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Spiritual-Scientific Consideration
of Social and Pedagogic Questions
GA 192

23 April 1919, Stuttgart

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Spiritual-Scientific Consideration of Social and Pedagogic Questions, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen

Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Heute möchte ich gewissermaßen episodisch etwas einfügen, was zu tun hat mit der das letztemal auch vor Ihnen hier erwähnten Dreigliederung des sozialen Organismus. Ich möchte es als Episode einfügen gewissermaßen zu einer tieferen geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Sache. Natürlich, manches von dem, was auch unsere heutigen Ausführungen begründen wird, müssen Sie aus der Gesamtheit der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung nach und nach zusammennehmen. Man kann nicht in jedem einzelnen Vortrage weitläufig die Begründungen geben. Aber dasjenige, was uns äußerlich als die Notwendigkeit einer Dreigliederung des sozialen Organismus entgegentritt, das wollen wir heute einmal gewissermaßen von innen, von seiner Innenseite her betrachten, und es dadurch etwas vertiefen. Es ist eigentlich nicht schwierig für den, der sich etwas eingelebt hat in geisteswissenschaftliche Vorstellungen, bei sich eine Empfindung hervorzurufen von der großen Verschiedenheit der drei Lebensgebiete, in die der soziale Organismus nach unseren Intentionen gegliedert werden soll. Ist man nur einmal aufmerksam darauf, daß eine solche Dreigliederung etwas Ernsthaft-zu-Nehmendes ist, dann ergibt sich zunächst empfindungsgemäß eine mögliche Unterscheidung zwischen diesen drei Gebieten, die jedes einzelne stark unterschieden von den anderen wahrnehmen läßt.

[ 1 ] Today I would like to insert, so to speak, an anecdotal aside that has to do with the threefold structure of the social organism, which I also mentioned here last time. I would like to include it as an anecdote, so to speak, as part of a deeper spiritual-scientific consideration of the matter. Of course, some of what will underpin our discussion today you will have to piece together bit by bit from the overall spiritual scientific worldview. It is not possible to provide extensive justifications in every single lecture. But what appears to us externally as the necessity of a threefold structure of the social organism—let us today, so to speak, consider it from within, from its inner side, and thereby deepen our understanding of it. It is actually not difficult for anyone who has become somewhat familiar with the ideas of spiritual science to evoke within themselves a sense of the great diversity of the three spheres of life into which, according to our intentions, the social organism is to be divided. Once one is mindful that such a threefold division is something to be taken seriously, a possible distinction between these three spheres naturally arises intuitively, allowing one to perceive each one as distinctly different from the others.

[ 2 ] Diese drei Gebiete, sie sind Ihnen ja jetzt schon hinlänglich bekannt: das Gebiet dessen, was wir das geistige Leben nennen, insofern dieses geistige Leben sich ausgestaltet, sich offenbart in dem, was wir die physische Welt nennen, also der ganze Umfang des sogenannten — wenn ich das paradoxe Wort brauchen soll — physischen Geisteslebens. Wir wissen ja, was wir darunter zu verstehen haben. Dazu wird alles das gehören, was zusammenhängt mit den individuellen Fähigkeiten und Begabungen des Menschen. Für uns ist, im Gegensatz zu den materialistisch gesinnten Menschen, das Geistesleben nämlich etwas weit Ausgedehnteres, wie wir gleich nachher sehen werden, als für den materialistisch gesinnten Menschen. Wir sind nämlich genötigt, das Geistesleben viel materieller zu denken als die materialistischen Menschen, sofern wir vom physischen Geistesleben sprechen. Das hat ja schon manchen meiner Vorträge durchdrungen, daß das Geistesleben nur erfaßt werden kann, wenn man davon ausgeht, daß alles materielle Leben vom Geistigen wirklich konkret durchtränkt ist, so daß es für uns ein bloß Materielles gar nicht gibt, sondern immer dasjenige, was durch das Mittel des Materiellen sich offenbart, seinem inneren Wesen nach auch, ich sage auch, ein Geistiges ist. Kunst, Wissenschaft, Rechtsanschauungen, sittliche Impulse der Menschheit, alles das würde zunächst, grob gesprochen, den Umfang dieses Geisteslebens ausmachen. Vor.allen Dingen aber würde in den Umfang dieses Geisteslebens fallen alles das, was zur Pflege der individuellen Begabungen gehört, also das gesamte Erziehungs-, Unterrichts- und Schulwesen.

[ 2 ] These three realms—with which you are, of course, already quite familiar—are: the realm of what we call spiritual life, insofar as this spiritual life takes shape and reveals itself in what we call the physical world; that is, the entire scope of what is known as—if I may use this paradoxical term—physical spiritual life. We know, of course, what we mean by this. It includes everything related to a person’s individual abilities and talents. For us—in contrast to materialistically minded people—spiritual life is, as we shall see shortly, something far more expansive than it is for the materialistically minded person. In fact, we are compelled to conceive of spiritual life in far more material terms than materialists do, insofar as we are speaking of physical spiritual life. This has already permeated many of my lectures: that spiritual life can only be grasped if one assumes that all material life is truly and concretely permeated by the spiritual, so that for us there is no such thing as something purely material, but rather everything that reveals itself through the medium of the material is, in its inner essence—and I say this as well—spiritual. Art, science, legal concepts, and humanity’s moral impulses—all of this would, roughly speaking, constitute the scope of this spiritual life. Above all, however, the scope of this spiritual life would include everything that pertains to the cultivation of individual talents—that is, the entire system of education, instruction, and schooling.

[ 3 ] Dann ist deutlich von diesem Leben eines wiederum zu unterscheiden, das in einer gewissen Weise zusammenhängt mit dem physischen Geistesleben, das aber doch sich prinzipiell von ihm unterscheidet. Das ist alles das, was man bezeichnen kann als Rechtsleben, als politisches Leben, als Staatsleben. Natürlich muß man sein Wahrnehmungsvermögen etwas einstellen auf deutliche Unterscheidungen auf diesem Gebiet, wenn man nicht in den Fehler verfallen will, sich zu sagen: das Rechtsleben ist ja im Grunde genommen das, was Rechtlichkeit ist. Aber wir, die wir gewohnt sind, genau und deutlich zu unterscheiden, wir werden unterscheiden müssen zwischen dem Erfassen von Rechtsideen, zwischen dem — wenn ich mich so ausdrücken darf — Inspiriertsein von Rechtsideen und dem Ausleben des Rechtes in der äußeren Welt. Wir werden von all diesen Dingen gleich genauer sprechen.

[ 3 ] Then a clear distinction must be made between this and another kind of life that is, in a certain sense, connected to the physical spiritual life, but which is nevertheless fundamentally distinct from it. This encompasses everything that can be described as legal life, political life, or civic life. Of course, one must attune one’s powers of perception somewhat to make clear distinctions in this area, if one does not wish to fall into the error of saying to oneself: legal life is, after all, essentially what legality is. But we, who are accustomed to distinguishing precisely and clearly, will have to distinguish between the grasping of legal ideas, between—if I may put it this way—being inspired by legal ideas, and the living out of law in the external world. We will speak more precisely about all these things shortly.

[ 4 ] Das dritte ist dann, das werden Sie leicht unterscheiden können von den beiden anderen, das Wirtschaftsleben. Nun steht der Mensch zu den drei Gebieten des Lebens, die wit eben verzeichnet haben, in einem ganz anderen Verhältnis. Wenn Sie versuchen, durch eine rein gesunde Empfindung aufzufassen dasjenige, was physisches Geistesleben ist, so werden Sie verspüren — versuchen Sie nur einmal, die Wahrnehmungsfähigkeiten der Seele in die Richtung zu lenken, von der ich jetzt gesprochen habe —, daß alles das, was irgendwie wurzelt in der individuellen Begabung, den individuellen Fähigkeiten des Menschen, gewissermaßen am allerinnerlichsten für die menschliche Natur verläuft, am allerinnerlichsten von der menschlichen Natur erzeugt wird. Geht man nun ganz wissenschaftlich an die Arbeit des Wahrnehmens heran, so findet man, daß alles, was sich auslebt in Kunst und Wissenschaft, in den Impulsen der Erziehung, empfunden werden kann als Geistig-Seelisches, das in uns lebt, wenn wir uns seiner Betätigung hingeben; so in uns lebt, daß wir es nur in der richtigen Weise innerlich erfahren können, wenn wir uns etwas zurückziehen aus der äußeren Welt. Gewiß, wir müssen es offenbaren in der äußeren Welt — das ist dann etwas anderes, als es innerlich zunächst erleben —, aber wir können als Menschen das, was sich in Kunst und Wissenschaft, in Erziehungsimpulsen auslebt, nicht konzipieren, nicht innerlich erfassen, wenn wir uns nicht etwas vom Leben zurückziehen können. Natürlich braucht das nicht ein Zurückziehen in eine Eremitenklause zu sein, man kann spazierengehen meinetwillen, aber man muß sich etwas zurückziehen, muß seelisch werden, muß in sich leben. Das ist etwas, was sich für eine ganz naive Empfindung, wenn sie nur ausgebildet werden will in der Menschenseele, für das physische Geistesleben ergibt, und was die Geisteswissenschaft so ausdrücken muß, daß sie sagt: Dieses physische Geistesleben wird von unserer Menschenseele so erlebt, daß wir ohne völlige Inanspruchnahme des Leibes dieses physische Geistesleben ausleben. Da muß Geisteswissenschaft, und das können Sie aus allem entnehmen, was Geisteswissenschaft Ihnen bisher gebracht hat, in der allerentschiedensten Weise gegen die materialistische Ausdeutung des Menschenwesens sich wenden, welche in dem Aberglauben lebt, daß sich, wenn man innerlich ausgestaltet, was dem physischen Geistesleben angehört, diese Ausgestaltung ganz restlos durch das Instrument des Gehirns, des Nervensystems und so weiter vollzieht. Nein, wir wissen, das ist nicht wahr. Wir wissen, daß ein selbständiges Innenleben im Menschen vorhanden sein muß, wenn Offenbarungen dieses physischen Geisteslebens zustande kommen sollen. Es geht etwas vor im Menschen bei diesem physischen Geistesleben, das nicht seine Parallelerscheinungen im physischen Leibe hat; es geht etwas vor, was nur abläuft innerhalb des geistig-seelischen Wesens im Menschen.

[ 4 ] The third—which you will easily be able to distinguish from the other two—is economic life. Now, human beings have a completely different relationship to the three spheres of life we have just outlined. If you try to grasp what physical-spiritual life is through a purely healthy sense of feeling, you will sense — just try, for a moment, to direct the soul’s powers of perception in the direction I have just spoken of — that everything which is in any way rooted in a person’s individual endowments and abilities proceeds, so to speak, from the very innermost core of human nature and is generated from the very innermost core of human nature. If we now approach the work of perception entirely scientifically, we find that everything that finds expression in art and science, and in the impulses of education, can be experienced as a spiritual-soul element that lives within us when we devote ourselves to its activity; it lives within us in such a way that we can only experience it inwardly in the right way when we withdraw somewhat from the outer world. Certainly, we must reveal it in the outer world—which is then something different from initially experiencing it inwardly—but as human beings, we cannot conceive of or inwardly grasp what finds expression in art and science, and in the impulses of education, unless we can withdraw somewhat from life. Of course, this need not mean retreating to a hermit’s cell; one can go for a walk, for all I care, but one must withdraw somewhat, must become spiritual, must live within oneself. This is something that, for a completely naive sensibility—if it is only to be developed within the human soul—arises for physical spiritual life, and which spiritual science must express by saying: This physical spiritual life is experienced by our human soul in such a way that we live out this physical spiritual life without the body being fully engaged. Here, spiritual science—and you can deduce this from everything spiritual science has offered you so far—must take a most decisive stand against the materialistic interpretation of the human being, which is rooted in the superstition that when one develops within oneself what belongs to the physical spiritual life, this development takes place entirely and completely through the instrument of the brain, the nervous system, and so on. No, we know that is not true. We know that an independent inner life must exist within the human being if manifestations of this physical spiritual life are to come about. Something is taking place within the human being in connection with this physical spiritual life that has no parallel manifestations in the physical body; something is taking place that occurs only within the spiritual-soul being of the human being.

[ 5 ] Anders ist das, wenn wir diejenigen Impulse des Lebens ausbilden, die wir in unserer Dreigliederung auf eine demokratische Grundlage stellen wollen, wenn wir ausbilden, was gewissermaßen alle Menschen vor allen Menschen gleich erscheinen läßt. Das kann sich nur ausbilden, wenn wir uns bedienen der Werkzeuge unserer Leiblichkeit, die Mensch mit Mensch verbinden. Nicht innerliche Rechtsideen, aber Rechtsimpulse des Lebens, nicht innerlich sittliche Ideen, aber sittliche Impulse des Lebens, die also zwischen den Menschen tätig sind, die bilden sich aus, indem Mensch zu Mensch herantritt, Mensch gegen Mensch wirkt, Mensch und Mensch austauschen, was sie aneinander gegenseitig erleben. Diese Dinge bilden sich nur aus, wenn Menschen miteinander verkehren, wenn Menschen ihre leibliche Außenseite einander zukehren, wenn sie miteinander sprechen, wenn sie sich sehen, wenn sie durch Mitempfindung miteinander leben, kurz, nur im menschlichen Wechselverkehr kann das ausgebildet werden. Mit Bezug auf alles das, was sich auf Grundlage unserer individuellen Fähigkeiten ausbildet, also mit Bezug auf das, was in dem eben genannten Sinn unabhängig von unserer Leiblichkeit ist, sind wir als Menschen individuell gestaltet, jeder ein Eigener, jeder ein Individuum. Mit Ausnahme der viel geringeren Differenzierung, welche durch Rassenunterschiede, Volksunterschiede und dergleichen hervortreten, die aber eben als Differenzierung eine Kleinigkeit sind — wenn man nur ein Organ dafür hat, muß man das wissen — gegenüber der Differenzierung durch individuelle Begabungen und Fähigkeiten, mit Ausnahme davon sind wir mit Bezug auf unsere äußere physische Menschlichkeit, durch die wir als Mensch den Menschen gegenübertreten, durch die wir Rechtsimpulse, Sittenimpulse ausbilden, als Menschen gleich. Wir sind als Menschen gleich, hier in der physischen Welt, gerade durch die Gleichheit unserer menschlichen Gestalt, einfach durch die Tatsache, daß wir alle Menschenantlitz tragen. Dieses, daß wir alle Menschenantlitz tragen, daß wir uns als äußere physische Menschen begegnen, die miteinander auf dem demokratischen Boden die Rechtsimpulse, die Sittenimpulse ausbilden, dieses macht uns auf diesem Boden gleich. Wir sind verschieden voneinander durch unsere individuellen Begabungen, die aber unserer Innerlichkeit angehören.

[ 5 ] The situation is different when we cultivate those impulses of life that we wish to place on a democratic foundation within our threefold social order, when we cultivate what, in a sense, makes all people appear equal before everyone. This can only develop if we make use of the tools of our physicality that connect one human being to another. Not inner legal ideas, but legal impulses of life; not inner moral ideas, but moral impulses of life—which are thus active between people—these develop as people approach one another, interact with one another, and exchange what they mutually experience in each other. These things develop only when people interact with one another, when people turn their physical selves toward one another, when they speak to one another, when they see one another, when they live together through empathy—in short, this can be developed only through human interaction. With regard to everything that develops on the basis of our individual abilities—that is, with regard to what, in the sense just mentioned, is independent of our physicality—we as human beings are individually shaped, each one unique, each one an individual. With the exception of the much lesser differentiation that arises from racial differences, ethnic differences, and the like—which, however, as a form of differentiation, are a trifle—if one has even the slightest sense of this, one must realize—compared to the differentiation brought about by individual talents and abilities; with the exception of these, we are equal as human beings with regard to our outward physical humanity, through which we, as human beings, face one another, and through which we develop legal and moral impulses. We are equal as human beings, here in the physical world, precisely because of the equality of our human form, simply by the fact that we all bear a human face. This—that we all bear a human face, that we encounter one another as outwardly physical human beings who, on democratic ground, develop legal and moral impulses together—this is what makes us equal on this ground. We differ from one another through our individual gifts, which, however, belong to our inner being.

[ 6 ] Das dritte, das wirtschaftliche Gebiet: Man braucht wahrhaftig nicht einer falschen Askese zuzuneigen, denn diese falsche Askese ist ganz gewiß gegen die Grundtendenz unserer gegenwärtigen Zeit, namentlich des Abendlandes — darüber haben wir oftmals gesprochen hier —, aber man kann wahrnehmen, wie das Wirtschaftsleben den Menschen gewissermaßen untertauchen läßt hier in der physischen Welt in einen Lebensstrom, in ein Lebensmeer, in dem er sich bis zu einem gewissen Grade als Mensch verliert. Haben Sie nicht die Empfindung, dem Wirtschaftsleben gegenüber, daß Sie untertauchen in etwas, was Sie nicht so Mensch sein läßt, wie das Rechts- oder Staatsleben? Noch mehr ist das der Fall gegenüber dem Leben, das aus Ihren individuellen Fähigkeiten, überhaupt aus den individuellen Fähigkeiten des Menschen fließt. Wir fühlen es, wie gesagt, ohne in falsche asketische Neigung zu verfallen, wir fühlen: dem Wirtschaftsleben gegenüber ist es so, daß wir aufhören, indem wir wirtschaften müssen, Vollmenschen zu sein. Wir müssen einen Tribut zahlen an das in uns, was untermenschlich ist, indem wir wirtschaften.

[ 6 ] The third area is the economic sphere: One truly need not resort to a false asceticism, for this false asceticism is quite certainly contrary to the fundamental trend of our present age, particularly in the West—we have spoken of this often here— but one can perceive how economic life, so to speak, causes people here in the physical world to be submerged in a stream of life, in a sea of life, in which they lose themselves to a certain degree as human beings. Don’t you have the feeling, when it comes to economic life, that you are submerged in something that does not allow you to be as fully human as legal or political life does? This is even more the case with regard to the life that flows from your individual abilities—indeed, from the individual abilities of human beings in general. As I said, we feel this without falling into a false ascetic inclination; we feel that, when it comes to economic life, the fact is that by having to engage in economic activity, we cease to be fully human. By engaging in economic activity, we must pay a tribute to that which is subhuman within us.

[ 7 ] Wir haben sozusagen dasjenige, was dem Wirtschaftsleben angehört als Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum, auch wenn es sich hinaufsteigert zu geistigen Leistungen, die aber eben deshalb mit demselben Charakter wie Warenzirkulation des Wirtschaftslebens entstehen, weil wir Menschen sind und nicht Engel, wir wissen, daß auch das, was geistige Produktion ist, insofern das Wirtschaftliche dafür in Betracht kommt, den Charakter annimmt des Wirtschaftlichen, das in den materiellen Gütern verläuft. Und die materiellen Güter, die zur Befriedigung unseres Leiblichen notwendig sind, und geistige Leistungen, wie zahnärztliche und dergleichen, im Wirtschaftsleben müssen sie auch zuletzt durch den Warenaustausch dazu führen, daß der Zahnarzt durch das Wirtschaftsleben physisch leben kann. Irgendwie hängt das Wirtschaftsleben immer mit dem physischen Leben zusammen. Das ist aber etwas, was uns in eine gewisse, wenn auch ins Menschliche hinaufgehobene Beziehung zum Tierischen bringt. Es läßt uns untertauchen in dasjenige, was instinktiv mit dem Tier zusammen erlebt wird. Da haben Sie zunächst einer naiven, aber gesunden Empfindung gegenüber dasjenige, was die drei Gebiete für den einzelnen individuellen Menschen unterscheidet.

[ 7 ] We have, so to speak, that which belongs to economic life—such as the production, circulation, and consumption of commodities—even when it rises to the level of intellectual achievements, which, however, arise with the same character as the circulation of commodities in economic life precisely because we are human beings and not angels, we know that even what constitutes intellectual production—insofar as the economic aspect comes into play—takes on the character of the economic sphere as it manifests in material goods. And the material goods necessary for the satisfaction of our physical needs, as well as intellectual services such as dental care and the like, must ultimately, through the exchange of commodities in economic life, lead to the dentist being able to physically sustain himself through economic life. In some way, economic life is always connected to physical life. But this is something that places us in a certain relationship—albeit one elevated to the human level—with the animal realm. It immerses us in that which is instinctively experienced in common with animals. Here you have, first of all, a naive but healthy sense of what distinguishes these three realms for the individual human being.

[ 8 ] Gehen wir jetzt tiefer geisteswissenschaftlich in die Sache ein. Der Geisteswissenschafter muß da besonders beobachten die Gliederung des menschlichen Lebens in der Zeit, die Entwickelung des menschlichen Lebens zunächst von der Geburt oder Empfängnis bis zum Tode. Derjenige, der sich ein Wahrnehmungsvermögen aneignet für den Verlauf des Menschenlebens, der wird stark beeindruckt sein davon, wie sich alles das, was individuelle Fähigkeiten des Menschen sind, in der allerersten Kindheit bedeutsam ankündigt. Für den, der sich dafür ein geistiges Auge und Lebenserfahrung angeeignet hat, für den ist stark vorhanden die Wahrnehmung der besonderen Ausgestaltung der Kindesseele. In dem was heranwächst in den drei ersten Lebensstufen vom ersten bis zum siebten, vom siebten bis zum vierzehnten, vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahr, in dem kündigt sich dasjenige wie aus einer inneren elementaren Kraft heraus an, was individuelle Fähigkeiten des Menschen sind. Und nicht nur das, was wir gewöhnlich geneigt sind, als individuelle Fähigkeiten des Menschen zu betrachten, kündigt sich da an, sondern damit hängt dann zusammen, ob wir physisch stark oder schwach sind, ob wir mehr oder weniger Muskelarbeit leisten können. Da ist es, wo wir das Geistige mehr in Materielles ausdehnen müssen als die materialistisch Denkenden. Geistig angeschaut sehen wir einen guten Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung des Muskelsystems und der individuellen Veranlagung des Menschen. Alles das hängt für den, der das Menschenwesen beobachten kann, mit der Entwickelung des menschlichen Hauptes zusammen. Auch sogar in den äußeren Formen, ob einer starke Beine hat oder schwache, ob einer viel laufen kann, das sieht der, der sich einen geistigen Blick erworben hat, schon dem Kopfe an, gerade dem Kopfe. Ob einer geschickt oder ungeschickt ist, sieht man dem Kopfe des Menschen an. Diese sogenannten physischen Fähigkeiten des Menschen, die eng zusammenhängen mit seiner Eignung für äußere materielle, manuelle Arbeit, sie hängen mit der Ausgestaltung des Kopfes zusammen. Nun wissen Sie, was ich Ihnen über die Ausgestaltung des Kopfes wiederholt gesagt und aus den verschiedensten Untergründen heraus begründet habe. Ich habe Ihnen gesagt: Alles das, was im menschlichen Haupte zur Ausgestaltung kommt, was dem menschlichen Haupte seine Konfiguration, seine Formung gibt, das weist hin auf das Vorgeburtliche, das weist hin auf dasjenige, was der Mensch aus den geistigen Welten, sei es aus der geistigen Welt selbst oder sei es aus vorhergehenden Erdeninkarnationen, sich durch die Geburt mit herein ins physische Leben bringt. Indem nun ein Zusammenhang geschaut wird zwischen allen individuellen Fähigkeiten des Menschen, seien sie nun geistige oder manuelle Fähigkeiten, gerade mit der Ausbildung des menschlichen Hauptes, wird man dann weitergeleitet in seinem Schauen, so daß man alles, was aus der individuellen Fähigkeit des Menschen hervorgeht, zurückleitet auf das vorgeburtliche Leben.

[ 8 ] Let us now delve deeper into this subject from a spiritual scientific perspective. The spiritual scientist must pay particular attention to the structure of human life over time—the development of human life, initially from birth or conception to death. Anyone who develops the ability to perceive the course of human life will be deeply impressed by how all of a person’s individual abilities are significantly foreshadowed in very early childhood. For those who have cultivated an inner eye and life experience in this regard, the perception of the unique constitution of the child’s soul is vividly present. In what develops during the first three stages of life—from the first to the seventh year, from the seventh to the fourteenth, and from the fourteenth to the twenty-first—a person’s individual abilities manifest as if arising from an inner elemental force. And it is not only what we are usually inclined to regard as a person’s individual abilities that reveals itself there; rather, it is also connected to whether we are physically strong or weak, and whether we are capable of performing more or less muscular work. This is where we must extend the spiritual into the material to a greater extent than those who think materialistically. Viewed spiritually, we see a clear connection between the structure of the muscular system and a person’s individual disposition. To those who can observe the human being, all of this is connected to the development of the human head. Even in outward forms—whether someone has strong or weak legs, or whether they can walk a long distance—those who have acquired a spiritual gaze can already see this in the head, specifically in the head. Whether a person is skilled or unskilled can be seen in their head. These so-called physical abilities of the human being, which are closely related to their aptitude for external, material, manual work, are connected to the structure of the head. Now you know what I have repeatedly told you about the structure of the head and explained from a wide variety of perspectives. I have told you: Everything that takes shape in the human head—everything that gives the human head its configuration and form—points to the prenatal period; it points to that which a person brings with them into physical life through birth from the spiritual worlds, whether from the spiritual world itself or from previous earthly incarnations. By recognizing a connection between all of a person’s individual abilities—whether spiritual or manual—and the development of the human head, one’s insight is deepened, so that everything that arises from a person’s individual abilities can be traced back to prenatal life.

[ 9 ] Sehen Sie, das ist es, was den Geisteswissenschafter zu einer für ihn so bedeutungsvollen Beleuchtung dessen führt, was physisches Geistesleben ist. Physisches Geistesleben ist deshalb hier in der physischen Welt, weil wir als Menschen uns etwas durch die Geburt mit hereinbringen. Alles physische Geistesleben, in dem Umfang, wie ich heute davon zu Ihnen gesprochen habe, entsteht nicht bloß aus dieser physischen Welt heraus, es entsteht aus denjenigen Impulsen heraus, die wir hereintragen durch unsere Geburt aus der geistigen Welt in das physische Dasein. Indem wir Menschen sind, die hereinbringen in das physische Dasein Nachklänge eines übersinnlichen Daseins, gestalten wir in der menschlichen Gesellschaft hier in der physischen Welt dasjenige aus, was dieses physische Geistesleben ist. Es gäbe keine Kunst, es gäbe keine Wissenschaft, höchstens eine Experimentalbeschreibung, eine Beschreibung von Experimenten, es gäbe keine Erziehungsimpulse, wir könnten die Kinder nicht erziehen, wir könnten keine Schulbildung erteilen, wenn wir nicht durch die Geburt Impulse aus dem vorgeburtlichen Leben in das physische Leben hineinbrächten. Das ist das eine.

[ 9 ] You see, this is what leads the spiritual scientist to such a meaningful understanding of what physical spiritual life is. Physical spiritual life exists here in the physical world because we, as human beings, bring something with us at birth. All physical spiritual life, to the extent that I have spoken to you about it today, does not arise solely from this physical world; it arises from the impulses that we bring with us through our birth from the spiritual world into physical existence. By being human beings who bring echoes of a supersensible existence into physical existence, we shape within human society here in the physical world what this physical spiritual life is. There would be no art, there would be no science—at most, an experimental description, a description of experiments—there would be no educational impulses; we could not raise children, we could not provide a school education, if we did not bring impulses from prenatal life into physical life through birth. That is one thing.

[ 10 ] Nun bitte, nehmen Sie alles das, was Sie an Beschreibung der übersinnlichen Welt in meiner «’Theosophie» oder in der «Geheimwissenschaft» finden. Nehmen Sie insbesondere das, was in diesen Büchern gesagt ist aus der übersinnlichen Welt heraus über die Beziehungen, die da herrschen zwischen Menschenseele und Menschenseele, wenn diese Seelen entkörpert sind, wenn diese Seelen leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Sie wissen, wir müssen da von ganz anderen Beziehungen von Seele zu Seele sprechen, als diejenigen, von denen wir hier in der physischen Welt sprechen können. Sie erinnern sich, wie ich zusammengesetzt habe das, was von Seele zu Seele erlebt wird, aus Grundklängen, die hier in schattenhaften Bildern vorhanden sind. Sie erinnern sich der Beschreibung in der « Theosophie » des Lebens in der Seelenwelt, wie ich von gewissen Wechselwirkungen, von in der physischen Welt nicht vorhandenen Seelen- und Astralkräften sprechen mußte, indem ich das entkörperte Leben in der übersinnlichen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt schildern wollte. Da steht Seele zu Seele in einer inneren Beziehung. Da ist ein Verhältnis von Seele zu Seele, welches durch die innere Kraft der Seele selbst hervorgerufen wird. Durchdringt man sich nun ganz fest mit dem, was so als Verhältnis von Seele zu Seele existiert in der übersinnlichen Welt, faßt man das ins Auge und macht man sich so recht gegenständlich, was so existiert, dann bekommt man, wenn man in der richtigen Weise vergleicht, eine merkwürdige Anschauung heraus. Sie wissen, es beruht auf solch inneren Tendenzleistungen sehr vieles, was zur Erkenntnis in der übersinnlichen Welt, oder auch zur Erkenntnis der Zusammenhänge der übersinnlichen mit der sinnlichen Welt führt. Man wird da direkt auf das Rechts-, Staats- oder politische Leben geleitet, und zwar so, daß es keinen größeren Gegensatz gibt gegen die besondere Ausgestaltung des übersinnlichen Lebens als das politische, das Rechtsleben hier auf dem physischen Plan. Das sind die beiden großen Gegensätze, und man empfindet diese Gegensätze, wenn man in sachgemäßer Weise das übersinnliche Leben kennenlernt. Das übersinnliche Leben hat gar nichts von dem, was durch Rechtssatzungen oder äußere Sittenimpulse geregelt werden kann, denn da wird alles durch innere Seelenimpulse geregelt. Hier, im physischen Leben, wird der volle Gegensatz aufgestellt, indem man das Staatsleben mit seiner Grundnuance aufstellt, weil uns durch die Geburt dasjenige verlorengeht, was in der Seele lebt als Grundimpulse, die von Seele zu Seele das Verhältnis herstellen; weil das verlorengeht, weil wir uns das Gegenteil hier aneignen zwischen Geburt und Tod. Dieses Gegenteil sind die Rechtssatzungen, die existieren; die stellen her, was hergestellt werden muß, das Rechtsverhältnis, weil der Mensch das, was in der übersinnlichen Welt das Verhältnis von Seele zu Seele angeht, verloren hat. Das sind die beiden Pole: übersinnliches Verhältnis von Seele zu Seele — Staatsverhältnis hier auf dem physischen Plan.

[ 10 ] Now, please take everything you find in my *Theosophy* or in *The Secret Science* that describes the supersensible world. In particular, take what is said in these books about the supersensible world—about the relationships that exist there between human souls when these souls are disembodied, when they live between death and a new birth. You know that we must speak here of entirely different soul-to-soul relationships than those we can speak of here in the physical world. You will recall how I have described what is experienced from soul to soul as fundamental tones that are present here in shadowy images. You recall the description in *Theosophy* of life in the soul world, where I had to speak of certain interactions—of soul and astral forces that do not exist in the physical world—in order to depict disembodied life in the supersensible world between death and a new birth. There, soul stands in an inner relationship to soul. There is a relationship from soul to soul that is brought about by the inner power of the soul itself. If one now fully immerses oneself in what exists as this relationship from soul to soul in the supersensible world, if one takes it in and makes a clear mental image of what exists there, then—if one compares it in the right way—one gains a remarkable insight. You know that much of what leads to knowledge of the supersensible world—or to an understanding of the connections between the supersensible and the sensible worlds—rests upon such inner efforts of the will. One is thereby directly guided toward legal, state, or political life, and indeed in such a way that there is no greater contrast to the specific nature of supersensible life than political and legal life here on the physical plane. These are the two great opposites, and one perceives these opposites when one becomes acquainted with the supersensible life in an appropriate manner. The supersensible life has nothing at all in common with what can be regulated by legal statutes or external moral impulses, for there everything is governed by inner soul impulses. Here, in physical life, the full contrast is established through the structure of political life with its fundamental character; for through birth we lose what lives in the soul as fundamental impulses that establish the relationship from soul to soul; because we lose this, we acquire the opposite here between birth and death. This opposite is embodied in the existing legal statutes; they establish what must be established—the legal relationship—because human beings have lost what, in the supersensible world, concerns the relationship from soul to soul. These are the two poles: the supersensible relationship from soul to soul—and the political relationship here on the physical plane.

[ 11 ] Von Mensch zu Mensch tragen wir in die physische Geisteskulturwelt etwas herein, was uns durch die Geburt als Nachklang bleibt aus der übersinnlichen Welt. Wir breiten gleichsam einen Glanz über das Leben aus dadurch, daß wir hereinleuchten lassen das, was wir in die Welt hineintragen, indem wir es zu offenbaren suchen in Kunst, Wissenschaft und Erziehung der anderen Menschen. Das ist mit dem Rechtsleben etwas anderes. Das müssen wir hier begründen auf der physischen Erde als einen Ersatz für das, was wir in übersinnlicher Beziehung verlieren, indem wir durch die Geburt in das physische Dasein hereinkommen.

[ 11 ] From one human being to another, we bring into the physical world of spiritual culture something that remains with us through birth as an echo from the supersensible world. We spread a radiance over life, as it were, by allowing what we bring into the world to shine forth as we seek to reveal it through art, science, and the education of others. This is somewhat different from legal life. We must establish this here on the physical Earth as a substitute for what we lose in the supersensible realm when we enter physical existence through birth.

[ 12 ] Das gibt Ihnen zu gleicher Zeit einen Begriff davon, was gewisse religiöse Urkunden meinen — und Sie wissen, inwiefern religiöse Urkunden immer etwas durchdrungen sind von diesen oder jenen okkulten Wahrheiten —, wenn sie sprechen von dem berechtigten «Fürsten dieser Welt». Sie meinen, wenn sie davon sprechen: der Staat soll sich nur ja nicht darauf einlassen, dasjenige verwalten zu wollen, was der Mensch sich durch die Geburt aus der übersinnlichen Welt als deren Abglanz hereinbringt in die physische Welt. Er soll sich darauf beschränken, den rechtlichen Fürsten auszubilden, der das gerade Gegenteil hier im Staatsleben ausgestaltet: das Leben, das wir brauchen, weil uns die Impulse der geistigen Welt, indem wir durch die Geburt gegangen sind, verlorengingen. Das Staatsleben hat die Aufgabe, das auszubilden, was notwendig ist für den Menschenverkehr in der physischen Welt; es hat nur eine Bedeutung für das Leben zwischen Geburt und Tod.

[ 12 ] This also gives you an idea of what certain religious texts mean—and you know to what extent religious texts are always imbued with these or those occult truths—when they speak of the rightful “Prince of this World.” What they mean when they speak of this is: the state must under no circumstances attempt to administer that which the human being brings into the physical world through birth from the supersensible world as a reflection of it. It should confine itself to shaping the legal prince, who brings about the very opposite here in state life: the life we need because the impulses of the spiritual world were lost to us as we passed through birth. State life has the task of shaping what is necessary for human interaction in the physical world; it has no significance for the life between birth and death.

[ 13 ] Sehen wir uns das dritte an, das Wirtschaftsleben. Da wird etwas gesagt werden müssen, was ganz besonders paradox ist: Wir tauchen, kraß ausgedrückt, gewissermaßen unter in ein Untermenschliches, indem wir uns in das Wirtschaftsleben einlassen. Dadurch aber zieht immer etwas vor unsere Seele, indem wir uns in das Untermenschliche einlassen. Und das können Sie ja spüren. Denken Sie einmal, wie sehr Sie sich anstrengen müssen in sich, aktiv, wenn Sie sich der geistigen Kultur hingeben, und wie gedankenlos manche Menschen sein können im bloßen Wirtschaftsleben. Man überläßt sich oftmals den Trieben und Instinkten. Das Wirtschaften geht eben überhaupt ohne viel unmittelbar innerlich aktives Denken vor sich. Aber jedenfalls: wir tauchen unter in ein Untermenschliches. Da bewahrt sich die Seele innerlich etwas zurück. Geisteswissenschaftlich gesprochen ist der Körper mehr angestrengt, wenn wir bei einer materiellen Tätigkeit sind, als man sogar gewöhnlich glaubt. Wir müssen, wenn wir vom Wirtschaftsleben sprechen, auch von dem Endgliede des Wirtschaftsprozesses sprechen, von Essen und Trinken. Wir müssen uns klar sein, daß da nicht ein voller Parallelismus ist zwischen leiblicher und geistiger Tätigkeit, daß da der Körper überwiegt in bezug auf die Tätigkeit gegenüber dem Geistig-Seelischen. Aber dieses GeistigSeelische, das entwickelt dann eine stark unbewußte Tätigkeit. Und in dieser unbewußten Tätigkeit liegt ein Keim. Diesen Keim, den tragen wir durch die Pforte des Todes. Die Seele kann gewissermaßen ruhen, wenn wir wirtschaften. Das aber, was äußerlich dem Bewußtsein als Ruhe erscheint, das entwickelt einen Keim, der durch die Pforte des Todes getragen wird. Und entwickeln wir gar moralisch die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, wie ich es jetzt immer schildere, dann tragen wir einen guten Keim durch die Pforte des Todes, gerade durch das, was wir als Mensch dem Menschen gegenüber im Wirtschaftsleben entwickeln. Mag es Ihnen materialistisch erscheinen, wenn ich sage: Gerade in der Brüderlichkeit des Wirtschaftslebens legt sich der Mensch in die Seele die Keime für sein Leben nach dem Tode, während er in dem, was Geisteskultur ist, von der Erbschaft desjenigen zehrt, was er hereinbringt aus vorgeburtlichem Leben, — mag Ihnen das materialistisch erscheinen, es ist wahr, einfach wahr gegenüber der geisteswissenschaftlichen Forschung. Mag es Ihnen materiell erscheinen, daß ich Ihnen sage: Wenn Sie untertauchen in die Tierheit, sorgt Ihre Menschheit dafür, daß Sie das Übersinnliche für die Zeit nach dem Tode entwickeln — es ist so. Der Mensch ist ein dreigliedriges Wesen. Er hat in seinem Wesen ein Erbgut aus vorgeburtlicher Zeit, er entwickelt etwas, was zwischen der Geburt und dem Tode allein Gültigkeit hat, er entwickelt hier in der physischen Welt etwas, durch das er anknüpft das Zukunftsleben nach dem Tode an das physische Leben hier. Dasjenige, was hier ausgestaltet wird, was hier geoffenbart wird als Lebensglanz und Lebenszukunft und Lebensinteresse in der physischen Geisteskultur, das ist ein Erbgut der geistigen Welt, das wir uns hereinbringen in die physische Welt. Indem wir dieses Geistesgut erleben, es recht erleben, erweisen wir uns als Angehörige der geistigen Welt, bringen in die physische Welt einen Abglanz der übersinnlichen Welt, die wir durchlaufen haben vor unserer Geburt und Empfängnis.

[ 13 ] Let’s look at the third aspect: economic life. Here we must address something that is particularly paradoxical: To put it bluntly, by engaging in economic life, we are, in a sense, plunging into something subhuman. But in doing so, something always casts a shadow over our soul as we immerse ourselves in the subhuman. And you can certainly sense that. Just think how much active inner effort you must exert when you devote yourself to spiritual culture, and how thoughtless some people can be in mere economic life. People often give in to their drives and instincts. Economic activity generally takes place without much immediate, inwardly active thinking. But in any case: we plunge into a subhuman realm. There, the soul holds something back inwardly. From a spiritual scientific perspective, the body is more strained when we are engaged in material activity than is commonly believed. When we speak of economic life, we must also speak of the final stage of the economic process: eating and drinking. We must be clear that there is not a complete parallel between physical and spiritual activity; that in this activity, the body predominates over the spiritual-soul aspect. But this spiritual-soul aspect then develops a strongly unconscious activity. And within this unconscious activity lies a seed. We carry this seed through the gate of death. The soul can, so to speak, rest while we engage in economic activity. But what outwardly appears to consciousness as rest develops a seed that is carried through the gate of death. And if we even develop brotherhood in economic life in a moral sense, as I am now always describing, then we carry a good seed through the gate of death—precisely through what we develop as human beings toward one another in economic life. It may seem materialistic to you when I say: It is precisely through brotherhood in economic life that a person sows in their soul the seeds for their life after death, whereas in spiritual culture they draw upon the inheritance of what they bring with them from their pre-birth life—it may seem materialistic to you, but it is true, simply true in light of spiritual scientific research. It may seem material to you when I tell you: When you immerse yourself in the animal realm, your humanity ensures that you develop the supersensible for the time after death—it is so. Human beings are threefold beings. They possess within their nature a genetic heritage from the prenatal period; they develop something that is valid only between birth and death; and here in the physical world, they develop something through which they link their future life after death to their physical life here. That which is shaped here, that which is revealed here as the radiance of life, the future of life, and the interest in life within physical spiritual culture—this is a legacy from the spiritual world that we bring with us into the physical world. By experiencing this spiritual heritage—truly experiencing it—we prove ourselves to be members of the spiritual world, bringing into the physical world a reflection of the supersensible world through which we passed before our birth and conception.

[ 14 ] Die abstrakte Wissenschaft, auch die abstrakte Philosophie, redet ja natürlich immer im Abstrakten herum. Die redet davon, man müsse die Ewigkeit der Substanz, also das, was von der menschlichen Substanz bei der Geburt vorhanden ist, dann bleibt, und dann wiederum durch den Tod geht, beweisen. Solche Beweise können nie aus dem bloßen Denken gelingen. Die Philosophen haben sie auch immer gesucht, aber es hat der Beweis niemals standgehalten gegenüber dem inneren logischen Gewissen, weil die Sache einfach nicht so ist. Mit der Unsterblichkeit verhält es sich nämlich viel geistiger. Nichts irgendwie Materielles, geschweige denn Substantielles ist in einer solchen Weise vorhanden. Was vorhanden ist, ist das Bewußtsein, das Bewußtsein nach dem Tode, das zurückschaut in diese Welt. Das ist das, was wir betrachten müssen, wenn wir die Unsterblichkeit betrachten. Wir müssen viel immaterieller werden, als selbst die abstrakten Philosophen, wenn wir von diesen höheren Dingen reden. Aber die Sache ist so, daß wir das, was ich eben charakterisiert habe, als einen Abglanz der übersinnlichen Welt, den wir offenbaren als den Schmuck, den Glanz des Lebens hier, daß wir den verbrauchen und neu anknüpfen hier im physischen Leben, daß wir ein neues Kettenglied unseres ewigen Daseins hier anknüpfen müssen, das wir durch den Tod tragen. Wenn jemand nur an das denkt, was sich fortsetzt in dieses Leben hinein: wenn er konsequent forscht, muß der Faden abreißen; nur wenn er weiß, daß er ein neues Kettenglied ansetzt, das hinausgeht über den Tod, kommt er an die Unsterblichkeit heran.

[ 14 ] Abstract science—and abstract philosophy as well—naturally always speaks in abstract terms. It argues that one must prove the eternity of substance—that is, what is present in human substance at birth, remains thereafter, and then passes away through death. Such proofs can never be achieved through mere thought. Philosophers have always sought them, but the proof has never stood up to the inner logical conscience, because that is simply not how things are. The matter of immortality is, in fact, much more spiritual. Nothing material in any sense—let alone substantial—exists in this way. What does exist is consciousness—the consciousness after death that looks back upon this world. That is what we must consider when we contemplate immortality. We must become far more immaterial than even the most abstract philosophers when we speak of these higher matters. But the fact is that what I have just characterized as a reflection of the supersensible world—which we reveal as the adornment, the radiance of life here—we must use up and reconnect here in physical life; we must link a new link in the chain of our eternal existence here, which we carry through death. If someone thinks only of what continues into this life—if he investigates this consistently—the thread must break; only when he knows that he is adding a new link in the chain that extends beyond death does he approach immortality.

[ 15 ] So ist der Mensch dieses dreigliedrige Wesen. Er entwickelt in sich Fähigkeiten, die diesen Abglanz der übersinnlichen Welt in dieses Leben hereintragen. Ein Leben entwickelt er, das die Brücke bildet zwischen dem vorgeburtlichen und dem nachtodlichen Leben, und das sich auslebt in all dem, was nur seine Wurzel hat in dem Leben zwischen Geburt und Tod, was sich äußerlich darstellt in dem äußerlichen Rechts-, Staatsorganismus und so weiter. Und indem er untertaucht in das Wirtschaftsleben, und indem er in der Lage ist, in diesem Wirtschaftsleben ein Moralisches zu pflanzen, das Brüderliche, entwickelt er die Keime für das nachtodliche Leben. Das ist der dreifache Mensch.

[ 15 ] Thus, the human being is this threefold being. He develops within himself abilities that bring this reflection of the supersensible world into this life. He develops a life that forms a bridge between the pre-birth and post-death lives, and that unfolds in all that has its roots in the life between birth and death—which manifests externally in the legal system, the state apparatus, and so on. And by immersing himself in economic life, and by being able to instill within that economic life a moral dimension—a spirit of brotherhood—he sows the seeds for life after death. This is the threefold human being.

[ 16 ] Und denken Sie sich diesen dreifachen Menschen nun seit dem fünfzehnten Jahrhundert in einer solchen Entwickelungsphase, daß er alles das, was früher instinktiv war, bewußt ausbilden muß. Dadurch ist er heute in die Notwendigkeit versetzt, daß sein äußeres soziales Leben ihm Anhaltspunkte bietet, daß er drinnen stehe mit seiner dreifachen Menschlichkeit in einem dreifachen Organismus. Wir können nur, weil wir drei ganz verschiedene Wesensglieder, das Vorgeburtliche, das Irdischlebendige, das Nachtodliche in uns vereinigen, in dem sozialen Organismus richtig drinnen stehen in drei Gliedern. Sonst kommen wir als bewußte Menschen in einen Mißklang mit der übrigen Welt. Und wir werden immer mehr und mehr dahin kommen, wenn wir nicht danach trachten würden, diese umliegende Welt als dreigliedrigen sozialen Organismus zu gestalten.

[ 16 ] And now imagine this threefold human being, since the fifteenth century, in a phase of development in which he must consciously develop everything that was previously instinctive. As a result, he is now faced with the necessity that his outer social life provide him with points of reference, so that he may stand within a threefold organism with his threefold humanity. It is only because we unite within ourselves three entirely different aspects of being—the pre-birth, the earthly-living, and the post-death—that we can truly stand within the social organism as threefold beings. Otherwise, as conscious human beings, we come into disharmony with the rest of the world. And we will increasingly find ourselves in this situation if we do not strive to shape the world around us as a threefold social organism.

[ 17 ] Sehen Sie, da haben Sie die Sache verinnerlicht. Ich versuche zu zeigen, wie sich der geisteswissenschaftlichen Forschung der Finger bietet, um den dreigliedrigen sozialen Organismus zu finden; wie er gefunden werden muß aus der menschlichen Natur selber heraus. Auf den bloßen Gedanken von dem, was ich jetzt entwickelt habe, auf den sind ja manche Menschen schon gekommen. Aber ich habe mich in öffentlichen Vorträgen und auch sonst immer dagegen verwahrt, daß, wenn ich auch Anhaltspunkte gebe für diese Gedanken, man das verwechselt mit den Gedanken des alten Schäffle «Vom Bau des sozialen Organismus», oder mit den Dilettantismen des jüngst erschienenen Buches von Meray über «Weltmutation», oder ähnliche Dinge. Solche Analogiespiele treibt der Geisteswissenschafter nicht; sie sind höchst unfruchtbar. Das, was ich möchte, auch wenn ich spreche über sozialen Organismus, das ist, daß der Mensch seine Gedanken schult. Die allgemeine Gedankenschulung ist heute nicht einmal so weit, daß in der Naturwissenschaft begriffen würde, was ich nach fünfunddreißigjähriger Forschung in meinem Buche «Von Seelenrätseln» dargestellt habe, wo ich gezeigt habe, daß das ganze menschliche Wesen besteht aus den drei Gliedern: Nerven-Sinnesleben, Rhythmusleben, Stoffwechselleben. Das Nerven-Sinnesleben kann man auch das Kopfleben nennen, das rhythmische Leben kann man auch das Atmungsleben, das Blutleben nennen, das Stoffwechselleben ist das, was den übrigen Organismus konstruktionsmäßig umfaßt. Ebenso wie dieser menschliche Organismus dreigegliedert ist und jedes der Glieder in sich zentriert ist, so muß sich auch der soziale Organismus dadurch zeigen, daß jedes seiner Glieder gerade dadurch für das Ganze wirkt, daß es in sich zentriert ist. Die heutige Physiologie und Biologie glaubt, daß der Mensch ein zentralisiertes Wesen als Ganzes ist. Das ist nicht wahr. Sogar bis in die Kommunikation nach außen ist der Mensch ein dreigliedriges Wesen: das Kopfleben steht dutch die Sinnenwelt selbsttätig mit der Außenwelt in Verbindung, das Atmungsleben ist verbunden mit der Außenwelt durch die Luft, das Stoffwechselleben wiederum steht durch selbständige Öffnungen mit der Außenwelt in Beziehung. In dieser Weise muß auch der soziale Organismus dreigliedrig sein, jedes Glied in sich zentriert. Wie der Kopf nicht atmen kann, sondern das, was durch die Atmung vermittelt wird, durch das rhythmische System empfängt, so soll der soziale Organismus nicht selber etwa ein Rechtsleben entwickeln wollen, sondern er soll das Recht empfangen von dem Staatsorganismus.

[ 17 ] You see, you’ve really taken this to heart. I’m trying to show how research in the humanities can help us discover the threefold social organism—how it must be discovered from within human nature itself. Some people have, in fact, already arrived at the very idea of what I’ve just outlined. But I have always taken care—in public lectures and elsewhere—to ensure that, even when I provide points of reference for these ideas, they are not confused with the ideas of the late Schäffle in *The Structure of the Social Organism*, or with the amateurish speculations in Meray’s recently published book on “World Mutation,” or similar works. The spiritual scientist does not engage in such games of analogy; they are utterly fruitless. What I wish for—even when I speak of the social organism—is for people to train their thinking. The general training of thought has not yet advanced to the point where the natural sciences can grasp what I have presented in my book *On the Mysteries of the Soul* after thirty-five years of research, in which I have shown that the entire human being consists of three members: the nervous-sensory life, the rhythmic life, and the metabolic life. The nervous-sensory life can also be called the life of the head; the rhythmic life can also be called the life of breathing or the life of the blood; the metabolic life is that which structurally encompasses the rest of the organism. Just as this human organism is threefold and each of its members is centered within itself, so too must the social organism manifest itself in such a way that each of its members works for the whole precisely because it is centered within itself. Modern physiology and biology believe that the human being is a centralized being as a whole. That is not true. Even in its communication with the outside world, the human being is a threefold being: the head life is independently connected to the outside world through the sensory realm; the respiratory life is connected to the outside world through the air; and the metabolic life, in turn, relates to the outside world through independent openings. In this way, the social organism must also be threefold, with each member centered in itself. Just as the head cannot breathe but receives what is conveyed through breathing via the rhythmic system, so too should the social organism not seek to develop a legal life on its own, but rather receive the law from the state organism.

[ 18 ] Aber ich sagte: Man darf das, was hier auseinandergesetzt wird, nicht verwechseln mit dem bloßen Analogiespiel, das dann eintritt, wenn man allerlei Hypothesen sucht. Geisteswissenschaft ist wirkliche Forschung und geht auf die Erscheinungen los. Wenn man Geisteswissenschafter ist, glauben nur die anderen Menschen, man denke etwas aus. Bevor man richtiger Geistesforscher ist, fängt man nur an, diese geistige Welt zu beobachten. Man muß sich das Denken erst abgewöhnen; das gilt für die physische Welt. Natürlich nicht für das ganze Leben abgewöhnen, sondern bloß für die geistige Forschung.

[ 18 ] But I said: One must not confuse what is being discussed here with the mere playing with analogies that occurs when one seeks all sorts of hypotheses. Spiritual science is genuine research and sets out to investigate phenomena. When you are a spiritual scientist, only other people believe that you are making things up. Before you become a true spiritual researcher, you are merely beginning to observe this spiritual world. You must first unlearn thinking; this applies to the physical world. Of course, not for your entire life, but only for spiritual research.

[ 19 ] Ich habe Ihnen gesagt, man kommt in der Regel auf das Verkehrte, wenn man nach Analogien der sinnlichen Welt die geistige Welt charakterisieren will. Erinnern Sie sich an ein Beispiel. Die Geistesforschung zeigt, daß die Erde eigentlich ein Organismus ist; daß das, was die Geologen, die Mineralogen finden, ein Knochensystem nur ist, daß die Erde lebend ist, daß sie schläft und wacht wie der Mensch. Aber jetzt kann man nicht äußerlich nach einem Analogiespiel gehen. Wenn Sie äußerlich einen Menschen fragen: Wann wacht die Erde und wann schläft die Erde? — dann wird er ganz gewiß sagen: Sie wacht im Sommer und schläft im Winter. — Das ist das Gegenteil von dem, was wahr ist. Das Wahre besteht darin, daß die Erde tatsächlich im Sommer schläft und im Winter wach ist. Auf das kommt man natürlich nur, wenn man wirklich in der geistigen Welt forscht. Das ist das Vexierspiel, was das geistige Forschen so leicht dem Irrtum aussetzt, daß, wenn man etwas hineinträgt aus der physischen in die geistige Welt, man zumeist auf das Gegenteil oder auf Viertelswahrheiten kommt. Man muß eben jeden einzelnen Fall erforschen.

[ 19 ] I have told you that one generally arrives at the wrong conclusion when one tries to characterize the spiritual world using analogies from the sensory world. Recall an example. Spiritual research shows that the Earth is actually an organism; that what geologists and mineralogists find is merely a skeletal system; that the Earth is alive; that it sleeps and wakes just like a human being. But one cannot simply rely on superficial analogies. If you were to ask someone: “When does the Earth wake up, and when does it sleep?”—they would most certainly say: “It wakes up in the summer and sleeps in the winter.”—That is the opposite of what is true. The truth is that the Earth actually sleeps in the summer and is awake in the winter. Of course, one can only arrive at this conclusion by truly investigating the spiritual world. This is the puzzle that so easily leads spiritual research into error: when one carries something from the physical into the spiritual world, one usually arrives at the opposite or at half-truths. One must simply investigate each individual case.

[ 20 ] So ist es auch mit dem Analogiespiel, das die Leute treiben zwischen den drei Gliedern des individuellen Organismus und den drei Gliedern des sozialen Organismus. Was wird derjenige sagen, der dieses Analogiespiel treibt? Er muß sagen: Außen ist ein Geistesleben, Kunst, Wissenschaft. Das wird er in Parallele ziehen mit dem, was der menschliche Kopf hervorbringt, mit dem Nerven-Sinnesleben. Wie sollte er anders! Dann wird er, wenn er das gelten läßt, was ich in meinen «Seelenrätseln» angeführt habe, als das Materiellste das Stoffwechselleben mit dem Wirtschaftsleben in Zusammenhang bringen. Das ist das Verkehrteste, was herauskommen kann. Und man kommt auf keinen grünen Zweig, wenn man die Sache so ansehen will. Deshalb muß man sich, um zur Wahrheit zu kommen, alles Spielen mit Analogien abgewöhnen. Die außer der Geisteswissenschaft Stehenden glauben, daß man durch ein Gedanken-Analogiespiel zu diesen Dingen komme. Das ist das Allertäuschendste. Es paßt nichts, wenn man das äußere physische Geistesleben mit dem Kopfleben parallelisiert. Es paßt nichts, wenn man das Wirtschaftsleben mit dem Stoffwechselleben zusammenhält. Sobald man eingehen will auf die Sache, so paßt nichts. Wenn man wirklich forscht, so erhält man ein sehr paradoxes Resultat. Wenn man vergleicht den sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus, so kommt man nur zurecht, wenn man sich den sozialen Organismus umgekehrt hingestellt denkt: Wenn man das Wirtschaftsleben mit dem menschlichen NervenSinnesleben vergleicht. Dann allerdings kann man vergleichen das Staatsleben mit dem rhythmischen System. Aber das physische Geistesleben, das muß man mit dem Stoffwechsel vergleichen, denn da sind ähnliche Gesetze vorhanden. Denn das, was als Naturgrundlage vorhanden ist für das Wirtschaftsleben, das ist für den sozialen Organismus ganz gleichbedeutend mit den individuellen Befähigungen, die der Mensch durch die Geburt mitbringt. Wie der Mensch im individuellen Leben von der Erziehung, von dem, was er mitbringt, abhängt, so hängt der wirtschaftliche Organismus ab von dem, was die Natur ihm liefert durch eigene Vorbedingungen des Wirtschaftslebens. Die Vorbedingungen des Wirtschaftslebens, der Boden und so weiter, ist dasselbe wie die individuellen Begabungen, die der Mensch mitbringt in das individuelle Leben. Wieviel Kohle, wieviel Metalle unter der Erde sind, ob ein fruchtbarer oder unfruchtbarer Boden vorhanden ist, das sind gewissermaßen die Begabungen des sozialen Organismus.

[ 20 ] The same is true of the analogies people draw between the three members of the individual organism and the three members of the social organism. What will someone who draws these analogies say? He must say: On the outside there is a spiritual life—art, science. He will draw a parallel between this and what the human head produces—the nervous-sensory life. How could he do otherwise! Then, if he accepts what I have stated in my *Riddles of the Soul*, he will associate the metabolic life—as the most material aspect—with economic life. That is the most erroneous conclusion one could reach. And one gets nowhere if one tries to view the matter in this way. Therefore, in order to arrive at the truth, one must break the habit of playing with analogies. Those outside of spiritual science believe that one arrives at these things through a game of mental analogies. This is the most deceptive thing of all. Nothing fits when one draws a parallel between the outer, physical spiritual life and the life of the mind. Nothing fits when one equates economic life with metabolic life. As soon as one tries to get to the heart of the matter, nothing fits. If one truly investigates, one arrives at a very paradoxical result. If one compares the social organism to the human organism, one can only make sense of it by conceiving of the social organism in reverse: by comparing economic life to the human nervous-sensory life. Then, indeed, one can compare political life to the rhythmic system. But physical-spiritual life—that must be compared to metabolism, for similar laws are at work there. For what exists as the natural foundation for economic life is, for the social organism, entirely equivalent to the individual abilities that a person brings with them at birth. Just as a person in their individual life depends on their upbringing and on what they bring with them, so the economic organism depends on what nature provides through the inherent conditions of economic life. The preconditions of economic life—the soil and so on—are the same as the individual talents that a person brings with them into their individual life. How much coal and how many metals lie beneath the earth, whether the soil is fertile or barren—these are, in a sense, the talents of the social organism.

[ 21 ] Und in demselben Verhältnis, in dem das Stoffwechselsystem des Menschen zu dem menschlichen Organismus und seinen Funktionen steht, in diesem Verhältnis stehen die menschlichen Hervorbringungen des Geisteslebens zum sozialen Organismus. Der soziale Organismus ißt und trinkt dasjenige, was wir ihm zuführen in Form von Kunst, Wissenschaft, technischen Ideen und so weiter. Davon nährt er sich. Das ist sein Stoffwechsel. Ein Land, das ungünstige Naturbedingungen für sein Wirtschaftsleben hat, ist wie ein Mensch, der schlecht begabt ist. Und ein Land, dem seine Bewohner nichts zuführen an Kunst, an Wissenschaft, an technischen Ideen, das ist wie ein Mensch, der verhungern muß, weil er nichts zu essen hat. — Das ist die Realität, das ist die Wirklichkeit. Der soziale Organismus ißt unsere geistigen Erzeugnisse und trinkt sie. Und die Befähigungen, die Begabungen des sozialen Organismus, das sind die Naturbedingungen. Der Vergleich des geistigen Organismus mit dem Kopfleben hat nur so lange eine Bedeutung, solange man ein Analogiespiel treibt. Dann erst kommt man auf das Richtige, was einem helfen kann, wenn man weiß, daß die Sache so ist, daß die Gesetze so sind, wie ich es dargestellt habe. Man kann wissen: die Gesetze des menschlichen Stoffwechsels sind diese. Aber dabei muß man dasselbe Denken anwenden, das man anwendet auf den sozialen Organismus, und dann bekommt man das weitere leicht heraus. Geistige Dinge ohne solchen Leitfaden zu treiben, ist außerordentlich schwierig und langwierig. Weil heute dadurch, daß manchmal ein Analogiespiel getrieben wird, eine starke Abneigung vorhanden ist gegen dieses Parallelisieren des sozialen Organismus mit dem menschlichen Organismus, habe ich das in meinem Buche nur gestreift; aber ich versuchte es wenigstens anzudeuten, weil für die, welche die Sache gesund denken, es wiederum eine große Hilfe sein kann.

[ 21 ] And just as the human metabolic system relates to the human organism and its functions, so do the products of human intellectual life relate to the social organism. The social organism eats and drinks what we feed it in the form of art, science, technical ideas, and so on. It feeds on these things. That is its metabolism. A country with unfavorable natural conditions for its economic life is like a person who is poorly endowed. And a country to which its inhabitants contribute nothing in the way of art, science, or technical ideas is like a person who must starve because he has nothing to eat. — That is the reality; that is the truth. The social organism eats and drinks our intellectual products. And the capacities, the talents of the social organism—these are the natural conditions. Comparing the intellectual organism to the life of the head is meaningful only as long as one is engaging in a game of analogies. Only then does one arrive at the correct understanding—one that can help—when one knows that this is how things are, that the laws are as I have described them. One can know: these are the laws of human metabolism. But in doing so, one must apply the same line of reasoning that one applies to the social organism, and then the rest becomes clear. Approaching spiritual matters without such a guide is extraordinarily difficult and tedious. Because today—due to the fact that people sometimes engage in drawing analogies—there is a strong aversion to drawing parallels between the social organism and the human organism, I only touched on this briefly in my book; but I tried at least to hint at it, because for those who think about the matter clearly, it can in turn be a great help.

[ 22 ] So sehen Sie, daß wir heute als Menschen in einer eigentümlichen Lage sind. Die Naturwissenschaft, welche diese großen Fortschritte gemacht hat, welche die Denkgewohnheiten der Menschen so beeinflußt hat, daß im Grunde genommen alles soziale Denken bei den Leuten, die sozial denken, naturwissenschaftlich orientiert wird, wenn sie es auch nicht wissen — die Naturwissenschaft ist nicht fähig, den Menschen in der richtigen Weise zu beurteilen. Sie sagt zum Beispiel den krassen Unsinn: Wenn Sie etwas fühlen, das Gefühl sei auch durch das Nervensystem vermittelt. Es ist der reine Unsinn. Das Gefühl ist direkt ebenso durch das Atmungssystem, das rhythmische System vermittelt, wie der Gedanke durch das NervenSinnessystem. Und der Wille ist durch den Stoffwechsel vermittelt, gar nicht durch das Nervensystem in elementarer Weise. Erst der Gedanke des Wollens ist durch das Nervensystem vermittelt. Nur indem Sie als Menschen ein deutliches Bewußtsein haben von dem Wollen, ist das Nervensystem beteiligt. Indem Sie Ihr Wollen mitdenken, ist das Nervensystem beteiligt. Weil man das nicht weiß, ist herausgekommen jenes furchtbar Beirrende der heutigen Physiologie und Anatomie, daß man sensitive Nerven und Bewegungsnerven unterscheidet. Es gibt gar keine krassere Unrichtigkeit als diese Unterscheidung der sensitiven Nerven und Bewegungsnerven im menschlichen Leibe. Die Anatomen sind immer in Verlegenheit, wenn sie dieses Kapitel besprechen, aber sie kommen nicht darüber hinaus. Sie sind in furchtbarer Verlegenheit, weil sich anatomisch diese beiden Arten von Nerven nicht unterscheiden. Das ist reine Spekulation. Und alles das, was sich durch Untersuchungen der Tabes anschließt, das ist durchaus alles ohne Halt. Die Bewegungsnerven unterscheiden sich nicht von den sensitiven Nerven, weil die Bewegungsnerven nicht dazu da sind, die Muskeln in Bewegung zu setzen. Die Muskeln werden in Bewegung gesetzt durch den Stoffwechsel. Und während Sie mit den sogenannten sensitiven Nerven auf dem Umweg durch die Sinne die Außenwelt wahrnehmen, nehmen Sie mit den anderen Nerven ihre eigenen Bewegungen, die Muskelbewegungen wahr. Die heutige Physiologie nennt sie nur falscherweise Bewegungsnerven.

[ 22 ] So you can see that we, as human beings, find ourselves in a peculiar situation today. Natural science, which has made such great strides and has influenced people’s ways of thinking to such an extent that, essentially, all social thinking among people who think socially is oriented toward natural science—even if they are not aware of it—is incapable of assessing human beings correctly. For example, it asserts the utter nonsense that when you feel something, that feeling is also mediated by the nervous system. That is pure nonsense. Feeling is mediated directly by the respiratory system and the rhythmic system, just as thought is mediated by the nervous-sensory system. And the will is mediated by metabolism, not at all by the nervous system in any fundamental way. Only the thought of willing is mediated by the nervous system. The nervous system is involved only to the extent that you, as human beings, have a clear awareness of your will. The nervous system is involved because you think about your will. Because people do not know this, the terribly misleading distinction in modern physiology and anatomy—that between sensory nerves and motor nerves—has emerged. There is no more glaring inaccuracy than this distinction between sensory nerves and motor nerves in the human body. Anatomists are always at a loss when they discuss this topic, but they cannot get past it. They are terribly at a loss because, anatomically speaking, these two types of nerves are indistinguishable. This is pure speculation. And everything that follows from studies of tabes is entirely without foundation. Motor nerves do not differ from sensory nerves because motor nerves are not there to set the muscles in motion. The muscles are set in motion by metabolism. And while you perceive the external world through the so-called sensory nerves via the senses, you perceive your own movements—the muscle movements—with the other nerves. Modern physiology merely refers to them incorrectly as motor nerves.

[ 23 ] Solche furchtbaren Vorurteile sind in der Wissenschaft und korrumpieren das, was in das populäre Bewußtsein übergeht und viel korrumpierender wirkt, als man gewöhnlich denkt,

[ 23 ] Such terrible prejudices exist in science and corrupt what finds its way into the popular consciousness, having a far more corrupting effect than is generally thought,

[ 24 ] Also die Naturwissenschaft ist nicht so weit, diesen dreigliedrigen Menschen zu durchschauen. In der Naturwissenschaft kann man warten, ob theoretische Anschauungen ein paar Jahre früher oder später populär werden. Das macht nichts aus für das Glück der Menschen. Aber das Denken ist nicht vorhanden, um diesen dreigliedrigen Menschen zu begreifen. Dieselbe Art zu denken muß aber vorhanden sein, um den sozialen Organismus in seiner Dreigliedrigkeit zu begreifen. Da wird die Sache ernst. Da stehen wir heute an dem Zeitpunkte, wo begriffen werden uf. Deshalb ist eine solche Umkehr des Denkens, ein solches Umlernen wahrhaftig nicht nur für die naiven Menschen notwendig, sondern für die gelehrten Menschen am allermeisten. Die naiven Menschen wissen wenigstens nichts von dem, was alles in der Naturwissenschaft aufgestellt worden ist, um unbewußt die Dreigliedrigkeit des Menschen zu kaschieren. Die gelehrten Menschen aber sind vollgesteckt mit all diesen Begriffen, die heute diese Dreigliederung für einen Unsinn erklären lassen. Für den heutigen Physiologen ist sie das reine Blech. Wenn man ihm sagt, es gibt keine Bewegungsnerven, und davon spricht, daß die Gefühle nicht ebenso wie die Gedanken durch das Nervensystem vermittelt sind, sondern nur der Gedanke an das Gefühl durch den Nerv vermittelt wird, also das Bewußtsein davon, nicht das Gefühl als solches, dann wird er große Einwendungen machen. Die Einwendungen gegen diese Dinge kennt man gut. Die Menschen können natürlich sagen: Nun ja, sieh einmal, du nimmst Musikalisches wahr, das nimmst du durch die Sinne wahr. — Nein, das musikalische Empfinden ist viel komplizierter vorhanden. Es beruht darauf, daß sich der Atmungsrhythmus in unserem Gehirn begegnet mit der Sinneswahrnehmung, und in dem Zusammenschlag zwischen dem Atmungsthythmus und der äußeren Sinneswahrnehmung entsteht die musikalisch-ästhetische Empfindung. Auch da ist es so, daß das Elementare im rhythmischen System liegt. Und das, was dieses Elementare zum Bewußtsein bringt, ist im Nervensystem.

[ 24 ] So natural science is not yet ready to grasp this threefold human being. In natural science, one can wait to see whether theoretical views become popular a few years earlier or later. That makes no difference to people’s happiness. But the kind of thinking needed to understand this threefold human being is not yet present. Yet this same kind of thinking must be present in order to understand the social organism in its threefold nature. That is where things get serious. We are now at the point in time when this must be understood. Therefore, such a reversal of thinking, such a re-learning, is truly necessary not only for naive people, but most of all for learned people. Naive people, at least, know nothing of all that has been established in the natural sciences to unconsciously conceal the threefold nature of the human being. The learned, however, are filled to the brim with all these concepts that today lead them to declare this threefold division to be nonsense. For today’s physiologist, it is pure nonsense. If one tells him that there are no motor nerves, and explains that feelings are not transmitted through the nervous system in the same way as thoughts—but rather that only the thought of the feeling is transmitted through the nerves, that is, the awareness of it, not the feeling itself—then he will raise serious objections. The objections to these ideas are well known. People may, of course, say: “Well, look, you perceive music; you perceive it through the senses.” — No, the experience of music is much more complex. It is based on the fact that the rhythm of breathing in our brain interacts with sensory perception, and the musical-aesthetic experience arises from the interplay between the rhythm of breathing and external sensory perception. Here, too, the fundamental element lies in the rhythmic system. And what brings this fundamental element to consciousness is found in the nervous system.

[ 25 ] Das alles weist Sie aber darauf hin, daß wir mit Bezug auf viele Dinge heute doch in einer Übergangszeit leben. Sie wissen, ich liebe es nicht, von Übergangszeiten zu sprechen, denn jede Zeit ist ja eine Übergangszeit von der Vergangenheit in die Zukunft. Das ist es, wenn man abstrakt spricht, und von jeder Zeit kann einem mehr oder weniger vorkommen, daß es eine Übergangszeit sei. Aber nicht davon will ich sprechen, daß unsere Zeit eine Übergangszeit ist, sondern in was sie es ist. Sie ist innerlich in sehr bedeutsamer Weise in bezug auf wichtige innere Menschheitsimpulse eine Übergangszeit. Das zeigt sich aber auch bei Menschen, welche diese Wahrnehmung machen können, in einer gewissen Weise scharf. Es sind die Menschen heute nicht sehr geneigt, Nebensymptome mit dem nötigen Ernst zu betrachten. Ich will Ihnen zuerst eine rein geisteswissenschaftliche Wahrnehmung sagen. Natürlich kann ich Ihnen diese geisteswissenschaftliche Wahrnehmung ebensowenig beweisen, wie Ihnen der Mensch, der schon einen Walfisch gesehen hat, beweisen kann, daß er existiert. Er kann nur erzählen.

[ 25 ] All of this, however, points out to you that, in many respects, we are indeed living in a transitional period today. You know, I don’t like to speak of transitional periods, because every era is, after all, a transition from the past to the future. That is true, speaking in abstract terms, and to a greater or lesser extent, any era can seem like a transitional period. But I do not wish to speak of our time as a transitional period in general, but rather of what it is in this regard. Internally, in a very significant way—with regard to important inner impulses of humanity—it is a transitional period. This also becomes strikingly apparent, in a certain sense, to people who are capable of perceiving it. People today are not very inclined to regard secondary symptoms with the necessary seriousness. I would first like to share with you a purely spiritual-scientific observation. Of course, I can no more prove this spiritual-scientific observation to you than a person who has already seen a whale can prove to you that it exists. He can only tell the story.

[ 26 ] Wenn man es dahin gebracht hat, sein geistiges Anschauungsvermögen wirklich so zu gestalten, daß man eine Verbindung mit Menschenseelen haben kann, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sich entwickeln, dann macht man recht sehr überraschende Erfahrungen. Diese Kommunikation kann nur in Gedanken hergestellt werden; aber indem wir hier im physischen Leibe denken, klingt immer in unseren Gedanken etwas an, was von der Sprache herkommt. Mit dem Gedanken vibriert immer etwas von der Sprache. Wir denken immer stark in Worten. Ich habe es sogar einmal erleben müssen, als ich energisch behauptete: Ich bin mir wohl bewußt, daß ich denken kann, ohne daß Worte mitklingen —, daß Hartmann mir sagte: Das ist ein Unsinn, das gibt es gar nicht. Der Mensch kann nicht denken, ohne daß er in Worten denkt.

[ 26 ] Once one has truly developed one’s spiritual powers of perception to the point where one can establish a connection with human souls that are evolving between death and a new birth, one has some truly surprising experiences. This communication can only be established through thought; but as we think here in the physical body, there is always something in our thoughts that resonates with language. Something of language always vibrates with the thought. We always think strongly in words. I even had to experience this once when I emphatically asserted, “I am well aware that I can think without words resonating in my thoughts”—only for Hartmann to tell me, “That’s nonsense; that doesn’t exist at all. A person cannot think without thinking in words.”

[ 27 ] So gibt es also sehr geistvolle Philosophen, die überhaupt nicht glauben, daß man ohne innerliche Wortpräsenz denken kann. Man kann es. Aber im gewöhnlichen alltäglichen Denken denkt der Mensch in Worten, besonders dann, wenn er einen Verkehr mit den Toten spirituell entwickeln soll. Denn Sie wissen ja, daß dieser Verkehr mit den Toten nicht in Abstraktionen verlaufen darf — das ist so, wie wenn wir ins Blaue hineindenken würden —, sondern er muß in Konkretheit verlaufen, der Verkehr mit den Toten. Deshalb sagte ich: Bestimmte Bilder, die sehr konkret vorgestellt werden, die kommen an die Toten heran, nicht abstrakte Gedanken. Besonders weil das so ist, sind wir dann auch sehr geneigt, in diesem Gedankenverkehr mit den Toten in der Sprache zu denken, die Sprache innerlich mit anklingen zu lassen. Da machen wir die eigentümliche Erfahrung — Sie mögen es glauben oder nicht, aber es ist eben eine Erfahrung —, daß zum Beispiel die Toten Substantive nicht hören. Das sind wie Lücken in unseren Sätzen im Verkehr mit den Toten. Eigenschaftswörter sind schon besser, aber auch noch sehr schwach. Aber bei Verben, Tätigkeitswörtern, da greift ihr Verstehen ein. Das lernt man erst ganz allmählich. Man weiß nicht, warum manches so schlecht geht in diesem Verkehr. Man kommt erst nach und nach darauf, daß man bei diesem Verkehr nur ja nicht viele Hauptwörter anwenden darf. Man kann es ja für sich übersetzen, damit man es versteht. Und man kommt darauf, daß das davon herrührt, daß der Mensch, indem er Tätigkeitswörter, Verben gebraucht, nicht anders kann, als innerlich selber dabei sein, bei den Wörtern. Es ist etwas Persönliches in den Verben. Man erlebt die Tätigkeit mit, während das Substantiv immer zu etwas ganz Abstraktem wird. In dem liegt es wohl, daß diese Erscheinung eintritt, von welcher ich gesprochen habe. Daraus ersehen Sie aber, daß das sprachliche Element etwas ist, was uns nur in sehr beschränktem Maße mit der übersinnlichen Welt verbindet, was sogar dadurch, daß in dem Gebiet der Sprache immer mehr die Neigung zu Hauptwörtern auftritt, bewirkt, daß wir uns abschnüren können von der geistigen Welt. Und je mehr wir in Hauptwörtern denken, desto mehr schnüren wir uns ab von der geistigen Welt.

[ 27 ] There are, in fact, very insightful philosophers who do not believe at all that one can think without the inner presence of words. It is possible. But in ordinary, everyday thinking, people think in words, especially when they are to develop a spiritual connection with the dead. For you know, of course, that this communication with the dead must not take the form of abstractions—that would be like thinking into thin air—but must take a concrete form. That is why I said: Specific images, visualized very concretely, reach the dead, not abstract thoughts. Precisely because this is the case, we are then also very inclined, in this mental communication with the dead, to think in language—to let the language resonate within us. There we have the peculiar experience—believe it or not, but it is indeed an experience—that, for example, the dead do not hear nouns. These are like gaps in our sentences when communicating with the dead. Adjectives are somewhat better, but still very weak. But with verbs—words of action—that’s where their understanding comes into play. You learn this only very gradually. You don’t know why some things go so poorly in this communication. You realize only little by little that in this communication, you absolutely must not use many nouns. You can translate it for yourself, so that you understand it. And you come to realize that this stems from the fact that when a person uses action words—verbs—they cannot help but be inwardly present with the words themselves. There is something personal in verbs. You experience the action along with it, whereas a noun always becomes something entirely abstract. This is probably why the phenomenon I have been describing occurs. From this, however, you can see that the linguistic element is something that connects us to the supersensible world only to a very limited extent—and that, precisely because there is an increasing tendency toward nouns in the realm of language, it can cause us to cut ourselves off from the spiritual world. And the more we think in nouns, the more we cut ourselves off from the spiritual world.

[ 28 ] Ich wollte Ihnen mit dieser Tatsache nur andeuten, daß die Sprache für unser übersinnliches Leben eine große Bedeutung hat, eine fundamentale Bedeutung hat. Aber die Sprache ist in der menschlichen Entwickelung selber in voller Entwickelung begriffen. Und das Eigentümliche in der Sprachentwickelung ist, daß sie immer mehr und mehr den Menschen zur Abstraktion hinbringt, daß sie ihn immer mehr und mehr von dem lebendigen, inneren Gedankenerleben entfernt. Sie können das äußerlich dadurch wahrnehmen, daß Sie sich fragen: Wie sind die westlichen Sprachen im Vergleich zu den östlichen Sprachen gestaltet? Nehmen Sie zum Beispiel die äußerlich auf dem physischen Plan am weitesten vorgeschrittene Sprache, die englische: sie verläuft fast nur in Worten, hat am wenigsten Gedankeninhalt. Nehmen Sie die orientalischen Sprachen: sie sind ganz voll mit Gemütsinhalt, mit Gedankeninhalt. Das ist der Zug der Sprache vom Osten nach dem Westen. Die Sprache entleert sich des Gedankeninhaltes von Osten nach Westen. Das ist eine wichtige Differenzierung mit Bezug auf das soziale Völkerleben.

[ 28 ] I simply wanted to use this fact to suggest to you that language is of great importance—of fundamental importance—to our spiritual life. But language itself is in the midst of full development within human evolution. And what is peculiar about the development of language is that it leads human beings more and more toward abstraction, distancing them more and more from the living, inner experience of thought. You can perceive this outwardly by asking yourself: How are Western languages structured in comparison to Eastern languages? Take, for example, the language that is outwardly the most advanced on the physical plane, English: it consists almost entirely of words and has the least thought content. Take the Eastern languages: they are full of emotional and intellectual content. This is the trajectory of language from East to West. Language becomes increasingly devoid of intellectual content as it moves from East to West. This is an important distinction with regard to the social life of peoples.

[ 29 ] Nun gibt es in unserer Zeit einen Mann, der hat einen großen Scharfsinn entwickelt in der Beobachtung der menschlichen Sprache. Dieser Mann ist so gescheit mit Bezug auf die Beobachtung dessen, was mit der menschlichen Sprache zusammenhängt, ja fast so gescheit, daß er schon beinahe wiederum nicht gescheit ist. Es gibt nämlich einen Grad von Gescheitheit, wo man wieder anfängt ein bißchen dumm zu werden vor übergroßer Gescheitheit. Es ist schon wahr. Man kann ja einen großen Respekt haben vor dieser Gescheitheit, man soll sie aber vor der entsprechenden Wahrheit nicht überschätzen. Da ist Fritz Mauthner, der Kant überkantet hat in seiner «Kritik der Sprache». Es sind außerordentlich feine Bemerkungen in dem schrecklichen Buche über die «Kritik der Sprache», und auch im «Wörterbuch», Beobachtungen, die doch aus den Impulsen der Zeit heraus gemacht sind. Das läßt sich gar nicht leugnen. So ist nun Mauthner auf etwas ganz Bestimmtes gekommen, das ganz besonders den Geisteswissenschafter frappieren muß: darauf, daß eigentlich die menschliche innere Seelentätigkeit in einer Art von Dreistufigkeit verläuft. Das erste ist das gewöhnliche sinnliche Wahrnehmen, wie es dann organisch gestaltet ist in der Kunst. An das glaubt Mauthner als an etwas, was real ist, was eine Wirklichkeit ist. Wenn man nun innerlich erlebt, angeregt durch die sinnliche Wahrnehmung, etwas, was in das Übersinnliche schon hineinführt, so läßt Fritz Mauthner solches innerliche Erleben gelten. Er nennt es «mystisches Erleben », «religiöses Erleben». Schön, aber er sagt: Indem der Mensch so mystisch erlebt, kann er nur träumen. Es ist ja angenehm zu träumen, aber man ist aus der Wirklichkeit heraus. Mauthner zweifelt überhaupt an der Möglichkeit, an die Wirklichkeit der Dinge heranzukommen, denn die einzige Wirklichkeit ist ihm die sinnliche Wahrnehmung. Höchstens die Kunst kann noch heran. Aber sobald man sich von der sinnlichen Wahrnehmung entfernt, so weit, daß man etwas erlebt in mystisch-religiösem Leben, so träumt man eigentlich über die Wirklichkeit; man hat sie schon verlassen. Und dann kann man noch weiter gehen, meint Mauthner. Er kommt zu all diesen Überzeugungen durch die Betrachtung der Sprache. Er analysiert, er kritisiert die Sprache, besonders in seinem philosophischen Wörterbuch: Es ist etwas Schreckliches, das zu lesen. Ich habe Sie schon aufmerksam gemacht bei einer anderen Gelegenheit auf jene Qualen, die man durchmacht, wenn man von diesen Artikeln, die von A bis Z laufen, den einen oder anderen liest. Man fängt an, einen solchen Artikel zu lesen: Da wird etwas gesagt. Dann wird ein anderer Satz gesprochen, wo das, was gesagt wird, ein bißchen eingeschränkt wird. Dann ein dritter Satz, wo das, was eingeschränkt wird, wiederum eingeschränkt wird, so daß es ein bißchen auf den ersten Satz zurückkommt. Man dreht sich, dreht sich, dreht sich, und hat am Ende nichts, wenn man den ganzen Artikel zu Ende liest. Schrecklich ist der Artikel «Christentum». Eine furchtbare Qual. Aber es ist begründet, in Mauthners Sinn, daß das so ist. Mauthner weiß das, und er verurteilt eigentlich seinen Leser dazu, solche Qualen zu empfinden. Er hat sie selbst empfunden. Er glaubt nicht, daß der Mensch imstande ist, wenn er etwas wissen will, zu etwas anderem zu kommen als zu einem solchen Sichdrehen. Er ist absolut Skeptiker. Er findet nirgends in der Sprache einen anderen Inhalt, als die Sprache selbst hat. Sie hat für ihn nur einen Zufallswert. Und so wird ihm auch zu einem Traume das innere mystische Erleben. Will man aus der Sprache herauskommen: indem man herauskommt, wird sie zum innerlichen Träumen.

[ 29 ] Now, in our time, there is a man who has developed great insight into the observation of human language. This man is so clever when it comes to observing matters related to human language—indeed, almost so clever that he is almost not clever at all. For there is a certain level of cleverness at which one begins to become a little foolish again due to excessive cleverness. It is indeed true. One can certainly have great respect for this cleverness, but one should not overestimate it in light of the corresponding truth. There is Fritz Mauthner, who has outdone Kant in his *Critique of Language*. There are extraordinarily subtle observations in that dreadful book, the *Critique of Language*, and also in the *Dictionary*—observations that are, after all, shaped by the spirit of the times. That cannot be denied at all. Mauthner has thus arrived at something quite specific that must particularly strike the humanities scholar: namely, that human inner soul activity actually proceeds in a sort of three-stage process. The first is ordinary sensory perception, as it is then organically shaped in art. Mauthner believes in this as something that is real, that is a reality. Now, when one experiences something inwardly—stimulated by sensory perception—that already leads into the supersensible, Fritz Mauthner acknowledges such inner experience. He calls it “mystical experience” or “religious experience.” Fine, but he says: When a person experiences things in this mystical way, they can only be dreaming. It is, of course, pleasant to dream, but one is removed from reality. Mauthner doubts the very possibility of approaching the reality of things, for to him the only reality is sensory perception. At most, art can come close. But as soon as one moves away from sensory perception—so far that one experiences something in a mystical-religious life—one is actually dreaming about reality; one has already left it behind. And then one can go even further, Mauthner argues. He arrives at all these convictions through his analysis of language. He analyzes and critiques language, especially in his philosophical dictionary: It is a dreadful thing to read. I have already drawn your attention on another occasion to the torment one goes through when reading one or another of these articles, which run from A to Z. One begins to read such an article: Something is said there. Then another sentence is spoken, in which what was said is slightly qualified. Then a third sentence, in which what was qualified is in turn qualified, so that it returns somewhat to the first sentence. You go round and round and round, and in the end you’re left with nothing when you finish reading the entire article. The article “Christianity” is dreadful. A dreadful torment. But there is a reason, in Mauthner’s view, for it to be this way. Mauthner knows this, and he actually condemns his reader to experience such torments. He has experienced them himself. He does not believe that a person, when seeking to know something, is capable of arriving at anything other than such going in circles. He is an absolute skeptic. Nowhere in language does he find any content other than what language itself possesses. For him, it has only a random value. And so even the inner mystical experience becomes a dream to him. If one wants to escape language—by escaping it, it becomes an inner dream.

[ 30 ] Man kann aber zu einer dritten Stufe gehen: Man kann glauben zu denken, aber man spricht nur innerlich. Ob man nun der einen oder anderen Sprache zuneigt, die Sprachlaute, die Worte sind einmal an den äußeren sinnlichen Dingen entwickelt. Ich habe Ihnen ja gesprochen von verschiedenen Anschauungen der Gelehrten, wie Sprache entstanden ist. Sie wissen, daß man die Anschauungen über Sprachentwickelung in zwei Hauptklassen teilt: Bimbamtheorie und Wauwautheorie. Das sind Termini technici. Nun findet Mauthner, daß alles nur entwickelt ist an der äußeren Sinneswahrnehmung. Eigentlich sind wirkliche Gedanken nicht für den Menschen vorhanden. Aber in der Wissenschaft strebt er wirkliche Gedanken an, indem er auf die dritte Stufe gestiegen ist. Er gelangt aber nicht dazu, etwas Wirkliches zu wissen. In der Mystik träumt er noch. Wenn er sich zur Gedankenwirklichkeit, zum Beispiel zu Naturgesetzen erhebt, dann träumt er nicht einmal mehr, dann schläft er schon. Daher ist für Mauthner alle Wissenschaft Docta ignorantia. Das sind seine drei Stufen.

[ 30 ] But one can go a step further: one can believe one is thinking, but one is speaking only inwardly. Whether one leans toward one language or another, the sounds of language and the words themselves are ultimately derived from external, sensory things. I have, after all, spoken to you about various scholarly views on how language originated. You know that views on language development are divided into two main categories: the Bimbam theory and the Wauwau theory. These are technical terms. Now, Mauthner maintains that everything is derived solely from external sensory perception. In reality, true thoughts do not exist for human beings. But in science, they strive for true thoughts by ascending to the third level. Yet they do not succeed in knowing anything real. In mysticism, he is still dreaming. When he elevates himself to the reality of thought—for example, to the laws of nature—then he is no longer even dreaming; he is already asleep. Therefore, for Mauthner, all science is *docta ignorantia*. These are his three stages.

[ 31 ] Nun, ich sagte Ihnen, man kann einen gewissen Respekt haben vor einer solchen Beobachtung, denn sie ist nicht einmal unrichtig, aber eben nicht unrichtig für die heutige Zeit. Es ist nämlich etwas, wozu jetzt die Menschheit neigt, von Mauthner richtig empfunden. Es ist so: Wenn der heutige Mensch zur Mystik kommen will, so ist das etwas ganz anderes als beim früheren Menschen. Der frühere Mensch war innerlich noch verbunden mit der Realität. Der heutige Mensch kann das nicht; er träumt wirklich als Mystiker. Und die Naturgesetze, die der Mensch heute findet — nun, man kann sich ja nicht ganz auf solch schroffen Standpunkt stellen wie gewisse ’Theoretiker, die die Sache auch bemerkt haben wie Mauthner, wie zum Beispiel der französische Denker Boutroux oder Ernst Mach —, aber man muß doch sagen, was man heute Naturgesetze nennt, wenn man diese Naturgesetze auf ihren Inhalt prüft, so sind im Grunde genommen keine Gedanken da — man glaubt nur, sie seien Gedanken —, sondern nur Zusammenfassungen von Tatsachen. Es sind eigentlich bloße Registraturen. Das haben einzelne bemerkt, zum Beispiel Mach. Mauthner hat es gehörig bemerkt, daher spricht er von Docta ignorantia, von einer gelehrten Unwissenheit, von einer unwissenden Gelehrsamkeit. Ja, für den heutigen Entwickelungszustand der Menschen ist das schon so. Der Mensch ist heute sowohl mystisch wie naturwissenschaftlich sehr unfruchtbar geworden. Er bemerkt es nur noch nicht deutlich genug in seinem Hochmut. Das ist aber nicht ein allgemein menschliches Zeichen. Mauthner und die anderen glauben nur, es sei dies, weil sie in Wahrheit doch nicht an menschliche Entwickelung denken, sondern weil sie glauben: wie heute die Seele ist, so war sie immer. Aber es ist charakteristisch für die heutige Zeit. Deutlich ist für das heutige Seelenleben nur die Wahrnehmung. Wir kommen in ein Träumen hinein und gar in gelehrte Unwissenheit, wenn wir in frühere Stufen steigen wollen. Man darf aber daraus nicht den Schluß ziehen: Die menschliche Natur ist so, daß sie entweder in mystisches Träumen verfallen muß oder in gelehrte Unwissenheit — wie es die tun, die denken wie Mauthner —, sondern man muß daraus den Schluß ziehen: Also muß auf neuen Wegen gefunden werden, was die Alten auf alten Wegen gefunden haben. Das heißt, wir müssen eine neue Mystik suchen, nicht in alte Mystik hineinkommen. Diese neue Mystik ist gesucht in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Wir müssen aufsteigen zu einer neuen Imagination, zu einer neuen Inspiration, aber wir müssen aufsteigen auf neuen Wegen. Ich habe das scharf ausgeführt in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»: Weil wir mystisch träumen oder gar wissenschaftlich schlafen, haben wir es heute notwendig, daß wir aufwachen. Deshalb habe ich das Urphänomen der heutigen Erkenntnis in diesem Buche als ein «Aufwachen » bezeichnet. Wir müssen an die Stelle des mystischen Träumens eine wache Imagination setzen, an Stelle der Docta ignorantia die Inspiration, in dem Sinne, wie es gemeint ist in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?».

[ 31 ] Well, I told you that one can have a certain respect for such an observation, because it is not even incorrect—but it is simply not incorrect for our time. It is, in fact, something toward which humanity is now tending, and which Mauthner has correctly perceived. The fact is: When people today seek mysticism, it is something entirely different from what it was for people in the past. People of the past were still inwardly connected to reality. People today cannot do that; as mystics, they truly dream. And the laws of nature that people discover today—well, one cannot quite adopt such a harsh standpoint as certain “theorists” who have also noticed this, like Mauthner, such as the French thinker Boutroux or Ernst Mach— but one must say that what we call the laws of nature today—when one examines these laws of nature for their content—are, in essence, not thoughts at all—we merely believe them to be thoughts—but merely summaries of facts. They are, in fact, mere records. Some have noticed this, for example, Mach. Mauthner has recognized this quite clearly; that is why he speaks of *docta ignorantia*, of learned ignorance, of ignorant erudition. Yes, this is indeed the case given the current state of human development. Human beings today have become very barren, both mystically and scientifically. They simply do not yet realize this clearly enough in their arrogance. But this is not a universally human trait. Mauthner and the others believe this to be the case not because they are actually thinking about human development, but because they believe that the soul has always been as it is today. Yet it is characteristic of the present age. For today’s spiritual life, only perception is clear. We slip into a state of dreaming—and even into learned ignorance—when we attempt to ascend to earlier stages. However, one must not conclude from this that human nature is such that it must either fall into mystical reverie or into learned ignorance—as do those who think like Mauthner—but rather one must conclude that we must find, through new paths, what the ancients found through old paths. That is to say, we must seek a new mysticism, not retreat into old mysticism. This new mysticism is explored in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. We must ascend to a new imagination, to a new inspiration, but we must ascend along new paths. I have elaborated on this point sharply in my book *The Enigma of Man*: Because we are either dreaming mystically or even sleeping scientifically, it is necessary for us today to wake up. That is why I have described the primordial phenomenon of contemporary knowledge in this book as an “awakening.” We must replace mystical dreaming with a waking imagination, and “docta ignorantia” with inspiration, in the sense intended in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*

[ 32 ] In bezug darauf stehen wir heute in einem Übergang, gerade in bezug auf die Menschenseele, daß wir aus den tiefsten Untergründen dieser Menschenseele heraufentwickeln müssen aktive Kraft, welche zum Geistigen führt. Wir finden uns sonst nicht durch das Chaos der gegenwärtigen Zeit hindurch, wenn wir nicht den guten Willen entwickeln, aktive innere Seelenkräfte zu entwickeln. Die Spiritisten tun das Gegenteil. Sie spüren unbewußt, daß aus dem Innern nichts quillt, also lassen sie sich die Geister in äußerer Erscheinung vorführen, in äußerer sinnlicher Anschauung.

[ 32 ] In this regard, we are currently in a transitional phase—particularly with regard to the human soul—in which we must draw up from the deepest recesses of the human soul an active force that leads to the spiritual. Otherwise, we will not find our way through the chaos of the present age unless we cultivate the good will to develop active inner soul forces. The spiritualists do the opposite. They unconsciously sense that nothing wells up from within, so they allow spirits to be presented to them in external forms, in external sensory perception.

[ 33 ] Und eine tragische Erscheinung tritt in der Gegenwart auf. Wir können es heute erleben, daß Menschen, die vor kurzem noch glaubten, daß der Materialismus ihre Seele ausfüllen könnte, im zunehmenden Alter doch am Materialismus irre werden. Das ist ja nichts anderes als das, was die gesunde Seele erfühlen muß gegenüber der heutigen Biologie, der Soziologie auch: Leichengeruch, seelischen Leichengeruch, den man nur losbekommt durch eine innerliche Seelenaktivität. Das wollen heute viele nicht. Daraus entsteht die Tragik der bejahrten Menschen, die aber nicht an geisteswissenschaftliches Forschen heranwollen und in den Katholizismus zurückgehen. Der gibt den passiv bleibenden Seelen dann etwas, von dem sie glauben, daß es ein geistiger Inhalt ist. Das ist eine große Gefahr. Das weist wiederum von einer anderen Seite auf den Durchgang hin, den wir als Menschheit in der gegenwärtigen Zeit durchmachen. Ganz im geheimen geht die Menschenseele durch einen wichtigen Entwickelungspunkt. Und mit diesem Durchgang durch einen wichtigen Entwickelungspunkt hängt innerlich zusammen die Notwendigkeit, daß wir neu denken lernen in bezug auf den sozialen Organismus, daß wir in manchem anderen auch umdenken lernen in bezug auf den Menschen.

[ 33 ] And a tragic phenomenon is emerging in the present day. We can see today that people who until recently believed materialism could fulfill their souls are, as they grow older, led astray by materialism. This is nothing other than what a healthy soul must sense in the face of today’s biology and sociology as well: the stench of decay—a spiritual stench of decay—which can only be dispelled through inner spiritual activity. Many people today do not want this. This gives rise to the tragedy of elderly people who, however, do not wish to engage with spiritual scientific research and instead turn back to Catholicism. Catholicism then offers these passively remaining souls something they believe to be spiritual content. This is a great danger. It, in turn, points from another angle to the transition that we as humanity are undergoing in the present time. Quite secretly, the human soul is passing through an important point of development. And intrinsically linked to this passage through an important point of development is the necessity that we learn to think anew with regard to the social organism, and that we also learn to rethink many other aspects concerning the human being.

[ 34 ] Nun lesen Sie, wie der einzelne Mensch, wenn er in die übersinnliche Welt hinaufrückt, anfängt, sich dreizuteilen. Lesen Sie es in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Die Durcheinanderschmelzung von Denken, Fühlen und Wollen, die hier in der Sinneswelt beim Menschen das Natürliche ist — lesen Sie das Kapitel vom «Hüter der Schwelle» —, Denken, Fühlen und Wollen treten auseinander, wenn man in diese übersinnliche Welt hineinkommt. Das macht die Menschheit heute im geheimen durch im Unterbewußtsein. Da wird eine Schwelle überschritten. Die Menschen gliedern sich innerlich in einen dreigliedrigen Menschen in anderer Weise, als das früher vorhanden war. Dieses Beobachten des Durchganges des Menschen durch eine gewisse Schwelle, die belehrt einen, daß aus den geistigen Untergründen des Daseins selbst heraus uns diktiert wird die Dreigliederung des sozialen Organismus. Wenn wir in Zukunft finden wollen ein Bild von uns in der Außenwelt, so daß wir damit zusammenpassen, dann müssen wir den sozialen Organismus dreigegliedert haben.

[ 34 ] Now read how the individual, as he ascends into the supersensible world, begins to divide himself into three parts. Read about it in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” The intermingling of thinking, feeling, and willing—which is natural for human beings here in the sensory world (read the chapter on “The Keeper of the Threshold”)—these three aspects begin to separate as one enters this supersensible world. Humanity is undergoing this process secretly in the subconscious today. A threshold is being crossed. People are internally structured into a threefold human being in a different way than was the case in the past. Observing this passage of the human being through a certain threshold teaches us that the threefold structure of the social organism is dictated to us from the spiritual depths of existence itself. If we wish to find a reflection of ourselves in the external world in the future—one with which we are in harmony—then we must have a threefold social organism.

[ 35 ] Sehen Sie, das sind solche Winke, die die Geisteswissenschaft gibt für die Dreigliederung des sozialen Organismus. Aber ich betone auch dabei wiederum: Ist einmal die Dreigliederung des sozialen Organismus gefunden, so kann sie, wie alle okkulten Wahrheiten, aus gesundem Menschenverstand eingesehen werden. Zum Finden ist notwendig geisteswissenschaftliche Forschung. Ist sie gefunden, dann spricht der gesunde Menschenverstand die Sache aus. Das ist auch etwas, was wir bei jeder Gelegenheit berücksichtigen müssen.

[ 35 ] You see, these are the kinds of hints that spiritual science offers regarding the threefold structure of the social organism. But I must emphasize once again: Once the threefold structure of the social organism has been discovered, it can be understood through common sense, just like all occult truths. To discover it, research in spiritual science is necessary. Once it is discovered, common sense will articulate the matter. This is also something we must take into account at every opportunity.

[ 36 ] Nun habe ich heute versucht, Ihnen etwas zu verinnerlichen, was heute, der Zeit dienend, über die Dreigliederung des sozialen Organismus gesagt werden muß. Am nächsten Sonntag wollen wir diese Betrachtung erweitern, abschließen, und vielleicht erst zu dem bringen, was sie sein soll, nämlich zur völligen inneren Vollständigkeit.

[ 36 ] Today I have tried to help you internalize what needs to be said today—in keeping with the times—about the threefold structure of the social organism. Next Sunday, we will expand on this reflection, bring it to a conclusion, and perhaps finally bring it to what it is meant to be: complete inner wholeness.