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Contrasts in Human Development
GA 197

14 November 1920, Stuttgart

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] In den Betrachtungen, die wir hier angestellt haben, wurde von den verschiedensten Seiten her charakterisiert, mit welchen Wirkungskräften der menschlichen Entwickelung man sich bekanntmachen muß, wenn man richtig verstehen will, was heute geschieht, was vor allen Dingen in die gegenwärtige katastrophale Zeit hineingeführt hat und was notwendig ist, wenn man sich richtig in sie hineinstellen will mit einem kraftvollen Wirken im Sinne eines wirklichen Menschheitsfortschrittes. Es wird ja eben leider viel zu wenig das Augenmerk darauf gerichtet, wie sich die wirkenden Kräfte in der Menschheitsentwickelung in der neuesten Zeit gegenüber verhältnismäßig gar nicht so lange zurückliegenden Zeitläuften verändert haben.

[ 1 ] In the reflections we have presented here, we have characterized from a wide variety of perspectives the forces at work in human development that one must become acquainted with if one wishes to correctly understand what is happening today, what above all has led to the current catastrophic era, and what is necessary if one wishes to position oneself correctly within it, acting powerfully in the spirit of genuine human progress. Unfortunately, far too little attention is paid to how the forces at work in human development have changed in recent times compared to periods not so long ago.

[ 2 ] Ich darf vielleicht auch heute noch einmal ausgehen von der großen Katastrophe der letzten Jahre, gerade um hinzulenken auf dasjenige Ereignis, auf das ich mit einigen Worten am Schlusse der letzten hier gehaltenen Betrachtungen hingewiesen habe, auf jenes besondere ChristusEreignis, das, wie ja öfter schon erwähnt worden ist, der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angehört.

[ 2 ] Perhaps I may once again begin today with the great catastrophe of recent years, precisely in order to draw attention to that event to which I alluded briefly at the end of my last reflections delivered here—that particular Christ event which, as has already been mentioned on several occasions, belongs to the first half of the 20th century.

[ 3 ] Wenn wir die katastrophalen Ereignisse mit all ihren Folgen, die in unsere heutige Zeit hereinragen und noch lange andauern werden, wirklich unbefangen beobachten, so müssen wir eben bemerken, wie verschieden, möchte ich sagen, das Schicksalsgefüge der zivilisierten Menschheit in dieser neuesten Zeit war gegenüber älteren Zeiten. Wir möchten allerdings gleichzeitig auch darauf hinweisen, wie bei einer großen Anzahl gerade maßgebender Menschen ein Bewußtsein von dem, was da heraufgezogen ist, noch nicht durchgedrungen ist, so daß die Handlungsweise auch maßgebender Persönlichkeiten heute eigentlich noch immer so ist, und vor allen Dingen in den letzten Jahren so war, wie es früheren Zeiten entspricht, wie es aber unserer Gegenwart ganz und gar nicht mehr entspricht.

[ 3 ] If we truly observe the catastrophic events—with all their consequences, which extend into our present time and will continue for a long time to come—with an unbiased eye, we cannot help but notice how different, I would say, the fabric of fate for civilized humanity has been in these most recent times compared to earlier eras. At the same time, however, we would also like to point out that among a large number of influential people, an awareness of what has been unfolding has not yet taken hold, so that the behavior of even influential figures today—and especially in recent years—still corresponds to that of earlier times, even though it no longer corresponds at all to our present reality.

[ 4 ] Wir haben — ich erwähne das alles heute zunächst nur einleitend, gewissermaßen zum Exempel — einen, nun, man nennt es «Krieg» hinter uns, der größer war als irgendein Krieg der historischen Menschheitszeiten. Wir haben gesehen, daß in dem, was die Menschen als Gedanken gehabt haben beim Ausgangspunkte dieses Krieges, auch in dem, was die meisten Menschen heute noch immer als Gedanken haben, eigentlich etwas lebt wie ein Gespenst der Vorzeit. Man hat gesehen, daß aus diesem Ideengespenst, das aus der Vorzeit in die Gegenwart noch hereinragt, Urteile über dasjenige entstanden sind, was hat geschehen sollen. Es wurde gehandelt unter solchen Urteilen, es wurden diese und jene Maßnahmen getroffen und man hatte keine Ahnung, daß eigentlich im Grunde etwas ganz anderes geschieht als dasjenige, was in den Vorstellungen der Menschen von diesem Geschehen lebt.

[ 4 ] We have—I’m mentioning all this today merely by way of introduction, as an example, so to speak—a, well, what is called a “war” behind us that was greater than any war in the history of humankind. We have seen that in the ideas people held at the outset of this war—and indeed in the ideas most people still hold today—there actually lives something like a specter from the past. It has become clear that from this specter of ideas, which still looms from the past into the present, judgments have arisen regarding what was supposed to happen. People acted in accordance with such judgments; this or that measure was taken, and they had no idea that, in reality, something entirely different was happening than what lived on in people’s conceptions of these events.

[ 5 ] In diesem Kriege standen ja einander gegenüber wie in früheren Kriegen gewiß auch Menschen, kämpfende Menschen. Was aber in früheren Kriegen nicht da war und was in diesem Kriege da war, das waren Energien, Kräfte, die von ganz anderem kamen als aus denjenigen menschlichen Eigenheiten heraus, aus denen die Kräfte in früheren Kriegen gekommen sind. Wir haben in der neuesten Zeit eine große, gewaltige Technik heraufziehen sehen und dieses Heraufziehen einer großen, gewaltigen Technik hat die ganze Situation im Schicksalsgefüge der Menschen geändert. Und die Tatsachen sind in den letzten Jahren so verlaufen, wie es dieser Veränderung entspricht. Aber die Vorstellungen der Menschen haben sich nicht in derselben Weise verändert.

[ 5 ] In this war, just as in earlier wars, human beings—fighting human beings—certainly faced off against one another. But what was absent in earlier wars and present in this one were energies and forces that originated from something entirely different than the human characteristics from which the forces in earlier wars had arisen. In recent times, we have witnessed the rise of a vast, powerful technology, and this rise of a vast, powerful technology has altered the entire situation within the fabric of human destiny. And events in recent years have unfolded in a manner consistent with this change. But people’s perceptions have not changed in the same way.

[ 6 ] Lassen Sie uns wichtigste Tatsachen dieses Gebietes einmal erwähnen: In der Zeit, die vorangeht der Kriegskatastrophe, war die menschliche Technik, wie sie sich in der neuesten Zeit herausgebildet hat, an einem bedeutsamen Punkte angelangt. Die menschliche Arbeit, oder vielleicht besser gesagt, das menschliche Arbeiten hat, ohne daß sich die Menschheit darauf ordentlich besinnen konnte, ganz andere Formen angenommen, als sie früher vorhanden waren. Man kann sich Vorstellungen machen von diesen andern Formen, wenn man ins Auge faßt etwas, was man als Grundlage bezeichnen muß für die moderne Technik, zum Beispiel die Kohlenförderung in den verschiedenen Staaten der zivilisierten Welt. In dem Maße, wie Mengen von Kohlen zu Tage gefördert werden, liegt ja dasjenige, was dann durch die technische Verarbeitung umgewandelt wird in Arbeitskräfte, die dann mehr oder weniger selbständig arbeiten, nur von dem Menschen dirigiert, so daß, möchte ich sagen, die menschliche Arbeit in der neuesten Zeit sehr stark zurückgetreten ist in die dirigierende Stellung und die Maschine arbeiten läßt.

[ 6 ] Let us briefly mention the most important facts in this area: In the period leading up to the catastrophe of war, human technology—as it had developed in recent times—had reached a significant turning point. Human labor—or perhaps, to put it better, the way humans work—had taken on forms entirely different from those that existed in the past, without humanity having had the chance to properly reflect on it. One can get a sense of these different forms by considering something that must be regarded as the foundation of modern technology: for example, coal mining in the various nations of the civilized world. To the extent that large quantities of coal are brought to the surface, what is then transformed through technical processing into labor forces—which then work more or less independently, directed only by humans—means, I would say, that in recent times human labor has receded significantly into a directing role, while the machine does the work.

[ 7 ] Wenn man diese Sachlage überschaut, so kommt man zum Beispiel darauf, daß in der Zeit, die dem Kriegsausbruch vorangegangen ist, innerhalb Deutschlands an solchen Energien, die von den Menschen dirigiert wurden, die aber eigentlich abstammten von der Kohlenförderung, die also ein Ergebnis waren nicht desjenigen, was der Mensch innerlich in sich entspringen läßt, sondern ganz äußerlicher Vorgänge, ganz äußerlicher Maßnahmen, daß an solchen Energien in Deutschland ja aufgebracht wurden 79 Millionen Pferdekraftjahre. Man rechnet dasjenige, was an Energien angewandt wird, ja nach der Arbeit, die ein Pferd in einem Jahr leistet. So daß man also in Deutschland 79 Millionen Pferdekraftjahre an technischer Energie, die aus der Kohle stammte, hatte in der Zeit, die unmittelbar dem Kriegsausbruch voranging.

[ 7 ] When one surveys this situation, one comes to the conclusion, for example, that in the period leading up to the outbreak of war, within Germany, energies of this kind—which were directed by human beings but actually derived from coal mining, and were thus not the result of what arises from within a person, but rather of entirely external processes— entirely external measures—that 79 million horsepower-years of such energy were expended in Germany. The amount of energy used is calculated based on the work a horse performs in one year. Thus, in the period immediately preceding the outbreak of war, Germany had 79 million horsepower-years of technical energy derived from coal.

[ 8 ] Was heißt das eigentlich? Wenn Sie das in einem ganz oberflächlichen Sinn vergleichen mit der Einwohnerzahl Deutschlands, so bedeutet das, daß jeder einzelne Mensch in Deutschland im Durchschnitt ein Pferd neben sich hatte, das heißt, daß von der Bewohnerschaft von Deutschland im Gebiete des Technischen so viel gearbeitet wurde, wie wenn jeder Mensch neben sich ein Pferd zur Arbeit gehabt hätte das ganze Jahr hindurch. Dadurch kommen dann, ebenso wie annähernd 79 Millionen Menschen vorhanden waren, 79 Millionen Pferdekraftjahre heraus. Also in dem, was Maschinen erarbeiten, Maschinen der verschiedensten Art, war das gegeben, was zustande käme, wenn an die Seite eines jeden Menschen ein Pferd gestellt und Arbeit verrichten würde. Diese Möglichkeit, solche Arbeit zu verrichten, war da, als der Krieg ausbrach. Und indem man einen großen Teil dieser Arbeit in den Dienst des Krieges stellte, war die Sache doch so, daß gewissermaßen vorgerückt wurde an die Front dasjenige, was das Ergebnis, das rein technische Ergebnis von 79 Millionen Pferdekraftjahren war.

[ 8 ] What does that actually mean? If you compare this, in a very superficial sense, to the population of Germany, it means that every single person in Germany had, on average, a horse at their side—that is, the population of Germany, in the realm of technology, produced as much work as if every person had had a horse working alongside them throughout the entire year. This results in 79 million horsepower-years, just as there were approximately 79 million people. In other words, the output of machines—machines of all kinds—equaled what would have been achieved if a horse had been placed beside every person to perform the work. This capacity to perform such work existed when the war broke out. And by putting a large part of this work in the service of the war, the situation was such that, in a sense, what was sent to the front was the result—the purely technical result—of 79 million horse-power-years.

[ 9 ] Nehmen Sie dazu einige andere Zahlen. Ich will zum Beispiel nur die Zahl dazufügen zunächst, damit Sie ein deutlicheres Bild bekommen, daß im Jahre 1870, wo ja auch nach Ansicht der Leute ein großes Ereignis stattfand — und mit Recht nach der Ansicht der Leute —, daß da nicht 79 Millionen Pferdekraftjahre erzeugt wurden, sondern bloß 6 ganze und 7/10 Millionen, also etwas, was kaum irgendwie erheblich in Betracht kam gegenüber dem, was Menschen leisteten. 6 1/2 Millionen 1870, 79 Millionen Pferdekraftjahre 1912. Das bedeutet selbstverständlich eine Umänderung der ganzen menschlichen Situation.

[ 9 ] Let’s look at some other figures. For example, I’ll just add this figure for now so you can get a clearer picture: in 1870—a year in which, in people’s view, a major event took place (and rightly so, in their view)—it wasn’t 79 million horsepower-years that were produced, but merely 6 and 7/10 million, which was hardly significant at all compared to what humans were capable of. 6 1/2 million in 1870, 79 million horsepower-years in 1912. This, of course, represents a fundamental transformation of the entire human condition.

[ 10 ] Und nun nehmen Sie noch einige andere Zahlen dazu: In derselben Zeit, die der Kriegskatastrophe vorangegangen war, hatten zur Verfügung Frankreich, Rußland, Belgien zusammen 35 Millionen Pferdekraftjahre. Großbritannien allerdings 98 Millionen Pferdekraftjahre. Aber diese 98 Millionen Pferdekraftjahre konnten durch die besondere Lage Großbritanniens nicht sogleich in genügendem Maße an die Front hinkonzentriert werden, sondern erst im Laufe einiger Jahre. So standen also bei Ausbruch des Krieges nicht nur die Menschen einander gegenüber, sondern vorgeschoben an die Fronten waren 79 Millionen Pferdekraftjahre von Deutschland, etwas über 90 Millionen von den Mittelmächten; ein großer Teil davon war ja natürlich in den Dienst der Kriegsindustrie gestellt, also gewissermaßen indirekt an die Front geschoben worden; dem standen, nach und nach entwickelbar, in Großbritannien gegenüber 98 Millionen Pferdekraftjahre, von Belgien, Rußland und Frankreich zusammen 35 Millionen Pferdekraftjahre. Nun können Sie sich eine Vorstellung davon machen, daß es richtig ist, wenn jemand sagt: Im Grunde genommen war ja durch dasjenige, was Menschen waren, zunächst nur ein vorläufiges Resultat gegeben. Von dem Generalstab hing eigentlich bloß der Abmarsch ab; der konnte in einer gewissen geistvollen Weise ausgedacht werden. Aber nachdem einige Jahre die Fronten entwickelt waren, da standen, vom Menschen ganz unabhängig, technisch hervorgebrachte Pferdekraftjahr-Energien einander gegenüber. Und von der gegenseitigen Größe desjenigen, was also herausgenommen war eigentlich aus dem menschlichen Wirken, hing das Schicksal dieser Menschheitsentwickelung ab. Und wenn Sie zu dem, was ich gesagt habe, nun hinzunehmen das Folgende, dann werden Sie sehen, wie durch vom Menschen unabhängige Kräfte, namentlich durch dasjenige, was die Technik zutage förderte in der neuesten Zeit, die Dinge zustande gekommen sind, die sich eben zugetragen haben.

[ 10 ] And now consider a few other figures: In the period immediately preceding the catastrophe of the war, France, Russia, and Belgium together had 35 million horsepower-years at their disposal. Great Britain, however, had 98 million horsepower-years. But due to Great Britain’s unique situation, these 98 million horsepower-years could not be immediately concentrated on the front in sufficient quantities; rather, this could only be achieved over the course of several years. Thus, at the outbreak of the war, it was not only people who faced off against one another, but 79 million horsepower-years from Germany and just over 90 million from the Central Powers had been deployed to the front lines; a large portion of which had, of course, been put to the service of the war industry—and thus, in a sense, indirectly deployed to the front; this was countered, gradually as it became available, by 98 million horsepower-years in Great Britain, and a combined total of 35 million horsepower-years from Belgium, Russia, and France. Now you can get an idea of why it is true when someone says: Essentially, what human beings were capable of initially yielded only a provisional result. The General Staff was really responsible only for the deployment; that could be devised in a certain ingenious way. But after the fronts had developed over the course of several years, technically generated horse-power-year energies—entirely independent of human agency—stood opposed to one another. And the fate of this human development depended on the relative magnitude of what had thus been extracted from human activity. And if you now add the following to what I have said, you will see how, through forces independent of human beings—namely, through what technology has brought to light in recent times—the events that have just taken place have come about.

[ 11 ] Durch dasjenige, was Menschen bewirken konnten — sie konnten ja nur dirigieren, höchstens Dinge verhindern —, aber durch das, was dirigiert oder nicht verhindert wurde, wurden dann objektiv vom Menschen losgelöste Kräfte ins Feld geführt, von denen die einen gewissermaßen die andern überwinden konnten nach objektiven, vom Menschen unabhängigen Gesetzen. Nehmen Sie das, was eingetreten ist, dazu, daß Amerika eingriff in die ganze Entwickelung. Amerika stand so, daß es in derselben Zeit, in der die andern die genannten Pferdekraftjahre ins Feld führen konnten, 179 Millionen Pferdekraftjahre mobil machen konnte. Da haben Sie das gegenseitige Verhältnis desjenigen, was an Kräften mobil gemacht werden konnte aus der Technik heraus, an Kräften, die ganz losgelöst sind von dem, was aus dem Menschen fließt, natürlich indirekt zusammenhängend mit dem, was die Menschen ausgedacht haben und so weiter. Aber dasjenige, was die Menschen ausgedacht haben, ist eben in diese Richtung hingelenkt worden, so daß zuletzt die Sache so stand, daß objektive Kraft der objektiven Kraft gegenüberstand, was zuletzt ganz selbstverständlich den Ausschlag geben mußte. Der Mensch hatte sein Schicksal vollständig so gelenkt in der neuesten Zeit, daß er, wenn so etwas eintrat, was früher in ganz anderer Weise ablief, ganz selbstverständlich dieses Schicksal ausgeliefert hatte an die Kräfte, die in seinen eigenen Produkten arbeiteten und in denen er abhängig ist von der Produktivität der Erde, von lauter Faktoren, die nicht innerhalb seiner Haut sind.

[ 11 ] Through what human beings were able to bring about—after all, they could only direct events, or at most prevent them—but through what was directed or not prevented, forces objectively detached from human beings were then brought into play, some of which were able, in a sense, to overcome the others according to objective laws independent of human beings. Consider what actually happened: America intervened in the entire course of development. America was in such a position that, at the very time when the others were able to mobilize the aforementioned horsepower-years, it could mobilize 179 million horsepower-years. There you have the mutual relationship between the forces that could be mobilized through technology and those that are entirely detached from what flows from human beings—naturally, indirectly connected to what people have devised, and so on. But what people have devised has been directed precisely in this direction, so that ultimately the situation was such that objective force stood opposed to objective force, which in the end, quite naturally, had to tip the scales. In recent times, human beings had steered their destiny so completely in this direction that, when something like this occurred—something that used to unfold in an entirely different way—they had, quite naturally, surrendered this destiny to the forces at work in their own products, in which they are dependent on the earth’s productivity and on factors entirely outside themselves.

[ 12 ] Da weisen wir auf etwas hin, was charakteristisch ist für die neuere Zeit. Und das, was ich angeführt habe, ist ja nur der eklatanteste Fall. Man kann sozusagen die Sache an diesen eklatanten Fällen anschaulich machen. Aber dasjenige, was sich da im Riesenhaften — man kann nicht einmal sagen im Großen, sondern im Riesenhaften — zugetragen hat, es geschieht ja alltäglich im Kleinen unseres gesamten Schicksals, daß wir ausgeliefert sind an dasjenige, was die Technik macht. Denn in Deutschland war es im Jahre 1912 so weit gekommen, daß der Mensch aus seiner geistigen Produktivität herausgesetzt hat etwas, was so viel arbeitete, wie wenn neben ihm ein Pferd arbeitete. Das ist das Charakteristische der neueren Zivilisation, und dieses Charakteristische muß man scharf ins Auge fassen. Denn, was lebt denn in dem, was da der Mensch hinaussetzt innerhalb der neueren Zivilisation an objektiv wirksamen Kräften, die täglich für ihn arbeiten und die sein Schicksal bestimmen, was lebt darinnen? Darinnen lebt, indem wir das Verhältnis dieser Kraft zum Menschenschicksal selbst ins Auge fassen, diejenige Kraft, die wir gewohnt worden sind innerhalb unserer Betrachtungen die ahrimanische Kraft zu nennen. Darin leben die ahrimanischen Kräfte. Von diesen ahrimanischen Kräften, wenn Sie die Sache so ins Auge fassen, werden Sie sagen müssen: mit einer riesigen Schnelligkeit hat ihre Macht zugenommen. Denn Sie brauchen ja eben nur die zwei Zahlen zu vergleichen: 1870 arbeiteten in Deutschland 61/2 Millionen Pferdekraftjahre, was nicht so viel neben einem Menschen gibt; im Jahre 1912 arbeiteten in Deutschland 79 Millionen Pferdekraftjahre. Da haben Sie die ganze Summe desjenigen, was beeinflußt unser wirtschaftliches Leben, was aber auch beeinflußt unser ganzes übriges Leben. Da haben Sie, was in einer Welt vorgeht, die zwar der Mensch selbst konstruiert hat, die aber unabhängig von dem dasteht, was der Mensch eigentlich in sich hat. Diese Kräfte stehen ja im krassesten Gegensatze zu alledem, was zum Beispiel gewirkt hat dann, wenn Menschen einander gegenübergestanden haben so, wie in den alten orientalischen Kämpfen, wo nur luziferische Kräfte gewirkt haben, wo Menschen einander gegenübergestanden haben wie selbst noch, sagen wir, in den Tatareneinfällen in Europa und so weiter. Das macht man sich oftmals nicht klar, vor welcher neuen Welt der Mensch heute steht und wie schnell verhältnismäßig diese neue Welt heraufgezogen ist. Anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hat aber dann dazu noch die Aufgabe, die ganze Tragweite einer solchen Tatsache ins Auge zu fassen. Denn das, was ich Ihnen da geschildert habe, ist ja nur die Außenseite. Wir kommen schon ins Innere, wenn wir auffassen dasjenige, was früher als luziferische und was jetzt als ahrimanische Kräfte sich geltend macht, zwischen denen der Mensch mitten darinnensteht. Aber wir müssen uns ja erst konkret die Vorstellung von dem bilden, was wir das Ahrimanische und das Luziferische nennen.

[ 12 ] Here we are pointing out something that is characteristic of modern times. And what I have cited is, after all, only the most striking example. One can, so to speak, illustrate the point with these striking cases. But what has taken place on a colossal scale—one cannot even say on a large scale, but on a colossal scale—happens every day on a small scale in the course of our entire existence: we are at the mercy of what technology does. For in Germany, by the year 1912, things had reached the point where human beings, through their intellectual productivity, had created something that worked as much as if a horse were working alongside them. This is the defining characteristic of modern civilization, and we must take a close look at this characteristic. For what lives within those objectively active forces that human beings have brought into being within modern civilization—forces that work for them daily and determine their fate—what lives within them? Within them lives—when we consider the relationship of this force to human destiny itself—the very force that we have come to call the Ahrimanic force in our reflections. The Ahrimanic forces live within this. When you consider the matter in this light, you will have to say that the power of these Ahrimanic forces has increased at a tremendous rate. For you need only compare these two figures: in 1870, 6½ million horsepower-years were in operation in Germany—which is not much in relation to a single human being; in 1912, 79 million horse-power-years were in operation in Germany. There you have the total sum of what influences our economic life, but which also influences the rest of our lives. There you have what is happening in a world that, although constructed by human beings themselves, stands independent of what human beings actually possess within themselves. These forces stand in the sharpest contrast to everything that was at work, for example, when people faced one another as in the ancient Oriental battles, where only Luciferic forces were at work, or when people faced one another as, say, during the Tatar invasions of Europe and so on. People often fail to realize what a new world humanity faces today and how rapidly, relatively speaking, this new world has emerged. But anthroposophically oriented spiritual science has the additional task of grasping the full significance of such a fact. For what I have described to you here is, after all, only the outer aspect. We begin to enter the inner realm when we grasp what used to be called Luciferic forces and what is now called Ahrimanic forces—forces that are asserting themselves, with human beings standing right in the midst of them. But first we must form a concrete conception of what we call the Ahrimanic and the Luciferic.

[ 13 ] Gedenken Sie einmal desjenigen, was sich im menschlichen Seelenleben abspielte in jenen alten Zeiten, in denen vorzugsweise Luziferisches sich in den großen Menschheitskämpfen geltend machte. Da sahen die Menschen auf die Welterscheinungen hin und Sie wissen, daß die Menschen diese Welterscheinungen so ansahen, daß ihnen innerhalb derselben eine gewisse Summe von, sagen wir, Elementarwesen, dämonenhaften Wesen erschienen. Die materialistische Wissenschaft sagt, das wäre das Zeitalter des Vitalismus gewesen, die Menschen hätten hineingetragen in die Naturerscheinungen allerlei Nixen, Gnomen und so weiter. Aber wir wissen ja, daß tatsächlich in den Naturerscheinungen geistige Wesenheiten leben. Geradeso wie jetzt der Mensch nur die nüchternen, trockenen Naturerscheinungen sieht, so haben die Menschen jener alten Zeiten in den Naturerscheinungen die geistigen Entitäten gesehen, das Geistig-Wesenhafte. Heute nennt man das Aberglauben. Das ist nach dem Geschmack der Gegenwart. Aber wir wissen, daß die Menschen unter diesem Namen auf dasjenige, was sie geistig in den Naturerscheinungen geschaut haben, also auf etwas Wirkliches in ihrer Wahrnehmung hinwiesen. In alledem, was die Natur dem Menschen darbot, sahen diese Menschen solche elementarischen Wesenheiten. Man kann also sagen: In ihr Bewußtsein, mag das nun noch so instinktiv, dunkel, traumhaft gewesen sein, leuchtete etwas herein von diesen elementarischen Wesenheiten. |

[ 13 ] Consider for a moment what was taking place in the life of the human soul in those ancient times, when Luciferic forces predominantly asserted themselves in the great struggles of humanity. At that time, people looked upon the phenomena of the world, and you know that they viewed these phenomena in such a way that within them appeared a certain number of—let us say—elemental beings, demonic beings. Materialistic science says that this was the age of vitalism, and that people projected all sorts of nymphs, gnomes, and so on into natural phenomena. But we know, of course, that spiritual beings do indeed live within natural phenomena. Just as people today see only the sober, dry aspects of natural phenomena, so the people of those ancient times saw spiritual entities—the spiritual and essential nature—within them. Today we call this superstition. That is in keeping with contemporary tastes. But we know that under this name, people were pointing to what they spiritually perceived in natural phenomena—that is, to something real in their perception. In everything that nature offered to human beings, these people saw such elemental beings. One can therefore say: In their consciousness—however instinctive, obscure, or dreamlike it may have been—something shone forth from these elemental beings. |

[ 14 ] Dann kamen die Zeiten, in denen das Bewußtsein getrübt wurde für diese Wahrnehmung des Geistigen in den Naturerscheinungen, in dem, was als Natur um den Menschen herum ohne sein Zutun zustande kommt. Und es entstand unsere moderne intellektualistische Auffassung desjenigen, was man heute Wissenschaftlichkeit nennt, wo man es nur zu tun haben will mit dem, was aus der Natur gezogen werden kann an solchen Kräften, die sich versinnlichen lassen durch abstrakte Ideen, kurz, dasjenige, was der Inhalt des menschlichen Intellekts sein kann.

[ 14 ] Then came the times when consciousness became clouded regarding this perception of the spiritual in natural phenomena—in what arises as nature around human beings without their intervention. And thus arose our modern intellectualistic conception of what is today called “scientific thinking,” in which one wishes to concern oneself only with those forces that can be drawn from nature—forces that can be conceptualized through abstract ideas; in short, that which can be the content of the human intellect.

[ 15 ] Aber ich möchte sagen, ohne daß der Mensch es ahnt, ja sogar in einer verhältnismäßig kurzen Zeit — nehmen Sie eben die Zeit von 1870, wo in Deutschland wirksam waren 6”/io Millionen Pferdekraftjahre, bis 1912, wo dann wirksam waren 79 Millionen Pferdekraftjahre entwickelt sich da eine neue Welt, eine Welt, die nicht da war, die jetzt auch in der Umgebung des Menschen ist, von der das menschliche Schicksal sogar in so großen Ereignissen, wie die letzten Jahre sie gebracht haben, so abhängt, wie früher von den Naturerscheinungen das menschliche Schicksal abgehangen hat. Und in diesen Kräften, die da auch vorhanden sind und wirken ohne den Menschen, wie die Naturkräfte ohne den Menschen wirken, da sind nun geradeso die Dämonen, die Elementarmächte darinnen, nur wirken sie in anderer Weise auf den Menschen als diejenigen, die früher von den Menschen beobachtet wurden in den Naturerscheinungen. Die Menschen sahen die Naturerscheinungen an und konstatierten: Da drinnen wirken Elementarwesenheiten. — Das wirkte auf das Bewußtsein, das machte die Seele mit den Naturerscheinungen ab, das stellt einen Bewußtseinszusammenhang mit den Naturerscheinungen her. Heute ist der Mensch «aufgeklärt», und so wie er es als Aberglauben betrachtet, geistige Mächte in den Naturerscheinungen zu beobachten, so kommt er auch nicht darauf, zu ahnen, daß in dem, was er nun selber hergestellt hat, in dem ganzen Umfang der Technizismen, dämonische Wesenheiten drinnen wirken. Und er kann nicht so leicht daraufkommen, denn die wirken jetzt auf den Willen, von dem ich Ihnen sehr oft gesagt habe, daß er schläft. Die wirken im Unterbewußten, die ergreifen den Menschen im Unterbewußten. Und die Folge davon ist, daß, während der alte Mensch noch in der Betrachtung der Naturerscheinungen wenigstens in sein Bewußtsein etwas hineinnahm von den dämonischen Gewalten, heute in den Technizismen die dämonischen Gewalten rumoren; sie wirken im Menschenwillen weiter und der Mensch bequemt sich noch nicht, dieses anzuerkennen. Denn erstens ist es in seinem Unterbewußten, zweitens erscheint es ihm als Aberglaube, zu sagen, in den Maschinen, die er erzeugt, wirken dämonische Wesenheiten. Sie wirken aber trotzdem. Und während die Wesenheiten, die der Mensch sah in den alten Zeiten in den Naturerscheinungen, luziferischer Art waren, sind die Wesenheiten, die in den Maschinen, in den Technizismen wirken, ahrimanischer Natur. Der Mensch umgibt sich also mit einer ahrimanischen Welt, die ganz selbständig wird.

[ 15 ] But I would like to say that, without people even realizing it, and indeed in a relatively short period of time—take, for example, the period from 1870, when 6”/ io million horsepower-years were at work in Germany—up to 1912, when 79 million horsepower-years were at work—a new world develops, a world that did not exist before, a world that now surrounds human beings, and upon which human destiny depends—even in such major events as those of recent years—just as human destiny once depended on natural phenomena. And within these forces, which are also present and at work independently of human beings—just as the forces of nature act independently of human beings—there are now, in exactly the same way, the demons, the elemental forces; only they act upon human beings in a different way than those that were formerly observed by people in natural phenomena. People looked at natural phenomena and concluded: Elemental beings are at work there. — This had an effect on consciousness; it was how the soul came to terms with natural phenomena, establishing a connection of consciousness with them. Today, human beings are “enlightened,” and just as they regard it as superstition to perceive spiritual forces in natural phenomena, so too do they fail to suspect that demonic beings are at work within what they themselves have now created—the entire realm of technology. And it is not so easy for them to realize this, for these beings now act upon the will—which, as I have told you many times, lies dormant. They work in the subconscious; they take hold of the human being in the subconscious. And the consequence of this is that, whereas the human being of old, when contemplating natural phenomena, at least took something of these demonic forces into his consciousness, today these demonic forces are at work within the technical devices; they continue to act upon the human will, and the human being has not yet brought himself to acknowledge this. For, first of all, it lies in his subconscious; secondly, it seems like superstition to him to say that demonic beings are at work in the machines he creates. Yet they are at work nonetheless. And while the beings that people saw in natural phenomena in ancient times were of a Luciferic nature, the beings at work in machines and technological devices are of an Ahrimanic nature. Humanity thus surrounds itself with an Ahrimanic world that becomes entirely independent.

[ 16 ] Sie sehen, welches der Sinn der Menschheitsentwickelung ist. Aus der luziferischen Welt heraus, die aber noch in sein Bewußtsein hineinwirkt und da sein Schicksal bestimmt, segelt der Mensch, und zwar gerade in der Gegenwart mit einer gewissen Raschheit, hinein in eine ahrimanische Welt. Eine große Gefahr ist vorhanden, daß diese ahrimanische Welt, weil sie auf seinen Willen wirkt, den er nicht in sein Bewußtsein unmittelbar heraufbekommen kann durch die intellektualistische Wissenschaft, den Willen des Menschen ergreift und er ganz direktionslos wird innerhalb der dämonischen Gewalten der Technizismen.

[ 16 ] You can see what the purpose of human evolution is. From the Luciferic world—which, however, still exerts its influence on human consciousness and determines human destiny there—humanity is sailing, and indeed at a certain speed in the present, into an Ahrimanic world. There is a great danger that this Ahrimanic world—because it acts upon the human will, which cannot be brought directly into consciousness through intellectualistic science—will seize hold of the human will, leaving the individual completely adrift within the demonic forces of technicism.

[ 17 ] Dasjenige, was im Osten Europas geschieht, wo man aus der Denkweise der Gegenwart heraus gewissermaßen die Wirtschaft miliitarisieren will zu einer großen Maschine, wo auch noch die Menschen so ausgebildet werden wie sonst die Maschinen, wo die Menschenarbeit vom Menschen gänzlich losgelöst wird — was man da will, ist die Aufrufung von Willensdämonen, in deren Gebiet man da hineinsegelt.

[ 17 ] What is happening in Eastern Europe—where, based on contemporary thinking, there is a desire, so to speak, to militarize the economy into a vast machine, where people are trained much like machines, and where human labor is completely detached from the human being—what is being sought there is the summoning of demons of the will, into whose realm one is sailing.

[ 18 ] Der Weg vom Luziferischen zum Ahrimanischen, das ist auch etwas, von dem man sagen muß, daß so der Gang der MenschheitsentwickeJung geht. Und wir stehen im Grunde mitten drinnen in diesem Herausgehen aus dem Luziferischen und dem Hineinsegeln in das Ahrimanische. Das Luziferische ist in vielfacher Weise natürlich vorhanden. Das Ahrimanische, es ergreift die Menschen. Das Luziferische lebt mehr in Gefühlen. Das Ahrimanische wirkt mehr durch den menschlichen Verstand und verwirklicht und verkörpert sich in den Technizismen.

[ 18 ] The path from the Luciferic to the Ahrimanic is also something about which one must say that this is the course of human development. And we are, in essence, right in the midst of this process of moving away from the Luciferic and sailing into the Ahrimanic. The Luciferic is naturally present in many ways. The Ahrimanic, on the other hand, takes hold of people. The Luciferic lives more in feelings. The Ahrimanic works more through the human intellect and finds its realization and embodiment in technological developments.

[ 19 ] Da hinein stellt sich nun, um dem Menschen eine Richtung zu geben, das Christus-Ereignis, das wir zu erwarten haben für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dieses Christus-Ereignis wird darin bestehen, daß durch objektive Erlebnisse immer mehr und mehr Menschen wissen werden: Es wandelt auf Erden der ätherische Christus, derjenige Christus, der ätherisch die Macht darstellt, die einstmals in dem physischen Christus Jesus auf der Erde gewandelt ist. Und in dem Sich-Bekanntmachen mit dieser Christus-Macht, in dem Sich-Durchdringen mit dieser Christus-Macht liegt die Möglichkeit, in der richtigen Weise das notwendige Heraufziehen der ahrimanischen Mächte auf sich wirken zu lassen. Das Unglück unserer Zeit besteht darin, daß die Menschen hineinsegeln in das Ahrimanische, ohne durch die Christus-Kraft getragen zu sein.

[ 19 ] It is into this context that the Christ Event—which we are to expect in the first half of the 20th century—now steps in to give humanity a direction. This Christ event will consist in the fact that, through objective experiences, more and more people will come to know: The etheric Christ is walking on Earth—the Christ who, in an etheric form, represents the power that once walked on Earth in the physical Christ Jesus. And in becoming acquainted with this Christ-power, in allowing this Christ-power to permeate them, lies the possibility of properly allowing the necessary rise of the Ahrimanic forces to take effect within them. The misfortune of our time lies in the fact that people are sailing headlong into the Ahrimanic without being sustained by the Christ-power.

[ 20 ] Es ist also schon etwas sehr Positives, etwas sehr Konkretes, auf das man hinweist, wenn man von diesem Einschlag in die menschheitliche Entwickelung im 20. Jahrhundert spricht, den ich in meinem ersten Mysterium schon angedeutet habe als das Wiedererscheinen des Christus. Und man kann, ich möchte sagen, verfolgen dasjenige, was sich in den Menschenseelen abspielen wird, indem diese Menschenseelen entgegenleben diesem Christus-Ereignis.

[ 20 ] So when we speak of this turning point in human development in the 20th century—which I already alluded to in my first Mystery as the reappearance of Christ—we are pointing to something very positive, something very concrete. And one can, I would say, trace what will unfold in human souls as these souls live in anticipation of this Christ event.

[ 21 ] Ich habe ja sogar im öffentlichen Vortrag neulich andeuten können, daß die jeder Weltanschauung entbehrende Wissenschaftlichkeit des Westens mit der Erkenntnis vor dem Menschen halt macht. Man begreift vorzugsweise das Unlebendige. Man systematisiert es und dergleichen. Man theoretisiert darüber und über das Lebendige. Der Darwinismus kommt aber nicht weiter als bis zur Entwickelung der Tiere. Er stellt dann an die Spitze den Menschen. Vor dem Menschen macht er eigentlich halt. Man kommt mit der Erkenntnis nicht bis zum Menschen.

[ 21 ] I was even able to suggest in a recent public lecture that the West’s scientific approach—which lacks any worldview—stops short of understanding human beings. We tend to understand the inanimate. We systematize it and so on. We theorize about it and about living things. Darwinism, however, goes no further than the evolution of animals. It then places humans at the top. It actually stops short of humans. Our understanding does not extend all the way to humans.

[ 22 ] Aber auch die Erfassung der sozialen Begriffe macht da halt. Ich habe gezeigt, wie die Praktiker eigentlich Routiniers geworden sind, wie sie bei dem Ahrimanisch-Technischen stehenbleiben. Das haben sie in ihren Büchern, darüber werden Aktiva und Passiva aufgezeichnet. Aber vor den Menschen, mit denen sie arbeiten, bleiben sie stehen. Diese Menschen machen gerade ihre Menschenwürde geltend, aber es wird keine Brücke hinübergeschlagen von demjenigen, der Arbeitsleiter ist, zu dem Arbeitenden. Auch das praktische Leben macht eigentlich vor dem Menschen halt. Erkenntnis macht vor dem Menschen halt das praktische Leben macht vor dem Menschen halt.

[ 22 ] But even the understanding of social concepts comes to a halt there. I have shown how practitioners have actually become mere routine workers, how they remain stuck at the Ahrimanic-technical level. This is what they have in their books; assets and liabilities are recorded based on it. But they stop short when it comes to the people they work with. These people are precisely asserting their human dignity, yet no bridge is built from the supervisor to the worker. Practical life, too, actually stops short of the human being. Knowledge stops short of the human being; practical life stops short of the human being.

[ 23 ] Das ist auf der einen Seite noch heute mehr oder weniger Theorie, oder sagen wir nicht Theorie: Unvermögen der Theorie, der Erkenntnis; auf der andern Seite etwas, was im sozialen Leben sehr zur Geltung kommt. Denn dasjenige, was man nicht in die Bücher geschrieben hat, das ist es, was sich heute in Streiks und revolutionären Bewegungen geltend macht. Damit hat man nicht gerechnet. Das ist in die Buchführung nicht übergegangen. Im Leben erscheint es und entwickelt sich ebensogut aus der Arbeit in der Industrie, aus der Arbeit im Handel und so weiter heraus, wie sich irgendwelche produzierten Artikel herausentwickeln. Nur hat man dasjenige, was heute rumort unter den Menschen, nicht in seine Kassenbücher und so weiter einbezogen. Das Leben aber hat es einbezogen und im Leben macht es sich geltend.

[ 23 ] On the one hand, this is still more or less theory today—or let’s not call it theory: rather, the inadequacy of theory and understanding; on the other hand, it is something that plays a very significant role in social life. For what has not been written in the books is precisely what is making itself felt today in strikes and revolutionary movements. This was not anticipated. It has not been recorded in the books. In real life, it emerges and develops just as naturally from work in industry, from work in commerce, and so on, as any manufactured goods do. It’s just that what is stirring among people today has not been included in the ledgers and so on. But life has incorporated it, and in life it is making itself felt.

[ 24 ] Man kann doch schon sagen: über dasjenige, was ich Ihnen vorgebracht habe, auch neulich im öffentlichen Vortrage vorgebracht habe, denken ja im Grunde die wenigsten Menschen nach. In dieser Beziehung hat eigentlich das 19. Jahrhundert recht Nebuloses über den Menschen gebracht. Im 18. Jahrhundert gingen schon einigen, wenigstens radikalen Geistern einige Lichter auf über dasjenige, was sich da allmählich vorbereitete. Das 19. Jahrhundert hat dann die Ereignisse gebracht und großartige Verwirrungen angerichtet. Pierre Bayle hat im 18. Jahrhundert ein merkwürdiges Wort ausgesprochen. Er war einer der Materialisten des 18. Jahrhunderts, die aber schon die richtigen Vorläufer des Materialismus des 19. Jahrhunderts waren. Dieser Pierre Bayle hat das Wort ausgesprochen: In den Staaten werden Ehre und Schande herrschen, Ehrgeiz und Egoismus und so weiter, aber es kann keinen Staat geben, in dem christliche Seelenverfassung wirksam ist; es kann einen Staat geben, in dem die alten heidnischen Tugenden und Untugenden herrschen, aber es kann keinen christlichen Staat geben. — So sagt Pierre Bayle, der radikale Materialist, und er hatte mehr Recht als irgendeiner der idealistischen Geister des 19. Jahrhunderts, denn diese idealistischen Geister machten sich vor, daß Staaten christlich seien. Sie waren es ja nicht in Wirklichkeit. Studieren Sie das Christentum des Mittelalters, dasjenige Christentum, das zunächst Pierre Bayle meint. Das beruhte darauf, daß man die Erde eigentlich verneinte, daß man die Tugend darin sah, sich zu einem Leben zu erheben, das nicht irdisch war. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich ein Leben, das vorzugsweise das Irdische pflegen wollte. Einen christlichen Staat kann es nicht geben, sagte Pierre Bayle, und eigentlich sagte er die Wahrheit. Und im 19. Jahrhundert und im Beginn des 20. Jahrhunderts sagte man die Lüge, indem man sich selber und den andern Menschen weismachen wollte, es könnte dasjenige, was allmählich als moderne Staaten entstanden ist, durchchristet sein. Das können sie eben nicht sein. Aber etwas anderes entstand dadurch: Man war davon durchdrungen, wenn man auf der Kanzel stand, oder wenn man anhörte, was von der Kanzel heruntertönte, daß man recht christlich sei. Oder wiederum, wenn man in sein Amt ging, oder seine Orden anlegte, oder sich seiner Titel bediente, die einem der Staat gegeben hatte, bildete man sich auch ein, Christ zu sein. Man war es nicht in Wirklichkeit, denn daß man da drinnenstand, war dadurch gegeben, daß man eben kein Christ war. Man gewöhnte sich so in ein lügenhaftes Leben hinein, man gewöhnte sich ab, die wichtigsten Tatsachen des Lebens wahrheitsgemäß anzusehen. Und das erzeugte jene Nebelatmosphäre, welche gar nicht aufkommen ließ eine unbefangene Ansicht über das, was da allmählich heraufkam: die Ahrimanisierung der Welt.

[ 24 ] One can certainly say that very few people actually give much thought to what I have presented to you—including what I discussed recently in a public lecture. In this regard, the 19th century actually brought about quite a bit of confusion regarding human nature. In the 18th century, some—at least the more radical minds—began to see the light regarding what was gradually taking shape. The 19th century then brought about these events and caused tremendous confusion. Pierre Bayle uttered a remarkable statement in the 18th century. He was one of the materialists of the 18th century, who were, however, already the true precursors of 19th-century materialism. This Pierre Bayle uttered the following words: In states, honor and shame will prevail, as will ambition and egoism and so on, but there can be no state in which the Christian disposition of the soul is effective; there may be a state in which the old pagan virtues and vices prevail, but there can be no Christian state.” — So says Pierre Bayle, the radical materialist, and he was more right than any of the idealistic minds of the 19th century, for those idealistic minds deluded themselves into believing that states were Christian. In reality, they were not. Study the Christianity of the Middle Ages—the very Christianity that Pierre Bayle has in mind. It was based on the idea that one essentially denied the earth, that one saw virtue in rising to a life that was not earthly. In the 18th century, a way of life developed that sought above all to cultivate the earthly. “There can be no Christian state,” said Pierre Bayle, and in fact he spoke the truth. And in the 19th century and at the beginning of the 20th century, people told a lie by trying to convince themselves and others that what had gradually emerged as modern states could be thoroughly Christian. They simply cannot be. But something else arose as a result: when one stood in the pulpit, or when one listened to what resounded from the pulpit, one was imbued with the conviction that one was truly Christian. Or, again, when one took up one’s office, or donned one’s orders, or made use of the titles the state had bestowed, one also deluded oneself into believing one was a Christian. In reality, one was not, for the very fact of standing there was due to the fact that one was not a Christian. People became so accustomed to a life of pretense that they lost the ability to view the most important facts of life truthfully. And this created that foggy atmosphere that prevented any unbiased view of what was gradually emerging: the Ahrimanization of the world.

[ 25 ] Es ist viel geredet worden über die Lügenfeldzüge der letzten Jahre. Aber diese Lügenfeldzüge sind ja dasjenige, an das sich die Menschen in den wichtigsten Dingen in der neueren Zeit gewöhnt haben. Sie haben sich ja gewöhnt an das Lügen über die wichtigsten Dinge! Warum sollte denn über die Dinge, über die gelogen wurde während der Kriegskatastrophe, just die Wahrheit gesagt werden, wenn die Menschen doch gewohnt worden sind im 19. Jahrhundert, die Wahrheit über die wichtigsten Angelegenheiten ihres Lebens nicht mehr in den Bereich ihrer Seelenverfassung zu ziehen.

[ 25 ] Much has been said about the campaigns of lies in recent years. But these campaigns of lies are, after all, what people have become accustomed to in recent times when it comes to the most important matters. They have, in fact, become accustomed to lying about the most important things! Why, then, should the truth be told about the very things that were lied about during the catastrophe of the war, when people have become accustomed, in the 19th century, to no longer allowing the truth about the most important matters of their lives to enter their innermost being?

[ 26 ] Es ist unbequem, diesen Dingen ins Antlitz zu sehen, aber das ist eben das Schlimme, daß diesen Dingen nicht geradenwegs ins Antlitz gesehen wird. So steckt der moderne Mensch neben anderem auch in der Not darinnen, die durch die innere Unwahrhaftigkeit heraufgekommen ist. Und aus dieser Atmosphäre heraus wird sich eine ganz bestimmte Stimmung entwickeln. Was in vieler Beziehung bis nun eigentlich bloß Theorie ist, bloß Erkenntnis ist: das Nichthingelangen des Menschen bis zum Menschen, das Stehenbleiben vor dem Menschen und auch dasjenige, was im sozialen Leben entwickelt wird als dieses Nichthingelangen bis zum Menschen, das wird sich auf die menschliche Seele ablagern. Dasjenige, was als die äußeren Technizismen auf den Willen wirkt, das wird gewissermaßen heraufreagieren aus dem Unterbewußten in das Bewußte. Es wird natürlich nicht ein Bewußtsein davon erzeugt werden können, denn es ist eben im Unterbewußten, aber eine Stimmung wird es erzeugen. Und immer mehr und mehr im Laufe der nächsten Jahrzehnte, ja im Laufe der nächsten Jahre wird diese Stimmung heraufkommen über eine große Anzahl von Menschen. Man wird in den Schulen Kinder unterrichten, man wird merken: Diese Kinder bringen Empfindungen herauf, die ja die Alten gar nicht hatten. Es ist ja in verschiedenen Zeitaltern relativ auch schon so etwas dagewesen, aber in erhöhtem Maße wird es in der nächsten Zeit der Fall sein. Und man wird nur aus tiefer geisteswissenschaftlicher Erkenntnis der Gegenwart heraus taxieren können, was da eigentlich aus den Untergründen der Seelen der heranwachsenden Menschen sich entwickelt. Eine große Sehnsucht wird sich entwickeln, so etwas wie eine sehnsüchtige Entbehrung. Denn dasjenige, was zunächst nur Unvermögen der Theorie ist, den Menschen zu erkennen, was Unvermögen des sozialen Lebens ist, in die Geschäftskalkulationen die Menschenbegabungen aufzunehmen, das wird sich verdichten zum Fühlen, zum Empfinden. Und Menschen werden erstehen — und man wird sie sehen in den heranwachsenden Generationen —, die empfinden werden: Ja, da stehe ich, ich habe eine Gestalt, anders als die andern Wesen, die um mich herum sind; ich schaue nicht aus wie die Tiere, wie ein Ochse, ein Esel, ein Wiesel, ein Adler, ich schaue anders aus, aber ich weiß nicht, was das eigentlich ist, was da anders ausschaut; ich weiß nicht, was ein Mensch ist, ich weiß nicht, was ich selber bin. — Melancholie und Hypochondrie werden sich über die Seelen der heranwachsenden Generation lagern. Man wird das in den Schulen bei der Erziehung, beim Unterricht bemerken können als eine Zeitstimmung. Es wird eine Zeitstimmung sein, die gewissermaßen ins Große geht. Die Menschen sind ja heute so furchtbar oberflächlich, daß man schwer über solche Dinge zu ihnen reden kann. Aber um mich Ihnen vergleichsweise begreiflich zu machen, möchte ich darauf aufmerksam machen, daß ja im 18. Jahrhundert diejenigen Menschen, die etwas von der Seele des Zeitalters verstanden, vom «Werther-Fieber» sprachen. Goethe hat ja nur aus dieser allgemeinen Seelenstimmung einer großen Anzahl von Menschen heraus seinen «Werther» geschrieben. Dann erschien ein Roman «Siegwart». Der war aus dem «Siegwart-Fieber» der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts heraus geschrieben. Das waren Zeitstimmungen, die sich allerdings nur bei einem beschränkten Kreise von Menschen geltend machten. Aber im weitesten Kreise wird solche allgemeine Stimmung in den Seelen heraufkommen, die man wird ausdrücken können: Ja, was bin ich als Mensch? Was ist das Wesen, das ich da selber bin, das auf zwei Beinen geht? Ich habe eine Wissenschaft, die ich ins Großartige getrieben habe; ich habe ein soziales Leben — aber beide machen eigentlich halt vor dem, was ich selber bin. — Diese Stimmung, die das große Zeitfragezeichen sein wird vor der eigenen menschlichen Wesenheit, wird vorbereiten die Seelenaugen für das Wahrnehmen desjenigen, was schwer zu schildern ist, was aber heraufkommt als das neue Christus-Ereignis. Denn man wird sehen aus der . Kraft, die aus dieser Sehnsucht hervorgeht, die Erscheinung des Christus. Die äußere Not wird sich in innere Seelennot verwandeln, und aus dieser Seelennot heraus wird Schauen geboren werden, Schauen des Christus, der übersinnlich unter den Menschen wandeln wird und an den sie sich werden halten müssen, damit sie nicht in unmöglicher Weise aus dem Luziferischen in das Ahrimanische hineinsegeln.

[ 26 ] It is uncomfortable to look these things in the face, but that is precisely the problem: that we do not look them straight in the face. Thus, modern man finds himself, among other things, in a predicament that has arisen from inner insincerity. And out of this atmosphere, a very specific mood will develop. What in many respects has so far been merely theory, merely insight—the failure of human beings to reach one another, the stopping short before the other human being, and also what develops in social life as this failure to reach one another—will settle upon the human soul. That which acts upon the will in the form of external technicalities will, in a sense, rise up from the subconscious into the conscious. Of course, it will not be possible to generate a conscious awareness of it, for it lies precisely in the subconscious, but it will create a mood. And more and more over the course of the coming decades—indeed, over the course of the coming years—this mood will arise among a large number of people. When children are taught in schools, people will notice: These children are expressing feelings that their elders never had. Something like this has, relatively speaking, existed in various eras, but it will be the case to a greater extent in the near future. And only through a deep spiritual-scientific understanding of the present will it be possible to assess what is actually developing from the depths of the souls of these growing young people. A great longing will develop—something like a yearning deprivation. For what is at first merely the inability of theory to recognize human beings—the inability of social life to incorporate human talents into business calculations—will crystallize into feeling, into sensation. And people will arise—and we will see them in the younger generations—who will feel: Yes, here I stand; I have a form, different from the other beings around me; I do not look like the animals—like an ox, a donkey, a weasel, or an eagle—I look different, but I do not know what it actually is that looks different; I do not know what a human being is; I do not know what I myself am. — Melancholy and hypochondria will settle over the souls of the younger generation. One will be able to notice this in schools, in education and in the classroom, as a prevailing mood of the times. It will be a mood that, in a sense, takes on grand proportions. People today are so terribly superficial that it is difficult to talk to them about such things. But to help you understand what I mean, I’d like to point out that in the 18th century, those who understood something of the spirit of the age spoke of “Werther fever.” Goethe wrote his Werther precisely out of this general mood shared by a large number of people. Then a novel titled Siegwart was published. It was written out of the “Siegwart fever” of the second half of the 18th century. These were moods of the times that, admittedly, prevailed only among a limited circle of people. But in the broadest sense, such a general mood will arise in people’s souls—one that can be expressed as: Yes, what am I as a human being? What is the essence of who I am, this being that walks on two legs? I have a science that I have brought to greatness; I have a social life—but both actually stop short of what I myself am. — This mood, which will be the great question mark of our time regarding our own human nature, will prepare the eyes of the soul to perceive that which is difficult to describe, but which is emerging as the new Christ event. For out of the power that arises from this longing, people will see the appearance of the Christ. Outward distress will transform into inner soul distress, and out of this soul distress, vision will be born—a vision of the Christ, who will walk supernaturally among humanity, and to whom they must cling so that they do not sail, in an impossible way, from the Luciferic into the Ahrimanic.

[ 27 ] Was nützte uns denn alle Wissenschaft, wenn sie uns nicht dazu brächte, so ganz im Konkreten das unmittelbar menschliche Leben zu ergreifen! Wir müssen uns klar sein: Der Mensch, der heute dasteht, hat eine ganze Reihe von Erdenleben schon hinter sich. Wir leben ja in wiederholten Erdenleben. Diejenigen Menschen, welche die elementaren Gewalten in den Naturerscheinungen gesehen haben, die waren wir ja selbst in unseren früheren Erdenleben. Wir bringen die Ergebnisse dieser früheren Erdenleben in dieses Leben herein. Da haben wir gewußt: Um uns herum sind schicksalbestimmende Naturgeister. Diese tragen wir in uns. Heute schauen wir mit unserem bloßen Intellekt, mit unserem Kopf nur in die Natur hinaus, auch auf die Technizismen, die wir selber hervorbringen. Wir sehen nichts anderes als dasjenige, was Inhalt unseres Intellekts ist. Und dasjenige, was in uns rumort aus vielen Erdenleben, die wir durchlebt haben, was wir aber jetzt nicht sehen wollen, das ist schließlich das, was ich eben als große Sehnsucht, als sehnsüchtige Entbehrung bezeichnet habe. Wir waren ja einmal Menschen, die in die Natur hineingeschaut haben und das Geistige gesehen haben, wodurch wir in uns fühlen konnten, was eigentlich ein Mensch ist. Jetzt haben wir eine Wissenschaft, eine soziale Empfindung, die vor dem Menschen stehenbleibt. Wir tragen die Anlage in uns von unserem früheren Schauen unserer Umgebung, uns als Mensch zu fühlen. Wir schauen heute in die menschenleere Natur hinein, bleiben vor dem Menschen stehen. Das wird die große Seelennot der nächsten Jahrzehnte erzeugen. Diese Seelennot ist eine positive Macht und aus dieser positiven Macht herausgeboren wird die Fähigkeit entstehen, den Christus zu schauen.

[ 27 ] What good would all science do us if it did not lead us to grasp human life in such a concrete and immediate way! We must be clear about this: The human being standing here today has already lived through a whole series of earthly lives. After all, we live through repeated earthly lives. Those people who saw the elemental forces in natural phenomena—we ourselves were those people in our earlier earthly lives. We bring the results of these earlier earthly lives into this one. Back then, we knew: all around us are nature spirits who determine our fate. We carry these within us. Today, we look out at nature—and even at the technological devices we ourselves produce—with our bare intellect, with our minds alone. We see nothing other than what constitutes the content of our intellect. And that which stirs within us from the many earthly lives we have lived—but which we now refuse to see—is ultimately what I have just described as a great longing, as a yearning deprivation. We were, after all, once people who looked into nature and saw the spiritual, through which we could feel within ourselves what a human being truly is. Now we have a science and a social sensibility that stop short of the human being. We carry within us the capacity, from our earlier way of perceiving our surroundings, to feel ourselves as human beings. Today we look into a nature devoid of human beings, yet we stop short of the human being. This will give rise to the great spiritual distress of the coming decades. This spiritual distress is a positive force, and out of this positive force will arise the ability to behold the Christ.

[ 28 ] Die alte Art, zum Christus sich zu verhalten, die allermodernste Theologie hat sie vernichtet. Denn, was ist unter dem Einfluß der modernen Theologie aus dem Christus geworden? Der «schlichte Mann aus Nazareth»! Kann denn heute überhaupt ein Verhältnis des Menschen zu dem Christus-Ereignis stattfinden, wenn nicht eine Erneuerung unseres Geisteslebens Platz greift?

[ 28 ] The old way of relating to Christ has been destroyed by the most modern theology. For what has become of Christ under the influence of modern theology? The “simple man from Nazareth”! Can a relationship between human beings and the Christ event even take place today unless a renewal of our spiritual life takes hold?

[ 29 ] Die katholische Kirche hat gut gewußt, warum sie niemals die Evangelien unter die Menge lassen wollte. Für die Gläubigen der katholischen Kirche ist ja heute theoretisch das Lesen der Evangelien noch immer verboten. Und die Albigenser, die Waldenser, welche sich diesem Verbot nicht fügen wollten, waren ja als Ketzer erklärt worden, weil man natürlich gut gewußt hat, was entsteht, wenn man die Evangelien der Menge übergibt. Da hat man zunächst vier Evangelien. In solch vierfacher Gestalt kann ja das Göttliche zu den Menschen sprechen. Aber nicht aus dem Intellekt heraus kann man dem Menschen ein Ereignis nahebringen auf vierfache Weise, wie es in den Evangelien geschildert ist. Da entwickeln sich dann die Widersprüche. In demselben Moment, wo man den Evangelien die Wirklichkeit abspricht, wo man sie als Produkte des menschlichen Intellekts ansieht, muß man sie widerspruchsvoll finden, da sind sie voller Widersprüche. Das, was da heraufgekommen ist, ist ja ein Vernichten aller Anschauung des Mysteriums von Golgatha.

[ 29 ] The Catholic Church knew full well why it never wanted to let the Gospels reach the masses. For believers in the Catholic Church, reading the Gospels is, in theory, still forbidden today. And the Albigensians and the Waldensians, who refused to submit to this prohibition, were declared heretics, because it was, of course, well understood what would happen if the Gospels were handed over to the masses. First of all, there are four Gospels. It is in this fourfold form that the Divine can speak to humankind. But one cannot convey an event to people in four different ways—as described in the Gospels—simply through the intellect. That is when contradictions arise. The very moment one denies the reality of the Gospels—the moment one regards them as products of the human intellect—one is bound to find them contradictory; they are, in fact, full of contradictions. What has emerged here is, after all, a destruction of any conception of the Mystery of Golgotha.

[ 30 ] Und wiederum lebt man unter der Lüge, daß man Christ bleiben soll und doch den Quell verschüttet und negiert, weil die moderne Theologie ja kein Christentum mehr in sich enthält. Um zum Christentum wieder zu kommen, muß man zu einer neuen Geistanschauung kommen. Es muß wiederum der Schatz gehoben werden können, den wir in unserer Seele angesammelt haben, den wir durch viele Erdenleben durchgetragen haben.

[ 30 ] And once again, people live under the lie that they should remain Christian, yet they bury and deny the source, because modern theology no longer contains any Christianity within itself. To return to Christianity, one must arrive at a new spiritual perspective. Once again, we must be able to unearth the treasure we have accumulated in our souls, the treasure we have carried through many earthly lives.

[ 31 ] So wie wir dastehen im jetzigen Leben, ist ja dieses Leben der Ausgangspunkt zugleich für die folgenden Erdenleben. Aber wie in unseren Seelen als Erbschaft der früheren Erdenleben dasjenige lebt, was wir abstrakt in Mathematik und konkret in verschiedenen inneren Stimmungen in der Seele tragen, so lebt als Anlage das, was wir von der Außenwelt aufnehmen im jetzigen Leben, in die folgenden Erdenleben hinüber. Der alte Mensch hat von der Außenwelt aufgenommen seine von Elementarwesen durchsetzte Naturanschauung. Als wir früher auf derErde waren, haben wir dieNatur angeschaut und die Eindrücke von den Elementarwesen bekommen; das tragen wir in uns. Heute ist unser Leben im wesentlichen bestimmt von dem, was entsteht durch das «Pferd», das neben uns ist, wie ich es vorhin schilderte, durch die Technizismen. Das fließt in uns ein. Das gestalten wir in uns zu einem Fonds für die folgenden Erdenleben, wenn wir nichts anderes tun. Dadrinnen leben die neuen Dämonen, die ahrimanischen Dämonen. Wir präparieren uns ja gut für die folgenden Erdenleben, wenn wir uns überliefern den ahrimanischen Mächten! Das, was die Maschinen in uns sind, das bereiten wir vor als unser Wissenschaftsleben für die nächsten Erdenleben. Was der Kanonendonner an den Fronten war, was da gelebt hat in den Maschinen, das gliedern wir in uns ein. So wollen wir eigentlich unbewußt auferstehen in dem nächstfolgenden Erdenleben. Aber der Mensch ist eben nicht bloß ein Intellekt, er hat auch anderes in seinem Wesen: er hat Empfindungen, er hat Gefühle. Die müssen sich abfinden mit dem, was hereinkommt von den Technizismen, von den Maschinen.

[ 31 ] Given where we stand in this present life, this life is, after all, the starting point for the subsequent earthly lives as well. But just as what we carry within our souls—both abstractly in mathematics and concretely in various inner moods—lives on as a legacy of our previous earthly lives, so too does what we absorb from the external world in this present life carry over as a predisposition into our subsequent earthly lives. The old human being absorbed from the external world a view of nature permeated by elemental beings. When we were on Earth in the past, we observed nature and received impressions from the elemental beings; we carry that within us. Today, our lives are essentially shaped by what arises from the “horse” that is beside us—as I described earlier—namely, technological devices. This flows into us. We shape this within ourselves into a reservoir for our subsequent earthly lives, if we do nothing else. Within this reside the new demons, the Ahrimanic demons. We are, after all, preparing ourselves well for our next earthly lives when we surrender ourselves to the Ahrimanic forces! What the machines represent within us, we prepare as our scientific life for our next earthly lives. What the thunder of cannon fire was like on the battlefields, what lived there in the machines—we incorporate that into ourselves. This is how we actually intend, unconsciously, to be reborn in our next earthly life. But human beings are not merely intellect; they also have other aspects to their being: they have sensations, they have feelings. These must come to terms with what is coming in from technological processes, from machines.

[ 32 ] Da kommt noch ein anderes Gefühl, als was ich vorhin geschildert habe. Ich sprach vorhin von dem Gefühl entbehrender Sehnsucht, sehnsüchtiger Entbehrung. Das, was da die Seele in dem Unterbewußten vereinigt aus Technizismen heraus, aus den ahrimanischen Mächten, das reagiert herauf, kommt ins Bewußtsein herein als Gedanken, Ideen, aber es kommt als etwas herauf, was ähnlich ist der Furcht. Und zu der sehnsüchtigen Entbehrung wird man heraufkommen sehen bei den Kindern, die man in der Schule haben wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, eine unbestimmte, aber deshalb nicht weniger lebendige Furcht vor dem Leben, die sich in Nervosität äußern wird, die sich in einem zappeligen, nervösen Wesen äußern wird — ich meine es handgreiflich. In der Anlage ist dasjenige, was ich schildere, schon heute da.

[ 32 ] There is another feeling here, different from what I described earlier. I spoke earlier of the feeling of longing for what is lacking, of longing in the face of deprivation. What unites the soul in the subconscious—arising from technicalities, from the Ahrimanic forces—reacts and rises up, entering consciousness as thoughts and ideas, but it rises as something akin to fear. And alongside this yearning deprivation, you will see emerging among the children who will be in school in the coming years and decades an indefinable—but no less vivid—fear of life, which will manifest as nervousness, which will manifest in a fidgety, nervous disposition—I mean this quite literally. The seeds of what I am describing are already present today.

[ 33 ] Da gibt es nur das eine, daß die Seelen sich erfüllen mit demjenigen, was hier die Kraft gibt, die die Erde selber nicht hergeben kann, die Kraft, die der Erde von außen gekommen ist durch das Wesen des Christus, der nun wieder erscheinen wird. Das ist eine Kraft, die von der Erde selbst nicht kommen kann. Von der Erde kommt die Kraft der Technizismen, die 79 Millionen Pferde, die neben uns hergehen. In uns müssen wir ausbilden dasjenige, was von der Kraft des Christus kommt, damit wir nicht erfüllt sind bloß von der Kraft der Technizismen im nächsten Erdenleben. Es gibt keine andere Heilung für die Nervosität, die sich bei der aufwachsenden Generation geltend machen muß, als die Vorbereitung für das Christus-Ereignis von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

[ 33 ] There is only one thing: that souls be filled with that which provides the power here—a power that the Earth itself cannot provide, a power that came to the Earth from outside through the being of Christ, who will now appear again. This is a power that cannot come from the Earth itself. From the earth comes the power of technology—the 79 million horses that walk alongside us. We must develop within ourselves that which comes from the power of Christ, so that we are not filled merely with the power of technology in our next earthly life. There is no other cure for the nervousness that is bound to manifest itself in the younger generation than preparation for the Christ event of the first half of the 20th century.

[ 34 ] Man muß unsere Zeit nicht schildern nach dem äußeren Anblick, sondern man muß sie schildern nach dem, was sich als die hervorragendsten Empfindungen geltend macht in den Menschen. Das großartig Wichtige in unserer Zeit wäre, daß die Menschen sich ein inneres Auge aneigneten für dasjenige, was in den Menschen lebt. Zumeist wird geschildert, was nur äußerlich ist. In solchen Gebieten, wie es zum Beispiel jetzt der europäische Osten ist, reisen Menschen wie Paquet und ähnliche, die gar nicht in der Lage sind zu sagen, was die Menschen da erleben, die schon viel von der Zukunft erleben, während sie nur reine Äußerlichkeiten schildern und so weiter.

[ 34 ] One must not describe our time based on outward appearances, but rather based on what asserts itself as the most prominent feelings within people. The truly important thing in our time would be for people to develop an inner eye for what lives within them. Most often, only what is external is described. In regions such as Eastern Europe today, for example, people like Paquet and others travel there—people who are completely unable to describe what the people there are experiencing, people who are already experiencing much of the future—while they merely describe mere externalities and so on.

[ 35 ] Wenn Geisteswissenschaft etwas Lebendiges werden soll, dann muß sie uns hineinführen können in das Verstehen gerade des Empfindungshaften, gerade des Gefühlsmäßigen. Denn nicht dadurch, daß man in einigen Abstraktionen schildert, wie das Christus-Ereignis sein wird, lernt man das Leben wirklich kennen, sondern indem man die Menschenseelen schildert, die auf der einen Seite sehnsüchtig, auf der andern Seite sich fürchtend diesem Christus-Ereignis entgegenleben.

[ 35 ] If spiritual science is to become something alive, then it must be able to lead us into an understanding of the sensory realm and the emotional realm in particular. For it is not by describing, in a few abstractions, what the Christ event will be like that one truly comes to know life, but rather by describing the human souls who, on the one hand, yearn for this Christ event and, on the other hand, fear it as they live toward it.

[ 36 ] Wie kann denn der heutige Mensch so etwas verstehen wie die Besiegelung des Ausganges der Kriegskatastrophe durch ahrimanische Kräfte, ganz abgesehen von dem, was im Augenblick die Menschen machen konnten? Bestimmt nur durch dasjenige, was die Menschen ausgedacht haben und was objektiv geworden ist. Wie können denn die Menschen der Gegenwart das richtig beurteilen, in seiner Wirkungsweise richtig abschätzen, wenn sie nicht auf das Geisteswissenschaftliche eingehen? Bedenken Sie doch, was eine solche Tatsache bedeutet wie diese, daß zu den 79 Millionen Pferdekraftjahren von Deutschland, zu den 98 Millionen Pferdekraftjahren Großbritanniens, zu den 35 Millionen Pferdekraftjahren von Belgien, Frankreich und Rußland hinzukommen die 179 Millionen Pferdekraftjahre von Amerika! Also dadurch, daß wir sprechen von etwas, was ganz vom Menschen absieht, reden wir eigentlich von den maßgebenden Ursachen des gegenwärtigen menschlichen Schicksals. Der Mensch hat sich ja ganz ausgeliefert an dasjenige, was nicht mehr Mensch ist. Und jetzt betrachten Sie es in einem neuen Lichte, wenn gesagt wird, der Mensch bleibt mit seiner Erkenntnis vor dem Menschen stehen. Der Mensch bleibt nur im Unmenschlichen stehen, auch im Sozialen im Unmenschlichen stehen, indem er die Brücke nicht findet hinüber zum Menschen. Damit erfüllt der Mensch sein Schicksal. Er macht sein Schicksal auch abhängig von dem, was nicht mehr menschlich ist; er erzeugt auch dasjenige als schicksalbestimmend, woran er als Mensch keinen Anteil mehr hat. Man muß nicht mehr sprechen von der Tapferkeit, von dem Geiste, von der Genialität des Generalstabs und dergleichen, wenn man von dem Ausgang eines Schicksalbestimmenden spricht, sondern von den Verhältnissen der Pferdekraftjahre in den verschiedenen Ländern. Man muß vom Menschen absehen können, wenn man vom menschlichen Schicksal spricht. Es wird einer starken Kraft bedürfen, damit dieMenschen wiederum aufkommen und entgegenrufen diesem von dem Nichtmenschlichen bestimmten menschlichen Schicksal: Das Schicksal der Menschheit muß wiederum vom Menschen bestimmt werden! — Das kann aber nur geschehen, wenn die Menschen sich erfüllen mit der Christus-Kraft, die heranrückt, die sie wiederum ihren Menschenkräften zurückgeben wird. Seiner selbst gewiß als Mensch kann wiederum nur derjenige werden, der auf alledem, was da begründet worden ist an Technik, wandelt, der sich aber nicht beherrschen läßt von diesen Technizismen, sondern zu schauen vermag auch dasjenige, was ihn durchdringen kann als die Christus-Kraft, die siegen kann über all diese Technizismen.

[ 36 ] How can people today understand something like the sealing of the outcome of the catastrophe of war by Ahrimanic forces, quite apart from what people were able to do at that moment? Certainly only through what people have conceived and what has become an objective reality. How can people today properly assess this, correctly gauge its effects, if they do not engage with spiritual science? Just consider what a fact like this means: that in addition to Germany’s 79 million horsepower-years, Great Britain’s 98 million horsepower-years, and the 35 million horsepower-years of Belgium, France, and Russia, there are America’s 179 million horsepower-years! So, by speaking of something that is entirely independent of human beings, we are actually speaking of the decisive causes of the present human destiny. Humanity has, after all, completely surrendered itself to that which is no longer human. And now consider it in a new light when it is said that human beings, with their knowledge, come to a standstill before other human beings. Humanity comes to a standstill only in the inhuman—even in the social realm—because it cannot find the bridge leading back to what is human. In this way, humanity fulfills its destiny. It also makes its destiny dependent on that which is no longer human; it creates as destiny-determining that which, as a human being, it no longer has any part in. One must no longer speak of the bravery, the spirit, or the genius of the General Staff and the like when discussing the outcome of a fate-determining event, but rather of the conditions regarding horsepower-years in the various countries. One must be able to look beyond the human being when speaking of human destiny. It will require a powerful force for human beings to rise up once more and cry out against this human destiny determined by the non-human: The destiny of humanity must once again be determined by human beings! — But this can only happen if human beings are filled with the Christ-force that is drawing near, which will restore their human powers to them. Only those who walk upon all that has been established in the realm of technology, yet do not allow themselves to be dominated by these technicalities, but are able to perceive that which can penetrate them—namely, the Christ-force that can triumph over all these technicalities—can once again become certain of themselves as human beings.

[ 37 ] Das sind Lehren, die wir heute aufnehmen müssen. Das sind die Worte, welche hinweisen darauf, wie wir uns vorbereiten sollen für das Christus-Ereignis. Mit all den Trivialitäten, die heute die öffentliche Literatur beherrschen, mit all dem Geschwätz, das heute auf der Tagesordnung ist, kommt die Menschheit nicht vorwärts, sondern nur rückwärts. Einzig und allein mit dem, was aus geistigen Untergründen herausgeholt wird, kommt die Menschheit vorwärts. Und ehe man nicht den Ernst von so etwas wiederum fühlen wird, eher kommt man nicht vorwärts. Und das ist notwendig, daß wir uns klar sind: Die Menschheit hat es einmal heute dazu gebracht, daß sie ringsherum eine Welt hat, eine ganz neue Welt, die Kräfte entwickelt, von denen ihr Schicksal abhängt. Und es sind ja wahrhaftig nicht bloß die kriegerischen Ereignisse. Denn wenn wir auf die Straße gehen und die Fabriken sehen, von denen unser Schicksal bestimmt ist, ist das ja dasselbe für den Alltag, nicht nur für die Schicksale von 1914. Das, was da ist in all den Fabriken, die da dampfen, das sind die ahrimanischen Gewalten — in ihnen hat der Mensch keine Geltung mehr.

[ 37 ] These are lessons we must take to heart today. These are the words that point to how we should prepare ourselves for the Christ Event. With all the trivialities that dominate public literature today, with all the idle chatter that is the order of the day, humanity is not moving forward, but only backward. Humanity moves forward solely through what is drawn from spiritual depths. And until we once again feel the gravity of such matters, we will not move forward. And it is essential that we realize this: Humanity has now brought about a situation in which it is surrounded by a world—a completely new world—that is developing forces upon which its destiny depends. And it is certainly not just a matter of war-related events. For when we go out onto the streets and see the factories that determine our fate, this applies just as much to everyday life as it does to the fates of 1914. What is present in all those steaming factories are the Ahrimanic forces—within them, the human being no longer has any standing.

[ 38 ] Und wenn wir dann von der Fabrik ein Stückchen weitergehen, finden wir die Kirche. Was in der Kirche tradiert wird, ist ein Abstraktum geworden. Das hat längst keinen Bezug mehr zu diesem Leben da draußen. Das beschäftigt sich mit etwas, womit der Mensch nichts anfangen kann, wenn er der Lebenspraxis gegenübersteht. Das ist ebenso luziferisch, wie das in den Fabriken ahrimanisch ist.

[ 38 ] And if we walk a little further from the factory, we’ll find the church. What is handed down in the church has become an abstraction. It has long since lost any connection to life out there. It deals with something that people cannot relate to when faced with the practical realities of life. This is just as Luciferic as what goes on in the factories is Ahrimanic.

[ 39 ] Das ist wiederum etwas, was mit dem Schicksal der gegenwärtigen Menschheit zusammenhängt, furchtbar zusammenhängt: daß verloren worden ist da, wo man von dem Geistigen spricht, die Möglichkeit, mit diesem Geistigen in das Leben hineinzuweisen. Ich habe letzthin im öffentlichen Vortrag erzählt von den amerikanischen Pastorenrednern in der Schweiz und andern neutralen Ländern, die ungefähr sagen: Der Völkerbund muß entstehen, denn der wird Heil und Segen bringen für die Menschen; aber aus den Ideen der Staatsmänner wird der Völkerbund sich nicht entwickeln können. Also muß man die Herzen der Menschen gewinnen, damit sie sich zu dem Völkerbund bekennen. Wer einen unbefangenen Sinn hat, der wird wissen, daß es sehr schöne Reden sind, die die Herren halten; wer aber damit zufrieden ist und sich damit begnügt, die Schönheit dieser Reden zu loben, der versteht die Zeit auch nicht. Denn diese Worte könnten noch so honigreich sein, diese Süße dringt nicht zu den Herzen der Menschen. Die Herzen der Menschen sind heute voll von den Sorgen, die sie sich über das wirtschaftliche Leben machen, und keine Brücke ist da zu dem, was als Worte aus den alten Bekenntnissen herauskommt. Mit denen kann man ebensowenig einen Völkerbund machen wie mit den Worten, die von Woodrow Wilson, von Clemenceau und andern kommen. Dasjenige, um was es sich heute handelt, das ist das Zusammenbringen der beiden, das Durchdringen des Lebens mit dem Geiste und das Heranbringen des Lebens zum Geiste. Geradeso wie das außerirdische Christus-Wesen in dem Menschen Jesus Fleisch angenommen hat, sich mit der physischen Erde verbunden hat, so wird der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erscheinende Christus nicht in der Sprache der abstrakten Religionsbekenntnisse reden, o nein, sondern er wird in der Sprache des praktischen Lebens reden. Und diejenigen, die nur immer in weltfremden, mystischen Höhen die Erbauung der Seele suchen, die werden ihn nicht verstehen. Aber er wird vom Geiste reden, auch wenn er vom praktischen Leben redet. Es wird der Geist sein, der sich ebenso verbindet mit dem praktischen Leben, wie sich das überweltliche, übersinnliche Wesen Christus mit dem physischen Menschen Jesus verbunden hat. Wir brauchen ein solch neues Verständnis dieses ChristusEreignisses, sonst werden wir es nicht würdigen können, wenn es über die Menschen kommt.

[ 39 ] This, in turn, is something that is connected—terribly connected—to the fate of humanity today: that, when speaking of the spiritual, the ability to point the way into life through this spiritual realm has been lost. I recently spoke in a public lecture about the American pastors and orators in Switzerland and other neutral countries who say something along the lines of: The League of Nations must come into being, for it will bring salvation and blessings to humanity; but the League of Nations cannot develop from the ideas of statesmen alone. Therefore, we must win over people’s hearts so that they will commit themselves to the League of Nations. Anyone with an open mind will know that the gentlemen deliver very fine speeches; but anyone who is satisfied with that and content merely to praise the beauty of these speeches does not understand the times either. For no matter how honeyed these words may be, this sweetness does not penetrate people’s hearts. People’s hearts today are full of worries about economic life, and there is no bridge to what emerges as words from the old creeds. One can form a League of Nations just as little with these words as with those spoken by Woodrow Wilson, Clemenceau, and others. What is at stake today is the bringing together of the two—the permeation of life with the Spirit and the bringing of life to the Spirit. Just as the extraterrestrial Christ-being took on flesh in the man Jesus and united with the physical earth, so the Christ who will appear in the first half of the 20th century will not speak in the language of abstract religious creeds—oh no—but will speak in the language of practical life. And those who always seek the edification of the soul only in otherworldly, mystical realms will not understand him. But he will speak of the Spirit, even when he speaks of practical life. It will be the Spirit who connects with practical life just as the supermundane, supersensible being of Christ connected with the physical human being Jesus. We need such a new understanding of this Christ event; otherwise, we will not be able to appreciate it when it comes upon humanity.

[ 40 ] Man kann schon heute die Frage aufwerfen: Wie werden sich eigentlich zu dem Christus-Ereignis von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diejenigen verhalten, die offiziell das Christentum predigen? Dazu ist ja allerdings beim richtigen Verständnis des Evangeliums eine Art von Vorbild geschaffen. Das Evangelium redet von den «Schriftgelehrten und Pharisäern». Man urteilt nicht richtig, wenn man in der Gegenwart auf die Seite der Christus-Bekenner den Adolf Harnack setzt; man urteilt nur richtig, wenn man ihn, folgend dem Evangelium, auf die Seite der Schriftgelehrten und Pharisäer setzt. Und ähnliche Leute mehr muß man auf diese Seite setzen. Denn es ist nötig, ein richtiges Urteil zu gewinnen. Zur Wahrheit müssen wir kommen! Der Maternalist Pierre Bayle hat gesagt: Ein Staat kann nicht christlich sein; Ehre und Schande herrschen in einem Staate, Ehrgeiz und Egoismus herrschen in einem Staate, aber ein christlicher Staat ist nicht möglich. — Aber eine christliche soziale Gemeinschaft wird möglich sein, wenn man sie nur nicht absolut staatlich haben will, wenn man ein freies Geistesleben begründen wird. Das wird Christus-durchdrungen sein können. Dann wird dieses freie Geistesleben den ChristusImpuls auch ausstrahlen können in dasjenige, was nimmermehr christlich sein kann, in das eigentliche Staatsleben. Dann wird sich auch ein wirtschaftliches Leben der Assoziationen geltend machen können, das als solches selbstverständlich nicht christlich sein kann; aber die Menschen, die darinstehen, die werden christlich sein. Sie werden vom Christus-Impuls durchdrungen sein, nur muß man die Menschen hineinkommen lassen ins freie Geistesleben. So wird das ganze soziale Leben christlich sein können.

[ 40 ] One can already ask today: How will those who officially preach Christianity actually respond to the Christ event of the first half of the 20th century? In this regard, however, a kind of model has been established through a proper understanding of the Gospel. The Gospel speaks of the “scribes and Pharisees.” One does not judge correctly if, in the present day, one places Adolf Harnack on the side of those who profess Christ; one judges correctly only if, following the Gospel, one places him on the side of the scribes and Pharisees. And more people like him must be placed on that side. For it is necessary to arrive at a correct judgment. We must come to the truth! The maternalist Pierre Bayle said: A state cannot be Christian; honor and dishonor reign in a state, ambition and selfishness reign in a state, but a Christian state is not possible. — But a Christian social community will be possible, provided one does not insist on it being entirely state-run, provided one establishes a free spiritual life. That can be imbued with Christ. Then this free spiritual life will also be able to radiate the Christ impulse into that which can never be Christian—into the very fabric of state life. Then an economic life of associations will also be able to assert itself—one that, as such, cannot of course be Christian; but the people involved in it will be Christian. They will be imbued with the Christ impulse; one must simply allow people to enter into this free spiritual life. In this way, the whole of social life will be able to be Christian.

[ 41 ] Aber zur Wahrheit muß man erst kommen, nicht in der Lüge wird man wohlleben können. Das sind schon Dinge, die man heute aufnehmen muß, die man sich tief ins Herz schreiben muß. Denn wird man es nicht tun, so wird man auf der Seite derjenigen stehen, die den Spengler-Schülern folgen in dem Glauben, daß wir in die Barbarei hinein müssen. Mit einem leichtfertigen Bekenntnis, daß Spengler Unrecht hat, kommt man aber auch nicht weiter. Da belügt man sich nur. In der Wahrheit wird man nur stehen, wenn man sich sagt: Die Kraft muß erzeugt werden zum Vorwärtskommen. Die kann aber nur erzeugt werden aus dem lebendigen Geiste heraus, aus dem Geiste, der gesucht wird durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Sie hat dasjenige, was die Impulse unserer Zeit durchdringen muß, damit wir zu einem Geistesleben kommen können, das wiederum christlich ist, zu einem Staatsleben, das wiederum menschlich ist, das nicht vor dem Menschen halt macht, und zu einem wirtschaftlichen Leben, das wiederum von den Menschen geleitet wird, nicht von den Pferdekraftjahren, die neben ihnen stehen und die eben dasjenige ausdrücken, was aus den Technizismen heraus, aus dem Außermenschlichen und Unmenschlichen heraus das menschliche Schicksal bestimmt.

[ 41 ] But one must first arrive at the truth; one cannot live well in a lie. These are things one must take to heart today, things one must engrave deeply within one’s heart. For if one does not do so, one will stand on the side of those who follow Spengler’s disciples in the belief that we must descend into barbarism. Yet a flippant declaration that Spengler is wrong will not get us any further either. That is merely self-deception. One will stand in the truth only if one tells oneself: The strength to move forward must be generated. But this can be generated only from the living spirit—the spirit sought by anthroposophically oriented spiritual science. It possesses that which must permeate the impulses of our time so that we may attain a spiritual life that is, in turn, Christian, and a political life, that is once again human, that does not stop at the human being, and to an economic life that is once again guided by human beings, not by the “horse-power years” that stand beside them and that express precisely what, out of technicalities, out of the non-human and inhuman, determines human destiny.

[ 42 ] Was wir in den letzten Jahren erlebt haben, kann nicht aus den menschlichen Seelenverfassungen abgelesen werden, das muß aus den Pferdekraftjahren der Technizismen abgelesen werden, aus jener furchtbaren Schrift, die Ahriman beginnt in die Menschheitsentwickelung hineinzuschreiben. Dasjenige, was die Menschen daraus herausführen soll, das muß hergeholt werden aus einem neuen Christus-Verständnis.

[ 42 ] What we have experienced in recent years cannot be discerned from the state of the human soul; it must be discerned from the “horsepower years” of technological progress, from that terrible script that Ahriman is beginning to inscribe into the development of humanity. That which is to lead people out of this must be drawn from a new understanding of Christ.