es organisiert. Und so kam es, daß, währenddem durch Mitteleuropa das Kirchenvolk sich entwickelte, gegen Westen hin, namentlich gegen die englischsprechende Bevölkerung hin dasjenige entstand, was man nun nennen kann, um eine dritte Benennung für diesen Strom zu haben, das Logenvolk, oder die Logenvölker, wo ein gewisser Zug dazu ursprünglich vorhanden war, Gesellschaften zu bilden, in den Gesellschaften zu erzeugen die Gesinnung der Organisation. Die Organisation hat letzten Endes nur einen Wert, wenn sie durch geistige Mittel gemacht wird, ohne daß der andere sie bemerkt; sonst muß man eben dekretieren. Dekretiert wurde in Mitteleuropa; logenmäßige Herrschaft wurde mehr in dem versucht, was sich dann als Fortsetzung des Keltentums in der englischsprechenden Bevölkerung ausbildete. So daß das Logenvolk oder die Logenvölker entstanden, die im wesentlichen eigentlich in sich bemerkbar dasjenige haben, was nicht die ganze Menschheit organisiert, sondern gesellschaftsmäßig zusammenfaßt, ordensmäßig zusammenfaßt. Das ordensmäßige Zusammenfassen liegt in dieser Fortsetzung desjenigen, was sich an die Artus-Sage anknüpft. Es ist so, daß im weltgeschichtlichen Leben immer die Dinge sich ineinanderschieben. Niemals kann man eine Entwickelung verstehen, wenn man nur sich vorstellt, daß das Folgende aus dem Vorhergehenden auf geradlinigem Wege entsteht. Die Dinge schieben sich in der Entwickelung ineinander. Und so ist es eine merkwürdige Tatsache, daß in bezug auf die menschliche Vorstellungsart, in bezug auf alles dasjenige, was wirkt in der menschlichen Seele, dieses Logenprinzip — das ja dann in den Freimaurern seine affenartige Karikatur erzeugt hat —, dieses Logenartige nun wiederum innerlich verwandt ist mit dem Jesuitismus. So daß, wie feindlich auch, wie spinnefeind, wenn ich mich des trivialen Ausdrucks bedienen darf, der Jesuitismus diesem Logentum ist — das wissen Sie ja, es da doch, in bezug auf die Form des Vorstellens, eine ungeheure Ähnlichkeit gibt. Und in Ignatius von Loyola hat ganz gewiß zu dem, was er gewirkt hat, was er als Großartiges geschaffen hat, ein keltisches Blutelement mitgewirkt, das in seinen Adern floß.
[ 20 ] Für Mitteleuropa hat sich das ineinandergeschoben. Für das britische Westeuropa und später auch für Amerika blieb aber ein gewisser Rest der alten Gesinnung, wie sie in dem Fürstentume, in dem aristokratischen Elemente war, in dem, was das Gesellschaftliche organisiert, das Geistige hineinzieht in das Gesellschaftliche. Daß das Geistige hineinbezogen gedacht wurde im Gesellschaftlichen, das sehen Sie ja dann an der Artus-Sage, indem erzählt wird, daß die Ritter der Artus-Tafelrunde Ungeheuer zu besiegen, Dämonen zu bekriegen hatten und so weiter. Das Geistige also spielte da hinein, spielte so hinein, daß man das nur pflegen kann, wenn man nicht dekretiert, sondern wenn man es zur Natur macht, wenn man es organisiert. Und so kam es, daß, währenddem durch Mitteleuropa das Kirchenvolk sich entwickelte, gegen Westen hin, namentlich gegen die englischsprechende Bevölkerung hin dasjenige entstand, was man nun nennen kann, um eine dritte Benennung für diesen Strom zu haben, das Logenvolk, oder die Logenvölker, wo ein gewisser Zug dazu ursprünglich vorhanden war, Gesellschaften zu bilden, in den Gesellschaften zu erzeugen die Gesinnung der Organisation. Die Organisation hat letzten Endes nur einen Wert, wenn sie durch geistige Mittel gemacht wird, ohne daß der andere sie bemerkt; sonst muß man eben dekretieren. Dekretiert wurde in Mitteleuropa; logenmäßige Herrschaft wurde mehr in dem versucht, was sich dann als Fortsetzung des Keltentums in der englischsprechenden Bevölkerung ausbildete. So daß das Logenvolk oder die Logenvölker entstanden, die im wesentlichen eigentlich in sich bemerkbar dasjenige haben, was nicht die ganze Menschheit organisiert, sondern gesellschaftsmäßig zusammenfaßt, ordensmäßig zusammenfaßt. Das ordensmäßige Zusammenfassen liegt in dieser Fortsetzung desjenigen, was sich an die Artus-Sage anknüpft. Es ist so, daß im weltgeschichtlichen Leben immer die Dinge sich ineinanderschieben. Niemals kann man eine Entwickelung verstehen, wenn man nur sich vorstellt, daß das Folgende aus dem Vorhergehenden auf geradlinigem Wege entsteht. Die Dinge schieben sich in der Entwickelung ineinander. Und so ist es eine merkwürdige Tatsache, daß in bezug auf die menschliche Vorstellungsart, in bezug auf alles dasjenige, was wirkt in der menschlichen Seele, dieses Logenprinzip — das ja dann in den Freimaurern seine affenartige Karikatur erzeugt hat —, dieses Logenartige nun wiederum innerlich verwandt ist mit dem Jesuitismus. So daß, wie feindlich auch, wie spinnefeind, wenn ich mich des trivialen Ausdrucks bedienen darf, der Jesuitismus diesem Logentum ist — das wissen Sie ja, es da doch, in bezug auf die Form des Vorstellens, eine ungeheure Ähnlichkeit gibt. Und in Ignatius von Loyola hat ganz gewiß zu dem, was er gewirkt hat, was er als Großartiges geschaffen hat, ein keltisches Blutelement mitgewirkt, das in seinen Adern floß.
[ 21 ] Nun sehen Sie: Im Osten ist das Christus-Volk entstanden; das hat den fortlaufenden Christus-Impuls. Für den östlichen Menschen ist es ganz selbstverständlich, indem er lebt, daß in seine Seele fortwährend etwas einfließt, was der Christus-Impuls ist. Für das Kirchenvolk der mittleren Länder hat sich das abgestumpft oder abgelähmt, indem der Christus-Impuls an den Anfang unserer Zeitrechnung verlegt worden ist und später an ihn angeschlossen wurde Dekretierung, staatliche Dekretierung und traditionelle und prinzipiengemäße Fortpflanzung. Im Westen, im Logensystem, wurde der Christus-Impuls überhaupt fraglich, zunächst ganz fraglich; da wurde er noch weiter abgelähmt. Und so entwickelte sich dann aus den Vorstellungsformen, die ursprünglich wirklich auf diesen Logenimpuls zurückgehen, der aus dem Keltentum kommt, der der letzte Nachzügler des Keltentums ist, das heraus, was man die moderne Aufklärung nennt mit dem Deismus. Und es ist außerordentlich interessant zu verfolgen, wie himmelgroß der Unterschied ist zwischen der Art und Weise, wie sich ein Angehöriger eines mitteleuropäischen Kirchenvolkes zu dem Christus-Impuls verhält, und ein Angehöriger des britischen Reiches. Aber ich bitte Sie, das nicht nach dem einzelnen Menschen zu nehmen, denn natürlich hat sich der Kirchenimpuls auch nach England ausgebreitet, und die Dinge muß man nehmen, wie sie in Wahrheit sind: man muß diejenigen Menschen nehmen, die zusammenhängen mit dem, was ich jetzt als Logenimpuls geschildert habe, was aber namentlich auch in das staatliche Leben hinein im ganzen Westen gegangen ist. Aus diesem hat sich ein anderes Verhältnis zu Christus herausentwickelt,
[ 21 ] Nun sehen Sie: Im Osten ist das Christus-Volk entstanden; das hat den fortlaufenden Christus-Impuls. Für den östlichen Menschen ist es ganz selbstverständlich, indem er lebt, daß in seine Seele fortwährend etwas einfließt, was der Christus-Impuls ist. Für das Kirchenvolk der mittleren Länder hat sich das abgestumpft oder abgelähmt, indem der Christus-Impuls an den Anfang unserer Zeitrechnung verlegt worden ist und später an ihn angeschlossen wurde Dekretierung, staatliche Dekretierung und traditionelle und prinzipiengemäße Fortpflanzung. Im Westen, im Logensystem, wurde der Christus-Impuls überhaupt fraglich, zunächst ganz fraglich; da wurde er noch weiter abgelähmt. Und so entwickelte sich dann aus den Vorstellungsformen, die ursprünglich wirklich auf diesen Logenimpuls zurückgehen, der aus dem Keltentum kommt, der der letzte Nachzügler des Keltentums ist, das heraus, was man die moderne Aufklärung nennt mit dem Deismus. Und es ist außerordentlich interessant zu verfolgen, wie himmelgroß der Unterschied ist zwischen der Art und Weise, wie sich ein Angehöriger eines mitteleuropäischen Kirchenvolkes zu dem Christus-Impuls verhält, und ein Angehöriger des britischen Reiches. Aber ich bitte Sie, das nicht nach dem einzelnen Menschen zu nehmen, denn natürlich hat sich der Kirchenimpuls auch nach England ausgebreitet, und die Dinge muß man nehmen, wie sie in Wahrheit sind: man muß diejenigen Menschen nehmen, die zusammenhängen mit dem, was ich jetzt als Logenimpuls geschildert habe, was aber namentlich auch in das staatliche Leben hinein im ganzen Westen gegangen ist. Aus diesem hat sich ein anderes Verhältnis zu Christus herausentwickelt,
[ 22 ] Sie können fragen: Wie steht der Angehörige des Christus-Volkes zu Christus? — Nun, er weiß: Wenn ich mich richtig in meiner Seele erlebe, so finde ich den Christus-Impuls — denn er ist da drinnen, er wirkt immerfort da drinnen. Der Angehörige des Kirchenvolkes, der sagt etwa wie Augustinus, der in seiner Reifezeit auf diese Frage: Wie finde ich den Christus? — gesagt hat: So wie die Kirche mir den Christus darbietet. Die Kirche sagt mir, wer der Christus ist. Von der Kirche kann ich es lernen, denn die Kirche hat aufbewahrt durch ihre Tradition, was im Anfange über den Christus gesagt war. — Derjenige, der Angehöriger des Logenvolkes ist — und es sind wirklich die Angehörigen des Logenvolkes —, der frägt in einer ganz anderen Weise nach dem Christus, weder wie das Kirchenvolk noch wie das Christus-Volk, sondern er sagt: Ja, die Weltgeschichte spricht von einem Christus, der einmal da war. Ist es vernünftig, einen solchen Christus anzunehmen? Wie rechtfertigt sich der Einfluß des Christus in der Weltgeschichte vor der Vernunft? — Das ist ja im wesentlichen die Christologie der Aufklärung, der Aufklärung, die da verlangt für den Christus, daß er sich vor der Vernunft rechtfertige.
[ 22 ] Sie können fragen: Wie steht der Angehörige des Christus-Volkes zu Christus? — Nun, er weiß: Wenn ich mich richtig in meiner Seele erlebe, so finde ich den Christus-Impuls — denn er ist da drinnen, er wirkt immerfort da drinnen. Der Angehörige des Kirchenvolkes, der sagt etwa wie Augustinus, der in seiner Reifezeit auf diese Frage: Wie finde ich den Christus? — gesagt hat: So wie die Kirche mir den Christus darbietet. Die Kirche sagt mir, wer der Christus ist. Von der Kirche kann ich es lernen, denn die Kirche hat aufbewahrt durch ihre Tradition, was im Anfange über den Christus gesagt war. — Derjenige, der Angehöriger des Logenvolkes ist — und es sind wirklich die Angehörigen des Logenvolkes —, der frägt in einer ganz anderen Weise nach dem Christus, weder wie das Kirchenvolk noch wie das Christus-Volk, sondern er sagt: Ja, die Weltgeschichte spricht von einem Christus, der einmal da war. Ist es vernünftig, einen solchen Christus anzunehmen? Wie rechtfertigt sich der Einfluß des Christus in der Weltgeschichte vor der Vernunft? — Das ist ja im wesentlichen die Christologie der Aufklärung, der Aufklärung, die da verlangt für den Christus, daß er sich vor der Vernunft rechtfertige.
[ 23 ] Nun muß man, um das, was da in Betracht kommt, zu verstehen, sich klar sein, daß man jederzeit, ohne den Christus-Impuls zu haben, zu Gott kommen kann. Man braucht bloß irgend etwas nicht richtig zu haben — der Atheist ist ja ein Mensch, der irgend etwas auch physisch Krankes an sich hat —; aber man kann auf dem Wege der Spekulation, auf dem Wege der Mystik, was immer, zu dem Gotte kommen, dazu kommen, daß man einen Gott in der Welt annimmt. Das ist denn auch das Urdeistische, der Aufklärungsglaube. Dazu kommt man zunächst auf geradem Wege: zu dem Aufklärungsglauben, daß ein Gott ist.
[ 23 ] Nun muß man, um das, was da in Betracht kommt, zu verstehen, sich klar sein, daß man jederzeit, ohne den Christus-Impuls zu haben, zu Gott kommen kann. Man braucht bloß irgend etwas nicht richtig zu haben — der Atheist ist ja ein Mensch, der irgend etwas auch physisch Krankes an sich hat —; aber man kann auf dem Wege der Spekulation, auf dem Wege der Mystik, was immer, zu dem Gotte kommen, dazu kommen, daß man einen Gott in der Welt annimmt. Das ist denn auch das Urdeistische, der Aufklärungsglaube. Dazu kommt man zunächst auf geradem Wege: zu dem Aufklärungsglauben, daß ein Gott ist.
[ 24 ] Nun aber handelt es sich darum bei denjenigen, die sich aus dem Logenvolk heraus entwickelt haben: vernünftig zu finden, neben dem allgemeinen Gott auch den Christus anzunehmen. Da kann man verschiedene Persönlichkeiten wählen, die charakteristisch sind für diese Dinge. Ich habe gewählt den im Jahre 1648, gerade im Jahre des Westfälischen Friedens verstorbenen Herbert Cherbury. Er versuchte, dazu zu kommen, den Christus-Impuls vernünftig zu finden. Ein richtiger Angehöriger zum Beispiel des russischen Volkes kann sich überhaupt nichts dabei denken, den Christus-Impuls vernünftig zu finden. Das ist für ihn ungefähr so, wie wenn einer von ihm verlangen würde, er soll die Anwesenheit des Kopfes auf den beiden Schultern vernünftig finden. Man hat den Kopf, so hat man den Christus-Impuls. Aber so verschieden ist dasjenige, was durch Leute wie Cherbury verlangt wird, daß da gefragt wird: Ist es vernünftig, neben dem Gott, zu dem also das aufgeklärte Nachdenken führt, auch einen Christus anzunehmen? Man muß ja erst die Menschen studieren, vernünfligerweise, um eigentlich das alles berechtigt zu finden.
[ 24 ] Nun aber handelt es sich darum bei denjenigen, die sich aus dem Logenvolk heraus entwickelt haben: vernünftig zu finden, neben dem allgemeinen Gott auch den Christus anzunehmen. Da kann man verschiedene Persönlichkeiten wählen, die charakteristisch sind für diese Dinge. Ich habe gewählt den im Jahre 1648, gerade im Jahre des Westfälischen Friedens verstorbenen Herbert Cherbury. Er versuchte, dazu zu kommen, den Christus-Impuls vernünftig zu finden. Ein richtiger Angehöriger zum Beispiel des russischen Volkes kann sich überhaupt nichts dabei denken, den Christus-Impuls vernünftig zu finden. Das ist für ihn ungefähr so, wie wenn einer von ihm verlangen würde, er soll die Anwesenheit des Kopfes auf den beiden Schultern vernünftig finden. Man hat den Kopf, so hat man den Christus-Impuls. Aber so verschieden ist dasjenige, was durch Leute wie Cherbury verlangt wird, daß da gefragt wird: Ist es vernünftig, neben dem Gott, zu dem also das aufgeklärte Nachdenken führt, auch einen Christus anzunehmen? Man muß ja erst die Menschen studieren, vernünfligerweise, um eigentlich das alles berechtigt zu finden.
[ 25 ] Nun können Sie sagen: Das macht doch aber natürlich nicht jeder Angehörige dieses Logenvolkes! — Selbstverständlich macht das nicht jeder Angehörige des Logenvolkes. In ausgesprochenen Begriffen machen es die Philosophen; die anderen Leute denken ja nicht so viel, aber in ihren Instinkten, in ihren Empfindungen, in den unterbewußten Schlüssen machen es schon alle Leute, die in irgendeiner Weise im Zusammenhange stehen mit dem Impulse des Logenvolkes. Der Mann, von dem ich hier rede, der sagte sich zunächst: Betrachten wir alle einzelnen Religionen, was sie Gemeinsames haben. — Das ist nun überhaupt so ein Trick der Aufklärung. Weil man selber nicht zum Geistigen, wenigstens insoferne es den Christus-Impuls betrifft, kommen will, sondern nur zu einem abstrakten Gotte des Deismus, so frägt man: Ist es dem Menschen natürlich, das oder jenes aufzufinden? — Da suchte zunächst Cherbury, der viel gereist war, sich zu unterrichten über das, was die verschiedenen Religionen Gemeinsames haben. Er fand da sehr vieles Gemeinsame. Dann aber versuchte er das, was er da als Gemeinsames der Religionen gefunden hatte, in fünf Sätze zusammenzufassen. Diese fünf Sätze, wir müssen sie besonders ins Auge fassen, denn es ist recht wichtig.
[ 25 ] Nun können Sie sagen: Das macht doch aber natürlich nicht jeder Angehörige dieses Logenvolkes! — Selbstverständlich macht das nicht jeder Angehörige des Logenvolkes. In ausgesprochenen Begriffen machen es die Philosophen; die anderen Leute denken ja nicht so viel, aber in ihren Instinkten, in ihren Empfindungen, in den unterbewußten Schlüssen machen es schon alle Leute, die in irgendeiner Weise im Zusammenhange stehen mit dem Impulse des Logenvolkes. Der Mann, von dem ich hier rede, der sagte sich zunächst: Betrachten wir alle einzelnen Religionen, was sie Gemeinsames haben. — Das ist nun überhaupt so ein Trick der Aufklärung. Weil man selber nicht zum Geistigen, wenigstens insoferne es den Christus-Impuls betrifft, kommen will, sondern nur zu einem abstrakten Gotte des Deismus, so frägt man: Ist es dem Menschen natürlich, das oder jenes aufzufinden? — Da suchte zunächst Cherbury, der viel gereist war, sich zu unterrichten über das, was die verschiedenen Religionen Gemeinsames haben. Er fand da sehr vieles Gemeinsame. Dann aber versuchte er das, was er da als Gemeinsames der Religionen gefunden hatte, in fünf Sätze zusammenzufassen. Diese fünf Sätze, wir müssen sie besonders ins Auge fassen, denn es ist recht wichtig.
[ 26 ] Der erste Satz ist: Es ist ein Gott. — Weil instinktiv die verschiedenen Völker der verschiedensten Religionen darauf kommen, einen Gott anzunehmen, findet er es im Sinne der Natur, anzunehmen: Es ist ein Gott.
[ 26 ] Der erste Satz ist: Es ist ein Gott. — Weil instinktiv die verschiedenen Völker der verschiedensten Religionen darauf kommen, einen Gott anzunehmen, findet er es im Sinne der Natur, anzunehmen: Es ist ein Gott.
[ 27 ] Zweitens: Der Gott verlangt Verehrung. — Wiederum ein gemeinsamer Zug der Religionen.
[ 27 ] Zweitens: Der Gott verlangt Verehrung. — Wiederum ein gemeinsamer Zug der Religionen.
[ 28 ] Drittens: Diese Verehrung muß in Tugend und Frömmigkeit bestehen.
[ 28 ] Drittens: Diese Verehrung muß in Tugend und Frömmigkeit bestehen.
[ 29 ] Viertens: Sünden müssen bereut und gesühnt werden.
[ 29 ] Viertens: Sünden müssen bereut und gesühnt werden.
[ 30 ] Fünftens: Es gibt eine belohnende und bestrafende Gerechtigkeit im Jenseits.
[ 30 ] Fünftens: Es gibt eine belohnende und bestrafende Gerechtigkeit im Jenseits.
[ 31 ] Sie sehen, da ist nichts drinnen von irgendeinem Christus-Impuls. Es ist aber zu gleicher Zeit in diesen fünf Sätzen alles dasjenige drinnen, wozu man gelangt, wenn man nur auf das baut, worauf man da eben aus dem religiösen Impuls, aus dem Logenimpulse heraus bauen wollte. Diese Anschauungsform, die bildete sich immer weiter aus als Aufklärung. Wir finden dann in Hobbes, Locke, in anderen, daß sie versuchten, immer wieder den Versuch machten, sich zu sagen: Ja, aber von Jesus Christus gibt es eine Überlieferung. Ist es nun vernünftig, einen solchen Jesus Christus anzunehmen? — Und schließlich bequemen sie sich dazu, in der Tat zu sagen: Wenn man ins Auge faßt, was in den Evangelien steht, was von dem Christus Jesus überliefert ist, so stimmt es überein mit dem, was im Grunde genommen als Hauptsätze alle Religionen gemeinsam haben. Daher macht es den Eindruck, als ob der Christus eben zusammenfassen wollte, was alle Religionen gemeinsam haben, als ob also da gewesen ist eine gotterfüllte — das kann man sich nun mehr oder weniger vorstellen — Persönlichkeit, welche gelehrt hat das Beste aus allen Religionen. — Das fand man zuletzt vernünftig. Und einzelne Leute, zum Beispiel Tindal, der 1657 bis 1733 gelebt hat, er hat ein Buch geschrieben: «Das Christentum so alt als die Schöpfung.» Dieses Buch «Das Christentum so alt als die Schöpfung», das ist gewissermaßen sehr wichtig, um das Wesen der Aufklärung, das ja dann verflacht worden ist durch den Voltairismus und so weiter, kennenzulernen. Es kam Tindal darauf an zu zeigen, daß immer im Grunde genommen alle Menschen, die besseren Menschen immer Christen waren, daß der Christus eben nur das Beste der Religionen zusammengefaßt hat.
[ 31 ] Sie sehen, da ist nichts drinnen von irgendeinem Christus-Impuls. Es ist aber zu gleicher Zeit in diesen fünf Sätzen alles dasjenige drinnen, wozu man gelangt, wenn man nur auf das baut, worauf man da eben aus dem religiösen Impuls, aus dem Logenimpulse heraus bauen wollte. Diese Anschauungsform, die bildete sich immer weiter aus als Aufklärung. Wir finden dann in Hobbes, Locke, in anderen, daß sie versuchten, immer wieder den Versuch machten, sich zu sagen: Ja, aber von Jesus Christus gibt es eine Überlieferung. Ist es nun vernünftig, einen solchen Jesus Christus anzunehmen? — Und schließlich bequemen sie sich dazu, in der Tat zu sagen: Wenn man ins Auge faßt, was in den Evangelien steht, was von dem Christus Jesus überliefert ist, so stimmt es überein mit dem, was im Grunde genommen als Hauptsätze alle Religionen gemeinsam haben. Daher macht es den Eindruck, als ob der Christus eben zusammenfassen wollte, was alle Religionen gemeinsam haben, als ob also da gewesen ist eine gotterfüllte — das kann man sich nun mehr oder weniger vorstellen — Persönlichkeit, welche gelehrt hat das Beste aus allen Religionen. — Das fand man zuletzt vernünftig. Und einzelne Leute, zum Beispiel Tindal, der 1657 bis 1733 gelebt hat, er hat ein Buch geschrieben: «Das Christentum so alt als die Schöpfung.» Dieses Buch «Das Christentum so alt als die Schöpfung», das ist gewissermaßen sehr wichtig, um das Wesen der Aufklärung, das ja dann verflacht worden ist durch den Voltairismus und so weiter, kennenzulernen. Es kam Tindal darauf an zu zeigen, daß immer im Grunde genommen alle Menschen, die besseren Menschen immer Christen waren, daß der Christus eben nur das Beste der Religionen zusammengefaßt hat.
[ 32 ] Sie sehen schon: Der Christus wird da heruntergeholt und zum Lehrer gemacht. Der Christus wird Lehrer, ob Sie ihn nun Messias nennen oder Meister oder wie Sie wollen: er wird Lehrer. Der Christus wird Lehrer. Es kommt nicht auf die Tatsache des Christus so sehr an, sondern darauf, daß er dasteht, und daß er einen gewissen Religionsinhalt lehrt, der das Teuerste, das Gemeinsame an Religionsinhalt der übrigen Menschheit ist.
[ 32 ] Sie sehen schon: Der Christus wird da heruntergeholt und zum Lehrer gemacht. Der Christus wird Lehrer, ob Sie ihn nun Messias nennen oder Meister oder wie Sie wollen: er wird Lehrer. Der Christus wird Lehrer. Es kommt nicht auf die Tatsache des Christus so sehr an, sondern darauf, daß er dasteht, und daß er einen gewissen Religionsinhalt lehrt, der das Teuerste, das Gemeinsame an Religionsinhalt der übrigen Menschheit ist.
[ 33 ] Das, was da von mir gezeigt wurde, kann selbstverständlich die verschiedensten Nuancen annehmen, aber es bleibt die Grundfärbung: der Christus ist Lehrer. Und nun können wir, wenn wir die charakteristischen Typen — die natürlich in der mannigfaltigsten Weise dann abgeschwächt werden — des Christus-Volkes, des Kirchenvolkes und des Logenvolkes ins Auge fassen, wenn wir das Wirkliche hinter dem oft sehr, sehr Scheinbaren suchen, dann können wir für das ChristusVolk sagen: Christus ist der Geist, hat also im Grunde genommen nichts zu tun mit irgendwelchen Einrichtungen auf dem physischen Plane. Es ist nur das Mysterium vorhanden, daß er einmal in einer menschlichen Gestalt vorhanden war. — Für das Kirchenvolk: Christus ist der König. Das kann mehr oder weniger nuanciert werden: Christus ist der König. — Das lebt zwar auch im Logenvolk weiter, aber indem es sich weiterentwickelt, indem es etwas aus sich heraustreibt: Christus ist der Lehrer.
[ 33 ] Das, was da von mir gezeigt wurde, kann selbstverständlich die verschiedensten Nuancen annehmen, aber es bleibt die Grundfärbung: der Christus ist Lehrer. Und nun können wir, wenn wir die charakteristischen Typen — die natürlich in der mannigfaltigsten Weise dann abgeschwächt werden — des Christus-Volkes, des Kirchenvolkes und des Logenvolkes ins Auge fassen, wenn wir das Wirkliche hinter dem oft sehr, sehr Scheinbaren suchen, dann können wir für das ChristusVolk sagen: Christus ist der Geist, hat also im Grunde genommen nichts zu tun mit irgendwelchen Einrichtungen auf dem physischen Plane. Es ist nur das Mysterium vorhanden, daß er einmal in einer menschlichen Gestalt vorhanden war. — Für das Kirchenvolk: Christus ist der König. Das kann mehr oder weniger nuanciert werden: Christus ist der König. — Das lebt zwar auch im Logenvolk weiter, aber indem es sich weiterentwickelt, indem es etwas aus sich heraustreibt: Christus ist der Lehrer.
[ 34 ] Sehen Sie, diese Nuancierung durch das europäische Bewußtsein hindurch muß man ins Auge fassen, denn diese Nuancierung lebt tief, tief nicht etwa nur in einzelnen Menschen, sondern sie lebt tief, tief in demjenigen, was sich in Europa überhaupt im fünften nachatlantischen Zeitraum seelisch entwickelt hat, und auch in vielem, was sich sozial entwickelt hat. Es sind die hauptsächlichsten Nuancen des Christus-Impulses. Man könnte noch viel über diese Dinge reden, aber ich kann Ihnen ja heute zunächst nur eine Skizze geben wegen der Kürze der Zeit.
[ 34 ] Sehen Sie, diese Nuancierung durch das europäische Bewußtsein hindurch muß man ins Auge fassen, denn diese Nuancierung lebt tief, tief nicht etwa nur in einzelnen Menschen, sondern sie lebt tief, tief in demjenigen, was sich in Europa überhaupt im fünften nachatlantischen Zeitraum seelisch entwickelt hat, und auch in vielem, was sich sozial entwickelt hat. Es sind die hauptsächlichsten Nuancen des Christus-Impulses. Man könnte noch viel über diese Dinge reden, aber ich kann Ihnen ja heute zunächst nur eine Skizze geben wegen der Kürze der Zeit.
[ 35 ] Nun können wir, wenn wir hinsehen auf die gestrigen drei Formen der Evolution der Menschheit, uns erstens sagen: Die ganze Menschheit entwickelt sich so, daß sie jetzt in der Empfindungsseele lebt, 28. bis 21. Jahr. Jeder einzelne Mensch als Individuum entwickelt sich so, daß jetzt die Menschheit in der fünften nachatlantischen Zeit die Bewußtseinsseele zum Ausdrucke bringt. Und dann ist noch eine dritte Evolution innerhalb der Volksseelen, von der ich Ihnen gestern gesagt habe. Nun, im Zusammenhang mit den Volksseelen entwickeln sich gerade die eben geschilderten Dinge. Sie haben auf der einen Seite die historischen Tatsachen, die aber wirken, und auf der anderen Seite die Volksseelen mit ihren Religionsnuancen. Dieses Zusammenwirken macht, daß das Christus-Volk mit dem Impuls: Christus ist der Geist, daß das Kirchenvolk mit dem Impuls: Christus ist der König, und daß die Logenvölker mit dem Impuls: Christus ist der Lehrer sich entwikkeln. Das hängt von der Volksnuancierung ab. Das ist die dritte Evolution.
[ 35 ] Nun können wir, wenn wir hinsehen auf die gestrigen drei Formen der Evolution der Menschheit, uns erstens sagen: Die ganze Menschheit entwickelt sich so, daß sie jetzt in der Empfindungsseele lebt, 28. bis 21. Jahr. Jeder einzelne Mensch als Individuum entwickelt sich so, daß jetzt die Menschheit in der fünften nachatlantischen Zeit die Bewußtseinsseele zum Ausdrucke bringt. Und dann ist noch eine dritte Evolution innerhalb der Volksseelen, von der ich Ihnen gestern gesagt habe. Nun, im Zusammenhang mit den Volksseelen entwickeln sich gerade die eben geschilderten Dinge. Sie haben auf der einen Seite die historischen Tatsachen, die aber wirken, und auf der anderen Seite die Volksseelen mit ihren Religionsnuancen. Dieses Zusammenwirken macht, daß das Christus-Volk mit dem Impuls: Christus ist der Geist, daß das Kirchenvolk mit dem Impuls: Christus ist der König, und daß die Logenvölker mit dem Impuls: Christus ist der Lehrer sich entwikkeln. Das hängt von der Volksnuancierung ab. Das ist die dritte Evolution.
[ 36 ] Nun schlägt in der wirklichen äußeren Entwickelung immer das eine in das andere hinein. Natürlich, in der Wirklichkeit wirkt das eine auf das andere, durch die anderen; es schlägt immer das eine in das andere hinein. Nicht wahr, wenn Sie mich zum Beispiel jetzt fragen: Wer gehört ins Logenvolk hinein, wer gehört diesem AufklärungsDeismus an? — ja, da ist es merkwürdigerweise so gekommen, daß ein reinster Typ dieses Aufklärungs-Deismus der Harnack in Berlin ist! Der ist ein viel reinerer 'Typ als irgendeiner, den man jenseits des Kanals finden kann. Das mischt sich alles durcheinander im modernen Leben. Aber will man die Dinge verstehen, will man sie in ihren Ursprüngen verfolgen, dann darf man eben nicht bei ÄAußerlichkeiten stehenbleiben, sondern dann muß man sich klar sein darüber, daß es so zusammenhängt, daß die dritte Evolutionsströmung, die sich mit ‘dem Volkstümlichen zusammenkoppelt, eben hineingeht in das, was ich Ihnen jetzt hier dargestellt habe. Aber es ist immer vorhanden, weil ja die anderen Evolutionsströmungen auch da sind, die Reaktion, das Anstürmen der Bewußtseinsseele gegen dieses Volksmäßige. Und das tritt in den verschiedensten Punkten zutage. Das stürmt, ich möchte sagen, von diesem oder jenem Zentrum auf. Und ein solches Aufstürmen, das ist auch der Goetheanismus, der eigentlich mit all dem, was ich jetzt geschildert habe, nichts zu tun hat, und doch wiederum mit allem sehr viel zu tun hat, von der einen oder von der anderen Seite betrachtet. Denn es entwickelt sich früh als eine Parallelströmung zu dem, was ich Ihnen als Artus-Strömung geschildert habe, die GralsStrömung; die Grals-Strömung, die der genaue Gegensatz der ArtusStrömung ist. Die Grals-Strömung entwickelt sich so, daß derjenige, der den Tempel des Gral besuchen will, unzugängliche Wege zu gehen hat, sechzig Meilen lang, daß der Tempel ganz im Verborgenen liegt, daß man dort überhaupt nichts erfährt, wenn man nicht frägt. Kurz, diese ganze Grals-Stimmung ist die des Verbindung-Herstellens zwischen dem Intimsten der menschlichen Seele, wo die Bewußtseinsseele erwacht, mit den spirituellen Welten. Es ist, wenn ich so sagen darf, auf künstliche Weise angestrebt das Hinauflenken der sinnenfälligen Welt in die spirituelle Welt, das auf instinktive Weise im ChristusVolk angestrebt ist.
[ 36 ] Nun schlägt in der wirklichen äußeren Entwickelung immer das eine in das andere hinein. Natürlich, in der Wirklichkeit wirkt das eine auf das andere, durch die anderen; es schlägt immer das eine in das andere hinein. Nicht wahr, wenn Sie mich zum Beispiel jetzt fragen: Wer gehört ins Logenvolk hinein, wer gehört diesem AufklärungsDeismus an? — ja, da ist es merkwürdigerweise so gekommen, daß ein reinster Typ dieses Aufklärungs-Deismus der Harnack in Berlin ist! Der ist ein viel reinerer 'Typ als irgendeiner, den man jenseits des Kanals finden kann. Das mischt sich alles durcheinander im modernen Leben. Aber will man die Dinge verstehen, will man sie in ihren Ursprüngen verfolgen, dann darf man eben nicht bei ÄAußerlichkeiten stehenbleiben, sondern dann muß man sich klar sein darüber, daß es so zusammenhängt, daß die dritte Evolutionsströmung, die sich mit ‘dem Volkstümlichen zusammenkoppelt, eben hineingeht in das, was ich Ihnen jetzt hier dargestellt habe. Aber es ist immer vorhanden, weil ja die anderen Evolutionsströmungen auch da sind, die Reaktion, das Anstürmen der Bewußtseinsseele gegen dieses Volksmäßige. Und das tritt in den verschiedensten Punkten zutage. Das stürmt, ich möchte sagen, von diesem oder jenem Zentrum auf. Und ein solches Aufstürmen, das ist auch der Goetheanismus, der eigentlich mit all dem, was ich jetzt geschildert habe, nichts zu tun hat, und doch wiederum mit allem sehr viel zu tun hat, von der einen oder von der anderen Seite betrachtet. Denn es entwickelt sich früh als eine Parallelströmung zu dem, was ich Ihnen als Artus-Strömung geschildert habe, die GralsStrömung; die Grals-Strömung, die der genaue Gegensatz der ArtusStrömung ist. Die Grals-Strömung entwickelt sich so, daß derjenige, der den Tempel des Gral besuchen will, unzugängliche Wege zu gehen hat, sechzig Meilen lang, daß der Tempel ganz im Verborgenen liegt, daß man dort überhaupt nichts erfährt, wenn man nicht frägt. Kurz, diese ganze Grals-Stimmung ist die des Verbindung-Herstellens zwischen dem Intimsten der menschlichen Seele, wo die Bewußtseinsseele erwacht, mit den spirituellen Welten. Es ist, wenn ich so sagen darf, auf künstliche Weise angestrebt das Hinauflenken der sinnenfälligen Welt in die spirituelle Welt, das auf instinktive Weise im ChristusVolk angestrebt ist.


[ 37 ] Wollen wir daher in Form einer Zeichnung dieses merkwürdige Ineinanderwirken der europäischen Religionsimpulse verfolgen, so können wir sagen: Wir haben einen Impuls, es ist derjenige, der instinktiv, heute noch keimhaft und unausgebildet, in dem Christus-Volk lebt (siehe Zeichnung, rot). Da kommen dann die Geister, wenn sie Philosophen werden wie Solowjow, dazu, diesen Christus-Impuls als etwas Selbstverständliches zu nehmen.
[ 37 ] Wollen wir daher in Form einer Zeichnung dieses merkwürdige Ineinanderwirken der europäischen Religionsimpulse verfolgen, so können wir sagen: Wir haben einen Impuls, es ist derjenige, der instinktiv, heute noch keimhaft und unausgebildet, in dem Christus-Volk lebt (siehe Zeichnung, rot). Da kommen dann die Geister, wenn sie Philosophen werden wie Solowjow, dazu, diesen Christus-Impuls als etwas Selbstverständliches zu nehmen.
[ 38 ] Mitteleuropa ist durch seine ethnographischen und durch seine ethnischen Verhältnisse nicht dazu angelegt, das so zu nehmen; da muß es auf künstliche Weise gemacht werden. Da ist es dann so, daß in der Grals-Strömung nach Europa hereinwirkt dasjenige, was man, ich möchte sagen, wie eine Beugung des Wirbels (siehe Zeichnung, rot unten), als Grals-Strömung hereinwirkend haben kann. Das strahlt überall nach Europa hin, aber es muß dann eben Grals-Strömung sein, ist deshalb auch nicht volksmäßig beschränkt. In dieser Grals-Stimmung, wenn auch sehr stark in den untersten Kräften seines Bewußtseins, lebte Goethe. Suchen Sie sich diese Grals-Stimmung auf; Sie werden sie überall finden. Da steht er in gewisser Beziehung nicht isoliert da; dadurch schließt er sich an Vorhergehendes an. Mit Luther, mit der deutschen Mystik, mit alledem, was da vorangegangen war, hat er nichts zu tun. Das wirkt mehr oder weniger auf ihn so, daß es ihn bildet, daß es ihn zum Weltmenschen macht. Dasjenige, was ihn dazu führt, drei Stufen zu unterscheiden — die Stufe der volksmäßigen Religion, die Stufe der Religion der Weisen, die dem Einzelnen vorgeführt wird im zweiten Gemach, die intimste Religion, die nur intim, im dritten Gemach, zu der Seele spricht und die Mysterien von Tod und Auferstehung enthält — das, was ihn dazu führt in dieser Weise hinaufzuheben, nicht jesuitisch herunterzuführen, sondern hinaufzuheben das in der Sinnenwelt wirksame Religiöse in die spiriruellen Höhen: das ist die Grals-Stimmung. Und Grals-Stimmung, so paradox das besonders heute klingt, ist im Russizismus, Grals-Stimmung ist durchaus im Russizismus. Und auf dieser im Russizismus vorhandenen unbesieglichen Grals-Stimmung beruht eben jene Zukunft des Russentums für die sechste nachatlantische Zeit, von der ich so oft habe zu sprechen gehabt.
[ 38 ] Mitteleuropa ist durch seine ethnographischen und durch seine ethnischen Verhältnisse nicht dazu angelegt, das so zu nehmen; da muß es auf künstliche Weise gemacht werden. Da ist es dann so, daß in der Grals-Strömung nach Europa hereinwirkt dasjenige, was man, ich möchte sagen, wie eine Beugung des Wirbels (siehe Zeichnung, rot unten), als Grals-Strömung hereinwirkend haben kann. Das strahlt überall nach Europa hin, aber es muß dann eben Grals-Strömung sein, ist deshalb auch nicht volksmäßig beschränkt. In dieser Grals-Stimmung, wenn auch sehr stark in den untersten Kräften seines Bewußtseins, lebte Goethe. Suchen Sie sich diese Grals-Stimmung auf; Sie werden sie überall finden. Da steht er in gewisser Beziehung nicht isoliert da; dadurch schließt er sich an Vorhergehendes an. Mit Luther, mit der deutschen Mystik, mit alledem, was da vorangegangen war, hat er nichts zu tun. Das wirkt mehr oder weniger auf ihn so, daß es ihn bildet, daß es ihn zum Weltmenschen macht. Dasjenige, was ihn dazu führt, drei Stufen zu unterscheiden — die Stufe der volksmäßigen Religion, die Stufe der Religion der Weisen, die dem Einzelnen vorgeführt wird im zweiten Gemach, die intimste Religion, die nur intim, im dritten Gemach, zu der Seele spricht und die Mysterien von Tod und Auferstehung enthält — das, was ihn dazu führt in dieser Weise hinaufzuheben, nicht jesuitisch herunterzuführen, sondern hinaufzuheben das in der Sinnenwelt wirksame Religiöse in die spiriruellen Höhen: das ist die Grals-Stimmung. Und Grals-Stimmung, so paradox das besonders heute klingt, ist im Russizismus, Grals-Stimmung ist durchaus im Russizismus. Und auf dieser im Russizismus vorhandenen unbesieglichen Grals-Stimmung beruht eben jene Zukunft des Russentums für die sechste nachatlantische Zeit, von der ich so oft habe zu sprechen gehabt.
[ 39 ] Das ist es, was man jetzt ins Auge fassen muß, wenn man die eine Seite betrachtet. Und fassen wir die andere Seite ins Auge, so haben wir da alles das, was weder den Christus-Impuls so nimmt, nun, wie im Osten, gewissermaßen wie eine Invasion, noch nimmt als etwas, was ein durch Tradition und Schrift in Fortpflanzung Lebendes ist, sondern ihn als das Vernünftige nimmt. Das ist dasjenige, was sich innerhalb des Logentums und namentlich innerhalb aller seiner Verzweigungen, seiner Fortsetzungen zeigt. Ich will es mit einer anderen Farbe bezeichnen (grün). Das ist dasjenige, was sich dann verpeolitisiert im Westen, was der äußerste Ausläufer ist des Artustums, desjenigen, was im König Artus verkörpert ist. Und ebenso wie der ChristusImpuls des Russizismus sich im Gralstum fortsetzt und, ich möchte sagen, in alle guten strebsamen Menschen des Westens einstrahlt, so setzt sich auch jenes andere fort und strömt in alle Menschen hinein, innerhalb des Kirchenvolkes, und bekommt die Färbung des Jesuitismus. Wenn auch der Jesuitismus, wie gesagt, dem spinnefeind ist, darauf kommt es nicht an; etwas kann gerade spinnefeind sein dem, was eben jene Vorstellungsform gibt. Es ist geschehen, es ist historisch, daß die Jesuiten nicht nur sich in alle Logen eingeschlichen haben, daß hochgraduierte Jesuiten im Zusammenhange stehen mit Hochgraduierten der Logen, sondern es ist auch so, daß beide, wenn auch bei verschiedenen Völkern, aus dem selben wurzeln, wenn sich auch das eine zum Papsttum, das andere zur Freiheit, zur Vernünftigkeit, zur Aufklärung entwickelt hat. Das gibt Ihnen nun eine Art Bild von dem, was ich nennen kann das Wirken der Bewußtseinsseelen-Evolution. Denn indem ich Ihnen früher geschildert habe die drei Stufen vom Osten nach dem Westen, war das auf Volkstümliches, auf Ethnisches begründet. Daß es ineinanderwirkend solche Formen annimmt, daß es im Westen zur Aufklärung wurde, das ist dadurch bewirkt, daß die Evolutionsströmung der Bewußtseinsseele im einzelnen Menschen, im Individuum lebt.
[ 39 ] Das ist es, was man jetzt ins Auge fassen muß, wenn man die eine Seite betrachtet. Und fassen wir die andere Seite ins Auge, so haben wir da alles das, was weder den Christus-Impuls so nimmt, nun, wie im Osten, gewissermaßen wie eine Invasion, noch nimmt als etwas, was ein durch Tradition und Schrift in Fortpflanzung Lebendes ist, sondern ihn als das Vernünftige nimmt. Das ist dasjenige, was sich innerhalb des Logentums und namentlich innerhalb aller seiner Verzweigungen, seiner Fortsetzungen zeigt. Ich will es mit einer anderen Farbe bezeichnen (grün). Das ist dasjenige, was sich dann verpeolitisiert im Westen, was der äußerste Ausläufer ist des Artustums, desjenigen, was im König Artus verkörpert ist. Und ebenso wie der ChristusImpuls des Russizismus sich im Gralstum fortsetzt und, ich möchte sagen, in alle guten strebsamen Menschen des Westens einstrahlt, so setzt sich auch jenes andere fort und strömt in alle Menschen hinein, innerhalb des Kirchenvolkes, und bekommt die Färbung des Jesuitismus. Wenn auch der Jesuitismus, wie gesagt, dem spinnefeind ist, darauf kommt es nicht an; etwas kann gerade spinnefeind sein dem, was eben jene Vorstellungsform gibt. Es ist geschehen, es ist historisch, daß die Jesuiten nicht nur sich in alle Logen eingeschlichen haben, daß hochgraduierte Jesuiten im Zusammenhange stehen mit Hochgraduierten der Logen, sondern es ist auch so, daß beide, wenn auch bei verschiedenen Völkern, aus dem selben wurzeln, wenn sich auch das eine zum Papsttum, das andere zur Freiheit, zur Vernünftigkeit, zur Aufklärung entwickelt hat. Das gibt Ihnen nun eine Art Bild von dem, was ich nennen kann das Wirken der Bewußtseinsseelen-Evolution. Denn indem ich Ihnen früher geschildert habe die drei Stufen vom Osten nach dem Westen, war das auf Volkstümliches, auf Ethnisches begründet. Daß es ineinanderwirkend solche Formen annimmt, daß es im Westen zur Aufklärung wurde, das ist dadurch bewirkt, daß die Evolutionsströmung der Bewußtseinsseele im einzelnen Menschen, im Individuum lebt.
[ 40 ] Dann aber haben wir eine dritte Strömung. Das ist diejenige, welche der ganzen Menschheit eigen ist, vermöge welcher die ganze Menschheit in ihrem Entwickelungsalter ist, indem sie immer jünger und jünger wird, und jetzt in dem Zeitalter der Empfindungsseele ist, vom 28. bis zum 21. Jahre. Das geht durch die ganze Menschheit. Wenn wir die erste Strömung, die ethnische, schildern, wo Volksreligionen entstehen: Christus-Religion, Kirchenreligion, Logenreligion, dann stehen wir auf dem Standpunkt der volkstümlichen Entwickelung, die ich gewöhnlich so einteile: italienische Völker = Empfindungsseele, französische = Verstandes- oder Gemütsseele und so weiter. Wenn wir dasjenige schildern, was als Bewußtseinsseele in jedem einzelnen Menschen seit dem fünften nachatlantischen Zeitraum sich entwickelt, so haben wir da vorzugsweise dasjenige, was in dieser Weise ins Religiöse einströmt. Aber von da aus geht dann auch das Zusammenwirken mit dem anderen, mit dem, was Evolution in allen Menschen ist: Empfindungsseelen-Evolution, die ja parallel läuft und viel unbewußter ist als die Bewußtseinsseelen-Evolution.
[ 40 ] Dann aber haben wir eine dritte Strömung. Das ist diejenige, welche der ganzen Menschheit eigen ist, vermöge welcher die ganze Menschheit in ihrem Entwickelungsalter ist, indem sie immer jünger und jünger wird, und jetzt in dem Zeitalter der Empfindungsseele ist, vom 28. bis zum 21. Jahre. Das geht durch die ganze Menschheit. Wenn wir die erste Strömung, die ethnische, schildern, wo Volksreligionen entstehen: Christus-Religion, Kirchenreligion, Logenreligion, dann stehen wir auf dem Standpunkt der volkstümlichen Entwickelung, die ich gewöhnlich so einteile: italienische Völker = Empfindungsseele, französische = Verstandes- oder Gemütsseele und so weiter. Wenn wir dasjenige schildern, was als Bewußtseinsseele in jedem einzelnen Menschen seit dem fünften nachatlantischen Zeitraum sich entwickelt, so haben wir da vorzugsweise dasjenige, was in dieser Weise ins Religiöse einströmt. Aber von da aus geht dann auch das Zusammenwirken mit dem anderen, mit dem, was Evolution in allen Menschen ist: Empfindungsseelen-Evolution, die ja parallel läuft und viel unbewußter ist als die Bewußtseinsseelen-Evolution.
[ 41 ] Studieren Sie, wie solch ein Mensch wie Goethe, wenn auch vielfach durch Impulse im Unterbewußten, aber doch sehr bewußt sich seine religiöse Richtung gibt, so kommen Sie auf das Walten der Bewußtseinsseele. Doch daneben waltet in der modernen Menschheit ein anderes Element, welches sehr stark in Instinkten, in unterbewußten Impulsen durch diese moderne Menschheit wirkt, aber innig verknüpft ist mit der Empfindungsseelen-Entwickelung, und das ist dasjenige, was man nennen muß die Entwickelung zum Sozialismus hin, die jetzt im Beginne ihres Verlaufes ist, und die in einer gewissen Weise ihren Abschluß finden wird von der Seite, wie ich es erzählt habe. Gewiß, die Anstöße werden immer gegeben, wie ich schon gesagt habe, von der Bewußtseinsseele aus; aber daß der Sozialismus die Mission des fünften nachatlantischen Zeitraums ist und bis zum vierten Jahrtausend hin zu einem Abschlusse kommen wird, das rührt für die ganze Menschheit gewissermaßen davon her, daß sie im Empfindungsseelen-Zeitalter lebt vom 28. bis 21. Jahre. Das liegt da drinnen. Der Sozialismus ist nicht etwas, was eine Parteirichtung ist, obwohl es innerhalb der sozialen Körperschaften viele Parteien gibt, aber das sind Parteien innerhalb der sozialen Strömung. Der Sozialismus ist nicht eine Parteisache als solche, sondern der Sozialismus ist etwas, was sich ganz notwendig nach und nach im fünften nachatlantischen Zeitraum in der Menschheit ausbildet. So daß, wenn dieser fünfte nachatlantische Zeitraum abgeschlossen sein wird, im wesentlichen, soweit sie für die zivilisierte Welt in Betracht kommen, in den Menschen die Instinkte für den Sozialismus vorhanden sein werden.
[ 41 ] Studieren Sie, wie solch ein Mensch wie Goethe, wenn auch vielfach durch Impulse im Unterbewußten, aber doch sehr bewußt sich seine religiöse Richtung gibt, so kommen Sie auf das Walten der Bewußtseinsseele. Doch daneben waltet in der modernen Menschheit ein anderes Element, welches sehr stark in Instinkten, in unterbewußten Impulsen durch diese moderne Menschheit wirkt, aber innig verknüpft ist mit der Empfindungsseelen-Entwickelung, und das ist dasjenige, was man nennen muß die Entwickelung zum Sozialismus hin, die jetzt im Beginne ihres Verlaufes ist, und die in einer gewissen Weise ihren Abschluß finden wird von der Seite, wie ich es erzählt habe. Gewiß, die Anstöße werden immer gegeben, wie ich schon gesagt habe, von der Bewußtseinsseele aus; aber daß der Sozialismus die Mission des fünften nachatlantischen Zeitraums ist und bis zum vierten Jahrtausend hin zu einem Abschlusse kommen wird, das rührt für die ganze Menschheit gewissermaßen davon her, daß sie im Empfindungsseelen-Zeitalter lebt vom 28. bis 21. Jahre. Das liegt da drinnen. Der Sozialismus ist nicht etwas, was eine Parteirichtung ist, obwohl es innerhalb der sozialen Körperschaften viele Parteien gibt, aber das sind Parteien innerhalb der sozialen Strömung. Der Sozialismus ist nicht eine Parteisache als solche, sondern der Sozialismus ist etwas, was sich ganz notwendig nach und nach im fünften nachatlantischen Zeitraum in der Menschheit ausbildet. So daß, wenn dieser fünfte nachatlantische Zeitraum abgeschlossen sein wird, im wesentlichen, soweit sie für die zivilisierte Welt in Betracht kommen, in den Menschen die Instinkte für den Sozialismus vorhanden sein werden.
[ 42 ] Nun können Sie sich denken: Das alles, was ich Ihnen gesagt habe, wirkt zusammen in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum. Da wirken alle die Dinge zusammen, die ich geschildert habe. Da wirkt aber auch noch das, was im wesentlichen in unterbewußten Tiefen ist: die Tendenz, bis ins vierte Jahrtausend hinein die richtige sozialistische Gestaltung der ganzen Erdenwelt zu finden. Man braucht sich von einem tieferen Gesichtspunkte aus wahrhaftig nicht zu wundern, daß der Sozialismus alle möglichen Blasen aufwirft, die auch sehr schlimm sein können, wenn man bedenkt, wie er aus unterbewußten Tiefen herauf seine Impulse hat; wenn man bedenkt, wie das alles brodelt und kraftet und der Zeitpunkt noch weit, weit entfernt ist von derjenigen Epoche, wo es in sein richtiges Fahrwasser kommen wird. Aber es rumort, und zwar jetzt nicht einmal in den menschlichen Seelen, sondern es rumort in den menschlichen Naturen, in den menschlichen Temperamenten vor allen Dingen. Und für dasjenige, was in menschlichen Temperamenten rumort, für das findet man Theorien. Diese Theorien — wenn sie nicht Ausdrücke sind, so wie wir es in der Geisteswissenschaft haben, für dasjenige, was in den Tiefen der Wirklichkeit vorhanden ist —, diese Theorien, ob es Bakuninismus, Marxismus, Lassallismus ist, was weiß ich, das ist ganz einerlei, das sind alles Masken, Verbrämungen, alles Dinge, die sich der Mensch oberflächlich über die Wirklichkeit zieht. Die Wirklichkeiten sieht man doch erst, wenn man so tief hineinschaut in die Menschheitsentwickelung, wie wir es durch diese Betrachtungen zu tun versuchen.
[ 42 ] Nun können Sie sich denken: Das alles, was ich Ihnen gesagt habe, wirkt zusammen in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum. Da wirken alle die Dinge zusammen, die ich geschildert habe. Da wirkt aber auch noch das, was im wesentlichen in unterbewußten Tiefen ist: die Tendenz, bis ins vierte Jahrtausend hinein die richtige sozialistische Gestaltung der ganzen Erdenwelt zu finden. Man braucht sich von einem tieferen Gesichtspunkte aus wahrhaftig nicht zu wundern, daß der Sozialismus alle möglichen Blasen aufwirft, die auch sehr schlimm sein können, wenn man bedenkt, wie er aus unterbewußten Tiefen herauf seine Impulse hat; wenn man bedenkt, wie das alles brodelt und kraftet und der Zeitpunkt noch weit, weit entfernt ist von derjenigen Epoche, wo es in sein richtiges Fahrwasser kommen wird. Aber es rumort, und zwar jetzt nicht einmal in den menschlichen Seelen, sondern es rumort in den menschlichen Naturen, in den menschlichen Temperamenten vor allen Dingen. Und für dasjenige, was in menschlichen Temperamenten rumort, für das findet man Theorien. Diese Theorien — wenn sie nicht Ausdrücke sind, so wie wir es in der Geisteswissenschaft haben, für dasjenige, was in den Tiefen der Wirklichkeit vorhanden ist —, diese Theorien, ob es Bakuninismus, Marxismus, Lassallismus ist, was weiß ich, das ist ganz einerlei, das sind alles Masken, Verbrämungen, alles Dinge, die sich der Mensch oberflächlich über die Wirklichkeit zieht. Die Wirklichkeiten sieht man doch erst, wenn man so tief hineinschaut in die Menschheitsentwickelung, wie wir es durch diese Betrachtungen zu tun versuchen.
[ 43 ] Und auch dasjenige, was jetzt äußerlich geschieht, das sind ja nur tumultuarische Vorbereitungen zu dem, was schließlich in allen — und zwar jetzt wirklich, man kann sagen, eben nicht Seelen, sondern in den Temperamenten lauert. Sie alle sind sozialistisch. Sie wissen es oftmals nicht, wie stark Sie sozialistisch sind, weil es im Temperamente, ganz im Unterbewußten lauert. Aber nur dadurch, daß man so etwas weiß, kommt man hinaus über jenes nebulose, lächerliche Suchen nach Selbsterkenntnis, die hineinschaut in das menschliche Innere und da, ich will es nicht schildern, was man da für ein wesenloses Caput mortuum, für ein Abstraktum findet. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Man lernt ihn nur kennen, wenn man die ganze Welt kennenlernt. Das ist es, was dabei berücksichtigt werden muß.
[ 43 ] Und auch dasjenige, was jetzt äußerlich geschieht, das sind ja nur tumultuarische Vorbereitungen zu dem, was schließlich in allen — und zwar jetzt wirklich, man kann sagen, eben nicht Seelen, sondern in den Temperamenten lauert. Sie alle sind sozialistisch. Sie wissen es oftmals nicht, wie stark Sie sozialistisch sind, weil es im Temperamente, ganz im Unterbewußten lauert. Aber nur dadurch, daß man so etwas weiß, kommt man hinaus über jenes nebulose, lächerliche Suchen nach Selbsterkenntnis, die hineinschaut in das menschliche Innere und da, ich will es nicht schildern, was man da für ein wesenloses Caput mortuum, für ein Abstraktum findet. Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen. Man lernt ihn nur kennen, wenn man die ganze Welt kennenlernt. Das ist es, was dabei berücksichtigt werden muß.
[ 44 ] Betrachten Sie einmal von diesem Gesichtspunkte aus die Welt, die Menschheit, wie sie sich im fünften nachatlantischen Zeitraum heranentwickelt hat. Sagen Sie sich nun selbst: Da haben wir im Osten das Christus-Volk mit dem wesentlichsten Impuls: Christus ist Geist. — Es lebt in der Natur dieses Volkes, daß dasjenige, was nur als Vorläufer hat geschehen können durch die andere europäische Bildung, wie mit instinktiver, mit elementarer Gewalt, mit historischer Notwendigkeit durch den Russizismus in die Welt kommt. Es ist dem russischen Volke als Volk diese Mission übertragen, das Gralswesen als religiöses System bis zum sechsten nachatlantischen Zeitraum so auszubilden, daß es dann ein Kulturferment der ganzen Erde werden kann. Kein Wunder, wenn sich dieser Impuls kreuzt mit den anderen Impulsen, die vorhanden sind, daß die anderen Impulse sonderbare Formen annehmen.
[ 44 ] Betrachten Sie einmal von diesem Gesichtspunkte aus die Welt, die Menschheit, wie sie sich im fünften nachatlantischen Zeitraum heranentwickelt hat. Sagen Sie sich nun selbst: Da haben wir im Osten das Christus-Volk mit dem wesentlichsten Impuls: Christus ist Geist. — Es lebt in der Natur dieses Volkes, daß dasjenige, was nur als Vorläufer hat geschehen können durch die andere europäische Bildung, wie mit instinktiver, mit elementarer Gewalt, mit historischer Notwendigkeit durch den Russizismus in die Welt kommt. Es ist dem russischen Volke als Volk diese Mission übertragen, das Gralswesen als religiöses System bis zum sechsten nachatlantischen Zeitraum so auszubilden, daß es dann ein Kulturferment der ganzen Erde werden kann. Kein Wunder, wenn sich dieser Impuls kreuzt mit den anderen Impulsen, die vorhanden sind, daß die anderen Impulse sonderbare Formen annehmen.
[ 45 ] Welches sind die anderen Impulse? Nun: Der Christus ist König, Christus ist Lehrer, Ja, bis zu dem «der Christus ist Lehrer» kann man kaum gehen, denn das versteht eigentlich das russische Gemüt, wie ich schon sagte, doch eigentlich nicht, was das heißen soll, daß man das Christentum lehren kann, daß man das nicht erlebt als etwas, was in der eigenen Seele ist. Aber «Christus ist König» — so ist doch das Russentum mit dem «Christus ist König» zusammengewachsen. Und da sehen wir das Zusammenstoßen desjenigen, was am allerwenigsten jemals in der Welt zusammengehört hat: das Zusammenstoßen mit dem Zarismus, die östliche Karikatur des Prinzips, irdische Herrschaft einzuführen auf dem Gebiete des Religionswesens. «Christus ist König» — und der Zar ist sein Stellvertreter: diese Zusammenkoppelung dieses Westlichen, das im Zarismus sich ausspricht, mit dem, was gar nichts damit zu tun hat, mit dem, was durch die russische Volksseele im russischen Gemüte lebt!
[ 45 ] Welches sind die anderen Impulse? Nun: Der Christus ist König, Christus ist Lehrer, Ja, bis zu dem «der Christus ist Lehrer» kann man kaum gehen, denn das versteht eigentlich das russische Gemüt, wie ich schon sagte, doch eigentlich nicht, was das heißen soll, daß man das Christentum lehren kann, daß man das nicht erlebt als etwas, was in der eigenen Seele ist. Aber «Christus ist König» — so ist doch das Russentum mit dem «Christus ist König» zusammengewachsen. Und da sehen wir das Zusammenstoßen desjenigen, was am allerwenigsten jemals in der Welt zusammengehört hat: das Zusammenstoßen mit dem Zarismus, die östliche Karikatur des Prinzips, irdische Herrschaft einzuführen auf dem Gebiete des Religionswesens. «Christus ist König» — und der Zar ist sein Stellvertreter: diese Zusammenkoppelung dieses Westlichen, das im Zarismus sich ausspricht, mit dem, was gar nichts damit zu tun hat, mit dem, was durch die russische Volksseele im russischen Gemüte lebt!
[ 46 ] In der äußeren physischen Wirklichkeit ist eben gerade das Charakteristische, daß diejenigen Dinge, die oftmals innerlich am wenigsten miteinander zu tun haben, sich äußerlich aneinander abreiben müssen. Fremdest waren von jeher Zarismus und Russentum, gehörten nicht zusammen. Wer das russische Wesen versteht, namentlich religiös, der wird daher die Einstellung auf die Ausscheidung des Zarismus immer als etwas Selbstverständliches für den wirklichen nötigen Zeitpunkt haben finden müssen. Aber bedenken Sie, daß dieses «Christus ist der Geist» Innerlichstes ist, daß es zusammenhängt mit der edelsten Kultur der Bewußtseinsseele, und nun zusammenstößt, während der Sozialismus rumort, mit dem, was in der Empfindungsseele lebt, so wie ich es dargestellt habe. Kein Wunder, daß die Ausbreitung des Sozialismus in diesem östlichen Teile von Europa Formen annimmt, die überhaupt unbegreiflich sind, ein unorganisches Ineinanderspielen der Bewußtseinsseelenkultur und der Empfindungsseelenkultur.
[ 46 ] In der äußeren physischen Wirklichkeit ist eben gerade das Charakteristische, daß diejenigen Dinge, die oftmals innerlich am wenigsten miteinander zu tun haben, sich äußerlich aneinander abreiben müssen. Fremdest waren von jeher Zarismus und Russentum, gehörten nicht zusammen. Wer das russische Wesen versteht, namentlich religiös, der wird daher die Einstellung auf die Ausscheidung des Zarismus immer als etwas Selbstverständliches für den wirklichen nötigen Zeitpunkt haben finden müssen. Aber bedenken Sie, daß dieses «Christus ist der Geist» Innerlichstes ist, daß es zusammenhängt mit der edelsten Kultur der Bewußtseinsseele, und nun zusammenstößt, während der Sozialismus rumort, mit dem, was in der Empfindungsseele lebt, so wie ich es dargestellt habe. Kein Wunder, daß die Ausbreitung des Sozialismus in diesem östlichen Teile von Europa Formen annimmt, die überhaupt unbegreiflich sind, ein unorganisches Ineinanderspielen der Bewußtseinsseelenkultur und der Empfindungsseelenkultur.
[ 47 ] Vieles, was in der äußeren Wirklichkeit geschieht, es wird Ihnen klar und verständlich sein, wenn Sie diese innerlichen Zusammenhänge ins Auge fassen. Und notwendig ist es schon einmal für die gegenwärtige Menschheit und für ihre Entwickelung in die Zukunft hinein, daß die Menschheit nicht aus Bequemlichkeit und Faulheit vorbeigeht an dem, was ja zu ihrem Wesen gehört: Verständnis zu haben dafür, in welchen Zusammenhängen wir jetzt drinnen stehen. Man hat es nicht verstanden, hat es nicht verstehen wollen. Dadurch ist das europäische, jetzt mit dem amerikanischen verknüpfte Chaos gekommen, die furchtbare Katastrophe, Nicht eher wird man aus der Katastrophe herauskommen, bis die Menschen sich geneigt zeigen werden, so sich zu verstehen wie sie sind, aber eben wie sie sind innerhalb der gegenwärtigen Zeitenentwickelung, innerhalb der gegenwärtigen Zeitepoche. Das ist es, was man einsehen muß.
[ 47 ] Vieles, was in der äußeren Wirklichkeit geschieht, es wird Ihnen klar und verständlich sein, wenn Sie diese innerlichen Zusammenhänge ins Auge fassen. Und notwendig ist es schon einmal für die gegenwärtige Menschheit und für ihre Entwickelung in die Zukunft hinein, daß die Menschheit nicht aus Bequemlichkeit und Faulheit vorbeigeht an dem, was ja zu ihrem Wesen gehört: Verständnis zu haben dafür, in welchen Zusammenhängen wir jetzt drinnen stehen. Man hat es nicht verstanden, hat es nicht verstehen wollen. Dadurch ist das europäische, jetzt mit dem amerikanischen verknüpfte Chaos gekommen, die furchtbare Katastrophe, Nicht eher wird man aus der Katastrophe herauskommen, bis die Menschen sich geneigt zeigen werden, so sich zu verstehen wie sie sind, aber eben wie sie sind innerhalb der gegenwärtigen Zeitenentwickelung, innerhalb der gegenwärtigen Zeitepoche. Das ist es, was man einsehen muß.
[ 48 ] Daher ist es mir so wichtig, daß man einsieht, wie das, was ich mir denke als anthroposophische Bewegung, wirklich angeknüpft werden soll an die Erkenntnis der großen Evolutionsimpulse der Menschheit, angeknüpft werden soll an dasjenige, was die Zeit unmittelbar jetzt von den Menschen fordert. Natürlich ist es dann ein großer Schmerz, wenn man sieht, wie wenig eigentlich die Gegenwart geneigt ist, anthroposophische Weltanschauung gerade von dieser Seite her zu begreifen und ins Auge zu fassen. |
[ 48 ] Daher ist es mir so wichtig, daß man einsieht, wie das, was ich mir denke als anthroposophische Bewegung, wirklich angeknüpft werden soll an die Erkenntnis der großen Evolutionsimpulse der Menschheit, angeknüpft werden soll an dasjenige, was die Zeit unmittelbar jetzt von den Menschen fordert. Natürlich ist es dann ein großer Schmerz, wenn man sieht, wie wenig eigentlich die Gegenwart geneigt ist, anthroposophische Weltanschauung gerade von dieser Seite her zu begreifen und ins Auge zu fassen. |
[ 49 ] Sie werden aus dem, was ich gesagt habe, einsehen, wie das, was als Sozialismus heraufsteigt — durch allgemeine Gesichtspunkte möchte ich nun ergänzen, was ich in der vorigen Woche in Anknüpfung an die «Philosophie der Freiheit» gesagt habe —, eine in der Menschennatur ganz allgemein begründete, immer weiter und weiter greifende Erscheinung in der Menschheit ist. Die heutigen Reaktionen, die dagegen stattfinden, sind für den, der die Dinge durchschaut, einfach furchtbar. Für den, der die Dinge durchschaut, ist es klar, daß, wenn es auch noch so tumultuarisch, noch so im Rumoren darinnen sich geltend macht, was Sozialismus ist über die ganze Erde hin, dieses internationale Element, daß das dasjenige ist, was zukunftsträchtig ist, und daß das, was jetzt auftritt, die Konstituierung von allen möglichen National-, Natiönchen-Staaten, dasjenige ist, was der Menschheitsevolution entgegenarbeitet. Es ist ein furchtbares Entgegenstemmen gegen den Sinn der Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitraums, was in den Worten liegt: Jeder einzelnen Nation einen Staat. — Wo das enden soll, weiß man ja ohnedies natürlich gar nicht, aber es wird halt gesagt; nun, es wird halt gesagt! Das ist zu gleicher Zeit ganz durchtränkt von dem, was in den Artus-Impuls zurückführt: ganz durchtränkt von Organisationsprinzipien. Der Gegensatz dazu ist die Grals-Bestrebung, die so innig verwandt ist mit den Goetheschen Prinzipien, wie ich sie Ihnen dargestellt habe, diese Grals-Bestrebung, die überall auf das Individuelle, im Ethischen, im Wissenschaftlichen überall auf das Individuelle hintendiert, die vor allen Dingen das Individuum in seiner Entwickelung ins Auge fassen will, nicht Gruppen, die heute keine Bedeutung mehr haben und die durch das internationale sozialistische Element aus der Welt geschafft werden müssen, weil da die Richtung der Entwickelung liegt.
[ 49 ] Sie werden aus dem, was ich gesagt habe, einsehen, wie das, was als Sozialismus heraufsteigt — durch allgemeine Gesichtspunkte möchte ich nun ergänzen, was ich in der vorigen Woche in Anknüpfung an die «Philosophie der Freiheit» gesagt habe —, eine in der Menschennatur ganz allgemein begründete, immer weiter und weiter greifende Erscheinung in der Menschheit ist. Die heutigen Reaktionen, die dagegen stattfinden, sind für den, der die Dinge durchschaut, einfach furchtbar. Für den, der die Dinge durchschaut, ist es klar, daß, wenn es auch noch so tumultuarisch, noch so im Rumoren darinnen sich geltend macht, was Sozialismus ist über die ganze Erde hin, dieses internationale Element, daß das dasjenige ist, was zukunftsträchtig ist, und daß das, was jetzt auftritt, die Konstituierung von allen möglichen National-, Natiönchen-Staaten, dasjenige ist, was der Menschheitsevolution entgegenarbeitet. Es ist ein furchtbares Entgegenstemmen gegen den Sinn der Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitraums, was in den Worten liegt: Jeder einzelnen Nation einen Staat. — Wo das enden soll, weiß man ja ohnedies natürlich gar nicht, aber es wird halt gesagt; nun, es wird halt gesagt! Das ist zu gleicher Zeit ganz durchtränkt von dem, was in den Artus-Impuls zurückführt: ganz durchtränkt von Organisationsprinzipien. Der Gegensatz dazu ist die Grals-Bestrebung, die so innig verwandt ist mit den Goetheschen Prinzipien, wie ich sie Ihnen dargestellt habe, diese Grals-Bestrebung, die überall auf das Individuelle, im Ethischen, im Wissenschaftlichen überall auf das Individuelle hintendiert, die vor allen Dingen das Individuum in seiner Entwickelung ins Auge fassen will, nicht Gruppen, die heute keine Bedeutung mehr haben und die durch das internationale sozialistische Element aus der Welt geschafft werden müssen, weil da die Richtung der Entwickelung liegt.
[ 50 ] Auch aus diesem Grunde ist es, daß man sagen muß: Im Goetheanismus, im Goetheanismus mit all seinem Individualismus — wie ich den Individualismus hervorgeholt habe aus der Goetheschen Weltanschauung, sehen Sie in meinen ersten Goethe-Schriften, Sie können es auch bemerken in meinem Buche «Goethes Weltanschauung», diesen Individualismus, der schon einmal eine naturgemäße Folge des Goetheanismus ist —, in diesem Individualismus, der nur in einer Philosophie der Freiheit gipfeln kann, da liegt dasjenige, was notwendigerweise hinzielen muß zu dem, was als Sozialismus sich bildet, so daß man in einem gewissen Sinne zwei Pole anerkennen kann, auf der einen Seite den Individualismus, auf der andern Seite den Sozialismus, nach denen die Menschheit hintendiert im fünften nachatlantischen Zeitraum. Aber diese Dinge müssen richtig verstanden werden. Und das richtige Verstehen, das ist notwendig damit verbunden, daß man sich einen Einblick verschafft, was zum Sozialismus hinzukommen muß, wenn er wirklich in der Richtung der Menschheitsevolution laufen soll. Die heutigen Sozialisten haben ja noch keine Ahnung, was notwendigerweise mit dem wahren, erst im vierten Jahrtausende einen gewissen Abschluß bekommenden Sozialismus zusammenhängt, zusammenhängen muß, wenn er in seiner Entwickelung richtig geht. Da handelt es sich vor allen Dingen darum, daß dieser Sozialismus sich zusammenentwickeln muß mit einer richtigen Empfindung über das Wesen des ganzen Menschen, des leiblichen, des seelischen, des geistigen Menschen. Die Nuancen, die werden schon die einzelnen ethnischen Religionsimpulse dazubringen, die werden schon ihre Beiträge liefern, daß verstanden wird der Mensch nach dieser dreifachen Gliederung, nach Leib, Seele und Geist. Der Orient mit dem Russischen wird dafür sorgen, daß der Geist begriffen wird. Der Westen wird dafür sorgen, daß der Leib begriffen wird. Die Mitte wird dafür sorgen, daß die Seele begriffen wird. Aber das alles geht natürlich durcheinander. Das darf nicht schematisiert und nicht kategorisiert werden, aber in all das hinein muß sich eben erst entwickeln das wirkliche Prinzip, der wirkliche Impuls des Sozialismus.
[ 50 ] Auch aus diesem Grunde ist es, daß man sagen muß: Im Goetheanismus, im Goetheanismus mit all seinem Individualismus — wie ich den Individualismus hervorgeholt habe aus der Goetheschen Weltanschauung, sehen Sie in meinen ersten Goethe-Schriften, Sie können es auch bemerken in meinem Buche «Goethes Weltanschauung», diesen Individualismus, der schon einmal eine naturgemäße Folge des Goetheanismus ist —, in diesem Individualismus, der nur in einer Philosophie der Freiheit gipfeln kann, da liegt dasjenige, was notwendigerweise hinzielen muß zu dem, was als Sozialismus sich bildet, so daß man in einem gewissen Sinne zwei Pole anerkennen kann, auf der einen Seite den Individualismus, auf der andern Seite den Sozialismus, nach denen die Menschheit hintendiert im fünften nachatlantischen Zeitraum. Aber diese Dinge müssen richtig verstanden werden. Und das richtige Verstehen, das ist notwendig damit verbunden, daß man sich einen Einblick verschafft, was zum Sozialismus hinzukommen muß, wenn er wirklich in der Richtung der Menschheitsevolution laufen soll. Die heutigen Sozialisten haben ja noch keine Ahnung, was notwendigerweise mit dem wahren, erst im vierten Jahrtausende einen gewissen Abschluß bekommenden Sozialismus zusammenhängt, zusammenhängen muß, wenn er in seiner Entwickelung richtig geht. Da handelt es sich vor allen Dingen darum, daß dieser Sozialismus sich zusammenentwickeln muß mit einer richtigen Empfindung über das Wesen des ganzen Menschen, des leiblichen, des seelischen, des geistigen Menschen. Die Nuancen, die werden schon die einzelnen ethnischen Religionsimpulse dazubringen, die werden schon ihre Beiträge liefern, daß verstanden wird der Mensch nach dieser dreifachen Gliederung, nach Leib, Seele und Geist. Der Orient mit dem Russischen wird dafür sorgen, daß der Geist begriffen wird. Der Westen wird dafür sorgen, daß der Leib begriffen wird. Die Mitte wird dafür sorgen, daß die Seele begriffen wird. Aber das alles geht natürlich durcheinander. Das darf nicht schematisiert und nicht kategorisiert werden, aber in all das hinein muß sich eben erst entwickeln das wirkliche Prinzip, der wirkliche Impuls des Sozialismus.
[ 51 ] Was ist dieser Sozialismus? Der wirkliche Impuls des Sozialismus besteht nämlich darinnen, daß die Menschen es, so wie ich es neulich einmal geschildert habe, wirklich dazu bringen, in der äußeren sozialen Struktur die Brüderlichkeit zu verwirklichen im weitesten Sinne des Wortes. Die wirkliche Brüderlichkeit hat nichts zu tun mit Gleichheit, selbstverständlich. Denn nehmen Sie schon in der Familie Brüderlichkeit an: wenn der eine Bruder sieben Jahre alt ist, der andere erst geboren ist, so kann man natürlich nicht von Gleichheit sprechen. Brüderlichkeit wird erst verstanden werden müssen. Aber das ist auch alles, was auf dem physischen Plan zu verwirklichen ist: an Stelle der heutigen Staatssysteme Organisationen über die ganze Erde hin, die durchtränkt sind von Brüderlichkeit. Dagegen muß aus der äußerlichen Organisation, aus der Staatsorganisation und aus allen staatsähnlichen Organisationen heraus alles Kirchliche und alles Religiöse. Das muß seelische Angelegenheit werden. Das muß in völlig freiem Nebeneinanderleben der Seelen sich entwickeln. Parallel mit der Entwickelung des Sozialismus muß absoluteste Gedankenfreiheit in bezug auf alle religiösen Dinge gehen.
[ 51 ] Was ist dieser Sozialismus? Der wirkliche Impuls des Sozialismus besteht nämlich darinnen, daß die Menschen es, so wie ich es neulich einmal geschildert habe, wirklich dazu bringen, in der äußeren sozialen Struktur die Brüderlichkeit zu verwirklichen im weitesten Sinne des Wortes. Die wirkliche Brüderlichkeit hat nichts zu tun mit Gleichheit, selbstverständlich. Denn nehmen Sie schon in der Familie Brüderlichkeit an: wenn der eine Bruder sieben Jahre alt ist, der andere erst geboren ist, so kann man natürlich nicht von Gleichheit sprechen. Brüderlichkeit wird erst verstanden werden müssen. Aber das ist auch alles, was auf dem physischen Plan zu verwirklichen ist: an Stelle der heutigen Staatssysteme Organisationen über die ganze Erde hin, die durchtränkt sind von Brüderlichkeit. Dagegen muß aus der äußerlichen Organisation, aus der Staatsorganisation und aus allen staatsähnlichen Organisationen heraus alles Kirchliche und alles Religiöse. Das muß seelische Angelegenheit werden. Das muß in völlig freiem Nebeneinanderleben der Seelen sich entwickeln. Parallel mit der Entwickelung des Sozialismus muß absoluteste Gedankenfreiheit in bezug auf alle religiösen Dinge gehen.
[ 52 ] Das hat ja der bisherige Sozialismus in Form der Sozialdemokratie, nun, nur so hervorgeschmissen, daß man schon sagen kann: «Religion ist Privatsache.» — Aber das hält er ungefähr so ein, wie der wütende Stier die Brüderlichkeit einhält, wenn er auf irgend jemand losgeht. Da ist natürlich nicht das geringste Verständnis dafür, denn der Sozialismus in seiner heutigen Gestalt ist selber Religion; er wird in ganz sektenmäßiger Weise betrieben und tritt mit ungeheurer Intoleranz auf. Also parallel diesem Sozialismus muß gehen eine wirkliche Blüte des religiösen Lebens, das darauf gebaut ist, daß das religiöse Leben der Menschheit eine freie Angelegenheit der miteinander auf der Erde wirksamen Seelen ist.
[ 52 ] Das hat ja der bisherige Sozialismus in Form der Sozialdemokratie, nun, nur so hervorgeschmissen, daß man schon sagen kann: «Religion ist Privatsache.» — Aber das hält er ungefähr so ein, wie der wütende Stier die Brüderlichkeit einhält, wenn er auf irgend jemand losgeht. Da ist natürlich nicht das geringste Verständnis dafür, denn der Sozialismus in seiner heutigen Gestalt ist selber Religion; er wird in ganz sektenmäßiger Weise betrieben und tritt mit ungeheurer Intoleranz auf. Also parallel diesem Sozialismus muß gehen eine wirkliche Blüte des religiösen Lebens, das darauf gebaut ist, daß das religiöse Leben der Menschheit eine freie Angelegenheit der miteinander auf der Erde wirksamen Seelen ist.
[ 53 ] Nun denken Sie einmal, wie unendlich viel dadurch entgegengearbeitet worden ist der Evolution. Es muß immer zuerst entgegengearbeitet werden, damit dann wieder eine Zeitlang im Sinne der Evolution gearbeitet werden kann; dann kommt wiederum der Gegenschlag, und so weiter. Das habe ich Ihnen ja bei den allgemeinen Geschichtsprinzipien erörtert, daß alles da ist, damit es wiederum stirbt. Denken $ie nur, wie gegengearbeitet worden ist diesem Parallelgehen der Gedankenfreiheit auf dem Gebiete der Religion und des äußerlichen brüderlichen sozialen Lebens, das sich, wenn man schon vom Staate spricht, nur innerhalb der Staatsgemeinschaft ausbilden kann! Innerhalb der Staatsorganisation darf das religiöse Leben überhaupt gar keine Rolle spielen, sondern nur innerhalb der als Seelen zusammenlebenden Menschen in völligster Unabhängigkeit von irgendeiner Organisation, wenn Sozialismus herrschen soll. Was ist dagegen gesündigt worden! «Christus ist der Geist» — daneben diese furchtbare Kirchenorganisation des Zarismus! «Christus ist der König» — absolute Zusammenkoppelung von Zarismus mit religiösen Überzeugungen! Und nicht nur, daß die Kirche, die römisch-katholische Kirche selber sich konstituiert hat als politisches Reich, sie hat auch den Weg gefunden, namentlich in den letzten Jahrhunderten mit dem Umwege über den Jesuitismus, in die anderen Reiche sich einzuschleichen und die mitzuorganisieren, die mitzudurchtränken. Oder denken Sie, wie hat sich schließlich das Luthertum entwickelt? Gewiß, Luther ging hervor aus jenem Impulse — so habe ich ihn auch einmal dargestellt —, und er ist so recht ein Geist, der mit dem einen Gesicht nach dem vierten, mit dem anderen Gesicht nach dem fünften Zeitraum weist und insofern einen zeitgemäßen Impuls hat. Er tritt auf, aber was geschieht dann? Dann koppelt sich dasjenige, was Luther auf religiösem Gebiete gewollt hat, mit den Fürsteninteressen der einzelnen deutschen Höfe zusammen. Ein Fürst wird Synodale, Episkop, und so weiter; also auch da zusammengekoppelt dasjenige, was niemals zusammengekoppelt werden darf. Oder Durchtränkung des die äußere Staatsorganisation durchsetzenden Staatsprinzips mit dem katholischen religiösen Prinzip, wie es in Österreich war, in dem jetzt zugrunde gehenden Österreich, worauf das ganze Unglück Österreichs im Grunde genommen doch zurückgeht. Unter anderen Ägiden, namentlich unter der Ägide des Goetheanismus, würde es möglich gewesen sein, in Österreich sehr gut Ordnung zu schaffen.
[ 53 ] Nun denken Sie einmal, wie unendlich viel dadurch entgegengearbeitet worden ist der Evolution. Es muß immer zuerst entgegengearbeitet werden, damit dann wieder eine Zeitlang im Sinne der Evolution gearbeitet werden kann; dann kommt wiederum der Gegenschlag, und so weiter. Das habe ich Ihnen ja bei den allgemeinen Geschichtsprinzipien erörtert, daß alles da ist, damit es wiederum stirbt. Denken $ie nur, wie gegengearbeitet worden ist diesem Parallelgehen der Gedankenfreiheit auf dem Gebiete der Religion und des äußerlichen brüderlichen sozialen Lebens, das sich, wenn man schon vom Staate spricht, nur innerhalb der Staatsgemeinschaft ausbilden kann! Innerhalb der Staatsorganisation darf das religiöse Leben überhaupt gar keine Rolle spielen, sondern nur innerhalb der als Seelen zusammenlebenden Menschen in völligster Unabhängigkeit von irgendeiner Organisation, wenn Sozialismus herrschen soll. Was ist dagegen gesündigt worden! «Christus ist der Geist» — daneben diese furchtbare Kirchenorganisation des Zarismus! «Christus ist der König» — absolute Zusammenkoppelung von Zarismus mit religiösen Überzeugungen! Und nicht nur, daß die Kirche, die römisch-katholische Kirche selber sich konstituiert hat als politisches Reich, sie hat auch den Weg gefunden, namentlich in den letzten Jahrhunderten mit dem Umwege über den Jesuitismus, in die anderen Reiche sich einzuschleichen und die mitzuorganisieren, die mitzudurchtränken. Oder denken Sie, wie hat sich schließlich das Luthertum entwickelt? Gewiß, Luther ging hervor aus jenem Impulse — so habe ich ihn auch einmal dargestellt —, und er ist so recht ein Geist, der mit dem einen Gesicht nach dem vierten, mit dem anderen Gesicht nach dem fünften Zeitraum weist und insofern einen zeitgemäßen Impuls hat. Er tritt auf, aber was geschieht dann? Dann koppelt sich dasjenige, was Luther auf religiösem Gebiete gewollt hat, mit den Fürsteninteressen der einzelnen deutschen Höfe zusammen. Ein Fürst wird Synodale, Episkop, und so weiter; also auch da zusammengekoppelt dasjenige, was niemals zusammengekoppelt werden darf. Oder Durchtränkung des die äußere Staatsorganisation durchsetzenden Staatsprinzips mit dem katholischen religiösen Prinzip, wie es in Österreich war, in dem jetzt zugrunde gehenden Österreich, worauf das ganze Unglück Österreichs im Grunde genommen doch zurückgeht. Unter anderen Ägiden, namentlich unter der Ägide des Goetheanismus, würde es möglich gewesen sein, in Österreich sehr gut Ordnung zu schaffen.
[ 54 ] Das ist auf der einen Seite. Auf der anderen Seite im Westen in der englischsprechenden Bevölkerung überall Durchdringung von Logentum mit Fürstentum. Das ist gerade das Charakteristische, daß die staatliche Organisation im Westen überhaupt nicht zu verstehen ist — und Frankreich und Italien sind ja ganz infiziert davon —, ohne daß man da die Durchsetzung mit dem Logentum ebenso ins Auge faßt, wie man in Mitteleuropa die Durchsetzung mit dem Jesuitismus oder mit anderem ins Auge fassen muß. Also gegen dasjenige, was notwendig parallelgehen muß dem Sozialismus, ist furchtbar gesündigt worden, und das muß ins Auge gefaßt werden.
[ 54 ] Das ist auf der einen Seite. Auf der anderen Seite im Westen in der englischsprechenden Bevölkerung überall Durchdringung von Logentum mit Fürstentum. Das ist gerade das Charakteristische, daß die staatliche Organisation im Westen überhaupt nicht zu verstehen ist — und Frankreich und Italien sind ja ganz infiziert davon —, ohne daß man da die Durchsetzung mit dem Logentum ebenso ins Auge faßt, wie man in Mitteleuropa die Durchsetzung mit dem Jesuitismus oder mit anderem ins Auge fassen muß. Also gegen dasjenige, was notwendig parallelgehen muß dem Sozialismus, ist furchtbar gesündigt worden, und das muß ins Auge gefaßt werden.
[ 55 ] Ein Weiteres, was mit der Entwickelung nach dem Sozialismus parallel gehen muß, ist auf dem Gebiete des geistigen Lebens die Emanzipation alles Strebens nach dem Geiste unabhängig von der Staatsorganisation. Die absolute Aufhebung aller Kasernierung der Wissenschaft und dessen, was mit Wissenschaft zusammenhängt. Das ist das Notwendige. Jene über die Welt zerstreuten Kasernen der Wissenschaft, die man Universitäten nennt, das sind Dinge, welche am allermeisten entgegenstreben dem, was sich im fünften nachatlantischen Zeitraum entwickeln will. Denn so wie Freiheit herein muß auf religiösem Gebiete, so muß auf dem Gebiete der Erkenntnis die Möglichkeit entstehen, daß ein vollständig gleiches Zusammengehen entsteht, daß jeder seinen Anteil haben kann an der Fortentwickelung der Menschheit. Nicht im geringsten dürfen, wenn die sozialistische Bewegung gesund sich entwickeln will, Privilegien, Patente, Monopole auf irgendeinem Zweig der Erkenntnis liegen. Da wir heute noch sehr weit entfernt sind von dem, was ich eigentlich meine, so ist es wohl nicht nötig, daß ich nach irgendeiner Seite Ihnen zeige, wie es möglich ist, die Kasernierung der Wissenschaft aufzuheben, und wie es möglich ist, jeden Menschen zu seinem Anteil an der Evolution nach dieser Richtung zu bringen. Denn das wird zusammenhängen mit tiefgreifenden Impulsen, die im Erziehungswesen, ja in dem ganzen Verhältnis von Mensch zu Mensch sich entwickeln werden. Aber so wird es sein, daß alle Monopole, Privilegien, Patente, die sich auf den Besitz geistiger Erkenntnisse beziehen, schwinden werden, und nur die Möglichkeit vorhanden sein wird, daß der Mensch den Inhalt des geistigen Lebens nach allen Richtungen hin, auf allen Gebieten so geltend machen kann, wie er in ihm liegt, wie stark er in ihm liegt, wie stark er in ihm zum Ausdrucke kommt. In einer Zeit, in der man immer mehr und mehr dahin strebt, solche Dinge wie die Medizin zum Beispiel zu monopolisieren durch die Universitätsleute, in der man auch auf den verschiedensten anderen Gebieten alles, alles durchorganisieren will, in einer solchen Zeit hat man es ja nicht nötig, über Einzelheiten der geistigen Gleichheit zu sprechen, — denn wir sind ja natürlich noch sehr weit davon entfernt, und die meisten von uns haben genügend Zeit, zu warten bis zu ihrer nächsten Inkarnation, wenn sie ein vollständiges Verständnis anstreben dessen, was mit Bezug auf diesen dritten Punkt zu sagen ist. Aber natürlich, Anfänge könnten überall gebildet werden.
[ 55 ] Ein Weiteres, was mit der Entwickelung nach dem Sozialismus parallel gehen muß, ist auf dem Gebiete des geistigen Lebens die Emanzipation alles Strebens nach dem Geiste unabhängig von der Staatsorganisation. Die absolute Aufhebung aller Kasernierung der Wissenschaft und dessen, was mit Wissenschaft zusammenhängt. Das ist das Notwendige. Jene über die Welt zerstreuten Kasernen der Wissenschaft, die man Universitäten nennt, das sind Dinge, welche am allermeisten entgegenstreben dem, was sich im fünften nachatlantischen Zeitraum entwickeln will. Denn so wie Freiheit herein muß auf religiösem Gebiete, so muß auf dem Gebiete der Erkenntnis die Möglichkeit entstehen, daß ein vollständig gleiches Zusammengehen entsteht, daß jeder seinen Anteil haben kann an der Fortentwickelung der Menschheit. Nicht im geringsten dürfen, wenn die sozialistische Bewegung gesund sich entwickeln will, Privilegien, Patente, Monopole auf irgendeinem Zweig der Erkenntnis liegen. Da wir heute noch sehr weit entfernt sind von dem, was ich eigentlich meine, so ist es wohl nicht nötig, daß ich nach irgendeiner Seite Ihnen zeige, wie es möglich ist, die Kasernierung der Wissenschaft aufzuheben, und wie es möglich ist, jeden Menschen zu seinem Anteil an der Evolution nach dieser Richtung zu bringen. Denn das wird zusammenhängen mit tiefgreifenden Impulsen, die im Erziehungswesen, ja in dem ganzen Verhältnis von Mensch zu Mensch sich entwickeln werden. Aber so wird es sein, daß alle Monopole, Privilegien, Patente, die sich auf den Besitz geistiger Erkenntnisse beziehen, schwinden werden, und nur die Möglichkeit vorhanden sein wird, daß der Mensch den Inhalt des geistigen Lebens nach allen Richtungen hin, auf allen Gebieten so geltend machen kann, wie er in ihm liegt, wie stark er in ihm liegt, wie stark er in ihm zum Ausdrucke kommt. In einer Zeit, in der man immer mehr und mehr dahin strebt, solche Dinge wie die Medizin zum Beispiel zu monopolisieren durch die Universitätsleute, in der man auch auf den verschiedensten anderen Gebieten alles, alles durchorganisieren will, in einer solchen Zeit hat man es ja nicht nötig, über Einzelheiten der geistigen Gleichheit zu sprechen, — denn wir sind ja natürlich noch sehr weit davon entfernt, und die meisten von uns haben genügend Zeit, zu warten bis zu ihrer nächsten Inkarnation, wenn sie ein vollständiges Verständnis anstreben dessen, was mit Bezug auf diesen dritten Punkt zu sagen ist. Aber natürlich, Anfänge könnten überall gebildet werden.
[ 56 ] So ist es nur möglich, wenn man, Anteil nehmend an der modernen Menschheit und an unserer Zeit, im Kopfe hat, welche Impulse walten, wenn man namentlich diesen Sozialismus, der da waltet, ins Auge fassen und ihn zusammenhalten kann mit dem, was parallel gehen muß: Freiheit des religiösen Denkens, Gleichheit auf dem Gebiete der Erkenntnis. Die Erkenntnis muß für die Menschen so gleich werden, wie nach dem Sprichworte der Tod alle gleich macht, denn sie führt in der Zukunft eben in die übersinnliche Welt hinein, in die der Tod auch hineinführt. So wenig man nämlich den Tod monopolisieren und patentieren kann, so wenig kann man in der Wirklichkeit die Erkenntnis monopolisieren und patentieren. Und wenn man es doch tut, erzeugt man eben nicht Träger der Erkenntnis, sondern diejenigen, die eben das geworden sind, was heutige sogenannte Träger der Erkenntnis sind. Es betrifft ja natürlich nirgendwo wiederum den einzelnen, geradesowenig wie das andere den einzelnen betrifft, sondern es betrifft dasjenige, was ja für die Zeit bedeutsam ist: die Gestaltung, die soziale Gestaltung der Zeit. Unsere Zeit insbesondere, die das allmählich in die Dekadenz kommende Bourgeoistum darlebte, die hat ja gezeigt, wie heute immer unwirksamer und unwirksamer ein Aufbäumen wird gegen dasjenige, was eigentlich gegen die Evolution geht. Das Papsttum geht ganz entschieden gegen die Evolution. Als der Altkatholizismus sich in den siebziger Jahren dagegen aufgebäumt hat, nach der Aufstellung des Infallibilitätsdogmas, dieser Krönung des päpstlichen Monarchismus, da wurde es ihm ja schwer und wird ihm bis heute schwer gemacht, während er gute Dienste leisten könnte gerade in bezug auf dieses Aufbäumen gegen den päpstlichen Monarchismus.
[ 56 ] So ist es nur möglich, wenn man, Anteil nehmend an der modernen Menschheit und an unserer Zeit, im Kopfe hat, welche Impulse walten, wenn man namentlich diesen Sozialismus, der da waltet, ins Auge fassen und ihn zusammenhalten kann mit dem, was parallel gehen muß: Freiheit des religiösen Denkens, Gleichheit auf dem Gebiete der Erkenntnis. Die Erkenntnis muß für die Menschen so gleich werden, wie nach dem Sprichworte der Tod alle gleich macht, denn sie führt in der Zukunft eben in die übersinnliche Welt hinein, in die der Tod auch hineinführt. So wenig man nämlich den Tod monopolisieren und patentieren kann, so wenig kann man in der Wirklichkeit die Erkenntnis monopolisieren und patentieren. Und wenn man es doch tut, erzeugt man eben nicht Träger der Erkenntnis, sondern diejenigen, die eben das geworden sind, was heutige sogenannte Träger der Erkenntnis sind. Es betrifft ja natürlich nirgendwo wiederum den einzelnen, geradesowenig wie das andere den einzelnen betrifft, sondern es betrifft dasjenige, was ja für die Zeit bedeutsam ist: die Gestaltung, die soziale Gestaltung der Zeit. Unsere Zeit insbesondere, die das allmählich in die Dekadenz kommende Bourgeoistum darlebte, die hat ja gezeigt, wie heute immer unwirksamer und unwirksamer ein Aufbäumen wird gegen dasjenige, was eigentlich gegen die Evolution geht. Das Papsttum geht ganz entschieden gegen die Evolution. Als der Altkatholizismus sich in den siebziger Jahren dagegen aufgebäumt hat, nach der Aufstellung des Infallibilitätsdogmas, dieser Krönung des päpstlichen Monarchismus, da wurde es ihm ja schwer und wird ihm bis heute schwer gemacht, während er gute Dienste leisten könnte gerade in bezug auf dieses Aufbäumen gegen den päpstlichen Monarchismus.
[ 57 ] Wenn Sie rückblicken auf dasjenige, was ich gesagt habe, dann werden Sie doch finden, daß gegenwärtig hier außen auf dem physischen Plane etwas ist, was eigentlich in die Seelen hineingehört und in den Geistesmenschen hineingehört, während auf dem äußeren physischen Plane eigentlich die Brüderlichkeit heraus will. Es hat sich auf dem physischen Plane dasjenige geltend gemacht, hat ihn organisiert, diesen physischen Plan, was auf den physischen Plan unmittelbar nicht gehört. Natürlich gehört es auf den physischen Plan, insofern die Menschen auf dem physischen Plane stehen und es in den Seelen lebt, aber es gehört nicht hinein dadurch, daß man auf dem physischen Plane die Leute organisiert. Auf dem physischen Plane müssen zum Beispiel die Religionen absolut nur Seelengemeinschaften sein können, nicht äußerlich organisiert sein, müssen die Schulen als solche ganz anders organisiert sein; vor allen Dingen dürfen nicht Staatsschulen sein und so weiter. Das alles muß aus der Freiheit des Gedankens, aus der Individualität des menschlichen Wesens herausgehen können. Dadurch, daß sich in der Wirklichkeit die Dinge ineinanderschieben, dadurch kann so etwas kommen, wie zum Beispiel, daß heute der Sozialismus vielfach das Gegenteil dessen ist, was ich Ihnen heute als sein Prinzip dargestellt habe. Er ist tyrannisch, er ist machtlüstern, er ist dasjenige, was am liebsten alles andere auch in die Hand nehmen möchte. Innerlich ist er in Wirklichkeit die Bekämpfung des widerrechtlichen Fürsten dieser Welt, denn der widerrechtliche Fürst dieser Welt tritt dann auf, wenn man den ChristusImpuls oder das Geistige äußerlich nach Staatsprinzipien organisiert, wenn man die äußere Organisation nicht bei der bloßen sozialen Brüderlichkeit läßt.
[ 57 ] Wenn Sie rückblicken auf dasjenige, was ich gesagt habe, dann werden Sie doch finden, daß gegenwärtig hier außen auf dem physischen Plane etwas ist, was eigentlich in die Seelen hineingehört und in den Geistesmenschen hineingehört, während auf dem äußeren physischen Plane eigentlich die Brüderlichkeit heraus will. Es hat sich auf dem physischen Plane dasjenige geltend gemacht, hat ihn organisiert, diesen physischen Plan, was auf den physischen Plan unmittelbar nicht gehört. Natürlich gehört es auf den physischen Plan, insofern die Menschen auf dem physischen Plane stehen und es in den Seelen lebt, aber es gehört nicht hinein dadurch, daß man auf dem physischen Plane die Leute organisiert. Auf dem physischen Plane müssen zum Beispiel die Religionen absolut nur Seelengemeinschaften sein können, nicht äußerlich organisiert sein, müssen die Schulen als solche ganz anders organisiert sein; vor allen Dingen dürfen nicht Staatsschulen sein und so weiter. Das alles muß aus der Freiheit des Gedankens, aus der Individualität des menschlichen Wesens herausgehen können. Dadurch, daß sich in der Wirklichkeit die Dinge ineinanderschieben, dadurch kann so etwas kommen, wie zum Beispiel, daß heute der Sozialismus vielfach das Gegenteil dessen ist, was ich Ihnen heute als sein Prinzip dargestellt habe. Er ist tyrannisch, er ist machtlüstern, er ist dasjenige, was am liebsten alles andere auch in die Hand nehmen möchte. Innerlich ist er in Wirklichkeit die Bekämpfung des widerrechtlichen Fürsten dieser Welt, denn der widerrechtliche Fürst dieser Welt tritt dann auf, wenn man den ChristusImpuls oder das Geistige äußerlich nach Staatsprinzipien organisiert, wenn man die äußere Organisation nicht bei der bloßen sozialen Brüderlichkeit läßt.
[ 58 ] Sie sehen, man tippt gar sehr an Dinge, die heute der Menschheit noch unbequem sind, wenn man an wichtigste, wesentlichste Fragen der Gegenwart tippt. Es ist aber notwendig, daß solche Dinge eingesehen werden, daß solche Dinge erkenntnismäßig durchdrungen werden. Denn nur dadurch, daß man solche Dinge seiner Einsicht einverleibt, nur dadurch kann man herauskommen aus der gegenwärtigen Katastrophe. Das muß ich immer wieder und wiederum wiederholen. Nur dadurch wird es möglich sein, mitzuarbeiten an der wirklichen Evolution der Menschheit, daß man sich bekannt macht mit den Impulsen, die auf die Weise, wie wir es ja betrachtet haben, gefunden werden können.
[ 58 ] Sie sehen, man tippt gar sehr an Dinge, die heute der Menschheit noch unbequem sind, wenn man an wichtigste, wesentlichste Fragen der Gegenwart tippt. Es ist aber notwendig, daß solche Dinge eingesehen werden, daß solche Dinge erkenntnismäßig durchdrungen werden. Denn nur dadurch, daß man solche Dinge seiner Einsicht einverleibt, nur dadurch kann man herauskommen aus der gegenwärtigen Katastrophe. Das muß ich immer wieder und wiederum wiederholen. Nur dadurch wird es möglich sein, mitzuarbeiten an der wirklichen Evolution der Menschheit, daß man sich bekannt macht mit den Impulsen, die auf die Weise, wie wir es ja betrachtet haben, gefunden werden können.
[ 59 ] Als ich meine «Philosophie der Freiheit» hier vor acht Tagen besprochen habe, da habe ich versucht, Ihnen darzustellen, wie ich mit meinem Wirken eigentlich es dahin gebracht habe, überall herauslanciert zu werden. Sie erinnern sich wohl noch an dieses Herauslancieren auf den verschiedensten Gebieten. Ja, ich darf wohl sagen: Auch mit dem Goetheanismus darf ich mich von den verschiedensten Seiten her als herauslanciert betrachten, da, wo ich versucht habe in den letzten schweren Jahren, die Menschheit auf ihn hinzuweisen. Goetheanismus ist ja nun wirklich nicht, daß etwas über Goethe gesagt wird, sondern Goetheanismus kann es auch sein, wenn man sich die Frage aufwirft: Was geschieht am besten irgendwo an irgendeiner Stelle der Welt, jetzt, wo alle Völker der Welt miteinander raufen? — Aber auch da fühlte ich mich überall herauslanciert. Das sage ich nicht aus Pessimismus, denn dazu kenne ich die Konstitution des Karma viel zu gut. Das sage ich auch nicht, weil ich nicht morgen doch dasselbe machen würde, was ich gestern gemacht habe, wenn sich mir die Gelegenheit dazu bieten würde. Aber ich muß es sagen, weil es notwendig ist, manches zur Kenntnis der Menschheit zu bringen, weil die Menschheit nur dadurch, daß sie in die Wirklichkeit hineinschaut, dazu kommen kann, ihrerseits selbst die Impulse zu finden, die dem gegenwärtigen Zeitalter angemessen sind.
[ 59 ] Als ich meine «Philosophie der Freiheit» hier vor acht Tagen besprochen habe, da habe ich versucht, Ihnen darzustellen, wie ich mit meinem Wirken eigentlich es dahin gebracht habe, überall herauslanciert zu werden. Sie erinnern sich wohl noch an dieses Herauslancieren auf den verschiedensten Gebieten. Ja, ich darf wohl sagen: Auch mit dem Goetheanismus darf ich mich von den verschiedensten Seiten her als herauslanciert betrachten, da, wo ich versucht habe in den letzten schweren Jahren, die Menschheit auf ihn hinzuweisen. Goetheanismus ist ja nun wirklich nicht, daß etwas über Goethe gesagt wird, sondern Goetheanismus kann es auch sein, wenn man sich die Frage aufwirft: Was geschieht am besten irgendwo an irgendeiner Stelle der Welt, jetzt, wo alle Völker der Welt miteinander raufen? — Aber auch da fühlte ich mich überall herauslanciert. Das sage ich nicht aus Pessimismus, denn dazu kenne ich die Konstitution des Karma viel zu gut. Das sage ich auch nicht, weil ich nicht morgen doch dasselbe machen würde, was ich gestern gemacht habe, wenn sich mir die Gelegenheit dazu bieten würde. Aber ich muß es sagen, weil es notwendig ist, manches zur Kenntnis der Menschheit zu bringen, weil die Menschheit nur dadurch, daß sie in die Wirklichkeit hineinschaut, dazu kommen kann, ihrerseits selbst die Impulse zu finden, die dem gegenwärtigen Zeitalter angemessen sind.
[ 60 ] Muß es denn durchaus sein, daß die Menschen gar nicht dazu kommen können, durch das Regemachen desjenigen, was in ihren Herzen und ihren innersten Seelen sitzt, den Weg zu finden zum Lichte? Muß es denn auf dem Wege des äußeren Zwanges sein? Muß es denn auf dem Wege geschehen, daß erst alles zusammenbricht, damit die Menschen anfangen zu denken? Soll man nicht diese Frage doch jeden Tag, jeden Tag aufs neue aufwerfen? Nicht verlange ich, daß der einzelne dies oder jenes tut, denn ich weiß sehr gut, wie wenig man in der Gegenwart tun kann. Aber was notwendig ist, ist Einsicht zu haben, nicht immer dieses falsche Urteil und dieses Nichtbemühen zu haben, in die Dinge hineinzuschauen, wie sie ihrer Wirklichkeit nach sind.
[ 60 ] Muß es denn durchaus sein, daß die Menschen gar nicht dazu kommen können, durch das Regemachen desjenigen, was in ihren Herzen und ihren innersten Seelen sitzt, den Weg zu finden zum Lichte? Muß es denn auf dem Wege des äußeren Zwanges sein? Muß es denn auf dem Wege geschehen, daß erst alles zusammenbricht, damit die Menschen anfangen zu denken? Soll man nicht diese Frage doch jeden Tag, jeden Tag aufs neue aufwerfen? Nicht verlange ich, daß der einzelne dies oder jenes tut, denn ich weiß sehr gut, wie wenig man in der Gegenwart tun kann. Aber was notwendig ist, ist Einsicht zu haben, nicht immer dieses falsche Urteil und dieses Nichtbemühen zu haben, in die Dinge hineinzuschauen, wie sie ihrer Wirklichkeit nach sind.
[ 61 ] Einen merkwürdigen Eindruck hat mir eine Bemerkung gemacht, die ich heute morgen lesen konnte. Ich las in der «Frankfurter Zeitung», also in einer deutschen Zeitung, die Betrachtung eines Mannes, den ich vor achtzehn, zwanzig Jahren gut gekannt habe, mit dem ich viele einzelne Dinge besprochen habe. Ich las in der «Frankfurter Zeitung» ein Feuilleton von ihm. Ich habe ihn seit sechzehn, achtzehn Jahren nicht mehr gesehen. Er ist Dichter und Dramatiker, seine Stücke sind aufgeführt worden. Paul Ernst heißt er; ich habe ihn seinerzeit einmal sehr gut kennengelernt. Heute las ich einen kleinen Artikel von ihm über den sittlichen Mut, darinnen einen Satz — ja, es ist ja sehr schön, wenn einer heute einen solchen Satz schreibt, aber man muß immer wieder und wiederum fragen: Muß denn erst so etwas hereinbrechen, wie es jetzt hereingebrochen ist, damit solch ein Satz möglich geworden ist? — Da schreibt ein Urdeutscher, ein sehr gebildeter Deutscher: Man hat immer bei uns behauptet, man hasse die Deutschen. Ich möchte wissen, sagte er, wer in aller Welt den deutschen Geist wirklich gehaßt hat? Ja doch, da erinnert er sich: In den letzten Jahren haben den deutschen Geist die Deutschen am allermeisten gehaßt!
[ 61 ] Einen merkwürdigen Eindruck hat mir eine Bemerkung gemacht, die ich heute morgen lesen konnte. Ich las in der «Frankfurter Zeitung», also in einer deutschen Zeitung, die Betrachtung eines Mannes, den ich vor achtzehn, zwanzig Jahren gut gekannt habe, mit dem ich viele einzelne Dinge besprochen habe. Ich las in der «Frankfurter Zeitung» ein Feuilleton von ihm. Ich habe ihn seit sechzehn, achtzehn Jahren nicht mehr gesehen. Er ist Dichter und Dramatiker, seine Stücke sind aufgeführt worden. Paul Ernst heißt er; ich habe ihn seinerzeit einmal sehr gut kennengelernt. Heute las ich einen kleinen Artikel von ihm über den sittlichen Mut, darinnen einen Satz — ja, es ist ja sehr schön, wenn einer heute einen solchen Satz schreibt, aber man muß immer wieder und wiederum fragen: Muß denn erst so etwas hereinbrechen, wie es jetzt hereingebrochen ist, damit solch ein Satz möglich geworden ist? — Da schreibt ein Urdeutscher, ein sehr gebildeter Deutscher: Man hat immer bei uns behauptet, man hasse die Deutschen. Ich möchte wissen, sagte er, wer in aller Welt den deutschen Geist wirklich gehaßt hat? Ja doch, da erinnert er sich: In den letzten Jahren haben den deutschen Geist die Deutschen am allermeisten gehaßt!
[ 62 ] Und vor allen Dingen, ein wirklicher innerer Haß ist schon vorhanden in bezug auf den Goetheanismus. Aber das sage ich nicht, um nach irgendeiner Seite hin eine Kritik zu üben, und schon gar nicht, um nach irgendeiner Seite hin — das sind Sie alle von mir nicht gewöhnt — etwas Schönes zu sagen, um etwa dem Wilson Konzessionen zu machen. Aber es macht einen wehmütigen Eindruck, wenn die Dinge nur unter Zwang kommen, während sie wahrhaft heilsam doch nur sein können, wenn sie aus dem freien Menschen heraus kommen. Denn es ist auch heute schon notwendig, daß aus den freien Gedanken heraus diejenigen Dinge kommen, die Gegenstand der Freiheit sein müssen. Immer muß ich es aber betonen: Nicht um Pessimismus zu erregen, sage ich diese Dinge, sondern um zu Ihren Seelen, zu Ihren Herzen zu sprechen, damit Sie wiederum zu anderen Seelen, zu anderen Herzen sprechen und versuchen, Einsicht zu erwecken, damit Urteil entsteht. Denn dasjenige, was am meisten ins Schlimme gekommen ist in der letzten Zeit, das ist ja das Urteil, das sich so trüben läßt über die ganze Welt hin unter der Anbetung von Autorität. Wie ist die Welt heute froh — man möchte sagen, über den ganzen Erdkreis hin —, daß sie einen Schulmeister als einen Götzen anbeten kann; wie ist die Welt darüber froh, daß sie nicht selbst zu denken braucht!
[ 62 ] Und vor allen Dingen, ein wirklicher innerer Haß ist schon vorhanden in bezug auf den Goetheanismus. Aber das sage ich nicht, um nach irgendeiner Seite hin eine Kritik zu üben, und schon gar nicht, um nach irgendeiner Seite hin — das sind Sie alle von mir nicht gewöhnt — etwas Schönes zu sagen, um etwa dem Wilson Konzessionen zu machen. Aber es macht einen wehmütigen Eindruck, wenn die Dinge nur unter Zwang kommen, während sie wahrhaft heilsam doch nur sein können, wenn sie aus dem freien Menschen heraus kommen. Denn es ist auch heute schon notwendig, daß aus den freien Gedanken heraus diejenigen Dinge kommen, die Gegenstand der Freiheit sein müssen. Immer muß ich es aber betonen: Nicht um Pessimismus zu erregen, sage ich diese Dinge, sondern um zu Ihren Seelen, zu Ihren Herzen zu sprechen, damit Sie wiederum zu anderen Seelen, zu anderen Herzen sprechen und versuchen, Einsicht zu erwecken, damit Urteil entsteht. Denn dasjenige, was am meisten ins Schlimme gekommen ist in der letzten Zeit, das ist ja das Urteil, das sich so trüben läßt über die ganze Welt hin unter der Anbetung von Autorität. Wie ist die Welt heute froh — man möchte sagen, über den ganzen Erdkreis hin —, daß sie einen Schulmeister als einen Götzen anbeten kann; wie ist die Welt darüber froh, daß sie nicht selbst zu denken braucht!
[ 63 ] Das ist keine nationale Tugend oder Untugend, das ist etwas, was jetzt in der Welt liegt und was bekämpft werden muß dadurch, daß der Mensch versucht, sich die Unterlage zu einem Urteil zu geben. Aber man kommt nicht zu einem Urteil, wenn man sich bloß — verzeihen Sie den harten Ausdruck — auf seine Hinterbeine stellt und unter allen Umständen Urteile, Urteile fällt. Man braucht den Willen, einzudringen in die Wirklichkeit. Diejenigen Menschen, die heute oft die führenden Menschen sind, ich habe in anderem Zusammenhange hier gesagt: Es ist die Auslese der Schlechtesten, durch die besonderen Verhältnisse der letzten Zeit herbeigeführt. — Dies muß man durchschauen. Es kommt gar nicht darauf an, sich an Schlagworte: Demokratie, Sozialismus und so weiter zu klammern, sondern darauf kommt es an, daß man die Wirklichkeiten hinter den Worten schaut. Das ist es, was einem schon einmal über die Seele und auch über die Lippen kommt in der Gegenwart, wo man so deutlich sieht, daß die wenigen, die sich heute aufgerüttelt fühlen, es auch nur unter Zwang tun, durch den Zwang es dazu kommen lassen. Das ist es, was einem sagt: Auf das Urteil, auf die Einsicht kommt es an. — Einsicht bekommt man aber in die Völkerentwickelung nur, wenn man diese tieferen Zusammenhänge ins Auge faßt. Da muß man aber den Mut haben, sich zu sagen: All diejenige Wissenschaft über Völker und all dasjenige, was mitspricht in der sozialen Organisation, ohne diese Dinge zu wissen, ist inkompetent. — Diesen Mut muß man aufbringen, und über diesen Mut, den man haben muß, habe ich eben auch einmal gern sprechen wollen. Ich habe heute lange genug gesprochen, aber es schien mir wichtig, einmal tiefere europäische Impulse in unmittelbarem Zusammenhange mit Impulsen der Gegenwart zu zeigen.
[ 63 ] Das ist keine nationale Tugend oder Untugend, das ist etwas, was jetzt in der Welt liegt und was bekämpft werden muß dadurch, daß der Mensch versucht, sich die Unterlage zu einem Urteil zu geben. Aber man kommt nicht zu einem Urteil, wenn man sich bloß — verzeihen Sie den harten Ausdruck — auf seine Hinterbeine stellt und unter allen Umständen Urteile, Urteile fällt. Man braucht den Willen, einzudringen in die Wirklichkeit. Diejenigen Menschen, die heute oft die führenden Menschen sind, ich habe in anderem Zusammenhange hier gesagt: Es ist die Auslese der Schlechtesten, durch die besonderen Verhältnisse der letzten Zeit herbeigeführt. — Dies muß man durchschauen. Es kommt gar nicht darauf an, sich an Schlagworte: Demokratie, Sozialismus und so weiter zu klammern, sondern darauf kommt es an, daß man die Wirklichkeiten hinter den Worten schaut. Das ist es, was einem schon einmal über die Seele und auch über die Lippen kommt in der Gegenwart, wo man so deutlich sieht, daß die wenigen, die sich heute aufgerüttelt fühlen, es auch nur unter Zwang tun, durch den Zwang es dazu kommen lassen. Das ist es, was einem sagt: Auf das Urteil, auf die Einsicht kommt es an. — Einsicht bekommt man aber in die Völkerentwickelung nur, wenn man diese tieferen Zusammenhänge ins Auge faßt. Da muß man aber den Mut haben, sich zu sagen: All diejenige Wissenschaft über Völker und all dasjenige, was mitspricht in der sozialen Organisation, ohne diese Dinge zu wissen, ist inkompetent. — Diesen Mut muß man aufbringen, und über diesen Mut, den man haben muß, habe ich eben auch einmal gern sprechen wollen. Ich habe heute lange genug gesprochen, aber es schien mir wichtig, einmal tiefere europäische Impulse in unmittelbarem Zusammenhange mit Impulsen der Gegenwart zu zeigen.
[ 64 ] Sie wissen ja, daß man jetzt sozusagen von heute auf morgen nicht weiß, wie lange man noch an einem Orte ist, daß man heute zwangsmäßig hierhin oder dorthin geschoben werden kann. Doch wie die Sachen auch kommen werden — vielleicht sprechen wir noch sehr lange hier miteinander, vielleicht kurze Zeit —, aber jedenfalls, wenn ich auch noch so bald abreisen sollte, der letzte Vortrag, den ich hier halte, ist der heutige nicht. Ich werde es einrichten, daß ich von diesem Orte hier noch zu Ihnen sprechen kann.
[ 64 ] Sie wissen ja, daß man jetzt sozusagen von heute auf morgen nicht weiß, wie lange man noch an einem Orte ist, daß man heute zwangsmäßig hierhin oder dorthin geschoben werden kann. Doch wie die Sachen auch kommen werden — vielleicht sprechen wir noch sehr lange hier miteinander, vielleicht kurze Zeit —, aber jedenfalls, wenn ich auch noch so bald abreisen sollte, der letzte Vortrag, den ich hier halte, ist der heutige nicht. Ich werde es einrichten, daß ich von diesem Orte hier noch zu Ihnen sprechen kann.
