Healing Factors for the Social Organism
GA 198
3 April 1920, Dornach
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Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Gestern versuchte ich einiges zu sagen über die besondere Art der ersten christlichen Anfänge, wie diese ihre Gestalt durch die Persönlichkeit des Paulus bekommen haben. Es ist gewiß in diesen Tagen die Veranlassung der österlichen Zeit, die zu solchen Betrachtungen hinweist. Allein, gerade indem wir gesehen haben, wie unberechtigt heute die Feier des Osterfestes bei zahlreichen Menschen ist, die vom Materialismus angekränkelt sind, wird es sich uns vor die Seele gerückt haben, daß eine solche österliche Betrachtung schon auch eine Zeitbetrachtung sein könne, wenn wir uns bewußt werden, wie eine Art Osterzeit heraufgeführt werden muß in diesem gegenwärtig mit so raschen Schritten in die Dekadenz hineingehenden Europa, überhaupt dieser gegenwärtigen zivilisierten Welt. Sich zu erinnern an die Art und Weise, wie das Christentum in die Welt hereingetreten ist, ist heute berechtigte Osterbetrachtung; denn gerade heute hat man nötig, zu verstehen, wie die Menschen sich selber einer wesenhaften Auffassung des Christentums immer ferner und ferner gerückt haben, und wie dieses Entfernen von einer wesenhaften Auffassung des Christentums doch alles andere bedingt, wovon wir ja oft gesprochen haben und was sehr stark zusammenhängt mit den Niedergangserscheinungen unserer Zeit. Diese Niedergangserscheinungen treten uns besonders dann entgegen, wenn wir einzelne Menschen, die es zuweilen gut meinen, heute anhören.
[ 1 ] Yesterday I tried to say a few things about the unique nature of the early Christian community and how it took shape through the personality of Paul. It is certainly the Easter season that prompts such reflections these days. Yet, precisely because we have seen how meaningless the celebration of Easter has become today for so many people afflicted by materialism, it must have struck us that such an Easter reflection could also be a reflection on our times, when we realize how a kind of Easter season must be ushered in in this Europe—and indeed in this entire modern civilized world—which is currently descending into decadence at such a rapid pace. To recall the manner in which Christianity entered the world is a legitimate Easter reflection today; for today, more than ever, we need to understand how people have distanced themselves further and further from an essential understanding of Christianity, and how this distancing from an essential understanding of Christianity determines everything else—something we have often spoken of and which is very closely connected to the signs of decline in our time. We encounter these signs of decline particularly when we listen today to individual people who sometimes mean well.
[ 2 ] Sie konnten gestern einen merkwürdigen Artikel in den «Basler Nachrichten» lesen, der einen außerordentlich traurig stimmen kann. Er bringt die Wiedergabe eines Briefes aus dem Nordwesten Deutschlands. Der Briefschreiber, dem in einer gewissen Weise, wie es scheint, in diesem Artikel zugestimmt wird, macht darauf aufmerksam, wie überall sich heute Impulse geltend machen, die einfach die Zerstörung des Alten vorbereiten, ohne irgend etwas Neues an die Stelle zu setzen, wie sich alle Menschen von links und rechts Illusionen hingeben und eigentlich gern immer lllusionen hingeben. Und der Artikelschreiber selber sagt: Nun wird es schon so sein, daß eben über Europa der Bolschewismus hereinbrechen müsse, daß man ihn ruhig erwarten muß; dann wird das schon die richtige Entwickelung sein, dann wird sich, wenn die Leute den Bolschewismus kennengelernt haben, daraus ja etwas Richtiges entwickeln können. — Aber der Artikelschreiber fügt auch einige Zeilen hinzu, die beachtet werden sollten, und über die der gewöhnliche Leser wie bei so vielem hinwegliest. Er fügt hinzu: Man müsse auf etwas anderes heute sehen als auf das, was sich als Illusion die Leute links und rechts machen. Aber man solle auch nicht hören auf das, was einzelne Träumer sagen, sondern was die allgemeinen Impulse sind.
[ 2 ] Yesterday, you may have read a strange article in the *Basler Nachrichten* that is capable of making one feel exceptionally sad. It reproduces a letter from northwestern Germany. The author of the letter—whose views, it seems, are to some extent endorsed in this article—points out how forces are at work everywhere today that are simply paving the way for the destruction of the old order without offering anything new in its place, and how people on both the left and the right are succumbing to illusions—and, in fact, are always happy to do so. And the author of the article himself says: Well, it must be that Bolshevism is bound to sweep over Europe, that we must calmly expect it; then that will be the right course of development, and once people have come to know Bolshevism, something worthwhile may well develop from it. — But the author also adds a few lines that deserve attention, and which the average reader skims over, as is so often the case. He adds: One must look at something other than the illusions that people on the left and right are entertaining today. But one should not listen to what individual dreamers say, but rather to what the general impulses are.
[ 3 ] Diese einzelnen gutmeinenden Menschen sind die eigentlich schwierigen Menschen in der Gegenwart, die im Grunde genommen einsehen, wie es immer mehr und mehr talab geht, und die immer eigentlich ermahnen, wenn auch mit starkem Pessimismus ermahnen, man solle nicht hören auf diejenigen, die einen Versuch machen, aus der Misere herauszukommen. Denn diese einzelnen sind ja eigentlich nur die Repräsentanten einer sehr, sehr breiten Masse der Menschen, die doch immer wieder, wenn nach irgendeinem akut auftretenden Chaos ein bißchen Ruhe eingetreten ist, gleich zufrieden sind, weil sie gar nicht sehen, wie in diesem Ruhe-Eintreten nichts wirklich Bedeutsames liegt, sondern wie der Weg so lange talab gehen muß, bis einmal von einer genügend großen Anzahl von Menschen gehörig erfaßt wird, daß über dieses unglückliche Europa eine Welle geistiger Erneuerung gehen müsse. Sonst kann es nicht besser werden. Es ist nicht möglich, mit irgendeiner Fortsetzung des Alten irgendwie weiterzukommen, und es ist am wenigsten möglich, mit Kompromissen weiterzukommen; denn die Kompromisse verderben, indem es mit ihnen kompromittiert ist, auch dasjenige, was als Neues sich geltend machen will.
[ 3 ] These individual well-meaning people are the ones who are truly difficult to deal with in the present; they fundamentally recognize how things are going from bad to worse, and they are always warning—albeit with deep pessimism—that one should not listen to those who are trying to find a way out of this misery. For these individuals are, in fact, merely the representatives of a very, very broad mass of people who, time and again, once a bit of calm has set in after some acute chaos, are immediately satisfied, because they fail to see that this return to calm holds nothing truly significant, but rather that the path must continue downhill until a sufficiently large number of people fully grasp that a wave of spiritual renewal must sweep over this unfortunate Europe. Otherwise, things cannot get better. It is impossible to make any progress whatsoever by continuing with the old ways, and it is least of all possible to make progress through compromises; for compromises, by compromising the very thing that seeks to assert itself as something new, also corrupt it.
[ 4 ] Schon gefühlsmäßig könnte man sich vorbereiten auf die Stimmung, die da notwendig ist, wenn man zurückblicken würde auf die energische Art, wie um die große Erdenwende durch Persönlichkeiten wie Paulus etwas ganz Neues in die Erdenentwickelung hereingebracht worden ist, was fortglimmt, was aber vorläufig zugedeckt ist von viel Asche. Dazumal war ja eben jener Zeitpunkt, der das Alte von dem Neuen trennte, wenn auch der Übergang deshalb nicht bemerkbar ist, weil er allmählich geschah — das Alte, durch das die Menschen, wie ich schon gestern angedeutet habe, wenn sie hinausblickten in die Natur, überall ein Göttlich-Geistiges sahen. Aber dieses Sehen des Göttlich-Geistigen setzte sich auch fort, hinein in die Menschheitsanschauungen, in die Anschauungen von der menschlichen sozialen Ordnung, die Konfiguration der Menschen, wie sie lebten als Masse, wie sich einzelne hervortaten als Regierende, als priesterlich Führende. Wir wollen jetzt nicht darauf sehen, wie durch die Mysterienkultur diese Konfiguration geregelt wurde; aber diese Konfiguration wurde angesehen, und sie wurde auch danach geregelt, als etwas auch ohne des Menschen Zutun Gegebenes, gewissermaßen als ein vom Naturgeist Gegebenes.
[ 4 ] Even on an emotional level, one could prepare oneself for the state of mind that is necessary there by looking back on the energetic way in which, around the great turning point in Earth’s history, figures such as Paul introduced something entirely new into Earth’s development—something that continues to smolder but is currently covered by a great deal of ash. That was, after all, the very moment that separated the old from the new, even if the transition is not noticeable because it took place gradually—the old, through which, as I already indicated yesterday, people saw the divine-spiritual everywhere when they looked out into nature. But this perception of the divine-spiritual also continued into humanity’s worldviews, into conceptions of the human social order, the configuration of people as they lived as a collective, and how individuals distinguished themselves as rulers or as priestly leaders. We will not now consider how this social structure was regulated by the culture of the mysteries; but this structure was regarded—and was also regulated accordingly—as something given even without human intervention, as it were, as something bestowed by the spirit of nature.
[ 5 ] Derjenige, der durch die besonderen Einrichtungen und Tatsachen, die an irgendeiner Stelle vorhanden waren, der Führer war, den anerkannte man, weil man sich sagte, mit so oder so großer Kraft spricht sich durch ihn das Göttliche selber aus. Wie in an das Göttlich-Geistige verfolgte im Stein, im Berg, im Wasser, im Baum, so auch in den einzelnen Menschen. Und ich habe ja hier schon ausgeführt, daß für diese alten Zeiten es einfach selbstverständlich war, den Regierenden als den Gott selber anzusehen, das heißt als denjenigen, in dem sich die Gottheit wirklich manifestierte. Wenn die Menschen der Gegenwart nur etwas bescheidener wären und tatsächlich nicht ihre eigenen Meinungen hineintragen würden in dasjenige, was ihnen aus alten Dingen übermittelt wird, würde viel klarer gesehen in diesen Dingen. Gewiß, heute hat man keinen solchen realen Begriff: ein Mensch ist ein Gott. Aber in jenen alten Zeiten war es so, daß man damit einen realen Begriff verband. Geradeso wie man nicht bloß den fließenden Bach sah, sondern das Göttliche, das sich da bewegte, so auch in dem, was im sozialen Menschenleben vor sich ging, sah man das göttliche Walten selber in unmittelbarer Gegenwart. Dieses Schauen des Göttlich-Geistigen in unmittelbarer Gegenwart kam immer mehr und mehr zum Abklingen.
[ 5 ] The person who, by virtue of the particular circumstances and facts present in a given place, was recognized as the leader—this was because people believed that the Divine itself spoke through him with such and such great power. Just as the divine-spiritual was perceived in stone, in mountains, in water, and in trees, so too was it perceived in individual human beings. And I have already explained here that in those ancient times it was simply a matter of course to regard the ruler as God Himself—that is, as the one in whom the divinity truly manifested itself. If people today were only a little more humble and did not, in fact, project their own opinions onto what has been handed down to them from ancient times, these matters would be seen much more clearly. Certainly, today we have no such concrete concept: that a human being is a god. But in those ancient times, people associated a concrete concept with this idea. Just as one did not merely see the flowing stream but the divine moving within it, so too in what took place in social human life, one saw the divine working itself in immediate presence. This perception of the divine-spiritual in immediate presence gradually faded away more and more.
[ 6 ] Aber bedenken wir, wie der Mensch sich finden konnte als Mensch in dieser Anschauung. Der Mensch konnte sich finden in dieser Anschauung, weil er sich eingebettet wußte in die Welt des GöttlichGeistigen. Er wußte, das Göttlich-Geistige lebt da, wo die Sinnendinge sind und wo die Menschen sind hier auf der physischen Erde. Der Mensch wußte das. Er wußte, daß er herausgeboren ist aus dem Göttlich-Geistigen. Das «Ich bin aus dem Gott geboren, wir sind alle aus dem Gotte geboren», das wurde dem Menschen etwas ganz, ganz Selbstverständliches, denn er sah es. Es war für ihn ein Ergebnis seiner sinnesmäßigen Anschauung.
[ 6 ] But let us consider how human beings were able to find themselves as human beings within this worldview. Human beings could find themselves in this worldview because they knew they were embedded in the world of the Divine-Spiritual. They knew that the Divine-Spiritual lives where sensory things are and where human beings are here on the physical Earth. Human beings knew this. They knew that they were born out of the Divine-Spiritual. The statement “I am born of God; we are all born of God” became something entirely, entirely self-evident to human beings, for they saw it. For them, it was the result of their sensory perception.
[ 7 ] Zu solch einem Ergebnis konnten die Menschen unmittelbar nicht mehr kommen, oder wenigstens immer weniger und weniger kommen in der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha eben in einer neuen Art die Kunde von dem Göttlich-Geistigen bringen sollte. Der Mensch konnte sich ja in jenen alten Zeiten sagen: Alles, was ich sehe in der Welt, zeigt mir, daß die Dinge und Wesen von den Göttern kommen, daß sich ihr Dasein nicht erschöpft im irdischen Dasein. — Der Mensch hatte ein Bewußtsein des Ewigkeitscharakters seiner eigenen Wesenheit, weil er sein Herkommen von den Göttern durchschaute. Dieses Durchschauen eines vorgeburtlichen geistigen Seins, das ist es eigentlich, was die alten heidnischen Bekenntnisse durchtränkt. Alles, was heute durch die landläufige Wissenschaft als Charakteristik des Heidentums anzuschauen ist, das ist eigentlich mehr oder weniger eine Rederei.
[ 7 ] People could no longer arrive at such a conclusion on their own, or at least were able to do so less and less frequently during the time when the Mystery of Golgotha was to bring the message of the Divine-Spiritual in a new way. In those ancient times, people could indeed say to themselves: Everything I see in the world shows me that things and beings come from the gods, that their existence is not limited to earthly life. — People were aware of the eternal nature of their own being because they understood their origin in the gods. This insight into a pre-birth spiritual existence is, in fact, what permeates the ancient pagan creeds. Everything that is regarded today by conventional science as a characteristic of paganism is, in reality, more or less mere rhetoric.
[ 8 ] Das Wesentliche des noch nicht in die Dekadenz gekommenen alten Heidentums war, daß die Menschen wußten, sie waren Geist-Seelenwesen, bevor sie geboren wurden; also erschöpfte sich ihr Dasein nicht im irdischen Dasein. Wir Menschen können sicher sein, ewig zu sein, denn wir kommen von Gott, und Gott wird uns zu sich wieder zurücknehmen. Das war schließlich doch die aus der Urweisheit kommende Erkenntnis der alten Zeiten. Und man kann sagen, diese aus der Urweisheit kommende Erkenntnis der alten Zeiten wurde mehr oder weniger jedem Volke in seiner Art für sich gegeben, denn sie war gebunden an eine elementar-geistige Anschauung, an ein Sehen des Göttlich-Geistigen in den Sinnendingen. Dieses Sehen des Göttlich-Geistigen in den Sinnendingen, das war in jenen alten Zeiten abhängig vom Blute. Und je nachdem der Mensch zugehörte dieser oder jener Blutsverwandtschaft, das heißt diesem oder jenem Stamme, diesem oder jenem Volke, mußte ihm eine besondere Form der Urweisheit über die Welt gegeben werden.
[ 8 ] The essence of ancient paganism, before it had fallen into decadence, was that people knew they were spiritual-soul beings before they were born; thus, their existence was not limited to their earthly life. We humans can be certain that we are eternal, for we come from God, and God will take us back to Himself. After all, this was the insight of ancient times, stemming from primordial wisdom. And one can say that this insight from ancient times, stemming from primordial wisdom, was given more or less to every people in its own unique way, for it was bound to an elemental-spiritual worldview—to a perception of the divine-spiritual in the things of the senses. This perception of the divine-spiritual in the things of the senses was, in those ancient times, dependent on blood. And depending on whether a person belonged to this or that bloodline—that is, to this or that tribe, this or that people—a particular form of primordial wisdom about the world had to be given to them.
[ 9 ] So sehen wir denn mannigfaltige einzelne Arten der Urweisheit über die einzelnen Völker der alten Zeiten ausgebreitet. Eine Ausnahme machte nur das jüdische Volk, welches zwar seine besondere Form der Urweisheit auch gebunden hat eben an das Blut dieses Volkes, welches sich aber betrachtete als das «auserwählte Volk», als dasjenige Volk, das zwar ein Volksbekenntnis oder eine Volkserkenntnis hat, aber eine Volkserkenntnis, die die eigentliche Erkenntnis des Menschengottes ist. Während die heidnischen Völker ringsherum im wesentlichen ihren Volksgott verehrten, glaubte das jüdische Volk den Gott der ganzen Erde zu haben.
[ 9 ] Thus we see diverse forms of primordial wisdom spread among the various peoples of ancient times. The only exception was the Jewish people, who, while they too had tied their particular form of primordial wisdom to the blood of their own people, regarded themselves as the “chosen people”—the people who, while possessing a national creed or national insight, held an insight that was the very knowledge of the God of humanity. While the surrounding pagan peoples essentially worshipped their national gods, the Jewish people believed they had the God of the entire earth.
[ 10 ] Nun, das war ein Übergangsverhältnis. In der Art, wie nun Paulus auftrat mit seiner Interpretation des Christentums, war gründlich gebrochen mit alledem, was vom Blute heraus die menschliche Erkenntnis bestimmte, was vom Blute heraus die menschliche Erkenntnis in alten Zeiten bestimmen mußte. Denn Paulus machte zuerst geltend, daß nicht das Blut, nicht die Volksgemeinschaft, nicht all das, was überhaupt in vorchristlichen Zeiten bestimmend war für die Erkenntnis, weiter bleiben könne, sondern daß der Mensch selber seine Beziehung zur Erkenntnis durch innere Initiative herstellen müsse, daß es eine Gemeinschaft geben müsse derjenigen, die Paulus als die Christen bezeichnete, eine Gemeinschaft, zu der man sich geistig-seelisch bekennt, in die man nicht hineingestellt wird durch das Blut, in die man sich gewissermaßen selber hineinwählt.
[ 10 ] Well, that was a transitional state. The way Paul now presented his interpretation of Christianity represented a complete break with everything that, by virtue of blood, had determined human knowledge—everything that, by virtue of blood, had to determine human knowledge in ancient times. For Paul first asserted that neither blood, nor the community of the people, nor anything else that had been decisive for knowledge in pre-Christian times could continue to be so; rather, that human beings themselves must establish their relationship to knowledge through inner initiative, that there must be a community of those whom Paul designated as Christians—a community to which one spiritually and soul, into which one is not placed by blood, but into which one, so to speak, chooses to enter oneself.
[ 11 ] Diese besondere Art, die geistige Gemeinschaft über die Erde hin so festzulegen, war für Paulus notwendig, weil die Zeit herannahte, in der der Mensch für die äußere Erdenerkenntnis dem Materialismus verfallen mußte. Da mußte für die äußere Erdenerkenntnis der Mensch von etwas anderem her sein Bewußtsein über seine geistig-seelische Wesenheit bekommen als von der Anschauung des sinnlichen Erdenmenschen. In alten Zeiten brauchte man den sinnlichen Erdenmenschen nur anzuschauen durch die Augen; durch alles das, was er in sich trug, manifestierte sich zugleich das Geistig-Seelische des Menschen. Das hörte jetzt auf. Man suchte über das Geistig-Seelische auf anderem Wege zur Erkenntnis gelangen zu können. Man mußte, mit anderen Worten, das Problem des Todes begreifen lernen. Man mußte begreifen lernen, daß dasjenige, was man allein durch sinnliche Anschauung hier auf dieser Erde vom Menschen sehen kann, hinstürzen und in zahlreiche Teile zerfallen mag, daß aber im Menschen eine Wesenheit ist, die nicht in diesem sinnlichen Menschen unmittelbar schaubar ist, und die der geistigen Welt angehört.
[ 11 ] This particular way of defining spiritual community across the earth was necessary for Paul because the time was approaching when human beings would inevitably succumb to materialism in their external understanding of the earth. For external knowledge of the Earth, human beings had to gain awareness of their spiritual-soul nature from a source other than the perception of the physical, earthly human being. In ancient times, one need only look at the physical, earthly human being with one’s eyes; through everything that person carried within, the spiritual-soul nature of the human being manifested itself at the same time. That had now come to an end. People sought to gain insight into the spiritual and soul aspects by other means. In other words, they had to learn to understand the problem of death. One had to learn to understand that what one can see of a human being here on earth through sensory perception alone may fall apart and disintegrate into numerous parts, but that within the human being there is a being that is not immediately visible in this physical human being and that belongs to the spiritual world.
[ 12 ] Es durfte also fernerhin dasjenige, was die Menschen zusammenhielt zu dieser christlichen Gemeinschaft, nicht abhängig sein vom Blut, denn gegen die Abhängigkeit vom Blute hätte sich immer der Einwand ergeben: Ja, wenn die Menschen an dem, was durch das Blut bestimmt ist, ihre Unsterblichkeit erkennen sollen, dann wäre diese Unsterblichkeit nicht gesichert. Für die Alten mag das Blut sich dargestellt haben so, daß es durch sich scheinen ließ die geistig-seelische Wesenheit des Menschen, aber jetzt stellt sich ja das Blut dar als der Beleber und Träger desjenigen, was mit dem Tode endigt. Es ist notwendig, auf das Geistig-Seelische in seiner Reinheit hinzuweisen, wenn man nicht auf das Verständnis des Problems des Todes im nichtmaterialistischen Sinne überhaupt verzichten will. Paulus konnte den starken Impetus, zu den Menschen zu sprechen von einem geistig-seelischen Wesen, das nicht an die sinnliche Materie gebunden ist, nur dadurch gewinnen, daß ihm selber die Realität dieses übersinnlichen Wesens durch das Ereignis von Damaskus aufgegangen war.
[ 12 ] Furthermore, what bound people together in this Christian community could not depend on blood, for the objection would always have arisen against such dependence on blood: “Yes, if people are to recognize their immortality in what is determined by blood, then that immortality would not be assured.” For the ancients, blood may have appeared to reveal the spiritual-soul nature of the human being, but now blood presents itself as the animator and bearer of that which ends with death. It is necessary to point to the spiritual-soul aspect in its purity if one does not wish to abandon altogether an understanding of the problem of death in a non-materialistic sense. Paul was able to gain the strong impetus to speak to people about a spiritual-soul being that is not bound to sensory matter only because the reality of this supersensory being had dawned on him through the event at Damascus.
[ 13 ] Es war die Erkenntnis des Übersinnlichen, des Geistig-Seelischen in alten Zeiten an das Blut gebunden; so daß, indem der Mensch durchsetzt wurde von seinem Blute, ihm dieses Blut in die sinnliche Welt hereinbrachte die Offenbarung des Geistig-Seelischen. Das hörte auf, und notwendig war, daß die Menschen sich hinwendeten zu etwas, was nicht durch das Blut gegeben ist. Damit war aber eine große Gefahr verbunden. Damit war die Gefahr verbunden, daß die Menschen in dem Zeitalter, das heraufkam, auch noch in irgendeiner Weise beim Erkennen des Geistig-Seelischen auf sich selbst zurückreflektieren wollten. In alten Zeiten konnte man auf sich selbst zurückreflektieren, denn das Blut, das man in sich trug, war der Träger der übersinnlichen Erkenntnis. Man war gewohnt worden, in.sich den Träger der übersinnlichen Erkenntnis zu sehen. Daß die Menschen das fortan nicht nötig haben, war für die Gutwilligen gegeben durch das Ereignis von Golgatha. Aber der allgemeine Entwickelungsgang ging noch eine Weile so fort, daß die Menschen diese Gewohnheit, die sie früher in bezug auf das Blut berechtigt gehabt hatten, nun fortsetzten, ohne daß sie das gottgeheiligte Blut in sich trugen; daß sie auch das Göttlich-Geistige erkennen wollten durch dasjenige, was ebenso in sich selbst gegeben war wie das Blut.
[ 13 ] In ancient times, the knowledge of the supersensible—of the spiritual and soul—was bound to the blood; so that, as human beings were permeated by their blood, this blood brought the revelation of the spiritual and soul into the sensory world. This came to an end, and it became necessary for people to turn to something that is not given through the blood. But this entailed a great danger. It entailed the danger that, in the age that was dawning, people would still, in some way, want to reflect back upon themselves in their recognition of the spiritual-soul aspects. In ancient times, one could reflect back upon oneself, for the blood one carried within was the bearer of supersensible knowledge. People had become accustomed to seeing within themselves the bearer of supersensible knowledge. The fact that people would no longer need this was made possible for those of good will through the event at Golgotha. But the general course of development continued for a while such that people carried on this habit—which they had previously been justified in having with regard to the blood—even though they no longer carried the divinely sanctified blood within themselves; they also wanted to recognize the divine-spiritual through that which was just as present within themselves as the blood.
[ 14 ] Die Gefahr, die sich da herausstellte, bestand in folgendem, und es ist heute wichtig, daß diese Gefahr sich aufkläre. Das Blut bekommt man durch seine Abstammung, das Blut bekommt man durch die Geburt, und man trägt, wenn man fünfundzwanzig, dreißig, fünfunddreißig Jahre alt ist, dieses Blut in sich, das man angestammt hat. Indem man in die Welt hereingetragen wird von den Weltenkräften, ‚bekommt man das Blut. Lebt im Blute die Garantie für das menschliche seelisch-geistige Wesen, dann kann man sich auf dieses Blut verlassen. Aber dieses Blut hatte allmählich die Tragfähigkeit für das göttlich-geistige Wesen abgelegt. Die Menschen aber wollten noch immer den Weg zu diesem göttlich-geistigen Wesen auf dieselbe Art in sich finden, einfach dadurch, daß sie geboren sind. Aber die Menschen konnten immer weniger finden den Weg in das Göttlich-Geistige einfach dadurch, daß sie geboren sind. Denn wenn das Blut nicht hereinträgt in unser sinnliches Dasein die Überzeugung von dem Übersinnlichen, so trägt unser Organismus keine Beziehung zu dem Übersinnlichen herein. Und so kam es, daß die Menschen sich nur fragen wollten nach dem Übersinnlichen, indem sie sich auf sich selbst zunächst verließen, das heißt auf alles dasjenige, was sie mit der Geburt in dasErdendasein hineintragen. Aber im Christentum liegt die Aufforderung, sich nicht auf das zu verlassen, was man mit der Geburt ins Erdendasein hineinträgt, sondern innerhalb dieses Erdendaseins eine Umwandelung durchzumachen, die Seele sich entwickeln zu lassen, wiedergeboren zu werden in dem Christus, das, was man nicht durch die Geburt empfangen hat, durch die Erziehung zu empfangen, durch das Erdenleben selbst zu empfangen. Das konnte nicht so schnell verstanden werden. Daher kam es, daß noch die Nachklänge der alten Blutsweisheit bis in das 15. Jahrhundert blieben, daß von da aus noch die Gewohnheit blieb, das Göttlich-Geistige zu sehen durch die Abstammung, daß aber zuletzt im 19. Jahrhundert bei dieser Gewohnheit der Mensch nicht mehr das Göttlich-Geistige sah, sondern nurmehr das Materielle. Weil der Mensch das Göttlich-Geistige nur noch sehen wollte durch den nicht umgewandelten Organismus, so sah er zuletzt dieses Göttlich-Geistige überhaupt nicht mehr, und so kam mit dem 19. Jahrhundert die große Katastrophe der Gottverlassenheit der Menschen, des Unchristlichwerdens der Menschen, weil jetzt im Grunde erst endgültig herauskam, was zuerst durch die Tradition verdeckt war.
[ 14 ] The danger that emerged consisted of the following, and it is important today that this danger be clarified. One receives one’s blood through one’s ancestry; one receives one’s blood through birth; and when one is twenty-five, thirty, or thirty-five years old, one carries within oneself this blood that one has inherited. By being carried into the world by the forces of the cosmos, one “receives” this blood. If the guarantee for the human soul-spiritual being lives within the blood, then one can rely on this blood. But this blood had gradually lost its capacity to sustain the divine-spiritual being. Yet people still wanted to find the path to this divine-spiritual being within themselves in the same way—simply by virtue of being born. But people were increasingly unable to find the path to the divine-spiritual simply by virtue of being born. For if the blood does not bring into our sensory existence the conviction of the supersensible, then our organism does not bring any connection to the supersensible into our lives. And so it came to pass that people sought to inquire about the supersensible only by relying initially on themselves—that is, on everything they bring with them into earthly existence at birth. But Christianity calls upon us not to rely on what we bring with us into earthly existence at birth, but rather to undergo a transformation within this earthly existence, to allow the soul to develop, to be reborn in Christ, and to receive through education—and through earthly life itself—that which we did not receive at birth. This could not be understood so quickly. Consequently, the echoes of the ancient blood wisdom persisted into the 15th century; from that time on, the custom remained of perceiving the divine-spiritual through lineage; but by the 19th century, people no longer perceived the divine-spiritual through this custom, but only the material. Because people wanted to perceive the divine-spiritual only through the untransformed organism, they ultimately ceased to perceive this divine-spiritual at all; and so the 19th century brought the great catastrophe of humanity’s abandonment by God and its drift away from Christianity, because now, in essence, what had initially been concealed by tradition finally came to light.
[ 15 ] Bis zur Entstehung des Protestantismus gab es eine christliche Tradition. Was sich die Apostel und Apostelschüler und die Kirchenväter erzählt haben, die eine lebendige Tradition fortbewahrt haben, das knüpfte an die Offenbarung von Golgatha an. Aber die Tragfähigkeit dieser Tradition wurde immer dünner und dünner. Aus sich selbst her-, aus kamen aber die Menschen nicht zu einer Auffassung des Ereignisses von Golgatha. Nun kam das 15.,16.,17., das 18. und das 19. Jahrhundert; die Menschen verloren den Zusammenhang mit der Tradition. Sie gaben zuletzt nur noch etwas auf die Schrift. Es kam die Zeit des Protestantismus, in der nur auf die Schrift etwas gegeben wurde. Die Tradition war aufgegeben worden. Aber im 19. Jahrhundert verfiel auch das richtige Verständnis der Schrift, und im Grunde genommen ist es bei der größten Zahl derer, die heute noch vorgeben, Christen zu sein, eben durchaus kein Christentum mehr, zu dem sie sich bekennen. Daher kam erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, wo die Notwendigkeit auftrat, das Ereignis von Golgatha wieder neu zu finden, das letzte Aufflackern des antichristlichen Elementes, das ja natürlich schon da war unter der Oberfläche der Erscheinungen, das aber übertüncht war eine Zeitlang durch Tradition und Schriftwerk, herauf und wurde im Beginne des 20. Jahrhunderts am stärksten. Schrift und Tradition hatten für die meisten Menschen keine Bedeutung mehr. Selbst aber hatten sie noch nicht entzündet dasjenige Licht, das sie hinführte zu einem Wiederbegreifen des Ereignisses von Golgatha.
[ 15 ] Until the emergence of Protestantism, there was a Christian tradition. What the apostles, their disciples, and the Church Fathers—who preserved a living tradition—passed down was rooted in the revelation of Golgotha. But the foundation of this tradition grew weaker and weaker. On their own, however, people could not arrive at an understanding of the event at Golgotha. Then came the 15th, 16th, 17th, 18th, and 19th centuries; people lost their connection to the tradition. In the end, they placed value only on Scripture. The age of Protestantism arrived, in which value was placed solely on Scripture. Tradition had been abandoned. But in the 19th century, the correct understanding of Scripture also fell into disuse, and, in essence, for the vast majority of those who still claim to be Christians today, what they profess is no longer Christianity at all. Therefore, it was only in the course of the 19th century—when the need arose to rediscover the event of Golgotha—that the final flare-up of the anti-Christian element, which of course had already been present beneath the surface of appearances but had been masked for a time by tradition and scriptural works, came to the fore and reached its peak at the beginning of the 20th century. Scripture and tradition no longer held any significance for most people. Yet they themselves had not yet kindled the light that would lead them to a renewed understanding of the event at Golgotha.
[ 16 ] Nur weil das so kam, konnten noch im 19. Jahrhundert und ins 20. Jahrhundert herein die allerunchristlichsten Erscheinungen die Menschheit ergreifen. Zwei der unchristlichsten Erscheinungen sind gerade diejenigen, die ins 19. Jahrhundert hereinspielten. Da ist die erste Erscheinung, die wir allmählich aufglimmen sehen, im 19. Jahrhundert heraufkommend, immer mehr und mehr die Gemüter ergreifend: es ist das Aufkommen des Nationalitätsprinzips. Der Schatten des Blutsprinzips kommt herauf. Es wird aus dem Prinzip der Nationalität heraus das christliche Allgemeinmenschliche vollständig zurückgedrängt, weil noch nicht der neue Weg da war, dieses christliche Allgemeinmenschliche zu finden. Das Antichristliche tritt auf zunächst in der Form des Nationalitätenprinzips. In den Nationalitätsbewußtseinen lebt wieder auf das alte Luziferische des Blutes. Und wir sehen die Auflehnung gegen das Christentum in den Nationalismen des 19. Jahrhunderts, was zuletzt gipfelt in der Phrase Woodrow Wilsons von dem Selbstbestimmungsrecht der Nationalitäten, während die einzige Realität in der Gegenwart nur sein könnte die Überwindung der Nationalismen, die Auslöschung der Nationalismen und das Ergriffenwerden der Menschen von dem allgemeinen Menschtum.
[ 16 ] It was precisely because things turned out this way that the most unchristian phenomena were able to take hold of humanity well into the 19th century and well into the 20th century. Two of the most unchristian phenomena are precisely those that emerged in the 19th century. There is the first phenomenon, which we see gradually taking shape, emerging in the 19th century and increasingly capturing people’s minds: it is the rise of the principle of nationality. The shadow of the principle of blood is rising. The Christian universal humanity is completely supplanted by the principle of nationality, because the new path to finding this Christian universal humanity had not yet emerged. The anti-Christian element first appears in the form of the principle of nationality. In national consciousness, the old Luciferic principle of blood is revived. And we see the rebellion against Christianity in the nationalisms of the 19th century, which ultimately culminates in Woodrow Wilson’s phrase about the right of nations to self-determination, whereas the only reality in the present could be the overcoming of nationalisms, the eradication of nationalisms, and humanity’s embrace of universal humanity.
[ 17 ] Das zweite ist, daß die Menschen nicht aus dem erweckten Seelischen ihre Welterkenntnis entnehmen wollen, sondern aus dem bloßen Abbild, aus dem materiellen Abbild dieses Seelischen. Der Anblick des Seelischen selber ist erstorben, aber der Mensch ist als natürliches Wesen ein Abbild dieses Göttlich-Geistigen. Dieses Abbild kann zwar nicht Geist-Erkenntnisse hervorrufen, aber intellektualistische Erkenntnisse. Das ist ja das Geheimnis, von dem ich Ihnen hier öfter gesprochen habe: daß die Menschen das Geistige zwar erkennen müssen, indem sie sich zum Geist erheben, daß aber für das, was heute intellektualistisch ergriffen wird, das Gehirn das wirkliche Werkzeug ist.
[ 17 ] The second point is that people do not wish to derive their understanding of the world from the awakened spiritual realm, but rather from its mere image—the material image of this spiritual realm. The vision of the spiritual realm itself has died, but human beings, as natural beings, are an image of this divine-spiritual realm. This image cannot, of course, give rise to spiritual insights, but it can give rise to intellectual insights. This is, after all, the secret I have often spoken to you about here: that while people must recognize the spiritual by elevating themselves to the spirit, the brain is the actual tool for what is grasped intellectually today.
[ 18 ] Über den Intellektualismus sollte man materialistisch denken; denn alles das, was gedacht wird, so wie die heutige Wissenschaft denkt, so wie die heutige Theologie denkt, wie das im Umkreis liegende heutige christliche Bewußtsein denkt, all das ist nur vom menschlichen Gehirn gedacht, ist Materialismus. Die eine Seite sind die Wortbekenntnisse, die andere Seite ist der Bolschewismus. Der Bolschewismus ist dadurch so zerstörend für die Menschheit, weil er das Bekenntnis des bloßen Gehirns ist, des materiellen Gehirnes. Und ich habe Ihnen öfter geschildert, wie dieses materielle Gehirn eigentlich ein Dekadenzprozeß ist. Wir können unseren Materialismus eigentlich nur dadurch entfalten, daß in unserem Gehirn fortwährend Zerstörungs-, Todesprozesse sind. Wenden wir das, was auf diese Weise gedacht wird in dem Leninismus, in dem Trotzkismus, auf die soziale Ordnung an, dann muß ein Zerstörungsprozeß hervorgehen, denn es wird gedacht über die soziale Ordnung aus dem heraus, was selbst Boden der Zerstörung ist: das Ahrimanische. Das ist diese andere Seite.
[ 18 ] One should think of intellectualism in materialistic terms; for everything that is thought—the way modern science thinks, the way modern theology thinks, the way the surrounding modern Christian consciousness thinks—all of that is merely thought by the human brain; it is materialism. On one side are verbal professions of faith; on the other side is Bolshevism. Bolshevism is so destructive to humanity precisely because it is the creed of the mere brain, the material brain. And I have often described to you how this material brain is, in fact, a process of decadence. We can actually only develop our materialism through the fact that there are constant processes of destruction and death taking place in our brains. If we apply what is conceived in this way in Leninism and Trotskyism to the social order, then a process of destruction must result, for the social order is conceived from that which is itself the very foundation of destruction: the Ahrimanic. That is this other side.
[ 19 ] Diese zwei Dinge sind heraufgekommen für die gesamten christlichen Elemente des 19. und 20. Jahrhunderts: der Nationalismus, die luziferische Gestalt des Anti-Christentums, und dasjenige, was gipfelt in den Leninismen und Trotzkismen, die ahrimanische Gestalt des AntiChristentums. Das sind die Schaufeln, mit denen heute das Grab des Christentums gegraben werden soll, die Nationalismen und die Leninismen. Und überall, wo Kultus getrieben wird mit Nationalismen und mit Trotzkismen, wenn auch in abgeschwächter Gestalt, dort wird heute dem Christentum das Grab gegraben, dort herrscht für den Einsichtigen eine Stimmung, die im rechten Sinne eine Karsamstag-Stimmung ist.
[ 19 ] These two forces have emerged to challenge all Christian elements of the 19th and 20th centuries: nationalism, the Luciferic form of anti-Christianity, and that which culminates in Leninism and Trotskyism, the Ahrimanic form of anti-Christianity. These are the shovels with which the grave of Christianity is to be dug today: nationalisms and Leninism. And everywhere where nationalisms and Trotskyism—albeit in a milder form—are being cultivated, there the grave of Christianity is being dug today; there, for the discerning observer, there reigns a mood that is, in the true sense, a Holy Saturday mood.
[ 20 ] Der Träger des Christentums ruht im Grabe, und die Menschen legen einen Stein darauf. Zwei Steine legten die Menschen auf den Repräsentanten des Christentums: die Nationalismen und die äußerlichen Sozialismen. Und notwendig hat die Menschheit, herbeizuführen die Zeit des Ostersonntags, des Hinweghebens des Steines oder der Steine vom Grabe. Aber nicht früher wird das Christentum aus dem Grab auferstehen, bevor nicht die Menschen überwinden die Nationalismen und die falschen Sozialismen, bevor nicht die Menschen den Weg finden, das von sich aus zu suchen, was zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha führen kann.
[ 20 ] The bearer of Christianity lies in the tomb, and people place a stone upon it. People placed two stones upon the representative of Christianity: nationalism and superficial socialism. And humanity must bring about the time of Easter Sunday, the removal of the stone or stones from the tomb. But Christianity will not rise from the tomb until people overcome nationalism and false forms of socialism, until people find the way to seek for themselves what can lead to an understanding of the mystery of Golgotha.
[ 21 ] Wenn heute die Menschen sich aus der Stimmung der Gegenwart zu dem Glauben Christi hinbegeben, dann muß ihnen — dies wäre ganz gerechtfertigt — der Engel erscheinen und ihnen dasselbe sagen, was er geantwortet hat, als er gefragt worden ist unmittelbar in der Zeit des Mysteriums: «Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hie.» Er war dazumal nicht mehr hie, weil die Menschen erst durch die Tradition sich durchfinden mußten und durch die Schrift, um zu einer Eigenerkenntnis des Mysteriums von Golgatha zu kommen. Heute ist diese Notwendigkeit vorhanden, denn die Schrift sagt nicht mehr das, was gewußt werden soll, die Tradition sagt nicht mehr, was gewußt werden soll. Nur die ursprüngliche menschliche Erkenntnis kann wiederum sagen, was gewußt werden muß. Und die Zeit muß herbeigeführt werden, wo der Engel antwortet: Der, den ihr suchet, ist hie. — Aber er wird nicht hie sein, bevor verschwinden die antichristlichen Impulse unserer Zeit. Paulus wollte die Menschen zusammenrufen zu einer Gemeinschaft mit dem Bewußtsein: die Unsterblichkeit ist dem Menschen sicher durch den Tod hindurch, «in Christo sterben wir». Bevor nicht wieder verstanden wird, daß nur Geist-Erkenntnis zu dem Verständnis des Paulus wirklich führen kann, kann auch keine soziale Besserung kommen, sondern nur weiterer sozialer Niedergang. Das ist das, was heute auch in bezug auf das Christentum verstanden werden muß: daß der Mensch erzogen werden muß zu der Geist-Erkenntnis, wie er in alten Zeiten geboren worden ist zu der Geist-Erkenntnis.
[ 21 ] If people today turn from the spirit of the present age toward the faith of Christ, then—and this would be entirely justified—the angel must appear to them and say the same thing he replied when he was asked at the very time of the Mystery: “The one you seek is no longer here.” He was no longer here at that time because people first had to find their way through tradition and through Scripture in order to arrive at their own understanding of the Mystery of Golgotha. Today this necessity still exists, for Scripture no longer tells us what we need to know, nor does tradition. Only original human insight can once again tell us what must be known. And the time must be brought about when the angel replies: “The one you seek is here.”—But he will not be here until the antichristian impulses of our time have vanished. Paul wanted to call people together into a community with the awareness that immortality is assured to human beings even through death: “In Christ we die.” Until it is understood once again that only spiritual knowledge can truly lead to an understanding of Paul, no social improvement can come about—only further social decline. This is what must also be understood today with regard to Christianity: that human beings must be educated in spiritual knowledge, just as they were born into spiritual knowledge in ancient times.
[ 22 ] Auch wenn man die Sache so betrachtet, tritt einem der ganze Ernst der gegenwärtigen Zeit entgegen. Vor allen Dingen tritt einem entgegen die Notwendigkeit, daß man wirklich arbeiten muß an der Durchgeistigung unserer Kultur. Soll denn ganz abgebrochen werden die Brücke zu der geistigen Welt hin, in die der Mensch ja einzugehen hat, wenn er durch die Pforte des Todes geht, in der der Mensch sich aufzuhalten hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Man bedenke, daß diese Brücke in die geistige Welt abgebrochen wird durch die Nationalismen und durch die falschen Sozialismen. Man bedenke, daß diese Dinge innig zusammenhängen mit den gründlichsten Notwendigkeiten unserer Zeit. Und wer sich mit diesen Dingen nicht bekanntmachen kann, wer also fortfahren will in dem Bewußtsein, daß nur das Ergebnis des materiellen Prozesses im Menschen ist, der arbeitet mit allen Kräften an dem Weitergehen der Dekadenz. Denn heute ist der Zeitpunkt da, in dem sich die Dinge entscheiden müssen. Sie müssen sich entscheiden. Aber sie können sich nur entscheiden durch der Menschen freien Willen. Freier Wille aber ist nur möglich auf Grundlage wirklicher Geist-Erkenntnis.
[ 22 ] Even when viewed in this light, the full gravity of the present times becomes apparent. Above all, one is struck by the necessity of truly working to spiritualize our culture. Is the bridge to the spiritual world—into which a human being must enter when passing through the gate of death, and where a human being must dwell between death and a new birth—to be severed entirely? Consider that this bridge to the spiritual world is being severed by nationalisms and by false forms of socialism. Consider that these matters are intimately connected with the most fundamental necessities of our time. And whoever cannot come to terms with these matters—who, in other words, wishes to continue in the belief that human beings are merely the product of material processes—is working with all their might to perpetuate decadence. For today is the moment when things must be decided. They must be decided. But they can be decided only through human free will. Free will, however, is possible only on the basis of true spiritual knowledge.
[ 23 ] In der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha stattfand, hat man in Rom eigentlich eine merkwürdige Toleranz geübt gegen alle Bekenntnisse. Nach und nach hat man sich sogar aufgeschwungen, nachdem man das lange nicht getan hatte, zu einer gewissen Toleranz gegenüber dem Judentum. In Rom war man sehr tolerant zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha allmählich in die Entwickelung der Menschheit, also in die Entwickelung der damaligen Zeit sich einlebte — nur just gegen die Christen wurde man immer intoleranter. Man wurde gegen die Christen allmählich so intolerant in Rom, wie man im Nachbilde bei den heutigen einzelnen Nationalitäten immer intoleranter gegen die anderen Nationalitäten geworden ist. Es ist eigentlich für das, wie sich die Nationalitäten heute verhalten, das Vorbild die Intoleranz der Römer gegen das Auftreten einer wirklichen GeistErkenntnis; denn gegen diese lehnt sich sozusagen alles auf. Es gibt heute ganz hübsche Bündnisse, wenn sie auch an der Oberfläche noch nicht bemerkt werden, zwischen Jesuitismus und den allerradikalsten Elementen da oder dort. Aber in der Ablehnung der Geist-Erkenntnis sind schließlich die allerradikalsten Kommunisten mit den Jesuiten vollständig einig. Auch das erinnert an die Intoleranz des Römertums gegen das Christentum, und damals und heute hängt es im Grunde genommen mit demselben zusammen. Damals und heute hängt es damit zusammen, daß die Menschen im Grunde genommen in ihrer unbewußten menschlichen Natur den Geist hassen, richtig den Geist hassen. Das Hassen des Geistes, es tritt einem sowohl auf seiten des Nationalismus wie des falschen Sozialismus stark entgegen, dieses Hassen des Geistes, dieses unbewußte Hassen des Geistes. Denn man soll sich nur einmal vorstellen, was heute bedeutet das Hassen des Geistes, und was heute bedeutet Nationalismus! In alten Zeiten hatte der Nationalismus einen Sinn, denn mit dem Blute war verbunden die Geist-Erkenntnis. Wenn heute die Menschen in dem Sinne, wie sie es sind, nationalistisch sind, so ist es völlig sinnlos, denn es hat der Blutszusammenhang keine reelle Bedeutung mehr. Es ist eine bloß phantasierte Bedeutung, dieser Blutszusammenhang, wie er im Nationalismus auftritt. Es ist eine bloße Illusion.
[ 23 ] At the time the Mystery of Golgotha took place, Rome actually showed a remarkable tolerance toward all religious beliefs. Gradually, after a long period of not doing so, it even began to show a certain tolerance toward Judaism. Rome was very tolerant at the time when the Mystery of Golgotha was gradually becoming integrated into the development of humanity—that is, into the development of that era—yet it was precisely toward the Christians that intolerance grew ever stronger. In Rome, intolerance toward the Christians gradually became as pronounced as the intolerance that has developed today among individual nationalities toward other nationalities. In fact, the model for how nationalities behave today is the Romans’ intolerance toward the emergence of true spiritual knowledge; for everything, so to speak, rebels against it. Today there are quite interesting alliances—even if they are not yet apparent on the surface—between Jesuitism and the most radical elements here and there. But in their rejection of spiritual insight, the most radical communists are ultimately in complete agreement with the Jesuits. This, too, is reminiscent of Roman intolerance toward Christianity, and both then and now it is fundamentally connected to the same thing. Then and now it is connected to the fact that, deep down in their unconscious human nature, people hate the spirit—truly hate the spirit. This hatred of the Spirit—it confronts us forcefully on the part of both nationalism and false socialism—this hatred of the Spirit, this unconscious hatred of the Spirit. For one need only imagine what hatred of the Spirit means today, and what nationalism means today! In ancient times, nationalism had a purpose, for spiritual knowledge was linked to blood. When people today are nationalistic in the sense that they are, it is completely meaningless, for the blood connection no longer has any real significance. This blood connection, as it appears in nationalism, is merely a fantasized significance. It is a mere illusion.
[ 24 ] Deshalb haben die Menschen heute, wenn sie solchen Dingen anhängen, kein Recht, irgendwie noch von einem Osterfeste zu sprechen. Das Sprechen vom Osterfeste ist eine Unwahrheit, und die Wahrheit muß gerade darin bestehen, daß der Engel wiederum sagen kann, oder daß der Engel sagen kann jetzt erst: Der, den ihr suchet, der ist hie. — Aber der wird sicher nur mit etwas einverstanden sein, was für alle Menschen gilt. Es ist heute so, wie es bei den Römern war, die am intolerantesten gegen die Christen waren. Denn, was taten denn alle anderen, außer den Christen? Alle anderen außer den Christen verehrten den Kaiser von Rom noch mit den Lippen als einen Gott, opferten auch dem Kaiser von Rom. Die Christen konnten das nicht. Die Christen konnten als ihren einzigen König nur den allmenschlichen Christus Jesus anerkennen.
[ 24 ] That is why people today, if they cling to such things, have no right to speak of an Easter celebration in any way. Speaking of the Easter celebration is a falsehood, and the truth must lie precisely in the fact that the angel can say once again—or that the angel can say only now: “The one you seek is here.”—But he will surely only agree to something that applies to all people. The situation today is the same as it was with the Romans, who were the most intolerant toward the Christians. For what did everyone else do, except the Christians? Everyone else except the Christians still paid lip service to the Emperor of Rome as a god and even offered sacrifices to him. The Christians could not do that. The Christians could recognize only the universal Christ Jesus as their sole King.
[ 25 ] Hier liegt einer der Punkte, die linienhafte Fortsetzung in die Gegenwart herein bekommen haben. Hier liegt der Punkt. Ja, man braucht es nur so auszusprechen: Was hat denn schließlich der einzelne Mensch, sagen wir in England, noch gemeinschaftlich mit dem, was sich in die Formel kleidet, in der jede ministerielle Verfügung in England erfließt: «Im Namen seiner Majestät des Königs»? Wollte man die Wahrheit, wie sie der Geist fordert, an die Stelle setzen, so würde das eben nicht da sein können. Was hat denn schließlich das, was heute einen wirklichen Franzosen interessieren kann, zu tun mit dem Nationalismus Clemenceaus? Welche innere Verlogenheit steckt in dem Nationalismus Clemenceaus! Es würde heute christlich sein, solche Dinge sich zu gestehen. Aber man ist intolerant gegen solches Geständnis.
[ 25 ] This is one of the points that have carried this linear continuation into the present. This is the point. Yes, one need only put it this way: What, after all, does the individual—say, in England—still have in common with that which is expressed in the formula from which every ministerial decree in England flows: “In the name of His Majesty the King”? If one were to substitute the truth, as the spirit demands, that simply could not be the case. After all, what does what might interest a true Frenchman today have to do with Clemenceau’s nationalism? What inner hypocrisy lies in Clemenceau’s nationalism! It would be Christian today to admit such things to oneself. But people are intolerant of such an admission.
[ 26 ] Sehen Sie, da kommen wir auf den Punkt, wo Unwahrheit tief in den Seelen der Menschen wuchert. Und diese Unwahrheit formt die anderen Steine des Nationalismus, des falschen Sozialismus zu einem Stein, der auf das Grab gewälzt wird, und mit dem zugedeckt wird dieses Grab. Es wird zugedeckt bleiben, bis die Menschen in der Wahrheit zum Geist-Erkennen, und durch das Geist-Erkennen zum Erfassen des allmenschlichen Christentums wiederum kommen. Vorher gibt es kein Osterfest. Vorher gibt es keine Möglichkeit, daß im Ernste ersetzt werde die schwarze Trauerfarbe durch die rote Osterfarbe; denn vorher ist dieser Ersatz eine menschliche Lüge. Es muß nach dem Geiste gestrebt werden. Das allein kann noch Sinn geben dem heutigen Existieren als Mensch.
[ 26 ] You see, this is where we come to the point where falsehood takes deep root in people’s souls. And this untruth shapes the other stones of nationalism and false socialism into a single stone that is rolled onto the grave, covering it. It will remain covered until people, through the truth, come to spiritual knowledge, and through spiritual knowledge, return to an understanding of universal Christianity. Until then, there is no Easter. Until then, there is no possibility that the black color of mourning will be seriously replaced by the red color of Easter; for until then, such a replacement is a human lie. One must strive toward the Spirit. That alone can still give meaning to our existence as human beings today.
[ 27 ] Gerade wer den Gang der Entwickelung der Menschheit in unsere Zeit herein versteht, der muß das Wort für die heutige Zeit in der richtigen Weise prägen: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Nein, dasjenige, was angestrebt werden muß, damit wieder zu einer Hoffnung für die Zukunft gekommen werden kann, das darf auch nicht von dieser Welt sein. Aber es spricht allerdings sehr gegen die menschliche Bequemlichkeit! Es ist schon bequemer, sich die alten Gewohnheiten als Ideale zu zimmern und sich dann innere seelische Wollust zu bereiten dadurch, daß man sich diese alten Gewohnheiten als Ideale zimmert. Es ist schon bequemer dies, als sich zu sagen: Es muß hingeschaut werden auf die große Verantwortlichkeit gegenüber der Menschenzukunft, der man allein gerecht werden kann dadurch, daß man das Streben nach dem geistigen Erkennen in die menschlichen Impulse aufnimmt.
[ 27 ] It is precisely those who understand the course of human development as it has unfolded into our time who must correctly articulate the message for the present age: “My kingdom is not of this world.” No, that which we must strive for—so that we may once again find hope for the future—must not be of this world either. But this certainly goes against human complacency! It is certainly more comfortable to fashion old habits into ideals and then derive inner spiritual pleasure from doing so. This is certainly more comfortable than telling oneself: We must look to the great responsibility we bear toward humanity’s future—a responsibility that can be fulfilled only by incorporating the pursuit of spiritual knowledge into our human impulses.
[ 28 ] So wird aus dem, was in der heutigen Zeit der Mensch erkennen sollte, das Osterfest bleiben müssen ein Fest der Mahnung statt eines Festes der Freude. Und eigentlich müssen diejenigen, die es ernst und ehrlich meinen mit der Menschheit, heute die Osterworte nicht sagen: Der Christus ist erstanden —, sondern sie müßten sagen: Der Christus soll und muß erstehen.
[ 28 ] Thus, in light of what people should recognize in our time, Easter will have to remain a festival of remembrance rather than a festival of joy. And in fact, those who are serious and sincere in their concern for humanity should not say the traditional Easter words today—“Christ is risen”—but rather they should say: “Christ shall and must rise.”
