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The Social Question as a
Question of Consciousness
GA 191

1 November 1919, Dornach

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The Social Question as a Question of Consciousness, tr. SOL
  1. Lucifer and Ahriman, tr. Osmond
  2. Die soziale Frage als Bewußtseinsfrage

Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Wenn jetzt in dieser Zeit gerade von geisteswissenschaftlicher Seite her auch über soziale Fragen gesprochen wird, so beruht das ja, wie ich Ihnen übrigens von den verschiedensten Gesichtspunkten aus schon dargestellt habe, wahrhaftig nicht auf irgendeiner subjektiven Maxime, auf irgendeinem subjektiven Antriebe, sondern es beruht auf der Beobachtung der Entwickelung der Menschheit, auf der Beobachtung desjenigen, was die Entwickelungskräfte der Menschheit gerade für unsere Zeit enthalten, wozu sie uns in der Gegenwart und für die nächste Zukunft besonders auffordern.

[ 1 ] If social issues are now being discussed, particularly from the perspective of the humanities, this is because, as I have already explained to you from a wide variety of perspectives, is certainly not based on any subjective maxim or any subjective impulse, but rather on the observation of humanity’s development—on the observation of what the forces of human development hold in store specifically for our time, and what they particularly call upon us to do in the present and for the near future.

[ 2 ] Es muß schon gesagt werden, daß die tieferen Impulse desjenigen zu enthüllen, was eigentlich für die gegenwärtige Menschheitsentwickelung in Betracht kommt, eine etwas unbequeme Sache ist; denn man ist in der Gegenwart nicht allzu geneigt, auf die Dinge, auf die es ankommt, einzugehen, sie mit wirklichstem, tiefstem Ernste zu betrachten. Aber unsere Zeit erfordert gegenüber den Angelegenheiten der Menschheit einen wirklichen, gründlichen Ernst. Sie erfordert namentlich das Sich-Freimachen von ganz bestimmten Vorurteilen und namentlich von Vorempfindungen. Ich möchte Ihnen nun heute einige Gesichtspunkte angeben, die Sie in die Lage versetzen, die Dinge, über die wir oft gesprochen haben, von einem tieferen Gesichtspunkte aus zu betrachten. Da werden wir schon wieder eben den Blick richten müssen über einen etwas größeren Menschheitszusammenhang.

[ 2 ] It must be said that uncovering the deeper impulses of what is actually relevant to the present development of humanity is a somewhat uncomfortable task; for people today are not all too inclined to address the matters that really matter, to consider them with the truest, deepest seriousness. But our time demands a genuine, profound seriousness when it comes to the affairs of humanity. It requires, in particular, freeing oneself from very specific prejudices and, above all, from preconceived notions. Today I would like to present to you a few perspectives that will enable you to view the matters we have often discussed from a deeper vantage point. In doing so, we will once again have to cast our gaze over a somewhat broader human context.

[ 3 ] Wir unterscheiden ja denjenigen Zeitraum, in dem wir als in unserer kosmischen Gegenwart leben, so von den anderen Zeiträumen, daß wir ihn in der Mitte des 15. Jahrhunderts beginnen lassen, und wir nennen diesen Zeitraum, wie Sie wissen, den fünften nachatlantischen Zeitraum. Wir trennen ihn ab von demjenigen Zeitraume, der damals sein Ende gefunden hat und begonnen hat im 8. vorchristlichen Jahrhunderte, den wir den griechisch-lateinischen Zeitraum nennen, nach den Bevölkerungen, die seine Kultur getragen haben. Und dann, was voranging, das bezeichnen wir als den ägyptisch-chaldäischen Zeitraum.

[ 3 ] We distinguish the period in which we live—our cosmic present—from other periods by having it begin in the middle of the 15th century, and, as you know, we call this period the fifth post-Atlantean period. We distinguish it from the period that came to an end at that time and began in the 8th century B.C., which we call the Greco-Latin period, after the peoples who sustained its culture. And then, what preceded that, we refer to as the Egyptian-Chaldean period.

[ 4 ] Wenn man nun den ägyptisch-chaldäischen Zeitraum ins Auge faßt, ins Seelenauge selbstverständlich, dann findet man schon, daß die gewöhnliche Geschichtsbetrachtung gar sehr versagt. Man kommt, selbst wenn man die erschlossenen chaldäischen und ägyptischen Überlieferungen ins Auge faßt, mit der äußerlichen Geschichte nicht sehr weit zurück in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Aber verstehen kann man dasjenige, was für die Gegenwart bedeutsam ist, doch auch nur, wenn man gerade diesen dritten nachatlantischen Zeitraum aus seinen besonderen Eigentümlichkeiten heraus richtig versteht.

[ 4 ] If one now considers the Egyptian-Chaldean period—in the eye of the soul, of course—one soon finds that the conventional view of history falls far short. Even when one considers the documented Chaldean and Egyptian traditions, external history does not take one very far back in the developmental history of humanity. But one can understand what is significant for the present only if one correctly understands this third post-Atlantean period in terms of its specific characteristics.

[ 5 ] Nun wissen Sie ja vor allen Dingen eines. In der gewöhnlichen Geschichte wird dasjenige, was als Kultur, als Zivilisation unter den Menschen war über die damals bekannte Welt hin, als das Heidnische bezeichnet. Wie eine Oase setzt sich in diese heidnische Kultur hinein, was das Jüdisch-Hebräische ist, das als Vorbereitung des Christentums aufgefaßt werden muß. Aber wenn wir absehen von dem, was von ganz anderer Natur als die übrige damalige Kultur als Judentum sich hineinsetzt in das Vorchristliche, so können wir den Blick richten auf das über die Zivilisation hingehende Heidentum. Was ist das Eigentümliche dieser alten heidnischen Kultur? Das Eigentümliche dieser alten heidnischen Kultur ist, daß sie vorzugsweise eine Kultur der Weisheit ist, eine Kultur des Hineinschauens in die Dinge und Vorgänge der Welt. Wenn auch dasjenige, was der alte Heide wiedergab von seinem Wissen über die Welt, herausgeströmt war aus den alten Mysterien, für die heutige «gescheite» Welt einen mythischen Charakter, einen Bildcharakter hat, so muß doch gesagt werden, daß alles dasjenige, was an solchen Bildern auf die Nachwelt gekommen ist, entstammt tiefen Einblicken in das Wesen der Dinge und Vorgänge.

[ 5 ] Now, there is one thing above all else that you know. In conventional history, what existed among people as culture and civilization throughout the then-known world is referred to as “pagan.” Like an oasis, the Jewish-Hebrew tradition—which must be understood as a preparation for Christianity—is embedded within this pagan culture. But if we set aside Judaism—which is of an entirely different nature than the rest of the culture of that time—as it is embedded in the pre-Christian era, we can turn our attention to paganism as it extends beyond civilization. What is distinctive about this ancient pagan culture? What is distinctive about this ancient pagan culture is that it is primarily a culture of wisdom, a culture of looking deeply into the things and processes of the world. Even if what the ancient pagan conveyed of his knowledge of the world—which had flowed forth from the ancient mysteries—takes on a mythical character, an imagery-based character, for today’s “enlightened” world, it must nevertheless be said that everything of these images that has come down to posterity stems from deep insights into the essence of things and processes.

[ 6 ] Man braucht nur sich zu erinnern übersinnlicher Weistümer, die wir versuchten aus den verschiedenen Gebieten dieser alten Zeit für die Gegenwart bloßzulegen, und man wird schon sehen, daß man es zu tun hat mit einer Urweisheit, die den Grund alles Denkens, alles Empfindens, alles Fühlens der alten Völker bildet. Ein gewisser Nachklang dieser Urweisheit, eine Tradition, die diese Urweisheit in sich schloß, war ja für gewisse Geheimgesellschaften auch in einer gedeihlichen Form bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, auch noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts vorhanden. Im 19. Jahrhundert ist das mehr oder weniger versiegt, und dasjenige, was geblieben ist, ist in den Dienst einzelner Gruppen, namentlich einzelner Nationalitäten gestellt worden. Und es kann heute dasjenige, was in den gewöhnlichen Geheimgesellschaften vorhanden ist, nicht mehr ein ersprießliches, mit Echtheit überliefertes altes heidnisches Weisheitsgut genannt werden.

[ 6 ] One need only recall the supernatural wisdom that we have sought to uncover from the various regions of that ancient era for the present day, and one will see that we are dealing with a primordial wisdom that forms the foundation of all thought, all perception, and all feeling among the ancient peoples. A certain echo of this primordial wisdom—a tradition that embodied it—did indeed exist in a thriving form within certain secret societies until the end of the 18th century, and even into the early 19th century. In the 19th century, this more or less dried up, and what remained was placed at the service of individual groups, namely individual nationalities. And today, what exists in ordinary secret societies can no longer be called a fruitful, authentically handed-down body of ancient pagan wisdom.

[ 7 ] Dieses heidnische Weisheitsgut, es hat eine bestimmte Eigenschaft, die man nie aus dem Auge verlieren darf, wenn man verstehen will, um was es sich eigentlich handelt. Es hat eine Eigenschaft, derentwegen gerade sich hineinstellen mußte wie eine Oase in diesen Strom der alten heidnischen Weisheit die kleinere Strömung, das Judentum, das dann das Christentum vorbereitete.

[ 7 ] This body of pagan wisdom has a certain characteristic that one must never lose sight of if one wishes to understand what it is really about. It has a characteristic that necessitated the emergence—like an oasis—of the smaller current, Judaism, within this stream of ancient pagan wisdom, a current that subsequently paved the way for Christianity.

[ 8 ] Wenn man die alte heidnische Kultur richtig erkennt, so findet man überall, daß sie hehre, große Weistümer, ungeheuer tief in das Wesen der Dinge Hineinschürfendes enthält; aber diese heidnischen Weistümer, sie enthalten keinen eigentlich sittlichen Antrieb für das menschliche Handeln. Man brauchte gewissermaßen diese sittlichen Antriebe für das menschliche Handeln nicht; denn ungleich demjenigen, was heute als Wissen, als Erkenntnis unter den Menschen figuriert, war diese alte heidnische Weisheit etwas, was dem Menschen wirklich das Gefühl und die Empfindung gab, daß er drinnensteht im ganzen Kosmos. Der Mensch, der hier auf der Erde stand und herumwandelte, fühlte sich nicht nur zusammengesetzt aus den Stoffen und Kräften, die außer ihm im irdischen Leben, die im mineralischen, im tierischen, im pflanzlichen Reiche vorhanden sind. Der Mensch fühlte, wie die Kräfte in ihn hereinspielten, die in den Sternen und in den Sonnen kreisten und so weiter. Der Mensch fühlte sich als ein Glied des ganzen Kosmos und er fühlte nicht etwa nur abstrakt, wie er ein Glied des ganzen Kosmos sei, sondern er bekam Anhaltspunkte aus seinen Mysterien heraus, wie er zum Handeln, zu seinem ganzen Verhalten vorzuschreiten habe im Sinne des Sternenlaufes. Was alte Sternenweisheit war, war ja keineswegs jene rechnerische Astrologie, welche heute die Menschen für etwas Bedeutsames halten, sondern es war jene alte Sternenweisheit etwas, was von den Leitern der alten heidnischen Mysterien so gefaßt wurde, daß da von diesen Mysterien herauskommen konnten wirkliche Antriebe für das Handeln, für das Verhalten des einzelnen Menschen. Der Mensch wußte sich gewissermaßen geborgen im Kosmos, nicht nur durch eine allgemeine Weisheit, sondern was er vom Morgen bis zum Abend an einem Tag des Jahres zu tun hatte, das lasen ihm ab und gaben ihm als Direktiven diejenigen, die er anerkannte als die Initiierten in den Mysterien. Aber es war aus alldem, was da die Initiierten aus den Mysterien ablasen, für die chaldäische, für die ägyptische Weisheit nicht zu gewinnen irgendein moralischer Antrieb für die Menschheit. Der eigentlich moralische Antrieb für die Menschheit wurde erst durch das Judentum vorbereitet, dann durch das Christentum weiter ausgebildet.

[ 8 ] If one truly understands ancient pagan culture, one finds everywhere that it contains noble, profound wisdom that delves immensely deeply into the essence of things; but this pagan wisdom does not contain any actual moral impetus for human action. In a sense, these moral impulses for human action were not needed; for unlike what is regarded today as knowledge or insight among human beings, this ancient pagan wisdom was something that truly gave people the feeling and sense that they were at the very heart of the entire cosmos. The human being who stood here on Earth and walked about did not merely feel composed of the substances and forces existing outside of him in earthly life—those found in the mineral, animal, and plant kingdoms. The human being felt how the forces circulating in the stars and suns, and so on, played into him. Human beings felt themselves to be a part of the entire cosmos, and they did not merely feel in an abstract sense that they were a part of the entire cosmos; rather, they derived guidance from its mysteries as to how they should proceed in their actions and in their entire conduct in accordance with the course of the stars. What ancient stellar wisdom was, was by no means that mathematical astrology which people today consider significant; rather, this ancient stellar wisdom was something that the leaders of the ancient pagan mysteries understood in such a way that real impulses for action and for the conduct of the individual human being could emerge from these mysteries. People felt, as it were, secure within the cosmos—not merely through a general wisdom, but because what they were to do from morning to evening on any given day of the year was interpreted for them and given as directives by those whom they recognized as the initiates of the mysteries. But from all that the Initiates gleaned from the Mysteries, neither Chaldean nor Egyptian wisdom was able to derive any moral impetus for humanity. The true moral impetus for humanity was first prepared by Judaism and then further developed by Christianity.

[ 9 ] Und die Frage muß entstehen: Woher kommt es denn, daß die gloriose alte heidnische Weisheit, die zum Beispiel ja noch in dem Griechentum eine künstlerische und eine philosophische Blüte schönster Art trug, keinen moralischen Impuls in sich hatte?

[ 9 ] And the question must arise: How is it that the glorious ancient pagan wisdom—which, for example, still flourished in Greek culture in the most beautiful artistic and philosophical forms—lacked any moral impetus?

[ 10 ] Würden wir allerdings weiter zurückgehen hinter das 3. Jahrtausend der vorchristlichen Zeit, so würden wir finden, daß mit dem Weisheitsimpuls zugleich ein moralischer Impuls kommt, und daß das durchaus so ist, wie ich es hier schon auseinandergesetzt habe: daß in dem Weisheitsimpuls zugleich dasjenige enthalten war, was die alten Menschen als ihre Moral, als ihr Ethos brauchten. Aber ein besonderes Ethos, ein besonderer moralischer Impuls, wie er dann mit dem Christentum kam, war der heidnischen Weisheit als solcher nicht eigen. Warum? Aus dem Grunde, weil für die Jahrtausende, die unmittelbar dem Christentum vorangingen, diese heidnische Weisheit von einer Stelle weit in Asien drüben inspiriert war, aber inspiriert von einer sehr merkwürdigen Wesenheit, von der im 3. vorchristlichen Jahrtausend wirklich in Asien drüben, weit im Osten inkarnierten Wesenheit des Luzifer.

[ 10 ] If, however, we were to go further back, beyond the third millennium B.C., we would find that the impulse of wisdom was accompanied by a moral impulse, and that this is precisely as I have already explained here: that the impulse of wisdom simultaneously contained what the ancient people needed as their morality, as their ethos. But a specific ethos, a specific moral impulse, such as that which came with Christianity, was not inherent in pagan wisdom as such. Why? For the reason that, during the millennia immediately preceding Christianity, this pagan wisdom was inspired by a source far away in Asia, but inspired by a very peculiar being—the being of Lucifer, who was actually incarnated in the 3rd millennium B.C.E. in Asia, far to the east.

[ 11 ] Und zu dem mancherlei, das wir kennengelernt haben über die Menschheitsentwickelung, ist es notwendig, daß wir auch die Erkenntnis hinzufügen, daß es ebenso, wie es gegeben hat die Inkarnation von Golgatha, die Inkarnation des Christus in dem Menschen Jesus von Nazareth, auch gegeben hat eine wirkliche Inkarnation des Luzifer im 3. vorchristlichen Jahrtausend in Asien. Und ein großer Teil der alten Kultur ist eben inspiriert von der Seite her, die nur bezeichnet werden kann als eine irdische Inkarnation Luzifers in einem Menschen, der in Fleisch und Blut gelebt hat. Es wurde ja sogar das Christentum, das Mysterium von Golgatha, als es unter den Menschen sich abspielte, zuerst so gefaßt, wie die Menschen es fassen konnten durch dasjenige, was sie aus der alten luziferischen Weisheit bekommen "konnten. Auch die Einseitigkeit der aber sonst außerordentlich tiefsinnigen Gnosis rührt davon her, daß eben über die alte Welt diese Luziferinkarnation ging. Man versteht nicht richtig die volle Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, wenn man nicht weiß, daß ihm — nicht ganz dreitausend Jahre — vorangegangen ist eine Luziferinkarnation.

[ 11 ] And to the various things we have learned about human evolution, we must also add the realization that just as there was the incarnation at Golgotha—the incarnation of Christ in the man Jesus of Nazareth—there was also a real incarnation of Lucifer in Asia during the third millennium B.C. And a large part of ancient culture was inspired precisely by that force which can only be described as an earthly incarnation of Lucifer in a human being who lived in flesh and blood. Indeed, even Christianity—the Mystery of Golgotha—when it unfolded among human beings, was initially understood in the way people were able to understand it, based on what they “could” receive from the ancient Luciferic wisdom. The one-sidedness of Gnosticism—which is otherwise extraordinarily profound—also stems from the fact that this incarnation of Lucifer passed over the ancient world. One cannot properly understand the full significance of the Mystery of Golgotha unless one knows that it was preceded—by not quite three thousand years—by an incarnation of Lucifer.

[ 12 ] Um zu dieser Luziferinspiration dasjenige hinzuzufügen, was diese Luziferinspiration aus der Einseitigkeit herausholt, kam die ChristusInkarnation. Und damit kam dasjenige, was nun den menschheitlichen Erziehungsimpuls bildet für die Entwickelung der europäischen Zivilisation und ihres amerikanischen Anhanges. Aber seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, seit in der Menschheitsentwickelung entstanden ist der Antrieb vorzugsweise zur Individualitäts-, zur Persönlichkeitsentwickelung, liegen in dieser Entwickelung auch die Kräfte, die eine neue Inkarnation eines übersinnlichen Wesens wiederum vorbereiten. Und ebenso wie es gegeben hat eine fleischliche Inkarnation Luzifers, wie es gegeben hat eine fleischliche Inkarnation des Christus, so wird es, ehe auch nur ein Teil des dritten Jahrtausends der nachchristlichen Zeit abgelaufen sein wird, geben im Westen eine wirkliche Inkarnation Ahrimans: Ahriman im Fleische. Dieser Inkarnation Ahrimans im Fleische kann nicht etwa die Erdenmenschheit entgehen. Die wird kommen. Es handelt sich nur darum, daß die Erdenmenschheit ihre richtige Stellung finden muß zu dieser ahrimanischen Erdeninkarnation.

[ 12 ] The Incarnation of Christ came to add to this Luciferic inspiration that which rescues it from its one-sidedness. And with it came what now constitutes the educational impulse for humanity in the development of European civilization and its American offshoot. But since the middle of the 15th century—since the impulse toward the development of individuality and personality emerged in human evolution—this development has also contained the forces that are once again preparing the way for a new incarnation of a supersensible being. And just as there was a physical incarnation of Lucifer, just as there was a physical incarnation of Christ, so too, before even a part of the third millennium of the post-Christian era has elapsed, there will be in the West a real incarnation of Ahriman: Ahriman in the flesh. Humanity on Earth cannot escape this incarnation of Ahriman in the flesh. It will come. The only question is that humanity must find its proper stance toward this Ahrimanic incarnation on Earth.

[ 13 ] In alledem, was auf diese Art vorgeht, wenn sich solche Inkarnationen vorbereiten, muß hingesehen werden auf dasjenige, was nach und nach in der Menschheitsentwickelung hinführt zu solchen Inkarnationen. Solch eine Wesenheit wie Ahriman, die sich eine gewisse Zeit nach der unsrigen hier auf der Erde in der westlichen Welt inkarnieren will, bereitet ihre Inkarnation vor. Eine solche Wesenheit wie Ahriman, der auf der Erde inkarniert werden will, lenkt gewisse Kräfte in der menschlichen Entwickelung so, daß sie dieser Wesenheit zu ihrem ganz besonderen Vorteil gereichen. Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheitlichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die — ihm zum Vorteil — seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.

[ 13 ] In all that takes place in this way as such incarnations are being prepared, we must look at what, in the course of human evolution, gradually leads to such incarnations. A being such as Ahriman, who intends to incarnate here on Earth in the Western world some time after our own era, prepares for his incarnation. A being such as Ahriman, who intends to incarnate on Earth, directs certain forces in human evolution in such a way that they serve this being to his very particular advantage. And it would be a tragedy if people were to go through life in a state of slumber and fail to perceive certain phenomena occurring in human life as a preparation for the physical incarnation of Ahriman. Only by recognizing this will people find their proper place: In this or that series of events pertaining to human development, one must recognize how Ahriman is preparing for his earthly existence. And today it is time for individual people to know which of the events unfolding around them are machinations of Ahriman that—to his advantage—may be preparing the way for his imminent earthly incarnation.

[ 14 ] Am günstigsten würde es ja zweifellos für Ahriman sein, wenn er es dahin brächte, daß die weitaus größte Anzahl der Menschen keine Ahnung hätte von dem, was eigentlich zur Begünstigung seines Daseins hinführen könnte; wenn die weitaus größte Anzahl von Menschen so dahinleben würde, daß diese Vorbereitungen für die Ahrimaninkarnation abliefen, aber die Menschen sie für etwas Fortschrittliches, Gutes, der Menschheitsentwickelung Angemessenes hielten. Wenn sich gewissermaßen Ahriman in eine schlafende Menschheit hereinschleichen könnte, dann würde ihm das am allerangenehmsten sein. Deshalb müssen diejenigen Ereignisse aufgezeigt werden, in denen Ahriman arbeitet für seine künftige Inkarnation.

[ 14 ] It would undoubtedly be most advantageous for Ahriman if he could bring about a situation in which the vast majority of people had no idea of what might actually lead to the promotion of his existence; if the vast majority of people were to live their lives in such a way that these preparations for Ahriman’s incarnation were taking place, yet people regarded them as something progressive, good, and appropriate for human development. If, so to speak, Ahriman could sneak his way into a sleeping humanity, that would be most agreeable to him. That is why we must point out those events in which Ahriman is at work toward his future incarnation.

[ 15 ] Sehen Sie, eine derjenigen Entwickelungstatsachen, in denen, ich möchte sagen, deutlich zu vernehmen ist der Impuls des Ahriman, das ist die Verbreitung des Glaubens unter der Menschheit, daß man durch jene mechanisch-mathematische Erfassung des Weltenalls, welche durch den Galileismus, Kopernikanismus und so weiter gekommen ist, wirklich verstehen könne dasjenige, was da draußen im Kosmos sich abspielt. Deshalb muß ja so streng von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft betont werden, daß man Geist und Seele suchen muß im Kosmos, nicht bloß dasjenige, was der Galileismus, der Kopernikanismus suchen als Mathematik, Mechanik, wie wenn die Welt eine große Maschine wäre. Es würde eine Verführung durch Ahriman sein, wenn die Menschen stehenbleiben dabei, nur die Umlaufzeiten der Gestirne zu berechnen, nur Astrophysik zu studieren, um hinter die stofflichen Zusammensetzungen der Himmelskörper zu kommen, worauf die Menschen heute so stolz sind. Aber es würde schlimm sein, wenn nicht entgegengehalten würde diesem Galileismus, diesem Kopernikanismus dasjenige, was man wissen kann über die Durchseelung des Kosmos, über die Durchgeistigung des Kosmos. Das ist es, was Ahriman aber zugunsten seiner irdischen Inkarnation ganz besonders vermeiden möchte. Er möchte gewissermaßen die Menschen so stark in der Dumpfheit erhalten, daß sie nur das Mathematische der Astronomie begreifen. Daher verführt er viele Menschen dazu, ihre bekannte Abneigung gegen das Wissen vom Geist und der Seele des Weltenalls geltend zu machen. Aber das ist nur eine von den verführerischen Kräften, die gewissermaßen Ahriman in die Seele der Menschen hineingießt.

[ 15 ] You see, one of the facts of development in which, I would say, the impulse of Ahriman can be clearly heard is the spread among humanity of the belief that through that mechanical-mathematical understanding of the universe—which has come about through Galileanism, Copernicanism, and so on—one can truly understand what is taking place out there in the cosmos. That is why anthroposophically oriented spiritual science must so strongly emphasize that one must seek spirit and soul in the cosmos, not merely what Galileanism and Copernicanism seek—namely, mathematics and mechanics—as if the world were a great machine. It would be a seduction by Ahriman if people were to stop at merely calculating the orbital periods of the celestial bodies, at merely studying astrophysics to uncover the material compositions of the celestial bodies—something of which people are so proud today. But it would be disastrous if this Galileanism and this Copernicanism were not countered by what can be known about the soul-permeation of the cosmos, about the spiritualization of the cosmos. This is precisely what Ahriman wishes to avoid in order to further his earthly incarnation. He wants, so to speak, to keep people in such a state of dullness that they comprehend only the mathematical aspects of astronomy. That is why he tempts many people to assert their well-known aversion to knowledge of the spirit and soul of the universe. But this is only one of the seductive forces that Ahriman, so to speak, pours into the souls of human beings.

[ 16 ] Eine andere von diesen verführerischen Kräften des Ahriman — er arbeitet, möchte ich sagen, in entsprechender Weise mit den Luziferkräften zusammen — hängt ja natürlich für seine Inkarnation zusammen mit dem Bestreben, unter den Menschen nach Möglichkeit die bereits sehr verbreitete Stimmung zu erhalten, daß es für das öffentliche Leben genügt, wenn dafür gesorgt wird, daß die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden. Man berührt dabei einen Punkt, den der moderne Mensch oftmals nicht gern zugibt. Sehen Sie, für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele bietet ja eigentlich die heutige offizielle Wissenschaft gar nichts mehr; denn die Methoden, welche man in den heutigen öffentlichen Wissenschaften hat, taugen nur dazu, die äußere Natur, auch vom Menschen nur die äußere Natur aufzufassen. Aber denken Sie sich nur, wie verächtlich eigentlich so ein Durchschnittsbürger der Gegenwart hinblickt auf alles dasjenige, was ihm idealistisch vorkommt, was ihm wie ein Weg, auf irgendeine Art wie ein Weg ins Geistige hinein vorkommt! Er fragt doch im Grunde genommen immer wiederum: Ja, was bringt das ein? Was trägt das für irdische Güter? — Er läßt seine Söhne im Gymnasium ausbilden, ist vielleicht selber im Gymnasium oder in einer anderen Anstalt ausgebildet, er läßt sie an einer Universität oder an einer anderen Hochschule ausbilden. Allein, all das dient eigentlich nur dazu, um die Grundlagen für einen Beruf abzugeben, das heißt, um im Leben die materiellen Güter zu schaffen, die sie ernähren.

[ 16 ] Another of these seductive forces of Ahriman—who, I might say, works in a corresponding way with the forces of Lucifer—is, of course, connected in his incarnation with the endeavor to maintain, as far as possible, the already very widespread sentiment among people that it is sufficient for public life to ensure that people are economically satisfied. This touches on a point that modern people are often reluctant to admit. You see, today’s official science actually offers nothing at all for a true understanding of the spirit and the soul; for the methods used in today’s public sciences are only suitable for grasping external nature—and, even in the case of human beings, only their external nature. But just imagine how contemptuously the average person of today actually regards everything that strikes them as idealistic—everything that seems to them, in some way, like a path into the spiritual realm! Deep down, they always ask again and again: “Well, what’s the point of that? What earthly benefits does it bring?” — He sends his sons to high school; he himself may have attended high school or another institution; he sends them to a university or another institution of higher education. Yet all of this really serves only to lay the foundation for a career—that is, to create the material goods in life that will sustain them.

[ 17 ] Überblicken Sie einmal das, was berührt wird, wenn man gerade diese Frage ins Auge faßt. Wie viele Menschen bewerten heute eigentlich gar nicht mehr den Geist um des Geistes willen, die Seele um der Seele willen! Solche Menschen nehmen nur das auf, was ihnen vom öffentlichen Erkenntnisleben als nützlich gepriesen wird. Da muß man sich eine sehr wichtige, geheimnisvolle Tatsache der heutigen Menschheit schon eigentlich zum Bewußtsein bringen. So ein richtiger Durchschnittsbürger der Gegenwart, der von morgens bis abends vielleicht ganz fleißig in seinem Kontor ist, dann die bekannten «Abendformalitäten» durchmacht, der will sich durchaus nicht herbeilassen, solche «Allotria» mitzumachen, wie sie etwa in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vorgebracht werden. Es erscheint ihm als etwas Unnötiges; denn er denkt: Das kann man doch nicht essen. — Und schließlich: alles dasjenige, was wirklich nützlich ist an Erkenntnis, das soll doch — wenn auch die Menschen es sich nicht immer gestehen, aber es ist im öffentlichen Leben so — eine Vorbereitung dazu sein, um die Essensmöglichkeiten herbeizuführen.

[ 17 ] Consider for a moment what is at stake when we focus on this very question. How many people today no longer value the spirit for the spirit’s sake, or the soul for the soul’s sake! Such people absorb only what is touted as useful to them by the public intellectual life. Here, one must really bring to consciousness a very important, mysterious fact about humanity today. Take the typical average person of today, who perhaps works diligently in his office from morning to night, then goes through the usual “evening rituals”—he has absolutely no desire to get involved in such “nonsense” as is presented, for example, in anthroposophically oriented spiritual science. It seems unnecessary to him; for he thinks: You can’t eat that, after all. — And finally: everything that is truly useful in terms of knowledge is supposed to be—even if people do not always admit it to themselves, though this is the case in public life—a preparation for bringing about the possibilities of sustenance.

[ 18 ] Ja, es ist ein merkwürdiger Irrtum, dem sich eben gerade auf diesen Gebiet die Menschen der Gegenwart hingeben. Sie glauben, den Geist könne man doch nicht essen. Aber sehen Sie, die Menschen, die dies sagen, sind gerade diejenigen, die den Geist essen! Denn in demselben Maße, in dem man es ablehnt, irgend etwas Geistiges in sich aufzunehmen, das als Geistiges aufgenommen werden würde, in demselben Maße verzehrt man mit jedem Bissen, den man materiell durch den Mund in den Magen führt, das Geistige und befördert es auf einen anderen Weg, als es gehen sollte zum Heile der Menschheit.

[ 18 ] Yes, it is a strange misconception that people today indulge in, particularly in this very area. They believe that one cannot, after all, eat the spirit. But you see, the people who say this are precisely those who are eating the spirit! For to the very extent that one refuses to take in anything spiritual that would be received as spiritual, to that very extent one consumes, with every bite one physically takes from the mouth into the stomach, the spiritual, and diverts it from the path it should take for the salvation of humanity.

[ 19 ] Ich glaube, daß viele Europäer sich etwas auf ihre Zivilisation zugute tun werden dann, wenn sie sagen können: Wir sind doch keine Menschenfresser! — Aber Seelenfresser und Geistesfresser, das sind die Europäer mit ihrem amerikanischen Anhang! Das geistlos verzehrte Materielle bedeutet ein Hingeleiten des Geistes auf einen Abweg. Es ist schwierig, diese Dinge heute der Menschheit zu sagen. Denn erfassen Sie nur einmal richtig, in welcher Weise eigentlich vieles von der heutigen Kultur charakterisiert werden muß, wenn man diese Tatsache weiß. Und den Menschen in einem solchen seelen- und geistesfresserischen Zustande zu erhalten, das ist einer der Impulse des Ahriman, um seine Inkarnation zu befördern. Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.

[ 19 ] I believe that many Europeans will take pride in their civilization when they can say: “We’re not cannibals, after all!” — But devourers of souls and devourers of the spirit—that’s what the Europeans and their American followers are! The material world, consumed without spirit, leads the spirit astray. It is difficult to tell humanity these things today. For just try to grasp correctly how much of today’s culture must actually be characterized once one knows this fact. And keeping people in such a soul- and spirit-devouring state—that is one of Ahriman’s impulses to promote his incarnation. The more we succeed in rousing people—so that they do not merely engage in economic activity in the material sense, but regard not only economic life but also the independent, free spiritual life, which possesses the true spirit, as a limb of the social organism—to that same extent would people anticipate Ahriman’s incarnation in such a way that they could adopt a human-centered stance toward it.

[ 20 ] Eine andere Strömung in unserem jetzigen Leben, die Ahriman benötigt, um seine eigene Inkarnation zu befördern, das ist diejenige, die heute so deutlich hervortritt in dem sogenannten nationalen Prinzip. Alles dasjenige, was die Menschen spalten kann in Menschengruppen, was sie entfernt von dem gegenseitigen Verständnis über die Erde hin, was sie auseinanderbringt, das fördert zu gleicher Zeit Ahrimans Impulse. Und man sollte eigentlich Ahrimans Stimme entnehmen aus dem, was heute so vielfach als ein neues Ideal über die Erde hin gesprochen wird: Befreiung der Völker, selbst der kleinsten, und so weiter. Die Zeiten sind vorüber, in denen das Blut entscheidet. Und konserviert man ein solches Altes, dann fördert man dasjenige, was Ahriman gefördert haben will.

[ 20 ] Another current in our present life that Ahriman needs to promote his own incarnation is the one that stands out so clearly today in the so-called national principle. Everything that can divide people into groups, that distances them from mutual understanding across the earth, that drives them apart—all of this simultaneously promotes Ahriman’s impulses. And one should actually discern Ahriman’s voice in what is so often spoken of today as a new ideal across the earth: the liberation of peoples, even the smallest ones, and so on. The times when bloodline determined everything are over. And if one clings to such outdated notions, one is promoting precisely what Ahriman seeks to promote.

[ 21 ] Ebenso fördert man dasjenige, was Ahriman gefördert haben will, wenn man dasjenige nicht energisch zurückweist, was ich ja hier schon öfter charakterisiert habe, indem ich Ihnen gezeigt habe: Heute gibt es Menschen mit den verschiedensten Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen. Man kann davon die eine so gut beweisen wie die andere. Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen. Werden die Menschen nicht einsehen, daß diese Beweisartsoweitan der Oberfläche des Daseins liegt, daß man eben das Nein und das Ja zugleich beweisen kann mit unserer gegenwärtigen Intelligenz, die für die Naturwissenschaft sehr brauchbar ist, die aber für eine andere Erkenntnis unbrauchbar ist, werden die Menschen nicht einsehen, daß diese Intelligenz, die unserer Wissenschaft so große Dienste leistet, an der Oberfläche liegt, dann werden sie diese Intelligenz anwenden auf dasjenige, was soziales Leben ist, auf dasjenige, was geistiges Leben ist. Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.

[ 21 ] Likewise, one promotes what Ahriman is said to have promoted if one does not vigorously reject what I have already described here on several occasions, by showing you: Today there are people with the most diverse party views and conceptions of party life. One can prove one view just as well as the other. They can prove just as well what any socialist party advocates as what an anti-socialist party advocates, with equally good reasons that people then invoke. If people do not realize that this kind of proof lies so far on the surface of existence that one can prove both “no” and “yes” at the same time with our present intelligence—which is very useful for the natural sciences but useless for other forms of knowledge—if people do not realize that this intelligence, which serves our science so well, lies on the surface, then they will apply this intelligence to what constitutes social life, to what constitutes spiritual life. Then they will prove the opposite—one person this, another that; one group this, another group that; and since both can be proven, people will descend into hatred and bitterness, which we indeed find in abundance in our time. All of these, in turn, are things that Ahriman seeks to promote in order to further his own incarnation on Earth.

[ 22 ] Und was ganz besonders Ahriman dienen wird zur Förderung seiner Erdeninkarnation, das ist die einseitige Auffassung des Evangeliums selbst. Sie wissen ja, wie nötig geworden ist in unserer Zeit die Vertiefung der Evangelien im geisteswissenschaftlichen Sinne. Sie wissen aber auch, wie sehr heute noch die Gesinnung über die Erde hin verbreitet ist, man solle die Evangelien nicht geistig vertiefen, man solle sich nicht darauf einlassen, dies oder jenes aus einer wirklichen Erkenntnis des Geistes, des Kosmos über die Evangelien zu sagen. «Schlicht hinnehmen» solle man die Evangelien, so sie hinnehmen, wie sie sich heute den Menschen darbieten. Ich will gar nicht davon sprechen, daß sich die wahren Evangelien gar nicht darbieten; denn das, was heute die Menschen aus den Ursprachen als Übersetzungen der Evangelien haben, sind nicht die Evangelien. Aber darauf will ich gar nicht eingehen; sondern ich will nur die tieferliegende Tatsache vor Sie hinstellen, die darin besteht, daß man nicht zu einer wirklichen Christus-Auffassung kommen kann, wenn man sich nur, wie es die meisten Bekenntnisse und Sekten heute wollen, schlicht, das heißt bequem, in die Evangelien hineinfinden will. Man ist in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat, und einige Jahrhunderte nachher, zu einer Auffassung des realen Christus gekommen, weil man dasjenige, was überliefert war, fassen konnte mit Hilfe der heidnisch-luziferischen Weisheit. Diese heidnisch-luziferische Weisheit ist zurückgegangen, und dasjenige, was heute die Menschen aus Bekenntnissen und Sekten heraus in den Evangelien finden, das führt sie nicht zum realen Christus, den wir suchen durch unsere Geisteswissenschaft, sondern das führt sie nur zu einer Illusion oder höchstens zu einer Halluzination, zu einer seelischen oder vergeistigten Halluzination von dem Christus.

[ 22 ] And what will serve Ahriman most of all in furthering his incarnation on Earth is the one-sided interpretation of the Gospel itself. You know, after all, how necessary it has become in our time to delve more deeply into the Gospels from the perspective of spiritual science. But you also know how widespread the attitude still is today across the earth that one should not delve into the Gospels spiritually, that one should not venture to say this or that about the Gospels based on a true understanding of the spirit and the cosmos. One should “simply accept” the Gospels as they present themselves to people today. I do not even wish to speak of the fact that the true Gospels do not present themselves at all; for what people today have from the original languages as translations of the Gospels are not the Gospels. But I do not wish to go into that at all; rather, I simply want to present to you the deeper fact, which is that one cannot arrive at a true understanding of Christ if one merely seeks, as most denominations and sects today desire, to find one’s way into the Gospels in a simple—that is, convenient—manner. At the time when the Mystery of Golgotha took place, and for several centuries afterward, people arrived at an understanding of the real Christ because they were able to grasp what had been handed down with the help of pagan-Luciferic wisdom. This pagan-Luciferic wisdom has declined, and what people today find in the Gospels through denominations and sects does not lead them to the real Christ whom we seek through our spiritual science, but leads them only to an illusion or, at most, to a hallucination—a psychological or spiritualized hallucination of the Christ.

[ 23 ] Man kann nicht durch die Evangelien zu dem wirklichen Christus kommen, wenn man diese Evangelien nicht geisteswissenschaftlich durchdringt. Man kann durch die Evangelien nur bis zu einer Halluzination der weltgeschichtlichen Erscheinung des Christus kommen. Das hat sich übrigens gründlich auch gezeigt in der Theologie der neuesten Zeit. Warum liebt es denn diese Theologie der neuesten Zeit so sehr, von dem «schlichten Mann aus Nazareth» zu sprechen und den Christus eigentlich nur als den Jesus von Nazareth aufzufassen, der etwas hinausragt über die anderen geschichtlichen Größen? Weil man verloren hat die Möglichkeit, zum realen Christus zu kommen, und weil dasjenige, was die Menschen aus den Evangelien gewonnen haben, lediglich bis zu einer Halluzination, bis zu etwas Illusionsartigem kommt; sie können nicht wirklich ergreifen die Realität des Christus durch die Evangelien, sondern nur eine halluzinatorische oder illusorische Vorstellung. Das haben die Menschen auch erfaßt. Denken Sie, wie viele Theologen davon reden, daß Paulus vor Damaskus «nur eine Vision» gehabt habe. Sie kommen darauf, daß eigentlich durch ihre Betrachtung der Evangelien nur eine Halluzination, eine Vision zu gewinnen ist. Das ist nicht etwas Falsches, aber eben eigentlich nur ein inneres Erleben, das in keinem Zusammenhang steht mit der Realität des Christus-Wesens. Ich nenne das nicht halluzinatorisch mit dem Nebengeschmack, daß es unwahr ist, sondern ich will nur charakterisieren, daß die Christus-Wesenheit in derselben Art erfaßt wird, wie eine Halluzination innerlich erfaßt wird. Wenn nun die Menschen dabei stehenbleiben würden, nicht zu dem wirklichen Christus vorzudringen, sondern nur vorzudringen zu der Halluzination des Christus, dann würde Ahriman am meisten seine Zwecke gefördert finden.

[ 23 ] One cannot come to the true Christ through the Gospels unless one penetrates these Gospels from a spiritual-scientific perspective. Through the Gospels, one can only arrive at a hallucination of Christ’s appearance in world history. This, incidentally, has also been thoroughly demonstrated in recent theological thought. Why, then, does this recent theological thought so love to speak of the “simple man from Nazareth” and to conceive of Christ essentially only as Jesus of Nazareth, who stands out somewhat above other historical figures? Because they have lost the ability to reach the real Christ, and because what people have gleaned from the Gospels amounts to nothing more than a hallucination, something illusory; they cannot truly grasp the reality of Christ through the Gospels, but only a hallucinatory or illusory conception. People have realized this as well. Consider how many theologians speak of Paul having had “only a vision” on the road to Damascus. They conclude that, in fact, their contemplation of the Gospels yields only a hallucination, a vision. This is not something false, but it is, in fact, merely an inner experience that has no connection to the reality of the Christ-being. I do not call this “hallucinatory” with the implication that it is untrue; rather, I merely wish to characterize that the Christ-being is perceived in the same way that a hallucination is perceived inwardly. If people were to stop there—failing to penetrate to the real Christ, but only penetrating to the hallucination of the Christ—then Ahriman would find his purposes most effectively served.

[ 24 ] (Zu Halluzinationen läuft das Wirken der Evangelien auch aus, wenn nur ein Evangelium auf die Menschen wirkt.) Man hat gegen dieses Prinzip, die Evangelien einzeln zu nehmen, gearbeitet, indem man vier Evangelien von vier verschiedenen Gesichtspunkten aus hingestellt hat, und da geht es doch nicht an, diese vier Evangelien, die, wie wir ja oft gesehen haben, sich äußerlich widersprechen, nun einzeln wörtlich, wortwörtlich zu nehmen. Aber es ist eine große Gefahr, ein einzelnes Evangelium wortwötrtlich zu nehmen. Was Sie bei den Sekten erleben, die auf das Johannes- oder auf das Lukas-Evangelium schwören als auf seinen wortwörtlichen Inhalt, ist eine Art WahnideeBildung, eine Art Dämmerung, Umdämmerung des Bewußtseins. Bei umdämmerten Bewußtseinen, die sich gerade durch die Evangelien, die man nicht geistig vertieft, herausbilden würden, würden sich Menschen ergeben, die am besten dazu dienen würden, daß Ahriman seine Inkarnation vorbereiten könnte, so daß die Menschen ganz in seinem Sinn zu ihm einstmals stehen würden.

[ 24 ] (The effect of the Gospels also extends to hallucinations, even when only one Gospel influences people.) Efforts have been made to counter this principle of taking the Gospels individually by presenting the four Gospels from four different perspectives; yet it is not acceptable to take these four Gospels—which, as we have often seen, outwardly contradict one another—literally, word for word, on their own. But there is a great danger in taking a single Gospel literally. What you see in the sects that swear by the Gospel of John or the Gospel of Luke as to its literal content is a kind of delusional thinking, a kind of twilight, a dimming of consciousness. A consciousness clouded in this way—which would develop precisely through the Gospels that are not spiritually deepened—would produce people who would best serve to enable Ahriman to prepare his incarnation, so that people would one day stand with him entirely in accordance with his will.

[ 25 ] Sehen Sie, wiederum eine unbequeme Wahrheit für die Menschen der Gegenwart! Da leben die Menschen in ihren Konfessionen und sagen: Wir brauchen nicht irgend etwas wie eine Anthroposophie, denn wit bleiben bei dem schlichten Evangelium. — Aus Bescheidenheit — sagen die Leute — bleiben sie bei dem schlichten Evangelium. In Wahrheit ist es die furchtbarste Anmaßung, die nur zu denken ist. Und diese Anmaßung besteht darin, daß man scheinbar das Evangelium wortwörtlich nimmt, aber sich hermacht über das, was erarbeitet ist als Weisheitsgut, um es zu beurteilen mit dem, was man durch die Geburt mitbekommen hat und was aus dem Blute herauswirbelt an Ideen. Die «schlichtesten» Menschen sind meistens die hochmütigsten, gerade auf religiösen Gebieten, auf Bekenntnisgebieten. Aber was dabei in Betracht kommt, das ist, daß diejenigen am meisten die Inkarnation des Ahriman vorbereiten, die vor den Menschen immer wiederum predigen: Ihr braucht nichts weiter, als im Evangelium zu lesen!

[ 25 ] You see, yet another uncomfortable truth for people today! People live within their denominations and say: “We don’t need anything like anthroposophy, because we stick to the simple Gospel.” — Out of modesty — people say — they stick to the simple Gospel. In truth, it is the most appalling presumption imaginable. And this presumption consists in ostensibly taking the Gospel literally, yet setting out to judge what has been developed as a treasure of wisdom using what one has inherited at birth and the ideas that well up from one’s blood. The “simplest” people are usually the most arrogant, especially in religious matters and matters of faith. But what is important to consider here is that those who most actively prepare the way for the incarnation of Ahriman are the ones who constantly preach to people: “You need nothing more than to read the Gospel!”

[ 26 ] Und merkwürdig, die zwei Parteien, wenn sie auch sehr, sehr verschieden voneinander sind, arbeiten sich in die Hände: diejenigen, die ich früher bezeichnet habe als Seelenfresser, Geistfresser, und diejenigen, welche in der letztcharakterisierten Weise durch das bloße Aufgehen im Wörtlichen der Evangelien die Inkarnation des Ahriman fördern. Die beiden arbeiten sich furchtbar in die Hände. Denn würde nichts sich geltend machen als die Weltanschauung der Seelen- und Geistfresser auf der einen Seite, der Bekenntnischristen, die nicht auf die Tiefen des Evangeliums eingehen wollen, auf der anderen Seite, dann würde Ahriman alle Menschen zu «Ahrimanianern» machen können auf der Erde! Dasjenige, was heute vielfach im positiven Christentum der äußeren Welt verbreitet wird, das ist eine Vorbereitung für die Inkarnation des Ahriman. Und aus gar manchem, was mit der Anmaßung auftritt, die Vertretung der rechtgläubigen Kirche zu sein, sollte man heute eigentlich hören eine Vorbereitung des Werkes des Ahriman.

[ 26 ] And strangely enough, the two parties, even though they are very, very different from one another, are working hand in hand: those whom I have previously described as soul-devourers and spirit-devourers, and those who, in the manner just described, promote the incarnation of Ahriman simply by becoming absorbed in the literal text of the Gospels. The two are working terribly in concert. For if nothing were to assert itself except the worldview of the soul- and spirit-devourers on the one hand, and the confessional Christians who do not wish to delve into the depths of the Gospel on the other, then Ahriman would be able to turn all people on Earth into “Ahrimanians”! What is widely propagated today in the so-called “positive Christianity” of the outer world is a preparation for the incarnation of Ahriman. And in much of what appears with the presumption of representing the orthodox Church, one should actually recognize today a preparation for the work of Ahriman.

[ 27 ] Denn die Dinge sind heute nicht so, wie die Menschen sie wortwörtlich sagen. Die Menschen leben heute, wie ich oftmals auseinandergesetzt habe, eben viel zu sehr in Worten. Wir haben gar sehr nötig, von den Worten weg in die Dinge einzudringen. Heute ist es wirklich so, daß das Wort gewissermaßen die Menschen von dem wirklichen Wesen der Dinge trennt. Und am meisten trennen sich die Menschen von dem wirklichen Wesen, wenn sie die alten Urkunden, zu denen auch die Evangelien gehören, so nehmen wollen, wie es heute oftmals angedeutet wird im sogenannten «schlichten Verständnis». Viel schlichter ist dasjenige, was wirklich in den Geist der Dinge hineindringen und auch die Evangelien selber vom Gesichtspunkte des Geistes aus verstehen will.

[ 27 ] For things today are not as people describe them literally. As I have often explained, people today live far too much in words. We desperately need to move away from words and delve into the things themselves. Today it is truly the case that words, in a sense, separate people from the true nature of things. And people separate themselves most from this true nature when they seek to interpret the ancient texts—including the Gospels—in the way that is often suggested today as “simple understanding.” Far simpler is the approach that truly seeks to penetrate the spirit of things and to understand the Gospels themselves from the perspective of the spirit.

[ 28 ] Ich habe gesagt: Zusammenwirken werden Ahriman und Luzifer ja immer. Es handelt sich nur darum, welcher von beiden gewissermaßen für das Bewußtsein der Menschen die Übermacht in einem bestimmten Zeitalter erhält. Es war eine stark luziferische Kultur, die der Zeit nach bis über das Mysterium von Golgatha hinüberreichte, von der Inkarnation des Luzifer in China im 3. vorchristlichen Jahrtausend ab. Von da strahlte vieles aus, was besonders stark wirkte bis in die ersten christlichen Jahrhunderte herein, was aber auch noch in unserer Zeit wirkt.

[ 28 ] I have said: Ahriman and Lucifer will always work together. The only question is which of the two, so to speak, gains the upper hand in human consciousness during a particular age. It was a strongly Luciferic culture that, chronologically, extended beyond the Mystery of Golgotha, beginning with the incarnation of Lucifer in China in the third millennium B.C. From there, much radiated out that had a particularly strong influence well into the first Christian centuries, but which continues to have an effect even in our own time.

[ 29 ] Nun ist es aber in unserer Zeit jetzt so, daß gewissermaßen Luzifers Spuren mehr unsichtbar werden, weil bevorsteht eine Inkarnation des Ahriman im 3. Jahrtausend, und Ahrimans Wirken in solchen Dingen, wie ich sie Ihnen heute angeführt habe, besonders deutlich seinen Spuren nach wahrnehmbar ist. Ahriman hat gewissermaßen mit Luzifer einen Vertrag geschlossen, den ich so bezeichnen möchte: Ich, Ahriman, finde es für mich besonders günstig — so sagte Ahriman zu Luzifer —, die Konservenbüchsen in Anspruch zu nehmen; dir überlasse ich den Magen, wenn du es mir nur überläßt, die Mägen in Dämmerung zu wiegen, respektive die Bewußtseine der Menschen in bezug auf den Magen in Dämmerung zu wiegen.

[ 29 ] Now, however, in our time, Lucifer’s traces are, so to speak, becoming less visible, because an incarnation of Ahriman is imminent in the third millennium, and Ahriman’s activity in matters such as those I have described to you today can be perceived particularly clearly through his traces. Ahriman has, so to speak, entered into a contract with Lucifer, which I would like to describe as follows: “I, Ahriman,” Ahriman said to Lucifer, “find it particularly advantageous for me to make use of the canned food; I’ll leave the stomach to you, if you’ll only let me lull the stomachs into twilight—or rather, lull people’s consciousness regarding the stomach into twilight.”

[ 30 ] Sie müssen nur richtig verstehen, was ich damit meine. In Dämmerung über den Magen sind diejenigen Menschen, die ich eben als Seelenfresser und als Geistesfresser bezeichnet habe; denn sie führen direkt der luziferischen Strömung dasjenige zu, was sie ihrem Magen zuführen, wenn sie nicht in ihrer Menschheit Spirituelles tragen. Durch den Magen geht das ungeistig Gegessene und Getrunkene zu Luzifer hin!

[ 30 ] You just need to understand exactly what I mean by that. Lurking in the stomach are those people I have just described as soul-devourers and spirit-devourers; for if they do not carry anything spiritual within their humanity, they feed directly into the Luciferic current whatever they put into their stomachs. What is eaten and drunk without spiritual intent passes through the stomach to Lucifer!

[ 31 ] Und mit den Konservenbüchsen, was meine ich denn eigentlich damit? Mit den Konservenbüchsen meine ich die Bibliotheken und ähnliches, wo diejenigen Wissenschaften aufbewahrt sind, die man zwar treibt, die man aber nicht eigentlich mit seinem wirklichen Interesse verfolgt, die nicht bei den Menschen leben, sondern in den Büchern, die in den Bibliotheken stehen. Sehen Sie sich diese Wissenschaft an, die abseits von den Menschen getrieben wird! Viele Bücher stehen überall in den Bibliotheken. Jeder Student muß schon anfangen, wenn er das Doktorat macht, eine gelehrte Abhandlung zu machen; dann werden diese in möglichst viele Bibliotheken hineingestellt. Dann kommt wiederum eine gelehrte Abhandlung, wenn der Betreffende in irgendeine Stellung hineinrücken will. Aber auch sonst schreiben und schreiben und schreiben die Menschen heute. Aber gelesen wird das wenigste von dem, was heute geschrieben wird. Nur dann, wenn die Menschen sich vorbereiten müssen für dieses oder jenes, dann zitieren sie das, was da in den Bibliotheken drinnen modert, konserviert ist. Diese «Konservenbüchsen der Weisheit», das ist dasjenige, was besonders ein gutes Förderungsmittel für Ahriman ist.

[ 31 ] And what do I actually mean by “cans”? By “canned goods,” I mean libraries and the like, where those branches of scholarship are stored—scholarship that is indeed pursued, but not out of genuine interest; scholarship that does not live among people, but rather in the books on the shelves of libraries. Look at this scholarship, pursued in isolation from people! There are many books everywhere in the libraries. Every student must begin, as soon as he starts his doctorate, to write a scholarly treatise; these are then placed in as many libraries as possible. Then another scholarly treatise follows when the person in question wants to take up some position. But even aside from that, people today write and write and write. Yet very little of what is written today is actually read. Only when people need to prepare for this or that do they cite what is gathering dust, preserved, in the libraries. These “canned goods of wisdom”—that is precisely what serves as a particularly effective means of promoting Ahriman.

[ 32 ] Die Art, wie das getrieben wird, aber auch vieles andere, was ähnlich ist, was eigentlich nur in die Welt gesetzt wird, aber einen Sinn nur hätte, wenn sich die Menschen dafür interessieren würden, für das sie sich aber eigentlich nicht interessieren, sondern das eigentlich nur in einer von den Menschen getrennten Weise vorhanden ist, findet sich auf allen Gebieten. Bedenken Sie doch nur einmal, man könnte ja, wenn man dazu veranlagt wäre, verzweifeln! Da hat man zum Beispiel einen Prozeß, da muß man sich einen Advokaten nehmen. Dieser Advokat führt den Prozeß. Dann kommen die Zeiten, wo man mit dem Advokaten verhandeln muß; es häufen sich immer mehr und mehr die Papiere. Die hat er in einer Mappe. Aber wenn man dann mit ihm redet, so hat er keine Ahnung von dem Zusammenhang, er weiß nichts, er schlägt auf und auf und es kommt nichts dabei heraus. Er hat keinen Zusammenhang mit seinen Akten. Da ist eine Aktenmappe, da ist die nächste Aktenmappe. Die Akten wachsen. Aber das Interesse ist ganz und gar nicht vorhanden. Es ist zum Verzweifeln, wenn man mit den Fachleuten, die so irgendwie die Dinge machen, wirklich zu tun hat. Sie sind ganz und gar außer Verbindung mit dem, worum es sich handelt, wissen nichts davon in Wirklichkeit, denn alles steht in den Akten. Das sind die kleinen Konservenbüchsen, die Bibliotheken sind die großen Konservenbüchsen von Geist und Seele. Da wird alles konserviert. Aber die Menschen wollen es nicht mit sich vereinigen, wollen es nicht mit ihrem Interesse durchdringen. Und schließlich entsteht gerade daraus ja auch jene Stimmung in der neueren Zeit, welche gar nicht hineinlassen möchte in das Weltanschauungsbekenntnis dasjenige, ja, wozu schon etwas Kopf notwendig ist. Es ist ja etwas Kopf notwendig, um etwas zu verstehen. Die Menschen möchten das Bekenntnis, die Weltanschauung bloß auf das Herz zurückführen. Gewiß muß es auf das Herz zurückgeführt werden; aber die Art, wie die Menschen gegenwärtig oftmals über das religiöse Bekenntnis sprechen, kommt mir vor wie dasjenige, was mit einem Sprichwort getroffen werden soll, das viel in der Gegend angewendet wurde, wo ich meine Jugend verlebt habe. Da wurde gesagt: «Des mit der Liab, des is a ganz besundere Sach. Wama sie kaft, so kaft ma eigentli nur das Heaz, und in Kobf griag ma umasunst drauf.» Also mit der Liebe sei es eine ganz besondere Sache: Wenn man sie kaufe, so kaufe man nur das Herz, und den Kopf bekomme man umsonst als Zugabe dazu! — So ungefähr, sehen Sie, soll ja auch die Stimmung sein für dasjenige, was die Menschen heute gern als Inhalt ihrer Weltanschauung aufnehmen. Sie möchten alles ohne Anstrengung des Kopfes aufnehmen, durch das Herz, wie sie sagen, das allerdings ohne den Kopf nicht schlägt, aber durch das man gut aufnehmen kann, wenn man eigentlich den Magen meint. Und dann soll dasjenige, was eigentlich in der Menschheit geleistet werden soll durch den Kopf, das soll umsonst drauf sein, das soll insbesondere in den allerwichtigsten Dingen des Lebens umsonst drauf sein.

[ 32 ] The way this is carried out—but also many other similar things that are essentially just put out into the world, yet would only make sense if people were interested in them, even though they aren’t actually interested in them, and which in fact exist only in a way that is separate from people—can be found in all areas. Just think about it for a moment—if one were so inclined, one could easily despair! Take a lawsuit, for example; you have to hire a lawyer. This lawyer handles the case. Then there come times when you have to negotiate with the lawyer; the paperwork just keeps piling up. He keeps them in a folder. But when you talk to him, he has no idea of the context; he knows nothing; he flips through page after page, and nothing comes of it. He has no connection to his files. There’s one file folder, then the next. The files keep piling up. But there’s absolutely no interest. It’s enough to drive you to despair when you actually have to deal with the experts who just go through the motions like this. They are completely out of touch with what the matter is about; they know nothing about it in reality, because everything is in the files. These are the little tin cans; the libraries are the big tin cans of mind and soul. Everything is preserved there. But people don’t want to reconcile it with themselves; they don’t want to let it permeate their interests. And ultimately, it is precisely this that has given rise in recent times to that mindset which refuses to allow anything into its worldview—anything that actually requires a bit of thought. After all, a bit of thought is necessary to understand something. People want to reduce that commitment, that worldview, to nothing but the heart. Certainly, it must be reduced to the heart; but the way people often speak of religious commitment these days strikes me as something that can be summed up by a proverb that was commonly used in the region where I spent my youth. They used to say: “That thing with love—it’s a very special matter. When you buy it, you’re really only buying the heart, and you get the head thrown in for free.” So love is a very special matter: when you buy it, you’re only buying the heart, and you get the head thrown in for free as a bonus! — That, you see, is more or less the mindset people today like to adopt as the foundation of their worldview. They want to take everything in without straining their minds—through the heart, as they say—which, of course, doesn’t beat without the head, but through which one can easily take things in, even though they actually mean the stomach. And then what is actually supposed to be accomplished in humanity through the mind—that is supposed to come for free; it is supposed to come for free, especially when it comes to the most important things in life.

[ 33 ] Alle diese Dinge, sie sind sehr wichtig zu beachten, und es ist sehr wichtig, sie zu beachten. Denn man sieht, wenn man sie beachtet, wie großen Ernst man aufwenden muß gegenüber dem gegenwärtigen Menschenleben und wie es notwendig ist, zu lernen selbst von den Illusionen, die von den Evangelien ausgehen können, zu lernen von der Art, wie die Menschen gegenwärtig die Illusionen lieben. Mit der Art von Wissen, das die Menschen heute oftmals anstreben, ist nicht Wahrheit zu erreichen. Die Menschen finden es heute sehr sicher, wenn sie mit Zahlen rechnen, statistisch die Dinge der Welt zu beweisen. Mit der Statistik und mit den Zahlen hat Ahriman ein ganz besonders leichtes Spiel; denn er ist ganz besonders froh, wenn ein Gelehrter heute der Menschheit klarmacht, auf dem Balkan muß es so und so aussehen, denn da leben zum Beispiel in Mazedonien so und so viele Griechen, so und so viele Serben, so und so viele Bulgaren. Gegen Zahlen läßt sich nichts machen, denn die Menschen glauben an Zahlen. Und Ahriman macht mit den Zahlen, an die die Menschen glauben, seine Rechnung in dem Sinne, wie ich es Ihnen heute erklärt habe. Nur kommt man nachher dahinter, wie «sicher» diese Zahlen sind. Zahlen beweisen ganz bestimmt etwas für den Menschen; aber wenn man nicht stehenbleibt bei dem, was in den Büchern steht, wo mit Zahlen bewiesen wird, sondern genauer nachsieht, so merkt man oftmals: ja, in diesen Statistiken, sagen wir zum Beispiel den mazedonischen, da ist angeführt ein Vater, der ist Grieche, ein Sohn, der ist Serbe und ein anderer Sohn, der ist Bulgare; also steht der Vater bei den Griechen, der eine Sohn bei den Bulgaren, der andere bei den Serben. Wie das zugeht, daß in derselben Familie der eine ein Grieche ist, der andere ein Serbe, der andere ein Bulgare, und wie das in die Zahlen hineingeht, das zu durchschauen wäre dasjenige, was wirklich zur Wahrheit führt, nicht das Aufnehmen der Zahlen, womit sich die Menschen heute so befriedigen. Die Zahlen sind es, durch welche die Menschen in einer Richtung verführt werden, durch die Ahriman am besten seine Rechnung findet für seine künftige Inkarnation im 3. Jahrtausend. Davon wollen wir dann morgen weitersprechen.

[ 33 ] All these things are very important to keep in mind, and it is very important to pay attention to them. For when one pays attention to them, one sees how seriously one must take present-day human life and how necessary it is to learn even from the illusions that can arise from the Gospels—to learn from the way people today love these illusions. The kind of knowledge that people often strive for today does not lead to truth. People today feel very secure when they use numbers to calculate and statistically prove the ways of the world. Ahriman has a particularly easy time of it with statistics and numbers; for he is especially pleased when a scholar today explains to humanity that the situation in the Balkans must be such and such, because, for example, in Macedonia there are so many Greeks, so many Serbs, and so many Bulgarians. Nothing can be done against numbers, for people believe in numbers. And Ahriman uses the numbers that people believe in to his own advantage, in the sense that I have explained to you today. Only later does one realize just how “reliable” these numbers are. Numbers certainly prove something to people; but if one doesn’t stop at what’s written in the books—where things are “proven” with numbers—but looks more closely, one often notices: yes, in these statistics—let’s say, for example, the Macedonian ones—there’s a father listed who is Greek, a son who is Serbian, and another son who is Bulgarian; so the father is listed among the Greeks, one son among the Bulgarians, and the other among the Serbs. Understanding how it is that within the same family one is Greek, another Serbian, and another Bulgarian—and how this is reflected in the statistics—is what truly leads to the truth, not merely accepting the numbers, with which people are so content today. It is through these numbers that people are led astray in a certain direction—the direction in which Ahriman best calculates his plans for his future incarnation in the third millennium. We will continue discussing this tomorrow.