The Fundamental Social Demand of Our Time
In a Different Context
GA 186
8 December 1918, Dornach
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The Fundamental Social Demand of Our Time, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Ich habe Sie in den beiden letzten Vorträgen darauf aufmerksam gemacht, daß die sogenannte soziale Frage nicht ein so Einfaches ist, wie es gewöhnlich vorgestellt wird, sondern daß man gar sehr zu rechnen hat mit der komplizierten Menschennatur, daß man zu rechnen hat damit — gleichgültig welche soziale Struktur da ist, welche sozialen Ideale verwirklicht werden —, daß im Menschen vorhanden sind und zum Ausdruck kommen müssen sowohl soziale wie antisoziale Impulse. Die antisozialen Impulse spielen, wie wir gesehen haben, gerade in unserm Zeitalter der Bewußtseinsseele eine ganz besondere Rolle. Sie haben gewissermaßen in der Entwickelung der Menschheit eine erzieherische Aufgabe bei dem Auf-sich-selbst-Stellen des Menschen. Sie werden überwunden werden dadurch, daß auf unser Zeitalter der Bewußtseinsseele das andere Zeitalter, das sich schon vorbereitet, das Zeitalter des Geistselbstes folgt, das im wesentlichen die Menschheit sozial zusammenfassen wird. Allerdings wird das nicht so geschehen, wie Illusionäre heute träumen, sondern in der Weise, daß der eine den andern als Menschen wirklich kennt, für ihn als Menschen Interesse hat — kurz, den Menschen ins Auge faßt, so daß jeder einzelne Mensch in die Lage kommt, den anderen Menschen als solchen interessevoll aufzufassen.
[ 1 ] In my last two lectures, I pointed out to you that the so-called social question is not as simple as it is usually portrayed, but that one must take the complexities of human nature very seriously; one must take into account —regardless of the social structure in place or the social ideals being realized—that both social and antisocial impulses are present in human beings and must find expression. As we have seen, these antisocial impulses play a very special role, particularly in our age of the consciousness soul. In a sense, they have an educational role in the development of humanity, helping human beings to stand on their own two feet. They will be overcome by the fact that our age of the conscious soul will be followed by another age—one that is already in the making—the age of the spiritual self, which will essentially unite humanity socially. However, this will not happen as those who live in illusion dream of today, but rather in such a way that one person truly knows the other as a human being, takes an interest in them as a human being—in short, looks them in the eye—so that every single person is enabled to regard the other person as such with genuine interest.
[ 2 ] Nun ist dasjenige, was heute als soziale Forderung auftritt, gewissermaßen eine Art Vortrab oder Vortrupp, eine Art Vorbereitung, die natürlich, weil sie für Späteres bloß die Keimanlage ist, chaotisch zum Ausdruck kommt und in vielen Illusionen und Irrtümern sich auslebt, in welche sich die heutige Menschheit dadurch bringt, daß die sozialen Impulse noch zum großen Teil aus Un- und Unterbewußtem heraufkommen und ungeklärt durch eine geistige Welt- und Menschheitserkenntnis sind. Diese illusionäre Art kommt besonders stark zum Ausdruck in der Entwickelung der sogenannten russischen Revolution, welche ja dadurch ganz besonders charakteristisch ist, daß sie so, wie sie heute auftritt, im Grunde genommen zu dem, was sich als Volkstum in Rußland vorbereitet für den kommenden sechsten nachatlantischen Zeitraum, in gar keiner richtigen Beziehung steht, daß sie hineingetragen ist aus Abstraktionen heraus. Gerade die mehr oder weniger illusionistischen Ideale der gegenwärtigen russischen Revolution sind bedeutsam für das Studium dieses Rumorens von etwas Späterem in diesem Früheren darinnen. Man möchte sagen, daß der besonders charakteristische Kopf für diese russische Revolution, Trotzki, der der Typus eines abstrakt denkenden, ganz in der Abstraktion lebenden Menschen ist, daß Trotzki eigentlich keine Ahnung davon zu haben scheint, daß es in so etwas wie dem sozialen Leben der Menschen eine Wirklichkeit gibt. Es soll etwas, was ganz wirklichkeitsfremd gedacht ist, der Wirklichkeit eingeimpft werden.
[ 2 ] Now, what appears today as a social demand is, in a sense, a kind of vanguard or advance guard, a kind of preparation, which—because it is merely the seed for what is to come—naturally manifests itself chaotically and plays itself out in many illusions and errors into which humanity today falls, since social impulses still arise largely from the unconscious and subconscious and remain unclarified by a spiritual understanding of the world and humanity. This illusory nature is particularly strongly expressed in the development of the so-called Russian Revolution, which is, after all, especially characteristic in that, as it appears today, it has fundamentally no real connection to what is being prepared in Russia as a national character for the coming sixth post-Atlantean epoch—that is, it has been carried into this from abstractions. It is precisely the more or less illusory ideals of the present Russian Revolution that are significant for the study of this rumbling of something later within this earlier phase. One might say that the particularly characteristic figure of this Russian Revolution, Trotsky—who is the archetype of an abstract thinker living entirely in abstraction—seems to have no real inkling that there is such a thing as reality in the social life of human beings. Something conceived as entirely detached from reality is to be grafted onto reality.
[ 3 ] Das ist nicht eine Kritik, sondern eine bloße Charakteristik. Denn es ist eben charakteristisch für unsere Zeit, daß die Neigung zur Abstraktion, zu wirklichkeitsfremdem Denken auch solche Maximen der Wirklichkeit einverleiben will, die ohne Erkenntnis der Gesetze dieser Wirklichkeit einfach angenommen werden; die man für absolut richtig hält, ohne daß man irgendwie Rücksicht nimmt auf das komplizierte Leben, wie wir es studieren mit Hilfe des der äußeren physischen Wirklichkeit zugrunde liegenden Geistigen. Alles, was entstehen muß, muß aber aus dieser Wirklichkeit heraus entstehen. Weil hier etwas so im eminentesten Sinne Wirklichkeitsfremdes in Szene gesetzt wird, in dem aber allerlei Impulse und Instinkte der proletarischen Denkungsweise rumoren, deshalb ist gerade dasjenige, was als Ideen, die sich verwirklichen wollen, in diesen russischen revolutionären Köpfen der Gegenwart lebt, gerade von diesem Gesichtspunkte aus so bedeutsam. Man kann ja sehen, wie in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum gerade in Rußland Menschen mit den verschiedensten Lebensauffassungen an der Gestaltung der revolutionären Bewegung teilgenommen haben. So wie sich die Dinge in Rußland zugespitzt haben, wurde die eigentliche soziale Frage der Gegenwart unter dem Einfluß der kriegerischen Katastrophe aktuell. Und aus diesem Aktuellen der Besitzesfrage entwickelte sich dann im März 1917 die sogenannte Februarrevolution in Rußland, die eigentlich im wesentlichen zunächst darauf ausging, die hinter dem Besitz stehenden staatlichen Mächte zu stürzen. Bald aber wurde diese rein politische, äußerlich politische Form der Revolution abgelöst, ich möchte sagen, von der ersten Etappe des revolutionären Denkens durch diejenigen Menschen, die in der Trotzki-Terminologie etwa als die Verständigungsmenschen aufgefaßt werden, das heißt diejenigen Menschen, die durch allerlei Erwägungen, durch allerlei gescheite Begriffe, Ideen und Vorstellungen und auch in Begriffe umgesetzte gescheite Empfindungen eine soziale Struktur herbeiführen wollten. Diese Revolutionäre umfaßten vor allen Dingen diejenigen Menschen, die sich auch früher schon mehr oder weniger an der Gestaltung der sozialen Struktur beteiligt hatten, die intelligenten, die kommerziellen, die industriellen Kreise, die alle mehr oder weniger davon ausgingen, aus der Vernunft heraus irgendeine soziale Gestaltung herbeizuführen.
[ 3 ] This is not a criticism, but merely a description. For it is precisely characteristic of our time that the tendency toward abstraction, toward thinking divorced from reality, seeks to incorporate even those maxims of reality that are simply accepted without an understanding of the laws governing that reality—maxims that are held to be absolutely correct without any regard for the complexity of life, as we study it with the help of the spiritual principles underlying external physical reality. Everything that must come into being, however, must arise from this reality. Because something that is, in the most eminent sense, utterly detached from reality is being staged here—yet within which all manner of impulses and instincts of the proletarian way of thinking are rumbling—that is precisely why what lives in the minds of today’s Russian revolutionaries as ideas seeking to be realized is so significant from this very perspective. One can indeed see how, in a relatively short period of time, people with the most diverse outlooks on life have participated in shaping the revolutionary movement, particularly in Russia. As the situation in Russia came to a head, the actual social question of the present became pressing under the influence of the catastrophe of war. And from this pressing issue of property, the so-called February Revolution in Russia then developed in March 1917, which initially aimed, in essence, to overthrow the state powers standing behind property ownership. Soon, however, this purely political—or, outwardly, political—form of revolution was superseded; I would say, by the first stage of revolutionary thought—as embodied by those people who, in Trotsky’s terminology, might be described as the “people of understanding,” that is, those who, through all manner of considerations, through all manner of intelligent concepts, ideas, and notions—as well as intelligent feelings translated into concepts—sought to bring about a social structure. These revolutionaries included, above all, those who had already been involved to a greater or lesser extent in shaping the social structure—the intellectual, commercial, and industrial circles—all of whom, to a greater or lesser extent, assumed that they could bring about some form of social organization based on reason.
[ 4 ] Aber mit einem gewissen Rechte, wenn auch nur mit einem relativen und einseitigen Rechte, faßt Trotzki diese Menschen, die auf solche Weise durch allerlei Erwägungen, durch gute Meinungen, dutch guten Willen eine soziale Struktur herbeiführen wollen, als die bloßen Verschlepper der Revolution auf, als Menschen, die ja doch nichts vermögen, die ja doch nichts tun können. Und aus meinen Betrachtungen, die ich vor Ihnen hier angestellt habe, werden Sie ja wissen, daß die proletarische Weltanschauung vor allen Dingen dahin geht, daß man solche Erwägungen ablehnt, wenn sie auch noch so gescheit sind, wenn sie auch noch so sehr auf der Grundlage derjenigen Menschen fußen, die Trotzki Maulbaumler oder Zungenbaumler nennt, weil sie gescheit reden können. Diese vernünftigen Dinge werden von der proletarischen Weltanschauung abgelehnt, und zwar aus einem gewissen Instinkt heraus, der aber allmählich im Marxismus zu einer bestimmten Theorie geworden ist. An diese Dinge wird einfach nicht geglaubt, es wird nicht geglaubt, daß man durch irgendwelche vernünftige Erwägungen, und seien sie noch so sehr aus gutem Herzen hervorgehend, irgendeine entsprechende soziale Struktur in der Zukunft herbeiführen kann. Vom Proletariat wird einzig und allein geglaubt, daß in den Köpfen der Proletarier selber, in den Köpfen der besitzlosen Menge, aus den wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen diese Proletarier stehen, jene Ideen geboren werden, und daß sie nimmermehr in der Bourgeoisie oder in einer anderen Klasse geboren werden können, weil die Bourgeoisie aus ihren Ideen heraus eben anders denken muß. Nur innerhalb der Arbeiterklasse können die Ideen entspringen, die einzig und allein zu einer künftigen sozialen Gestaltung dringen können.
[ 4 ] But with a certain justification—albeit only a relative and one-sided one—Trotsky regards these people, who seek to bring about a social structure in this way through all manner of considerations, good intentions, and good will, as mere obstructers of the revolution—as people who are, after all, incapable of anything, who, after all, can do nothing. And from the observations I have made here before you, you will know that the proletarian worldview is, above all, directed toward rejecting such considerations, no matter how clever they may be, no matter how firmly they may be grounded in the views of those whom Trotsky calls “chatterboxes” or “windbags” because they can speak intelligently. These rational arguments are rejected by the proletarian worldview, and this rejection stems from a certain instinct that has gradually developed into a specific theory within Marxism. These things are simply not believed in; it is not believed that any reasonable considerations—no matter how well-intentioned they may be—can bring about any corresponding social structure in the future. The proletariat believes solely that these ideas are born in the minds of the proletarians themselves—in the minds of the propertyless masses—out of the economic conditions in which these proletarians find themselves, and that they can never be born within the bourgeoisie or any other class, because the bourgeoisie, by virtue of its own ideas, must necessarily think differently. Only within the working class can the ideas arise that alone are capable of leading to a future social order.
[ 5 ] Wenn man dies bedenkt, dann muß für solch einen Kopf, wie zum Beispiel Trotzki, notwendig die Konsequenz folgen, daß nichts anderes zu tun ist, als die besitzende Bourgeoisie ihres Besitzes zu entkleiden und die besitzlose Klasse in die Herrschaft einzuführen. Das ist auch etwas, was sich durch Jahrzehnte in solchen Köpfen vorbereitet hat und was sie, nachdem in Rußland die große Krise gekommen ist, nach Rußland hineintragen wollen. Das sollte hineingetragen werden durch die sogenannte Oktoberrevolution, nachdem die anderen — meinetwillen nennen wir sie Parteien — durch die Herrschaftsergreifung des Proletariats selbst beseitigt worden sind. Von diesem Gesichtspunkte aus, der natürlich ein rein abstrakter ist und nur insofern konkret ist, als er auf eine bestimmte Menschenklasse, die ja Wirklichkeit ist, die ganze Sache abstimmt und abstellt, von diesem Gesichtspunkte aus ist denn nun auch von den führenden Persönlichkeiten der russischen Revolution seit dem Oktober 1917 die Revolution geleitet worden.
[ 5 ] When one considers this, the inevitable conclusion for a mind such as Trotsky’s, for example, must be that there is nothing else to do but strip the propertied bourgeoisie of its property and bring the propertyless class to power. This is also something that has been brewing in such minds for decades and which, now that the great crisis has struck Russia, they wish to bring into Russia. It was to be brought in through the so-called October Revolution, after the others—let us call them parties, for the sake of argument—had been eliminated by the proletariat’s seizure of power. From this perspective—which is, of course, a purely abstract one and is concrete only insofar as it aligns and directs the entire matter toward a specific class of people, which is, after all, a reality—the Russian Revolution has been led by its leading figures since October 1917.
[ 6 ] Nun ergeben sich für ein solches revolutionäres Denken gewisse Schwierigkeiten. Diese Schwierigkeiten ergeben sich in Rußland, welches ja, wie Sie aus unseren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen ersehen, ganz besondere Vorbedingungen hat, auch mit besonderer Stärke. Diese Schwierigkeiten liegen in der Klassengestaltung über die ganze Welt hin begründet, sie traten nur durch die russischen Verhältnisse besonders stark hervor. Die erste große Schwierigkeit ist ja, daß nunmehr die ganze soziale, politische Führerschaft der Menschheit eine Klasse in die Hand nehmen soll, die vorher von allem ausgeschlossen war, die vorher in keinem Zusammenhange stand mit dem, was die sogenannte Kultur begründet hat. Der Proletarier, der tatsächlich ans Ruder kommt, ist vor allen Dingen ausgeschlossen gewesen von all denjenigen Impulsen, die die früheren Machtfaktoren begründet haben. Er hatte sozusagen nichts bisher zu Markte zu tragen als seine eigene Arbeitskraft, seine physische Handarbeitskraft. Das ist über alle Länder ausgebreitet. Daher wird sich auch in allen Ländern, insofern die Revolution ihr Haupt erhebt, das geltend machen, daß zunächst als bloße politische Gruppe das Proletariat die Führung übernimmt, daß aber in einer gewissen Beziehung alles beim alten bleibt, das heißt, daß diejenigen Menschen, die bisher die Verwaltung geleitet haben, auf ihrem Posten bleiben, den sie gelernt haben, denn sie sind diejenigen, die technisch gebildet sind. Es ändert sich also nichts weiter, als daß in den ganzen Apparat, der althergebracht ist, eingreifen Laien, möchte man sagen, daß ein Laienkollegium eingreifen soll. Aber es handelt sich darum, daß dieses Laienkollegium einen ganz bestimmten Typus trägt, nämlich den proletarischen Typus, daß es aus Proletariern besteht. Da es aus Proletariern bestehen soll, will es sich auch sicher wissen in der Durchführung der Maxime: Nur aus dem Proletarierkopf kann dasjenige kommen, was die Führerschaft in der Zukunft hat; ein anderer darf nicht teilnehmen. — Man kann also auch diese Führerschaft in der Zukunft nicht etwa einer Nationalversammlung oder einer Konstituante aussetzen, denn eine solche Konstituante würde doch nichts anderes sein als gewissermaßen eine Fortsetzung dessen, was früher da war. Was aber kommen soll, soll ein radikaler Umschwung sein. Man braucht ja nicht erst zu wählen. Diejenigen, die führen sollen, sind einfach dadurch da, daß sie zum Proletariat gehören: nicht irgendeine Nationalversammlung, nicht irgendeine konstituierende Versammlung, sondern die Diktatur des Proletariats. — Das ergab aber zunächst die Schwierigkeit, daß das Proletariat eben, wie ich sagte, als laienhaft bezeichnet werden muß, daß es eigentlich von seinem Laienstandpunkte aus nur die Kontrolle über diejenigen ausüben könnte, welche aus dem Früheren heraus die Verwaltung leiteten, also eigentlich doch an den Interessen des Früheren hingen. So sahen sich gerade in Rußland diejenigen, die jetzt als Proletariat obenauf kamen, die früher gar nichts zu tun hatten mit all dem, was in den Staatsorganismus eingriff, gegenübergestellt dem, was aus diesem früheren Staatsorganismus geblieben war. Sie mußten, wie es ja auch der Wirklichkeit zumeist entsprach, die Sache so ansehen, daß all die Leute, die herüberkamen aus dem früheren Staatsorganismus, aus den Gedanken heraus handelten, die von diesem kamen. Die trugen also die Interessen des alten Bourgeoisstaates in den Staat herüber, der nur der Diktatur des Proletariats unterworfen werden sollte. Sie machten dasselbe, wie wenn ein Feind seine Angelegenheiten nicht offen, in einem Krieg oder in einer Gegenrevolution macht, sondern wenn er in Feindesland alles das hineinträgt, was aus seinem Lande zerstörend wirken soll auf das andere. So empfanden die in Rußland ans Ruder kommenden Proletarier die Tätigkeit des alten Reichskörpers als Sabotage. Und ihre erste Anstrengung war, die Sabotage zu überwinden, die darin bestand, daß ihnen in das, was sie als neues Regiment gründen wollten, hineingetragen wurde, was eigentlich nur die Stützen des Alten sein konnten. Es ist ganz derselbe Prozeß, wie wenn man beispielsweise, ohne offen irgendeine Feindseligkeit zu beginnen, als Angehöriger irgendeines Landes Giftstoffe hineinträgt in ein fremdes Land und ihm die Äcker, den Boden vergiftet, so daß auf ihm nichts wächst. Als Sabotage empfanden also zunächst die Proletarier dasjenige, was von diesem alten Beamtenkörper kam. Darauf richteten sich zunächst ihre intensivsten Maßregeln, diese Sabotage zu überwinden. Da haben sie sich auch gar nicht zurückhaltend benommen; sie haben einfach alles, was ihnen abträglich war, versucht, mit Stumpf und Stiel auszurotten. Und eigentlich ist zum Beispiel ein solcher Mann wie Trotzki davon überzeugt, daß die Sabotage bis zu einem gewissen Grade heut schon überwunden ist. Es wurden diejenigen, die irgend etwas taten, was dem proletarischen Denken nicht entsprach, davongejagt und dergleichen mehr.
[ 6 ] Now, certain difficulties arise for such revolutionary thinking. These difficulties arise with particular intensity in Russia, which, as you can see from our considerations in the humanities, has very specific preconditions. These difficulties are rooted in the structure of classes throughout the entire world; they merely became particularly pronounced due to the circumstances in Russia. The first major difficulty is, of course, that the entire social and political leadership of humanity is now to be taken over by a class that was previously excluded from everything, a class that previously had no connection whatsoever to what constituted so-called culture. The proletarian, who is actually taking the helm, has above all been excluded from all the impulses that formed the basis of the former centers of power. He had, so to speak, nothing to offer but his own labor power—his physical manual labor. This is true across all countries. Consequently, in every country where the revolution rears its head, the following will hold true: initially, the proletariat will take the lead as a mere political group; yet in a certain sense, everything will remain the same—that is, those who have hitherto managed the administration will remain in the posts they have been trained for, for they are the ones with technical expertise. So nothing changes other than that laypeople—one might say a lay council—will step into the entire traditional administrative apparatus. But the point is that this lay council embodies a very specific type—namely, the proletarian type—and consists of proletarians. Since it is to consist of proletarians, it must also be certain to uphold the maxim: Only from the proletarian mind can that which will provide leadership in the future emerge; no one else may participate. — Therefore, this future leadership cannot be left to a National Assembly or a Constituent Assembly, for such a Constituent Assembly would be nothing more than, in a sense, a continuation of what existed before. But what is to come must be a radical upheaval. There is no need to hold elections in the first place. Those who are to lead are simply there by virtue of belonging to the proletariat: not some National Assembly, not some Constituent Assembly, but the dictatorship of the proletariat. — But this initially presented the difficulty that the proletariat, as I said, must be described as untrained; that from its untrained standpoint, it could actually exercise control only over those who, coming from the old order, were running the administration—and who were thus, in fact, still attached to the interests of the old order. Thus, particularly in Russia, those who had now risen to the top as the proletariat—who previously had nothing to do with anything that involved the state apparatus—found themselves confronted with what remained of that former state apparatus. They had to view the matter—as was indeed mostly the case in reality—in such a way that all the people who had come over from the former state apparatus were acting on the basis of ideas derived from that system. They thus carried the interests of the old bourgeois state into the state that was to be subject solely to the dictatorship of the proletariat. They acted just as an enemy would not conduct its affairs openly—in a war or a counterrevolution—but rather by introducing into enemy territory everything from its own country intended to have a destructive effect on the other. Thus, the proletarians coming to power in Russia perceived the activities of the old state apparatus as sabotage. And their first effort was to overcome this sabotage, which consisted in the fact that what was being introduced into the new system they sought to establish could, in reality, serve only as the pillars of the old order. It is exactly the same process as, for example, when—without openly initiating any hostility—a citizen of one country introduces toxic substances into a foreign country and poisons its fields and soil so that nothing grows there. At first, therefore, the proletarians perceived what came from this old bureaucracy as sabotage. Their most intense measures were initially directed at overcoming this sabotage. They did not hold back at all; they simply tried to root out everything that was detrimental to them, root and branch. And in fact, a man like Trotsky, for example, is convinced that this sabotage has already been overcome to a certain extent today. Those who did anything that did not conform to proletarian thinking were driven out, and so on.
[ 7 ] Aber nun ist ja damit die Schwierigkeit nicht behoben — das sieht ja Trotzki auch ganz gut ein —, daß man bloß die sogenannte Sabotage bekämpft. Er sieht ein, daß man den ganzen alten Verwaltungskörper haben muß — aber ihn zum Diener machen muß desjenigen, was der Führerschaft des Proletariats unterliegt. Darin sieht zum Beispiel Trotzki die erste große Schwierigkeit. Das ist etwas, von dem er glaubt, es mit seinen abstrakten Mitteln überwinden zu können, was er aber damit nicht überwinden wird. Da beginnt das IJusionäre, weil eben Trotzki ein wirklichkeitsfremder Geist ist. Dieses Illusionäre ist in der Abstraktion begründet, daß man einfach die gesamten, sagen wir technischen Beamten, intellektuellen, kommerziellen Leute zu Dienern eines Kollegiums aus Proletariern machen kann, welches diktiert. Es ist der Unglaube an die Konfiguration des seelisch-geistigen Lebens, welcher aus dieser Illusion spricht. Wenn man bei den alten Ideen bleibt, wenn man nicht das als richtig ansieht, was ich hier oft hervorgehoben habe, daß die soziale Umwandlung aus neuen Gedanken hervorgehen muß — wenn man einfach die alten Techniker, die alten Beamten, die alten Generäle wieder anstellt, wenn man eben einfach das Alte übernimmt, ohne dem Neuen vor allen Dingen durch Erziehung entgegenzugehen, so wird es genau so nach einiger Zeit sich erheben, wie es war. Das heißt, man wird es nicht überwinden, sondern man wird es einfach fortsetzen. Man kann durch Gewaltmaßregeln die Sabotage eine Zeitlang überwinden, aber sie wird immer wieder und wieder ihr Haupt erheben; denn gerade, wenn es richtig ist, daß der Mensch abhängig ist von der Situation, in der er drinnen ist — und abhängig ist er seit drei bis vier Jahrhunderten, das ist für die neuere Geschichte richtig —, dann muß er, wenn man ihn nicht unabhängig macht von den Verhältnissen durch wirksame Gedanken, die aber nur aus dem Geistesleben heraus kommen können, immer wiederum, wie die Katze auf die Pfoten, in die alten Denkweisen und damit in die alten Handlungsweisen zurückfallen.
[ 7 ] But simply combating so-called sabotage does not resolve the difficulty—as Trotsky himself quite clearly recognizes. He acknowledges that the entire old administrative apparatus must be retained—but it must be made subservient to the leadership of the proletariat. Trotsky, for example, sees this as the first major difficulty. It is something he believes he can overcome with his abstract methods, but which he will not be able to overcome in this way. This is where the illusion begins, precisely because Trotsky is a mind detached from reality. This illusion is rooted in the abstraction that one can simply turn the entire body of, let’s say, technical officials, intellectuals, and businesspeople into servants of a collegium of proletarians that dictates policy. It is a disbelief in the nature of psychological and spiritual life that speaks through this illusion. If one clings to the old ideas, if one does not regard as correct what I have often emphasized here—that social transformation must arise from new ideas—if one simply rehires the old technicians, the old bureaucrats, the old generals, if one simply adopts the old ways without, above all, embracing the new through education, then after some time things will rise up exactly as they were before. That is to say, one will not overcome it, but will simply continue it. One can overcome sabotage for a time through coercive measures, but it will rear its head again and again; for precisely because it is true that human beings are dependent on the situation in which they find themselves—and they have been dependent for three to four centuries, which is true of recent history— then, unless one makes them independent of their circumstances through effective thoughts—which, however, can only arise from spiritual life—they will always fall back, like a cat landing on its feet, into their old ways of thinking and thus into their old ways of acting.
[ 8 ] Hier liegt einer der Punkte, wo sich dieses Denken als illusionär, als ganz wirklichkeitsfremd entpuppt. Ich könnte viele solche Punkte anführen; aber ich will Ihnen ja nur die besondere Konfiguration dieses Denkens vor Augen führen. Ich will Ihnen zeigen an einzelnen Beispielen, wie sich dieses Denken als wirklichkeitsfremd erweist. Man kann sich eben nicht einfach ausdenken: das oder jenes soll geschehen, sondern man muß mit den in der Wirklichkeit vorhandenen gesetzmäßigen Impulsen rechnen. Lebt man nicht mit ihnen, so verfällt man eben notwendig Illusionen. Und eine der bedeutsamsten Illusionen bei Trotzki ist zum Beispiel diese: Trotzki weiß, daß durch die ganz besonders starke Unterdrückung, welche die breiten Massen auch des Bauernptoletariats — man kann es schon so nennen — gerade in Rußland erfahren haben, daß da sich die Verhältnisse außerordentlich zuspitzen mußten. Das weiß er, daß die Form, welche die Revolution unter diesen besonderen Verhältnissen annimmt, nicht zum Siege führen kann. Er ist wirklichkeitsfremd, aber nicht so wirklichkeitsfremd, daß er nicht vernünftigerweise einsehen würde, daß man auf einem auch noch so großen Gebiete, das aber im Verhältnis zu der gesamten Erde doch ein kleines Gebiet ist, einseitig nicht eine neue soziale Struktur unter den heutigen Verhältnissen herbeiführen kann. Daher rechnete Trotzki auf die Revolutionisierung durch das Proletariat über die ganze zivilisierte Welt hin und gab sich nicht dieser Illusion hin, daß die russische Revolution für sich allein siegen könnte. Er wußte, daß sie abhängt von dem Siege der proletarischen Revolution über die ganze Welt hin.
[ 8 ] This is one of the points where this way of thinking turns out to be illusory, completely detached from reality. I could cite many such points; but my aim is simply to illustrate the specific nature of this way of thinking. I want to show you, through individual examples, how this way of thinking proves to be detached from reality. One cannot simply imagine that this or that should happen; rather, one must take into account the lawful impulses that exist in reality. If one does not live in harmony with them, one inevitably succumbs to illusions. And one of the most significant illusions in Trotsky’s thinking, for example, is this: Trotsky knows that, due to the particularly severe oppression experienced by the broad masses—including the peasant proletariat, if one may call it that—precisely in Russia, conditions there were bound to become extremely acute. He knows that the form the revolution takes under these particular conditions cannot lead to victory. He is out of touch with reality, but not so out of touch that he would fail to reasonably recognize that, even in a territory as vast as this—which is nevertheless a small area in relation to the entire world—one cannot unilaterally bring about a new social structure under present-day conditions. That is why Trotsky counted on the proletariat to carry out a revolution throughout the entire civilized world and did not succumb to the illusion that the Russian Revolution could triumph on its own. He knew that it depended on the victory of the proletarian revolution throughout the entire world.
[ 9 ] Nun, in diese Gedanken hinein lebte sich eben der ganze abstrakte Charakter des Trotzkischen Vorstellens hinein. Trotzki glaubte an die proletarische Revolution der ganzen Welt, er glaubte daran, daß nach und nach der Krieg einen solchen Charakter annehmen werde, daß über die ganze Welt eine Art proletarischer Revolution kommen würde, daß der Krieg sich umwandeln würde in die proletarische Revolution.
[ 9 ] Well, it was precisely into these ideas that the entire abstract character of Trotsky’s conception found its expression. Trotsky believed in a worldwide proletarian revolution; he believed that, little by little, the war would take on such a character that a kind of proletarian revolution would sweep across the entire world, and that the war would transform itself into a proletarian revolution.
[ 10 ] Nun, diese kriegerische Katastrophe wird sich noch in allerlei verwandeln. Aber jetzt schon hat die Wirklichkeit hinlänglich gezeigt, daß dieser Trotzkische Gedanke eben wirklichkeitsfremd ist. Er wäre nur dann real, wenn diese kriegerische Katastrophe mit der allgemeinen Erschöpfung geendet hätte, wenn nicht ein so eklatanter, sogenannter Sieg — er ist ja auf sonderbare Weise zustande gekommen von der einen Seite erreicht worden wäre, ein Sieg, der einfach diese Hoffnung aus der Welt schafft, daß eine Erschöpfung gleichmäßig über die zivilisierte Welt eintreten würde. Das, was eintritt, ist eine entschiedene Hegemonie der Westmächte bei einer vollständigen Abhängigkeit der Mittel- und Ostmächte. Eine vollständige Beherrschung der Mittel- und Ostmächte durch die Westmächte, das ist es, was zunächst sich als treibende Kraft herausgestellt hat, was ja auch nicht anders werden konnte. Für denjenigen, der die Wirklichkeit auf diesem Gebiet durchschaut, war das klar. Aber Trotzki ist eben ein wirklichkeitsfremder Geist, sonst müßte er sich heute sagen: Die Ereignisse haben mich widerlegt. — Er hat ein Wort gesprochen, das nicht unbegründet ist, wenn man bloß abstrakt denkt, das sehr geistreich ist. Er hat gesagt: Die bourgeoise Lebensauffassung der Gegenwart habe keine andere Wahl als die zwischen Dauerkrieg und Revolution. Die Sache ist anders geworden. Es ist ein sogenannter Sieg der Westmächte eingetreten, weder Dauerkrieg noch Revolution. Und in dem, was sich im Westen vorbereitet, liegt auch keine Keimanlage zu irgendeiner proletarischen Revolution, sondern es liegt darin eben die Ausgestaltung des ganzen Westens zu einem staatlich organisierten Großbourgeoistum, das dem Proletariertum von Mittel- und Osteuropa entgegensteht.
[ 10 ] Well, this military catastrophe will yet take on all sorts of forms. But reality has already amply demonstrated that this Trotskyist idea is, in fact, divorced from reality. It would only be realistic if this military catastrophe had ended in general exhaustion, if a so-called victory—one that came about in a peculiar way—had not been achieved by one side, a victory that simply dispels any hope that exhaustion would spread evenly across the civilized world. What is actually happening is the decisive hegemony of the Western powers, coupled with the complete dependence of the Central and Eastern powers. Complete domination of the Central and Eastern Powers by the Western Powers—that is what has initially emerged as the driving force, and it could not have been otherwise. This was clear to anyone who understood the reality of the situation. But Trotsky is simply out of touch with reality; otherwise, he would have to admit today: “Events have proven me wrong.” — He uttered a statement that is not without merit if one thinks purely in abstract terms—a statement that is very witty. He said: The bourgeois outlook on life today has no choice but between perpetual war and revolution. Things have turned out differently. A so-called victory of the Western powers has occurred—neither perpetual war nor revolution. And what is taking shape in the West contains no seeds of any proletarian revolution; rather, it involves the transformation of the entire West into a state-organized big bourgeoisie that stands in opposition to the proletariat of Central and Eastern Europe.
[ 11 ] Dies ist das welthistorische Ergebnis, möchte man sagen, das ja sich auch wieder verwandeln wird, aber das zunächst da ist. Das ist die Wirklichkeit. So daß also Trotzki sich einfach heute eines ganzanderen besinnen müßte, wenn er auf die Wirklichkeit schauen würde. Er müßte sich sagen: Wie soll denn unter dieser Gestaltung das, was ich mit der russischen Revolution wollte, siegen, da eine der wichtigsten Voraussetzungen, die Weltrevolution des Proletariats, nicht eintreten wird? — Wenn er heute noch auf diese Weltrevolution rechnet, so ist eben dieses ein Beweis seiner Wirklichkeitsfremdheit.
[ 11 ] One might say that this is the outcome of world history—one that will, of course, change again, but which exists for now. This is reality. So Trotsky would simply have to reconsider his position entirely today if he were to look at reality. He would have to ask himself: How, under these circumstances, can what I hoped to achieve with the Russian Revolution prevail, since one of the most important prerequisites—the world revolution of the proletariat—will not come to pass? — If he still counts on this world revolution today, that is precisely proof of his detachment from reality.
[ 12 ] Noch in einem andern Punkt zeigt sich in einer merkwürdigen Weise die wirklichkeitsfremde Denkweise eines solchen Revolutionärs. Selbstverständlich haben auch solche Revolutionäre immer darauf hingewiesen, daß der Übel größtes der sogenannte preußisch-deutsche Militarismus ist, daß der überwunden, daß der aus der Welt geschafft werden muß. Nun, die Entwickelung ist ja dahin gegangen, daß der preußisch-deutsche Militarismus aus der Welt geschafft ist; aber der Entente-Militarismus wird in der nächsten Zeit eine ganz beträchtliche Herrschaftswirkung ausüben! Aber davon will ich gar nicht sprechen, sondern davon, daß Trotzki selbst Veranlassung hatte, zu erörtern: Welches ist denn eine der allerwichtigsten nächsten Aufgaben der russischen Revolution, wenn sie sich halten will? — Seine Antwort darauf ist: Die Schaffung einer Armee! Das ist gerade dasjenige, was Trotzki als die nächste, wichtigste Aufgabe bezeichnet!
[ 12 ] In yet another respect, the unrealistic way of thinking of such a revolutionary is revealed in a curious way. Of course, even such revolutionaries have always pointed out that the greatest evil is so-called Prussian-German militarism, that it must be overcome, that it must be eradicated. Well, developments have indeed led to Prussian-German militarism being eliminated; but Entente militarism will exert a very considerable influence in the near future! But I do not wish to speak of that at all; rather, I want to address the point that Trotsky himself felt compelled to discuss: What, then, is one of the most important immediate tasks of the Russian Revolution if it is to survive? — His answer to that is: The creation of an army! That is precisely what Trotsky identifies as the next, most important task!
[ 13 ] Diese Dinge, die sollten sehr wohl beachtet, die sollten sehr wohl durchschaut werden. Denn nur, wenn man diese Dinge wirklich beachtet und durchschaut, dann kommt man darauf, sich zu sagen: Ich muß ja nun doch ein wenig tiefer in die Menschheitsimpulse hineinschauen, wenn ich mir Vorstellungen darüber bilden will, was aus dem Chaos, das die kriegerische Katastrophe nach und nach entwickelt hat, werden soll. Es ist heute allerdings die Menschheit noch recht abgeneigt, auf solche Impulse einzugehen, wie ich sie hier als die wahren, als die einzig möglichen sozialen Impulse von den verschiedensten Gesichtspunkten aus entwickelt habe. Aber die Menschheit würde darauf eingehen können, wenn sie sich eben entschließen würde, die wirklichen Kräfte, die in der Menschheitsentwickelung walten, einmal näher ins Auge zu fassen.
[ 13 ] These things should certainly be taken into account; they should certainly be understood. For only when one truly takes these things into account and sees through them does one come to say to oneself: I must now look a little deeper into the impulses of humanity if I am to form ideas about what is to become of the chaos that the catastrophe of war has gradually brought about. Today, however, humanity is still quite reluctant to engage with such impulses as I have developed here—from a wide variety of perspectives—as the true, the only possible social impulses. But humanity would be able to engage with them if it would simply resolve to take a closer look at the real forces at work in human development.
[ 14 ] Ein Wort ist ungeheuer charakteristisch, welches in russischen revolutionären Köpfen immer wiederum auftritt. Was wollen denn eigentlich diese Diktaturproletarier im großen und ganzen? Sie wollen die Welt zu einer großen Fabrik machen, zu einer Fabrik, durchsetzt von einer Art von Bankbuchhaltungssystem, das sich über die ganze Gruppe, die man umfassen kann, ausdehnt. — Die alten Techniker, die alten Beamten, selbst die alten Generäle, die wollen wir uns schon herrichten für unsere proletarische Diktatur! Aber die Buchhaltung müssen wir in Händen haben, die Buchung für die Gesamtwirtschaft, das heißt das Fabrikkontor! — Das ist auch gar nicht zu verwundern, denn die ganze Bewegung ist hervorgegangen aus der modernen Industrie. Würde man nur das bedenken, daß sie aus dem Proletariat der modernen Industrie hervorgegangen ist, so würde man sich auch nicht wundern, daß die Denkungsweise dieses Proletariats, die sich an dem herangebildet hat, was es in den Fabriken gesehen hat, angewendet werden soll auf alles das, was man nun in die Hand bekommen kann. Es ist natürlich die Folge und Konsequenz davon, daß die Bourgeoisie nicht darauf achtgegeben hat, daß sich dieses Proletariertum in so ungeheurer Ausdehnung in der neueren Zeit heraufentwickelte. Und wenn es auch eine Notwendigkeit war, daß die Bourgeoisie sozusagen die Augen zugedrückt hat und ruhig alles heraufkommen ließ, so ist es doch nicht eine Notwendigkeit, daß nun auch die noch wichtigeren Verhältnisse, die in der Welt liegenden Motivkräfte, unberücksichtigt bleiben; denn ohne die Berücksichtigung dieser Motivkräfte gibt es keine Möglichkeit, sich mit den sozialen Aufgaben bekannt zu machen. Da muß man wissen, wie differenziert die Menschheit über die ganze Erde hin ist — ich sagte es schon gestern oder vorgestern. Da muß man wissen, daß im Westen eine andere Menschheit lebt als im Osten und in der Mitte, und daß man nicht mit abstrakten Ideen, ohne Rücksicht auf die Wirklichkeiten zu nehmen, irgendwelche soziale Gestaltung hervorrufen kann. An ihrer Wirklichkeitsfremdheit wird die russische Revolution als an ihrer großen Illusion Schiffbruch leiden müssen.
[ 14 ] There is one word that is incredibly characteristic and keeps cropping up in the minds of Russian revolutionaries. What do these proletarian dictators actually want, all things considered? They want to turn the world into one big factory—a factory permeated by a kind of bank accounting system that extends across the entire group that can be encompassed. — The old technicians, the old bureaucrats, even the old generals—we’ll certainly make use of them for our proletarian dictatorship! But we must keep the books in our own hands—the accounting for the entire economy, that is, the factory office! — This is hardly surprising, for the entire movement has emerged from modern industry. If one were only to consider that it emerged from the proletariat of modern industry, one would not be surprised that the mindset of this proletariat—which was shaped by what it witnessed in the factories—is to be applied to everything that can now be brought under control. It is, of course, the result and consequence of the fact that the bourgeoisie did not pay attention to the fact that this proletariat had developed on such a massive scale in recent times. And even if it was necessary for the bourgeoisie to turn a blind eye, so to speak, and quietly let everything come to pass, it is by no means necessary that the even more important conditions—the driving forces at work in the world—should now also be ignored; for without taking these driving forces into account, there is no way to come to terms with social tasks. One must understand how diverse humanity is across the entire globe—as I already mentioned yesterday or the day before. One must realize that the people living in the West are different from those in the East and in the center, and that one cannot bring about any kind of social transformation with abstract ideas without taking reality into account. The Russian Revolution will be doomed to failure because of its detachment from reality, just as it was because of its great illusion.
[ 15 ] Solche Illusionen können ja die Menschen, die aus Erziehung auch sozial freie Wesen sind — das heißt frei, insofern der, der die Macht hat, eben das ausüben kann, was in der Macht liegt —, für eine Zeit in die Wirklichkeit umsetzen. Aber die Wirklichkeit scheidet sie aus, weil sie das nicht brauchen kann. Die Wirklichkeit nimmt nur das an, was im Sinne des Verlaufes dieser Wirklichkeit liegt. Wir dürfen nicht vergessen, daß das Wichtigste ist, daß wir eben in dem Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung leben, und daß diese Bewußtseinsseelenentwickelung über die ganze Erde hin in einer scharf differenzierten Form auftritt.
[ 15 ] People who, by virtue of their upbringing, are socially free beings—that is, free insofar as those who hold power can exercise whatever lies within that power—can, for a time, transform such illusions into reality. But reality rejects them because it has no use for them. Reality accepts only what is in keeping with the course of that reality. We must not forget that the most important thing is that we are living in the age of the development of the consciousness soul, and that this development of the consciousness soul is taking place across the entire Earth in a sharply differentiated form.
[ 16 ] Betrachten wir nun einmal nach den wichtigsten, sagen wir durch die Sprache zum Ausdruck kommenden europäischen Differenzierungen, die verschiedenen Impulse, die der zivilisierten Welt zugrunde liegen. Ich habe Ihnen ja öfter ausgeführt, wie in der englisch sprechenden Bevölkerung die eigentliche Keimanlage zur Ausbildung der Bewußtseinsseele liegt. Das ist wichtig, daß man das ins Auge faßt. Damit hängt ja alles das zusammen, was, wenn man so sagen darf, aus der Welt unter dem Einflusse der englisch sprechenden Bevölkerung wird. Mit all den Impulsen, die gerade zur Herbeiführung der Bewußtseinsseele führen, ist das Volkstum — ich rede niemals vom einzelnen Menschen, sondern vom Volkstum — der englisch sprechenden Bevölkerung ausgestattet. Das ist nun so, daß dort in ganz anderer Weise als bei der anderen Menschheit diese Hinneigung zur Bewußtseinsseele instinktiv auftritt. Es lebt nirgends in der Welt dieser, ich möchte sagen, vergeistigte Instinkt, die Bewußtseinsseele auszubilden, so, wie im englischen Volkstum. Da ist es Instinkt. Und nirgends sonst ist die Sache Instinkt, selbst nicht in dem der englisch sprechenden Bevölkerung eingegliederten Romanentum. Das Romanentum ist eigentlich Nachkömmling desjenigen, was wirklich gelebt hat in der vierten nachatlantischen Zeit. Damals hatte dieses Romanentum die Instinkte für das, was in der vierten nachatlantischen Zeit besonders entwickelt worden ist. Jetzt sind seine Instinkte nicht mehr in derselben Weise elementar, sondern sie sind rationalisiert, intellektualisiert; sie treten auf als Rhetorik, durch den Intellekt, durch das Seelische, als dekorative Form. Sie sind herausgehoben aus dem Instinktiven. Dasjenige, was als, ich möchte sagen Volkstemperament im Romanentum auftritt, ist durchaus verschieden von dem, was als Volkstemperament beim englischen Volkstum auftritt. Beim englischen Volkstum ist dieses Hintendieren zur Bewußtseinsseele, dieses Streben des einzelnen Menschen, sich auf die eigenen Füße zu stellen, Instinkt.
[ 16 ] Let us now consider, in light of the most important European distinctions—those expressed, so to speak, through language—the various impulses that underlie the civilized world. I have often explained to you how the actual seed for the development of the conscious soul lies within the English-speaking population. It is important to bear this in mind. For everything that, if I may put it this way, the world becomes under the influence of the English-speaking population is connected to this. The English-speaking population—I am never speaking of the individual human being, but of the national character—is endowed with all the impulses that lead precisely to the emergence of the soul of consciousness. The fact is that this inclination toward the conscious soul arises instinctively there in a way that is entirely different from that of the rest of humanity. Nowhere else in the world does this—I would say—spiritualized instinct to develop the conscious soul exist as it does in the English national character. There, it is instinct. And nowhere else is this a matter of instinct, not even in the Romanic culture that has become integrated into the English-speaking population. Romanic culture is actually a descendant of what truly lived during the fourth post-Atlantean epoch. At that time, this Romanic culture possessed the instincts for what had been particularly developed during the fourth post-Atlantean epoch. Now its instincts are no longer elemental in the same way, but have been rationalized and intellectualized; they manifest as rhetoric, through the intellect and the soul, as a decorative form. They have been detached from the instinctive. That which appears as—I would say—national temperament in Roman culture is entirely different from what appears as national temperament in English culture. In English culture, this tendency toward the conscious soul, this striving of the individual to stand on one’s own two feet, is instinct.
[ 17 ] Das also, was die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums ist, das ist als Instinkt, als aus der ganzen Seele instinktiv kommender Impuls gerade in diesem Volkstum verankert. Sehen Sie, damit hängt zusammen die ganze Stellung dieses Volkstums in der Welt. Damit hängt zusammen, daf3 dieser Impuls innerhalb der sozialen Struktur der englisch sprechenden Bevölkerung das Maßgebende, das Ausschlaggebende ist, daß er die anderen Tendenzen unterdrücken kann. Die anderen Tendenzen sind, wie Sie aus meinen Ausführungen ersehen können, schon nach der Gliederung, die ich der sozialen Frage gegeben habe: der ökonomische Impuls und der Impuls der geistigen Produktion. Aber studieren Sie nur einmal psychologisch das Volkstum der englisch sprechenden Bevölkerung: Die beiden andern, der ökonomische Impuls und der geistig produktive Impuls, die stehen ganz im Schatten desjenigen, was aus dem instinktiven Impuls kommt, der zur Ausbildung der Bewußtseinsseele hintendiert.
[ 17 ] The task of the fifth post-Atlantic epoch, then, is rooted precisely in this national character as an instinct, as an impulse arising instinctively from the very depths of the soul. You see, the entire position of this national character in the world is connected to this. It is connected to the fact that, within the social structure of the English-speaking population, this impulse is the defining, decisive factor—one that can suppress the other tendencies. The other tendencies, as you can see from my remarks, are—according to the framework I have provided for the social question—the economic impulse and the impulse of intellectual production. But just consider, from a psychological perspective, the national character of the English-speaking population: the other two—the economic impulse and the impulse toward intellectual production—are entirely overshadowed by that which arises from the instinctive impulse that tends toward the development of the conscious soul.
[ 18 ] Dadurch bekommen die Zweige, welche das soziale Leben der Zukunft gestalten müssen, gerade innerhalb des englisch sprechenden Volkstums ihre ganz besondere Färbung. Die drei Gebiete müssen sich in der Zukunft ganz besonders wirksam erweisen, müssen tonangebend sein: Erstens die Politik, die die Sicherheit versorgt. Zweitens die Organisation der Arbeit, der rein materiellen Arbeit, also die ökonomische Ordnung, das Wirtschaftssystem. Das ist das zweite. Das dritte ist das System der geistigen Produktion, zu dem ich, wie ich Ihnen damals gesagt habe, auch die Jurisprudenz, die Gerichtsbarkeit rechne. Diese drei Gliederungen der sozialen Struktur, die werden selbstverständlich in den Schatten gestellt von dem, was als Hauptimpuls bei irgendeiner Volksdifferenzierung vorhanden ist. Dadurch, daß bei dem britisch sprechenden Volkstum instinktiv die Entwickelung zur Bewußtseinsseele wirkt, das Sich-Stellen auf die eigenen Beine, dadurch nimmt bei ihm, wie ja die Geschichte so sattsam lehrt, gerade die Politik den hervorragendsten Platz ein. Diese Politik ist ganz beherrscht von dem instinktiven Trieb, den Menschen auf die eigenen Beine zu stellen, die Bewußtseinsseele voll auszubilden. Dieser Trieb, weil er instinktiv ist, und Instinkte immer in der Selbstsucht wurzeln — das ist eine bloße Charakteristik, keine Kritik —, treibt dahin, daß innerhalb des englisch sprechenden Volkstums Selbstsucht und politisches Ziel rein zusammenfallen; daß alle Politik in ganz naiver Weise, ohne daß dabei irgendeinem Politiker der englisch sprechenden Bevölkerung eine Schuld gegeben werden darf, in den Dienst der Selbstsucht gestellt werden kann und gerade dadurch die Mission des englisch sprechenden Volkstums erfüllt. Nur dadurch kommen Sie darauf, das eigentliche Wesen der ja für die ganze Erdenbevölkerung eigentlich tonangebenden englischen Politik ins Auge zu fassen. Denn überall wird die englische Politik als ein Ideal betrachtet, die Parlamentsordnung mit dem Schaukeln von Mehrheit und Minderheit und so weiter. Studieren Sie einmal die Verhältnisse in den verschiedenen Parlamenten, wie sie sich herausgebildet haben, Sie werden überall sehen, daß die britische Politik tonangebend war gerade für das politische Leben. Aber indem sie sich über die anders differenzierten Völker ausgebreitet hat, konnte sie nicht mehr dasselbe sein, weil sie verankert ist und richtig verankert ist in der Selbstsucht, in dem Egoismus, der allem Instinktiven notwendigerweise anhaftet.
[ 18 ] As a result, the branches that must shape the social life of the future take on a very special character, particularly within the English-speaking world. These three areas must prove to be particularly effective in the future and must set the tone: First, politics, which ensures security. Second, the organization of labor—purely material labor—that is, the economic order, the economic system. That is the second. The third is the system of intellectual production, to which—as I told you at the time—I also count jurisprudence and the judicial system. These three components of the social structure are, of course, overshadowed by what serves as the main driving force behind any differentiation of a people. Because the development toward the soul of consciousness—standing on one’s own two feet—instinctively operates within the English-speaking people, politics, as history so abundantly teaches, occupies the most prominent place among them. This politics is entirely dominated by the instinctive drive to set people on their own two feet, to fully develop the soul of consciousness. Because this impulse is instinctive—and instincts are always rooted in self-interest (this is merely a characterization, not a criticism)—it leads to a situation within the English-speaking people where self-interest and political goals coincide entirely; that all politics, in a completely naive way—and without any blame being placed on any politician among the English-speaking population—can be placed in the service of self-interest and, precisely through this, fulfills the mission of the English-speaking people. Only in this way can you begin to grasp the true nature of English politics, which, after all, sets the tone for the entire population of the Earth. For everywhere, English politics is regarded as an ideal—the parliamentary system with its ebb and flow of majorities and minorities, and so on. If you study the conditions in the various parliaments as they have developed, you will see everywhere that British politics set the tone precisely for political life. But as it spread to peoples with different characteristics, it could no longer remain the same, because it is rooted—and rightly so—in self-interest, in the egoism that is necessarily inherent in all instinctive behavior.
[ 19 ] Das ist auch die Schwierigkeit des Verständnisses, die da vorliegt, wenn die Leute die englische Politik oder die amerikanische Politik begreifen wollen. Es wird die Nuance nicht ins Auge gefaßt, die gerade notwendigerweise ins Auge gefaßt werden muß: daß diese Politik selbstsüchtig sein muß, daß sie ganz auf selbstsüchtigen Impulsen ruhen muß. Durch ihre besondere Eigenart muß sie auf selbstsüchtigen Impulsen ruhen. Sie wird daher diese selbstsüchtigen Impulse als das Selbstverständliche ansehen, als das Rechtliche, als das Moralische. Da ist gar nichts dagegen einzuwenden. Das ist nicht mit Kritik zu belegen, sondern als eine welthistorische, ja sogar kosmische Notwendigkeit einfach einzusehen. Widerlegt werden kann es auch nicht, aus dem einfachen Grunde, weil derjenige, der aus dem englischen Volkstum heraus etwas widerlegen will, sich immer, ich möchte sagen, auf einer falschen Fährte befindet. Er will aus moralischen Gründen, die dabei gar nicht in Betracht kommen, in Abrede stellen, daß die Politik des englischen Volkstums selbstsüchtig ist. Aber moralische Gründe kommen dabei gar nicht in Betracht. Sie wird dasjenige, was sie bewirkt, was ihre Ergebnisse sind, gerade durch diesen instinktiven Charakter, durch diese Selbstsucht haben.
[ 19 ] This is also the difficulty in understanding that arises when people try to comprehend English or American politics. They fail to take into account the nuance that must necessarily be taken into account: that this policy must be self-serving, that it must be based entirely on self-serving impulses. By its very nature, it must be based on self-serving impulses. It will therefore regard these self-serving impulses as self-evident, as just, as moral. There is absolutely nothing to object to here. This cannot be subject to criticism, but must simply be recognized as a world-historical, indeed even cosmic, necessity. Nor can it be refuted, for the simple reason that anyone who seeks to refute it on the basis of English national character is always, I might say, on the wrong track. For moral reasons—which are entirely irrelevant here—he seeks to deny that the politics of English folklore is self-serving. But moral reasons are entirely irrelevant here. It is precisely through this instinctive character, through this self-interest, that it achieves what it does and produces its results.
[ 20 ] Daher ist in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum dieser englisch sprechenden Bevölkerung gewissermaßen zuerteilt das Element der Gewalt. Erinnern Sie sich an die drei Glieder im Goetheschen «Märchen»: Gewalt, Erscheinung oder Schein, und Weisheit, Erkenntnis. Von diesen drei Gliedern ist zugeteilt dem englisch sprechenden Volkstum die Gewalt. Dasjenige, was es politisch in der Welt bewirkt, das wird es dadurch bewirken können, daß es gewissermaßen zu seinen angeborenen Eigenschaften gehört, durch die Gewalt zu wirken. Und durch die Gewalt zu wirken, wird im fünften nachatlantischen Zeitraum als etwas Selbstverständliches hingenommen werden. Die englische Politik wird in der ganzen Welt akzeptiert — selbstverständlich wird man alle Schäden, die aber in der Wirklichkeit auf dem physischen Plane immer vorhanden sind, scharf kritisieren können, das können ja die Angehörigen des Britischen Reiches selber tun —, aber sie wird akzeptiert. Es liegt einfach in der Zeitentwickelung, daß sie akzeptiert wird, und zwar ohne daß man darüber nachdenkt, ohne daß man irgendwie Gründe sucht. Die Gründe werden ohnedies alle nichts taugen, weil es eben eine ganz unmittelbare Selbstverständlichkeit ist, daß die Gewalt, die von dieser Seite kommt, akzeptiert wird.
[ 20 ] Therefore, in our fifth post-Atlantic period, the element of violence is, so to speak, assigned to this English-speaking population. Recall the three elements in Goethe’s “Fairy Tale”: violence, appearance or illusion, and wisdom, knowledge. Of these three elements, violence is assigned to the English-speaking people. Whatever they bring about politically in the world, they will be able to achieve it because acting through violence is, in a sense, one of their innate characteristics. And acting through violence will be accepted as a matter of course in the fifth post-Atlantean epoch. English politics will be accepted throughout the world—of course, one will be able to sharply criticize all the harms that are, in reality, always present on the physical plane; indeed, the citizens of the British Empire themselves can do so—but it will be accepted. It is simply part of the course of history that it is accepted, and indeed without people giving it a second thought, without seeking any reasons whatsoever. The reasons would be of no use anyway, because it is simply an immediate matter of course that the power coming from this side is accepted.
[ 21 ] Das ist nicht so bei der eingesprengten romanischen Bevölkerung. Die lebt gewissermaßen den Schatten, den Zeitschatten aus desjenigen, was sie im vierten nachatlantischen Zeitraum war. Umgesetzt in das Intellektuelle sind die Instinkte. Da sind die Instinkte nicht mehr so elementar. Daher wird die englische Politik als selbstverständlich angenommen, die französische Politik aber nur von denjenigen, denen sie in der Lage ist zu gefallen. Das französische Wesen wird geliebt in der Welt, insofern es gefällt. Darauf ist das englische gar nicht angewiesen, sondern es ist auf die Selbstverständlichkeit, mit der ihm aus seinen Instinkten heraus die Politik der Gegenwart als etwas Wirksames zufällt, eingestellt. So aber ist es auch möglich, daß gerade innerhalb der englisch sprechenden Bevölkerung, durch den vorherrschenden, in die Politik passenden Trieb der Selbstsucht und der Gewalt — wodurch ihr die Weltherrschaft notwendigerweise zufällt —, das Wirtschaftliche in Schranken gehalten wird, untergeordnet wird, und daß auch das Geistesleben, insofern es dem fünften nachatlantischen Zeitraum angehört, in den Dienst dieser Politik tritt, daß alles einheitlich in einer gewissen Weise in den Dienst der Politik tritt.
[ 21 ] This is not the case with the scattered Romanic population. In a sense, they live in the shadow—the temporal shadow—of what they were during the fourth post-Atlantean epoch. Their instincts have been transformed into intellectual faculties. There, the instincts are no longer so elemental. Consequently, English politics is taken for granted, whereas French politics is accepted only by those whom it is able to please. The French character is loved throughout the world insofar as it pleases. English culture, however, does not depend on this at all; rather, it is attuned to the naturalness with which, arising from its instincts, contemporary politics falls to it as something effective. Thus, it is also possible that, precisely within the English-speaking population, through the prevailing drive toward selfishness and power—which fits into politics and through which world domination necessarily falls to them— economic life is kept in check and subordinated, and that intellectual life, insofar as it belongs to the fifth post-Atlantean epoch, is also placed in the service of this politics, so that everything is unified in a certain way in the service of politics.
[ 22 ] Daher ist einfach aus diesem Grunde heraus der Marxismus für die englisch sprechende Welt falsch. Denn der Marxismus setzt voraus, daß die Politik ein Anhängsel der ökonomischen Ordnung ist. Sie ist es nicht, einfach durch die Instinkte nach der Bewußtseinsseele hin, die sich in der englisch sprechenden Bevölkerung bilden. Nicht durch irgendwelche Argumentation, durch Diskussion, nicht durch irgend etwas, was sonst in der Welt geschieht, wird eine marxistische Ordnung verhindert, sondern dadurch, daß das Britische Reich auf anderen Wirklichkeitsgrundlagen gebaut ist als diejenigen, auf die der Marxismus, das marxistisch gesinnte Proletariat baut. Das ist der große Gegensatz zwischen dem marzistisch denkenden Proletariat und dem, was aus dem instinktiven Leben heraus das Britische Weltreich über die Welt bringt. Nicht das Bankinstitut oder die Buchhaltung, welche Trotzki in Rußland einführen will, wird Glück haben, sondern das große Bankinstitut, das große Finanzinstitut, zu welchem durch seine besonderen Anlagen hinorganisiert ist das englisch sprechende Volkstum. Gerade wenn man prüft, wie sich das einzelne Volkstum in seiner Differenzierung verhält zu den drei Gliedern, die ich Ihnen als die in der Wirklichkeit begründeten vorgeführt habe, so ist das einzusehen.
[ 22 ] For this reason alone, Marxism is wrong for the English-speaking world. For Marxism presupposes that politics is an appendage of the economic order. It is not, simply because of the instincts toward the soul of consciousness that are forming within the English-speaking population. It is not through any kind of argumentation, through discussion, or through anything else that happens in the world that a Marxist order is prevented, but rather because the British Empire is built on a different foundation of reality than that upon which Marxism—and the Marxist-minded proletariat—is built. This is the great contrast between the Marxist-minded proletariat and that which, arising from instinctive life, enables the British Empire to exert its influence over the world. It is not the banking institution or the accounting system that Trotsky wishes to introduce in Russia that will succeed, but rather the great banking institution, the great financial institution, toward which the English-speaking people are organized by virtue of their particular dispositions. This becomes clear precisely when one examines how each distinct national character, in its particular differentiation, relates to the three elements that I have presented to you as grounded in reality.
[ 23 ] Es kommt noch etwas anderes dazu, etwas außerordentlich Wichtiges. Die Differenzierung, von der ich Ihnen sprach, die geht so weit, daß derjenige, der nicht herausstrebt aus seinem Volkstum, sondern hineinstrebt in das Volkstum — und Politik strebt ja in das Volkstum hinein —, daß der selbst beim Hüter der Schwelle ganz andere Erfahrungen macht als derjenige, der aus dem Volkstum herausstrebt. Hier komme ich überhaupt an den Punkt, der Ihnen, wenn Sie ihn durchaus studieren, einen Anhaltspunkt gibt, zu unterscheiden den heilsamen Okkultismus, der natürlich über die ganze Erde ohne Unterschied des Volkstums auftritt, von demjenigen Okkultismus, der so, wie bei den Gesellschaften, von denen ich Ihnen gesprochen habe, in den politischen Dienst des Volkstums sich stellt und von da aus wirkt. Sie können fragen: Wie kann ich denn das unterscheiden? — Sie können es unterscheiden, wenn Sie diese großen Unterscheidungsmerkmale ins Auge fassen, die ich Ihnen heute angeben werde.
[ 23 ] There is something else to consider, something extraordinarily important. The distinction I spoke to you about goes so far that the person who does not strive to break away from their national identity, but rather strives toward it—and politics, after all, strives toward national identity—that person has entirely different experiences with the Guardian of the Threshold than the one who strives to break away from their national identity. Here I come to the very point which, if you study it thoroughly, will give you a basis for distinguishing between salutary occultism—which naturally occurs throughout the entire world without distinction of national character—and that form of occultism which, as in the case of the societies I have spoken to you about, places itself in the political service of the national character and works from there. You may ask: How can I tell the difference? — You can distinguish between them by considering these major distinguishing features that I will outline for you today.
[ 24 ] Jeder Mensch muß, um zum wirklichen, der ganzen Menschheit dienenden Okkultismus zu kommen, aus seinem Volkstum herauswachsen, er muß in gewisser Weise — wir dürfen da den indischen Ausdruck gebrauchen — ein «heimatloser» Mensch werden. Er darf sich nicht zu irgendeinem Volkstum mit Bezug auf das innerste Wesen seiner Seele rechnen, er darf nicht solche Impulse haben, die nur einem einzelnen Volkstum dienen, wenn er in wirklichem Okkultismus fortschreiten will. Aber jener Okkultismus, der eingeschränkt einem bestimmten Volkstum dienen will, der kommt beim Hüter der Schwelle zu etwas ganz Besonderem. Für alle diejenigen, die innerhalb jener Gesellschaften der englisch sprechenden Bevölkerung okkulte Entwickelung suchen, enthüllt sich etwas beim Hüter der Schwelle: Sie entdecken in dem Augenblicke, wo sie die Schwelle überschreiten wollen, was in der tieferen menschlichen Natur, die zum Vorschein kommt, wenn man eben die übersinnliche Welt betritt, an Kräften lebt, die gleichartig mit den zerstörenden Kräften des Weltenalls sind. Das ist der Anblick beim Hüter der Schwelle. Wenn diese Menschen in eine solche okkulte Gesellschaft eingeführt werden bis zu der Schwelle hin, dann lernen sie die bösen Mächte von Krankheit und Tod, von allem Lähmenden und Zerstörenden erkennen. Denn wenn dieselben Kräfte, die draußen in der Natur den Tod bewirken, die also die zerstörenden sind — sie wirken ja auch in uns —, wenn diese Kräfte in uns Erkenntnis bewirken, so ist es die Erkenntnis, die in jenen Gesellschaften auftritt. Es ist eine okkulte Erkenntnis. Es ist die spezifisch okkulte Erkenntnis, die in diesen Gesellschaften auftritt. Man kommt in die übersinnliche Welt ganz sicher hinein, man muß nur am Hüter der Schwelle vorbeikommen. Aber man muß am Hüter der Schwelle so vorbeikommen, daß man die Erfahrung macht, den Tod in seiner wahren Gestalt kennenzulernen, wie er in uns selbst und draußen in der Natur lebt.
[ 24 ] In order to attain true occultism—one that serves all of humanity—every person must outgrow their national identity; in a certain sense—and here we may use the Indian expression—they must become a “homeless” person. They must not identify with any particular national culture in relation to the innermost essence of their soul; they must not harbor impulses that serve only a single national culture if they wish to progress in true occultism. But that form of occultism which seeks to serve a specific national culture in a limited way encounters something quite special at the Guardian of the Threshold. For all those who seek occult development within the societies of the English-speaking population, something is revealed by the Keeper of the Threshold: at the very moment they seek to cross the threshold, they discover what lies within the deeper human nature—which comes to light precisely when one enters the supersensible world—in the form of forces that are of the same nature as the destructive forces of the universe. This is the vision encountered at the Guardian of the Threshold. When these people are initiated into such an occult society up to the threshold, they learn to recognize the evil forces of illness and death, of all that is paralyzing and destructive. For when the same forces that cause death out in nature—that is, the destructive forces—which also act within us, when these forces bring about insight within us, it is this insight that arises in those societies. It is an occult insight. It is the specifically occult insight that arises in these societies. One certainly enters the supersensible world; one need only pass the Guardian of the Threshold. But one must pass the Guardian of the Threshold in such a way that one experiences coming to know death in its true form, as it lives within ourselves and out in nature.
[ 25 ] Das rührt davon her, weil in der äußeren Natur, so wie sie heute um uns herum ist, ahrimanische Mächte leben. In dieser äußeren Natur können Sie keine anderen als ahrimanische Mächte wahrnehmen, insofern Sie innerhalb dieser äußeren Natur bleiben. Sie können zur Manifestation von solchen Mächten kommen, die in gespensterhafter Weise in die äußere Natur eintreten. Daher die Neigung des Westens zum Spiritismus, zum Sehen von solchen Gestalten, die eigentlich der sinnlich-physischen Welt angehören, die im gewöhnlichen Leben nicht sichtbar sind, aber durch besondere Verhältnisse sichtbar gemacht werden können. Es sind lauter Todesmächte, zerstörende Mächte, ahrimanische Mächte. Es gibt auf dem ganzen weiten Gebiet der spiritistischen Veranstaltungen keine anderen Geister als ahrimanische, auch da, wo die Spiritistenveranstaltungen echt sind, denn es sind diejenigen Geister, die man beim Übertreten der Schwelle mitnimmt aus der sinnlichen Welt. Die gehen mit, die verfolgen einen dahin. Man schreitet über die Schwelle, und seine Begleitung hat man in den ahrimanischen Dämonen, die man vorher nicht gesehen hat, die man da drüben sieht, in den Dienern von Tod, Krankheit, Zerstörung und so weiter. Das rüttelt einen auf zu übersinnlicher Erkenntnis, das bringt einen in die übersinnliche Welt hinein.
[ 25 ] This stems from the fact that Ahrimanic forces dwell in external nature as it exists around us today. Within this external nature, you cannot perceive any forces other than Ahrimanic ones, as long as you remain within it. You may encounter the manifestation of such forces, which enter the external natural world in a ghostly manner. Hence the West’s inclination toward spiritualism—toward seeing such figures that actually belong to the sensory-physical world, which are not visible in ordinary life but can be made visible under special circumstances. They are all powers of death, destructive powers, Ahrimanic powers. Throughout the entire vast realm of spiritualist gatherings, there are no spirits other than Ahrimanic ones—even where the spiritualist gatherings are genuine—for these are the spirits one takes with oneself from the sensory world when crossing the threshold. They come along; they pursue one there. One crosses the threshold, and one’s companions are the Ahrimanic demons—whom one had not seen before, but whom one sees on the other side—the servants of death, disease, destruction, and so on. This stirs one to supersensible knowledge; it leads one into the supersensible world.
[ 26 ] Alle die Menschen, die in dieser Weise erzogen und unterrichtet werden für den Okkultismus, machen bedeutsame Erfahrungen. Denn das ist eine bedeutsame Erfahrung, von der ich Ihnen gesprochen habe, aber eine Erfahrung, die darauf beruht, daß man sich nicht einem allmenschlichen Okkultismus, sondern einem Okkultismus eines besonderen Volkstums widmet. Diese Differenzierung gibt es. Und wenn Ihnen irgendwo in der Welt gesagt wird: Wenn du die Schwelle überschreitest, so lernst du vor allen Dingen die bösen Mächte von Krankheit und Tod kennen — so erkennen Sie daran, daß der betreffende Okkultist aus jener Ecke herkommt, die ich öfter bezeichnet habe, einfach aus der Erfahrung, die er Ihnen mitteilt über das, was er beim Hüter der Schwelle erlebt.
[ 26 ] All those who are educated and instructed in this way in occultism have significant experiences. For this is a significant experience that I have spoken to you about, but one that is based on devoting oneself not to a universal occultism, but to the occultism of a particular people. This distinction exists. And if you are told anywhere in the world: “When you cross the threshold, you will first and foremost encounter the evil forces of illness and death”—then you can recognize from this that the occultist in question comes from that corner I have often referred to, simply from the experience he shares with you regarding what he encountered with the Keeper of the Threshold.
[ 27 ] Anders steht die Sache bei der deutsch sprechenden Bevölkerung. Die deutsch sprechende Bevölkerung hat auch etwas, ich möchte sagen, eingesprengt. Die englische Bevölkerung hat das Romanentum eingesprengt in seinen Weltmachtsbereich; die deutsch sprechende Bevölkerung hat etwas, was nun nicht aus der Vergangenheit kommt, sondern was wie ein Wetterleuchten der Zukunft ist: das Slawentum. Das Slawentum, das in Rußland beginnt, ist Zukunft, ist ja erst der zukünftigen Keimanlage nach da; aber die vorgeschobenen Slawen sind vorgeschobene Posten, sind Wetterleuchten für dasjenige, was sich vorbereitet. Die zeigen in irgendeiner Weise das Wetterleuchten der Zukunft der mitteleuropäisch-deutschen Welt, wie das Romanentum den Schatten der Vergangenheit der westlichen, englisch sprechenden Welt zeigt. .
[ 27 ] The situation is different for the German-speaking population. The German-speaking population also has something—I would say—inherent in it. The English-speaking population has imbued its sphere of global power with Roman culture; the German-speaking population has something that does not come from the past, but is rather like a flash of lightning from the future: Slavic culture. Slavic culture, which begins in Russia, is the future; it is, after all, only present there in its embryonic form; but the Slavs who have advanced there are outposts, flashes of lightning for what is in the making. In a certain sense, they reveal the flash of lightning from the future of the Central European-German world, just as Roman culture reveals the shadow of the past of the Western, English-speaking world. .
[ 28 ] Aber dieses deutsche Element selbst, das hat nun nicht eine instinktive Anlage zur Entwickelung der Bewußtseinsseele, sondern es hat nur die Anlage, durch die es sich zur Bewußtseinsseele erziehen kann. Während also im Britentum die instinktive Anlage zur Entwickelung der Bewußtseinsseele vorhanden ist, muß der deutsche Mitteleuropäer, wenn er irgendwie die Bewußtseinsseele in sich rege machen will, dazu erzogen werden. Er kann sich das nur erwerben durch die Erziehung. Weil das Zeitalter der Bewußtseinsseele eben zugleich das Zeitalter der Intellektualität ist, muß daher der Deutsche, wenn er irgendwie die Bewußtseinsseele in sich rege machen will, ein intellektueller Mensch werden. Daher hat auch der Deutsche seine Beziehung zur Bewußtseinsseele vorzugsweise auf dem Wege der Intellektualität, nicht auf dem Wege des Instinktlebens gesucht. Daher haben gewissermaßen die Aufgaben der Deutschen nur diejenigen erreicht, welche in einer gewissen Weise ihre Selbsterziehung in die Hand genommen haben. Die bloßen Instinktmenschen bleiben unberührt von diesem Sich-Regen der Bewußtseinsseele, bleiben in einer gewissen Weise zurück.
[ 28 ] But this German element itself does not possess an instinctive predisposition for the development of the conscious soul; rather, it possesses only the predisposition through which it can educate itself to become a conscious soul. While the British therefore possess an instinctive predisposition for the development of the conscious soul, the Central European German must be educated in this direction if he is to awaken the conscious soul within himself in any way. He can acquire this only through education. Since the age of the conscious soul is at the same time the age of intellectuality, the German, if he wishes in any way to awaken the conscious soul within himself, must become an intellectual person. This is why the German has sought his connection to the conscious soul primarily through intellectuality, not through instinctive life. Consequently, the tasks of the Germans have, so to speak, been accomplished only by those who have, in a certain way, taken their self-education into their own hands. Those who are merely instinct-driven remain untouched by this stirring of the conscious soul and, in a certain sense, lag behind.
[ 29 ] Das ist auch der Grund, warum das britische Volkstum von vornherein instinktiv zur Politik veranlagt ist, während das deutsche Volk ein apolitisches Volk ist, überhaupt gar nicht zur Politik veranlagt ist. Wenn es Politik treiben will, steht es vor einer großen Gefahr, die Ihnen insbesondere dann aufleuchten wird, wenn Sie ins Auge fassen, daß ja das Deutschtum übernommen hat, auf dem intellektuellen Gebiete nun das Element in die Welt einzuführen, das das zweite Element ist. Britentum: die Gewalt; das deutsche Element: das Erscheinende, meinetwillen nennen Sie es Schein, die Ausgestaltung der Gedanken, dasjenige, was in gewisser Beziehung nicht erdfest ist. Im Britentum ist alles erdfest. Im Deutschtum handelt es sich um etwas, was nicht erdfest ist, sondern was dialektisch ausgebildet wird. Verfolgen Sie einmal die Intellektualität der Deutschen, Sie können sie vergleichen mit dem Griechentum, nur haben die Griechen mit Bezug auf die Bildnatur den Schein ausgestaltet; die Deutschen haben den Schein besonders mit Bezug auf die Intellektualisierungsnatur ausgestaltet. Es gibt schließlich nichts Schöneres als dasjenige, was ausgestaltet ist durch den Goetheanismus, durch Novalis, durch Schelling, durch alle diese Geister, die eigentlich Künstler sind in Gedanken. Das macht die Deutschen zu einem unpolitischen Volk. Sie sind, wenn sie politisch sein sollen, einem instinktiv politisch denkenden Menschen nicht gewachsen.
[ 29 ] That is also the reason why the British people are instinctively inclined toward politics from the outset, whereas the German people are an apolitical people, with no inclination toward politics whatsoever. If it wishes to engage in politics, it faces a great danger, which will become particularly clear to you when you consider that German culture has taken it upon itself to introduce into the world, in the intellectual realm, the element that is the second element. Britishness: power; the German element: the manifest—call it “appearance” if you will—the articulation of thoughts, that which, in a certain sense, is not grounded in the earth. In British culture, everything is grounded in the earth. In German culture, it is a matter of something that is not grounded in the earth, but rather is developed dialectically. Consider the intellectuality of the Germans; you can compare it to that of the Greeks, except that the Greeks shaped appearance in relation to the nature of imagery, whereas the Germans have shaped appearance particularly in relation to the nature of intellectualization. After all, there is nothing more beautiful than that which has been developed through Goetheanism, through Novalis, through Schelling, through all these spirits who are, in fact, artists of thought. This makes the Germans an apolitical people. If they are to be political, they are no match for a person who thinks politically by instinct.
[ 30 ] Von den drei Dingen, die in Goethes « Märchen» aufgezählt sind Gewalt, Schein, Erkenntnis —, ist dem Deutschen im intellektuellen Zeitalter die Scheingestaltung der Intellektualität zugefallen. Will er nun doch eingreifen in die Politik, da steht er vor der Gefahr, daß er dasjenige, was schön ist innerhalb der Gedankengestaltung, in die Wirklichkeit hineinbringt; das ist das Phänomen zum Beispiel Treitschkes. Der Wirklichkeit gegenüber wird dann zuweilen dasjenige, was gerade im Scheine schön ist — «Schein» und «schön» hat sogar dem Wortlaute nach einen ähnlichen Ursprung —, weil es nicht in den eigenen Anlagen liegt, etwas, was nicht so recht mit dem Menschen zusammenhängt, was eigentlich bloße Behauptung bleiben kann, was dann auf die Welt den Eindruck der Unwahrhaftigkeit machen muß. Denn die große Gefahr, die selbstverständlich zu überwinden ist, aber nicht immer überwunden wird, besteht darin, daß der Deutsche nicht nur, wenn er höflich ist, lügt, sondern daß er auch lügen kann, wenn er gerade seine besten Talente in ein Gebiet hineintragen will, für das er nicht angeborene Anlagen hat, sondern für das ihm die Anlagen nur anerzogen werden können, für das er sich anstrengen muß.
[ 30 ] Of the three things listed in Goethe’s “Fairy Tale”—violence, appearance, and knowledge—the Germans in the intellectual age have been assigned the task of shaping the appearance of intellectuality. If he now wishes to intervene in politics, he faces the danger of bringing into reality that which is beautiful within the realm of thought; this is the phenomenon exemplified by Treitschke, for instance. When confronted with reality, what is beautiful precisely in its appearance—“appearance” and “beauty” even share a similar etymological origin—becomes, because it does not lie within one’s own nature, something that is not truly connected to the human being, something that can actually remain a mere assertion, which must then give the world the impression of insincerity. For the great danger—which must of course be overcome, but is not always overcome—lies in the fact that the German not only lies when he is being polite, but that he is also capable of lying when he seeks to apply his very best talents to a field for which he has no innate aptitude, but for which his aptitude can only be cultivated, and for which he must make an effort.
[ 31 ] Ich habe vor einigen Jahren gesagt: Der Engländer is etwas; der Deutsche kann nur etwas werden. Daher ist es so schwierig mit der deutschen Kultur, daher ragen in der deutschen und in der österreichisch-deutschen Kultur immer nur einzelne Individualitäten heraus, die sich in die Hand genommen haben, während die breite Masse beherrscht sein will, sich gar nicht mit den Gedanken befassen will, die bei der britisch sprechenden Bevölkerung in die Instinkte gelegt sind. Daher verfiel auch die mitteleuropäische Bevölkerung solchen Herrschaftsgelüsten, wie die der Habsburger und Hohenzollern es waren, eben wegen der apolitischen Natur, weil ganz andere Notwendigkeiten vorliegen, wenn der Deutsche zu seiner Aufgabe kommen will. Er muß zu dieser Aufgabe erzogen werden. Er muß gewissermaßen berührt werden von dem, was Goefhe im «Faust» zur Gestaltung gebracht hat, vom Werden des Menschen zwischen Geburt und Tod.
[ 31 ] I said a few years ago: The Englishman is something; the German can only become something. That is why German culture is so difficult; that is why, in German and Austro-German culture, only individual personalities who have taken matters into their own hands ever stand out, while the masses want to be ruled and do not want to engage at all with the ideas that are ingrained in the instincts of the English-speaking population. That is also why the Central European population succumbed to such lusts for power as those of the Habsburgs and Hohenzollerns—precisely because of its apolitical nature, since entirely different necessities arise when the German seeks to fulfill his mission. He must be educated for this task. He must, so to speak, be moved by what Goethe brought to life in *Faust*—the development of the human being between birth and death.
[ 32 ] Das zeigt sich wiederum beim Hüter der Schwelle. Wenn jemand im Volkstum der Deutschen drinnen stehenbleibt, und er kommt an den Hüter der Schwelle, dann bemerkt er nicht wie jene britischen Gesellschaften, von denen ich gesprochen habe, die bösen Diener von Krankheit und Tod. Daran können Sie eben die Unterscheidung machen, wenn Sie diese Dinge recht ins Auge fassen. Er bemerkt aber vor allen Dingen, wie ahrimanische und luziferische Mächte — die einen herüberstürmend aus der physischen Welt, die andern heranstürmend aus der geistigen Welt — miteinander im Kampfe liegen, und wie dieser Kampf angeschaut werden muß, weil er eigentlich ein fortwährend fortlebender Kampf ist, weil man niemals dazu kommen kann, zu sagen: da wird der Sieg sein. Mit demjenigen macht man sich beim Hüter der Schwelle bekannt, was die eigentliche reale Grundlage des Zweifels ist, mit dem, was in der Welt lebt als fortwährend sich anfachender, unentschieden bleibender Kampf, was einen geradezu ins Schwanken bringt, was aber zu gleicher Zeit dazu erzieht, die Welt von den verschiedensten Seiten anzuschauen. Und das wird die besondere Mission, trotz allem und alledem, des Deutschtums sein, daß von dieser Seite aus es in die Weltenkultur eingreift, auch als Deutschtum. Durch sein besonderes Volkstum werden gewisse Dinge, die ich heute zum Beispiel auf dem Erkenntnisgebiete berühren will, nur durch das deutsche Volkstum entwickelt werden können.
[ 32 ] This is evident once again in the case of the Guardian of the Threshold. If someone remains rooted in German folklore and encounters the Guardian of the Threshold, they will not perceive—as do those British societies I have spoken of—the evil servants of illness and death. This is precisely how you can make the distinction if you truly take these things to heart. Above all, however, they notice how Ahrimanic and Luciferic forces—the former storming in from the physical world, the latter rushing in from the spiritual world—are locked in battle with one another, and how this battle must be viewed, because it is in fact a struggle that endures without end, because one can never come to say: “There will be victory.” One makes oneself known to the Guardian of the Threshold through what constitutes the actual, real foundation of doubt—that which lives in the world as a constantly intensifying, unresolved struggle, which causes one to waver, yet at the same time trains one to view the world from the most diverse perspectives. And this will be the special mission—despite everything and all of this—of German culture: that from this perspective it will engage with world culture, also as German culture. Through its distinctive national character, certain things—which I wish to touch upon today, for example, in the realm of knowledge—can be developed only through the German national character.
[ 33 ] Aus dem britischen Volkstum ist der Darwinismus in seiner materialistischen Färbung entstanden. Das ist ein ganz richtiges Prinzip Sie können das nachlesen in meinen «Rätseln der Philosophie» —, daß sich die organischen Wesen von dem Unvollkommenen allmählich zu dem Vollkommenen bis hinauf zum Menschen entwickelt haben. Das Vollkommene stammt vom Unvollkommenen ab — es ist dies Prinzip absolut richtig, wenn man die physische Welt betrachtet und beim Hüter der Schwelle an die Mächte des Todes und der Zerstörung tritt. Aber man kann auch anders sagen: daß das Unvollkommene von dem Vollkommenen abstammt. Lesen Sie das Kapitel über Preuß bei mir im zweiten Bande der «Rätsel der Philosophie». Man kann ebenso nachweisen, daß zuerst das Vollkommene war und dann durch Dekadenz das Unvollkommene entsteht; daß zuerst der Mensch da war, und daß von ihm die anderen Naturreiche durch Dekadenz abstammen. Das ist nämlich ebenso richtig! Die Lage, in der der erkennende Mensch ist in dem Augenblicke, wo er sich sagen muß: Das eine ist richtig, das andere ist richtig — diese Lage in ihrer ganzen Fruchtbarkeit zu erkennen, das wurde eigentlich durch das Volkstum nur dem deutschen Volksstamm gegeben. Das versteht man sonstwo in der Welt gar nicht. Man versteht nicht in der Welt, daß sich die Leute lange darüber streiten können, daß der eine behaupten kann: Die vollkommenen Wesen stammen von den unvollkommenen ab, wie zum Beispiel Darwin; oder daß der andere behaupten kann, wie Schelling: Die unvollkommenen Wesen stammen von den vollkommenen ab. Sie haben beide recht, nämlich von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Sieht man den geistigen Vorgang, so stammt das Unvollkommene vom Vollkommenen ab, sieht man den physischen, so stammt das Vollkommene vom Unvollkommenen ab.
[ 33 ] Darwinism, in its materialistic form, arose from British folklore. This is an entirely correct principle—you can read about it in my *Riddles of Philosophy*—that organic beings have developed gradually from the imperfect to the perfect, all the way up to human beings. The perfect is derived from the imperfect—this principle is absolutely correct when one considers the physical world and approaches the powers of death and destruction at the Guardian of the Threshold. But one can also say it another way: that the imperfect is derived from the perfect. Read the chapter on Preuß in the second volume of my *Riddles of Philosophy*. One can equally demonstrate that the Perfect existed first and that the Imperfect arose through decadence; that human beings existed first, and that the other kingdoms of nature descend from them through decadence. For this is just as true! The situation in which the discerning human being finds himself at the moment when he must say to himself: “One is correct, the other is correct”—to recognize this situation in all its fruitfulness was, in fact, granted by folklore only to the German people. Nowhere else in the world is this understood at all. People around the world do not understand that people can argue about this for a long time—that one can claim, like Darwin, that perfect beings descend from imperfect ones; or that another can claim, like Schelling, that imperfect beings descend from perfect ones. They are both right, albeit from different points of view. If one considers the spiritual process, the imperfect derives from the perfect; if one considers the physical process, the perfect derives from the imperfect.
[ 34 ] Darauf hin ist die ganze Welt dressiert, einseitige Wahrheiten festhalten zu können. Die Deutschen sind dazu, ich möchte sagen, tragisch verurteilt, sich gegen ihre eigenen Anlagen abzustumpfen, wenn sie bei einer einseitigen Wahrheit verweilen wollen. Entwickeln sie ihre eigenen Anlagen, so wird ihnen sofort überall auftauchen, wenn sie sich nur ein wenig vertiefen: Wenn man irgendeine Behauptung macht über Weltenzusammenhänge, so ist das Gegenteil davon auch richtig. Und nur durch das Zusammenschauen der zwei ist es möglich, die Wirklichkeit zu sehen. Das lernt man so recht erkennen beim Hüter der Schwelle, wenn man den Kampf der Geister sieht, die einen bis zum Hüter der Schwelle aus der physischen Welt heraus begleiten, und derjenigen, die ihnen entgegenstürmen von der andern, von der übersinnlichen Welt herein, die aber von den Gesellschaften, von denen ich gesprochen habe, gar nicht bemerkt werden.
[ 34 ] Consequently, the whole world is conditioned to cling to one-sided truths. The Germans are, I would say, tragically condemned to numb themselves against their own nature if they wish to dwell on a one-sided truth. If they develop their own inclinations, they will immediately realize—if they delve even a little deeper—that whenever one makes any assertion about the interconnections of the world, the opposite of that assertion is also true. And only by considering both together is it possible to see reality. One learns to recognize this clearly at the Guardian of the Threshold when one witnesses the battle between the spirits that accompany one out of the physical world all the way to the Guardian of the Threshold, and those that rush toward them from the other, the supersensible world—spirits that are, however, completely unnoticed by the societies I have spoken of.
[ 35 ] Noch anders ist es bei der eigentlich slawisch sprechenden Bevölkerung. Ich sagte schon: Eingesprengt sind in einer gewissen Weise die westlichen Slawen in die deutsch sprechende, mitteleuropäische Bevölkerung. So wie das Romanentum der Schatten der Vergangenheit ist, so sind die eingesprengten Westslawen, mit denen die deutsch sprechende Bevölkerung nach Osten hin in Zusammenhang gebracht worden ist, das Wetterleuchten dessen, was in der Zukunft aus dem Slawentum hervorgehen soll. Dadurch zeigen sie in einer gewissen entgegengesetzten Art dasjenige, was die romanische Bevölkerung innerhalb der englisch sprechenden zeigt. Die Westslawen sind ja auch im Zeitalter der Bewußtseinsseele für die Intellektualität organisiert, aber sie mystifizieren sie, sie bilden sie in Mystik um. Die Deutschen sind apolitisch. Die Westslawen sind auch apolitisch, aber sie tendieren nach einem Heruntertragen der geistigen Welt in die physische Welt, sie machen das schon aus dem heutigen Leben heraus. Dadurch haben sie die entgegengesetzte Eigenschaft wie zum Beispiel die Franzosen oder die Italiener. Die Italiener und die Franzosen sind in ihrer Politik von dem abhängig, wie sie den andern gefallen, die Politik Englands wird als selbstverständlich akzeptiert, ob sie gefällt oder nicht gefällt. Die Politik Frankreichs hing davon ab, wie die Franzosen den Menschen gefielen, davon war die Wirksamkeit dessen, was sie taten, abhängig. Sie gefielen ja sehr zu gewissen Zeiten. Bei den Westslawen ist das anders. Ihre Politik ist davon abhängig, wie ihre Geistnatur unsympathisch wirkt auf die deutsch sprechende Bevölkerung. Die sind von dem, wie sie nicht gefallen, abhängig. Und Sie können das Schicksal der Tschechen, Polen, Slowenen, der Serben, der Westslawen studieren: das ist gegeben dadurch, inwiefern sie unsympathisch sind, nicht gefallen der mitteleuropäischen Bevölkerung. Das Verhältnis zu den Franzosen oder Italienern oder Spaniern ist danach gegeben, wie sie gefallen; das Verhältnis zu den Polen, Slowenen, Tschechen, Serben ist dadurch gegeben, wie sie nicht gefallen. Studieren Sie die Geschichte, so werden Sie diesen Satz in einer wunderbaren Weise bestätigt finden, weil das eine mit der Vergangenheit, das andere mit der Zukunft zusammenhängt.
[ 35 ] The situation is different still for the population that actually speaks a Slavic language. As I have already said, the Western Slavs are, in a certain sense, interspersed among the German-speaking population of Central Europe. Just as Roman culture is the shadow of the past, so too are the intermingled Western Slavs—with whom the German-speaking population has been linked to the east—the flash of lightning foreshadowing what is to emerge from Slavic culture in the future. In this way, they reveal, in a certain opposite manner, what the Romance-speaking population reveals within the English-speaking world. The West Slavs, too, are organized for intellectual life in the age of the consciousness soul, but they mystify it; they transform it into mysticism. The Germans are apolitical. The West Slavs are also apolitical, but they tend to bring the spiritual world down into the physical world; they are already doing this in their present-day lives. In this way, they possess the opposite characteristic of, for example, the French or the Italians. The Italians and the French are, in their politics, dependent on how they please others; England’s politics are accepted as a matter of course, whether they are liked or not. France’s politics depended on how the French pleased people; the effectiveness of what they did depended on that. They were, after all, very popular at certain times. With the West Slavs, it is different. Their politics depend on how unsympathetic their spiritual nature appears to the German-speaking population. They are dependent on how they fail to please. And you can study the fate of the Czechs, Poles, Slovenes, Serbs, and Western Slavs: it is determined by the extent to which they are unsympathetic and fail to please the Central European population. Relations with the French, Italians, or Spaniards are determined by how much they are liked; relations with the Poles, Slovenes, Czechs, and Serbs are determined by how much they are disliked. If you study history, you will find this statement wonderfully confirmed, because one is connected to the past and the other to the future.
[ 36 ] Ganz anders liegt die Sache bei der slawischen Bevölkerung des Ostens, die den Keim für die Zukunft in sich hat. Da ist die Sache so, daß keimende Spiritualität der Grundcharakter, das elementarste Wesen dieser slawischen Bevölkerung ist. Daher ist zum Beispiel das Russentum in einem noch höheren Grade als die breite Masse der deutschen Bevölkerung, die nur immer ihre Individualitäten aus sich herausschießen läßt, auf die Individualität angewiesen, die nun außerhalb des Volkstums dasjenige geoffenbart erhält, was das Volkstum geoffenbart erhalten soll. Daher wird noch lange — bis zum Aufleuchten des sechsten nachatlantischen Zeitraums — die russische Volkskultur eine Offenbarungskultur sein. Der Russe ist mehr als ein anderer Mensch auf den Seher angewiesen, er ist aber auch empfänglich für das, was der Scher ihm bringt.
[ 36 ] The situation is quite different for the Slavic population of the East, which holds within itself the seed of the future. The fact is that burgeoning spirituality is the fundamental character, the most elementary essence, of this Slavic population. Therefore, for example, the Russian people—to an even greater degree than the broad masses of the German population, who merely allow their individualities to burst forth from within themselves—are dependent on the individuality that, from outside the national character, receives the revelation of what the national character is meant to reveal. Therefore, for a long time to come—until the dawn of the sixth post-Atlantean epoch—Russian folk culture will remain a culture of revelation. The Russian relies on the seer more than any other person, yet he is also receptive to what the seer brings him.
[ 37 ] Das englisch sprechende Volkstum wird durch seine Politik einfach zu dem gebracht, wozu es durch seine Natur veranlagt ist. Die deutsch sprechende Bevölkerung wird durch ihre Politik zu etwas gebracht, was ihr eigentlich nicht liegt, wodurch sie sehr leicht in ein trübes Fahrwasser, in die Unwahrhaftigkeit kommen kann, namentlich, wenn sie sich den Instinkten überläßt, während sie niemals in ein trübes Fahrwasser kommen kann bei entsprechender Selbstzucht derjenigen Menschen, die eigentlich das deutsche Volkstum repräsentieren, die nach der Intellektualität hinstreben. Denn die anderen sind noch nicht angelangt bei dem, was das eigentliche Wesen des deutschen Volkstums ist, sie leben unter dem Niveau. Noch mehr ist das der Fall bei dem russischen Volkstum. Das russische Volkstum ist nicht nur apolitisch wie das deutsche, sondern antipolitisch. Daher wird britische Politik selbstsüchtig sein, deutsche Politik wird in träumerischen Idealismus, der mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun zu haben braucht, ausschlagen, mit allem — das ist jetzt nicht moralisch gemeint Unwahrhaftigen, mit allem Theoretisierenden, denn alles Theoretisierende ist unwahrhaftig. Die russische Politik muß durch und durch unwahr sein, denn sie ist ein fremdes Element, sie ist nicht dem russischen Charakter angemessen. Wenn der Russe aus seinem Charakter heraus politisch werden soll, so wird er lieber krank, denn innerhalb des russischen Volkstums bedeutet «politisch» werden krank werden, bedeutet zerstörende Kräfte in sich aufnehmen. Der Russe ist antipolitisch, nicht apolitisch bloß. Er kann überwältigt werden von solchen Politikern, wie etwa diejenigen waren, die am Ausgangspunkt dieser kriegerischen Katastrophe standen. Aber die wirken nicht als Russen, sondern die wirken als etwas ganz anderes. Der Russe aber wird krank, wenn er Politiker sein soll, denn er hat mit der Politik gar nichts zu tun, wenn er innerhalb seines Volkstums steht. Er hat mit etwas anderem zu tun: mit dem, was die dritte Macht bedeutet nach dem Goetheschen « Märchen», mit der Erkenntnis, mit der Weisheit, die innerhalb des sechsten nachatlantischen Zeitraums der Menschheit aufgehen soll.
[ 37 ] The English-speaking people are simply led by their politics to what they are naturally predisposed to do. The German-speaking population is led by its politics to something that does not actually suit them, which can very easily lead them into murky waters, into dishonesty, especially when they give in to their instincts, whereas they can never drift into murky waters if those who truly represent the German national character—those who strive for intellectuality—exercise the necessary self-discipline. For the others have not yet attained the true essence of the German national character; they live below that level. This is even more the case with Russian national character. The Russian national character is not only apolitical like the German one, but antipolitical. Consequently, British politics will be self-serving, while German politics will veer toward a dreamy idealism that need not have much to do with reality—with everything that is untruthful (and I do not mean this in a moral sense), with everything theoretical, for everything theoretical is untruthful. Russian politics must be thoroughly untrue, for it is a foreign element; it is not suited to the Russian character. If the Russian is to become political out of his very nature, he would rather fall ill, for within the Russian national character, becoming “political” means falling ill; it means absorbing destructive forces within oneself. The Russian is anti-political, not merely apolitical. He can be overwhelmed by politicians such as those who stood at the starting point of this warlike catastrophe. But they do not act as Russians; rather, they act as something entirely different. The Russian, however, becomes ill when he is expected to be a politician, for he has nothing to do with politics when he remains within his national character. He is concerned with something else: with what the “third power” signifies according to Goethe’s “fairy tale,” with the insight and wisdom that are to dawn within humanity’s sixth post-Atlantean epoch.
[ 38 ] So ist verteilt das Dreigliederige: Gewalt, Erscheinung, ErkenntnisWesten, Mitte, Osten. Das muß in Rechnung gezogen werden. Weil im Grunde genommen diese Russennatur krank wird an der Politik, kann ihr auch eine solche Politik wie die des Bolschewismus zunächst zugemutet werden in seiner krassesten, in seiner radikalsten Gestalt; denn man könnte ihr ebensogut etwas anderes einimpfen. Sie ist eben nicht nur apolitisch, sie ist antipolitisch.
[ 38 ] This is how the threefold division is distributed: force, appearance, knowledge—West, Center, East. This must be taken into account. Because, fundamentally, this Russian nature becomes sickened by politics, it can initially be expected to tolerate a policy such as Bolshevism in its most extreme, most radical form; for one might just as well instill something else in it. It is not merely apolitical; it is anti-political.
[ 39 ] Diese Dinge zeigen sich auch beim Hüter der Schwelle. Was der Russe beim Hüter der Schwelle, wenn er innerhalb seines Russentums als Okkultist stehenbleibt, vorzugsweise wahrnimmt, das sind die von der andern Seite, aus dem Übersinnlichen heranstürmenden Geister. Er sieht nicht die Geister, die ihn begleiten, er sieht nicht den Kampf der Geister, er sieht vor allen Dingen die von der andern Seite herüberstürmenden Geister. Er sieht diejenigen Geister, die gewissermaßen voller Licht sind. Er sieht nicht den Tod, er sieht nicht das Verderben, er sieht dasjenige, was den Menschen durch die Erhabenheit gleichsam ertrinken macht, was ihn vor allen Dingen mit der großen Gefahr durchdringt, demütig und immer demütiger zu sein, sich vor dem Erhabenen auf die Knie zu werfen. Die Blendung durch dasjenige, was herüberkommt, das ist die Gefahr bei dem Hüter der Schwelle für den Russen, der als Okkultist innerhalb seines Volkstums steht.
[ 39 ] These things are also evident in the Keeper of the Threshold. What the Russian, when he remains within his Russian identity as an occultist, perceives most clearly in the case of the Keeper of the Threshold are the spirits rushing in from the other side, from the supersensible realm. He does not see the spirits who accompany him; he does not see the struggle of the spirits; above all, he sees the spirits rushing in from the other side. He sees those spirits who are, so to speak, full of light. He does not see death; he does not see ruin; he sees that which, through its sublimity, causes a person to be, as it were, overwhelmed—that which, above all, fills him with the great danger of becoming humble and ever more humble, of throwing himself to his knees before the sublime. The dazzling effect of what comes over—that is the danger for the Russian, who stands as an occultist within his own folk tradition, when he encounters the Guardian of the Threshold.
[ 40 ] Ja, solche Dinge muß man in Betracht ziehen, wenn man die wahre Wirklichkeit sehen will. So sind die Dinge in der Welt, so wirken die Dinge. Mit Abstraktionen kommt man nicht aus. Niemals ist die Menschheit mit Abstraktionen ausgekommen. In früheren Zeitabschnitten hat die Menschheit Instinkte gehabt. Aber nur ein Instinkt ist in seiner Vergeistigung da bei der englisch sprechenden Bevölkerung: der Instinkt, die Bewußtseinsseele auszubilden. Das andere muß bewußt erworben werden. Und das ist für die Welt das Charakteristische, daß diese Dinge bewußt erworben werden müssen. Ohne Kenntnis der in der Menschheit wirkenden Kräfte, von denen wir heute wiederum gesprochen haben, ist es unmöglich, auch nur daran zu denken, irgendwie maßgeblich etwas Soziales zu sagen. Man redet wie der Blinde von der Farbe, wenn man von Sozialreform spricht, ohne das Objekt zu kennen, auf das sich diese Reform erstrecken soll.
[ 40 ] Yes, one must take such things into account if one wants to see the true reality. That is how things are in the world; that is how things work. Abstractions are not enough. Humanity has never been able to get by with abstractions. In earlier periods, humanity relied on instincts. But only one instinct remains among the English-speaking population in its spiritualized form: the instinct to develop the conscious soul. The rest must be consciously acquired. And that is what characterizes the world—that these things must be consciously acquired. Without knowledge of the forces at work within humanity—which we have discussed again today—it is impossible even to think of saying anything meaningful about social matters. One speaks like a blind person describing color when discussing social reform without knowing the object to which this reform is supposed to apply.
[ 41 ] Das ist es, was einen immer wieder und wieder dazu veranlaßt, daran zu mahnen, daß eben die Zeit gekommen ist, wo der Mensch das Lernen durch sein Leben hin ernst nehmen muß, nicht spielerisch nehmen darf. Mit den Dingen, die wir uns aus ererbten Anlagen heraus in der Zukunft ausbilden, reichen wir für das Leben höchstens bis zu unserem 27.Jahre und in der Zukunft immer bis zu einem geringeren Jahre. Das wissen Sie aus früheren Betrachtungen. Wir brauchen etwas, was uns das ganze Leben hindurch als werdender Mensch erhält und nicht als seienden, nicht als abgeschlossenen, als fertigen Menschen. Vieles wird die Menschheit gerade für die soziale Frage aus diesen Dingen heraus einsehen. Vieles wird sie von dem, was sie heute an illusionistischen Gedanken hat, korrigieren, und vieles muß korrigiert werden. Man kann schon sagen: Die Aufgabe, die der Menschheit vorliegt, Sie werden sie eine schwierige nennen, aber sie ist zu bewältigen. Denken Sie doch nur einmal daran, daß Sie hier sitzen, diese Dinge jetzt wissen. Aber sehen Sie sich deshalb nicht als besonders auserlesene Menschen an, sondern bedenken Sie, daß doch draußen in der Welt viele andere sein werden, die das gleiche verstehen können. Es ist keine Unmöglichkeit, daß diese Ideen sich wirklich in die Menschheit einleben. Also ist das Hindernis nur ein künstlich aufgerichtetes. Das künstlich aufgerichtete Hindernis ist allerdings ein furchtbares; aber es muß deshalb überwunden werden, weil es ja auf eine andere Weise doch kein Heil gibt. Tue doch jeder an seinem Platze dasjenige, was zur Überwindung der Schwierigkeiten auf diesem Gebiete möglich ist.
[ 41 ] This is what compels one, time and again, to remind people that the time has indeed come when human beings must take learning seriously throughout their lives, and must not treat it as a game. With the qualities we develop in the future based on our inherited predispositions, we are sufficient for life at most until the age of 27—and in the future, this will be at an ever-earlier age. You know this from earlier reflections. We need something that sustains us throughout our entire lives as human beings in the process of becoming—not as beings who are already complete, finished, or fully formed. Humanity will come to understand many things—especially regarding the social question—from these insights. It will correct many of the illusory ideas it holds today, and much does indeed need to be corrected. One can already say: The task facing humanity—you might call it a difficult one—but it can be accomplished. Just think for a moment that you are sitting here, knowing these things now. But do not regard yourselves as particularly select individuals because of this; rather, consider that there will be many others out there in the world who can understand the same things. It is not impossible for these ideas to truly take root in humanity. So the obstacle is merely an artificially erected one. This artificially erected obstacle is, admittedly, a terrible one; but it must be overcome, because there is no salvation in any other way. Let everyone, in their own place, do whatever is possible to overcome the difficulties in this area.
[ 42 ] Es ist für die Menschheit viel, sehr viel zu tun, wenn wir nur uns von dem Ernste der Aufgabe durchdringen: zunächst Einsicht in die Wirklichkeit zu erwerben, nicht dumpf-schläfrig dahinzuleben, und vor allen Dingen nicht dumpf-schläfrig die Menschheit dahinleben zu lassen. — Wenn man heute mit Menschen Bekanntschaft macht, dann merkt man, wie wenig diese Menschen geneigt sind, auf solche Dinge eigentlich einzugehen. Wir haben ja die letzten vier oder viereinhalb Jahre erlebt, meine lieben Freunde! Recht wohlmeinende, auch ganz gescheite Leute konnte man immer wieder und wiederum herankommen sehen mit irgendwelchen Zukunftsprogrammen — und was gibt es für Zukunftsprogramme draußen in der Welt! Die Leute denken alles mögliche aus, aber von vornherein sind diese Dinge nicht zum Heil, sondern sind entweder Nichtigkeiten oder zum Unheil der Menschen; Nichtigkeiten, wenn niemand darauf eingeht, zum Unheil, wenn darauf eingegangen wird. Nur das eine braucht man sich vorzunehmen: mit der Wirklichkeit zunächst einmal Bekanntschaft zu machen. Man wird dann nicht glauben: Ich kann einen Verein gründen, ich kann dies oder jenes machen, — sondern man wird sich für verpflichtet halten, mit der Wirklichkeit Bekanntschaft zu machen und dasjenige, was man denkt, im Einklange mit dieser Wirklichkeit zu denken. Ja, wenn doch wenigstens innerhalb unserer Bewegung recht viele auf die rechte Art versuchen würden, mit den hier angedeuteten Impulsen ihr Seelenleben zu durchdringen, wenn sie absehen würden von abstrakten, schwärmerischen Idealen einer Menschenbeglückung und statt dessen studieren würden, was gerade die Aufgaben und die Impulse unserer Zeit sind, und danach ihr Verhalten einrichten würden. Dann würde schon etwas erreicht werden.
[ 42 ] There is much, very much for humanity to do, if only we allow ourselves to be imbued with the gravity of the task: first, to gain insight into reality, not to drift through life in a dull, drowsy state, and above all, not to let humanity drift through life in a dull, drowsy state. — When you meet people today, you realize how little they are actually inclined to engage with such matters. We have, after all, lived through the last four or four and a half years, my dear friends! Time and again, one could see even well-meaning and quite intelligent people coming forward with all sorts of plans for the future—and what a variety of such plans there are out there in the world! People come up with all sorts of ideas, but from the outset these things are not for the good; rather, they are either trivialities or a source of harm to people—trivialities if no one takes them seriously, and a source of harm if they are taken seriously. There is only one thing one needs to set out to do: first and foremost, to become acquainted with reality. Then one will not think: “I can found an association, I can do this or that”—but rather one will feel obliged to become acquainted with reality and to think one’s thoughts in harmony with that reality. Yes, if only a good many within our movement would try, in the right way, to let the impulses indicated here permeate their inner lives; if they would refrain from abstract, fanciful ideals of making people happy and instead study what the specific tasks and impulses of our time are, and adjust their behavior accordingly. Then something would indeed be achieved.
[ 43 ] Nun, ich wollte wiederum von einem besonderen Gesichtspunkte aus Ihnen heute vorführen, wie man auch die soziale Frage studieren muß. Man kann ja auch nicht hingehen und sagen: Weil ich ein Mensch bin, verstehe ich Mathematik und kann also eine Brücke bauen, — sondern man weiß: Man muß erst Mathematik lernen, Mechanik lernen, Dynamik lernen und so weiter. So muß man die Gesetze des Menschheitswesens kennenlernen, wenn man auch nur in den allereinfachsten Dingen ein soziales Urteil haben will. Und die Menschen sind schon einmal nicht, wie Trotzki sich vorstellt, gleichartige Wesen über die ganze Erde hin, sondern höchstens in Gruppen differenziert, wenn sie zum Volkstum sich bekennen, oder auch lauter Individualitäten. Auf der einen Seite müssen wir kennenlernen dasjenige, was Gruppen charakterisiert, zum Beispiel nach den Sprachen, wie wir es heute betrachtet haben; auf der andern Seite müssen wir uns aneignen — was gestern ausgeführt worden ist — unmittelbares Verständnis von Menschenindividuum zu Menschenindividuum. Das hängt zusammen mit alledem, was in uns werden kann ein soziales Urteil, aber auch eine soziale Empfindung. Sonst kommt über uns nicht dasjenige, was als soziales Urteil und soziale Empfindung in uns leben soll.
[ 43 ] Well, today I wanted to demonstrate to you, once again from a particular perspective, how one must also study the social question. After all, one cannot simply go around saying: “Because I am a human being, I understand mathematics and can therefore build a bridge”—but rather, one knows: One must first learn mathematics, mechanics, dynamics, and so on. In the same way, one must come to know the laws governing human nature if one wishes to form even the simplest of social judgments. And human beings are certainly not, as Trotsky imagines, homogeneous beings across the entire globe, but are at most differentiated into groups when they identify with a national culture, or else are simply a collection of individuals. On the one hand, we must learn what characterizes groups—for example, based on language, as we considered today; on the other hand, we must acquire—as was explained yesterday—an immediate understanding from one human individual to another. This is connected to everything that can develop within us as social judgment, but also as social feeling. Otherwise, what is meant to live within us as social judgment and social feeling will not come to us.
[ 44 ] Also bekanntmachen wollte ich Sie von einer gewissen Seite aus wiederum mit dem, was dem sozialen Urteil und der sozialen Empfindung richtunggebend sein kann. Auf den tiefen Ernst desjenigen, was die soziale Frage genannt wird, wollte ich Sie hinweisen und auch darauf, daß wirklich auch guter Wille bei dem einen oder dem andern vorhanden sein kann, wie zum Beispiel bei manchen russischen Revolutionären, daß bei ihnen aber Wirklichkeitsfremdheit, Ungläubigkeit an den Geist vorliegt, die Meinung, daß die Menschen über die ganze Erde hin undifferenziert ein und dasselbe seien.
[ 44 ] So I wanted to acquaint you, from a certain perspective, with what can guide social judgment and social sentiment. I wanted to draw your attention to the profound seriousness of what is called the social question, and also to the fact that while good will may indeed be present in one person or another—as, for example, in some Russian revolutionaries—they nevertheless exhibit a detachment from reality, a lack of faith in the spirit, and the belief that all people across the entire earth are, without distinction, one and the same.
[ 45 ] Was ist denn eigentlich der Mensch, der in der Abstraktion Trotzkis lebt? Wir haben gesehen: Den Menschen kennenzulernen, das ist die Grundlage, das Elementarische der sozialen Aufgabe! Was ist der Mensch, den Trotzki im Auge hat? Es ist der alttestamentliche Mensch, der in der Gegenwart nur spuken kann als der Schatten des alttestamentlichen Menschen. Es ist das Tier mit der Fähigkeit der Abstraktion. Es ist das Tier, bei dem sich nur ausbildet über die 'Tierheit heraus die Kraft des abstrakten Denkens. Das Menschentier ist über die ganze Erde undifferenziert, denn die Differenzierungen kommen aus dem Seelischen heraus. Aber das Seelische muß entwickelt werden zum Geistigen hin; dann erscheint die Differenzierung. Und das Seelische muß studiert werden; dann zeigt sich jene Differenzierung, die auch durch Seelisches wirkt zum Beispiel durch den Reflex, den die Sprache bewirkt hat und so weiter. Über diese Dinge wollen wir nächsten Freitag weitersprechen.
[ 45 ] What, then, is the human being who lives in Trotsky’s abstraction? We have seen that getting to know human beings is the foundation, the fundamental element of the social task! What is the human being Trotsky has in mind? It is the Old Testament human being, who in the present can only haunt us as the shadow of the Old Testament human being. It is the animal with the capacity for abstraction. It is the animal in which the power of abstract thought develops only by transcending “animality.” The human animal is undifferentiated across the entire earth, for differentiations arise from the soul. But the soul must be developed toward the spiritual; then differentiation appears. And the soul must be studied; then that differentiation becomes evident, which also works through the soul—for example, through the reflex that language has brought about, and so on. We will continue discussing these matters next Friday.
