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Contrasts in Human Development
GA 197

21 September 1920, Stuttgart

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Sie wissen wohl, daß von vielen Seiten in der Gegenwart, wenn von Geisteswissenschaft die Rede ist, gesagt wird, das, worauf durch eine solche Geisteswissenschaft hingewiesen wird, könne niemals Gegenstand eines Wissens, einer Erkenntnis sein, das könne nur Gegenstand eines Glaubens sein, einer Art subjektiven Fürwahrhaltens. Aus einer solchen Gesinnung geht dann die Unterscheidung hervor, die man überhaupt macht zwischen Wissen und Glauben, und ein großer Teil der Einwendungen, die auch gegen unsere anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gemacht werden, besteht immer wieder darin, daß man sagt, man wolle hier dasjenige, was man eigentlich nur glauben könne, was im Grunde genommen eine Art subjektiver Erkenntnis oder vielleicht gar nicht einer Erkenntnis, sondern eines subjektiven Fürwahrhaltens ist, das wolle man hier gewissermaßen hinaufheben und hinaufschrauben bis zu der Höhe einer sicheren, exakten Erkenntnis, einer wirklichen Wissenschaft.

[ 1 ] You are no doubt aware that, when the subject of spiritual science is raised today, many people claim that what such a spiritual science points to can never be the object of knowledge or insight; rather, it can only be the object of faith, a kind of subjective belief. From such an attitude arises the distinction that is generally made between knowledge and belief, and a large part of the objections raised against our anthroposophically oriented spiritual science consistently consist in the claim that that what is actually being sought here—something that one can really only believe, which is essentially a kind of subjective insight or perhaps not even an insight at all, but rather a subjective conviction—is being elevated, as it were, to the level of certain, exact knowledge, of true science.

[ 2 ] Nun ist es erst in der neueren Zeit dahin gekommen, daß unterschieden wird überhaupt zwischen der Wissenschaft, die sich nur mit dem beschäftigen dürfe, was in der sinnlichen Welt geboten wird, was höchstens noch durch das Experiment erfaßt und erkundet werden kann, der Wissenschaft, die aus solchen Tiefen heraus einzig und allein eine sichere Erkenntnis liefere, und dem Glauben, der sich über das Sinnliche erhebe und von dem man niemals annehmen dürfe, daß seine Gegenstände umgewandelt werden könnten in sichere Erkenntnis. Wissenschaft also auf der einen Seite — aber bloß für die sinnliche Welt; die übersinnliche Welt auf der andern Seite, für jeden annehmbar, soweit er sie annehmbar findet, aber nicht einer sicheren Erkenntnis zugänglich, sondern nur einem subjektiven Glauben.

[ 2 ] It is only in recent times that a distinction has come to be made between, on the one hand, science—which is said to be permitted to deal only with what is presented in the sensory world, what can at most be grasped and explored through experimentation—and, on the other hand, science that, from such depths, provides solely and exclusively certain knowledge, and faith, which rises above the sensory realm and whose objects one must never assume can be transformed into certain knowledge. Science, then, on the one hand—but only for the sensory world; the supersensory world on the other hand, acceptable to everyone insofar as they find it acceptable, but not accessible to certain knowledge, only to subjective faith.

[ 3 ] Es müßte eigentlich jeder Mensch, der es mit dem Leben ernst nimmt, das, was da in weiten Kreisen über einen angeblichen Gegensatz zwischen Wissen und Glauben gesagt wird, als ein notwendig zu lösendes Rätsel empfinden. Aber im Grunde genommen ist es nur möglich, von dem Standpunkt der Initiationswissenschaft aus eine wirkliche Auskunft zu geben, was es eigentlich für eine Bewandtnis hat, wenn in unserer Zeit — und schon lange, schon Jahrhunderte hindurch — darauf hingearbeitet wird, der Menschheit diesen Unterschied beizubringen zwischen der Wissenschaft vom Endlichen, Vergänglichen, Sinnlichen und dem Glauben an ein Unendliches, ein Unvergängliches, ein Übersinnliches. Denn Sie wissen, alles, was hier vom Gesichtspunkte anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft vorgebracht wird, atmet durchaus wissenschaftlichen Geist, macht darauf Anspruch, als Wissen, als Erkenntnis vom Übersinnlichen sich vollberechtigt neben die Wissenschaft vom Sinnlichen hinzustellen. Nur muß die Wissenschaft der Initiation weit zurückgehen in der Zeit der Menschheitsentwickelung, wenn sie begreiflich machen will, warum in unserer Zeit ein solcher Gegensatz von Wissenschaft und Glauben der Menschheit beigebracht wurde.

[ 3 ] In fact, anyone who takes life seriously should view what is widely said about an alleged conflict between knowledge and faith as a mystery that must be solved. But fundamentally, it is only possible to provide a genuine explanation—from the standpoint of initiatory science—of what is actually at stake when, in our time—and indeed for a long time, for centuries on end—efforts have been made to teach humanity this distinction between the science of the finite, the transitory, the sensory, and faith in the infinite, the imperishable, and the supersensible. For you know that everything presented here from the perspective of anthroposophically oriented spiritual science is thoroughly imbued with a scientific spirit and lays claim to standing, as knowledge and insight into the supersensible, on an equal footing with the science of the sensory. However, the science of initiation must go far back in the history of human development if it is to make understandable why, in our time, such a contrast between science and faith has been taught to humanity.

[ 4 ] Wenn wir in der Zeit zurückgehen, so finden wir in ganz alten Zeiten der Menschheitsentwickelung — wir haben das öfter besprochen ein gewissermaßen als Erbschaft der Götter anzusehendes Urwissen, ein Wissen, welches so etwas wie beweisen, wie demonstrieren nicht kannte, ein Wissen, das ganz und gar darauf beruhte, daß im Inneren des Menschen eine Kraft aufstieg, die nicht nur ein leeres, abstraktes Denken oder so etwas war, sondern die erfüllt war von göttlicher Lichtsubstanz, von göttlicher Lebenssubstanz, die sich fühlte wie im Verkehre mit den göttlichen Welten. Ein Wissen von diesem Zusammenhange des Menschen mit den göttlichen Welten hatte man, das man noch empfand und das man wahrnahm, so wie man äußerlich Farben und Töne wahrnimmt, so daß man es nicht zu beweisen brauchte, weil man es ja in unmittelbarer Gegenwart wahrnehmbar hatte. Das Beweisen kannte man nicht, auch nicht das logische Demonstrieren, sondern einfach das Erfülltsein des Menschen mit dem, was in sein Inneres die Götter einträufeln ließen. Aber das war durchaus «Wissen» in den ältesten Zeiten der Menschheit und dieses Wissen war verbunden mit einer Erkenntnis des göttlichen Ursprunges des Menschen. Denn da man sich auf Erden in Verbindung mit den Göttern wußte, da man von den Eingeweihten, von den Inititerten jene Kraft bekam, die einen aufblicken ließ zu dieser Verbindung mit den Göttern, so war man sich auch bewußt des göttlichen Ursprungs des Menschen, war sich bewußt, daß die Menschheit zur Erde heruntergestiegen ist aus einer Welt, in der sie in geistig-seelischer Gestalt vorhanden war. Dieser göttlich-geistige Ursprung der Menschheit war eine Selbstverständlichkeit für jenes Urwissen, das überall über die Erde hin in den alten Zeiten der Menschenentwickelung vorhanden war.

[ 4 ] If we go back in time, we find—in the very earliest stages of human development—as we have often discussed—a primal knowledge that can be regarded, in a sense, as a legacy of the gods, a knowledge that knew nothing of “proving” or “demonstrating,” a knowledge based entirely on the fact that a force arose within the human being—a force that was not merely empty, abstract thought or anything of the sort, but was filled with divine light substance, with divine life substance, and which felt as though it were in communion with the divine worlds. People possessed a knowledge of this connection between human beings and the divine worlds—a knowledge they still sensed and perceived, just as one perceives colors and sounds externally—so that there was no need to prove it, because it was perceptible in their immediate presence. They knew nothing of “proving,” nor of logical demonstration, but simply of humanity’s being filled with what the gods allowed to flow into their inner being. But this was indeed “knowledge” in the earliest times of humanity, and this knowledge was connected with an awareness of humanity’s divine origin. For since people knew themselves to be in connection with the gods on earth, since they received from the initiates that power which enabled them to look up to this connection with the gods, people were also aware of the divine origin of humankind; they were aware that humanity had descended to Earth from a world in which it existed in a spiritual-soul form. This divine-spiritual origin of humanity was a matter of course for that primordial knowledge that was present everywhere across the Earth in the ancient times of human development.

[ 5 ] Aber dieses Urwissen wollte sich weiter fortentwickeln. Wäre dieses Urwissen geblieben, so wären die Menschen zwar in einer gewissen Beziehung fortdauernd gotterfüllte Wesen geblieben, aber zur Freiheit, zur freien Willensentschließung hätten sie nicht kommen können. Sie hätten, wenn nur ihre Arme sich bewegten, gewissermaßen sich sagen müssen: Ein Gott in mir bewegt meine Arme —, oder wenn sie gingen, hätten sie sich sagen müssen: Ein Gott in mir bewegt meine Füße. So haben auch durchaus die Urmenschen empfunden. Sie haben gewissermaßen innerhalb ihrer Haut ein göttlich-geistiges Wesen, das mit ihnen war, empfunden, und daher ist auch jene Bezeichnung geblieben, von der wir von verschiedenen Gesichtspunkten aus schon gesprochen haben, der menschliche Leib sei ein Tempel des Gottes, weil der Mensch in der Urzeit in der Tat wie das irdische Wohnhaus des Gottes war, der selber herunterstieg auf die Erde, um Wohnung zu nehmen unter den Menschen. Aber der Mensch sollte selbständig werden. Daher kam es, daß das ursprüngliche göttliche Wissen immer mehr und mehr verglomm, daß diese Göttererbschaft immer mehr und mehr zurückging. Um zur Freiheit zu kommen, mußte der Mensch aus seiner eigenen Kraft ein Wissen, eine Erkenntnis, ein Denken, ein Fühlen, ein Wollen entwickeln. Er wurde gewissermaßen von den Göttern verlassen, aber er wurde — wenn ich mich so ausdrücken darf — zu seinem eigenen Heil von den Göttern verlassen. Damit er eine menschliche Wissenschaft entwickeln könne, zog sich die göttliche Wissenschaft von ihm zurück. Und so kam es in späteren Zeiten, daß der ganze Weg, den eine einstmals über die Erde verbreitete göttliche Wissenschaft zu nehmen hatte ‚zur irdisch-menschlichen Wissenschaft, überwacht werden mußte von den Mysterien aus, daß die Eingeweihten, die Initiierten der Mysterien dazu berufen wurden, gewissermaßen zu regeln, wie die Menschheit erzogen werden sollte, damit sie in der richtigen Weise herauswuchs aus dem alten Götterwissen und hineinwachsen konnte in das irdischmenschliche Wissen.

[ 5 ] But this primal knowledge sought to develop further. Had this primal knowledge remained, human beings would indeed have remained, in a certain sense, beings perpetually filled with God; yet they would not have been able to attain freedom or the exercise of free will. If their arms had moved, they would, as it were, have had to say to themselves: “A god within me moves my arms”—or if they walked, they would have had to say: “A god within me moves my feet.” This is precisely how early humans felt. They sensed, as it were, a divine-spiritual being within their own skin that was with them; and that is why the description we have already discussed from various perspectives has endured—that the human body is a temple of God—because in primeval times, human beings were indeed like the earthly dwelling of God, who Himself descended to Earth to take up residence among humankind. But human beings were meant to become independent. That is why the original divine knowledge gradually faded away, and why this divine heritage steadily diminished. In order to attain freedom, human beings had to develop knowledge, insight, thought, feeling, and will through their own power. In a sense, humanity was abandoned by the gods, but—if I may put it this way—it was abandoned by the gods for its own good. So that humanity might develop a human science, divine science withdrew from it. And so it came to pass in later times that the entire path that a divine science, once widespread across the earth, had to take toward earthly-human science had to be overseen by the Mysteries, so that the initiates of the Mysteries were called upon, as it were, to regulate how humanity should be educated, so that it might grow out of the old divine knowledge in the right way and grow into earthly-human knowledge.

[ 6 ] Da aber, nachdem schon so ziemlich das ursprüngliche Götterwissen im Abglimmen war und die Mysterien schon die Aufgabe übernommen hatten, die Menschheit so zu leiten, sie so im großen zu unterrichten, daß der Übergang von der Urweisheit in das menschliche Wissen, das zur Freiheit führen sollte, in der rechten Weise geschehen konnte, da kam es, daß eine gewisse Anzahl von Menschen über weite Gebiete der Erde hin sich zusammenfand, um einen gewissen Weg zu suchen, um diese Absichten der richtigen Menschheitsleitung, die von den Mysterien kam, zu durchkreuzen. Es bildeten sich gewissermaßen Menschengesellschaften, die sich geradezu die Aufgabe stellten, diese richtige Entwickelung zu durchkreuzen. Wir müssen schon zur Geisteswissenschaft gehen, wenn wir die Tätigkeit einer weitverbreiteten Menschengesellschaft der Nachurzeit ins Auge fassen wollen. Denn die Geschichte selbst reicht nicht bis in jene Zeiten zurück; äußere Urkunden aus jenen Zeiten gibt es nicht. Aber eine solche Gesellschaft war es, die sich in einer gewissen Weise das Mysterienwissen aneignete, aus dem Mysterienwissen auch die Methoden, um mit der göttlichen Urquelle des Wissens noch in einer Zeit in Verbindung zu kommen, in welcher die ehrlich arbeitenden Mysterien schon längst damit beschäftigt waren, das alte Götterwissen überzuleiten in das menschlich-irdische Wissen. Und so gab es einmal auf der Erde eine Zeit, wo die berufenen Vertreter des Mysterienwissens ganz damit beschäftigt waren, das alte Götterwissen überzuleiten in menschlich-irdische Wissenschaft; aber in das, was so als eine gesunde, für die damalige Zeit gesunde Anschauung und Empfindung über die Menschheit sich verbreitete, in das tönte hinein — und zwar in einer Zeit, als es schon zu spät dazu war und der Menschheit nicht mehr das alte Götterwissen in die Ohren geraunt werden sollte, was eine gut organisierte Gesellschaft damals gewissermaßen verspätet als alte Urweisheit der Menschheit wiederum bringen wollte. Es erlebten also die Menschen in einer Zeit, wo sie schon hinausgewachsen waren über den Zustand des göttlichen Wissens, daß von denen, die ein Interesse daran hatten, weiten Kreisen der Menschheit jenes alte Götterwissen noch weiter zugeführt werden sollte.

[ 6 ] But since, by then, the original knowledge of the gods had already largely faded away, and the Mysteries had already taken on the task of guiding humanity and instructing it in general terms so that the transition from primordial wisdom to human knowledge—which was to lead to freedom—could take place in the proper manner, it came to pass that a certain number of people gathered together across vast regions of the earth to seek a certain path to thwart these intentions of the proper guidance of humanity that came from the Mysteries. In a sense, human societies formed that set themselves the very task of thwarting this proper development. We must turn to spiritual science if we are to consider the activities of a widespread human society of the post-primordial era. For history itself does not extend back to those times; there are no external records from those times. But it was such a society that, in a certain way, appropriated the knowledge of the Mysteries—and from that knowledge, the methods for connecting with the divine source of knowledge even at a time when the sincerely working Mysteries had long since been engaged in transforming the ancient knowledge of the gods into human-earthly knowledge. And so there was once a time on Earth when the chosen representatives of the mystery knowledge were entirely occupied with transforming the ancient divine knowledge into human-earthly science; but this resonated within what was spreading as a healthy—for that time—view and feeling regarding humanity—and this at a time when it was already too late for it, and the ancient divine knowledge was no longer to be whispered into humanity’s ears, even though a well-organized society at that time sought, somewhat belatedly, to restore it as humanity’s ancient primordial wisdom. Thus, at a time when humanity had already outgrown the state of divine knowledge, people experienced that those who had an interest in it sought to pass on that ancient divine knowledge even further to broad circles of humanity.

[ 7 ] Welches Interesse hatten denn diese Mitglieder der Nachurzeit? Sie hatten das Interesse, daß sie die Entstehung des Wissens gewissermaßen in seiner Wurzel vernichten wollten. Sie wollten das äußere menschliche Wissen nicht in der Menschheit entstehen lassen, sie wollten die Menschen nicht zur Freiheit kommen lassen. Ja, es gibt in der Nachurzeit Bestrebungen, die verhindern wollten, daß die Menschheit die Entwickelungsanlage zur Freiheit aufnehmen sollte und die daher das irdisch-physische Wissen in der Wurzel vernichten wollten. Und so machten diese, gewissermaßen «Feinde» der menschlichen Entwickelung der Nachurzeit, einen Unterschied zwischen menschlichem Wissen und Götterwissen, einem Götterwissen, das damals schon nicht mehr berechtigt war. Und die Menschheit, als sie hinausgewachsen war über das Götterwissen, mit diesem zu überfluten, bedeutete, sie dadurch in einen Bewußtseinszustand zu bringen, der träumerisch, schwärmerisch war. Breite Massen der Menschheit lebten in einer solchen Schwärmerei in der Nachurzeit, in der der Sinn erstickt wurde für die Entstehung menschlicher Wissenschaft. Und wenn manches in der menschlichen Wissenschaft, wie wir oft charakterisieren konnten, in späteren Zeiten sehr mangelhaft entstanden ist, wenn bis in die Sprachbildung hinein Mangelhaftes sich eingeschlichen hat, dann war dieses den Menschen schmeichelnde Heraufheben zu einem Götterwissen daran schuld.

[ 7 ] What interest did these members of the Post-Age have? Their interest was, in a sense, to destroy the very roots of the emergence of knowledge. They did not want external human knowledge to arise within humanity; they did not want people to attain freedom. Yes, there were efforts in the Post-Human Era aimed at preventing humanity from embracing the potential for development toward freedom, and which therefore sought to destroy earthly-physical knowledge at its very root. And so these “enemies,” as it were, of human development in the Post-Human Era, drew a distinction between human knowledge and divine knowledge—a divine knowledge that was already no longer valid at that time. And to flood humanity—which had outgrown divine knowledge—with this knowledge meant to plunge it into a state of consciousness that was dreamy and fanciful. Vast masses of humanity lived in such a state of fanciful reverie during the Post-Natural Age, in which the sense for the emergence of human science was stifled. And if certain aspects of human science, as we have often observed, developed in a very deficient manner in later times—if deficiencies even crept into the formation of language—then this was due to the elevation to “divine knowledge” that flattered people.

[ 8 ] Wenn wir nachgehen, unter welchem Einfluß diejenigen standen, die so bestrebt waren, die Menschen zu benebeln und die Entstehung von Wissenschaft und auch von einer aus den Menschheitstiefen herauskommenden Sprache in der Wurzel abzuschneiden, dann müssen wir sagen: Diese Geister, diese menschlichen Persönlichkeiten waren durch und durch von luziferischen Kräften beherrscht. Luziferische Kräfte lebten in ihnen, solche luziferische Kräfte, welche den Menschen mit seinem ganzen Empfinden, Wollen und Denken gewissermaßen nicht bis zur Erde herabkommen lassen wollten. Der Mensch sollte immer materieller und materieller werden, aber diese Persönlichkeiten wollten ihn geistig, spirituell erhalten, um ihn den Erdenaufgaben zu entziehen. Diese Geister waren die der Menschheitsentwickelung feindlichen Spiritualisten der Nachurzeit. Denn damals sollte der Mensch die Wege finden, um mit seinem Seelisch-Geistigen immer gründlicher und gründlicher in das Körperliche hineinzusteigen. Das aber sollte von diesen Geistern verhindert werden. Wenn wir etwa im Bilde der Gegenwart sprechen — weil es ja schwierig ist, in genau zutreffenden Vorstellungen jenen Zustand der Menschheit in der Nachurzeit zu charakterisieren —, so könnten wir sagen, diese Geister treten auf mit einem starken Anflug von einer gewissen unbewußten Unwahrhaftigkeit. Denn es war ja selbstverständlich durch die Mysterien der Impuls gegeben, in die materielle Welt herunterzusteigen, sich mit ihr zu durchdringen. Das durften diese luziferbesessenen Menschen der Nachurzeit natürlich nicht verleugnen. Deshalb nannten sich diese Menschen nicht etwa — im Bilde der Gegenwart gesprochen; es müßte dann übersetzt werden in die Denkweise der Urzeit — «Spiritualisten», sondern sie nannten sich gerade «Vertreter des Materiellen». Denn sie sagten den Menschen: Ihr erreicht das Materielle, wenn ihr uns folgt, wenn ihr die Macht, die wir euch mit dem späteren göttlichen Wissen geben, ausnutzt, wenn ihr euch seelisch-geistig dadurch stärkt. So könnt ihr als Eroberer über das, was euch auf der Erde zugedacht ist, euch erleben; ihr könnt euch die Erde im Fluge erobern dadurch, daß ihr der Göttermacht teilhaftig werdet! — Und den Ehrennamen «Kämpfer für das Materielle» gaben sich solche luziferbesessenen Führer gewisser Kreise der Menschheit.

[ 8 ] If we examine the influence under which those were operating who were so eager to cloud people’s minds and to nip in the bud the emergence of science and also of a language arising from the depths of humanity, then we must say: These spirits, these human personalities, were thoroughly dominated by Luciferic forces. Luciferic forces lived within them—forces that, in a sense, did not want human beings, with all their feeling, willing, and thinking, to descend to Earth. Humanity was meant to become ever more material, but these personalities sought to preserve it in a spiritual state in order to remove it from its earthly tasks. These spirits were the spiritualists of the Post-Ur-Age who were hostile to human development. For at that time, humanity was meant to find the paths to immerse its soul-spiritual nature ever more deeply into the physical realm. But these spirits sought to prevent this. If we speak in terms of the present—since it is difficult to characterize that state of humanity in the Post-Urantia Age with precisely accurate concepts—we could say that these spirits appear with a strong tinge of a certain unconscious insincerity. For it was, of course, through the Mysteries that the impulse had been given to descend into the material world and to interpenetrate with it. Naturally, these Lucifer-possessed people of the Post-Ur-Age could not deny this. That is why these people did not call themselves—to use a modern metaphor; which would then have to be translated into the mindset of primeval times—‘spiritualists,’ but rather they called themselves precisely ‘representatives of the material.’ For they told people: You will attain the material realm if you follow us, if you make use of the power we give you through the later divine knowledge, if you thereby strengthen yourselves soulfully and spiritually. In this way, you can experience yourselves as conquerors of what is intended for you on Earth; you can conquer the Earth in the blink of an eye by partaking in the power of the gods! — And such Lucifer-possessed leaders of certain circles of humanity gave themselves the honorary title “Fighters for the Material.”

[ 9 ] So war damals durch diese Persönlichkeiten eine Art Zwiespalt in die Menschheitsentwickelung hineingekommen zwischen dem, was da sein sollte an regulärer Entwickelung der Menschheit und dem, was der Menschheit vorgemacht wurde dadurch, daß man vor sie hinstellte das Ideal der Materialität, das auf ein Erobern des Materiellen ausging — aber nicht durch ein allmähliches Einleben, sondern indem man darauf hinwies, daß man gewissermaßen Göttermacht sich aneignen sollte durch übersinnliches Wissen zur Unzeit, mit dem man dann die sinnlich-materielle Welt erobern sollte.

[ 9 ] Thus, through these figures, a kind of conflict had arisen in human development between what should have been the normal course of human evolution and what was presented to humanity by holding before them the ideal of materiality, which aimed at the conquest of the material world — not through a gradual acclimatization, but by suggesting that one should, as it were, appropriate divine power through supersensible knowledge at an untimely moment, with which one would then conquer the sensory-material world.

[ 10 ] Das Gegenbild von dem, was da in der Urzeit vorhanden war, erleben wir heute. Wir sehen, daß, von gewissen Konfessionen ausgehend, ein Kampf gegen den regulären Gang, den die Wissenschaft nun nehmen soll, stattfindet. An der Wurzel ist sie gewissermaßen schadhaft geworden. Dadurch tragen die Wissenschaft und die Sprache durch die Erdenentwickelung hindurch gewisse Mängel. Aber die Wissenschaft ist doch gekommen, denn es haben sich genügend unter dem Einfluß der ehrlichen Mysterien und der ehrlichen Initiationswissenschaft stehende Menschen gefunden, welche jenen Geistern, die das Wissen in der Wurzel eigentlich austilgen wollten, entgegengetreten sind. Und so hat sich die Wissenschaft entwickelt. So hat sie jenen Weg genommen, den ich im einzelnen oftmals charakterisiert habe, ist bis zu jenem Zustande gekommen, den sie hatte in der Mitte des 15. Jahrhunderts, als der fünfte nachatlantische Zeitraum begonnen hat, und ist bis in unsere Zeit hineingekommen, wo aber für diese Wissenschaft nun wieder — nach der Wissenschaft der Initiation der Gegenwart — ein neuer Wendepunkt da ist. Heute ist diese Wissenschaft dazu reif, gewissermaßen in die Freiheit des Menschen gestellt zu werden. Heute ist diese Wissenschaft, die ja im wesentlichen doch sich heute noch so verhält, daß sie nur Sinnlich-Physisches als exakt, als sicher betrachtet, das was durch Beobachtung oder durch das Experiment gewonnen wird, die Wissenschaft ist dazu reif, wie ich oft ausgeführt habe, sich hineinzuentwickeln in die Erfassung der Imagination, der inspirierten, der intuitiven Welt, sich hineinzufinden in das Erleben, in das Ergreifen des Geistigen. Fortzuwachsen ist diese Wissenschaft berufen, um im Fortwachsen anzunehmen die Gestalt eines geistigen Schauens. Dazu ist sie heute reif.

[ 10 ] Today we are witnessing the opposite of what existed in primeval times. We see that, originating from certain religious denominations, a struggle is taking place against the proper course that science is now supposed to follow. At its very root, science has, so to speak, become flawed. As a result, both science and language bear certain deficiencies throughout the course of Earth’s evolution. Yet science has emerged nonetheless, for there were enough people under the influence of the authentic mysteries and the authentic science of initiation who stood up to those spirits who actually sought to eradicate knowledge at its very root. And so science has developed. It has taken the path that I have often described in detail, reached the state it was in during the mid-15th century—when the fifth post-Atlantean epoch began—and has continued into our own time, where, however, a new turning point now lies ahead for this science—in light of the science of initiation in the present day. Today, this science is ripe to be placed, so to speak, within the freedom of the human being. Today, this science—which, in essence, still regards only the sensory-physical as exact and certain, that is, what is gained through observation or experiment—is, as I have often explained, ripe to develop into the grasping of the world of imagination, of the inspired and intuitive, and to find its way into the experience and apprehension of the spiritual. This science is called upon to grow further, so that in its growth it may take on the form of spiritual vision. It is now ready for this.

[ 11 ] Damit aber diese Wissenschaft sich regulär fortentwickeln kann, muß jene Gesinnung in der Menschheit ausgebildet werden, die da will, daß dieselben gewissenhaften Untersuchungs- und Forschungstendenzen, die für die äußere sinnliche Welt in Botanik, Physik, Chemie und so weiter vorhanden sind zum Triumphe der äußeren Wissenschaft, auch angewendet werden im Inneren der Menschen, daß dasjenige, was Gesinnung in der äußeren Wissenschaft ist, übergeführt werde in ein solch lebendiges Ergreifen der übersinnlichen Welt, wie es angedeutet ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in andern entsprechenden Büchern. Und wir müssen uns darüber klar sein: Was eigentlich als Streben auf dem Grunde unserer Seele liegen soll und was allein in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft leben kann, das ist von etwas, was seinem Gegenpole gleicht, dem Jesuitismus, dadurch unterschieden, daß gerade der Jesuitismus es ist, welcher die Wissenschaft, das eigentliche Wissen halten möchte auf dem bloß experimentellen oder Beobachtungsfelde. Prüfen Sie einmal — aber prüfen Sie genau die wissenschaftliche Literatur, die von den Jesuiten ausgeht: Sie ist in der Gesinnung, in der Vorstellungsweise die denkbar materialistischste; sie ist bestrebt, das Wissen ganz in der sinnlichen Welt zu erhalten und streng abzutrennen das Wissen, das nur mit sinnlicher Beobachtung oder mit den durch das Experiment zu beobachtenden Tatsachen zu tun haben soll, von dem, was Gegenstand des Glaubens oder der Offenbarung sein soll. Niemals soll eine Brücke geschlagen werden im Sinne dieser Denkungsart zwischen dem, was äußere Wissenschaft ist, und dem, was Glauben ist. Das will aber gerade anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft suchen: den Weg heraus aus einer physisch-sinnlichen Wissenschaft in eine Geisteswissenschaft, aber in eine Geisteswissenschaft, die so streng erkenntnismäßig gehalten ist wie die äußere sinnliche Wissenschaft.

[ 11 ] However, in order for this science to develop properly, a certain mindset must be cultivated among humanity—one that seeks to apply the same conscientious tendencies toward investigation and research that exist for the external sensory world in botany, physics, chemistry, and so on—and which have led to the triumph of external science—be applied within human beings as well, so that what constitutes the spirit of external science may be transformed into such a living grasp of the supersensible world as is indicated in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, in An Outline of Esoteric Science, or in other relevant books. And we must be clear about this: What should actually lie at the root of our soul as an aspiration—and what can live solely within anthroposophically oriented spiritual science—is distinguished from something resembling its opposite pole, Jesuitism, in that it is precisely Jesuitism that seeks to confine science, true knowledge, to the purely experimental or observational realm. Take a look—but examine closely the scientific literature produced by the Jesuits: It is, in its mindset and mode of thinking, as materialistic as is conceivable; it strives to confine knowledge entirely to the sensory world and to strictly separate knowledge—which is to deal only with sensory observation or with facts observable through experimentation—from that which is to be the object of faith or revelation. According to this way of thinking, no bridge should ever be built between what constitutes external science and what constitutes faith. Yet this is precisely what anthroposophically oriented spiritual science seeks: the path out of physical-sensory science and into spiritual science—but a spiritual science that is as rigorously grounded in knowledge as external sensory science.

[ 12 ] So haben wir uns also vorzustellen: Diese physisch-sinnliche Wissenschaft ist die Wurzel und herauswachsen soll aus denselben Impulsen, die in Botanik, Physik, Chemie und so weiter walten — nur daß auf ein anderes Territorium gegangen wird —, die übersinnliche Erkenntnis, das übersinnliche Wissen. In gewissen Kreisen sah man voraus, daß dies kommen wird. Daher legte man dort, wo man ein Interesse daran hat, daß dies nicht komme, in die menschliche Entwickelung das hinein, was jetzt als ein anderer Gegensatz erscheint: der Gegensatz, den ich angeführt habe, von dem regulär zur menschlichen Wissenschaft herüberkommenden alten Wissen und dem Betäuben der Menschheit mit der göttlichen Wissenschaft. Man legte in die Menschheit hinein den Gegensatz zwischen Wissen und Glauben. Man tat das Entgegengesetzte: die Wissenschaft vom Sinnlichen wollte man gerade halten, die betonte man scharf, und es ist einfach wahr, wenn man gerade die jesuitische Literatur über die materialistische Wissenschaft auf Lesbarkeit, auf das Einleuchtende der Darstellung hin durchsieht, daß sie etwas außerordentlich Begabtes darstellt, daß tatsächlich diese von Jesuiten geschriebene Literatur über die materialistische Welt begabter geschrieben ist als manches andere, was über diese Welt heute von anderer Seite geschrieben wird. Es ist gut, was zum Beispiel ein Mensch wie der Pater Erich Wasmann über die Ameisen schreibt, und wenn Sie das lesen, so werden Sie davon mehr haben als von den pedantisch-philiströsen Ameisenbeschreibungen der anderen Forscher. So könnte man Beispiel über Beispiel anführen. Die Jesuiten-Schriften wären gut, wenn sie nur Materialistisches beschreiben würden; denn es ist bewußtes Bestreben [der Jesuiten],durch dieBeschreibung des Materialistischen die Menschen dabei zu halten, das Wissen überhaupt nur auf die materialistisch-physische Welt zu beziehen. Und das soll hauptsächlich der Menschheit vorgemacht werden, daß man das Übersinnliche nicht mit dem Wissen erforschen kann. Wie jene alten, von Luzifer besessenen Menschen damals den Menschen vorgemacht haben, sie bekommen Macht über die Welt, wenn sie sich des alten Götterwissens bedienen — während aber schon andere Zeiten der Entwickelung da waren —, so kommen jetzt die Nachzügler jener Menschen aus den Nachurzeiten und machen den Menschen vor, daß es nicht möglich ist, das Wissen in die übersinnliche Welt hinein auszudehnen, daß man mit dem Wissen vor der übersinnlichen Welt haltmachen müsse. Wie jene Menschen der früheren Zeit mit dem übersinnlichen Wissen die Menschheit betäuben wollten, so wollen die heutigen, ihnen entsprechenden menschlichen Wesenheiten nun die Menschheit recht hineintreiben in die physische Welt, damit sie dort drinnen stecken bleibe und nur mit dem stumpfen Impuls des Glaubens die übersinnliche Welt ergreife. Wie man in der Nachurzeit den Menschen zu viel Wissen über das Übersinnliche geben wollte, so wollen ihnen heute die Nachzügler zu wenig Wissen darüber geben. Jene wollten übersinnliches Wissen unberechtigterweise geben, diese wollen ihnen nur sinnliches Wissen lassen und ihnen über das Übersinnliche etwas lassen, worüber jeder Mensch seine beliebige Stellung haben kann.

[ 12 ] So this is how we must conceive of it: This physical-sensory science is the root, and growing out of the same impulses that govern botany, physics, chemistry, and so on—only that we are moving into a different realm—is supersensory insight, supersensory knowledge. In certain circles, people foresaw that this would come to pass. Therefore, those who had an interest in preventing this from happening introduced into human development what now appears as another opposition: the opposition I have mentioned—between the ancient knowledge that naturally flows into human science and the numbing of humanity through divine science. They implanted within humanity the opposition between knowledge and faith. They did the opposite: they sought to uphold the science of the sensible, emphasizing it sharply; and it is simply true that if one examines Jesuit literature on materialistic science for readability and the clarity of its presentation, one finds that it displays extraordinary talent—that, in fact, this literature written by Jesuits on the materialistic world is written with greater skill than much of what is written about this world today by other sources. What a man like Father Erich Wasmann writes about ants, for example, is excellent, and if you read it, you will gain more from it than from the pedantic, philistine descriptions of ants by other researchers. One could cite example after example. The Jesuit writings would be good if they merely described materialistic phenomena; for it is a conscious endeavor [on the part of the Jesuits] to use their descriptions of the materialistic realm to keep people focused on relating all knowledge exclusively to the material-physical world. And the main purpose of this is to convince humanity that the supersensible cannot be explored through knowledge. Just as those ancient people, possessed by Lucifer, once led people to believe that they would gain power over the world by making use of the ancient knowledge of the gods—even though other stages of development had already begun— so now the stragglers of those people from later eras are coming along and leading people to believe that it is not possible to extend knowledge into the supersensible world, that one must stop at the threshold of the supersensible world. Just as those people of earlier times sought to lull humanity into complacency with supersensible knowledge, so today’s human beings—who are their counterparts—now seek to drive humanity deep into the physical world, so that it remains trapped there and grasps the supersensible world only through the dull impulse of faith. Just as in the post-primitive era people sought to give humanity too much knowledge of the supersensible, so today’s stragglers seek to give them too little knowledge of it. The former sought to impart supersensible knowledge unjustifiably; the latter wish to leave them with only sensory knowledge and to offer them, regarding the supersensible, something about which every person can hold whatever position they please.

[ 13 ] Was würde nun geschehen, wenn der Kreis von Leuten, auf den hier hingewiesen ist, irgendeinen Sieg erringen würde, jener Kreis von Leuten, welcher bewußt Wissenschaft und Glauben unterscheidet, während natürlich eine große Anzahl von am Gängelbande geführten Leuten die Tirade vorfinden von der «Trennung von Glauben und Wissen» und sie nachsprechen, aber doch nur nachsprechen? Was hat man da? Im entgegengesetzten Sinne will man das ausführen, was auch jene alten Persönlichkeiten der Nachurzeit, nur in ihrem Sinne, ausgeführt haben. Wie man in der alten Zeit die Menschheit nicht ganz hinuntersteigen lassen wollte zur vollen Erdenaufgabe, so will man sie jetzt in der Erdenaufgabe drinnen erhalten, will sie nicht sich weiterentwickeln lassen von der Erde aus. Und die, welche heute gerade den Materialismus fördern, nennen sich heute «Spiritualisten» oder die Priester dieses oder jenes Glaubens, die Vertreter des Übersinnlichen. Wie in jenen alten Zeiten die, welche ein unberechtigtes Geistesleben gaben, sich von dem charakterisierten Gesichtspunkte aus — Materialisten nannten, so nennen sich heute zahlreiche Menschen, die eigentlich die Menschheit beim Materiellen erhalten wollen, Vertreter des Spirituellen. Es ist heute der stärkste Quell des Materialismus nicht dasjenige, was etwa von Büchner, Moleschott oder dem dicken Vogt ausgegangen ist, sondern dieser stärkste Quell ist Rom und alles, was mit diesem Zentrum des Materialismus irgend etwas zu tun hat. Und erreicht wird das, was man erreichen will, indem man nicht sagt: Ich will den Materialismus fördern —, sondern indem man die Menschen dadurch im Materialismus erhält, daß man in ihnen nur einen stumpfen Impuls für das Übermaterielle aufkommen läßt als Glauben, aber darüber hinaus keinen Impuls in die Menschheit hineinkommen läßt, der das Übersinnliche ergreifen kann. Daß man etwa von Rom aus das Übersinnliche für den Menschen erobern wollte, das ist die weltgeschichtliche Unwahrheit der neueren Zeit, und das muß klar und deutlich durchschaut werden! Und wenn in der neueren Zeit das Protestantentum, das Evangelische aus dem Römischen sich herausgebildet hat, so müssen wir uns klar sein: Es ist manches innerhalb des Protestantismus entstanden aus dem Römischen, allein jene Bestrebung, durch die Abstumpfung des übersinnlichen Wissens in dem Impulse des Glaubens die Menschheit nicht zum Übersinnlichen kommen zu lassen, die ist gerade auch im Evangelischen sehr stark geblieben, abgesehen davon, daß heute ja schon die Zeichen der Zeit sehr dahin deuten, daß das Evangelische von Rom, das neue und immer neue Anstrengungen machen wird nach der Richtung hin, die ich charakterisiert habe, überwunden wird.

[ 13 ] What would happen, then, if the group of people referred to here were to achieve some kind of victory—that group of people who consciously distinguish between science and faith—while, of course, a large number of people led by the nose encounter the tirade about the “separation of faith and knowledge” and parrot it, but merely parrot it? What do we have here? In the opposite sense, they want to carry out what those ancient figures of the post-protohistoric era also carried out—only in their own way. Just as in ancient times they did not want to let humanity descend entirely into the full earthly mission, so now they want to keep humanity within that earthly mission and prevent it from developing further from the earth. And those who today actively promote materialism call themselves “spiritualists”—or the priests of this or that faith, the representatives of the supernatural. Just as in those ancient times, those who promoted an unfounded spiritual life called themselves “materialists” from that particular point of view, so today numerous people who actually want to keep humanity bound to the material world call themselves representatives of the spiritual. Today, the strongest source of materialism is not what emanated, for example, from Büchner, Moleschott, or the “fat Vogt,” but rather this strongest source is Rome and everything that has anything to do with this center of materialism. And what one seeks to achieve is accomplished not by saying, “I want to promote materialism,” but by keeping people entrenched in materialism—by allowing only a dull impulse toward the supramaterial to arise in them as faith, while preventing any impulse from entering humanity that could grasp the supersensible. The notion that Rome, for example, sought to win over humanity to the supersensible is the historical falsehood of modern times, and this must be clearly and unambiguously recognized! And while Protestantism—the Evangelical tradition—has emerged from Roman Catholicism in modern times, we must be clear about this: Much within Protestantism has indeed arisen from Roman Catholicism, but that very effort—to prevent humanity from attaining the supersensible by dulling supersensible knowledge within the impulse of faith—has remained particularly strong within Evangelicalism as well, apart from the fact that the signs of the times already point strongly toward Evangelicalism overcoming Rome, which will make new and ever-renewed efforts in the direction I have described.

[ 14 ] Sie sehen, will man in der Welt etwas erreichen, dann handelt es sich darum, wenn das Erreichte das Gegenteil von dem sein soll, was eigentlich im Sinne der normalen Fortentwickelung der Menschheit liegt, daß man sich gewissermaßen einen entgegengesetzten Namen zulegt. Die Menschheit muß lernen, über den Glauben an die Namen hinauszukommen, und sie ist auf dem Wege dazu. Die Menschheit muß zu tieferen Quellen als zu dem Leben in Worten kommen. Angefangen hat die Sache ja im Grunde schon. Denken Sie sich, es läßt sich heute jemand bei Ihnen melden mit seiner Visitenkarte, auf der steht «Ernst Müller». Sie werden wahrscheinlich nicht vermuten, daß nun ein Mensch hereinkomme, mehlbestaubt und so weiter, der also ein Müller ist. Ebensowenig werden Sie vermuten, wenn sich jemand als «Richard Schmied» meldet, daß ein Mensch hereinkommt, der eben noch Pferdehufe beschlagen hat. Aber wenn man auf dem Dorfe gelebt hat, dann erinnert man sich noch, daß da die Leute gesagt haben: Jetzt kommt der Müller —, da’ war der wirkliche Müller damit gemeint, oder sie sagten: Jetzt kommt der Schmied —, und meinten den wirklichen Schmied. Da hat der Name noch etwas anderes bedeutet als die äußere Kennzeichnung. Unsere Eigennamen haben den Weg genommen, der es nicht mehr möglich macht, daß wir vom Namen aus auf das Wesen schließen, das diesen Namen trägt. Wir können heute nicht die Sprache nehmen in bezug auf die Eigennamen, um aus diesen etwas herauszubekommen, was das Wesen charakterisiert, das die Namen trägt. Wir wissen heute nicht, wenn wir den Namen Schmied hören für einen Menschen, ob der ein Schmied ist, oder bei einem andern, ob er ein Müller ist, wenn wir den Namen Müller hören. Aber denselben Weg, den bis heute schon unsere Worte gemacht haben in bezug auf unsere Eigennamen, denselben Weg wird die ganze Sprache nehmen, und der Mensch wird lernen müssen, aus andern Bedingungen heraus sich seine Vorstellungen zu bilden als aus den Worten. So wie Sie, wenn ein Herr Müller mit der Visitenkarte sich melden kommt, sich kein Bild machen können über das Wesen dieses Menschen, so müssen Sie sich gewöhnen, nicht aus dem Charakter der Worte das zu entnehmen, was man über die Welt denken muß.

[ 14 ] You see, if one wants to achieve something in the world—especially if what one achieves is to be the opposite of what is actually in line with the normal progression of humanity—then one must, so to speak, adopt a name that is the opposite. Humanity must learn to move beyond belief in names, and it is on its way to doing so. Humanity must tap into deeper sources than life in words. In fact, this process has already begun. Just imagine: someone comes to see you today with a business card that says “Ernst Müller.” You probably wouldn’t assume that a person covered in flour and so on—in other words, a miller—is about to walk in. Nor would you assume, if someone introduced themselves as “Richard Schmied,” that a person who had just been shoeing horses is about to walk in. But if you’ve lived in a village, you’ll still remember that people used to say, “Here comes the Müller”—and by that they meant the actual miller—or they’d say, “Here comes the Schmied”—and they meant the actual blacksmith. Back then, the name meant something more than just an external label. Our proper names have taken a path that no longer allows us to infer the essence of the person bearing the name from the name itself. Today, we cannot use language in relation to proper names to extract from them anything that characterizes the essence of the person bearing the name. Today, when we hear the name “Schmied” for a person, we do not know whether that person is a blacksmith, or, in the case of another, whether he is a miller when we hear the name “Müller.” But the same path that our words have already taken with regard to our proper names—the same path—will be taken by language as a whole, and people will have to learn to form their conceptions based on conditions other than words. Just as you cannot form a picture of a person’s character when Mr. Müller comes to introduce himself with a business card, so you must get used to not deriving what one must think about the world from the nature of words.

[ 15 ] Wenn man Ernst macht mit dem, was eine dringende Forderung der Zeit ist, dann wird man heute noch wenig verstanden. Bedenken Sie nur, wenn ich das, was ich als Geisteswissenschaft vorzutragen habe, so bringen würde, wie man es heute fordert nach den Wortwissenschaften, dann würde ich ja nicht dasjenige tun, was ich mich immer bemüht habe zu tun, von den verschiedensten Seiten her irgend etwas zu charakterisieren, bald mehr von der materiellen Seite, bald mehr von der spirituellen Seite her, immer eingedenk des Grundsatzes, den Goethe ausgesprochen hat: Die Wahrheit ist keineswegs zwischen zwei entgegengesetzten Behauptungen in der Mitte zu suchen. Man kann gar nicht bei der Entwickelung, bei der wir angekommen sind, heute noch glauben, daß man durch eine einseitige Charakteristik in Worten den Inhalt, den man zu geben hat, treffen könne. Man muß von verschiedenen Seiten her charakterisieren, muß in der Wortcharakteristik so vorgehen, wie man vorgeht, wenn man zum Beispiel einen Baum von verschiedenen Seiten her photographisch aufnimmt, wo dann die photographischen Bilder ganz verschieden sind. Hält man sie aber dann zusammen, so schaut man hin auf etwas, was man sich vorstellen kann als den Baum.

[ 15 ] If one takes seriously what is an urgent demand of our time, one is still little understood today. Just consider this: if I were to present what I have to say as a spiritual science in the way that is demanded today by the verbal sciences, then I would not be doing what I have always strived to do—namely, to characterize something from a wide variety of perspectives, sometimes more from the material side, sometimes more from the spiritual side, always mindful of the principle articulated by Goethe: The truth is by no means to be found in the middle between two opposing assertions. At the stage of development we have reached today, one cannot possibly still believe that a one-sided verbal characterization can capture the content one is meant to convey. One must characterize from various angles; one must proceed in verbal characterization just as one does, for example, when photographing a tree from different angles, where the photographic images are then quite different. But when one holds them together, one looks upon something that one can imagine as the tree.

[ 16 ] Lesen Sie nun die verschiedenen erschienenen Vortragszyklen durch und Sie werden sehen, wie dieser Grundsatz bei der Darstellung eingehalten ist, wie da die Dinge wirklich von verschiedenen Seiten her dargestellt sind. Will man das, was den Menschen zum Heile ist und was sie brauchen, heute darstellen, dann muß man sich angewöhnen, so zu sprechen, wie das geschehen ist. Und weil man in gewissen Kreisen das nicht will, weil man in den Wortwissenschaften fortfahren möchte, aber das, was menschliche Angelegenheit ist, nicht in der Wortwissenschaft gegeben werden kann, deshalb kommen in der jetzigen Zeit jene Sozialismen auf, die weiter in die Wortwissenschaft hineingehen wollen, die aber nur in die Zerstörung führen können. Heute glauben die Menschen mit Bezug auf die Ereignisse im Osten, es sei nun die Gefahr vorüber, nachdem jetzt die Polen gesiegt haben, nachdem vorher eine Zeitlang die Bolschewiki gesiegt haben, aber unter furchtbar tragikomischer Art des menschlichen Verhaltens. Gerade am jetzigen russisch-polnischen Kriege kann man aber sehen, wie haltlos im Grunde die heutige Menschheit geworden ist.

[ 16 ] Now read through the various published lecture series, and you will see how this principle is adhered to in the presentation, how things are truly presented from different perspectives. If one wants to present what is beneficial to people and what they need today, then one must get into the habit of speaking in the way that has been done. And because certain circles do not want this—because they wish to continue with the “science of words”—but what pertains to human affairs cannot be conveyed through the “science of words”—that is why, in the present age, those forms of socialism are emerging that seek to delve deeper into the “science of words,” yet can lead only to destruction. Today, with regard to the events in the East, people believe the danger is now over, now that the Poles have triumphed, after the Bolsheviks had previously triumphed for a time—though under the terribly tragicomic nature of human behavior. Yet it is precisely in the current Russo-Polish war that one can see how fundamentally unstable humanity has become.

[ 17 ] Wenn nun so etwas, was nun wirklich aus dem sozialen Leben der Gegenwart heraus geschrieben ist wie die «Kernpunkte der sozialen Frage», was auch seinem Stile nach aus den Bedürfnissen dieses Lebens der Gegenwart geschrieben ist, vor die Menschen hingestellt wird, dann kommen die Leute und verlangen, man solle Wortdefinitionen geben — ungefähr nach dem Muster, wie man noch in den meisten heute gebräuchlichen Schulbüchern Wortdefinitionen findet zum Unheil alles Erziehens und Unterrichtens! Aber indem immer mehr und mehr das Wort sich loslöste von dem, was man innerlich erlebte, indem man immer mehr aus andern Verhältnissen als aus den Wortquellen auf die Wirklichkeit schließen muß, ist man ja schließlich auch beim Namen Müller dahin gekommen, aus ganz andern Verhältnissen heraus darnach zu fragen, wer das sein kann, wer sich da präsentieren könnte, als durch eine Analyse des Namens Müller. So wird es nötig sein für die Menschheit, daß sie sich vom Worte loslöst und aus andern Quellen heraus das Dasein beurteilt.

[ 17 ] When something like this—which is truly drawn from contemporary social life, such as the “Key Points of the Social Question,” and which, in its style as well, is written to meet the needs of that contemporary life—is presented to the public, people come and demand that definitions of terms be provided—roughly along the lines of how definitions of terms are still found in most school textbooks in use today, to the detriment of all education and instruction! But as words have become increasingly detached from what is experienced inwardly, and as we are forced to infer reality more and more from circumstances other than the sources of the words themselves, we have ultimately reached a point even with the name “Müller” where we must ask—based on entirely different circumstances—who this person might be, who might be presenting themselves, rather than through an analysis of the name “Müller.” Thus, it will be necessary for humanity to detach itself from words and to judge existence based on other sources.

[ 18 ] Aber lange hat sich so etwas schon vorbereitet, nur wurde es nicht immer im richtigen Sinne der Menschheitsentwickelung angewendet. Daher ist es denn gekommen, daß weit ausgebreitete Gesellschaften heute sagen: Wir bekennen uns zu dem Christus! — Aber das Wort muß ja nicht das Wesen bezeichnen, das sie eigentlich anzubeten vorgeben. Es kommt nicht darauf an, daß man irgend etwas den Christus nennt, daß man sich von diesem Christus Vorstellungen macht, sondern es kommt darauf an, nach welchem realen Wesen die menschliche Empfindungswelt hingeht. Und wenn man dann zum Beispiel von diesem Christus-Wesen sich ein sehr irdisches Bild macht, wenn man sogar während seiner Lehrzeit in militaristischer Weise darin eingeweiht wird, wie man die Seele zuzubereiten hat, damit man sich eine ChristusVorstellung machen kann, wie man ihn als den König Jesus und seine Anhänger und sich als die Heerschar des Königs Jesus vorstellt, da kann es denn sein, wenn man sich ein so materielles Christus-Bild zurechtgemacht hat, daß man den Christus-Namen einer ganz andern Wesenheit gibt. Dann richtet man in Wahrheit seine Seele nach einer ganz andern Wesenheit hin und nennt diese zu Unrecht Christus. Und das geschieht heute sehr oft, geschieht so, daß es manchmal in ganz merkwürdiger Weise empfunden wird.

[ 18 ] But something like this has been in the making for a long time; it just hasn’t always been applied in a way that truly serves the development of humanity. That is why so many societies today say: “We profess our faith in Christ!” — But the word does not necessarily refer to the being they actually claim to worship. What matters is not that one calls something “Christ” or forms ideas about this Christ, but rather the real being toward which the human world of feeling is directed. And if, for example, one forms a very earthly image of this Christ-being—if, even during one’s period of instruction, one is initiated in a militaristic manner into how to prepare the soul so that one can form a conception of Christ, imagining him as King Jesus and his followers, and oneself as the host of King Jesus— then it may well be that, having formed such a material image of Christ, one assigns the name “Christ” to an entirely different being. Then, in truth, one directs one’s soul toward an entirely different being and wrongly calls it Christ. And this happens very often today; it happens in such a way that it is sometimes perceived in a most peculiar manner.

[ 19 ] Ich hatte einmal vor vielen Jahren in Marburg ein Gespräch mit einem vielgereisten evangelischen Geistlichen. Wir sprachen darüber, wie die eigentliche Christus-Auffassung in der neueren Theologie immer mehr und mehr verlorengegangen ist, wie eigentlich diese neuere Theologie den Christus auf der einen Seite durch gewisse Einweihungszeremonien zu dem Jesus schon im Bilde heruntermaterialisiert und wie auf der andern Seite gewisse Theologen in dem Christus nur den «schlichten Mann von Nazareth» sehen. Da sagte mir dieser vielgereiste, daher die Welt etwas sich angeschaut habende protestantische Theologe: Ja, unsere jüngeren Theologen haben eigentlich keinen Christus mehr, könnten sich gar nicht mehr Christen oder ChristusBekenner nennen; die müßten sich eigentlich, wenn der Name nicht schon vergeben wäre, Jesuiten nennen, denn sie haben nur noch einen Jesus! — Das ist nicht mein Urteil, sondern eines, das eben dem Kopfe eines vielgereisten protestantischen Theologen entsprungen ist. Und damit Sie nicht ein Vorurteil haben und die Theologen hier gar zu sehr verachten, will ich auch noch hinzufügen: dieser Mann war ein Schwabe und hat sogar eine Schwäbin, noch dazu eine Stuttgarterin, zur Frau gehabt! Aber das nur, damit Sie kein Vorurteil haben.

[ 19 ] Many years ago, in Marburg, I once had a conversation with a well-traveled Protestant clergyman. We spoke about how the true understanding of Christ has been increasingly lost in modern theology, how, on the one hand, this modern theology dematerializes Christ—reducing him to the image of Jesus—through certain initiation ceremonies, and how, on the other hand, certain theologians see in Christ only the “simple man from Nazareth.” Then this well-traveled Protestant theologian—who, having seen a bit of the world—said to me: “Yes, our younger theologians no longer really have a Christ; they could no longer even call themselves Christians or followers of Christ. If the name weren’t already taken, they would actually have to call themselves Jesuits, for they have only a Jesus left!” — That is not my judgment, but one that sprang from the mind of a well-traveled Protestant theologian. And so that you do not harbor a prejudice and come to despise the theologians here too much, I would also like to add: this man was a Swabian and was even married to a Swabian woman—a woman from Stuttgart, no less! But I mention this only so that you do not harbor a prejudice.

[ 20 ] Wir haben versucht, das zu erklären, was heute zur Trennung von Wissenschaft und Glauben geführt hat. Diese Trennung zwischen Wissen und Glauben ist es ja auch, die nicht aufkommen läßt, worauf ich schon gestern hingewiesen habe, die Erkenntnis von dem vorgeburtlichen oder vor der Empfängnis liegenden übersinnlichen Leben, die nur aufkommen lassen will den Glauben an das Post-mortem-Leben, den man auch den Menschen beibringen kann, wenn man nur mit einer egoistischen Seelenanlage rechnet. Das vorgeburtliche Leben, das wir durchlaufen haben zwischen dem letzten Tode und der jetzigen Geburt, läßt sich dem Menschen nur beibringen durch Erkenntnis, nicht durch ein Spekulieren auf seelen-egoistische Instinkte. Denn die Menschen sind ja so beschaffen, wenn sie hier leben, daß es ihnen ganz egal ist, was sie vorher durchgemacht haben, ehe sie in dieses Dasein hier eingetreten sind; aber aus egoistischen Gründen interessiert es sie, was nach dem Tode mit ihnen geschehen wird. Daher kann man gut predigen über das, was nach dem Tode den Menschen erwarten wird, denn das appelliert an die egoistischen menschlichen Seeleninstinkte. Man kann schlecht predigen, aber muß voraussetzen menschlichen Erkenntnisdrang, Streben nach menschenwürdigem Dasein, wenn man von der vorgeburtlichen Existenz des Menschen sprechen will. Und das führt dazu, selbstverständlich, daß uns zunächst die Erziehung und dann das Erdenleben so erscheinen, daß das Erdenleben aufgefaßt werden muß als die Erfüllung einer Aufgabe, die uns mitgegeben ist, nachdem wir aus der geistigen Welt heruntergekommen sind in das physische Dasein.

[ 20 ] We have tried to explain what has led to the separation of science and faith today. It is precisely this separation between knowledge and faith, as I pointed out yesterday, that prevents the recognition of the supersensible life prior to birth or conception—a recognition that would inevitably lead to belief in life after death, a belief that can be instilled in people if one assumes only an egoistic disposition of the soul. The prenatal life we have undergone between our last death and our present birth can be conveyed to people only through knowledge, not through speculation based on egoistic instincts of the soul. For people are, after all, such that, while they live here, they do not care at all about what they went through before entering this present existence; but for selfish reasons, they are interested in what will happen to them after death. Therefore, it is easy to preach about what awaits people after death, for this appeals to the selfish instincts of the human soul. It is difficult to preach about the human being’s prenatal existence, however, and one must presuppose a human thirst for knowledge and a striving for a dignified existence if one wishes to speak of it. And this leads, of course, to the fact that first our upbringing and then our earthly life appear to us in such a way that earthly life must be understood as the fulfillment of a task entrusted to us after we have descended from the spiritual world into physical existence.

[ 21 ] Das, was sich so unbedingt verbreiten muß in der äußeren Welt, was auch sozial gestaltend wirken muß, das hat, wie Sie aus verschiedenen Untergründen heraus ahnen können, viele Feinde. Und nun will ich heute am Schluß — denn ich muß es tun — Ihnen einiges von den trüben Quellen erzählen, aus denen das kommt, was heute gegen unsere Geisteswissenschaft vernichtend auftreten will. Es sind schon starke Stücke, die da kommen und sie werden sich immer verstärken, wenn nicht in noch stärkerem Maße, als es bisher der Fall war, die Seelen aufwachen.

[ 21 ] That which must spread so inevitably in the outer world, and which must also have a socially formative effect, has—as you can surmise from various sources—many enemies. And now, to conclude today—for I must do so—I want to tell you a little about the dark sources from which springs what today seeks to destroy our spiritual science. These are powerful forces at work, and they will only grow stronger unless souls awaken to an even greater extent than has been the case so far.

[ 22 ] Sie wissen ja und unsere Freunde hier haben dagegen gekämpft, daß über ganz Deutschland und darüber hinaus einmal die abscheuliche Verleumdung aufgetreten ist von jenem Verrat deutscher Offiziere an die Entente durch die Bestrebungen der Dreigliederungsleute und so weiter. Ich habe nun in der letzten Zeit einiges aus jenen abscheulichen Schriftstücken geliefert bekommen, die in weiten Kreisen heute verbreitet werden: gefälschte Briefe, von denen gesagt wird, daß sie aus unseren Reihen stammen, die mit aller Raffiniertheit die schlimmsten Verleumdungen verbreiten, gefälschte Interviews, deren Charakter ich Ihnen nur dadurch zu charakterisieren brauche, daß ich Ihnen mitteile, daß ein solches gefälschtes Interview damit schließt: «D.H. gehört in Wirklichkeit nicht zum Steiner-Bunde. Er hat sich nur als Spion eingeschlichen, um hinter die Schliche zu kommen, und das Ergebnis hat ‘er einem kleinen Kreis vaterländisch Gesinnter mitgeteilt, damit gesagt wird, daß der Steiner Hochverrat treibt und mit der Entente im Bunde steht!» Das ist nur ein kleines Pröbchen von den trüben Bestrebungen, die eine viel größere Verbreitung haben, als Sie glauben.

[ 22 ] As you know—and our friends here have fought against this—a vile slander once spread throughout Germany and beyond, alleging that German officers had betrayed the Entente due to the efforts of the Threefold Order people, and so on. Recently, I have received several of those despicable documents that are being circulated widely today: forged letters, said to originate from our ranks, which spread the worst slanders with the utmost cunning; forged interviews, the nature of which I need only characterize by telling you that one such forged interview concludes as follows: “D.H. does not in reality belong to the Steiner Society. He merely infiltrated the group as a spy to uncover its secrets, and he shared his findings with a small circle of patriotic-minded individuals so that it might be said that Steiner is committing high treason and is in league with the Entente!” This is just a small sample of the sinister efforts that are much more widespread than you realize.

[ 23 ] Ein sehr niedliches Beispiel in dieser Beziehung ist etwas, was auch jene Persönlichkeit der hiesigen Nachbarschaft, die ich in einem öffentlichen Vortrage einmal mit dem Worte «Schwein» bezeichnet habe — weil alles, was von dieser Persönlichkeit gegen mich gerichtet ist, mit keinem andern Worte bezeichnet werden kann —, jetzt von dort durch die schwarze Kunst verbreitet wird unter dem Titel: «Die gestohlene Dreigliederung.» Da wird nichts Geringeres behauptet, als daß einmal eine Dame eine Dreigliederung geschaffen habe — allerdings ist die Dame nicht vorsichtig genug, weil sie nichts darüber gelesen hat, wie früh in gewissen Kreisen meine Dreigliederung verbreitet worden ist; sie gibt einen Zeitpunkt an, der etwas später liegt als der Zeitpunkt, wo ich mit sehr vielen Leuten über die hier vertretene Dreigliederung gesprochen habe —, aber diese Dame habe auch eine Dreigliederung geschaffen; das Manuskript habe sie einer philanthropischen Gesellschaft geschickt, es sei dann nach Hamburg gewandert, dort habe es der Betreffende statt vierzehn Tage für vier Wochen behalten, dadurch sei es wahrscheinlich von mir gelesen und so die Dreigliederung aus diesem Manuskript von mir genommen worden. Allerdings kann die Dame nicht gut sagen, daß irgend etwas zwischen der hier vertretenen Dreigliederung und dem, was sie damals in jenes Manuskript hineingeschrieben hat, übereinstimmt. Deshalb sagt sie: «Die Dreigliederung ist zwar aus diesem Manuskript gestohlen — aber sie ist verpfuscht!» Jawohl: Der hat mir meine Uhr gestohlen, aber das ist eine ganz andere! Nun hat sie eine Schrift verfaßt über ihre Dreigliederung. Die besteht, wie sie angibt, in dem Goldenen Schnitt «Staat, Kulturreich, Kirche», wobei dann wieder alles durch den Goldenen Schnitt gefordert sein soll. Also wir haben den Einheitsstaat und darin zwei Teile, also genau «dasselbe», was auch die Dreigliederung will; deshalb ist die verpfuscht! — Damit Sie sich eine Vorstellung machen können, empfehle ich Ihnen sehr diese Schrift; der Titel heißt: «3:5, 5:8 = 21:34 — Das Geheimnis, die Schuldenlasten in absehbarer Zeit tilgen zu können», von Elisabeth Mathilde Metzdorff-Teschner, erschienen 1920 im Selbstverlag. — Sie könnten etwas gut machen, wenn Sie jetzt sagten: Wir haben gearbeitet für die Dreigliederung, aber wir haben eigentlich nur im Auftrage der Frau Elisabeth Metzdorff-Teschner gearbeitet. — Denn das mutet sie uns auch noch zu, indem sie an allerlei Leute Briefe schreibt.

[ 23 ] A very amusing example in this regard is something that even that figure from our local neighborhood—whom I once referred to as a “pig” in a public lecture, because nothing directed against me by this person can be described with any other word—is now spreading from there through the black arts under the title: “The Stolen Threefold Division.” It claims nothing less than that a certain lady once created a threefold division—though the lady is not careful enough, since she has not read about how early my threefold division was disseminated in certain circles; she specifies a date that is somewhat later than the time when I spoke with a great many people about the threefold social order presented here—but this lady is also said to have created a threefold social order; she sent the manuscript to a philanthropic society; it then made its way to Hamburg, where the person in question kept it for four weeks instead of fourteen days, so it was probably read by me, and thus the threefold division was taken from that manuscript by me. However, the lady cannot really say that anything in the threefold division presented here corresponds to what she wrote in that manuscript back then. That is why she says: “The threefold division was indeed stolen from this manuscript—but it has been botched!” Indeed: “He stole my watch, but this is a completely different one!” Now she has written a treatise on her threefold social order. As she states, it consists of the Golden Ratio “State, Cultural Realm, Church,” whereby everything is again supposed to be governed by the Golden Ratio. So we have the unitary state and within it two parts—exactly “the same” as what the threefold social order also aims for; that is why it is botched! — So that you can get an idea of it, I highly recommend this treatise to you; the title is: “3:5, 5:8 = 21:34 — The Secret of Being Able to Pay Off Debts in the Foreseeable Future,” by Elisabeth Mathilde Metzdorff-Teschner, self-published in 1920. — You could make amends if you were to say now: “We have worked for the threefold social order, but in reality we have only worked on behalf of Ms. Elisabeth Metzdorff-Teschner.” — For she is still imposing this on us by writing letters to all sorts of people.

[ 24 ] Das sind die Unterlagen für das, was ein Herr Rohm schreibt und was jetzt in die Schweiz geht und von allen katholischen Seelenhirten den Leuten dort aufgetischt wird. Natürlich hat niemand eine Ahnung davon, was an der Quelle steht, sondern es wird den Leuten in den Artikeln etwas ganz anderes erzählt, was die Leute ganz gut glauben könnten, da man nicht auf diese Narrheit als Quelle hinweist. So wird heute gearbeitet, aber nicht etwa unbewußt, sondern ganz bewußt. Gegen das wird bewußt gearbeitet, was aus ehrlicher Bestrebung heraus dem wirklichen Fortschritt der Menschheit dienen will! Und die, welche allen voran in der Schweiz zum Beispiel in solchem Stile arbeiten, sind für den Augenblick die katholischen Seelenhirten, die alles das nachdrucken, was von jenen Zentralen ausgeht, die von Herrn Knapp und andern befehligt werden und was in den Schmutzkübeln des Herrn Rohm abgeladen wird und so weiter. Dabei fällt mir immer ein, wieviel Leute es bis vor kurzem gegeben hat und noch gibt, die in der Schar der Anthroposophen wackere Abonnenten des «Leuchtturms» des Herrn Rohm sind und die einem immer mit den Ansichten des Herrn Rohm, mit dem oder jenem kamen!

[ 24 ] These are the documents supporting what a Mr. Rohm writes—the very same material that is now making its way to Switzerland and being served up to the people there by all the Catholic pastors. Of course, no one has the slightest idea what the source actually says; instead, the articles tell people something entirely different—something they might well believe, since no one points out this nonsense as the source. This is how things are done today—not unconsciously, but quite deliberately. They are deliberately working against what, out of sincere endeavor, seeks to serve the true progress of humanity! And those who, above all in Switzerland, for example, work in this manner are, for the moment, the Catholic pastors who reprint everything that emanates from those central offices commanded by Mr. Knapp and others—and which is dumped into Mr. Rohm’s trash cans, and so on. This always reminds me of how many people there were until recently—and still are—among the ranks of the anthroposophists who are loyal subscribers to Mr. Rohm’s Leuchtturm and who are always coming at you with Mr. Rohm’s views, this one or that one!

[ 25 ] Ich mußte Ihnen aber diese kleinen Proben — ich könnte die Beispiele reichlich vermehren — schon einmal vorführen, damit Sie sehen, mit welchen Mitteln gearbeitet wird.

[ 25 ] But I had to show you these small examples—and I could easily provide many more—so that you could see the methods used.

[ 26 ] Anthroposophie soll durch die Kraft, die in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft liegt, auch die Kraft bekommen, noch etwas anderes aus den Worten zu haben, als den Namen: die Empfindung für die Wahrheit. Wer die Empfindung für die Wahrheit hat, wird auf den Weg kommen, der in etwas ganz anderem liegt, als es die Menschen heute vielfach bequem finden, der aber gesucht wird durch solche Dinge, wie sie auch heute wieder geschildert werden mußten. Denn es ist heute bequemer, etwas anderes zu sagen, als auf die starken feindlichen Kräfte hinzuweisen, die die Direktion sind für das Unterschiedmachen zwischen Wissenschaft und Glauben und die darauf ausgehen, den Weg zu versperren zum Hineinführen der sinnlichen Wissenschaft in die übersinnliche Wissenschaft.

[ 26 ] Through the power inherent in anthroposophically oriented spiritual science, anthroposophy should also gain the power to derive something more from words than just their names: a sense of truth. Those who have a sense of truth will set out on a path that lies in something quite different from what many people today find convenient, but which is sought through such things as those that had to be described again today. For it is more convenient today to say something else than to point out the powerful hostile forces that are driving the distinction between science and faith and that aim to block the path toward integrating sensory science into supersensory science.