Spiritual-Scientific Consideration
of Social and Pedagogic Questions
GA 192
20 July 1919, Stuttgart
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Spiritual-Scientific Consideration of Social and Pedagogic Questions, tr. SOL
Vierzehnter Vortrag
Fourteenth Lecture
[ 1 ] Weil es wahrscheinlich die Verhältnisse ergeben werden, daß in den nächsten Wochen hier im Zweige keine Vorträge stattfinden, so werde ich heute etwas Zusammenfassendes zu geben haben. Etwas Zusammenfassendes, das hinweisen wird auf gewisse Zeitverhältnisse, deren Beobachtung es möglich macht, einen genaueren Einblick in die Aufgaben der gegenwärtigen Zeit zu bekommen. Und ein solcher Einblick in die Aufgaben der gegenwärtigen Zeit ist ja, wie aus verschiedenem hervorgeht, das ich gerade hier besprochen habe, heute in der allerintensivsten Weise notwendig.
[ 1 ] Since circumstances will likely prevent any lectures from taking place here in this branch over the next few weeks, I will offer a summary today. A summary that will point to certain temporal circumstances, the observation of which makes it possible to gain a more precise insight into the tasks of the present time. And such an insight into the tasks of the present time is, as is evident from various points I have just discussed here, necessary today in the most urgent way.
[ 2 ] Der Mensch, namentlich Mitteleuropas, ist eigentlich heute so gestimmt, daß er Erkenntnisse der geistigen Welt entweder fürchtet oder verachtet. Beides ist ja innerlich verwandt. Aber gerade diese Furcht vor der geistigen Welt und diese Verachtung des Erkennens der geistigen Welt, sie hängen mit der außerordentlich schwierigen Lage zusammen, in die Mitteleuropa gekommen ist, und in der es ja weiter sein wird.
[ 2 ] People today—especially in Central Europe—are actually in such a frame of mind that they either fear or despise insights into the spiritual world. The two are, of course, intrinsically related. But it is precisely this fear of the spiritual world and this contempt for knowledge of the spiritual world that are connected to the extraordinarily difficult situation into which Central Europe has fallen—and in which it will, in fact, continue to find itself.
[ 3 ] Auf mancherlei, das ich zusammenfassend heute besprechen möchte, ist ja von mir an diesem Orte im Laufe der Jahre, und auch in diesen Wochen bereits hingedeutet worden. Sie werden aus den Betrachtungen, die hier angestellt worden sind, entnommen haben, daß im Westen, bei den Völkern der lateinischen und der anglo-amerikanischen Rasse, in alles dasjenige, was diese Völker im weitesten Sinne politisch unternehmen, übersinnliche Erkenntnisse hineinspielen. Derjenige gibt sich großen Illusionen hin, der da glaubt, daß zum Beispiel die anglo-amerikanische Politik nicht abhängig sei von gewissen übersinnlichen Erkenntnissen über die Entwickelung der Menschheit. Und ebenso spielen übersinnliche Erkenntnisse in alles dasjenige hinein, was im Osten bei den Völkern Asiens und bis herein nach Rußland erstrebt wird. Dabei muß man allerdings ausnehmen von dem, was hier als Erstrebtes in Rußland gemeint ist, alles das, was sich auf das gegenwärtige russische Regime bezieht. Das ist allerdings aller übersinnlichen Erkenntnis fremd und fern. Diese Verhältnisse zeigen, daß wir in Mitteleuropa gewissermaßen eingeklemmt sind in Weltengestaltungen, die durchaus bestimmt sind von übersinnlichen Erkenntnissen, die oftmals für die heutige Zeit nicht einwandfreier Natur sind. Wir haben ja von diesen Dingen gesprochen. Und es ist auch aufmerksam darauf gemacht worden, daß das nicht sein darf, daß man sich ferner in Mitteleuropa in einer gewissen halsstarrigen Weise gegenüber wirklichen übersinnlichen Anschauungen verschließt. Denn dieses Verschließen gegenüber übersinnlichen Anschauungen würde dieses arme Mitteleuropa immer mehr und mehr in die Not und in das Elend, in die Verwirrung und in das Chaos hineintreiben.
[ 3 ] I have, in fact, already alluded to many of the points I would like to discuss today in summary form, both here over the years and even in recent weeks. You will have gathered from the observations made here that in the West, among the peoples of the Latin and Anglo-American races, supersensible insights play a role in everything these peoples undertake politically in the broadest sense. Anyone who believes, for example, that Anglo-American politics is not dependent on certain supersensible insights into the development of humanity is deluding themselves. And in the same way, supersensible insights play a role in everything that is strived for in the East, among the peoples of Asia and extending all the way to Russia. However, one must exclude from what is meant here as the goal in Russia everything that relates to the current Russian regime. That is, of course, alien and far removed from all supersensible knowledge. These circumstances show that we in Central Europe are, so to speak, caught between world structures that are entirely determined by supersensible insights, which are often not of an unobjectionable nature for the present age. We have, after all, spoken of these things. And attention has also been drawn to the fact that it must not be allowed for Central Europe to continue to close itself off in a certain stubborn way from genuine supersensible insights. For this closing off from supersensible insights would drive poor Central Europe deeper and deeper into distress and misery, into confusion and chaos.
[ 4 ] Es mag ja gegenwärtig einer Zeitnote bei allen Parteiungen links und rechts entsprechen, alles Übersinnliche wie etwas Kindisches in der Menschheitsentwickelung zu betrachten. Die Völker Mitteleuropas würden schwer, schwer zu leiden haben, wenn sie weiterhin sich der übersinnlichen Erkenntnis verschließen wollten, denn sie würden einfach von dem, was von übersinnlicher Erkenntnis im Westen und im Osten durchtränkt ist, zusammengeschnürt werden. Es ist wichtig, auch darauf hinzuweisen, daß in weitesten Kreisen heute das Vertrauen zu denjenigen, die übersinnliche Erkenntnisse haben, geschwunden ist, daß dieses Vertrauen ausgemerzt werden soll durch die bloße Anbetung dessen, was man ohne übersinnliches Schauen als Erkenntnis aufbringen kann. Und es ist auf der anderen Seite auch richtig, daß keine Zeit mehr als gerade die unsrige die intensivste Pflege des Vertrauens nötig hat zu denjenigen, die von solchen übersinnlichen Erkenntnissen etwas mitteilen können. So befinden wir uns gewissermaßen in Mitteleuropa in der Lage, daß wir etwas am intensivsten notwendig haben, was wir auch am intensivsten ablehnen möchten. Dieser Tatsache muß unbefangen ins Auge geschaut werden. Gefragt muß zum Beispiel werden: Woher hat denn die anglo-amerikanische Welt diese Einblicke in den Gang der Menschheitsentwickelung, die uns in Mitteleuropa so verderblich geworden sind? Und gefragt muß werden: Welches sind denn die Quellen, aus denen die östlichen Völker, namentlich die östlichen Völker Asiens, in der Zukunft dasjenige werden gewinnen können, was geeignet sein wird, uns in Europa die Kehle zuzuschnüren? — Nur eine klare Einsicht in diese Dinge kann wirklich von Heil sein.
[ 4 ] It may well be in keeping with the current trend among all factions on the left and right to view everything supernatural as something childish in the development of humanity. The peoples of Central Europe would suffer greatly, very greatly, if they were to continue to close themselves off from supersensible knowledge, for they would simply be bound together by that which is imbued with supersensible knowledge in both the West and the East. It is also important to point out that, in the broadest circles today, trust in those who possess supersensible knowledge has dwindled, and that this trust is to be eradicated through the mere worship of what one can produce as “knowledge” without supersensible insight. And on the other hand, it is also true that no era more than our own requires the most intensive cultivation of trust in those who can share such supersensible insights. Thus, in Central Europe, we find ourselves, so to speak, in a situation where we most intensely need something that we also most intensely wish to reject. This fact must be faced impartially. We must ask, for example: Where did the Anglo-American world obtain these insights into the course of human development that have become so pernicious to us in Central Europe? And we must ask: What are the sources from which the Eastern peoples—namely the Eastern peoples of Asia—will be able to draw in the future that which will be capable of choking us in Europe? — Only a clear understanding of these matters can truly be of any help.
[ 5 ] Wenn man verfolgt, was selbst bei sogenannten ganz auf klärerischen Geschichtsschreibern und Politikern Englands und Amerikas als Weltideen verbreitet wird, so wird man finden, daß selbst bei diesen aufklärerischen Leuten in ihre Ideen überall etwas hineinspielt, was irgendwie von übersinnlichen Erkenntnissen über den Gang der Welt beeinflußt ist. Das gewinnt man innerhalb der anglo-amerikanischen Welt durchaus, seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts insbesondere, auf eine Art medialem Wege. Den Weg, der hier zum Beispiel vorgeschlagen worden ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», der der gerade Weg aus der Entwickelung der menschlichen Seelenkräfte heraus ist, diesen Weg liebt man in der westlichen Welt nicht. Man macht das in der westlichen Welt so, daß man gewisse Menschen aufsucht, die man zu einer Erkundigung über die geistige Welt für besonders geeignet hält, Menschen, die mehr oder weniger mediale Anlagen haben. Diejenigen, die das nicht glauben, was ich jetzt auseinandersetzen werde, die, beziehungsweise die nachfolgenden Generationen, werden diesen Unglauben schwer zu büßen haben. Mediale Persönlichkeiten sucht man sich aus. Diese medialen Persönlichkeiten werden in andere Bewußtseinszustände, in tranceartige Bewußtseinszustände gebracht, und wenn man die entsprechenden Machinationen kennt, durch welche, nach der Stillegung des äußeren Verstandes, aus solchen medialen Persönlichkeiten das sich offenbart, was sie im Unterbewußtsein in sich tragen, dann bekommt man eben dasjenige heraus, was im Unterbewußtsein dieser Persönlichkeiten ruhte. Und aus solchen medialen Persönlichkeiten heraus hat man insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts in der anglo-amerikanischen Welt die Prinzipien erfahren, durch die man politisch gegen Europa und gegen Asien die Erfolge hat erringen können, die man errungen hat. Man hat einfach Persönlichkeiten, die dazu geeignet waren, in eine gewisse Trance gebracht, und dann haben sie aus dieser Trance heraus die Aufgaben für die anglo-amerikanische Welt entwickelt. Die Menschen der angloamerikanischen Welt sind viel zu gescheit, um es so zu machen wie die Mitteleuropäer, die einfach nicht glauben, was auf diese Weise aus Untergründen des Daseins heraus geoffenbart wird. Mit diesem Nichtglauben verschließt man sich gegen alle diejenigen Impulse, die einem helfen können zum Vorwärtskommen in der wirklichen Menschheitsbewegung.
[ 5 ] If one examines what is being propagated as “world ideas”—even among so-called Enlightenment historians and politicians in England and America—one will find that even among these Enlightenment figures, their ideas are permeated throughout by something that is somehow influenced by supersensible insights into the course of the world. Within the Anglo-American world, this has been gained—especially since the mid-nineteenth century—through a kind of mediumistic process. The path proposed here, for example, in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—which is the direct path arising from the development of the human soul’s powers—is not favored in the Western world. In the Western world, the practice is to seek out certain people who are considered particularly suited for exploring the spiritual world—people who possess more or less mediumistic abilities. Those who do not believe what I am about to explain—or rather, future generations—will have to pay dearly for this disbelief. Mediumistic individuals are specifically sought out. These mediumistic individuals are induced into altered states of consciousness—trance-like states—and if one is familiar with the corresponding techniques through which, after the external mind has been silenced, what these mediumistic individuals carry within their subconscious is revealed, then one elicits precisely what lay dormant in their subconscious. And it was through such mediumistic personalities—particularly in the course of the nineteenth century in the Anglo-American world—that the principles were discovered which enabled the political successes achieved against Europe and Asia. They simply took individuals who were suited for the task, induced them into a certain trance, and then, from within that trance, these individuals developed the strategies for the Anglo-American world. The people of the Anglo-American world are far too intelligent to do things the way Central Europeans do, who simply do not believe what is revealed in this way from the depths of existence. With this disbelief, one closes oneself off from all those impulses that can help one move forward in the true movement of humanity.
[ 6 ] Nun ist der Weg, den ich hier angedeutet habe, und der in dem Erfahren übersinnlicher Entwickelungsimpulse der Menschheit durch Medien besteht, es ist dieser Weg ein außerordentlich bedenklicher. Denn selbstverständlich walten in den Körpern aller derjenigen, die da herausgesucht werden aus der anglo-amerikanischen Bevölkerung, die Instinkte der anglo-amerikanischen Rasse. Und es kommen die kulturpolitischen Impulse, die auf eine solche Weise gewonnen werden, so heraus, daß sie gefärbt, durchmischt sind mit dem, was der Egoismus der anglo-amerikanischen Rasse ist. Dadurch gerade sind dann diese Impulse wirksam im egoistischen Dienste der anglo-amerikanischen Rasse. Und wer durchschauen kann, was auf diesem Gebiet zu durchschauen ist, der weiß, daß die Erfolge der anglo-amerikanischen Rasse gegen Mitteleuropa errungen worden sind mit Hilfe dessen, was der Okkultismus der westlichen Welt auf die Art aus geistigen Untergründen heraufgebracht hat, die ich eben jetzt angedeutet habe. Die Methode, die dabei befolgt wird, ist ja leicht zu durchschauen. Sie brauchen sich nur zu erinnern an das, was vor acht Tagen hier gesagt worden ist. Sie brauchen sich nur daran zu erinnern, daß der gewöhnliche logische Verstand, wie er von uns angewendet wird in der äußeren sinnlichen Beobachtung und zur Herstellung der äußeren sinnlichen Wissenschaft, daß dieser Verstand die wirklich übersinnliche Erkenntnis auslöscht. Denn dieser gewöhnliche logische Verstand ist ja gerade gebunden, im eminentesten Sinne gebunden, an das Werkzeug der physischen Leiblichkeit. Sobald Sie sich hinaufentwickeln zu denjenigen Erkenntniskräften, von denen in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» die Rede ist, sind Sie mit diesen Ihren Erkenntniskräften nicht mehr angewiesen auf das Werkzeug des physischen Leibes. Sobald Sie sich bloß jener Logik bedienen, an die man im heutigen, alltäglichen Leben gewöhnt ist, jener Logik, an die man sich gewöhnt hat infolge der äußeren Naturwissenschaft von heute, sind Sie in die Unmöglichkeit versetzt, dasjenige kennenzulernen, was eigentlich sozial und geistig in der Menschheitsentwickelung waltet. Daher suchen sich die dieser Tatsache wohl kundigen Leute der anglo-amerikanischen Welt ihre politischen Prinzipien mit Hilfe des Ausschlusses des gewöhnlichen logischen Verstandes. Denn, indem man geeignete Persönlichkeiten in Trance bringt, schaltet man den gewöhnlichen logischen Verstand aus. Das Medium redet aus den Untergründen seiner Seele heraus, ohne den Gebrauch des Verstandes. Und kleidet man dann dasjenige, was auf diese Weise gewonnen wird, in die Gedankenformen des gesunden Menschenverstandes ein, dann kann man es wohl begreifen, und man kann es dann weiter auch im praktischen Leben benützen. Das wird in der westlichen Welt für alles, was beobachtet wird in der Behandlung der politischen und der Kulturtatsachen, mit Ausschaltung des gewöhnlichen Verstandes, auf medialem Wege gewonnen. Wichtige Impulse für die Kulturpolitik der westlichen Welt sind einmal auf diese Weise gewonnen worden und sie haben gewirkt in den letzten Jahren.
[ 6 ] Now, the path I have indicated here—which consists in experiencing humanity’s supersensory developmental impulses through mediums—is an extraordinarily precarious one. For, of course, the instincts of the Anglo-American race prevail in the bodies of all those who are selected from the Anglo-American population. And the cultural-political impulses gained in this way emerge in such a way that they are colored and intermingled with the egoism of the Anglo-American race. Precisely because of this, these impulses then work in the self-serving interests of the Anglo-American race. And anyone who can see through what needs to be seen through in this area knows that the successes of the Anglo-American race against Central Europe have been achieved with the help of what the occultism of the Western world has brought up from spiritual depths in the manner I have just indicated. The method employed here is, after all, easy to see through. You need only recall what was said here eight days ago. You need only remember that the ordinary logical intellect—as we apply it to external sensory observation and to the establishment of external sensory science—that this intellect extinguishes true supersensory knowledge. For this ordinary logical mind is, after all, bound—in the most eminent sense—to the instrument of physical corporeality. As soon as you develop yourselves upward to those powers of cognition discussed in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, you are no longer dependent on the instrument of the physical body with these powers of cognition. As soon as you make use of merely that logic to which one is accustomed in today’s everyday life—that logic to which one has become accustomed as a result of today’s external natural science—you are placed in a position where it is impossible to come to know what actually governs human development in social and spiritual terms. That is why people in the Anglo-American world who are well aware of this fact derive their political principles by setting aside ordinary logical reasoning. For by inducing suitable individuals into a trance, one shuts down ordinary logical reasoning. The medium speaks from the depths of their soul, without the use of reason. And if one then clothes what is gained in this way in the thought forms of common sense, then one can indeed comprehend it, and one can then also apply it in practical life. In the Western world, everything observed in the treatment of political and cultural realities—with the ordinary mind set aside—is obtained through mediumship. Important impulses for the cultural policy of the Western world have been gained in this way, and they have had an impact in recent years.
[ 7 ] Gerade in der umgekehrten Art werden die Dinge im Oriente, von den Asien bewohnenden Menschen und auch von gewissen Gliedern des russischen Volkstums des europäischen Östens gemacht. Sehen Sie, ich glaube nicht, daß es dazu gekommen wäre, die Ideen der Dreigliederung des sozialen Organismus in richtiger Art zu erhalten, wenn nicht vorangegangen wäre durch mich die Erforschung des menschlichen Organismus selber, jene Erforschung des menschlichen Organismus, von der ich, andeutungsweise wenigstens, in meinem Buche «Von Seelenrätseln » gesprochen habe. Da habe ich gezeigt, wie der gewöhnliche menschliche natürliche Organismus ein dreigliedriger ist, wie dieser menschliche natürliche Organismus dreigegliedert ist in einen Nerven- und Sinnesorganismus, in einen rhythmischen Organismus und in einen Stoffwechselorganismus. Diese drei Glieder des natürlichen menschlichen Organismus zu erkennen, das ist von einer ungeheuern Wichtigkeit für das gegenwärtige Denken der Menschheit. Und durch dasjenige Erkennen, das man bei dieser Anschauung des dreigliedrigen natürlichen Organismus des Menschen betätigt, durch das kommt man auch dazu, den sozialen Organismus richtig in seiner Dreigliedrigkeit zu erkennen. So wie man heute erforschen kann, daß der natürliche menschliche Organismus aus diesen drei Gliedern besteht, aus dem Nerven- oder Sinnesorganismus, aus dem rhythmischen Organismus, der an die rhythmische Tätigkeit der Atmungs- und Herzorganisation gebunden ist, und aus dem Stoffwechselorganismus, so wie man das heute erforschen kann, so wurde es in alten Zeiten nicht erforscht. Aber man hatte in alten Zeiten eine gewisse instinktive, atavistische Erkenntnis von diesen Dingen. Und der Orient, welcher besonders weit gekommen war in bezug auf die alte Art, in die übersinnliche Welt hineinzuschauen und übersinnliche Erkenntnisse zu gewinnen, dieser Orient hat sich auch für heute noch immer die Instinkte bewahrt, im Leben anzuwenden, was man aus solcher übersinnlicher Erkenntnis gewinnen kann. Daher sucht der Orientale heute noch immer nach übersinnlichen Impulsen, gerade wie der Okzidentale es tut; aber er sucht nach übersinnlichen Impulsen in einer entgegengeseizten Weise. Der Orientale versucht nicht, durch mediale Machinationen, wie der Bewohner der anglo-amerikanischen Welt, den Verstand auszuschalten, sondern im Gegenteil, er versucht den Verstand zu befruchten. Das heißt, er versucht den Nerven-Sinnesmenschen zu befruchten vom rhythmischen Menschen aus. Daher werden Sie im Oriente finden, daß denjenigen, die etwas Übersinnliches erkennen wollen, vor allen Dingen eine Trainierung der menschlichen Atmungstätigkeit anempfohlen wird, eine Trainierung des ganzen rhythmischen Menschen. Die orientalischen YogaÜbungen, welche diesen Leuten des Orients eine wirkliche Erkenntnis vermitteln sollen, diese orientalischen Yoga-Übungen gehen darauf aus, den rhythmischen Menschen so zu trainieren, daß durch eine gewisse Art des Atmens, durch eine gewisse Technik der Herzbewegungen Einfluß geübt wird auf den menschlichen Verstand, der sonst nur an das leibliche Werkzeug gebunden ist. Indem sich der Orientale gewissen Yoga-Übungen hingibt, hebt er das gewöhnliche thythmische Atmen und die gewöhnliche Herztätigkeit aus ihrem natürlichen Gang heraus und versetzt sie in einen solchen Gang, daß sie Einfluß auf den Verstand gewinnen, der sonst nur auf die Sinneswelt hingerichtet wäre, und der durch diesen Einfluß gleichsam in sich infiltriert bekommt Erkenntnisse der übersinnlichen Welt. So hat auch der Orientale, auf dem entgegengesetzten Wege wie der Okzidentale, wirkliche Erkenntnisse der übersinnlichen Welt. Diese beiden Erkenntniswege, sie geben auch wirkliche Erkenntnisse. Aber gerade so, wie der Amerikaner und der Engländer als Okkultisten, aus den Gründen, die ich Ihnen angeführt habe, Erkenntnisse bekommen, die im volksegoistischen Sinne liegen, so bekommt der Orientale dadurch, daß er unmittelbar an den Leib, der von den Rassenimpulsen durchglüht ist, herangeht mit seinen Yoga-Übungen, rassenegoistische Impulse. Zwischen die volksegoistischen Impulse des Westens und die rassenegoistischen Impulse des Ostens sind wir eben einmal eingeklemmt. Aber es sind Erkenntnisse zu gewinnen auf diesem Wege. Und diejenigen, die im Westen und im Osten auf diesem Wege Erkenntnisse gewinnen, die lachen einfach über die Europäer, welche glauben, auf dem Wege ihrer Wissenschaften oder ihrer sozialen Betrachtungen wirkliche Erkenntnisse zu gewinnen. Das, was die Europäer faseln aus ihrer Naturwissenschaft heraus, aus ihrer sogenannten Kausalerkenntnis heraus, das, was sie dann hineinfaseln aus ihrer Denkweise in ihre soziale Wissenschaft und soziale Agitation, das betrachtet der westliche Mensch und der östliche Mensch eben als eine Faselei, was es im Grunde genommen gegenüber der wirklichen Erkenntnis auch ist. Denn dasjenige, was in unseren europäischen Wissenschaften und in unseren europäischen Agitationsimpulsen steckt, das ist gegenüber den wirklichen Kräften, welche die Menschheitsentwickelung leiten, eben durchaus eine bloße Faselei. Und deshalb, weil wir in einer bloßen Faselei leben, weil wir alles ablehnen, was aus der Wirklichkeit herausgegriffen ist, deshalb kommen wir in das Unglück hinein. Kaum merken die Menschen unbewußt, daß etwas aus der Wirklichkeit gegriffen ist, wie die Idee der Dreigliederung, flugs verleumden sie es als irgend etwas, was nicht bestehen darf. So lange aber, wie wir durch die Faselei — sei es die Faselei der Wissenschaft oder sei es die Faselei der Parteien — alles, was Wirklichkeit ist, aus der Welt schaffen wollen, so lange werden wir nicht aus Chaos und Wirrnis herauskommen, sondern wir werden nur tiefer in Chaos und Wirrnis hineintreiben. Aber wir müssen auch uns vollständig klar darüber sein, daß weder der Weg des Westens noch der des Ostens der unsrige sein kann. Denn gerade hier in Mitteleuropa ist es nötig, daß der im eminentesten Sinne neuzeitliche Weg befolgt wird. Und der kann kein anderer sein als der, welcher bezeichnet ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Worauf beruht im Gegensatz zum Westen und zum Osten dasjenige, was in diesem Buche vorgezeichnet ist? Um das zu verstehen, muß man allerdings ein wenig hineinschauen in die Entwickelung der Menschheit. Man muß vor allen Dingen sich zu eigen gemacht haben eine große Zeitwahrheit, die darin besteht — was ich schon öfters auch hier erwähnt habe —, daß in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts ein Wendepunkt der neuzeitlichen Menschheit gelegen ist. Da beginnt ja nach unserer geisteswissenschaftlichen geschichtlichen Gliederung die fünfte nachatlantische Kulturentwickelung, die sich deutlich unterscheidet von allem, was vorangegangen ist und was vom achten vorchristlichen Jahrhundert an bis zum fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert gedauert hat. Da beginnt das Bestreben der Menschheit, alle Erkenntnisse durch einen neuen Bewußtseinszustand zu erlangen. Dieses Ringen der Menschheit, sich auf die Spitze der Persönlichkeit zu stellen, die Bewußtseinsseele voll auszubilden, geht mit anderen Tatsachen, die ich schon erwähnt habe, parallel. Und auf keine andere Weise können wir eine übersinnliche Erkenntnis anstreben als dadurch, daß wir diese Tatsache voll berücksichtigen.
[ 7 ] In the East, among the peoples of Asia, and also among certain segments of the Russian population in Eastern Europe, things are done in exactly the opposite way. You see, I do not believe that the ideas of the threefold structure of the social organism would have been properly understood had I not first undertaken an investigation of the human organism itself—that investigation of the human organism of which I spoke, at least in passing, in my book *The Mysteries of the Soul*. There I showed how the ordinary human natural organism is a threefold one, how this human natural organism is divided into a nervous and sensory organism, a rhythmic organism, and a metabolic organism. Recognizing these three members of the natural human organism is of immense importance for the current thinking of humanity. And through the very insight that one gains by contemplating the threefold natural human organism, one also comes to correctly recognize the social organism in its threefold nature. Just as we can investigate today that the natural human organism consists of these three parts—the nervous or sensory organism, the rhythmic organism, which is linked to the rhythmic activity of the respiratory and cardiac systems, and the metabolic organism—just as we can investigate this today, so it was not investigated in ancient times. But in ancient times, people had a certain instinctive, atavistic understanding of these things. And the East, which had advanced particularly far in regard to the ancient way of looking into the supersensible world and gaining supersensible knowledge, has preserved even to this day the instincts to apply in life what can be gained from such supersensible knowledge. That is why the Eastern person still seeks supersensible impulses today, just as the Westerner does; but he seeks them in a contrary manner. The Eastern person does not attempt, through mediumistic practices—as the inhabitant of the Anglo-American world does—to shut down the intellect, but on the contrary, he seeks to enrich the intellect. That is to say, they seek to enrich the nervous-sensory human being from the perspective of the rhythmic human being. Therefore, in the East, you will find that those who wish to perceive something supersensible are, above all, advised to train their human respiratory activity—to train the entire rhythmic human being. The Eastern yoga exercises, which are intended to impart true insight to the people of the East, are designed to train the rhythmic human being in such a way that, through a certain type of breathing and a certain technique of heart movements, an influence is exerted on the human mind, which is otherwise bound solely to the physical body. By devoting himself to certain yoga exercises, the Eastern person lifts ordinary rhythmic breathing and ordinary heart activity out of their natural course and sets them in a course such that they gain influence over the mind—which would otherwise be directed solely toward the sensory world—and through this influence, insights into the supersensory world are, as it were, infused into the mind. Thus, the Eastern person, following a path opposite to that of the Westerner, also gains genuine insights into the supersensible world. These two paths of knowledge both yield genuine insights. But just as the American and the Englishman, as occultists, gain insights—for the reasons I have cited—that are rooted in national egoism, so too does the Eastern person, by approaching the body—which is inflamed by racial impulses—directly through his yoga exercises, acquire racial egoistic impulses. We are, in fact, caught between the national-egoistic impulses of the West and the racial-egoistic impulses of the East. But insights can be gained along this path. And those in the West and the East who gain insights in this way simply laugh at the Europeans, who believe they are gaining true insights through their sciences or their social analyses. What Europeans spout from their natural science, from their so-called causal understanding—and what they then spout from their way of thinking into their social science and social agitation—is regarded by both Westerners and Easterners as mere drivel, which, when it comes down to it, is exactly what it is in comparison to true insight. For what lies at the heart of our European sciences and our European impulses for agitation is, in the face of the real forces that guide human development, nothing but mere drivel. And that is why—because we live in a world of mere drivel, because we reject everything drawn from reality—we find ourselves in this predicament. No sooner do people unconsciously realize that something has been drawn from reality—such as the idea of the threefold social order—than they immediately denounce it as something that must not exist. But as long as we seek to eliminate everything that is reality from the world through this nonsense—be it the nonsense of science or the nonsense of political parties—we will not emerge from chaos and confusion; rather, we will only be driven deeper into chaos and confusion. But we must also be fully aware that neither the path of the West nor that of the East can be ours. For it is precisely here in Central Europe that it is necessary to follow the path that is modern in the most eminent sense. And that can be none other than the one described in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. In contrast to the West and the East, what is the basis for what is outlined in this book? To understand this, however, one must look a little into the development of humanity. Above all, one must have internalized a great historical truth, which consists—as I have often mentioned here as well—in the fact that the mid-fifteenth century marked a turning point for modern humanity. According to our spiritual-scientific historical classification, this marks the beginning of the fifth post-Atlantean cultural epoch, which differs markedly from everything that preceded it—a period that lasted from the eighth century B.C. to the fifteenth century A.D. This is where humanity’s endeavor to attain all knowledge through a new state of consciousness begins. This struggle of humanity to rise to the pinnacle of the personality and to fully develop the conscious soul runs parallel to other facts I have already mentioned. And there is no other way for us to strive for supersensible knowledge than by taking this fact fully into account.
[ 8 ] Die äußere Wissenschaft muß ja deshalb Faselei bleiben, weil sie nicht hineinschauen kann in den mit der Menschheitsentwickelung zusammenhängenden Gang der Erdenentwickelung. Das, wovon die äußere Naturwissenschaft redet, das sind ja wirklich nur die an die Oberfläche des Lebens treibenden Wellen. Diese äußere Naturwissenschaft redet von dem, was im physikalischen Laboratorium erforscht wird, was durch Teleskop und Mikroskop beobachtet wird, sie redet von dem, was an der Leiche beobachtet wird, sie redet von allem, was tot in der Entwickelung ist. Sie redet nirgendwo von dem, was lebendig in der Entwickelung ist. Denn es gibt kein Reagenzglas für irgendein Laboratorium, es gibt keine Reaktion chemischer Art, durch welche man feststellen könnte dasjenige, was einzig und allein festgestellt werden kann durch die übersinnliche Erfahrung des Menschen selbst. Der Mensch allein, der lebendige Mensch ist es, durch den die großen Geschehnisse erforscht werden können. Die großen Geschehnisse des Erdendaseins darf man nicht erforschen, indem man sich an die Retorte im chemischen Laboratorium wendet. Die großen Geschehnisse des Erdendaseins, man muß sie dadurch erforschen, daß man sich an dasjenige Wesen wendet, wo die starken Reaktionen geschehen, an den Menschen selbst. Aber wenn man die Menschheitsentwickelung nur so vor sich hinstellt, wie sie heute ist, kommt man eben auf die wichtigsten Sachen nicht; man muß sie durch Jahrtausende anschauen, und das ist wirklich nur durch übersinnliche Erkenntnis möglich. Und wenn man sie durch diese übersinnliche Erkenntnis anschaut, findet man, daß in allem, was wir zum Beispiel heute Essen nennen, in alledem, was wir aufnehmen können an äußeren materiellen Stoffen zur Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse, heute gar nicht mehr dasselbe lebt, was darin gelebt hat vor dem fünfzehnten Jahrhundert. So paradox und absurd und verrückt das für die Menschen der Gegenwart ist, die ja so wissenschaftlich sind nach ihrer Ansicht, welche Faseler sind nach unserer Ansicht, so paradox und unvernünftig das nach der Anschauung der Menschen dieser Gegenwart ist, es ist doch so, daß sich gewisse Kräfte fast aller Nahrungsmittel und fast all dessen, was wir zur Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse aus der physischen Außenwelt entnehmen, geändert haben seit dem fünfzehnten Jahrhundert. Vor dem fünfzehnten Jahrhundert waren in allem Stofflichen, gleichgültig, ob man es direkt der Natur entnahm, oder ob man es kochte, es waren in allem Stofflichen Kräfte vorhanden, die noch auf das Seelische wirkten. Indem der Mensch aß, bekam er aus dem Genossenen noch gewisse seelische Kräfte. So den Menschen mit seelischen Kräften durch das einfache Essen zu versorgen, das ist seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts ganz verlorengegangen. Seitdem sind wir wirklich in ein Stadium der Erdenentwickelung eingetreten, wo wir von der Erde selbst und von dem, was sie leiblich, zur Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse gibt, nichts mehr haben können. Seit jener Zeit ist es so, daß nur physische Prozesse stattfinden in unserem Stoffwechsel, während vorher, indem wir verdaut haben, unser Stoffwechsel ebenso noch seelisch war, wie er heute — verzeihen Sie das harte Wort — zum Beispiel bei einer Kuh oder bei einer Schlange ist. Es wird Sie überraschen, daß ich gerade das sage. Aber mit Bezug auf den äußeren Stoffwechsel ist die Kuh, wenn sie verdaut, ein seelischeres Wesen als der Mensch, und die Schlange ebenso. Wenn Sie die Kuh so liegen oder stehen sehen, nachdem sie gefressen hat, oder wenn Sie die Schlange verdauen sehen, da lebt etwas im Astralorganismus dieser Kuh oder dieser Schlange, was bei dem Menschen in früheren Zeiten, wo er auf Animalisches mehr eingestellt war, auch lebte, was heute aber nicht mehr lebt beim Menschen. Wir sind nach dieser Seite hin von der Natur so entbunden, daß sie nicht mehr in derselben Weise wirkt wie ehemals. Sie können es überraschend finden, daß für uns gerade die Nahrung die seelische Wirkung verloren habe und für die Kuh nicht; aber das ist einmal so. Ausdrücke bedeuten immer anderes bei anderen Wesen. Gerade für den Menschen, weil er anders organisiert ist, bedeutet die Nahrung etwas anderes als für die Kuh oder für die Schlange, was die Materialisten ja nicht glauben. Gerade für den Menschen, weil er anders organisiert ist als die Kuh, ist die Sache so, wie ich es eben auseinandergesetzt habe. Daher müssen wir heute mit dieser mehr physischen Art unseres Stoffwechsels gegenüber der früheren rechnen. Aber wir müssen dafür auch rechnen lernen mit all demjenigen, was sich nach der anderen Seite hin verändert hat.
[ 8 ] External science must, after all, remain mere babble because it cannot look into the course of the Earth’s development as it relates to the evolution of humanity. What external natural science speaks of are, in reality, only the waves that rise to the surface of life. This external natural science speaks of what is investigated in the physics laboratory, what is observed through the telescope and microscope; it speaks of what is observed in a corpse; it speaks of everything that is dead in its development. It speaks nowhere of what is alive in its development. For there is no test tube in any laboratory there is no chemical reaction through which one could determine that which can be determined solely through the supersensible experience of human beings themselves. It is human beings alone—living human beings—through whom the great events can be investigated. The great events of earthly existence must not be investigated by turning to the retort in the chemistry laboratory. The great events of earthly existence must be investigated by turning to the very being in whom these powerful reactions take place—to human beings themselves. But if one simply considers human development as it is today, one fails to grasp the most important aspects; one must view it over the course of millennia, and this is truly possible only through supersensible knowledge. And when one views them through this supersensible knowledge, one finds that in everything we call “food” today, for example—in all the external material substances we can consume to satisfy our physical needs—there is no longer the same life force present today as there was before the fifteenth century. As paradoxical, absurd, and crazy as this may seem to people of the present day—who consider themselves so scientific, though in our view they are mere babbling fools—and as paradoxical and unreasonable as this may appear from the perspective of people today, it is nevertheless true that certain forces in almost all foods and in almost everything we take from the physical external world to satisfy our physical needs have changed since the fifteenth century. Before the fifteenth century, all material substances—whether taken directly from nature or cooked—contained forces that still had an effect on the soul. When a person ate, they received certain spiritual forces from the food they consumed. This ability to provide people with spiritual forces through simple eating has been completely lost since the middle of the fifteenth century. Since then, we have truly entered a stage of Earth’s development where we can no longer derive anything from the Earth itself or from what it provides physically to satisfy our physical needs. Since that time, only physical processes have taken place in our metabolism, whereas before, through digestion, our metabolism was still spiritual, just as it is today—forgive me for using such a harsh word—for example, in a cow or a snake. It may surprise you that I say this. But with regard to external metabolism, when a cow is digesting, it is a more spiritual being than a human, and the same is true of a snake. When you see the cow lying or standing like that after it has eaten, or when you see the snake digesting, there is something alive in the astral organism of this cow or this snake that also lived in human beings in earlier times, when they were more attuned to the animal realm, but which no longer lives in human beings today. We have been so liberated by nature in this respect that it no longer works in the same way as it once did. You may find it surprising that, for us, food in particular has lost its spiritual effect, whereas for the cow it has not; but that is simply the way it is. Terms always have different meanings for different beings. Precisely for human beings—because they are organized differently—food means something other than it does for the cow or the snake, which the materialists, of course, do not believe. Precisely for human beings—because they are organized differently from cows—the situation is as I have just explained. Therefore, today we must take into account this more physical nature of our metabolism compared to the past. But we must also learn to take into account everything that has changed in the opposite direction.
[ 9 ] Sehen Sie, würden wir unser ganzes Leben hindurch immer wachen, wir wären die dümmsten Kerle, die es nur geben kann, gegenüber der übersinnlichen Welt, denn wir würden unsern Verstand immer nur gebrauchen durch das Werkzeug des gewöhnlichen Physisch-Leiblichen. Das heißt, es würde uns alle übersinnliche Einsicht schwinden müssen. Es ist unser Glück, daß wir jedesmal beim Einschlafen unsern Verstand herausziehen aus dem physischen Gehirn und dann den der übersinnlichen Welt haben. Nur wollen wir heute unser Bewußtsein noch nicht dazu entwickeln, diese Erkenntnis der übersinnlichen Welt, die wir unbewußt im Schlafe erringen, auch hineinzubringen in die physische Organisation. Das müssen wir aber, dann werden wir andere Menschen werden, als wir jetzt sind. Es ist in der Tat so: während in unserer Verdauungs-Tagestätigkeit wir immer physischer werden in unseren Prozessen, werden wir während unserer Schlafenszeit schon immer spiritueller, immer geistiger. Und es handelt sich nur darum, hereinzubringen dasjenige, was wir an geistigen Erfahrungen ansammeln vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Das bringen wir dadurch herein, daß wir es nun nicht so machen wie der Orientale, daß wir also nicht gewissermaßen vom Atmungsprozeß aus unseren Verstand infiltrieren, sondern dadurch, daß wir uns rein geistig-seelisch so behandeln, wie das eben in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben wird, daß in diesem veränderten äußeren Leben — das dadurch für uns eintritt, daß wir uns in diesem Sinne behandeln — alles das in uns hereinkommen kann, was der Verstand ansammelt in der übersinnlichen Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen.
[ 9 ] You see, if we were to remain awake our entire lives, we would be the most foolish beings imaginable when it comes to the supersensible world, for we would always use our intellect solely through the medium of the ordinary physical body. That is to say, we would inevitably lose all supersensible insight. It is our good fortune that every time we fall asleep, we draw our mind out of the physical brain and then have access to the supersensible world. However, we do not yet wish to develop our consciousness to the point of bringing this knowledge of the supersensible world—which we unconsciously attain in sleep—into our physical organism. But we must do so; then we will become different people than we are now. It is indeed the case that while our daily digestive processes make us increasingly physical, during our sleep we become ever more spiritual, ever more mental. And the only thing that matters is to bring into our waking life the spiritual experiences we accumulate from the moment we fall asleep until we wake up. We do this not by following the Eastern approach—that is, not by allowing our intellect to infiltrate our being through the breathing process, so to speak—but by treating ourselves purely in a spiritual-soul manner, as described in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* — so that in this transformed outer life—which comes about for us when we treat ourselves in this way—everything that the mind gathers in the supersensible world from the moment we fall asleep until we wake up can enter into us.
[ 10 ] Ich habe schon vorher erwähnt: Auf die Weise, wie es heute viele Menschen machen, bekommt man allerdings den Einfluß der übersinnlichen Welt nicht herein: sie trinken abends so viel Bier, daß sie die nötige Bettschwere haben. Ja, da gelingt es einem allerdings nicht, vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der übersinnlichen Welt so zu verweilen, daß dann dieses übersinnlich Erfahrene auch wirklich herein kann. Sondern wir müssen diesen Leib, der ja ohnedies seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts anders ist, als er früher war, so behandeln, gleichsam von der Seele aus behandeln, wie es im Sinne des Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ist. Dann bekommen wir zuerst übersinnliche Gesinnung, und dann auch übersinnliches Wissen.
[ 10 ] As I mentioned earlier: However, the way many people do it today does not allow one to receive the influence of the supersensible world: they drink so much beer in the evening that they feel heavy enough to fall asleep. Yes, in that case one certainly cannot remain in the supersensible world from the moment of falling asleep until waking up in such a way that what is experienced there can truly take hold. Instead, we must treat this body—which, in any case, has been different since the mid-fifteenth century than it was before—as it were, from the soul outward, as described in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. Then we will first attain a supersensible disposition, and then also supersensible knowledge.
[ 11 ] Was hier empfohlen wird als mitteleuropäischer Aufstieg in die übersinnliche Welt, das unterscheidet sich ganz wesentlich von dem Aufstieg der Okzidentalen, von dem Aufstieg der Orientalen. Das, was hier empfohlen wird, ist ein Ausbilden dessen, was einfach die menschliche Entwickelung seit dem fünfzehnten Jahrhundert fordert. Das, was im Westen getrieben wird, beruht nur auf dem, was man beobachtet hat auf den Wegen der Erfahrung, die man mit den Indianern hat machen können. Diese Indianer, die man ausgerottet hat bei der Eroberung von Amerika, sie waren ja nach der Ansicht der Europäer recht unkultivierte Menschen. Ja, äußerlich waren sie auch recht unkultivierte Menschen. Aber das Eigentümliche war, daß diese amerikanischen Indianer, die man ausrottete, ein ganz intensives übersinnliches Wissen hatten, und daß sie dieses übersinnliche Wissen durch solche Methoden gewannen, die dann die Anglo-Amerikaner von diesen Indianern gelernt und in einer etwas kultivierteren, aber dadurch auch dekadenteren Weise gepflegt haben. Dem liegt namentlich ein sehr bedeutsamer Prozeß in der Erdenentwickelung zugrunde.
[ 11 ] What is recommended here as a Central European ascent into the supersensible world differs quite significantly from the ascent of Westerners and from that of Easterners. What is recommended here is the cultivation of what human development has simply demanded since the fifteenth century. What is being pursued in the West is based solely on what has been observed through experiences with the Native Americans. These Native Americans, who were exterminated during the conquest of America, were, in the view of Europeans, quite uncivilized people. Yes, outwardly they were indeed quite uncivilized people. But what was remarkable was that these American Indians, who were exterminated, possessed a very intense supersensible knowledge, and that they acquired this supersensible knowledge through methods which the Anglo-Americans then learned from these Indians and cultivated in a somewhat more civilized, but consequently also more decadent, manner. This is based, in particular, on a very significant process in the evolution of the Earth.
[ 12 ] Sie wissen ja, die Geschichte erzählt einseitig, wie die Dinge in der Kulturentwickelung hergegangen sind. Die Geschichte erzählt von allerlei Kulturwanderungen von Asien herüber nach Europa über Griechenland, Rom und so weiter. Aber sie erzählt nicht, daß noch eine andere Kulturwanderung stattgefunden hat, jetzt nicht auf dem Wege von Asien hinüber nach Europa, sondern von Asien über den Stillen Ozean hinüber nach unserem heutigen Westen, nach Amerika, auf den Wegen, die in alten Zeiten eben durchaus möglich waren. Dasjenige, was im Osten an Geistigkeit errungen worden ist, das ist gerade nach Amerika gebracht worden. Und Sie wissen ja — wenigstens diejenigen, die damals da waren, als ich vor vielleicht einem Jahr hier davon gesprochen habe —, daß auch die ganze äußere Geschichte von der sogenannten Entdeckung Amerikas und von den großen menschlichen Entwickelungsprinzipien Wischiwaschi ist. Denn ich habe dazumal gesagt: Noch bis zum zwölften Jahrhundert hat man in Europa ganz gut gewußt, daß im Westen ein Amerika ist. Es ist nur vergessen worden. Es ist zugedeckt worden das Wissen, und das Entdecken Amerikas ist nur ein Nachentdecken, ein Wiederentdecken desjenigen, was man früher ganz gut gewußt hat. Zerrissen wurde zuerst der Zusammenhang zwischen dem europäischen und amerikanischen Wesen, dann hat man diesen Zusammenhang wieder entdeckt. Aber man hat ihn so entdeckt, daß man die damaligen Amerikaner, die amerikanischen Indianer massakriert hat. Diese Art von Kulturausdehnung, das war die erste Etappe auf dem Wege, auf dem wir dann nach und nach weitergegangen sind. Ja, es ist in der Tat so, daß, als die Europäer nach Amerika gekommen sind, sie bei den Indianern wohl eine äußere Schmutzkultur in der materiellen Welt gefunden haben, daß sie aber auch gefunden haben ein hohes spirituelles Leben bei diesen sogenannten wilden Menschen, denen sie den Garaus gemacht haben. Und diese wilden Menschen haben bei jeder Gelegenheit gesprochen von dem großen Geiste, der in allen Einzelheiten ihres Lebens bei ihnen lebte. Es war für diejenigen Europäer, die etwas davon verstehen konnten, zuweilen ein großes Erlebnis, gerade die Art und Weise kennenzulernen, wie diese amerikanischen Indianer von dem großen Geiste redeten. Wodurch hatten sich im Laufe der Erdenentwickelung gerade diese äußerlich herabgekommenen Indianer die Möglichkeit bewahrt, zu diesem großen Geiste, der die Welt durchwellt und durchwebt, aufzuschauen? Dadurch hatten sie sich die Möglichkeit bewahrt, daß sie gerade äußerlich-physisch in einer gewissen Weise herabgekommen waren. Sie waren äußerlich-physisch verknöchert. Dadurch war ihnen geblieben, wie eine gewaltige Erinnerung, das Wissen von dem großen Geiste, das ihnen von Osten, von unserem Osten, aber auf dem anderen, dem entgegengesetzten Wege durch den Stillen Ozean, zugekommen war. Das hatten sie sich bewahrt. Sie hatten sich abgegliedert von der Seelenerkenntnis und leiblichen Erkenntnis die geistige Erkenntnis. Sie lebten gewissermaßen ganz aufgehend im Geiste.
[ 12 ] As you know, history presents a one-sided account of how things unfolded in cultural development. History tells of all kinds of cultural migrations from Asia to Europe via Greece, Rome, and so on. But it does not tell us that another cultural migration took place—not from Asia to Europe, but from Asia across the Pacific Ocean to what is now the West, to America, along routes that were entirely possible in ancient times. The spiritual achievements of the East were brought precisely to America. And you know—at least those of you who were here when I spoke about this perhaps a year ago—that the entire external history of the so-called “discovery of America” and of the great principles of human development is nonsense. For I said at the time: As late as the twelfth century, people in Europe knew quite well that there was an America in the West. It had simply been forgotten. That knowledge had been suppressed, and the “discovery” of America was merely a rediscovery, a re-finding of what people had known quite well in the past. First, the connection between the European and American essences was severed; then this connection was rediscovered. But it was rediscovered in such a way that the Americans of that time—the American Indians—were massacred. This kind of cultural expansion was the first stage on the path we then gradually continued to follow. Yes, it is indeed true that when the Europeans came to America, they found among the Indians what they regarded as a crude, materialistic culture, but they also found a highly spiritual life among these so-called savages, whom they subsequently wiped out. And these “savage” people spoke at every opportunity of the Great Spirit, who lived with them in every detail of their lives. For those Europeans who were able to understand it, it was sometimes a profound experience to learn precisely how these American Indians spoke of the Great Spirit. How was it that, in the course of Earth’s evolution, these very Indians—who appeared outwardly degraded—had preserved the ability to look up to this Great Spirit, which ripples through and weaves through the world? It was precisely because they had become, in a certain sense, outwardly and physically degraded. They had become outwardly and physically ossified. Through this, the knowledge of the Great Spirit—which had come to them from the East, from our East, but by the other, opposite route across the Pacific Ocean—had remained with them like a powerful memory. They had preserved this. They had separated spiritual knowledge from knowledge of the soul and knowledge of the body. In a sense, they lived entirely immersed in the Spirit.
[ 13 ] Die Europäer hatten eine heillose Furcht vor dem, was da als Kunde über den Geist von seiten der nordamerikanischen Indianer zutage trat. Die Europäer hatten ja auch schon früher dafür gesorgt, daß diese Furcht vor dem Geiste nicht ausgetrieben werde. Ich habe Ihnen öfters jenes denkwürdige Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 erwähnt, auf dem die katholische Kirche den Glauben an den Geist abgeschafft hat, auf dem die katholische Kirche dekretiert hat, daß man künftig nicht glauben dürfe an Leib, Seele und Geist, sondern daß man nur glauben dürfe an Leib und Seele. Und diese Abschaffung der Erkenntnis des Geistes, sie hat alles dasjenige bewirkt, was an wissenschaftlichem und Erkenntnis-Chaos über Europa gekommen ist. Es war daher kein Wunder, daß diese in der Furcht vor allem Geistigen erwachsene europäische Menschheit noch heillosere Angst bekam, als sie nun den amerikanischen Indianern mit ihrer Kunde von dem großen Geiste gegenüberstand. Aber wie gesagt, das war nur der Anfang des Weges, auf dem wir fortgefahren sind. Wir haben nach und nach aus der großen europäischen Aufklärung heraus uns auch den Glauben an die Seele abgewöhnt, und wir glauben im heutigen Materialismus nur noch an die Wirksamkeit des Leibes. Aber aus diesem Glauben, aus diesem Aberglauben an die Wirksamkeit des Leibes muß hervorgehen, was wiederum zur Erkenntnis des Geistigen, des Übersinnlichen auf dem Wege führt, von dem ich eben jetzt gesprochen habe, und der weder der Weg der Okzidentalen noch der Weg der Orientalen, sondern der speziell mitteleuropäische sein muß. Und man wird aus diesem mitteleuropäischen Wege heraus auch dasjenige finden, was einzig und allein auch aus der sozialen Not, aus dem sozialen Chaos herausführen kann. Kein anderer Weg kann uns herausführen.
[ 13 ] The Europeans had a deep-seated fear of what was emerging as knowledge about the Spirit from the North American Indians. The Europeans had, after all, already ensured earlier on that this fear of the Spirit would not be dispelled. I have often mentioned to you that memorable Council of Constantinople in the year 869, at which the Catholic Church abolished belief in the spirit, at which the Catholic Church decreed that in the future one was not to believe in body, soul, and spirit, but only in body and soul. And this abolition of the recognition of the Spirit has brought about all the scientific and epistemological chaos that has befallen Europe. It was therefore no wonder that this European humanity, raised in fear of all things spiritual, was seized by an even more desperate dread when it now faced the American Indians with their message of the Great Spirit. But as I said, that was only the beginning of the path we have continued to follow. Gradually, as a result of the great European Enlightenment, we have also weaned ourselves away from belief in the soul, and in today’s materialism we believe only in the efficacy of the body. But from this belief—from this superstition in the efficacy of the body—must emerge that which, in turn, leads to the recognition of the spiritual, of the supersensible, along the path I have just spoken of—a path that is neither that of the West nor that of the East, but must be specifically Central European. And it is through this Central European path that we will also find the one thing that alone can lead us out of social distress and social chaos. No other path can lead us out.
[ 14 ] Aber Sie sehen auch, zu diesem Wege gehört etwas Anstrengung. Man muß etwas tun mit sich selbst. Man muß die Geduld haben, seine Seelen- und Geisteskräfte zu entwickeln. Denn seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts entwickeln sich diese Seelen- und Geisteskräfte nicht mehr so, daß man bloß zu essen braucht und dann aus dem Verdauen der Speisen aufraucht dasjenige,was uns infiltrieren kann mit geistigen Anschauungen. Wir müssen sozusagen unsere Entwickelung seit dem fünfzehnten Jahrhundert selber in die Hand nehmen, wenn wir nicht töricht bleiben wollen. Aber das ist das große Ideal der materialistischen Menschheit in Europa, töricht zu bleiben, nicht gescheit zu werden, nur dasjenige zu erkennen, was aufsteigt aus der Verdauung des Leibes. Das ist im Grunde genommen doch die wahre Ursache auch für die sozialen Schäden, die seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts in Europa aufgetreten sind: diese Ideale der europäischen materialistischen Menschheit, ja nicht die eigene seelische und geistige Entwickelung in die Hand zu nehmen, sondern so zu bleiben, wie man geboren ist, und wie man sich entwickelt mit möglichstem Ausschluß jeder geistigen und seelischen Entwickelung.
[ 14 ] But you can also see that this path requires some effort. One must work on oneself. One must have the patience to develop one’s soul and spiritual powers. For since the middle of the fifteenth century, these soul and spiritual powers have no longer developed in such a way that one merely needs to eat, and then, from the digestion of food, that which can imbue us with spiritual insights rises up. We must, so to speak, take our own development into our own hands since the fifteenth century if we do not wish to remain foolish. But that is the great ideal of materialistic humanity in Europe: to remain foolish, not to become wise, to recognize only what arises from the digestion of the body. This is, after all, the true cause of the social ills that have arisen in Europe since the middle of the fifteenth century: these ideals of European materialistic humanity—not to take one’s own soul and spiritual development into one’s own hands, but to remain as one was born and to develop while excluding, as far as possible, any spiritual and soul development.
[ 15 ] Und dabei merken die Menschen gar nicht, wie die geschichtlichen Zusammenhänge eigentlich sind. Sie merken zum Beispiel gar nicht, wie gerade von denselben Impulsen, von denen das achte ökumenische Konzil im Jahre 869 getragen war, das den Geist abgeschafft hat, wie von denselben Impulsen getragen ist unsere Universitätswissenschaft und ebenso unsere sozialen Theorien von heute. Die Leute glauben aufgeklärt zu sein, weil sie nur dasjenige sehen, was in ihrem Bewußtsein ist. Sie merken nicht, daß es keinen Marx, keinen Engels, keinen Lassalle gegeben hätte, mit ihrem eigentümlichen Denken, wenn Marx und Engels und Lassalle nicht die Schüler derjenigen gewesen wären, die präpariert waren zu ihren Ansichten durch das ökumenische Konzil von 869. Die Sozialdemokratie, in ihren verschiedenen Parteien von heute, ist die getreuliche Schülerschaft dessen, was in der katholischen Kirche gewaltet hat. Das merken nur die Menschen nicht. Sie merken nicht, daß sie ja oft die Nachzügler der katholisch-christlichen Impulse sind. Sie glauben sich bloß in den Impulsen der allerneuesten Zeit darinnen. Es wird ein mächtiges Zu-sich-selber-Kommen sein, wenn einmal die Parteien, gerade die linksstehenden von heute, bemerken, wie im schlechten Sinne katholischgläubig sie sind. Wenn den Leuten darüber einmal die Augen aufgehen werden, wenn sie darüber einmal aufwachen werden, oh, das wird ein merkwürdiges Zu-sich-selber-Kommen sein. Daher sorgt man auch so stark dafür, daß den Leuten ja über diese Zusammenhänge nicht die Augen aufgehen. So ist es schon einmal heute, daß, wer die Dinge durchschaut, eigentlich nur immer dasjenige sagen muß, was schließlich all den Menschen von heute, von links und von rechts, recht unbehaglich ist. Einstimmen in die Töne von links und von rechts kann man heute nicht, wenn man den Zusammenhang der Dinge versteht. Daher ist es auch heute so, daß man mehr als zu irgendeiner anderen Zeit alle Menschen von der öffentlichen Wirksamkeit ausschließen möchte, die etwas von der Sache verstehen, und daß man zu Führern am liebsten diejenigen hat, die durch keine Sachkenntnis in ihrer Stierhaftigkeit getrübt sind. Aber über diese Dinge muß unbefangenes Denken einziehen in die menschlichen Köpfe, in die menschlichen Herzen, anders werden die Dinge nicht weitergehen. Daher muß immer wieder und wiederum ermahnt werden zu solch unbefangenem Ansehen der Verhältnisse der Gegenwart. Vor allen Dingen muß dieser Zusammenhang eingesehen werden, der zwischen richtigen sozia len Prinzipien und dem besteht, was als Erkenntnis der übersinnlichen Welt da ist.
[ 15 ] And yet people don’t even realize what the historical context actually is. For example, they do not realize at all that our academic scholarship—and likewise our social theories of today—are driven by the very same impulses that underpinned the Eighth Ecumenical Council in 869, which abolished the Holy Spirit. People believe themselves to be enlightened because they see only what is in their consciousness. They do not realize that there would have been no Marx, no Engels, no Lassalle—with their distinctive ways of thinking—if Marx, Engels, and Lassalle had not been the disciples of those who had been prepared for their views by the Ecumenical Council of 869. Social democracy, in its various parties today, is the faithful discipleship of what has prevailed in the Catholic Church. People simply do not realize this. They do not realize that they are often merely following in the wake of Catholic-Christian impulses. They believe they are merely caught up in the impulses of the very latest era. It will be a powerful coming to one’s senses when the parties—especially today’s left-wing ones—finally realize just how Catholic, in the negative sense, they actually are. When people’s eyes are finally opened to this, when they finally wake up to it, oh, that will be a remarkable coming to one’s senses. That is why such great care is taken to ensure that people’s eyes do not open to these connections. So it is already the case today that anyone who sees through these matters can really only ever say what ultimately makes all people today—on the left and on the right—feel quite uncomfortable. It is impossible today to go along with the rhetoric from the left and the right if one understands how things are connected. That is why, today more than at any other time, there is a desire to exclude from public life all those who understand the issues, and why the preferred leaders are those whose stubbornness is not clouded by any expertise. But unbiased thinking must take root in people’s minds and hearts regarding these matters; otherwise, things will not move forward. Therefore, we must repeatedly urge people to view present-day circumstances with such an unbiased perspective. Above all, we must recognize the connection that exists between sound social principles and what is known as insight into the supersensible world.
[ 16 ] Es gibt drei wichtige Begriffe auf sozialem Gebiet. Sie finden sie in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage»: Der Begriff der Ware, der Begriff der menschlichen Arbeit und der Begriff des Kapitals. Über diese drei Begriffe ist von akademischen und unakademischen, von Parteien und parteilosen Leuten in der neueren Zeit viel gesagt worden. Aber es ist wohl kaum über irgend etwas so Unzutreffendes mit solchem Aplomb in die Welt gesetzt worden wie über die drei Begriffe: Ware, menschliche Arbeit, Kapital. Damit will ich nicht sagen, daß nicht manchmal ganz treffende Gefühle über diese Dinge in die Welt gesetzt worden sind. Denn das Gefühl, das ich in meinen Vorträgen oftmals charakterisiert habe, das ausgelöst worden ist in der großen proletarischen Masse über die Betrachtung der Arbeitskraft als Ware, dieses Gefühl ist schon durchaus berechtigt. Aus diesem Gefühl heraus müssen auch wichtige soziale Impulse kommen. Das hindert aber gar nicht, daß der Begriff, die Idee, der wirkliche Impuls, aus dem das Gefühl heraus stammt, grundfalsch ist. Denn man kann nun einmal den Begriff der Ware nicht erkennen, wenn man nicht wenigstens die erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis in sich aufgenommen hat. So paradox das heute den Menschen erscheint, so wahr ist es aber. Ware ist etwas, woran menschliche Arbeit hängt, wo der Mensch sich gewissermaßen hineingelegt hat. Die Definition über die Ware, wie Sie sie bei Marx finden, ist ganz unrichtig. Denn Karl Marx verwendet dazu nur die Begriffe, die man aus der gewöhnlichen sinnlichen Wissenschaft haben kann. Ware kann überhaupt von niemand verstanden werden, der nicht einen Begriff hat von imaginativer Erkenntnis. Daher wird es keine Definition der Ware geben, bevor die imaginative Erkenntnis anerkannt ist. Und ich habe in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage» eben diesen Dingen Rechnung getragen. Kein Wunder, daß die Menschen sagen, sie verstehen diese Dinge nicht. Sie müssen sich eben in die Denkweise hineinfinden, die in diesem Buche herrscht, nicht in diejenige, die außerhalb dieses Buches in der von aller Wirklichkeit abschenden Literatur herrscht.
[ 16 ] There are three important concepts in the social sphere. You will find them in my book *The Key Points of the Social Question*: the concept of a commodity, the concept of human labor, and the concept of capital. Much has been said about these three concepts in recent times by both academics and non-academics, by party members and independents alike. But it is hard to imagine anything about which such inaccurate statements have been made with such aplomb as about these three concepts: commodity, human labor, and capital. I do not mean to say that perfectly apt sentiments regarding these matters have not sometimes been expressed. For the sentiment I have often characterized in my lectures—the one aroused among the vast proletarian masses by the view of labor power as a commodity—is indeed entirely justified. Important social impulses must also arise from this sentiment. Yet this in no way precludes the fact that the concept, the idea, the actual impulse from which this sentiment stems, is fundamentally flawed. For one simply cannot grasp the concept of a commodity unless one has at least assimilated the first stage of supersensible knowledge. As paradoxical as this may seem to people today, it is nonetheless true. A commodity is something to which human labor is attached, into which the human being has, so to speak, invested themselves. The definition of a commodity, as you find it in Marx, is entirely incorrect. For Karl Marx uses only the concepts that can be derived from ordinary sensory science. A commodity cannot be understood at all by anyone who has no concept of imaginative cognition. Therefore, there will be no definition of a commodity until imaginative cognition is recognized. And in my book *The Key Points of the Social Question*, I have taken precisely these matters into account. No wonder people say they do not understand these things. They simply have to familiarize themselves with the way of thinking that prevails in this book, not with the one that prevails outside of it in literature that is far removed from all reality.
[ 17 ] Über menschliche Arbeit kann niemand reden, der nicht etwas weiß von inspirierter Erkenntnis. Denn heute einfach zu sagen: Ware ist aufgespeicherte Arbeitskraft — oder: Kapital ist aufgespeicherte Arbeitskraft —, das ist natürlich ein bloßer Unsinn. Ich habe schon einmal hier erwähnt, daß ja die Arbeit, die Verwendung der Arbeit als solcher, nicht maßgebend ist für irgendeinen nationalökonomischen Begriff. Denn jemand, der den ganzen Tag Tennis spielt oder was anderes tut, was gar keinen nationalökonomischen Effekt hat, wendet dieselbe Arbeitskraft an wie jemand, der Holz hackt, was einen wichtigen nationalökonomischen Effekt hat. Es kommt nicht darauf an, wieviel Arbeitskraft hineingesteckt wird in den menschlichen Entwickelungsprozeß, sondern es kommt darauf an, wie dasjenige, was als Leistung aus der Arbeit hervorgeht, in der Konjunktur des nationalökonomischen Lebens drinnen steht. Von der Arbeit bekommt kein Ding seinen Wert. In dem Augenblick, wo Sie von einer Arbeit den Wert der Ware abhängig machen, würden Sie zu lauter Absurditäten kommen. Darum handelt es sich, wie die Arbeit hineingestellt wird in den nationalökonomischen Prozeß, sonst ist Arbeit etwas, was von aller Ökonomie ganz unabhängig ist, was an die menschliche Natur selbst gebunden ist. Daher kann man nicht über die Arbeit entscheiden aus dem wirtschaftlichen Prozeß selbst heraus, sondern man muß auf demjenigen Boden über die Arbeit entscheiden, der vom wirtschaftlichen Prozeß unabhängig ist, auf dem bloßen Rechtsboden. Sie finden das auch besprochen in dem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Um über diese Dinge etwas zu wissen, ist es notwendig, daß man noch ganz anders hineinschaut in die Wirklichkeit, als es das wissenschaftliche Gefasel der Gegenwart kann. Es muß schon einmal über diese Dinge in vollem Ernst gesprochen werden, weil mit einem ungeheuren Hochmut, mit einer ungeheuren Selbstüberhebung alles das auftritt, was in der heutigen Zeit doch nichts anderes ist als wissenschaftliches Gefasel. Und wissenschaftliches Gefasel ist gegenüber den Anforderungen der Gegenwart alles, was sich nicht erheben will von der bloß sinnlichen Erkenntnis zur übersinnlichen Erkenntnis. Die Funktion, die die Arbeitskraft hat im Prozeß der Menschheitsentwickelung, kann nur gefunden werden, wenn man eine Ahnung hat von inspirierter Erkenntnis.
[ 17 ] No one can speak of human labor without knowing something of inspired insight. For to simply say today that a commodity is stored labor power—or that capital is stored labor power—is, of course, utter nonsense. I have already mentioned here that labor—the application of labor as such—is not decisive for any concept in national economics. For someone who plays tennis all day or does something else that has no effect whatsoever on the national economy expends the same labor power as someone who chops wood, which has a significant effect on the national economy. What matters is not how much labor power is invested in the process of human development, but rather how the output resulting from that labor fits into the economic cycle of national economic life. Nothing derives its value from labor. The moment you make the value of a commodity dependent on labor, you would end up with nothing but absurdities. That is the crux of the matter: how labor is integrated into the national economic process; otherwise, labor is something entirely independent of the economy, something bound to human nature itself. Consequently, one cannot make judgments about labor based solely on the economic process itself; rather, one must make such judgments on a basis independent of the economic process—namely, on a purely legal basis. You will also find this discussed in the book *The Key Points of the Social Question*. To understand these matters, it is necessary to look at reality in a way that is entirely different from what the scientific drivel of the present day is capable of. These matters must be discussed with the utmost seriousness, because everything that is presented today with immense arrogance and immense self-importance is, in this day and age, nothing more than scientific drivel. And, in light of the demands of the present, scientific drivel is anything that refuses to rise from merely sensory knowledge to supersensory knowledge. The role that labor plays in the process of human development can only be discovered if one has a sense of inspired knowledge.
[ 18 ] Und so sonderbar es klingt: über die Funktionen des Kapitals kann sich niemand wirklich aufklären, der nicht einen Begriff hat von der Intuition, von der höchsten Erkenntnisart. Das ahnte die Bibel schon, indem sie sagte, daß mit dem Christentum der Mammonismus bekämpft werden solle. Allerdings, diese Erkenntnis muß gewissermaßen eine auf dem umgekehrten Wege wirkende sein. Man muß sich aufklären über dasjenige, was da sein soll an Stelle des ahrimanischen Kapitals durch die übersinnliche Erkenntnis, nicht durch eine an die Sinnlichkeit gebundene Erkenntnis. So wird das Ausbilden einer gesunden Nationalökonomie abhängig davon, daß sich die Leute in eine gesunde übersinnliche Erkenntnis einlassen, sonst wird von nationalökonomischen Dingen in die Zukunft hinein auch so gefaselt werden, wie jetzt gefaselt wird. Um etwas Sozialökonomisches zu erkennen, ist es heute notwendig, die Wissenschaft der Einweihung zu kennen. Aber diese Wissenschaft der Einweihung, von der hier gesprochen wird, sie wird gerade abgelehnt und verachtet von denen, die heute öffentlich. wirken wollen. Daher ist dasjenige, was heute herauftönt aus der bloßen Sinnesanschauung in Form von Parteimeinungen für den, der die Dinge durchschaut — das muß schon einmal ausgesprochen werden —, wie das Zusammentönen von den Aussprüchen einer Gesellschaft von Narren. Nun können Sie sich denken, daß es ja keine Annehmlichkeit ist, da die Wahrheit so liegt, diese Wahrheit der heutigen Menschheit zu sagen. Aber diese Wahrheit muß der heutigen Menschheit gesagt werden. So stoßen die Dinge heute zusammen, daß die heutige Menschheit gerade die Wahrheit nicht hören will, daß aber es unbedingt notwendig ist, daß der heutigen Menschheit rückhaltlos diese Wahrheit gesagt werde. Denn die heutige Menschheit will ihren Empfindungen und Gefühlen nach durchaus das, was im Sinne dieser Wahrheit liegt. Die heutige Menschheit ist aber hineingelullt in alles das, was man nennen könnte die Illusionen des Lebens, und sie möchte nicht Abschied nehmen von diesen Illusionen des Lebens.
[ 18 ] And as strange as it may sound: no one can truly understand the functions of capital unless they have some concept of intuition, of the highest form of knowledge. The Bible already sensed this when it said that Christianity was meant to combat Mammonism. However, this insight must, in a sense, be one that works in the opposite direction. One must gain insight into what is to take the place of Ahrimanic capital through supersensible knowledge, not through knowledge bound to the senses. Thus, the development of a healthy national economy depends on people engaging with sound supersensible knowledge; otherwise, people will continue to ramble on about matters of national economy in the future just as they do now. To understand socio-economic matters today, it is necessary to know the science of initiation. But this science of initiation, of which we speak here, is precisely what is rejected and despised by those who wish to be active in the public sphere today. Therefore, what resounds today from mere sensory perception in the form of party opinions—for those who see through these things, this must be stated plainly—is like the clamour of the utterances of a society of fools. Now you can imagine that, given the nature of the truth, it is by no means a pleasant task to speak this truth to humanity today. But this truth must be spoken to humanity today. Things have come to such a clash today that humanity simply does not want to hear the truth, yet it is absolutely necessary that this truth be spoken to humanity without reservation. For, in accordance with its feelings and emotions, humanity today actually desires precisely what lies in the essence of this truth. But today’s humanity has been lulled into what one might call the illusions of life, and it does not want to part with these illusions of life.
[ 19 ] Ich habe Ihnen vor einiger Zeit hier den Ausspruch eines Mannes zitiert, der aus der lateinischen Kultur heraus stammt, indem ich dabei erwähnt habe, daß oftmals aus untergehenden Kulturen ein Aufflackern besonders starker Wahrheitserkenntnis kommen kann. Beredetto Croce, er sagt in seinen «Grundzügen der Ästhetik» — ich habe es Ihnen vor vierzehn Tagen angeführt —, daß die Kunst unmöglich sich stützen kann auf die äußere physische Welt. Warum nicht? Nach Benedetto Croce deshalb nicht, weil die äußere physische Welt nicht wirklich ist und die Kunst nach der Wirklichkeit strebt. Solche Dinge erscheinen der heutigen Menschheit ganz unglaublich. Und doch sind sie wahr, durchaus wahr. Das was in der wirklichen Kunst lebt, das ist eine ganz andere Wirklichkeit als das, was in der sinnlichen äußeren Erscheinung lebt. Man strebt, indem man künstlerisch schafft, aus der Unwirklichkeit der physischen Natur heraus zu der Wirklichkeit, die im Geiste zunächst geahnt wird, und die dann im Geiste gefunden werden kann durch übersinnliche Erkenntnis. Daher muß gerade in übersinnlichen Formen, in übersinnlichen künstlerischen Schöpfungen der gegenwärtigen Menschheit zu Hilfe gekommen werden, weil sie den Weg finden will wiederum in die übersinnliche Welt hinein. Aber nicht anders ist es möglich, in diesen Dingen weiterzukommen, als daß man einen innerlichen Sinn — und Sie wissen ja, die Anleitungen des Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gehen auch dahin —, daß man einen innerlichen Sinn für das wirklich Wahre entwickelt, daß man auch einen Sinn dafür entwickelt, wie wenig in der Gegenwart durch die gewöhnlichen Kulturmittel dieser Sinn für das Wahre sich eigentlich entwickelt. Denken Sie doch nur, wie wir in den letzten fünf bis sechs Jahren dahin gekommen sind, daß eigentlich in die großen Weltangelegenheiten hinein die Stimme der Wahrheit kaum noch tönt. Denken Sie, wieviel unwahres Zeug gesprochen worden ist in den großen Weltangelegenheiten in den letzten fünf bis sechs Jahren und bis heute. Das alles zeugt von dem nach Unwahrheit hin tendierenden Sinn der gegenwärtigen Welt. Gerade hier, im Schoße dieser Gesellschaft, mußte es immer wieder und wiederum erwähnt werden, daß die Aneignung des Sinnes für die wirkliche Wahrheit in eminentester Art notwendig ist. Als hier begonnen wurde im Sinne der anthroposophischen Bewegung zu arbeiten, da waren im Schoße dieser Bewegung aus alten Verhältnissen viele Leute, die immer gern die Wahrheit retuschiert haben. Es zeigt sich gerade bei solchen Bewegungen, wie die anthroposophische eine ist, daß man die alten Fehler lieber kultiviert als die neuen Tugenden. So ein Hinwegflutschen über die Wahrheit, das war etwas, was zur besonderen Neigung sich ausgebildet hatte. Und man hatte oftmals Mühe, gerade innerhalb dieser Gesellschaft etwas hereinzubringen, was ganz einfach darin besteht, daß man die Lüge Lüge nennt. Wenn immer wieder Leute innerhalb dieser Gesellschaft aufgetreten sind, die etwas gesagt haben, was nicht wahr ist, dann hat man auch immer wieder die Neigung gehabt, zu entschuldigen, es so darzustellen, daß doch gute Absichten hinter dem Unwahren stecken könnten und dergleichen. Nein, es kommt aber darauf an, daß man die Unwahrheit Unwahrheit nennt. Sie wissen, daß es das Hinwenden zur Wahrheit war, welches bewirkt hat, daß sich diese Anthroposophische Gesellschaft herausgegliedert hat aus der alten Theosophischen Gesellschaft, die ja, wie Sie auch wissen, in der Welt weiterlebt. Nun, mit Bezug auf alles das, was in dieser Anthroposophischen Gesellschaft wirkt, lügt man in der Theosophischen Gesellschaft weiter. Und es ist schon notwendig, weil ich ja hier auch andere zeitgenössische Erscheinungen berücksichtige, daß ich Sie heute, wo ich manches zusammenfassen muß, was im Laufe der Zeit angedeutet worden ist, darauf aufmerksam mache, in welch raffinierter Weise man wiederum über die anthroposophische Bewegung von theosophischer Seite aus lügt, lügt sogar in einem Buche, dessen Vorrede den Satz enthält: «Ich hoffe die Wahrheit berichtet zu haben.» Aber innerhalb dieses Buches, für das die Verfasserin hoftt, die Wahrheit berichtet zu haben, steht unter manchem anderem: «Es ist gewiß, daß die Steinersche Trennung ein Segen war.» — Die Trennung der Anthroposophischen von der Theosophischen Gesellschaft. — «Der Okkultist» — jetzt hören Sie die knüppeldicke Lüge — «Der Okkultist» — damit war ich gemeint — «war auch ein überzeugter Alldeutscher. Nehmen wir einen Augenblick an, daß er zur Präsidentschaft der Theosophischen Gesellschaft gelangt wäre, so hätte er daselbst viel beträchtlichere Mittel und Einfluß auf fast alle Länder der Welt gefunden. Er hätte freier und mit Autorität seine alldeutsche Politik verfolgen können. Und er hätte es aller Wahrscheinlichkeit nach auch getan.»
[ 19 ] Some time ago, I quoted here a statement by a man who came from the Latin cultural tradition, noting that a particularly powerful flash of insight into truth can often emerge from cultures in decline. Benedetto Croce says in his *Outlines of Aesthetics*—I quoted it to you fourteen days ago—that art cannot possibly be based on the external physical world. Why not? According to Benedetto Croce, it is because the external physical world is not real, and art strives for reality. Such ideas seem completely unbelievable to people today. And yet they are true, absolutely true. What lives in true art is a reality entirely different from what lives in sensory external appearance. Through artistic creation, one strives to move out of the unreality of physical nature toward the reality that is first intuited in the spirit and can then be found in the spirit through supersensible knowledge. That is why contemporary humanity must be aided precisely through supersensible forms, through supersensible artistic creations, because it seeks to find its way back into the supersensible world. But the only way to make progress in these matters is to develop an inner sense—and as you know, the instructions in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* also point in this direction—that one must develop an inner sense for what is truly real, and that one must also develop a sense of how little this sense for the true is actually being cultivated in the present through the ordinary means of culture. Just think how, over the last five to six years, we have reached a point where the voice of truth hardly resounds anymore in the great affairs of the world. Consider how much untruth has been spoken in major world affairs over the past five to six years and up to the present day. All of this testifies to the current world’s tendency toward untruth. Precisely here, within the bosom of this Society, it has had to be mentioned time and again that cultivating a sense for true reality is of the utmost necessity. When work began here in the spirit of the anthroposophical movement, there were many people within this movement—carrying over old habits—who were always inclined to gloss over the truth. It is precisely in movements such as the anthroposophical one that it becomes apparent how people prefer to cultivate old faults rather than new virtues. Such a tendency to gloss over the truth had developed into a particular inclination. And it was often difficult, especially within this Society, to introduce something that simply consists of calling a lie a lie. Whenever people within this Society have spoken something that is not true, there has always been a tendency to make excuses, to present it as though good intentions might lie behind the untruth, and so on. No, but what matters is that one calls a falsehood a falsehood. You know that it was the turning toward truth that led to the Anthroposophical Society breaking away from the old Theosophical Society, which, as you also know, continues to exist in the world. Well, with regard to everything that is at work in this Anthroposophical Society, the Theosophical Society continues to spread falsehoods. And it is indeed necessary—since I am also taking other contemporary developments into account here—that today, as I must summarize certain points that have been alluded to over time, I draw your attention to the sophisticated manner in which the Theosophical side is once again lying about the anthroposophical movement, even in a book whose preface contains the sentence: “I hope to have reported the truth.” But within this book, for which the author hopes to have reported the truth, it states, among other things: “It is certain that Steiner’s separation was a blessing.” — The separation of the Anthroposophical Society from the Theosophical Society. — “The Occultist”—now listen to this blatant lie—“The Occultist”—that was meant to refer to me—“was also a staunch Pan-Germanist.” Let us suppose for a moment that he had become president of the Theosophical Society; there he would have found far greater resources and influence over almost every country in the world. He would have been able to pursue his Pan-German policy more freely and with authority. And in all likelihood, he would have done so.”
[ 20 ] Und woraus wird diese Lüge geformt? Daraus, daß ich nach und nach nicht bloß in Deutschland meine Vorträge über Anthroposophie gehalten habe, unter Deutschen, sondern daß ich auch in andere Länder gegangen bin. Ich habe allerdings Vorträge gehalten von Bergen bis Palermo, und ich betrachte es heute noch immer als ein schönstes Zeichen für den Impuls, der gerade von dieser Bewegung für einen — Weltfrieden ausgehen könnte, daß ich noch im Mai 1914 in Paris eine Rede über Anthroposophie halten konnte vor einem öffentlichen Publikum, in deutscher Sprache, so daß jeder Satz übersetzt werden mußte. Es waren nicht etwa die Deutschen von Paris in diesem Vortrag, sondern lauter Franzosen. Wir hatten es bereits so weit darin gebracht, daß im Mai 1914 über Dinge unserer Weltanschauung in ganz Europa gesprochen werden konnte. Da fiel das Ereignis hinein, das der Welt den Frieden und die Lebensmöglichkeit genommen hat. Es ist dies ein tatsächlicher Beweis, gerade dieses Wirken im Mai 1914 in Paris vor dem Ausbruch dieser furchtbaren Weltkatastrophe, daß im Schoße der Anthroposophischen Gesellschaft etwas gelegen hätte auch für den Weltfrieden. Und worauf sind denn alle diese Reden erfolgt? Keine einzige ist auf unsere Initiative hin erfolgt, sondern sie sind verlangt worden von den Freunden in Bergen, in Paris, in London, in Holland, in Palermo und so weiter. Sie sind stets verlangt worden von den anderen. Hier wird die Lüge daraus fabriziert, daß sie zur Propagierung des Deutschtums in der ganzen Welt gehalten worden wären. Es ist notwendig, daß Lüge Lüge genannt werde. Dieses Buch, welches in seiner Vorrede verspricht, die Wahrheit zu berichten, bringt, wenigstens über alles, was sich auf die Anthroposophische Gesellschaft und auf mich bezieht, nichts anderes als Lügen. — Nun wird man wiederum sagen, ich wende mich gegen die anderen, während hier, sehen Sie, die folgenden salbungsvollen Sätze stehen. Ich bitte diejenigen, die die Tatsachen kennen, diese Sätze mit den Tatsachen zu vergleichen: «Welches war nun die Haltung unserer Präsidentin gegenüber diesem Kollegen, der zuerst in den inneren Kreisen ihren Einfluß zu verringern suchte und nachher sie verdrängen wollte? Ihr Verhalten war immer eine sehr große Toleranz, eine vollkommene Höflichkeit. Sie sah in ihm große intellektuelle Werte, eine seltene philosophische Entwickelung; sie schätzte alles, was schön und erhaben in ihm war, und... sprach nicht vom übrigen. Sie anempfahl ihren Schülern unaufhörlich Toleranz, Geduld, welche «plus royalistes que le roi» sich über das Gebaren der deutschen Sektion ärgerten. Darin befolgte sie ganz einfach ihre Grundsätze. »
[ 20 ] And what is this lie based on? On the fact that, little by little, I have not only given my lectures on anthroposophy in Germany, among Germans, but that I have also traveled to other countries. I have, in fact, given lectures from Bergen to Palermo, and I still consider it today one of the most beautiful signs of the impulse that could emanate from this very movement toward world peace—that as late as May 1914, I was able to give a lecture on anthroposophy in Paris before a public audience, in German, so that every sentence had to be translated. The audience at that lecture was not made up of Germans living in Paris, but entirely of French people. We had already made such progress that, by May 1914, people throughout Europe were discussing aspects of our worldview. Then came the event that robbed the world of peace and the possibility of life. This is actual proof—precisely this activity in Paris in May 1914, before the outbreak of that terrible global catastrophe—that within the bosom of the Anthroposophical Society there lay something that could have contributed to world peace as well. And what, then, was the purpose of all these lectures? Not a single one was given on our own initiative; rather, they were requested by friends in Bergen, Paris, London, the Netherlands, Palermo, and so on. They were always requested by others. Here, a lie is being fabricated to suggest that they were held to propagate German culture throughout the world. It is necessary to call a lie a lie. This book, which promises in its preface to report the truth, contains—at least regarding everything pertaining to the Anthroposophical Society and to me—nothing but lies. — Now people will say once again that I am turning against the others, while here, you see, are the following unctuous sentences. I ask those who know the facts to compare these sentences with the facts: “What, then, was our president’s attitude toward this colleague, who first sought to diminish her influence within the inner circles and later wanted to oust her? Her conduct was always one of great tolerance, of perfect courtesy. She saw in him great intellectual qualities, a rare philosophical development; she appreciated everything that was beautiful and sublime in him, and… made no mention of the rest. She ceaselessly urged her students to practice tolerance and patience, even as those who were “more royalist than the king” were annoyed by the behavior of the German section. In doing so, she was simply following her principles.”
[ 21 ] Bitte, vergleichen Sie das mit der Wahrheit dessen, was geschehen ist, und Sie werden die Beweise dafür erhalten, in welchem Maße man lügen kann. Vielleicht wird gesagt werden, wenn man hört, was ich heute gesagt habe, daß ich angreife. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß ich niemals etwas Kritisches gesagt habe, bevor ich angegriffen worden bin.
[ 21 ] Please compare this with the truth of what actually happened, and you will see just how far people are capable of lying. Perhaps, upon hearing what I have said today, some will say that I am being aggressive. But I would like to point out that I have never said anything critical before being attacked.
[ 22 ] Auch auf diese Dinge muß hingesehen werden als auf eine kulturhistorische Erscheinung, die sich darin äußert, daß in einer Bewegung, die nach dem Geiste hinarbeiten will, auch die Lüge in einer erhöhten Weise kultiviert werden kann. Es ist schon notwendig, daß der Sinn für die Wahrheit heute von uns in ungeheuerster Weise angestrebt wird, Die ganze Sache ist ja nur ins Deutsche übersetzt und sogar in Basel in deutscher Sprache erschienen, um die von dem Goetheanum in der Zukunft ausgehende anthroposophische Bewegung irgendwie aus der Welt zu schaffen. Sie sehen, diese Leute sind gewöhnt, die national-egoistischen Impulse auch in dasjenige hineinzubringen, was sie als Geisteswissenschaft verbreiten. Sie können sich daher gar nichts anderes vorstellen, als daß auch der andere solche Impulse habe. Es nützt heute nichts anderes, als Lüge Lüge zu nennen, und wenn diese Lüge auch auftritt auf solchem Boden, von dem man in abstracto und theoretisch sagt, es werde dort nach Wahrheit gesucht. Ob auf konfessionellem, ob auf Weltanschauungs-Boden heute die Lüge auftritt, diejenigen Lügen, denen die Tatsachen gegenübergestellt werden können, die müssen als Lügen gebrandmarkt werden, sonst kommen wir nicht vorwärts. Denn der Geist der Lüge, der Geist des Truges ist der größte Feind des wirklichen geistigen Fortschritts. Und daß geistiger Fortschritt die Welt heute einzig und allein vorwärtsbringen kann, das hoffe ich Ihnen gerade heute wiederum gezeigt zu haben durch Angabe einiger Gesichtspunkte, die ich für die Gegenwart für ganz besonders wertvoll halte.
[ 22 ] These things, too, must be viewed as a cultural-historical phenomenon that manifests itself in the fact that, within a movement that seeks to work toward the spirit, even falsehood can be cultivated in a heightened way. It is indeed necessary that we strive for a sense of truth today in the most tremendous way possible, The whole thing was, after all, only translated into German and even published in Basel in German, in order to somehow eliminate the anthroposophical movement that will emanate from the Goetheanum in the future. You see, these people are accustomed to introducing national-egoistic impulses even into what they propagate as spiritual science. They therefore cannot imagine anything other than that the other side, too, harbors such impulses. Today, there is no other recourse than to call a lie a lie, even if this lie arises on ground where, in the abstract and theoretically, one claims that truth is being sought. Whether lies arise today on religious or ideological grounds, those lies that can be contrasted with the facts must be branded as lies; otherwise, we will not make any progress. For the spirit of falsehood, the spirit of deceit, is the greatest enemy of true intellectual progress. And that intellectual progress is the only thing that can move the world forward today—I hope to have demonstrated this to you once again today by presenting a few perspectives that I consider particularly valuable for the present.
[ 23 ] Und so möchte ich denn, daß Sie alle die Dinge, die hier geschehen sind, im Zusammenhang betrachten, so im Zusammenhang betrachten, daß auf der einen Seite das Soziale, auf der anderen Seite das Spirituelle steht, daß aber beides innig zusammengehört. Daß man die Dinge nicht in diesem Zusammenhang sieht, das macht gerade das Unheil der Gegenwart aus.
[ 23 ] And so I would like you all to view the events that have taken place here in context—to view them in such a way that, on the one hand, there is the social aspect, and on the other, the spiritual aspect, yet both are intimately connected. The fact that people do not see things in this context is precisely what constitutes the calamity of the present.
[ 24 ] Ich habe vor acht Tagen hier gesagt: Drei Forderungen gehen durch das soziale Leben der Gegenwatt.
[ 24 ] Eight days ago, I said here: Three demands run through the social life of the Gegenwatt.
1. Die Eroberung der Weltmacht durch die anglo-amerikanischen Mächte.
2. Die Bestrebungen, die heute noch ganz abstrakt sind, die nach einem Völkerbund hingehen.
3. Die Bestrebungen, die wir die sozialen nennen.
1. The Anglo-American powers’ quest for world domination.
2. The efforts—which are still quite abstract today—aimed at establishing a League of Nations.
3. The efforts we refer to as social.
[ 25 ] Diese drei Strömungen sind einmal in der heutigen Kulturwelt die drei maßgebenden Strömungen: Die Weltherrschaft der anglo-amerikanischen Mächte; das Bündnis der Völker; das Streben nach sozialer Gestaltung der Weltangelegenheiten. Für diese drei Bestrebungen bestehen drei gewaltige Hindernisse: Gegen dasjenige, was die angloamerikanische Welt, von England ausstrahlend, als Weltmacht anstrebt, gegen das steht die Spiritualität der alten Inder, die indische Spiritualität. Das wird den großen Gegensatz geben: Das Suchen nach Weltprinzipien auf medialem Wege — das Suchen nach Weltprinzipien auf dem Yoga-Weg in Indien. Dieser Kampf wird der größte Kampf werden, der auf geistigem Gebiet ausgekämpft werden muß in der Weltgeschichte. Klar zu sehen über das, was als zwei Pole vorhanden ist in der Zeitbewegung, das ist die erste Aufgabe desjenigen, der ein wirklicher Geisteswissenschafter sein will.
[ 25 ] These three currents are, in today’s cultural world, the three dominant currents: the global dominance of the Anglo-American powers; the alliance of nations; and the pursuit of a social framework for world affairs. There are three formidable obstacles to these three aspirations: Opposing what the Anglo-American world—radiating from England—strives for as a world power stands the spirituality of the ancient Indians, Indian spirituality. This will create the great contrast: the search for universal principles through mediumship—versus the search for universal principles through the path of yoga in India. This struggle will be the greatest struggle that must be waged in the spiritual realm throughout world history. To see clearly the two poles that exist in the flow of time—that is the first task of anyone who wishes to be a true spiritual scientist.
[ 26 ] Auf dem Gebiete des Strebens nach dem Völkerbund muß klar ein‚gesehen werden, daß zwei Unmöglichkeiten heute an diesem Streben beteiligt sind. Dasjenige, was dem neuzeitlichen Streben nach der Menschheitseinigung, nach jener Humanität, von der Ferder, Lessing, Goethe gesprochen hatten, was diesem Streben der neueren Menschheit nach der Menschheitseinheit entgegentritt, das ist gerade der Völkeregoismus, der nationale Chauvinismus, auf allen Gebieten. Und nun soll der Völkerbund eine Einheit der in sich abgeschlossenen Völker werden. Der Turmbau zu Babel, der zeigt ja im Bilde, daß gerade dadurch einem Völkerbund entgegengearbeitet wurde, daß die Völker getrennt worden sind in ihre Volkstümer. Und das soll das Mittel abgeben, um die Völker zu einen. Die Vierzehn Punkte, die Utopie Woodrow Wilsons, will die Aufgabe lösen, durch Konservierung desjenigen, was im Turmbau von Babel angedeutet ist, die Völker zu einigen. Sie wird nur das fördern, was die Völker weiter auseinander bringt. Sie wird die Verwirrung des Turmbaus von Babel nur noch größer machen. So steckt in der zweiten Bewegung ein Widerspruchvolles; es stecken zwei Unmöglichkeiten drinnen in der Völkerbundspolitik.
[ 26 ] In the realm of the quest for a League of Nations, it must be clearly recognized that two impossibilities are inherent in this quest today. What stands in the way of the modern quest for the unification of humanity—for that humanity of which Ferder, Lessing, and Goethe spoke—what stands in the way of this quest by modern humanity for human unity, is precisely national egoism and national chauvinism in all spheres. And now the League of Nations is to become a union of self-contained nations. The Tower of Babel, after all, illustrates that it was precisely by separating the peoples into their respective national identities that efforts toward a League of Nations were thwarted. And this is supposed to be the means of uniting the peoples. The Fourteen Points—Woodrow Wilson’s utopia—aim to solve this problem by preserving what is symbolized in the Tower of Babel in order to unite the nations. It will only promote what drives the nations further apart. It will only make the confusion of the Tower of Babel even greater. Thus, there is a contradiction inherent in the second movement; there are two impossibilities embedded within the League of Nations’ policy.
[ 27 ] Und im dritten, in der sozialen Bewegung, steckt die Ablehnung des Geistigen. Es wird nur gerechnet mit dem Wirtschaftlichen, mit dem Materiellen, und man glaubt, daß aus dem Materiellen selber aufsprießen werde ein Geistiges. Man will ein Paradies auf Erden begründen mit Ausschluß alles dessen, was im Paradiese Ordnung machen kann, mit Ausschluß des Geistes. Da haben Sie wiederum den vollen Widerspruch auch im dritten Streben.
[ 27 ] And in the third—the social movement—lies a rejection of the spiritual. People rely solely on the economic and the material, and believe that something spiritual will spring forth from the material itself. They want to establish a paradise on earth by excluding everything that could bring order to paradise—by excluding the spirit. There, too, you have the full contradiction within the third aspiration.
[ 28 ] Es gibt keine andere Möglichkeit, über diese Widersprüche hinwegzukommen, als den Weg des Geistes, der im Sinne der Menschheitsentwickelung und nicht gegen diese Entwickelung arbeitet. Und so gut es mit schwachen Kräften möglich ist, soll gerade die anthroposophische Bewegung für diese Wege sich einsetzen. Man wird sie nicht verstehen, wenn man sie nicht so verstehen wird, daß sie sich für dasjenige einsetzt, was wirklichkeitsgemäß und möglich ist gegenüber all dem, was unwirklichkeitsgemäß und utopistisch ist.
[ 28 ] There is no other way to overcome these contradictions than through the path of the spirit, which works in the spirit of human evolution and not against it. And as far as our limited strength allows, the anthroposophical movement in particular should commit itself to these paths. People will not understand it unless they understand that it advocates for what is realistic and possible, as opposed to everything that is unrealistic and utopian.
