The Fundamental Social Demand of Our Time
In a Different Context
GA 186
20 December 1918, Dornach
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The Fundamental Social Demand of Our Time, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Wir haben in diesen Betrachtungen der letzten Wochen die große Forderung der Zeit, die sogenannte soziale Forderung, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus ins Auge gefaßt. Wir haben versucht, diese Zeitforderung auf einem geisteswissenschaftlichen Hintergrunde zu sehen. Denn nur dadurch ist es möglich, sich in richtiger Weise darüber zu orientieren, was diese Zeitforderung eigentlich in sich birgt. Und nur mit Berücksichtigung dessen, was angedeutet werden konnte in diesen Betrachtungen, wird es unserer so sehr geprüften Zeit und ihrer nächsten Zukunft gelingen können, Impulse und Gesichtspunkte für diese Zeit zu gewinnen. Ich werde auf diese Betrachtungen morgen wieder zurückkommen, weil ich heute episodisch etwas einfügen muß, was gewissermaßen eine Fortsetzung des schon neulich hier Berührten sein wird, was aber zeigen wird, wie sich diese Geisteswissenschaft, wie sie hier vertreten wird, zu dem, ich darf wohl sagen, inneren Bewußtseinszustand unserer Gegenwart und der nächsten Zukunft stellen wird.
[ 1 ] In these reflections over the past few weeks, we have examined the great demand of our time—the so-called social demand—from a wide variety of perspectives. We have attempted to view this demand of our time against the backdrop of the spiritual sciences. For only in this way is it possible to gain a proper understanding of what this demand of our time actually entails. And only by taking into account what has been hinted at in these reflections will our time—which has been so sorely tested—and its immediate future be able to gain the impulses and perspectives it needs. I will return to these reflections tomorrow, because today I must insert an anecdotal aside that will, in a sense, be a continuation of what was touched upon here recently, but which will show how this spiritual science, as represented here, relates to what I may well call the inner state of consciousness of our present and the near future.
[ 2 ] Ich habe Ihnen ja neulich am Schlusse einiges Hauptsächliche nach dieser Richtung hin angeführt. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß jeder, der den Willen hat, mit dem gesunden Menschenverstand, wie er sich nun einmal bis zu der Gegenwart heraufentwickelt hat, zu prüfen und zu unterscheiden, was hier innerhalb dieser Geisteswissenschaft gemeint ist, finden wird, wie diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wirklich imstande ist, mit dem Gewissen und mit der Vorstellungsart der gegenwärtigen Zeit zu rechnen. Und gerade aus unseren sozialen Betrachtungen kann das hervorgehen. Daher darf auch immer, wo gesprochen wird von dem einen oder anderen Gegenstande dieser unserer Geisteswissenschaft, darauf hingewiesen werden, daß alles, was vorgebracht wird, nachgeprüft werden kann von dem, der nachprüfen will, aus dem Denken der Gegenwart heraus, insbesondere auch aus dem wissenschaftlichen Denken der Gegenwart heraus. Man kann sogar sagen, daß eine große Anzahl der Angriffe gegen diese Geisteswissenschaft davon herrührt, daß sie in so auffälliger Weise nachgeprüft werden kann von dem Gewissen der Gegenwart und nächsten Zukunft. Das ist manchen Menschen außerordentlich unlieb und unbequem. Gerade weil die Dinge mit allen wissenschaftlichen Anforderungen und wissenschaftlichen Vorstellungen unserer Zeit übereinstimmen, dennoch aber in vielen Köpfen und namentlich in vielen Herzen ein gewisser Widerwille ist gegen so geartete Geisteserkenntnis, macht sich eine Gegnerschaft geltend, der es einfach unangenehm ist, daß etwas auftritt, was sich restlos gerade an den wissenschaftlichen Forderungen unserer Zeit nachprüfen läßt. Das aber, mit dem diese Geisteswissenschaft als mit einer inneren geistigen Tatsache der Menschheitsentwickelung rechnet, das ist, daß, in unserer Zeit beginnend und immer deutlicher werdend gegen die Zukunft hin, gewissermaßen durch den Schleier der Weltenerscheinungen und Weltenereignisse Neues durchbricht. Die Menschheit hat lange gelebt in reinen sinnengemäßen Vorstellungen. Was sie über diese sinnengemäßen Vorstellungen hinaus hatte, das waren im Grunde genommen alte Erscheinungen, die noch herrührten aus einer Zeit, in welcher die Menschheit mit atavistischem Hellsehen ausgestattet war, in welcher Weisheiten auf ganz anderem Wege in die Menschheit hereingelangt sind, als sie in der Zukunft in die Menschen kommen werden. Aus jenen Weistümern, die vergangenen Zeiten entsprochen haben, hat sich mancherlei erhalten. Das war gewissermaßen und ist bis heute noch für viele Menschen das einzige Weisheitsgut. Es ist sogar für die gegenwärtigen Naturforscher das einzige Weisheitsgut. Wenn man genau zusieht, so merkt man es schon. Aber eine elementare Offenbarung solchen Weisheitsgutes, wie sie in den alten Zeiten da war, die ist ja längst verglommen. Und eingetreten ist für die Erdenentwickelung der Menschheit gewissermaßen eine Dunkelheit, eine Dumpfheit, in welcher sich nichts Geistiges unmittelbar offenbarte. Jetzt beginnt eine Zeit, wo neue Offenbarungen durch die Schleier der Ereignisse in den menschlichen, geistigen und seelischen Horizont hereinbrechen. Daher muß für viele Dinge eine Erneuerung kommen. Wir können ja auf das allerwichtigste Erdenereignis gerade mit Bezug darauf hinweisen: auf das Mysterium von Golgatha. Das Mysterium von Golgatha hat gewiß der Erdenentwickelung erst den Sinn gegeben. Der Erdenplanet wäre geistig-seelisch nicht das, was er ist, wenn sich auf ihm nicht das Mysterium von Golgatha abgespielt hätte. Aber etwas anderes ist dieses Mysterium von Golgatha als eine Tatsache, die sich abgespielt hat, und etwas anderes sind die Lehren, welche als christliche Lehren über dieses Mysterium von Golgatha durch die Jahrhunderte geherrscht haben. Wer dies nicht ins Auge faßt, wird sich kaum hineinfinden in die Grundforderungen unserer Zeit.
[ 2 ] As I mentioned to you recently at the end, I cited a few key points along these lines. I pointed out to you that anyone who is willing to examine and discern, using common sense as it has developed up to the present, what is meant here within this spiritual science will find that this anthroposophically oriented spiritual science is truly capable of taking into account the conscience and the mode of thinking of the present age. And this can be seen precisely from our social considerations. Therefore, whenever we speak of one or another subject within our spiritual science, it should always be pointed out that everything presented can be verified by anyone who wishes to do so, based on contemporary thinking—and in particular, on contemporary scientific thinking. One might even say that a large number of the attacks against this spiritual science stem from the fact that it can be verified so conspicuously by the conscience of the present and the near future. This is extremely unwelcome and uncomfortable for some people. Precisely because these ideas are in harmony with all the scientific requirements and scientific concepts of our time, yet there remains in many minds—and especially in many hearts—a certain aversion to this kind of spiritual insight, an opposition has arisen that is simply uncomfortable with the emergence of something that can be thoroughly verified in accordance with the scientific demands of our time. But what this spiritual science regards as an inner spiritual fact of human development is that—beginning in our time and becoming ever clearer as we look toward the future—something new is, so to speak, breaking through the veil of worldly phenomena and events. Humanity has long lived within purely sensory concepts. What it possessed beyond these sensory concepts were, in essence, ancient phenomena that still stemmed from a time when humanity was endowed with atavistic clairvoyance, a time when wisdom entered humanity through entirely different channels than those through which it will come to people in the future. Much has been preserved from those forms of wisdom that corresponded to past ages. In a sense, this was—and for many people still is today—the sole source of wisdom. It is even the sole source of wisdom for today’s natural scientists. If one looks closely, one can already see this. But an elemental revelation of such wisdom, as it existed in ancient times, has long since faded away. And, in a sense, a darkness, a dullness, has set in for the earthly development of humanity, in which nothing spiritual revealed itself directly. Now a time is beginning in which new revelations are breaking through the veils of events into the human, spiritual, and soul horizons. Therefore, renewal must come for many things. We can indeed point to the most important event on Earth in this very context: the Mystery of Golgotha. The Mystery of Golgotha has certainly given meaning to Earth’s development in the first place. The Earth would not be what it is, spiritually and psychically, if the Mystery of Golgotha had not taken place upon it. But the Mystery of Golgotha is one thing as a historical fact that took place, and quite another as the teachings—which have prevailed throughout the centuries as Christian teachings about this Mystery of Golgotha. Anyone who fails to grasp this will find it difficult to come to terms with the fundamental demands of our time.
[ 3 ] Nehmen Sie zum Vergleich etwas ganz Gewöhnliches. Nicht wahr, es ist doch zweierlei: ein Ereignis, das sich abspielt vor Ihren Augen, und dasjenige, was zwei oder drei Menschen, die dieses Ereignis sich haben abspielen sehen, über dieses Ereignis erzählen, über dieses Ereignis sagen. Und bekannt geworden in einem höheren geistigen Sinne ist ja über das Mysterium von Golgatha als einer Tatsache den Menschen natürlich nichts anderes als das, was gesagt worden ist durch die Jahrhunderte. Dieses aber, was gesagt worden ist über ein geistiges Ereignis — und ein solches ist das Mysterium von Golgatha, wenn es sich auch auf dem physischen Plane abgespielt hat —, das ist noch vom Standpunkte des alten Weisheitsgutes heraus gesagt worden. Selbst die Evangelien — Sie wissen das aus meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» — sind geschrieben vom Standpunkte des alten Weisheitsgutes aus. Das heißt, man hatte gewisse Vorstellungen aus den alten Mysterien, oder überhaupt altererbte Vorstellungen. In die Sprache dieser Vorstellungen kleidete man dasjenige, was sich auf Golgatha abgespielt hatte. Das sind aber Vorstellungen, die eben der atavistischen Menschheitsperiode angehören. Es mußte zuerst, um überhaupt verstanden zu werden, das Mysterium von Golgatha in diese Sprache eingekleidet werden. Aber heute leben wir in einer Zeit, wo diese Art, geistig die Welt anzuschauen, wie sie in alten Zeiten richtig war, antiquiert ist. Denn neue Offenbarungen geistiger Art, wenn sie auch die Menschen noch nicht anerkennen wollen, brechen herein, die allmählich gleichwertig werden den alten atavistischen Offenbarungen. Daher muß, wenn den Forderungen der Zeit Rechnung getragen werden soll, über das Mysterium von Golgatha als einer Tatsache auch in der neuen Sprache, den neuen Vorstellungen geredet werden. Das heißt, auch die christlichen Vorstellungen werden demjenigen Rechnung zu tragen haben, was in die Menschheitsentwickelung hereintritt. Sonst würde das Christentum eine Summe von althergebrachten Vorstellungen bleiben. Und alles das, was im Innern der Menschen als Forderungen der Zeit lebt, das würde ersterben gegenüber den althergebrachten Vorstellungen, das würde keine Nahrung finden. Gerade das ist es, womit anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft rechnen will, daß verständlich gemacht werden müssen die neuen geistigen Offenbarungen, und daß das größte Erdenereignis, das Mysterium von Golgatha, in die Vorstellungen dieser neuen geistigen Offenbarungen zu kleiden ist.
[ 3 ] Take something completely ordinary as a comparison. Isn’t it true that there are two distinct things: an event that unfolds before your eyes, and what two or three people who have witnessed this event recount about it, what they say about it? And what has become known to people in a higher spiritual sense regarding the Mystery of Golgotha as a fact is, of course, nothing other than what has been said over the centuries. But what has been said about a spiritual event—and such is the Mystery of Golgotha, even though it took place on the physical plane—was spoken from the standpoint of the ancient wisdom tradition. Even the Gospels—as you know from my book *Christianity as a Mystical Fact*—were written from the standpoint of the ancient wisdom tradition. That is to say, people had certain concepts derived from the ancient mysteries, or, more generally, concepts inherited from the past. They clothed what had taken place on Golgotha in the language of these concepts. But these are concepts that belong precisely to the atavistic period of human history. In order to be understood at all, the Mystery of Golgotha first had to be clothed in this language. But today we live in an age where this way of spiritually viewing the world—which was correct in ancient times—has become antiquated. For new spiritual revelations—even if people are not yet willing to acknowledge them—are breaking through and are gradually becoming equal in value to the old atavistic revelations. Therefore, if the demands of the times are to be taken into account, the Mystery of Golgotha must be spoken of as a fact in the new language and in terms of the new concepts. This means that Christian concepts, too, will have to take into account what is entering into human development. Otherwise, Christianity would remain a collection of traditional concepts. And everything that lives within people as the demands of the times would wither away in the face of these traditional concepts; it would find no nourishment. This is precisely what anthroposophically oriented spiritual science seeks to address: that the new spiritual revelations must be made understandable, and that the greatest event on Earth—the Mystery of Golgotha—must be clothed in the concepts of these new spiritual revelations.
[ 4 ] Nun kann die Frage entstehen, und sie ist eine außerordentlich wichtige Frage: Wer von der geistigen Welt steckt denn eigentlich hinter diesen geistigen Offenbarungen, die durch den Schleier der Erscheinungen neu in die Menschheitsgeschichte hereinbrechen? Sie kennen die Aufeinanderfolge der verschiedenen Hierarchien, wie ich sie in meinen Schriften dargestellt habe, wissen daher, was innerhalb der Hierarchien-Geisterordnung die sogenannten Geister der Persönlichkeit sind. Sie wissen, die Geister der Persönlichkeit stehen um eine Stufe tiefer in der hierarchischen Geisterordnung als diejenigen Geister, zu denen wir zum Beispiel Jahve rechnen, die sogenannten Geister der Form.
[ 4 ] Now the question may arise—and it is an extraordinarily important one: Who in the spiritual world is actually behind these spiritual revelations that are breaking anew into human history through the veil of appearances? You are familiar with the sequence of the various hierarchies, as I have described them in my writings; you therefore know what the so-called spirits of personality are within the hierarchical order of spirits. You know that the spirits of personality occupy a level lower in the hierarchical order of spirits than those spirits to which we count, for example, Yahweh—the so-called spirits of form.
[ 5 ] Zu jenen Offenbarungen, die an die Menschheit herangetreten sind durch die Geister der Form, wollen nunmehr hinzukommen die Geister der Persönlichkeit, allerdings erst sich vorbereitend, nicht in jener Mächtigkeit, mit der die Geister der Form sich geoffenbart haben. Und wenn wir nach einem Worte suchen für das, was die Geister der Form eigentlich sind, so können wir bei dem alten guten Worte «Schöpfer» bleiben. Das biblische Wort «Schöpfer» umfaßt ungefähr alles, was auch wir mit den Geistern der Form verbinden müssen, wenn wir sie betrachten in ihrem Einfluß auf den Menschen von der alten lemurischen Zeit bis heute und auch in die Zukunft hinein. Sie werden ja ihre Taten nicht einstellen, aber sie werden sie gewissermaßen auf anderem Plane zu verrichten haben.
[ 5 ] To those revelations that have come to humanity through the Spirits of Form, the Spirits of Personality will now be added—though only in a preparatory sense, not with the same power with which the Spirits of Form have revealed themselves. And if we are looking for a word to describe what the Spirits of Form actually are, we can stick with the good old word “Creator.” The biblical word “Creator” encompasses roughly everything that we, too, must associate with the Spirits of Form when we consider their influence on humanity from the ancient Lemurian era to the present day and into the future. For they will not cease their deeds, but they will, so to speak, have to carry them out on a different plane.
[ 6 ] Wenn wir alles das, was wir da geisteswissenschaftlich betrachten können, ins Auge fassen, so können wir die Geister der Form eben schöpferische Geister nennen. Ihnen verdankt der Mensch vor allen Dingen sein Dasein, so wie er als Erdenmensch ist. Bis zu unserem Zeitalter aber waren die Geister der Persönlichkeit nicht schöpferische Geister. Sie waren Geister, welche verschiedene Angelegenheiten vom geistigen Reiche aus ordneten. Sie können ja nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft» über die Tätigkeit dieser Geister der Persönlichkeit. Aber es beginnt die Zeit, wo sie zunächst wirklich einzugreifen haben in das Schöpferische der Menschheitsentwickelung. Später werden sie auch in das Schöpferische der anderen Reiche einzugreifen haben. Es findet ja Entwickelung statt im Hierarchischen. Die Geister der Persönlichkeit steigen zu einer schöpferischen Tätigkeit auf. Das weist überhaupt hin auf ein bedeutsames Geheimnis in der Menschheitsentwickelung. Wer nicht in oberflächlicher Naturbetrachtung, wie sie heute gang und gäbe ist, die Menschheitsentwickelung zu umfassen sucht, sondern wer sie mit geisteswissenschaftlichen Impulsen innerlich anschaut, der weiß, daß seit dem Beginne der jetzt oft von verschiedenen Gesichtspunkten besprochenen fünften nachatlantischen Zeit in dem Menschen etwas zu ersterben beginnt. Mit diesem Ertsterben, ich möchte sagen, mit diesem Abgelähmtwerden von etwas in unserer Natur, mit dem hängt im Grunde unser ganzer Fortschritt auch im Seelischen und Geistigen zusammen.
[ 6 ] If we consider everything that we can examine from the perspective of spiritual science, we can indeed call the spirits of form creative spirits. Humanity owes its very existence—as earthly human beings—to them above all else. Up until our own age, however, the spirits of personality were not creative spirits. They were spirits who organized various matters from within the spiritual realm. You can read about the activities of these spirits of personality in my book *The Secret Science*. But the time is now beginning when they must first truly intervene in the creative aspect of human development. Later, they will also have to intervene in the creative processes of the other realms. Development does indeed take place within the Hierarchy. The spirits of personality are rising to a creative level of activity. This points, in general, to a significant mystery in human evolution. Anyone who does not seek to comprehend human development through a superficial observation of nature—as is common practice today—but who instead contemplates it inwardly with the impulses of spiritual science knows that, since the beginning of the fifth post-Atlantean epoch—which is now often discussed from various perspectives—something within the human being has begun to wither away. This withering away—or, I would say, this numbing of something within our nature—is fundamentally linked to our entire progress, including our spiritual and mental development.
[ 7 ] Wir sind nicht mehr in demselben Sinne lebendige Menschenwesen, wenn ich es kraß ausdrücken will, wie es die Menschen vor Jahrhunderten oder gar vor Jahrtausenden waren. Die hatten stärkere Vitalität in sich, stärkere Kraft in sich, Kraft, die vom bloßen Leiblichen ausging. Der Mensch kennt ja das Sterben nur, wenn es in der radikalen Form des Aufhörens des Erdenlebens auftritt. Allein, Sie wissen aus den geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß in uns fortwährend etwas stirbt. Und wenn nicht fortwährend etwas stürbe, so hätten wir kein Bewußtsein. Bewußtsein hängt zusammen gerade mit dem Ersterben von etwas in uns. Aber dieses Ersterben, dieser Prozeß des Ersterbens, der ist jetzt stärker, als er zum Beispiel im ersten christlichen Jahrhundert oder gar in den vorchristlichen Jahrhunderten war. Dasjenige, was im Menschen von den schöpferischen Geistern als Geistern der Form herrührte, das beginnt, wenn ich so sagen darf, stark zu sterben, und neues Schöpferisches muß der Menschennatur eingefügt werden, Schöpferisches, das zunächst vom Geistigen auszugehen hat. Es ist in der Tat so, daß dem Menschen, der sich nicht dagegen sträubt, von unserem Zeitalter ab schöpferische Kräfte aus dem Geiste heraus zufließen. Diese schöpferischen Kräfte sucht Geisteswissenschaft zu verstehen. Sie sucht das, was hereindringt aus Welten, die bisher nicht ihre Impulse in die Menschheitsentwickelung einfließen ließen, was als neues Geistiges in die Zeitentwickelung eintritt, denkend, schauend zu erfassen. Und das ist eigentlich, was im wirklich modernen Sinne orientierte Geisteswissenschaft ist. Also die tritt nicht auf wie irgendein anderes, sei es wissenschaftliches oder sonstiges Programm, sondern die tritt gewissermaßen auf, weil die Himmel neue Offenbarungen den Menschen zusenden, und weil diese neuen Offenbarungen verstanden werden sollen.
[ 7 ] To put it bluntly, we are no longer living human beings in the same sense that people were centuries or even millennia ago. They possessed greater vitality, greater strength—a strength that emanated from the physical body alone. After all, human beings only experience death when it occurs in its radical form—the cessation of earthly life. Yet you know from spiritual scientific considerations that something within us is constantly dying. And if something were not constantly dying, we would have no consciousness. Consciousness is precisely connected to the initial dying of something within us. But this initial dying, this process of initial dying, is now stronger than it was, for example, in the first Christian century or even in the pre-Christian centuries. That which in human beings originated from the creative spirits as spirits of form is, if I may say so, beginning to die off rapidly, and something new and creative must be incorporated into human nature—something creative that must first emanate from the spiritual realm. It is indeed the case that, for those who do not resist it, creative forces flow into them from the spiritual realm as of our own age. Spiritual science seeks to understand these creative forces. It seeks to grasp, through thinking and contemplation, that which penetrates from worlds that have not hitherto allowed their impulses to flow into human development—that which enters the course of history as a new spiritual element. And that is, in fact, what spiritual science oriented in the truly modern sense is. Thus, it does not present itself like any other program—be it scientific or otherwise—but rather, in a sense, it arises because the heavens send new revelations to humanity, and because these new revelations are meant to be understood.
[ 8 ] Wer nicht in diesem Sinne die Aufgabe der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft versteht, der versteht sie überhaupt nicht. Denn diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft würde schweigen, wenn sie nicht Neues, eben erst Hereinbrechendes, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, von den Himmeln der Menschheit sich Offenbarendes zu verkünden hätte.
[ 8 ] Anyone who does not understand the mission of anthroposophically oriented spiritual science in this sense does not understand it at all. For this anthroposophically oriented spiritual science would remain silent if it did not have something new—something that is just now breaking forth, if I may use that expression—to proclaim, something revealing itself from the heavens of humanity.
[ 9 ] Und was sich offenbart durch den Schleier der Erscheinungen, das ist der Ausdruck eines neuen schöpferischen Prinzips, das besorgt wird durch die Geister der Persönlichkeit. Damit hängt es zusammen, daß gerade dieses unser Zeitalter, von dem wir ja sagten, daß es begonnen habe mit dem fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert, als seine charakteristische Eigenschaft die Ausprägung der Impulse der Persönlichkeit hat. Die Persönlichkeit will sich, wenn ich den trivialen Ausdruck gebrauchen darf, auf die eigenen Füße stellen, und wird das immer mehr und mehr wollen in das dritte Jahrtausend hinein. Dann werden andere Impulse nach Vollendung der Persönlichkeit auftreten.
[ 9 ] And what is revealed through the veil of appearances is the expression of a new creative principle, which is brought about by the spirits of personality. This is why our present age—which, as we have said, began in the fifteenth century A.D.—is characterized by the manifestation of the impulses of the personality. The personality, if I may use the trivial expression, wants to stand on its own two feet, and will want this more and more as we move into the third millennium. Then, after the personality has been perfected, other impulses will arise.
[ 10 ] Indem Sie das, was ich eben gesagt habe, überdenken, sehen Sie gewissermaßen, wie diese Neuoffenbarung der Geister des Lichtes, der Geister der Persönlichkeit, an die Menschen herankommt. Dem aber stehen gegenüber auch gerade seit dem Beginne dieser neuen fünften nachatlantischen Zeit gewisse Geister der Finsternis. Denn sobald wir hinter den Schleier der Erscheinungen schauen, merken wir gleich, wie einer gewissen Abteilung von Geistern andere, entgegengesetzte gegenüberstehen. Wir schauen auf der einen Seite nach den Geistern der Persönlichkeit, die sich so offenbaren, wie ich das eben ausgeführt habe. Aber auf der anderen Seite sehen wir, wie sich ihnen gegenüber gewisse finstere Geister kundgeben, Geister, welche in jeder Weise ein Interesse daran haben, nicht in der Menschheit wirksam sein zu lassen, was als die neue Offenbarung der Geister der Persönlichkeit kommt. Diese neuen, dumpfen, finsteren Geister, die finden Gelegenheit zu ihrer Verwirklichung durch eine Erscheinung, die ich schon vor einigen Wochen hier erwähnt habe, eine Erscheinung, die leider von der gegenwärtigen Menschheit viel zu wenig beachtet wird.
[ 10 ] As you reflect on what I have just said, you will, in a sense, see how this new revelation of the spirits of light—the spirits of personality—reaches humanity. However, precisely since the beginning of this new fifth post-Atlantean epoch, certain spirits of darkness have also been opposing this. For as soon as we look behind the veil of appearances, we immediately notice how one particular group of spirits is confronted by another, opposing group. On the one hand, we look at the spirits of personality, who reveal themselves as I have just described. But on the other hand, we see how certain dark spirits manifest themselves in opposition to them—spirits who have every interest in preventing what comes as the new revelation of the spirits of personality from taking effect in humanity. These new, dull, dark spirits find an opportunity to manifest themselves through a phenomenon I mentioned here a few weeks ago—a phenomenon that, unfortunately, is given far too little attention by present-day humanity.
[ 11 ] Sehen Sie, wenn heute gefragt wird, wieviel Menschen auf Erden sind, so sagt man gewöhnlich: 1500 Millionen, nicht wahr. Das würde die Konsequenz haben, daß auch auf der Erde nur so viel Arbeit geleistet wird, als diese 1500 Millionen Menschen leisten. Das ist aber nicht der Fall, sondern es ist heraufgezogen seit dem Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums die Möglichkeit, daß außer den 1500 Millionen Menschen auf der Erde, von denen man gewöhnlich spricht, noch fünfhundert weitere Millionen Arbeitskraft da sind. Das ist durch die Maschinen! Wenn alle Maschinenarbeit heute verrichtet würde von Menschen, so müßten fünfhundert Millionen Menschen diese Arbeit verrichten.
[ 11 ] You see, when people today are asked how many people there are on Earth, they usually say: 1,500 million, don’t they? That would imply that only as much work is done on Earth as these 1,500 million people can do. But that is not the case; rather, since the beginning of the fifth post-Atlantean epoch, the possibility has arisen that, in addition to the 1,500 million people on Earth that are usually mentioned, there are another five hundred million units of labor available. This is due to machines! If all the work currently performed by machines were done by people today, five hundred million people would have to perform that work.
[ 12 ] Sie sehen daraus, daß gewissermaßen Menschenarbeit auf der Erde einen Ersatz gefunden hat, daß etwas da ist, was wie Menschen wirkt, aber nicht Mensch aus Fleisch und Blut ist. Diese Tatsache ist außerordentlich wichtig für die Gesamtmenschheitsentwickelung. Diese Tatsache hängt mit anderen Tatsachen in der Entwickelung der Gegenwart zusammen. Die fünfhundert Millionen Menschen, die eigentlich nicht als Menschen von Fleisch und Blut vorhanden sind, aber als Arbeiter — die Arbeit leisten die Maschinen geradeso, wie wenn Menschen sie leisten würden —, diese menschlichen Arbeitsleistungen, die geben Gelegenheit, daß sich die finsteren Geister verwirklichen können innerhalb unserer Menschheitsentwickelung, jene finsteren Geister, die Gegner sind derjenigen Geister der Persönlichkeit, die die neuen Offenbarungen bringen.
[ 12 ] You can see from this that, in a sense, human labor on Earth has found a substitute—that there is something that acts like humans but is not a human being of flesh and blood. This fact is extraordinarily important for the overall development of humanity. This fact is connected to other developments in the present day. The five hundred million people who do not actually exist as human beings of flesh and blood, but as workers—the work is performed by machines just as if humans were performing it—these human labor contributions provide an opportunity for the dark spirits to manifest themselves within the development of humanity, those dark spirits who are opponents of the spirits of personality that bring the new revelations.
[ 13 ] So haben wir auf der einen Seite die für ein neues Hellsehen hereinbrechenden neuen Offenbarungen der Himmel, und auf der anderen Seite haben wir, aus dem Unterirdischen gewissermaßen herauskommend, die Körperlichkeit für die Gegner, für gewisse dämonische Geister, für Geister der Finsternis, welche sich nun nicht durch Menschen von Fleisch und Blut verwirklichen, aber die doch unter uns wandeln dadurch, daß menschliche Kräfte ersetzt werden durch Mechanismen, durch Maschinen.
[ 13 ] On the one hand, we have the new revelations from the heavens that are dawning for a new form of clairvoyance, and on the other hand, emerging, as it were, from the underworld, we have the physical form taken on by the adversaries—certain demonic spirits, spirits of darkness—who do not manifest themselves through people of flesh and blood, but who nevertheless walk among us by replacing human powers with mechanisms and machines.
[ 14 ] Das ist auch die Grundlage für alle Disharmonie auf sozialem Gebiete in unserer Zeit. Es ist aber auch die Grundlage für gewisse Irrgänge des menschlichen Denkens in der Gegenwart, die ja wieder ihrerseits Ausgangspunkte sind für soziale Verirrungen. Denn das menschliche Denken hat sich im Lauf der letzten Jahrhunderte in einer gewissen Beziehung der mechanistischen Ordnung angepaßt. Das menschliche Denken ist durchdrungen, durchimprägniert von solchen Vorstellungen, die rein der mechanistischen Ordnung angepaßt sind. Man kann sagen: In vielen Gebieten der Naturforschung, aber auch auf vielen Gebieten des Lebens, auch auf vielen Gebieten des heutigen sozialen oder sozialistischen Denkens werden gar keine anderen Vorstellungen angewendet als diejenigen, welche brauchbar sind, um die Wirkungsweise von Mechanismen zu verstehen, welche aber unbrauchbar sind, um alles das zu verstehen, was über die Mechanismen hinaus liegt. Dennoch, in der Offenbarungswelt hat ein jegliches Ding zwei Seiten, und Sie dürfen nicht deshalb sagen: Weil das so ist, haben sich die mechanistischen Vorstellungen in die Menschheitsentwickelung hereingeschlichen als etwas, was man meiden müsse. — Nein, das wäre durchaus falsch! So gefährlich die mechanistischen Vorstellungen sind, weil sie gewissen Geistern der Finsternis Gelegenheit geben, aufzutreten gegen die sich offenbarenden Geister der Persönlichkeit, so gefährlich diese mechanistischen Vorstellungen, namentlich die mechanistische Ordnung, von der sie genommen sind, sind, so wohltätig auf der andern Seite ist gerade dieses Denken, welches sich anlehnt an solche mechanistischen Vorstellungen. Denn das ist die Aufgabe der neueren Zeit, daß sich unser Seelenvermögen rüstet mit diesen Vorstellungen, die ja auch im modernen naturwissenschaftlichen, überhaupt im modernen Denken leben, daß wir uns durchdringen mit diesen Vorstellungen, aber dann diese Vorstellungen in den Dienst der neuen Offenbarung der Himmel stellen. Mit andern Worten, die mechanistischen Vorstellungen haben die Menschheit gelehrt, in klaren, scharfen Konturen zu denken. So, wie innerhalb der mechanistischen Vorstellung, ist früher nicht gedacht worden. Die Vorstellungen älterer Zeiten hatten immer verschwommene Konturen. Wer die Geistesgeschichte der Zeit verfolgt, der weiß dieses. Selbst wenn man scharfe Geister wie Plato studiert, ihre Begriffe haben verschwommene Konturen. In scharfen Gedankenkonturen zu denken, das hat sich der Mensch erst anerziehen können dadurch, daß er in die Einseitigkeit verfallen ist, sich mechanistische Weltvorstellungen zu bilden. Die einseitigen mechanistischen Vorstellungen sind außerordentlich arm an Weltinhalt; sie enthalten im Grunde genommen nur das Tote. Aber sie sind ein Erziehungsmittel außerordentlicher Art; das ist ja auch heute zu merken. Eigentlich scharf denken können nur diejenigen Menschen heute, welche sich gewisse naturwissenschaftliche Vorstellungen angeeignet haben. Die anderen sind versucht, verschwommen zu denken.
[ 14 ] This is also the root of all social disharmony in our time. But it is also the basis for certain aberrations in contemporary human thought, which in turn serve as starting points for social aberrations. For over the course of the last few centuries, human thought has, in a certain sense, adapted to the mechanistic order. Human thought is permeated and imbued with ideas that are purely adapted to the mechanistic order. One might say: In many fields of natural science, but also in many areas of life, and even in many areas of contemporary social or socialist thought, no concepts other than those useful for understanding the workings of mechanisms are applied—concepts that are, however, useless for understanding everything that lies beyond those mechanisms. Nevertheless, in the world of revelation, every single thing has two sides, and you must not therefore say: Because this is so, mechanistic concepts have crept into human development as something that must be avoided. — No, that would be entirely wrong! As dangerous as mechanistic concepts are—because they give certain spirits of darkness the opportunity to oppose the revealing spirits of personality—and as dangerous as these mechanistic concepts are, particularly the mechanistic order from which they are derived, so beneficial, on the other hand, is precisely this way of thinking that draws upon such mechanistic concepts. For this is the task of the modern age: that our spiritual faculties arm themselves with these concepts—which, after all, are also alive in modern scientific thought and in modern thinking in general—that we imbue ourselves with these concepts, but then place them in the service of the new revelation of the heavens. In other words, mechanistic concepts have taught humanity to think in clear, sharp contours. People did not think in the way that mechanistic concepts do; they did not think that way in the past. The concepts of earlier times always had blurred contours. Anyone who follows the intellectual history of the era knows this. Even when studying sharp minds like Plato, their concepts have blurred contours. It was only by falling into the one-sidedness of forming mechanistic worldviews that human beings were able to train themselves to think in sharply defined conceptual terms. These one-sided mechanistic conceptions are extraordinarily poor in world content; they essentially contain only the dead. But they are an educational tool of an extraordinary kind; this is evident even today. In fact, the only people today who can think with precision are those who have acquired certain scientific concepts. The others are tempted to think in vague terms.
[ 15 ] Nun obliegt aber dieser Erziehung, die sich die Menschheit angeeignet hat durch scharf konturiertes Denken, sich hinzuwenden nach der neuen Geistesoffenbarung, und die geistigen Welten nun in ebensolcher Klarheit aufzufassen, wie man gewohnt worden ist, die naturwissenschaftliche Welt aufzufassen. Das ist es, was das moderne intellektualistische Gewissen fordert und ohne das die Menschheit nicht auskommen wird, ohne das sie ihre wichtigsten Fragen nicht wird lösen können, die in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft auftreten: Scharfes Denken, herangezogen an den modernsten naturwissenschaftlichen Vorstellungen, angewendet aber auf die geistige Welt, die sich neu offenbart. Das ist im Grunde genommen auch die Konfiguration der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. So will sie sein, weil sie mit den notwendigsten Forderungen der Gegenwart rechnet. Deshalb ist sie imstande, herunterzusteigen von gewissen geistigen Höhen bis zu der Erfassung des dem Menschen im Alltag Notwendigen. Auf das muß immer hingewiesen werden, daß in dieser Richtung Geisteswissenschaft eben eine neue Hilfe für Menschenarbeit und Menschenleistung sein will.
[ 15 ] Now, however, it is incumbent upon this education—which humanity has acquired through sharply defined thinking—to turn toward the new spiritual revelation and to perceive the spiritual worlds with the same clarity with which we have become accustomed to perceiving the world of natural science. This is what the modern intellectualist conscience demands, and without it, humanity will not be able to get by; without it, it will not be able to solve its most important questions that arise in the present and in the near future: sharp thinking, grounded in the most modern scientific concepts, but applied to the spiritual world that is revealing itself anew. This is, in essence, also the framework of anthroposophically oriented spiritual science. This is how it intends to be, because it takes into account the most essential demands of the present. That is why it is capable of descending from certain spiritual heights to grasp what is necessary for human beings in everyday life. It must always be emphasized that, in this regard, spiritual science aims to be a new source of support for human work and human achievement.
[ 16 ] Nehmen Sie von den alten traditionellen Dingen, die ältere Zeiten heraufgebracht haben, die verschiedenen religiösen Bekenntnisse. Gewiß, diese religiösen Bekenntnisse reichen für eine Anzahl von Leuten heute aus, wenn diese Leute eine gewisse Erbauung suchen. Es wird dann den Leuten erzählt aus dem Schoße der alten Bekenntnisse heraus über göttlich-himmlische Reiche, es wird ihnen erzählt über das, was sich hinter dem Schleier der sinnlichen Erscheinungen verbirgt. Es wird so weit herabgestiegen, daß den Menschen gepredigt werden kann, daß sie gute Menschen sein sollen, daß sie einander lieben sollen und so weiter. Mit anderen Worten: Diese Bekenntnisse können herabsteigen bis zu gewissen moralischen Forderungen.
[ 16 ] Consider the various religious creeds among the old, traditional things that have come down from earlier times. Certainly, these religious creeds are sufficient for a number of people today when they are seeking a certain kind of spiritual edification. People are then told, from within the bosom of the old creeds, about divine-heavenly realms; they are told about what lies hidden behind the veil of sensory appearances. It is brought down to such a level that people can be preached to about being good people, loving one another, and so on. In other words: These creeds can descend to the level of certain moral demands.
[ 17 ] Auf der anderen Seite wird heute versucht, eine Anschauung zu gewinnen über die Alltagsforderungen, die gewissermaßen auf dem anderen Pole des Lebens liegen. Es wird versucht, Naturerkenntnis zu gewinnen. Nun, Sie wissen, Botanik, Zoologie wird nur in den wenigsten Fällen heute in den Sonntagnachmittagspredigten von den Pastoren oder Predigern irgendwie aus höheren Offenbarungen heraus den Menschen verkündet. Das, was da verkündet wird über die himmlischen Reiche, reicht nicht bis auf die Erde herunter. Auch über anderes aus den unmittelbaren Forderungen, die uns jede Stunde, jede Minute umgeben, wird von dem anderen Pole her Aufschluß gesucht, und so ist auch über die sozialen Forderungen von diesem anderen Pole her, ich möchte sagen, ein gewissermaßen naturwissenschaftliches Denken in die Erscheinung getreten. Aber denken Sie, wie nebeneinander steht dasjenige, was die Menschen heute an Gedanken aufbringen über die Forderungen des alltäglichen Lebens, und dasjenige, was aus den himmlischen Reichen herunter der Pastor verkündet. Das sind zwei Welten, die sich nicht miteinander berühren. Die Menschen wollen — wenn sie es wollen — arbeiten, wollen auch Gedanken haben über ihre Arbeit, wollen dann, wenn sie ihre Arbeit verrichtet haben, hören, wie es mit dem Tod, mit der Unsterblichkeit, mit dem Göttlichen steht. Aber das sind zwei ganz getrennte Reiche. Daß sie es sind, daß die Menschen nicht das Bedürfnis haben, die beiden Reiche miteinander zu verbinden, daß gewissermaßen das stattfindet, was ich von anderen Gesichtspunkten aus in den vorigen Betrachtungen angeführt habe, daß die Menschen denken wollen über Kapital, über Geld, über Kredit, Arbeitskraft und so weiter von der einen Seite her, über moralische, über ethische Forderungen von der anderen Seite her, daß die Menschen nicht die Gedankenkraft aufbringen, aus dem, was über den Geist gesagt wird, zu gleicher Zeit auch über das Leben im Alltag zu sprechen, wo sich der Gott oder die Götter nicht minder offenbaren, als auf anderen Gebieten — das ist der große Schaden der Gegenwart. Das muß man vor allen Dingen durchschauen, wenn man verstehen will, warum diese katastrophale Zeit über die Menschheit hereingebrochen ist. Die Menschen brauchen wiederum eine Wissenschaft, die imstande ist, indem sie von dem höchsten Göttlichen redet, zu gleicher Zeit einzugehen auf die Bedürfnisse des Alltags. Denn sonst bleiben diese Bedürfnisse des Alltags in jener chaotischen Ordnung, in der sie die Lenins und Trotzkis sehen. Und die Lehren, die die Geheimnisse der Himmel verkünden, bleiben, wenn sie auch noch so sehr das egoistische Empfinden der Herzen wärmen, unfruchtbar für das äußere Leben.
[ 17 ] On the other hand, people today are trying to gain insight into the demands of everyday life, which, in a sense, lie at the opposite end of the spectrum. They are trying to gain an understanding of nature. Well, as you know, botany and zoology are only very rarely proclaimed to people today in Sunday afternoon sermons by pastors or preachers as if derived from higher revelations. What is proclaimed there about the heavenly realms does not reach down to earth. People are also seeking insight from the other pole regarding other matters—the immediate demands that surround us every hour, every minute—and so, with regard to social demands as well, a kind of scientific way of thinking has emerged from this other pole. But just consider how far apart are the thoughts people have today about the demands of everyday life and what the pastor proclaims as coming down from the heavenly realms. These are two worlds that do not touch one another. People want—if they want to—to work; they also want to reflect on their work; and once they have finished their work, they want to hear about death, immortality, and the divine. But these are two entirely separate realms. The fact that they are separate, that people do not feel the need to connect the two realms—that, in a sense, what I have described from other perspectives in my previous reflections is taking place—that people want to think about capital, money, credit, labor, and so on from one perspective, and about moral and ethical demands from the other—that people do not muster the mental energy to use what is said about the spirit to speak at the same time about everyday life, where God or the gods reveal themselves no less than in other realms—this is the great harm of the present age. One must see through this above all else if one wishes to understand why this catastrophic era has befallen humanity. People once again need a science that is capable, while speaking of the highest Divine, of addressing the needs of everyday life at the same time. For otherwise, these needs of everyday life remain in that chaotic state in which the Lenins and Trotskys see them. And the teachings that proclaim the mysteries of the heavens, no matter how much they may warm the selfish feelings of the heart, remain fruitless for outer life.
[ 18 ] Das darf eben nicht in der Zukunft sein. In der Zukunft darf es nicht Sonntagnachmittagspredigten geben, in denen sich die Menschen hinausheben wollen über den Alltag, sich bloß erbauen, ihre egoistischen religiösen Bedürfnisse warmmachen wollen, um dann wiederum mit nur äußerem, unzureichendem Denken an das ungöttlich gesehene Alltägliche zu gehen, ohne es geistig zu durchschauen. Es liegen schon die großen Forderungen, die unsere Zeit an uns stellt, auf geistigem Gebiet. Nicht früher wird Ordnung in unsere Zeit hineinkommen, bis die Menschen zugeben werden, daß das zu berücksichtigen ist, was jetzt eben charakterisiert worden ist.
[ 18 ] That simply must not be the case in the future. In the future, there must be no Sunday afternoon sermons in which people seek to elevate themselves above everyday life, merely to edify themselves and warm up their selfish religious needs, only to then return to the everyday world—which they view as ungodly—with nothing but superficial, inadequate thinking, without spiritually penetrating it. The great demands that our time places on us already lie in the spiritual realm. Order will not come to our time until people admit that what has just been described must be taken into account.
[ 19 ] Mit dem hängen aber eine ganze Anzahl anderer wichtiger Zeitimpulse zusammen. Wir stehen mitten drinnen, nicht am Ende. Voll bewußt sage ich das: Wir stehen nicht am Ende, wir stehen mitten drinnen in einer Zeit des Kampfes, in einer Zeit, in der sich chaotische Ereignisse innerhalb der Menschheitsentwickelung abspielen, Ereignisse, ich habe es oft gesagt, von denen die Menschen lernen sollten. Leider gibt es so viele, die heute noch nichts von diesen Ereignissen der letzten viereinhalb Jahre gelernt haben, sondern ein so geformtes Denken haben, wie vor viereinhalb Jahren. Ereignisse spielen sich ab, welche die äußere Menschheit oder vielmehr das Leben der äußeren Menschheit in Kampf und Streit zeigt. Gewiß, Kampf und Streit hat es zu anderen Zeitepochen auch gegeben; aber Kampf und Streit in unserer Zeitepoche hat noch einen ganz besonderen Charakter. Und diesen besonderen Charakter merken wir, wenn wir nicht bloß auf die Oberfläche, sondern in die Tiefe schauen, wenn wir gewahrwerden, daß sich heute vieles äußerlich abspielt, was eigentlich so veranlagt ist, daß es sich im Innern der Menschen abspielen sollte. Sie können sich ja leicht denken, daß mit dem Entgegennehmen der neuen Offenbarung der Himmel eine vertiefte Innerlichkeit der Menschennatur verbunden sein muß. Diese vertiefte Innerlichkeit der Menschennatur, die wird aber in die Menschennatur hineintragen, in die Seelen hineintragen gewisse innere Kämpfe. Diese Aussicht auf innere Seelenkämpfe für die Menschen darf uns nicht pessimistisch stimmen, denn nur aus diesen Seelenkämpfen heraus kann der Mensch in der Zukunft stark werden. Der Mensch, der das heute noch nicht will, verlangt von seinen Bekenntnisträgern, von seinen Pastoren, daß sie ihn gewissermaßen benebeln über das, was doch unterbewußt schon in der Seele lebt. Sie sollen ihm die Seele warmmachen, sie sollen ihn trösten, sie sollen ihm recht schöne Sachen sagen über das, was Gott mit dem Menschen vorhat, ohne daß der Mensch etwas dazutut. Aber in der nächsten Zukunft werden die Götter nur dasjenige mit den Menschen vorhaben, zu dem der Mensch selbst etwas tut. Der Mensch muß durchgehen durch innere Seelenkämpfe, die ihn stark machen. Wir haben nicht hinzuschauen auf eine Zukunft, die bequemer ist als die Vergangenheit oder die Gegenwart. Solche scheinbaren Ideale, die aber nur moderne Betäubungsmittel sind, sind nicht Wahrheit, sind bloß Wilsonianismus. Zu reden davon, daß ein ganz anderes Zeitalter durch gewisse zweimal sieben Punkte — ich weiß nicht, ob es mystisch gemeint ist, aber dann ist es im schlechten Sinne mystisch — heraufgerufen werden kann, das ist eine ganz besondere Form des modernen Aberglaubens.
[ 19 ] However, a whole number of other important historical developments are connected to this. We are right in the middle of it, not at the end. I say this with full awareness: We are not at the end; we are right in the middle of a time of struggle, a time in which chaotic events are unfolding within the course of human development—events, as I have often said, from which people should learn. Unfortunately, there are so many who, even today, have learned nothing from the events of the past four and a half years, but whose thinking remains just as it was four and a half years ago. Events are unfolding that reveal outer humanity—or rather, the life of outer humanity—to be in a state of struggle and conflict. Certainly, struggle and conflict have existed in other historical epochs as well; but struggle and conflict in our present epoch have a very special character. And we perceive this special character when we look not merely at the surface but into the depths, when we become aware that much of what is happening outwardly today is actually meant to take place within people. You can easily imagine that receiving the new revelation from heaven must be connected with a deepened inner life of human nature. This deepened inner life of human nature, however, will bring certain inner struggles into human nature, into the souls. This prospect of inner spiritual struggles for human beings must not make us pessimistic, for it is only through these spiritual struggles that human beings can become strong in the future. People who are not yet ready for this today demand that their religious leaders and pastors, in a sense, cloud their awareness of what is already living subconsciously in their souls. They want them to warm their hearts, to comfort them, and to tell them lovely things about what God has in store for humanity—without requiring any effort on the part of the individual. But in the near future, the gods will have plans for humanity only to the extent that humanity itself contributes to them. Humanity must go through inner spiritual struggles that make it strong. We must not look toward a future that is more comfortable than the past or the present. Such apparent ideals—which are, in fact, merely modern anesthetics—are not the truth; they are merely Wilsonianism. To speak of a completely different age being brought about by certain “twice seven points”—I do not know if this is meant in a mystical sense, but if so, it is mystical in the worst sense—is a very particular form of modern superstition.
[ 20 ] Um was es sich handelt für die Zukunft, das ist nicht, daß es im äußeren Leben bequemer hergehen wird. Die Menschheit wird schon noch größere Unbequemlichkeiten, als diejenigen, die sie sich heute träumen läßt, mit dem Reste der Erdenentwickelung auf sich nehmen müssen. Aber sie wird sie auf sich nehmen, weil sie durch innere Seelenkämpfe — jeder einzelne in seiner Persönlichkeit — gestärkt sein wird. Wenn wir dutch den Schleier der Erscheinungen durchsehen, so sehen wir ja nicht auf eine Welt, in der die Götter sagenhaft still, jeder in seinem Bette, schlafen und ein friedsames Leben führen, so wie die Menschen es sich erträumen und was ja doch nichts anderes ist, als eine andere Form des Faulenzerlebens. Nein, so ist es nicht! Wenn wir den Schleier der Phänomene durchblicken, so sehen wir nicht auf ein göttlich-geistiges Schlafensleben, sondern auf ein göttlich-geistiges, auf ein hierarchisches Arbeitsleben. Und was uns auffällt zunächst, das ist der große Kampf, der hinter der Szene der physisch-sinnlichen Welt stattfindet zwischen der Weisheit und der Liebe. Und der Mensch ist hineingestellt in diesen Kampf. Lange Zeit war er es unbewußt; in der Zukunft muß er sich immer bewußter und bewußter hineinstellen in diesen Kampf, der in der Welt stattfindet zwischen Weisheit und Liebe. Denn der Mensch soll sein dasjenige, was entsteht, indem Weisheit und Liebe wie ein Pendel immerfort ausschlagen, bald nach der Weisheits-, bald nach der Liebesseite. Denn durch des Pendels rhythmische Schwingungen, nicht durch die schläfrige Ruhe ist dasjenige, was Sein ist in der Welt.
[ 20 ] What the future holds is not that life in the external world will become more comfortable. Humanity will have to endure even greater hardships than those it can even imagine today as the Earth’s development continues. But it will endure them because it will have been strengthened by inner spiritual struggles—each individual in their own personality. When we look through the veil of appearances, we do not see a world in which the gods sleep in legendary silence, each in his own bed, leading a peaceful life—just as people dream it to be, which is, after all, nothing more than another form of a life of idleness. No, that is not how it is! When we look through the veil of phenomena, we do not see a divine-spiritual life of slumber, but rather a divine-spiritual, hierarchical life of work. And what strikes us first is the great struggle taking place behind the scenes of the physical-sensory world between wisdom and love. And human beings are placed within this struggle. For a long time, they were unaware of it; in the future, they must place themselves more and more consciously within this struggle taking place in the world between wisdom and love. For human beings are meant to be that which arises when wisdom and love swing back and forth like a pendulum, now toward the side of wisdom, now toward the side of love. For it is through the rhythmic oscillations of the pendulum—not through slumbering stillness—that what is in the world comes into being.
[ 21 ] Dieser Kampf zwischen Weisheit und Liebe spielte sich in alten atavistischen Zeiten und in den Zeiten bis jetzt, noch in den unterbewußten Untergründen der menschlichen Seele ab. Da unten, wo die unbewußten Instinkte pulsieren, da steht der Geist der Weisheit gegen den Geist der Liebe, und der Geist der Liebe gegen den Geist der Weisheit. Aber ins Bewußtsein zieht das herauf von unserem Zeitalter der Bewußtseinsseelenentwickelung an. Der Mensch muß diesen Kampf in sich selber auskämpfen. Immer stärker und stärker wird die Kraft werden, die auf der Grundlage dieses inneren Seelenkampfes in den menschlichen Naturen sich abzuspielen hat. Nur sträuben sich heute die Menschen noch gegen diese innere Entwickelung. Sie ahnen sie zwar und fürchten sich davor, sie haben aber nicht den Mut zu diesem inneren Kampfe. Das, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht, soll dahin führen, daß der Mensch diesen inneren Kampf siegreich auskämpfen kann. Es ist den Menschen unbequem. Sie schrecken davor zurück, sie haben nicht den Mut, diesen inneren Kampf zu bestehen. Das ist aber eine Zeiterscheinung, daß die Menschen diesen inneren Kampf nicht bestehen wollen, daß sie ihn noch fliehen, daß sie ihn noch nicht haben wollen, diesen inneren Kampf. Und weil sie ihn nicht innerlich haben wollen, deshalb projiziert er sich heute nach außen. Ich habe das angedeutet in dem einen meiner Mysterien, wo Sie nachlesen können, wie dasjenige, was an äußeren Kämpfen unter den Menschen stattfindet, Ausdruck eines inneren Kampfes ist. Sie wissen, die Stelle ist lange vor dem Ausbruche der gegenwärtigen kriegerischen Weltkatastrophe geschrieben, aber gerade die gegenwärtige Weltenkatastrophe bezeugt die Wahrheit des dort Geschriebenen. Da ist angedeutet, daß alles, was an äußeren Kämpfen heute stattfindet — in anderen Zeitaltern hatten die Kämpfe anderen Charakter, denn alles ändert sich und macht Metamorphosen durch —, aus dem Inneren der Menschen herausgeworfene Kämpfe sind. Das ist es, was kommen muß: Die Menschen müssen ins Innere hereinnehmen, was sie glauben, heute außen auskämpfen zu müssen. Ein Kriegsschauplatz im Innern der menschlichen Seelen, das wird das Heilmittel sein für das, was heute unter die Menschen so ruinös getreten ist. Nicht früher, als bis dieser innere Kriegsschauplatz in die menschlichen Seelen einzieht, kann dasjenige verglimmen, was äußerlich so furchtbar katastrophal unter die Menschen gekommen ist. Denn dieses Äußere ist nichts anderes als das, was die Menschen nach außen projizieren, weil sie es nicht ins Innere hereinbringen wollen. Alles übrige ist nur scheinbar; das aber ist die Wirklichkeit.
[ 21 ] This struggle between wisdom and love has been taking place since ancient, atavistic times and continues to this day, still in the subconscious depths of the human soul. Down there, where the unconscious instincts pulsate, the spirit of wisdom stands against the spirit of love, and the spirit of love against the spirit of wisdom. But this struggle has been rising into consciousness since the beginning of our age of the development of the soul of consciousness. Human beings must fight this battle within themselves. The force that is to play out in human nature on the basis of this inner soul struggle will grow ever stronger and stronger. Yet today, people still resist this inner development. Although they sense it and fear it, they lack the courage to engage in this inner struggle. What is written in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* is intended to enable people to emerge victorious from this inner struggle. It is uncomfortable for people. They shrink from it; they lack the courage to endure this inner struggle. But this is a phenomenon of our time: that people do not want to endure this inner struggle, that they still flee from it, that they do not yet want to face this inner struggle. And because they do not want to face it inwardly, it is projected outward today. I have alluded to this in one of my Mysteries, where you can read how the external conflicts taking place among people are an expression of an inner struggle. You know, that passage was written long before the outbreak of the current global catastrophe of war, but it is precisely this current global catastrophe that bears witness to the truth of what is written there. It is suggested there that all the external conflicts taking place today—in other eras, conflicts had a different character, for everything changes and undergoes metamorphoses—are conflicts cast out from within human beings. This is what must come to pass: People must take into their inner selves what they believe they must fight out externally today. A theater of war within the human soul—that will be the remedy for what has so ruinously taken hold among people today. Not until this inner theater of war takes root in human souls can that which has so terribly and catastrophically taken hold among people on the outside begin to fade away. For this external reality is nothing other than what people project outward because they do not want to bring it inward. Everything else is only apparent; but this is reality.
[ 22 ] Das ist wiederum ein Umstand, dem die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft Rechnung trägt. Sie trägt ihm dadurch Rechnung, daß sie nicht bloß irgendwelche antiquierte alte Lehren aufnimmt, sondern daß sie tatsächlich unter die Menschen bringen will, was im Sinne der gegenwärtigen Zeit und der Zukunft gewissermaßen als neue Offenbarungen der Himmel sich geltend macht. Diese Unterscheidung muß man haben, sonst wird man Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, stets zusammenwerfen mit anderen Dingen, mit denen sie nicht zusammengehört. Sie kann nicht, diese Geisteswissenschaft, die anthroposophisch orientiert ist, in derselben Art sich verkündigen, wie vieles sich in der Gegenwart verkündigen will, was eigentlich eine Angelegenheit der Vergangenheit ist. Diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft muß zu dem vollen, klaren Bewußtsein der Menschheit sprechen. Aber schon, indem man das sagt, verletzt man die Eitelkeit vieler Menschen. Denn die Menschen der Gegenwart glauben ja alle, ein außerordentlich klares, helles Denken zu haben. Sie brauchten sich aber nur umzusehen, wie sie es eigentlich treiben, gerade in geistigen Angelegenheiten treiben, dann würden sie merken, daß es mit diesem vollen, klaren Denken denn doch nicht so weit her ist. Das soziale, und wenn man will, das Kriegsproblem der Gegenwart, sie können nicht anders gelöst werden als durch klare, an dem modernen Denken geschulte Gedanken, die sich hinorientieren nach der neu sich offenbarenden geistigen Welt, jener Welt, welche von den guten Geistern der Persönlichkeit kommt. Weil diese Geisteswissenschaft in dieser Beziehung so neu ist, deshalb hat sie zu Gegnern alle diejenigen, welche nicht die Aktivität aufbringen wollen, in dieses Neue wirklich einzudringen. Denn um innere seelische Aktivität aufzubringen, dazu gehört wirklich der gute Wille.
[ 22 ] This, in turn, is a circumstance that anthroposophically oriented spiritual science takes into account. It does so not merely by adopting some antiquated old teachings, but by seeking to bring to humanity what, in the spirit of the present age and the future, asserts itself, as it were, as new revelations from the heavens. This distinction must be made; otherwise, spiritual science, as it is understood here, will always be conflated with other things with which it has no connection. This anthroposophically oriented spiritual science cannot present itself in the same way that many things in the present seek to present themselves, even though they are actually matters of the past. This anthroposophically oriented spiritual science must speak to humanity’s full, clear consciousness. But simply by saying this, one offends the vanity of many people. For people today all believe they possess extraordinarily clear, lucid thinking. But if they would only look around to see how they actually go about things—especially in spiritual matters—they would realize that this full, clear thinking is not quite what it seems. The social problems—and, if you will, the problem of war—of our time can be solved only through clear thoughts, trained in modern thinking, that are oriented toward the newly revealing spiritual world—that world which comes from the good spirits of the personality. Because this spiritual science is so new in this regard, it faces opposition from all those who are unwilling to muster the active effort required to truly penetrate this new realm. For mustering inner spiritual activity truly requires good will.
[ 23 ] Sehen Sie, der ganze Nerv dieser Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist ein anderer als derjenige, aus dem die früheren Offenbarungen stammen. Ich habe schon oft darauf aufmerksam gemacht: man findet heute sehr häufig, daß Leute, die sich unterrichten wollen über die Geheimnisse des Daseins, zu alten Schmökern greifen, welche die alte atavistische Hellseherlehre enthalten. Wie fühlt sich heute mancher beseligt, wenn er Bücher findet, die, ohne von dem modernen naturwissenschaftlichen Bewußtsein durchdrungen zu sein, ihm nun Aufschluß geben sollen über dasjenige, was man jetzt nicht wissen kann, was die alten Leute aber gewußt haben, die da reden von Salz, Merkur und Schwefel und ähnlichen Dingen. Selbstverständlich sind das ehrwürdige, erhabene Dinge, die in diesen Büchern stehen. In der Welt gibt es aber Entwickelung, und was für frühere Epochen gut war, ist nicht gut für unsere Zeit. Frühere Epochen haben sich eben auf ihre Art in den Besitz setzen können dessen, was in diese Worte gekleidet ist: Salz, Merkur, Schwefel. Die Gegenwart muß ein Neues suchen. Weil ihr Geister dieses Neue entgegentragen zum Heile der Menschheit, darf dieses Neue nicht außer acht gelassen werden. Ganz anders geartet muß dieses Neue sein, als es das Alte war. Es ist ein grundsätzlicher Unterschied zwischen dem Neuen und dem Alten. Das Alte hat ein großartiges Weltverständnis entwickelt, ein Verständnis dessen, was außerhalb des Menschen ist. Und was noch bis zu solchen Geistern wie Paracelsus oder Jakob Böhme heruntergekommen ist an alten Weisheiten, das war tiefgehendes Weltverständnis. Dann ist dieses Weltverständnis angewendet worden, um auch den Menschen zu verstehen. Den Menschen selbst hat man aus der Welt heraus begriffen, das ist der Grundcharakter der alten Weisheit. Wie sich draußen in der Natur das Geistige und auch geistige Wesenheiten in den verschiedenen Stufen durch die verschiedenen Elemente offenbarten, das konnte in einer Weise durch atavistisches Hellsehen eingesehen werden, wie das heute den Menschen nicht mehr möglich ist. In der großen, umfassenden Natur hat man erkannt erstens das Planetarische, das Sternenleben, dann das elementarische Leben durch die Elemente, durch Salz, Merkur, Schwefel; und dann konnte man sich fragen: Wie nimmt sich das im Menschen aus? Man ging von der Welt aus zum Menschen hin.
[ 23 ] You see, the very essence of this spiritual science, as it is meant here, is different from that from which the earlier revelations originated. I have often pointed this out: today it is very common to find that people who wish to learn about the mysteries of existence turn to old tomes containing the ancient, atavistic teachings of clairvoyance. How blissful some people feel today when they find books that, without being imbued with modern scientific consciousness, are supposed to enlighten them about what we cannot know now, but what the ancients knew—those who speak of salt, mercury, and sulfur and similar things. Of course, the things written in these books are venerable and sublime. But the world is in a state of evolution, and what was good for earlier epochs is not good for our time. Earlier epochs were able, in their own way, to take possession of what is clothed in these words: salt, mercury, sulfur. The present must seek something new. Because its spirits are bringing this new thing forth for the benefit of humanity, this new thing must not be disregarded. This new must be of a completely different nature than the old was. There is a fundamental difference between the new and the old. The old developed a magnificent understanding of the world—an understanding of what lies outside of human beings. And whatever of the ancient wisdom has been handed down to spirits such as Paracelsus or Jakob Böhme was a profound understanding of the world. This understanding of the world was then applied to understanding human beings as well. Human beings themselves were understood as part of the world; this is the fundamental character of ancient wisdom. The way in which the spiritual and spiritual beings revealed themselves in the various stages through the different elements out in nature could be perceived through atavistic clairvoyance in a way that is no longer possible for people today. In the vast, all-encompassing natural world, one first recognized the planetary realm—the life of the stars—then the elemental life through the elements: salt, mercury, and sulfur; and then one could ask: How does this manifest in human beings? One proceeded from the world toward the human being.
[ 24 ] Dieser Weg ist nicht mehr derjenige, durch den der Mensch in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft zur Entwickelung kommen kann. Noch Jakob Böhme konnte sagen: Salz, Merkur, Sulfur Quecksilber, Schwefel. — Wir müssen anders sagen, denn wir müssen den umgekehrten Weg gehen, der umgekehrte Weg ist der Weg der Zukunft. Wir gehen vom Menschen aus, wir begreifen zuerst den Menschen, und vom Menschenverständnis gehen wir über zum Weltverständnis. Das ist der Weg, den ich in meiner «Geheimwissenschaft » eingeschlagen habe auf einem gewissen Gebiete, das ist der Weg, den man überhaupt in der Zukunft einschlagen muß. Wir sprechen nicht von Salz, wir sprechen von dem, was im Menschenorganismus lebt als das Rückwärtsgehende der Entwickelung im Nerven-Sinnessystem, und verstehen das Nerven-Sinnessystem als eine rückläufige Entwickelung. Der Alte hat geschaut in die Natur hinaus, was alles unter dem Elemente des Salzes bewirkt wird. Da hat er draußen angeschaut, was wir anschauen, wenn wir auf das Nerven-Sinnesleben hinschauen vom Standpunkte der geistigen Wissenschaft aus. Der Alte schaute in der Welt draußen, um zu ihrem Verständnisse zu kommen, die Welt des Merkur. Wir schauen in den Menschenorganismus hinein und finden den Rhythmus. Alles rhythmische Leben — wir haben oft darauf hingewiesen — ist dasjenige im Menschen, was draußen der Merkur ist. Wir sehen auf den Menschen, suchen Menschenverständnis und vom Menschenverständnis aus Weltverständnis.
[ 24 ] This path is no longer the one through which humanity can achieve development in the present and in the near future. Jakob Böhme could still say: Salt, Mercury, Sulfur. — We must put it differently, for we must take the opposite path; the opposite path is the path of the future. We start with the human being; we first understand the human being, and from an understanding of the human being we move on to an understanding of the world. This is the path I have taken in my *Secret Science* in a certain field; this is the path that must be taken in the future. We are not speaking of salt; we are speaking of what lives within the human organism as the regressive aspect of development in the nervous-sensory system, and we understand the nervous-sensory system as a regressive development. The ancients looked out into nature to see what is brought about by the element of salt. There, they observed what we observe when we look at the nervous-sensory life from the standpoint of spiritual science. The ancients looked into the world outside to gain an understanding of it—the world of Mercury. We look into the human organism and find the rhythm. All rhythmic life—as we have often pointed out—is that which in the human being corresponds to Mercury in the external world. We look at the human being, seek to understand humanity, and, from that understanding of humanity, seek to understand the world.
[ 25 ] Das ist die große Offenbarung, nach der wir zu leben haben mit Bezug auf die Auffassung alles Geistigen. Aus der alten Offenbarung, die vom Weltverständnis zum Menschenverständnis gegangen ist, gingen alle alten Religionen und Überlieferungen hervor, die sich noch erhalten haben in den antiquierten Weltanschauungen. Sie werden der Menschheit nichts anderes fruchten können, als daß sie geschichtlich betrachtet werden und das Alte in ehrwürdiger Art empfinden lassen können. Auch die Religionsbekenntnisse gehen letzten Endes aus diesem hervor. Heute steht man im Anfange mit dem andern, mit dem Menschenverständnis, das sich zum Weltverständnis erweitern muß.
[ 25 ] This is the great revelation by which we must live with regard to our understanding of all that is spiritual. From the old revelation—which moved from an understanding of the world to an understanding of humanity—arose all the ancient religions and traditions that have been preserved in antiquated worldviews. They can offer humanity nothing more than to be viewed historically and to allow people to regard the old in a reverent manner. Ultimately, religious creeds, too, stem from this. Today we are at the beginning of the other path—the understanding of humanity, which must expand into an understanding of the world.
[ 26 ] Das muß der neue Weg sein, meine lieben Freunde, und das ist mit vielem verbunden. Und wie es mit vielem verbunden ist, Sie sehen es zum Beispiel an der Art und Weise, wie hier dieser Bau versucht worden ist. Sie wissen, ich habe mit besonderer Schärfe da und dort darauf hingewiesen, wie es eine Verleumdung ist — wenn auch vielleicht von vielen nicht eine subjektive Verleumdung, obwohl diejenigen, die nichts von unserem Bau verstehen, eigentlich nicht darüber reden sollten —, wie es eine objektive Verleumdung ist, wenn gesagt wird, dieser Bau stelle das oder jenes «symbolisch» dar. Man suche nach irgendeinem einzigen Symbolum in diesem Bau — man wird keines finden. Nirgends ist ein Symbolum! Aus der unmittelbaren geistigen Welt heraus ist zu schaffen versucht worden, nicht Symbolisches, sondern die geistige Wirklichkeit, soweit sie eben bis heute sich offenbaren kann. Symbolisch ist das, wodurch man früher zu der Menschheit gesprochen hat. Darin besteht gerade der Fortschritt in der Entwickelung der Menschheit, daß die Anschauung durch die Symbole, die auf die Instinkte wirkten, heraufgeholt wird in das volle Bewußtsein, wo die Wirklichkeit, die geistige Wirklichkeit angeschaut wird.
[ 26 ] This must be the new path, my dear friends, and it involves many things. And you can see just how many things it involves, for example, in the way this building project has been approached here. You know that I have pointed out here and there with particular emphasis how it is slander—even if perhaps not a subjective slander in the eyes of many, although those who understand nothing about our building should really not speak about it—how it is objective slander when it is said that this building represents this or that “symbolically.” Let one search for a single symbol in this building—one will find none. There is no symbol anywhere! An attempt has been made to create, out of the immediate spiritual world, not something symbolic, but spiritual reality, to the extent that it can reveal itself today. What is symbolic is the means by which humanity was addressed in the past. The very progress in human development consists in raising perception—which was once mediated through symbols that acted upon the instincts—into full consciousness, where reality, spiritual reality, is beheld.
[ 27 ] Diese Anschauung der Geisteswirklichkeit erfordert eine gewisse Aktivität der Geister. Die Anschauung der Symbole ließ die Leute gewissermaßen einschlafen. Ich habe Ihnen neulich angeführt, wie es heute zum Beispiel Freimaurer gibt, welche sagen, sie seien sehr froh, daß ihnen ihre Symbole nicht erklärt werden; da könne sich jeder denken, was er will, was die meisten dann dahin auslegen, daß sie sich gar nichts dabei denken, sondern die Symbole unbewußt auf sich wirken lassen. Das ist dasjenige, was aus alten Zeiten geblieben ist, was sich metamorphosieren muß in das Neue. Die Symbolik, sie spielt, wie Sie wissen, keine durchgreifende, wesentliche Rolle in dem, was hier anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft genannt wird. Dadurch muß ja auch in einer gewissen Weise hier neu gesprochen werden. Und wenn auf Symbole hingedeutet worden ist im Laufe der Zeit, so wurden diese Symbole gewissermaßen als Lehnsymbole gebraucht, um das oder jenes zu exemplifizieren, oder um die Übereinstimmung nachzuweisen zwischen dem, was neu gefunden wird, was der neuen Menschheit dienen kann, und dem, was antiquiert von alters her vorhanden ist.
[ 27 ] This view of spiritual reality requires a certain degree of activity on the part of the spirits. The contemplation of symbols, so to speak, lulled people to sleep. I recently mentioned to you how, for example, there are Freemasons today who say they are very glad that their symbols are not explained to them; so that everyone can think what they will—which most people then interpret to mean that they do not think about it at all, but rather allow the symbols to affect them unconsciously. This is what has remained from ancient times, what must be transformed into something new. Symbolism, as you know, does not play a decisive, essential role in what is called anthroposophically oriented spiritual science here. Consequently, we must, in a certain sense, speak in new terms here. And when symbols have been alluded to over time, these symbols were, so to speak, used as borrowed symbols to illustrate this or that, or to demonstrate the correspondence between what is newly discovered—what can serve the new humanity—and what has existed since ancient times but is now antiquated.
[ 28 ] Nun ist es aber in der Menschennatur gewissermaßen begründet und das, was ich jetzt sage, wird uns morgen wiederum zurückführen zur Betrachtung des sozialen Lebens —, daß man sich immer zuerst sträubt gegen das, was als ein wirklich Neues auftritt; und am meisten sträuben sich diejenigen, die sich gewissermaßen als die Bewahrer und Behüter des Alten betrachten. Damit hängt es zusammen, daß diese neue, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gerade unter denjenigen prädestinierte Gegnerschaften hat, die sich als die Bewahrer des Alten betrachten. Das kann aber diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht davon abhalten, ihren Weg zu gehen, der eben der notwendige und selbstverständliche Weg der neueren Menschheit ist.
[ 28 ] Now, however, it is, in a sense, inherent in human nature—and what I am about to say will lead us back tomorrow to a consideration of social life—that people always resist at first what appears to be truly new; and those who resist the most are those who, in a sense, regard themselves as the guardians and preservers of the old. This is why this new, anthroposophically oriented spiritual science faces predestined opposition precisely from those who regard themselves as the guardians of the old. But this cannot prevent this anthroposophically oriented spiritual science from following its own path, which is precisely the necessary and natural path of modern humanity.
[ 29 ] Es gibt eine gewisse Anzahl unter Ihnen, die wissen, daß auch in unseren Kreisen für diejenigen, die es haben suchen können, wahrhaftig nicht zurückgehalten worden ist mit der Darlegung des aus alten Zeiten gebliebenen symbolischen und Ritualwesens, aber immer in einem anderen Geiste, als sonst die Dinge gepflegt werden, wo man auf Symbole und Ritual den größten Wert legt im antiquierten Sinne. Um die Kontinuität der Menschheitsentwickelung aufrechtzuerhalten, dazu ist heute noch notwendig, an Ritual und Symbolik gewissermaßen anzuknüpfen. Aber niemals ist in unseren Kreisen Ritual und Symbolik hingestellt worden als etwas anderes, als was nun zur geistigen Wirklichkeit, zur unmittelbaren Eingliederung der geistigen Wirklichkeit in Gegenwartswerte führen soll. Daher gerade innerhalb anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft die Erklärung für manches, eigentlich für alles Rituelle, Symbolische aus der Vergangenheit. Man kann daran zeigen, wie auf anderen Wegen eine heute antiquierte Weisheit von der Menschheit empfangen worden ist, die die Menschen gewissermaßen in einen unfreien Zustand gebracht hat, wie aber heute andere Weisheitswege eingeschlagen werden müssen. Diese anderen Weisheitswege sind vielen Menschen unbequem, am unbequemsten denjenigen, die gerade nur das Alte bewahren möchten, die die Menschheit einlullen möchten innerhalb der alten Weisheitsgüter. Es nützt nichts, dem Menschen, der vierzig Jahre alt geworden ist, zu sagen: Du kannst verständig werden, kannst wiederum lernfähig werden, aber dazu mußt du zwanzig Jahre alt werden. Gewiß, wenn er zwanzig Jahre alt würde, würde er lernfähig sein. Aber das geht nicht. Man kann die Menschheit nicht zurückschrauben. Man kann der Menschheit nicht empfehlen, etwas zu tun, was für alte Erdenepochen das Angemessene war. Und dennoch, dasjenige, was für alte Zeiten das Angemessene war, das wollen viele Bekenntnisanhänger oder Anhänger sonstiger Gemeinschaften gerade heute verbreiten. Und in dem Entgegenstellen des Alten dem gegenüber, was eigentlich unter die Menschheit will und was allein zum Heile der Menschheit dienen kann, in dem liegt vieles, was zu katastrophalen Prozessen in unserer Zeit führt.
[ 29 ] There are a number of you who know that even within our circles, for those who have sought it, nothing has truly been withheld regarding the exposition of the symbolic and ritual traditions handed down from ancient times—though always in a spirit different from that in which such matters are usually practiced, where the greatest value is placed on symbols and rituals in an antiquated sense. In order to maintain the continuity of human development, it is still necessary today to build upon ritual and symbolism, so to speak. But in our circles, ritual and symbolism have never been presented as anything other than what is intended to lead to spiritual reality—to the direct integration of spiritual reality into contemporary values. This is precisely why, within anthroposophically oriented spiritual science, we find the explanation for much—indeed, for all—that is ritual and symbolic from the past. It demonstrates how, through other paths, a wisdom now considered antiquated was received by humanity—a wisdom that, in a sense, led people into a state of bondage—and how, today, other paths of wisdom must be taken. These other paths of wisdom are uncomfortable for many people—most of all for those who wish only to preserve the old, who wish to lull humanity into complacency within the old treasures of wisdom. It is of no use to tell a person who has reached the age of forty: “You can become discerning; you can once again become capable of learning—but to do so, you must become twenty years old.” Certainly, if he were to become twenty years old, he would be capable of learning. But that is not possible. One cannot turn back the clock on humanity. One cannot advise humanity to do something that was appropriate for ancient epochs of Earth’s history. And yet, precisely what was appropriate for ancient times is what many adherents of religious denominations or followers of other communities wish to propagate today. And in setting the old ways against what humanity actually needs and what alone can serve humanity’s salvation, there lies much that leads to catastrophic processes in our time.
[ 30 ] Das ins Auge zu fassen ist außerordentlich wichtig. Im innersten, tiefsten Sinne ein Mensch sein können, der sich mit dem verbindet, was neue Offenbarungen der Himmel von der Erdenentwickelung wollen, das ist es, worauf es heute ankommt. Und ohne daß auch die äußeren, exoterischen Fragen der Menschheit Schiffbruch leiden müßten, muß man einfach heute eine solche Geisteswissenschaft haben, die genügend starke, eingreifende Begriffe hat, um dasjenige, was über die ganze Erde hin — allerdings in so differenzierter Weise, wie ich es Ihnen dargestellt habe — die Menschenseelen bewegt, auch im Alltag bewegt. Es geht in der Zukunft nicht mehr, daß man auf der einen Seite im Alltag lebt, den Alltag als das armselige profane Leben auffaßt, sich nachher zurückzieht in die Kirche oder in den Maurertempel und diese zwei Welten ganz getrennte sein läßt, so daß die Kirche oder der Maurertempel gar keine Ahnung hat, wie das äußere soziale Leben geordnet werden soll, und wiederum das soziale Leben seine eigenen Wege geht, ohne das, was gewissermaßen im Innern gewollt wird und was zum Unterbewußten der Menschen durch Ritual und Symbole spricht. Zum Bewußtsein der Menschen wird in Zukunft gesprochen werden müssen. Das ist wichtiger als alle Sympathien und Antipathien mit Altem oder Neuem; denn aus Einsichten heraus muß dasjenige geschehen, was zu geschehen hat; nicht aus Sympathien und Antipathien heraus darf es kommen.
[ 30 ] It is of the utmost importance to take this into account. To be, in the innermost and deepest sense, a human being who connects with what the new revelations from the heavens intend for the development of the Earth—that is what matters today. And without the external, exoteric questions of humanity having to suffer shipwreck, we simply must have a spiritual science today that possesses sufficiently strong, penetrating concepts to address what moves human souls across the entire Earth—albeit in as differentiated a way as I have described to you—even in everyday life. In the future, it will no longer be possible to live one’s daily life on the one hand, viewing it as a meager, mundane existence, and then retreating afterward into the church or the Masonic temple, allowing these two worlds to remain completely separate—so that the church or the Masonic temple has no idea how external social life should be organized, and, in turn, social life goes its own way, without regard for what is, so to speak, willed from within and what speaks to people’s subconscious through ritual and symbols. In the future, it will be necessary to address people’s consciousness. This is more important than any sympathies or antipathies toward the old or the new; for what must happen must arise from insights, not from sympathies or antipathies.
[ 31 ] Sie sehen, der Nerv im Erfassen der geistigen Welt besteht darinnen, daß alle Dinge, die von alten Zeiten heraufkommen, verinnerlicht werden, daß das Äußere innerlich wird. Denn dadurch wird es als ein ebenso Heiliges, als es früher war, heraufgeholt in das menschliche Bewußtsein. Diese Tendenz muß Platz greifen innerhalb der neueren Menschheitsentwickelung. Diese Tendenz allein ist Christentum des zwanzigsten Jahrhunderts. Gegen diese Tendenz, gegen die Intentionen, die hiermit angedeutet sind, wendet sich naturgemäß alles, was das Alte bewahren will. Es hängt mit gewissen Denk- und Empfindungsgewohnheiten ein großer Teil der Menschheit an dem Alten. Dieses Alte ist den Menschen aus dem Grunde bequemer, weil es nicht die Anforderungen des Verstehens stellt. Das ist es ja, was die Geisteswissenschaft den Menschen so unbequem macht. Sie sollen diese Geisteswissenschaft verstehen. Und man kann sie verstehen, wenn man sich nur des gesunden Menschenverstandes wirklich in umfassendem Sinne bedient. Man kann sie verstehen, aber man möchte gerne nicht verstehen! Man strebt auf vielen Punkten heute nicht nach Verständnis, sondern nach Nichtverständnis. Daher wird es noch lange so sein, daß Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, Gegnerschaften über Gegnerschaften erhält. Manche dieser Gegnerschaften sind durchaus gutwillig; aber solche gutwilligen Gegnerschaften können auch in das Gegenteil des Gutwilligen umschlagen. Insbesondere werden — worauf ich ja schon öfter aufmerksam gemacht habe — als Gegner dieser Geisteswissenschaft, die frei und unbefangen in den modernen Vorstellungsarten zu den Menschen von den höchsten geistigen Dingen sprechen will, immer wieder die Anhänger derjenigen Richtungen auftreten, die zu alten Kirchenbekenntnissen, zu alten irgendwie gearteten maurerischen oder ähnlichen Gemeinschaften sich neigen. Das sind gewissermaßen die natürlichen Gegner. Man kann die Gegnerschaft voll verstehen! Auch auf diesem Gebiete ist Verständnis selbstverständlich für die Geisteswissenschaft das Angemessene, auch da nicht das unklare, dumpfe Nichtverstehen. In dem alten Sinne gesellschaft-bildend — man braucht sich darüber gar nicht zu wundern — braucht ja diese moderne anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gar nicht aufzutreten; denn sie braucht nicht die Wege zu gehen, die in alten Geheimgesellschaften gegangen sind oder heute noch gegangen werden. Diese alten Wege will ja gerade die moderne Menschheit aus sich ausscheiden. Heute redet man bei den äußeren, exoterischen Gebieten von der Ausscheidung der Geheimdiplomatie. Ich glaube, mit Recht, mit vollem Rechte! Wer auf diesem Gebiete Geschichte studiert hat, der weiß, daß diese Geheimdiplomatie nichts anderes ist als der letzte Ausläufer der alten Geheimgesellschafts-Anschauungsweise.
[ 31 ] You see, the crux of grasping the spiritual world lies in the fact that all things that come down from ancient times are internalized, that the external becomes internal. For in this way it is brought up into human consciousness as something just as sacred as it was in the past. This tendency must take hold within the recent development of humanity. This tendency alone is the Christianity of the twentieth century. Naturally, everything that seeks to preserve the old opposes this tendency and the intentions implied by it. A large part of humanity clings to the old out of certain habits of thought and feeling. This old way is more comfortable for people simply because it does not demand understanding. That is precisely what makes spiritual science so uncomfortable for people. They are expected to understand this spiritual science. And one can understand it, provided one truly makes use of common sense in the broadest sense. One can understand it, but one would rather not understand it! In many respects today, people strive not for understanding but for a lack of understanding. Therefore, it will remain the case for a long time to come that spiritual science, as understood here, will face opposition upon opposition. Some of this opposition is entirely well-intentioned; but such well-intentioned opposition can also turn into the opposite of goodwill. In particular—as I have already pointed out on several occasions—the opponents of this spiritual science, which seeks to speak to people freely and impartially about the highest spiritual matters within the framework of modern ways of thinking, will time and again be the adherents of those movements that lean toward old church creeds or toward old Masonic or similar communities of whatever kind. These are, so to speak, the natural opponents. One can fully understand this opposition! In this realm, too, understanding is naturally the appropriate response for spiritual science—not vague, obtuse incomprehension. In the old sense of shaping society—and this should come as no surprise at all—this modern, anthroposophically oriented spiritual science does not need to make an appearance at all; for it does not need to follow the paths that were taken in ancient secret societies or are still being taken today. It is precisely these ancient paths that modern humanity wishes to cast aside. Today, in the outer, exoteric spheres, people speak of the elimination of secret diplomacy. I believe this is right, entirely justified! Anyone who has studied history in this field knows that this secret diplomacy is nothing other than the last remnant of the old secret-society worldview.
[ 32 ] Manches andere muß noch überwunden werden von dem, was von vielen Leuten als eine Grundforderung gestellt wird. Merkwürdig, man kann viel Unverständnis auf diesem Gebiete erleben. Sie wissen ja alle: ich habe eine «Geheimwissenschaft» geschrieben. Ein Herr, den ich Ihnen schon öfter genannt habe, schickte mir ein Manuskript über diese «Geheimwissenschaft», das ungefähr so anfing: Eine Geheimwissenschaft kann es eigentlich nicht geben, denn eine Wissenschaft muß öffentlich sein, und deshalb wäre das schon ein Mißbrauch des Wortes, wenn man von Geheimwissenschaft spreche. — Nun, das ist natürlich ein völliger Unsinn. Denn ich habe das Buch nicht betitelt «Geheime Wissenschaft», das würde entsprechen dem Worte «Natürliche Wissenschaft». Wie es natürlich eine «Natürliche Wissenschaft» nicht gibt, sondern nur eine erarbeitete Wissenschaft wie zum Beispiel die «Naturwissenschaft», so gibt es selbstverständlich auch eine öffentliche «Geheimwissenschaft», nämlich eine Wissenschaft von dem, was man intim, geheim nennen kann. Es ist also bloß eine unsinnige Art, das Wort so aufzufassen. Außerdem braucht man nicht etwa zu glauben, daß mit der «Öffentlichkeit » schon alles gegeben ist. Manches wird noch lange esoterisch bleiben, was auch exoterisch ausgesprochen wird. Denn viele exoterische Bücher, die überall zu kaufen sind, sind für viele Menschen — ich will aus Höflichkeit nicht sagen: für die meisten Menschen — recht esoterische Bücher. Manche Reclam-Büchelchen, die man für ein paar Centimes kaufen kann, sind für viele Menschen der Inhalt von etwas außerordentlich Esotetischem. Also darauf kommt es nicht an, sondern es kommt auf die Art der Verbindung an, die die Menschenseele mit den Dingen eingehen will. Dies nur, ich möchte sagen, in Parenthese; denn das, worauf es mir ankommt, ist eben, darauf aufmerksam zu machen, daß das alte, antiquierte Geheimmotiv durch anderes ersetzt werden muß.
[ 32 ] There are still many other obstacles to overcome regarding what many people regard as a fundamental requirement. It is strange how much lack of understanding one encounters in this area. As you all know, I have written a book titled *A “Secret Science.”* A gentleman whom I have mentioned to you on several occasions sent me a manuscript about this “Secret Science,” which began something like this: There can’t really be such a thing as a secret science, because a science must be public, and therefore it would be a misuse of the term to speak of a secret science. — Well, that is, of course, complete nonsense. For I did not title the book “Secret Science”; that would correspond to the term “Natural Science.” Just as there is, of course, no such thing as “Natural Science”—but only a developed science such as “natural science”—so, naturally, there is also a public “Secret Science,” namely, a science of what one might call intimate or secret. So it is simply a nonsensical way of interpreting the word. Furthermore, one need not believe that everything is already revealed to the “public.” Much of what is expressed exoterically will remain esoteric for a long time to come. For many exoteric books, which are available everywhere, are—for many people—quite esoteric books; out of politeness, I will not say “for most people.” Some of the little Reclam booklets that can be bought for a few centimes contain material that is extraordinarily esoteric to many people. So that is not what matters; what matters is the kind of connection the human soul seeks to establish with things. I mention this, I should say, only as an aside; for what matters to me is precisely to draw attention to the fact that the old, antiquated motif of secrecy must be replaced by something else.
[ 33 ] Es wird aber auch das Leben der Geisteswissenschaft innerhalb der Menschheit ein anderes sein als dasjenige, das vielfach gepflogen worden ist durch irgendwelche geheimen Verbindungen. Diese geheimen Verbindungen, denen man ja heute selbstverständlich auf den Grund ihrer Seele schauen kann, die durchaus nicht geheim sind für denjenigen, der sich darum kümmert, bewahren in einer eben unrechtmäßigen Weise das Prinzip des Geheimnisses, bewahren es auch gewissermaßen in ihren Usancen und in ihrem Verhalten. Das ist etwas, was schon noch wichtiger ist als manches andere. Sie alle wissen ja, daß es geheime Gesellschaften dieser oder jener Art gibt, Gesellschaften, die aus den Bekenntnissen aufsteigen, Gesellschaften, die sonst vorhanden sind, welche in ganz besonderer Art die Menschen anleiten, den Verkehr von Mensch zu Mensch zu gestalten, dies oder jenes auf geheimnisvolle Art in das menschliche Leben hineinzutragen. Es ist ganz natürlich, daß sich im Laufe der Zeit verschiedenste Nuancen solcher Geheimgesellschaften gebildet haben, die einander oftmals bis aufs Messer bekämpfen, die auch gewiß zuweilen Dinge haben, die mit Recht bekämpft werden können. Was aber innerhalb einer Menschengemeinschaft lebt, die sich zur anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft bekennt, das braucht nicht in derselben Weise verteidigt zu werden, wie manchmal die Dinge verteidigt werden müssen, die Geheimgesellschaften mit geheimen Usancen angehören. Es gibt gar keine Notwendigkeit, das, was innerhalb der anthroposophisch orientierten Geistesbewegung auftritt, durch besondere Künste oder mit besonderen Mitteln zu verteidigen. Ich kann Ihnen das einfachste Mittel sagen, wodurch jede Verteidigung dessen, was anthroposophisch orientierte Geistesbewegung ist, gepflegt werden kann. Es braucht niemand zur Verteidigung dessen, was jemals auf dem Boden anthroposophisch orientierter Geistesbewegung getan worden ist, etwas anderes zu tun, als die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen! Wer über die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft die Wahrheit sagt — und dazu ist jeder Mensch verpflichtet, die Wahrheit zu sagen —, der verteidigt sie; das weiß ich, das kann behauptet werden. Und eine andere Verteidigung ist überhaupt für anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht notwendig, weil es jedes Menschen Pflicht ist, das Unwahre zurückzuweisen.
[ 33 ] However, the life of spiritual science within humanity will also be different from that which has often been practiced through various secret societies. These secret societies—into whose very soul one can, of course, look today, and which are by no means secret to those who take an interest in them—preserve the principle of secrecy in an unlawful manner, preserving it, so to speak, in their customs and behavior. This is something that is even more important than many other things. You all know, of course, that there are secret societies of one kind or another—societies that arise from religious convictions, societies that exist for other reasons, which guide people in a very special way to shape their interactions with one another and to introduce this or that into human life in a mysterious manner. It is quite natural that, over the course of time, the most diverse nuances of such secret societies have emerged—societies that often fight each other tooth and nail, and which certainly sometimes have aspects that can rightly be opposed. But what lives within a human community that professes an anthroposophically oriented spiritual science does not need to be defended in the same way that things belonging to secret societies with secret customs sometimes must be defended. There is absolutely no need to defend what occurs within the anthroposophically oriented spiritual movement through special arts or by special means. I can tell you the simplest means by which any defense of what the anthroposophically oriented spiritual movement is can be maintained. To defend what has ever been done on the basis of the anthroposophically oriented spiritual movement, no one needs to do anything other than tell the truth and not lie! Whoever speaks the truth about the anthroposophically oriented spiritual science—and every person is obligated to speak the truth—defends it; I know this, and it can be asserted. And no other defense is necessary at all for the anthroposophically oriented spiritual science, because it is every person’s duty to reject falsehood.
[ 34 ] Damit mache ich aber auf ein sehr Wichtiges aufmerksam, was mit dem Prinzip von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft zusammenhängt. Anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geht keine Schleichwege, sondern redet in derselben Weise zu den Menschen, wie Wissenschaft in der Gegenwart zu den Menschen redet. Sie sagt nur innerhalb dieser wissenschaftlichen Gepflogenheiten dasjenige, was, wenn ich das Wort gebrauchen darf, die Himmel von jetzt ab der Menschheit offenbaren. Dies ist aber etwas, was eingesehen werden muß. Dies ist etwas, was die Geisteswissenschaft als solche, und nicht das Gesellschaftsleben als solches in den Vordergrund stellt, was das Sachliche in den Vordergrund stellt, und das Gesellschaftliche nur zum Träger macht.
[ 34 ] In doing so, however, I am drawing attention to something very important that relates to the principle of anthroposophically oriented spiritual science. Anthroposophically oriented spiritual science does not take any shortcuts, but speaks to people in the same way that science speaks to people today. It simply states, within these scientific conventions, that which—if I may use the term—reveals the heavens to humanity from this point forward. But this is something that must be understood. This is something that spiritual science as such—and not social life as such—brings to the fore; it brings the objective to the fore and makes the social merely a vehicle.
[ 35 ] Ich sagte vor etwa acht Tagen hier, daß es notwendig sei, zwischen dem, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist, und anderem zu unterscheiden. Dieser Unterscheidung aber muß man sich bewußt sein, sonst fehlt man gegen ein Wichtigstes in der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung, gegen das man nicht fehlen darf, wenn man sich in ehrlicher Art hinwenden will zu den notwendigsten Impulsen, die heilend wirken können in unserer katastrophalen Gegenwart und Zukunft.
[ 35 ] About eight days ago, I said here that it is necessary to distinguish between what is anthroposophically oriented spiritual science and other approaches. However, one must be aware of this distinction; otherwise, one overlooks one of the most important aspects of humanity’s current development—an aspect that must not be overlooked if one wishes to turn, in an honest manner, toward the most essential impulses that can have a healing effect on our catastrophic present and future.
[ 36 ] Dieser Hoffnung möchte man sich hingeben, daß wirklich eine neue Art des Urteilens gefunden würde, ein neues Unterscheidungsvermögen für das, was genötigt ist, sich als ein Neues in die Menschheitsentwickelung hineinzustellen, so daß nicht dasjenige, was antiquiert ist, zusammengestellt wird mit dem, was sich bemüht, aus den Grundforderungen der Erdenentwickelung selbst in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft diejenigen Dinge vorzubringen, die vorgebracht werden sollen, damit das, was unter dem Einfluß der alten Dinge entstanden ist, durch Neues ersetzt werden könne unter dem Einfluß von neuen Impulsen.
[ 36 ] One would like to hold onto the hope that a truly new way of judging might be found—a new capacity for discernment regarding what is required to take its place as something new in the development of humanity, so that what is antiquated is not conflated with that which strives—based on the fundamental demands of Earth’s development itself, both in the present and in the near future—to bring forth those things that ought to be brought forth, so that what arose under the influence of the old may be replaced by the new under the influence of fresh impulses.
[ 37 ] Nehmen Sie nur eines: Das alte Christentum hat nahezu zweitausend Jahre Zeit gehabt, sich zu entwickeln. In den ersten Jahrhunderten war es anders, als es heute ist; das weiß jeder, der das Christentum studiert. Dasjenige, was heute Christentum sein soll, muß wieder anders werden. Wer aber die letzten viereinhalb Jahre studiert, der kann an dieser Exempelprobe auch gewahrwerden, wie sich dieser alte Ausläufer, nicht des Christentums, aber einer gewissen christlichen Auffassung, gegenüber der katastrophalen Gegenwart bewährt, beziehungsweise nicht bewährt hat. Gewiß, wenn man in Abstraktionen und Allgemeinheiten bleibt, dann kann man alles sagen. Denn das ist das Wesentliche solcher Weltanschauungen, die abstrakt sind, daß sie alles, alles in ihre abstrakten Formeln kleiden können. Kommt man zu solchen Begriffen und Ideen, wie ich sie Ihnen neulich dargelegt habe als die grundsoziale Idee der Zukunft, die dreigliedrige Idee, so ist diese Idee, wie ich Ihnen letzten Sonntag gezeigt habe, der Wirklichkeit selber angemessen und breitet sich aus in ihrer Konfigurierbarkeit über die Wirklichkeit. Mit dieser Idee kann man eben nur die Wirklichkeit umfassen, und sie ist geeignet für die Wirklichkeit. Mit einer abstrakten Idee kann man alles umfassen. Gegenüber einer wirklichen Idee kann man so reden, wie ich es getan habe gegenüber verschiedenen Leuten, zu denen ich gesprochen habe. Ich habe darüber gesprochen, ich habe sie ausgeführt, diese dreigliedrige Idee, aber nicht so wie einer, der überzeugt ist von einer Dogmatik, und der da sagt: Das mußt du annehmen — oder es ist alles schlimm! — Darum handelt es sich nicht bei Wirklichkeitsideen. Ich habe deshalb zu den Leuten anders gesprochen. Ich sagte: Diese Ideen, an die braucht man nicht zu glauben wie an Dogmen, sondern man fange irgendwo an in der Wirklichkeit, und man wird sehen, wenn man sie einführt in die Wirklichkeit, daß sich die Wirklichkeit damit bearbeiten läßt; vielleicht, wenn man fertig ist oder wenn man nur in einem sehr kleinen Teil die Wirklichkeit bearbeitet hat, dann kommt es ganz anders. — Ich würde mich gar nicht wundern, wenn die Wirklichkeit, sobald die Idee durchgeführt würde, gerade in der Ausführung keinen Stein auf dem andern ließe von dem, was ursprünglich angeführt wurde. Wenn man nicht dogmatisch vorgeht, hält man an seinen Programmen nicht so fest wie Programmenschen, die für Gesellschaften Programme und Statuten ausarbeiten, sondern man gibt eben, was sich in der Wirklichkeit selber ausgestalten will; dann ist es in der Wirklichkeit anwendbar. Und man fange an! Vielleicht werden dann Ideen herauskommen, die ganz anders sind als diejenigen, die gerade dargestellt worden sind. Das Wirklichkeitsgemäße besteht gerade darin, daß es mit dem Leben sich ändert, und das Leben ändert sich fortwährend. Es handelt sich gar nicht darum, schöne Ideen, sondern wirklichkeitsgemäße Ideen zu haben. Die spricht man nicht abstrakt aus, sondern die versucht man so auszusprechen, daß sie lebendig sind, in die Wirklichkeit sich einfügen. Daher sind sie natürlich von Abstraktlingen furchtbar leicht angreifbar. Das ist aber das Neue an der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, daß man nicht nur Neues in ihr denkt, sondern daß man auf neue Art denkt. Und darum können so viele Menschen nicht heran an dieses Denken in neuer Art. Auf dieses Denken in neuer Art aber kommt es an, auf dieses Denken, von dem man sagen kann, daß der Gedanke untertaucht in die Wirklichkeit und man mit der Wirklichkeit lebt. Mit der Abstraktion können Sie alles beweisen. Mit einer Abstraktion, sei es selbst die eines Gottes, da können Sie sagen als ein braver, monarchistischer Untertan: Der König ist von Gottes Gnaden eingesetzt. — Die heutige Zeit kann ihm die Lehre geben: Er ist nun auch wieder von Gottes Gnaden abgesetzt! Man kann, wenn man Abstraktionen hat, das Schwarze und das Weiße unter diese Abstraktionen bringen. Mit Abstraktionen kann man sagen, daß der Gott die Heere anführt des einen und des andern. Darauf eben kommt es an bei jenem Streben nach wahrer Wirklichkeit, das gerade der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft zugrundeliegt, daß solches abstrakte Leben, respektive solches abstrakte Reden, das ruinös ist für die Wirklichkeit, ersetzt wird durch wirklichkeitsgemäßes Denken, durch ein Reden, das liebevoll untertaucht in die Wirklichkeit und aus der Wirklichkeit selber heraus redet. Das Denken, das nicht nur etwas anderes denkt, sondern das anders denkt, als man bisher gedacht hat, das strebt nach dem Ideal: «Nicht ich, sondern der Christus in mir» — nach dem paulinischen Worte. Denn dieser Christus suchte nach dem Zusammenklang des äußeren Menschlichen mit dem inneren Menschlichen.
[ 37 ] Take just one example: Early Christianity had nearly two thousand years to develop. In the first centuries, it was different from what it is today; anyone who studies Christianity knows that. What is supposed to be Christianity today must change once again. But anyone who has studied the last four and a half years can see from this example how this old offshoot—not of Christianity, but of a certain Christian conception—has, or rather has not, stood the test in the face of the catastrophic present. Certainly, if one remains within abstractions and generalities, then one can say anything. For that is the essence of such worldviews—which are abstract—that they can clothe everything, absolutely everything, in their abstract formulas. When one comes to such concepts and ideas as I recently presented to you—the fundamental social idea of the future, the threefold idea—then this idea, as I showed you last Sunday, is appropriate to reality itself and, through its configurability, extends across reality. With this idea, one can indeed encompass reality, and it is suited to reality. With an abstract idea, one can encompass everything. When it comes to a real idea, one can speak as I have done when addressing various people to whom I have spoken. I have spoken about it; I have elaborated on this threefold idea, but not like someone who is convinced by a dogma and who says: “You must accept this—or everything will be terrible!” That is not what real ideas are about. That is why I spoke to people differently. I said: “You don’t need to believe in these ideas as if they were dogmas; instead, start somewhere in reality, and you will see that when you apply them to reality, reality can be shaped by them; perhaps, once you are finished—or even if you have only worked on a very small part of reality—things will turn out quite differently.” — I wouldn’t be at all surprised if, as soon as the idea were put into practice, reality—precisely in the process of implementation—would leave not one stone upon another of what was originally proposed. If one does not proceed dogmatically, one does not cling to one’s programs as tightly as “program-people” who draft programs and bylaws for societies, but rather one simply allows what reality itself wants to take shape; then it is applicable in reality. And let’s get started! Perhaps ideas will then emerge that are quite different from those that have just been presented. What is true to reality consists precisely in the fact that it changes with life, and life is constantly changing. It is not at all a matter of having beautiful ideas, but rather ideas that are true to reality. One does not express these ideas abstractly, but rather tries to express them in such a way that they are alive and fit into reality. That is why they are, of course, terribly easy for abstract thinkers to attack. But that is what is new about anthroposophically oriented spiritual science: that one not only thinks new things within it, but that one thinks in a new way. And that is why so many people cannot come to terms with this new way of thinking. But it is this new way of thinking that matters—this way of thinking in which the thought immerses itself in reality and one lives with reality. With abstraction, you can prove anything. With an abstraction—even that of a God—you can say, as a dutiful, monarchist subject: “The king is installed by the grace of God.” — The present age can teach him a lesson: He, too, has now been deposed by the grace of God! If one has abstractions, one can subsume both black and white under them. With abstractions, one can say that God leads the armies of one side and the other. This is precisely what matters in that quest for true reality which underlies anthroposophically oriented spiritual science: that such abstract living—or rather, such abstract speech—which is ruinous to reality, be replaced by thinking in accordance with reality, by speech that lovingly immerses itself in reality and speaks from reality itself. Thinking that not only thinks of something else, but thinks differently than has been thought until now, strives toward the ideal: “Not I, but Christ in me”—in the words of St. Paul. For this Christ sought the harmony between the outer human and the inner human.
[ 38 ] Das muß ein Ideal werden für das ganze menschliche Streben.
[ 38 ] This must become an ideal for all human endeavor.
