The Bridge Between the Spiritual and
Physical Realms of Human Beings
GA 202
27 November 1917, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Bridge Between the Spiritual and Physical Realms of Human Beings, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Wir haben gestern wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus den Zusammenhang des Menschen mit Vergangenheit und Zukunft besprochen und dabei zugrundegelegt, was in der äußeren menschlichen Gestalt sich offenbart, wir haben zugrundegelegt jene Dreigliederung des menschlichen Organismus, auf die wir öfter schon hingewiesen haben; den Hauptesorganismus, von dem wir zeigten, wie er in die Vergangenheit weist, den Gliedmaßenorganismus, der in die Zukunft weist, und dann den rhythmischen Organismus, Lungen- und Herzorganismus, der eigentlich der Gegenwart angehört. Nun wollen wir heute zunächst, damit wir morgen diesen ganzen Komplex von Tatsachen runden können, den anderen Aspekt des Menschen, den mehr innerlichen, den seelischen, ins Auge fassen.
[ 1 ] Yesterday we again discussed, from a certain point of view, the connection between the human being and the past and future, basing our discussion on what is revealed in the outer human form; we based it on that threefold division of the human organism to which we have already referred on several occasions; the head organism, which we showed points toward the past; the limb organism, which points toward the future; and then the rhythmic organism—the lungs and heart—which actually belongs to the present. Today, so that we may round out this entire complex of facts tomorrow, let us first consider the other aspect of the human being—the more inner, soul aspect.
[ 2 ] Geradeso wie wir beim Körperlichen des Menschen unterscheiden können drei Glieder, das Kopfliche, dasjenige, was im rhythmischen System begründet liegt, dasjenige, was der Gliedmaßenorganismus ist, können wir auch im Seelischen drei Glieder unterscheiden. Wir können hinweisen auf das Denken oder Vorstellen, auf das Fühlen, auf das Wollen, und man hat es in einer gewissen Weise im Seelischen geradeso mit dieser Dreigliederung zu tun, wie man es im Physischen mit der anderen, eben erwähnten Dreigliederung zu tun hat. Man kann dann wiederum über jedes dieser drei Glieder in bezug auf die ganze Einstellung des menschlichen Wesens in dem Kosmos Forschungen anstellen. Da wird man zunächst hinweisen auf das Vorstellungsleben. Dieses Vorstellungs- oder Gedankenleben, das Denken, das ist ja zweifellos dasjenige, welches im Menschen am bestimmtesten innerlich wirkt. Das Vorstellungsleben ist dasjenige, was den Menschen gewissermaßen auf der einen Seite herausführt in den Kosmos, auf der anderen Seite aber auch hineinführt in sein Inneres. Durch das Vorstellungsleben macht sich der Mensch bekannt mit den Erscheinungen im weiten Umkreise des Kosmos. Er nimmt auf alles das, was aufgefaßt werden muß als der Urgrund, aus dem hervorgeht seine Hauptesbildung, wie wir gestern gesehen haben. Aber auf der anderen Seite nimmt der Mensch seine Gedanken und Vorstellungen in sich wiederum hinein, er bewahrt sie als Erinnerungen. Er baut sein inneres Leben nach diesen Vorstellungen auf. Dieses Vorstellungsleben, dieses Gedankenleben, es ist vorzugsweise an das Haupt des Menschen gebunden, es hat im Haupte sein Organ. Und schon daraus kann in einer gewissen Weise geschlossen werden, daß das Schicksal des Vorstellungslebens zusammenhängt mit dem Schicksal des Hauptes. Indem das Haupt zurückweist in die Vergangenheit, wir gewissermaßen die geistig-seelischen Keimanlagen zur Hauptesbildung hineinführen durch die Geburt ins physische Dasein, weist uns diese Tatsache schon darauf hin, daß wir auch das Vorstellungsleben als solches hineinbringen aus dem vorgeburtlichen Dasein. Aber für ein solches sachgemäßes Beurteilen des Vorstellungslebens liegen ja noch andere Gründe vor. Unser Vorstellungsleben ist, ich möchte sagen, das Bestimmteste in unserem Seelischen. Es ist das Gerundetste in unserem Seelischen. Es ist auch dasjenige, welches Elemente enthält, die im Grunde genommen mit unserem Individuellen hier in der physischen Welt gar nicht zusammenhängen.
[ 2 ] Just as we can distinguish three members in the human physical body—the head, that which is rooted in the rhythmic system, and that which constitutes the limb system—we can also distinguish three members in the soul. We can point to thinking or imagination, to feeling, and to willing; and in a certain sense, this threefold division applies to the soul just as the other threefold division—the one just mentioned—applies to the physical body. One can then, in turn, conduct research into each of these three aspects in relation to the human being’s overall place within the cosmos. First, we will turn our attention to the life of imagination. This life of imagination or thought—thinking—is undoubtedly the aspect that exerts the most decisive inner influence in human beings. The life of imagination is what, in a sense, leads the human being out into the cosmos on the one hand, but also leads them inward into their own inner being on the other. Through the life of imagination, the human being becomes acquainted with the phenomena within the vast expanse of the cosmos. The human being takes in everything that must be understood as the primordial ground from which the formation of the head arises, as we saw yesterday. But on the other hand, the human being takes these thoughts and images back into themselves, preserving them as memories. They build their inner life upon these ideas. This life of imagination, this life of thought, is primarily bound to the human head; it has its organ in the head. And from this alone, it can be concluded in a certain sense that the fate of the life of imagination is connected to the fate of the head. Since the head points back to the past—and we, so to speak, bring the spiritual-soul seeds for the formation of the head into physical existence through birth—this fact already indicates to us that we also bring the life of imagination as such from our pre-birth existence. But there are, of course, other reasons for such an appropriate assessment of the life of imagination. Our life of imagination is, I would say, the most definite aspect of our soul life. It is the most well-rounded aspect of our soul life. It is also the aspect that contains elements which, strictly speaking, are not at all connected to our individuality here in the physical world.
[ 3 ] Nehmen Sie einmal das, was wir als mathematische Wahrheiten oder vielleicht auch als die Wahrheit der Logik in uns auffinden. Wir können nicht mathematische Wahrheiten aus der äußeren Beobachtung verifizieren, sondern wir müssen die Wahrheit des Mathematischen, die Wahrheit des Geometrischen aus unserem Inneren heraus entwickeln. In uns liegt die Wahrheit, zum Beispiel des Pythagoreischen Lehrsatzes, oder daß die drei Winkel eines Dreiecks hundertachtzig Grad sind. Wir können uns versinnbildlichen solche Wahrheiten, wenn wir entsprechende Figuren aufzeichnen, aber wir beweisen sie nicht an der Tafel, sondern wir bilden durch innere Anschauung das, was sich in unser Vorstellen als Mathematik hineinmischt. Und es ist vieles andere, das sich in unser Vorstellen in dieser Weise hineinmischt. Und wir wissen lediglich dadurch, daß wir Menschen sind, von diesen mathematischen Wahrheiten. Auch wenn Tausende, Millionen von Menschen kämen und sagten: Der pythagoreische Lehrsatz ist nicht wahr —, wir wüßten doch als einzelner Mensch, daß er wahr sein muß, durch innere Anschauung. Woher rührt so etwas? Das rührt lediglich davon her, daß wir das Vorstellungsleben nicht erst wie das Gefühls- und Willensleben in dem Physischen ausbilden, sondern daß wir es schon hereintragen durch unsere Geburt in unser physisches Dasein. Was ich jetzt eben ausgesprochen habe, und was man durchaus, ich möchte sagen, schon ablesen kann von der Wesenheit des Menschen durch die wirkliche Beobachtung dieser Wesenheit, es drückt sich für den Geistesforscher auf folgende Art aus. Nehme man an, der Mensch rücke vor zum sogenannten imaginativen Vorstellen. Dieses imaginative Seelenleben, worin besteht es denn? Es besteht darin, daß wir in Bildern leben, aber in Bildern, die uns nicht durch die äußeren Sinne vermittelt sind. Im gewöhnlichen äußeren Leben nehmen wir durch unsere Sinnesorgane die äußeren Gegenstände wahr. Die geben uns die Bilder durch die Augen und Ohren, und diese Bilder fassen wir durch das Denken zusammen. Im imaginativen Vorstellen ist das anders. Da haben wir die Bilder, wenn wir in entsprechender Weise vorgebildet sind, ohne äußere Anschauung. Sie erstehen in uns, könnte ich sagen, aber wir hören nicht auf zu denken, wenn wir in der richtigen Weise uns zum imaginativen Seelenleben erheben. Wir denken in inneren Bildern, wie wir sonst bei äußeren gegenständlichem Wahrnehmen über äußere Bilder denken. Aber das erste, was wir erleben, wenn wir uns zu imaginativem Vorstellen heranentwickeln, was wir erleben, wenn wir zwar denken, wenn wir unsere Seele ganz durchdringen mit Denken, aber zu gleicher Zeit aufsteigt das Bilderleben, das erste ist nichts Gegenwärtiges. Das erste ist, daß uns vor die Seele treten die Bilder des Lebens vor unserer Geburt oder vor unserer Empfängnis. Das gegenwärtige Leben tritt vor den Imaginationen erst später, nach langer Gewöhnung, in gewisser Weise auf, und keineswegs mit solcher Klarheit und Bestimmtheit wie das Leben, das vor der Geburt, vor der Empfängnis liegt. Diese Tatsache ist ein voller Beweis dafür, daß, wenn wir vom Gegenstandswahrnehmen absehen, [— wir also in Bildern denkend leben —], uns dieses Denken zunächst nur Bilder vorführen kann aus der Vergangenheit. Wir haben in dem, was uns diese Bilder vorführen, Kosmisches aus unserem vorirdischen Leben. Dieses und manches andere zeigt eben, wie das Vorstellungsleben dasjenige ist, das wir zunächst als Kraft hineintragen aus unserem vorgeburtlichen Leben.
[ 3 ] Consider, for a moment, what we find within ourselves as mathematical truths—or perhaps even as the truth of logic. We cannot verify mathematical truths through external observation; rather, we must develop the truth of mathematics, the truth of geometry, from within ourselves. Within us lies the truth, for example, of the Pythagorean theorem, or that the three angles of a triangle add up to one hundred eighty degrees. We can visualize such truths by drawing corresponding figures, but we do not prove them on the blackboard; rather, through inner intuition, we form what intermingles with our conception of mathematics. And there are many other things that intermingle with our imagination in this way. And it is solely because we are human beings that we know these mathematical truths. Even if thousands, millions of people were to come and say, “The Pythagorean theorem is not true”—we would still know, as individual human beings, that it must be true, through inner intuition. Where does something like this come from? It stems solely from the fact that we do not first develop our life of imagination—as we do our life of feeling and will—within the physical realm, but rather that we bring it with us into our physical existence at birth. What I have just said—and what, I would say, can already be discerned from the very nature of the human being through genuine observation of that nature—manifests itself to the researcher of the spiritual world in the following way. Suppose a person advances to what is called imaginative thinking. What, then, does this imaginative life of the soul consist of? It consists in our living in images—but in images that are not conveyed to us through the external senses. In ordinary external life, we perceive external objects through our sense organs. They provide us with images through our eyes and ears, and we synthesize these images through thought. In imaginative thinking, it is different. There, if we have been appropriately prepared, we have the images without external perception. They arise within us, I might say, but we do not cease to think when we elevate ourselves in the right way to the imaginative life of the soul. We think in inner images, just as we otherwise think about external images when perceiving external objects. But the first thing we experience as we develop toward imaginative thinking—what we experience when we are thinking, when we permeate our soul entirely with thought, yet at the same time the life of images rises up—is not something present. What first appears before our soul are the images of life before our birth or before our conception. Our present life appears before our imaginations only later, after a long period of acclimatization, and by no means with such clarity and definiteness as the life that lies before birth, before conception. This fact is full proof that, when we set aside the perception of objects [— that is, when we live thinking in images —], this thinking can initially present us only with images from the past. In what these images present to us, we find cosmic elements from our pre-earthly life. This and many other things demonstrate precisely how the life of the imagination is that which we initially bring with us as a force from our pre-birth life.
[ 4 ] Die Selbstbeobachtung, wenn sie nur unbefangen genug geführt wird, zeigt uns, daß das Gefühlsleben sich nach und nach im Physischen entwickelt. Wir können nicht unser Fühlen in derselben Weise mit demjenigen durchziehen, was so bestimmt ist wie das Mathematische, wie die Vorstellungen. Alles, was wir an Gefühlen entwickeln, müssen wir zwar von der Kindheit an, aber eben erst von der Kindheit an entwickeln durch das Leben seit der Geburt. Wir haben ein um so reicheres Gefühlsleben, je mehr wir eben erlebt haben seit der Geburt. Ein Mensch, der durch schweres Leid und schwere Schicksalsschläge gegangen ist, hat ein anderes Gefühlsleben als ein Oberflächling, der so leicht hingehuscht ist durch das Leben. Die Lebensschicksalsfälle, die präparieren uns für das Gefühlsleben. Ein mathematisches Urteil, das unser Vorstellen durchdringt, das tritt plötzlich auf. Ein Gefühl können wir nicht plötzlich ausbilden. Ein Gefühl bildet sich langsam im Leben heraus und ist selber etwas, was mit uns wächst, was teilnimmt an unserem ganzen Wachstumsprozeß im physischen Leben.
[ 4 ] Self-observation, provided it is conducted with sufficient objectivity, shows us that our emotional life develops gradually through our physical experiences. We cannot imbue our feelings in the same way as we do with something as definite as mathematics or concepts. Everything we develop in terms of feelings, we must develop from childhood onward—but precisely from childhood onward—throughout our lives since birth. The more we have experienced since birth, the richer our emotional life becomes. A person who has gone through severe suffering and serious blows of fate has a different emotional life than a superficial person who has flitted so lightly through life. The twists and turns of fate prepare us for our emotional life. A mathematical insight that penetrates our imagination arises suddenly. We cannot suddenly develop a feeling. A feeling emerges slowly over the course of life and is itself something that grows with us, something that participates in our entire process of growth in physical life.
[ 5 ] Und das Willensleben ist etwas, was uns ja zunächst wenig mit dem Kosmos verbindet. Es ist dasjenige, das aus unbestimmten Untergründen unserer Seele herauspulst. Wir tragen durch unsere Taten allerdings Willensleben in den Kosmos hinein; aber bedenken Sie nur einmal, welcher Unterschied ist zwischen dem Verbundensein mit dem Kosmos durch das Vorstellungsleben und dem anderen Verbundensein durch das Willensleben. Wir sind mit dem Kosmos verbunden durch das Vorstellungsleben, wenn wir hinausgehen in die sternenhelle Nacht und gewissermaßen den Kosmos im Bilde vor uns haben, ihn in Gedanken umfassen. Wir können ihn auch fühlen. Wie klein ist dagegen das Stückchen Taten, das wir loslösen aus unserem Willenselement und das wir in den Kosmos hineinstellen! Das bezeugt zunächst, daß das Willenselement in ganz anderer Weise im Menschen wurzelt als das Vorstellungselement. Vergleichen Sie das Willenselement im besonderen mit dem Vorstellungselement wie mit dem Gefühle. Das Vorstellungselement, sobald wir genügend zu ihm erwacht sind, es verbindet uns auf einen Schlag mit dem ganzen Kosmos. Das Gefühlselement, es lebt sich heran. Es lebt sich so langsam oder so schnell heran, als unser schicksalsgemäßes Leben zwischen Geburt und Tod abläuft. Aber es ist doch etwas, was uns, wenn auch weniger intensiv und auch weniger extensiv als das Vorstellungsleben, mit dem Kosmos verbindet. Bedenken Sie nur, wie allgemein-menschlich es ist, durch das Vorstellungsleben mit dem Kosmos verbunden zu sein: Drei Menschen gehen in der sternhellen Nacht hinaus; sie stehen an einem Orte, sie haben alle drei dasselbe kosmische Bild um sich, sie sehen alle drei dasselbe, und wenn sie gelernt haben, mit Gedanken dieses Bild zusammenzufassen, sie werden alle drei unter Umständen dasselbe mit einem Schlag in ihrer Vorstellung haben können.
[ 5 ] And the life of the will is something that, at first glance, seems to connect us very little to the cosmos. It is that which pulses forth from the indeterminate depths of our soul. Through our actions, however, we do carry the life of the will into the cosmos; but just consider for a moment the difference between being connected to the cosmos through the life of the imagination and the other kind of connection through the life of the will. We are connected to the cosmos through the life of the imagination when we go out into the starlit night and, in a sense, have the cosmos as an image before us, embracing it in our thoughts. We can also feel it. How small, by contrast, is the fragment of action that we detach from our element of will and place into the cosmos! This testifies, first of all, that the element of will is rooted in the human being in a completely different way than the element of imagination. Compare the element of will in particular with the element of imagination as well as with feeling. The element of imagination, once we have awakened sufficiently to it, connects us in an instant with the entire cosmos. The element of feeling gradually draws near. It draws near as slowly or as quickly as our fated life unfolds between birth and death. Yet it is still something that connects us to the cosmos, albeit less intensely and less extensively than the life of imagination. Just consider how universally human it is to be connected to the cosmos through the life of the imagination: Three people go out into a starry night; they stand in one place, all three are surrounded by the same cosmic image, all three see the same thing, and if they have learned to synthesize this image in their thoughts, all three may, under certain circumstances, be able to hold the same image in their minds in an instant.
[ 6 ] Mit dem Gefühlsleben ist es anders. Nehmen wir einmal einen Menschen, der ziemlich gedankenlos, oberflächlich sein Leben verbracht hat, höchstens zuweilen in der Nacht sich exponiert hat der Sternenwelt; und vergleichen wir das, was ein solcher fühlt, wenn er heraustritt in der Nacht und den sternenbesäten Himmel sieht, mit dem anderen, was ein anderer fühlt, der einmal eines Abends mit einem Menschen, den er bis dahin noch wenig gekannt hat, einen Spaziergang macht, durch den sie in tiefe Schicksals- und Lebensfragen hineingebracht werden, in eine Diskussion hineingebracht werden, welche stundenlang dauert, welche fortdauert, bis die Sterne untergehen. Nehmen wir an, in einem Moment, wo gerade der Himmel in den Sternen wunderbar glänzt, kommen sich die Freunde nahe, und nehmen wir weiter an, solch ein Mensch sieht nach Jahren, nachdem jene Freundschaft die verschiedensten Gestaltungen angenommen hat, in ebensolcher Weise den sternbesäten Himmel. Welche Gefühle werden unter Umständen im Nachklange an das Erlebnis der Befreundung in ihm aufsteigen! Da gehen schon die Gefühle in den Kosmos hinaus, aber sie gehen hinaus nach Maßgabe des Lebens, das seit der Geburt verbracht worden ist. Durch die Vorstellungen gehen die Gedanken hinaus in den Kosmos, weil wir als Mensch geboren sind und ein Geistig-Seelisches durch die Geburt hineingebracht haben in unser physisches Dasein. Durch das Fühlen geht das innere Seelenleben hinaus zu den Dingen des Kosmos, aber nur gemäß dem, was verlaufen ist in diesem physischen Leben selber.
[ 6 ] It’s different with emotional life. Let’s take, for example, a person who has lived a rather thoughtless, superficial life, opening himself up to the world of the stars at most occasionally at night; and let’s compare what such a person feels when they step out into the night and see the star-studded sky with what another person feels when, one evening, they go for a walk with someone they had hardly known until then—a walk that draws them into profound questions of fate and life, into a discussion that lasts for hours, continuing until the stars set. Let us suppose that, at a moment when the sky is shining wonderfully with stars, the friends grow close to one another, and let us further suppose that, years later, after that friendship has taken on the most varied forms, such a person gazes upon the star-studded sky in just the same way. What feelings might well well up within him, echoing the experience of that friendship! There, indeed, the feelings reach out into the cosmos, but they reach out in accordance with the life that has been lived since birth. Through our imaginations, our thoughts reach out into the cosmos, because we are born as human beings and have brought a spiritual-soul element into our physical existence through birth. Through feeling, the inner life of the soul reaches out to the things of the cosmos, but only in accordance with what has taken place in this physical life itself.
[ 7 ] Versuchen Sie zu Ende zu kommen mit demjenigen, was ich hiermit anschlage, so werden Sie sich sagen können: Das Vorstellungsleben ist durch die Geburt ins physische Dasein hineingebracht; das Gefühlsleben entwickeln wir zwischen Geburt und Tod; wie wenig ist aber von dem vorhanden, was von uns aus in den Kosmos hinausgeht aus Taten unserer Willensimpulse heraus! Wie wenig geht hinein in den Kosmos von dem, was ausfließt aus unseren Willensimpulsen! — Da haben wir es zu tun mit etwas, was sich primitiv ausnimmt gegenüber den Gefühlen, und noch mehr gegenüber dem Vorstellungsleben. Der Geistesforscher kann die Gründe davon darlegen, wenn er sich bis zur Intuition erhebt; da erreicht er die Willensimpulse. In dem Moment, wo er sich durch innere Seelenentwickelung zur Intuition erhoben hat, wo alles andere ausgelöscht ist in seinem Seelenleben, steht zwar nicht das gegenwärtige Tatenleben, aber etwas sehr Merkwürdiges vor ihm. Es stehen vor ihm als erstes Erlebnis der Intuition nicht seine Taten selber, aber alles das, was seine Taten als Schicksale, Schicksalskeime für die Zukunft ihm darbieten können. Zukünftig ist alles das, was da der Intuition erscheint als erster Eindruck, was werden kann aus uns, da wir eine solche Summe von Taten durchgemacht haben, die wir nicht selber sehen, deren Keime vor unsere Seele treten. Daraus geht hervor, daß das Willensleben dasjenige ist, was wir durch den Tod hinübertragen, was auf die Zukunft verweist. So können wir also schematisch sagen: Bleiben wir beim Physischen, so haben wir den Kopfmenschen, den rhythmischen Lungen- und Herzmenschen, den Gliedmaßenmenschen. Der Kopfmensch weist uns auf dasjenige, was wir aus der Vergangenheit mitbringen. Der rhythmische Mensch verweist uns auf die Gegenwart zwischen Geburt und Tod. Der Gliedmaßenmensch verweist uns auf die Zukunft; daraus wird uns später Kopfbildung, im späteren Leben. Gehen wir auf das Seelische, dann haben wir das Vorstellungsleben, das uns auf die Vergangenheit verweist, das Gefühlsleben, das uns auf die Gegenwart verweist, das Willensleben, das uns auf die Zukunft verweist.
[ 7 ] If you try to come to terms with what I am setting forth here, you will be able to say to yourself: The life of the imagination is brought into physical existence through birth; we develop our emotional life between birth and death; but how little of what emanates from us into the cosmos arises from the actions of our volitional impulses! How little of what flows from our volitional impulses enters the cosmos! — Here we are dealing with something that appears primitive in comparison to emotions, and even more so in comparison to the life of the imagination. The spiritual researcher can explain the reasons for this when he rises to the level of intuition; there he reaches the impulses of the will. At the moment when he has risen to intuition through inner soul development, when everything else has been extinguished in his soul life, it is not his present life of action that stands before him, but something very remarkable. What stands before him as the first experience of intuition is not his actions themselves, but everything that his actions can present to him as destinies, as seeds of destiny for the future. Everything that appears to intuition as a first impression is future—what can become of us, since we have gone through such a sum of actions that we ourselves do not see, the seeds of which step before our soul. It follows from this that the life of the will is what we carry over through death, what points to the future. So we can say schematically: If we stick to the physical, we have the head-human, the rhythmic lung-and-heart-human, and the limb-human. The head-human points us to what we bring with us from the past. The rhythmic human being points us to the present between birth and death. The limb human being points us to the future; this later becomes the formation of the head in later life. If we turn to the soul, we have the life of imagination, which points us to the past; the life of feeling, which points us to the present; and the life of the will, which points us to the future.
[ 8 ] Wir haben gestern gesehen, daß der Kopf des Menschen zusammenhängt mit dem Peripherischen, mit dem ganzen Kosmos, und daß der Gliedmaßenmensch mit der Erde zusammenhängt. So ist es auch mit dem Seelischen. Das Vorstellungsleben hängt zusammen mit dem Kosmos, das Willensleben mit der Erde, und das rhythmische Leben, das Gefühlselement, das vermittelt zwischen beiden, das ist eben der Ausgleich zwischen beiden, zwischen dem Himmlischen und dem Irdischen. Wir haben auch darauf hingewiesen, daß seit alten Zeiten aus instinktiver Erkenntnis der Urweisheit heraus das, was von der Erde aus in die Gliedmaßen des Menschen hineinwirkt, was nur gemildert wird durch den Kosmos und seine Wirkung, daß das bezeichnet wurde als die Stärke. Und das im Menschen, was in der Hauptesbildung zum Ausdruck kommt, was kosmisch ist, aber durch Irdisches gemildert, das wird seit alter Zeit bezeichnet als Schönheit, und der Ausgleich zwischen beiden, der im rhythmischen Menschen lebt, als Weisheit. Dieselben Bezeichnungen wurden aber auch angewendet auf das Vorstellungsleben, das eben im Sinne alter Mysterienweisheit als von dem Prinzip der Schönheit durchdrungen gedacht wird, das Gefühlsleben, das von der Weisheit durchdrungen gedacht wird, das Willensleben, das von der Stärke durchdrungen gedacht wird.
[ 8 ] Yesterday we saw that the human head is connected to the periphery, to the entire cosmos, and that the human body is connected to the Earth. The same is true of the soul. The life of imagination is connected to the cosmos, the life of the will to the Earth, and the rhythmic life—the element of feeling that mediates between the two—is precisely the balance between them, between the heavenly and the earthly. We have also pointed out that, since ancient times, out of an instinctive recognition of primordial wisdom, that which works from the Earth into the human limbs—and which is only tempered by the cosmos and its influence—has been designated as “strength.” And that aspect of the human being which finds expression in the formation of the head—which is cosmic but tempered by the earthly—has been referred to since ancient times as “beauty,” while the balance between the two, which lives within the rhythmic human being, is called “wisdom.” However, these same terms have also been applied to the life of the imagination—which, in the sense of ancient mystery wisdom, is conceived as permeated by the principle of beauty—to the life of feeling, which is conceived as permeated by wisdom, and to the life of the will, which is conceived as permeated by strength.
[ 9 ] Nun können wir auch auf den Geist des Menschen hinsehen, wie wir auf den physischen Leib und auf die Seele gesehen haben. Auch da haben wir eine dreigliedrige Geistwesenheit des Menschen vor uns. Nur müssen wir beim Geist von drei Zuständen sprechen. Wir können unterscheiden zunächst das, was den Geist uns zeigt, ich möchte sagen, in seiner vollen Durchleuchtung, wenn wir ganz wach sind. Wir können den Geist beobachten in den anderen Zuständen, wenn er zwischen Wachen und Schlafen träumt, und wir können den Geist betrachten, wenn er für das irdische Leben bewußtlos im tiefen Schlafe ist. Das ist der dreigliedrige Geist: der wachende, träumende und schlafende.
[ 9 ] Now we can also look at the human spirit, just as we have looked at the physical body and the soul. Here, too, we see a threefold spiritual being in the human being. However, when it comes to the spirit, we must speak of three states. First, we can distinguish what the spirit reveals to us—I would say—in its full clarity when we are fully awake. We can observe the spirit in its other states, when it dreams between waking and sleeping, and we can contemplate the spirit when it is unconscious of earthly life in deep sleep. This is the threefold spirit: the waking, dreaming, and sleeping spirit.
[ 10 ] Nehmen wir das Wachleben. Das Wachleben ist, wie ja tatsächlich vor der unbefangenen Beobachtung ganz klar ist, das reifste Leben des Menschen, es ist dasjenige, das er sich durch seine Geburt ins physische Dasein hineinträgt. Wenn es auch nicht gleich erscheint, so ist es doch das Vollkommenste, das Reifste, es ist dasjenige, was er dadurch hat, daß er als Mensch geboren wird. So daß wir sagen können: Das Wachleben verweist uns auf die Vergangenheit; das Traumesleben — es scheint natürlich zunächst sonderbar, wenn man vom Traumleben sagt, daß es uns auf die Gegenwart verweist, aber es ist doch so. Sie können in einem gewissen Lebensalter sehr genau beobachten, wie das Traumesleben auf die Gegenwart weist. Das Kind, das ganz kleine Kind, das träumt ja, das hat noch kein völliges Wachleben. Erst wenn die Vergangenheit sich in das Kind hereinbegibt, dann beginnt das Wachleben. Aber das Gegenwärtige ist das Traumesleben; und daß wir den Wachzustand in das Traumesleben hineinbekommen, rührt davon her, daß unser Vorgeburtliches, unsere Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt. Die Gegenwart erzieht uns nur zum Traumesleben. Und das Schlafesleben, es ist dasjenige, durch das wir der Gegenwart noch gar nicht angehören, das verwandt ist mit unserem Willensleben, das das Unvollkommenste in uns ist, das erst vollkommen werden muß; es ist dasjenige, was in uns die Zukunft vorbildet, was auf die Zukunft hinweist. So gehört der Geist der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft an. Der Vergangenheit durch das Wachleben, der Gegenwart durch das Traumleben, der Zukunft durch das Schlafesleben.
[ 10 ] Let us consider waking life. Waking life is—as is in fact quite clear to the unbiased observer—the most mature form of human life; it is the life that a person brings with them into physical existence through birth. Even if it does not appear so at first glance, it is nonetheless the most perfect, the most mature; it is what a person possesses by virtue of being born as a human being. So we can say: Wake life points us to the past; dream life—it seems strange at first, of course, to say that dream life points us to the present, but it is indeed so. At a certain age, you can observe very clearly how the dream life points to the present. The child—the very young child—dreams, after all; it does not yet have a fully developed waking life. Only when the past enters into the child does waking life begin. But the present is the dream life; and the fact that we bring the waking state into the dream life stems from the fact that our prenatal existence, our past, extends into the present. The present educates us only in dream life. And sleep life—it is that through which we do not yet belong to the present at all; it is related to our life of the will, which is the most imperfect part of us, the part that must first become perfect; it is that which prefigures the future within us, which points toward the future. Thus, the spirit belongs to the past, the present, and the future: to the past through waking life, to the present through dream life, and to the future through sleep life.
| Vergangenheit | Gegenwart | Zukunft | |
|---|---|---|---|
| Physisches | Kopfmensch | Rhythmischer Mensch | Gliedmaßenmensch |
| Seele | Vorstellungsleben | Gefühlsleben | Willensleben |
| Geist | Wachleben | Traumleben | Schlafleben |
| Schönheit | Weisheit | Stärke |
| Past | Present | Future | |
|---|---|---|---|
| Physical | Head-oriented person | Rhythmic Being | Limb Being |
| Soul | Imaginative Life | Emotional Life | Volitional Life |
| Spirit | Waking life | Dream life | Sleep life |
| Beauty | Wisdom | Strength |
[ 11 ] Wir können diese drei Zustände, diese drei verschiedenen Stufen des menschlichen Wesens mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Kosinos in Zusammenhang bringen. Für den physischen Leib haben wir das gestern schon getan. Wir haben gesagt: Die ganze Kopfbildung hängt zusammen mit dem, was die Erde als frühere Zustände durchgemacht hat auf Saturn, Sonne, Mond. Der Gliedmaßenmensch bezeugt, daß im Menschen sich etwas ausbildet, was noch gar nicht auf der Erde zur Vollendung kommen kann. Es kam Ihnen spaßig vor, daß ich Ihnen vom Venuszustande gesprochen habe, wo eben die menschliche Bildung ganz anders verlaufen wird als auf der Erde. Auf der Venus wird der Mensch in der Mitte der Entwickelung seines Lebens, sagte ich Ihnen, den Kopf verlieren. Dafür wird ihm aus seinem Gliedmaßenmenschen ein anderer nachwachsen, was in der Gegenwart, meinte ich, für manchen sehr angenehm sein könnte, aber eben nicht der Fall sein kann. Hier muß man, weil der Gliedmaßenmensch die Tendenz hat, Kopf zu werden, aber es erst sein kann, wenn er außerhalb des Irdischen den Zustand zwischen Tod und neuem Leben durchgemacht hat, zufrieden sein mit dem einen Kopf. Aber dieser Gliedmaßenmensch weist auf das hin, was wir physisch werden durch Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand. Der Kopf weist also hin auf Saturn, Sonne, Mond; der Gliedmaßenmensch weist in die Zukunft nach Jupiter, Venus, Vulkan. Der rhythmische Mensch weist auf die Gegenwart der Erde.
[ 11 ] We can relate these three states—these three different stages of human existence—to the past, present, and future of the cosmos. We already did this yesterday with regard to the physical body. We said: The entire development of the head is connected to what the Earth went through in its earlier states on Saturn, the Sun, and the Moon. The limb-human testifies that something is developing within the human being that cannot yet reach completion on Earth. You found it amusing that I spoke to you about the Venusian state, where human development will proceed quite differently than on Earth. On Venus, I told you, the human being will lose their head in the middle of their life’s development. In its place, another head will grow from his “limb-human,” which, I thought, might be very pleasant for some in the present, but simply cannot be the case. Here, because the “limb-human” has the tendency to become a head—but can only do so after passing through the state between death and new life outside the earthly realm—we must be content with just one head. But this “limb-human” points to what we will become physically through the Jupiter, Venus, and Vulcan states. The head thus points to Saturn, the Sun, and the Moon; the “limb-human” points toward the future, toward Jupiter, Venus, and Vulcan. The “rhythmic human” points to the present of the Earth.
[ 12 ] Das Vorstellungsleben weist uns nun nicht so weit zurück wie der Kopf. Es mußte gewissermaßen auch im Kosmos zuerst der Kopf vorhanden sein, bevor er vorstellen konnte. Er weist uns nur hin auf die Sonne und auf den Mond. Das Willensleben weist uns hin auf die Zukunft, auf den Jupiter und auf die Venus. Und das Gefühlsleben gehört wiederum der Gegenwart an.
[ 12 ] The life of the imagination does not take us back as far as the head does. In a sense, the head had to exist first in the cosmos before it could imagine. It merely points us toward the sun and the moon. The life of the will points us toward the future, toward Jupiter and Venus. And the life of feeling, in turn, belongs to the present.
[ 13 ] Nun kommen wir zum Geistigen. Da haben wir das Wachleben und das Schlafleben. Das Wachleben weist uns nur hin auf die Mondenentwickelung; da hat es sich vorgebildet. Das Wachleben ist die Erbschaft der alten Mondenentwickelung, des imaginativen Vorstellens der Mondenentwickelung. Während der Sonnenentwickelung gab es noch kein eigentliches Vorstellungsleben. Das Schlafesleben weist uns hin nach dem Jupiterzustand. Nach dem Jupiterzustand wird das, was sich heute im Schlafe bewegt, äußere Formen annehmen; nach dem Venuszustand wird das, was Willenszustand ist, äußere Formen annehmen. Und die Gliedmaßen nehmen, das ist schon ausgesprochen, äußere Formen an durch die drei folgenden Zustände der Erde. So sehen wir, daß der Mensch nach Leib, Seele und Geist zugeordnet werden kann dem Kosmos.
[ 13 ] Now we come to the spiritual realm. There we have waking life and sleep life. Waking life points us only to the lunar evolution; that is where it took shape. Waking life is the legacy of the ancient lunar evolution, of the imaginative conception of the lunar evolution. During the solar evolution, there was not yet a true life of imagination. Sleep life points us toward the Jupiter state. After the Jupiter state, what is active in sleep today will take on external forms; after the Venus state, what is the state of the will will take on external forms. And the limbs, as has already been stated, take on external forms through the three subsequent states of the Earth. Thus we see that the human being can be related to the cosmos in terms of body, soul, and spirit.
| Kopf | Vorstellungsleben | Wachleben | Schlafleben | Willensleben | Gliedmaßenmensch |
|---|---|---|---|---|---|
| Saturn | Jupiter | Jupiter | Jupiter | ||
| Sonne | Venus | Venus | |||
| Mond | Mond | Vulkan |
| Head | Imaginative Life | Waking Life | Sleep Life | Volitional Life | Limb-Human |
|---|---|---|---|---|---|
| Saturn | Jupiter | Jupiter | Jupiter | ||
| Sun | Venus | Venus | |||
| Moon | Moon | Vulcan |
[ 14 ] Auch wiederum gegenüber dem Wachleben, Traumes- und Schlafesleben ist die Sache so, daß im Sinne der alten Weisheit dem Wachleben die Schönheit, dem Traumesleben die Weisheit zugedacht wird. Dem Schlafesleben wird die Stärke zugedacht. Aus dem Schlafe tragen wir die Stärke für das Leben hinaus. Auf solche Dinge, die aus Lebenszusammenhängen stammen, hat sich die Urweisheit hauptsächlich gestützt.
[ 14 ] Again, when comparing waking life, the life of dreams, and the life of sleep, the situation is such that, according to ancient wisdom, beauty is attributed to waking life and wisdom to the life of dreams. Strength is attributed to the life of sleep. From sleep, we draw the strength we need for life. Ancient wisdom was based primarily on such things, which stem from the context of life.
[ 15 ] Nun aber können wir wiederum das, was wir so durch den dreigliedrigen Menschen aus der Geisteswissenschaft heraus entwickeln, auch auf das menschliche Leben anwenden. Wir können da vielleicht zunächst vom Geiste ausgehen und können uns fragen: Wie steht der Mensch im äußeren Leben, wenn er das äußere Leben mit klaren Vorstellungen überschauen will? Er kann das Vorstellungsleben, das in dem Kopfe ist, in die äußere Welt hineintragen. Aus dem Wachzustand heraus kann er sein äußeres Leben durchdringen mit dem Vorstellen. Das ist eine besondere Art, in der äußeren Welt sich zu betätigen, sie mit dem Vorstellungsleben zu durchdringen. Alles dasjenige, was auf diese Weise geschieht, gehört dem besonderen Gebiete des Geisteslebens an.
[ 15 ] Now, however, we can in turn apply what we have developed through the threefold human being in spiritual science to human life. Perhaps we can begin by considering the spirit and ask ourselves: How does a person relate to external life when they wish to survey it with clear concepts? They can carry the life of imagination that is within the mind out into the external world. From the waking state, they can permeate their external life with imagination. This is a special way of engaging with the external world—permeating it with the life of imagination. Everything that happens in this way belongs to the special realm of spiritual life.
[ 16 ] Gehen wir weiter zu denjenigen Verhältnissen, die sich ergeben durch das Leben, das auf der einen Seite seelisch Gefühlsleben, aber dem Geiste nach ein Traumleben ist; wie gestaltet sich dieses Traumleben? Ja, studieren Sie nur das Leben, dann werden Sie gerade das Walten des Traumlebens unter den Menschen verspüren. Ich bitte Sie einmal, darauf zu achten, wenn Sie Freundschaften schließen, wenn Sie Gefühle der Liebe zwischen sich und einem anderen Menschen entwickeln; wissen Sie nicht, daß Sie da nicht in derselben Weise dabei wach sein können, wie wenn Sie den Pythagoreischen Lehrsatz durchdenken? Wenn Sie richtig die Erfahrungen prüfen, werden Sie sich sagen müssen: Der Zustand, den Sie innerlich erleben, wenn Sie Freundschaft mit Menschen schließen, wenn aus Neigung Sie dies oder jenes für einen Menschen tun, ist wirklich vergleichbar mit dem Traumleben. Sie finden das Traumleben in denjenigen Gefühlen, die von Mensch zu Mensch walten im äußeren Leben.
[ 16 ] Let us now turn to the conditions that arise from life, which on the one hand is an emotional life of the soul, but in terms of the spirit is a dream life; what form does this dream life take? Indeed, just study life, and you will sense precisely how this dream life prevails among human beings. I ask you to pay attention to this when you form friendships, when you develop feelings of love between yourself and another person; don’t you realize that you cannot be as fully awake in those moments as when you are thinking through the Pythagorean theorem? If you examine these experiences properly, you will have to admit to yourself: The state you experience inwardly when you form friendships with people, when you do this or that for someone out of affection, is truly comparable to the dream life. You find the dream life in those feelings that prevail from person to person in outer life.
[ 17 ] Das ist das Leben, das wir aber auch im weitesten Umfange im Rechtsleben entwickeln. Da steht der Mensch dem Menschen gegenüber. Da muß Mensch zu Mensch im allgemeinen das Verhältnis finden. Wir finden unsere besonderen, speziellen Verhältnisse, indem wir den einen Menschen lieben, den anderen hassen, mit dem einen Freundschaft schließen, den anderen nicht riechen können und so weiter. Das sind die speziellen Verhältnisse, die da oder dort differenziert auftreten. Aber das menschliche Leben über die Erde ist nur möglich, wenn alle Menschen zu allen gewisse Beziehungen eingehen können, die wir eben als die politischen, als die staatlichen, als die rechtlichen schildern können. Sie werden dirigiert nicht von demselben wachen Tagesleben, das das Leben durchdringt, sie werden dirigiert von dem Traumesleben. Und wir haben es da zu tun mit dem Rechtsleben, wenn der Mensch das zweite Glied, dieses Traumesleben, der Außenwelt einverleibt.
[ 17 ] This is life, which we also develop to the fullest extent in the legal sphere. There, one person stands face to face with another. There, people must generally find a way to relate to one another. We find our particular, specific relationships by loving one person, hating another, forming a friendship with one, being unable to stand another, and so on. These are the specific relationships that arise in various forms here and there. But human life on Earth is only possible if all people can enter into certain relationships with one another—relationships that we can describe as political, state-related, and legal. They are not governed by the same waking daily life that permeates existence; they are governed by the life of dreams. And we are dealing here with the life of law when a person incorporates the second element—this life of dreams—into the external world.
[ 18 ] Und was tritt ein, wenn er das Schlafesleben einverleibt? Beobachten Sie unbefangen das Leben: Sie haben Hunger, Sie erfreuen sich an einem goldenen Ring mit Edelsteinen, Sie haben das Bedürfnis nach einem Band Iyrischer Gedichte, kurz, Sie haben irgendwelche Bedürfnisse. Sie werden durch andere befriedigt. Aber nun frage ich Sie: Können Sie das übersehen, auch nur so, wie Sie Ihre Freundschaften oder Rechtsverhältnisse übersehen? Das kann niemand. Der einzelne Mensch kann ein Traumleben führen mit Bezug auf die Rechtsverhältnisse; die Wirtschaftsverhältnisse kann einer nicht überschauen, da muß er sich mit anderen assoziieren. Was der eine nicht weiß, kann der andere wissen. Das Bewußtsein des einzelnen Menschen verschwindet in der einen Assoziation. Da ist etwas vorhanden, was völlig im Unbewußten abläuft und nur dadurch geschehen kann, daß der einzelne Mensch es gar nicht übersehen kann, sondern sein Bewußtsein untertauchen läßt in das der Assoziation. Da haben wir das Wirtschaftsleben.
[ 18 ] And what happens when he incorporates the life of sleep? Observe life with an open mind: You are hungry, you take pleasure in a golden ring set with gemstones, you feel the need for a volume of Irish poetry—in short, you have all sorts of needs. They are satisfied by others. But now I ask you: Can you overlook this, even just as you overlook your friendships or legal relationships? No one can. The individual can lead a dream life with regard to legal relationships; one cannot grasp economic relationships on one’s own—there, one must associate with others. What one person does not know, another may know. The individual’s consciousness disappears into the association. There is something at work here that takes place entirely in the unconscious and can only happen because the individual cannot grasp it at all, but instead allows his consciousness to submerge into that of the association. Therein lies economic life.
[ 19 ] Das Geistesleben ist beherrscht von sozialem Wachen, das Rechtsleben von sozialem Träumen; in den modernen Parlamenten geradezu vom Alpdruck, welches auch ein Träumen ist. Das Wirtschaftsleben ist durchsetzt von sozialem Schlafen. Und es muß sich da, wo das menschliche Seelenleben zunächst ins Unbewußte hineinverschwindet, die Liebe ausbreiten über das assoziative Leben. Die Liebe, die ein willensartiges Element ist, Brüderlichkeit muß das Wirtschaftsleben durchsetzen. Freiheit ist das Element des Wachlebens, Brüderlichkeit das Element des Schlaflebens im Sozialen. Und was zwischen beiden steht, das ist dasjenige, worin alle Menschen gleich sind, was sie ausbilden als Gleiche, worinnen der eine verschwindet mit seinem Wachleben, was nur bestimmt wird durch das Verhältnis des einen zu dem anderen, aus dem traumhaften Element des Lebens.
[ 19 ] Spiritual life is dominated by social wakefulness, legal life by social dreaming; in modern parliaments, it is downright dominated by a nightmare, which is also a form of dreaming. Economic life is permeated by social sleep. And where human spiritual life initially disappears into the unconscious, love must spread throughout associative life. Love—which is an element of the will—and brotherhood must permeate economic life. Freedom is the element of waking life; brotherhood is the element of social sleep. And what lies between the two is that in which all people are equal—what they develop as equals—in which the individual disappears with his waking life, determined solely by the relationship of one to the other, from the dreamlike element of life.
[ 20 ] So fließt dasjenige, ich möchte sagen, was im Menschen ist, ein in das, was soziales Leben ist; und man kann eigentlich das soziale Leben nicht anders verstehen, als indem man sich klar macht, was vom einzelnen individuellen Menschen in dieses soziale Leben hineinfließt.
[ 20 ] Thus, what is within the human being—I would say—flows into what social life is; and one cannot truly understand social life except by realizing what flows from the individual human being into this social life.
[ 21 ] 1. Geistesleben: soziales Wachen
2. Rechtsleben: soziales Träumen
3. Wirtschaftsleben: soziales Schlafleben
[ 21 ] 1. Spiritual Life: Social Wakefulness
2. Legal Life: Social Dreaming
3. Economic Life: Social Sleep
[ 22 ] Nun haben wir wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus einen menschlichen Zusammenhang erfaßt. Wir wollen ihn morgen weiter ausführen. Aber bedenken Sie, wie eigentlich diese Dinge an die Menschen der Gegenwart herankommen. Es ist so, daß der Mensch der Gegenwart beginnen kann, zunächst etwa meine «Theosophie» zu lesen. Das ist etwas, das gegenüber dem, was man gelernt hat, etwas paradox anmutet. Man kann vielleicht zunächst nicht viel übrig haben für das, was vorgeführt wird, aber man kann weitergehen, kann die anderen Bücher lesen und sehen, wie das, was in der «Theosophie» steht, weiter vertieft wird. Dann wird man sehen, daß das eine das andere trägt, daß das eine zum anderen hinzukommt, daß die Dinge wohlbegründet sind. Oder man kann auf der anderen Seite die «Kernpunkte» ins Auge fassen. Da kann man zunächst sagen: Ich kann noch nicht einsehen, daß der soziale Organismus einer Dreigliederung unterworfen werden soll. — Nun nehmen Sie alles das hinzu, was wir schon von den verschiedensten Gesichtspunkten her zusammengetragen haben, um wiederum und wiederum zu erhärten, wie dieses soziale Leben wirklich einer Dreigliederung unterworfen werden muß.
[ 22 ] Now, from a certain point of view, we have once again grasped a human connection. We will elaborate on this further tomorrow. But consider how these things actually reach people today. The fact is that people today can begin, for example, by reading my *Theosophy*. This may seem somewhat paradoxical in light of what one has learned. At first, one might not have much regard for what is presented, but one can go further, read the other books, and see how the ideas in *Theosophy* are further developed. Then one will see that one thing supports the other, that one thing builds upon the other, and that these ideas are well-founded. Or, on the other hand, one can focus on the “Key Points.” At first, one might say: I cannot yet see why the social organism should be subject to a threefold division. — Now add to this everything we have already gathered from a wide variety of perspectives to reinforce, time and again, how this social life must indeed be subject to a threefold division.
[ 23 ] Denken Sie, wie wir aus dem Menschen heraus selber, aus seinen geistig-seelischen Zuständen, aus dieser geistseelischen Dreigliederung kommen zu der sozialen Dreigliederung. Wiederum trägt eines das andere. Und selbstverständlich könnte zu dem, was schon hier zusammengetragen worden ist, noch vieles andere hinzugefügt werden; man würde immer mehr die Berechtigung der Forderung von der Dreigliederung des sozialen Organismus sehen. Aber vergleichen Sie mit dem, was ich eben jetzt gesagt habe, das Verhalten unserer Zeitgenossen. Wie nähern sie sich sehr häufig demjenigen, was durch diese anthroposophische Geisteswissenschaft an sie herankommen will? Ich weiß nicht, wie sich die Sache verhält, will sie auch nicht als sehr bindend hier erzählen, aber es wurde mir neulich gesagt, daß bei einem Vortrag, den Dr. Boos für Basler Theologen gehalten hat — wenn es anders ist, kann er es gelegentlich korrigieren —, er gerade demjenigen Mann, der mich am allerintensivsten angegriffen hat, die Frage stellen konnte, ob er meine Vorträge schon gehört hat. Da soll der geantwortet haben, er habe einen gehört, vielleicht auch zwei. — Nun, es ist ein Beispiel für viele. Die Leute haben gerade den Drang, einmal einen Vortrag zu hören, oder in ein Buch hineinzuschauen und ein paar Seiten zu lesen. Danach läßt sich aber die Geisteswissenschaft und alles das, was zusammenhängt mit ihren sozialen Konsequenzen, nicht beurteilen; denn die Geisteswissenschaft fordert ein ganz anderes Verhältnis zu allem, als das, was solche Menschen geltend machen. Solche Menschen, die dressieren diejenigen, die ihnen anvertraut sind, ohne diese Geisteswissenschaft, soweit es nur geht — und sie dressieren sich selber ohne die Geisteswissenschaft, und dann kommen sie und nehmen einmal Notiz in kurzer Weise. So geht es eben nicht, sondern es geht einzig und allein so, daß Geisteswissenschaft wirklich durchdringt unser gesamtes Bildungswesen und daß das, was anthroposophisch durchdrungen ist, an die Stelle dessen tritt, was im Laufe der letzten Jahrhunderte geistlos geworden ist. Das ist wichtig, daß wir es beachten, daß wir wenigstens für uns wissen, was nötig ist. Niemals frommen kann der geisteswissenschaftlichen Entwickelung, wenn es auch da oder dort geschehen mag aus diesen oder jenen Opportunitätsgründen heraus, daß irgend jemand zu einem einzigen Vortrage herangeschleppt wird, denn aus einer solchen Kenntnisnahme wird meist nichts anderes entstehen, als daß der Betreffende abgeschreckt wird. Geisteswissenschaft muß so betrieben werden, daß ihr der Weg geebnet wird in das gesamte Bildungswesen, in das gesamte Leben der Gegenwart. Das ist natürlich das, was den Weg der Geisteswissenschaft schwer macht, was auf der anderen Seite uns die Notwendigkeit, die Verpflichtung auferlegt, auch unseren ganzen Menschen für diese Geisteswissenschaft einzusetzen, wenn wir selbst ihren Nerv begriffen haben.
[ 23 ] Consider how we arrive at the threefold social order from within the human being himself—from his spiritual and soul states, from this threefold division of spirit and soul. Once again, one aspect supports the other. And of course, much more could be added to what has already been gathered here; one would see more and more the justification for the call for the threefold structure of the social organism. But compare what I have just said with the attitude of our contemporaries. How do they very often approach what this anthroposophical spiritual science seeks to convey to them? I don’t know exactly how things stand, nor do I wish to present this as a definitive account here, but I was recently told that during a lecture Dr. Boos gave to theologians in Basel—if this is not accurate, he can correct it at a later time—he was able to ask the very man who had attacked me most vehemently whether he had already heard my lectures. The man is said to have replied that he had heard one, perhaps even two. — Well, that’s just one example among many. People tend to feel the urge to listen to a single lecture or to glance through a book and read a few pages. But one cannot judge spiritual science and everything connected with its social consequences on that basis; for spiritual science demands an entirely different relationship to everything than what such people claim. Such people train those entrusted to them without this spiritual science, as far as possible—and they train themselves without the spiritual science—and then they come along and take brief note of it. That simply won’t work; rather, the only way forward is for spiritual science to truly permeate our entire educational system, and for what is imbued with anthroposophy to take the place of what has become spiritless over the course of the last few centuries. It is important that we bear this in mind, that we at least know for ourselves what is necessary. It can never benefit the development of spiritual science—even if it happens here and there for one reason or another—if someone is dragged along to a single lecture, for such an encounter will usually result in nothing more than the person being put off. Spiritual science must be pursued in such a way that the path is paved for it to enter the entire educational system and the whole of contemporary life. This, of course, is what makes the path of spiritual science difficult; yet, on the other hand, it imposes upon us the necessity—indeed, the obligation—to devote our entire being to this spiritual science once we ourselves have grasped its essence.
[ 24 ] Dieses Einsetzen des ganzen Menschen, es ist ja leider gerade in der Anthroposophischen Gesellschaft nicht immer gepflegt worden. Man muß sich immer wieder erinnern daran, wie die Menschen zuweilen sich geschämt haben, sich als Anthroposophen zu bekennen. — Wir wollen einmal da oder dort einen Vortrag veranstalten, aber das Wort «Theosophie» oder «Anthroposophie» darf nicht genannt werden; es muß nur anthroposophisch sein, darf aber nicht «anthroposophisch» genannt werden, oder «anthroposophische Bewegung» oder «Theosophie» und so weiter. Auch bezüglich der Eurythmie haben wir ja erlebt, daß die Leute verlangen, sie in die Schule einzuführen, aber es darf nicht gesagt werden, woher es kommt. Man will — das ist der beliebte Ausdruck — da oder dort etwas «einfließen» lassen. Durch dieses Einfließenlassen, durch dieses Zurückschrecken vor dem vollen Eintreten, kommen wir nicht vorwärts, sondern es kommen uns überall diejenigen Dinge entgegen, die so recht aus der Gesinnung der Gegenwart herausgeboren sind, und die eigentlich Kulturunverschämtheiten sind. Neulich wurde von Frau Baumann, der Waldorflehrerin für Eurythmie, ein sehr hübscher Artikel geschrieben für eine schweizerische Frauenzeitung, über Eurythmie als pädagogisches Mittel. Der Aufsatz wurde auch abgedruckt; aber wenn Anthroposophie oder gar mein Name genannt wurde, so hatte es die Redaktion sorgfältig herausgestrichen. Diese Dinge bezeugen, daß man ja das Geistesgut schon gebrauchen kann, aber in der lügenhaften Welt der Gegenwart möchte man eben dieses Geistesgut haben, ohne gerade diejenigen Kräfte, die dieses Geistesgut einmal nach der Notwendigkeit der Gegenwart zu tragen haben.
[ 24 ] This commitment of the whole person has, unfortunately, not always been cultivated, especially within the Anthroposophical Society. We must constantly remind ourselves how people have at times been ashamed to identify as anthroposophists. — We might want to organize a lecture here or there, but the words “Theosophy” or “Anthroposophy” must not be mentioned; it must simply be anthroposophical, but must not be called “anthroposophical,” or the “anthroposophical movement,” or “Theosophy,” and so on. We have also seen this with eurythmy: people demand that it be introduced into schools, but its origins must not be mentioned. People want—as the popular expression goes—to let something “flow in” here or there. By allowing this to “flow in,” by shying away from fully embracing it, we do not move forward; instead, we are confronted everywhere with those things that are truly born of the spirit of the present age and that are, in fact, cultural outrages. Recently, Ms. Baumann, the Waldorf eurythmy teacher, wrote a very nice article for a Swiss women’s magazine about eurythmy as a pedagogical tool. The essay was also reprinted; but whenever anthroposophy or even my name was mentioned, the editors had carefully struck it out. These things show that people are indeed willing to make use of this spiritual heritage, but in today’s deceitful world, they want to have this spiritual heritage without the very forces that are needed to carry it forward in accordance with the necessities of the present.
[ 25 ] Ein gutes Teil davon hat die Anthroposophische Gesellschaft selbst bewirkt durch dieses «Einfließenlassen», durch das Zurückschrecken vor dem vollen Eintreten. Es sollte gerade derjenige, der an dieses anthroposophische Geistesgut herantritt und der sieht, wie die Dinge mit mathematischer Klarheit einander tragen, er sollte aus der Sache selbst Mut und Kraft finden, voll der Welt gegenüber für diese Sache einzutreten. Ein Dienst wird der Menschheit wahrhaftig nicht geleistet, wenn zurückgezuckt wird vor dem vollen Eintreten, und dieses volle Eintreten muß schon einmal gelernt werden von den Gegnern. Die treten voll ein, die treten in bezug auf die Gegnerschaft voll ein! Man kann es immer wiederum erleben, wie gerade uns gegenüber jedes scharfe Wort, das abgerungen werden muß der Notwendigkeit, übelgenommen wird. So wurde mir in jüngster Zeit recht übelgenommen, daß ich den Grafen Keyserling das genannt habe, was er ist, daß ich gesagt habe, er habe gelogen! Derjenige, der sagt, daß ich von Haeckel ausgegangen bin, der braucht nur die Ausführungen zu den Goetheschen naturwissenschaftlichen Schriften zu lesen; er wird sehen, wovon ich ausgegangen bin, auch in meiner Schriftstellerei, und er lügt, wenn er sagt, ich sei von Haeckel ausgegangen, weil ich im Verlaufe meines Lebens auch einmal über Haeckel eine Broschüre geschrieben habe. Die inneren Zusammenhänge werden von solchen Tröpfen wie Keyserling nicht geschaut. Diese inhaltsleeren Leute haben das große Publikum, weil man nichts zu denken braucht, wenn man sich ihnen hingibt.
[ 25 ] The Anthroposophical Society itself has played a significant role in this through this “allowing things to flow in,” through its reluctance to fully embrace the movement. It is precisely those who approach this anthroposophical body of thought and see how the various elements support one another with mathematical clarity who should find courage and strength from the cause itself to stand up fully for it before the world. A true service to humanity is certainly not rendered by shying away from full commitment, and this full commitment must first be learned from the opponents. They stand fully behind it—they stand fully behind it in the face of opposition! One can see time and again how, especially when directed at us, every sharp word that must be wrested from necessity is taken amiss. For example, I was recently taken quite amiss for calling Count Keyserling what he is, for saying that he had lied! Anyone who claims that I based my views on Haeckel need only read my commentaries on Goethe’s scientific writings; they will see what my starting point has been, even in my own writing, and they are lying when they say I based my views on Haeckel simply because I once wrote a pamphlet about Haeckel in the course of my life. The inner connections are not perceived by such fools as Keyserling. These vacuous people have a large following because one doesn’t have to think at all when one surrenders to them.
[ 26 ] Das ist aber notwendig, daß man endlich einsehe, daß, wenn auf unserem Boden scharfe Worte gesprochen werden, sie abgerungen sind der Notwendigkeit; daß wahrhaftig keine Sympathie für diese scharfen Worte besteht, daß man dann aber auch nicht kommen darf und sagen, es sei aus Lieblosigkeit geschehen. Soll man diejenigen Menschen lieben, die lügen und dadurch der Wahrheit den Weg vertreten? Und von diesem Gesichtspunkte aus müssen die Dinge auch angesehen werden. Wer findet, daß wir in der Polemik zu scharf sind, der wende sich nicht an uns, sondern er wende sich an die Angreifer. Denn wenden wir uns tüchtig gegen die Angreifer, dann wird es etwas helfen; aber nichts helfen wird es, wenn wir einige wenige in der notwendigen Abwehr allein lassen.
[ 26 ] It is, however, necessary to finally recognize that when harsh words are spoken on our soil, they are born of necessity; that there is truly no sympathy for these harsh words, but that one must not then come and say that it was done out of a lack of love. Should one love those who lie and thereby obstruct the path of truth? And things must also be viewed from this perspective. Anyone who thinks we are too harsh in our polemics should not turn to us, but should turn to the attackers. For if we vigorously oppose the attackers, it will help somewhat; but it will not help at all if we leave a few people alone in their necessary defense.
