Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
22 February 1920, Dornach
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Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung
Achtzehnter Vortrag
Achtzehnter Vortrag
[ 1 ] Wenn Sie die Betrachtungen, die wir gestern und vorgestern angestellt haben, noch einmal in Gedanken durchlaufen, dann werden Sie sehen: Zum Wesen des Imperialismus gehört, daß sich in einer Gemeinschaft, die den Imperialismus vertritt, etwas, was vorher eine Art Aufgabe war, eine erklärliche, wenn auch nicht immer berechtigte Aufgabe, mit einem gewissen Automatismus, möchte ich sagen, fortsetzt. Es ist bei geschichtlichen Erscheinungen in der Entwickelung der Menschheit so, daß einfach aus einer gewissen Trägheit heraus Dinge festgehalten werden, die einmal eine Berechtigung gehabt haben oder erklärlich waren, Ursachen gehabt haben, und die dann diese Antriebe eingebüßt haben. Wenn ein Gemeinwesen eine Zeitlang nötig hat, sich zu verteidigen, so ist das gewiß etwas Berechtigtes. Zu dieser Verteidigung werden dann Berufe geschaffen, ein polizeilicher, ein militärischer Beruf. Wenn dann aber die Gefahr nicht mehr vorhanden ist, gegen die man sich verteidigen soll, dann ist der betreffende Berufsstand da; man muß die entsprechenden Menschen weiter haben. Die wollen im Sinne ihres Berufes weiter wirken, und es bildet sich dann etwas heraus, was nicht mehr erklärliche Ursachen in den realen Verhältnissen hat. Es bildet sich dann vielleicht sogar aus dem, was zur Verteidigung da war, etwas heraus, was dann einen aggressiven Charakter hat. Und so ist es eigentlich mit allen Imperialismen, außer dem ursprünglichen Imperialismus des ersten Menschheitsstadiums, von dem ich Ihnen vorgestern gesprochen habe, der ja von vornherein dadurch, daß im Bewußtsein der zugehörigen Menschen der Herrschende der Gott ist, seine Berechtigung, die Herrschaft so weit auszudehnen als möglich, ableiten kann. Bei allen folgenden Imperialismen liegt ja im Grunde genommen schon das vor, daß ein innerer Antrieb, Herrschaft auszubreiten, nicht da sein kann.
[ 1 ] Wenn Sie die Betrachtungen, die wir gestern und vorgestern angestellt haben, noch einmal in Gedanken durchlaufen, dann werden Sie sehen: Zum Wesen des Imperialismus gehört, daß sich in einer Gemeinschaft, die den Imperialismus vertritt, etwas, was vorher eine Art Aufgabe war, eine erklärliche, wenn auch nicht immer berechtigte Aufgabe, mit einem gewissen Automatismus, möchte ich sagen, fortsetzt. Es ist bei geschichtlichen Erscheinungen in der Entwickelung der Menschheit so, daß einfach aus einer gewissen Trägheit heraus Dinge festgehalten werden, die einmal eine Berechtigung gehabt haben oder erklärlich waren, Ursachen gehabt haben, und die dann diese Antriebe eingebüßt haben. Wenn ein Gemeinwesen eine Zeitlang nötig hat, sich zu verteidigen, so ist das gewiß etwas Berechtigtes. Zu dieser Verteidigung werden dann Berufe geschaffen, ein polizeilicher, ein militärischer Beruf. Wenn dann aber die Gefahr nicht mehr vorhanden ist, gegen die man sich verteidigen soll, dann ist der betreffende Berufsstand da; man muß die entsprechenden Menschen weiter haben. Die wollen im Sinne ihres Berufes weiter wirken, und es bildet sich dann etwas heraus, was nicht mehr erklärliche Ursachen in den realen Verhältnissen hat. Es bildet sich dann vielleicht sogar aus dem, was zur Verteidigung da war, etwas heraus, was dann einen aggressiven Charakter hat. Und so ist es eigentlich mit allen Imperialismen, außer dem ursprünglichen Imperialismus des ersten Menschheitsstadiums, von dem ich Ihnen vorgestern gesprochen habe, der ja von vornherein dadurch, daß im Bewußtsein der zugehörigen Menschen der Herrschende der Gott ist, seine Berechtigung, die Herrschaft so weit auszudehnen als möglich, ableiten kann. Bei allen folgenden Imperialismen liegt ja im Grunde genommen schon das vor, daß ein innerer Antrieb, Herrschaft auszubreiten, nicht da sein kann.
[ 2 ] Denn betrachten wir noch einmal von ganz bestimmten Gesichtspunkten aus dasjenige, was eigentlich in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit vorliegt. Da finden wir, daß den ältesten Zeiten, die wir geschichtlich nicht mehr ganz verfolgen können, aber in die noch zurückleuchten diejenigen Tatsachen, die geschichtlich zu verfolgen sind, daß da der Wille desjenigen, der als göttliche Wesenheit angesehen wird, der indiskutable Machtfaktor ist. Es gibt im öffentlichen Leben in solchen Imperialismen im Grunde genommen nichts zu diskutieren; aber diese Unmöglichkeit, zu diskutieren, muß sich eben darauf gründen, daß in der Tat in dem Herrschenden ein Gott in Menschengestalt auf der Erde wandelt. Da ist, wenn ich so sagen darf, für die Ordnung der öffentlichen, sozialen Angelegenheiten ein sicherer, ein fester Boden da.
[ 2 ] Denn betrachten wir noch einmal von ganz bestimmten Gesichtspunkten aus dasjenige, was eigentlich in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit vorliegt. Da finden wir, daß den ältesten Zeiten, die wir geschichtlich nicht mehr ganz verfolgen können, aber in die noch zurückleuchten diejenigen Tatsachen, die geschichtlich zu verfolgen sind, daß da der Wille desjenigen, der als göttliche Wesenheit angesehen wird, der indiskutable Machtfaktor ist. Es gibt im öffentlichen Leben in solchen Imperialismen im Grunde genommen nichts zu diskutieren; aber diese Unmöglichkeit, zu diskutieren, muß sich eben darauf gründen, daß in der Tat in dem Herrschenden ein Gott in Menschengestalt auf der Erde wandelt. Da ist, wenn ich so sagen darf, für die Ordnung der öffentlichen, sozialen Angelegenheiten ein sicherer, ein fester Boden da.
[ 3 ] Nun, allmählich geht dasjenige, was so als ein Festes, auf ein Reales, auf einen göttlich-menschlichen Willen Begründetes ist, in das zweite Stadium über. Im zweiten Stadium ist dasjenige, was hier im physischen Leben beobachtet werden kann, seien es Personen, seien es die Insignien von Personen, seien es die Taten der regierenden oder herrschenden Personen, das alles ist Symbolum, ist Zeichen. Während also im ersten Stadium des Imperialismus hier in der physischen Welt unmittelbar der Geist als daseiend gedacht wird, wird im zweiten Stadium dasjenige, was physisch da ist, als ein Abglanz, als ein Bild, als ein Symbolum desjenigen gedacht, was nicht in der physischen Welt da ist, sondern was sich eben nur durch die Personen, durch die Taten, durch anderes in der physischen Welt verbildlicht.
[ 3 ] Nun, allmählich geht dasjenige, was so als ein Festes, auf ein Reales, auf einen göttlich-menschlichen Willen Begründetes ist, in das zweite Stadium über. Im zweiten Stadium ist dasjenige, was hier im physischen Leben beobachtet werden kann, seien es Personen, seien es die Insignien von Personen, seien es die Taten der regierenden oder herrschenden Personen, das alles ist Symbolum, ist Zeichen. Während also im ersten Stadium des Imperialismus hier in der physischen Welt unmittelbar der Geist als daseiend gedacht wird, wird im zweiten Stadium dasjenige, was physisch da ist, als ein Abglanz, als ein Bild, als ein Symbolum desjenigen gedacht, was nicht in der physischen Welt da ist, sondern was sich eben nur durch die Personen, durch die Taten, durch anderes in der physischen Welt verbildlicht.
[ 4 ] Solche Zeiten, in denen dieses zweite Stadium spielt, sind diejenigen, in denen eigentlich erst einen Sinn bekommt bis in die menschliche Gedankenwelt hinein, soweit öffentliche Angelegenheiten betroffen werden, das Diskutieren. In dem ersten Stadium des Imperialismus kann von dem, was wir heute Recht nennen, eigentlich noch gar nicht gesprochen werden. Es kann auch nicht gesprochen werden von irgendwelchen staatlichen Einrichtungen. Es kann nur gesprochen werden von den Erscheinungen der göttlichen Gewalt durch physische Menschen. Es kann nur davon gesprochen werden, daß in den sozialen Angelegenheiten der konkrete reale Wille der physischen Menschen wirkt. Da hat die Frage, ob dieser Wille berechtigt ist oder nicht, gar keinen Sinn. Er ist eben da. Er muß befolgt werden. Darüber zu diskutieren, ob der Gott in Menschengestalt das tun soll oder nicht tun soll, was er tut, ist sinnlos. Das gab es auch in jenen ältesten Zeiten gar nicht, in denen wirklich die Zustände vorhanden waren, die ich Ihnen für diese ältesten Zeiten geschildert habe. Aber wenn man in den physischen Verhältnissen nur das Bild der geistigen Welt zu sehen hat, wenn man von dem redet, was noch der heilige Augustinus als den Gottesstaat, das heißt den Staat, der auf der Erde hier liegt, der aber ein Abbild ist der himmlischen Tatsachen, der himmlischen Persönlichkeiten, bezeichnet, dann kann der eine die Ansicht haben, das, was durch die das Göttliche abbildende Persönlichkeit geschieht, das ist richtig, das ist ein wirkliches Abbild; der andere kann da widerstreiten und kann sagen: Es ist nicht ein wirkliches Abbild. — Da entsteht erst die Möglichkeit der Diskussion. Der heutige Mensch glaubt, weil er gewohnt ist, alles zu kritisieren, über alles zu diskutieren, Kritisieren und Diskutieren sei in der Menschheitsentwickelung immer vorhanden gewesen. Das ist nicht wahr. Das Diskutieren und Kritisieren ist erst ein Kennzeichen des zweiten Stadiums, das ich Ihnen geschildert habe. Da beginnt auch erst die Möglichkeit, im eigenen Inneren zu urteilen, das heißt, ein Prädikat zu einem Subjekte hinzuzufügen. In den ältesten Ausdrucksformen der Menschen gab es dieses persönliche Urteil überhaupt nicht in bezug auf öffentliche Angelegenheiten. Im zweiten Stadium kann sich erst langsam alles dasjenige vorbereiten, was wir zum Beispiel heute Parlament nennen; denn das Parlament hat nur einen Sinn, wenn diskutiert werden kann über öffentliche Angelegenheiten. So daß also selbst die primitivsten Formen des öffentlichen Diskutierens erst ein Charakteristikon des zweiten Stadiums sind.
[ 4 ] Solche Zeiten, in denen dieses zweite Stadium spielt, sind diejenigen, in denen eigentlich erst einen Sinn bekommt bis in die menschliche Gedankenwelt hinein, soweit öffentliche Angelegenheiten betroffen werden, das Diskutieren. In dem ersten Stadium des Imperialismus kann von dem, was wir heute Recht nennen, eigentlich noch gar nicht gesprochen werden. Es kann auch nicht gesprochen werden von irgendwelchen staatlichen Einrichtungen. Es kann nur gesprochen werden von den Erscheinungen der göttlichen Gewalt durch physische Menschen. Es kann nur davon gesprochen werden, daß in den sozialen Angelegenheiten der konkrete reale Wille der physischen Menschen wirkt. Da hat die Frage, ob dieser Wille berechtigt ist oder nicht, gar keinen Sinn. Er ist eben da. Er muß befolgt werden. Darüber zu diskutieren, ob der Gott in Menschengestalt das tun soll oder nicht tun soll, was er tut, ist sinnlos. Das gab es auch in jenen ältesten Zeiten gar nicht, in denen wirklich die Zustände vorhanden waren, die ich Ihnen für diese ältesten Zeiten geschildert habe. Aber wenn man in den physischen Verhältnissen nur das Bild der geistigen Welt zu sehen hat, wenn man von dem redet, was noch der heilige Augustinus als den Gottesstaat, das heißt den Staat, der auf der Erde hier liegt, der aber ein Abbild ist der himmlischen Tatsachen, der himmlischen Persönlichkeiten, bezeichnet, dann kann der eine die Ansicht haben, das, was durch die das Göttliche abbildende Persönlichkeit geschieht, das ist richtig, das ist ein wirkliches Abbild; der andere kann da widerstreiten und kann sagen: Es ist nicht ein wirkliches Abbild. — Da entsteht erst die Möglichkeit der Diskussion. Der heutige Mensch glaubt, weil er gewohnt ist, alles zu kritisieren, über alles zu diskutieren, Kritisieren und Diskutieren sei in der Menschheitsentwickelung immer vorhanden gewesen. Das ist nicht wahr. Das Diskutieren und Kritisieren ist erst ein Kennzeichen des zweiten Stadiums, das ich Ihnen geschildert habe. Da beginnt auch erst die Möglichkeit, im eigenen Inneren zu urteilen, das heißt, ein Prädikat zu einem Subjekte hinzuzufügen. In den ältesten Ausdrucksformen der Menschen gab es dieses persönliche Urteil überhaupt nicht in bezug auf öffentliche Angelegenheiten. Im zweiten Stadium kann sich erst langsam alles dasjenige vorbereiten, was wir zum Beispiel heute Parlament nennen; denn das Parlament hat nur einen Sinn, wenn diskutiert werden kann über öffentliche Angelegenheiten. So daß also selbst die primitivsten Formen des öffentlichen Diskutierens erst ein Charakteristikon des zweiten Stadiums sind.
[ 5 ] Wir leben heute, insoferne die gerade für westliche Länder charakteristische Form mehr oder weniger sich über die Welt ausbreitet, im dritten Stadium, in jenem dritten Stadium, das ich Ihnen, insofern das Seelenleben in Betracht kommt, als das Stadium der Phrase bezeichnete. Dieses Stadium der Phrase, wie ich es Ihnen gestern charakterisiert habe, ist eben dasjenige, wo auch aus der Diskussion heraus verschwunden ist die innerliche Substanz und wo daher jeder recht haben kann oder wenigstens glaubt, recht haben zu können, wo man ihm auch nicht beweisen kann, daß er unrecht hat, weil im Grunde genommen innerhalb der Welt der Phrase alles behauptet werden kann. Immer aber erhalten sich frühere Stadien in die nächsten Stadien hinein. Dadurch entstehen im Grunde genommen immer erst die inneren Impulse zu den Imperialismen. Die Menschen beobachten die Dinge nur sehr oberflächlich. Wenn der frühere deutsche Kaiser als den Ausdruck seiner Gesinnung in ein Buch, das man auflegte zum Einschreiben, hineinschrieb: Des Königs Wille ist erhabenstes Gesetz — wie er es getan hat, was bedeutet das’? Das bedeutet: Er drückt sich im Zeitalter der Phrase so aus, daß der Ausdruck nur eine Bedeutung für das erste Stadium hat. Im ersten Stadium war es tatsächlich so, daß der Wille des Herrschers oberstes Gesetz war. Der Rechtsbegriff, der immer die Diskussion einschließt, der immer das Advokatorische im Gefolge hat, der ist wesentlich ein Charakteristikon des zweiten Stadiums, und er kann nur in seiner Realität aus dem zweiten Stadium heraus begriffen werden. Wer verfolgt hat, wieviel über Ursprung und Charakter des Rechtes diskutiert worden ist, der hat schon aus diesen Diskussionen entnehmen können, daß in den Rechtsbegriffen als solchen etwas Schillerndes ist, weil man es eben mit dem symbolischen Zeitalter zu tun hat, wo das Geistige durch das Materielle hindurchschillert, schimmert, scheint, so daß, wenn man nur das äußere Zeichen, das auch im Worte, in den Rechtsusancen vorliegen kann, vor sich hat, dann über das Rechte gestritten werden kann, daß überhaupt auch im öffentlichen Leben über Rechte advokatorisch diskutiert werden kann.
[ 5 ] Wir leben heute, insoferne die gerade für westliche Länder charakteristische Form mehr oder weniger sich über die Welt ausbreitet, im dritten Stadium, in jenem dritten Stadium, das ich Ihnen, insofern das Seelenleben in Betracht kommt, als das Stadium der Phrase bezeichnete. Dieses Stadium der Phrase, wie ich es Ihnen gestern charakterisiert habe, ist eben dasjenige, wo auch aus der Diskussion heraus verschwunden ist die innerliche Substanz und wo daher jeder recht haben kann oder wenigstens glaubt, recht haben zu können, wo man ihm auch nicht beweisen kann, daß er unrecht hat, weil im Grunde genommen innerhalb der Welt der Phrase alles behauptet werden kann. Immer aber erhalten sich frühere Stadien in die nächsten Stadien hinein. Dadurch entstehen im Grunde genommen immer erst die inneren Impulse zu den Imperialismen. Die Menschen beobachten die Dinge nur sehr oberflächlich. Wenn der frühere deutsche Kaiser als den Ausdruck seiner Gesinnung in ein Buch, das man auflegte zum Einschreiben, hineinschrieb: Des Königs Wille ist erhabenstes Gesetz — wie er es getan hat, was bedeutet das’? Das bedeutet: Er drückt sich im Zeitalter der Phrase so aus, daß der Ausdruck nur eine Bedeutung für das erste Stadium hat. Im ersten Stadium war es tatsächlich so, daß der Wille des Herrschers oberstes Gesetz war. Der Rechtsbegriff, der immer die Diskussion einschließt, der immer das Advokatorische im Gefolge hat, der ist wesentlich ein Charakteristikon des zweiten Stadiums, und er kann nur in seiner Realität aus dem zweiten Stadium heraus begriffen werden. Wer verfolgt hat, wieviel über Ursprung und Charakter des Rechtes diskutiert worden ist, der hat schon aus diesen Diskussionen entnehmen können, daß in den Rechtsbegriffen als solchen etwas Schillerndes ist, weil man es eben mit dem symbolischen Zeitalter zu tun hat, wo das Geistige durch das Materielle hindurchschillert, schimmert, scheint, so daß, wenn man nur das äußere Zeichen, das auch im Worte, in den Rechtsusancen vorliegen kann, vor sich hat, dann über das Rechte gestritten werden kann, daß überhaupt auch im öffentlichen Leben über Rechte advokatorisch diskutiert werden kann.
[ 6 ] Im Zeitalter der Phrase verliert man aber völlig das Verständnis dafür, wie zur Fixierung überhaupt des Rechtsbegriffes es notwendig ist, daß in den sozialen Verhältnissen die Anschauung herrsche: Es scheint herein das geistige Reich in das physische Reich. Und dann macht man eben solche Definitionen des Rechtes, wie ich sie Ihnen gestern vorgeführt habe durch das Beispiel des Woodrow Wilson. Ich will Ihnen heute eine Definition wörtlich vorlesen, die Woodrow Wilson gegeben hat vom Rechte, und Sie werden sehen, daß sich diese Definition dadurch auszeichnet, daß sie lauter Phrasenhaftes enthält. Ich habe es schon gestern angeführt, ich möchte das heute noch ganz genau anführen. Er sagt: «Das Recht ist der Wille des Staates in bezug auf die bürgerliche Aufführung derjenigen, die unter seiner Autorität stehen.» Also, der Staat entfaltet einen Willen! Man soll sich vorstellen, daß jemand, der sonst sehr stark im abstrakten Idealismus, um nicht zu sagen, im Materialismus — denn das ist ja fast dasselbe, abstrakter Idealismus und Materialismus —, drinnensteht, daß der davon spricht: Das Recht ist der Wille des Staates. — Der Staat also soll einen Willen haben. Man muß von allen Geistern konkreter Anschauung verlassen sein, wenn man überhaupt nur in Versuchung fällt, dergleichen zu sagen oder hinzuschreiben. Es ist dieses eben enthalten in jenem Werke, von dem ich Ihnen schon gestern gesprochen habe, in dem Kodex der Phraseologie: «Der Staat, Elemente historischer und praktischer Politik» von Woodrow Wilson.
[ 6 ] Im Zeitalter der Phrase verliert man aber völlig das Verständnis dafür, wie zur Fixierung überhaupt des Rechtsbegriffes es notwendig ist, daß in den sozialen Verhältnissen die Anschauung herrsche: Es scheint herein das geistige Reich in das physische Reich. Und dann macht man eben solche Definitionen des Rechtes, wie ich sie Ihnen gestern vorgeführt habe durch das Beispiel des Woodrow Wilson. Ich will Ihnen heute eine Definition wörtlich vorlesen, die Woodrow Wilson gegeben hat vom Rechte, und Sie werden sehen, daß sich diese Definition dadurch auszeichnet, daß sie lauter Phrasenhaftes enthält. Ich habe es schon gestern angeführt, ich möchte das heute noch ganz genau anführen. Er sagt: «Das Recht ist der Wille des Staates in bezug auf die bürgerliche Aufführung derjenigen, die unter seiner Autorität stehen.» Also, der Staat entfaltet einen Willen! Man soll sich vorstellen, daß jemand, der sonst sehr stark im abstrakten Idealismus, um nicht zu sagen, im Materialismus — denn das ist ja fast dasselbe, abstrakter Idealismus und Materialismus —, drinnensteht, daß der davon spricht: Das Recht ist der Wille des Staates. — Der Staat also soll einen Willen haben. Man muß von allen Geistern konkreter Anschauung verlassen sein, wenn man überhaupt nur in Versuchung fällt, dergleichen zu sagen oder hinzuschreiben. Es ist dieses eben enthalten in jenem Werke, von dem ich Ihnen schon gestern gesprochen habe, in dem Kodex der Phraseologie: «Der Staat, Elemente historischer und praktischer Politik» von Woodrow Wilson.
[ 7 ] Es stehen allerdings auch andere interessante Sachen darinnen. Auf eine Stelle möchte ich nur in Parenthese einmal Ihre Aufmerksamkeit lenken, da, wo Woodrow Wilson in diesem Buche über das Deutsche Reich spricht, nachdem er entwickelt hat, wie die Bestrebungen zur Begründung dieses Deutschen Reiches nach und nach gekommen sind, bis es zuletzt 1870/71 einer gewissen Rundung zustrebte. Das schildert er abschließend mit folgenden Sätzen: «Den letzten Antrieb zur Erreichung vollständiger nationaler Einigkeit brachte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Die glänzenden Erfolge Preußens in diesem Kampfe, der im Interesse des deutschen Patriotismus gegen französische Unverschämtheit geführt wurde, machte der kühlen Zurückhaltung der Mittelstaaten ihrem großen Nachbarn im Norden gegenüber ein Ende; sie vereinigten sich mit dem übrigen Deutschland, und das Deutsche Reich wurde im Königsschloß zu Versailles am 18. Januar 1871 begründet.»
[ 7 ] Es stehen allerdings auch andere interessante Sachen darinnen. Auf eine Stelle möchte ich nur in Parenthese einmal Ihre Aufmerksamkeit lenken, da, wo Woodrow Wilson in diesem Buche über das Deutsche Reich spricht, nachdem er entwickelt hat, wie die Bestrebungen zur Begründung dieses Deutschen Reiches nach und nach gekommen sind, bis es zuletzt 1870/71 einer gewissen Rundung zustrebte. Das schildert er abschließend mit folgenden Sätzen: «Den letzten Antrieb zur Erreichung vollständiger nationaler Einigkeit brachte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Die glänzenden Erfolge Preußens in diesem Kampfe, der im Interesse des deutschen Patriotismus gegen französische Unverschämtheit geführt wurde, machte der kühlen Zurückhaltung der Mittelstaaten ihrem großen Nachbarn im Norden gegenüber ein Ende; sie vereinigten sich mit dem übrigen Deutschland, und das Deutsche Reich wurde im Königsschloß zu Versailles am 18. Januar 1871 begründet.»
[ 8 ] Das hat allerdings derselbe Mann geschrieben, der dann einige Zeit danach in Versailles sich vereinigt hat mit denjenigen, die dazumal in ihrer «Unverschämtheit» die Veranlassung dazu gegeben haben, daß das Deutsche Reich begründet worden ist. Vieles im heutigen öffentlichen Urteil rührt eben davon her, daß die Menschheit so entsetzlich oberflächlich ist und sich um die Dinge nicht kümmert. Wenn man sich entschließt, aus sachlichen Untergründen heraus zu urteilen, dann nehmen sich die Dinge immer anders aus, als sie heute im öffentlichen Urteil so hinschwimmen und von Tausenden und aber Tausenden von Menschen nachgesprochen werden. Es hätte gar nichts geschadet, damals, als Woodrow Wilson im gloriosen Zug in Paris angekommen ist, gefeiert von allen Seiten, ihm einmal diesen Ausspruch entgegenzuhalten. Das ist dasjenige, worauf gedrungen werden muß, wirklich aus inneren Gründen, daß auf die Tatsachen, das heißt zugleich auf die Wahrheit, wirklich hingewiesen werde.
[ 8 ] Das hat allerdings derselbe Mann geschrieben, der dann einige Zeit danach in Versailles sich vereinigt hat mit denjenigen, die dazumal in ihrer «Unverschämtheit» die Veranlassung dazu gegeben haben, daß das Deutsche Reich begründet worden ist. Vieles im heutigen öffentlichen Urteil rührt eben davon her, daß die Menschheit so entsetzlich oberflächlich ist und sich um die Dinge nicht kümmert. Wenn man sich entschließt, aus sachlichen Untergründen heraus zu urteilen, dann nehmen sich die Dinge immer anders aus, als sie heute im öffentlichen Urteil so hinschwimmen und von Tausenden und aber Tausenden von Menschen nachgesprochen werden. Es hätte gar nichts geschadet, damals, als Woodrow Wilson im gloriosen Zug in Paris angekommen ist, gefeiert von allen Seiten, ihm einmal diesen Ausspruch entgegenzuhalten. Das ist dasjenige, worauf gedrungen werden muß, wirklich aus inneren Gründen, daß auf die Tatsachen, das heißt zugleich auf die Wahrheit, wirklich hingewiesen werde.
[ 9 ] Also im zweiten Stadium haben wir es zu tun mit dem, was zur Diskussion führt, was eigentlich erst den öffentlichen Rechtsbegriff möglich macht. Im dritten Stadium haben wir es zu tun, wie wir gesehen haben, als wesentliche Realität mit dem wirtschaftlichen Leben. Und wir haben gestern gezeigt, wie im Lauf der historischen Entwickelung dieses Zeitalter der Phrase durchaus notwendig ist, damit die Phrase, die nichts mehr enthält, den Menschen die Augen darüber öffnet, wie sie als in einer Realität nur im wirtschaftlichen Leben stehen und wie sie nötig haben, das Geistige, das neue Geistige nun wirklich in der Welt zu verbreiten.
[ 9 ] Also im zweiten Stadium haben wir es zu tun mit dem, was zur Diskussion führt, was eigentlich erst den öffentlichen Rechtsbegriff möglich macht. Im dritten Stadium haben wir es zu tun, wie wir gesehen haben, als wesentliche Realität mit dem wirtschaftlichen Leben. Und wir haben gestern gezeigt, wie im Lauf der historischen Entwickelung dieses Zeitalter der Phrase durchaus notwendig ist, damit die Phrase, die nichts mehr enthält, den Menschen die Augen darüber öffnet, wie sie als in einer Realität nur im wirtschaftlichen Leben stehen und wie sie nötig haben, das Geistige, das neue Geistige nun wirklich in der Welt zu verbreiten.
[ 10 ] Von diesem neuen Geistigen machen sich die Menschen zunächst nur eine sehr spärliche Vorstellung. Und begreiflich ist es daher, daß gerade dieses neue Geistige mit den schärfsten Mißverständnissen heute noch belegt wird. Denn bis in die Untergründe des menschlichen Lebens hinein muß sich dieses neue Geistige geltend machen. Und so sehr der Substanz nach, dem Inhalte nach jene Geheimgesellschaften, von denen ich gestern gesprochen habe, auch nur traditionell bewahren das Alte, so sehr ist die äußere Devise, «Brüder» zu sein, das heißt, die äußeren Klassenschichtungen nicht hineinzutragen in die Logen und auf die einzelnen subjektiven Bekenntnisse nichts zu geben, doch etwas, was in gewissem Sinne — wenn etwas anderes noch, das ich gleich charakterisieren will, hinzukommt — die Zukunft in der richtigen Weise vorbereiten wird.
[ 10 ] Von diesem neuen Geistigen machen sich die Menschen zunächst nur eine sehr spärliche Vorstellung. Und begreiflich ist es daher, daß gerade dieses neue Geistige mit den schärfsten Mißverständnissen heute noch belegt wird. Denn bis in die Untergründe des menschlichen Lebens hinein muß sich dieses neue Geistige geltend machen. Und so sehr der Substanz nach, dem Inhalte nach jene Geheimgesellschaften, von denen ich gestern gesprochen habe, auch nur traditionell bewahren das Alte, so sehr ist die äußere Devise, «Brüder» zu sein, das heißt, die äußeren Klassenschichtungen nicht hineinzutragen in die Logen und auf die einzelnen subjektiven Bekenntnisse nichts zu geben, doch etwas, was in gewissem Sinne — wenn etwas anderes noch, das ich gleich charakterisieren will, hinzukommt — die Zukunft in der richtigen Weise vorbereiten wird.
[ 11 ] Wir sagen heute — ich bitte Sie, auf das ganz besonders zu achten —, nehmen wir etwas ganz Banales, Gewöhnliches: Der Baum ist grün. — Das ist eine Redewendung, die durchaus dem zweiten Stadium menschlicher Entwickelung angehört: Der Baum ist grün. — Vielleicht werden Sie mich am besten verstehen, wenn ich Sie bitte, sich vorzustellen, man soll dasjenige, was man ausdrückt durch das Urteil: Der Baum ist grün —, man soll das malen. Man kann es nicht malen! Man kann nicht malen: Der Baum ist grün. — Man wird irgendeine weiße oder sonstige Fläche haben, wird da grüne Farbe auftragen, aber vom Baume malt man doch nichts! Und wenn man vom Baume etwas malt erst außer dem, was da noch grün ist, so wird das etwas sein, was nur das Objektive stört. Will man malen: Der Baum ist grün —, so malt man eben etwas, was eigentlich ein Totes ist. Die Art und Weise, wie wir Subjekt und Prädikat in unserer Sprache zusammenfügen, die ist im Grunde genommen nur brauchbar für unsere Weltanschauung des Toten, des Unlebendigen. Weil wir noch keine Vorstellung davon haben, wie alles in der Welt lebendig ist und wie wir uns auszudrücken haben gegenüber dem, daß alles lebt und webt, bilden wir solche Urteile wie: Der Baum ist grün —, was eigentlich voraussetzt, daß ein Verhältnis besteht zwischen irgend etwas und der grünen Farbe, während die grüne Farbe selbst das Schöpferische ist, mit die Kraft ist, die da wirkt und lebt. Bis in das Innerste des Seelenlebens hinein wird — das wird allerdings eine lange Zeit in Anspruch nehmen — die Umwandelung des menschlichen Denkens und Empfindens vor sich gehen müssen, und diese Umwandelung wird sich übertragen auf die äußerlichen sozialen Verhältnisse, auf die Beziehungen der Menschen untereinander.
[ 11 ] Wir sagen heute — ich bitte Sie, auf das ganz besonders zu achten —, nehmen wir etwas ganz Banales, Gewöhnliches: Der Baum ist grün. — Das ist eine Redewendung, die durchaus dem zweiten Stadium menschlicher Entwickelung angehört: Der Baum ist grün. — Vielleicht werden Sie mich am besten verstehen, wenn ich Sie bitte, sich vorzustellen, man soll dasjenige, was man ausdrückt durch das Urteil: Der Baum ist grün —, man soll das malen. Man kann es nicht malen! Man kann nicht malen: Der Baum ist grün. — Man wird irgendeine weiße oder sonstige Fläche haben, wird da grüne Farbe auftragen, aber vom Baume malt man doch nichts! Und wenn man vom Baume etwas malt erst außer dem, was da noch grün ist, so wird das etwas sein, was nur das Objektive stört. Will man malen: Der Baum ist grün —, so malt man eben etwas, was eigentlich ein Totes ist. Die Art und Weise, wie wir Subjekt und Prädikat in unserer Sprache zusammenfügen, die ist im Grunde genommen nur brauchbar für unsere Weltanschauung des Toten, des Unlebendigen. Weil wir noch keine Vorstellung davon haben, wie alles in der Welt lebendig ist und wie wir uns auszudrücken haben gegenüber dem, daß alles lebt und webt, bilden wir solche Urteile wie: Der Baum ist grün —, was eigentlich voraussetzt, daß ein Verhältnis besteht zwischen irgend etwas und der grünen Farbe, während die grüne Farbe selbst das Schöpferische ist, mit die Kraft ist, die da wirkt und lebt. Bis in das Innerste des Seelenlebens hinein wird — das wird allerdings eine lange Zeit in Anspruch nehmen — die Umwandelung des menschlichen Denkens und Empfindens vor sich gehen müssen, und diese Umwandelung wird sich übertragen auf die äußerlichen sozialen Verhältnisse, auf die Beziehungen der Menschen untereinander.
[ 12 ] Mit Bezug auf alles das stehen wir heute erst durchaus im Anfange. Aber man muß einsehen, welches die Wege sind, die in dieser Beziehung zum Lichte führen. Ich sagte: Darinnen liegt etwas Bedeutsames, wenn sich Menschen untereinander vereinigen, so daß unter ihnen das subjektive Bekenntnis keine Rolle spielt. — Und verfolgen Sie einmal von diesem Gesichtspunkte aus — aber tun Sie es wirklich einmal in Ihren Gedanken — die Art und Weise, wie gerade in der Anthroposophie geschildert wird. Es wird da gar nicht so geschildert, daß Definitionen, daß gewöhnliche Urteile gegeben werden. Es wird versucht — man muß natürlich damit rechnen, daß die Menschen das als einziges noch gar nicht aufnehmen —, aber es wird im wesentlichen versucht, Bilder zu geben, die Dinge gerade von den verschiedensten Seiten darzustellen, und es ist so ziemlich das Unsinnigste, wenn man etwas, was wirklich im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint ist, auf das bloße Urteil des Ja oder Nein hin festnageln will. Das wollen ja gewiß die Menschen in der Gegenwart noch immer, aber das kann man nicht.
[ 12 ] Mit Bezug auf alles das stehen wir heute erst durchaus im Anfange. Aber man muß einsehen, welches die Wege sind, die in dieser Beziehung zum Lichte führen. Ich sagte: Darinnen liegt etwas Bedeutsames, wenn sich Menschen untereinander vereinigen, so daß unter ihnen das subjektive Bekenntnis keine Rolle spielt. — Und verfolgen Sie einmal von diesem Gesichtspunkte aus — aber tun Sie es wirklich einmal in Ihren Gedanken — die Art und Weise, wie gerade in der Anthroposophie geschildert wird. Es wird da gar nicht so geschildert, daß Definitionen, daß gewöhnliche Urteile gegeben werden. Es wird versucht — man muß natürlich damit rechnen, daß die Menschen das als einziges noch gar nicht aufnehmen —, aber es wird im wesentlichen versucht, Bilder zu geben, die Dinge gerade von den verschiedensten Seiten darzustellen, und es ist so ziemlich das Unsinnigste, wenn man etwas, was wirklich im geisteswissenschaftlichen Sinne gemeint ist, auf das bloße Urteil des Ja oder Nein hin festnageln will. Das wollen ja gewiß die Menschen in der Gegenwart noch immer, aber das kann man nicht.
[ 13 ] Es kommt ja immer wieder und wiederum vor, weil wir aus dem zweiten Stadium herauswachsen, in das dritte Stadium hineinwachsen, daß man irgendwie gefragt wird: Was ist gut für mich, der ich jetzt mit diesen oder jenen Schwierigkeiten im Leben zu kämpfen habe? Man gibt irgendeinen Rat. Aha, sagt der Betreffende, also in dieser oder jener Lage des Lebens muß man dies oder jenes machen. — Es wird generalisiert! Aber die Sache hat nur eine sehr eingeschränkte Bedeutung, denn Urteile, die aus der geistigen Welt heraus gefällt werden, die haben immer nur eine individuelle Bedeutung, sind immer nur für den einzelnen Fall anwendbar. Diese Art zu generalisieren, die wir gewohnt worden sind aus dem zweiten Stadium der menschlichen Entwickelung heraus, die darf sich gar nicht in die Zukunft hinein fortsetzen. Die Menschen sind heute nur so sehr gewöhnt daran, die Dinge der Vergangenheit in die Zukunft hinein fortzusetzen. Abgewöhnen kann man sich, was da in den Seelen verderblich lebt, dadurch, daß man die Dinge eben in ihrer vollen Klarheit überschaut.
[ 13 ] Es kommt ja immer wieder und wiederum vor, weil wir aus dem zweiten Stadium herauswachsen, in das dritte Stadium hineinwachsen, daß man irgendwie gefragt wird: Was ist gut für mich, der ich jetzt mit diesen oder jenen Schwierigkeiten im Leben zu kämpfen habe? Man gibt irgendeinen Rat. Aha, sagt der Betreffende, also in dieser oder jener Lage des Lebens muß man dies oder jenes machen. — Es wird generalisiert! Aber die Sache hat nur eine sehr eingeschränkte Bedeutung, denn Urteile, die aus der geistigen Welt heraus gefällt werden, die haben immer nur eine individuelle Bedeutung, sind immer nur für den einzelnen Fall anwendbar. Diese Art zu generalisieren, die wir gewohnt worden sind aus dem zweiten Stadium der menschlichen Entwickelung heraus, die darf sich gar nicht in die Zukunft hinein fortsetzen. Die Menschen sind heute nur so sehr gewöhnt daran, die Dinge der Vergangenheit in die Zukunft hinein fortzusetzen. Abgewöhnen kann man sich, was da in den Seelen verderblich lebt, dadurch, daß man die Dinge eben in ihrer vollen Klarheit überschaut.
[ 14 ] Ich habe Sie gestern darauf hingewiesen, daß eigentlich die katholische Kirche in vieler Beziehung zurückweist auf das erste Stadium. Sie enthält gewissermaßen etwas wie einen Schein oder Schatten des ersten Stadiums der Menschheitsentwickelung, einen Schein oder Schatten, der sich zuweilen sehr stark zu einer Art seelischen Imperialismus verdichtet hat, wie zum Beispiel im 11. Jahrhundert, als die Mönche von Cluny tatsächlich viel mehr über Europa herrschten, als man denkt. Aus ihnen ging dann der Papst Gregor VII. hervor, der mächtige, imperialistische Papst. Dadurch, daß eigentlich, vermöge der römisch-katholischen Dogmatik, sich der Priester als mehr fühlen muß als der Christus, weil er den Christus zwingen kann, auf dem Altar anwesend zu sein, dadurch ist deutlich bezeugt, daß die Institution der katholischen Kirche im wesentlichen das Schein- und Schattenbild ist desjenigen, was als erstes Stadium der Menschheitsentwickelung in dem urältesten Imperialismus da war.
[ 14 ] Ich habe Sie gestern darauf hingewiesen, daß eigentlich die katholische Kirche in vieler Beziehung zurückweist auf das erste Stadium. Sie enthält gewissermaßen etwas wie einen Schein oder Schatten des ersten Stadiums der Menschheitsentwickelung, einen Schein oder Schatten, der sich zuweilen sehr stark zu einer Art seelischen Imperialismus verdichtet hat, wie zum Beispiel im 11. Jahrhundert, als die Mönche von Cluny tatsächlich viel mehr über Europa herrschten, als man denkt. Aus ihnen ging dann der Papst Gregor VII. hervor, der mächtige, imperialistische Papst. Dadurch, daß eigentlich, vermöge der römisch-katholischen Dogmatik, sich der Priester als mehr fühlen muß als der Christus, weil er den Christus zwingen kann, auf dem Altar anwesend zu sein, dadurch ist deutlich bezeugt, daß die Institution der katholischen Kirche im wesentlichen das Schein- und Schattenbild ist desjenigen, was als erstes Stadium der Menschheitsentwickelung in dem urältesten Imperialismus da war.
[ 15 ] Nun wissen Sie, daß eine große Feindschaft zwischen der katholischen Kirche und allen den Gesellschaften, die die Freimaurerei, eine gewisse Sorte wenigstens von Freimaurerei, zu ihrem Werkzeuge haben, in westlichen Gegenden besteht. Nun würde es ja sehr weit führen, und ich kann dies in diesem Vortrage nicht mehr tun, in den Einzelheiten zu zeigen, wie sich diese Feindschaft nach und nach in der neueren Zeit immer mehr und mehr vergrößert hat. Aber auf das eine kann hingewiesen werden, daß in diesen Geheimgesellschaften schon eines sehr stark lebt, die Ansicht nämlich, daß die katholische Kirche nur das Schattenbild des eigentlich untergegangenen Imperialismus des ersten Stadiums ist. Das ist für diese Geheimgesellschaften eben doch Grundlehre, daß die katholische Kirche das Schattenbild, der stehengebliebene Rest des ersten Stadiums des Imperialismus ist. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hat noch diesen Rahmen benützt, Karl der Große und die Ottonen haben sich von dem Papst krönen lassen, haben den Imperialismus des Seelischen als Salbungsmittel für den Imperialismus der äußeren Welt benützt. Man nahm das, was da war, was aus alten Zeiten geblieben war, und da hinein goß man dasjenige, was das Neue war. So daß man in den Rahmen der ersten Imperialismen die Imperialismen des zweiten Stadiums hineingegossen hat.
[ 15 ] Nun wissen Sie, daß eine große Feindschaft zwischen der katholischen Kirche und allen den Gesellschaften, die die Freimaurerei, eine gewisse Sorte wenigstens von Freimaurerei, zu ihrem Werkzeuge haben, in westlichen Gegenden besteht. Nun würde es ja sehr weit führen, und ich kann dies in diesem Vortrage nicht mehr tun, in den Einzelheiten zu zeigen, wie sich diese Feindschaft nach und nach in der neueren Zeit immer mehr und mehr vergrößert hat. Aber auf das eine kann hingewiesen werden, daß in diesen Geheimgesellschaften schon eines sehr stark lebt, die Ansicht nämlich, daß die katholische Kirche nur das Schattenbild des eigentlich untergegangenen Imperialismus des ersten Stadiums ist. Das ist für diese Geheimgesellschaften eben doch Grundlehre, daß die katholische Kirche das Schattenbild, der stehengebliebene Rest des ersten Stadiums des Imperialismus ist. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hat noch diesen Rahmen benützt, Karl der Große und die Ottonen haben sich von dem Papst krönen lassen, haben den Imperialismus des Seelischen als Salbungsmittel für den Imperialismus der äußeren Welt benützt. Man nahm das, was da war, was aus alten Zeiten geblieben war, und da hinein goß man dasjenige, was das Neue war. So daß man in den Rahmen der ersten Imperialismen die Imperialismen des zweiten Stadiums hineingegossen hat.
[ 16 ] Nun sind wir beim dritten Stadium angelangt, das sich insbesondere in westlichen Gegenden zeigt, beim Wirtschaftsimperialismus. Dieser Wirtschaftsimperialismus, der hat in seinem Hintergrunde, wie gesagt, eine geistige Welt der Geheimgesellschaften, die mit phrasenhafter Symbolik sich sättigt. Aber wenn nun klar das bemerkt wird, daß die äußere Konstitution, die soziale Konstitution der Kirche nur ein Schattenbild von etwas ist, was früher da war und jetzt keine Bedeutung mehr hat, so wird das in bezug auf das zweite Stadium eben nicht durchschaut, und darinnen besteht noch die große Illusion, in der namentlich die Staatsleute der Weststaaten stehen. Es ist ja immerhin bezeichnend, daß Woodrow Wilson von dem «Willen des Staates» sprechen kann. Er würde nicht mehr sprechen von dem Willen der Kirche, aber er spricht von dem Willen des Staates als etwas Selbstverständlichem.
[ 16 ] Nun sind wir beim dritten Stadium angelangt, das sich insbesondere in westlichen Gegenden zeigt, beim Wirtschaftsimperialismus. Dieser Wirtschaftsimperialismus, der hat in seinem Hintergrunde, wie gesagt, eine geistige Welt der Geheimgesellschaften, die mit phrasenhafter Symbolik sich sättigt. Aber wenn nun klar das bemerkt wird, daß die äußere Konstitution, die soziale Konstitution der Kirche nur ein Schattenbild von etwas ist, was früher da war und jetzt keine Bedeutung mehr hat, so wird das in bezug auf das zweite Stadium eben nicht durchschaut, und darinnen besteht noch die große Illusion, in der namentlich die Staatsleute der Weststaaten stehen. Es ist ja immerhin bezeichnend, daß Woodrow Wilson von dem «Willen des Staates» sprechen kann. Er würde nicht mehr sprechen von dem Willen der Kirche, aber er spricht von dem Willen des Staates als etwas Selbstverständlichem.
[ 17 ] Nun hat der Staat als der Träger des Rechtes, indem er als eine Totalität genommen wird, als eine Ganzheit genommen wird, nur im zweiten Stadium der Menschheitsentwickelung die Bedeutung, die ihm beigelegt wird, gehabt. Während in den ältesten Zeiten die Kirche alles war, beziehungsweise das, woraus die Kirche geworden ist, alles war, war in dem zweiten Stadium das alles, woraus der Staat geworden ist. Für die Kirche bemerkt man die Sache, insbesondere in den Geheimgesellschaften; für den Staat bemerkt man es nicht, will es nicht bemerken. In den Staat wird vorläufig so hineingegossen, wie im Mittelalter in die Kirche hineingegossen wurde dasjenige, was neu war; in den Staat wird hineingegossen dasjenige, was sich etwa vereinigt hat unter einem gewissen Freiheitsbegriff. In den Staat wurde hineingegossen der ganze wirtschaftliche Imperialismus Großbritanniens. Und diejenigen, die brav aufgezogen werden in Großbritannien, sehen in dem Staat etwas Selbstverständliches, etwas, dem sie ganz gut irgendeinen Willen zuschreiben können.
[ 17 ] Nun hat der Staat als der Träger des Rechtes, indem er als eine Totalität genommen wird, als eine Ganzheit genommen wird, nur im zweiten Stadium der Menschheitsentwickelung die Bedeutung, die ihm beigelegt wird, gehabt. Während in den ältesten Zeiten die Kirche alles war, beziehungsweise das, woraus die Kirche geworden ist, alles war, war in dem zweiten Stadium das alles, woraus der Staat geworden ist. Für die Kirche bemerkt man die Sache, insbesondere in den Geheimgesellschaften; für den Staat bemerkt man es nicht, will es nicht bemerken. In den Staat wird vorläufig so hineingegossen, wie im Mittelalter in die Kirche hineingegossen wurde dasjenige, was neu war; in den Staat wird hineingegossen dasjenige, was sich etwa vereinigt hat unter einem gewissen Freiheitsbegriff. In den Staat wurde hineingegossen der ganze wirtschaftliche Imperialismus Großbritanniens. Und diejenigen, die brav aufgezogen werden in Großbritannien, sehen in dem Staat etwas Selbstverständliches, etwas, dem sie ganz gut irgendeinen Willen zuschreiben können.
[ 18 ] Das aber muß eben gerade durchschaut werden, daß diese Art des Staatsbegriffes denselben Weg nehmen muß, den der Kirchenbegriff genommen hat. Man muß erkennen: Wenn man für die Gesamtheit des sozialen Organismus diesen Staatsbegriff beibehält, der eine bloße Rechtsinstitution ist, und alles andere in diese Rechtsinstitution hineinpreßt, dann pflanzt man eben Schatten so fort, wie man in der Kirche — jetzt schon bewußterweise für die Geheimgesellschaften — einen Schatten fortgepflanzt hat. Aber davon ist noch wenig Bewußtsein vorhanden. Denn denken Sie doch nur einmal, daß so ziemlich alles, was heute die Menschen begeistert in öffentlichen Angelegenheiten, in den Staatsbegriff hineingepreßt wird. Da sind Menschen, die sind Nationalisten, Chauvinisten und so weiter, alles was man nennt Nation, national, Chauvinismus, das wird dem Rahmen Staat einverleibt! Da preßt man hinein den Nationalismus und konstruiert den Begriff Nationalstaat. Oder man hat gewisse Anschauungen über, sagen wir, Sozialismus, meinetwillen ganz radikalen Sozialismus: Man nimmt den Rahmen des Staates! Statt daß man den Nationalismus hineinprefßt, preßt man nun eben den Sozialismus hinein. Aber davon hat man keinen Begriff, daß das nur noch ein Schattengebilde werden muß, wie die Konstitution der Kirche ein Schattenbegriff geworden ist.
[ 18 ] Das aber muß eben gerade durchschaut werden, daß diese Art des Staatsbegriffes denselben Weg nehmen muß, den der Kirchenbegriff genommen hat. Man muß erkennen: Wenn man für die Gesamtheit des sozialen Organismus diesen Staatsbegriff beibehält, der eine bloße Rechtsinstitution ist, und alles andere in diese Rechtsinstitution hineinpreßt, dann pflanzt man eben Schatten so fort, wie man in der Kirche — jetzt schon bewußterweise für die Geheimgesellschaften — einen Schatten fortgepflanzt hat. Aber davon ist noch wenig Bewußtsein vorhanden. Denn denken Sie doch nur einmal, daß so ziemlich alles, was heute die Menschen begeistert in öffentlichen Angelegenheiten, in den Staatsbegriff hineingepreßt wird. Da sind Menschen, die sind Nationalisten, Chauvinisten und so weiter, alles was man nennt Nation, national, Chauvinismus, das wird dem Rahmen Staat einverleibt! Da preßt man hinein den Nationalismus und konstruiert den Begriff Nationalstaat. Oder man hat gewisse Anschauungen über, sagen wir, Sozialismus, meinetwillen ganz radikalen Sozialismus: Man nimmt den Rahmen des Staates! Statt daß man den Nationalismus hineinprefßt, preßt man nun eben den Sozialismus hinein. Aber davon hat man keinen Begriff, daß das nur noch ein Schattengebilde werden muß, wie die Konstitution der Kirche ein Schattenbegriff geworden ist.
[ 19 ] Man hat in einzelnen protestantischen Kreisen den Begriff bekommen, daß die Kirche nur eine äußerliche Institution ist, daß das Wesen des Religiösen im Herzen des Menschen wurzeln muß. Dieses Stadium der menschlichen Entwickelung ist für den Staatsbegriff noch gar nicht da, sonst würde man nicht alle möglichen Nationalismen in die durch die letzten kriegerischen Ereignisse bewirkten europäischen Abgrenzungen, Staatsabgrenzungen hineinpressen wollen. Alle diese Dinge rechnen mit einem nicht. Sie rechnen nicht mit der Tatsache, daß dasjenige, was in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit sich vollzieht, Leben ist und nicht Mechanismus. Und zum Leben gehört, daß es entsteht und vergeht. Zur imperialistischen Auffassung gehört aber etwas anderes. Es gehört dazu, daß man sich über die Zukunft keine Gedanken macht. Das gehört überhaupt zu der Auffassung der öffentlichen Angelegenheiten der Menschen der Gegenwart, daß sie sich über die Zukunft nicht lebendige Gedanken machen, sondern tote Gedanken. Sie denken: Heute richten wir irgend etwas ein, das ist dann gut, das muß dann ewig bleiben. So denkt die Frauenbewegung, so denkt der Sozialismus, so denkt der Nationalismus: Wir begründen irgend etwas, das fängt an mit uns; man hat auf uns gewartet, bis wir so gescheit geworden sind. Aber jetzt haben wir für alle Ewigkeit das Gescheiteste herausgefunden, das wird nun in alle Ewigkeiten bestehen. — Der Gedanke ist ungefähr so, als wenn ich mir einen Jungen herangezogen habe bis zu seinem achtzehnten Jahr und sage: Jetzt habe ich ihn ordentlich aufgezogen, jetzt bleibt er so, wie er ist. — Er wird aber älter werden, und er wird auch sterben, und so ist es mit allem, was in der menschlichen Entwickelung entsteht.
[ 19 ] Man hat in einzelnen protestantischen Kreisen den Begriff bekommen, daß die Kirche nur eine äußerliche Institution ist, daß das Wesen des Religiösen im Herzen des Menschen wurzeln muß. Dieses Stadium der menschlichen Entwickelung ist für den Staatsbegriff noch gar nicht da, sonst würde man nicht alle möglichen Nationalismen in die durch die letzten kriegerischen Ereignisse bewirkten europäischen Abgrenzungen, Staatsabgrenzungen hineinpressen wollen. Alle diese Dinge rechnen mit einem nicht. Sie rechnen nicht mit der Tatsache, daß dasjenige, was in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit sich vollzieht, Leben ist und nicht Mechanismus. Und zum Leben gehört, daß es entsteht und vergeht. Zur imperialistischen Auffassung gehört aber etwas anderes. Es gehört dazu, daß man sich über die Zukunft keine Gedanken macht. Das gehört überhaupt zu der Auffassung der öffentlichen Angelegenheiten der Menschen der Gegenwart, daß sie sich über die Zukunft nicht lebendige Gedanken machen, sondern tote Gedanken. Sie denken: Heute richten wir irgend etwas ein, das ist dann gut, das muß dann ewig bleiben. So denkt die Frauenbewegung, so denkt der Sozialismus, so denkt der Nationalismus: Wir begründen irgend etwas, das fängt an mit uns; man hat auf uns gewartet, bis wir so gescheit geworden sind. Aber jetzt haben wir für alle Ewigkeit das Gescheiteste herausgefunden, das wird nun in alle Ewigkeiten bestehen. — Der Gedanke ist ungefähr so, als wenn ich mir einen Jungen herangezogen habe bis zu seinem achtzehnten Jahr und sage: Jetzt habe ich ihn ordentlich aufgezogen, jetzt bleibt er so, wie er ist. — Er wird aber älter werden, und er wird auch sterben, und so ist es mit allem, was in der menschlichen Entwickelung entsteht.
[ 20 ] Jetzt komme ich zu dem, was ich vorhin erwähnt habe, was hinzukommen muß zu dem Prinzip der Gleichgültigkeit gegenüber dem subjektiven Bekenntnis oder der menschlichen Bruderliebe. Was hinzukommen muß, ist die lebendige Anschauung, die für dieses Erdenleben auch mit dem Tod rechnet, die sich bewußt wird: Wir machen in der Gegenwart Institutionen, die notwendigerweise auch untergehen müssen, weil sie schon das Todesprinzip in sich tragen, die gar nicht wollen einen ewigen Bestand haben, die gar nicht daran denken, etwas Bleibendes zu sein.
[ 20 ] Jetzt komme ich zu dem, was ich vorhin erwähnt habe, was hinzukommen muß zu dem Prinzip der Gleichgültigkeit gegenüber dem subjektiven Bekenntnis oder der menschlichen Bruderliebe. Was hinzukommen muß, ist die lebendige Anschauung, die für dieses Erdenleben auch mit dem Tod rechnet, die sich bewußt wird: Wir machen in der Gegenwart Institutionen, die notwendigerweise auch untergehen müssen, weil sie schon das Todesprinzip in sich tragen, die gar nicht wollen einen ewigen Bestand haben, die gar nicht daran denken, etwas Bleibendes zu sein.
[ 21 ] Wodurch kann denn aber so etwas realisiert werden ? Ja, unter dem Einfluß der Denkweise aus dem zweiten Stadium wird das niemals realisiert werden. Aber wenn jenes Schamgefühl eintreten wird, von dem ich gestern gesprochen habe, wenn man erkennen wird: Wir leben im Reich der Phrase, unter dem das bloße Wirtschaftsleben, der bloße wirtschaftliche Imperialismus glimmt —, dann wird man rufen nach dem Geiste, der unsichtbar, aber in der Wirklichkeit waltet. Man wird rufen nach einer solchen Erkenntnis des Geistigen, die vom Geistigen als einem unsichtbaren Reiche spricht, als einem Reiche, das nicht von dieser Welt ist, in dem daher wirklich der Christus-Impuls Platz greifen kann. Man wird rufen nach der Erkenntnis von einem solchen Reiche.
[ 21 ] Wodurch kann denn aber so etwas realisiert werden ? Ja, unter dem Einfluß der Denkweise aus dem zweiten Stadium wird das niemals realisiert werden. Aber wenn jenes Schamgefühl eintreten wird, von dem ich gestern gesprochen habe, wenn man erkennen wird: Wir leben im Reich der Phrase, unter dem das bloße Wirtschaftsleben, der bloße wirtschaftliche Imperialismus glimmt —, dann wird man rufen nach dem Geiste, der unsichtbar, aber in der Wirklichkeit waltet. Man wird rufen nach einer solchen Erkenntnis des Geistigen, die vom Geistigen als einem unsichtbaren Reiche spricht, als einem Reiche, das nicht von dieser Welt ist, in dem daher wirklich der Christus-Impuls Platz greifen kann. Man wird rufen nach der Erkenntnis von einem solchen Reiche.
[ 22 ] Das kann nur sein, wenn die soziale Ordnung dreigegliedert ist: das wirtschaftliche Leben für sich verwaltet wird, das rechtliche Leben nicht mehr der absolute, alles umfassende Staatsbegriff ist, sondern eben Staat ist nur alles dasjenige, was wirklich dem Rechte unterworfen ist, und das Geistesleben wirklich frei ist, das heißt, sich hier in der Wirklichkeit als ein wirkliches Geistesleben ausgestalten kann. Geist kann unter den Menschen nur walten, wenn der Geist von nichts anderem als von sich selber abhängig ist und wenn alle Institutionen, die den Geist zu pflegen haben, von nichts anderem als von sich selber abhängig sind.
[ 22 ] Das kann nur sein, wenn die soziale Ordnung dreigegliedert ist: das wirtschaftliche Leben für sich verwaltet wird, das rechtliche Leben nicht mehr der absolute, alles umfassende Staatsbegriff ist, sondern eben Staat ist nur alles dasjenige, was wirklich dem Rechte unterworfen ist, und das Geistesleben wirklich frei ist, das heißt, sich hier in der Wirklichkeit als ein wirkliches Geistesleben ausgestalten kann. Geist kann unter den Menschen nur walten, wenn der Geist von nichts anderem als von sich selber abhängig ist und wenn alle Institutionen, die den Geist zu pflegen haben, von nichts anderem als von sich selber abhängig sind.
[ 23 ] Was haben wir dann, wenn wir diesen dreigegliederten Organismus haben, den sozialen Organismus haben? Dann haben wir ein wirtschaftliches Leben. Das ist ganz gewiß so geartet, wie der ursprüngliche Imperialismus geartet war. Es ist alles, was in ihm waltet, auch innerhalb des Lebens der physischen Erde da. In diesem wirtschaftlichen Gliedorganismus müssen wirklich die verwaltenden Kräfte aus dem Wirtschaftsleben selbst herausgenommen werden. Ich glaube wenigstens nicht, daß dann irgend jemand der Meinung sein werde, wenn dieser wirtschaftliche Organismus so organisiert ist, wie es in meinen «Kernpunkten» geschildert ist, daß irgendein Übersinnliches in das unmittelbare Wirtschaftsleben hereingreift. Wenn wir essen, wenn wir Essen zubereiten, wenn wir Kleider zubereiten, so ist alles Wirklichkeit; die Ästhetik daran mag Symbol sein, aber das Kleid ist Wirklichkeit.
[ 23 ] Was haben wir dann, wenn wir diesen dreigegliederten Organismus haben, den sozialen Organismus haben? Dann haben wir ein wirtschaftliches Leben. Das ist ganz gewiß so geartet, wie der ursprüngliche Imperialismus geartet war. Es ist alles, was in ihm waltet, auch innerhalb des Lebens der physischen Erde da. In diesem wirtschaftlichen Gliedorganismus müssen wirklich die verwaltenden Kräfte aus dem Wirtschaftsleben selbst herausgenommen werden. Ich glaube wenigstens nicht, daß dann irgend jemand der Meinung sein werde, wenn dieser wirtschaftliche Organismus so organisiert ist, wie es in meinen «Kernpunkten» geschildert ist, daß irgendein Übersinnliches in das unmittelbare Wirtschaftsleben hereingreift. Wenn wir essen, wenn wir Essen zubereiten, wenn wir Kleider zubereiten, so ist alles Wirklichkeit; die Ästhetik daran mag Symbol sein, aber das Kleid ist Wirklichkeit.
[ 24 ] Wenn wir dann das zweite Glied des sozialen Organismus uns ansehen, so haben wir allerdings für die Zukunft nicht eine solche Symbolik, wie die war des zweiten Stadiums der Menschheitsentwickelung, wo der Staat, das verkörperte Recht, eine Totalität war, aber wir haben in all dem, was in dem einen Menschen zutage tritt, eine Abbildung desjenigen, was in dem andern Menschen lebt. Wir haben aus der gegenwärtigen Zeit heraus die Symbolik neu aufgebaut. Was der eine Mensch tut, wird immer ein Zeichen sein für die ganze Art der sozialen Rechtskonstitution, die sich aufbaut.
[ 24 ] Wenn wir dann das zweite Glied des sozialen Organismus uns ansehen, so haben wir allerdings für die Zukunft nicht eine solche Symbolik, wie die war des zweiten Stadiums der Menschheitsentwickelung, wo der Staat, das verkörperte Recht, eine Totalität war, aber wir haben in all dem, was in dem einen Menschen zutage tritt, eine Abbildung desjenigen, was in dem andern Menschen lebt. Wir haben aus der gegenwärtigen Zeit heraus die Symbolik neu aufgebaut. Was der eine Mensch tut, wird immer ein Zeichen sein für die ganze Art der sozialen Rechtskonstitution, die sich aufbaut.
[ 25 ] Und das dritte wird nicht Zeichen und nicht Phrase sein, sondern es wird geistige Wirklichkeit sein. Der Geist wird die Möglichkeit haben, unter den Menschen wirklich zu leben.
[ 25 ] Und das dritte wird nicht Zeichen und nicht Phrase sein, sondern es wird geistige Wirklichkeit sein. Der Geist wird die Möglichkeit haben, unter den Menschen wirklich zu leben.
[ 26 ] So wird die innere soziale Ordnung erst aufgebaut werden können, wenn man wirklich übergeht zur inneren Wahrhaftigkeit. Das aber wird im Zeitalter der Phrase ganz besonders schwer. Denn im Zeitalter der Phrase gewöhnen sich die Menschen zwar eine gewisse raffinierte Gescheitheit an, aber diese raffinierte Gescheitheit ist eigentlich im wesentlichen nichts anderes als ein Spiel mit den Wortrepräsentanten alter Begriffe. Denken Sie doch nur einmal an das charakteristische Beispiel, plötzlich tauchte es aus Phrasenimperialismus heraus auf, daß es gut wäre, wenn der König oder die Königin von England auch den Titel «Kaiser von Indien» erhielte. Es hat sich absolut nichts geändert. Man kann selbstverständlich die schönsten Gründe finden für diese Betitelung «Kaiserin von Indien» oder «Kaiser von Indien». Aber denken Sie sich, das wäre nicht gemacht worden — es wäre gar nichts anders verlaufen! Der Kaiser von Österreich, der ja jetzt auch zu den Davongejagten gehört, der trug bis zu seiner Davonjagung neben seinen andern vielen Titeln einen ganz merkwürdigen Titel. Da war — was weiß ich — Franz Joseph I. Kaiser von Österreich, apostolischer König von Ungarn, König von Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien, Galizien, Lodomerien, Illyrien und so weiter. Unter diesen vielen Titeln stand auch «König von Jerusalem»! Der österreichische Kaiser führte — bis er nicht mehr Kaiser war — den Titel König von Jerusalem. Das war noch von den Kreuzzügen her. Man kann doch auf keine schönere Art beweisen, welche Rolle das Nichtssagende spielt. Und dieses Nichtssagende spielt schließlich eine viel größere Rolle, als Sie eigentlich meinen.
[ 26 ] So wird die innere soziale Ordnung erst aufgebaut werden können, wenn man wirklich übergeht zur inneren Wahrhaftigkeit. Das aber wird im Zeitalter der Phrase ganz besonders schwer. Denn im Zeitalter der Phrase gewöhnen sich die Menschen zwar eine gewisse raffinierte Gescheitheit an, aber diese raffinierte Gescheitheit ist eigentlich im wesentlichen nichts anderes als ein Spiel mit den Wortrepräsentanten alter Begriffe. Denken Sie doch nur einmal an das charakteristische Beispiel, plötzlich tauchte es aus Phrasenimperialismus heraus auf, daß es gut wäre, wenn der König oder die Königin von England auch den Titel «Kaiser von Indien» erhielte. Es hat sich absolut nichts geändert. Man kann selbstverständlich die schönsten Gründe finden für diese Betitelung «Kaiserin von Indien» oder «Kaiser von Indien». Aber denken Sie sich, das wäre nicht gemacht worden — es wäre gar nichts anders verlaufen! Der Kaiser von Österreich, der ja jetzt auch zu den Davongejagten gehört, der trug bis zu seiner Davonjagung neben seinen andern vielen Titeln einen ganz merkwürdigen Titel. Da war — was weiß ich — Franz Joseph I. Kaiser von Österreich, apostolischer König von Ungarn, König von Böhmen, Dalmatien, Kroatien, Slowenien, Galizien, Lodomerien, Illyrien und so weiter. Unter diesen vielen Titeln stand auch «König von Jerusalem»! Der österreichische Kaiser führte — bis er nicht mehr Kaiser war — den Titel König von Jerusalem. Das war noch von den Kreuzzügen her. Man kann doch auf keine schönere Art beweisen, welche Rolle das Nichtssagende spielt. Und dieses Nichtssagende spielt schließlich eine viel größere Rolle, als Sie eigentlich meinen.
[ 27 ] Also es handelt sich darum, daß man wirklich aufsteigt zu dieser Erkenntnis des Phrasenhaften in der Gegenwart. Und das ist dadurch erschwert, daß eben derjenige, der in der Phrase lebt, bloß die Wortrepräsentanten alter Begriffe in seinem Gehirn herumkollert und glaubt zu denken. Aber man kann nur wirklich zum Denken wieder kommen, wenn man das innere Seelenleben mit Substanz durchdringt, und die kann nur aus der Erkenntnis der geistigen Welt, dem spirituellen Leben kommen. Nur durch dieses Sichdurchdringen mit dem spirituellen Leben kann der Mensch wiederum ein vollinhaltlicher Mensch werden, nachdem er ein Phrasendarm, ein Phrasengedärme geworden ist, das ausgeleert ist, das sich mit Worthülsen zufrieden gibt.
[ 27 ] Also es handelt sich darum, daß man wirklich aufsteigt zu dieser Erkenntnis des Phrasenhaften in der Gegenwart. Und das ist dadurch erschwert, daß eben derjenige, der in der Phrase lebt, bloß die Wortrepräsentanten alter Begriffe in seinem Gehirn herumkollert und glaubt zu denken. Aber man kann nur wirklich zum Denken wieder kommen, wenn man das innere Seelenleben mit Substanz durchdringt, und die kann nur aus der Erkenntnis der geistigen Welt, dem spirituellen Leben kommen. Nur durch dieses Sichdurchdringen mit dem spirituellen Leben kann der Mensch wiederum ein vollinhaltlicher Mensch werden, nachdem er ein Phrasendarm, ein Phrasengedärme geworden ist, das ausgeleert ist, das sich mit Worthülsen zufrieden gibt.
[ 28 ] Aus diesem, was ich gestern schon andeutete als ein Schamgefühl, wird der Ruf nach dem Geistigen entstehen. Und die Möglichkeit, daß Geistiges sich verbreite, wird nicht anders kommen als dadurch, daß das geistige Leben selbständig sich entwickelt. Sonst muß man immer in kleine Löchelchen hineinarbeiten, wie wir es bei der Waldorfschule machen mußten, weil das württembergische Schulgesetz eben noch dieses eine Loch gehabt hat, daß es möglich war, eine Waldorfschule einzurichten bloß nach geistigen Gesetzen, nach geistigen Prinzipien, das fast auf keinem andern Fleck der Erde jetzt möglich wäre. Aber man kann ja dasjenige, was mit dem Geistesleben zusammenhängt, nur wirklich aus dem Geiste einrichten, wenn die andern beiden Glieder des sozialen Organismus nicht hineinsprechen, wenn wirklich nur aus dem Geistigen heraus die Dinge geholt werden.
[ 28 ] Aus diesem, was ich gestern schon andeutete als ein Schamgefühl, wird der Ruf nach dem Geistigen entstehen. Und die Möglichkeit, daß Geistiges sich verbreite, wird nicht anders kommen als dadurch, daß das geistige Leben selbständig sich entwickelt. Sonst muß man immer in kleine Löchelchen hineinarbeiten, wie wir es bei der Waldorfschule machen mußten, weil das württembergische Schulgesetz eben noch dieses eine Loch gehabt hat, daß es möglich war, eine Waldorfschule einzurichten bloß nach geistigen Gesetzen, nach geistigen Prinzipien, das fast auf keinem andern Fleck der Erde jetzt möglich wäre. Aber man kann ja dasjenige, was mit dem Geistesleben zusammenhängt, nur wirklich aus dem Geiste einrichten, wenn die andern beiden Glieder des sozialen Organismus nicht hineinsprechen, wenn wirklich nur aus dem Geistigen heraus die Dinge geholt werden.
[ 29 ] Vorläufig geht die Tendenz des Zeitalters ganz dawider. Aber diese Tendenz des Zeitalters wird niemals damit rechnen, daß tatsächlich mit jeder neuen Generation immer mehr und mehr auf der Erde ein neues Geistesleben erscheinen wird. Ganz gleichgültig, ob man heute einen absolutistischen Staat oder eine Räterepublik errichtet: Würde man mit solchen Einrichtungen fortfahren ohne das Bewußtsein, daß alles, was entsteht, dem Leben unterworfen ist und sich fortwährend umwandeln muß, auch durch Tode gehen muß, neue Gestalten, Metamorphosen durchmachen muß, dann würde man nichts anderes vorbereiten, als daß jedesmal die nächste Generation revolutionär wird, denn man würde ja nur für die Gegenwart, das, was man für die Gegenwart gut hält, dem sozialen Organismus einverleiben. Zu den Grundsätzen, welche in westlichen Gegenden noch sehr in die Phrase hineingeheimnißt sind, muß der kommen, den sozialen Organismus als ein Lebendiges anzusehen. Man sieht ihn als ein Lebendiges nur an, wenn man ihn in seiner Dreigliedrigkeit durchschaut. Daher liegt es gerade in der starken, in der furchtbaren, in der intensiven Verantwortlichkeit derjenigen, die durch die wirtschaftliche Begünstigung heute einen Imperialismus nahezu über die ganze Welt ausdehnen, sich bewußt zu werden, daß in diesen Imperialismus hineingegossen werden muß die Pflege eines wahren Geisteslebens. Als Hohn muß es empfunden werden, daß auf den Britischen Inseln ein Wirtschaftsreich über die ganze Welt gegründet wird und daß man dann, wenn man besonders tief mystische Geistigkeit will, zu denjenigen geht, die man wirtschaftlich erobert hat, die man wirtschaftlich ausbeutet, und diese Geistigkeit von ihnen nimmt. Man hat die Verpflichtung, von sich aus geistige Substanz in die äußere Gestalt des sozialen Organismus hineinfließen zu lassen.
[ 29 ] Vorläufig geht die Tendenz des Zeitalters ganz dawider. Aber diese Tendenz des Zeitalters wird niemals damit rechnen, daß tatsächlich mit jeder neuen Generation immer mehr und mehr auf der Erde ein neues Geistesleben erscheinen wird. Ganz gleichgültig, ob man heute einen absolutistischen Staat oder eine Räterepublik errichtet: Würde man mit solchen Einrichtungen fortfahren ohne das Bewußtsein, daß alles, was entsteht, dem Leben unterworfen ist und sich fortwährend umwandeln muß, auch durch Tode gehen muß, neue Gestalten, Metamorphosen durchmachen muß, dann würde man nichts anderes vorbereiten, als daß jedesmal die nächste Generation revolutionär wird, denn man würde ja nur für die Gegenwart, das, was man für die Gegenwart gut hält, dem sozialen Organismus einverleiben. Zu den Grundsätzen, welche in westlichen Gegenden noch sehr in die Phrase hineingeheimnißt sind, muß der kommen, den sozialen Organismus als ein Lebendiges anzusehen. Man sieht ihn als ein Lebendiges nur an, wenn man ihn in seiner Dreigliedrigkeit durchschaut. Daher liegt es gerade in der starken, in der furchtbaren, in der intensiven Verantwortlichkeit derjenigen, die durch die wirtschaftliche Begünstigung heute einen Imperialismus nahezu über die ganze Welt ausdehnen, sich bewußt zu werden, daß in diesen Imperialismus hineingegossen werden muß die Pflege eines wahren Geisteslebens. Als Hohn muß es empfunden werden, daß auf den Britischen Inseln ein Wirtschaftsreich über die ganze Welt gegründet wird und daß man dann, wenn man besonders tief mystische Geistigkeit will, zu denjenigen geht, die man wirtschaftlich erobert hat, die man wirtschaftlich ausbeutet, und diese Geistigkeit von ihnen nimmt. Man hat die Verpflichtung, von sich aus geistige Substanz in die äußere Gestalt des sozialen Organismus hineinfließen zu lassen.
[ 30 ] Das ist das Bewußtsein, von dem ich glaube, daß es unsere britischen Freunde von hier aus mitnehmen müßten, das Bewußtsein, daß jetzt in diesem welthistorischen großen Augenblicke bei all denen, die hinzugehören zu Weltorganismen, in denen die englische Sprache gesprochen wird, die Verantwortlichkeit vorhanden ist, in das äußere Wirtschaftsimperium wirkliche Spiritualität hineinzubringen. Denn es gibt da nur ein Entweder-Oder: Entweder es bleibt das Bestreben im bloßen Wirtschaftsimperium, dann ist der sichere Untergang der irdischen Zivilisation die notwendige Folge — oder es wird Geist in dieses Wirtschaftsimperium hineingegossen, dann wird dasjenige erreicht, was mit der Erdenentwickelung eigentlich beabsichtigt war. Ich möchte sagen: Jeden Morgen sollte man sich das in ganz ernsthaftiger Weise vorhalten, und alle einzelnen Handlungen sollte man im Sinne dieses Impulses einrichten. Die Weltenstunde schlägt durchaus ernst in der Gegenwart. In furchtbarer Weise schlägt diese Weltenstunde ernst. Wir sind gewissermaßen im Höhepunkt der Phrasenhaftigkeit angelangt. Wir müssen in dem Zeitpunkt, in dem aus der Phrase ausgequetscht ist aller Inhalt, der einmal in die Menschen in anderer Art hereingekommen ist und der für heute keine Bedeutung hat, aufnehmen dasjenige, was in unser seelisches und soziales Leben wiederum wirklichen substantiellen Inhalt hineinbringen kann. Wir müssen uns klar darüber sein, daß dieses EntwederOder eigentlich jeder heute für sich selbst zu entscheiden hat und daß jeder mit seinen innersten Seelenkräften an dieser Entscheidung teilnehmen muß. Sonst lebt man eigentlich nicht die Angelegenheiten der Menschheit mit.
[ 30 ] Das ist das Bewußtsein, von dem ich glaube, daß es unsere britischen Freunde von hier aus mitnehmen müßten, das Bewußtsein, daß jetzt in diesem welthistorischen großen Augenblicke bei all denen, die hinzugehören zu Weltorganismen, in denen die englische Sprache gesprochen wird, die Verantwortlichkeit vorhanden ist, in das äußere Wirtschaftsimperium wirkliche Spiritualität hineinzubringen. Denn es gibt da nur ein Entweder-Oder: Entweder es bleibt das Bestreben im bloßen Wirtschaftsimperium, dann ist der sichere Untergang der irdischen Zivilisation die notwendige Folge — oder es wird Geist in dieses Wirtschaftsimperium hineingegossen, dann wird dasjenige erreicht, was mit der Erdenentwickelung eigentlich beabsichtigt war. Ich möchte sagen: Jeden Morgen sollte man sich das in ganz ernsthaftiger Weise vorhalten, und alle einzelnen Handlungen sollte man im Sinne dieses Impulses einrichten. Die Weltenstunde schlägt durchaus ernst in der Gegenwart. In furchtbarer Weise schlägt diese Weltenstunde ernst. Wir sind gewissermaßen im Höhepunkt der Phrasenhaftigkeit angelangt. Wir müssen in dem Zeitpunkt, in dem aus der Phrase ausgequetscht ist aller Inhalt, der einmal in die Menschen in anderer Art hereingekommen ist und der für heute keine Bedeutung hat, aufnehmen dasjenige, was in unser seelisches und soziales Leben wiederum wirklichen substantiellen Inhalt hineinbringen kann. Wir müssen uns klar darüber sein, daß dieses EntwederOder eigentlich jeder heute für sich selbst zu entscheiden hat und daß jeder mit seinen innersten Seelenkräften an dieser Entscheidung teilnehmen muß. Sonst lebt man eigentlich nicht die Angelegenheiten der Menschheit mit.
[ 31 ] Aber die Sehnsucht nach der Illusion ist insbesondere heute im Zeitalter der Phrase eine ungeheuer große. Man möchte so gerne sich über den Ernst des Lebens hinwegtäuschen. Man möchte nicht hinschauen auf die Wahrheit, die waltet in unserer Entwickelung. Wie hätte sich die Menschheit sonst täuschen lassen von dem Wilsonianismus, wenn sie wirklich das innigste Bestreben hätte, sich durch die Wahrheit aufzuklären? Das muß kommen. Es muß in den Menschen erwachsen die Sehnsucht nach der Wahrheit. Vor allen Dingen muß in den Menschen wachsen die Sehnsucht nach der Befreiung des Geisteslebens und die Erkenntnis, daß keiner ein Recht hat, sich Christ zu nennen, der nicht den Ausspruch begreift: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.»
[ 31 ] Aber die Sehnsucht nach der Illusion ist insbesondere heute im Zeitalter der Phrase eine ungeheuer große. Man möchte so gerne sich über den Ernst des Lebens hinwegtäuschen. Man möchte nicht hinschauen auf die Wahrheit, die waltet in unserer Entwickelung. Wie hätte sich die Menschheit sonst täuschen lassen von dem Wilsonianismus, wenn sie wirklich das innigste Bestreben hätte, sich durch die Wahrheit aufzuklären? Das muß kommen. Es muß in den Menschen erwachsen die Sehnsucht nach der Wahrheit. Vor allen Dingen muß in den Menschen wachsen die Sehnsucht nach der Befreiung des Geisteslebens und die Erkenntnis, daß keiner ein Recht hat, sich Christ zu nennen, der nicht den Ausspruch begreift: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.»
[ 32 ] Das heißt, das Reich des Christus muß werden ein unsichtbares Reich, ein wirkliches unsichtbares Reich, ein Reich, von dem man spricht als von unsichtbaren Dingen. Nur wenn die Geisteswissenschaft waltet, wird man von diesem Reiche sprechen. Nicht eine äußere Kirche, nicht ein äußerer Staat kann dieses Reich verwirklichen, nicht ein Wirtschaftsimperium. Verwirklichen kann dieses Reich allein der Wille des einzelnen Menschen, der da lebt in dem befreiten Geistesleben.
[ 32 ] Das heißt, das Reich des Christus muß werden ein unsichtbares Reich, ein wirkliches unsichtbares Reich, ein Reich, von dem man spricht als von unsichtbaren Dingen. Nur wenn die Geisteswissenschaft waltet, wird man von diesem Reiche sprechen. Nicht eine äußere Kirche, nicht ein äußerer Staat kann dieses Reich verwirklichen, nicht ein Wirtschaftsimperium. Verwirklichen kann dieses Reich allein der Wille des einzelnen Menschen, der da lebt in dem befreiten Geistesleben.
[ 33 ] Man kann heute schwerlich glauben, daß in denjenigen Gegenden, in denen Menschen leben, die zertreten sind, viel getan werden kann für diese Befreiung des Geisteslebens. Daher muß es gerade in denjenigen Gegenden getan werden, die heute nicht zu den politisch, wirtschaftlich und selbstverständlich auch bald geistig getretenen gehören. Vor allen Dingen muß die Erkenntnis durchdringen, daß wir wirklich nicht an dem Tage angelangt sind, wo wir sagen: Es ist bisher abwärts gegangen, es wird wieder aufwärts gehen! — Nein, wenn die Menschen nicht aus dem Geiste heraus etwas dazu tun werden, wird es nicht aufwärts gehen, sondern immer weiter abwärts. Die Menschheit lebt heute nicht von irgend etwas, was sie produziert — denn produziert muß erst wiederum werden unter dem Impulse des Geistes -, die Menschheit lebt heute von Reserven, von alten Reserven, und die werden aufgebraucht werden. Und es ist kindisch und naiv, zu glauben, daß man an irgendeinem Tage beim tiefsten Punkt angekommen ist, und dann wird es schon wieder besser gehen, auch wenn man die Hände in den Schoß legt. So ist es nicht. Und man möchte insbesondere, daß ein solches Wort, wie das eben gesprochene, wirklich einiges Feuer entzünde in den Seelen, die sich hinzurechnen zur anthroposophischen Bewegung. Man möchte, daß der Geist, der so stark spukte gerade bei denjenigen, die vielleicht zu dieser anthroposophischen Bewegung gekommen sind, besiegt werde durch den Geist, der hier gemeint wird. Gewiß ist es ja so, daß der einzelne oftmals, wenn er zu einer solchen Bewegung kommt, für sich selbst etwas haben will, für seine Seele. Das kann er ja auch haben, aber nur, damit er dann seine Seele in den Dienst des Ganzen stellen kann. Er soll weiterkommen, gewiß, für sich, aber damit die Menschheit durch ihn weiterkomme. Das kann man sich wiederum nicht oft genug sagen. Das sollte man hinzufügen zu dem andern, wovon ich gesagt habe, daß man sich es eigentlich an jedem Morgen vorhalten solle.
[ 33 ] Man kann heute schwerlich glauben, daß in denjenigen Gegenden, in denen Menschen leben, die zertreten sind, viel getan werden kann für diese Befreiung des Geisteslebens. Daher muß es gerade in denjenigen Gegenden getan werden, die heute nicht zu den politisch, wirtschaftlich und selbstverständlich auch bald geistig getretenen gehören. Vor allen Dingen muß die Erkenntnis durchdringen, daß wir wirklich nicht an dem Tage angelangt sind, wo wir sagen: Es ist bisher abwärts gegangen, es wird wieder aufwärts gehen! — Nein, wenn die Menschen nicht aus dem Geiste heraus etwas dazu tun werden, wird es nicht aufwärts gehen, sondern immer weiter abwärts. Die Menschheit lebt heute nicht von irgend etwas, was sie produziert — denn produziert muß erst wiederum werden unter dem Impulse des Geistes -, die Menschheit lebt heute von Reserven, von alten Reserven, und die werden aufgebraucht werden. Und es ist kindisch und naiv, zu glauben, daß man an irgendeinem Tage beim tiefsten Punkt angekommen ist, und dann wird es schon wieder besser gehen, auch wenn man die Hände in den Schoß legt. So ist es nicht. Und man möchte insbesondere, daß ein solches Wort, wie das eben gesprochene, wirklich einiges Feuer entzünde in den Seelen, die sich hinzurechnen zur anthroposophischen Bewegung. Man möchte, daß der Geist, der so stark spukte gerade bei denjenigen, die vielleicht zu dieser anthroposophischen Bewegung gekommen sind, besiegt werde durch den Geist, der hier gemeint wird. Gewiß ist es ja so, daß der einzelne oftmals, wenn er zu einer solchen Bewegung kommt, für sich selbst etwas haben will, für seine Seele. Das kann er ja auch haben, aber nur, damit er dann seine Seele in den Dienst des Ganzen stellen kann. Er soll weiterkommen, gewiß, für sich, aber damit die Menschheit durch ihn weiterkomme. Das kann man sich wiederum nicht oft genug sagen. Das sollte man hinzufügen zu dem andern, wovon ich gesagt habe, daß man sich es eigentlich an jedem Morgen vorhalten solle.
[ 34 ] Wenn man ganz ernst genommen hätte den innersten Impuls dieser Bewegung, wir müßten ja heute weiter sein. Aber vielfach ist dasjenige, was in unseren Kreisen getan wird, nicht eine Zukunftsförderung, sondern oftmals nur Hindernis. Darüber sollten wir viel mit uns selbst zu Rate gehen. Das ist sehr wichtig. Und vor allen Dingen sollen wir durchaus nicht glauben, daß heute nicht die schärfsten gegnerischen Mächte von allen Seiten sich auftun gegenüber demjenigen, was gerade zum Heil der Menschheit angestrebt wird.
[ 34 ] Wenn man ganz ernst genommen hätte den innersten Impuls dieser Bewegung, wir müßten ja heute weiter sein. Aber vielfach ist dasjenige, was in unseren Kreisen getan wird, nicht eine Zukunftsförderung, sondern oftmals nur Hindernis. Darüber sollten wir viel mit uns selbst zu Rate gehen. Das ist sehr wichtig. Und vor allen Dingen sollen wir durchaus nicht glauben, daß heute nicht die schärfsten gegnerischen Mächte von allen Seiten sich auftun gegenüber demjenigen, was gerade zum Heil der Menschheit angestrebt wird.
[ 35 ] Ich habe Sie ja hier auf mancherlei hingewiesen von dem, was getan wird in der Welt, um dieser Bewegung zu begegnen, was an Feindseligkeiten dieser Bewegung in den Weg gelegt wird. Ich fühle mich eben verpflichtet, Sie auch mit diesen Dingen bekanntzumachen, damit Sie sehen, daß man eigentlich an keinem Tage sich sagen soll: Da haben wir wiederum das oder jenes widerlegt. - Nichts haben wir widerlegt, weil es bei diesen Gegnerschaften gar nicht darauf ankommt, daß sie die Wahrheit irgendwie vertreten wollen, sondern daß sie sich überhaupt mit der Sache möglichst wenig zu schaffen machen, aber aus allen möglichen Ecken heraus zu Verleumdungen greifen.
[ 35 ] Ich habe Sie ja hier auf mancherlei hingewiesen von dem, was getan wird in der Welt, um dieser Bewegung zu begegnen, was an Feindseligkeiten dieser Bewegung in den Weg gelegt wird. Ich fühle mich eben verpflichtet, Sie auch mit diesen Dingen bekanntzumachen, damit Sie sehen, daß man eigentlich an keinem Tage sich sagen soll: Da haben wir wiederum das oder jenes widerlegt. - Nichts haben wir widerlegt, weil es bei diesen Gegnerschaften gar nicht darauf ankommt, daß sie die Wahrheit irgendwie vertreten wollen, sondern daß sie sich überhaupt mit der Sache möglichst wenig zu schaffen machen, aber aus allen möglichen Ecken heraus zu Verleumdungen greifen.
[ 36 ] Ich möchte eine Stelle aus einem Briefe vorlesen, der dieser Tage eingetroffen ist in Stuttgart von Kristiania aus. Nur eine Stelle möchte ich vorlesen: «Einer unserer anthroposophischen Freunde arbeitet nämlich an einer sogenannten Volkshochschule zu Kristiania mit einem gewissen Schirmer gemeinsam. Dieser Herr Schirmer ist in gewissem Sinn ein sehr tüchtiger Lehrer, aber ist daneben ein fanatischer Rassemensch und ein verschworener Antisemit. Bei einer Volksversammlung, wo drei von uns Vorträge gehalten haben über die Dreigliederung, ist er gegen uns aufgetreten, oder vielmehr gegen die «Kernpunkte Dr. Steiners, obwohl ohne besonderen Erfolg. Der Kerl hat einen gewissen Einfluß in Lehrerkreisen, und er arbeitet von sich aus eigentlich im Sinne der Dreigliederung in der Schule, insofern er die Freiheit und die lebendige Sachlichkeit dem Kinde gegenüber vertritt, und doch arbeitet er gegen die Dreigliederung und Dr. Steiner, aus dem einfachen Grunde, weil er einen Verdacht hegt, daß Dr. Steiner ein Jude ist. Das ist wohl nicht so schlimm. Wir müssen wohl mehr und größeren Widerstand erwarten und überwinden. Aber jetzt hat er seinen Verdacht bestätigt erhalten: Er hat sich an eine «Autoritäp gewendet, nämlich an den Redakteur der politisch anthropologischen Monatsschrift, Berlin-Steglitz. Diese, eine rein antisemitische Zeitschrift, schrieb ihm, Dr. Steiner ist Jude reinsten Wassers. Er ist mit den Zionisten verbunden, eigentlich an sie geknüpft. Und der Redakteur fügt hinzu, daß sie, die Antisemiten, schon lange ihre Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet haben. Herr Schirmer erzählt weiter, daß eine reine Judenverfolgung jetzt im Anfange in Deutschland ist, und daß alle Juden, die jetzt auf der schwarzen Liste stehen der Antisemiten, einfach niedergeschossen werden sollen, oder wie es heißt, unschädlich gemacht werden sollen» und so weiter.
[ 36 ] Ich möchte eine Stelle aus einem Briefe vorlesen, der dieser Tage eingetroffen ist in Stuttgart von Kristiania aus. Nur eine Stelle möchte ich vorlesen: «Einer unserer anthroposophischen Freunde arbeitet nämlich an einer sogenannten Volkshochschule zu Kristiania mit einem gewissen Schirmer gemeinsam. Dieser Herr Schirmer ist in gewissem Sinn ein sehr tüchtiger Lehrer, aber ist daneben ein fanatischer Rassemensch und ein verschworener Antisemit. Bei einer Volksversammlung, wo drei von uns Vorträge gehalten haben über die Dreigliederung, ist er gegen uns aufgetreten, oder vielmehr gegen die «Kernpunkte Dr. Steiners, obwohl ohne besonderen Erfolg. Der Kerl hat einen gewissen Einfluß in Lehrerkreisen, und er arbeitet von sich aus eigentlich im Sinne der Dreigliederung in der Schule, insofern er die Freiheit und die lebendige Sachlichkeit dem Kinde gegenüber vertritt, und doch arbeitet er gegen die Dreigliederung und Dr. Steiner, aus dem einfachen Grunde, weil er einen Verdacht hegt, daß Dr. Steiner ein Jude ist. Das ist wohl nicht so schlimm. Wir müssen wohl mehr und größeren Widerstand erwarten und überwinden. Aber jetzt hat er seinen Verdacht bestätigt erhalten: Er hat sich an eine «Autoritäp gewendet, nämlich an den Redakteur der politisch anthropologischen Monatsschrift, Berlin-Steglitz. Diese, eine rein antisemitische Zeitschrift, schrieb ihm, Dr. Steiner ist Jude reinsten Wassers. Er ist mit den Zionisten verbunden, eigentlich an sie geknüpft. Und der Redakteur fügt hinzu, daß sie, die Antisemiten, schon lange ihre Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet haben. Herr Schirmer erzählt weiter, daß eine reine Judenverfolgung jetzt im Anfange in Deutschland ist, und daß alle Juden, die jetzt auf der schwarzen Liste stehen der Antisemiten, einfach niedergeschossen werden sollen, oder wie es heißt, unschädlich gemacht werden sollen» und so weiter.
[ 37 ] Sie sehen, es handelt sich hier natürlich nicht um etwas in irgendeiner Weise Antisemitisches; das ist ja nur ganz eine Äußerlichkeit. Man wählt in solchen Zusammenhängen Schlagworte, mit denen man möglichst viel ausrichten kann bei denjenigen, die auf Schlagworte irgendwie hören. Aber mit solchen Dingen wird eben hingewiesen auf dasjenige, was die meisten Menschen in der Gegenwart nicht sehen wollen, worüber sie sich immer mehr und mehr hinwegtäuschen wollen. Es ist heute durchaus viel ernster, als Sie denken wollen eigentlich, und es handelt sich darum, daß man diesen Ernst der Zeit nicht verkennt, sondern daß man sich klar darüber ist, daß wir uns in bezug auf solche Dinge, die ja entgegenwirken aller, was im Sinne des Menschheitsfortschrittes gewollt wird, erst im Anfange befinden und daß man eigentlich niemals, ohne seine Verantwortlichkeit zu verletzen, das Augenmerk ablenken sollte von all dem, was sich geradezu auftut von der jetzigen Zeit ab als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit, was sich verwirklicht als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit. Das Schlimmste, das heute passieren kann, ist, auf bloße Schlagworte und Phrasen irgendwie hinzuhören, zu glauben, daß dasjenige, was der Wortklang alter Begriffe gibt, daß das heute noch irgendwie wurzelt in menschlichen Realitäten, wenn man nicht eine neue Realität aus den Quellen des Geistigen selbst hervorholt.
[ 37 ] Sie sehen, es handelt sich hier natürlich nicht um etwas in irgendeiner Weise Antisemitisches; das ist ja nur ganz eine Äußerlichkeit. Man wählt in solchen Zusammenhängen Schlagworte, mit denen man möglichst viel ausrichten kann bei denjenigen, die auf Schlagworte irgendwie hören. Aber mit solchen Dingen wird eben hingewiesen auf dasjenige, was die meisten Menschen in der Gegenwart nicht sehen wollen, worüber sie sich immer mehr und mehr hinwegtäuschen wollen. Es ist heute durchaus viel ernster, als Sie denken wollen eigentlich, und es handelt sich darum, daß man diesen Ernst der Zeit nicht verkennt, sondern daß man sich klar darüber ist, daß wir uns in bezug auf solche Dinge, die ja entgegenwirken aller, was im Sinne des Menschheitsfortschrittes gewollt wird, erst im Anfange befinden und daß man eigentlich niemals, ohne seine Verantwortlichkeit zu verletzen, das Augenmerk ablenken sollte von all dem, was sich geradezu auftut von der jetzigen Zeit ab als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit, was sich verwirklicht als ein radikal Böses innerhalb der Menschheit. Das Schlimmste, das heute passieren kann, ist, auf bloße Schlagworte und Phrasen irgendwie hinzuhören, zu glauben, daß dasjenige, was der Wortklang alter Begriffe gibt, daß das heute noch irgendwie wurzelt in menschlichen Realitäten, wenn man nicht eine neue Realität aus den Quellen des Geistigen selbst hervorholt.
[ 38 ] Das, meine lieben Freunde, war etwas von dem, was ich Ihnen heute noch sagen wollte, sagen wollte erstens für Sie alle, aber insbesondere für diejenigen, über deren Besuch wir uns hier herzlich gefreut haben, insbesondere sagen wollte unseren englischen Freunden, damit sie aus einer gewissen Erkenntnis heraus, wenn sie jetzt zurückgehen, dort, wo es so wichtig sein wird, ihr Verhalten einrichten. Sie werden gesehen haben, hier wird nicht gesprochen jemandem zuliebe oder jemandem zuleide. Zu schmeicheln irgend jemandem, wird hier nicht gesprochen. Hier wird lediglich gesprochen, um die Wahrheit zu sagen. Ich habe auch Theosophen kennengelernt: Wenn sie sich gerichtet haben an die Angehörigen einer ihnen fremden Nation, dann haben sie angefangen davon zu reden, wie sie es sich zur Ehre anrechnen, innerhalb der großen Nation, die so viel Glorie auf sich gesammelt hat, nun auch die Lehre vom geistigen Leben verbreiten zu können. Aus solchen Untergründen heraus konnte hier nicht zu Ihnen gesprochen werden. Aber ich denke, Sie sind hierhergekommen, um die Wahrheit zu hören, und ich glaube, Ihnen am besten dadurch gedient zu haben, daß ich Ihnen wirklich versucht habe, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Sie werden aus diesen Gegenden hier erfahren haben, daß die Wahrheit zu sagen heute keine bequeme Sache ist, denn die Wahrheit ruft heute mehr als jemals Gegnerschaft hervor. Scheuen Sie sich nicht vor Gegnerschaften, denn es ist heute ein und dasselbe: Gegner zu haben und die Wahrheit zu sagen. Diese Dinge müssen durchschaut werden. Und wir werden uns immer dann am allerbesten verstehen, wenn wir in den Untergründen dieses gegenseitigen Verständnisses auch das haben, ungeschminkt die Wahrheit hören zu wollen.
[ 38 ] Das, meine lieben Freunde, war etwas von dem, was ich Ihnen heute noch sagen wollte, sagen wollte erstens für Sie alle, aber insbesondere für diejenigen, über deren Besuch wir uns hier herzlich gefreut haben, insbesondere sagen wollte unseren englischen Freunden, damit sie aus einer gewissen Erkenntnis heraus, wenn sie jetzt zurückgehen, dort, wo es so wichtig sein wird, ihr Verhalten einrichten. Sie werden gesehen haben, hier wird nicht gesprochen jemandem zuliebe oder jemandem zuleide. Zu schmeicheln irgend jemandem, wird hier nicht gesprochen. Hier wird lediglich gesprochen, um die Wahrheit zu sagen. Ich habe auch Theosophen kennengelernt: Wenn sie sich gerichtet haben an die Angehörigen einer ihnen fremden Nation, dann haben sie angefangen davon zu reden, wie sie es sich zur Ehre anrechnen, innerhalb der großen Nation, die so viel Glorie auf sich gesammelt hat, nun auch die Lehre vom geistigen Leben verbreiten zu können. Aus solchen Untergründen heraus konnte hier nicht zu Ihnen gesprochen werden. Aber ich denke, Sie sind hierhergekommen, um die Wahrheit zu hören, und ich glaube, Ihnen am besten dadurch gedient zu haben, daß ich Ihnen wirklich versucht habe, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Sie werden aus diesen Gegenden hier erfahren haben, daß die Wahrheit zu sagen heute keine bequeme Sache ist, denn die Wahrheit ruft heute mehr als jemals Gegnerschaft hervor. Scheuen Sie sich nicht vor Gegnerschaften, denn es ist heute ein und dasselbe: Gegner zu haben und die Wahrheit zu sagen. Diese Dinge müssen durchschaut werden. Und wir werden uns immer dann am allerbesten verstehen, wenn wir in den Untergründen dieses gegenseitigen Verständnisses auch das haben, ungeschminkt die Wahrheit hören zu wollen.
[ 39 ] Das ist dasjenige, was ich heute, wo ich zum letztenmal vor meiner Reise nach Deutschland vor Ihnen spreche, noch im allgemeinen und insbesondere auch zu den englischen Freunden habe aussprechen wollen.
[ 39 ] Das ist dasjenige, was ich heute, wo ich zum letztenmal vor meiner Reise nach Deutschland vor Ihnen spreche, noch im allgemeinen und insbesondere auch zu den englischen Freunden habe aussprechen wollen.
