Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
8 August 1920, Dornach
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Spiritual Scientific Insight into the Fundamental Impulses of Social Organization, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Ich möchte heute einiges von dem in diesen Tagen Besprochenen dadurch vertiefen, daß ich an ein älteres Thema anknüpfe, welches eine Anzahl von Ihnen bereits kennen wird. Ich habe einmal vor Jahren über die Charakteristik der Gesamtsinnenwelt des Menschen gesprochen. Sie wissen ja, daß, wenn man von den Sinnen spricht, man in gebräuchlicher Art den Gesichtssinn, den Gehörsinn, den Geruchssinn, den Geschmackssinn und den Tastsinn aufzählt. In der letzteren Zeit sind allerdings auch einige Wissenschafter veranlaßt worden, von andern, sozusagen mehr nach dem Inneren des Menschen hin gelegenen Sinnen zu sprechen, von einem Gleichgewichtssinn und so weiter. Aber dieser ganzen Anschauung von den menschlichen Sinnen fehlt einerseits der Zusammenhang und fehlt andererseits vor allen Dingen das in sich Geschlossene. Man hat es eigentlich immer nur mit einem Teil der menschlichen Sinnesorganisation zu tun, wenn man die gebräuchlich aufgezählten Sinne ins Auge faßt. Vollständig hat man die Sinnesorganisation des Menschen erst erschöpft, wenn man zwölf Sinne ins Auge faßt. Diese zwölf Sinne wollen wir uns heute einmal zunächst, ich möchte sagen, nur aufzählend und in kurzer Charakteristik vor Augen führen.
[ 1 ] Today I would like to delve deeper into some of the topics we have been discussing recently by picking up on an older theme that many of you are already familiar with. Years ago, I once spoke about the characteristics of the human sensory world as a whole. As you know, when we speak of the senses, we customarily list the sense of sight, the sense of hearing, the sense of smell, the sense of taste, and the sense of touch. Recently, however, some scientists have also been led to speak of other senses—ones that are, so to speak, more inwardly oriented—such as a sense of balance and so on. But this entire conception of the human senses lacks, on the one hand, a sense of coherence, and, on the other hand, above all, a self-contained unity. In fact, when one considers the commonly listed senses, one is actually dealing only with a part of the human sensory system. One has only fully exhausted the human sensory system when one takes twelve senses into account. Today, let us first bring these twelve senses to mind—I would say, merely by listing them and providing a brief description.
[ 2 ] Man kann die Aufzählung und Charakteristik der Sinne irgendwo beginnen. Beginnen wir also zum Beispiel damit, daß wir den Sehsinn betrachten. Wir wollen zunächst ganz äußerlich, wie es ein jeder für sich konstatieren kann, die Charakteristik ins Auge fassen (siehe Zeichnung $. 48). Der Sehsinn vermittelt uns die Oberfläche der äußeren Körperlichkeit, die uns farbig, hell, dunkel und so weiter entgegentritt. Wir könnten in der mannigfaltigsten Weise diese Oberfläche beschreiben und würden dann dasjenige haben, was der Sehsinn vermittelt. Dringen wir nun durch die sinnliche Anschauung etwas ins Innere der äußeren Körperlichkeit, vermitteln wir uns durch unsere Sinnesorganisation dasjenige, was nicht an der Oberfläche liegt, sondern was sich mehr ins Innere des Körpers hinein fortsetzt, so muß das durch den Wärmesinn geschehen. Wiederum mehr gegen uns hergezogen, an uns gebunden, von der Oberfläche der Körperlichkeit gegen uns zugeneigt, nehmen wir Eigenschaften wahr durch den Geschmackssinn. Er liegt gewissermaßen auf der andern Seite des Sehsinnes. Wenn Sie Farben, Hell und Dunkel, und wenn Sie den Geschmack ins Auge fassen, dann werden Sie sich sagen: das was an der Oberfläche der Körperlichkeit Ihnen entgegentritt, ist etwas durch den Sehsinn Vermitteltes. Dasjenige, was in der Wechselwirkung mit Ihrem eigenen Organismus Ihnen entgegentritt, was sich gewissermaßen in der Empfindung loslöst von der Oberfläche und gegen Sie zugeht, das vermittelt der Geschmackssinn.
[ 2 ] One can begin the enumeration and characterization of the senses anywhere. So let us begin, for example, by considering the sense of sight. First, let us look at its characteristics from a purely external perspective, as anyone can observe for themselves (see Figure $. 48). The sense of sight conveys to us the surface of external physicality, which presents itself to us as colorful, light, dark, and so on. We could describe this surface in a multitude of ways and would then have what the sense of sight conveys. If we now penetrate somewhat into the interior of external physicality through sensory perception—if, through our sensory organization, we perceive that which does not lie on the surface but rather extends further into the interior of the body—this must occur through the sense of warmth. Drawn even closer to us, bound to us, and inclined toward us from the surface of physicality, we perceive qualities through the sense of taste. It lies, so to speak, on the other side of the sense of sight. When you consider colors, light and dark, and when you consider taste, you will say to yourself: what confronts you on the surface of physicality is something conveyed through the sense of sight. That which confronts you in interaction with your own organism—that which, in a sense, detaches itself from the surface in the sensation and moves toward you—is conveyed by the sense of taste.
[ 3 ] Nun stellen wir uns vor, daß Sie mehr noch in das Innere der Körperlichkeit gehen, als es durch den Wärmesinn möglich ist, daß Sie gewissermaßen nicht nur dasjenige, was die Körperlichkeit von außen durchdringt, aber allerdings im Inneren durchsetzt wie die Wärme, ins Auge fassen, sondern was innere Qualität der Körper durch ihre Wesenheit ist. Zum Beispiel: Sie hören eine metallene Platte, die Sie anschlagen, dann nehmen Sie etwas von der Substantialität dieser metallenen Platte wahr, also von dem inneren Wesen des Metallischen. Während, wenn Sie die Wärme wahrnehmen, Sie durch den Wärmesinn nur dasjenige wahrnehmen, was gewissermaßen als allgemeine Wärme die Körper durchdringt, aber dann allerdings im Inneren ist, so nehmen Sie also durch den Hörsinn dasjenige wahr, was schon mit dem inneren Wesen der Körper zusammenhängt. Gehen Sie jetzt nach der andern Seite, so bekommen Sie etwas, was der Körper auf Sie als Wirkung ausübt, was viel stärker innerlich ist als dasjenige, was wahrgenommen wird durch den Geschmackssinn. Das Riechen ist materiell viel innerlicher als das Schmecken. Das Schmecken geschieht gewissermaßen dadurch, daß die Körper uns nur berühren und dann unsere Absonderungen sich oberflächlich mit unserem Inneren vereinigen; das Riechen, das ist schon eine bedeutsame Veränderung in unserem Inneren, und die Nasenschleimhaut ist etwas, was viel innerlicher organisiert ist — natürlich materiell gemeint — als die Geschmackswerkzeuge.
[ 3 ] Now let us imagine that you go even deeper into the inner nature of physicality than is possible through the sense of warmth—that you consider, so to speak, not only that which penetrates physicality from the outside but also permeates it from within, like warmth, but rather what the inner quality of bodies is in terms of their essence. For example: You strike a metal plate; you then perceive something of the substantiality of this metal plate—that is, of the inner essence of the metallic. Whereas, when you perceive heat, through the sense of warmth you perceive only that which, so to speak, permeates bodies as general warmth—but is nevertheless present within—you thus perceive through the sense of hearing that which is already connected to the inner essence of bodies. Now, if you turn to the other side, you experience something that the body exerts on you as an effect, which is much more internal than what is perceived through the sense of taste. Smell is, in material terms, much more internal than taste. Tasting occurs, so to speak, when objects merely touch us and our secretions then combine superficially with our inner being; smelling, on the other hand, is already a significant change within us, and the nasal mucosa is something that is organized much more internally—in a material sense, of course—than the taste buds.
[ 4 ] Wenn Sie dann noch weiter in das Innere des äußeren Körperlichen eindringen, wo das äußere Körperliche schon mehr seelisch wird, dann dringen Sie ein durch den Gehörsinn in das Wesen des Metallischen, bekommen Sie gewissermaßen die Seele des Metallischen, aber Sie dringen noch tiefer, namentlich in das Äußere ein, wenn Sie nicht nur durch den Gehörsinn wahrnehmen, sondern durch den Wortesinn, durch den Sprachsinn. Es ist eine vollständige Verkennung, daß man glaubt, mit dem Gehörsinn sei auch schon dasjenige erschöpft, was der Wortesinn in sich enthält: man könnte hören, aber man brauchte noch nicht den Inhalt der Worte so wahrzunehmen, daß man ihn versteht. Es ist auch in bezug auf die organische Gliederung ein Unterschied vorhanden zwischen dem bloßen Hören des Tones und dem Wortewahrnehmen. Das Hören des Tones ist vermittelt durch das Ohr, das Wortewahrnehmen ist durch andere Organe vermittelt, welche ebenso physischer Natur sind, wie diejenigen, die den Gehörsinn vermitteln. Und wir dringen auch tiefer in das Wesen eines Äußeren ein, wenn wir es verstehen durch den Wortesinn, als wenn wir sein inneres Wesen bloß tonhaft hören.
[ 4 ] If you then penetrate even further into the innermost part of the outer physical realm—where the outer physical realm is already becoming more spiritual—you penetrate, through the sense of hearing, into the essence of the metallic realm; you, so to speak, grasp the soul of the metallic realm, but you penetrate even deeper—namely into the outer realm—when you perceive not only through the sense of hearing, but through the sense of the word, through the sense of language. It is a complete misunderstanding to believe that the sense of hearing alone exhausts what the sense of the word encompasses: one might hear, but one does not yet need to perceive the content of the words in such a way as to understand it. There is also a difference, in terms of organic structure, between the mere hearing of sound and the perception of words. Hearing a sound is mediated by the ear, whereas the perception of words is mediated by other organs, which are just as physical in nature as those that mediate the sense of hearing. And we also penetrate more deeply into the essence of an external object when we understand it through the sense of language than when we merely hear its inner essence as sound.
[ 5 ] Noch mehr nach innen gelegen, schon ganz von den Dingen abgesondert, viel mehr noch, als das beim Geruchssinn der Fall ist, ist jene Vermittlung, die wir nennen können die Vermittlung durch den Tastsinn. Wenn Sie Gegenstände betasten, so nehmen Sie ja eigentlich nur sich selber wahr. Sie betasten einen Gegenstand, der Gegenstand drückt in einer gewissen Weise stark auf Sie, weil er hart ist, oder drückt nur wenig auf Sie, weil er weich ist. Sie nehmen aber nichts vom Gegenstande wahr, sondern Sie nehmen nur das wahr, was in Ihnen selber bewirkt wird: die Veränderung in Ihnen selber. Ein harter Gegenstand schiebt Ihnen Ihre Organe weit zurück. Dieses Zurückschieben als eine Veränderung in Ihrem eigenen Organismus nehmen Sie wahr, wenn Sie durch den Tastsinn wahrnehmen. Sie sehen, indem wir uns mit dem Sinneninneren da hineinbewegen, gehen wir aus uns heraus. Wir sind zunächst wenig aus uns heraus beim Geschmackssinn, mehr aus uns heraus sind wir bei der Oberfläche der Körper, bei dem Sehsinn. Wir dringen schon in den Körper ein durch den Wärmesinn, noch mehr dringen wir ein in das Wesen durch den Hörsinn, und schon gar in das Innere des Wesens hineinergossen sind wir durch den Wortesinn. Dagegen dringen wir in unser Inneres hinein, im Geschmackssinn ist schon etwas davon vorhanden, mehr beim Geruchssinn, mehr noch beim Tastsinn. Dann aber, wenn wir noch mehr in unser Inneres eindringen, so tritt in uns ein Sinn auf, welcher eigentlich gewöhnlich schon nicht mehr genannt wird, wenigstens nicht oft genannt wird, ein Sinn, durch den wir unterscheiden, ob wir stehen oder ob wir liegen, durch den wir auch wahrnehmen, wie wir, wenn wir auf unseren zwei Beinen stehen, uns im Gleichgewichte halten. Dieses Sich-im-Gleichgewicht-Fühlen, das wird vermittelt durch den Gleichgewichtssinn. Da dringen wir also schon ganz in unser Inneres ein; wir nehmen die Beziehung unseres Inneren zur Außenwelt wahr, innerhalb welcher wir uns im Gleichgewichte fühlen. Aber wir nehmen das ganz in unserem Inneren wahr.
[ 5 ] Even more inwardly situated, already completely separated from things—much more so than is the case with the sense of smell—is that mediation which we might call mediation through the sense of touch. When you touch objects, you are actually perceiving only yourself. You touch an object; the object exerts a strong pressure on you in a certain way because it is hard, or exerts only a slight pressure because it is soft. But you do not perceive anything about the object itself; rather, you perceive only what is brought about within yourself: the change within yourself. A hard object pushes your organs far back. You perceive this pushing back—as a change within your own organism—when you perceive through the sense of touch. You see, as we move inward with the inner workings of the senses, we step outside of ourselves. We step out of ourselves only slightly with the sense of taste; we step out of ourselves more when we engage with the surface of bodies, through the sense of sight. We already penetrate the body through the sense of warmth; we penetrate the being even more deeply through the sense of hearing; and we are fully immersed in the innermost being through the sense of speech. In contrast, we penetrate into our own inner being—there is already some of this present in the sense of taste, more so in the sense of smell, and even more so in the sense of touch. But then, when we penetrate even further into our inner being, a sense arises within us that is actually rarely mentioned—at least not very often—a sense through which we distinguish whether we are standing or lying down, and through which we also perceive how we maintain our balance when standing on our two legs. This feeling of being in balance is conveyed by the sense of balance. Here, then, we are already penetrating quite deeply into our inner being; we perceive the relationship of our inner being to the external world, within which we feel ourselves to be in balance. But we perceive this entirely within our inner being.
[ 6 ] Dringen wir noch mehr in die äußere Welt hinein, mehr noch, als wir es durch den Wortesinn können, so geschieht das durch den Gedankensinn. Und es gehört, um die Gedanken des anderen Wesens wahrzunehmen, wiederum einfach ein anderes Sinnesorgan dazu, als es der bloße Wortesinn ist. Dagegen, wenn wir noch mehr in unser Inneres hineindringen, dann haben wir einen Sinn, der uns innerlich vermittelt, ob wir in der Ruhe oder ob wir in der Bewegung sind. Wir nehmen nicht nur dadurch, daß die äußeren Gegenstände an uns vorübergehen, wahr, ob wir in Ruhe oder ob wir in Bewegung sind, wir können innerlich an unserer Muskelverlängerung und -verkürzung, an der Konfiguration unseres Leibes, insofern sich diese verändert, wenn wir uns bewegen, wahrnehmen, inwiefern wir bewegt sind und so weiter. Das geschieht durch den Bewegungssinn.
[ 6 ] If we delve even deeper into the external world—deeper still than we can through the sense of words—we do so through the sense of thought. And in order to perceive the thoughts of another being, we simply need a different sense organ than the mere sense of language. In contrast, when we delve even deeper into our inner self, we have a sense that tells us internally whether we are at rest or in motion. We do not perceive whether we are at rest or in motion merely by the fact that external objects pass us by; we can perceive internally—through the lengthening and shortening of our muscles and the configuration of our body, insofar as these change when we move—to what extent we are in motion, and so on. This occurs through the sense of motion.
[ 7 ] Wenn wir Menschen gegenüberstehen, dann nehmen wir nicht nur ihre Gedanken wahr, sondern wir nehmen auch das Ich selber wahr. Und auch das Ich ist noch nicht wahrgenommen, wenn man bloß die Gedanken wahrnimmt. Gerade aus demselben Grunde, warum wir abgesondert den Hörsinn vom Sehsinn statuieren, müssen wir, wenn wir auf die feineren Gliederungen der menschlichen Organisation eingehen, auch einen besonderen Ichsinn, einen Sinn für die Ich-Wahrnehmung statuieren. Indem wir in das Ich eines andern Menschen wahrnehmend eindringen, gehen wir am meisten aus uns selber heraus.
[ 7 ] When we encounter other people, we perceive not only their thoughts but also their sense of self. And the sense of self is not yet perceived if one merely perceives their thoughts. Precisely for the same reason that we distinguish the sense of hearing from the sense of sight, we must—when we examine the finer structures of the human organism—also distinguish a special “sense of the self,” a sense for self-perception. By perceptually entering into another person’s self, we step out of ourselves the most.


[ 8 ] Wann gehen wir am meisten in uns selber hinein? Nun, wenn wir im allgemeinen Lebensgefühl dasjenige wahrnehmen, was wir im wachen Zustande immer eben als unser Bewußtsein haben, daß wir sind, daß wir uns innerlich erfühlen, daß wir wir sind. Das wird vermittelt durch den Lebenssinn.
[ 8 ] When do we turn inward the most? Well, when, in our general sense of life, we perceive that which we always experience in our waking state as our consciousness—that we are, that we feel ourselves inwardly, that we are ourselves. This is conveyed through the meaning of life.
[ 9 ] Damit habe ich Ihnen die zwölf Sinne, die das vollständige System der Sinnesorgane geben, hingeschrieben. Sie sehen nun ohne weiteres daraus, daß eine gewisse Anzahl von unseren Sinnen gewissermaßen mehr nach außen gerichtet ist, mehr darauf gerichtet ist, in die Außenwelt einzudringen. Wir können, wenn wir das Ganze (siehe Zeichnung) als den Umfang unserer Sinneswelt ansehen, sagen: Ichsinn, Gedankensinn, Wortesinn, Hörsinn, Wärmesinn, Sehsinn, Geschmackssinn, das sind die Sinne, welche mehr nach außen gerichtet sind. Dahingegen, wo wir mehr uns selbst wahrnehmen an den Dingen, wo wir mehr die Wirkungen der Dinge in uns wahrnehmen, da haben wir die andern Sinne: Lebenssinn, Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn, Tastsinn, Geruchssinn. Sie bilden mehr das Gebiet des Inneren des Menschen; es sind Sinne, welche sich nach innen öffnen und durch das Wahrnehmen des Inneren uns unser Verhältnis zum Kosmos vermitteln (siehe Zeichnung, schraffiert). So daß also, wenn wir das vollständige System der Sinne haben, wir sagen können: Wir haben sieben mehr nach außen gerichtete Sinne. Der siebente Sinn ist schon zweifelhaft: Der Geschmackssinn steht schon an der Grenze zwischen dem, was die äußeren Körper betrifft und dem, was die äußeren Körper als Wirkung auf uns ausüben. Die andern fünf Sinne sind solche Sinne, welche uns durchaus innere Vorgänge zeigen, die in uns sich abspielen, die aber Wirkungen der Außenwelt auf uns sind. Was ich nun heute an diese Sinnesgliederung, die den meisten von Ihnen bekannt sein wird, anfügen möchte, ist das Folgende.
[ 9 ] I have thus listed for you the twelve senses that make up the complete system of sensory organs. You can now readily see from this that a certain number of our senses are, so to speak, more outwardly directed, more focused on penetrating the external world. If we regard the whole (see diagram) as the scope of our sensory world, we can say: the sense of self, the sense of thought, the sense of speech, the sense of hearing, the sense of warmth, the sense of sight, and the sense of taste—these are the senses that are more directed outward. In contrast, where we perceive ourselves more in relation to things, where we perceive the effects of things within us, there we have the other senses: the sense of life, the sense of movement, the sense of balance, the sense of touch, and the sense of smell. They constitute the realm of the human inner life; they are senses that open inward and, through the perception of the inner world, convey our relationship to the cosmos (see drawing, hatched). Thus, when we consider the complete system of the senses, we can say: We have seven senses that are directed more outward. The seventh sense is already questionable: the sense of taste stands on the border between what concerns external objects and the effects those external objects have on us. The other five senses are those that reveal to us purely internal processes taking place within us, yet which are effects of the external world upon us. What I would now like to add today to this classification of the senses—which most of you will be familiar with—is the following.
[ 10 ] Sie wissen, wenn der Mensch aufsteigt von der gewöhnlichen Sinneserkenntnis zur höheren Erkenntnis, kann er es dadurch tun, daß er mit seinem Geistig-Seelischen aus seinem physischen Leib heraustritt. Dann treten die höheren Arten des Erkennens auf: Imagination, Inspiration, Intuition. Ich möchte sagen: beschreibend sind Imagination, Inspiration, Intuition ja geschildert in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» und in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber Sie werden sich leicht vorstellen können, daß wir, gerade wenn wir diese Gliederung der Sinne vor uns haben, zu einer besonderen Charakteristik dessen gelangen können, was Anschauung der höheren Welten ist. Wir dringen aus uns heraus. Über welche Grenze schreiten wir denn da? Wenn wir in uns bleiben, wenn wir in uns stecken, dann sind die Sinne unsere Grenzen; wenn wir aus uns herausdringen, dann dringen wir durch die Sinne nach außen. Es ist ganz, ich möchte sagen, selbstverständlich, daß, wenn unser Geistig-Seelisches die Leibeshülle verläßt, es durch die Sinne nach außen dringt. Wir kommen also durch die äußeren Sinne, durch den Geschmackssinn, den Sehsinn, den Wärmesinn, den Hörsinn, den Wortesinn, den Gedankensinn und den Ichsinn nach außen. Wir werden nachher sehen, wohin wir kommen, wenn wir durch die andere Grenze, wo die Sinne sich nach innen öffnen, nach innen dringen. Also wir dringen durch die Sinne nach außen, indem wir mit unserem Geistig-Seelischen gewissermaßen unsere Leibesgrenze verlassen. Da passieren wir zum Beispiel den Sehsinn nach außen: das heißt, wir dringen mit unserem GeistigSeelischen nach außen, indem wir unsere Sehwerkzeuge zurücklassen. Indem wir uns bewegen in der Welt, mit dem seelischen Auge sehend, aber die physischen Augen zurücklassend, wenn wir also gerade durch das Auge verlassen unsere Leiblichkeit, kommen wir in jene Region hinein, wo die Imagination waltet (siehe Zeichnung Seite 48).
[ 10 ] You know that when a person ascends from ordinary sensory perception to higher knowledge, they can do so by stepping out of their physical body with their spiritual and soul aspects. Then the higher forms of cognition emerge: imagination, inspiration, and intuition. I would like to say: Imagination, inspiration, and intuition are indeed described in my *Outline of Esoteric Science* and in my treatise *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*. But you can easily imagine that, precisely when we have this structure of the senses before us, we can arrive at a special characterization of what perception of the higher worlds is. We step out of ourselves. What boundary do we cross in doing so? When we remain within ourselves, when we are confined within ourselves, then the senses are our boundaries; when we step out of ourselves, then we reach outward through the senses. It is quite—I would say—self-evident that when our spiritual-soul nature leaves the physical body, it penetrates outward through the senses. We thus come outward through the external senses: the sense of taste, the sense of sight, the sense of warmth, the sense of hearing, the sense of speech, the sense of thought, and the sense of the “I.” We will see later where we end up when we penetrate inward through the other boundary, where the senses open inward. So we penetrate outward through the senses by, so to speak, leaving the boundaries of our physical body with our spiritual-soul nature. For example, we pass through the sense of sight outward: that is, we penetrate outward with our spiritual-soul nature by leaving our visual organs behind. As we move through the world, seeing with the soul’s eye but leaving the physical eyes behind—that is, when we leave our physical body precisely through the eye—we enter that region where imagination reigns (see drawing on page 48).
[ 11 ] Und wenn wir wirklich imstande sind, durch die Initiation gerade durch das Auge hinauszudringen in die geistige Welt, dann bekommen wir reine Imaginationen, Imaginationen, die, ich möchte sagen, Bilder sind, so wie der Regenbogen ein Bild ist, reine Bildimaginationen, webend und lebend im Seelisch-Geistigen. Noch tingiert mit den letzten Resten materiellen Daseins erscheinen die Bilder, wenn wir durch das Geschmacksorgan nach außen dringen. So daß wir also sagen können: Dringen wir durch das Geschmacksorgan nach außen, so sind die Imaginationen tingiert, also förmlich betupft mit Materialität. Wir bekommen nicht reine duftige Bilder wie beim Regenbogen, sondern wir bekommen etwas, was tingiert ist, was gewissermaßen im Bilde etwas wie einen letzten Rest des Materiellen enthält: wir bekommen Gespenster, richtige Gespenster, wenn wir durch das Geschmacksorgan den physischen Leib verlassen. Verläßt man durch den Wärmesinn den physischen Leib, so bekommt man die Bilder auch tingiert. Die Bilder, die sonst rein sind, ich möchte sagen, wie der Regenbogen, die erscheinen dann so, daß sie uns seelisch in einer gewissen Weise affizieren. Das macht jetzt ihre Tingierung aus. Beim Geschmacksorgan verdichtet sich gleichsam das Bild zum Gespensterhaften. Wenn wir aber durch den Wärmesinn nach außen gehen, bekommen wir allerdings auch Imaginationen, aber Imaginationen, welche seelisch wirken, welche sympathisch, antipathisch wirken, welche seelisch warm oder kalt wirken. Also die Bilder erscheinen nicht in der gleichen Weise gelassen wie die andern, sondern sie erscheinen warm oder kalt, aber seelisch warm oder kalt.
[ 11 ] And if we are truly able, through initiation, to penetrate into the spiritual world precisely through the eye, then we receive pure imaginations—imaginations that, I would say, are images, just as the rainbow is an image—pure pictorial imaginations, weaving and living within the soul-spiritual realm. When we penetrate outward through the organ of taste, the images still appear tinged with the last remnants of material existence. So we can say: When we penetrate outward through the organ of taste, the imaginations are tinged—literally dabbed with materiality. We do not receive pure, ethereal images as with the rainbow, but rather something that is tinged, something that, in a sense, contains within the image a kind of last remnant of the material: we encounter ghosts—real ghosts—when we leave the physical body through the sense of taste. If one leaves the physical body through the sense of warmth, the images are also tinged. The images, which are otherwise pure—I would say, like a rainbow—then appear in such a way that they affect us psychologically in a certain manner. That is what constitutes their tinge. Through the sense of taste, the image, as it were, condenses into something ghostly. But when we go outward through the sense of warmth, we do indeed receive imaginations as well—but imaginations that have a psychological effect, that evoke sympathy or antipathy, that feel psychologically warm or cold. So the images do not appear in the same serene manner as the others; rather, they appear warm or cold—but psychologically warm or cold.
[ 12 ] Wenn wir nun durch unser Ohr, durch den Gehörsinn unseren Leib verlassen, dann kommen wir hinaus in die geistig-seelische Welt und erleben die Inspiration. Also hier vorher (in der Zeichnung) erleben wir Imaginationen, tingiert mit seelisch Affizierendem; wenn wir durch den Gehörsinn unseren Leib verlassen, dringen wir in das Gebiet der Inspiration. Während sonst diese Sinne mehr nach außen hin gehen, dringt jetzt das, was da vom Wärmesinn zum Gehörsinn herüberkommt, wenn wir den Leib verlassen, mehr in unser seelisch-geistiges Inneres ein. Denn Inspirationen gehören mehr dem seelisch-geistigen Inneren an als Imaginationen, wir werden mehr berührt, nicht nur affektiv, sondern wir fühlen uns durchdrungen mit Inspirationen, wie wir uns leiblich durchdrungen fühlen mit der Luft, die wir eingeatmet haben, so fühlen wir uns seelisch durchdrungen mit den Inspirationen, in deren Region wir hineingelangen, wenn wir durch den Gehörsinn unseren Leib verlassen.
[ 12 ] When we leave our body through our ear, through the sense of hearing, we enter the spiritual-soul world and experience inspiration. So here before (in the drawing) we experience imaginations tinged with soul-affecting elements; when we leave our body through the sense of hearing, we enter the realm of inspiration. Whereas these senses usually tend outward, what passes from the sense of warmth to the sense of hearing when we leave the body now penetrates more deeply into our soul-spiritual inner being. For inspirations belong more to the soul-spiritual inner being than imaginations do; we are more deeply moved—not merely emotionally—but we feel permeated by inspirations, just as we feel physically permeated by the air we have inhaled; so, too, do we feel spiritually permeated by the inspirations into whose realm we enter when we leave our body through the sense of hearing.
[ 13 ] Wenn wir durch den Wortesinn, durch den Sprachsinn unseren Leib verlassen, dann tingieren sich wiederum die Inspirationen. Das ist etwas, was ganz besonders wichtig ist, daß man kennenlernt dasjenige Organ, das ebenso real da ist in der physischen Organisation, wie der Gehörsinn da ist, wenn man sich ein Gefühl erwirbt zunächst für das, was der Sprachsinn ist. Wenn man durch dieses Organ den physischen Leib mit dem Geistig-Seelischen verläßt, so tingiert sich die Inspiration mit innerlichem Erleben, mit dem Sich-Eins-Fühlen mit dem fremden Wesen.
[ 13 ] When we leave our body through the sense of the word, through the sense of language, then our inspirations take on a new character. This is something that is particularly important: to become acquainted with that organ, which is just as real within the physical organism as the sense of hearing is, by first developing a sense of what the sense of language is. When, through this organ, one leaves the physical body and enters the spiritual-soul realm, inspiration becomes imbued with inner experience—with the feeling of oneness with the foreign being.
[ 14 ] Wenn wir durch den Gedankensinn unseren Leib verlassen, dann dringen wir in das Gebiet der Intuitionen. Und wenn wir durch den Ichsinn unseren Leib verlassen, dann sind die Intuitionen tingiert mit Wesenhaftem der geistigen Außenwelt.
[ 14 ] When we leave our body through the sense of thought, we enter the realm of intuitions. And when we leave our body through the sense of the “I,” these intuitions are tinged with the essence of the spiritual external world.


[ 15 ] So dringen wir immer mehr und mehr in das Wesenhafte der geistigen Außenwelt ein, sobald wir mit unserem Geistig-Seelischen den Leib verlassen, und wir können immer hinweisen darauf, wie eigentlich das, was uns umgibt, die geistige Welt ist. Aber der Mensch ist gewissermaßen herausgedrängt aus der geistigen Welt. Was da hinter den Sinnen ist, nimmt er ja erst wahr, wenn er durch sein Geistig-Seelisches den Leib verläßt. Aber es drückt sich ab durch die Sinne: Es erscheinen uns die Intuitionen durch den Ich- und den Gedankensinn, aber nur die Abdrücke davon; die Inspirationen durch den Wortesinn und den Hörsinn, aber wiederum nur Abdrücke davon; die Imaginationen durch den Wärmesinn und den Sehsinn, und ein wenig durch den Geschmackssinn, aber abgetönt, hereingenommen, ins Sinnliche verwandelt. Schematisch könnte man die Sache so zeichnen: An der Grenze ist die Wahrnehmung der Sinneswelt (siehe Zeichnung, rot); gelangt man hinaus mit dem Geistig-Seelischen, so dringt man in die geistige Welt ein (siehe Zeichnung, gelb) durch Imagination, Inspiration und Intuition. Und das zu Imaginierende, das zu Inspirierende, zu Intuitierende, das ist da draußen. Aber indem es in uns eindringt, wird es zu unserer Sinneswelt. Sie sehen: Atome sind nicht da draußen, wie es sich die Materialisten phantasieren, sondern da draußen ist die Welt des Imaginativen, des Inspirierten, des Intuitiven. Und indem diese Welt auf uns wirkt, entstehen die Abdrücke davon in den äußeren Sinneswahrnehmungen.. Daraus sehen Sie, daß — wenn wir durch unsere Haut, welche die Sinnesorgane umschließt, gewissermaßen nach außen dringen, aber nach den verschiedenen Richtungen hin, in denen die Sinne wirken — wir dann in die objektive geistig-seelische Welt hineingelangen. Da dringen wir durch die Sinne, die wir als nach außen sich öffnend erkannt haben, in die Außenwelt ein.
[ 15 ] Thus, as soon as we leave the body with our spiritual-soul aspect, we penetrate ever more deeply into the essence of the spiritual outer world, and we can always point out how, in fact, what surrounds us is the spiritual world. But human beings are, in a sense, pushed out of the spiritual world. They only perceive what lies beyond the senses when they leave the body through their spiritual and soul nature. Yet it is reflected through the senses: intuitions appear to us through the “I” sense and the sense of thought, but only as reflections of them; inspirations through the sense of speech and the sense of hearing, but again only as reflections of them; imaginations through the sense of warmth and the sense of sight, and to a small extent through the sense of taste, but toned down, absorbed, and transformed into the sensory realm. Schematically, one could illustrate this as follows: At the boundary lies the perception of the sensory world (see diagram, red); when one ventures beyond it with the spiritual-soul aspect, one enters the spiritual world (see diagram, yellow) through imagination, inspiration, and intuition. And that which is to be imagined, inspired, or intuited is out there. But as it penetrates into us, it becomes our sensory world. You see: atoms are not out there, as the materialists imagine, but out there is the world of the imaginative, the inspired, and the intuitive. And as this world acts upon us, impressions of it arise in our external sensory perceptions. From this you can see that—when we, through our skin, which encloses the sense organs, penetrate outward, so to speak, but in the various directions in which the senses act—we then enter the objective spiritual-soul world. There, through the senses, which we have recognized as opening outward, we penetrate into the external world.
[ 16 ] Sie sehen also, daß der Mensch, wenn er durch seine Sinne in die Außenwelt dringt, wenn er die Schwelle, die, wie Sie daraus ersehen, sehr nahe ist, nach der Außenwelt hin überschreitet, er in die objektiv geistig-seelische Welt hineindringt. Das ist das, was wir durch Geisteswissenschaft zu erreichen versuchen: in diese objektive geistig-seelische Welt einzudringen. Wir kommen zu einem Höheren, indem wir durch unsere äußeren Sinne in dasjenige eindringen, was innerhalb der Sinneswelt durch einen Schleier für uns bedeckt ist.
[ 16 ] So you see that when a person penetrates the external world through their senses—when they cross the threshold into the external world, which, as you can see, is very close—they enter the objective spiritual-soul world. This is what we strive to achieve through spiritual science: to penetrate this objective spiritual-soul world. We reach a higher realm by penetrating, through our external senses, that which lies within the sensory world but is veiled from us.
[ 17 ] Wie ist es nun, wenn wir durch die inneren Sinne, den Lebenssinn, den Bewegungssinn, den Gleichgewichtssinn, den Tastsinn, den Geruchssinn in unser Inneres eindringen, wenn wir — ebenso, wie wir durch die äußeren Sinne nach außen dringen — durch diese inneren Sinne in uns eindringen? Da nimmt sich die Sache überhaupt anders aus. Schreiben wir uns noch einmal diese inneren Sinne auf: Geruchssinn, Tastsinn, Gleichgewichtssinn, Bewegungssinn, Lebenssinn. Was da eigentlich in uns vorgeht, das wird da nicht wahrgenommen. Wir nehmen im gewöhnlichen Leben eigentlich das, was im Bereiche dieser Sinne vorgeht, nicht wahr; das bleibt unterbewußt. Dasjenige, was wir im gewöhnlichen Leben durch diese Sinne wahrnehmen, ist schon heraufgestrahlt in das Seelische.
[ 17 ] What happens, then, when we penetrate into our inner being through the inner senses—the sense of life, the sense of movement, the sense of balance, the sense of touch, and the sense of smell—when we penetrate into ourselves through these inner senses, just as we penetrate outward through the outer senses? Then the situation looks entirely different. Let’s list these inner senses once more: the sense of smell, the sense of touch, the sense of balance, the sense of movement, and the sense of life. What is actually happening within us is not perceived there. In everyday life, we do not actually perceive what is happening within the realm of these senses; it remains subconscious. What we perceive through these senses in everyday life has already been projected up into the soul.


[ 18 ] Sehen Sie, wenn das die äußere geistige Welt der Imagination, Inspiration, Intuition ist (siehe Zeichnung S. 54, rot), so strahlt sie gewissermaßen auf unsere Sinne, und durch die Sinne wird vor uns hingestellt, wird die sinnliche Welt eben erzeugt. Da wird also um eine Stufe hereingeschoben die äußere Geistwelt. Was aber diese Sinne umschließt, und was da unten in der Körperlichkeit wühlt (orange), das nimmt man unmittelbar nicht wahr. So wie man unmittelbar nicht wahrnimmt die objektive äußere Geistwelt, sondern nur in ihrer Hereingeschobenheit in unsere Sinne, so nimmt man unmittelbar auch nicht das wahr, was da in unserem Körper wühlt, sondern nur das Heraufgeschobensein in das Seelische. Man nimmt gewissermaßen die seelischen Wirkungen dieser inneren Sinne wahr. Sie nehmen nicht die Vorgänge wahr, welche die Lebensvorgänge sind, sondern Sie nehmen wahr vom Lebenssinn (siehe Zeichnung Seite 48), was Gefühl ist davon, was Sie nicht wahrnehmen, wenn Sie schlafen, was Sie wahrnehmen als innere Behaglichkeit beim Wachen, als das Durchbehaglichtsein, was nur gestört ist, wenn einem irgend etwas weh tut in seinem Inneren. Da ist der Lebenssinn, der sonst als Behaglichkeit heraufstrahlt, so, daß er gestört ist, geradeso wie ein äußerer Sinn gestört ist, wenn man zum Beispiel schlecht hört. Aber im ganzen lebt sich beim gesunden Menschen der Lebenssinn als Behaglichkeit aus. Jenes Durchdrungensein von Behaglichkeit, erhöht nach einer würzigen Mahlzeit, etwas herabgestimmt beim Hunger, dieses allgemeine innerliche Sich-Fühlen, das ist die in die Seele hineingestrahlte Wirkung des Lebenssinnes.
[ 18 ] You see, if this is the outer spiritual world of imagination, inspiration, and intuition (see drawing on p. 54, in red), it radiates, as it were, onto our senses, and through the senses it is presented before us—the sensory world is thus created. So the outer spiritual world is brought in one step further. But what surrounds these senses, and what stirs down there in the physical realm (orange), is not perceived directly. Just as one does not directly perceive the objective outer spiritual world, but only as it is brought into our senses, so too one does not directly perceive what is stirring within our body, but only its emergence into the soul. One perceives, so to speak, the soul effects of these inner senses. You do not perceive the processes that are the life processes themselves, but rather you perceive—from the sense of life (see drawing on page 48)—the feeling associated with what you do not perceive when you sleep, what you perceive as inner comfort when awake, as that sense of well-being that is only disturbed when something hurts you inside. There is the sense of life, which otherwise radiates as a sense of well-being, such that it is disturbed, just as an external sense is disturbed when, for example, one’s hearing is impaired. But on the whole, in a healthy person, the sense of life manifests itself as a sense of well-being. That pervasive sense of well-being—heightened after a hearty meal, somewhat subdued when hungry—this general inner feeling is the effect of the sense of life radiating into the soul.
[ 19 ] Der Bewegungssinn (siehe Zeichnung Seite 48), dasjenige, das da in uns vorgeht, indem wir durch Verkürzung und Verlängerung unserer Muskeln wahrnehmen, ob wir gehen oder stehen, ob wir springen oder tanzen, also wodurch wir wahrnehmen, ob und wie wir in Bewegung sind, das gibt, in die Seele hineingestrahlt, jenes Freiheitsgefühl des Menschen, das ihn sich als Seele empfinden läßt: Empfindung des eigenen freien Seelischen. Daß Sie sich als eine freie Seele empfinden, das ist die Ausstrahlung des Bewegungssinnes, das ist das Hereinstrahlen der Muskelverkürzungen und Muskelverlängerungen in Ihr Seelisches, so wie die innere Behaglichkeit oder Unbehaglichkeit das Hereinstrahlen der Ergebnisse, der Erfahrungen desLebenssinnes in Ihr Seelisches ist.
[ 19 ] The sense of movement (see illustration on page 48)—that which takes place within us as we perceive, through the shortening and lengthening of our muscles, whether we are walking or standing, jumping or dancing; in other words, through which we perceive whether and how we are in motion—this, when it radiates into the soul, gives rise to that human sense of freedom that allows us to experience ourselves as souls: the sensation of one’s own free soul. That you perceive yourself as a free soul is the radiance of the sense of movement; it is the streaming into your soul of the shortening and lengthening of your muscles, just as inner comfort or discomfort is the streaming into your soul of the results and experiences of the sense of life.
[ 20 ] Wenn der Gleichgewichtssinn hereinstrahlt in das Seelische, da lösen wir schon sehr stark dieses Seelische los. Denken Sie nur einmal, wie wenig wir darauf aus sind — wenn wir nicht gerade ohnmächtig geworden sind, dann wissen wir nichts davon —, unmittelbar wirklich zu empfinden, daß wir in die Welt im Gleichgewichte hineingestellt sind. Wie empfinden wir denn, in die Seele hineingestrahlt, die Erlebnisse des Gleichgewichtssinnes? Das ist schon ganz seelisch: wir empfinden das als innere Ruhe, als jene innere Ruhe, welche macht, daß, wenn ich von da bis hierher gehe, ich doch nicht zurücklasse den, der da in meinem Körper steckt, sondern ihn mitnehme; der bleibt ruhig derselbe. Und so könnte ich durch die Luft fliegen, ich würde ruhig derselbe bleiben. Das ist dasjenige, was uns unabhängig erscheinen läßt von der Zeit. Ich lasse mich auch heute nicht zurück, sondern ich bin morgen derselbe. Dieses Unabhängigsein von der Körperlichkeit, das ist das Hineinstrahlen des Gleichgewichtssinnes in die Seele. Es ist das Sich-als-GeistFühlen.
[ 20 ] When the sense of balance shines into the soul, we are already detaching ourselves very strongly from that soul. Just think for a moment how little we are inclined—unless we have actually fainted, in which case we are unaware of it—to truly and directly sense that we are placed in the world in a state of balance. How, then, do we perceive the experiences of the sense of balance when they radiate into the soul? This is entirely a matter of the soul: we experience it as inner peace—that inner peace which ensures that when I walk from there to here, I do not leave behind the one who is there within my body, but take him with me; he remains calmly the same. And even if I were to fly through the air, I would calmly remain the same. This is what makes us appear independent of time. I do not leave myself behind today either; rather, I am the same person tomorrow. This independence from physicality is the sense of balance radiating into the soul. It is the feeling of being spirit.
[ 21 ] Noch weniger nehmen wir wahr die inneren Vorgänge des Tastsinnes. Die projizieren wir ja ganz nach außen. Wir fühlen den Körpern an, ob sie hart oder weich sind, ob sie rauh oder glatt sind, ob sie seidig sind oder wollen; wir projizieren die Erlebnisse des Tastsinnes ganz in den äußeren Raum. Eigentlich ist das, was wir im Tastsinn haben, ein inneres Erlebnis, aber was da innerlich vorgeht, das bleibt ganz im Unbewußten. Davon ist nur ein Schatten vorhanden in den Eigenschaften des Tastsinnes, die wir den Körpern zuschreiben. Aber das Organ des Tastsinnes, das macht, daß wir die Gegenstände seiden oder wollen, hart oder weich, rauh oder glatt fühlen. Das strahlt auch ins Innere herein, das strahlt in die Seele herein; nur merkt der Mensch den Zusammenhang seines seelischen Erlebnisses mit dem, was der äußere Tastsinn ertastet, nicht, weil die Dinge sich sehr differenzieren — was da ins Innere hineinstrahlt und was nach außen hin erlebt wird. Aber dasjenige, was da ins Innere hineinstrahlt, ist nichts anderes als das Durchdrungensein mit dem Gottgefühl. Der Mensch würde, wenn er keinen Tastsinn hätte, das Gottgefühl nicht haben. Was da im Tastsiinn sich als Rauheit und Glätte, Härte und Weichheit erfühlt, das ist das nach außen Strahlende; was sich zurückschlägt in der Seelenerscheinung, das ist das Durchdrungensein mit der allgemeinen Weltsubstantialität, das Durchdrungensein mit dem Sein als solchem. Wir konstatieren das Sein der äußeren Welt gerade durch den Tastsinn. Wir glauben noch nicht, wenn wir irgend etwas sehen, daß es auch im Raume vorhanden ist; wir überzeugen uns, daß es im Raume vorhanden ist, wenn der Tastsinn es ertasten kann. Dasjenige, was alle Dinge durchdringt, was auch in uns hereindringt, was Sie alle hält und trägt, diese alles durchdringende Gottsubstanz kommt ins Bewußtsein und ist, nach innen reflektiert, das Erlebnis des Tastsinnes.
[ 21 ] We are even less aware of the inner processes of the sense of touch. After all, we project these entirely outward. We use our sense of touch to determine whether objects are hard or soft, rough or smooth, silky or coarse; we project the experiences of the sense of touch entirely into external space. In reality, what we experience through the sense of touch is an inner experience, but what takes place internally remains entirely in the unconscious. Only a shadow of this is present in the qualities of the sense of touch that we attribute to objects. But it is the organ of the sense of touch that enables us to feel objects as silky or woolly, hard or soft, rough or smooth. This also radiates inward, into the soul; yet human beings do not perceive the connection between their inner experience and what the external sense of touch perceives, because the two are very distinct—what radiates inward and what is experienced outwardly. But what radiates inward is nothing other than being imbued with the sense of God. If a person had no sense of touch, they would not have this sense of God. What is felt through the sense of touch as roughness and smoothness, hardness and softness, is what radiates outward; what is reflected back in the soul’s experience is the permeation with the general substance of the world, the permeation with Being as such. We establish the existence of the external world precisely through the sense of touch. When we see something, we do not yet believe that it actually exists in space; we are convinced that it exists in space only when the sense of touch can perceive it. That which permeates all things, which also penetrates us, which holds and sustains you all—this all-pervading divine substance enters consciousness and, when reflected inward, is the experience of the sense of touch.
[ 22 ] Der Geruchssinn: seine Ausstrahlung nach außen kennen Sie. Wenn der Geruchssinn aber seine Erlebnisse nach innen strahlt, dann merkt der Mensch schon gar nicht mehr, wie diese inneren Erlebnisse mit den äußeren Erlebnissen zusammenfallen. Wenn der Mensch irgend etwas riecht, so ist das die Ausstrahlung seines Geruchssinnes nach außen; er projiziert die Bilder nach außen. Aber diese Wirkung projiziert sich auch nach innen. Der Mensch beachtet sie nur seltener als die Wirkung nach außen. Manche Leute riechen gern wohlriechende Dinge, da beobachten sie die Ausstrahlung des Geruchssinnes nach außen. Aber es gibt auch Leute, die sich dem hingeben, was da als die Wirkung des Geruchssinnes nach innen so intensiv das Innere ergreift, was nicht nur wie das Gottesgefühl den Menschen durchdringt, sondern was sich so hineinsetzt in den Menschen, daß er es als mystisches Einssein mit Gott empfindet.
[ 22 ] The sense of smell: you are familiar with how it radiates outward. But when the sense of smell radiates its experiences inward, people no longer even notice how these inner experiences coincide with their outer experiences. When a person smells something, that is the outward projection of their sense of smell; they project the images outward. But this effect is also projected inward. People simply pay less attention to it than to the outward effect. Some people enjoy smelling pleasant scents; in doing so, they observe the outward projection of the sense of smell. But there are also people who surrender to what, as the inward effect of the sense of smell, so intensely seizes their inner being—an effect that not only permeates them like the sense of God, but also takes such a deep hold within them that they experience it as a mystical oneness with God.
[ 23 ] 5. Geruchssinn = mystisches Einssein mit Gott
4. Tastsinn = Durchdrungensein mit dem Gottgefühl
3. Gleichgewichtssinn = innere Ruhe, sich als Geist fühlen
2. Bewegungssinn = Empfindung des eigenen freien Seelischen
1. Lebenssinn = Behaglichkeit
[ 23 ] 5. Sense of smell = mystical oneness with God
4. Sense of touch = being imbued with a sense of God
3. Sense of balance = inner peace, feeling oneself as spirit
2. Sense of movement = perception of one’s own free soul
1. Sense of life = comfort
[ 24 ] Sie sehen, man muß sich, wenn man die Dinge durchschaut, so wie sie wirklich in der Welt sind, von manchem sentimentalen Vorurteile losmachen. Denn manch einer wird ganz sonderbare Gefühle haben, wenn er Mystiker sein will und nun erfährt, was eigentlich dieses mystische Erlebnis im Verhältnis zur Sinneswelt ist: es ist das in das Innere der Seele einstrahlende Geruchssinn-Erlebnis.
[ 24 ] You see, if one is to see things as they really are in the world, one must free oneself from certain sentimental prejudices. For some people will have quite strange feelings when they want to be mystics and then discover what this mystical experience actually is in relation to the sensory world: it is an olfactory experience radiating into the innermost depths of the soul.
[ 25 ] Man braucht vor solchen Dingen nicht zu erschrecken, denn auch unsere Empfindungen bilden wir ja nur in der äußeren konventionellen Scheinwelt, in der Maja. Und warum sollte man denn, wenn man den Geruchssinn nicht gleich als etwas vom Höchsten betrachtet, dieses Majaurteil über den Geruchssinn beibehalten? Warum sollte man denn nicht in der Lage sein, diesen Geruchssinn in seinem höheren Aspekt zu betrachten, wo er der Schöpfer der inneren Erlebnisse des Menschen wird? Ja, die Mystiker sind manchmal arge Materialisten, sie verdammen die Materie, sie wollen sich über die Materie erheben, weil die Materie etwas so Niedriges ist, und sie erheben sich über die Materie, indem sie sich innerlich wohlgefällig den Wirkungen des Geruchssinnes nach innen hingeben.
[ 25 ] There is no need to be alarmed by such things, for even our sensations are formed only in the outer, conventional world of appearances—in Maya. And why, if one does not immediately regard the sense of smell as something of the highest order, should one maintain this Maya-based view of the sense of smell? Why shouldn’t one be able to view the sense of smell in its higher aspect, where it becomes the creator of a person’s inner experiences? Yes, mystics are sometimes terrible materialists; they condemn matter, they want to rise above matter because matter is something so base, and they rise above matter by inwardly and complacently surrendering themselves to the effects of the sense of smell.
[ 26 ] Wer für solche Dinge eine feinere Empfänglichkeit und Empfindlichkeit hat, der wird gerade bei ausgesprochenen Mystikern sympathischer Art, wie der Mechthild von Magdeburg oder der heiligen Therese oder Johannes vom Kreuz, wenn sie ihre inneren Erlebnisse beschreiben — und solche Persönlichkeiten beschreiben sehr anschaulich —, an der besonderen Art der Erlebnisse die Dinge «riechen». Mystik, auch bei Meister Eckhart oder bei Johannes Tauler, ist ebensogut, ja adäquater zu riechen, als mit Wollust durch die seelische Empfindung einzusaugen. Wenn man zum Beispiel die Beschreibung der mystischen Erlebnisse der heiligen Therese nimmt oder der Mechthild von Magdeburg, so hat man einen süßlichen Geruch in seinem Inneren, wenn man die Dinge okkult versteht. Wenn man die Mystik des Tauler, des Meister Eckhart nimmt, dann hat man so etwas von einem Geruch, wie etwa die Rautepflanze riecht, einen herben, aber nicht unsympathischen Geruch.
[ 26 ] Those who possess a finer receptivity and sensitivity to such things will, especially when it comes to outspoken mystics of a sympathetic nature—such as Mechthild of Magdeburg, Saint Teresa, or John of the Cross—be able to “smell” things through the particular nature of their experiences as they describe their inner experiences—and such figures describe them very vividly. Mysticism, even in the works of Meister Eckhart or Johannes Tauler, is just as well—indeed, more appropriately—perceived through smell as it is through the sensual absorption of spiritual sensation. If, for example, one considers the descriptions of the mystical experiences of Saint Teresa or Mechthild of Magdeburg, one senses a sweetish scent within oneself when one understands these things in an occult sense. If one considers the mysticism of Tauler or Meister Eckhart, one experiences a scent somewhat like that of the rue plant—a tart but not unpleasant scent.
[ 27 ] Kurz, das Eigentümliche, das Frappierende, das einem da entgegentritt, besteht darin, daß, wenn man sich durch die Sinne nach außen entfernt, man in eine höhere Welt hineinkommt, in eine objektiv geistige Welt. Wenn man hinuntersteigt durch Mystik, durch das Durchdrungensein mit dem Gottgefühl, durch die innere Ruhe des Sich-als-Geist-Fühlen, durch das Sich-seelisch-frei-Fühlen, durch die innere Behaglichkeit: dann kommt man in Körperlichkeit, in Materialität hinein, was ich Ihnen ja schon angedeutet habe in diesen Betrachtungen. Beim inneren Erleben kommt man, majahaft gesprochen, immer in niedrigere Regionen hinein als diejenigen, die man schon im gewöhnlichen Leben hat. Beim äußeren Sich-Erheben über die Sinne kommt man in höhere Regionen hinein. Daraus sehen Sie wohl auch, wie es darauf ankommt, daß man sich über diese Dinge keinen Illusionen hingibt, daß man vor allen Dingen sich nicht der Illusion hingibt, daß man glaubt, man dringe in eine besondere Geistigkeit ein, wenn man durch das mystische SichEinsfühlen mit dem Göttlichen in sein Inneres hineinsteigt. Nein, da steigt man nur in die Ausstrahlungen seiner Nase nach innen hinein. Und diejenigen Mystiker, die am meisten geliebt werden, die geben uns durch ihre Beschreibungen dasjenige, was sie durch die AusstrahJungen der nach innen fortgesetzten Nase in ihrem Inneren fühlen.
[ 27 ] In short, what is peculiar and striking about this is that when one moves outward through the senses, one enters a higher world—an objectively spiritual world. When one descends through mysticism, through being imbued with the sense of God, through the inner peace of feeling oneself as spirit, through feeling oneself spiritually free, through inner contentment—then one enters into physicality, into materiality, as I have already indicated to you in these reflections. In terms of inner experience, to put it in a “maya”-like way, one always enters into regions lower than those one already experiences in ordinary life. When one elevates oneself externally above the senses, one enters into higher realms. From this you can surely see how important it is not to harbor any illusions about these things—above all, not to succumb to the illusion that one is entering into a special form of spirituality when, through mystical identification with the Divine, one descends into one’s inner self. No, there one merely descends inward into the radiations of one’s own nose. And those mystics who are most beloved give us, through their descriptions, what they feel within themselves through the radiations of the nose continuing inward.
[ 28 ] Sie sehen: redet man von jenseits der Schwelle, redet man von der geistigen Welt aus über die Angelegenheiten dieser Welt, dann muß man in ganz andern Worten reden, als die Menschen es sich von dieser physischen Welt aus vorstellen. Das sollte Sie eigentlich nicht verwundern, denn Sie brauchen ja nicht erwarten, daß die geistige Welt jenseits der Schwelle eine bloße Doublette dieser physischen Welt hier sei. Solche Doubletten können Sie einzig und allein erleben, wenn Sie die Beschreibungen der höheren Welt in der Esoterik des Islam lesen, oder wenn Sie die Beschreibungen des Devachan vom Herrn Leadbeater lesen. Da haben Sie, nur ein wenig verändert, aber im Grunde genommen Doubletten von dieser Welt. Das ist den Leuten sehr behaglich. Insbesondere bei denen, welche ein gewisses Salonleben in guten Kleidern und bei sonst hinreichenden Gelüstebefriedigungen hier in der physischen Welt führen, kann man es leicht finden, daß sie auch jenen Devachansalon, in dem man sich dann aufhalten kann, wie in einer ähnlichen Weise in den Salons hier, nach ihrem Tode betreten, wie es ihnen ja auch Herr Leadbeater beschreibt. In dieser bequemen Lage ist derjenige nicht, der die Wahrheiten der geistigen Welten beschreiben muß. Der muß Ihnen sagen, daß das Durchdrungensein mit dem Gottgefühl zu der Projektion des Riechens nach innen führt, und daß der Mystiker eigentlich dem wirklichen Okkultisten nichts anderes verrät, als wie er in seinem Inneren riecht. Zur Sentimentalität ist keine Gelegenheit bei wirklicher Betrachtung der Welt von der geistigen Seite aus. Ich habe es oftmals erwähnt: Dringt man wirklich in die geistige Welt hinein, dann beginnt der Ernst in solchem Maße, daß alle Dinge selbst andere Worte bekommen müssen, als sie hier haben, und daß die Worte selbst ganz entgegengesetzte Bedeutung bekommen. In die geistige Welt eindringen, heißt nicht bloß Gespenster der hiesigen Welt beschreiben, sondern man muß sich darauf gefaßt machen, daß man vieles von dem erlebt, was das Gegenteil der physischen Welt hier ist, vor allen Dingen aber das Gegenteil des Angenehmen ist.
[ 28 ] As you can see: when one speaks of the world beyond the threshold—that is, when one speaks from the spiritual world about the affairs of this world—one must use entirely different words than people imagine from their perspective in this physical world. That shouldn’t really surprise you, for you certainly shouldn’t expect the spiritual world beyond the threshold to be a mere duplicate of this physical world here. You can experience such duplicates only when you read the descriptions of the higher world in Islamic esotericism, or when you read Mr. Leadbeater’s descriptions of Devachan. There you have, only slightly altered but essentially, duplicates of this world. People find this very comforting. Especially among those who lead a certain kind of social life here in the physical world—dressed in fine clothes and with their desires otherwise sufficiently satisfied—it is easy to find that after their death they also enter that Devachan salon, where one can then spend time in a manner similar to the salons here, just as Mr. Leadbeater describes it to them. The one who must describe the truths of the spiritual worlds is not in this comfortable position. He must tell you that being imbued with the sense of God leads to the projection of the sense of smell inward, and that the mystic actually reveals nothing to the true occultist other than what he smells within himself. There is no room for sentimentality in a genuine contemplation of the world from the spiritual perspective. I have often mentioned this: If one truly penetrates the spiritual world, then the gravity of the matter begins to such an extent that all things must take on different words than they have here, and that the words themselves take on entirely opposite meanings. To penetrate the spiritual world does not merely mean describing ghosts of this world; rather, one must be prepared to experience much that is the opposite of the physical world here—and above all, the opposite of what is pleasant.
[ 29 ] Ich wollte Ihnen diesen Gesichtspunkt heute hinstellen, um Ihnen ein mehr allgemeines Gefühl zu vermitteln von dem, was unserer Zeit wirklich notwendig ist. Wenn man hinhorcht auf das, was einem heute vom Westen entgegentönt — im Osten, und je weiter man nach dem Osten hinkommt, ist es etwas anderes —, wenn ein Gedanke in westlicher Form wiedergegeben wird, dann ist es oft so, daß man sagt: so kann man nicht im Französischen sich ausdrücken, so kann man nicht im Englischen sich ausdrücken. Je weiter man nach Westen kommt, desto mehr findet man dieses Urteil. Was bedeutet dieses Urteil aber anderes als das Hängen an dem Physischen, das schon Erstarrtsein in dem Physischen gegenüber der wirklichen Welt? Was kommt es auf Worte an? Es kommt vielmehr darauf an, daß man sich über die Worte hinaus über die Dinge verständigt. Dann aber muß man auch die Worte loslösen können von den Dingen, und man muß nicht nur die Worte loslösen können, sondern man muß sogar die in der Sinneswelt erworbenen subjektiven Empfindungen loslösen können. Wenn man den Geruchssinn als einen niederen Sinn betrachtet, so ist das ein Urteil, gewonnen aus der Sinneswelt. Und wenn man sein inneres Korrelat, die Mystik als ein Höheres betrachtet, so ist das auch ein Urteil aus der Sinneswelt. Von jenseits der Schwelle angesehen, ist die Organisation des Geruchssinnes etwas außerordentlich Bedeutendes, und die Mystik ist nicht etwas so Großartiges, wenn sie von jenseits der Schwelle angesehen wird. Denn die Mystik ist durchaus ein Produkt der materiellen, physischen Welt, sie ist nämlich die Art, wie Menschen in die geistige Welt eindringen wollen, die eigentlich materialistisch bleiben, indem sie das, was hier ist, erst recht als Materie ansehen. Das ist ihnen zu niedrig, zu materialistisch. Würden sie allerdings eindringen in das, was da draußen ist, dann kämen sie gerade in die geistige Welt, in die Hierarchien. Statt dessen aber dringen sie in ihr Inneres: da tappen sie in die volle Materie innerhalb der eigenen Haut hinein! Das kommt ihnen allerdings als der höhere Geist vor. Aber es handelt sich nicht darum, daß wir durch unsere geist-seelischen Phänomene mystisch hinunterdringen in unsere Körper, sondern es handelt sich darum, daß wir durch unsere materiellen Phänomene, durch die Phänomene der Sinneswelt hindurchdringen in die Geistwelt hinein, in die Welt der Hierarchien, in die Welt der geistigen Wesenhaftigkeiten. Nicht eher, als bis die Welt es verträgt, solche Töne anschlagen zu hören, nicht eher, als bis die Welt es verträgt, daß über die Welt ganz anders gesprochen wird als in den letzten vier Jahrhunderten, nicht eher, als bis die Welt es verträgt, daß wir auch unsere sozialen Urteile aus solchen vollständig umgewandelten Begriffen bilden, kommen wir zu Impulsen, die wiederum zu einem Aufgang führen. Wollen wir aber verbleiben in alledem, was wir uns angeeignet haben, und wollen wir daraus unser soziales Tun orientieren, dann segeln wir immer tiefer in den Niedergang hinein, dann geht es hinunter in den Niedergang des Abendlandes.
[ 29 ] I wanted to present this point of view to you today in order to give you a more general sense of what our time truly needs. When one listens to what is being said today from the West—in the East, and the further east one goes, the situation is different—when a thought is expressed in a Western form, one often finds oneself saying: “You can’t express yourself that way in French,” or “You can’t express yourself that way in English.” The farther one goes west, the more one encounters this judgment. But what does this judgment mean other than clinging to the physical, which is already a state of rigidity in the physical in relation to the real world? What do words matter? What matters, rather, is that we communicate about things beyond words. But then we must also be able to detach words from things, and we must not only be able to detach words, but we must even be able to detach the subjective sensations acquired in the sensory world. If one regards the sense of smell as a lower sense, that is a judgment derived from the sensory world. And if one regards its inner correlate—mysticism—as something higher, that, too, is a judgment derived from the sensory world. Viewed from beyond the threshold, the organization of the sense of smell is something extraordinarily significant, and mysticism is not something so magnificent when viewed from beyond the threshold. For mysticism is entirely a product of the material, physical world; it is, in fact, the way in which people—who actually remain materialistic—seek to penetrate the spiritual world by regarding what is here all the more as matter. That is too lowly, too materialistic for them. If, however, they were to penetrate into what lies out there, they would enter precisely into the spiritual world, into the hierarchies. Instead, however, they penetrate into their inner selves: there they stumble into the very heart of matter within their own skin! To them, however, this appears to be the higher spirit. But the point is not that we mystically penetrate down into our bodies through our spiritual-soul phenomena; rather, the point is that we penetrate through our material phenomena—through the phenomena of the sensory world—into the spiritual world, into the world of the hierarchies, into the world of spiritual beings. Not until the world is ready to hear such ideas expressed, not until the world is ready to accept that it is spoken of in a completely different way than in the last four centuries, not until the world is ready to accept that we also form our social judgments from such completely transformed concepts—only then will we arrive at impulses that in turn lead to an ascent. But if we wish to remain within all that we have appropriated, and if we wish to orient our social actions accordingly, then we will sail ever deeper into decline; then we will descend into the decline of the West.
[ 30 ] Worauf beruht so etwas, wie das Urteil Oswald Spenglers? Es beruht darauf, daß er ein sehr genialer Mensch ist, der aber nichts anderes denken kann als die gewöhnlichen Begriffe des Abendlandes, die man jetzt hat. Die analysiert er. Da rechnet er aus — was für diese Begriffe durchaus richtig ist —, daß mit dem Beginn des dritten Jahrtausends an die Stelle unserer Zivilisation die Barbarei getreten sein wird. Wenn man ihm von Anthroposophie redet, bekommt er einen roten Kopf, weil er es nicht ausstehen kann. Würde er verstehen, was durch die Anthroposophie in die Menschheit einziehen kann, wie sie die Menschen beleben kann, dann würde er sehen, daß einzig und allein durch sie der Niedergang abgewendet werden kann, daß man einzig und allein durch sie zu einem Aufstiege kommen kann.
[ 30 ] What is the basis for something like Oswald Spengler’s judgment? It is based on the fact that he is a very brilliant man, but one who can think of nothing other than the ordinary concepts of the Western world that we have today. He analyzes these concepts. He concludes—and this is entirely correct within the framework of these concepts—that by the beginning of the third millennium, barbarism will have replaced our civilization. If you mention anthroposophy to him, he turns red in the face because he can’t stand it. If he understood what anthroposophy can bring into humanity, how it can enliven people, then he would see that only through it can decline be averted, that only through it can we achieve an ascent.
