Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
3 September 1920, Dornach
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Spiritual Scientific Insight into the Fundamental Impulses of Social Organization, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Es handelt sich gegenüber den geisteswissenschaftlichen Bestrebungen darum, daß man dasjenige, was eingesehen werden soll, nach und nach von den verschiedensten Gesichtspunkten her kennenlernt. Man kann sagen, die Welt erwartet gerade von dem, was geisteswissenschaftlich ist, eine leichtgeschürzte Überzeugungsmöglichkeit. Allein, die ist nicht so ohne weiteres zu schaffen. Denn gegenüber den geisteswissenschaftlichen Tatsachen handelt es sich darum, daß man die Überzeugung eigentlich entwickelungsgemäß erhält. Sie beginnt mit einem gewissen Stadium, das noch schwach ist, und man lernt dann dieselben Dinge von immer neuen und neuen Gesichtspunkten kennen, und dadurch verstärkt sich immer mehr und mehr diese Überzeugung. Das ist das eine, von dem ich heute ausgehen möchte. Das andere möchte anknüpfen an verschiedenes, das ich seit Wochen hier zur Erörterung gebracht habe, anknüpfen an dasjenige, was gesagt worden ist über die Differenzierung der Menschheit über die zivilisierte Erde hin. Nur kurz lassen Sie mich einige der wesentlicheren Tatsachen andeuten, die für unsere Betrachtungen in diesen drei Tagen von einiger Wichtigkeit sind.
[ 1 ] In the humanities, the aim is to gradually come to know what is to be understood from a wide variety of perspectives. One might say that the world expects precisely from the humanities an easily accessible path to conviction. However, this cannot be achieved so easily. For when it comes to the facts of spiritual science, the point is that conviction is actually acquired in a process of development. It begins at a certain stage that is still weak, and one then comes to know the same things from ever-new perspectives, and through this, this conviction grows stronger and stronger. That is the first point I would like to take as my starting point today. The other point builds upon various topics I have brought up for discussion here over the past few weeks, building upon what has been said about the differentiation of humanity across the civilized world. Let me briefly touch on some of the more essential facts that are of some importance for our reflections over these three days.
[ 2 ] Ich habe darauf hingewiesen, in welchem Sinne der Orient die Quelle des eigentlichen Geisteslebens der Menschheit ist. Ich habe dann darauf hingewiesen, daß in mittleren Gegenden, Griechenland, Mitteleuropa, das Römische Reich — es erstreckt sich ja das, was zu sagen ist, über weite Zeiträume —, vor allen Dingen die Anlage dafür vorhanden ist, die rechtlichen, die staatlichen Begriffe zur Ausbildung zu bringen, und daß der Westen vorzugsweise daraufhin veranlagt ist, die wirtschaftlichen Begriffe zu der Gesamtzivilisation der Menschheit beizusteuern. Wenn wir nach dem Orient hinüberschauen — auch das ist ja schon erwähnt worden —, so finden wir, daß heute sein zivilisatorisches Leben im wesentlichen in der Dekadenz ist, und wir müssen, um so recht einzusehen, was der Orient eigentlich für die Gesamtzivilisation der Menschheit ist, in ältere Zeiträume zurückgehen. Von den geschichtlich erlangbaren Dokumenten, die ein Beweis dafür sind, was der Orient ist, leuchten uns ja vor allen Dingen die Veden, die Vedantaphilosophie aus dem Orient entgegen und manches andere, was aber wiederum Zeugnis ist von dem, was in noch älteren Zeiten im Orient vorhanden war. Und diese Dinge weisen darauf hin, wie aus einer ursprünglichen, ganz geistigen Veranlagung der Menschheit des Orients ein Geistesleben geboren worden ist. Dann kamen für den Orient auch die Zeiten der Verdunklung dieses Geisteslebens. Wer aber das, was heute im Orient geschieht, selbst wenn es nur noch die Karikatur des Alten ist, in richtiger Weise ins Auge zu fassen versteht, der sieht auch heute in den dekadenten Dingen noch immer die Nachwirkung des alten Geisteslebens.
[ 2 ] I have pointed out in what sense the Orient is the source of humanity’s true spiritual life. I then pointed out that in central regions—Greece, Central Europe, and the Roman Empire—which, it must be said, spans vast periods of time—the predisposition exists above all to develop legal and political concepts, and that the West is particularly inclined to contribute economic concepts to the overall civilization of humanity. When we look toward the East—as has already been mentioned—we find that its civilizational life today is essentially in a state of decadence, and in order to truly understand what the East actually represents for the overall civilization of humanity, we must go back to earlier periods. Among the historically accessible documents that bear witness to what the East is, the Vedas and the Vedanta philosophy from the East shine out most clearly to us, along with many other things that in turn bear witness to what existed in the East in even earlier times. And these things point to how a spiritual life was born from an original, entirely spiritual disposition of the people of the Orient. Then came for the Orient the times of the obscuring of this spiritual life. But anyone who knows how to view what is happening in the East today—even if it is now only a caricature of the old—in the right way will still see, even in these decadent things, the aftereffects of the old spiritual life.
[ 3 ] In einer etwas späteren Zeit hat sich über die mittleren Gegenden der Erde hin, im alten Griechenland, im alten Rom, später in jenen Gebieten, die sich vom Mittelalter ab über Europa ausgebreitet haben, entwickelt, was das eigentliche rechtliche oder staatliche Denken ist. Der Orient hatte ursprünglich kein eigentliches staatliches, hatte vor allen Dingen nicht das, was wir ein juristisches Denken nennen. Dem widerspricht auch nicht, daß es etwa Gesetzbücher gibt wie die des Hammurabi und dergleichen. Denn wer den Inhalt dieser Gesetzbücher nimmt, der wird aus dem ganzen Ton und der ganzen Haltung erkennen, daß es sich da um etwas anderes handelt als um eine Denkweise, die wir innerhalb des Abendlandes als eine juristische bezeichnen. Und im Westen ist es erst die neueste Zeit, wo sich ein eigentliches wirtschaftliches Denken entwickelt. Selbst die Wissenschaft, wie sie da getrieben wird, nimmt, wie ich ja schon ausgeführt habe, die Formen an, die eigentlich in das Wirtschaftsleben hineingehören.
[ 3 ] Somewhat later, what we might call true legal or political thought developed across the central regions of the world—in ancient Greece, in ancient Rome, and later in those areas that spread throughout Europe beginning in the Middle Ages. The Orient originally had no true state-oriented thinking; above all, it lacked what we call legal thinking. This is not contradicted by the fact that there are codices such as those of Hammurabi and the like. For anyone who examines the content of these law codes will recognize from their overall tone and attitude that they represent something different from the way of thinking we in the West describe as “legal.” And in the West, it is only in recent times that a true economic way of thinking has developed. Even science, as it is practiced there, takes on—as I have already explained—forms that actually belong to economic life.
[ 4 ] Was das orientalische Geistesleben betrifft, so ist es ja interessant, zu beobachten, wie alles das, was das Abendland bisher gehabt hat, im Grunde genommen auch Erbe des orientalischen Geisteslebens ist, allerdings in Umwandlungen. Ich habe hier einmal aufmerksam darauf gemacht, wie sehr das orientalische Geistesleben sich umgewandelt hat innerhalb Europas. Da liegt ja doch die Tatsache vor, daß jene Fähigkeiten, die im Orient gewaltet haben, eine Anschauung der unsterblichen Menschenseele hervorgetrieben haben, aber so, daß diese Unsterblichkeit mit einer Ungeburtlichkeit eben wesentlich verbunden war. Das präexistente Leben, das Leben der Seele vor diesem irdischen Leben zwischen Geburt und Tod, das war vor allen Dingen das, was für den orientalischen Geist vor der Seele, vor der Anschauung der Seele lag. Das andere ergab sich gewissermaßen als eine Konsequenz. Und daraus ergaben sich dann jene großen Zusammenhänge, die vom Abendländer ja bis heute nur geahnt werden, die man die karmischen Zusammenhänge nennen kann, die dann einen Abglanz hinterlassen haben in der griechischen Schicksalsidee, aber nur einen schwachen Abglanz. Und was ist denn eigentlich übergegangen in das Abendland, selbst von denjenigen Begriffen, durch die man das Mysterium von Golgatha zu verstehen versucht hat, was ist denn übergegangen in diese abendländische Ausbildung? Etwas, was sehr stark gefärbt ist von juristischem Denken. Es ist etwas radikal verschiedenes, wenn man auf der einen Seite betrachtet den Weg der Seele im Sinne der orientalischen Weltanschauung, wie sie aus der geistigen Welt heruntersteigt in die physische Welt, wieder hinaufsteigt in die geistige Welt, wie man da nach großen Gesichtspunkten die Schicksalszusammenhänge ins Auge faßt, und das juristische Gerichthalten über die Seele, von dem diese orientalischen Vorstellungen im Abendlande durchdrungen worden sind. Man erinnere sich nur an das gewaltige Bild Michelangelos im Vatikan, in der Sixtinischen Kapelle, man erinnere sich daran, wie da der Weltenrichter wie der universelle Jurist über die Guten und über die Bösen urteilt. Das ist ins abendländische Juristische umgesetzte orientalische Weltanschauung, das ist in keiner Weise ursprüngliche orientalische Weltanschauung. Dieses juristische Denken liegt ganz außerhalb des orientalischen Anschauens. Und je weiter fortgeschritten gerade in Mitteleuropa die Anschauung vom Geistigen ist, um so mehr lief das Geistige in das Römisch-Juristische ein.
[ 4 ] As far as Eastern spiritual life is concerned, it is indeed interesting to observe how everything the West has possessed up to now is, in essence, also a legacy of Eastern spiritual life—albeit in transformed forms. I have previously drawn attention here to the extent to which Eastern spiritual life has been transformed within Europe. The fact remains that those faculties which prevailed in the East gave rise to a conception of the immortal human soul—but in such a way that this immortality was essentially linked to a state of non-birth. The pre-existent life—the life of the soul prior to this earthly existence, between birth and death—was, above all, what lay before the soul, before the concept of the soul, in the Eastern mind. The other aspect arose, so to speak, as a consequence. And from this arose those great interconnections that Westerners, even to this day, can only intuit—what might be called karmic interconnections—which then left a faint reflection in the Greek concept of fate, but only a faint one. And what, in fact, has actually been passed on to the West—even of those concepts through which one has sought to understand the Mystery of Golgotha—what has been passed on into this Western tradition? Something that is very strongly colored by legalistic thinking. It is something radically different when, on the one hand, one considers the path of the soul in the sense of the Eastern worldview—how it descends from the spiritual world into the physical world and ascends again into the spiritual world—and how one there grasps the connections of destiny from a broad perspective, and the legal judgment of the soul—the very concept through which these Eastern ideas have permeated the West. One need only recall Michelangelo’s magnificent fresco in the Vatican, in the Sistine Chapel, and recall how the Judge of the World, like a universal jurist, passes judgment on the good and the evil. This is an Eastern worldview translated into Western legal thought; it is by no means an original Eastern worldview. This legal thinking lies entirely outside the Eastern perspective. And the more advanced the view of the spiritual realm is—particularly in Central Europe—the more the spiritual has flowed into Roman law.
[ 5 ] Also in mittleren Gegenden haben wir es vor allem zu tun mit dem, was veranlagt ist für das Juristisch-Staatliche. Nun aber ist die Zivilisation doch nicht bloß in der Weise differenziert über die Erde hin, sondern auch noch in einer andern Weise. Wenn man eingeht auf das, was der Orient geleistet hat, wenn man die besondere Nuance des Seelenlebens des Orients gerade da, wo dieses Seelenleben am größten ist, ins Auge faßt, dann findet man, daß dieses orientalische Seelenleben, trotzdem es vorzugsweise Geistiges produziert, von dem, wie gesagt, die ganze Menschheit weiterzehrte, im eminentesten Sinne instinktiv, atavistisch instinktiv ist. Es kommt heraus aus unterbewußten Imaginationen, die allerdings schon von einem gewissen Strahl des Bewußtseins übertönt sind. Aber es ist viel Unbewußtes, viel Instinktives darinnen.
[ 5 ] Thus, in temperate regions, we are primarily dealing with what is predisposed toward the legal and political. However, civilization is not merely differentiated across the globe in this way, but also in another way. When one considers the achievements of the Orient, when one takes into account the particular nuance of the spiritual life of the Orient—precisely where this spiritual life is at its greatest—one finds that this Oriental spiritual life, despite producing primarily the spiritual—from which, as I said, all of humanity has drawn sustenance—is, in the most eminent sense, instinctive, atavistically instinctive. It springs from subconscious imaginings, which are, admittedly, already overshadowed by a certain ray of consciousness. But there is much that is unconscious, much that is instinctive within it.
[ 6 ] So wird eigentlich das, was die Menschheit an geistigem Leben bisher hervorgebracht hat, so hervorgebracht, daß es hinaufweist in die höchsten Gebiete, deren die menschliche Seele teilhaftig werden kann; aber in einer Art instinktiven Höhenflugs wurden diese Gebiete erreicht. Es genügt nicht, wenn man den Begriffen oder den Bildern nachzeichnet, was der Orient ausgebildet hat, sondern man muß die besondere Art des Geistes- und Seelenlebens ins Auge fassen, durch die der Orientale gerade in seiner Blütezeit zu diesen Vorstellungen gekommen ist. Von dieser besonderen Seelenart, die ich hier auch schon charakterisiert habe, indem ich sie an das Stoffwechselleben anknüpfte, bekommt man allerdings nur eine Vorstellung, wenn man den ganzen ursprünglichen Seelenduktus von so etwas, wie die Veden und dergleichen sind, empfinden kann. Man darf eben durchaus nicht aus dem Auge verlieren, daß heute der Orient in seiner Dekadenz angekommen ist, und man dürfte zum Beispiel in keiner Weise jene mystisch-nebulose Art, die trotz seiner Größe Rabindranath Tagore auszeichnet, verwechseln mit dem, was wirklich das Wesen orientalischen Seelenlebens ist; denn Rabindranath Tagore hat allerdings dasjenige, was sich vom alten orientalischen Seelenleben bis heute herauf verpflanzt hat, aber er durchwebt es mit allen möglichen neueren westeuropäischen Koketterien und ist vor allen Dingen ein koketter Geist.
[ 6 ] Thus, what humanity has produced so far in terms of spiritual life has, in fact, been produced in such a way that it points upward toward the highest realms of which the human soul can partake; but these realms were reached in a kind of instinctive soaring. It is not enough to trace, through concepts or images, what the East has developed; rather, one must take into account the particular nature of the spiritual and soul life through which the Easterners arrived at these ideas, especially during their heyday. One can, however, only gain a sense of this particular nature of the soul—which I have already characterized here by linking it to metabolic life—if one can feel the entire original spiritual current of works such as the Vedas and the like. One must certainly not lose sight of the fact that the East has now reached a state of decadence, and one should, for example, in no way confuse that mystical, nebulous quality—which, despite his greatness, characterizes Rabindranath Tagore—with what is truly the essence of Eastern spiritual life; for Rabindranath Tagore certainly possesses what has been passed down from the ancient Eastern spiritual life to the present day, but he interweaves it with all manner of modern Western European affectations and is, above all, a coquettish spirit.
[ 7 ] Diese Dinge, die müssen nach und nach von der Geisteswissenschaft wirklich so erfaßt werden, daß man nicht bloß hingepfahlte Begriffe nimmt, sondern daß man die besondere Seelennuance, die dabei in Betracht kommt, wirklich ins Auge faßt. Also ein instinktives Geistesleben im Orient, durchwoben durch und durch von der Anschauung desjenigen, was sich als juristisch-staatliches Seelenleben entwickelt in den mittleren Gegenden. Da kommen wir dazu, daß sich das Halbinstinktive entwickelt, halbbewußt, halbinstinktiv. Es ist höchst interessant, wie, sagen wir, aus Fichtes, aus Goethes, aus Schellings, aus Hegels Seele heraus sich ein rein juristisches Denken ergibt. Es ist rein juristisch, aber es ist halb instinktiv und halb stark bewußt. Das ist zum Beispiel gerade bei Hegel das Reizvolle, dieses halb Instinktive und halb Vollbewußte. Und etwas ganz Bewußtes tritt erst auf im Westen, in der westlichen Seele, wo aus den Instinkten selber das Bewußtsein sich herausbildet — es ist das Bewußte noch instinktiv in der westlichen Seele, aber es kommt instinktiv das Bewußte heraus — in dem westlichen wirtschaftlichen Denken. So daß da zum ersten Male die Menschheit angewiesen ist, aus dem Bewußtsein heraus zu einer Durchdringung auch der öffentlichen sozialen Angelegenheiten zu kommen.
[ 7 ] These things must truly be grasped by spiritual science, step by step, in such a way that one does not merely take preconceived concepts, but actually takes into account the particular nuance of the soul that comes into play here. In other words, an instinctive spiritual life in the East, interwoven through and through with the perception of what develops as a legal-political spiritual life in the central regions. This leads us to the development of the semi-instinctive—half-conscious, half-instinctive. It is highly interesting how, let us say, a purely legal mode of thinking emerges from the souls of Fichte, Goethe, Schelling, and Hegel. It is purely legal, yet it is half instinctive and half intensely conscious. This is precisely what is so fascinating about Hegel, for example—this half-instinctive and half-fully conscious quality. And something entirely conscious first emerges in the West, in the Western soul, where consciousness develops out of the instincts themselves—it is still instinctive in the Western soul, but the conscious emerges instinctively—in Western economic thought. Thus, for the first time, humanity is called upon to use consciousness to gain insight into public and social affairs as well.
[ 8 ] Und da stellt sich denn etwas höchst Merkwürdiges heraus. Man könnte geradezu empfehlen, die Leute, denen es irgendwie darauf ankommt, sollten jetzt versuchen, die ganze Konfiguration des Denkens der zivilisierten Menschheit zu verstehen, sollten sich bekanntmachen mit den Versuchen, zu einer sozialen Denkweise zu kommen, bei den englischen Denkern, sagen wir Spencer, Bentham, namentlich Huxley und so weiter. Diese Denker wurzeln ja alle in derselben Denkatmosphäre, in der Darwin wurzelte, und sie denken alle eigentlich so, wie Darwin dachte, nur bemühen sie sich, zum Beispiel Huxley, aus ihrem naturwissenschaftlichen Denken ein soziales Denken herauszuentwikkeln. Man hat ja ein merkwürdiges Gefühl, wenn man sich so vertieft, sagen wir, in die Huxleyschen Versuche, zu einem sozialen Denken zu kommen, sagen wir über den Staat, über das rechtliche Zusammenleben der Menschen. Man hat ein eigentümliches Gefühl. Man nehme einmal folgendes an: Jemand wollte sich ein Gefühl von dem, was ich hier meine, verschaffen, und er würde zu diesem Zwecke, sagen wir, so etwas wie Hegels Buch über das Naturrecht oder die Staatswissenschaften oder Fichtes Rechtsphilosophie in die Hand nehmen oder irgend etwas anderes, auch von unbedeutenderen Geistern Mitteleuropas, und würde hinterher etwa Huxleys Versuche, aus dem naturwissenschaftlichen Denken in ein staatliches Denken hineinzukommen, lesen. Da würde man etwa folgendes erleben. Man würde sich sagen: Ja, jetzt lese ich Fichte, jetzt Hegel, das alles, das sind ausgebildete Begriffe, das sind Begriffe, die wirklich stark konturiert und intensiv gemalt sind. Und nun lese ich Huxley oder Spencer: das ist primitiv, das ist, wie wenn man eben anfangen würde, über diese Dinge nachzudenken. — Wenn man solchen Dingen gegenübersteht, kommt man nicht etwa damit aus, daß man sagt, das eine war vollkommen, das andere unvollkommen. Mit solchen Dingen kommt man überhaupt nicht aus, wenn man Realitäten gegenübersteht.
[ 8 ] And this is where something highly peculiar comes to light. One might even recommend that people for whom this is in any way important should now try to understand the entire framework of civilized humanity’s thinking, and familiarize themselves with the attempts by English thinkers—such as Spencer, Bentham, and especially Huxley, and so on—to arrive at a social way of thinking. These thinkers are all rooted in the same intellectual atmosphere as Darwin, and they all actually think the way Darwin did; it’s just that they—Huxley, for example—strive to develop a social way of thinking out of their scientific thinking. One does, in fact, have a strange feeling when one delves so deeply, say, into Huxley’s attempts to arrive at a social way of thinking—say, about the state or the legal coexistence of human beings. One has a peculiar feeling. Let us suppose the following: Someone wanted to get a sense of what I mean here, and for that purpose, let’s say, they were to pick up something like Hegel’s book on natural law or political science, or Fichte’s philosophy of law, or something else—even by the less significant minds of Central Europe—and then read, for example, Huxley’s attempts to move from scientific thinking toward political thinking. They would experience something like the following. One would say to oneself: Yes, now I’m reading Fichte, now Hegel—all of this consists of well-developed concepts, concepts that are truly sharply defined and vividly articulated. And now I’m reading Huxley or Spencer: that’s primitive; it’s as if one were just beginning to think about these things. — When faced with such things, one cannot simply get by saying that one was perfect and the other imperfect. One cannot get by with such things at all when confronted with realities.
[ 9 ] Ich will Ihnen von einem ganz andern Gebiete her eine Parallele‘ sagen. Es kann einem vorkommen, daß man über irgend etwas aus der Geisteswissenschaft heraus vorträgt, sagen wir über die vorhergehende Verkörperung der Erde, über die Mondenverkörperung. Man gibt allerlei an. Irgend jemand liest das, oder hört zu, der in ganz atavistischer Weise hellsichtig ist. Das kann eine Persönlichkeit sein, die äußerlich unlogisch ist, die im gewöhnlichen praktischen Leben keine fünf Worte in logischer Weise aneinanderreihen kann, überall tapsig ist, so daß man sie zu dem oder jenem und zu allem andern auch noch dazu nicht gebrauchen kann im gewöhnlichen Leben. Nun hört solch eine Persönlichkeit das, was man eben über die Konfiguration irgendeiner Mondenzeit sagt, und die betreffende Persönlichkeit, die im äußeren Leben dumm und ungeschickt und so ist, daß sie kaum bis fünf ordentlich zählen kann, die aber atavistisch hellsichtig ist, die kann nun das aufnehmen, was sie da gehört hat, und sie kann es erweitern, kann weiteres ausbilden, und Dinge, die nicht gesagt worden sind, dazu finden. Aber die Dinge, die diese Persönlichkeit dann dazu findet, können von einer außerordentlich scharfsinnigen Logik durchzogen sein, von einer Logik, die bewunderungswürdig ist, während die Persönlichkeit im äußeren Leben tapsig und unlogisch ist, nicht fünf Worte logisch zusammenfügen kann. Das kann durchaus sein; denn wenn jemand atavistisch hellsehend ist, so fügt seine Bilder — und die Bilder kann er selber finden — in logischer Weise nicht sein Ich zusammen, sondern es fügen sie zusammen allerlei geistige Wesenheiten, die in ihm stecken. Deren Logik lernt man dann kennen, nicht seine Logik lernt man dann kennen.
[ 9 ] I’d like to draw a parallel for you from a completely different field. It can happen that one gives a lecture on something from the field of spiritual science—let’s say, on the Earth’s previous incarnation, or on the lunar incarnation. One mentions all sorts of things. Someone who is clairvoyant in a completely atavistic way reads this or listens to it. This might be a person who appears illogical on the surface, who in ordinary practical life cannot string together five words in a logical way, who is clumsy in every respect, so that one cannot use them for this or that—or for anything else, for that matter—in ordinary life. Now such a person hears what is being said about the configuration of a particular lunar phase, and this person—who in outward life is foolish and clumsy, to the point of barely being able to count to five properly, but who is atavistically clairvoyant—can now take in what they have heard, expand upon it, develop further insights, and . But the things this person then adds may be permeated by an extraordinarily astute logic—a logic that is admirable—even though in their outward life they are clumsy and illogical, unable to string five words together logically. That is certainly possible; for when someone is atavistically clairvoyant, their images—and they can find these images themselves—are not logically pieced together by their ego, but rather by all manner of spiritual beings residing within them. It is their logic that one then comes to know, not one’s own logic.
[ 10 ] So darf man nicht so einfach sagen, das eine steht höher, das andere steht tiefer, sondern man muß überall auf den speziellen Charakter der Sache eingehen. Und so ist es auch hier. Fichtes oder Hegels oder minderer Geister juristische oder sonstige Anschauungen, die sind halb instinktiv, nur halb vollbewußt. Dasjenige, was aber da im Westen als primitives wirtschaftliches Denken auftritt, das ist nun allerdings ganz bewußt; impertinent bewußt sind solche Dinge wie diese, die von Huxley oder von Spencer oder dergleichen Leuten, aber in primitiver Weise ausgedacht werden; aber sie sind eben primitiv. Dasjenige, was früher in instinktiver Weise zutage getreten ist oder in halbinstinktiver Weise, das kommt da in bewußter Weise, aber so recht hübsch im Anfange zum Vorschein. Ich will Ihnen das an einem konkreten Beispiel verdeutlichen.
[ 10 ] One cannot simply say that one is superior and the other inferior; rather, one must take into account the specific nature of the matter in each case. And so it is here as well. The legal or other views of Fichte, Hegel, or lesser minds are only half instinctive, only half fully conscious. But what appears in the West as primitive economic thinking is, in fact, entirely conscious; things like those conceived—albeit in a primitive way—by Huxley, Spencer, or the like are impertinently conscious; yet they are, after all, primitive. What used to emerge instinctively or semi-instinctively now comes to light in a conscious manner, though quite charmingly so in the beginning. Let me illustrate this with a concrete example.
[ 11 ] Huxley sagt sich: Man betrachte die Natur — er betrachtet sie selbstverständlich im darwinistischen Sinne —, da ist Kampf ums Dasein. Jedes Wesen kämpft rücksichtslos für seine Selbsterhaltung, und das Ganze kämpft so, daß die in der Natur Stärksten übrigbleiben, indem sie die Schwächeren ausrotten. — Das ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen, dem Huxley. Das aber kann sich doch nicht in die Menschheit herauf fortpflanzen. Freiheit, wie man sie im menschlich-sozialen Leben suchen soll, gibt es in der Natur nicht, denn Freiheit kann es nicht geben, meint Huxley, in einem Reiche, wo ein jedes Wesen entweder sich rücksichtslos selbst behaupten oder sterben muß. Gleichheit kann es nicht geben da, wo die Tüchtigsten immer die andern aus der Welt schaffen müssen. Nun sieht Huxley weg von diesem Naturreiche auf das soziale Reich, und nun ist er genötigt zu sagen: Ja, aber im sozialen Reich soll das Gute herrschen, soll Freiheit herrschen; da muß also etwas eintreten, was in der Natur noch nicht gefunden werden kann.
[ 11 ] Huxley says to himself: Consider nature—he views it, of course, in the Darwinian sense—and there is a struggle for existence. Every creature fights ruthlessly for its own survival, and the whole of nature fights in such a way that the strongest survive by exterminating the weaker ones. — This has become second nature to Huxley. But surely this cannot be carried over into human society. Freedom, as one should seek it in human social life, does not exist in nature, for there can be no freedom, Huxley argues, in a realm where every creature must either ruthlessly assert itself or die. Equality cannot exist where the fittest must always eliminate the others. Now Huxley turns his gaze away from this natural realm to the social realm, and now he is compelled to say: Yes, but in the social realm, goodness must prevail, freedom must prevail; therefore, something must come into play that cannot yet be found in nature.
[ 12 ] Es ist wiederum die große Kluft, die ich schon von den verschiedensten Gesichtspunkten aus charakterisiert habe. Sehr schön nennt Huxley einmal den Menschen «the splendid rebel», den glänzenden Rebellen, der gerade, um ein menschliches Reich aufzurichten, Rebell ist gegenüber alledem, was in der Natur herrscht. Da tritt also etwas ein, was in der Natur noch nicht vorhanden ist. Aber nun denkt Huxley eigentlich wiederum naturwissenschaftlich. Da ist er genötigt, natürliche Kräfte im Menschen zu finden, welche das soziale Leben konstituieren, welche sich gegen die Natur selber auflehnen. Er will etwas Konkretes finden, was im Menschen ist und was die menschliche soziale Gemeinschaft begründet; denn die sonstigen natürlichen Kräfte der natürlichen Reiche können diese soziale Gemeinschaft nicht begründen, denn da ist Kampf ums Dasein, da ist nichts von alledem, was die Menschen in einem sozialen Zusammenhang eben zusammenhalten könnte. Und dennoch, fürHuxley gibt es ja wiederum nichts anderes als diesen natürlichen Zusammenhang. Also dieser «splendid rebel», der muß nun selber wiederum natürliche Kräfte haben, die eigentlich als Naturkräfte rebellieren gegen die allgemeinen Naturkräfte. Und da findet Huxley zwei Naturkräfte, die zugleich die Grundkräfte des sozialen Lebens sind. Die eine Naturkraft, die ist eigentlich per nefas aufgestellt, denn sie kann noch nicht eigentlich ein soziales Leben, sondern nur den Familienegoismus begründen. Es ist dasjenige, was Huxley die Familienanziehung nennt, also dasjenige, was innerhalb der Blutsverwandtschaft wirkt. Das andere aber, was er anführt, und was nun eine Art Grundlage bilden könnte, eine Naturgrundlage für das soziale Leben, das ist das, was er nennt «human instinct for mimicry», Nachahmungsbegabung des Menschen, Begabung für Nachahmung.
[ 12 ] It is, once again, the great divide that I have already characterized from a wide variety of perspectives. Huxley once beautifully refers to human beings as “the splendid rebel”—the brilliant rebel who, precisely in order to establish a human realm, rebels against everything that reigns in nature. So something emerges here that does not yet exist in nature. But here Huxley is, in fact, thinking in scientific terms once again. He is compelled to find natural forces within human beings that constitute social life—forces that rebel against nature itself. He wants to find something concrete within human beings that forms the basis of human social community; for the other natural forces of the natural realms cannot establish this social community, since there is a struggle for existence there, and none of the elements that might hold people together in a social context. And yet, for Huxley, there is, after all, nothing other than this natural context. So this “splendid rebel” must himself possess natural forces that, as forces of nature, actually rebel against the general forces of nature. And here Huxley finds two natural forces that are at the same time the fundamental forces of social life. One of these natural forces is, in fact, established in a perverse way, for it cannot yet truly establish social life, but only family egoism. It is what Huxley calls “family attraction”—that is, what operates within blood kinship. The other, however, which he cites and which could now form a kind of foundation—a natural foundation for social life—is what he calls the “human instinct for mimicry,” the human capacity for imitation.
[ 13 ] Nun haben wir etwas, was im Menschen auftritt im Sinne von Huxley: Imitationskraft. Das heißt, der eine macht es dem andern nach, und deshalb geht nicht jeder bloß seine eigenen Wege, sondern es geht die ganze Gesellschaft, das soziale Leben gewissermaßen gleiche Wege, weil es einer dem andern nachmacht. Bis hierher kommt Huxley. Es ist interessant, denn Sie wissen, wir haben aufgestellt, wenn wir den Menschen verfolgen, vom ersten bis zum siebenten Jahre das Imitationselement, vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre das Autoritätselement, und vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahre das selbständige Urteilselement. Die wirken natürlich alle mit beim sozialen Gestalten. Aber Huxley bleibt beim ersten stehen; er arbeitet sich erst aus dem Primitiven heraus. Er hat nichts anderes als das, was im Menschen eigentlich nur bis zum siebenten Lebensjahre wirkt. Nichts Geringeres liegt eigentlich vor, als daß, wenn die soziale Gemeinschaft, wie sie Huxley sich denkt, wirklich bestehen würde, sie aus lauter Kindern bestehen müßte und die Menschen immer Kinder bleiben müßten. Also die soziale Gesellschaft dieses Westens ist eigentlich erst dazu gekommen, das soziale Leben so weit zu denken, wie es für Kinder gilt. Weiter ist sie noch nicht gekommen, die mit voller Bewußtheit angestrebte Sozialwissenschaft. Das ist außerordentlich interessant.
[ 13 ] Now we have something that occurs in human beings in the sense that Huxley describes: the power of imitation. That is to say, one person imitates another, and therefore not everyone simply goes their own way; rather, society as a whole—social life, so to speak—follows similar paths because people imitate one another. This is as far as Huxley goes. It is interesting, because, as you know, we have identified that, as we trace human development, the element of imitation is present from the first to the seventh year, the element of authority from the seventh to the fourteenth year, and the element of independent judgment from the fourteenth to the twenty-first year. Naturally, all of these play a role in shaping social life. But Huxley stops at the first stage; he is only just working his way out of the primitive. He has nothing other than what actually operates in human beings only up to the age of seven. In essence, this amounts to nothing less than this: if the social community, as Huxley conceives it, were to truly exist, it would have to consist entirely of children, and people would have to remain children forever. So Western society has actually only managed to conceive of social life to the extent that it applies to children. It has not yet gone further—this social science that is consciously pursued. That is extraordinarily interesting.
[ 14 ] Da sehen Sie das Primitive an einem besonderen Element. Da arbeitet aus dem naturwissenschaftlich-wirtschaftlichen Denken heraus dieser Westen und erlangt auf bewußte Weise etwas, was im mittleren Teile auf halbbewußte Weise oder auf halbinstinktive Weise auf einer höheren Stufe erlangt worden ist. Man kann diese Dinge geradezu im einzelnen verfolgen, und sie werden interessant, wenn man sie im einzelnen verfolgt. Alle Dinge, welche die Geisteswissenschaft zutage fördert, sie können immer durch Einzelheiten verfolgt werden. Es müßte nur bei einer genügend großen Anzahl von Menschen der genügende Fleiß entstehen, wirklich die Dinge der Geisteswissenschaft im einzelnen zu verfolgen.
[ 14 ] Here you can see the primitive aspect in a particular element. This Western thinker works from a scientific and economic perspective and consciously attains something that, in the middle section, has been attained in a semi-conscious or semi-instinctive manner at a higher level. One can follow these things in great detail, and they become interesting when one does so. All the things that spiritual science brings to light can always be traced through the details. It would only require a sufficiently large number of people to develop the necessary diligence to truly follow the details of spiritual science.
[ 15 ] Ich möchte sagen: Wird man denn da nicht wie mit der Nase darauf gestoßen, daß ja nun auch noch etwas anderes da sein muß, was mitarbeitet an einer sozialen Gestaltung des Daseins? — Denn man kann doch nicht jetzt Sozietäten gründen, in denen nur diejenigen Kräfte walten, die Imitationskräfte sind; da würde man ja eigentlich nur Kinder drinnen haben können, und die Menschen müßten immerfort Kinder bleiben, wenn das Soziale nur dadurch entstünde, daß immer einer den andern nachahmt. Man muß, um nun wirklich zu etwas zu kommen, was auch wiederum Licht wirft auf das, was da primitiv versucht wird und was zusammenbringen kann Osten, Mitte und Westen, man muß von der Initiationswissenschaft ausgehen. Das heißt, wir müssen den Gedankengang, den wir jetzt versucht haben anzuknüpfen an das Vorliegende, den müssen wir jetzt anknüpfen an dasjenige, was die Initiationswissenschaft der Menschheit zu geben hat, damit diese Menschheit ein wirklich geistgemäß gestaltetes soziales Leben entwikkeln könne.
[ 15 ] I would like to say: Doesn’t this make it obvious—as if we’d stumbled right into it—that there must be something else at work here that contributes to the social shaping of existence? — After all, one cannot now found societies in which only those forces prevail that are forces of imitation; in such societies, one could really only have children, and people would have to remain children forever if the social order were to arise solely through one person constantly imitating another. In order to truly arrive at something that in turn sheds light on what is being attempted in a primitive way here—and that can bring together the East, the Center, and the West—one must start from the science of initiation. This means that we must now connect the train of thought we have just attempted to link to the present discussion with what the science of initiation has to offer humanity, so that humanity may develop a social life truly shaped by the spirit.
[ 16 ] Die Menschen beachten ja nicht, wie die Umgebung des Menschen durchsetzt ist mit ganz genau differenzierten Kräften. Nicht wahr, die heutige Wissenschaftlichkeit bringt es dahin, sich zu sagen: Luft, die ist um uns, denn wir atmen sie ein, wir atmen sie aus. — Aber dasjenige, was eigentlich im Grunde genommen fast noch klarer ist als das «Luft ist um uns» zu unserem Leben, das beachten dann die Menschen nicht. Nehmen Sie folgendes ganz Einfache, das heute sich keiner sagt, das aber eigentlich sich jeder sagen könnte. Um uns Menschen herum breitet sich ein Tierreich aus. Dieses Tierreich weist Wesen in den mannigfaltigsten Gestaltungen auf. Veranschaulichen wir uns einmal im Geiste das ganze um uns herum sich ausbreitende mannigfaltige Tierreich. Ja, wenn da ein Tisch steht, so setzt jeder voraus: da sind irgendwie Kräfte vorhanden, die diesem Tisch diese Gestalt gegeben haben. Wenn da sich das Tierreich ringsherum ausbreitet, so müßte natürlich auch jeder voraussetzen: da liegen in der Umgebung, geradeso wie die Luft da ist, diejenigen Kräfte, die den Wesen des Tierreiches diese Formen geben. Wir leben alle in demselben Reiche. Der Hund, das Pferd, der Ochs, der Esel, sie gehen ja nicht in einer andern Welt herum als in derjenigen, in der auch wir herumgehen. Und die Kräfte, die dem Esel die Eselsform geben, die wirken auch auf uns Menschen; wahrhaftig, sie wirken auch auf uns Menschen, und dennoch — verzeihen Sie, wenn man es radikal ausspricht — bekommen wir nicht die Eselsform. Es sind ja auch Elefanten in unserer Umgebung, und wir bekommen nicht die Elefantenform. Aber alle die Kräfte, die diese Formen bilden, die sind um uns herum. Warum bekommen wir denn nicht die Eselsform oder die Elefantenform? Weil wir andere Kräfte haben, die dem entgegenwirken. Wir würden die Esels- und die Elefantenform schon bekommen, wenn wir nicht andere Kräfte hätten, die dem entgegenwirken. Denn es ist schon so: wenn wir als Menschen einem Esel gegenüberstehen, da bekommt unser Ätherleib fortwährend die Tendenz, auch ein Esel zu werden. Er hat fortwährend das Bestreben, die Formen des Esels anzunehmen. Und nur dadurch, daß wir einen physischen Leib haben, der seine feste Form hat, dadurch verhindern wir unseren Ätherleib, die Eselsform anzunehmen. Und wiederum, wenn wir einem Elefanten gegenüberstehen, will unser Ätherleib die Elefantenform annehmen, und nur dadurch, daß unser physischer Leib seine feste Form hat, wird der Ätherleib verhindert, ein Elefant zu werden, und so ein Hirschkäfer oder Mistkäfer und alles will der Ätherleib werden. Die ganzen Formen sind der Anlage nach in unseren Ätherleibern, und nur dadurch können wir diese Formen verstehen, daß wir sie innerlich gewissermaßen nachzeichnen. Und unser physischer Leib verhindert uns nur, das alles zu werden. So daß wir sagen können: Das ganze Tierreich tragen wir in unserem Ätherleib eigentlich in uns. Mensch sind wir nur im physischen Leib. Das ganze Tierreich tragen wir in unserem Ätherleib in uns.
[ 16 ] People don’t really notice how the human environment is permeated by very precisely differentiated forces. Isn’t it true that today’s scientific mindset leads us to say: “Air is all around us, because we breathe it in and breathe it out.” — But what is actually, at the very core, almost even clearer than the fact that “air is all around us” in relation to our lives—that is what people fail to notice. Take the following very simple example—something no one says today, but which everyone could actually say. All around us humans, the animal kingdom spreads out. This animal kingdom comprises beings in the most diverse forms. Let us visualize in our minds the entire diverse animal kingdom spreading out around us. Yes, when there is a table standing there, everyone assumes that there are forces at work that have given this table its form. If the animal kingdom spreads out all around us, then naturally everyone must also assume that there are forces in the environment—just as the air is there—that give the creatures of the animal kingdom their forms. We all live in the same realm. The dog, the horse, the ox, the donkey—they do not, after all, move about in a world other than the one in which we, too, move about. And the forces that give the donkey its donkey-like form also act upon us humans; indeed, they do act upon us humans, and yet—forgive me for putting it so bluntly—we do not take on the form of a donkey. There are elephants in our surroundings as well, and we do not take on the form of an elephant. But all the forces that shape these forms are all around us. Why, then, do we not take on the form of a donkey or an elephant? Because we have other forces that counteract this. We would indeed take on the form of a donkey or an elephant if we did not have other forces to counteract it. For it is indeed true: when we, as human beings, stand before a donkey, our etheric body constantly tends to become a donkey as well. It constantly strives to take on the form of a donkey. And it is only because we have a physical body with its fixed form that we prevent our etheric body from taking on the form of a donkey. And again, when we stand before an elephant, our etheric body wants to take on the form of an elephant, and it is only because our physical body has its fixed form that the etheric body is prevented from becoming an elephant—and it wants to become a stag beetle or a dung beetle, and everything else as well. All these forms are latent within our etheric bodies, and we can understand them only by, so to speak, tracing them inwardly. And our physical body merely prevents us from becoming all of these things. So we can say: We actually carry the entire animal kingdom within us in our etheric body. We are human only in our physical body. We carry the entire animal kingdom within us in our etheric body.
[ 17 ] Und wiederum sind wir umflossen von demselben Kräftegebiet, welches die Pflanzenformen bildet. Geradeso wie unser Ätherleib veranlagt ist, alle Tierformen anzunehmen, so ist unser Astralleib veranlagt, alle Pflanzenformen nachzubilden. Hier wird es schon angenehmer, Vergleiche zu machen, denn der Ätherleib ist von der Tendenz beseelt, wenn er einen Esel sieht, auch ein Esel zu werden; der Astralleib will bloß die Distel werden, die der Esel frißt. Aber dieser astralische Leib ist durchaus von der Tendenz durchseelt, sich auch denjenigen Kräften zu fügen, die ihren äußeren Ausdruck finden in den Pflanzenformen. So daß wir also sagen können, der Astralleib reagiert auf den Kräftekomplex, der die Pflanzenwelt bildet.
[ 17 ] And once again, we are surrounded by the same field of force that shapes plant forms. Just as our etheric body is predisposed to take on all animal forms, so is our astral body predisposed to replicate all plant forms. Here it becomes easier to draw comparisons, for the etheric body is animated by the tendency, when it sees a donkey, to become a donkey itself; the astral body merely wants to become the thistle that the donkey eats. But this astral body is thoroughly imbued with the tendency to submit itself to those forces that find their outward expression in plant forms. So we can say that the astral body reacts to the complex of forces that constitutes the plant world.
[ 18 ] Mineralreich: da ist wiederum ein Kräftekomplex, der die verschiedenen Formen des Mineralreiches bildet. Das wirkt in unserem Ich. Bei dem Ich, da haben Sie es nun ganz offenbar, denn Sie denken ja nur das Mineralreich. Bis zum Überdruß wird es ja immer gesagt, daß man nur das Tote begreifen kann mit dem Intellekt. Also das, was im Ich ist, versteht das Tote, So daß in diesem Kräftekomplex, der das Mineralreich formt, unser Ich lebt. Der physische Leib lebt als solcher eigentlich in keinem der Reiche, der hat ein Reich für sich, das wissen Sie ja. In meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» ist Mineralreich, Pflanzen- und Tierreich für sich aufgeführt, und das bedeutet, daß der physische Menschenleib ein Reich für sich hat. Aber das Tierreich ist eigentlich dem Ätherleib, das Pflanzenreich ist aus diesem Gesichtspunkte dem astralischen Leib, das Mineral dem Ich zugeteilt, Nun wissen Sie aber etwas anderes aus meinen verschiedenen Büchern. Sie wissen, daß während des Lebens gearbeitet wird an diesen verschiedenen Leibern. Ich habe es ja ausgeführt, wie gearbeitet wird an dem Ich, an dem Astralleib, an dem Ätherleib, sogar gearbeitet wird an dem physischen Leib. Ich habe das dort zunächst ausgeführt, ich möchte sagen, in menschlich humanistischer Absicht. Wollen wir es jetzt einmal von einem andern Gesichtspunkte ausführen.
[ 18 ] The mineral kingdom: here, too, there is a complex of forces that forms the various forms of the mineral kingdom. This acts within our “I.” In the “I,” you can see it quite clearly, for you are thinking only of the mineral kingdom. It is said ad nauseam that one can comprehend only the inanimate with the intellect. So what is within the “I” understands the inanimate, so that our “I” lives within this complex of forces that forms the mineral kingdom. The physical body, as such, does not actually live in any of the kingdoms; it has a kingdom of its own, as you well know. In my *Outline of Esoteric Science*, the mineral, plant, and animal kingdoms are listed separately, and this means that the physical human body has a kingdom of its own. But the animal kingdom is actually assigned to the etheric body; from this point of view, the plant kingdom is assigned to the astral body, and the mineral kingdom to the “I.” However, you know something else from my various books. You know that work is done on these various bodies throughout life. I have, after all, explained how work is done on the “I,” on the astral body, on the etheric body—and even on the physical body. I explained this there initially, I would say, from a humanistic perspective. Let us now examine it from a different point of view.
[ 19 ] Nehmen Sie einmal die mineralischen Begriffe, die der Mensch aufnimmt. Die Außenwelt erlebt er ja so, daß er sie in mineralischen Begriffen, Formen erlebt. Nur erleuchtetere Geister wie Goethe arbeiten sich hinauf zu den Bildformen, zu der Morphologie der Pflanzen, zu der Metamorphose. Da verwandeln sich die Gestalten. Aber die gewöhnliche, heute noch bestehende Ansicht, die lebt ja nur in den festen mineralischen Formen. Aber wenn nun das Ich diese Formen ausarbeitet, wenn es sie heraufarbeitet, was wird denn dann? Ja, dann wird das geistige Leben, das bewußte Geistesleben, das eine Gebiet des dreigegliederten sozialen Organismus. Das geistige Leben ist dasjenige, was das Ich bildet, indem es sich selber innerlich bearbeitet. Alles geistige Leben ist ja innerlich bildende Bearbeitung des Ich. Was das Ich aus dem mineralischen Reich gewinnt und wiederum umbildet in Kunst, Religion, Wissenschaft und so weiter, das ist geistige Welt, das ist umgebildetes Mineralreich, geistiges Gebiet.
[ 19 ] Consider, for a moment, the mineral concepts that human beings take in. After all, they experience the external world in such a way that they perceive it in mineral concepts and forms. Only more enlightened minds, such as Goethe, work their way up to the forms of images, to the morphology of plants, to metamorphosis. There, the forms transform. But the ordinary view, which still prevails today, lives only in the fixed mineral forms. But when the “I” elaborates these forms, when it works its way up through them, what happens then? Yes, then spiritual life—conscious spiritual life—becomes one sphere of the threefold social organism. Spiritual life is what the “I” forms by working on itself internally. All spiritual life is, after all, the inner, formative work of the “I.” What the “I” draws from the mineral kingdom and in turn transforms into art, religion, science, and so on—that is the spiritual world; that is the transformed mineral kingdom, the spiritual realm.
[ 20 ] Was entsteht nun dadurch, daß der Astralleib, der ja in unterbewußten Tiefen bei den meisten Menschen ist, eigentlich immer die Tendenz hat, alle möglichen Pflanzenformen zu werden? Wenn Sie das umbilden, was da im Astralleibe lebt, wenn das in halbinstinktiver, halbbewußter Form ins Bewußtsein heraufstrahlt, was entsteht dann? Dann entsteht das Rechts- oder Staatsgebiet.
[ 20 ] What results from the fact that the astral body—which, after all, lies in the depths of the subconscious in most people—actually always has a tendency to take on all kinds of plant forms? If you transform what lives within the astral body—if it radiates up into consciousness in a semi-instinctive, semi-conscious form—what emerges? What emerges is the legal or territorial domain.
[ 21 ] Und wenn Sie dasjenige, was nun umgekehrt wird innerhalb des äußerlichen Lebens an dem, was der Mensch im Ätherleib von der Tierheit erlebt, wenn Sie das auffassen, was da von Mensch zu Mensch ist, dann bekommen Sie das dritte Gebiet des dreigliedrigen sozialen Organismus. Würden wir nur beim Ätherleib stehenbleiben, so wie er uns vorliegt von unserer Geburt her, so würden wir in diesem Ätherleib nur die Tendenz haben, bald ein Esel, bald ein Ochs, bald eine Kuh, bald ein Schmetterling, bald das oder jenes zu sein, wir würden die ganze Tierwelt nachbilden. Nun bilden wir nicht bloß die Tierwelt nach, sondern wir arbeiten den Ätherleib um als Menschen. Das tun wir im sozialen Leben, indem wir zusammenleben. Wenn wir einem Esel gegenüberstehen, will der Ätherleib ein Esel werden, wenn man einem Menschen gegenübersteht, kann man durchaus nicht, ohne eine tiefe Beleidigung auszusprechen, sagen, daß man da auch ein Esel werden wollte. Nicht wahr, wenn man einem Menschen gegenübersteht, so geht das nicht, wenigstens im normalen Leben geht es nicht, da muß man was anderes werden. Ich möchte sagen, da sieht man die Umwandlung, und da wirken diejenigen Kräfte, die im wirtschaftlichen Leben spielen. Das sind die Kräfte, wenn der Mensch dem Menschen in Brüderlichkeit gegenübersteht. In dieser Art beim brüderlich Gegenüberstehen, da wirken diejenigen Kräfte, die nun Bearbeitung des Ätherleibes sind, so daß durch die Bearbeitung des Ätherleibes das dritte Gebiet, das Wirtschaftsgebiet entsteht.
[ 21 ] And when you grasp what is now reversed within outer life—that which the human being experiences in the etheric body as part of the animal realm—when you grasp what exists there from human to human, then you arrive at the third sphere of the threefold social organism. If we were to stop at the etheric body as it is given to us from birth, we would have only the tendency within that etheric body to be now a donkey, now an ox, now a cow, now a butterfly—this or that—and we would be reenacting the entire animal world. Now, we do not merely imitate the animal world; rather, we transform the etheric body into that of a human being. We do this in social life by living together. When we stand before a donkey, the etheric body wants to become a donkey; when we stand before a human being, we certainly cannot say—without causing deep offense—that we would also like to become a donkey. Isn’t that right? When we stand before a human being, that’s not possible—at least not in normal life; there we must become something else. I would like to say that this is where we see the transformation, and this is where the forces at work in economic life come into play. These are the forces at work when human beings face one another in brotherhood. In this kind of brotherly encounter, the forces that shape the etheric body are at work, so that through the shaping of the etheric body, the third realm—the economic realm—comes into being.
Tierreich: Ätherleib Wirtschaftsgebiet
Pflanzenreich: Astralleib Rechts- oder Staatsgebiet
Mineralreich: Ich Geistiges Gebiet
Animal Kingdom: Etheric Body—Economic Sphere
Plant Kingdom: Astral Body—Legal or State Sphere
Mineral Kingdom: I—Spiritual Sphere
[ 22 ] Und so wie der Mensch durch seinen ÄÄtherleib auf der einen Seite mit dem Tierleben zusammenhängt, so hängt er auf der andern Seite, in der äußeren Umgebung, zusammen mit dem Wirtschaftsgebiet des sozialen Organismus. Wir können sagen: Da ist der Mensch nach innen, das heißt geistig, nach innen gesehen; zunächst vom physischen Leib nach dem AÄtherleib gesehen, würden wir, wenn wir hineingehen in den Menschen, das Tierreich finden. Wenn wir hinausgehen, in der Umgebung, finden wir das Wirtschaftsleben.
[ 22 ] And just as human beings are connected to the animal kingdom through their etheric body on the one hand, so on the other hand—in their external environment—they are connected to the economic sphere of the social organism. We can say: There is the human being inwardly—that is, spiritually, viewed from within; looking first from the physical body toward the etheric body, if we were to go inward into the human being, we would find the animal kingdom. If we go outward, into the environment, we find economic life.


[ 23 ] Wenn wir hineingehen in den Menschen und aufsuchen, was er durch seinen astralischen Leib ist, dann finden wir das Pflanzenreich. Draußen entspricht im sozialen Zusammenleben dem Pflanzenreich das Rechtsleben. Wenn wir hineingehen in den Menschen, finden wir dem Ich entsprechend das Mineralreich. Draußen in der Umgebung, dem Mineralreich entsprechend, das geistige Leben. So daß der Mensch in seiner Konstitution zusammenhängt mit den drei Naturreichen. Indem er an seinem ganzen Wesen arbeitet, wird er ein soziales Wesen.
[ 23 ] When we look within the human being and explore what he is through his astral body, we find the plant kingdom. Outwardly, in social life, the plant kingdom corresponds to the legal sphere. When we look within the human being, we find the mineral kingdom corresponding to the “I.” Out in the environment, corresponding to the mineral kingdom, is spiritual life. Thus, the human being is connected in his constitution to the three kingdoms of nature. By working on his entire being, he becomes a social being.
[ 24 ] Sie sehen, man kann gar nicht zu einem Verständnis des Sozialen kommen, wenn man nicht in der Lage ist, zum ÄÄtherleib, Astralleib und Ich aufzusteigen, denn man bekommt keinen Zusammenhang des Menschen mit dem Sozialen, wenn man nicht aufsteigt. Wenn man von der bloßen Naturwissenschaft ausgeht, da bleibt man stehen bei «human instinct for mimicry», beim Imitationsvermögen; man kann nicht weiter, man macht in Gedanken die ganze Welt zu einer Kinderei, weil das Kind noch am meisten natürliche Kräfte in sich hat. Will man weiter aufsteigen, dann braucht man eben die Einsicht in die Initiationswissenschaft, daß der Mensch mit dem Ätherleib zusammenhängt durch das Tierische, mit dem Astralleib durch die Pflanze, mit dem Ich durch das Mineralische, und daß er durch das, was er der Beobachtung des Mineralischen zu verdanken hat, das geistige Leben erlangt, daß er durch Umwandeln desjenigen, was er an tiefen Instinkten trägt, an Verwandtschaft hat in der Umgebung des Pflanzenreiches, das Rechts- und Staatsleben erlangt, daß dieser tiefe Instinkt dem Rechts- und Staatsleben entspricht. Daher hat das Staatsleben zunächst, wenn es nicht mit geistiger Rechtswissenschaft durchflutet ist, so viel Instinktives. Dann haben wir das Wirtschaftsgebiet, das im Grunde genommen Umwandlung jener inneren Erlebnisse ist, welche im Ätherleib erlebt werden.
[ 24 ] You see, it is impossible to gain an understanding of the social realm unless one is able to ascend to the etheric body, the astral body, and the I, for one cannot grasp the connection between the human being and the social realm without making this ascent. If one starts from the natural sciences alone, one remains stuck at the “human instinct for mimicry,” at the capacity for imitation; one cannot go further; one reduces the whole world in one’s thoughts to childish play, because the child still possesses the greatest natural forces within itself. If one wishes to ascend further, one needs precisely the insight provided by the science of initiation: that the human being is connected to the etheric body through the animal realm, to the astral body through the plant realm, and to the I through the mineral realm, and that through what he gains from observing the mineral realm, he attains spiritual life; that by transforming the deep instincts he carries—which are related to the plant kingdom—he attains legal and political life; that this deep instinct corresponds to legal and political life. That is why political life, at first, if it is not permeated by spiritual jurisprudence, has so much of an instinctive character. Then we have the economic sphere, which is essentially a transformation of those inner experiences that are lived in the etheric body.
[ 25 ] Nun werden diese Erlebnisse nicht von innen heraus etwa durch die Initiationswissenschaft gehoben, denn Huxley kommt nicht durch die Initiationswissenschaft irgendwie dazu, den Zusammenhang des Menschen mit dem Wirtschaftsleben zu ergründen, sondern er beobachtet das Äußere, er beobachtet dasjenige, was wirtschaftlich draußen da ist. Der ganze Zusammenhang: Wirtschaftsgebiet, Ätherleib, Tierreich, ist ihm unklar. Er beobachtet das, was äußerlich ist. Da kann er allerdings nicht weiterkommen als bis zu dem, was das Primitivste, das Elementarste ist, die Imitationskraft.
[ 25 ] Now, these experiences are not brought to light from within, for example through the science of initiation, because Huxley does not, through the science of initiation, come to fathom the connection between human beings and economic life; rather, he observes the external world—he observes what exists externally in the economic sphere. The entire context—the economic sphere, the etheric body, and the animal kingdom—is unclear to him. He observes what is external. However, he cannot get any further than what is most primitive, most elementary: the power of imitation.
[ 26 ] Wir sehen daraus, daß, wenn die Menschen fortfahren wollten, aus der Naturwissenschaft heraus ein soziales Denken zu gewinnen, sie steckenbleiben würden bei Absurditäten, und es würde etwas ganz Furchtbares entstehen müssen. Es müßte entstehen ein soziales Leben über die ganze Erde hin, das die allerprimitivsten Zustände brächte, das die Menschheit zurückführte auf ein kindisches Zusammenleben. Es würde nach und nach die Lüge Selbstverständlichkeit werden, aus dem einfachen Grunde, weil die Menschen ja nicht anders könnten, wenn sie es auch wollten. Sie wären dreißig, vierzig, fünfzig Jahre alt, manche sogar noch älter, aber sie würden sich verhalten müssen, wenn sie mit dem Bewußtsein nur das erfassen wollten, was aus Naturwissenschaft folgt, wie die Kinder. Sie würden nur die Imitationsinstinkte entwickeln können. Man hat ja heute wirklich vielfach das Gefühl, daß nur die Imitationsinstinkte entwickelt werden. Da sehen wir, wie irgendwo wieder eine neue Reformbewegung radikaler Art auftritt. Sie hat aber nur die Imitationsinstinkte von irgendwelchem Universitätsphilister eigentlich in sich. Und so würde sich vieles von dem, was sich heute sehr illuster ausnimmt, wenn man es mit den gebräuchlichen verlogenen Worten beleuchtet, im Lichte der Imitationsanschauung ganz anders ausnehmen. Aber so viel versteht man eigentlich heute nur von der Welt, als im Lichte der Imitationsanschauung gesehen werden kann, wenn man nicht vorschreiten will von der gewöhnlichen offiziellen Wissenschaft zu der Wissenschaft der Initiation, zu der Wissenschaft, die aus den inneren Impulsen des Dasein heraus schöpft.
[ 26 ] We can see from this that if people were to continue deriving social thought from the natural sciences, they would get bogged down in absurdities, and something truly terrible would inevitably result. A social life would emerge across the entire Earth that would bring about the most primitive conditions, leading humanity back to a childish way of living together. Little by little, the lie would become self-evident, for the simple reason that people could not do otherwise, even if they wanted to. They would be thirty, forty, fifty years old—some even older—but if they were to use their consciousness to grasp only what follows from the natural sciences, they would have to behave like children. They would be able to develop only their instincts for imitation. Indeed, one often has the feeling today that only these instincts for imitation are being developed. There we see how, once again, a new radical reform movement is emerging. Yet it actually embodies nothing more than the imitative instincts of some university philistine. And so much of what appears very illustrious today—when viewed through the lens of the usual deceptive language—would look quite different in the light of the imitative worldview. But today we actually understand only as much of the world as can be seen in the light of the perspective of imitation, unless we wish to move beyond ordinary, official science toward the science of initiation—the science that draws upon the inner impulses of existence.
[ 27 ] So habe ich Ihnen zu zeigen versucht, wie das, was der Gegenwart fehlt, das, woran sich zeigt, wo die Gegenwart steckenbleiben muß, weil sie nicht eindringen kann in die Wirklichkeit, wie das befruchtet und beleuchtet werden muß von der Initiationswissenschaft.
[ 27 ] Thus I have tried to show you how that which is lacking in the present—that which reveals where the present must come to a standstill because it cannot penetrate reality—must be enriched and illuminated by the science of initiation.
