World New Year's Eve and New Year's Reflections
GA 195
31 December 1919, Stuttgart
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World New Year's Eve and New Year's Reflections, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] An diesem Abende geziemt es uns immer, zu gedenken, wie im Leben und im Weltendasein sich verketten Vergangenheit und Zukunft, wie sich verketten Vergangenheit mit Zukunft im ganzen kosmischen Leben, in das der Mensch einverwoben ist, wie sich verketten Vergangenheit und Zukunft in jedem Stück des Lebens, in das zunächst unser eigenes individuelles Dasein eingesponnen ist, durch alles das, was es hat tun dürfen, denken dürfen in dem verflossenen Jahreslauf, und was es sich vornehmen darf für den kommenden Jahreslauf. Im Sinne unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft sollen sich diejenigen Gedanken, durch die wir uns gewissermaßen bedürfnismäßig vor die Seele führen, wie wir es getrieben haben im vergangenen Jahreslauf und wie wir es zu treiben gedenken im kommenden, mit dem entsprechenden Ernst, mit der entsprechenden Würde dadurch’ durchdringen, daß wir sie mit einem höheren Lichte beleuchten durch das, was wir gerade geisteswissenschaftlich in uns aufnehmen können durch die Betrachtung der großen kosmischen Ereignisse. Wie stellt sich denn eigentlich dieses unser Menschenleben im Verhältnis zu Vergangenheit und Zukunft hin? Es ist wie ein Spiegel. Ja, dieser Vergleich mit einem Spiegel entspricht viel mehr der Wirklichkeit, als man sich zunächst vorstellen möchte. Wir stehen in der Tat gerade dann, wenn wir ein wenig Selbsterkenntnis anstreben, wie vor einem Spiegel. Vor dem Spiegel, wo wir uns selbst befinden und in ihn hineinschauen, da liegt dasjenige der Vergangenheit, wovon wir wissen: das spiegelt sich in dem Spiegel. Und hinter dem Spiegel liegt dasjenige, in das zunächst nicht hineingeschaut werden kann; in das so wenig hineingeschaut werden kann, als man räumlich sehen kann, was hinter einem Spiegel liegt. Die Frage muß man sich da vielleicht besonders aufwerfen: Was ist eigentlich in diesem unserem Weltenspiegel der Spiegelbelag, durch den das Durchsichtige eben zum Spiegel wird? Beim räumlichen Spiegel ist das Glas hinten belegt, so daß unser Blick nicht durch dieses Glas dringt. Mit was ist denn jener Weltenspiegel belegt, der uns spiegelnd das Vergangene zeigt, der uns zunächst das Zukünftige hinter sich verbirgt? Der ist, meine lieben Freunde, mit unserem eigenen Wesen belegt, mit unserem menschlichen Wesen belegt.
[ 1 ] On this evening, it is always fitting for us to reflect on how the past and the future are linked in life and in the world’s existence; how the past and the future are linked in the entire cosmic life into which humanity is woven; and how the past and the future are linked in every aspect of life—in which our own individual existence is first and foremost woven—through all that it has been allowed to do, think over the past year, and what it may resolve to do in the coming year. In the spirit of our anthroposophical spiritual science, those thoughts—which we bring before our souls, as it were, out of a sense of need, regarding how we have lived in the past year and how we intend to live in the coming one—should be imbued with the appropriate seriousness, with the appropriate dignity—by illuminating them with a higher light through what we are currently able to absorb within ourselves through spiritual science by contemplating the great cosmic events. How, then, does our human life actually stand in relation to the past and the future? It is like a mirror. Yes, this comparison with a mirror corresponds much more closely to reality than one might initially imagine. In fact, precisely when we strive for a little self-knowledge, we stand as if before a mirror. Before the mirror, where we find ourselves and look into it, lies that part of the past of which we are aware: it is reflected in the mirror. And behind the mirror lies that which cannot be seen into at first; into which one can see just as little as one can physically see what lies behind a mirror. Perhaps one must ask oneself this question in particular: What, in fact, is the coating on this mirror of our world—the very coating that transforms the transparent surface into a mirror? In a physical mirror, the glass is coated on the back so that our gaze cannot penetrate it. With what, then, is that “mirror of the world” coated—the one that reflects the past to us, yet initially conceals the future behind it? It is, my dear friends, coated with our own being, with our human being.
[ 2 ] Wir brauchen ja nur dessen zu gedenken, daß es uns in der Tat nicht gelingt, vor der gewöhnlichen Erkenntnis uns anschaulich zu machen, was wir selber sind. Wir durchschauen uns nicht; wir durchschauen uns so wenig, wie wir einen Spiegel durchschauen. Vieles strahlt uns zurück, wenn wir in uns selbst hineinschauen. Dasjenige, was wir erlebt haben, was wir gelernt haben, das strahlt zurück; aber unser eigenes Wesen, es verbirgt sich, weil wir in unserem Selbst zunächst so wenig uns durchschauen können, wie wir den Spiegel im Raum durchschauen können. Im Großen betrachtet, und ich möchte sagen, im Abstrakten betrachtet, können wir diesen Spiegel-Vergleich so ansehen, wie ich ihn Ihnen jetzt dargestellt habe; aber im Einzelnen modifiziert er sich etwas. Blicken wir einmal zunächst in unser Leben und versuchen wir durch das Spiegeln — denn das Zurückblicken in unser Leben ist ja im Hinblick auf das, was gespiegelt wird durch unser Seelen-Inneres, ein Spiegel — zurückzublicken in unser Leben, so müssen wir uns gestehen: es ist ja doch nur ein Teil dessen, was wir erlebt haben, was uns da erscheint, was sich da spiegelt. Wenn Sie versuchen zurückzuschauen auf Ihre Erlebnisse, so sind ja diese Erlebnisse fortwährend unterbrochen. Sie blicken zurück auf das, was Ihnen der heutige Tag gebracht hat, aber Sie blikken nicht zurück auf das, was Ihnen die vorige Nacht gebracht hat. Die Erlebnisse der Nacht sind eine Unterbrechung. Und wiederum blicken Sie zurück auf den gestrigen Tag und wiederum blicken Sie nicht zurück auf die vorgestrige Nacht und so weiter. Fortwährend schalten sich ein die von den Gedanken an die Erlebnisse unausgefüllten nächtlichen Zeitspannen. Es ist eine Täuschung, wenn wir zurückblicken und glauben, wir überschauen unser ganzes Leben: wir stückeln gewissermaßen nur das aneinander, was die Tage enthalten; aber in Wirklichkeit müßten wir unsere Lebensfahrt mit fortwährenden Unterbrechungen uns vor die Seele führen.
[ 2 ] We need only recall that we are, in fact, unable to grasp clearly—beyond ordinary perception—what we ourselves are. We do not see through ourselves; we see through ourselves no more than we see through a mirror. Much is reflected back to us when we look within ourselves. What we have experienced, what we have learned—that is reflected back to us; but our own essence remains hidden, because at first we can see through ourselves just as little as we can see through a mirror in a room. Viewed broadly—and I would say, viewed abstractly—we can regard this mirror analogy as I have just presented it to you; but when considered in detail, it changes somewhat. Let us first look into our lives and try, through reflection—for looking back on our lives is, after all, a mirror in terms of what is reflected by the innermost depths of our soul—to look back on our lives; then we must admit to ourselves: what appears to us there, what is reflected there, is, after all, only a part of what we have experienced. When you try to look back on your experiences, these experiences are constantly interrupted. You look back on what today has brought you, but you do not look back on what last night brought you. The experiences of the night are an interruption. And again, you look back on yesterday, and again, you do not look back on the night before yesterday, and so on. The nocturnal intervals, unfilled by thoughts of those experiences, constantly intrude. It is an illusion when we look back and believe we are surveying our entire life: we are, in a sense, merely piecing together what the days contain; but in reality, we would have to present the journey of our lives to our soul with constant interruptions.
[ 3 ] Wir können uns nun fragen: Sind diese Unterbrechungen in unserem Lebensverlauf notwendig? Ja, sie sind notwendig. Wenn wir diese Unterbrechungen nicht hätten in unserem Lebenslauf, besser gesagt, in der Rückschau auf unseren Lebenslauf, dann würden wir als Menschen unser Ich gar nicht gewahr werden. Wir würden unseren Lebenslauf wie von der bloßen Außenwelt erfüllt sehen und es würde sich in unserem Lebenslaufe das Ich-Bewußtsein gar nicht einstellen. Daß wir unser Ich empfinden, fühlen, das rührt davon her, daß dieser Lebenslauf stückweise immer unterbrochen ist. Gerade mit Bezug auf diese durch die Unterbrechungen des Lebenslaufes herbeigeführte Ich-Wahrnehmung steht die Menschheit der Gegenwart in einer kritischen Zeit. Wenn der Mensch der Gegenwart zurückblickt und durch den Rückblick sein Ich auf die eben angeführte Weise hat, dann ist dieses Ich des Menschen der Gegenwart in einer gewissen Beziehung leer; wir wissen nur von unserem Ich. Die Menschen früherer Epochen der Erdenentwickelung wußten mehr. Wie im gewöhnlichen Tageslauf herausschimmern für den einzelnen Menschen die Träume aus seinem nächtlichen Erleben, so kamen herüber aus dem Ich die hellseherisch-atavistischen Wahrnehmungen, die die Menschen in früheren Epochen hatten. Es waren diese hellseherisch-atavistischen Wahrnehmungen nur der Form nach Träume; was sie in sich enthielten, waren Wirklichkeiten. Man kann sagen: Das Ich ist entleert worden für den Menschen der Gegenwart seines hellseherisch-atavistischen Inhaltes, der die Menschen abgelaufener Epochen getragen hat, der sie durchdrungen hat mit der Überzeugung, daß sie ein Gemeinsames haben mit einem Göttlichen, daß sie zusammenhängen mit einem Göttlichen. Aus den atavistisch-hellseherischen Schauungen ist dem Menschen dasjenige aufgegangen, was sich für das Gefühlsleben als religiöse Empfindung und als religiöse Verehrung gegenüber denen verdichtet hat, denen der religiöse Kultus, der religiöse Opferdienst gewidmet wurde.
[ 3 ] We can now ask ourselves: Are these interruptions in the course of our lives necessary? Yes, they are necessary. If we did not have these interruptions in the course of our lives—or rather, when looking back on the course of our lives—then we, as human beings, would not become aware of our “I” at all. We would see our life’s course as filled solely by the external world, and self-consciousness would not arise at all within it. The fact that we perceive and feel our “I” stems from the fact that this life’s course is constantly interrupted in segments. It is precisely with regard to this perception of the “I”—brought about by the interruptions in the course of life—that humanity today finds itself at a critical juncture. When the person of today looks back and, through this retrospection, perceives their “I” in the manner just described, then this “I” of the person of today is, in a certain sense, empty; we know only of our “I.” People of earlier epochs in Earth’s development knew more. Just as, in the ordinary course of daily life, dreams from one’s nocturnal experiences shine through for the individual, so too did the clairvoyant-atavistic perceptions that people in earlier epochs possessed emerge from the “I.” These clairvoyant-atavistic perceptions were dreams only in form; what they contained were realities. One might say: For modern human beings, the “I” has been emptied of its clairvoyant-atavistic content—the very content that sustained people in bygone eras and imbued them with the conviction that they share something in common with the divine, that they are connected to the divine. From these atavistic-clairvoyant visions, what emerged for human beings was that which crystallized in their emotional life as religious feeling and as religious veneration toward those to whom religious worship and religious sacrificial rites were dedicated.
[ 4 ] Wie steht die Sache heute? Heute ist das Ich entleert von diesen atavistisch-hellseherischen Schauungen, und wenn wir zurückblikken auf das Ich, ist es gewissermaßen mehr oder weniger nur ein Punkt in unserem Seelenleben. Es ist für jeden der Inhalt dieses Ichs ein fester Stützpunkt, aber eben nur ein Punkt. Zugleich aber leben wir in der Zeit, in der der Punkt wiederum zum Kreise werden soll, in der das Ich wiederum Inhalt bekommen soll. Damit das Ich wiederum Inhalt bekomme, ragt seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Geisteswelt so mächtig in unsere sinnliche Welt herein; deshalb ist es, daß seit den letzten siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die geistige Welt in ihren Offenbarungen in einer neuen Art wiederum herein will in unser physisches Dasein. Und was wir auf dem Boden der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wollen, das ist: alles das willig aufzunehmen und in Formen zu kleiden, die es menschlich mitteilbar machen, was herein will durch spirituelle Offenbarungen aus einer anderen, aber doch diese Welt tragenden Welt. Was ist das, was da herein will? Oh, es ist nichts Geringeres als das, was uns in einer gewissen Beziehung die Menschenzukunft garantiert. Es ist, wir können sagen, zwar nicht unmittelbar ein Blick hinter den Spiegel, aber es ist eine Garantie dafür, daß, wenn wir der Zukunft entgegeneilen als Menschheit, das heißt, den Weg hinter den Spiegel antreten — und das ist ja der Zukunft entgegenleben —, daß dann kraftvoll wird geschehen können, was wir in der Zukunft zu tun haben, wir und alle Menschen zu vollbringen haben, wenn wir die Kräfte erst gestählt haben, erst erstarkt haben durch das, was sich uns aus der geistigen Welt heraus geisteswissenschaftlich offenbart. So wie das Ich sich erfüllt hat für den Menschen der Vergangenheit mit atavistisch-hellseherischem Inhalt, der ihm garantiert hat seinen Zusammenhang mit dem Göttlichen, so soll sich in unserer Zeit erfüllen unser Ich mit einem neuen, vollbewußt aufgenommenen geistigen Inhalt, der uns wiederum das Band abgibt, das unsere Seele mit der göttlichen Seelenwesenheit verbindet. Die Menschen der Vorzeit haben das atavistische Hellsehen gehabt, und was als die letzte Erbschaft des atavistischen Hellsehens geblieben ist, das ist das abstrakte Nachdenken, das abstrakte Wissen der Menschen der Gegenwart. Verdünnt aus dem früheren atavistischen Hellsehen ist dies geblieben. Der Mensch der Gegenwart kann das Gefühl haben, daß diese Verdünnung, diese logisch-dialektische Verdünnung des alten atavistischen hellseherischen Wesens, sein Seelenhaftes nicht mehr zu tragen vermag. Dann wird er die Sehnsucht empfangen, etwas Neues in das Ich hereinzubekommen. Aber mit dem, was das Ende gebildet hat bei der Entwickelung der Menschheit von Urzeiten bis in die Gegenwart herein, mit dem muß jetzt der Anfang gemacht werden.
[ 4 ] What is the situation today? Today, the “I” is emptied of these atavistic, clairvoyant visions, and when we look back at the “I,” it is, in a sense, more or less just a point in our inner life. For everyone, the content of this “I” is a firm point of support, but it is, after all, only a point. At the same time, however, we live in an age in which this point is to become a circle once more, in which the “I” is to be filled with content once more. So that the “I” may once again be filled with content, the spiritual world has been projecting itself so powerfully into our sensory world since the last third of the 19th century; this is why, since the last seven decades of the 19th century, the spiritual world, through its revelations, has once again sought to enter our physical existence in a new way. And what we seek to achieve on the basis of anthroposophically oriented spiritual science is this: to willingly receive all that which seeks to enter through spiritual revelations from another world—one that nonetheless sustains this world—and to clothe it in forms that make it communicable to human beings. What is it that seeks to enter? Oh, it is nothing less than that which, in a certain sense, guarantees the future of humanity. It is, we might say, not directly a glimpse behind the mirror, but it is a guarantee that, as we rush toward the future as humanity—that is, as we set out on the path behind the mirror—and that is, after all, living toward the future—then what we have to do in the future we and all humanity must accomplish, once we have first steeled our forces and grown strong through what is revealed to us from the spiritual world through spiritual science. Just as the “I” was fulfilled for the people of the past with atavistic, clairvoyant content that guaranteed their connection to the Divine, so too must our “I” be fulfilled in our time with a new, fully conscious spiritual content that in turn provides us with the bond connecting our soul to the Divine Soul-Being. People of the past possessed atavistic clairvoyance, and what remains as the final legacy of this atavistic clairvoyance is the abstract thinking and abstract knowledge of people today. This is what has remained, diluted from the earlier atavistic clairvoyance. People today may feel that this dilution—this logical-dialectical dilution of the old atavistic clairvoyant nature—is no longer capable of sustaining their soul life. Then they will feel a longing to bring something new into the “I.” But it is with that which marked the end of humanity’s development from primeval times to the present that a new beginning must now be made.
[ 5 ] In alten Zeiten haben die Menschen hellseherische Offenbarungen gehabt und sie haben sie nicht verstanden; sie haben sie erst später verstehen gelernt. Heute muß der Mensch zuerst verstehen, muß anstrengen seine Intellektualität, muß anstrengen seinen Verstand, und wenn er ihn anstrengt durch das, was in der Geisteswissenschaft vorliegt, dann wird die Menschheit sich hinentwickeln wiederum zum hellseherischen Aufnehmen des Geistigen. Das ist allerdings etwas, was die meisten Menschen heute noch vermeiden möchten: ihren gesunden Menschenverstand anzuwenden, um die Geisteswissenschaft zu verstehen. Würde man es vermeiden wollen, so würde man auch vermeiden wollen, überhaupt die geistigen Offenbarungen in unsere irdische Welt hereinzulassen.
[ 5 ] In ancient times, people had clairvoyant revelations and did not understand them; they only came to understand them later. Today, people must first understand; they must exert their intellect, they must exert their reason, and if they exert it through what is presented in spiritual science, then humanity will once again develop the ability to perceive the spiritual through clairvoyance. This, however, is something most people today still wish to avoid: using their common sense to understand spiritual science. If one were to wish to avoid this, one would also wish to avoid allowing spiritual revelations into our earthly world at all.
[ 6 ] So verketten sich Vergangenheit und Zukunft an diesem in der Gegenwart liegenden Silvester-, Weltsilvestertag. Es ist schon einmal eine Art Weltsilvester, was heute vorhanden ist. Die Zukunft steht wie eine gewaltige Frage vor uns, aber nicht wie eine unbestimmte, abstrakte Frage, sondern wie eine konkrete Frage. Wie nähern wir uns demjenigen, was als eine Frage an die Menschheit eben als geistige Offenbarung, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts immer mehr und mehr herein will in unsere irdische Welt? Und wie haben wir das ins Verhältnis zu dem zu stellen, was in der Vergangenheit sich geoffenbart hat? Das müßte lebendig empfunden werden, dann würde man fühlen, welche Bedeutung es doch hat, hinzuneigen mit seinen Sehnsuchten zu dem, was hier als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gemeint ist. Dann würde man den Ernst und die Würde des geisteswissenschaftlichen Strebens empfinden. Gerade in der Gegenwart wäre es nötig, diese Empfindung zu haben; denn wir appellieren ja eigentlich nicht an irgendeine menschliche Willkür, wir appellieren an dasjenige, was uns als Welterkenntnis aus der Weltentwickelung heraus selber sich offenbaren will, wir appellieren gewissermaßen an das, was die Götter mit den Menschen wollen. Aber da liegt die Tatsache vor, daß, wenn man auf der Seite an den Geist sich wendet, dann werden auf der anderen Seite die Menschen, die das Vergangene allein anbeten möchten, zu dem Geist des Widerspruchs, zu dem Geist des Widerstandes hingezogen. Und je mehr wir versuchen, mit aller Kraft zu ergreifen den Geist des Zukunft-Menschenseins, desto mehr werden gewissermaßen die Vergangenheitsmenschen besessen sein von dem Geist des Widerstandes.
[ 6 ] Thus, the past and the future are linked on this New Year’s Eve—this “World New Year’s Eve”—which lies in the present. What exists today is, in a sense, a kind of World New Year’s Eve. The future stands before us like a tremendous question—not an indefinite, abstract question, but a concrete one. How do we approach that which, as a question posed to humanity—precisely as a spiritual revelation—has been seeking to enter our earthly world more and more since the last third of the 19th century? And how are we to relate this to what has been revealed in the past? This must be felt vividly; then one would sense the significance of turning one’s longings toward what is meant here by an anthroposophically oriented spiritual science. Then one would perceive the seriousness and dignity of the spiritual scientific endeavor. It is precisely in the present that it would be necessary to have this sense; for we are not, after all, appealing to some arbitrary human will; we are appealing to that which, as knowledge of the world, seeks to reveal itself to us from within the development of the world; we are appealing, so to speak, to what the gods intend for humanity. But the fact remains that when one turns toward the spirit on one side, on the other side those who wish to worship the past alone are drawn to the spirit of contradiction, to the spirit of resistance. And the more we try, with all our strength, to grasp the spirit of future humanity, the more, so to speak, the people of the past will be possessed by the spirit of resistance.
[ 7 ] In der Menschheit ist es heute bemerkbar, wie das religiöse Empfinden versucht, ein neues Leben in sich hereinzubekommen. Es sind tastende Versuche vielfach. Geisteswissenschaftliche Versuche sollen keine tastenden sein; durch sie soll die wirkliche, konkrete Geisteswelt ergriffen werden. Aber, ich möchte sagen, wie eine Ahnung davon, daß es so sein soll, stehen die Menschen vor uns, die da sagen: Die bloß religiöse Tradition genügt uns nicht, wir wollen ein inneres religiöses Erleben haben; wir wollen nicht bloß die Kunde vernehmen davon, daß der Christus nach den Traditionen, Überlieferungen, vor so und soviel Jahren in Palästina gelebt hat und gestorben ist, wir wollen das Christus-Erlebnis in der eigenen Seele erleben. — Auf vielen Gebieten sehen wir solches auftreten bei Menschen, die da glauben, daß ihnen in der innersten Seele etwas aufgegangen ist von dem Christus-Erlebnis. Es sind tastende Versuche, die oftmals sogar bedenklich sind, weil dann die Menschen gleich in ihrer seelischen Selbstsucht zufrieden sind und alle Hinneigung zum Geiste ablehnen. Aber sie sind da, diese Sehnsuchten nach innerem geistigem Erleben, und beachtet werden sollten auch die durchaus tastenden Versuche nach solchem inneren Geist-Erleben, nach einem neuen Interesse an der geistigen Welt. Dann aber regen sich die Geister des Widerspruchs.
[ 7 ] Today, it is evident within humanity how religious sentiment is striving to breathe new life into itself. These are often tentative attempts. Spiritual scientific endeavors, however, should not be tentative; through them, the real, concrete spiritual world is to be grasped. But—I would say—as if sensing that this is how it should be, there stand before us people who say: Mere religious tradition is not enough for us; we want an inner religious experience; we do not want merely to hear the account that, according to traditions and handed-down accounts, Christ lived and died in Palestine so many years ago; we want to experience the Christ experience within our own souls.” — In many areas we see this occurring among people who believe that something of the Christ experience has dawned within the innermost depths of their souls. These are tentative attempts, which are often even cause for concern, because people then become content with their own spiritual self-centeredness and reject any inclination toward the Spirit. But these longings for an inner spiritual experience do exist, and we should also take note of these very tentative attempts at such an inner spiritual experience, at a new interest in the spiritual world. But then the spirits of opposition stir.
[ 8 ] Und nach dem, was davon gedruckt worden ist, was er selbst hat drucken lassen, soll ja neulich hier in Stuttgart ein solcher Vertreter des Vergangenheitsgeistes ganz merkwürdige Worte gesprochen haben über diese Versuche, die auf der einen Seite tastende Versuche sind, ein neues religiöses Interesse, ein neues religiöses Erleben heraufzubekommen, die auf der anderen Seite die Versuche sind, zu wirklich neuen konkreten Erkenntnissen der geistigen Welt zu kommen, wie sie sich durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft geltend machen wollen. Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen das Hirtenspiel gesehen haben, das jetzt in der Waldorfschule aufgeführt worden ist, wo der eine Hirte, da er eine geistige Erscheinung hat, sagt, er hätte bald die Sprache verloren. Nun, als ich die letzte Seite von Gogartens «Geisteswissenschaft und das Christentum» las, mußte ich sagen, ich hätte auch bald die Sprache verloren; denn man steht tatsächlich staunend davor, daß es möglich ist, daß dergleichen Dinge in der Gegenwart gesprochen werden können. Gerade solche Dinge sollten anregen zur Weltsilvesterbetrachtung, zur Vergleichung des Vergangenen mit dem notwendigen Zukünftigen. Denn was hat der betreffende Religionsmann eigentlich gesagt? Ich weiß nicht, ob es in seinem ganzen Gewicht empfunden worden ist. Er hat gesagt: «Es ist heute — was sage ich heute, es ist immer die wichtigste Aufgabe der Frömmigkeit dies Elementare, von dem ich sprach, zu bewahren. Es fehlt uns heute so gut wie ganz. Wir stecken im religiösen «Interesse» und im religiösen «Erleben». Und weil die Anthroposophie für das « Interesse» ein so guter Stoff und für das «Erleben > ein so gutes Mittel ist, darum ist man ihr gegenüber so gut wie ohne Hilfe und Widerstand. Man weiß eben wenig mehr von jener letzten elementaren Spannung, die von der Frömmigkeit ins Leben getragen wird und die jedes religiöse « Interesse» verjagt und jedes religiöses «Erleben» sprengt, jene Spannung zwischen Gott und Geschöpf. Und weil man von dieser Spannung wenig weiß, darum weiß man gerade so wenig von dem anderen, dem bedingungslosen, unmittelbaren Einssein von Gott und Mensch.» Hier sehen wir im Namen der Religion verpönt jedes religiöse Interesse, gesprengt jedes religiöse Erleben; und eine ganz unbestimmte Spannung, die ja selbstverständlich nicht weiter differenziert werden kann, die er auch nicht weiter differenzieren will, die soll treten an die Stelle des religiösen Interesses, des religiösen Erlebens. Man könnte die Sprache verlieren, wenn ein Religionsmann so spricht, daß er sagt, die wahre Frömmigkeit müsse jedes religiöse Interesse verjagen und jedes religiöse Erleben sprengen! So weit haben wir es gebracht! Und so weit haben wir es gebracht, daß gar nicht empfunden wird, was eigentlich darinnen liegt, wenn von einem offiziellen Religionsvertreter gesagt wird: Weg mit dem religiösen Interesse, weg mit dem religiösen Erleben!
[ 8 ] And according to what has been published—what he himself had published—such a representative of the spirit of the past is said to have recently spoken some very strange words here in Stuttgart about these attempts, which on the one hand are tentative attempts to stir up a new religious interest, a new religious experience; and on the other hand, attempts to arrive at truly new, concrete insights into the spiritual world, as advocated by anthroposophically oriented spiritual science. I don’t know how many of you have seen the shepherds’ play that was recently performed at the Waldorf School, in which one of the shepherds, having a spiritual vision, says he almost lost the power of speech. Well, when I read the last page of Gogarten’s Spiritual Science and Christianity, I had to admit that I, too, would soon have been at a loss for words; for one truly stands in amazement at the fact that it is possible for such things to be spoken in the present day. It is precisely such things that should inspire a New Year’s Eve reflection on the world—a comparison of the past with the necessary future. For what did the religious figure in question actually say? I do not know whether the full weight of his words has been grasped. He said: “Today—what am I saying, today—it is always the most important task of piety to preserve this elemental aspect of which I spoke. It is virtually entirely absent from us today. We are mired in religious ‘interest’ and religious ‘experience.’ And because anthroposophy is such fertile ground for ‘interest’ and such an effective means for ‘experience,’ people are virtually defenseless against it and offer it no resistance. People simply know little more about that ultimate, fundamental tension that piety brings into life—a tension that dispels all religious ‘interest’ and shatters all religious ‘experience’—that tension between God and the creature. And because people know so little about this tension, they know just as little about the other—the unconditional, immediate oneness of God and humanity.” Here we see, in the name of religion, every religious interest condemned and every religious experience shattered; and a completely undefined tension—which, of course, cannot be further differentiated, nor does he wish to differentiate it further—is supposed to take the place of religious interest and religious experience. One could be left speechless when a man of religion speaks in such a way as to say that true piety must drive out all religious interest and shatter all religious experience! This is how far we’ve come! And we’ve come so far that no one even senses what is actually implied when an official representative of religion says: Away with religious interest, away with religious experience!
[ 9 ] Sehen Sie, abgesehen davon, daß der Mann nicht weiß, daß er selber niemals überhaupt von einer Religion sprechen könnte, wenn es nicht früher atavistisches religiöses Interesse und religiöses Erleben gegeben hätte; abgesehen davon, daß der Herr als offizieller Religionsvertreter niemals vor Zuhörern stehen würde, wenn nicht auf dem Weg des religiösen Interesses und religiösen Erlebens die Religion eingezogen wäre in die menschliche Entwickelung, abgesehen davon, weist ja dasjenige, was ich Ihnen eben vorgeführt habe, darauf hin, daß heute gerade die Menschen, die sich die rechten Vertreter des Religionswesens zu sein dünken, für die Ausrottung jeglichen religiösen Wesens wirken. Haben denn diese Menschen alle Möglichkeit verloren, das Menschlich-Seelische noch zu verstehen? Können denn diese Menschen gar nicht mehr verstehen, daß alles das, wonach sich der Mensch wendet mit seiner Aufmerksamkeit, geleitet sein muß von seinem Interesse, daß alles das, was überhaupt in das menschliche Bewußtsein hereinkommen soll, getragen sein muß vom Erleben? Es ist ja, als ob überhaupt nicht mehr das Menschenwesen aus solchem Bewußtsein heraus spräche, sondern nur noch der Geist des Widerstandes. Das ist es, was in allem Ernste vor unsere Seele treten sollte, wenn wir in den Spiegel schauen, der so geheimnisvoll das Vergangene enthüllt und das Zukünftige verhüllt, aber es doch in einer gewisser Weise offenbart, nämlich in derjenigen Weise, wie ich es eben auseinandergesetzt habe.
[ 9 ] You see, aside from the fact that this man does not realize that he himself could never even speak of religion if there had not previously been atavistic religious interest and religious experience; aside from the fact that this gentleman, as an official representative of religion, would never stand before an audience if religion had not entered into human development through the path of religious interest and religious experience—aside from that, what I have just demonstrated to you that today it is precisely those people who consider themselves the true representatives of the religious realm who are working to eradicate all religious life. Have these people lost all ability to understand the human soul? Can these people no longer understand at all that everything to which a human being turns their attention must be guided by their interest, that everything that is to enter human consciousness at all must be borne by experience? It is as if the human being were no longer speaking from such consciousness at all, but only the spirit of resistance. This is what should present itself to our soul in all seriousness when we look into the mirror that so mysteriously reveals the past and veils the future, yet still reveals it in a certain way—namely, in the way I have just explained.
[ 10 ] Ja, aber da will nun anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft dem religiösen Interesse dienen, da will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft dem religiösen Erleben Inhalt zuführen. Und was geschieht? Sehen Sie, der römischen Kongregation wurde die Frage vorgelegt im Laufe dieses Jahres, ob die Lehren, die man heute theosophische nennt, sich mit den katholischen Lehren vereinigen lassen, und ob es denn erlaubt sei, sich theosophischen Gesellschaften anzuschließen, theosophischen Versammlungen beizuwohnen und theosophische Zeitschriften und Zeitungen zu lesen. Die Antwort hieß: Nein in allen Punkten, «negative in omnibus». Dies ist der Geist des Widerstandes, und der Jesuit Zimmermann interpretiert das insbesondere dahin, daß er diese Verfügung der römischen heiligen Kongregation auf die Anthroposophie anwendet. Nun, was jener Zimmermann schreibt, wird Ihnen ja bekannt sein, und ich brauche es Ihnen nicht besonders auseinanderzusetzen; aber wissen müssen Sie doch alle, welcher Wind von einer gewissen Seite her, durchsetzt von dem Geiste des Widerstandes, heute gegen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft weht.
[ 10 ] Yes, but here anthroposophically oriented spiritual science seeks to serve religious interests; here anthroposophically oriented spiritual science seeks to provide substance to religious experience. And what happens? You see, the question was submitted to the Roman Congregation earlier this year as to whether the teachings now called theosophical can be reconciled with Catholic teachings, and whether it is therefore permissible to join theosophical societies, attend theosophical meetings, and read theosophical journals and newspapers. The answer was: No on all counts, “negative in omnibus.” This is the spirit of resistance, and the Jesuit Zimmermann interprets this specifically to mean that he applies this decree of the Roman Sacred Congregation to anthroposophy. Now, what Zimmermann writes will of course be familiar to you, and I need not go into it in detail; but you must all be aware of the wind blowing today from a certain quarter—imbued with the spirit of resistance—against anthroposophically oriented spiritual science.
[ 11 ] Welcher Geist in diesem Winde durch die Welt geht, man kann es ja auch spüren, wenn man weiß, daß aus der Feder jenes selben Zimmermann, der jahrelang die Lüge kolportiert hat, daß ich ein entsprungener Priester sei, die folgenden Worte stammen: «Durch den Abfall ihres Generalsekretärs Dr. Rudolf Steiner, der die meisten Mitglieder mit sich riß, anfänglich sehr geschwächt, hat sie sich» die Theosophische Gesellschaft — «mit den Jahren wieder einigermaRen erholt, zählt gegenwärtig etwa 25 Logen, darunter freilich etwa ein Fünftel «schlafende», und gibt in Düsseldorf als ihr Organ für Deutschland und Österreich das «Theosophische Streben » heraus. Über Steiner, der seine Theosophie nach dem Abfall «Anthroposophie» genannt hatte, klagte man in der letzten Zeit unter seiner Umgebung, daß er steril werde, keine neuen «Schauungen» mehr habe und immer nur dasselbe vortrage; er werde vermutlich sich bald auf etwas Neues werfen» und so weiter. Damit bereitet man einen folgenden Artikel vor, der dann in eben so gescheiter Weise über die Dreigliederung handelt. Sie sehen, von welchem Geiste der Wahrheit dieser Jesuit getragen ist. Ein Jesuit vertritt nicht bloß seine persönliche Meinung, sondern die Meinung der katholischen Kirche; denn er spricht nur als ein Glied der katholischen Kirche. Daher ist dasjenige, was er sagt, zu beziehen auf die katholische Kirche. Diese Dinge müssen heute auch vom moralischen Gesichtspunkt aus beurteilt werden. Vom moralischen Gesichtspunkt aus muß gefragt werden, ob jemand, der es so mit der Wahrheit hält wie dieser Mensch, der ja allerdings durch die gegenwärtigen Verhältnisse gar sehr in Betracht kommt für eine gewisse Religionsgesellschaft hier auf Erden, ob er vor dem echten Geist der Menschheit überhaupt in Betracht kommen kann. Solange nicht die Fragen solcher Art mit dem nötiigen Ernst betrachtet werden, solange sind wir nicht bei der richtigen Weltsilvesterbetrachtung angelangt. Aber heute ist es notwendig, daß wir bei dieser richtigen Weltsilvesterbetrachtung anlangen. Es ist notwendig, daß wir das oftmals leider egoistischen Ursprüngen entstammende sogenannte Mitleid ausdehnen auf die großen Menschheitsverhältnisse und jenes Menschheitsmitleid empfinden, das uns antreibt, eine geistige Bewegung wie diese wirklich für die Entwickelung der Menschheit fruchtbar zu machen. Möchten Sie, meine lieben Freunde, gerade am heutigen Tage empfinden, daß es ja der Geist der Welt selber ist, der herein will seit Jahrzehnten; möchten Sie empfinden am heutigen Abend, daß hier gedient werden will diesem in die Menschheit hereinwollenden Geiste; möchten Sie empfinden, daß hier diesem Geist so gedient werden will, daß die Seelen derer, die da mitempfinden und mitdenken wollen mit dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, ihre Vereinigung fühlen mit dem in die Welt hereinwollenden neuen Geist, der allein der sich zerstörenden irdischen Welt den aus dem Himmel wirkenden neuen Aufbauimpuls bringen kann! Möchten Sie in dieser Stunde, die immer in jedem Jahre symbolisch ist, weil gewissermaßen sie uns auffordert, sie als Scheidestunde zu empfinden zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, möchten Sie in dieser Stunde Ihre Seelen vereinigen mit dem neuen Geist; möchten Sie das Berühren des vergangenen Jahres mit dem zukünftigen Jahre in Ihrer Seele so empfinden, daß sich da berührt das abgelaufene Weltenjahr mit dem anbrechenden Weltenjahr!
[ 11 ] One can sense the spirit that blows through the world in this wind, especially when one knows that the following words came from the pen of that very same Zimmermann who for years spread the lie that I was a defrocked priest: “Initially greatly weakened by the defection of its General Secretary, Dr. Rudolf Steiner, who took most of the members with him, the Theosophical Society—” “recovered somewhat over the years, currently numbers about 25 lodges—though, admittedly, about one-fifth of them are ‘dormant’—and publishes Theosophisches Streben in Düsseldorf as its official journal for Germany and Austria.” Regarding Steiner, who had named his theosophy “anthroposophy” after the split, those in his inner circle have recently complained that he is becoming unproductive, no longer has any new “visions,” and always repeats the same things; he will presumably soon throw himself into something new,” and so on. This sets the stage for a subsequent article, which then deals with the threefold social order in an equally clever manner. You can see what spirit of truth this Jesuit is imbued with. A Jesuit does not merely represent his personal opinion, but the opinion of the Catholic Church; for he speaks only as a member of the Catholic Church. Therefore, what he says must be understood in relation to the Catholic Church. These matters must also be judged today from a moral standpoint. From a moral standpoint, we must ask whether someone who holds to the truth in the way this man does—who, admittedly, given current circumstances, is very much in the running for a certain religious community here on earth—can even be considered in the light of the true spirit of humanity. As long as questions of this kind are not regarded with the necessary seriousness, we have not yet arrived at the correct New Year’s Eve reflection. But today it is necessary that we arrive at this proper New Year’s Eve reflection. It is necessary that we extend the so-called compassion—which, unfortunately, often stems from selfish origins—to the great conditions of humanity, and feel that compassion for humanity which drives us to make a spiritual movement like this truly fruitful for the development of humanity. May you, my dear friends, feel especially on this day that it is indeed the Spirit of the World itself that has been seeking to enter for decades; may you feel this evening that service is being rendered here to this Spirit that seeks to enter into humanity; may you feel that this Spirit is to be served here in such a way that the souls of those who wish to empathize and think along with this anthroposophically oriented spiritual science may feel their union with the new Spirit seeking to enter the world—the Spirit alone capable of bringing the new constructive impulse, working from heaven, to the self-destructing earthly world! May you, at this hour—which is always symbolic each year because, in a sense, it calls upon us to perceive it as a parting hour between the past and the future—may you, at this hour, unite your souls with the new Spirit; would you like to perceive the meeting of the past year with the coming year in your soul in such a way that the world year that has passed meets the world year that is dawning!
[ 12 ] Das ablaufende Weltenjahr wird aber noch manche Nachwirkungen hineinsenden in die Zukunft; es werden geistige und rechtliche und wirtschaftliche zerstörende Kräfte sein. Um so notwendiger wird es sein, daß möglichst viele Menschen ergriffen werden in ihrer tiefsten Seele von dem Neujahr der Geisteszukunft und ein Wollen entwickeln, welches die Grundlage sein kann für ein Hineinbauen einer neuen geistigen Welt in die Zukunft der Menschheitsentwickelung. Nicht diejenigen werden für die Zukunft der Menschheit sorgen, die ertöten wollen religiöses Interesse, die wegschaffen wollen religiöses Erleben, sondern einzig und allein diejenigen, die durchschauen, wie durch unsere intellektualistische Zeit das alte religiöse Interesse verglommen ist, das alte religiöse Leben gelähmt ist, wie ein neues religiöses Interesse die Menschheit ergreifen muß, wie ein neues religiöses Erleben ersprießen muß in der Menschheit, damit die Menschen in den Kosmos neue Keime eines künftigen Daseins hineintragen können.
[ 12 ] The world year that is coming to an end, however, will still send many aftereffects into the future; these will be destructive spiritual, legal, and economic forces. This makes it all the more necessary that as many people as possible be moved in the depths of their souls by the New Year of the spiritual future and develop a will that can serve as the foundation for building a new spiritual world into the future of human development. It will not be those who seek to extinguish religious interest or eliminate religious experience who will ensure the future of humanity, but solely those who understand how, in our intellectualistic age, the old religious interest has faded and the old religious life has been paralyzed; how a new religious interest must take hold of humanity; how a new religious experience must spring forth within humanity, so that people may carry new seeds of a future existence into the cosmos.
