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The Rudolf Steiner Archive

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The Spiritual Backgrounds of the Outer World
The Fall of the Spirits of Darkness
GA 201

24 April 1920, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Ich möchte zunächst einige Bemerkungen, die im Laufe der letzten Betrachtungen vorgekommen sind, in einer gewissen Form heute wieder vorbringen. Sie wissen, daß die Zugehörigkeit des Menschen zum ganzen Weltenall älteren Erkenntnisrichtungen viel näher gelegen hat als unserer Gegenwart. Wenn wir zurückgehen würden noch in die ägyptisch-chaldäische Kulturperiode, so würden wir finden, daß in jener Kulturperiode, also selbst auch nur im zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, der Mensch sich nicht gefühlt hat wie ein abgesondertes Wesen, das hier auf dem Erdball herumläuft, sondern wie ein Wesen, das zu der ganzen sichtbaren Welt gehört. Der Mensch wußte, daß er in einer gewissen Weise allerdings abhängig ist von der Erde. Das ist ja leicht wahrzunehmen. Das ist etwas, was selbst das Zeitalter des Materialismus nicht ableugnet, denn das Zeitalter des Materialismus gibt ja auch zu, daß der Mensch in bezug auf seinen physischen Stoffwechsel abhängig ist von den Produkten der Erde, die er in sich aufnimmt. Der Mensch der Vorzeit wußte sich aber — allerdings mit einem atavistischen Erkennen — in bezug auf sein Seelisches abhängig auf der einen Seite von den Elementen Feuer, Wasser, Luft, und auf der andern Seite von den Planetenbewegungen. Das bezog er ebenso auf sein Seelisches, wie er die Produkte der Erde auf seinen physischen Stoffwechsel bezog. Und er bezog dasjenige, was im Sternenhimmel ist außer dem unmittelbaren Planetensystem, auf seinen Geist.

[ 1 ] I would like to begin by revisiting today, in a certain way, some remarks that have come up in the course of our recent reflections. As you know, older schools of thought viewed humanity’s connection to the entire universe as much more immediate than we do today. If we were to go back even to the Egyptian-Chaldean cultural period, we would find that in that period—that is, even as late as the second millennium B.C.—human beings did not feel themselves to be separate beings wandering here on Earth, but rather beings who belonged to the entire visible world. Human beings knew that, in a certain sense, they were indeed dependent on the earth. This is, after all, easy to perceive. It is something that even the age of materialism does not deny, for the age of materialism also admits that, in terms of their physical metabolism, human beings are dependent on the products of the earth that they take into their bodies. But the human being of ancient times knew—albeit with an atavistic awareness—that, in regard to his soul life, he was dependent on the one hand on the elements of fire, water, and air, and on the other hand on the movements of the planets. He related this to his soul life just as he related the products of the earth to his physical metabolism. And they related what is in the starry sky beyond the immediate planetary system to their spirit.

[ 2 ] So also wußte sich der Mensch in Zeitaltern, in denen von Materialismus nicht die Rede sein konnte, im Schoße des ganzen Weltenalls. Sie können nun fragen: Ja, wie kommt es denn, daß dazumal der Mensch in bezug auf die Bewegungen der Himmelskörper in einem so gewaltigen Irrtum war, während er heute im materialistischen Zeitalter es so herrlich weit gebracht hat, gerade mit Bezug auf diese äußeren Vorgänge des Weltenalls das Richtige zu wissen? Nun, wir haben schon einige Zeit von diesen Dingen gesprochen und darauf hingewiesen, daß ja der Mensch heute durchaus an die Bewegungen, die ihm von der sogenannten Wissenschaft für die Sternenwelt vorgeschrieben werden, auch nur aus gewissen Vorurteilen heraus glaubt. Davon wollen wir dann morgen noch ein Weiteres sprechen. Jetzt aber wollen wir vor allen Dingen einmal darauf sehen, wie ja den Menschen der Gegenwart ganz und gar verlorengegangen ist ein Bewußtsein davon, daß dasjenige, was zum ganzen Menschen gehört, ja nicht gefunden werden kann in der irdischen Welt, so wenig als in der sichtbaren Sternenwelt. Es ist doch nicht möglich, eine richtige Anschauung zu gewinnen auch über die sichtbare Sternenwelt, wenn man nicht zu dem äußerlich-physischen Leben das Überphysische in der Betrachtung hinzufügt, das ja der Mensch durchzumachen hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Darauf haben wir ja bereits auch gestern wiederum hingewiesen, wie die Gesamtmetamorphose des Menschen in diesem Wechsel zwischen irdischem Leben und überirdischem Leben drinnensteht; wie diejenigen Organe, die wit heute als die des niederen Menschen betrachten, die Organe, von denen wir gestern sagten, daß sie sich nach innen öffnen, wie diese sich umbilden in bezug auf ihre Kräfte — selbstverständlich nicht in bezug auf ihre Substanz — in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und zu dem sogenannten edleren Organ, zu dem Kopforgan werden. Unser physischer Kopf, er ist ja in der Tat nichts weiter in bezug auf seine Kraftstruktur, als die Umbildung des sogenannten niederen Menschen aus dem vorigen Erdenleben.

[ 2 ] Thus, in ages when materialism was unthinkable, humankind knew itself to be in the bosom of the entire universe. You may now ask: Well, how is it that back then, humanity was so profoundly mistaken regarding the movements of the celestial bodies, whereas today, in the materialistic age, it has made such remarkable progress in knowing the truth precisely about these external processes of the universe? Well, we have been speaking about these things for some time now and have pointed out that people today believe in the movements of the starry world—as prescribed to them by so-called science—solely out of certain prejudices. We will speak more about this tomorrow. But for now, let us first and foremost consider how people today have completely lost any awareness that what belongs to the whole human being cannot be found in the earthly world any more than in the visible world of the stars. After all, it is not possible to gain a true understanding even of the visible world of the stars unless one adds to the consideration of outward, physical life the supersensible realm that human beings must pass through between death and a new birth. We pointed this out again yesterday, noting how the entire metamorphosis of the human being is embedded in this transition between earthly life and the super-earthly life; how those organs that we today regard as belonging to the lower human being—the organs of which we said yesterday that they open inward—how these are transformed in terms of their powers—not, of course, in terms of their substance—during the time between death and a new birth, and become the so-called nobler organ, the head organ. Our physical head is, in fact, nothing more—in terms of its structure of forces—than the transformation of the so-called lower human being from the previous earthly life.

[ 3 ] Wenn wir dies uns wirklich vor Augen führen, so können wir ja zunächst im Geiste darauf hinschauen, wie zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Mensch einen gewissen Inhalt seines Erlebens hat, wie er einen Inhalt hier hat zwischen der Geburt und dem Tode. Aber diese Inhalte seines Erlebens sind wesentlich andere. Wenn wir uns schematisch klar machen wollen, worinnen der Unterschied besteht, so können wir sagen: Wenn hier (Tafel 15, Mitte oben) der Mensch ist zwischen der Geburt und dem Tode, so hat der Mensch den Umkreis zu seinen Erlebnissen, den räumlichen Umkreis und dasjenige, was in der Zeit verläuft; das hat er zu seinen Erlebnissen. Sie wissen ja, daß zum allergeringsten Teile der Mensch hier auf dieser Erde sein eigenes inneres Leben zum wirklichen Erlebnis hat. Die inneren Vorgänge des Organismus werden ja nicht erlebt. Sie wissen von dem, was um Sie ist. Von dem, was innerhalb der Haut ist, ist dem Menschen unmittelbar ja nichts bekannt, denn die Bekanntschaft, welche uns Anatomie und Physiologie liefern, die kann ja nicht als wirkliche Bekanntschaft gerechnet werden, denn sie ist durchaus so, daß wir ja in das wirkliche Innere durch die entsprechenden Untersuchungen doch nicht hineinschauen. Nur eine Illusion kann glauben, daß man in das Innere wirklich hineinschaut. Und nur Geisteswissenschaft kann nach und nach dieses Innere wirklich enthüllen.

[ 3 ] If we truly bring this to mind, we can first consider in our minds how, between death and a new birth, a human being has a certain content to their experience, just as they have a content here between birth and death. But these contents of their experience are fundamentally different. If we want to clarify schematically what the difference consists of, we can say: When a human being is here (Plate 15, center top) between birth and death, the scope of their experiences includes the spatial surroundings and that which unfolds over time; this is the scope of their experiences. You know, of course, that only to a very small extent does a human being here on Earth actually experience his or her own inner life. The inner processes of the organism are not actually experienced. You are aware of what is around you. As for what lies beneath the skin, human beings have no direct knowledge of it, for the knowledge provided by anatomy and physiology cannot be counted as true knowledge, since it is by no means such that we actually look into the true inner being through the corresponding examinations. Only an illusion can lead one to believe that one is truly looking into the inner world. And only spiritual science can gradually reveal this inner world in its true form.

Blackboard DrawingBlackboard Drawing

[ 4 ] Aber wie ist es in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Da müssen wir uns sagen, wir schauen in einer gewissen Weise von der Peripherie nach dem Zentrum (Tafel 15, rechts oben). Da wissen wir so wenig von der Peripherie, wie wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod von dem Zentrum, von unserem Innern wissen. Dafür aber schauen wir während dieser Zeit die Geheimnisse, die Mysterien des Menschen selber. Dasjenige, was verborgen ist in unserem Innern innerhalb unserer Haut, das schauen wir als unsere Erfahrung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 4 ] But what is it like in the time between death and a new birth? We must tell ourselves that, in a certain sense, we are looking from the periphery toward the center (Plate 15, top right). We know as little about the periphery as we do about the center—our inner self—during the life between birth and death. Instead, during this time, we behold the secrets, the mysteries of the human being itself. That which is hidden within us, beneath our skin—that is what we experience between death and a new birth.

[ 5 ] Sie werden vielleicht sagen, dann sei diese Welt doch eine furchtbar kleine, die wir da schauen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber auf die räumliche Größe kommt es eben nicht an. Es kommt auf die Reiche oder Armut des Inhaltes an, nicht auf die räumliche Größe. Gerade das muß uns immer wieder und wieder zum Bewußtsein kommen, daß es auf die Reiche oder Armut des Inhaltes ankommt. Wenn Sie alles zusammennehmen, was Sie im mineralischen Reiche, im pflanzlichen, im tierischen Reiche, im Reiche der Wälder und Berge, im Reich der Gestirne hier von der Erde aus wahrnehmen, so ist das noch nicht zu vergleichen an Reichtum mit dem, was der Mensch selbst in seinem Innern an Mysterien enthält.

[ 5 ] You might say, then, that this world we see—between death and a new birth—is a terribly small one. But it is not the spatial size that matters. What matters is the richness or poverty of its content, not its spatial size. We must constantly remind ourselves that it is the richness or poverty of its content that matters. If you take everything you perceive here on Earth—in the mineral, plant, and animal kingdoms; in the realm of forests and mountains; and in the realm of the stars—it still cannot be compared in richness to the mysteries that human beings themselves contain within.

[ 6 ] Der wirkliche Vorgang ist etwa der, daß wir die Strukturkräfte des Hauptes verlieren, wenn wir durch den Tod gehen. Die haben ihre Dienste getan. Dagegen werden diejenigen Strukturkräfte aufgenommen von der geistigen Welt, welche eben Strukturkräfte sind des übrigen Organismus. Und sie werden aus den inneren Erlebnissen, die jetzt die peripherischen Erlebnisse sind, so umgewandelt, daß, nachdem die Zeit dafür reif geworden ist, aus der geistigen Welt herein das Haupt des Menschen im Leibe der Mutter determiniert wird.

[ 6 ] What actually happens is that we lose the structural forces of the head when we pass through death. They have served their purpose. In contrast, the spiritual world absorbs those structural forces that are, in fact, the structural forces of the rest of the organism. And they are transformed from the inner experiences—which are now peripheral experiences—in such a way that, when the time is ripe, the human head is determined from the spiritual world and formed within the mother’s body.

[ 7 ] Sie müssen sich durchaus klar darüber sein, daß das, was als der erste Anfang des Prozesses der Menschwerdung im Leibe der Mutter vor sich geht, ein Ergebnis ist des ganzen Kosmos. In der Befruchtung wird nur Veranlassung dazu gegeben, daß eine gewisse Wirkung von dem Kosmos in einen Menschenleib herein geschieht. Und dasjenige, was zuerst bei der Menschenbildung entsteht, ist durchaus ein Abbild des ganzen Kosmos. Wer studieren will den Embryo von seinen ersten Stadien an, der muß studieren diesen Embryo als ein Abbild des ganzen Kosmos. Das sind die Dinge, die heute fast ganz übersehen werden.

[ 7 ] You must be fully aware that what takes place in the mother’s womb as the very beginning of the process of becoming human is a result of the entire cosmos. Conception merely provides the impetus for a certain effect from the cosmos to enter a human body. And what first arises in the formation of the human being is indeed a reflection of the entire cosmos. Anyone who wishes to study the embryo from its earliest stages must study it as a reflection of the entire cosmos. These are the things that are almost entirely overlooked today.

[ 8 ] Worauf schaut man denn eigentlich heute, wenn man von Menschenentstehung im physischen Sinne spricht? Man schaut auf die Vererbungslinie. Man sieht, wie in dem Elternorganismus der Kindesorganismus sich bildet und weiß nicht, daß in dem Elternorganismus tätig sind die kosmischen Kräfte, die außer uns sind in unserer Umgebung, weit hinaus in das Weltenall reichend, daß der ganze Makrokosmos seine Kräfte spendet in das Menschenwesen, damit ein neues Menschenwesen entstehen könne.

[ 8 ] What do people actually focus on today when they speak of human development in the physical sense? They focus on the hereditary line. We see how the child’s organism forms within the parent’s organism, yet we are unaware that at work within the parent’s organism are the cosmic forces that exist outside of us in our surroundings, reaching far out into the universe—that the entire macrocosm bestows its forces upon the human being so that a new human being may come into being.

[ 9 ] Das ist ja überhaupt der Fehler unserer Weltenbetrachtung von heute, daß wir nirgends hinschauen auf den Makrokosmos, daß wir uns niemals bewußt werden, worin die Kräfte liegen, die wir beobachten. Sehen Sie, ich muß doch noch einmal auf dieses zurückkommen: Der heutige Physiker oder Chemiker sagt, es gibt Moleküle; die Moleküle bestehen aus Atomen (Tafel 16, links oben). Die Atome haben Kräfte, durch die sie aufeinander wirken. Das ist eine Vorstellung, die eigentlich ganz und gar nicht der Wirklichkeit entspricht. In Wahrheit ist es beim kleinsten Molekül so, daß auf dieses Molekül der ganze Sternenhimmel wirkt. Nehmen wir an, hier wäre ein Planet, dort wäre ein Planet und so weiter (Kreislein der Zeichnung rechts), dann Fixsterne. Die Fixsterne senden Kräfte herein. Diese Kräfte, die hereingesendet werden, schneiden sich in der mannigfaltigsten Weise, bilden Schnittpunkte. Die Planeten senden auch ihre Kräfte herein, die sich schneiden, so daß in diesem Molekül überall nichts anderes ist als die Zusammenfassung der Kräfte des Makrokosmos. Es ist die Sehnsucht der heutigen Wissenschaft, endlich die Mikroskopie so weit zu treiben, daß man die Atome in einem Molekül betrachten kann. Diese Betrachtungsweise muß aufhören. Statt mikroskopisch die Struktur des Moleküls untersuchen zu wollen, schaue man sie an draußen im Sternenhimmel, in der Konstellation des Sternenhimmels; das Kupfer in der einen, das Zinn in der andern Konstellation. Man schaue an die Struktur der Moleküle, die sich nur abspiegelt im Molekül, draußen im Makrokosmos. Statt bei allem ins Kleinste hineinzugucken, sollte man den Blick hinauswenden ins Größte, denn da ist zu suchen dasjenige, was im Kleinsten lebt.

[ 9 ] That is, in fact, the fundamental flaw in our modern view of the world: that we never look toward the macrocosm, that we never become aware of the nature of the forces we observe. You see, I must return to this point once more: Today’s physicist or chemist says there are molecules; molecules consist of atoms (Plate 16, top left). Atoms possess forces through which they interact with one another. This is a conception that actually does not correspond to reality at all. In truth, even the smallest molecule is influenced by the entire starry sky. Let’s assume there is a planet here, a planet there, and so on (the small circles in the drawing on the right), and then the fixed stars. The fixed stars send forces into it. These forces that are sent in intersect in the most varied ways, forming points of intersection. The planets also send their forces into it, and these forces intersect, so that everywhere within this molecule there is nothing other than the synthesis of the forces of the macrocosm. It is the aspiration of modern science to finally advance microscopy to the point where one can observe the atoms within a molecule. This approach must cease. Instead of seeking to examine the structure of the molecule microscopically, one should look at it out there in the starry sky, in the constellations of the starry sky; copper in one constellation, tin in another. Let us look at the structure of molecules, which is merely reflected in the molecule, out there in the macrocosm. Instead of peering into the smallest details of everything, we should turn our gaze outward toward the greatest, for it is there that we must seek what lives within the smallest things.

Blackboard DrawingZeichnung auf einer Tafel

[ 10 ] Und so wirkt die materialistische Denkweise auch auf anderen Gebieten. Sehen Sie, Sie werden heute von manchem, der nun auch glaubt, etwas sagen zu können über den Fortschritt der Erkenntnis, sagen hören: Oh, der Materialismus des 19. Jahrhunderts ist ja überwunden. — Nein, er ist solange nicht überwunden, solange man atomistisch denkt, solange man nicht die Gestaltung, die Konfiguration des Kleinsten im Größten sucht. So ist der Materialismus, in der Menschheit betrachtet, auch nicht überwunden, wenn man nicht einzugehen weiß auf die Beziehung des Menschen zum Größten, zum ganzen Weltenall.

[ 10 ] And this is how the materialistic way of thinking also manifests itself in other areas. You see, today you will hear some people—who now believe they can speak with authority about the progress of knowledge—say: “Oh, 19th-century materialism has been overcome.” — No, it has not been overcome as long as people think atomistically, as long as they do not seek the structure, the configuration of the smallest within the greatest. Thus, materialism—when considered in relation to humanity—has not been overcome either, unless one knows how to engage with humanity’s relationship to the greatest, to the entire universe.

[ 11 ] Nun treffen wir da aber ja sogleich eine neue, ich möchte sagen, ungeheuerliche Spur des Materialismus, auf die ich schon öfter aufmerksam gemacht habe. Und wir treffen diese Spur gerade oftmals in gewissen Richtungen der sogenannten Theosophie. Da ist die physische Materie, dann der Äther, nur dünner, aber im übrigen so ähnlich wie die physische Materie, nur dünner; das Astralische wieder dünner; dann kommen noch allerlei andere schöne Dinge, immer dünner und dünner und dünner. Das ist — ob man das nun astralische Welt, Kama Manas oder wie immer nennt —, das ist deshalb nicht spirituell, das bleibt materialistisch. Will man wirklich zum Verständnis der Welt kommen, dann muß man bereits das schwer Materielle beim Äther aufhören lassen. Dann muß man sich klar sein, daß der Äther nicht mehr solche Materie ist wie diejenige, von der wir als den Raum erfüllend sprechen. Wenn wit von der Materie, die den Raum füllt, sprechen, so denken wir uns, wenn ich schematisch spreche, eben den Raum ausgefüllt mit Materie. Wenn wir aber von Äther sprechen, so dürfen wir uns nicht den Raum ausgefüllt denken von Materie, sondern wir müssen uns den Raum entleert denken von Materie. Wenn gewöhnliche Materie an etwas anstößt, so drückt es dieses, schiebt es weiter. Wenn Äther sich diesem nähert, so saugt er das an sich und zieht es in sich herein (Tafel 15, links oben). Es ist die gerade entgegengesetzte Wirkung zu der gewöhnlichen Materie. Der Äther übt Saugwirkungen. Wenn der Äther nicht Saugwirkungen übte, dann schauten Sie hinten so aus wie vorne, denn schon in dem, was die Verschiedenheit des Menschen macht hinten und vorne, ist ein Ergebnis auf der einen Seite der drückenden Wirkung der Schwere-Materie und der saugenden Wirkung der Äther-Materie oder des Äthers. Ihre Nase wird herausgetrieben aus Ihrem Organismus durch die Schwere-Materie, Ihre Augenhöhle wird hineingesaugt durch die saugende Kraft des Äthers. Und so, indem Sie hinten anders sind wie vorne, vorne anders sind wie hinten, wirkt in Ihnen drückende und saugende Substantialität.

[ 11 ] But here we immediately encounter a new—I would say outrageous—trace of materialism, which I have pointed out on numerous occasions. And we encounter this trace particularly often in certain branches of so-called theosophy. There is physical matter, then the ether—only thinner, but otherwise similar to physical matter, just thinner; the astral realm is even thinner; then come all sorts of other beautiful things, getting thinner and thinner and thinner. This—whether one calls it the astral world, Kama-Manas, or whatever—is not spiritual; it remains materialistic. If one truly wishes to understand the world, one must stop at the ether when considering the denser material realm. Then one must be clear that the ether is no longer the kind of matter we speak of as filling space. When we speak of matter that fills space, we imagine—to put it schematically—space filled with matter. But when we speak of ether, we must not imagine space filled with matter; rather, we must imagine space emptied of matter. When ordinary matter comes into contact with something, it pushes against it and drives it further along. When ether approaches it, it draws it toward itself and pulls it into itself (Plate 15, top left). This is the exact opposite effect of that of ordinary matter. Ether exerts suction forces. If ether did not exert suction forces, then your back would look just like your front, for the very difference between the front and back of the human body is the result, on the one hand, of the pushing effect of gravitational matter and, on the other, of the suction effect of etheric matter or ether. Your nose is pushed outward from your body by heavy matter, while your eye sockets are drawn inward by the suction force of the ether. And so, because your back is different from your front and your front is different from your back, both compressive and suction forces are at work within you.

[ 12 ] Sehen Sie, solche Dinge beachtet man eigentlich gar nicht, an sie denkt man heute im materialistischen Zeitalter gar nicht. Wenn man weiter von dem Astralen spricht, dann kann man weder denken an die dreifach ausgedehnte, dreidimensionale physische Materie, noch an den saugenden Äther, sondern da muß man an ein Drittes denken, das die Vermittelung zwischen beiden bildet. Und denkt man nun gar an dasjenige, als das man sich das Ich-Wesen vorzustellen hat, da hat man an ein Viertes zu denken, das wiederum vermittelt auf der einen Seite die saug-drückende Wirkung von Äther und physischer Materie und auf der andern Seite die astrale Substantialität. Das sind die Dinge, welche berücksichtigt werden müssen (Tafel 15, Mitte unten).

[ 12 ] You see, people don’t really pay attention to such things; in this materialistic age, they don’t even think about them. When speaking further of the astral realm, one can think neither of the three-dimensionally extended physical matter nor of the absorbing ether; rather, one must think of a third entity that mediates between the two. And if one now thinks of that which one must imagine as the “I”-being, one must think of a fourth entity that, in turn, mediates on the one hand the suction-and-pressure effect of ether and physical matter, and on the other hand the astral substantiality. These are the things that must be taken into account (Plate 15, center bottom).

[ 13 ] Sie können nicht sagen: Ja, wenn der Äther bloß eine saugende Wirkung hat, woher kommt es denn, daß der Äther wahrnehmbar ist? Es ist eben so, daß der Äther sich so verhält zu der Schwere-Materie, wie sich — im Bilde ist das jetzt gesprochen, gleichsam auf einem anderen Niveau — verhält, was ich hier in einer Selterswasserflasche habe (Tafel 16, links). Da habe ich da drinnen Wasser und darinnen Perlen. Nicht wahr, das Wasser sehe ich nicht, aber die Perlen sehe ich, trotzdem die Perlen dünner sind. Und so ist es, daß auch in gewissen Fällen der Äther, der überhaupt eine Aussparung der physischen Materie ist, der der physischen Materie gegenüber das Entgegengesetzte ist, daß der auch wahrgenommen werden kann.

[ 13 ] You cannot say: “Well, if the ether has only a suction effect, how is it that the ether is perceptible?” It is simply that the ether behaves toward dense matter in the same way that—to use an analogy, as it were, on a different level—what I have here in a bottle of Seltzer water behaves (Plate 16, left). I have water in there, and pearls inside it. You see, I don’t see the water, but I do see the pearls, even though the pearls are thinner. And so it is that, in certain cases, the ether—which is, after all, a void in physical matter, the opposite of physical matter—can also be perceived.

[ 14 ] Nun werden Sie sehen aus dem eben Dargestellten, daß ja allerdings, wenn wir sprechen von dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wir uns tatsächlich zu denken haben, daß dieses Leben außerhalb des Raumes, des gewöhnlichen Raumes, den wir hier wahrnehmen, gelebt wird, und unsere Anstrengung müßte dahin gehen, eine Vorstellung von diesem Außerhalb-des-Raumes zu gewinnen. Sie werden sie gewinnen, wenn Sie sich zuerst versuchen vorzustellen den erfüllten Raum. Das können Sie sich vorstellen. Sie brauchen sich nur einen Tisch vorzustellen; der erfüllt den Raum. Dann gehen Sie über von dem erfüllten Raum zum leeren Raum. Nun werden Sie sagen: Leerer Raum — das kann nicht mehr überboten werden. — Ich habe Ihnen gesagt, das ist geradeso gescheit, als wenn jemand sagt: Ich habe mein Portemonnaie voll Geld, da nehme ich immerfort heraus, bis ich nichts mehr habe; das Nichts kann nicht mehr überboten werden. Es kann überboten werden. Ich mache Schulden, dann habe ich weniger als nichts in meinem Beutel. Und so kann auch der leere Raum überboten werden. Wenn er von Äther erfüllt ist, ist er weniger als leer, ist et von negativer Entität.

[ 14 ] Now you will see from what has just been described that, indeed, when we speak of the life between death and a new birth, we must actually conceive of this life as being lived outside of space—outside the ordinary space that we perceive here—and our effort should be directed toward gaining a conception of this “outside-of-space.” You will gain this understanding if you first try to imagine a space that is filled. You can imagine that. You need only imagine a table; it fills the space. Then move from the filled space to the empty space. Now you will say: Empty space—that cannot be surpassed. —I have told you, that is just as sensible as if someone were to say: “My wallet is full of money, so I keep taking it out until I have nothing left; that nothingness can’t be surpassed.” It can be surpassed. I go into debt, and then I have less than nothing in my wallet. And so the empty space can also be surpassed. If it is filled with ether, it is less than empty; it is a negative entity.

[ 15 ] Und dasjenige, was die Vermittelung bildet, was auch in Ihnen als astralischer Leib die Vermittelung bildet zwischen dem Saugenden und dem Drückenden, das ist eben das Astralische. Sehen Sie, es gäbe keine Beziehung zwischen Ihrem Vorne und Hinten, die nicht gleich sind, sondern verschieden sind, weil in Ihnen Saug- und Druckwirkungen sind, wenn in Ihnen nicht Astralität tätig wäre, die die Vermittelung bildet. Sie werden sagen: Ich bemerke diese Vermittelung nicht. — Ja, bitte, verfolgen Sie den Verdauungsprozeß, dann werden Sie schon sehen, daß diese Vermittelung da ist, daß sich diese Vermittelung sehr genau ausdrückt. Da ist das Astralische drinnen tätig. Und die Tätigkeit des Astralischen beruht gerade auf dem Gegensatze der vorderen Wesenheit und der rückwärtigen Wesenheit des Menschen, ebenso, wie nun die Vermittelung durch das Astralische hindurch zwischen dem oberen und dem unteren Menschen auf der Ich-Wesenheit beruht. So handelt es sich darum, diesen Menschen, wie er vor uns steht, konkret aufzufassen, wirklich konkret aufzufassen, und uns dazu klar zu sein darüber, daß, indem der Mensch hier zwischen Geburt und Tod lebt, er sein Astralisches und sein Ich im Saugenden und Drückenden abdrückt, und daß er zurückträgt seine Wesenheit in dasjenige, was hier auf dieser Erde nur die Vermittelung bildet zwischen Vorne und Hinten und Oben und Unten.

[ 15 ] And that which serves as the mediator—which also serves as the mediator within you, as the astral body, between the suction and the pressure—is precisely the astral. You see, there would be no relationship between your front and back—which are not the same but different—because of the suction and pressure forces within you, if the astral nature, which acts as the mediator, were not at work within you. You will say: “I don’t notice this mediation.” — Yes, please, observe the digestive process, and you will see that this mediating force is present, that it expresses itself very precisely. The astral is at work there. And the activity of the astral is based precisely on the contrast between the front and back aspects of the human being, just as the mediation through the astral between the upper and lower human beings is based on the “I” entity. So the point is to grasp this human being, as he stands before us, concretely—truly concretely—and to be clear about the fact that, as the human being lives here between birth and death, he imprints his astral body and his “I” in the forces of suction and pressure, and that he carries his being back into that which, here on this Earth, merely forms the mediation between front and back and above and below.

[ 16 ] Ja, diese Vermittelung zwischen Vorne und Hinten, Oben und Unten, was ist denn das? Sehen Sie, das ist dasjenige, was wir in uns erleben, indem wir unser Gleichgewicht erleben. Wir schnappen mit dem Kopf nicht nach vorne und nach rückwärts über; wir können uns auch aufrichten. Wir ordnen uns in die Gleichgewichtslage ein. Das sehen wir nicht, das erleben wir. In das leben wir uns zunächst ein, was wir im Leben hier nicht berücksichtigen; in das leben wir uns zunächst ein, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Wenn wit nur Augen hätten, es wäre dann finster um uns, wenn wir nur Ohren hätten, es wäre dann stumm um uns. Aber wir haben auch einen Gleichgewichtssinn und einen Bewegungssinn. Da wird es erlebbar in uns. Wir machen mit dasjenige, was in der Welt Gleichgewicht und Bewegung bedeuten. Wir finden uns hinein in die Bewegungen der Außenwelt.

[ 16 ] Yes, this mediation between front and back, up and down—what exactly is that? You see, that is what we experience within ourselves as we experience our balance. We don’t jerk our heads forward or backward; we can also sit up straight. We adjust ourselves to a state of balance. We don’t see this—we experience it. We first become attuned to this—something we don’t take into account in our life here—we first become attuned to it when we pass through the gate of death. If we had only eyes, it would be dark around us; if we had only ears, it would be silent around us. But we also have a sense of balance and a sense of movement. That is where it becomes an experience within us. We participate in what balance and movement mean in the world. We find our place within the movements of the outside world.

[ 17 ] Sehen Sie, hier in dem Leben zwischen Geburt und Tod, da erleben wir eigentlich nur die Wirkung der Erdbewegung um ihre Achse im täglichen Stoffwechsel. Wir müssen täglich frühstücken, täglich mittagsmahlen, und das, was da geschieht, das geschieht in 24 Stunden und ist gleichlaufend der Umdrehung der Erde um ihre Achse. Diese zwei Dinge gehören zusammen. Das eine ist ein Beweis für das andere. So gehören sie zusammen. Wenn wir sterben, dann wird diese Bewegung der Erde etwas ganz Reales, wie hier die sichtbaren Dinge. Dann leben wir mit diese Bewegung der Erde. Dann beginnen wir zunächst damit, daß wir diese Bewegung der Erde miterleben.

[ 17 ] You see, here in this life between birth and death, we actually experience only the effect of the Earth’s rotation on its axis in our daily metabolism. We must eat breakfast every day, have lunch every day, and what happens there takes place over 24 hours and runs parallel to the Earth’s rotation on its axis. These two things belong together. One is proof of the other. That is how they belong together. When we die, this movement of the Earth becomes something very real, just like the visible things here. Then we live with this movement of the Earth. Then we begin, first of all, by experiencing this movement of the Earth.

[ 18 ] Und so erleben wir noch andere Bewegungen des Sternenhimmels mit. Wir erleben sie mit, und es ist auch eigentlich in dieser Zeichnung (Tafel 15, rechts oben) das Miterleben schon drinnen, denn Sie dehnen sich ja in den Weltenraum hinaus nicht wie eine Qualle aus, sondern Sie machen das Leben dieses Weltenraumes mit, und als ein das Leben des Weltenraumes miterlebendes Wesen erleben Sie das Innere des Menschen. Hier zwischen Geburt und Tod sagen Sie: Mein Herz ist in meiner Brust, in dem Herzen laufen zusammen die Säftebewegungen der Blutzirkulation; in einem gewissen Reifestadium zwischen Tod und neuer Geburt sagen Sie: In meinem Innern ist Sonne — und Sie meinen die wirkliche Sonne, von der sich die Physiker einbilden, sie wäre ein Gasball, die aber etwas ganz anderes ist. Sie erleben die wirkliche Sonne. Sie erleben die Sonne zwischen Tod und neuer Geburt so, wie Sie hier Ihr Herz erleben. Und wie die Sonne hier für Ihr Auge sichtbar ist, so ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt das Herz in seinem Werden auf dem Wege zur Zirbeldrüse in einer wunderbaren metamorphosischen Umbildung die Ursache grandioser Erlebnisse zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Ihr ganzes Blutsystem erleben Sie in Umwandelung, natürlich immer nicht die Substanz, sondern die bewegenden Kräfte. Hier haben Sie Ihr Blutsystem in sich. Indem Sie zwischen Tod und neuer Geburt weiterleben, werden diese Kräfte, die im Blutsystem liegen, immer andere. Und wenn Sie wiederum hier ankommen in einem neuen Erdenleben, dann sind das die Kräfte des neuen Nervensystems geworden. Sehen Sie sich an auf den heutigen Tafeln der Anatomie oder der Physiologie das Bild der Nervenstränge und der Blutzirkulation; sehen Sie sich an die Blutzirkulation: eine Inkarnation. Daraus wird in der nächsten Inkarnation das Nervenleben. Und wenn ich sage: Kopfsystem, Brustsystem, Gliedmaßensystem, so dürfen Sie auch das nicht nur so schematisierend nebeneinanderstellen, denn die Dinge gehen ineinander. Sehen Sie sich den Wunderbau des menschlichen Auges an: Blutgefäße, Aderhaut, Netzhaut. Die letzten beiden sind Metamorphosen voneinander. Was heute Netzhaut ist, war in der vorhergehenden Inkarnation Aderhaut, und was heute Aderhaut Ihres Auges ist, wird in der nächsten Inkarnation Netzhaut sein — allerdings nicht gerade so unmittelbar. Aber es ist trotzdem das gültig, was ich gesagt habe. Sie sehen, ein wirkliches Verständnis des Menschen, der vor uns steht, kann man nicht gewinnen, wenn man den Menschen nur so betrachtet, wie er sich zwischen der Geburt und dem Tod oder höchstens durch die Kräfte der physischen Vererbung entwickelt. Denn durch all das verstehen wir höchstens die Dinge bis, sagen wir, zu der Säftebewegung. Aber diese Säftebewegung ist ja auch das Letzte, was wir da verstehen. Die Nervenanlagen eines gegenwärtigen Lebens sind das Ergebnis eines vorigen Lebens und sind aus dem gegenwärtigen Leben überhaupt nicht zu verstehen.

[ 18 ] And so we witness other movements of the starry sky as well. We experience them, and in fact, this experience is already contained within this drawing (Plate 15, top right), for you do not expand out into the cosmos like a jellyfish, but rather you participate in the life of this cosmos, and as a being that participates in the life of the cosmos, you experience the inner being of the human being. Here, between birth and death, you say: My heart is in my chest; the circulatory movements of the blood converge in the heart; at a certain stage of maturity between death and a new birth, you say: There is a sun within me—and you mean the real sun, which physicists imagine to be a ball of gas, but which is something entirely different. You experience the real sun. You experience the sun between death and a new birth just as you experience your heart here. And just as the sun is visible to your eye here, so too, between death and a new birth, the heart—in its development on the path to the pineal gland—undergoes a wondrous metamorphic transformation that is the source of magnificent experiences between death and a new birth. You experience your entire circulatory system in a state of transformation—of course, not the substance itself, but the forces in motion. Here, you have your circulatory system within you. As you continue to live between death and a new birth, these forces within the circulatory system are constantly changing. And when you arrive here again in a new earthly life, these forces have become the forces of the new nervous system. Look at the images of the nerve tracts and blood circulation in today’s anatomy or physiology charts; look at the blood circulation: an incarnation. From this arises the nervous life in the next incarnation. And when I say: head system, chest system, limb system—you must not simply juxtapose these in a schematic way, for these elements merge into one another. Look at the marvelous structure of the human eye: blood vessels, choroid, retina. The latter two are metamorphoses of one another. What is now the retina was the choroid in the previous incarnation, and what is now the choroid of your eye will be the retina in the next incarnation—though not exactly so immediately. But what I have said is nevertheless true. You see, one cannot gain a true understanding of the human being standing before us by considering them solely in terms of how they develop between birth and death, or at most through the forces of physical heredity. For through all of that, we understand things at most up to, let’s say, the movement of the vital fluids. But this movement of the vital fluids is, after all, the very limit of our understanding. The nervous system of a present life is the result of a previous life and cannot be understood at all from the present life.

[ 19 ] Ich bitte Sie nun, nicht etwa einzuwenden: Ja, die Tiere haben ja auch Nerven, und die haben keine früheren Leben. — So die Welt zu beurteilen, heißt eben, sie sehr kurzsichtig zu beurteilen. Wenn das Nervensystem beim Menschen in seinen Kräften die Umwandelung des Blutsystems im vorigen Leben ist, so muß bei den Tieren nicht auch dasselbe für das Nervensystem gelten. Sonst, wenn Sie eine solche Logik anwenden würden — sie wird allerdings heute vielfach angewendet —, dann bedeutet das ganz genau dasselbe, wie wenn Sie zu einem Raseur hineingehen, bei ihm eine Anzahl Rasiermesser finden und sagen: Bitte, das wollen wit uns einmal als Besteck kaufen für unseren Mittagstisch, denn Messer gehören zum Essen! — Rasiermesser nur just nicht, sondern die gehören zu etwas anderem! Es trägt nicht ein Dinge in dieser Weise seine unmittelbare Bestimmung in sich, ebensowenig ein Organ. Das Organ beim Menschen ist etwas ganz anderes als das Organ beim Tiere. Es kommt darauf an, wozu man das Organ verwendet. Man sollte nicht vergleichen Nervensystem mit Nervensystem, nämlich Menschennerven mit Tiernerven, sondern man sollte darauf sehen, daß allerdings der Menschennerv dem Tiernerv gegenüber etwas Ähnliches geworden ist wie das Rasiermesser gegenüber dem Tischmesser, so daß man auf dem gewöhlichen Wege der materialistischen Untersuchung zu nichts kommen kann. Das ist aber der Weg, der heute hauptsächlich eingeschlagen wird.

[ 19 ] I ask you now not to object by saying: “Yes, animals do have nerves, too, and they have no past lives.” — To judge the world in this way is simply to judge it very short-sightedly. If the human nervous system, in terms of its functions, is the transformation of the circulatory system from a previous life, then the same need not apply to the nervous system of animals. Otherwise, if you were to apply such logic—which, admittedly, is widely used today—it would mean exactly the same thing as if you were to walk into a barber’s shop, find a number of razors there, and say: “Please, let’s buy these as cutlery for our lunch table, because knives are for eating!” — but razors are not for that; they belong to something else! No object carries its immediate purpose within itself in this way, nor does any organ. The organ in humans is something entirely different from the organ in animals. It depends on what the organ is used for. One should not compare one nervous system with another—namely, human nerves with animal nerves—but rather one should recognize that, compared to the animal nerve, the human nerve has become something similar to what the straight razor is to the table knife, so that one cannot arrive at any conclusions using the usual methods of materialistic investigation. Yet this is the approach that is primarily taken today.

[ 20 ] Und dieser Weg, der verhindert, daß nun wirklich ins Auge gefaßt wird, was den Menschen als Produkt der geistigen Welt erklärlich macht. Denn sehen Sie, unsere religiösen Bekenntnisse, wie sie sich nach und nach entwickelt haben, haben auch — das habe ich schon öfter gesagt — sehr dem Egoismus gefrönt, gedient. Sie gehen ja fast allein darauf hinaus, dem Menschen sein Fortleben nach dem Tode bloß zu beweisen, weil er das in seinem Egoismus verlangt. Aber ebenso wichtig ist es, dem Menschen die Fortsetzung zu beweisen des vorgeburtlichen Lebens, daß der Mensch begreift: hier auf dieser Erde habe ich ein Fortsetzer dessen zu sein, was ich zwischen dem Tod und meiner jetzigen Geburt war. Ich habe ein geistiges Leben hier fortzusetzen. Das frönt allerdings weniger dem Egoismus, aber es ist zu gleicher Zeit etwas, was wiederum in die Kultur einfließen muß, damit diese unsere Kultur die Menschen von den antisozialen Instinkten befreit. Denken Sie nur einmal, was es heißen wird, wenn man ein menschliches Antlitz betrachten und sagen wird: Das ist nicht von dieser Welt, daran hat gearbeitet die geistige Welt zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt; was es heißen wird, wenn man in dem Materiellen schon sehen wird das Bild der geistigen Arbeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es wird in der Tat eine andere Art der Bildung sein, die dann unter den Menschen ist, und diese andere Art der Bildung wird eine andere Gesinnung zuwegebringen. Und diese Gesinnung wird es nicht zulassen, daß wir den Sternenhimmel erblicken und da bloß eine große Maschinerie sehen von sich gegenseitig Newtonisch anziehenden Sternen. Dies auch, wenn man davon absieht, daß heute die Abstraktion auf den höchsten Gipfel gekommen ist.

[ 20 ] And this path prevents us from truly considering what makes human beings, as products of the spiritual world, understandable. For you see, our religious creeds, as they have gradually developed, have also—as I have said many times before—indulged in and served selfishness to a great extent. They are aimed almost exclusively at proving to human beings that they will continue to live after death, simply because their egoism demands it. But it is just as important to prove to human beings the continuation of their pre-birth life, so that they may understand: here on this earth, I am to be a continuation of what I was between death and my present birth. I have a spiritual life to continue here. This, of course, indulges selfishness less, but at the same time it is something that must in turn flow into culture, so that our culture may free people from antisocial instincts. Just think for a moment what it will mean when one looks at a human face and says: “This is not of this world; the spiritual world has been at work on it between the last death and this birth”—what it will mean when one will already be able to see in the material world the image of the spiritual work between death and a new birth. It will indeed be a different kind of education that will then exist among people, and this different kind of education will bring about a different mindset. And this mindset will not allow us to gaze at the starry sky and see there merely a vast machinery of stars attracting one another in a Newtonian manner. This is true even if one disregards the fact that abstraction has reached its highest peak today.

[ 21 ] Sehen Sie, die Abstraktion ist schon sehr stark in unserem gewöhnlichen Sonnen- und Planetensystem enthalten. Aber heute treibt die Abstraktion ganz kuriose Blüten. So zum Beispiel werden Sie heute durch einen großen Teil der populären Literatur gehen sehen die Glorifizierung einer gewissen Idee, die zum Beispiel Einstein gehabt hat. Da wird gesagt, durch diese Idee sei die Gravitation erschüttert. Denn man stelle sich einmal vor (Tafel 15, rechts unten), weit weg von allen Weltenkörpern, so daß kein Schwerefeld wirkt, sei ein Kasten. In diesem Kasten befinde sich ein Mensch; der halte in seinen zwei Händen einen Stein und eine Flaumfeder. Er ist irgendwo, wo es keine Weltenkörper gibt, in einem Kasten und hält einen Stein und eine Flaumfeder in dem Kasten drinnen. Jetzt läßt er sie los, und siehe da, sie fangen an zu fallen. Sie fallen auf den Boden herunter. Ja, sagt Einstein, da wird der Mensch vielleicht sagen: Der Stein und die Flaumfeder fallen auf den Boden herunter. Aber so braucht es nicht zu sein, sondern da oben kann ein Seil angebracht sein, das hängt da (Zeichnung) — wo, das weiß ich nicht! und statt dessen, daß der Stein und die Flaumfeder herunterfallen, wird der ganze Kasten da heraufgezogen. Der Stein und die Flaumfeder — weil ja kein Weltenkörper in der Nähe ist — fallen nicht, sondern sie bleiben da; aber der Kasten wird in die Höhe gehoben, und der Stein und die Flaumfeder bleiben an derselben Stelle. Wie der Kasten da bei ihnen angekommen ist mit seinem Boden, nimmt er sie mit.

[ 21 ] You see, abstraction is already very much present in our ordinary solar and planetary system. But today, abstraction is taking some very curious forms. For example, if you look through much of today’s popular literature, you’ll see the glorification of a certain idea—one that Einstein, for instance, had. It is said that this idea has shaken the very foundations of gravity. For imagine (Figure 15, bottom right): far away from all celestial bodies, so that no gravitational field is at work, there is a box. Inside this box is a person holding a stone and a down feather in both hands. He is somewhere where there are no celestial bodies, inside a box, holding a stone and a down feather. Now he lets them go, and lo and behold, they begin to fall. They fall down to the floor. Yes, says Einstein, the person might say: The stone and the downy feather fall to the floor. But it doesn’t have to be that way; instead, there could be a rope attached up there, hanging there (drawing)—where, I don’t know!—and instead of the stone and the downy feather falling down, the entire box is pulled up. The stone and the down feather—since there’s no celestial body nearby—don’t fall; instead, they stay there. But the box is lifted upward, and the stone and the down feather remain in the same spot. As the box arrives there with its bottom, it takes them along with it.

[ 22 ] Diese Erörterung einer äußersten Abstraktion können Sie heute als die moderne Relativitätstheorie Albert Einsteins geschildert finden. Denken Sie, wie weit die Menschheit abgekommen ist vom Wirklichkeitsdenken! Man redet von Relativität. Schön, das kann man. Aber denken Sie sich einmal, was werden sollte, wenn die ganze Vorstellung nur ernst genommen würde: ein Kasten da, weit weg von allen Weltenkörpern, kein Weltenkörper in der Nähe, der den Stein und die Flaumfeder anziehen könnte, ein Mensch da drinnen! Luft ist nur in der Nähe von Weltenkörpern, aber der ist da ganz froh darinnen mit seinem Stein und seiner Flaumfeder; die brauchen nicht zu atmen natürlich. Und der Kasten ist außerdem aufgehängt, wird da hinaufgezogen.

[ 22 ] Today, you can find this discussion of an extreme abstraction described as Albert Einstein’s modern theory of relativity. Just think how far humanity has strayed from thinking about reality! People talk about relativity. Fine, they can do that. But just imagine what would happen if this whole idea were taken seriously: a box out there, far away from all celestial bodies, with no celestial body nearby that could attract the stone and the down feather, and a person inside it! Air exists only near celestial bodies, but he’s quite content in there with his stone and his down feather; of course, they don’t need to breathe. And besides, the box is suspended—it’s been hoisted up there.

[ 23 ] Das ist noch eine Steigerung jenes Newtonschen Stoßes, der dem Weltenkörper gegeben wird in der Tangente, damit er mit Zentrifugalkraft zu der Zentripetalkraft noch fortfliegen könne. Aber solche Dinge bilden heute tatsächlich den Gegenstand wissenschaftlicher Erörterung, und man hält sie für große Taten, während sie nichts anderes sind als Zeugnis dafür, wie man bei der äußersten Abstraktion angekommen ist und wie der Materialismus es gerade dahin gebracht hat, daß der Mensch nichts mehr weiß von der Materie, daß der Mensch in Gedankengebilden leben kann, die fernliegen aller Wirklichkeit.

[ 23 ] This is yet another intensification of that Newtonian impulse imparted to the celestial body at the tangent, so that it may continue to fly away under the combined effect of centrifugal and centripetal forces. But such things are in fact the subject of scientific debate today, and they are regarded as great achievements, whereas they are nothing more than evidence of how far we have gone in our extreme abstraction and how materialism has brought us to the point where people no longer know anything about matter, where people can live in mental constructs that are far removed from all reality.

[ 24 ] Nur werden diese Dinge heute nicht beachtet, sondern es geht durch alle Zeitungen, daß eine große Entdeckung gemacht worden ist: Die Gravitationstheorie ist abgelöst durch die bloße Trägheitstheorie. Der Stein und die Flaumfeder werden nicht angezogen, sondern sie beharren — vielleicht nur, weil man sich auch vorstellen kann, daß sie da beharren, während der Kasten da hinaufgezogen wird. Man kann wirklich sagen, es lebt heute soviel Unsinn als Genialität, daß es grotesk ist, darauf zu kommen, wieviel Unsinn als Genialität lebt. Wie kann man sich denn wundern darüber, daß in dieser Zeit auch auf andern Gebieten die Gedanken kreuz und quer und grad und krumm gehen und endlich das bewirkt haben, was die Menschen erlebten in den letzten fünf bis sechs Jahren.

[ 24 ] But these things are being ignored today; instead, all the newspapers are reporting that a great discovery has been made: the theory of gravity has been replaced by the theory of inertia alone. The stone and the down feather are not attracted to each other, but they remain in place—perhaps only because one can imagine them remaining there while the box is being pulled up. One can truly say that there is as much nonsense circulating today as there is genius, to the point that it is grotesque to realize just how much nonsense passes for genius. How can one be surprised, then, that in this era, even in other fields, thoughts have been running haphazardly—straight and crooked—and have ultimately brought about what people have experienced over the past five to six years.

[ 25 ] Das ist das, woran immer wieder erinnert werden muß. Ich mußte heute daran erinnern und werde morgen auf diesen Voraussetzungen einiges über das Weltengebäude auch für unsere zur Generalversammlung gekommenen Freunde anfügen.

[ 25 ] This is something we must keep reminding ourselves of. I had to remind everyone of this today, and tomorrow I will add a few more thoughts on the structure of the world—based on these premises—for our friends who have come to the General Assembly as well.