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Spiritual-Scientific Consideration
of Social and Pedagogic Questions
GA 192

29 June 1919, Stuttgart

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Spiritual-Scientific Consideration of Social and Pedagogic Questions, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen

Elfter Vortrag

Eleventh Lecture

[ 1 ] Es scheint, daß in diesem gegenwärtigen Zeitpunkte in jeder Seele die Frage aufgehen sollte: Wohin steuert die Menschheit? Wohin geht der Weg der Menschheit innerhalb der sogenannten zivilisierten Welt? Die Ereignisse der Gegenwart sind es ja, die zweifellos diese Frage in jede Seele hineinlegen müssen. Deshalb soll heute in einem ersten Teil unserer Betrachtungen gesprochen werden über diese Frage: Wohin steuert die Menschheit?

[ 1 ] It seems that at this present moment, the question should arise in every soul: Where is humanity headed? Where is humanity headed within the so-called civilized world? It is, after all, the events of the present that must undoubtedly plant this question in every soul. Therefore, in the first part of our reflections today, we will address this question: Where is humanity headed?

[ 2 ] Wir haben ja des öfteren gesprochen von den rein menschlichen Differenzierungen, von den Unterschieden, die da bestehen zwischen den Seelenanlagen der Menschen im Westen und den Seelenanlagen des östlichen Menschen. Und ich habe auch schon im öflentlichen Vortrage im Siegle-Haus angedeutet, wie an den ja keineswegs schon beendeten Waffenkampf der Gegenwart sich anschließen wird der große Kampf des geistigen Lebens zwischen dem Westen und dem Osten, und wie dieser Kampf einer der größten, der bedeutungsvollsten Kämpfe sein wird, welche die Menschheit im Verlaufe ihres Erdenwerdens auszukämpfen hat.

[ 2 ] We have, after all, often spoken of purely human distinctions—of the differences that exist between the spiritual dispositions of people in the West and those of people in the East. And I have already hinted at this in a public lecture at the Siegle House: how the current armed conflict—which is by no means over—will be followed by the great spiritual struggle between the West and the East, and how this struggle will be one of the greatest and most significant struggles that humanity will have to wage in the course of its earthly existence.

[ 3 ] Eine Wahrheit, die hier und überhaupt innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung oftmals ausgesprochen worden ist, sie sollte zur Erkenntnis des Menschen und seiner Aufgaben immer wieder und wiederum in der Seele erweckt werden, und das ist die Wahrheit, daß im fünfzehnten Jahrhundert innerhalb der europäischen Menschheit sich ein radikaler Umschwung vollzogen hat, ein radikaler Umschwung, der zunächst von den Menschen wenig bemerkt worden ist, der aber schr, sehr deutlich ist, sowohl für das geistige Leben wie für das seelische Leben wie auch für das äußere Leibliche, für den Menschenleib, für die herrschenden Gesetze des wirtschaftlichen Lebens. Auf allen drei Gebieten ist deutlich bemerkbar um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts das Aufgehen der menschlichen Selbständigkeit, das Aufgehen der menschlichen Bewußtseinsseele. Aus früheren patriarchalischen Verhältnissen der Menschheit muß sich seit jener Zeit der Mensch allmählich herausarbeiten zur vollen Erfassung seines Menschseins, zum Stellen auf sein eigenes Urteil, sein eigenes Empfinden, und auf das aus dem eigenen Urteil und eigenen Empfinden geborene Wollen. Seit jener Zeit ist aber auch im Grunde genommen die menschliche Entwickelung — wenn ich den Ausdruck brauchen darf — gegabelt, das heißt die Menschheit steht vor einem Scheidewege. Diese Menschheit kann, während sie bis in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts mehr oder weniger, wie von ihren Instinkten geführt, geradeaus gegangen ist, die Menschheit kann seit diesem Zeitpunkte im fünfzehnten Jahrhundert entweder rechts oder links gehen, der Weg ist gegabelt. Solche Entwickelungen vollziehen sich nicht von heute auf morgen; solche Entwickelungen lassen alte Erbschaften besonders aufblühen. Und es sind durchaus alte Erbschaften zurückgeblieben aus denjenigen Zuständen der Menschheitsentwickelung, die vor dem fünfzehnten Jahrhundert durchgemacht worden sind. Aber es haben sich daneben auch diejenigen Eigenschaften der Menschheit ausgebildet, welche eben Natureigenschaften sind, die eigentlich erst seit dem fünfzehnten Jahrhundert in die Menschheitsentwickelung eingezogen sind.

[ 3 ] A truth that has often been expressed here and throughout our anthroposophical movement should be awakened again and again in the soul so that we may come to understand the human being and his tasks, and that is the truth that in the fifteenth century a radical transformation took place within European humanity—a radical transformation that was initially scarcely noticed by people, but which is very clearly evident in spiritual life, in soul life, and in the outer physical realm—in the human body and in the prevailing laws of economic life. In all three areas, the emergence of human independence—the emergence of the human conscious soul—is clearly discernible around the middle of the fifteenth century. Since that time, humanity has had to gradually break free from earlier patriarchal conditions in order to fully grasp its humanity, to rely on its own judgment, its own feelings, and on the will born of its own judgment and feelings. Since that time, however, human development has—if I may use the expression—essentially forked; that is to say, humanity stands at a crossroads. Whereas up until the mid-fifteenth century humanity had more or less proceeded straight ahead, as if guided by its instincts, from that point onward in the fifteenth century, humanity can turn either right or left; the path has forked. Such developments do not take place overnight; they cause old legacies to flourish in particular. And there are certainly old legacies remaining from those stages of human development that were experienced before the fifteenth century. But alongside these, certain characteristics of humanity have also developed—characteristics that are, in fact, natural traits which have only really entered into human development since the fifteenth century.

[ 4 ] Nur können wir in einer ganz bestimmten Weise bezeichnen, worin eigentlich dieser Umschwung im fünfzehnten Jahrhundert besteht. Sie wissen ja, ich habe es oftmals betont, die Geschichte, die in den Schulen gelehrt wird, ist nur eine Fable convenue, ist etwas, was mit der inneren Entwickelung der Menschheit furchtbar wenig zu tun hat. Da muß man schon hindurchgehen zu dem, was wahrhaftig geschehen ist, wenn man die Entwickelung der Menschheit verstehen will. Wenn man nun aufzeichnen will, was eigentlich in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts Besonderes geschehen ist, so muß man sagen: Bis in die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts lebte der Mensch dadurch, daß er alle möglichen alten, atavistischen Fähigkeiten aus der Urzeit der Menschheit noch in seinem Blute trug, mehr oder weniger instinktiv. Dieses instinktive Leben, es muß abgelöst werden durch ein seelisch-geistig bewußtes Leben. Und dieses seelisch-geistig bewußte Leben sollte eigentlich das charakteristische Leben der neueren Menschheit werden. Die bloß animalischen Instinkte, die aus der Leiblichkeit kommen, sollten sich verwandeln in seelisch-geistige Instinkte. Es gibt viele Mächte, welche dieser Entwickelung des Menschen nach dem Seelisch-Geistigen hin entgegenarbeiten wollen. Ich habe es oft betont, daß zum Beispiel die katholische Kirche im Jahre 869 auf dem ökumenischen Konzil zu Konstantinopel durch Einsetzung eines Dogmas den Menschen, die Katholiken waren, verboten hat, über den Geist überhaupt nachzusinnen. Der Geist wurde dazumal für die europäische Menschheit, insofern sie der katholischen Kirche angehörte, verboten. Das war gewissermaßen das erste Entgegenstemmen gegen das, was gerade der Menschheit das Allernotwendigste ist, gegen das Heraufziehen der Geistigkeit für die zivilisierte Menschheit. Daher ist es auch gekommen, daß diese zivilisierte Menschheit sich zum Geiste durcharbeiten muß, durcharbeiten muß gegen alle diejenigen Mächte, die sich dem Geiste entgegenstemmen, welche gewissermaßen die Menschheit in der Dumpfheit des alten, instinktiven Lebens zurückhalten möchten. In verschiedenster Weise äußert sich dasjenige, was die Menschheit treffen wird, wenn sie nur von den Erbgütern des Alten, des eigentlich Überwundenen weiterleben will. In verschiedener Weise äußert sich das im Westen, in der Mitte Europas und im Osten.

[ 4 ] We can, however, describe in a very specific way what this turning point in the fifteenth century actually consists of. As you know—and I have often emphasized this—the history taught in schools is merely a fable convenue, something that has very little to do with the inner development of humanity. One must look beyond that to what actually happened if one wants to understand the development of humanity. If we now wish to describe what was actually unique about the mid-fifteenth century, we must say: Up until the mid-fifteenth century, human beings lived more or less instinctively, carrying within their blood all manner of ancient, atavistic abilities from the dawn of humanity. This instinctive life must be replaced by a life of soul-spiritual consciousness. And this soul-spiritually conscious life was actually meant to become the characteristic way of life of modern humanity. The purely animal instincts, which arise from physicality, were to be transformed into soul-spiritual instincts. There are many forces that seek to thwart this development of humanity toward the soul-spiritual. I have often emphasized that, for example, in the year 869 at the Ecumenical Council of Constantinople, the Catholic Church, by establishing a dogma, forbade people—specifically Catholics—from reflecting on the spirit at all. At that time, the spirit was effectively forbidden to European humanity, insofar as it belonged to the Catholic Church. This was, in a sense, the first act of resistance against what is most essential for humanity—the emergence of spirituality for civilized humanity. This is also why this civilized humanity must work its way toward the Spirit, must struggle against all those forces that oppose the Spirit—forces that, in a sense, would like to hold humanity back in the dullness of the old, instinctive life. What will befall humanity if it seeks to continue living solely on the legacy of the old—of what has actually been overcome—manifests itself in a wide variety of ways. It manifests itself in various ways in the West, in Central Europe, and in the East.

[ 5 ] Wir müssen uns da allerdings zunächst fragen: Was steht eigentlich der Menschheit bevor, wenn sie sich nicht zu einem geistigen Leben, zu einer Erfassung des geistigen Lebens wenden will? Und ich habe es ja bereits in früheren Vorträgen erwähnt, daß etwas besonders Charakteristisches in der Entwickelung der Menschheit dieses ist, daß in alten Zeiten, zum Beispiel noch in der Zeit der vorchristlichen Kulturen, die Menschen bis in ein viel höheres Alter hinauf entwickelungsfähig geblieben sind, als sie es heute sind. Heute ist der Mensch nur entwickelungsfähig etwa bis zum siebenundzwanzigsten Lebensjahr, wie ich es öfter angedeutet habe. Das ist die äußerste Grenze seiner Entwickelungsfähigkeit. Er behält dann diejenigen Kräfte, die er sich so entwickelt hat bis zum siebenundzwanzigsten Jahr, und läßt sie fortvegetieren in seinem physischen Leibe. Betrachten Sie nur, wie entwickelungsfähig der Mensch in den ersten Lebensjahren ist. Da macht er alles dasjenige durch, was ihn führt bis zu der wichtigen Epoche des Zahnwechsels, gegen das siebente Lebensjahr zu. Die Menschen stumpfen sich nur ab für das, was in ihnen vorgeht; sie beachten es nicht. Aber es gehen innere Revolutionen im Menschen vor, indem er sich seinem Zahnwechsel gegen das siebente Jahr nähert. Es gehen wiederum innere Revolutionen vor im Menschen, wenn er sich gegen das vierzehnte, fünfzehnte Jahr hin der Geschlechtsreife nähert. Von solchem inneren Umrevolutionieren des Menschen spricht die äußere Geschichte nicht. Die ganz verkatholisierte äußere Geschichte Europas spricht nicht davon, und sie weiß warum. Solche Revolutionierungen gingen in der alten Menschheit, in der vorchtristlichen Menschheit bis in ein viel höheres Alter hinauf vor sich. Der Mensch war lange entwickelungsfähig, dadurch konnte er die ausgebildeten Kräfte seines Alters dazu verwenden, sehend in Weltengebiete einzudringen, in die er heute gar nicht eindringen kann, wenn er in der gewöhnlichen Erziehungsmethode, in dem gewöhnlichen äußeren Leben verbleiben will, weil er nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahr entwickelungsfähig ist, und dann dasjenige, was sich in ihm entwickelt hat, versulzen, verknöchern läßt. So daß eigentlich die Menschen in ihrer inneren Seele früher greisenhaft werden und fortvegetieren. Dasjenige, was da dem Menschen durch natürliche Kräfte genommen ist, deutlich genommen ist seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, das muß er durch bewußtes Arbeiten an seiner Seele ersetzt bekommen. Und wenn er es nicht ersetzt bekommt, kann der Mensch nur einem Zustand entgegeneilen, der immer wieder und wiederum sein späteres Leben verknöchert, vermechanisiert und so weiter. Das sind innere Gesetze der Entwickelung genau ebenso, wie die Entwickelungsgesetze in der äußeren Natur sind, nur scheut sich heute der Mensch, wirklich ein so starkes Denken und Erkennen zu entwickeln, daß er bis zu diesen inneren Gesetzen der Menschheitsentwickelung eindringt. Aber er muß eindringen, wenn nicht gewisse Dinge eintreten sollen in der Entwickelung der Menschheit, die sonst ganz gewiß eintreten werden.

[ 5 ] We must first ask ourselves, however: What actually lies in store for humanity if it refuses to turn toward a spiritual life, toward an understanding of spiritual life? And as I have already mentioned in earlier lectures, one particularly characteristic aspect of human development is that in ancient times—for example, during the era of pre-Christian cultures—people remained capable of development well into a much later age than they are today. Today, as I have often indicated, a person is capable of development only up to about the age of twenty-seven. That is the outer limit of their capacity for development. They then retain the powers they have developed up to the age of twenty-seven and allow them to vegetate on in their physical body. Just consider how capable of development a human being is in the first years of life. During this time, they go through everything that leads them to the important phase of teething, around the age of seven. People simply become numb to what is happening within them; they do not pay attention to it. But inner revolutions are taking place within a person as they approach teething around the age of seven. Internal revolutions take place again within a person as they approach sexual maturity around the ages of fourteen or fifteen. External history makes no mention of such internal upheavals in human beings. The thoroughly Catholicized external history of Europe says nothing about it, and it knows why. Such upheavals took place in ancient humanity—in pre-Christian humanity—well into much later stages of life. Human beings were capable of development for a long time; and thus could use the developed powers of his later years to penetrate, with clear vision, into realms of the world that he cannot penetrate at all today if he wishes to remain within the ordinary methods of education and ordinary external life—because he is capable of development only until the age of twenty-seven, after which he allows what has developed within him to become encrusted and ossified. As a result, people actually grow old prematurely in their inner souls and simply vegetate. What has been taken from human beings by natural forces—and has clearly been taken since the mid-fifteenth century—must be replaced through conscious work on their souls. And if they do not replace it, human beings can only rush headlong toward a state that, time and again, ossifies and mechanizes their later lives, and so on. These are inner laws of development just as much as the laws of development in the external natural world; it is just that people today shy away from truly developing such strong thinking and insight that they can penetrate to these inner laws of human development. But they must penetrate them if certain things are not to occur in the development of humanity—things that will otherwise most certainly occur.

[ 6 ] Durch dieses Entwickelungsgesetz steht die Menschheit, wenn sie so bleibt, wie sie sich entwickelt hat, vor fortdauernden Katastrophen, vor solchen fortdauernden Katastrophen, für die die gegenwärtige, seit dem Jahre 1914 sich abspielende Katastrophe nur der Anfang ist. Mit den Mitteln, welche die Menschheit als altes Erbgut entwickelt hat, können diese Katastrophen nicht abgehalten werden. Denn der Mensch geht einer Entwickelung entgegen, welche in der Zukunft sein ganzes Seelisches unbrauchbar machen würde für die späteren Jahre seines Lebens. Es würden allmählich über die zivilisierte Welt hin Menschen kommen, die in ihrer Jugend allerlei geistig-seelische Enthusiasmen, geistig-seelische Begeisterungen zeigen, die aber dann abflauen, und die ins Alter hinein seelenlos fortvegetieren würden. Seelenlos würde die Menschheit werden, mechanisiert würde die Menschheit werden.

[ 6 ] According to this law of development, if humanity continues to develop as it has, it faces ongoing catastrophes—catastrophes of such a nature that the current catastrophe, which has been unfolding since 1914, is only the beginning. These catastrophes cannot be averted with the means that humanity has developed as part of its ancient heritage. For humanity is heading toward a development that, in the future, would render its entire spiritual life useless for the later years of its existence. Gradually, people would come to dominate the civilized world who, in their youth, display all manner of spiritual and soul-related enthusiasms and passions, but which then fade away, leaving them to vegetate soullessly into old age. Humanity would become soulless; humanity would become mechanized.

[ 7 ] Wer sich darauf eingelassen hat, das Leben zu betrachten, insbesondere in unserer Zeit, der konnte auch im äußeren Leben nach dieser Richtung hin gehende Beobachtungen machen. Ich kann Ihnen sagen, ich habe gerade in den Jahrzehnten des letzten Drittels des neunzehnten Jahrhunderts immer wiederum die aufschießenden Talente und sogar Genies beobachten können, wie sie sich entwickelt haben. Keine Erscheinung war häufiger als die, daß sich Menschen entwickelten als Dichter, als Künstler, auch als Wissenschafter in jungen Jahren, die abgeblüht haben in ihren Zwanzigerjahren und dann nichts Beträchtliches mehr hervorgebtacht haben. Solche Sachen beobachtet man nicht, aber sie sind da; man schult sich nur nicht auf solche Beobachtungen. Solche Beobachtungen zeigen aber, was in unserer Zeit der Menschheit droht, wenn sie nicht dasjenige erfaßt, was nur aus der geistigen und seelischen Entwickelung selber kommen kann. Und in verschiedenster Art zeigt sich dieses über die geographischen Territorien hin, die heute von der zivilisierten Menschheit bewohnt werden.

[ 7 ] Anyone who has taken the time to reflect on life, especially in our time, has been able to make observations in everyday life that point in this direction. I can tell you that, particularly during the last third of the nineteenth century, I was able to observe time and again how emerging talents—and even geniuses—developed. No phenomenon was more common than that of people who developed as poets, artists, and even scientists at a young age, only to fade in their twenties and then produce nothing of significance thereafter. Such things are not usually observed, but they are there; we simply do not train ourselves to make such observations. Such observations, however, reveal what threatens humanity in our time if it fails to grasp that which can arise only from spiritual and psychological development itself. And this manifests itself in the most diverse ways across the geographical territories inhabited today by civilized humanity.

[ 8 ] Die Völker des Westens, die haben in einem gewissen Sinne starke Instinkte. Durch diese starken Instinkte der Völker des Westens werden sie noch längere Zeit vor diesem Absterben des Geistig-Seelischen bewahrt bleiben. Ich möchte sagen, aus der Animalität der Völker des Westens steigen noch Instinkte auf, welche sie bewahren vor der Seelenlosigkeit und Verknöcherung. Deshalb brauchen diese Völker des Westens weniger das geistig-seelische Leben zu kultivieren als die Völker Mitteleuropas und des Ostens. Diese Völker Mitteleuropas und des Ostens können nichts Schlimmeres tun, als die Kultur des Westens nachahmen auf irgendeinem Gebiet. Denn wenn sie nachahmen wollen, so ahmen sie etwas nach, wofür sie keine Instinkte haben, was in ihnen nimmermehr gedeihen kann. Und es war im Grunde genommen unser Unglück, unser selbstverschuldetes Unglück, daß wir uns soviel eingelassen haben auf die Nachahmung des Westens auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Und in gewissen Kreisen des Westens, die eingeweiht sind in diese Dinge, weiß man alles das, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, ganz gut. Daher legt man einen großen Wert darauf, den Osten, der sich natürlich durch seine seelischen Eigenschaften sehr gegen die Entseelung und Entgeistigung sträubt, gewaltmäßig zu entseelen und zu entgeistigen. Daher das Bestreben Englands gegenüber Indien, dort hinzuarbeiten auf möglichste Entseelung und Entgeistigung.

[ 8 ] The peoples of the West, in a certain sense, possess strong instincts. Thanks to these strong instincts, the peoples of the West will be spared from this withering away of the spiritual-soul aspect for quite some time yet. I would say that instincts still arise from the animal nature of the peoples of the West, which protect them from soullessness and ossification. That is why these peoples of the West have less need to cultivate spiritual and soul life than the peoples of Central Europe and the East. The peoples of Central Europe and the East could do nothing worse than to imitate Western culture in any area. For if they seek to imitate, they imitate something for which they have no instincts—something that can never flourish within them. And it was, in essence, our misfortune—our self-inflicted misfortune—that we have gone so far in imitating the West in the most diverse areas of life. And in certain circles in the West that are initiated into these matters, people are well aware of everything I have just told you. That is why great importance is attached to forcibly de-spiritualizing and de-spiritualizing the East, which, due to its spiritual characteristics, naturally resists such de-spiritualization and de-spiritualization. Hence England’s efforts toward India, working there toward the greatest possible de-spiritualization and de-spiritualization.

[ 9 ] Sehen Sie, so geht der Gang der Kultur, wenn die Menschheit sich nicht geistig-seelisch selber in die Hand nimmt. Dann werden wir es erleben, daß instinktiv im Westen gewisse demokratisch-soziale Ideale gedeihen werden, während im Osten sich dasjenige fortsetzen wird, was schon seinen Anfang genommen hat. Diese Entwickelung des Ostens, sie muß uns ja schon zu besonderen Gedanken anregen. Wir, die wir seit Jahrzehnten sogar immer betonten: die Zukunft Europas hat ihre Quelle in dem russischen Volksgeist, in dem Volksgeist des Ostens — wir, die wir immer hingewiesen haben auf alle die fruchtbaren Kräfte, die im Osten Europas aufgehen müssen, wir müssen heute besondere Sorgfalt darauf wenden, diesen Osten zu betrachten. Wir können ihn nur richtig betrachten, wenn wir uns selber richtig ins Auge fassen.

[ 9 ] You see, this is the course culture takes when humanity does not take charge of its own spiritual and emotional well-being. Then we will witness certain democratic and social ideals flourishing instinctively in the West, while in the East, the process that has already begun will continue. This development in the East must surely inspire us to reflect deeply. We, who for decades have consistently emphasized that the future of Europe has its source in the Russian national spirit, in the national spirit of the East—we, who have always pointed to all the fruitful forces that must arise in Eastern Europe—must now take special care to observe this East. We can only observe it correctly if we take a good, hard look at ourselves.

[ 10 ] Wir in Mitteleuropa sind aus jener Entwickelung heraus, die durch den Dreißigjährigen Krieg gegangen ist, in einen gewissen Idealismus des Geistes hineingegangen, der hoch aufgeblüht ist in Lessing, Herder, Schiller, Goethe, in den deutschen Philosophen, der auch seinen Abglanz gehabt hat in der deutschen Musik. Damit blühte dasjenige auf, was man so gewöhnlich den deutschen Idealismus nennt. Dieser deutsche Idealismus, er hat seinen Höhepunkt erlebt in der Philosophie Flegels. Was ist nun eigentlich diese Philosophie Hegels, die aus dem Goetheanismus in Mitteleuropa sich heraus entwickelt hat als das innerlich gediegenste Gedankensystem, was ist diese Philosophie Hegels? Nun, diese Philosophie Hegels treibt nur auf die höchste Spitze, was auch schon bei Lessing, Herder, namentlich aber bei Goethe lebte. Und das muß insbesondere heute, in der Zeit der Krisis, scharf ins Auge gefaßt werden. Was lebte in diesem deutschen Idealismus? Ja, es lebte zum letzten mal auf, in einer großartigen Weise lebte zum letzten Male auf, was in der Gestalt, wie es dazumal auflebte, in der Menschheit nicht bleiben darf. Der deutsche Idealismus, er muß in einer gewissen Hinsicht betrachtet werden als eine sehr schöne, großartige, gewaltige Abendröte. Und wer sie anders betrachtet denn als eine großartige, gewaltige Abendröte, der betrachtet sie falsch, der betrachtet sie so, daß er sich gegen den Geist des menschlichen Fortschritts versündigt. Das insbesondere wird bei Hegel anschaulich.

[ 10 ] We in Central Europe, emerging from the developments that followed the Thirty Years’ War, entered into a certain intellectual idealism that flourished in the works of Lessing, Herder, Schiller, and Goethe, as well as in the German philosophers, and which also found its reflection in German music. With this, what is commonly called German Idealism flourished. This German Idealism reached its peak in Flegel’s philosophy. What, then, is this philosophy of Hegel, which developed out of Goetheanism in Central Europe as the most intrinsically sound system of thought—what is this philosophy of Hegel? Well, Hegel’s philosophy merely takes to its highest point what was already alive in Lessing, Herder, and especially in Goethe. And this must be clearly recognized, particularly today, in this time of crisis. What was alive in this German idealism? Yes, it came to life one last time—it came to life one last time in a magnificent way—something that, in the form in which it came to life back then, must not remain within humanity. German Idealism must, in a certain sense, be regarded as a very beautiful, magnificent, and powerful sunset. And anyone who views it as anything other than a magnificent, powerful sunset is viewing it incorrectly; such a person is sinning against the spirit of human progress. This becomes particularly evident in Hegel.

[ 11 ] Es ist schwierig für die Menschen, sich in das ganz bis in die höchste Höhe der Abstraktion hineingetriebene Gedankengebäude Hegels zu vertiefen. Wer es aber tut als Mensch — nicht als Universitätsprofessor, sondern als Mensch —, der kann sich ein Urteil machen, wohin eigentlich der Menschengeist getrieben hat, indem er aus dem Goetheanismus den Hegelianismus heraus entwickelt hat. Hegel erklärt aus dem Goetheanismus heraus die menschliche Vernunft, die da waltet in den Erscheinungen, als das eigentlich Göttlich-Geistige. Die menschliche Vernunft setzt Hegel auf den höchsten Thron; die in der Wirklichkeit waltende Vernunft setzt Hegel auf den höchsten Thron. Er führt im Grunde genommen nur dasjenige aus, was auch schon Goethe getan hat. Nun ist das Eigentümliche — wenn man sich wirklich als Mensch vertieft in Goethe und Hegel, so merkt man das —, nun ist das Eigentümliche, daß Geist waltet in Lessing, in Herder, in Schiller und Goethe, in Hegel, aber daß dieser in ihnen waltende Geist nichts vom Geiste weiß. Das ist etwas, was die Menschen werden verstehen müssen, was heute den Menschen noch so ans Ohr klingt, daß sie geradezu gar nichts davon verstehen. Es ist Geist, was in diesem deutschen Idealismus waltete, es ist Geist, aber es weiß nichts vom Geist, es handelt nicht vom Geist, es redet nicht vom Geist.

[ 11 ] It is difficult for people to delve into Hegel’s system of thought, which has been driven to the very heights of abstraction. But anyone who does so as a human being—not as a university professor, but as a human being—can form their own judgment as to where the human spirit has actually been driven by developing Hegelianism out of Goetheanism. Hegel explains, on the basis of Goetheanism, human reason—which reigns in phenomena—as the truly divine-spiritual. Hegel places human reason on the highest throne; he places the reason that reigns in reality on the highest throne. Essentially, he is merely carrying out what Goethe had already done. Now the peculiar thing—if one truly immerses oneself as a human being in Goethe and Hegel, one realizes this—now the peculiar thing is that spirit reigns in Lessing, in Herder, in Schiller and Goethe, in Hegel, but that this spirit reigning within them knows nothing of the Spirit. This is something people will have to understand; yet today it still sounds so foreign to people’s ears that they understand absolutely nothing of it. It is Spirit that reigned in this German idealism; it is Spirit, but it knows nothing of Spirit, it does not deal with Spirit, it does not speak of Spirit.

[ 12 ] Die Hegelsche Vernunft, sie wird entwickelt zuerst in der Logik, das heißt im gewöhnlichen menschlichen Denken, das zum Weltendenken wird; sie wird entwickelt in der Naturphilosophie, wo alle Naturerscheinungen gemäß der Vernunft verwaltet werden; sie wird entwickelt in den menschlichen seelischen Eigenschaften, in den menschlichen geschichtlichen Eigenschaften, in dem, was der Mensch hervorgebracht hat als Religion, als Kunst, als Wissenschaft — aber dann ist es aus. Von dem Geiste als Geist redet diese Philosophie nicht. Sie ist ganz Geist, sie redet von allem, was nicht Geist ist, auf geistige Art; aber sie redet nichts vom Geiste. Es ist die letzte Abendröte, die letzte schöne, herrliche Abendröte desjenigen, was eigentlich für die Gesamtmenschheit als Sonnenschein schon in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts untergegangen ist. Daher ist es notwendig, daß man gerade zum deutschen Idealismus eine ganz besondere Stellung gewinnt. Derjenige, der ihn konservieren will, der das einfach aufnehmen will, was Lessing, Herder, Goethe, Schiller gedacht haben, oder was dann Hegel in großartige abstrakte Weltenformeln gebracht hat — wer das bloß nachdenken will, wer gewissermaßen im gewöhnlichen Sinne Schüler sein will dieser Zeit, der versündigt sich am Fortschritt der Menschheit. Wir können das, was als Abendtöte der Menschheit erglänzt hat, was noch in sich trägt die letzten Lichtingredienzien des Griechentums und Römertums, wir können das nicht, wenn es nicht ertötend wirken soll, in die Kultur, in die Entwickelung der neueren Zeit einfach als Wissen, als Aufgenommenes, als Verdautes hinübernehmen. Das ging mir schon als ganz junger Mensch durch die Seele. Deshalb habe ich in den achtziger Jahren den Goetheanismus nicht so getrieben wie die anderen, daß ich über Goethe geschrieben habe, daß ich dasjenige historisch verarbeitet habe, was die Goethe-Forscher zum Beispiel historisch verarbeiteten, sondern ich habe versucht, den Goetheanismus lediglich aufzunehmen und ihn weiterzubilden. Ich habe meine Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung geschrieben zu dem Zwecke, um dahin zu kommen, zu zeigen, wie man im Sinne Goethes denken und über die Welt empfinden könne. Ja, da ist dann gerechnet mit alledem, was ich eben vorhin gesagt habe. Da ist gerechnet damit, daß wir an der Abendröte des deutschen Idealismus lernen können, wie wir uns weiter entwickeln können, daß wir aber nicht diese Abendröte in der Gestalt, wie sie historisch überliefert ist, fortzusetzen haben. Wir müssen gerade etwas anderes geistig-seelisch herausentwickeln aus diesem deutschen Idealismus, als er uns unmittelbar darbietet. Wir müssen lernen an ihm, daß wir Kraft sammeln, um weiterzukommen. Daher ist heute Goetheanismus nicht ein Goethekult, nicht eine Verehrung desjenigen, was Goethe unmittelbar geschaffen hat, sondern Goetheanismus ist die umgestaltete, die umgewandelte Fortsetzung desjenigen, was man, an Goethe sich schulend, sich innerlich durchdringend, heranentwickeln kann.

[ 12 ] Hegelian reason is first developed in logic—that is, in ordinary human thought, which becomes a way of thinking about the world; it is developed in the philosophy of nature, where all natural phenomena are governed in accordance with reason; it is developed in the qualities of the human soul, in the qualities of human history, in what humanity has produced as religion, as art, as science—but then it ends. This philosophy does not speak of the Spirit as Spirit. It is entirely Spirit; it speaks of everything that is not Spirit in a spiritual way; but it says nothing about the Spirit. It is the last twilight, the last beautiful, magnificent twilight of that which, for all of humanity, had already set as sunlight by the middle of the fifteenth century. Therefore, it is necessary to adopt a very special stance toward German idealism in particular. Anyone who wishes to preserve it, who simply wants to take in what Lessing, Herder, Goethe, and Schiller thought, or what Hegel later expressed in magnificent abstract formulas—anyone who merely wants to reflect on this, who, so to speak, wants to be a student of this era in the ordinary sense, is sinning against the progress of humanity. We cannot simply carry over into the culture and development of modern times—as knowledge, as something absorbed, as something digested—that which shone as the twilight of humanity, which still bears within it the last vestiges of the light of Greek and Roman civilization, unless we wish it to have a destructive effect. This thought already penetrated my soul when I was a very young man. That is why, in the 1980s, I did not pursue Goetheanism in the same way as others—by writing about Goethe or by historically processing what Goethe scholars, for example, had historically processed—but rather I tried simply to take in Goetheanism and develop it further. I wrote my epistemology of the Goethean worldview for the purpose of demonstrating how one can think and feel about the world in the spirit of Goethe. Yes, this takes into account everything I just mentioned. It takes into account that we can learn from the twilight of German idealism how to develop further, but that we do not have to continue this twilight in the form in which it has been historically handed down. We must develop something else spiritually and emotionally from this German idealism than what it directly presents to us. We must learn from it to gather strength to move forward. Therefore, Goetheanism today is not a cult of Goethe, not a veneration of what Goethe directly created, but rather Goetheanism is the reshaped, transformed continuation of what one can develop within oneself by studying Goethe and allowing his ideas to permeate one’s inner being.

[ 13 ] In noch höherem Grade ist das bei Hegel der Fall. Derjenige, der heute ein Hegelianer wäre, der den Hegelianismus unter die Menschheit bringen wollte in dieser oder jener Gestalt, der würde verdorrend wirken auf den Fortschritt unserer Kultur. Wer aber die Art der feinen Gedankenbildung Hegels zu seinem innersten Seeleneigentum macht und von da aus den Schritt tut, den Hegel nicht machen konnte: in den Geist hinein, der tut das Richtige, der tut, was im Sinne des Menschheitsfortschritts liegt. Sehen Sie, das ist unsere schwierige Stellung innerhalb der Welt, daß wir am wenigsten zum Beispiel Goetheaner sind, wenn wir Goethe nachbeten, daß wir am meisten Goetheaner sind, wenn wir uns dazu aufschwingen können, zu sagen: Wir müssen alles anders machen, als Goethe es gemacht hat, wenn wir gerade in Goethes Sinn wirken wollen; wir müssen alles anders machen, als Hegel es gemacht und gesagt hat, wenn wir am besten in Hegels Sinn wirken wollen. Die Geschichte macht es uns schon in einer gewissen Weise vor. Für Hegel war der Preußenstaat die allervernünftigste Einrichtung in der Welt, weil der Vernunft in allen Dingen sucht. «Das Wirkliche ist das Vernünftige.» Daher war der Staat, in den er selber als Person eingemündet hat, das Allervernünftigste. Alle Universitäten waren für ihn gut, die mitteleuropäischen Universitäten die Mittelpunkte der Welt, und die Berliner Universität der Mittelpunkt des Mittelpunktes. Das sind durchaus Dinge, die in einer geheimnisvollen Weise mit denjenigen Kräften in der Menschheitsentwickelung zusammenhängen, die ich oftmals so gezeichnet habe, daß man sich ihnen nicht hingeben kann, wenn man bequem seelisch leben will, weil einen diese Kräfte innerlich vor allerlei Klippen und Abgründe führen, vor Übergänge und innere Umwälzungen. Das verkennen diejenigen, die heute am falschen Groetheanismus und Hegelianismus die richtigen messen. Und solche Leute sind heute wahrlich nicht in geringer Anzahl vorhanden. Und man muß sich bewußt werden, wie diese Menschen den wirklichen Menschheitsfortschtitt hemmen.

[ 13 ] This is even more true of Hegel. Anyone who were a Hegelian today—who sought to spread Hegelianism among humanity in one form or another—would have a stifling effect on the progress of our culture. But whoever makes Hegel’s subtle mode of thought his own innermost spiritual possession and, from there, takes the step that Hegel could not take—into the spirit—is doing the right thing; is doing what serves the progress of humanity. You see, this is our difficult position in the world: that we are least of all Goethian, for example, when we merely parrot Goethe; that we are most Goethian when we can rise to the level of saying: We must do everything differently from how Goethe did it, if we wish to act precisely in Goethe’s spirit; we must do everything differently from how Hegel did and said it if we want to act most effectively in Hegel’s spirit. History already shows us this in a certain way. For Hegel, the Prussian state was the most rational institution in the world, because it seeks reason in all things. “The real is the rational.” Therefore, the state into which he himself had merged as a person was the most rational of all. All universities were good in his eyes; the Central European universities were the centers of the world, and the University of Berlin was the center of the center. These are certainly things that are mysteriously connected to those forces in human development that I have often described in such a way that one cannot surrender to them if one wishes to live a comfortable spiritual life, because these forces lead one inwardly toward all manner of cliffs and abysses, toward transitions and inner upheavals. This is misunderstood by those who today measure the true against the false in Goetheanism and Hegelianism. And such people are certainly not few in number today. And one must become aware of how these people hinder the real progress of humanity.

[ 14 ] Da ist ein Buch erschienen, das so recht aus dem Geiste der Gegenwart heraus geschrieben ist, geschrieben ist aus dem aufgeklärtesten Geiste der Gegenwart heraus, von einem innerlich scharfsinnigen und künstlerisch empfindenden Menschen, Ernst Michel. Das Buch heißt «Der Weg zum Mythos.» Da ist sogar der gute Wille vorhanden, wiederum zurückzukehren zu einer geistig-seelischen Auffassung des Lebens. Aber wie beurteilt Ernst Michel den Weg des Goetheanismus? Sehen Sie, eine Stelle muß ich Ihnen vorführen, weil sie mit unserer heutigen Betrachtung innerlich zusammenhängt. Er sagt auf Seite 38: «Die höchste Erkenntnis, die nach Goethe dem Menschen vergönnt ist, ist das intuitive Vordringen zu den Urphänomenen, d.h. zur schauenden Erfassung des Gestalteten, Erschienenen als bewegte, flutende Auswirkung göttlicher Kräfte. Diese selbst aber bleiben uns ihrem metaphysischen Wesen nach verborgen. Der Mensch kann nichts dazutun und nichts hinwegnehmen, er kann das Geistige nicht beeinflussen, er kann nur schauend in seinen Wirkungsbereich gelangen oder nicht. Über dieses Grundgesetz menschlicher Existenz kommt auch der höchste Mensch nicht hinaus. Die Theosophie, auch in ihrer Form als Anthroposophie, wäre rückhaltlos von ihm (Goethe) abgelehnt worden. »

[ 14 ] A book has been published that is truly written in the spirit of the present, written from the most enlightened spirit of the present, by a man of keen insight and artistic sensibility, Ernst Michel. The book is titled *The Path to Myth*. There is even a willingness to return once again to a spiritual and psychological understanding of life. But how does Ernst Michel assess the path of Goetheanism? You see, there is one passage I must share with you, because it is intrinsically connected to our discussion today. On page 38, he says: “The highest knowledge granted to human beings, according to Goethe, is the intuitive penetration to the primordial phenomena—that is, the intuitive grasp of the formed and manifested world as the moving, surging effect of divine forces. These forces themselves, however, remain hidden from us in their metaphysical essence. Human beings can neither add to nor take away from this; they cannot influence the spiritual realm; they can only enter—or fail to enter—its sphere of influence through contemplation. Not even the greatest human being can transcend this fundamental law of human existence. Theosophy, even in its form as anthroposophy, would have been unreservedly rejected by him (Goethe).”

[ 15 ] Also Sie sehen, hier betrachtet ein Mensch die Geistesart Goethes. Er weist hin auf das instinktive Element, auf das Vordringen in die Urphänomene, und sagt dann: Die Theosophie, auch in ihrer Form als Anthroposophie, wäre von Goethe rückhaltlos abgelehnt worden. — Welche Gedanken hat man sich in der Gegenwart über so etwas zu machen, wenn man wirklich im Sinne des Fortschrittes denkt? Man hat sich zu sagen: Ganz gewiß, die Theosophie, auch in ihrer Form als Anthroposophie, wäre von Goethe abgelehnt worden. Aber in der Form es heute der Menschheit vorzutrommeln, wie es hier in diesem Buche geschieht, das heißt sich versündigen am Fortschritt der Menschheit. Denn nicht darum handelt es sich, was Goethe in seiner Zeit und bis zu seinem Tode, 1832, abgelehnt hätte, sondern um dasjenige handelt es sich, was heute wirken muß und was Goethe in seiner fortlebenden Geistigkeit aus sich selber machen will. Diejenigen also, die nur zurückblicken in einer solchen Weise, die versündigen sich am wirklichen Fortschritt der Menschheit.

[ 15 ] So you see, here a person is examining Goethe’s way of thinking. He points to the instinctive element, to the penetration into primordial phenomena, and then says: Theosophy, even in its form as anthroposophy, would have been unreservedly rejected by Goethe. — What thoughts should one have about such matters today, if one truly thinks in the spirit of progress? One must say to oneself: Certainly, theosophy—even in its form as anthroposophy—would have been rejected by Goethe. But to drum it into humanity today in the way it is done here in this book—that is to sin against the progress of humanity. For the issue is not what Goethe would have rejected in his own time and up until his death in 1832, but rather what must take effect today and what Goethe, in his enduring spirituality, wishes to bring forth from within himself. Those, therefore, who look back in such a way are sinning against the true progress of humanity.

[ 16 ] Das ist die heutige Furcht, aber auch der heutige Haß gegenüber . dem lebendig bewegten Geistesleben, in das wir hineinkommen müssen, wenn wirklich eine Entwickelung der Menschheit angestrebt werden soll. Es ist daher kein Wunder, wenn Menschen, die die Weltentwickelung so anschauen, in Irrtümer über Irrtümer verfallen. So betrachtet dieser Verfasser die heutige expressionistische Kunst, und er findet irgend etwas über diese expressionistische Kunst — er redet ja sehr unklar —, aber er findet nicht heraus, wie diese expressionistische Kunst in ihrer Unbeholfenheit doch ein Anfang ist zu etwas Neuem, ein Anfang vor allen Dingen zu etwas, wovon sich Ernst Michel nicht das geringste träumen läßt. Deshalb sagt Ernst Michel: «Dem Symbolismus folgte der Expressionismus als zweite Bewegung, die das künstlerische Schaffen bewußt wieder seiner höchsten Aufgabe zuführen wollte: gestaltetes Bekenntnis, Ausdruck einer geistigen Weltanschauung zu sein.»

[ 16 ] This is the fear of today, but also the hatred of today toward the vibrant, dynamic spiritual life into which we must enter if we are truly to strive for the evolution of humanity. It is therefore no wonder that people who view world evolution in this way fall into one error after another. This is how the author views today’s Expressionist art, and he finds something about this Expressionist art—he speaks very unclearly, after all—but he fails to realize how this Expressionist art, in all its clumsiness, is nonetheless a beginning of something new, a beginning above all of something that Ernst Michel would never even dream of. That is why Ernst Michel says: “Symbolism was followed by Expressionism as the second movement that consciously sought to lead artistic creation back to its highest purpose: to be a shaped confession, an expression of a spiritual worldview.”

[ 17 ] Der Expressionismus ist sehr unverständlich heute, manchmal antikünstlerisch, nicht nur unkünstlerisch, aber es ist der ungeschickte Weg, um künstlerische Verkörperung des innerlich Geistigen zu suchen. Im Anschluß daran findet Ernst Michel das Urteil berechtigt, daß er sagt: «Der Transzendentalismus, als der das neue Weltgefühl in die Erscheinung tritt, beruft sich jedoch nicht auf einen neuen religiösen Offenbarungsinhalt, sondern auf die philosophische Lehre Henri Bergsons und die neue Gnosis Rudolf Steiners, die in der Intuition eine latente Geisteskraft des Menschen verkünden, die an die Stelle der religiösen Offenbarung zu treten berufen sei. In der Kraft der Intuition, des schauenden Bewußtseins, soll der Mensch befähigt sein, den Verstand und seine Scheinerkenntnis zu überwinden und unmittelbar zum geistigen Sein der Dinge vorzudringen.»

[ 17 ] Expressionism is very difficult to understand today; at times it is anti-artistic—not merely unartistic—but it is a clumsy way of seeking an artistic embodiment of the inner spiritual realm. In light of this, Ernst Michel finds the following judgment justified: “Transcendentalism, as the new worldview manifests itself, does not, however, draw upon a new religious revelation, but rather upon the philosophical teachings of Henri Bergson and the new gnosis of Rudolf Steiner, which proclaim that intuition is a latent spiritual power within human beings, destined to take the place of religious revelation. Through the power of intuition—of contemplative consciousness—human beings are to be enabled to overcome the intellect and its illusory knowledge and to penetrate directly to the spiritual essence of things.”

[ 18 ] An einer solchen Stelle muß man den Menschen, der in schiefer Weise aus der Gegenwart herauswächst, sozusagen, unmittelbar ertappen. Denn hier wird zusammengeworfen dasjenige, was unsere Anthroposophie ist, mit dem, was eine in die letzten Phasen einer Entwickelung gebrachte Phrasenhaftigkeit des Henri Bergson ist, der alles, was Weltanschauung ist, durcheinander rührt, und der einem so vorkommt wie die bekannte Persönlichkeit, die sich immer um sich selbst dreht, um den eigenen Zopf abzufangen, der überall verweist auf Intuitionen, aber nirgends zu einer Intuition kommt, der immer davon redet, man solle zum Seelischen vordringen, der aber keinen Schritt macht, um zu einer wirklichen Geist-Erkenntnis vorzudringen. So schwer wird es den Menschen der Gegenwart, das Fruchtbare von dem Unfruchtbaren zu unterscheiden. Wir in Mitteleuropa haben die Möglichkeit dieser Unterscheidung, wenn wir uns halten an die große Unterscheidung: des Goethe, wie er bis zum Jahre 1832 war, und des Goethe, wie et in uns wirken muß. Und ebenso bei Hegel. Denn dann, wenn sie in uns in umgewandelter Form wirken, dann ist ihre Geistigkeit befruchtend für uns, um den Weg in die geistige Welt hineinzunehmen.

[ 18 ] At a point like this, one must, so to speak, catch the person red-handed as he grows out of the present in a skewed way. For here, what our anthroposophy is is conflated with what amounts to the clichéd rhetoric of Henri Bergson—a rhetoric brought to the final stages of its development—who muddles everything that constitutes a worldview, and who strikes one as resembling that well-known figure who is always revolving around himself, trying to catch his own ponytail, who refers everywhere to intuitions, but never arrives at an intuition, who always talks about the need to penetrate to the soul, but takes no step toward advancing to a true knowledge of the spirit. This is how difficult it becomes for people today to distinguish the fruitful from the fruitless. We in Central Europe have the opportunity to make this distinction if we adhere to the great distinction between Goethe as he was until 1832 and Goethe as he must work within us. And the same applies to Hegel. For when they work within us in a transformed form, their spirituality becomes a source of inspiration for us to take the path into the spiritual world.

[ 19 ] Was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe, das ist zu gleicher Zeit der Schlüssel, um eine sehr, sehr wichtige Erscheinung des neunzehnten Jahrhunderts zu verstehen, die den Menschen deshalb nicht gründlicheres Nachdenken verursacht hat, weil die Menschen in der Gegenwart dem gründlichen Nachdenken abgeneigt sind. Aber ist es denn nicht eigentümlich, daß der immer nur aus der Luft heraus von Geist sprechende Dialektiker Hegel als seinen genialsten Schüler den ganz materialistischen, nur von dem Materiellen und Ökonomischen etwas haltenden Kar! Marx hat? Unmittelbar schlägt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts der äußerste Idealismus in den geistlosesten Materialismus um, und nicht Hegel, sondern Karl Marx wird derjenige Geist, an den sich die zukunftsreichsten Menschen der Gegenwart halten. Wir waren noch nicht in der Lage, weil wir den Scelenschlaf geschlafen haben in der Mitte Europas, diese hier zugrunde liegende Tatsache in ihren Fundamenten wirklich zu prüfen. Man kann sie nur prüfen, wenn man sich frägt: Nehme man an, der Geist von Karl Marx breitete sich über ganz Europa aus, was würde aus Europa?

[ 19 ] What I have just explained to you is at the same time the key to understanding a very, very important phenomenon of the nineteenth century—one that has not prompted people to reflect on it more deeply precisely because people today are averse to deep reflection. But isn’t it peculiar that Hegel—the dialectician who always spoke of the “Spirit” in abstract terms—should have as his most brilliant student Karl Marx, who was entirely materialistic and concerned only with the material and the economic? Right in the middle of the nineteenth century, extreme idealism suddenly gave way to the most spiritless materialism, and it is not Hegel but Karl Marx who has become the guiding spirit to which the most forward-looking people of the present day adhere. We have not yet been in a position—because we have been slumbering in the heart of Europe—to truly examine this underlying fact at its very foundations. One can only examine it by asking oneself: Suppose the spirit of Karl Marx were to spread throughout all of Europe—what would become of Europe?

[ 20 ] Da muß man nun beim Osten anfangen. Da würde der Osten, aus dessen Volksseele hervorgehen soll die eigentliche Beseelung der neueren Zivilisation, da würde dieser Osten einem Schicksal entgegengehen, das man in folgender Weise bezeichnen kann: Die Mechanisierung des Geistes, in einem wirtschaftlichen Papsttum die vollständige Mechanisierung des Geistes, die Ertötung aller Produktivität und Freiheit des Geistes in einer großen, über ein großes Territorium ausgedehnten Buchhaltung. Ferner die Vegetarisierung der menschlichen Seele. Insbesondere würde sich geltend machen auf dem Gebiet der Rechtsanschauung und des staatlichen Lebens diese Vegetarisierung der Seele. Oh, es ist interessant, wie in unserem Zeitalter zuletzt aufgetaucht ist aus dem Geiste des Ostens, der vorwärts will, die unklare, aber echt russische Lehre des 7o/stoi, die Seelendurchdringung des Dostojewski, aber auch dasjenige, was in Mitteleuropa weniger beobachtet wurde, und was ich nennen möchte das russische Heroentum der Rechtsidee. Dieses russische Heroentum der Rechtsidee war bei vielen Menschen verbreitet, bevor diese Weltkriegskatastrophe ausgebrochen ist. Diese russischen Heroen, sie haben gar nicht mehr gedacht an ihren persönlichen Menschen, sie haben nur noch gedacht an den Menschen an sich, an dasjenige, was rechtens sein soll von Mensch zu Mensch. Und sie wären nicht nur durchs Feuer, sondern auch durch den physischen 'Tod gegangen für die Realisierung, und sind auch zum großen Teil durch den Tod gegangen für die Realisierung der Rechtsidee. Und so findet man auch auf anderen Gebieten in diesem russischen Leben vor dem Ausbruch der Weltkriegskatastrophe, niedergedrückt durch das Furchtbare, was die Welt erlebt hat durch Zarismus und Imperialismus, ein gewisses Heroentum des Seelenlebens in dem russischen Menschen. Und jetzt flutet hinüber dasjenige, was den Geist mechanisieren will, was die Seele vegetarisieren will; so daß, wenn das so fortgehen würde, der russische Osten durch Jahrhunderte hindurch mit schlafender, betäubter Seele durch die Menschheitsentwickelung leben würde. Verschlafen würde er auch dasjenige, was er selber der Welt hätte geben können. Und ferner wird zugeeilt in diesem europäischen Osten der Animalisierung der Leiber, der Geburt der animalischen Instinkte in den Leibern. |

[ 20 ] One must now begin with the East. There, the East—from whose national soul the true spirit of modern civilization is to emerge—would be heading toward a fate that can be described as follows: The mechanization of the spirit—in an economic papacy, the complete mechanization of the spirit—the stifling of all productivity and freedom of the spirit within a vast accounting system spanning a vast territory. Furthermore, the “vegetarianization” of the human soul. This “vegetarianization” of the soul would make itself felt particularly in the realm of legal philosophy and political life. Oh, it is interesting how, in our age, the vague but genuinely Russian doctrine of the 7o/stoi has recently emerged from the spirit of the East—a spirit that strives to move forward—along with Dostoevsky’s profound insight into the soul, but also that which has been less observed in Central Europe, and which I would like to call the Russian heroism of the legal ideal. This Russian heroism of the idea of justice was widespread among many people before the catastrophe of the World War broke out. These Russian heroes no longer thought of their own personal selves at all; they thought only of humanity itself, of what ought to be just in human relations. And they would have gone not only through fire but also through physical death for the realization of this ideal, and to a large extent they did indeed go through death for the realization of the concept of justice. And so, even in other areas of Russian life before the outbreak of the catastrophe of the World War—oppressed by the horrors the world had experienced under tsarism and imperialism—one finds a certain heroism of the soul in the Russian people. And now there is a flood of forces seeking to mechanize the spirit and reduce the soul to a vegetative state; so that, if this were to continue, the Russian East would live through the course of human development for centuries with a sleeping, numbed soul. It would also sleep through what it itself could have given to the world. Furthermore, in this European East, there is a rush toward the animalization of bodies, the birth of animal instincts within them. |

[ 21 ] Das würde verhängen der alte Geist der Menschheit über dieses unglückselige Europa, zunächst im Osten, wenn man sich nicht bequemen würde, hineinzusteuern in den Geist des Fortschritts. Denn es ist nicht Fortschritt, was jetzt nach dem Osten getragen werden soll, es ist die allerreaktionärste Strömung, die ganz herausgeboren ist aus dem, was für die Menschheit schon bestimmt war unterzugehen um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts. Was heute im russischen Leninismus lebt, das ist die Fortsetzung des Geistes, der auf dem ökumenischen Konzil zu Konstantinopel im Jahre 869 dogmatisch den Geist abgeschafft hat. Das muß man durchschauen. Und was sich aus wahrem demokratisch-sozialem Geiste dagegen auflehnt, das ist dasjenige, was mit dem wirklichen Fortschritt der Menschheit rechnet. Denn dieses Reaktionärste will eben, wenn es sich dessen auch nicht bewußt ist, Mechanisierung des Geistes, Vegetarisierung der Seele, Animalisierung der leiblichen Instinkte, die sich immer mehr und mehr ausleben würden in den Anschauungen vom Blute. Es nützt nichts, vor diesen Dingen die Augen zu verschließen. Wer heute aus dem Geiste der Wahrheit heraus reden will, der muß den Dingen ins Gesicht schauen, was auch daraus folgt, der muß auch rückhaltlos denjenigen Dingen ins Gesicht schauen, in denen sogar eine große Anzahl von Menschen in betörter Weise das Heil sucht. Und ich möchte sagen: nur im extremsten Fall zeigt dieser russische Osten, wohin die Menschheit sausen will. Sie will mit dem alten Geiste in die Mechanisierung des Geisteslebens hineinsteuern, indem sie die Schule ganz vom Staate aufsaugen läßt. Sie will in die Entseelung, in die Vegetarisierung der Seele hineinsausen, indem sie abstumpfen will das wirkliche Rechtsgefühl, und es ersetzen will durch die Buchführung eines scheinbar, aber nicht wirklich sozialisierten Staates. Und sie meint, die Menschen zu einem natürlichen Menschenleben zu führen, indem sie die wüstesten animalischen, leiblichen Instinkte entfesselt, die der Mensch in sich trägt.

[ 21 ] That is what the ancient spirit of humanity would impose upon this unfortunate Europe—first in the East—if people did not bring themselves to embrace the spirit of progress. For it is not progress that is now to be carried eastward; it is the most reactionary of currents, born entirely out of that which was already destined to perish for humanity by the middle of the fifteenth century. What lives on today in Russian Leninism is the continuation of the spirit that dogmatically abolished the Spirit at the Ecumenical Council of Constantinople in the year 869. One must see through this. And whatever rebels against this out of a true democratic-social spirit is precisely what counts on the real progress of humanity. For this most reactionary force—even if it is not conscious of it—seeks the mechanization of the spirit, the vegetation of the soul, and the animalization of bodily instincts, which would find ever greater expression in views concerning blood. It does no good to close one’s eyes to these things. Anyone who wishes to speak today in the spirit of truth must look these things squarely in the face, whatever the consequences; they must also unreservedly look squarely in the face those things in which even a large number of people, in a deluded manner, seek salvation. And I would like to say: only in the most extreme case does this Russian East show where humanity is rushing toward. It wants to steer, with the old spirit, toward the mechanization of spiritual life by allowing the state to completely take over the school system. It wants to hurtle toward the de-spiritualization, the “vegetation” of the soul, by seeking to dull the true sense of justice and replace it with the bookkeeping of a state that is seemingly, but not truly, socialized. And it believes it is leading people toward a natural human life by unleashing the most savage, animalistic, physical instincts that human beings carry within themselves.

[ 22 ] Das ist die Aufgabe, die uns aus der tiefsten Not heraus in Mitteleuropa geboren werden soll, auch in diesem Punkte klar zu sehen. Klar zu sehen, wie wir die große Zeit des deutschen Idealismus in uns aufzunehmen haben, wie wir umzuwandeln, umzugestalten haben, was die große Zeit des deutschen Idealismus ist, damit die Menschen nicht — wie es in Rußland anfangen würde — wie lebende Leichname herumgehen werden, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Aufflackern würden in der Zukunft einzelne Fähigkeiten der Menschen in den jungen Jahren, und alle die alten Menschen würden wie lebende Leichname herumwandeln. Und die Kultur würde aussterben, denn die Erde kann seit dem fünfzehnten Jahrhundert auf ihre Art dem Menschen nichts mehr geben; er muß es sich selbst suchen, wenn er auf der Erde gedeihen will. Wir in Mitteleuropa haben die Aufgabe, dem Westen, der es nur zu der Entwickelung des Leibes und der Seele, und dem Osten, der es nur zur Entwickelung des Geistes und der Seele bringen kann, wir in Mitteleuropa haben die Aufgabe, der Menschheit zu zeigen, wie die Entwickelung durch Leib, Seele und Geist geht. Wir haben wiederum aufzurichten jenes Reich des Geistes, das untergraben worden ist von dem dogmatischen Katholizismus 869 auf dem achten ökumenischen Konzil zu Konstantinopel. Sonst geht mit dem Geiste der Menschheit auch die Seele verloren, und sie wird zum lebenden Leichnam auf dieser Erde, da die Erde weiterhin keine Lebenskraft mehr geben könnte. Daher das beständige Suchen nach dem Geiste, daher die Notwendigkeit einer wirklichen Weltanschauung der Freiheit. Nicht jener Freiheit, die mit dem schwärzesten Reaktionärismus verbunden sein kann, sondern jener Freiheit, die herausgeboren wird aus dem Geiste des modernen Menschen.

[ 22 ] This is the task that must arise from our deepest distress in Central Europe: to see clearly on this point as well. To see clearly how we must internalize the great era of German idealism, how we must transform and reshape what that great era of German idealism represents, so that people will not—as would begin to happen in Russia—walk around like living corpses once they reach a certain age. In the future, individual human abilities would flare up only in young people, and all the elderly would wander about like living corpses. And culture would die out, for since the fifteenth century, the earth, in its own way, has had nothing more to offer humanity; people must seek it out for themselves if they wish to flourish on earth. We in Central Europe have the task of showing humanity—to the West, which can achieve only the development of body and soul, and to the East, which can achieve only the development of spirit and soul—we in Central Europe have the task of showing humanity how development proceeds through body, soul, and spirit. We must once again reestablish that realm of the spirit which was undermined by dogmatic Catholicism in 869 at the Eighth Ecumenical Council of Constantinople. Otherwise, along with the spirit of humanity, the soul will also be lost, and humanity will become a living corpse on this earth, since the earth would no longer be able to provide any life force. Hence the constant search for the spirit, hence the necessity of a true worldview of freedom—not the kind of freedom that can be associated with the blackest reactionaryism, but the freedom that is born of the spirit of modern humanity.

[ 23 ] Die mitteleuropäische Menschheit war dazu veranlagt, in der äußersten Verdünnung gerade noch den Geist so weit hervorzubtingen bei Hegel und Goethe, daß der Geist als Geist wirkte, aber nicht mehr den Geist erfassen konnte, ihn höchstens bei Goethe symbolisch andeuten konnte im «Märchen» und im zweiten Teil des «Faust», bei Hegel, indem er die Welt geistig beschrieb, aber so, daß diese geistige Beschreibung der Welt geistlos geblieben ist. Faßt man Hegel als einen Menschen, der über die Welt ganz vom Standpunkte des Geistes sprechen kann, aber zu gleicher Zeit als den geistlosesten Menschen, der jemals geboren worden ist, dann faßt man Hegel richtig. Aber es steckt dieses Erbgut der Geistlosigkeit gerade in der mitteleuropäischen Entwickelung. Daher sind wir gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts und zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in die absolute Geistlosigkeit hineingekommen. Wir sind hineingekommen in ein Walten, das überhaupt nicht mehr über das Leben nachdachte. Und aus dem Nicht-Nachdenken über das Leben, aus dem, daß man sich alle Gedanken über das Leben abgewöhnt hat, ist dann 1914 erfolgt, was man so ausdrücken könnte: im Juli 1914, am Ende des Monats war es so, daß in Mitteleuropa alle Gedanken durch dämonische Geister konfisziert worden sind, damit diese konfiszierten Gedanken in den Seelen der Menschen nicht wirkten, und aus dem wüsten Unterbewußtsein heraus dasjenige entspringen konnte, was eben dann entsprungen ist. Denn Mitteleuropa mit seinen beiden Reichen machte tatsächlich 1914 Ende Juli den Eindruck von Menschen, die so handeln, daß ihnen alle Gedanken konfisziert worden sind. Über diese Dinge sich heute einen blauen Dunst vorzumachen genügt nicht. Diese Dinge müssen heute im Geiste der Wahrheit gesehen werden, und dieser Geist der Wahrheit muß sich zu gleicher Zeit befruchten lassen von dem, was notwendig ist für die weitere Menschheitsentwickelung.

[ 23 ] Central European humanity was predisposed, in the most extreme dilution, to bring forth the Spirit in Hegel and Goethe just enough for the Spirit to function as Spirit, but could no longer grasp the Spirit; at most, it could symbolically allude to it in Goethe’s “Fairy Tale” and in the second part of “Faust,” in Hegel’s case, by describing the world in spiritual terms, yet in such a way that this spiritual description of the world remained spiritless. If one regards Hegel as a man who can speak of the world entirely from the standpoint of the Spirit, yet at the same time as the most spiritless man ever born, then one has understood Hegel correctly. But this legacy of spiritlessness is precisely embedded in Central European development. That is why, toward the end of the nineteenth century and at the beginning of the twentieth century, we have slipped into absolute spiritlessness. We had entered a state of affairs that no longer reflected on life at all. And out of this failure to reflect on life—out of the fact that people had weaned themselves of all thoughts about life—what occurred in 1914 could be described as follows: in July 1914, by the end of the month, it was as if all thought in Central Europe had been confiscated by demonic spirits, so that these confiscated thoughts would not take effect in people’s souls, and so that what then arose could spring forth from the desolate subconscious. For Central Europe, with its two empires, did indeed give the impression in late July 1914 of people acting as though all their thoughts had been confiscated. It is not enough today to delude ourselves about these matters. These things must be viewed today in the spirit of truth, and this spirit of truth must at the same time be nourished by what is necessary for the further development of humanity.

[ 24 ] Daher muß man auch einsehen, was diejenige Gesinnung über die Menschheit bringen würde, die nur aus der naturwissenschaftlichen Weltanschauung heraus kommt, aus jener naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die die ganze Welt begreifen will und die dann ihre blödsinnigen, ihre schwachsinnigen Blüten getrieben hat in den monistischen Vereinigungen, wo überhaupt nur noch Phrasen und Phrasen geredet wurden, weil man sonst nichts reden konnte. Nehmen wir an, diese naturwissenschaftliche Weltanschauung, die sich in alles soziale Denken und Empfinden hineingeschlichen hat, würde die Menschheit ergreifen. Was wäre die Folge? Ja, da muß man wissen, welches die Eigentümlichkeit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung ist. Sehen Sie, Haeckel ist ein Prachtmensch, wirklich ein Prachtmensch voller Leben gewesen, ein glänzender Kerl. Ich habe Ihnen vielleicht schon die selbst erlebte Geschichte erzählt: Wir saßen einmal in Weimar, ich mit dem alten Verlagsbuchhändler Hertz von Berlin an einer und Haeckel an der anderen Ecke des Tisches. Nun, Hertz, der ein Mensch nach ganz altem Zuschnitt war, sagte ungefähr im Gespräch: Ja, was der Haeckel lehrt, das führt die Menschheit in den Untergang hinein, das ist ein Unglück für die Menschheit. — Der Haeckel saß, wie gesagt, am anderen Ende des Tisches. Hertz sprach weiter, dann fiel ihm diese so sympathische, schöne Erscheinung des Haeckel ins Auge, und er fragte: Wer ist denn der dort unten? — Man sagte ihm, daß es Haeckel sei. Nein, rief er, das kann nicht sein, böse Menschen können nicht so lachen! — Sehen Sie, in solchen Symptomen stießen zusammen diejenigen Dinge, die von alt her kamen, und die, welche nach dem Neuen hinwollten. Aber eine eigentümliche Erscheinung muß beobachtet werden: Solche Menschen, die zuerst Naturwissenschaft treiben im Kabinett oder mit den Netzen im Meere, indem sie Medusen untersuchen, wie Haeckel das so zahlreich getan hat, die im Laboratorium aus erster Hand die Untersuchungen machen, das können innerlich rege Menschen sein, die können mit ihrer Seele und sogar mit dem Geiste dabei sein. Die Schüler aber, die zeigen sich bereits in der dritten Generation als absolut geist- und seelenlose Menschen. Das ist das Eigentümliche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung: sie zehrt den Menschen aus an Geist und an Seele, und sie betäubt ihn. Aber weil sie bei denen, die aus erster Hand die Forschungen betreiben, die Auszehrung noch nicht so weit treiben kann, deshalb sind oftmals die ursprünglichen Naturforscher höchst sympathische Kerle. Der nächste Schüler, der noch die Gestalt des Lehrers vor sich hat, ist nicht ganz geistlos; der dritte, der der Schüler des Schülers ist, ist meist schon ein geist- und seelenloser Kerl, ein Monist.

[ 24 ] Therefore, one must also recognize what consequences a worldview of humanity—one derived solely from the scientific worldview—would bring, from that scientific worldview that seeks to comprehend the entire world and which has since produced its absurd, its idiotic offshoots in the monistic associations, where nothing but empty phrases were spoken, because there was nothing else to say. Let’s suppose this scientific worldview, which has crept into all social thought and feeling, were to take hold of humanity. What would be the consequence? Well, one must understand what the distinctive feature of the scientific worldview is. You see, Haeckel was a magnificent man—truly a magnificent man, full of life, a brilliant fellow. I may have already told you this story from my own experience: We were sitting once in Weimar—I was at one end of the table with the old publisher and bookseller Hertz from Berlin, and Haeckel was at the other end. Well, Hertz, who was a man of the old school, said something along these lines during the conversation: “Yes, what Haeckel teaches is leading humanity to ruin; it’s a disaster for humanity.” — Haeckel, as I said, was sitting at the other end of the table. Hertz continued speaking, then Haeckel’s charming, handsome appearance caught his eye, and he asked, “Who is that over there?” — He was told that it was Haeckel. “No,” he exclaimed, “that can’t be—evil people can’t laugh like that!” — You see, in such manifestations, the forces that came from the past clashed with those that were striving toward the new. But a peculiar phenomenon must be noted: such people, who first engage in natural science in the laboratory or with nets in the sea, examining jellyfish as Haeckel did so extensively, who conduct first-hand investigations in the laboratory—these can be inwardly lively people; they can be fully present with their soul and even with their spirit. The students, however, already in the third generation, reveal themselves to be people utterly devoid of spirit and soul. This is the peculiarity of the scientific worldview: it drains people of spirit and soul, and it numbs them. But because it cannot yet drive this depletion so far in those who conduct the research firsthand, the original natural scientists are often highly likable fellows. The next student, who still has the teacher’s image before him, is not entirely devoid of spirit; the third, who is the student’s student, is usually already a spiritless and soulless fellow, a monist.

[ 25 ] Aber mit diesem Monismus ist noch etwas anderes verknüpft. Durchdringt man sich in der Seele mit diesem Monismus, durchdringt man sich überhaupt mit dem Geiste der neueren Naturwissenschaft in seiner Seele, so wird man als Mensch dem Menschen fremd, dann entwickeln sich im Menschen antisoziale Triebe. Die Sympathien von Mensch zu Mensch erblassen, die Antipathien nehmen immer mehr und mehr zu. Deshalb mußte ich es hier oft aussprechen: Mag die Naturwissenschaft auf dem Boden der Natur noch so große Triumphe feiern — die menschliche Natur, die menschliche Wesenheit ruiniert sie von den Fundamenten aus, denn sie erzeugt die antisozialen Triebe, sie ertichtet Abgründe zwischen Mensch und Mensch. Wir stehen heute schon an solchen Abgründen zwischen Mensch und Mensch, was sich dadurch zeigt, daß nur noch im geringsten Maße heute der Mensch den Menschen begreifen kann, der Mensch sich in den Menschen wirklich hinein versenken kann.

[ 25 ] But there is something else connected to this monism. If one allows this monism to permeate one’s soul—if one allows the spirit of modern natural science to permeate one’s soul at all—then one becomes a stranger to other human beings, and antisocial impulses develop within one. Sympathies between people fade, while antipathies grow ever stronger. That is why I have had to state it here so often: No matter how great the triumphs of natural science may be on the basis of nature—it ruins human nature, the human being, from its very foundations, for it generates antisocial impulses and creates chasms between people. We already stand today at such chasms between human beings, as evidenced by the fact that today people can only to a very limited extent understand one another, or truly immerse themselves in one another.

[ 26 ] Was muß an die Stelle des eben Geschilderten treten? An seine Stelle muß diejenige Seelenentwickelung treten, die ihren Weg geht durch die Aufnahme dessen, was Sie, vielleicht mit schwachen Kräften, geschildert finden in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Das ist zugleich ein Erziehungsbuch der Menschheit. Das ist es, womit begonnen werden sollte am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts: den Menschen davon zu sprechen, wie sie auf sich selbst, auf ihre eigene Kraft bauen sollten. Solch eine Sache muß auch pädagogisch fruchtbar gemacht werden. Solch eine Sache ist das Fundament für die mitteleuropäische Pädagogik.

[ 26 ] What must take the place of what has just been described? It must be replaced by that spiritual development which makes its way through the assimilation of what you will find described—perhaps in a somewhat limited way—in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. This is also a book on the education of humanity. This is what should have been the starting point at the beginning of the twentieth century: speaking to people about how they should rely on themselves, on their own strength. Such a matter must also be made pedagogically fruitful. Such a matter is the foundation of Central European pedagogy.

[ 27 ] Nun, es ist unmöglich, daß die Kräfte, die bloßgelegt werden sollten in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», daß diese Kräfte in irgendeiner Staatsschule groß gezogen werden.

[ 27 ] Well, it is impossible that the powers described in *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?* could be cultivated in any public school.

[ 28 ] Errichten Sie Staatsschulen irgendwelcher Form, und die Menschen werden gerade hinweggetrieben von dem, was da in ihren Seelen und in ihrem Geiste entwickelt werden soll. Das kann nur gedeihen, wenn das Geistesleben auf seine ureigenste freie Basis gestellt wird, wenn das Geistesleben in Selbstverwaltung gerückt wird. Daher ist dieses Rücken des Geisteslebens in Selbstverwaltung die Urfrage der Menschheit in der gegenwärtigen Zeit. Denn durch dieses Rücken des Geisteslebens in die Selbstverwaltung wird wiederum das erzeugt werden, was unter der naturwissenschaftlichen Erziehung der Menschheit am meisten verlorengegangen ist: das Walten einer künstlerischen Erfassung der Welt, aus dem heraus sich dann ergeben wird das imaginative Erfassen der Welt. Denn die Menschheitsentwickelung ist an einem gewissen Punkte angekommen: wenn der Mensch dem Menschen heute gegenübertritt, sie können einander gar nicht mehr erkennen, weil dazu die Leiblichkeit schon zu sehr abgedort ist. Sie können Menschen nur erkennen, wenn Sie sich ein Bild, eine Imagination von ihm machen können. Und immer mehr auf Bilder, auf Imaginationen, die sich der Mensch vom Menschen machen kann, auf Anschauen des Seelisch-Geistigen im Menschen, wird auch der unmittelbare persönliche Verkehr gestellt sein müssen, und alles dasjenige, was für die Menschen da sein sollte. Gründlich geändert müssen die eigentlichen Entwickelungsimpulse der Menschen werden. Und da muß auch das schon ausgesprochen werden: Nehmen Sie an, die Denkweise, die heute die ganze Menschheit beherrscht, die materialistische Denkweise, sie würde siegen — jetzt sind wir an der Gabelung der Kultur —, diese materialistische Anschauung würde siegen: dann würde sich von Rußland ausgehend die ganze Menschheit dem Geiste nach mechanisieren, der Seele nach vegetarisieren, dem Leibe nach animalisieren, weil die Erdenentwickelung selber dazu drängt. Die Erdenentwickelung gab von sich die belebenden Menschenkräfte, das können Sie bis ins fünfzehnte Jahrhundert hinein verfolgen, wo selbst die Preise in Mitteleuropa die normalen waren, die Preise der einzelnen Wirtschaftsgüter. Das wird nur verdeckt von der Geschichte, die eine Fable convenue ist. Die Erde konnte dem Menschen nur bis ins fünfzehnte Jahrhundert hinein das geben, was er ohne Bewußtsein in sich finden konnte, nur bis dahin konnte sie Entfalterin des Menschen sein. Seither ist der Mensch darauf angewiesen, sich hineinzuarbeiten in das Ergreifen einer bildhaften, geistigen Anschauung der Welt und des anderen Menschen, um wiederum zu einem richtigen Verkehr von Mensch zu Mensch zu kommen. Würde die materialistische Weltanschauung siegen, so würde eintreten, was ich eben charakterisiert habe, dann würde Ödigkeit über die Erde hinfluten, und der Krieg aller gegen alle würde beschleunigt werden.

[ 28 ] Establish public schools of any kind, and people will be driven away from precisely what is meant to develop within their souls and minds. This can only flourish if spiritual life is placed on its very own free foundation, if spiritual life is placed under self-governance. Therefore, this return of spiritual life to self-governance is the fundamental question facing humanity at the present time. For through this return of spiritual life to self-governance, what has been lost most of all in humanity’s scientific education will be restored: the prevalence of an artistic perception of the world, from which an imaginative perception of the world will then emerge. For human development has reached a certain point: when people face one another today, they can no longer recognize one another at all, because physicality has already withered away too much for that. They can only recognize people if they can form an image, an imagination, of them. And direct personal interaction—and everything that is meant to be there for human beings—will increasingly have to be based on images, on the imaginations that people can form of one another, and on perceiving the soul-spiritual aspect within the human being. The very impulses driving human development must undergo a fundamental change. And this must also be stated clearly: Suppose the way of thinking that dominates all of humanity today—the materialistic way of thinking—were to prevail—we are now at a cultural crossroads—suppose this materialistic worldview were to prevail: then, starting from Russia, all of humanity would become mechanized in spirit, vegetative in soul, and animalistic in body, because the development of the Earth itself is driving this forward. Earth’s evolution gave rise to the life-giving human forces; you can trace this all the way into the fifteenth century, when even prices in Central Europe were normal—the prices of individual economic goods. This is merely obscured by history, which is a conventional fable. The Earth could provide humanity only up to the fifteenth century with what people could find within themselves unconsciously; only up to that point could it serve as a catalyst for human development. Since then, human beings have been dependent on working their way toward a pictorial, spiritual vision of the world and of other human beings in order to once again achieve genuine human interaction. If the materialistic worldview were to prevail, what I have just described would come to pass; desolation would flood across the earth, and the war of all against all would be accelerated.

[ 29 ] Aus diesem Zustand heraus gibt es nur eine Rettung: wenn die Menschen sich zur Geistigkeit, das heißt zum bildhaften Anschauen, zum Imaginativen hinwenden; wenn sie in der Lage sind, dasjenige, was vom Griechentum kommt und am Griechentum schön war, das Geborenwerden für den Geist, wenn sie das ersetzen durch das Erkanntwerden des Geistes in der Welt; wenn sie ersetzen das, was im Römertum gelebt hat und was vom Römertum aus verheerend in Europa einzog, die Beamtetheit, wenn sie das zu ersetzen wissen durch freien rechtlichen Menschenverkehr, und wenn sie das, was im Westen durch Instinkte besonders gedeiht, zu ersetzen wissen dutch ein in sich organisiertes Wirtschaftsleben.

[ 29 ] There is only one way out of this state: if people turn toward spirituality—that is, toward pictorial contemplation, toward the imaginative; if they are able to replace that which came from Greek culture and was beautiful in it—the birth of the spirit—with the recognition of the spirit in the world; if they replace what was lived in Roman culture—and what spread devastatingly throughout Europe from Roman culture—namely, the bureaucratic mindset; if they know how to replace this with free, lawful human interaction; and if they know how to replace what flourishes particularly through instincts in the West with an internally organized economic life.

[ 30 ] Aber dazu ist notwendig, das, was man auf der einen Seite naturwissenschaftlich erkennt, auch geisteswissenschaftlich zu erkennen. Nicht wahr, die Welt könnte ja nicht vorwärtsschreiten, wenn es in ihr nicht freie geistige Arbeiter gäbe. Denken Sie sich, wenn nichts Geistiges mehr hervorgebracht würde, wie dann die Welt fortschreiten sollte. Es müssen Dinge erfunden werden, die Menschen müssen in der Kunst leben, in der freien Weltanschauung leben, sonst würde die Menschheit erstarren. Unter der Mechanisierung des Geistes würde die Menschheit erstarren. Aber worauf beruht denn das freie geistige Schaffen? Das freie geistige Schaffen beruht darauf, daß wir gewisse Eigenschaften, die wir sonst nur in der Kindheit normal entwickeln, für das ganze Leben bewahren. Wenn einer so alt ist wie der alte Goethe, und den «Faust» noch zu Ende dichtet, dann dichtet er mit denjenigen Seelenkräften, die er sich in dem ersten Drittel des Lebens erworben hat; die müssen bleiben, die müssen erhalten bleiben. Im normalen Entwickelungsweg sterben sie heute ab. Bei Goethe, beim deutschen Idealismus war das noch Erbschaft, Abendröte, ein letzter Glücksfall der Entwickelung der Menschheit. Jetzt muß es gepflegt werden, gepflegt werden in einem Geistesleben, das wirklich auf unmittelbar individuelle Fähigkeiten der Menschen hinschaut und sie sachgemäß aus spiritueller Pädagogik heraus entwickelt.

[ 30 ] But for this to happen, it is necessary to understand, from the perspective of the humanities, what is recognized through the natural sciences. After all, the world could not move forward if there were no free intellectual workers in it. Just imagine: if nothing intellectual were produced anymore, how could the world possibly progress? Things must be invented; people must live through art, through a free worldview—otherwise, humanity would become stagnant. Under the mechanization of the spirit, humanity would become stagnant. But on what, then, is free intellectual creation based? Free intellectual creation is based on our preserving for our entire lives certain qualities that we otherwise develop normally only in childhood. When someone is as old as the elderly Goethe and is still finishing *Faust*, he is writing with the very soul forces he acquired in the first third of his life; these must remain, they must be preserved. In the normal course of development, these qualities fade away today. In Goethe’s time, and in German Idealism, this was still a legacy, a twilight, a final stroke of good fortune in the development of humanity. Now it must be nurtured—nurtured within a spiritual life that truly focuses on people’s immediate individual abilities and develops them appropriately through spiritual pedagogy.

[ 31 ] Und worauf beruht denn alles Wirtschaftsleben geistig-seelisch? Das klingt heute noch sonderbar, aber alles Wirtschaftsleben beruht doch nur auf wirtschaftlichen Erfahrungen und auf einem Drinnen-Gestandenhaben im Wirtschaftsleben, und es wird daher am besten ausgebildet durch diejenigen Seelenkräfte, die am längsten im Leben drinnen gestanden haben, nämlich durch die Seelenkräfte des letzten Lebensdrittels. Wie man eine richtige Kunst nur durch die allerersten Seelenkräfte entwickelt, so entwickelt man ein richtiges Wirtschaftsleben durch die letzten Seelenkräfte. Wenn die Menschen aber nicht durch die sogenannte normale Entwickelung in ein Alter hineintauchen können, in dem wir alle zusammenbrechen, nicht mehr jung sein können, werden wir nicht wirtschaften können, und wenn ein noch so sozialistischer Staat, eine noch so sozialistische Vergesellschaftung gefunden würde. Dazu ist notwendig, daß wir bewußt uns hineinleben in die Pflege der Alterseigenschaften des Menschen; so, daß wir mit ihnen nicht selber alt werden, sondern daß wir sie uns anziehen können wie ein Kleid. Dazu müssen wir sie in der Imagination erfassen, dazu müssen wir sie im Bild erfassen. Wir sind angewiesen, getrennt auf der einen Seite die Jugendkräfte im Bilde, in der Imagination zu erfassen, und getrennt auf der anderen Seite die Alterskräfte in der Imagination zu erfassen. Die Menschheit ist genötigt, sich zu erziehen auf ein solches Ziel hin. Und sie kann sich nicht erziehen, wenn sie nicht das ganze Leben voll ernst nimmt. Heute nimmt man dieses Leben so, ja, als ob es schon im Grunde genommen zu Ende wäre, wenn der Mensch so gegen die letzten Zwanzig hingeht. Denn wenn der Mensch in die letzten Zwanzigerjahre gekommen ist, da ist er furchtbar gescheit, er kann gar nicht mehr gescheiter werden, er kann alles, kann über alles urteilen, daß man gar nicht besser urteilen könnte. Daß auch das spätere Leben noch Möglichkeiten hat und Kräfte aufnimmt, davon weiß die Menschheit nichts, weil sie diese Kräfte nicht entwickeln will, weil sie darauf verzichtet. Das aber werden wir alle wissen müssen: wie wir mit den Jugendkräften, wie wir mit den Kräften des mittleren Alters, des höchsten Alters zu wirtschaften haben. Wir werden das aber nur lernen im dreigeteilten sozialen Organismus, wenn wir die Dinge auseinanderlegen, und nicht, wenn wir alles durcheinander wüsten und durcheinander schmelzen, wie es die reaktionärste Entwickelung der neueren Zeit getan hat, und wie es vielfach gewollt wird zum Unheil der Menschheit, zur Versündigung wider den Geist des Fortschritts der Menschheit. Unsere Erziehung muß ganz aus einer wirklichen Erfassung des seelischen Lebens ersprießen. Wir müssen zum Beispiel dahin kommen, das schnelle Urteil namentlich dem Leben gegenüber in uns vollständig zu beseitigen. Schlagfertigkeit ist ja schön, sie kann auch da sein, sie soll aber nur da sein, damit wir Witze machen können, amüsant sein können. Man muß sich bewußt sein, daß die Schlagfertigkeit im Ausleben der Phrase ihren Zweck und ihr Ziel hat. Ironie und Witz können ja schön sein, aber sie müssen Phrasen sein selbstverständlich. Wir wollen die Phrase an dem Ort, wo sie berechtigt ist, durchaus nicht verachten. Künstlerisch gestaltete Phrase sollen wir schätzen, aber sie darf nicht am falschen Ort auftreten, sie darf nicht da auftreten, wo das Wort vom Leben durchdrungen sein soll. Solches gewöhnen wir uns nur an, wenn wir zum Beispiel ernsthaftig auf das Folgende sehen: Da ist ein Mensch, der sagt mir etwas, was mir nicht paßt oder auch was mir paßt. Es tritt eine gewisse Offenbarung von Mensch zu Mensch auf. Wir urteilen rasch darüber. Könnten sich die Menschen angewöhnen, am nächsten Tag, nach vierundzwanzig Stunden, wenn sie inzwischen geschlafen haben, also ihre geistig-seelische Konstitution eine ganz andere geworden ist, könnten die Menschen sich angewöhnen, sich die ganze Situation dann wieder vorzumalen: Der Mensch hat das und das gesagt, du stehst ihm gegenüber — und dann zu urteilen, dann würde etwas Wichtiges eintreten. Dann ist nicht in erster Linie wertvoll, daß man anders urteilt; aber die Seelenkraft, die immer dasjenige, was mit dem Menschen zwischen Einschlafen und Aufwachen geschieht, mitwirken läßt, die wird kultiviert, und daß man die nach und nach ausbildet, das ist es, was zur Bildung der Imagination besonders notwendig ist. Dieses bewußte Sich-Hineinarbeiten in ein unbewußtes Leben, das wird die imaginative Welt und die Welt, die eigentlich erst einem sozialen Leben zugrunde liegen kann, herausbilden in der Menschheit.

[ 31 ] And on what, then, is all economic life based in spiritual and psychological terms? This may still sound strange today, but all economic life is based solely on economic experience and on having been immersed in economic life; and it is therefore best developed by those soul forces that have been present in life the longest—namely, the soul forces of the last third of life. Just as one develops true art only through the very earliest soul forces, so one develops a true economic life through the final soul forces. But if people cannot, through so-called normal development, enter an age in which we all decline and can no longer be young, we will not be able to engage in economic life—no matter how socialist a state or how socialist a form of social organization might be. For this, it is necessary that we consciously immerse ourselves in nurturing the qualities of old age in human beings—not so that we ourselves grow old with them, but so that we can don them like a garment. To do this, we must grasp them in our imagination; we must grasp them in a mental image. We are called upon to grasp, on the one hand, the forces of youth in imagery and imagination, and, on the other hand, the forces of old age in imagination. Humanity is compelled to educate itself toward such a goal. And it cannot educate itself unless it takes the whole of life completely seriously. Today, people treat life as if it were, in essence, already over once a person approaches their late twenties. For when a person reaches their late twenties, they are incredibly wise; they cannot become any wiser, they can do everything, and they can judge everything so well that one could not judge better. Humanity knows nothing of the fact that later life still holds possibilities and draws upon new forces, because it does not want to develop these forces—because it renounces them. But we will all have to learn how to make use of the forces of youth, of middle age, and of old age. But we will only learn this within the threefold social organism, when we separate these things, and not when we jumble everything together and melt it into a chaotic mass, as the most reactionary developments of recent times have done, and as is often desired—to the detriment of humanity, as a transgression against the spirit of human progress. Our education must spring entirely from a genuine understanding of spiritual life. We must, for example, come to completely eliminate hasty judgment within ourselves, especially when it comes to life itself. Quick-wittedness is certainly nice; it can certainly be present, but it should only be there so that we can make jokes and be amusing. One must be aware that quick-wittedness finds its purpose and goal in the expression of the phrase. Irony and wit can indeed be lovely, but they must, of course, be phrases. We certainly do not wish to despise the phrase where it is justified. We should appreciate artistically crafted phrases, but they must not appear in the wrong place; they must not appear where the word is meant to be imbued with life. We can only accustom ourselves to this if, for example, we look seriously at the following: There is a person who tells me something that I don’t like—or even something I do like. A certain revelation takes place from person to person. We are quick to judge this. If people could get into the habit of, the next day—after twenty-four hours, when they have slept in the meantime and their mental and emotional state has thus become entirely different—if people could get into the habit of picturing the whole situation again: This person said this and that, you are standing opposite them—and then judging, then something important would happen. Then what is valuable is not primarily that one judges differently; rather, the soul power that always allows what happens to a person between falling asleep and waking up to play a part—that is cultivated, and developing this power little by little is what is particularly necessary for the development of imagination. This conscious immersion into an unconscious life will bring forth within humanity the imaginative world and the world that can actually form the foundation of social life.

[ 32 ] Ebenso ist es notwendig, gewisse Dinge einzusehen, welche einmal eingesehen werden müssen. Sehen Sie, so kurios es heute klingt, man überschaut ja gewöhnlich gar nicht dasjenige, was zum Heil oder Unheil der Menschheit ist, wenn es auftritt in der Menschheit. Wenn ich heute einem sage das Gesetz der korrespondierenden Siedetemperaturen in der Physik, so glaubt er mir das, weil er es gewöhnt ist, nicht weil es logisch ist, sondern weil er es gewöhnt ist seit ein paar Jahrhunderten, an naturwissenschaftliche Gesetze zu glauben. Wenn ich aber heute spreche von einem geistigen Gesetz, das gerade so gut fundiert ist wie ein naturwissenschaftliches Gesetz, so glaubt er es nicht, weil es erst durch ein paar Jahrhunderte scheinbar gekannt sein muß. Wir haben aber nicht Zeit, so lange zu warten. Die Menschen müssen sich bewußt hineingewöhnen in die Umwälzungen des lebendigen Lebens. ‚Die Menschen brauchen Entdeckungen und Erfindungen, das ist Naturgesetz. Wenn solche Entdeckungen, namentlich aber Erfindungen, auch Erfindungen technischer Art, von Menschen gemacht werden, die noch nicht in den Vierzigerjahren sind, dann wirken diese Erfindungen im Gesamtzusammenhang der Menschheit retardierend, eigentlich irgend etwas zurückstauend in der Menschheit, vor allen Dingen gegen den moralischen Fortschritt der Menschheit. Die schönsten Erfindungen können gemacht werden von jungen Menschen: es ist nicht zum Fortschritt der Menschheit. Ist der Mensch in die Vierzigerjahre gekommen und bewahrt er sich dort hinauf seinen Erfindergeist für dasjenige, was für die physische Welt geschehen soll, dann gibt er mit der Erfindung auch moralischen Inhalt, dann wirkt diese im Fortschritt der Menschheit moralisch. Wenn so etwas ausgesprochen wird, ist es für die Menschheit ein Wahnsinn, da die Menschheit ja überhaupt geistige Gesetze nicht anerkennt. Aber es ist ein geistiges Gesetz, daß der Mensch erst reif wird, durch seine Erfindungsgabe für den Fortschritt der Menschheit zu wirken auf geistigem und namentlich auf technischem Gebiet, wenn er vierzig Jahre alt ist. So weit müssen wir rechnen mit den Entwickelungsgesetzen der Menschheit. Erst wenn sich die Menschheit dazu entschließen wird, nicht bloß nachzudenken: Wie richtet man diese oder jene Wirtschaftsämter ein? sondern wenn sie sich entschließen wird, nachzudenken: Was muß unter den Menschen geistig-seelisch kultiviert werden? worauf muß gesehen werden? — dann ist ein Heil für die Menschheit zu erwarten.

[ 32 ] Likewise, it is necessary to recognize certain things that must be recognized at some point. You see, as strange as it may sound today, people usually fail to grasp what is for the good or the harm of humanity when it manifests itself within humanity. If I tell someone today about the law of corresponding boiling points in physics, he believes me not because it is logical, but because he has been accustomed for a few centuries to believing in scientific laws. But if I speak today of a spiritual law that is just as well-founded as a scientific law, they do not believe it, because it must first have been known for a few centuries. Yet we do not have time to wait that long. People must consciously accustom themselves to the upheavals of living life. “People need discoveries and inventions; that is a law of nature. When such discoveries—and especially inventions, including those of a technical nature—are made by people who are not yet in their forties, then these inventions have a retarding effect on humanity as a whole; in fact, they hold humanity back in some way, above all hindering humanity’s moral progress. The most beautiful inventions can be made by young people: this does not contribute to the progress of humanity. If a person has reached their forties and preserves their inventive spirit up to that point for what is to be accomplished in the physical world, then they imbue the invention with moral content as well, and it thus contributes to the moral progress of humanity. When something like this is stated, it seems like madness to humanity, since humanity does not recognize spiritual laws at all. But it is a spiritual law that a person only becomes mature enough to contribute to the progress of humanity through their inventive power—in the spiritual and, in particular, the technical realm—once they have reached the age of forty. We must take the laws of human development into account to this extent. Only when humanity resolves not merely to ask, “How do we organize this or that economic institution?” but when it resolves to ask, “What must be cultivated spiritually and emotionally among human beings? What must be taken into account?”—only then can salvation for humanity be expected.

[ 33 ] Die Kirche hat lange genug aus dem Egoismus der Menschen heraus gearbeitet. Sie haben ruhig zusammengearbeitet, diese Kirche und dieser Staat. Ich habe es schon neulich gesagt, daß der Mensch eigentlich sich heute nur frei entwickeln darf, wenn er ein ganz kleines Kind ist, weil er dem Staate da noch zu unreinlich ist. Aber sobald er reinlich ist, wird er vom Staate hingenommen und zubereitet, nicht zum Menschen, sondern zum Staatsbeamten. Aber der Mensch läßt sich trösten dafür, indem man mit seinem Egoismus im höchsten Maße spielt. Es wird ihm garantiert die Pension, wenn er nicht mehr arbeiten kann, bis zum Tode. Es ist dies bei den beamteten Seelen ein sehr starkes Vehikel ihres Strebens. Und dann, wenn der Staat nicht mehr sorgt, dann sorgt die Kirche für den Menschen, indem sie ohne sein Zutun seine Seele unsterblich macht. Versichert wird der Mensch zunächst in der Pensionierung, versichert wird seine Seele nach dem Tode. Das alles baut auf den Egoismus. In Zukunft wird nicht gebaut werden auf den Egoismus. Warum hat der aristotelische Katholizismus dem Menschen verschwiegen, daß sein Geistiges auch da ist, bevor es durch die Geburt ins Dasein tritt? Dieser aristotelische Katholizismus hat nur rechnen wollen mit dem Egoismus der Menschen, mit der Furcht vor dem Tode und dem Versichert-sein-Wollen als unsterbliche Seele nach dem Tode. Aber zu bequem sind die Menschen zu dem Gedanken: Ich bin heruntergestiegen aus der geistigen Welt, und dasjenige, was ich als Geist bekommen habe, das habe ich hier auf der Erde auszuführen. — Das ist der radikalste Gedanke, der in die Gegenwartsmenschheit einschlagen muß, daß der Mensch sein physisches Leben nicht bloß als Vorbereitung für das Leben nach dem Tode anzusehen hat, sondern daß er es anzusehen hat auch als Fortsetzung eines geistigen Lebens vor der Geburt. Dann wird er aus einem faulen Menschen, der nichts tun will, ein Mensch, der sich bewußt ist, daß er auf der Erde etwas auszuführen hat, daß er eine Mission hat. Ehe nicht dieser Gedanke die Menschen durchdringen kann, kann es nicht anders werden, als daß die Menschen in den Materialismus hineinversinken.

[ 33 ] The church has long enough operated out of people’s selfishness. They have worked together quietly, this church and this state. I said just the other day that people today are actually only allowed to develop freely when they are very young children, because at that stage they are still too “unclean” for the state. But as soon as they are “clean,” they are accepted by the state and groomed—not to become human beings, but to become civil servants. Yet people find consolation in this by having their selfishness exploited to the utmost. They are guaranteed a pension until their death once they can no longer work. For these civil-servant souls, this is a very powerful driving force behind their aspirations. And then, when the state no longer provides for him, the church takes care of the individual by making his soul immortal without any effort on his part. The individual is first assured of a pension; his soul is assured after death. All of this is built on selfishness. In the future, things will not be built on selfishness. Why did Aristotelian Catholicism conceal from people the fact that their spiritual nature also exists before it enters into being through birth? This Aristotelian Catholicism sought only to capitalize on people’s selfishness, on their fear of death, and on their desire for assurance that they would be immortal souls after death. But people are too comfortable with the idea: I have descended from the spiritual world, and what I have received as spirit, I must carry out here on Earth. — This is the most radical idea that must take hold in present-day humanity: that human beings must not view their physical life merely as preparation for life after death, but must also view it as a continuation of a spiritual life prior to birth. Then a person will transform from a lazy individual who wants to do nothing into someone who is conscious that they have a task to carry out on Earth—that they have a mission. Until this idea can take hold in people, there is no way to avoid humanity sinking into materialism.

[ 34 ] Mit diesen Unterlagen bitte ich Sie, sich einmal zu überlegen, was eigentlich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft für die gegenwärtigen Menschen sein soll, was sie ihnen geben soll, wie sie wirken soll als eine Ingredienz in der gegenwärtigen Seele für die ganze menschliche Kulturentwickelung. Ich wollte mit dem, was ich heute ausgeführt habe im ersten Teil, vor Sie hingestellt haben das Bild, welches entstehen würde, wenn die Menschheit in der hergebrachten Weise weiterleben würde: das Bild des mechanisierten Geistes, der vegetarisierten Seele, des animalisierten Leibes. Dieses Bild wollte ich zuerst hinstellen. Und im zweiten Teil wollte ich vor Sie hinstellen dasjenige, was geschehen muß zu einem Hinaufschwingen, zur Ergreifung eines Geisteslebens, das die alte Erde nicht mehr geben kann, das der Mensch aus der inneren Freiheit heraus suchen muß. Wer diesen Gang unseres Geisteslebens erwägt, der wird die Unterlagen haben, nachzudenken über das Wichtige und Wesentliche der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft.

[ 34 ] With these documents, I ask you to consider what anthroposophically oriented spiritual science is actually meant to be for people today, what it is meant to offer them, and how it is meant to function as an ingredient in the contemporary soul for the development of human culture as a whole. With what I have presented today in the first part, I wanted to set before you the picture that would emerge if humanity were to continue living in the traditional way: the picture of the mechanized spirit, the vegetative soul, and the animalized body. I wanted to present this picture first. And in the second part, I wanted to present to you what must happen in order to ascend to a spiritual life—a spiritual life that the old Earth can no longer provide, one that human beings must seek out of their inner freedom. Anyone who reflects on this course of our spiritual life will have the foundation to contemplate the significance and essence of anthroposophically oriented spiritual science.