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Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196

22 February 1920, Dornach

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Achtzehnter Vortrag

Eighteenth Lecture

[ 1 ] Wenn Sie die Betrachtungen, die wir gestern und vorgestern angestellt haben, noch einmal in Gedanken durchlaufen, dann werden Sie sehen: Zum Wesen des Imperialismus gehört, daß sich in einer Gemeinschaft, die den Imperialismus vertritt, etwas, was vorher eine Art Aufgabe war, eine erklärliche, wenn auch nicht immer berechtigte Aufgabe, mit einem gewissen Automatismus, möchte ich sagen, fortsetzt. Es ist bei geschichtlichen Erscheinungen in der Entwickelung der Menschheit so, daß einfach aus einer gewissen Trägheit heraus Dinge festgehalten werden, die einmal eine Berechtigung gehabt haben oder erklärlich waren, Ursachen gehabt haben, und die dann diese Antriebe eingebüßt haben. Wenn ein Gemeinwesen eine Zeitlang nötig hat, sich zu verteidigen, so ist das gewiß etwas Berechtigtes. Zu dieser Verteidigung werden dann Berufe geschaffen, ein polizeilicher, ein militärischer Beruf. Wenn dann aber die Gefahr nicht mehr vorhanden ist, gegen die man sich verteidigen soll, dann ist der betreffende Berufsstand da; man muß die entsprechenden Menschen weiter haben. Die wollen im Sinne ihres Berufes weiter wirken, und es bildet sich dann etwas heraus, was nicht mehr erklärliche Ursachen in den realen Verhältnissen hat. Es bildet sich dann vielleicht sogar aus dem, was zur Verteidigung da war, etwas heraus, was dann einen aggressiven Charakter hat. Und so ist es eigentlich mit allen Imperialismen, außer dem ursprünglichen Imperialismus des ersten Menschheitsstadiums, von dem ich Ihnen vorgestern gesprochen habe, der ja von vornherein dadurch, daß im Bewußtsein der zugehörigen Menschen der Herrschende der Gott ist, seine Berechtigung, die Herrschaft so weit auszudehnen als möglich, ableiten kann. Bei allen folgenden Imperialismen liegt ja im Grunde genommen schon das vor, daß ein innerer Antrieb, Herrschaft auszubreiten, nicht da sein kann.

[ 1 ] If you mentally review the observations we made yesterday and the day before, you will see: It is inherent in the nature of imperialism that, within a community that espouses imperialism, something that was previously a kind of task—an explainable, if not always justified, task—continues with a certain automaticity, I would say. It is the case with historical phenomena in the development of humanity that, simply out of a certain inertia, things are retained that once had a justification or were understandable—that had causes—and that have since lost those driving forces. If a community needs to defend itself for a time, that is certainly justified. Professions are then created for this defense—a police profession and a military profession. But once the danger against which one is supposed to defend oneself no longer exists, the profession in question remains; one must continue to employ the people in those roles. They wish to continue working in accordance with their profession, and something then emerges that no longer has any explainable causes in the actual circumstances. Perhaps something even emerges from what was originally intended for defense—something that then takes on an aggressive character. And this is actually the case with all forms of imperialism, except for the original imperialism of the first stage of human development, which I spoke to you about the day before yesterday—an imperialism that, from the very outset, derives its justification for extending its rule as far as possible from the fact that, in the consciousness of the people involved, the ruler is God. In all subsequent forms of imperialism, the fundamental fact is that an inner drive to expand dominion simply cannot exist.

[ 2 ] Denn betrachten wir noch einmal von ganz bestimmten Gesichtspunkten aus dasjenige, was eigentlich in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit vorliegt. Da finden wir, daß den ältesten Zeiten, die wir geschichtlich nicht mehr ganz verfolgen können, aber in die noch zurückleuchten diejenigen Tatsachen, die geschichtlich zu verfolgen sind, daß da der Wille desjenigen, der als göttliche Wesenheit angesehen wird, der indiskutable Machtfaktor ist. Es gibt im öffentlichen Leben in solchen Imperialismen im Grunde genommen nichts zu diskutieren; aber diese Unmöglichkeit, zu diskutieren, muß sich eben darauf gründen, daß in der Tat in dem Herrschenden ein Gott in Menschengestalt auf der Erde wandelt. Da ist, wenn ich so sagen darf, für die Ordnung der öffentlichen, sozialen Angelegenheiten ein sicherer, ein fester Boden da.

[ 2 ] For let us once again consider, from very specific perspectives, what is actually evident in the historical development of humanity. We find that in the most ancient times—which we can no longer fully trace historically, but into which the facts that can be historically traced still shed light—the will of the one regarded as a divine being is the indisputable factor of power. In public life, in such imperial systems, there is essentially nothing to discuss; but this impossibility of discussion must be based precisely on the fact that, in reality, a god in human form walks the earth in the person of the ruler. There, if I may say so, is a secure, firm foundation for the order of public and social affairs.

[ 3 ] Nun, allmählich geht dasjenige, was so als ein Festes, auf ein Reales, auf einen göttlich-menschlichen Willen Begründetes ist, in das zweite Stadium über. Im zweiten Stadium ist dasjenige, was hier im physischen Leben beobachtet werden kann, seien es Personen, seien es die Insignien von Personen, seien es die Taten der regierenden oder herrschenden Personen, das alles ist Symbolum, ist Zeichen. Während also im ersten Stadium des Imperialismus hier in der physischen Welt unmittelbar der Geist als daseiend gedacht wird, wird im zweiten Stadium dasjenige, was physisch da ist, als ein Abglanz, als ein Bild, als ein Symbolum desjenigen gedacht, was nicht in der physischen Welt da ist, sondern was sich eben nur durch die Personen, durch die Taten, durch anderes in der physischen Welt verbildlicht.

[ 3 ] Now, gradually, that which is perceived as something fixed—founded on reality, on a divine-human will—transitions into the second stage. In the second stage, whatever can be observed here in physical life—be it persons, the insignia of persons, or the deeds of those who govern or rule—all of this is a symbol, a sign. Thus, while in the first stage of imperialism here in the physical world the spirit is conceived as existing directly, in the second stage what is physically present is conceived as a reflection, an image, a symbol of that which is not present in the physical world, but which is represented only through persons, through deeds, and through other things in the physical world.

[ 4 ] Solche Zeiten, in denen dieses zweite Stadium spielt, sind diejenigen, in denen eigentlich erst einen Sinn bekommt bis in die menschliche Gedankenwelt hinein, soweit öffentliche Angelegenheiten betroffen werden, das Diskutieren. In dem ersten Stadium des Imperialismus kann von dem, was wir heute Recht nennen, eigentlich noch gar nicht gesprochen werden. Es kann auch nicht gesprochen werden von irgendwelchen staatlichen Einrichtungen. Es kann nur gesprochen werden von den Erscheinungen der göttlichen Gewalt durch physische Menschen. Es kann nur davon gesprochen werden, daß in den sozialen Angelegenheiten der konkrete reale Wille der physischen Menschen wirkt. Da hat die Frage, ob dieser Wille berechtigt ist oder nicht, gar keinen Sinn. Er ist eben da. Er muß befolgt werden. Darüber zu diskutieren, ob der Gott in Menschengestalt das tun soll oder nicht tun soll, was er tut, ist sinnlos. Das gab es auch in jenen ältesten Zeiten gar nicht, in denen wirklich die Zustände vorhanden waren, die ich Ihnen für diese ältesten Zeiten geschildert habe. Aber wenn man in den physischen Verhältnissen nur das Bild der geistigen Welt zu sehen hat, wenn man von dem redet, was noch der heilige Augustinus als den Gottesstaat, das heißt den Staat, der auf der Erde hier liegt, der aber ein Abbild ist der himmlischen Tatsachen, der himmlischen Persönlichkeiten, bezeichnet, dann kann der eine die Ansicht haben, das, was durch die das Göttliche abbildende Persönlichkeit geschieht, das ist richtig, das ist ein wirkliches Abbild; der andere kann da widerstreiten und kann sagen: Es ist nicht ein wirkliches Abbild. — Da entsteht erst die Möglichkeit der Diskussion. Der heutige Mensch glaubt, weil er gewohnt ist, alles zu kritisieren, über alles zu diskutieren, Kritisieren und Diskutieren sei in der Menschheitsentwickelung immer vorhanden gewesen. Das ist nicht wahr. Das Diskutieren und Kritisieren ist erst ein Kennzeichen des zweiten Stadiums, das ich Ihnen geschildert habe. Da beginnt auch erst die Möglichkeit, im eigenen Inneren zu urteilen, das heißt, ein Prädikat zu einem Subjekte hinzuzufügen. In den ältesten Ausdrucksformen der Menschen gab es dieses persönliche Urteil überhaupt nicht in bezug auf öffentliche Angelegenheiten. Im zweiten Stadium kann sich erst langsam alles dasjenige vorbereiten, was wir zum Beispiel heute Parlament nennen; denn das Parlament hat nur einen Sinn, wenn diskutiert werden kann über öffentliche Angelegenheiten. So daß also selbst die primitivsten Formen des öffentlichen Diskutierens erst ein Charakteristikon des zweiten Stadiums sind.

[ 4 ] Times like these, in which this second stage takes place, are those in which discussion—as it pertains to public affairs—actually begins to make sense within the realm of human thought. In the first stage of imperialism, there can be no real talk yet of what we today call “justice.” Nor can there be any talk of state institutions of any kind. One can only speak of the manifestations of divine power through physical human beings. One can only speak of the concrete, real will of physical human beings at work in social affairs. The question of whether this will is justified or not makes no sense at all. It simply exists. It must be obeyed. It is pointless to discuss whether the god in human form should or should not do what he does. That did not even exist in those most ancient times, when the conditions I have described to you for those most ancient times actually existed. But if, in physical circumstances, one sees only the image of the spiritual world; if one speaks of what St. Augustine still referred to as the City of God, that is, the state that exists here on Earth but is a reflection of heavenly realities and heavenly personalities—then one person may hold the view that what occurs through the personality reflecting the Divine is correct, that it is a true reflection; another may object and say: It is not a true reflection. — That is when the possibility of discussion first arises. People today believe—because they are accustomed to criticizing everything and discussing everything—that criticism and discussion have always been present in human development. That is not true. Discussion and criticism are only a characteristic of the second stage that I have described to you. It is only then that the possibility arises to make judgments within oneself—that is, to assign a predicate to a subject. In the earliest forms of human expression, this kind of personal judgment did not exist at all with regard to public affairs. It is only in the second stage that the groundwork can slowly be laid for everything we call, for example, a parliament today; for a parliament has meaning only if public affairs can be discussed. Thus, even the most primitive forms of public discussion are characteristic only of the second stage.

[ 5 ] Wir leben heute, insoferne die gerade für westliche Länder charakteristische Form mehr oder weniger sich über die Welt ausbreitet, im dritten Stadium, in jenem dritten Stadium, das ich Ihnen, insofern das Seelenleben in Betracht kommt, als das Stadium der Phrase bezeichnete. Dieses Stadium der Phrase, wie ich es Ihnen gestern charakterisiert habe, ist eben dasjenige, wo auch aus der Diskussion heraus verschwunden ist die innerliche Substanz und wo daher jeder recht haben kann oder wenigstens glaubt, recht haben zu können, wo man ihm auch nicht beweisen kann, daß er unrecht hat, weil im Grunde genommen innerhalb der Welt der Phrase alles behauptet werden kann. Immer aber erhalten sich frühere Stadien in die nächsten Stadien hinein. Dadurch entstehen im Grunde genommen immer erst die inneren Impulse zu den Imperialismen. Die Menschen beobachten die Dinge nur sehr oberflächlich. Wenn der frühere deutsche Kaiser als den Ausdruck seiner Gesinnung in ein Buch, das man auflegte zum Einschreiben, hineinschrieb: Des Königs Wille ist erhabenstes Gesetz — wie er es getan hat, was bedeutet das’? Das bedeutet: Er drückt sich im Zeitalter der Phrase so aus, daß der Ausdruck nur eine Bedeutung für das erste Stadium hat. Im ersten Stadium war es tatsächlich so, daß der Wille des Herrschers oberstes Gesetz war. Der Rechtsbegriff, der immer die Diskussion einschließt, der immer das Advokatorische im Gefolge hat, der ist wesentlich ein Charakteristikon des zweiten Stadiums, und er kann nur in seiner Realität aus dem zweiten Stadium heraus begriffen werden. Wer verfolgt hat, wieviel über Ursprung und Charakter des Rechtes diskutiert worden ist, der hat schon aus diesen Diskussionen entnehmen können, daß in den Rechtsbegriffen als solchen etwas Schillerndes ist, weil man es eben mit dem symbolischen Zeitalter zu tun hat, wo das Geistige durch das Materielle hindurchschillert, schimmert, scheint, so daß, wenn man nur das äußere Zeichen, das auch im Worte, in den Rechtsusancen vorliegen kann, vor sich hat, dann über das Rechte gestritten werden kann, daß überhaupt auch im öffentlichen Leben über Rechte advokatorisch diskutiert werden kann.

[ 5 ] Today, insofar as the form characteristic of Western countries is spreading more or less throughout the world, we are living in the third stage—that third stage which I described to you, as far as the life of the soul is concerned, as the stage of the phrase. This “stage of the phrase,” as I characterized it for you yesterday, is precisely the one in which the inner substance has disappeared even from discussion—and where, therefore, anyone can be right, or at least believe they can be right, and where it is impossible to prove to them that they are wrong, because, fundamentally, anything can be asserted within the world of the phrase. However, earlier stages always persist into the subsequent stages. This is essentially what always gives rise to the inner impulses toward imperialism. People observe things only very superficially. When the former German emperor, as an expression of his convictions, wrote in a book that had been laid out for people to sign: “The king’s will is the highest law”—as he did—what does that mean? It means: In the age of rhetoric, he expresses himself in such a way that the statement has meaning only for the first stage. In the first stage, it was indeed the case that the ruler’s will was the supreme law. The concept of law—which always involves discussion and is always accompanied by advocacy—is essentially a hallmark of the second stage, and it can only be understood in its reality within the context of that second stage. Anyone who has followed the extensive discussions on the origin and character of law has already been able to gather from these discussions that there is something iridescent about legal concepts as such, precisely because we are dealing with the symbolic age, in which the spiritual shimmers through the material, glows, and shines, so that if one considers only the external sign—which may also be present in words or in legal customs—then disputes over what is right can arise, and it is even possible to engage in advocacy regarding rights in public life.

[ 6 ] Im Zeitalter der Phrase verliert man aber völlig das Verständnis dafür, wie zur Fixierung überhaupt des Rechtsbegriffes es notwendig ist, daß in den sozialen Verhältnissen die Anschauung herrsche: Es scheint herein das geistige Reich in das physische Reich. Und dann macht man eben solche Definitionen des Rechtes, wie ich sie Ihnen gestern vorgeführt habe durch das Beispiel des Woodrow Wilson. Ich will Ihnen heute eine Definition wörtlich vorlesen, die Woodrow Wilson gegeben hat vom Rechte, und Sie werden sehen, daß sich diese Definition dadurch auszeichnet, daß sie lauter Phrasenhaftes enthält. Ich habe es schon gestern angeführt, ich möchte das heute noch ganz genau anführen. Er sagt: «Das Recht ist der Wille des Staates in bezug auf die bürgerliche Aufführung derjenigen, die unter seiner Autorität stehen.» Also, der Staat entfaltet einen Willen! Man soll sich vorstellen, daß jemand, der sonst sehr stark im abstrakten Idealismus, um nicht zu sagen, im Materialismus — denn das ist ja fast dasselbe, abstrakter Idealismus und Materialismus —, drinnensteht, daß der davon spricht: Das Recht ist der Wille des Staates. — Der Staat also soll einen Willen haben. Man muß von allen Geistern konkreter Anschauung verlassen sein, wenn man überhaupt nur in Versuchung fällt, dergleichen zu sagen oder hinzuschreiben. Es ist dieses eben enthalten in jenem Werke, von dem ich Ihnen schon gestern gesprochen habe, in dem Kodex der Phraseologie: «Der Staat, Elemente historischer und praktischer Politik» von Woodrow Wilson.

[ 6 ] In this age of empty rhetoric, however, we have completely lost sight of the fact that, in order to establish the concept of law at all, it is necessary for social relations to be governed by the following principle: The spiritual realm seems to penetrate the physical realm. And then people come up with definitions of law just like the ones I presented to you yesterday using the example of Woodrow Wilson. Today I want to read you verbatim a definition of law given by Woodrow Wilson, and you will see that this definition is characterized by the fact that it consists entirely of empty phrases. I already cited it yesterday, but I would like to quote it very precisely again today. He says: “Law is the will of the state with regard to the civic conduct of those subject to its authority.” So, the state exercises a will! Just imagine that someone who is otherwise deeply immersed in abstract idealism—not to say materialism, for abstract idealism and materialism are almost the same thing—should say: “Law is the will of the state.”—So the state is supposed to have a will. One must be completely devoid of any concrete perspective to even be tempted to say or write such a thing. This is precisely what is contained in that work I mentioned to you yesterday, in that codex of phraseology: *The State: Elements of Historical and Practical Politics* by Woodrow Wilson.

[ 7 ] Es stehen allerdings auch andere interessante Sachen darinnen. Auf eine Stelle möchte ich nur in Parenthese einmal Ihre Aufmerksamkeit lenken, da, wo Woodrow Wilson in diesem Buche über das Deutsche Reich spricht, nachdem er entwickelt hat, wie die Bestrebungen zur Begründung dieses Deutschen Reiches nach und nach gekommen sind, bis es zuletzt 1870/71 einer gewissen Rundung zustrebte. Das schildert er abschließend mit folgenden Sätzen: «Den letzten Antrieb zur Erreichung vollständiger nationaler Einigkeit brachte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Die glänzenden Erfolge Preußens in diesem Kampfe, der im Interesse des deutschen Patriotismus gegen französische Unverschämtheit geführt wurde, machte der kühlen Zurückhaltung der Mittelstaaten ihrem großen Nachbarn im Norden gegenüber ein Ende; sie vereinigten sich mit dem übrigen Deutschland, und das Deutsche Reich wurde im Königsschloß zu Versailles am 18. Januar 1871 begründet.»

[ 7 ] However, there are also other interesting things in it. I would just like to draw your attention, in passing, to one passage—the part where Woodrow Wilson discusses the German Empire in this book, after he has explained how the efforts to establish this German Empire gradually developed until it finally began to take shape in 1870–71. He concludes his description with the following sentences: “The final impetus toward achieving complete national unity came from the Franco-Prussian War of 1870–71. Prussia’s brilliant successes in this conflict—which was waged in the name of German patriotism against French insolence—put an end to the central states’ cool reserve toward their great neighbor to the north; they united with the rest of Germany, and the German Empire was founded at the Royal Palace of Versailles on January 18, 1871.”

[ 8 ] Das hat allerdings derselbe Mann geschrieben, der dann einige Zeit danach in Versailles sich vereinigt hat mit denjenigen, die dazumal in ihrer «Unverschämtheit» die Veranlassung dazu gegeben haben, daß das Deutsche Reich begründet worden ist. Vieles im heutigen öffentlichen Urteil rührt eben davon her, daß die Menschheit so entsetzlich oberflächlich ist und sich um die Dinge nicht kümmert. Wenn man sich entschließt, aus sachlichen Untergründen heraus zu urteilen, dann nehmen sich die Dinge immer anders aus, als sie heute im öffentlichen Urteil so hinschwimmen und von Tausenden und aber Tausenden von Menschen nachgesprochen werden. Es hätte gar nichts geschadet, damals, als Woodrow Wilson im gloriosen Zug in Paris angekommen ist, gefeiert von allen Seiten, ihm einmal diesen Ausspruch entgegenzuhalten. Das ist dasjenige, worauf gedrungen werden muß, wirklich aus inneren Gründen, daß auf die Tatsachen, das heißt zugleich auf die Wahrheit, wirklich hingewiesen werde.

[ 8 ] However, this was written by the very same man who, some time later, joined forces in Versailles with those whose “audacity” at the time had led to the founding of the German Empire. Much of today’s public opinion stems precisely from the fact that humanity is so appallingly superficial and does not care about the issues. If one resolves to judge based on factual grounds, then things always appear different from how they currently float about in public opinion and are parroted by thousands upon thousands of people. It would have done no harm at all, back then, when Woodrow Wilson arrived in Paris in that glorious procession, celebrated from all sides, to confront him with this very statement. This is what must be insisted upon—truly for intrinsic reasons—so that attention is genuinely drawn to the facts, which is to say, to the truth.

[ 9 ] Also im zweiten Stadium haben wir es zu tun mit dem, was zur Diskussion führt, was eigentlich erst den öffentlichen Rechtsbegriff möglich macht. Im dritten Stadium haben wir es zu tun, wie wir gesehen haben, als wesentliche Realität mit dem wirtschaftlichen Leben. Und wir haben gestern gezeigt, wie im Lauf der historischen Entwickelung dieses Zeitalter der Phrase durchaus notwendig ist, damit die Phrase, die nichts mehr enthält, den Menschen die Augen darüber öffnet, wie sie als in einer Realität nur im wirtschaftlichen Leben stehen und wie sie nötig haben, das Geistige, das neue Geistige nun wirklich in der Welt zu verbreiten.

[ 9 ] So, in the second stage, we are dealing with what gives rise to the discussion—what actually makes the concept of public law possible in the first place. In the third stage, as we have seen, we are dealing with economic life as an essential reality. And yesterday we showed how, in the course of historical development, this age of empty rhetoric is absolutely necessary so that this rhetoric—which no longer contains anything—opens people’s eyes to the fact that they exist in reality only within economic life, and that they need to truly spread the spiritual, the new spiritual, throughout the world.

[ 10 ] Von diesem neuen Geistigen machen sich die Menschen zunächst nur eine sehr spärliche Vorstellung. Und begreiflich ist es daher, daß gerade dieses neue Geistige mit den schärfsten Mißverständnissen heute noch belegt wird. Denn bis in die Untergründe des menschlichen Lebens hinein muß sich dieses neue Geistige geltend machen. Und so sehr der Substanz nach, dem Inhalte nach jene Geheimgesellschaften, von denen ich gestern gesprochen habe, auch nur traditionell bewahren das Alte, so sehr ist die äußere Devise, «Brüder» zu sein, das heißt, die äußeren Klassenschichtungen nicht hineinzutragen in die Logen und auf die einzelnen subjektiven Bekenntnisse nichts zu geben, doch etwas, was in gewissem Sinne — wenn etwas anderes noch, das ich gleich charakterisieren will, hinzukommt — die Zukunft in der richtigen Weise vorbereiten wird.

[ 10 ] At first, people have only a very vague idea of this new spiritual reality. And so it is understandable that this new spiritual reality, of all things, is still the subject of the most severe misunderstandings today. For this new spiritual reality must assert itself right down to the very foundations of human life. And just as much as those secret societies I spoke of yesterday, in substance and content, merely preserve the old in a traditional sense, so much does their outward motto, to be “brothers”—that is, not to carry external class distinctions into the lodges and to attach no importance to individual subjective beliefs—is nonetheless something that, in a certain sense—if something else, which I will characterize shortly, is added—will prepare the future in the right way.

[ 11 ] Wir sagen heute — ich bitte Sie, auf das ganz besonders zu achten —, nehmen wir etwas ganz Banales, Gewöhnliches: Der Baum ist grün. — Das ist eine Redewendung, die durchaus dem zweiten Stadium menschlicher Entwickelung angehört: Der Baum ist grün. — Vielleicht werden Sie mich am besten verstehen, wenn ich Sie bitte, sich vorzustellen, man soll dasjenige, was man ausdrückt durch das Urteil: Der Baum ist grün —, man soll das malen. Man kann es nicht malen! Man kann nicht malen: Der Baum ist grün. — Man wird irgendeine weiße oder sonstige Fläche haben, wird da grüne Farbe auftragen, aber vom Baume malt man doch nichts! Und wenn man vom Baume etwas malt erst außer dem, was da noch grün ist, so wird das etwas sein, was nur das Objektive stört. Will man malen: Der Baum ist grün —, so malt man eben etwas, was eigentlich ein Totes ist. Die Art und Weise, wie wir Subjekt und Prädikat in unserer Sprache zusammenfügen, die ist im Grunde genommen nur brauchbar für unsere Weltanschauung des Toten, des Unlebendigen. Weil wir noch keine Vorstellung davon haben, wie alles in der Welt lebendig ist und wie wir uns auszudrücken haben gegenüber dem, daß alles lebt und webt, bilden wir solche Urteile wie: Der Baum ist grün —, was eigentlich voraussetzt, daß ein Verhältnis besteht zwischen irgend etwas und der grünen Farbe, während die grüne Farbe selbst das Schöpferische ist, mit die Kraft ist, die da wirkt und lebt. Bis in das Innerste des Seelenlebens hinein wird — das wird allerdings eine lange Zeit in Anspruch nehmen — die Umwandelung des menschlichen Denkens und Empfindens vor sich gehen müssen, und diese Umwandelung wird sich übertragen auf die äußerlichen sozialen Verhältnisse, auf die Beziehungen der Menschen untereinander.

[ 11 ] Today we say—and I ask you to pay very close attention to this—let’s take something quite banal, something ordinary: The tree is green. — That is a phrase that definitely belongs to the second stage of human development: The tree is green. — Perhaps you will understand me best if I ask you to imagine that you are supposed to paint what is expressed by the statement: “The tree is green.” You cannot paint it! You cannot paint: “The tree is green.” — You’ll have some white or other surface, you’ll apply green paint to it, but you’re not actually painting the tree! And if you paint something of the tree besides what is still green there, it will be something that only disturbs the objective. If you want to paint “The tree is green,” then you’re simply painting something that is, in fact, lifeless. The way we combine subject and predicate in our language is, fundamentally, only useful for our worldview of the dead, of the inanimate. Because we still have no conception of how everything in the world is alive and how we are to express ourselves in the face of the fact that everything lives and weaves, we form judgments such as: “The tree is green”—which actually presupposes that a relationship exists between something and the color green, whereas the color green itself is the creative force, the power that acts and lives there. The transformation of human thought and feeling will have to take place right down to the innermost depths of the soul’s life—though this will, of course, take a long time—and this transformation will extend to external social conditions and to the relationships between people.

[ 12 ] Mit Bezug auf alles das stehen wir heute erst durchaus im Anfange. Aber man muß einsehen, welches die Wege sind, die in dieser Beziehung zum Lichte führen. Ich sagte: Darinnen liegt etwas Bedeutsames, wenn sich Menschen untereinander vereinigen, so daß unter ihnen das subjektive Bekenntnis keine Rolle spielt. — Und verfolgen Sie einmal von diesem Gesichtspunkte aus — aber tun Sie es wirklich einmal in Ihren Gedanken — die Art und Weise, wie gerade in der Anthroposophie geschildert wird. Es wird da gar nicht so geschildert, daß Definitionen, daß gewöhnliche Urteile gegeben werden. Es wird versucht — man muß natürlich damit rechnen, daß die Menschen das als einziges noch gar nicht aufnehmen —, aber es wird im wesentlichen versucht, Bilder zu geben, die Dinge gerade von den verschiedensten Seiten darzustellen, und es ist so ziemlich das Unsinnigste, wenn man etwas, was wirklich im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint ist, auf das bloße Urteil des Ja oder Nein hin festnageln will. Das wollen ja gewiß die Menschen in der Gegenwart noch immer, aber das kann man nicht.

[ 12 ] With regard to all of this, we are still very much at the beginning today. But one must recognize the paths that lead to enlightenment in this regard. I said: There is something significant in people uniting with one another in such a way that subjective beliefs play no role among them. — And try, from this perspective—but really do try to do this in your mind—to consider the way things are described specifically in anthroposophy. It is not described there as a matter of definitions or ordinary judgments. An attempt is made—though one must, of course, expect that people are not yet able to grasp this at all—but essentially, an attempt is made to provide images that depict things from the most diverse angles, and it is about as nonsensical as it gets to try to pin down something that is truly meant in the sense of spiritual science to a mere yes-or-no judgment. People today certainly still want to do that, but it simply cannot be done.

[ 13 ] Es kommt ja immer wieder und wiederum vor, weil wir aus dem zweiten Stadium herauswachsen, in das dritte Stadium hineinwachsen, daß man irgendwie gefragt wird: Was ist gut für mich, der ich jetzt mit diesen oder jenen Schwierigkeiten im Leben zu kämpfen habe? Man gibt irgendeinen Rat. Aha, sagt der Betreffende, also in dieser oder jener Lage des Lebens muß man dies oder jenes machen. — Es wird generalisiert! Aber die Sache hat nur eine sehr eingeschränkte Bedeutung, denn Urteile, die aus der geistigen Welt heraus gefällt werden, die haben immer nur eine individuelle Bedeutung, sind immer nur für den einzelnen Fall anwendbar. Diese Art zu generalisieren, die wir gewohnt worden sind aus dem zweiten Stadium der menschlichen Entwickelung heraus, die darf sich gar nicht in die Zukunft hinein fortsetzen. Die Menschen sind heute nur so sehr gewöhnt daran, die Dinge der Vergangenheit in die Zukunft hinein fortzusetzen. Abgewöhnen kann man sich, was da in den Seelen verderblich lebt, dadurch, daß man die Dinge eben in ihrer vollen Klarheit überschaut.

[ 13 ] It happens again and again—as we grow out of the second stage and into the third—that we are somehow asked: What is good for me, since I am now struggling with these or those difficulties in life? Someone offers some advice. “Ah,” says the person in question, “so in this or that situation in life, one must do this or that.” — That’s generalizing! But the matter has only a very limited significance, for judgments made from the spiritual world always have only an individual significance; they are always applicable only to the specific case. This kind of generalization, to which we have become accustomed from the second stage of human development, must not be carried over into the future at all. People today are simply so accustomed to projecting the things of the past into the future. One can break the habit of what is corrupting the soul by simply surveying things in their full clarity.

[ 14 ] Ich habe Sie gestern darauf hingewiesen, daß eigentlich die katholische Kirche in vieler Beziehung zurückweist auf das erste Stadium. Sie enthält gewissermaßen etwas wie einen Schein oder Schatten des ersten Stadiums der Menschheitsentwickelung, einen Schein oder Schatten, der sich zuweilen sehr stark zu einer Art seelischen Imperialismus verdichtet hat, wie zum Beispiel im 11. Jahrhundert, als die Mönche von Cluny tatsächlich viel mehr über Europa herrschten, als man denkt. Aus ihnen ging dann der Papst Gregor VII. hervor, der mächtige, imperialistische Papst. Dadurch, daß eigentlich, vermöge der römisch-katholischen Dogmatik, sich der Priester als mehr fühlen muß als der Christus, weil er den Christus zwingen kann, auf dem Altar anwesend zu sein, dadurch ist deutlich bezeugt, daß die Institution der katholischen Kirche im wesentlichen das Schein- und Schattenbild ist desjenigen, was als erstes Stadium der Menschheitsentwickelung in dem urältesten Imperialismus da war.

[ 14 ] I pointed out to you yesterday that, in many respects, the Catholic Church actually harks back to the first stage. In a sense, it contains something like a reflection or shadow of the first stage of human development—a reflection or shadow that has at times crystallized very strongly into a kind of spiritual imperialism, as, for example, in the 11th century, when the monks of Cluny actually ruled over Europe to a far greater extent than one might think. From among them emerged Pope Gregory VII, the powerful, imperialistic pope. The fact that, according to Roman Catholic dogma, the priest must feel himself to be greater than Christ—because he can compel Christ to be present on the altar—clearly testifies that the institution of the Catholic Church is essentially the image and shadow of what existed in the most ancient imperialism as the first stage of human development.

[ 15 ] Nun wissen Sie, daß eine große Feindschaft zwischen der katholischen Kirche und allen den Gesellschaften, die die Freimaurerei, eine gewisse Sorte wenigstens von Freimaurerei, zu ihrem Werkzeuge haben, in westlichen Gegenden besteht. Nun würde es ja sehr weit führen, und ich kann dies in diesem Vortrage nicht mehr tun, in den Einzelheiten zu zeigen, wie sich diese Feindschaft nach und nach in der neueren Zeit immer mehr und mehr vergrößert hat. Aber auf das eine kann hingewiesen werden, daß in diesen Geheimgesellschaften schon eines sehr stark lebt, die Ansicht nämlich, daß die katholische Kirche nur das Schattenbild des eigentlich untergegangenen Imperialismus des ersten Stadiums ist. Das ist für diese Geheimgesellschaften eben doch Grundlehre, daß die katholische Kirche das Schattenbild, der stehengebliebene Rest des ersten Stadiums des Imperialismus ist. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hat noch diesen Rahmen benützt, Karl der Große und die Ottonen haben sich von dem Papst krönen lassen, haben den Imperialismus des Seelischen als Salbungsmittel für den Imperialismus der äußeren Welt benützt. Man nahm das, was da war, was aus alten Zeiten geblieben war, und da hinein goß man dasjenige, was das Neue war. So daß man in den Rahmen der ersten Imperialismen die Imperialismen des zweiten Stadiums hineingegossen hat.

[ 15 ] Now you know that there is great hostility in the West between the Catholic Church and all those societies that use Freemasonry—or at least a certain type of Freemasonry—as their tool. It would take us too far afield—and I cannot do so in this lecture—to go into detail about how this hostility has gradually intensified more and more in recent times. But one thing can be pointed out: within these secret societies, there is already a very strong belief that the Catholic Church is merely the shadow of the first stage of imperialism, which has actually come to an end. It is, after all, a fundamental doctrine of these secret societies that the Catholic Church is the shadow, the lingering remnant of the first stage of imperialism. The Holy Roman Empire of the German Nation still made use of this framework; Charlemagne and the Ottonians had themselves crowned by the Pope, using the imperialism of the spiritual realm as a means of legitimizing the imperialism of the external world. They took what was there—what remained from ancient times—and poured into it that which was new. Thus, they poured the imperialism of the second stage into the framework of the first imperialism.

[ 16 ] Nun sind wir beim dritten Stadium angelangt, das sich insbesondere in westlichen Gegenden zeigt, beim Wirtschaftsimperialismus. Dieser Wirtschaftsimperialismus, der hat in seinem Hintergrunde, wie gesagt, eine geistige Welt der Geheimgesellschaften, die mit phrasenhafter Symbolik sich sättigt. Aber wenn nun klar das bemerkt wird, daß die äußere Konstitution, die soziale Konstitution der Kirche nur ein Schattenbild von etwas ist, was früher da war und jetzt keine Bedeutung mehr hat, so wird das in bezug auf das zweite Stadium eben nicht durchschaut, und darinnen besteht noch die große Illusion, in der namentlich die Staatsleute der Weststaaten stehen. Es ist ja immerhin bezeichnend, daß Woodrow Wilson von dem «Willen des Staates» sprechen kann. Er würde nicht mehr sprechen von dem Willen der Kirche, aber er spricht von dem Willen des Staates als etwas Selbstverständlichem.

[ 16 ] We have now reached the third stage, which is particularly evident in Western regions: economic imperialism. As I said, this economic imperialism has at its core a spiritual world of secret societies that feeds on clichéd symbolism. But while it is now clearly recognized that the external constitution—the social constitution—of the Church is merely a shadow of something that once existed and now has no further significance, this is not fully grasped in relation to the second stage; and therein still lies the great illusion in which, in particular, the statesmen of the Western nations are ensnared. It is, after all, telling that Woodrow Wilson can speak of the “will of the state.” He would no longer speak of the will of the church, but he speaks of the will of the state as something self-evident.

[ 17 ] Nun hat der Staat als der Träger des Rechtes, indem er als eine Totalität genommen wird, als eine Ganzheit genommen wird, nur im zweiten Stadium der Menschheitsentwickelung die Bedeutung, die ihm beigelegt wird, gehabt. Während in den ältesten Zeiten die Kirche alles war, beziehungsweise das, woraus die Kirche geworden ist, alles war, war in dem zweiten Stadium das alles, woraus der Staat geworden ist. Für die Kirche bemerkt man die Sache, insbesondere in den Geheimgesellschaften; für den Staat bemerkt man es nicht, will es nicht bemerken. In den Staat wird vorläufig so hineingegossen, wie im Mittelalter in die Kirche hineingegossen wurde dasjenige, was neu war; in den Staat wird hineingegossen dasjenige, was sich etwa vereinigt hat unter einem gewissen Freiheitsbegriff. In den Staat wurde hineingegossen der ganze wirtschaftliche Imperialismus Großbritanniens. Und diejenigen, die brav aufgezogen werden in Großbritannien, sehen in dem Staat etwas Selbstverständliches, etwas, dem sie ganz gut irgendeinen Willen zuschreiben können.

[ 17 ] Now, the state, as the bearer of law—when considered as a totality, as a whole—only acquired the significance attributed to it in the second stage of human development. While in the earliest times the Church was everything—or rather, that which the Church became was everything—in the second stage, it was everything that the state became. In the case of the Church, one observes this phenomenon, particularly in the secret societies; in the case of the state, one does not observe it, does not wish to observe it. For the time being, the state is being infused—just as the church was infused in the Middle Ages—with whatever is new; the state is being infused with whatever has, so to speak, coalesced under a certain concept of freedom. The entire economic imperialism of Great Britain has been poured into the state. And those who are raised properly in Great Britain see the state as something self-evident, something to which they can quite easily ascribe some kind of will.

[ 18 ] Das aber muß eben gerade durchschaut werden, daß diese Art des Staatsbegriffes denselben Weg nehmen muß, den der Kirchenbegriff genommen hat. Man muß erkennen: Wenn man für die Gesamtheit des sozialen Organismus diesen Staatsbegriff beibehält, der eine bloße Rechtsinstitution ist, und alles andere in diese Rechtsinstitution hineinpreßt, dann pflanzt man eben Schatten so fort, wie man in der Kirche — jetzt schon bewußterweise für die Geheimgesellschaften — einen Schatten fortgepflanzt hat. Aber davon ist noch wenig Bewußtsein vorhanden. Denn denken Sie doch nur einmal, daß so ziemlich alles, was heute die Menschen begeistert in öffentlichen Angelegenheiten, in den Staatsbegriff hineingepreßt wird. Da sind Menschen, die sind Nationalisten, Chauvinisten und so weiter, alles was man nennt Nation, national, Chauvinismus, das wird dem Rahmen Staat einverleibt! Da preßt man hinein den Nationalismus und konstruiert den Begriff Nationalstaat. Oder man hat gewisse Anschauungen über, sagen wir, Sozialismus, meinetwillen ganz radikalen Sozialismus: Man nimmt den Rahmen des Staates! Statt daß man den Nationalismus hineinprefßt, preßt man nun eben den Sozialismus hinein. Aber davon hat man keinen Begriff, daß das nur noch ein Schattengebilde werden muß, wie die Konstitution der Kirche ein Schattenbegriff geworden ist.

[ 18 ] But this is precisely what must be understood: that this conception of the state must follow the same path that the conception of the church has taken. One must recognize: If one retains this concept of the state—which is merely a legal institution—for the entirety of the social organism, and forces everything else into this legal institution, then one is simply perpetuating a shadow, just as a shadow has been perpetuated within the church—now already consciously for the secret societies. But there is still little awareness of this. For just consider that virtually everything that inspires people today in public affairs is crammed into the concept of the state. There are people who are nationalists, chauvinists, and so on; everything that is called “nation,” “national,” or “chauvinism” is incorporated into the framework of the state! Nationalism is crammed into it, and the concept of the nation-state is constructed. Or one might have certain views on, say, socialism—for my sake, let’s say quite radical socialism: one takes the framework of the state! Instead of forcing nationalism into it, one now forces socialism into it. But people have no concept of the fact that this is bound to become nothing more than a shadow construct, just as the constitution of the church has become a shadow concept.

[ 19 ] Man hat in einzelnen protestantischen Kreisen den Begriff bekommen, daß die Kirche nur eine äußerliche Institution ist, daß das Wesen des Religiösen im Herzen des Menschen wurzeln muß. Dieses Stadium der menschlichen Entwickelung ist für den Staatsbegriff noch gar nicht da, sonst würde man nicht alle möglichen Nationalismen in die durch die letzten kriegerischen Ereignisse bewirkten europäischen Abgrenzungen, Staatsabgrenzungen hineinpressen wollen. Alle diese Dinge rechnen mit einem nicht. Sie rechnen nicht mit der Tatsache, daß dasjenige, was in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit sich vollzieht, Leben ist und nicht Mechanismus. Und zum Leben gehört, daß es entsteht und vergeht. Zur imperialistischen Auffassung gehört aber etwas anderes. Es gehört dazu, daß man sich über die Zukunft keine Gedanken macht. Das gehört überhaupt zu der Auffassung der öffentlichen Angelegenheiten der Menschen der Gegenwart, daß sie sich über die Zukunft nicht lebendige Gedanken machen, sondern tote Gedanken. Sie denken: Heute richten wir irgend etwas ein, das ist dann gut, das muß dann ewig bleiben. So denkt die Frauenbewegung, so denkt der Sozialismus, so denkt der Nationalismus: Wir begründen irgend etwas, das fängt an mit uns; man hat auf uns gewartet, bis wir so gescheit geworden sind. Aber jetzt haben wir für alle Ewigkeit das Gescheiteste herausgefunden, das wird nun in alle Ewigkeiten bestehen. — Der Gedanke ist ungefähr so, als wenn ich mir einen Jungen herangezogen habe bis zu seinem achtzehnten Jahr und sage: Jetzt habe ich ihn ordentlich aufgezogen, jetzt bleibt er so, wie er ist. — Er wird aber älter werden, und er wird auch sterben, und so ist es mit allem, was in der menschlichen Entwickelung entsteht.

[ 19 ] In certain Protestant circles, the idea has taken hold that the church is merely an external institution, and that the essence of religion must be rooted in the human heart. This stage of human development has not yet been reached with regard to the concept of the state; otherwise, people would not be trying to squeeze all manner of nationalisms into the European boundaries—state boundaries—brought about by recent war-torn events. All these forces fail to take one thing into account. They fail to take into account the fact that what unfolds in the historical development of humanity is life, not a mechanical process. And part of life is that it comes into being and passes away. The imperialist view, however, involves something else. It involves not giving the future any thought. Indeed, it is characteristic of the way people today view public affairs that they do not entertain living thoughts about the future, but rather dead ones. They think: Today we establish something; that is good, and it must remain that way forever. That is how the women’s movement thinks, that is how socialism thinks, that is how nationalism thinks: We establish something that begins with us; people have been waiting for us until we became so wise. But now we have discovered the wisest thing for all eternity, and it will now endure for all eternity. — The idea is roughly the same as if I had raised a boy until he turned eighteen and said: “Now I’ve raised him properly; now he’ll stay just as he is.” — But he will grow older, and he will also die, and so it is with everything that arises in human development.

[ 20 ] Jetzt komme ich zu dem, was ich vorhin erwähnt habe, was hinzukommen muß zu dem Prinzip der Gleichgültigkeit gegenüber dem subjektiven Bekenntnis oder der menschlichen Bruderliebe. Was hinzukommen muß, ist die lebendige Anschauung, die für dieses Erdenleben auch mit dem Tod rechnet, die sich bewußt wird: Wir machen in der Gegenwart Institutionen, die notwendigerweise auch untergehen müssen, weil sie schon das Todesprinzip in sich tragen, die gar nicht wollen einen ewigen Bestand haben, die gar nicht daran denken, etwas Bleibendes zu sein.

[ 20 ] Now I come to what I mentioned earlier—what must be added to the principle of indifference toward subjective confession or human brotherly love. What must be added is the living perspective that takes death into account as part of this earthly life, a perspective that recognizes: We create institutions in the present that are bound to perish because they already carry the principle of death within them; they do not seek to last forever, nor do they even aspire to be anything enduring.

[ 21 ] Wodurch kann denn aber so etwas realisiert werden ? Ja, unter dem Einfluß der Denkweise aus dem zweiten Stadium wird das niemals realisiert werden. Aber wenn jenes Schamgefühl eintreten wird, von dem ich gestern gesprochen habe, wenn man erkennen wird: Wir leben im Reich der Phrase, unter dem das bloße Wirtschaftsleben, der bloße wirtschaftliche Imperialismus glimmt —, dann wird man rufen nach dem Geiste, der unsichtbar, aber in der Wirklichkeit waltet. Man wird rufen nach einer solchen Erkenntnis des Geistigen, die vom Geistigen als einem unsichtbaren Reiche spricht, als einem Reiche, das nicht von dieser Welt ist, in dem daher wirklich der Christus-Impuls Platz greifen kann. Man wird rufen nach der Erkenntnis von einem solchen Reiche.

[ 21 ] But how can something like that be achieved? Well, under the influence of the mindset of the second stage, it will never be achieved. But when that sense of shame I spoke of yesterday sets in—when people realize: We live in the realm of empty rhetoric, beneath which mere economic life, mere economic imperialism, smolders—then they will cry out for the Spirit who, though invisible, reigns in reality. People will call for a understanding of the spiritual that speaks of the spiritual as an invisible realm, as a realm that is not of this world, in which the Christ impulse can therefore truly take hold. People will call for the knowledge of such a realm.

[ 22 ] Das kann nur sein, wenn die soziale Ordnung dreigegliedert ist: das wirtschaftliche Leben für sich verwaltet wird, das rechtliche Leben nicht mehr der absolute, alles umfassende Staatsbegriff ist, sondern eben Staat ist nur alles dasjenige, was wirklich dem Rechte unterworfen ist, und das Geistesleben wirklich frei ist, das heißt, sich hier in der Wirklichkeit als ein wirkliches Geistesleben ausgestalten kann. Geist kann unter den Menschen nur walten, wenn der Geist von nichts anderem als von sich selber abhängig ist und wenn alle Institutionen, die den Geist zu pflegen haben, von nichts anderem als von sich selber abhängig sind.

[ 22 ] This can only be the case if the social order is threefold: economic life is administered independently; legal life is no longer defined by an absolute, all-encompassing concept of the state, but rather the state consists only of that which is truly subject to the law; and spiritual life is truly free—that is, it can develop here in reality as a genuine spiritual life. Spirit can reign among human beings only if the spirit is dependent on nothing other than itself, and if all institutions charged with nurturing the spirit are dependent on nothing other than themselves.

[ 23 ] Was haben wir dann, wenn wir diesen dreigegliederten Organismus haben, den sozialen Organismus haben? Dann haben wir ein wirtschaftliches Leben. Das ist ganz gewiß so geartet, wie der ursprüngliche Imperialismus geartet war. Es ist alles, was in ihm waltet, auch innerhalb des Lebens der physischen Erde da. In diesem wirtschaftlichen Gliedorganismus müssen wirklich die verwaltenden Kräfte aus dem Wirtschaftsleben selbst herausgenommen werden. Ich glaube wenigstens nicht, daß dann irgend jemand der Meinung sein werde, wenn dieser wirtschaftliche Organismus so organisiert ist, wie es in meinen «Kernpunkten» geschildert ist, daß irgendein Übersinnliches in das unmittelbare Wirtschaftsleben hereingreift. Wenn wir essen, wenn wir Essen zubereiten, wenn wir Kleider zubereiten, so ist alles Wirklichkeit; die Ästhetik daran mag Symbol sein, aber das Kleid ist Wirklichkeit.

[ 23 ] What do we have, then, when we have this threefold organism, this social organism? Then we have an economic life. This is certainly of the same nature as the original imperialism. Everything that prevails within it is also present within the life of the physical Earth. In this economic organism, the administrative forces must truly be drawn from economic life itself. At least, I do not believe that anyone would then be of the opinion—if this economic organism is organized as described in my “Key Points”—that anything supersensory intervenes in immediate economic life. When we eat, when we prepare food, when we make clothes—all of this is reality; the aesthetics involved may be symbolic, but the garment is reality.

[ 24 ] Wenn wir dann das zweite Glied des sozialen Organismus uns ansehen, so haben wir allerdings für die Zukunft nicht eine solche Symbolik, wie die war des zweiten Stadiums der Menschheitsentwickelung, wo der Staat, das verkörperte Recht, eine Totalität war, aber wir haben in all dem, was in dem einen Menschen zutage tritt, eine Abbildung desjenigen, was in dem andern Menschen lebt. Wir haben aus der gegenwärtigen Zeit heraus die Symbolik neu aufgebaut. Was der eine Mensch tut, wird immer ein Zeichen sein für die ganze Art der sozialen Rechtskonstitution, die sich aufbaut.

[ 24 ] When we then look at the second member of the social organism, we do not, admittedly, have for the future a symbolism such as that of the second stage of human development, where the state—the embodiment of law—was a totality; but we have, in everything that manifests itself in one human being, a reflection of what lives in another human being. We have reconstructed the symbolism from the perspective of the present time. What one person does will always be a sign of the entire nature of the social legal constitution that is taking shape.

[ 25 ] Und das dritte wird nicht Zeichen und nicht Phrase sein, sondern es wird geistige Wirklichkeit sein. Der Geist wird die Möglichkeit haben, unter den Menschen wirklich zu leben.

[ 25 ] And the third will be neither a sign nor a phrase, but a spiritual reality. The Spirit will have the opportunity to truly live among people.

[ 26 ] So wird die innere soziale Ordnung erst aufgebaut werden können, wenn man wirklich übergeht zur inneren Wahrhaftigkeit. Das aber wird im Zeitalter der Phrase ganz besonders schwer. Denn im Zeitalter der Phrase gewöhnen sich die Menschen zwar eine gewisse raffinierte Gescheitheit an, aber diese raffinierte Gescheitheit ist eigentlich im wesentlichen nichts anderes als ein Spiel mit den Wortrepräsentanten alter Begriffe. Denken Sie doch nur einmal an das charakteristische Beispiel, plötzlich tauchte es aus Phrasenimperialismus heraus auf, daß es gut wäre, wenn der König oder die Königin von England auch den Titel «Kaiser von Indien» erhielte. Es hat sich absolut nichts geändert. Man kann selbstverständlich die schönsten Gründe finden für diese Betitelung «Kaiserin von Indien» oder «Kaiser von Indien». Aber denken Sie sich, das wäre nicht gemacht worden — es wäre gar nichts anders verlaufen! Der Kaiser von Österreich, der ja jetzt auch zu den Davongejagten gehört, der trug bis zu seiner Davonjagung neben seinen andern vielen Titeln einen ganz merkwürdigen Titel. Da war — was weiß ich — Franz Joseph I. Kaiser von Österreich, apostolischer König von Ungarn, König von Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien, Galizien, Lodomerien, Illyrien und so weiter. Unter diesen vielen Titeln stand auch «König von Jerusalem»! Der österreichische Kaiser führte — bis er nicht mehr Kaiser war — den Titel König von Jerusalem. Das war noch von den Kreuzzügen her. Man kann doch auf keine schönere Art beweisen, welche Rolle das Nichtssagende spielt. Und dieses Nichtssagende spielt schließlich eine viel größere Rolle, als Sie eigentlich meinen.

[ 26 ] Thus, the inner social order can only be established once we truly embrace inner truthfulness. But this becomes particularly difficult in the age of empty rhetoric. For in the age of empty rhetoric, people may indeed acquire a certain refined cleverness, but this refined cleverness is essentially nothing more than a game with the verbal representations of old concepts. Just think of the characteristic example: out of nowhere, as a result of “phrase imperialism,” it was suddenly suggested that it would be a good idea for the King or Queen of England to also receive the title “Emperor of India.” Absolutely nothing has changed. Of course, one can find the most elegant reasons for these titles, “Empress of India” or “Emperor of India.” But just imagine if this hadn’t been done—nothing would have turned out any differently! The Emperor of Austria, who is now also among the deposed, bore—until his deposition—a quite remarkable title alongside his many others. There was—I don’t know—Franz Joseph I, Emperor of Austria, Apostolic King of Hungary, King of Bohemia, Dalmatia, Croatia, Slovenia, Galicia, Lodomeria, Illyria, and so on. Among these many titles was also “King of Jerusalem”! The Austrian Emperor bore—until he was no longer Emperor—the title of King of Jerusalem. That dated back to the Crusades. There is surely no better way to demonstrate the role played by the meaningless. And this meaningless ultimately plays a much greater role than you actually realize.

[ 27 ] Also es handelt sich darum, daß man wirklich aufsteigt zu dieser Erkenntnis des Phrasenhaften in der Gegenwart. Und das ist dadurch erschwert, daß eben derjenige, der in der Phrase lebt, bloß die Wortrepräsentanten alter Begriffe in seinem Gehirn herumkollert und glaubt zu denken. Aber man kann nur wirklich zum Denken wieder kommen, wenn man das innere Seelenleben mit Substanz durchdringt, und die kann nur aus der Erkenntnis der geistigen Welt, dem spirituellen Leben kommen. Nur durch dieses Sichdurchdringen mit dem spirituellen Leben kann der Mensch wiederum ein vollinhaltlicher Mensch werden, nachdem er ein Phrasendarm, ein Phrasengedärme geworden ist, das ausgeleert ist, das sich mit Worthülsen zufrieden gibt.

[ 27 ] So the point is that one must truly rise to this realization of the clichéd nature of the present. And this is made more difficult by the fact that the very person who lives in clichés merely tosses around the verbal representations of old concepts in his brain and believes he is thinking. But one can only truly return to thinking if one imbues one’s inner soul life with substance, and that can come only from an understanding of the spiritual world, from spiritual life. Only through this permeation with spiritual life can a person once again become a human being of full substance, after having become a hollow shell of empty phrases—a shell that has been emptied and is content with empty words.

[ 28 ] Aus diesem, was ich gestern schon andeutete als ein Schamgefühl, wird der Ruf nach dem Geistigen entstehen. Und die Möglichkeit, daß Geistiges sich verbreite, wird nicht anders kommen als dadurch, daß das geistige Leben selbständig sich entwickelt. Sonst muß man immer in kleine Löchelchen hineinarbeiten, wie wir es bei der Waldorfschule machen mußten, weil das württembergische Schulgesetz eben noch dieses eine Loch gehabt hat, daß es möglich war, eine Waldorfschule einzurichten bloß nach geistigen Gesetzen, nach geistigen Prinzipien, das fast auf keinem andern Fleck der Erde jetzt möglich wäre. Aber man kann ja dasjenige, was mit dem Geistesleben zusammenhängt, nur wirklich aus dem Geiste einrichten, wenn die andern beiden Glieder des sozialen Organismus nicht hineinsprechen, wenn wirklich nur aus dem Geistigen heraus die Dinge geholt werden.

[ 28 ] From this—which I already hinted at yesterday as a sense of shame—the call for the spiritual will arise. And the possibility for the spiritual to spread will come about only through the spiritual life developing independently. Otherwise, one must always work within small loopholes, as we had to do with the Waldorf School, because the Württemberg school law still had this one loophole that made it possible to establish a Waldorf School solely according to spiritual laws and principles—something that would be impossible almost anywhere else on earth today. But one can truly establish that which is connected to spiritual life only from the spirit itself if the other two members of the social organism do not interfere, if things are truly drawn solely from the spiritual realm.

[ 29 ] Vorläufig geht die Tendenz des Zeitalters ganz dawider. Aber diese Tendenz des Zeitalters wird niemals damit rechnen, daß tatsächlich mit jeder neuen Generation immer mehr und mehr auf der Erde ein neues Geistesleben erscheinen wird. Ganz gleichgültig, ob man heute einen absolutistischen Staat oder eine Räterepublik errichtet: Würde man mit solchen Einrichtungen fortfahren ohne das Bewußtsein, daß alles, was entsteht, dem Leben unterworfen ist und sich fortwährend umwandeln muß, auch durch Tode gehen muß, neue Gestalten, Metamorphosen durchmachen muß, dann würde man nichts anderes vorbereiten, als daß jedesmal die nächste Generation revolutionär wird, denn man würde ja nur für die Gegenwart, das, was man für die Gegenwart gut hält, dem sozialen Organismus einverleiben. Zu den Grundsätzen, welche in westlichen Gegenden noch sehr in die Phrase hineingeheimnißt sind, muß der kommen, den sozialen Organismus als ein Lebendiges anzusehen. Man sieht ihn als ein Lebendiges nur an, wenn man ihn in seiner Dreigliedrigkeit durchschaut. Daher liegt es gerade in der starken, in der furchtbaren, in der intensiven Verantwortlichkeit derjenigen, die durch die wirtschaftliche Begünstigung heute einen Imperialismus nahezu über die ganze Welt ausdehnen, sich bewußt zu werden, daß in diesen Imperialismus hineingegossen werden muß die Pflege eines wahren Geisteslebens. Als Hohn muß es empfunden werden, daß auf den Britischen Inseln ein Wirtschaftsreich über die ganze Welt gegründet wird und daß man dann, wenn man besonders tief mystische Geistigkeit will, zu denjenigen geht, die man wirtschaftlich erobert hat, die man wirtschaftlich ausbeutet, und diese Geistigkeit von ihnen nimmt. Man hat die Verpflichtung, von sich aus geistige Substanz in die äußere Gestalt des sozialen Organismus hineinfließen zu lassen.

[ 29 ] For the time being, the trend of the age runs completely counter to this. But this trend of the age will never take into account the fact that, with each new generation, a new spiritual life will indeed emerge more and more on Earth. It makes no difference whether one establishes an absolutist state or a council republic today: if one were to continue with such institutions without the awareness that everything that comes into being is subject to life and must continually transform itself—and must even pass through death and undergo new forms, metamorphoses—then one would be preparing nothing other than for the next generation to become revolutionary each time, for one would be incorporating into the social organism only what is deemed good for the present. Among the principles that are still very much shrouded in rhetoric in Western regions, one must include the view of the social organism as a living entity. One can only view it as a living entity if one perceives its threefold nature. Therefore, it is precisely the heavy, the terrible, the intense responsibility of those who, through economic advantage, are today extending imperialism across nearly the entire world, to become aware that the cultivation of a true spiritual life must be infused into this imperialism. It must be seen as a mockery that an economic empire spanning the entire world is being established from the British Isles, and that when one seeks a particularly profound mystical spirituality, one turns to those whom one has economically conquered and exploited, and takes this spirituality from them. We have an obligation to allow spiritual substance to flow of our own accord into the outer form of the social organism.

[ 30 ] Das ist das Bewußtsein, von dem ich glaube, daß es unsere britischen Freunde von hier aus mitnehmen müßten, das Bewußtsein, daß jetzt in diesem welthistorischen großen Augenblicke bei all denen, die hinzugehören zu Weltorganismen, in denen die englische Sprache gesprochen wird, die Verantwortlichkeit vorhanden ist, in das äußere Wirtschaftsimperium wirkliche Spiritualität hineinzubringen. Denn es gibt da nur ein Entweder-Oder: Entweder es bleibt das Bestreben im bloßen Wirtschaftsimperium, dann ist der sichere Untergang der irdischen Zivilisation die notwendige Folge — oder es wird Geist in dieses Wirtschaftsimperium hineingegossen, dann wird dasjenige erreicht, was mit der Erdenentwickelung eigentlich beabsichtigt war. Ich möchte sagen: Jeden Morgen sollte man sich das in ganz ernsthaftiger Weise vorhalten, und alle einzelnen Handlungen sollte man im Sinne dieses Impulses einrichten. Die Weltenstunde schlägt durchaus ernst in der Gegenwart. In furchtbarer Weise schlägt diese Weltenstunde ernst. Wir sind gewissermaßen im Höhepunkt der Phrasenhaftigkeit angelangt. Wir müssen in dem Zeitpunkt, in dem aus der Phrase ausgequetscht ist aller Inhalt, der einmal in die Menschen in anderer Art hereingekommen ist und der für heute keine Bedeutung hat, aufnehmen dasjenige, was in unser seelisches und soziales Leben wiederum wirklichen substantiellen Inhalt hineinbringen kann. Wir müssen uns klar darüber sein, daß dieses EntwederOder eigentlich jeder heute für sich selbst zu entscheiden hat und daß jeder mit seinen innersten Seelenkräften an dieser Entscheidung teilnehmen muß. Sonst lebt man eigentlich nicht die Angelegenheiten der Menschheit mit.

[ 30 ] This is the awareness that I believe our British friends must take with them from here—the awareness that now, at this moment of great historical significance, all those who belong to global organizations where the English language is spoken bear the responsibility to infuse the external economic empire with true spirituality. For there is only one either/or: Either the endeavor remains confined to the mere economic empire, in which case the certain downfall of earthly civilization is the inevitable consequence—or spirit is infused into this economic empire, in which case what was actually intended for the development of the Earth will be achieved. I would like to say: Every morning, one should keep this in mind in a very serious way, and every individual action should be guided by this impulse. The hour of the world is striking with utter seriousness in the present. In a terrible way, this hour of the world is striking with seriousness. We have, so to speak, reached the height of empty rhetoric. At the very moment when all the content that once entered people’s lives in a different way—and which has no meaning today—has been squeezed out of the empty phrase, we must take up that which can once again bring real, substantial content into our spiritual and social lives. We must be clear that this “either/or” is something everyone must decide for themselves today, and that everyone must participate in this decision with their innermost spiritual powers. Otherwise, one is not truly living the affairs of humanity.

[ 31 ] Aber die Sehnsucht nach der Illusion ist insbesondere heute im Zeitalter der Phrase eine ungeheuer große. Man möchte so gerne sich über den Ernst des Lebens hinwegtäuschen. Man möchte nicht hinschauen auf die Wahrheit, die waltet in unserer Entwickelung. Wie hätte sich die Menschheit sonst täuschen lassen von dem Wilsonianismus, wenn sie wirklich das innigste Bestreben hätte, sich durch die Wahrheit aufzuklären? Das muß kommen. Es muß in den Menschen erwachsen die Sehnsucht nach der Wahrheit. Vor allen Dingen muß in den Menschen wachsen die Sehnsucht nach der Befreiung des Geisteslebens und die Erkenntnis, daß keiner ein Recht hat, sich Christ zu nennen, der nicht den Ausspruch begreift: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.»

[ 31 ] But the longing for illusion is immense, especially today, in this age of empty rhetoric. People are so eager to delude themselves about the seriousness of life. People do not want to face the truth that governs our development. How else could humanity have been deceived by Wilsonianism if it truly had the deepest desire to enlighten itself through the truth? That must come. The longing for truth must grow within people. Above all, the longing for the liberation of spiritual life must grow within people, along with the realization that no one has the right to call themselves a Christian who does not understand the saying: “My kingdom is not of this world.”

[ 32 ] Das heißt, das Reich des Christus muß werden ein unsichtbares Reich, ein wirkliches unsichtbares Reich, ein Reich, von dem man spricht als von unsichtbaren Dingen. Nur wenn die Geisteswissenschaft waltet, wird man von diesem Reiche sprechen. Nicht eine äußere Kirche, nicht ein äußerer Staat kann dieses Reich verwirklichen, nicht ein Wirtschaftsimperium. Verwirklichen kann dieses Reich allein der Wille des einzelnen Menschen, der da lebt in dem befreiten Geistesleben.

[ 32 ] This means that the Kingdom of Christ must become an invisible kingdom—a truly invisible kingdom—a kingdom of which one speaks as one speaks of invisible things. Only when spiritual science prevails will people speak of this kingdom. No external church, no external state, and no economic empire can bring this kingdom into being. This kingdom can be realized solely by the will of the individual human being who lives within a liberated spiritual life.

[ 33 ] Man kann heute schwerlich glauben, daß in denjenigen Gegenden, in denen Menschen leben, die zertreten sind, viel getan werden kann für diese Befreiung des Geisteslebens. Daher muß es gerade in denjenigen Gegenden getan werden, die heute nicht zu den politisch, wirtschaftlich und selbstverständlich auch bald geistig getretenen gehören. Vor allen Dingen muß die Erkenntnis durchdringen, daß wir wirklich nicht an dem Tage angelangt sind, wo wir sagen: Es ist bisher abwärts gegangen, es wird wieder aufwärts gehen! — Nein, wenn die Menschen nicht aus dem Geiste heraus etwas dazu tun werden, wird es nicht aufwärts gehen, sondern immer weiter abwärts. Die Menschheit lebt heute nicht von irgend etwas, was sie produziert — denn produziert muß erst wiederum werden unter dem Impulse des Geistes -, die Menschheit lebt heute von Reserven, von alten Reserven, und die werden aufgebraucht werden. Und es ist kindisch und naiv, zu glauben, daß man an irgendeinem Tage beim tiefsten Punkt angekommen ist, und dann wird es schon wieder besser gehen, auch wenn man die Hände in den Schoß legt. So ist es nicht. Und man möchte insbesondere, daß ein solches Wort, wie das eben gesprochene, wirklich einiges Feuer entzünde in den Seelen, die sich hinzurechnen zur anthroposophischen Bewegung. Man möchte, daß der Geist, der so stark spukte gerade bei denjenigen, die vielleicht zu dieser anthroposophischen Bewegung gekommen sind, besiegt werde durch den Geist, der hier gemeint wird. Gewiß ist es ja so, daß der einzelne oftmals, wenn er zu einer solchen Bewegung kommt, für sich selbst etwas haben will, für seine Seele. Das kann er ja auch haben, aber nur, damit er dann seine Seele in den Dienst des Ganzen stellen kann. Er soll weiterkommen, gewiß, für sich, aber damit die Menschheit durch ihn weiterkomme. Das kann man sich wiederum nicht oft genug sagen. Das sollte man hinzufügen zu dem andern, wovon ich gesagt habe, daß man sich es eigentlich an jedem Morgen vorhalten solle.

[ 33 ] It is hard to believe today that much can be done to liberate spiritual life in those regions where people are being trampled underfoot. Therefore, it must be done precisely in those regions that are not currently among those that have been politically, economically, and—of course—soon spiritually trampled. Above all, the realization must take hold that we have truly not yet reached the day when we can say: Things have been going downhill so far, but they will start going uphill again! — No, unless people take action out of the spirit, things will not go uphill, but will continue to go downhill. Humanity today does not live off anything it produces—for production must first be revived under the impulse of the spirit—humanity today lives off reserves, old reserves, and those will be exhausted. And it is childish and naive to believe that one day we will reach the lowest point, and then things will simply get better again, even if we sit idly by. That is not how it works. And one would particularly like such a word as the one just spoken to truly kindle some fire in the souls of those who count themselves among the anthroposophical movement. One hopes that the spirit that has been so strongly at work, especially among those who may have joined this anthroposophical movement, will be overcome by the spirit referred to here. It is certainly true that when an individual joins such a movement, they often want something for themselves, for their soul. They can certainly have that, but only so that they can then place their soul in the service of the whole. They should progress, certainly, for their own sake, but so that humanity may progress through them. One cannot repeat this often enough. This should be added to the other point I mentioned—that one should actually remind oneself of it every morning.

[ 34 ] Wenn man ganz ernst genommen hätte den innersten Impuls dieser Bewegung, wir müßten ja heute weiter sein. Aber vielfach ist dasjenige, was in unseren Kreisen getan wird, nicht eine Zukunftsförderung, sondern oftmals nur Hindernis. Darüber sollten wir viel mit uns selbst zu Rate gehen. Das ist sehr wichtig. Und vor allen Dingen sollen wir durchaus nicht glauben, daß heute nicht die schärfsten gegnerischen Mächte von allen Seiten sich auftun gegenüber demjenigen, was gerade zum Heil der Menschheit angestrebt wird.

[ 34 ] If the innermost impulse of this movement had been taken entirely seriously, we would surely be further along today. But in many cases, what is being done in our circles is not promoting the future, but is often merely an obstacle. We should reflect deeply on this. That is very important. And above all, we must not believe that today the fiercest opposing forces are not rising up from all sides against precisely what is being strived for as the salvation of humanity.

[ 35 ] Ich habe Sie ja hier auf mancherlei hingewiesen von dem, was getan wird in der Welt, um dieser Bewegung zu begegnen, was an Feindseligkeiten dieser Bewegung in den Weg gelegt wird. Ich fühle mich eben verpflichtet, Sie auch mit diesen Dingen bekanntzumachen, damit Sie sehen, daß man eigentlich an keinem Tage sich sagen soll: Da haben wir wiederum das oder jenes widerlegt. - Nichts haben wir widerlegt, weil es bei diesen Gegnerschaften gar nicht darauf ankommt, daß sie die Wahrheit irgendwie vertreten wollen, sondern daß sie sich überhaupt mit der Sache möglichst wenig zu schaffen machen, aber aus allen möglichen Ecken heraus zu Verleumdungen greifen.

[ 35 ] I have, after all, pointed out to you here various things that are being done in the world to counter this movement—the hostilities that are being thrown in its path. I simply feel obligated to make you aware of these things as well, so that you can see that one should never say to oneself: “We’ve refuted this or that again.”—We haven’t refuted anything, because with these opponents, it doesn’t matter at all whether they want to represent the truth in any way; rather, they want to have as little to do with the matter as possible, while resorting to slander from every possible angle.

[ 36 ] Ich möchte eine Stelle aus einem Briefe vorlesen, der dieser Tage eingetroffen ist in Stuttgart von Kristiania aus. Nur eine Stelle möchte ich vorlesen: «Einer unserer anthroposophischen Freunde arbeitet nämlich an einer sogenannten Volkshochschule zu Kristiania mit einem gewissen Schirmer gemeinsam. Dieser Herr Schirmer ist in gewissem Sinn ein sehr tüchtiger Lehrer, aber ist daneben ein fanatischer Rassemensch und ein verschworener Antisemit. Bei einer Volksversammlung, wo drei von uns Vorträge gehalten haben über die Dreigliederung, ist er gegen uns aufgetreten, oder vielmehr gegen die «Kernpunkte Dr. Steiners, obwohl ohne besonderen Erfolg. Der Kerl hat einen gewissen Einfluß in Lehrerkreisen, und er arbeitet von sich aus eigentlich im Sinne der Dreigliederung in der Schule, insofern er die Freiheit und die lebendige Sachlichkeit dem Kinde gegenüber vertritt, und doch arbeitet er gegen die Dreigliederung und Dr. Steiner, aus dem einfachen Grunde, weil er einen Verdacht hegt, daß Dr. Steiner ein Jude ist. Das ist wohl nicht so schlimm. Wir müssen wohl mehr und größeren Widerstand erwarten und überwinden. Aber jetzt hat er seinen Verdacht bestätigt erhalten: Er hat sich an eine «Autoritäp gewendet, nämlich an den Redakteur der politisch anthropologischen Monatsschrift, Berlin-Steglitz. Diese, eine rein antisemitische Zeitschrift, schrieb ihm, Dr. Steiner ist Jude reinsten Wassers. Er ist mit den Zionisten verbunden, eigentlich an sie geknüpft. Und der Redakteur fügt hinzu, daß sie, die Antisemiten, schon lange ihre Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet haben. Herr Schirmer erzählt weiter, daß eine reine Judenverfolgung jetzt im Anfange in Deutschland ist, und daß alle Juden, die jetzt auf der schwarzen Liste stehen der Antisemiten, einfach niedergeschossen werden sollen, oder wie es heißt, unschädlich gemacht werden sollen» und so weiter.

[ 36 ] I would like to read a passage from a letter that arrived in Stuttgart from Kristiania a few days ago. I would like to read just one passage: “One of our anthroposophical friends is working together with a certain Mr. Schirmer at a so-called adult education center in Kristiania. This Mr. Schirmer is, in a certain sense, a very capable teacher, but he is also a fanatical racialist and a die-hard anti-Semite. At a public meeting where three of us gave lectures on the threefold social order, he spoke out against us—or rather, against Dr. Steiner’s “key points”—though without any particular success. The fellow has a certain influence in teaching circles, and in his own way he actually works in the spirit of the threefold order in school, insofar as he advocates freedom and lively objectivity toward the child; and yet he works against the threefold order and Dr. Steiner, for the simple reason that he suspects Dr. Steiner of being Jewish. That is probably not so bad. We must surely expect and overcome more and greater resistance. But now his suspicion has been confirmed: He turned to an “authority,” namely the editor of the *Politisch-Anthropologische Monatsschrift* in Berlin-Steglitz. This purely anti-Semitic journal wrote to him that Dr. Steiner is a Jew through and through. He is connected to the Zionists—in fact, tied to them. And the editor adds that they—the anti-Semites—have long since turned their attention to you. Mr. Schirmer goes on to say that outright persecution of Jews is now in its early stages in Germany, and that all Jews who are currently on the anti-Semites’ blacklist are simply to be shot, or, as they say, ‘rendered harmless,’ and so on.

[ 37 ] Sie sehen, es handelt sich hier natürlich nicht um etwas in irgendeiner Weise Antisemitisches; das ist ja nur ganz eine Äußerlichkeit. Man wählt in solchen Zusammenhängen Schlagworte, mit denen man möglichst viel ausrichten kann bei denjenigen, die auf Schlagworte irgendwie hören. Aber mit solchen Dingen wird eben hingewiesen auf dasjenige, was die meisten Menschen in der Gegenwart nicht sehen wollen, worüber sie sich immer mehr und mehr hinwegtäuschen wollen. Es ist heute durchaus viel ernster, als Sie denken wollen eigentlich, und es handelt sich darum, daß man diesen Ernst der Zeit nicht verkennt, sondern daß man sich klar darüber ist, daß wir uns in bezug auf solche Dinge, die ja entgegenwirken aller, was im Sinne des Menschheitsfortschrittes gewollt wird, erst im Anfange befinden und daß man eigentlich niemals, ohne seine Verantwortlichkeit zu verletzen, das Augenmerk ablenken sollte von all dem, was sich geradezu auftut von der jetzigen Zeit ab als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit, was sich verwirklicht als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit. Das Schlimmste, das heute passieren kann, ist, auf bloße Schlagworte und Phrasen irgendwie hinzuhören, zu glauben, daß dasjenige, was der Wortklang alter Begriffe gibt, daß das heute noch irgendwie wurzelt in menschlichen Realitäten, wenn man nicht eine neue Realität aus den Quellen des Geistigen selbst hervorholt.

[ 37 ] As you can see, this is of course not something anti-Semitic in any way; that is merely a superficial aspect. In such contexts, people choose catchphrases that can have the greatest possible impact on those who are somehow swayed by catchphrases. But such things simply draw attention to what most people today do not want to see—what they are increasingly trying to delude themselves about. The situation today is actually far more serious than you are willing to admit, and the point is not to misjudge the gravity of the times, but to be clear that, with regard to such matters—which, after all, run counter to everything intended in the interest of human progress— are only just beginning, and that one should never—without neglecting one’s responsibility—divert one’s attention from all that is now unfolding in our time as a radically evil force within humanity, which is manifesting itself as a radically evil force within humanity. The worst thing that can happen today is to pay any heed to mere catchphrases and platitudes, to believe that the sound of old terms still somehow has roots in human realities, unless one draws a new reality from the very sources of the spiritual itself.

[ 38 ] Das, meine lieben Freunde, war etwas von dem, was ich Ihnen heute noch sagen wollte, sagen wollte erstens für Sie alle, aber insbesondere für diejenigen, über deren Besuch wir uns hier herzlich gefreut haben, insbesondere sagen wollte unseren englischen Freunden, damit sie aus einer gewissen Erkenntnis heraus, wenn sie jetzt zurückgehen, dort, wo es so wichtig sein wird, ihr Verhalten einrichten. Sie werden gesehen haben, hier wird nicht gesprochen jemandem zuliebe oder jemandem zuleide. Zu schmeicheln irgend jemandem, wird hier nicht gesprochen. Hier wird lediglich gesprochen, um die Wahrheit zu sagen. Ich habe auch Theosophen kennengelernt: Wenn sie sich gerichtet haben an die Angehörigen einer ihnen fremden Nation, dann haben sie angefangen davon zu reden, wie sie es sich zur Ehre anrechnen, innerhalb der großen Nation, die so viel Glorie auf sich gesammelt hat, nun auch die Lehre vom geistigen Leben verbreiten zu können. Aus solchen Untergründen heraus konnte hier nicht zu Ihnen gesprochen werden. Aber ich denke, Sie sind hierhergekommen, um die Wahrheit zu hören, und ich glaube, Ihnen am besten dadurch gedient zu haben, daß ich Ihnen wirklich versucht habe, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Sie werden aus diesen Gegenden hier erfahren haben, daß die Wahrheit zu sagen heute keine bequeme Sache ist, denn die Wahrheit ruft heute mehr als jemals Gegnerschaft hervor. Scheuen Sie sich nicht vor Gegnerschaften, denn es ist heute ein und dasselbe: Gegner zu haben und die Wahrheit zu sagen. Diese Dinge müssen durchschaut werden. Und wir werden uns immer dann am allerbesten verstehen, wenn wir in den Untergründen dieses gegenseitigen Verständnisses auch das haben, ungeschminkt die Wahrheit hören zu wollen.

[ 38 ] That, my dear friends, was part of what I wanted to say to you today—first of all to all of you, but especially to those whose visit we have warmly welcomed here; in particular, I wanted to say this to our English friends, so that, based on a certain understanding, when they return to where it will be so important, they may adjust their conduct accordingly. You will have noticed that here we do not speak to please anyone or to offend anyone. We do not speak here to flatter anyone. Here we speak solely to tell the truth. I have also met Theosophists: when they addressed members of a nation foreign to them, they began by speaking of how they considered it an honor to now be able to spread the teachings of spiritual life within that great nation, which has amassed so much glory. We could not have spoken to you here from such a perspective. But I think you have come here to hear the truth, and I believe I have best served you by truly trying to tell you the unvarnished truth. You will have learned from these parts that telling the truth today is no easy matter, for the truth provokes opposition today more than ever. Do not be afraid of opposition, for today, having opponents and speaking the truth are one and the same. These things must be understood. And we will always understand one another best when, at the very foundation of this mutual understanding, we also have the willingness to hear the truth unvarnished.

[ 39 ] Das ist dasjenige, was ich heute, wo ich zum letztenmal vor meiner Reise nach Deutschland vor Ihnen spreche, noch im allgemeinen und insbesondere auch zu den englischen Freunden habe aussprechen wollen.

[ 39 ] That is what I wanted to say today—as I speak to you for the last time before my trip to Germany—both in general and, in particular, to my English friends.