Healing Factors for the Social Organism
GA 198
18 July 1920, Dornach
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Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL
Siebzehnter Vortrag
Seventeenth Lecture
[ 1 ] Gestern versuchte ich, die ganze Bedeutung des Ernstes anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft dadurch vor Ihnen aufzurollen, daß ich mich bemühte, zu zeigen, welcher Unterschied besteht zwischen bloß abstrakten Vorstellungen und Begriffen und demjenigen, was auch in der Seele in der Form von Vorstellungen und Begriffen entsteht, was auch die Gestalt von Vorstellungen und Begriffen annimmt, dann aber Realität ist, Wirklichkeit ist. Es handelt sich darum, daß man in aller Stärke einsieht, wie der Mensch, indem er immer mehr und mehr durch seine materialistische Gesinnung, dadurch, daß er sich ganz abwendet von geistigen Begriffen, sich nur beschäftigt mit Begriffen des Natürlichen und so weiter, immer ähnlicher und ähnlicher sich macht dem Materiellen, wie er tatsächlich mehr und mehr hinuntersteigt in dieses Materielle, so daß es zuletzt nicht mehr falsch ist, wenn er behauptet, das Materielle seines Leibes denke, sein Gehirn denke, sondern daß sogar das das Richtige ist, daß der Mensch tatsächlich eine Art Automat des Weltenalls wird und nach und nach durch das Verleugnen des Geistig-Seelischen auch das Verlieren dieses Geistig-Seelischen eintritt. Ich sagte, daß dies natürlich für viele eine unbequeme Weltanschauung ist, und daß viele diese Weltanschauung für etwas halten, das sie durchaus nicht annehmen wollen aus dem Grunde, weil sie glauben, der Mensch könne ohne sein Zutun irgendwie auf die Dauer sein Geistig-Seelisches gerettet bekommen. Das ist aber nicht der Fall. Der Mensch kann eben so stark in das Materielle hinein aufgehen, daß er sich losschnürt von dem Geistig-Seelischen, daß er in die ahrimanischen Mächte hinein sich versenkt und mit den ahrimanischen Mächten in einer unserer Welt fremden Weltenströmung weitergeht, aber ohne sein Ich, das ja nicht zur ahrimanischen Welt gehören kann, sondern das nur seine wirkliche Entwickelung finden kann, wenn der Mensch der normal fortschreitenden Evolution folgt, das heißt, wenn er sich verbindet mit alledem, was zusammenhängt mit dem Mysterium von Golgatha; wenn er vor allen Dingen in unserer Zeit erkennt, wie man den Zusammenhang zu suchen hat mit dem, was durch geistige Forschung an die Menschheit herangebracht werden kann. Es ist ja in dieser Menschheitsevolution seit der Mitte des 15. Jahrhunderts für unser Abendland der Zeitabschnitt eingetreten, in welchem der Mensch, wenn er hinausschaut in seine Umgebung, nur die sinnliche Welt wahrnimmt. Und wenn er in sich hineinschaut, wird er seit dieser Mitte des 15. Jahrhunderts immer mehr und mehr dazu verleitet, die inneren Seelenerlebnisse zu verabstrahieren, zu intellektualisieren, sie dünn zu machen.
[ 1 ] Yesterday I attempted to unfold before you the full significance of the seriousness of anthroposophically oriented spiritual science by striving to show the difference between merely abstract ideas and concepts and that which also arises in the soul in the form of ideas and concepts—which also takes on the form of ideas and concepts—but is then reality, is actuality. The point is to fully realize how, by becoming more and more dominated by a materialistic mindset—by turning away entirely from spiritual concepts and concerning oneself only with concepts of the natural world and so on—human beings make themselves more and more like the material world, as they actually descend further and further into this material realm, so that in the end it is no longer wrong for him to claim that the material substance of his body thinks, that his brain thinks; rather, it is even the correct view that human beings actually become a kind of automaton of the universe, and that, little by little, through the denial of the spiritual-soul aspect, the loss of this spiritual-soul aspect also occurs. I said that this is, of course, an uncomfortable worldview for many, and that many regard this worldview as something they absolutely do not want to accept, for the reason that they believe human beings can somehow have their spiritual and soul aspects saved in the long run without any effort on their part. But that is not the case. Human beings can become so deeply absorbed in the material world that they detach themselves from the spiritual-soul aspect, that they immerse themselves in the Ahrimanic forces and continue onward with these forces in a world current foreign to our own, but without their “I,” which, after all, cannot belong to the Ahrimanic world, but can find its true development only when a person follows the normally progressing evolution—that is, when they connect with all that is related to the Mystery of Golgotha; when, above all in our time, he recognizes how to seek a connection with what can be brought to humanity through spiritual research. For our Western world, a phase has indeed begun in the course of human evolution since the middle of the 15th century in which, when a person looks out at his surroundings, he perceives only the sensory world. And when he looks within himself, he has, since the middle of the 15th century, been increasingly led to abstract his inner soul experiences, to intellectualize them, and to render them insubstantial.
[ 2 ] Was wir heute erleben als Begriffe, was wir für unsere Weltanschauung aus den gebräuchlichen offiziellen Wissenschaftlichkeiten heraus bekommen, das enthält im Grunde genommen gar keine Beziehung zum Dasein. Das kann auch nicht dazu verwendet werden, in die Wirklichkeiten einzudringen. Es ist nur ein Vorurteil, wenn man glaubt, daß der Mensch, indem er sich die gewöhnlichen abstrakten Gedanken macht, eigentlich seelisch lebt. Diese abstrakten Gedanken sind eigentlich ein wirklichkeitsfremdes Element, sind bloß eine Summe von Bildern, so daß wir sagen können: Außen sieht der Mensch die Sinneswelt und innen sieht der Mensch dasjenige, was im Grunde genommen nur Bilderwelt ist, was im Grunde genommen kein wirkliches Verhältnis zum Dasein hat. — Das ist eigentlich das Schicksal der Menschheit seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, außen die Sinneswelt wahrzunehmen - und wir werden gleich sehen, was diese Sinneswelt gegenüber der Gesamt-Weltauffassung für eine Bedeutung hat — und innen zu erleben ein immer mehr und mehr zum bloßen Bild werdendes Seelisches. Man kann die Frage aufwerfen: Warum ist denn die Menschheit der zivilisierten Welt seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in bezug auf das seelische Dasein immer mehr und mehr zum bloßen Bild geworden? Das ist so aus dem Grunde, weil nur dadurch der Mensch aufsteigen kann zu einer wirklichen Freiheit.
[ 2 ] What we experience today as concepts—what we derive for our worldview from the prevailing official scientific doctrines—has, in essence, no connection whatsoever to existence. Nor can it be used to penetrate into reality. It is merely a prejudice to believe that human beings, by engaging in ordinary abstract thought, are actually living a spiritual life. These abstract thoughts are actually an element alien to reality; they are merely a collection of images, so that we can say: Outwardly, a person perceives the sensory world, and inwardly, a person perceives what is, in essence, only a world of images—a world that, fundamentally, has no real connection to existence. — This has, in fact, been the fate of humanity since the mid-15th century: to perceive the sensory world on the outside—and we will soon see what significance this sensory world has in relation to the overall worldview—and to experience, on the inside, a spiritual life that is increasingly becoming nothing more than mere images. One might ask: Why has humanity in the civilized world, since the mid-15th century, become more and more of a mere image in regard to its inner life? The reason is simply that only in this way can human beings ascend to true freedom.


[ 3 ] Sehen wir uns, um das zu verstehen, einmal unsere Welt, so wie sie uns heute vorliegt, und wie wir selbst drinnen stehen, näher an. Sehen Sie einmal ab von dem Menschen selbst in der ganzen weiten Welt, sehen Sie auf alles dasjenige, was sich in der ganzen weiten Welt findet, sagen wir als Wolken, Berge, Flüsse, als die Gebilde des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches, und fragen wir uns: Was ist denn eigentlich in dem ganzen Umkreise dessen, was man so bezeichnen darf, wie ich es eben getan habe? — Wollen wir uns einmal schematisch das aufzeichnen, um was es sich da handelt. Sagen wir: Alles dasjenige, was wir über uns sehen können (siehe Zeichnung, oben), alles dasjenige, was sich als Mineralisches (rot), als Pflanzliches (grün) und bis zu einem gewissen Grade auch als tierisches Leben um uns ausbreitet - von dem Menschen sehen wir dabei ab, was es ja natürlich in Wirklichkeit gar nicht geben kann, was wir uns eben hypothetisch vor die Seele führen können -, also wir stellen uns vor, das sei die menschenentblößte Natur. Da, in dieser ganzen menschenentblößten Natur, gibt es keine Götter. Das ist dasjenige, was durchschaut werden muß! Es gibt in dieser menschenentblößten Natur ebensowenig Götter, wie es in der abgesonderten Austernschale die Auster gibt oder in der abgesonderten Schneckenschale die Schnecke gibt. Diese ganze Welt, von der ich Ihnen jetzt hypothetisch gesprochen habe, bei der wir absehen vom Menschen, sie ist dasjenige, was die Götterwesen im Laufe der Entwickelung abgesondert haben, wie die Auster ihre Schale absondert. Aber die Götter, die geistigen Wesen, sind nicht mehr darinnen, so wenig wie die Auster oder die Schnecke in ihren abgesonderten Schalen sind. Was wir als die Welt, die ich bezeichnet habe, um uns haben, ist ein Vergangenes. Indem wir hinschauen auf die Natur, schauen wir auf die Vergangenheit des Geistigen hin und auf das, was aus dieser Vergangenheit des Geistigen als ein Rückstand geblieben ist. Daher gibt es auch keine Möglichkeit, zu einem wirklich religiösen Bewußtsein bloß durch die Anschauung der Außenwelt zu kommen; denn man soll nur ja nicht glauben, daß in dieser Außenwelt irgend etwas vorhanden ist von dem, was die eigentlich menschheitsschöpferischen geistig-göttlichen Wesen sind. Elementarwesen, gewiß, niedere geistige Wesenheiten, das ist etwas anderes; aber dasjenige, was eigentlich die schöpferischen geistigen Wesenheiten sind, die in das religiöse Bewußtsein als solches einzugehen haben, das gehört dieser Welt nur insofern an, als diese Welt die Schale davon ist, das Residuum, der Rückstand.
[ 3 ] To understand this, let’s take a closer look at our world as it appears to us today, and at our own place within it. Set aside the human being for a moment in this vast world; look at everything that exists in this vast world—let’s say clouds, mountains, rivers, and the forms of the mineral, plant, and animal kingdoms—and let’s ask ourselves: What, in fact, is contained within the entire scope of what we might describe as I just did? — Let’s sketch out schematically what we’re dealing with here. Let’s say: everything we can see above us (see drawing, above), everything that extends around us as the mineral realm (red), the plant realm (green), and, to a certain extent, also as animal life—we set aside the human being here, which of course cannot actually exist in reality but which we can hypothetically bring to mind—so we imagine this to be nature stripped of humanity. There, in all of this nature stripped of humanity, there are no gods. This is what must be understood! There are just as few gods in this nature stripped of humanity as there is an oyster in an isolated oyster shell or a snail in an isolated snail shell. This entire world, of which I have now spoken to you hypothetically—in which we disregard human beings—is what the divine beings have shed in the course of evolution, just as the oyster sheds its shell. But the gods, the spiritual beings, are no longer within it, any more than the oyster or the snail is within its separated shell. What we have around us—the world I have described—is a thing of the past. When we look at nature, we are looking at the past of the spiritual and at what has remained from this past of the spiritual as a residue. Therefore, there is also no possibility of attaining a truly religious consciousness merely through the observation of the external world; for one must certainly not believe that anything exists in this external world that corresponds to what the spiritual-divine beings who actually created humanity are. Elemental beings, certainly, lower spiritual entities—that is something else; but that which is actually the creative spiritual entities, which must enter into religious consciousness as such, belongs to this world only insofar as this world is its shell, its residue.
[ 4 ] Solche Dinge wie das eben Berührte werden ja manchmal von einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten wie ernste Wahrheiten gefühlt, die in der Seele solcher Persönlichkeiten aufgehen. Derjenige, der in der geistigen Entwickelung des 19. Jahrhunderts am tiefsten gefühlt hat, wie das, was als Natur den Menschen umgibt, ein Rückstand göttlich-geistiger Entwickelung ist, das ist Philipp Mainländer, der durch die ganze Schwere dieser Erkenntnis zu seiner Philosophie des Selbstmordes gekommen ist und dann auch im Selbstmord geendet hat. Es ist manchmal das Schicksal der Menschen, in solche einseitigen Wahrheiten sich zu vertiefen durch ihr Karma. Dann wird auch dieses Schicksal selbst für eine Inkarnation einseitig und schwierig; so bei Philipp Mainländer, dem unglücklichen deutschen Philosophen.
[ 4 ] Things such as what has just been mentioned are sometimes perceived by exceptional individuals as profound truths that take root in the souls of such individuals. The person who, in the spiritual development of the 19th century, felt most deeply how what surrounds human beings as “nature” is a remnant of divine-spiritual development is Philipp Mainländer, who, through the full weight of this realization, arrived at his philosophy of suicide and then also ended his life by suicide. It is sometimes the fate of human beings, through their karma, to immerse themselves in such one-sided truths. Then this fate itself becomes one-sided and difficult for an incarnation; such was the case with Philipp Mainländer, the unfortunate German philosopher.


[ 5 ] Nun können Sie, nachdem Sie das in sich aufgenommen haben, was wir von dieser hypothetischen äußeren Natur sagen müssen, fragen: Wo sind denn dann die Götter, diejenigen Götter, von denen wir als den eigentlich schöpferischen sprechen müssen? — Da muß ich Ihnen die schematische Zeichnung anders machen, da muß ich Ihnen schematisch den Menschen hineinzeichnen und in den Menschen die Götter. Wenn ich mich so ausdrücken darf: Innerhalb der menschlichen Haut, in den menschlichen Organen sind die eigentlich schöpferischen Götter (siehe Zeichnung: O). Die Menschen sind in ihrer Wesenheit die Träger des gegenwärtigen Göttlich-Geistigen. Also das GöttlichGeistige, das auch das eigentlich Schöpferische in der Gegenwart ist, es ist in dem Menschen drinnen. Und wenn Sie heute sich die ganze äußere Natur vorstellen und dann sich denken eine Zukunft, die so und so viele Tausende von Jahren vor uns liegt, es wird nichts da sein von diesen Wolken, von diesen Mineralien, von diesen Pflanzen und selbst von den Tieren. Es wird nichts da sein von alledem, was außerhalb der menschlichen Häute in der Natur lebt. Aber das wird seine Fortentwickelung gewinnen, was die menschliche Organisation im Inneren durchgeistigt und beseelt, das wird Zukunft sein.
[ 5 ] Now, after you have taken in what we have to say about this hypothetical external nature, you may ask: Where, then, are the gods—those gods whom we must speak of as the true creators? — Then I must redraw the schematic diagram for you; I must schematically draw the human being into it and, within the human being, the gods. If I may put it this way: Within the human skin, within the human organs, are the truly creative gods (see diagram: O). Human beings, in their very essence, are the bearers of the present divine-spiritual. So the divine-spiritual, which is also the truly creative force in the present, is inside human beings. And if you imagine all of external nature today and then envision a future that lies so many thousands of years ahead of us, there will be nothing left of these clouds, these minerals, these plants, or even the animals. Nothing will remain of all that lives in nature outside the human body. But that which spiritualizes and animates the human organism from within will continue to develop; that will be the future.


[ 6 ] Soll ich das schematisch zeichnen, so müßte ich sagen: Wenn das die Natur ist (großer Kreis), das der Mensch (kleiner Kreis) und das im Inneren des Menschen das Menschlich-Göttliche, so wird die Natur zerstoben sein in der Zukunft (Strahlen). Der Mensch wird zur Welt erweitert sein, und dasjenige, was heute in ihm ist, wird seine äußerliche Umgebung sein (rot), wird selber dann Natur sein.
[ 6 ] If I were to draw this schematically, I would have to say: If this is nature (large circle), that is humanity (small circle), and within humanity lies the human-divine, then nature will be scattered in the future (rays). Humanity will have expanded to encompass the world, and that which is within humanity today will become its external environment (red); it will itself then be nature.


[ 7 ] Die Einsicht in die Tatsache, daß das Göttlich-Geistige, das wir als wirklich Schöpferisches der Gegenwart anzusprechen haben, innerhalb der menschlichen Häute liegt, das ist eine ungemein ernste Erkenntnis. Denn das legt dem Menschen eine Verantwortlichkeit auf gegenüber dem ganzen Weltenall. Es macht dieses den Menschen fähig, zu verstehen so etwas wie ein Christus-Wort: «Himmel und Erde werden vergehen», das heißt, die äußere Welt, «aber meine Worte werden nicht vergehen.» Und wenn das Paulinische Wort sich in dem einzelnen Menschen erfüllt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», so leben wiederum die Worte des Christus in dem einzelnen Menschen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte» in dem einzelnen Menschen, das heißt: dasjenige, was innerhalb der menschlichen Haut ist und von dem Christus aufgenommen wird, «werden nicht vergehen.»
[ 7 ] The realization that the divine-spiritual—which we must address as the truly creative force of the present—lies within the human body is an immensely serious insight. For this imposes a responsibility upon human beings toward the entire universe. It enables human beings to understand something like a saying of Christ: “Heaven and earth will pass away”—that is, the outer world—“but my words will not pass away.” And when the Pauline saying is fulfilled in the individual human being—“Not I, but Christ in me”—then the words of Christ in turn live in the individual human being: “Heaven and earth will pass away, but my words”—in the individual human being, that is to say, that which lies within the human body and is taken up by Christ—“will not pass away.”
[ 8 ] Aber worauf weist denn dasjenige, was ich gesagt habe, hin? Es weist darauf hin, daß der Mensch durch seine abstrakten Begriffe, durch dasjenige, was er intellektualisiert, in seinem Inneren sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gewissermaßen leer macht. Wozu macht er sich denn leer? Er macht sich leer, gerade um den Christus-Impuls, das heißt, das Schöpferisch-Göttliche in sein Inneres aufzunehmen. Wir schauen in die äußere Welt, sagte ich, wir sehen nur das Sinnliche. Da sehen wir nur göttliche Vergangenheit. Unter dem, was aus dieser göttlichen Vergangenheit geblieben ist, sind auch die Elementargeister und so weiter, die auf niederen Stufen stehengeblieben sind. Wir sehen in unser Inneres und sehen in diesem Inneren zunächst die bloß bildhaften, abstrakten Begriffe, das immer mehr und mehr Intellektualisierte, das nur dadurch ein Konkretes, ein Reales wird, daß der Mensch den Geistesimpuls durch geistige Wissenschaft aufnimmt und ihn mit seinem Inneren verbindet. Der Mensch hat die Wahl —- und diese Wahl wird immer ernster seit der Mitte des 15. Jahrhunderts —, entweder stehenzubleiben bei den intellektualistischen, abstrakten Begriffen, oder“ aufzunehmen den lebendigen Inhalt der Geisteswissenschaft. Bleibt er stehen bei den intellektualistischen, abstrakten Begriffen, da wird er eine brillante Naturwissenschaft ausbauen, denn diese Begriffe sind tot, und er wird die tote Natur mit den toten Begriffen in einer wunderbaren Weise begreifen. Aber all das macht ihn zur Mumie, all das verähnlicht ihn der Materie, all das führt dazu, daß er im Ahrimanischen untergeht. Zur Fortführung der irdischen Angelegenheiten, zur Fortführung der ganzen Erdenentwickelung braucht er die Aufnahme des Geistigen, das heute nicht atavistisch instinktiv an den Menschen herankommt, sondern das von den Menschen erarbeitet werden muß. So ist die Aufnahme der Geisteswissenschaft nicht eine Theorie, sondern sie ist die Erarbeitung eines Realen. Sie ist die Ausfüllung des sonst leeren Seeleninneren mit spirituellem, mit geistigem Inhalte. Innen leer, außen der Vergangenheit gegenüberstehend, so möchte die Menschheit in ihren Massen heute bleiben, indem sie nur gelten lassen will die Gedankenlogik mit der Experimentierkunst und nicht aufnehmen will, was lebendiges Geistesleben ist. Die Welt steht heute nicht nur vor der Gefahr, im Ahrimanischen unterzugehen, sondern die Welt steht heute vor der Gefahr, daß die Erdenmission verlorengehe.
[ 8 ] But what does what I have said point to? It points to the fact that, through his abstract concepts—through what he intellectualizes—man has, in a sense, been emptying himself inwardly since the middle of the 15th century. Why is he emptying himself? He empties himself precisely in order to receive the Christ impulse—that is, the creative-divine—into his inner being. We look at the outer world, I said, and we see only the sensory. There we see only the divine past. Among what remains of this divine past are also the elemental spirits and so on, who have remained on lower levels. We look within ourselves and see there, at first, merely pictorial, abstract concepts—things that are becoming increasingly intellectualized—which only become concrete and real when a person takes in the spiritual impulse through spiritual science and connects it with their inner being. Humanity has a choice—and this choice has become increasingly serious since the mid-15th century—either to remain at the level of intellectualistic, abstract concepts, or to take in the living content of spiritual science. If they remain with the intellectualistic, abstract concepts, they will develop a brilliant natural science, for these concepts are dead, and they will comprehend dead nature with these dead concepts in a marvelous way. But all of this turns them into mummies; all of this makes them resemble matter; all of this leads to their sinking into the Ahrimanic. To carry on earthly affairs, to continue the entire development of the Earth, humanity needs to take in the spiritual—which today does not approach human beings atavistically or instinctively, but must be worked out by them. Thus, the reception of spiritual science is not a theory, but the working out of something real. It is the filling of the otherwise empty inner soul with spiritual content. Empty within, yet facing the past from without—this is how humanity as a whole would like to remain today, by accepting only the logic of thought combined with the art of experimentation, and refusing to embrace what constitutes a living spiritual life. The world today faces not only the danger of perishing in the Ahrimanic, but also the danger that the Earth’s mission will be lost.
[ 9 ] Wer das durchdenkt und durchempfindet, der wird den ganzen Ernst erst recht empfinden, der mit der Aneignung der Geisteswissenschaft als solcher verbunden sein soll. Und er wird dann die Erkenntnis nicht gering achten, die Menschenerkenntnis ist. Menschenerkenntnis, sie gibt es innerhalb des heutigen naturwissenschaftlichen Wissens und innerhalb der alten religiösen Traditionen ja gar nicht. Was bieten die alten religiösen Traditionen? Sie lenken den Blick des Menschen in abstrakte, weltfremde Höhen hinauf, sie reden nicht davon, wie die Götter im Inneren der menschlichen Wesenheit doch organisch wohnen. Sie würden diesen Gedanken als einen im eminentesten Sinne ketzerischen erklären. Wollte man heute den traditionellen europäischen und amerikanischen Religionsbekenntnissen beibringen wollen, daß die Götter in den Menschen wohnen, daß das alte Wort ein Wahrheitswort ist: Der menschliche Leib ist der Tempel des Gottes -, sie würden sich aufbäumen gegen solche Ketzerei. Das auf der einen Seite.
[ 9 ] Anyone who thinks this through and truly feels it will all the more appreciate the gravity that should be associated with the study of spiritual science as such. And they will then not underestimate the insight that is knowledge of humanity. Knowledge of the human being—it does not exist at all within today’s scientific knowledge or within the ancient religious traditions. What do the ancient religious traditions offer? They direct the human gaze upward toward abstract, otherworldly heights; they do not speak of how the gods dwell organically within the human being. They would declare this idea to be heretical in the most eminent sense. If one were to try today to teach the traditional European and American religious denominations that the gods dwell within human beings—that the ancient saying is true: “The human body is the temple of God”—they would rebel against such heresy. That is one side of the matter.
[ 10 ] Auf der anderen Seite haben wir eine materialistisch orientierte Naturwissenschaft, die gerade deshalb, weil sie materialistisch ist, die Materie nicht versteht. Was versteht diese Naturwissenschaft von der Funktion des menschlichen Gehirnes? Was versteht diese Naturwissenschaft von der Funktion des menschlichen Herzens und so weiter? Ich habe Ihnen schon öfters gezeigt, habe es auch öffentlich ausgesprochen, daß die materialistische Wissenschaft zum Beispiel der Ansicht ist, das menschliche Herz sei eine Art von Pumpe, welche das Blut in den Leib pumpt. Diese allgemeine, als Universitätswissenschaft gelehrte Herzwissenschaft ist ein einfacher Unsinn, nicht mehr und nicht weniger als ein einfacher Unsinn. Denn es handelt sich nicht darum, daß das Herz eine Pumpe ist, welche das Blut nach allen möglichen Seiten drängt und wiederum zurückgehen läßt, sondern das eigentlich Lebendige ist das zirkulierende Blut. Da, im Blut, in der Blutzirkulation selbst lebt dasjenige, was eben im menschlichen Dasein, in der menschlichen Organisation das eigentlich Bewegende ist, und das Herz ist nichts anderes als der Ausdruck dafür. Da zeigt sich die Bewegung (siehe Zeichnung). Wer im Sinne der heutigen Naturwissenschaft heute davon redet, daß das Herz das Blut in den Körper treibe, der redet ungefähr so, wie wenn einer sagt: Als es zehn Minuten vor neun war, da stand der eine Zeiger so gegen neun, der andere Zeiger über zehn, und diese Zeiger mit dem ganzen Uhrwerk, die haben mich hier auf das Podium heraufgetrieben. — Aber das ist ja nicht so; die Uhr ist nur der Ausdruck für dasjenige, was sich zuträgt! Ebensowenig ist das Herz das Pumpwerk, das bewirkt, daß das Blut durch den Körper getrieben wird, sondern es ist der Ausdruck dafür; es ist eingeschaltet in dieses ganze Bewegungssystem und drückt aus dieses Bewegungssystem.
[ 10 ] On the other hand, we have a materialistically oriented natural science that, precisely because it is materialistic, does not understand matter. What does this natural science understand about the function of the human brain? What does this natural science understand about the function of the human heart, and so on? I have shown you on several occasions, and have also stated publicly, that materialistic science, for example, holds the view that the human heart is a kind of pump that pumps blood into the body. This general understanding of the heart, as taught in universities, is sheer nonsense—nothing more and nothing less than sheer nonsense. For it is not a matter of the heart being a pump that forces blood in all possible directions and then allows it to flow back; rather, what is truly alive is the circulating blood. There, in the blood, in the blood circulation itself, lives that which is the actual driving force in human existence, in the human organism, and the heart is nothing other than the expression of this. That is where the movement manifests itself (see drawing). Anyone who, in the spirit of modern science, speaks today of the heart driving blood through the body is speaking much as if someone were to say: “When it was ten minutes to nine, one hand was pointing toward nine, the other hand was past ten, and these hands, along with the entire clockwork mechanism, drove me up here onto the podium.” — But that is not the case; the clock is merely an expression of what is taking place! Nor is the heart the pumping mechanism that causes blood to be driven through the body; rather, it is an expression of this process; it is integrated into this entire system of movement and expresses this system of movement.


[ 11 ] Die Naturwissenschaft, wie sie heute allgemein üblich ist, führt ebensowenig in das Innere des Menschen hinein; höchstens macht man das Innere zu einem Äußeren, indem man Leichen seziert. Aber dadurch kommt man ja nicht ins Innere, dadurch kommt man nur dazu, das Innere zu einem Äußeren zu machen; denn in dem Augenblick, wo man innen den Menschen anatomiert, macht man das, was man da erreicht, zu einem Äußeren. Also es handelt sich darum, daß heute im ganzen geistigen Leben keine Neigung vorhanden ist, wirklich ins Innere des Menschen hineinzudringen. Das muß eben Geisteswissenschaft bringen, da muß die Geisteswissenschaft Menschenerkenntnis bringen. Vor dieser Menschenerkenntnis schrecken aber die meisten unserer Zeitgenossen zurück. Warum denn? Weil die religiösen Traditionen der Jahrhunderte die Menschen förmlich umnebelt haben gegenüber jedem wirklichen Erkenntnisstreben. Man bedenke doch nur, welche Nebulositäten, welches Schwimmen in Worten die traditionellen Bekenntnisse den Menschen vorbringen, was sie dann steigern zu der Predigt davon, daß der Mensch nicht erkennen soll das Übersinnliche, sondern es glauben soll, bloß dunkel fühlen soll. Das alles ist dazu angetan, in dem Menschen sogar aus seiner Hoffart, aus seiner Selbstüberschätzung und zu gleicher Zeit aus seiner Trägheit heraus die Idee zu gebären: Über das Göttliche braucht man nicht zu denken, das muß in dunklen Gefühlen und Instinkten aus der Tiefe heraufsteigen. — Es steigt aber dann nichts anderes herauf als die Dünste des Organischen, die sich in Illusionen umsetzen, die dann wiederum verwandelt werden von den auf die Bequemlichkeit zählenden Praktikern und Theologen in allerlei nebulose Dinge.
[ 11 ] Natural science, as it is generally practiced today, does not lead into the inner being of the human being any more than dissecting corpses does; at most, it turns the inner into the outer. But that does not lead one into the inner world; it merely results in turning the inner world into an outer one; for the moment one anatomizes the human being from the inside, one turns what one discovers there into something external. So the point is that in today’s entire spiritual life there is no inclination to truly penetrate into the inner being of the human being. This is precisely what spiritual science must provide; spiritual science must bring about knowledge of the human being. But most of our contemporaries shy away from this knowledge of the human being. Why is that? Because the religious traditions of the centuries have literally clouded people’s minds with regard to any genuine striving for knowledge. Just consider the vagueness, the muddled use of words that traditional creeds present to people, and how they then escalate this into the doctrine that a person should not seek to know the supersensible, but should believe in it, should merely sense it dimly. All of this is designed to give rise in a person—out of their pride, their overestimation of themselves, and at the same time their inertia—to the idea: There is no need to think about the divine; it must rise up from the depths in dark feelings and instincts. — But then nothing else rises up but the vapors of the organic, which transform into illusions, which in turn are transformed by practitioners and theologians—who rely on convenience—into all manner of nebulous things.
[ 12 ] Durch Jahrhunderte hindurch wurde der Erkenntnisinstinkt, der einzig und allein den Menschen wirklich vorwärtsbringen kann auf der Bahn der irdischen Entwickelung und hinein in die geistige Entwickelung, unterdrückt. Die Menschen bekommen heute förmlich eine Gänsehaut, wenn sie anfangen sollen, nun Wirklichkeitserkenntnis zu entwickeln und in die geistige Welt sich hinaufzuleben. Aber in demselben Maße, wie man diese Gänsehaut bekommt, in demselben Maße schnürt man sich ab von dem geistig-seelischen Wesen und verähnlicht sich dem Materiellen.
[ 12 ] For centuries, the instinct for knowledge—the only thing that can truly propel human beings forward on the path of earthly evolution and into spiritual evolution—has been suppressed. People today literally get goosebumps when they are asked to begin developing an understanding of reality and to rise up into the spiritual world. But to the very extent that one gets these goosebumps, to that very extent one cuts oneself off from one’s spiritual-soul nature and becomes more and more like the material world.
[ 13 ] Man kann sagen, wenn solche Dinge im Ernste in Angriff genommen werden, dann schrecken die Menschen gleich davor zurück; denn heute wird alles doch äußerlich betrachtet. Und ich möchte etwas, was ich schon neulich bemerkt habe, hier noch einmal einschaltend wiederholen. Wir haben in Stuttgart die Waldorfschule begründet. Diese Waldorfschule wurde begründet ganz aus dem Geiste der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft heraus, das heißt, es wurde eine Pädagogik und Didaktik denjenigen vorgetragen, die ausdrücklich für diese Schule ausgewählt worden sind. Da handelt es sich tatsächlich um den Geist, der in diese Pädagogik und Didaktik hineingedrungen ist. Heute kommt es nun sogar schon vor — denn alles, was von uns begründet worden ist, wird eine Sensation -, daß Leute diese Waldorfschule besuchen wollen, in ein paar Stunden sich anschauen wollen, um zu sehen, ob in diesen paar Stunden ihnen irgend etwas entgegentreten könnte, das etwas anderes ist wie in sonstigen Schulen, also auch nur eine Sensation! Aber, den Geist der Waldorfschule lernt man erkennen durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, nicht indern man um Hospitierstunden ansucht, sich hinsetzt und den Unterricht mehr oder weniger stört. Anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sich aufzunehmen, das ist eben unbequemer und weniger sensationell, als zu hospitieren, und hospitieren heißt doch im Grunde genommen, es sich bequem machen zu wollen.
[ 13 ] One could say that when such matters are tackled in earnest, people immediately shy away from them; for today, everything is viewed from an external perspective. And I would like to reiterate here something I noted recently. We founded the Waldorf School in Stuttgart. This Waldorf School was founded entirely in the spirit of anthroposophically oriented spiritual science; that is to say, a pedagogy and didactics were presented to those who had been specifically selected for this school. It is indeed the spirit that has permeated this pedagogy and didactics. Today it has even come to the point—because everything we have founded becomes a sensation—that people want to visit this Waldorf School, take a look around for a few hours, to see if, in those few hours, they might encounter something that is different from what they find in other schools—so it’s just another sensation! But one comes to recognize the spirit of the Waldorf School through anthroposophically oriented spiritual science, not by requesting to sit in on classes, sitting there, and more or less disrupting the lessons. To take in anthroposophically oriented spiritual science is simply more inconvenient and less sensational than sitting in on classes—and sitting in on classes, after all, basically means wanting to make oneself comfortable.
[ 14 ] Die Pädagogik und Didaktik, um die es sich da handelt, die rechnet mit den geistigen Welten und sie rechnet vor allen Dingen mit der Präexistenz des Menschen. Wie ist es denn mit dieser Präexistenz des Menschen? Nun, wir denken zurück an unser irdisches Geburtsjahr. Nehmen wir an, wir seien zu dieser Zeit hier (siehe Zeichnung, untere Linie) heruntergestiegen zum irdisch-physischen Leben. Kinder, die viel später geboren werden, sind während dieser Zeit noch oben gewesen in der geistigen Welt, steigen zum Beispiel erst da herab (siehe Zeichnung, obere Linie). Wir waren schon auf der Erde während der Zeit, in der diese Kinder noch oben waren. Sie bringen uns etwas mit, was erlebt worden ist in der geistigen Welt, während wir schon unten in der physischen Welt waren.
[ 14 ] The pedagogy and didactics in question take into account the spiritual worlds and, above all, the pre-existence of the human being. What, then, is the nature of this pre-existence of the human being? Well, let us think back to the year of our earthly birth. Let’s assume that at that time we had descended here (see drawing, lower line) into earthly-physical life. Children born much later were still up in the spiritual world during that time; they descend, for example, only at that point (see drawing, upper line). We were already on Earth during the time when these children were still up there. They bring us something that was experienced in the spiritual world while we were already down here in the physical world.


[ 15 ] Das kann man bewußt sehen in den Kindern, die man vor sich hat, wenn man mit Pädagogik und Didaktik unterrichtet so, wie in der Waldorfschule unterrichtet werden soll. Da soll man sich lebendig hineinstellen in den Geist des Kindes, das heißt, Praxis im alltäglichen Leben ausbilden für die Realität desjenigen, was in Vorstellungen und Ideen aus der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft heraus gegeben werden muß. Aber gerade von diesen Dingen wurden eben abgehalten die Menschen durch die traditionellen Religionsbekenntnisse, die vor allen Dingen nicht wollten, daß jene innerliche Aktivität in den Menschen großgezogen werde, die dann auch zu wirklicher Menschenerkenntnis führt und die dem Menschen beibringt die tiefe Wahrheit, daß der Ort der Götter innerhalb der menschlichen Haut selber ist.
[ 15 ] One can consciously observe this in the children before one when teaching using the pedagogy and didactics as they are intended to be practiced in a Waldorf school. One must actively immerse oneself in the spirit of the child; that is, develop practical skills in everyday life to bring to life the reality of what must be conveyed through concepts and ideas derived from anthroposophically oriented spiritual science. But it was precisely these things that people were kept from by traditional religious creeds, which, above all, did not want that inner activity to be cultivated within people—an activity that then leads to true knowledge of humanity and teaches people the profound truth that the dwelling place of the gods is within the human skin itself.
[ 16 ] Schauen wir unseren Planeten an von außen. In alledem, was sonst auf dem Planeten ist, ist kein Göttlich-Geistiges. Aus den menschenähnlichen Wesen, die darauf sind, aus ihnen leuchtet das Göttliche vom Planeten her (siehe Zeichnung). Ist es deshalb weniger am Planeten, weil es aus den Leibern der Menschen heraus leuchtet? Sie werden sich auch formalistisch befreunden können mit diesem Gedanken, wenn Sie ihn hinwegnehmen vom irdischen Leben und ihn versetzen auf einen anderen Planeten. Indem Sie hier auf der Erde stehen, werden Sie freilich finden, daß der Gedanke etwas Zwängendes und Drängendes hat, daß Sie und Ihre Mitmenschen die Träger des GöttlichGeistigen sind. Wenn Sie aber hinauflenken seelisch den Blick auf einen anderen Planeten, dann werden Sie den Gedanken schon eher fassen können, daß bei denjenigen Wesen, die dort das höchste Naturreich bilden, die Orte sind, aus denen Ihnen das Göttlich-Geistige entgegenglänzt.
[ 16 ] Let’s look at our planet from the outside. In everything else on the planet, there is nothing divine or spiritual. From the human-like beings who dwell upon it, the divine radiates from the planet (see drawing). Is it therefore any less present on the planet simply because it shines forth from the bodies of human beings? You will also be able to come to terms with this idea in a formalistic sense if you remove it from earthly life and transpose it to another planet. Standing here on Earth, however, you will certainly find that the idea has something compelling and urgent about it—that you and your fellow human beings are the bearers of the divine-spiritual. But if you turn your spiritual gaze upward toward another planet, then you will be better able to grasp the idea that the beings who constitute the highest realm of nature there are the sources from which the Divine-Spiritual shines forth toward you.


[ 17 ] Der Gedanke, den wir heute entwickelt haben, ergänzt von einer bestimmten Seite her den anderen ernsten Gedanken, den wir gestern haben vor unsere Seele treten lassen. Wir haben gestern den Gedanken vor unsere Seele treten lassen, daß im menschlichen Inneren sich entwickelt dasjenige, was die weitere Realität der Erdenentwickelung bewirken soll, was die Erdenentwickelung weitertragen soll, während es im Willen des Menschen liegt, diese Erdenentwickelung zu hindern: allein die ahrimanische Strömung aufzunehmen. Und heute setzen wir dazu den anderen Gedanken, daß ja eigentlich alles, was um uns herum ist, vergängliche äußere Natur ist, denn es stellt heute schon nur einen Überrest göttlich-geistigen Schaffens dar. Göttlich-geistiges Schaffen, das in der Gegenwart waltend ist und in dieZukunfthinein walten wird, das ist innerhalb der menschlichen Häute vorhanden; so daß es sich zwar paradox ausnimmt, aber doch wahr ist, wenn man sagt: Alles dasjenige, was Augen sehen, was Ohren hören aus der menschlichen Umgebung, das vergeht mit der Erde. Dasjenige allein, was heute lebt in den Räumen, die umschlossen werden von menschlichen Häuten, das lebt zum Jupiter hinüber, das trägt das Erdendasein in die künftigen planetarischen Entwickelungen hinein. — Man wird wieder einen Drang bekommen, nun wirklich kennenzulernen die Beziehung des Menschen zum Weltenall, wenn man die ungeheuer ernste Notwendigkeit ins Auge faßt, Menschenkenntnis zu lernen.
[ 17 ] The thought we have developed today complements, from a certain perspective, the other serious thought we allowed to arise in our souls yesterday. Yesterday we allowed the thought to arise in our souls that within the human being there develops that which is to bring about the further reality of Earth’s evolution—that which is to carry Earth’s evolution forward—while it lies within the will of the human being to hinder this evolution by embracing only the Ahrimanic current. And today we add to this the other thought that, in fact, everything around us is transitory external nature, for it already represents today only a remnant of divine-spiritual creation. Divine-spiritual creation, which is at work in the present and will continue to be at work into the future, is present within the human body; so that, although it may seem paradoxical, it is nevertheless true to say: Everything that the eyes see and the ears hear in the human environment will pass away with the Earth. Only that which lives today within the spaces enclosed by human bodies will live on into the realm of Jupiter; it is this that carries earthly existence into future planetary developments. — One will once again feel an urge to truly understand humanity’s relationship to the universe when one faces the immensely serious necessity of learning to know human nature.
[ 18 ] Der Mensch lebt ja eigentlich zwischen zwei Extremen drinnen. Wir haben diese Extreme das luziferische und das ahrimanische Extrem genannt. Wir können sie auch, ich möchte sagen, elementarischer fassen. Die Philosophen haben immer davon geredet, daß man an das Sein vom Gedanken heraus eigentlich gar nicht herankommen könne. Das ist eigentlich auch wahr; denn dasjenige, was der Mensch als das Seinsgefühl hat, woher kommt es denn eigentlich? Der Mensch existiert, bevor er durch die Empfängnis beziehungsweise durch die Geburt in das physische Erdendasein eintritt, in übersinnlichen Welten. Er kommt herunter aus übersinnlichen Welten in sein irdisches, physisches, sinnliches Dasein. Da erlebt er vor allen Dingen etwas Neues, was er in den übersinnlichen Welten nicht erlebt hat, was ihn sogleich einfaßt, wenn er heruntergestiegen ist. Das ist dasjenige, was man — aber nur repräsentativ — die Schwere, die Anziehungskraft der Erde nennen kann, was man nennen kann «Gewicht haben». Nun wissen Sie: der Ausdruck «Gewicht haben» ist eigentlich nur von der wichtigsten Erscheinung der Schwere her genommen. Denn was wir zum Beispiel als Ermüdung fühlen, ist auch etwas Ähnliches wie Gewicht haben, und was wir in unseren Gliedern fühlen, wenn wir sie bewegen, ist auch etwas, was mit dem Gewicht haben verwandt ist. Aber weil das Gewicht haben das Repräsentative daraus ist, können wir sagen: Der Mensch stellt sich in die Schwere hinein. Und im Geheimen nimmt der Mensch immer von dieser Schwere etwas wahr, wenn er irgendein Ding der Erde als real bezeichnet.
[ 18 ] Human beings actually live between two extremes. We have called these extremes the Luciferic and the Ahrimanic extremes. We can also, I would say, understand them in more elemental terms. Philosophers have always said that one cannot actually approach Being through thought alone. That is indeed true; for where does the sense of being that human beings experience actually come from? Before entering physical earthly existence through conception or birth, human beings exist in supersensible worlds. They descend from these supersensible worlds into their earthly, physical, sensory existence. There, above all else, they experience something new that they did not experience in the supersensible worlds—something that immediately envelops them once they have descended. This is what one might—though only symbolically—call the heaviness, the gravitational pull of the Earth, or what one might call “having weight.” Now you know: the expression “having weight” is actually derived only from the most important manifestation of gravity. For what we feel, for example, as fatigue is also something similar to having weight, and what we feel in our limbs when we move them is also something related to having weight. But because “having weight” is the representative aspect of this, we can say: Human beings place themselves within gravity. And secretly, human beings always perceive something of this gravity whenever they describe any earthly thing as real.
[ 19 ] Umgekehrt, wenn der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist, da ist er, so wie er hier auf der Erde mit der Schwere verbunden ist, dann verbunden mit dem Licht. Denn das Licht hat auch einen Sinn; «mit dem Licht» ist wiederum repräsentativ gebraucht, denn weil wir die meisten unserer höheren Sinneswahrnehmungen, wenn wir sehend sind, durch die Augen bekommen, sprechen wir vom Licht. Aber dasjenige, was in der Sinnesempfindung des Auges lebt als Licht, ist dasselbe, was in der Sinnesempfindung des Ohres lebt als Tönendes und sich in einzelnen Tönen kundgibt, wie sich das Licht in den einzelnen Farben kundgibt. Und so ist es auch für die anderen Sinne. Im Grunde genommen ist es die Tingierung aller Sinne, die man repräsentativ als das Licht bezeichnet, wie man die Schwere repräsentativ bezeichnet. Wir werden aufgenommen in das Äußerste der Schwere, wenn wir hinuntersteigen auf die Erde. Wir werden aufgenommen in das Äußerste des Lichtes, wenn wir uns im Tode in die Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt begeben. Und wir sind eigentlich immer eingefügt in den Mittelzustand zwischen Licht und Schwere, und jede Sinnesempfindung ist im Grunde genommen, indem wir sie hier erleben, halb Licht und halb Schwere. In dem Augenblicke, wo wir vielleicht durch Pathologisches oder durch den Traum ohne unsere Schwere erleben, erleben wir bloß Geistiges, wie eben im Traum oder im Fieberparoxysmus. Der Fieberparoxysmus besteht seelisch darinnen, daß der Mensch Erlebnisse hat, ohne daß er seine eigene Schwere damit erlebt. Dieses Gleichgewicht zwischen Schwere und Licht, in das wir hineingestellt sind, das ist für vieles, was wir hier in der Welt erleben, indem wir als Menschen geistig-physische Wesen sind, geradezu dasjenige, was mit dem Welträtsel ganz innig zusammenhängt. Aber es kommen weder die Weltenströmung, die sich auslebt in den traditionellen Religionsbekenntnissen, noch diejenige, die sich auslebt in den naturwissenschaftlichen Phantasien, zu diesem Durchbruch: von den abstrakten Begriffen hinein ins Licht, von den sinnlichen Empfindungen hinunter zur Schwere. Die Menschen sind ja blind und taub und stumpf heute geworden für diese Dinge.
[ 19 ] Conversely, when a person is between death and a new birth, just as they are connected to heaviness here on Earth, they are then connected to the light. For light, too, has a meaning; “with the light” is again used in a representative sense, because since we receive most of our higher sensory perceptions through the eyes when we are seeing, we speak of light. But what exists in the sensory perception of the eye as light is the same as what exists in the sensory perception of the ear as sound and manifests itself in individual tones, just as light manifests itself in individual colors. And so it is with the other senses as well. Essentially, it is the coloring of all the senses that is representatively referred to as light, just as heaviness is representatively referred to. We are absorbed into the utmost heaviness when we descend to the earth. We are absorbed into the utmost light when, in death, we enter the world between death and a new birth. And we are actually always situated in the middle state between light and heaviness, and every sensory perception is, in essence, as we experience it here, half light and half heaviness. At the moment when we—perhaps due to a pathological condition or a dream—experience things without our heaviness, we experience only the spiritual, as in a dream or during a feverish paroxysm. Psychologically, a feverish paroxysm consists in a person having experiences without experiencing their own heaviness in connection with them. This balance between heaviness and light, into which we are placed—precisely this is, for much of what we experience here in the world as human beings who are spiritual-physical beings, intimately connected with the mystery of the world. But neither the world current that finds expression in traditional religious creeds nor the one that finds expression in scientific fantasies leads to this breakthrough: from abstract concepts into the light, from sensory perceptions down into heaviness. People today have indeed become blind, deaf, and numb to these things.
[ 20 ] Der Mensch lebt mit der Schwere verbunden auf der Erde. Die Schwere empfindet er als ihn zur Erde ziehend (Zeichnung links).Nehmen wir einen Kristall; der gibt sich selber seine Form (Zeichnung rechts). Was ist der:n dadrinnen für eine Kraft? Dadrinnen ist dieselbe Kraft, die der Mensch fühlt, ihn hinunterdrückend, dieselbe Kraft, die der ganzen Erde die Form gibt. Nehmen Sie sie doch nur einmal da, wo die Erde Form geben kann: in der ganzen Meeresoberfläche, im Wasser; da gibt die Schwere die Form. So gibt dieselbe Kraft dem Kristall die Form. Nur wirkt sie da im Inneren. Die wissenschaftlichen Phantasien gehen darauf hin, zu sagen: Was da hinter der Materie liegt, oder in der Materie liegt, das weiß man nicht, da ist ein «Weltenrätsel». Das, was hinter der Oberfläche der Materie liegt, wir erleben es, indem wir unsere eigene Schwere erleben, denn wir sind hineingestellt in bezug auf die ganze Erde in dieselben Kräfte, die da zum Beispiel im kleinen Körper wirken und die seine einzelnen Teile zusammenhalten. Man muß eben in der Lage sein, im Großen das Kleine, im Kleinen das Große zu erkennen, nicht zu spekulieren, was da hinter der Materie stecken soll. Was über die Materie hinausgeht, das Göttlich-Geistige, das in den Wesen waltet, das muß man erkennen dadurch, daß man anfeuert dasjenige, was im Inneren angefeuert werden kann, was zu höherem innerem Erleben bringt, was zum Verständnisse bringt von Begriffen und Vorstellungen, die sich wirklich auf das beziehen, was in dem Tempel wohnt, der dargestellt wird nach alten Traditionen durch den Menschen selbst.
[ 20 ] Human beings live on Earth, connected to gravity. They perceive gravity as pulling them toward the Earth (drawing on the left). Let’s take a crystal; it gives itself its own shape (drawing on the right). What kind of force is at work inside it? Inside it is the same force that humans feel pressing them down—the same force that gives the entire Earth its shape. Just consider where the Earth can give form: across the entire surface of the sea, in the water; there, gravity gives form. In the same way, the same force gives the crystal its form. Only there, it acts from within. Scientific speculations tend to say: What lies behind matter, or within matter, is unknown; it is a “mystery of the universe.” We experience what lies behind the surface of matter by experiencing our own gravity, for in relation to the entire Earth we are placed within the same forces that act, for example, within the small body and hold its individual parts together. One must simply be able to recognize the small in the large and the large in the small, rather than speculating about what might lie behind matter. What transcends matter—the divine-spiritual that reigns within beings—must be recognized by kindling that which can be kindled within, which leads to a higher inner experience, which leads to an understanding of concepts and ideas that truly relate to what dwells in the temple, which, according to ancient traditions, is represented by the human being himself.
[ 21 ] Es ist in alten atavistischen Weistümern, wie ich oftmals hier betont habe, etwas darinnen, was man tief verehren kann. In der Gegenwart ist man dazu berufen, mit vollem Bewußtsein das wiederum aus den Tiefen des Seins herauszuholen und es zur Richtschnur des geistigen und sozialen Handelns und Lebens der Menschen zu machen.
[ 21 ] As I have often emphasized here, there is something in ancient, atavistic forms of wisdom that one can deeply revere. In the present, we are called upon to consciously bring this back from the depths of being and make it the guiding principle of people’s spiritual and social actions and lives.
