Healing Factors for the Social Organism
GA 198
20 March 1920, Dornach
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Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Was heute den Menschen als eine fast unumstrittene Autorität gilt, das ist Wissenschaft, Wissenschaft eben in demjenigen Sinne, in dem diese Wissenschaft heute auf unseren staatlich abgestempelten Lehranstalten getrieben wird. Wir haben öfters über die Geltungsmöglichkeiten dieser Wissenschaft gesprochen, haben auch hingewiesen darauf, wie gerade von dieser Autorität die Menschheit der Gegenwart loskommen müsse. Heute will ich darauf hinweisen, daß es ja eine charakteristische Erscheinung geworden ist — auch erst seit den letzten drei bis vier Jahrhunderten -, als eine von diesen Wissenschaften, die Geltung haben, die Autorität haben, die Medizin zu betrachten. Alles, was mit der Medizin zusammenhängt, ist eben eine Wissenschaft unter den anderen, eine Wissenschaft, welche in ihrem weiteren Verfolge führen soll zum Heilen, zum Heilen des kranken Menschen. Man denkt kaum heute daran, daß dieses Verhältnis von Medizin zu anderen Wissenschaften und zu der Gesamtheit der Wissenschaften sich auch erst in den letzten drei bis vier Jahrhunderten herausgebildet hat. Denn je weiter wir in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, desto mehr sehen wir, wie alles, was der Mensch an Wissenschaft, an Erkenntnis ausbilden konnte, mehr oder weniger als medizinisch angesehen wurde, als etwas angesehen wurde, was mit Heilen etwas zu tun hat. Und wenn wir zurückgehen insbesondere in die Entwickelung der okkulten Wissenschaften in älteren Zeiten, so ist mit dem Begriff der okkulten Wissenschaften, der Geheimwissenschaften, der Begriff des Heilens immer verbunden gewesen. Immer hatten mit irgendeiner Art des Heilens die geistigen Wissenschaften etwas zu tun. So daß man damals in älteren Zeiten nicht sagen konnte: Medizin ist eine Wissenschaft unter vielen -, sondern daß man sagte in diesen älteren Zeiten, in denen höchstens das rein Intellektuelle nicht zu dem Okkulten gerechnet worden ist: In aller Wissenschaft, in aller Erkenntnis muß etwas gesucht werden, das zuletzt abzweckt auf ein Heilen des ganzen Menschen. — Man sprach also in dem Sinne, daß man sich diesen Gedanken vor die Seele rückte.
[ 1 ] What is regarded today as an almost uncontested authority is science—science precisely in the sense in which it is practiced today at our state-sanctioned institutions of higher learning. We have often spoken about the scope of this science’s influence and have also pointed out how contemporary humanity must free itself from this very authority. Today I would like to point out that it has become a characteristic phenomenon—albeit only in the last three to four centuries—to regard medicine as one of these sciences that hold sway and possess authority. Everything related to medicine is simply one science among others—a science that, in its further pursuit, is intended to lead to healing, to the healing of the sick person. People hardly think today that this relationship between medicine and other sciences—and to the totality of the sciences—has only emerged in the last three to four centuries. For the further back we go in human development, the more we see that everything humanity was able to develop in terms of science and knowledge was, to a greater or lesser extent, regarded as medical—as something related to healing. And if we look back, in particular, at the development of the occult sciences in earlier times, the concept of the occult sciences—the secret sciences—has always been linked to the concept of healing. The spiritual sciences have always been connected in some way to healing. So that in those earlier times, one could not say, “Medicine is one science among many”—but rather, in those earlier times, when at most the purely intellectual was not counted among the occult, it was said: In all science, in all knowledge, one must seek something that ultimately aims at the healing of the whole human being. — People spoke, then, in the sense that they brought this thought to the forefront of their souls.
[ 2 ] Nun muß man aber fragen: Was sollte denn da geheilt werden, was war denn da zu heilen? — Heute, in der Zeit des Materialismus, spricht man von Krankheit, wenn am Menschen durch äußere materielle Vorgänge oder durch sein Verhalten in der sinnlichen Welt irgend etwas Abnormes zu bemerken ist. Auch dieser, man möchte sagen materialistische Begriff von Krankheit, auch er ist im Grunde genommen erst ein Produkt der neueren Entwickelung der Menschheit, ein Produkt der nachgriechischen Zeit. Denn in jenem Griechenland, in dem eine aufgewecktere, für die Welt empfänglichere Menschheit wohnte, als die spätere Menschheit es ist, war im Grunde genommen noch jener Begriff von Krankheit, und namentlich Krankheitsmöglichkeit, vorhanden, der allen Zeiten eigen war, die weiter zurückliegen als etwa zwei, drei vorchristliche Jahrhunderte. Man muß solche Dinge, damit sie verstanden werden, damit man nicht ihre eigentliche Bedeutung doch überhöre, man muß solche Dinge etwas radikal sagen. Die Grundanschauung in älteren Zeiten war, daß eigentlich die ganze Menschheit fortwährend die Anlage zum ständigen Kranksein mit sich herumträgt. Alle Menschen sind im Grunde genommen fortwährend mit Krankheitsanlagen in der Welt herumgehend — das ist im Grunde die Anschauung gewesen. Alle Menschen sind wenigstens der vorbeugenden Heilung bedürftig; man muß fortwährend heilen an der Menschheit, das war die Meinung. Vielleicht wird man am besten verständlich in diesen Sachen, wenn man diese Meinung vergleicht mit einer, die uns insbesondere heute aus unseren sozialen Verhältnissen und sozialen Forderungen häufig entgegentritt. Wir sehen heute auftreten viele Menschen, welche sich berufen fühlen, agitatorisch zu sprechen von dem, was der Menschheit, sagen wir, in sozialer Beziehung oder in anderer Beziehung notwendig ist, damit sie einer besseren Zukunft entgegengehe. Diese Menschen schildern ungefähr dasjenige, was erreicht werden würde, wenn ihre Ideen zur Geltung kommen, als eine Art Paradies auf Erden. Man sagt wohl auch, das Tausendjährige Reich müsse nun endlich anbrechen, wenn die Ideen gewisser Menschen sich Geltung verschaffen könnten. Gewiß, es ist eine Meinung, die vielleicht das Gute will, aber aus schlechtem Verstande und aus noch schlechterer Vernunft kommt, aber es ist eine Meinung, die agitatorisch wirken kann. Und was sollte agitatorischer wirken, als wenn man den Menschen, namentlich einer materialistischen Zeit, das Paradies auf Erden verspricht! Wenn man es ihnen noch gar verspricht für die Zeit, bevor sie selber sterben, so hat man sie mit einer großen Wahrscheinlichkeit zu Anhängern.
[ 2 ] But one must ask: What was there to heal, and what was there to be healed? — Today, in this age of materialism, we speak of illness when something abnormal is observed in a person as a result of external material processes or their behavior in the sensory world. This, one might say, materialistic concept of illness is, at its core, merely a product of humanity’s more recent development—a product of the post-Greek era. For in that ancient Greece, inhabited by a more alert humanity, more receptive to the world than later humanity has been, the concept of illness—and specifically the possibility of illness—that was characteristic of all eras dating back further than, say, two or three centuries before Christ was, in essence, still present. One must speak of such things rather radically so that they may be understood, so that their true meaning is not overlooked. The fundamental view in earlier times was that, in fact, all of humanity constantly carries within itself the predisposition to perpetual illness. All people, in essence, are constantly walking around in the world with predispositions to illness—that, in essence, was the view. All people are, at the very least, in need of preventive healing; one must constantly heal humanity—that was the opinion. Perhaps one can best understand these matters by comparing this view with one that we frequently encounter today, particularly in light of our social conditions and social demands. Today we see many people emerging who feel called upon to speak in an agitative manner about what humanity needs—let’s say, in social terms or in other respects—so that it may move toward a better future. These people describe what would be achieved if their ideas were put into practice as a kind of paradise on earth. It is also said that the Millennium must finally dawn if the ideas of certain people were to gain acceptance. Certainly, it is an opinion that may intend good, but stems from poor understanding and even poorer reasoning; yet it is an opinion that can have a demagogic effect. And what could be more inflammatory than promising people—especially in a materialistic age—paradise on earth! If one even promises it to them before they themselves die, one is very likely to win them over as followers.
[ 3 ] Demgegenüber wird ja schwer aufkommen, wenn so etwas auftritt wie die Idee von der «Dreigliederung des sozialen Organismus», die nicht von dem Paradies auf Erden spricht, sondern von dem, was lebensfähig als sozialer Organismus ist, was leben kann. Gegenüber dieser Anschauung, die es ja involviert, daß ein solches Paradies auf Erden möglich sei, daß eine allgemeine, ideal wirkende Gesundung der Menschen durch bloße Einrichtungen auf dem physischen Plane sich herstellen lassen könne, gegenüber dieser Meinung steht mit einer ganz anderen Empfindungsfärbung da jene Meinung in alten Zeiten, die ich versuchte, Ihnen zu charakterisieren, indem ich sagte, diese Meinung ging dahin: Alle Menschen, insofern sie hier auf dem physischen Plane leben und wirken, sind bis zu einem gewissen Grade mit Krankheitsanlagen behaftet und bedürfen fortwährend der Heilung. - Denn diese Anschauung fußte auf dem Folgenden. Sie sagte: Hier in der physischen Welt kann der Mensch dasjenige tun, was zu Einrichtungen auf diesem physischen Plane führt. Der Mensch kann dasjenige tun, was seine Wirtschaft besorgt, was sein Recht besorgt und so weiter. — Aber wenn alles das, was so besorgt wird, nur durch seine eigene Kraft fortläuft, wenn nichts hineinwirkt als dasjenige, was sich auf die äußeren Institutionen des physischen Planes bezieht, dann wird der soziale Organismus der Menschheit immer kränker und kränker. Man kann nämlich gar nicht durch äußere Maßnahmen einen gesunden sozialen Organismus hervorrufen, sondern nur einen solchen, der immer kränker und kränker wird. Damit er das nicht werde, hat man nötig, parallel gehen zu lassen den Maßnahmen, die für die physische Welt getroffen werden, geistiges Leben. Und dieses geistige Leben wirkt so, daß es gewissermaßen die Krankheitskeime, die sich fortwährend in dem Menschen erzeugen, paralysiert. Jede Erkenntnis, so dachte man, die nicht darauf hinausläuft, das sich fortwährend bildende Gift der sozialen Ordnung zu resorbieren, jede solche Erkenntnis ist ein Unding in der Menschheit. Erkenntnisprozeß ist Heilungsprozeß. Und würde, so dachte man in alten Zeiten, die Erkenntnis für irgendeine Epoche ganz aussetzen, dann würde der soziale Organismus in Krankheit verfallen. Daher bezeichnete man erkennende Kraft von vornherein als heilende Kraft; und erst im Laufe der Zeit haben sich abgesondert von dem Mysterienerkenner — der zu gleicher Zeit Führer der sozialen Ordnung, Arzt und Priester war — der Arzt, der Lehrer, der Priester und so weiter. Das hat sich alles erst aus dem herausdifferenziert, was gemeinsam in dem Menschen lebte, der jene Erkenntnis in sich besaß, die zu gleicher Zeit durch ihre Eigenart die Medizin der Menschheit war. Man hat sich auch in älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung viel, viel weniger mit einzelnen Krankheiten befaßt als heute. Man hatte über diese einzelnen Erkrankungen seine besonderen Ansichten, die man dem heutigen Menschen gar nicht einmal sagen darf, denn sie verletzen sein Gefühl, sie kommen ihm grausam vor. Aber dafür war dasjenige, was man trieb, was man versuchte zu schöpfen aus tiefen Erkenntnisquellen, gedacht als soziale Medizin.
[ 3 ] In contrast, it will be difficult to counter when something like the idea of the “threefold social order” arises—an idea that does not speak of paradise on earth, but rather of what is viable as a social organism, of what can live. In contrast to this view—which, after all, implies that such a paradise on earth is possible, that a general, ideal healing of humanity can be brought about merely through institutions on the physical plane—there stands, with a completely different emotional tone, that view from ancient times which I tried to characterize for you when I said that this view held: All human beings, insofar as they live and act here on the physical plane, are to a certain degree afflicted with predispositions to illness and are in constant need of healing. — For this view was based on the following. It stated: Here in the physical world, human beings can do whatever leads to the establishment of institutions on this physical plane. Human beings can do what concerns their economy, what concerns their legal system, and so on. — But if everything that is thus managed continues solely through their own power, if nothing influences it other than what relates to the external institutions of the physical plane, then the social organism of humanity becomes ever sicker and sicker. For it is simply not possible to bring about a healthy social organism through external measures alone; rather, such measures can only produce one that grows ever sicker and sicker. To prevent this from happening, it is necessary to allow spiritual life to run parallel to the measures taken for the physical world. And this spiritual life works in such a way that it, so to speak, paralyzes the germs of disease that are constantly being generated within human beings. Any insight, it was thought, that does not ultimately serve to absorb the poison of the social order that is constantly forming—any such insight is an absurdity in humanity. The process of insight is a healing process. And if, as people thought in ancient times, insight were to cease entirely for any given epoch, then the social organism would fall into illness. Therefore, the power of knowledge was regarded from the outset as a healing power; and only in the course of time did the physician, the teacher, the priest, and so on separate from the initiate—who was at the same time the leader of the social order, a physician, and a priest. All of this first differentiated itself from what lived together within the human being who possessed that knowledge, which, by its very nature, was at the same time the medicine of humanity. In earlier periods of human development, people also concerned themselves far, far less with individual diseases than they do today. People had their own particular views on these individual illnesses—views that one cannot even share with people today, for they would offend their sensibilities and strike them as cruel. But what people did, what they sought to create from deep sources of knowledge, was intended as social medicine.
[ 4 ] Solch eine Anschauung konnte allerdings nur vorhanden sein mit ihrer ganzen Kraft in einer Zeit, in der der Mensch anders zu sich selbst stand als heute. Wir haben es ja öfters besprochen, daß der Intellektualismus, der heute insbesondere auch im Erkennen herrscht, im Grunde genommen auch nur, so wie er heute herrscht, in dieser Form zwei, drei, vier Jahrhunderte alt ist. Dieser Intellektualismus, der sein Ideal in durch abstrakte Gedanken wahrzunehmenden Naturgesetzen sieht, der greift nicht ein in die menschliche Persönlichkeit. Ich habe es Ihnen öfters charakterisiert, wie dieses Nichteingreifen sich darstellt. Stellen Sie sich einmal den heutigen Studenten irgendeiner Wissenschaft vor, irgendeines Wissenschaftsgebietes an einer unserer gebräuchlichen Lehranstalten über die ganze zivilisierte Welt hin. Es ist so, daß man sagen muß: Dieser Student sitzt da, er hört nur mit seinem Kopf, mit seinem Verstande, mit seinem Intellekt dasjenige an, was ihm vorgebracht wird, sieht dasjenige an, was ihm vorexperimentiert wird; aber in einem sehr geringen Grade ist sein Gemüt, sein Herz, sein ganzer Mensch beteiligt bei dem, was da vorgebracht wird. Das war bei der alten Mysterienweisheit nicht so. Da konnte man nicht in dieser Weise gleichgültig bleiben. Da war alles, was auf den Kopf wirkte, was auf den Intellekt wirkte, zu gleicher Zeit den ganzen Menschen ergreifend, das war Gemüt und Willen erfassend, das war so, daß man eben als ganzer Mensch dabei sein konnte. Durch das abstrakte Denken, durch das abstrakte Naturforschen ist auch unser Leben abstrakt geworden, so abstrakt geworden, daß der Mensch heute kaum ein Organ hat, dasjenige noch im rechten Lichte zu sehen, was verbunden war mit dem ganzen sozialen Leben einer alten Menschheit. Wir haben öfters auch hier schon gesprochen von dem, was man im hebräischen Altertum den unaussprechlichen Namen des Gottes genannt hat, der dann in der Folge aussprechbar wurde, in der Lautfolge J-A-H-V-E. Warum war dieser Name unaussprechlich? Weil, wer ihn in jenen alten Zeiten aussprach, durch die Gewalt der Laute die alltägliche Gesinnung, das alltägliche Bewußtsein abgedämpft erhielt. Eine andere Welt stand vor ihm auf, und gefährlich war es, den Namen auszusprechen, weil die gewöhnliche Besinnung schwinden mußte. Es war tatsächlich so, daß der Mensch fühlte: Wenn dieser Name vibriert durch seine Leiblichkeit, dann ist er als Mensch in eine andere Welt entrückt, in eine Welt, in der andere Dinge vorgehen als in dieser physischen Welt. — Das ist eine Seelenverfassung des Menschen, von der der heutige Mensch keine Ahnung mehr hat, von der er nichts wissen kann. Denn eine Lautzusammenstellung hat heute nicht jene erschütternde Wirkung, die sie einstmals hatte.
[ 4 ] Such a view, however, could only have existed in all its power at a time when people had a different relationship to themselves than they do today. We have often discussed how intellectualism—which today prevails especially in the realm of cognition—is, in its current form, essentially only two, three, or four centuries old. This intellectualism, which sees its ideal in the laws of nature perceived through abstract thought, does not intervene in the human personality. I have often described to you how this lack of engagement manifests itself. Imagine, for a moment, a student today studying any science—any field of study—at one of our typical educational institutions throughout the civilized world. The fact is that one must say: This student sits there, listening only with his head, with his mind, with his intellect to what is presented to him, observing what is demonstrated to him through experiments; but his soul, his heart, his whole being is involved only to a very limited extent in what is being presented. This was not the case with the ancient wisdom of the mysteries. Back then, one could not remain indifferent in this way. Everything that affected the mind, everything that affected the intellect, simultaneously moved the whole person—it engaged the soul and the will—so that one could be fully present as a whole person. Through abstract thinking and abstract natural science, our lives, too, have become abstract—so abstract, in fact, that people today scarcely have the capacity to view in the proper light what was once connected to the entire social life of ancient humanity. We have often spoken here as well of what was called in Hebrew antiquity the unpronounceable name of God, which later became pronounceable in the sequence of sounds Y-H-V-H. Why was this name unpronounceable? Because whoever uttered it in those ancient times had their everyday mindset and everyday consciousness subdued by the power of the sounds. Another world arose before them, and it was dangerous to pronounce the name because ordinary consciousness had to fade away. It was indeed the case that people felt: When this name vibrates through their physical being, they are transported as human beings into another world—a world in which different things take place than in this physical world. — This is a state of mind that modern people no longer have any inkling of, nor can they know anything about it. For today, a combination of sounds no longer has the shattering effect it once had.
[ 5 ] Mit alldem hängt es zusammen, daß auch aufsteigen konnte aus jener anderen Seelen- und Leibesverfassung des alten Menschen mehr, als heute aus der Seelen- und Leibesverfassung des Menschen aufsteigen kann. Heute steigt aus dieser Seelen- und Leibesverfassung zunächst das Organische auf. Hunger, Durst, andere Emotionen steigen auf, diese oder jene Begehrungen, diese oder jene Gemütsbewegungen, diese oder jene Sympathien und Antipathien steigen auf. All das, was so aufsteigt aus der Organisation des Menschen, es bezieht sich im Grunde genommen auf den einzelnen Menschen, auf das einzelne menschliche Ego. Aber bei den alten Menschen kam herauf mit Hunger und Durst, mit den Begehrungen, die sich aufs gewöhnliche Leben beziehen, Offenbarung eines Göttlichen. Der alte Mensch fühlte in dem, was er gewissermaßen aus seiner eigenen Leiblichkeit und aus seiner eigenen Seelischkeit heraus verwendete, den Gott mit, der wie in der Natur so auch in ihm wirkte. Das, was aufstieg, das ließ in diesen alten Menschen die Fähigkeit erstehen, in der ganzen umgebenden Natur nicht nur das zu sehen, was wir heute sehen, sondern zu sehen Geistiges. Davon macht sich der heutige Mensch überhaupt nicht gern eine Vorstellung, daß selbst das Auffassungsvermögen beim früheren Menschen anders war als beim heutigen Menschen.
[ 5 ] All of this is connected to the fact that more could arise from that other state of soul and body of the ancient human being than can arise today from the state of soul and body of modern humans. Today, what first arises from this state of soul and body is the organic. Hunger, thirst, and other emotions arise; this or that desire, this or that emotional stir, this or that sympathy or antipathy arises. Everything that arises in this way from the human organism relates, fundamentally, to the individual human being, to the individual human ego. But in the people of old, along with hunger and thirst—and the desires related to ordinary life—a revelation of the divine arose. The people of old sensed, in what they utilized, as it were, from their own physicality and their own soul life, the presence of God, who was at work within them just as He was in nature. What arose within them gave these ancient people the ability to see in all of the surrounding nature not only what we see today, but also the spiritual. Modern people are generally very reluctant to conceive of the idea that even the capacity for perception in earlier humans was different from that of people today.
[ 6 ] Dieses Vorurteil ist ja allerdings ein recht begreifliches, das darin besteht, daß man annimmt, so, wie wir heute die Welt sehen, habe man sie immer gesehen. Aber selbst äußerliche Tatsachen beweisen für den, der nur solche Beweise haben will, mit aller nur nötigen Klarheit, daß selbst schon die Griechen — wir brauchen also nicht weit zurückzugehen in der Entwickelung der Menschheit — die den Menschen umgebende Natur anders gesehen haben als wir. Geisteswissenschaft kommt durch das geistige Schauen mit voller Klarheit darauf; aber auf das, was in dieser Beziehung Geistesschau mit voller Klarheit an die Oberfläche bringt, kann man auch schon durch die äußere Erkenntnis der physischen Tatsachen kommen, wenn man in der griechischen Literatur Umschau hält und die eigentümliche Tatsache bemerkt, daß die Griechen ein Wort hatten für Grün: chlorós. Aber kurioserweise bezeichneten sie mit demselben Worte, das sie für das, was wir Grün nennen, anwendeten, den gelben Honig und die gelben Blätter im Herbst; die gelben Harze bezeichneten sie so. Die Griechen hatten ein Wort, welches sie gebrauchten, wenn sie dunkle Haare benennen wollten; mit demselben Wort bezeichneten sie den Stein Lapislazulii, den blauen Stein. Niemand wird annehmen können, daß die Griechen blaue Haare hatten. Solche Dinge kann man wirklich bis zu einem hohen Grade von Beweiskraft bringen, und man sieht daraus, daß die Griechen einfach als Volk Gelb von Grün nicht unterschieden haben, Blau als Farbe nicht so bemerkt haben wie wir, daß sie alles lebendig nach dem Rötlichen, nach dem Gelblichen hin gesehen haben. Das alles wird noch bekräftigt dadurch, daß uns die römischen Schriftsteller erzählen, die griechischen Maler hätten mit nur vier Farben gemalt, mit Schwarz und Weiß, mit Rot und Gelb
[ 6 ] This prejudice is, of course, quite understandable; it consists in the assumption that the way we see the world today is the way it has always been seen. But even external facts prove, with all the necessary clarity, to those who wish to rely solely on such evidence, that even the Greeks—so we need not go far back in the development of humanity—viewed the natural world surrounding human beings differently than we do. Spiritual science arrives at this with complete clarity through spiritual insight; but what spiritual insight brings to light with complete clarity in this regard can also be arrived at through the external knowledge of physical facts, if one surveys Greek literature and notices the peculiar fact that the Greeks had a word for green: chlorós. But curiously, they used the same word—which they applied to what we call green—to describe yellow honey and the yellow leaves in autumn; they also used it to describe yellow resins. The Greeks had a word they used when they wanted to refer to dark hair; they used the same word to describe the stone lapis lazuli, the blue stone. No one can assume that the Greeks had blue hair. Such matters can indeed be substantiated to a high degree of certainty, and it becomes clear from this that the Greeks, as a people, simply did not distinguish yellow from green, did not perceive blue as a color in the same way we do, and that they viewed everything in living terms—tending toward the reddish and the yellowish. All of this is further corroborated by the fact that Roman writers tell us that Greek painters used only four colors: black, white, red, and yellow
[ 7 ] Wenn wir nach unseren heutigen Erfahrungen der Farbenlehre urteilen, so müssen wir sagen: Eine wesentliche Eigenschaft der Griechen war, daß sie blaublind waren, daß sie auch die blaue Nuance in dem Grün nicht gesehen haben, sondern nur die gelbe Nuance. Die ganze Umgebung war für die Griechen viel feuriger, weil sie alles nach dem Rötlichen hin gesehen haben. Bis in diese Art, zu sehen, geht dasjenige, was Entwickelungsmetamorphosen in der Menschheit sind. Wie gesagt, man kann das äußerlich zeigen. Die Geistesschau zeigt es mit aller Deutlichkeit, daß der Grieche sein ganzes Farbenspektrum nach der Rotseite hin verschoben hatte und nicht empfand nach der blauen und violetten Seite hin. Das Violett sah er viel röter, als wir es sehen, als es der heutige Mensch sieht. Würden wir nach unserer heutigen Augenvorstellung die Landschaft malen, die der Grieche gesehen hat, so müßten wir sie eben mit ganz anderen Farben malen, als wir heute gewöhnt sind. Und das, was wir als Natur sehen, kannte der Grieche nicht, und dasjenige, was der Grieche als Natur sah, kennen wir nicht. Die Entwickelung der Menschheit schreitet eben metamorphosisch vorwärts, und das Wesentliche ist, daß die Zeit, in der der Intellektualismus heraufgestiegen ist, in der der Mensch nachdenklich wurde - der Grieche war nicht nachdenklich, der Grieche lebte gegenständlich in der natürlichen Welt —, die gleiche Zeit ist, in der sich umsetzte die Empfindung für die dunkle Farbe, für das Blaue, für das Blau-Violette. Nicht verändert sich bloß das Innere der Seelen, sondern es verändert sich auch dasjenige, was von der Seele in die Sinne hineinlebt.
[ 7 ] If we judge by our current understanding of color theory, we must say: A fundamental characteristic of the Greeks was that they were color-blind to blue—that is, they did not perceive the blue hue in green, but only the yellow hue. The entire environment appeared much more fiery to the Greeks because they perceived everything with a reddish tinge. This way of seeing is part of the evolutionary metamorphoses of humanity. As I said, this can be demonstrated externally. Spiritual vision shows with complete clarity that the Greeks had shifted their entire color spectrum toward the red end and did not perceive the blue and violet ends. They saw violet as much redder than we do, than modern people do. If we were to paint the landscape that the Greeks saw according to our present-day visual perception, we would have to paint it with colors quite different from those we are accustomed to today. And what we see as nature was unknown to the Greeks, and what the Greeks saw as nature is unknown to us. The development of humanity proceeds precisely through metamorphosis, and the essential point is that the era in which intellectualism arose—in which human beings became reflective (the Greeks were not reflective; they lived concretely in the natural world)—is the very same era in which the perception of dark colors, of blue, and of blue-violet took shape. It is not merely the inner life of the soul that changes, but also that which flows from the soul into the senses.
[ 8 ] So können Sie sich sagen: Schon mit Bezug auf die Fähigkeiten unserer Sinne sind wir heute, in der fünften nachatlantischen Zeit, andere Menschen als sogar noch die Menschen, die charakteristische Menschen der vierten nachatlantischen Periode, der griechisch-lateinischen waren. Das alles hängt mit dem vorigen zusammen. In der Zeit, in der noch aus den Emotionen, aus den Sympathien und Antipathien, selbst aus dem Körperlichen, wie Hunger und Durst und Sättigung, aufstiegen spirituelle Kräfte, da ergossen sich diese spirituellen Kräfte bis in die Sinnesorgane hinein, Und die gewissermaßen aus dem Unterleiblichen heraufströmenden, sich in die Sinnesorgane hineinergießenden Kräfte, sie sind für den Sinn des Auges diejenigen, die vorzugsweise die gelben und die roten Farbennuancen beleben, die Fähigkeit beleben, diese Farbennuance wahrzunehmen. Wir sind heute in das Zeitalter eingetreten, wo das Umgekehrte zu einer wichtigen Aufgabe der Menschheit wird. Die Griechen waren noch so organisiert, daß ihre schöne Weltanschauung dadurch durch ihre Sinne vermittelt wurde, daß in diese Sinne sich hineinergoß ihr durchgeistigtes organisches Leben. Wir haben unterdrückt als Menschheit durch Jahrhunderte dieses durchgeistigte organische Leben. Wir müssen es von der Seele aus, vom Geiste aus wieder beleben. Wir müssen uns die Fähigkeit aneignen, ins SeelischGeistige einzudringen, wie das Geisteswissenschaft vermitteln will. Und indem wir uns die Fähigkeit aneignen, ins Geistig-Seelische hineinzudringen, wie das Geisteswissenschaft vermitteln will, werden wir den umgekehrten Weg machen. Bei den Griechen war es so, daß von dem Leiblichen aus gewissermaßen die Strömungen gingen und sich ergossen bis ins Auge hinein (siehe Zeichnung, rot); bei uns muß das Umgekehrte stattfinden. Wir müssen das Geistig-Seelische ausbilden (siehe Zeichnung, blau), die Strömung muß sich von diesem GeistigSeelischen nach der Organisation des Menschen erstrecken, und wir müssen vom Geistig-Seelischen die Strömungen in das Auge und in die anderen Sinne hineinbekommen. Der umgekehrte Weg muß derjenige der Zukunftsmenschheit werden gegenüber dem, der bis in die Mitte der vierten nachatlantischen Kultur der Weg der Menschheit war. Dann wird aus dem nachdenklichen Menschen wiederum der geisterkennende, der in einer anderen Form geist-erkennende Mensch, der von oben angelegt wird. Wir sind hineingewachsen in die Empfänglichkeit für den blauen Teil des Spektrums.
[ 8 ] So you can say to yourself: Even in terms of our sensory abilities, we today—in the fifth post-Atlantean epoch—are different people than even those who were characteristic of the fourth post-Atlantean epoch, the Greco-Latin period. All of this is connected to what was discussed earlier. In the era when spiritual forces still arose from emotions, from sympathies and antipathies, and even from physical sensations such as hunger, thirst, and satiety, these spiritual forces flowed all the way into the sense organs, and these forces—which, so to speak, flowed up from the lower abdomen and poured into the sense organs—are, for the sense of sight, the ones that primarily enliven the yellow and red color nuances, enlivening the ability to perceive these color nuances. Today we have entered an age in which the reverse has become an important task for humanity. The Greeks were still organized in such a way that their beautiful worldview was conveyed through their senses, as their spiritualized organic life poured into these senses. As humanity, we have suppressed this spiritualized organic life for centuries. We must revive it from the soul, from the spirit. We must acquire the ability to penetrate into the soul-spiritual realm, as spiritual science seeks to teach us. And by acquiring the ability to penetrate into the spiritual-soul realm, as spiritual science seeks to teach us, we will take the reverse path. With the Greeks, the currents emanated, as it were, from the physical body and flowed all the way into the eye (see diagram, red); for us, the opposite must take place. We must develop the spiritual-soul realm (see diagram, blue); the current must extend from this spiritual-soul realm to the human organism, and we must channel the currents from the spiritual-soul realm into the eye and the other senses. This reverse path must become the path of future humanity, in contrast to the path humanity followed until the middle of the fourth post-Atlantean culture. Then the thinking human being will once again become the spirit-knowing human being—one who, in a different form, perceives the spirit—a being shaped from above. We have grown into a receptivity for the blue part of the spectrum.


[ 9 ] Wenn ich das schematisch aufzeichnen wollte, so müßte ich so zeichnen: Der Grieche war vorzugsweise empfänglich in dem Rot, er lebte in dem Rot. Der Grieche lebte sich in diesen Teil des Spektrums hinein (siehe Zeichnung, links); wir müssen uns in diesen Teil (siehe Zeichnung, rechts) des Spektrums immer mehr und mehr hineinleben. Aber indem wir uns in diesen Teil des Spektrums hineinleben, indem wir in einer gewissen Weise immer mehr und mehr lieb gewinnen die blaue und blau-violette Farbe, müssen sich ja unsere Sinnesorgane völlig ummetamorphosieren, umwandeln.
[ 9 ] If I wanted to illustrate this schematically, I would draw it like this: The Greek was particularly receptive to the color red; he lived in the color red. The Greek immersed himself in this part of the spectrum (see drawing, left); we must immerse ourselves more and more into this part (see drawing, right) of the spectrum. But as we immerse ourselves into this part of the spectrum—as we, in a certain sense, grow to love the blue and blue-violet colors more and more—our sensory organs must undergo a complete metamorphosis, a transformation.


[ 10 ] Die Sinnesorgane müssen in ihrer feineren Struktur etwas ganz anderes werden, als sie waren. Was sich da hineinergießt in die Sinnesorgane, das ist dasjenige, was allmählich auf naturgemäßem Wege durch das Auge zum Beispiel die Imagination ausbildet, durch das Ohr die Inspiration, durch den Wärmesinn die Intuition. Es müssen also ausgebildet werden: durch das Auge: Imagination, durch das Ohr: Inspiration, durch den Wärmesinn: die Intuition.
[ 10 ] The sensory organs must, in their finer structure, become something entirely different from what they were. What flows into the sensory organs is that which gradually, in a natural way, develops imagination through the eye, for example, inspiration through the ear, and intuition through the sense of warmth. Thus, the following must be developed: through the eye, imagination; through the ear, inspiration; and through the sense of warmth, intuition.
[ 11 ] Die feinere Struktur im Gange der menschlichen Entwickelung, die feinere Struktur des menschlichen Organismus im Gange der menschlichen Entwickelung macht eine Metamorphose durch, wird eine andere.
[ 11 ] The finer structure in the course of human development—the finer structure of the human organism in the course of human development—undergoes a metamorphosis and becomes something else.
[ 12 ] Auf solche Dinge muß der Mensch der Gegenwart hinsehen, denn er steht drinnen in einem wichtigen Übergangszeitpunkt; er steht drinnen in der Zeit, in der sich entscheiden muß, ob er wohl kann den Übergang finden, gewissermaßen die Eindrücke von oben zu empfangen. Wir dürfen nicht beim bloßen Intellektualismus bleiben, wir müssen den Intellektualismus vergeistigen und verseelischen. Dann wird aber dasjenige, was als Geistiges und Seelisches sich in uns ausbildet, bis in die menschliche Organisation hinein wirken. Und wenn wir es nicht ausbilden? Wenn irgendein Organ zu etwas bestimmt ist und man gebraucht es nicht dazu, stirbt es ab, ertötet sich. Da haben Sie in der menschlichen Organisation selber, was eine alte Zeit aus anderen Erkenntnisvoraussetzungen heraus für die Entwickelung der ganzen Menschheit angenommen hat. Sehen Sie auf Ihre Augen hin: in diese Augen hinein muß sich ergießen dasjenige, was von oben herunter als spirituelles Leben in die Zukunftsmenschheit einströmen soll. Strömt es nicht ein, dann sind diese Augen dazu verurteilt, krank zu werden. Durch ihre eigene Natur müssen die Augen der Menschen krank werden, ebenso die Ohren, ebenso der Wärmesinn.
[ 12 ] People today must pay attention to such things, for they are in the midst of an important transitional period; they are in a time when it must be decided whether they are indeed capable of making the transition—of, so to speak, receiving impressions from above. We must not remain at the level of mere intellectualism; we must spiritualize and imbue intellectualism with soul. Then, however, that which develops within us as spiritual and soul-related will have an effect right down into the human organism. And what if we do not develop it? If any organ is intended for a particular purpose and is not used for that purpose, it withers away, it dies. There you have, within the human organism itself, what an earlier era—based on different premises of knowledge—assumed regarding the development of all humanity. Look at your eyes: into these eyes must pour that which is to flow down from above as spiritual life into the humanity of the future. If it does not flow in, then these eyes are doomed to become sick. By their very nature, human eyes must become sick, as must the ears and the sense of warmth.
[ 13 ] Was müssen wir denn suchen für eine Erkenntnis? Eine diese Krankheitsanlagen unseres eigenen Organismus heilende Erkenntnis. Wir müssen wiederum den Weg zurück finden zu der Auffassung, daß alle Erkenntnis, insofern sie an den Menschen heran will, einen medizinischen Charakter habe. Wir müssen wiederum den Begriff bekommen können, daß wir Erkenntnis um des Heilens willen zu suchen haben, daß Medizin nicht nur ist auch eine Erkenntnis unter anderen Erkenntnissen, und daß alle Erkenntnis im Entwickelungsprozeß der Menschheit ein Heilfaktor sein muß, weil die Menschheit es nötig hat, dasjenige, was in ihr auf dem physischen Plane entsteht, fortwährend geheilt zu bekommen. Nicht derjenige redet der Menschheit das Richtige vor, der ihr ein irdisches Paradies verspricht, sondern derjenige allein redet die Wahrheit, der den Menschen klarmacht: Auch wenn wir alles tun, um brauchbare irdische Zustände herzustellen, so muß der Mensch seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt suchen! — Denn selbst die besten irdischen Zustände müssen fortwährend geheilt werden, geheilt werden bis in den menschlichen Organismus hinein. Auch dieser ist fortwährend mit Krankheitsanlagen durchsetzt. Das heißt, es muß ein Geistesleben in der Menschheit da sein, welches die Kraft hat, heilende Mächte aus sich heraus zu bilden.
[ 13 ] What kind of knowledge, then, must we seek? Knowledge that heals these predispositions to illness within our own organism. We must once again find our way back to the understanding that all knowledge, insofar as it seeks to reach human beings, has a medical character. We must once again be able to grasp the idea that we must seek knowledge for the sake of healing, that medicine is not merely one form of knowledge among others, and that all knowledge, in the process of human development, must be a healing factor, because humanity needs to have what arises within it on the physical plane continually healed. It is not the one who promises humanity an earthly paradise who speaks the truth to it, but only the one who makes it clear to people: Even if we do everything to create favorable earthly conditions, human beings must seek their connection with the spiritual world! — For even the best earthly conditions must be continually healed, healed right down into the human organism. The human organism, too, is constantly permeated with predispositions to illness. This means that there must be a spiritual life within humanity that has the power to generate healing forces from within itself.
[ 14 ] Unter den mancherlei Gründen, die dazu geführt haben, aus anthroposophisch orientierter Weltanschauung die Idee der «Dreigliederung» zu gebären, sind auch diejenigen, die Sie entnehmen können aus meinen heutigen Auseinandersetzungen, denn diese Idee der Dreigliederung ist eine solche, daß man hinschauen kann in diese Ecke, in jene Ecke, in eine dritte und vierte Ecke der Menschheitsentwickelung — wenn man nur richtig beobachten kann, so ergibt sich für die heutigen, wirklich das Wahre wollenden menschlichen Fähigkeiten die Notwendigkeit dieser Dreigliederung. Diejenigen, die da glauben, mit ihrem bißchen Logik, wenn sie einmal von dieser Dreigliederung hören, irgend etwas nicht gleich verstehen zu können oder es mit irgend etwas in Widerspruch zu finden, die sollten warten, bis sie sich genauer mit der Sache bekanntmachen. Dann werden sie sehen, daß es nicht einen Beweis oder eine Beweisströmung für die Notwendigkeit der Dreigliederung gibt, sondern unzählige. Denn wohin man schaut, überall gibt es Beobachtungen, die unabhängig von den anderen dasjenige beweisen, was ich nennen könnte: notwendiges Auftreten der Idee von der «Dreigliederung des sozialen Organismus» in unserer heutigen Gegenwart. Und eine der allerwichtigsten Ecken ist doch die Erkenntnis, die Erfassung der Menschenwesenheit selber. Aber wo ist denn die heutige Wissenschaft, die so stolz auf ihre Abstraktion ist, geneigt, auf das wirklich Konkrete einzugehen? Noch der Grieche hatte ein deutliches Bewußtsein davon: Wenn er aufsteigen läßt seine Emotionen, so offenbart sich ihm ein Göttliches. -— Wir müssen erlangen die Fähigkeit, herabzuholen aus geistigen Höhen die geistigen Seelenkräfte, und sie müssen uns eine Natur offenbaren, sie müssen uns zeigen, wie die Natur ist. Das heißt, wir müssen uns klarwerden können, daß wir durch äußeres Anschauen die Natur nicht erkennen können, sondern nur mit denjenigen Sinnesorganen, die geschärft sind durch dasjenige, was sich von oben ergibt, mit einem Auge, das geschärft ist durch die Imagination, mit einem Ohr, das geschärft ist durch die Inspiration, mit einem Wärmesinn, der geschärft ist durch die Intuition, durch das selbstlose Erleben der Dinge und Vorgänge, die in unserer Umgebung sind.
[ 14 ] Among the various reasons that led to the emergence of the idea of “threefold social order” from an anthroposophically oriented worldview are those that you can glean from my discussions today, for this idea of threefold social order is such that one can look into this corner, into that corner, into a third and fourth corner of human development—if one can only observe correctly, the necessity of this threefold division becomes evident to today’s human faculties, which truly seek the truth. Those who, with their limited logic, believe that once they hear of this threefold division they cannot immediately understand it or find it to be in contradiction with something else, should wait until they have familiarized themselves more closely with the matter. Then they will see that there is not just one proof or line of reasoning for the necessity of this threefold division, but countless ones. For wherever one looks, there are observations that, independently of one another, prove what I might call the necessary emergence of the idea of the “threefold division of the social organism” in our present time. And one of the most important cornerstones is, after all, the recognition and understanding of human existence itself. But where is today’s science—so proud of its abstraction—willing to engage with what is truly concrete? Even the ancient Greeks had a clear awareness of this: when they allowed their emotions to rise, the divine revealed itself to them. — We must acquire the ability to bring down from spiritual heights the spiritual powers of the soul, and these must reveal nature to us; they must show us what nature is like. That is to say, we must be able to realize that we cannot know nature through outward observation alone, but only with those sense organs that are sharpened by what comes from above—with an eye that is sharpened by imagination, with an ear sharpened by inspiration, with a sense of warmth sharpened by intuition, through the selfless experience of the things and processes that exist in our surroundings.
[ 15 ] Aus dem Willen zum Heilen ist Wissenschaft geworden. In den Willen zum Heilen muß Wissenschaft wiederum einmünden. Was wir heute als Wissenschaft ansehen und so hoch als Autorität verehren, das ist nur ein Zwischenzustand, der aber eigentlich gerade auf sozialem Gebiet zu den fürchterlichsten Disharmonien führt. Von alledem wollen wir dann morgen weiter sprechen.
[ 15 ] The will to heal has become science. Science must, in turn, flow back into the will to heal. What we regard as science today and revere so highly as an authority is merely an intermediate state—one that, however, leads to the most terrible disharmonies, especially in the social sphere. We will continue discussing all of this tomorrow.
