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The Rudolf Steiner Archive

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The Bridge Between the Spiritual and
Physical Realms of Human Beings
GA 202

23 December 1920, Dornach

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Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] In drei Jahresfesten gedenkt die Christenheit desjenigen Wesens, das für sie dem Erdenleben seinen Sinn gibt, von dem ausstrahlt die stärkste Kraft dieses Erdenlebens. Von diesen drei Festen stellt das Weihnachtsfest die größten Anforderungen an unser Empfinden; es will gewissermaßen unser Empfinden am meisten verinnerlichen. Das Osterfest stellt die größten Anforderungen an dasjenige, was wir menschliches Verständnis, menschliches Begreifen nennen; das Pfingstfest an dasjenige, was wir menschliches Wollen nennen. Und im Grunde genommen begreift man das, was im Weihnachtsmysterium liegen soll, nur durch die Verinnerlichung, durch die Vertiefung desjenigen Empfindens, das uns unsere ganze menschliche Wesenheit, unseren Wert und unsere Würde als Menschen vergegenwärtigt.

[ 1 ] Through three annual festivals, Christianity commemorates the Being who gives meaning to earthly life for Christians, from whom the greatest power of this earthly life radiates. Of these three festivals, Christmas places the greatest demands on our feelings; in a sense, it seeks to internalize our feelings the most. Easter places the greatest demands on what we call human understanding and human comprehension; Pentecost on what we call human will. And fundamentally, one can only grasp what lies at the heart of the Christmas mystery through internalization—through the deepening of that feeling which brings to mind our entire human being, our value, and our dignity as human beings.

[ 2 ] Nur wenn man das, was im Weltenall Mensch ist, in der rechten Weise und innig genug empfinden kann, wird man jener Stimmung gerecht, welche die wahre Weihnachtsstimmung sein soll. Nur wenn man jenes Wunder zu seinem völligen Verständnis bringt, das im Ostermysterium enthalten ist, das Wunder der Auferstehung, dann wird man diesem Ostermysterium gerecht, und nur wenn man in dem Pfingstfest etwas sieht, was Kraft bedeutet zur Entwickelung unserer Willensimpulse, was unseren Willen hinaushebt über die bloßen Erdeninstinkte, dann sieht man im rechten Lichte dasjenige, was das Pfingstfest sein soll.

[ 2 ] Only when one can perceive what it means to be human in the universe in the right way and with sufficient depth can one do justice to the spirit that is meant to be the true spirit of Christmas. Only when one fully comprehends the miracle contained in the mystery of Easter—the miracle of the Resurrection—does one do justice to this Easter mystery; and only when one sees in the Feast of Pentecost something that signifies the power to develop our impulses of will, something that lifts our will above mere earthly instincts, does one see in the proper light what the Feast of Pentecost is meant to be.

[ 3 ] Zu den Vaterprinzipien des Weltenalls steht in Beziehung der Christus Jesus: dies vergegenwärtigt uns das Weihnachtsfest. Zu dem, was man gewohnt worden ist das Sohnesprinzip zu nennen, steht der Christus Jesus in Beziehung: das vergegenwärtigt uns das Ostermysterium. Zu demjenigen, was die Welt durchwallt und durchwebt als Geist, steht der Christus in der Art in Beziehung, wie es uns das Pfingstmysterium vergegenwärtigt.

[ 3 ] Christ Jesus is related to the Father principles of the universe: this is what the Christmas festival brings to our attention. Christ Jesus is related to what has come to be called the Son principle: this is what the mystery of Easter brings to our attention. Christ relates to that which surges through and interweaves the world as Spirit in the way that the mystery of Pentecost brings to our awareness.

[ 4 ] Indem wir die äußerliche Natur um uns sehen, sehen wir durch die Kräfte dieser Natur auch den Menschen in sein physisches Dasein hereintreten. Wir wissen aus alldem, was uns aus der Geisteswissenschaft kommen kann, daß wir diese Natur nicht im rechten Sinne betrachten, wenn wir sie nur ihren physisch-sinnlichen Äußerlichkeiten nach ansehen. Wir wissen, daß göttliche Kräfte die Natur umweben, und wir werden unseres Ursprungs aus der Natur nur dann uns im wahren Sinne des Wortes bewußt, wenn wir auf dieses die Natur durchwallende und durchwebende Göttliche hinsehen können. Dann blicken wir auf zu den Vaterprinzipien der Natur. Alles, was die Natur als Göttliches durchwallt und durchwebt, sind uns Vaterprinzipien im Sinne älterer Religionen und auch im Sinne des richtig verstandenen Christentums. Ob wir gewahr werden, wie das Blümchen auf dem Felde wächst, ob wir gewahr werden, wie aus der Wolke der Donner rollt und der Blitz zuckend niederschießt, ob wir die Sonne über den Himmel gehen und die Sterne leuchten sehen, ob wir die Quellen und den Strom rauschen hören — wenn wir das, was in diesen äußeren Offenbarungen des Naturdaseins sich geheimnisvoll als der Ursprung alles Werdens zeigt, gewahr werden, dann werden wir auch dessen gewahr, was uns selber durch das Mysterium der physischen Geburt in diese Welt hereinstellt.

[ 4 ] As we observe the external natural world around us, we also see, through the forces of this nature, human beings entering into their physical existence. We know from all that spiritual science can teach us that we are not viewing this nature in the proper sense if we consider it solely in terms of its physical and sensory outward appearances. We know that divine forces permeate nature, and we become aware of our origin in nature—in the true sense of the word—only when we can look toward this divine that surges through and permeates nature. Then we look up to the fatherly principles of nature. Everything that surges through and weaves through nature as the divine is, for us, fatherly principles in the sense of the ancient religions and also in the sense of Christianity properly understood. Whether we become aware of how the little flower grows in the field, whether we become aware of how thunder rolls from the cloud and lightning flashes down, whether we see the sun crossing the sky and the stars shining, whether we hear the springs and the river rushing — when we become aware of what mysteriously reveals itself in these outward manifestations of nature as the origin of all becoming, then we also become aware of that which brings us ourselves into this world through the mystery of physical birth.

[ 5 ] Aber dieses Mysterium der physischen Geburt, es bleibt in Ansehung des Wesens des Menschen immer etwas Unerklärliches, wenn wir es nicht verbinden können mit dem, was wir durch ein inniges Empfinden erleben im Gedenken des Weihnachtsmysteriums, im Gedenken der Kindheit, die durch die Jesusknaben in die Menschheit gekommen ist. Was sagt uns das Dasein dieser Jesusknaben? Es sagt uns nichts Geringeres, als daß zum vollen Menschsein es nicht genügt, bloß geboren zu werden, bloß also durch diejenigen Kräfte in der Welt anwesend zu sein, die als physische Geburtskräfte alle Wesen und auch den Menschen ins Dasein führen. Dieses heilige Weihnachtsmysterium, es besagt uns im Anblicke der Kindheit Christi, daß das wahre Menschsein in uns nicht einfach geboren werden kann, sondern daß es im Innersten der Seele neugeboren werden muß, daß der Mensch im Laufe seines Lebens innerhalb seines seelischen Daseins etwas erfahren muß, was ihn erst zum vollen Menschen macht. Und dieses, was er da erfahren soll, kann er nur erfahren, wenn er es im Zusammenleben mit dem erfährt, was in der Kindheit am Weltweihnachtsfest in die Erdenentwickelung hereingezogen ist.

[ 5 ] But this mystery of physical birth remains, in regard to the essence of the human being, something inexplicable unless we can connect it with what we experience through a deep inner feeling as we commemorate the Christmas mystery—the childhood that entered humanity through the Jesus children. What does the existence of these child Jesus figures tell us? It tells us nothing less than that, to attain full humanity, it is not enough merely to be born—that is, merely to be present in the world through those forces which, as physical forces of birth, bring all beings, including human beings, into existence. This holy Christmas mystery, as we contemplate the childhood of Christ, tells us that true humanity cannot simply be born within us, but must be reborn in the innermost depths of the soul; that in the course of his life, a human being must experience something within his soul that makes him a fully human being. And this experience can only be attained if it is lived in harmony with that which was drawn into the Earth’s evolution during the Christmas festival of the world.

[ 6 ] Wir blicken auf Jesu Kindheit und müssen uns sagen: Nur dadurch, daß dieses Wesen im Laufe der Menschheitsentwickelung unter die Menschen getreten ist, ist der Mensch im vollen Sinne des Wortes erst fähig, Mensch zu sein, das heißt, zu verbinden das, was er durch die Geburt empfängt, mit dem, was er über sich selbst empfinden kann durch alles dasjenige, was er an hingebungsvoller Liebe fühlt zu dem Wesen, das aus geistigen Höhen herabgestiegen ist, um sich mit dem Menschendasein durch das große Opfer zu verbinden.

[ 6 ] As we look upon Jesus’ childhood, we must tell ourselves: It is only because this being came among humanity in the course of human evolution that human beings, in the fullest sense of the word, are truly capable of being human, that is, to connect what he receives through birth with what he can perceive about himself through all that he feels in terms of devoted love for the being who descended from spiritual heights to unite with human existence through the great sacrifice.

[ 7 ] Es war für viele Menschen der ersten christlichen Jahrhunderte ein großes Erleben, das Hereingehen des Christus-Wesens in die Erdenentwickelung anzuschauen. Es wurde ihnen gewissermaßen dadurch des Menschen zweifacher Ursprung gegenwärtig, sein physischer und sein geistiger Ursprung. Eine Geburt ist es, durch die Jesus geht. Auf ein erdengeborenes Kindlein sieht der Christ, indem er zur Weltenweihnacht nach dem Jesus hinsieht, aber er sagt sich: Ein anderes Wesen, als es die übrigen Menschen sind, wird da geboren, ein Wesen, durch das die anderen Menschen eben dasjenige bekommen können, was sie durch die bloße physische Geburt nicht bekommen können. — Und unser Empfinden vertieft sich, wenn wir das Wort im rechten Sinne und mit der rechten Liebe verstehen: Zweimal geboren müssen wir sein, das eine Mal durch die Kräfte der Natur, das andere Mal wiedergeboren durch die Kräfte des Christus Jesus. Das ist unsere Gemeinschaft mit dem Christus Jesus, das ist dasjenige, was uns durch den Christus Jesus erst das volle Bewußtsein unseres Menchenwertes und Menschencharakters beibringt. Und indem wir aus der Entwickelung der Jahrhunderte eine Lehre ziehen, müssen wir uns fragen: Ist dieses Empfinden gegenüber der Geburt des Christus Jesus immer gleich tief geblieben? Wir können nicht sagen, wenn wir uns in der Welt umsehen, daß wir auch in der heutigen Zeit jene Innigkeit des Empfindens gegenüber dem Weihnachtsmysterium besitzen, die selbst noch vor fünf bis sechs Jahrhunderten in Europa vorhanden war.

[ 7 ] For many people in the early centuries of Christianity, witnessing the entry of the Christ Being into Earth’s evolution was a profound experience. In a sense, this made them aware of the dual origin of the human being—its physical and spiritual origins. It is a birth that Jesus undergoes. When Christians look toward Jesus on Christmas, they see a child born of the earth, but they say to themselves: A being different from all other human beings is being born here—a being through whom other human beings can receive precisely what they cannot receive through mere physical birth. — And our sense of this deepens when we understand the Word in its true sense and with true love: We must be born twice—once through the forces of nature, and again reborn through the forces of Christ Jesus. This is our communion with Christ Jesus; this is what, through Christ Jesus, first imparts to us the full awareness of our human worth and human character. And as we draw lessons from the course of the centuries, we must ask ourselves: Has this sense of the birth of Christ Jesus always remained equally deep? When we look around the world, we cannot say that even in our own time we possess that same depth of feeling toward the Christmas mystery that was still present in Europe even five or six centuries ago.

[ 8 ] Sehen Sie, der Christbaum ist etwas Schönes, etwas, das in sehr anmutendem Sinne zu unserem Gemüte spricht. Aber der Christbaum ist nicht etwas Altes, der Weihnachtsbaum ist kaum zwei Jahrhunderte alt. Er hat sich verhältnismäßig schnell in europäischen Gegenden eingebürgert, aber er ist doch erst in der neueren Zeit zum Schmucke des Weihnachtsfestes entstanden. Was stellt er uns denn eigentlich dar? Er stellt uns die schöne, die liebenswürdige, sympathische Seite desjenigen dar, was auch in einer anderen Weise, in einer weniger sympathischen, in einer weniger anmutigen Weise uns in der neueren Menschheitsentwickelung vor die Seele tritt. Man mag noch so tief forschen nach den Impulsen, aus denen der Weihnachtsbaum in der neueren, neuesten Zeit eigentlich hervorgegangen ist, man wird nur geheimnisvolle Empfindungen finden, aus denen der Weihnachtsbaum entstanden ist. Aber diese geheimnisvollen Empfindungen tendieren alle dahin, daß wir im Weihnachtsbaume doch etwas zu sehen haben wie ein Symbolum des Paradiesesbaumes. Was aber besagt uns dieses? Es besagt uns, daß die Menschen doch immer fremder und fremder geworden sind demjenigen, was sich ihrer Empfindung darbot, als diese Empfindung sich richtete hin nach der Krippe, nach dem Geburtsmysterium des Christus Jesus, nach dem, was im Beginne unserer Zeitrechnung sich zugetragen hat; daß der neueren Menschheit dieses Wiedergeborenwerden des Menschen in der Seele in einer gewissen Weise abhanden gekommen ist und diese neuere Menschheit von dem Christus-Baum, der das Kreuz darstellt, zurückblicken will nach jenem Ursprunge, der noch nichts weiß von dem Christus: nach dem Ursprunge der Erdenmenschheit selber, nach dem natürlichen Ausgangspunkte des Menschheitswerdens, von Christus ab zurück zum Paradiese, von der Feier des Weihnachtstages, des 25. Dezembers, zu der Feier des Adam- und Eva-Festes, des 24. Dezembers.

[ 8 ] You see, the Christmas tree is a beautiful thing, something that speaks to our hearts in a very charming way. But the Christmas tree is not an ancient tradition; it is barely two centuries old. It has become established relatively quickly in European regions, but it has only emerged in recent times as a decoration for the Christmas season. What does it actually represent to us? It represents the beautiful, the charming, the sympathetic side of that which also presents itself to our souls in a different way—in a less sympathetic, less graceful way—in the recent development of humanity. No matter how deeply one may probe into the impulses from which the Christmas tree actually emerged in recent, very recent times, one will find only mysterious feelings from which the Christmas tree arose. But these mysterious feelings all point to the fact that we must see in the Christmas tree something like a symbol of the Tree of Paradise. But what does this tell us? It tells us that people have indeed become increasingly estranged from what presented itself to their sensibility—that sensibility which was directed toward the manger, toward the mystery of the birth of Christ Jesus, toward what took place at the beginning of our era; that modern humanity has, in a certain sense, lost this rebirth of the human soul, and that this modern humanity, looking back from the Christ-tree—which represents the cross—wishes to return to that origin which knows nothing yet of Christ: to the origin of earthly humanity itself, to the natural starting point of humanity’s becoming—away from Christ and back to Paradise, from the celebration of Christmas Day, December 25, to the celebration of the Feast of Adam and Eve, December 24.

[ 9 ] Es ist schön geworden, weil ja der Menschheitsursprung auch schön ist als Paradiesesursprung, was sich da hingestellt hat, aber es ist eine Ablenkung von dem eigentlichen Geburtsmysterium des Christus Jesus. Es hat bewahrt alle Tiefe und Innigkeit des Empfindens, dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume, und es tröstet dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume, das in jedem Jahre aus der Innigkeit des Menschengemütes bei denen auftritt, die guten Willens sind, es tröstet dieses Hinschauen zum Weihnachtsbaume über das andere, das nun in weniger sympathischer Weise in der neueren Zeit abgelenkt hat von dem Christus-Mysterium und hinführt zu den ursprünglich-natürlichen Geburtskräften der Menschwerdung.

[ 9 ] It has become beautiful, because the origin of humanity is also beautiful as the origin of paradise—that is what has been portrayed there—but it is a distraction from the actual mystery of the birth of Jesus Christ. It has preserved all the depth and intimacy of feeling in this gaze toward the Christmas tree, and this gaze toward the Christmas tree—which arises every year from the depths of the human heart among those of good will—brings comfort, this act of gazing at the Christmas tree brings comfort in spite of the other trend that, in a less appealing way in recent times, has diverted attention from the mystery of Christ and led people toward the original, natural forces of birth associated with the Incarnation.

[ 10 ] Christus Jesus ist hingetreten unter ein Volk, das den Jahve, den Jehova verehrt hat, jenen Jahvegott, der zusammenhängt mit alledem, was natürliches Dasein ist, der da lebt im Blitz und Donner, der da lebt im Gange der Wolken, der Sterne, der da lebt in dem rauschenden Quell, dem Strom, der da lebt im Wachstum der Pflanzen, Tiere und Menschen. Jahve ist derjenige Gott, der, wenn man sich mit ihm allein verbindet, dem Menschen niemals das volle Menschtum geben kann. Denn er gibt dem Menschen das Bewußtsein seiner natürlichen Geburt, allerdings mit ihrem geistigen Einschlag von Kräften, die nicht bloß natürlich sind, aber er gibt dem Menschen nicht das Bewußtsein von seiner Wiedergeburt, die er sich erwerben muß durch etwas, was ihm nicht durch natürlich-sinnlich-physische Kräfte gegeben werden kann. Und so sehen wir denn, wie abgelenkt worden ist die neuere Menschheit von dem Christus Jesus, für den es keinen Unterschied gibt der Klassen, keinen Unterschied der Völker, keinen Unterschied der Rassen, für den es nur ein einziges Menschtum gibt, wie abgelenkt worden sind die Gedanken, die Empfindungen der neueren Menschheit zu dem, was durch das Mysterium des Geborenwerdens des Christus Jesus schon überwunden war: zu dem hin, was nur zugrunde liegt den natürlichen Kräften der Menschheitsentstehung, die zusammenhängen mit der Menschheitsdifferenzierung in Klassen, in Völker, in Rassen. Und wenn es der eine Jahve war, welchen das Judenvolk verehrt hat, als der Christus Jesus ankam, so sind die neueren Völker zurückgekehrt zu den vielen Jahves! Denn das, was aus den heutigen nationalen Prinzipien heraus die Völker verehren — wenn es auch nicht mehr mit den alten Namen bezeichnet wird, was sie so verehren, daß sie sich trennen in Nationen, daß sie sich befehden als Nationen —, es sind Jahves. Und wir erleben es, daß die Völker in blutigen Kriegen miteinander kämpfen und daß ein jedes sich unter Umständen auf den Christus beruft. Es ist aber in Wahrheit nicht der Christus, auf den sich dann die Völker berufen, es ist nur ein Jahve, nicht der einige Jahve, sondern ein Jahve. Die Menschen sind bloß zu ihm zurückgekehrt. Die Menschen haben vergessen, wie ein Fortschritt darinnen lag, daß von dem Jahveprinzip zu dem Christus-Prinzip vorgeschritten worden ist. Das ist das andere.

[ 10 ] Christ Jesus came among a people who worshiped Yahweh, Jehovah—that God Yahweh who is connected to all of natural existence, who lives in lightning and thunder, who lives in the movement of the clouds and the stars, who lives in the rushing spring and the river, who lives in the growth of plants, animals, and humans. Yahweh is the God who, when one connects with him alone, can never give a person full humanity. For he gives human beings the awareness of their natural birth—albeit with its spiritual influence from forces that are not merely natural—but he does not give them the awareness of their rebirth, which they must attain through something that cannot be given to them by natural, sensory, or physical forces. And so we see how modern humanity has been diverted from the Christ Jesus—for whom there is no distinction of classes, no distinction of peoples, no distinction of races, for whom there is only a single humanity—how the thoughts and feelings of modern humanity have been diverted toward what had already been overcome through the mystery of the birth of the Christ Jesus: toward that which merely underlies the natural forces of humanity’s origin, forces connected with humanity’s differentiation into classes, peoples, and races. And if it was the one Yahweh whom the Jewish people worshiped when Christ Jesus arrived, then the modern peoples have returned to the many Yahwehs! For what the peoples worship today based on modern national principles—even if what they worship is no longer designated by the old names, and even though they worship it to the point of dividing themselves into nations and waging war against one another as nations—these are Yahwes. And we witness the peoples fighting one another in bloody wars, each of them, under certain circumstances, invoking the Christ. But in truth, it is not the Christ to whom the peoples then appeal; it is merely a Yahweh—not the one Yahweh, but a Yahweh. People have merely returned to him. People have forgotten what a step forward it was to have progressed from the Yahweh principle to the Christ principle. That is the difference.

[ 11 ] In schöner Weise führt uns der Weihnachtsbaum zurück zu dem Menschenursprung, in häßlicher Weise führt uns zurück das die Völker ergreifende Jahveprinzip. Tatsache ist, daß sie dasjenige, was nur ein Jahve ist, durch eine innere Empfindungslüge oftmals als den Christus ansprechen, also den Christus-Namen im Grunde genommen mißbrauchen. In furchtbarer Weise wird der Christus-Name in der Gegenwart mißbraucht, und wir finden nicht die wirkliche Vertiefung des Empfindens, die wir heute brauchen, um das Weihnachtsmysterium wiederum in der richtigen Weise in uns zu erfühlen, wenn wir nicht klar einsehen, wie wir wiederum den Weg suchen müssen, um diese Empfindung gegenüber dem Christus Jesus zu finden. Wir brauchen ein neues Verständnis desjenigen, was uns überliefert worden ist, auch in bezug auf die Geburt des Christus Jesus.

[ 11 ] The Christmas tree leads us back to the origins of humanity in a beautiful way; the Yahweh principle, which grips the nations, leads us back in an ugly way. The fact is that, through an inner emotional delusion, they often address that which is merely Yahweh as the Christ, thus essentially misusing the name of Christ. The name of Christ is being misused in a terrible way today, and we will not find the true depth of feeling we need today to once again experience the Christmas mystery within ourselves in the right way unless we clearly recognize how we must once again seek the path to finding this feeling toward Christ Jesus. We need a new understanding of what has been handed down to us, including with regard to the birth of Christ Jesus.

[ 12 ] Zweierlei Arten von Menschen, die natürlich doch nur dieselbe eine Menschheit in sich repräsentieren, wird der Christus, der Jesus angekündigt am Weltenweihnachtsfeste: den ungebildeten, armen Hirten des Feldes, die nichts in sich aufgenommen haben als den einfältigen Menschenverstand und das einfältige Menschengemüt, und verkündigt wird er den Weisen aus dem Morgenlande, das heißt aus dem Weisheitslande. Verkündigt wird er ihnen durch einen höchsten Aufstieg zu ihrer Weisheit, zu einem Lesen aus den Sternen. Bei einfachen Hirtenseelen also kündigt sich der Christus Jesus an, und in der höchsten Weisheit der drei magischen Weisen aus dem Morgenlande kündigt sich der Christus Jesus an. Es ruht der tiefste Sinn in dieser Gegenüberstellung der Ankündigung des Christus Jesus auf der einen Seite an die einfältigen Hirten, auf der anderen Seite an die Weisesten der Welt.

[ 12 ] Christ, whom Jesus announced at the universal Christmas celebration, is revealed to two kinds of people—who, of course, represent the same single humanity: the uneducated, poor shepherds of the fields, who have absorbed nothing within themselves but simple human reason and the simple human heart; and he is revealed to the wise men from the East, that is, from the land of wisdom. He is revealed to them through a supreme ascent to their wisdom, through a reading of the stars. Thus, Christ Jesus is announced to the simple souls of the shepherds, and Christ Jesus is announced in the highest wisdom of the three magical Magi from the East. The deepest meaning lies in this juxtaposition of the announcement of Christ Jesus, on the one hand, to the simple shepherds, and on the other hand, to the wisest of the world.

[ 13 ] Und wie kündigt sich der Christus Jesus den einfältigen, armen Hirten auf dem Felde an? Sie schauen mit dem Seelenauge den lichten Engel. Ihr Schauen wird wachgerufen, ihr Hellhören wird wachgerufen. Ste hören die tiefen Worte, die für sie in der Zukunft der Sinn des Erdenlebens werden sollen: Es offenbart sich der Gott in der Höhe, und es wird werden der Friede unter den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sein können. — Aus der Tiefe der Seele steigt auf jene Fähigkeit, durch welche in der Weihenacht die armen, einfältigen Hirten ohne irgendwelche Weisheit empfindend erleben, was sich der Welt offenbart. Aus der Vollendung derjenigen Weisheit, die bis zum Mysterium von Golgatha hat erlangt werden können, aus der feinsten Beobachtung des Sternenganges ergibt sich für die Weisen des Morgenlandes, für die magischen Weisen, dieselbe Offenbarung! Die einen lesen sie im Menschenherzen, die armen, einfältigen Hirten, und sie dringen bis zum tiefsten Punkt des Menschenherzens. Da werden sie hellsichtig, da offenbart ihnen das Herz aus seiner Schauenskraft heraus das Kommen des Heilandes der Menschheit. Die anderen schauen zum ganzen weiten Himmelszelt auf. Sie kennen die Geheimnisse der Raumesweiten und der Zeitenentwickelung, sie haben eine Weisheit errungen, durch die sie diese Geheimnisse der Raumesweiten und der Zeitenentwickelung erfühlen und enträtseln können. Da offenbart sich ihnen. das Weihnachtsmysterium.

[ 13 ] And how does Christ Jesus reveal Himself to the simple, poor shepherds in the field? With the eye of the soul, they behold the radiant angel. Their vision is awakened; their inner hearing is awakened. They hear the profound words that will, in the future, become the meaning of earthly life for them: God is revealed on high, and there will be peace on earth among people of good will. — From the depths of the soul arises that capacity through which, on the night of the Epiphany, the poor, simple shepherds—without any wisdom of their own—intuitively experience what is being revealed to the world. From the fulfillment of that wisdom which could be attained up to the Mystery of Golgotha, from the most subtle observation of the movement of the stars, the same revelation emerges for the sages of the East, for the magical sages! Some read it in the human heart—the poor, simple shepherds—and they penetrate to the very depths of the human heart. There they become clairvoyant; there the heart, through its power of vision, reveals to them the coming of the Savior of humanity. The others gaze up at the vast expanse of the heavens. They know the mysteries of the vastness of space and the unfolding of time; they have attained a wisdom through which they can sense and unravel these mysteries of the vastness of space and the unfolding of time. There the mystery of Christmas is revealed to them.

[ 14 ] Hingewiesen werden wir darauf, wie aus dem gleichen Quell dasjenige fließt, was in des Menschen Inneren lebt und das, was in den Raumesweiten lebt. Und beides war in der Art, wie es sich entwickelt hat bis zum Mysterium von Golgatha hin, schon in der Abnahme begriffen. Das Hellsehen, das aus dem belebten Menschenherzen herauskam, das bei den Hirten, auf die hingewiesen wird als auf jene, für welche die Verkündigung in Betracht kommt, noch stark genug war, um die Stimmen zu vernehmen: Es offenbart sich der Gott in der Höhe, in den Himmeln, und es wird sein Friede unter den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind, — man möchte sagen, die letzten Reste dieses durch innere Frommheit Hellsehendwerdens waren noch vorhanden bei den Hirten, die das Karma, das Schicksal zusammengetragen hatte an dem Orte, wo der Christus geboren worden ist. Und aus jener uralten heiligen Weisheit, die in der nachatlantischen Zeit zuerst geblüht hat bei den Ur-Indern, dann namentlich bei den Persern, dann wiederum bei den Chaldäern, die sich hereinverpflanzt hat und von der ebenfalls noch gerade die letzten Reste vorhanden waren unter denjenigen, bei denen wir suchen sollen die drei Magier aus dem Morgenlande — aus dieser uralt heiligen Weisheit, die die Welt im Raum und in der Zeit durchmaß, aus dieser Weisheit heraus, indem ihre Vertreter sich zu einem höchsten Aufschwung erhoben, offenbarte sich wiederum dieses Weihnachtsmysterium. Beides aber ist uns in der fünften nachatlantischen Zeit abhanden gekommen.

[ 14 ] We are reminded that what lives within the human being and what lives in the vastness of space both flow from the same source. And both were already in decline, in the way they had developed up to the Mystery of Golgotha. The clairvoyance that sprang from the animated human heart—which was still strong enough among the shepherds, referred to as those to whom the proclamation is addressed, to hear the voices— “Glory to God in the highest, and on earth peace to those of good will”—one might say that the last remnants of this clairvoyance, born of inner piety, were still present among the shepherds whom fate had gathered at the place where Christ was born. And from that ancient sacred wisdom, which first flourished in the post-Atlantean era among the ancient Indians, then notably among the Persians, and then again among the Chaldeans—a wisdom that had taken root there and of which, likewise, only the very last remnants were still present among those among whom we are to seek the three Magi from the East —from this ancient, sacred wisdom that spanned the world in space and time, from this wisdom, as its representatives rose to a supreme flowering, this Christmas mystery was revealed once more. But both have been lost to us in the fifth post-Atlantean epoch.

[ 15 ] Für die allgemeine Menschheit ist es nicht mehr lebendig tätig, was in den armen Hirten zum Hellsehen führte, was in den Weisen aus dem Morgenlande zu dem Durchschauen der Raumes- und Zeitengeheimnisse führte. Wir mußten den Menschen finden, den Menschen, der auf sich selbst gestellt ist. Wir mußten als Menschheit durchgehen durch die göttliche Verlassenheit, um in der Verlassenheit und Einsamkeit des Menschenseins die Freiheit zu finden. Aber wir müssen uns wiederum zurückfinden zu der Verbindung mit demjenigen, was auf der einen Seite zur höchsten Weisheit bei den Magiern aus dem Morgenlande wurde, auf der anderen Seite durch vertieftes Herzensschauen den Hirten auf dem Felde verkündet worden ist.

[ 15 ] For humanity as a whole, that which led the poor shepherds to clairvoyance and the sages of the East to insight into the mysteries of space and time is no longer a living, active force. We had to find the human being—the human being who is left to his own devices. As humanity, we had to pass through divine abandonment in order to find freedom in the abandonment and solitude of human existence. But we must find our way back to the connection with that which, on the one hand, became the highest wisdom among the Magi of the East, and on the other hand, was revealed to the shepherds in the fields through deep inner vision.

[ 16 ] Alle Kräfte entwickeln sich weiter. Was die Weisen aus dem Morgenlande durch die Entwickelung des noch hellsehenden Verstandes als ihre Astrologie, als ihre Art von Astronomie gekannt haben, was ist es heute geworden? Wir verstehen die Menschheitsentwickelung nicht, wenn wir nicht in solche Dinge hineinschauen. Es ist heute zur grauen Mathematik und Geometrie geworden. Wir schauen heute die abstrakten Gebilde an, die wir in der Geometrie und in der Mathematik in der Schule erhalten: das ist der letzte Rest dessen, was in lebendigem Glanze im Weltenlichte beherrscht wurde von jener alten Weisheit, welche die drei Magier aus dem Morgenlande zu dem Christus hinführte. Das äußere Schauen ist inneres Raumes- und Zeitendenken geworden. Während die Magier des Ostens fähig waren, aus ihrer Enträtselung der Raumesgeheimnisse schauend zu berechnen, in dieser Nacht wird der Heiland geboren, berechnen unsere Astronomen, die Nachfolger jener Astrologen, lediglich noch die zukünftige Sonnenund Mondenfinsternis oder ähnliches. Und während die armen Hirten auf dem Felde aus der Innigkeit ihres Herzens heraus sich zur Anschauung desjenigen, was ganz gewiß mit ihnen in Verbindung stand, zur Anschauung des Weihnachtsmysteriums, zum Hören der Himmelsverkündigung erhoben, ist dem heutigen Menschen nur das Anschauen der äußeren sinnlichen Natur geblieben. Das Anschauen der äußeren sinnlichen Natur stellt ebenso die Nachfolgeschaft der Hirteneinfalt dar, wie darstellt die Nachfolgeschaft der Weisen aus dem Morgenlande unsere Berechnung der Sonnen- und Mondenfinsternisse in der Zukunft.

[ 16 ] All forces continue to evolve. What the sages of the East, through the development of their still clairvoyant minds, knew as their astrology—as their form of astronomy—what has become of it today? We cannot understand human evolution unless we look into such things. Today it has become dry mathematics and geometry. Today we look at the abstract constructs we are taught in geometry and mathematics at school: this is the last remnant of what was once mastered in living splendor in the light of the world by that ancient wisdom which led the three Magi from the East to the Christ. Outward observation has become inner thinking about space and time. Whereas the Magi of the East were able, through their unraveling of the mysteries of space, to foresee and calculate that the Savior would be born on this very night, our astronomers—the successors of those astrologers—now merely calculate future solar and lunar eclipses or similar phenomena. And while the poor shepherds in the fields, out of the depths of their hearts, were lifted up to behold that which was most certainly connected with them—to behold the mystery of Christmas and to hear the heavenly proclamation—modern man is left only with the observation of external, sensory nature. Contemplating the external, sensory nature represents the legacy of the shepherds’ simplicity just as much as our calculation of future solar and lunar eclipses represents the legacy of the Magi from the East.

[ 17 ] Die Hirten auf dem Felde waren bewaffnet mit vertieftem Herzensgefühl, wodurch sie in ihrer Hellsichtigkeit zur Anschauung des Weihnachtsmysteriums kamen. Unsere Zeitgenossen sind bewaffnet mit Teleskop und Mikroskop. Kein Teleskop, kein Mikroskop führt hin zum Begreifen desjenigen, was des Menschen tiefstes Rätsel löst, wie es das Herz der Hirten auf dem Felde getan hat. Keine Voraussicht, die sich mit den Rechnungsansätzen für Sonnen- und Mondenfinsternisse machen läßt, führt hin, den für die Menschen notwendigen Gang der Welt zu begreifen, wie das gekonnt hat die Weisheit, die Sternenweisheit der Magier aus dem Morgenlande. Wie fließt alles in der Menschheit Differenzierte zusammen in das einheitliche Menschenempfinden, wenn wir uns sagen: Was die Hirten auf dem Felde ohne alle Weisheit durch die Frömmigkeit ihres Herzens erlebten, es ist dasselbe, was die höchste Weisheit der Magier aus dem Morgenlande bewegte! — Wunderbar werden die beiden Tatsachen in der christlichen Tradition nebeneinandergestellt.

[ 17 ] The shepherds in the field were armed with a deep sense of heartfelt emotion, which enabled them, through their clairvoyance, to behold the mystery of Christmas. Our contemporaries are armed with telescopes and microscopes. No telescope, no microscope leads to an understanding of that which unravels humanity’s deepest mystery, as the hearts of the shepherds in the fields did. No foresight derived from calculations of solar and lunar eclipses leads to an understanding of the course of the world necessary for humanity, as the wisdom—the astrological wisdom—of the Magi from the East was able to do. How does everything that is differentiated within humanity flow together into a unified human sensibility when we say to ourselves: What the shepherds in the fields experienced—without any wisdom, but through the piety of their hearts—is the very same thing that moved the highest wisdom of the Magi from the East! —In the Christian tradition, these two facts are wonderfully juxtaposed.

[ 18 ] Wir haben im Grunde die beiden Wege, durch die sich das Verständnis der Christus-Geburt der Menschheit erschloß, in der neueren Zeit verloren. Wir sind zurückgekehrt von der Krippe zum Weihnachts-, zum Paradiesesbaum, wir sind zurückgekehrt von dem Christus, welcher der ganzen Menschheit gehört, zu den Volksgöttern, die eben nur viele Jahves sind, die kein Christus sind. Denn ebenso wahr, wie es ist, daß sich das, was allen Menschen gemeinschaftlich ist, in des Menschen tiefstem Wesen offenbart, ebenso wahr ist es, daß sich durch alle Raumesweiten und durch alle Zeitengeheimnisse offenbart dasjenige, was allen Menschen gemeinschaftlich ist.

[ 18 ] In recent times, we have essentially lost the two paths through which humanity came to understand the birth of Christ. We have turned away from the manger toward the Christmas tree—the tree of paradise—and we have turned away from the Christ who belongs to all humanity toward the folk gods, who are simply many Yahwes, but are not Christ. For just as it is true that what is common to all human beings is revealed in the deepest essence of the human being, so too is it true that what is common to all human beings is revealed through all the expanses of space and through all the mysteries of time.

[ 19 ] Es gibt in der Tiefe des Menschen etwas, das von nichts anderem spricht als nur vom Menschsein, das alle menschlichen Differenzierungen hinwegschafft. Aber erst in dieser Tiefe findet man den Christus. Und es gibt eine Weisheit, die über alles übrige hinausgeht, was über einzelne Partien des Weltendaseins gefunden werden kann, was die Welt in ihrer Einheit erfaßt auch im Raum und in der Zeit. Das aber ist zu gleicher Zeit diejenige Sternenweisheit, die zu dem Christus hinführt. Wir brauchen wiederum in einer neuen Gestalt das, wodurch auf der einen Seite die Hirten auf dem Felde, wodurch auf der anderen Seite die Magier aus dem Morgenlande den Weg zu dem Christus Jesus gefunden haben. Mit anderen Worten, wir brauchen die Vertiefung unserer äußeren Naturanschauung durch dasjenige, was das menschliche Herz entwickeln kann an geistiger Anschauung der Natur. Wir müssen wiederum finden, indem wir uns wenden an dasjenige, wofür wir in der neueren Zeit nur Mikroskope und Teleskope und Röntgenapparate und dergleichen haben, wir müssen uns gewöhnen, das wiederum durch jene Kräfte anzusehen, die aus der Frömmigkeit des menschlichen Herzens kommen. Dann werden zu uns nicht nur sprechen die gleichgültig wachsenden Pflanzen allein, der rauschende Strom, der rauschende Quell, der Blitz aus den Wolken, der Donner aus den Wolken, dann werden aus alledem, was die Blümlein auf dem Felde sagen, aus alledem, was die Blitze und die Donner aus den Wolken sagen, aus alledem, was die leuchtenden Sterne und die leuchtende Sonne sagen, aus alledem werden gleichsam wie ein Ergebnis aller Naturbetrachtung die Worte in unsere Augen, in unsere Ohren, zu unseren Herzen hinströmen, die ja auch nichts anderes ankündigen, als: Es offenbaret sich der Gott in den Himmelshöhen, und Friede soll sein unter den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind.

[ 19 ] There is something deep within the human being that speaks of nothing other than simply being human, something that transcends all human distinctions. But it is only in this depth that one finds Christ. And there is a wisdom that transcends everything else that can be found in the individual aspects of worldly existence—a wisdom that grasps the world in its unity, even in space and time. Yet this is at the same time the very stellar wisdom that leads to Christ. We need, once again in a new form, that through which, on the one hand, the shepherds in the fields and, on the other hand, the Magi from the East found their way to Christ Jesus. In other words, we need to deepen our external view of nature through that which the human heart can develop in terms of a spiritual perception of nature. We must once again learn—by turning to that for which, in modern times, we have only microscopes, telescopes, X-ray machines, and the like—to view these things through the powers that spring from the piety of the human heart. Then it will not only be the indifferently growing plants that speak to us, nor just the rushing stream, the gushing spring, the lightning from the clouds, or the thunder from the clouds; then, from all that the little flowers in the field say, from all that the lightning and thunder from the clouds say, from all that the shining stars and the shining sun say, from all of this—as it were, as the culmination of all contemplation of nature—the words will flow into our eyes, into our ears, and into our hearts, words that proclaim nothing other than: “God is revealed in the heights of heaven, and peace on earth to those of good will.”

[ 20 ] Die Zeit muß kommen, wo die Naturbetrachtung herausdringt aus der trockenen, nüchternen, unmenschlichen Art der Laboratorien und Kliniken, wo die Naturbetrachtung von einem solchen Leben durchstrahlt wird, daß dasjenige, was uns nicht mehr werden kann auf die Art der Hirten von Bethlehem, uns durch die Stimmen wird, die aus Pflanze, aus Tier, aus Sternen, aus Quellen und Strömen heraus zu uns sprechen. Denn die ganze Natur, sie verkündigt dasjenige, was der Engel der Verkündigung sagt: Es offenbart sich der Gott in den Himmelshöhen, und es kann werden der Friede unter den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sein wollen.

[ 20 ] The time must come when the observation of nature breaks free from the dry, sober, inhuman atmosphere of laboratories and clinics, when the observation of nature is imbued with such life that what can no longer become part of us in the manner of the shepherds of Bethlehem will speak to us through the voices that emerge from plants, animals, stars, springs, and streams. For all of nature proclaims what the angel of the Annunciation says: God is revealed in the heights of heaven, and there may be peace among people on earth who are of good will.

[ 21 ] Wir brauchen das, was den Magiern durch äußere Sternenbetrachtung geworden ist, wir brauchen es durch Erweckung unseres Inneren. Wie wir hinaushören müssen in die Natur und gewissermaßen den Engel wieder singen hören müssen aus dem äußeren Naturwesen, so müssen wir in der Lage sein, eine Astronomie, eine Lösung des Weltenrätsels aus dem Inneren des Menschen hervor zu gewinnen durch Imagination, Inspiration und Intuition. Eine Geistes- oder Geheimwissenschaft, die aus dem Inneren des Menschen geschöpft ist, die muß uns werden. Wir müssen ergründen, was des Menschen eigene Wesenheit ist. Und des Menschen eigene Wesenheit muß uns sprechen von dem Werden der Welt durch Saturn-, Sonnen-, Mond-, Erden-, Jupiter-, Venus-, Vulkangeheimnisse. Wir müssen ein Weltenall erstehen fühlen in unserem Inneren. Umgekehrt hat sich seit dem Mysterium von Golgatha dasjenige, was mit dem Menschen geschehen kann in bezug auf seine Anschauung der tiefsten Weltgeheimnisse.

[ 21 ] We need what the magicians attained through the external observation of the stars; we need it through the awakening of our inner selves. Just as we must listen out into nature and, in a sense, hear the angel singing once more from the outer natural world, so must we be able to draw an astronomy—a solution to the mystery of the world—from within the human being through imagination, inspiration, and intuition. A spiritual or esoteric science drawn from within the human being—that is what we must become. We must fathom what the human being’s own essence is. And the human being’s own essence must speak to us of the becoming of the world through the mysteries of Saturn, the Sun, the Moon, the Earth, Jupiter, Venus, and Vulcan. We must feel a universe coming into being within us. Conversely, since the Mystery of Golgotha, what can happen to a human being in relation to their perception of the deepest mysteries of the world has changed.

[ 22 ] Es gibt eine alte Art, die Himmelssphäre darzustellen; sie war schon den persischen Magiern eigen. Sie sahen hinauf zum Himmel, sahen im Tierkreis physisch jenes Sternbild, das man die Jungfrau nennt, und sie haben geistig in dieses Sternbild hineingesehen dasjenige, was physisch nur im Sternbilde der Zwillinge zu bemerken ist. Sie hat sich erhalten, diese Weisheit, die so im Menschen lebte, daß der Mensch den Zusammenklang vernehmen, bemerken konnte zwischen dem Sternbilde der Jungfrau und dem im rechten Winkel dazu, im Quadranten stehenden Sternbilde, jenem der Zwillinge. So wurde es dargestellt, daß an die Stelle des Sternbildes der Jungfrau die Jungfrau mit dem ÄAhrenzweige, aber auch mit dem Kinde dargestellt wurde, das nur der Repräsentant der Zwillinge ist, der Repräsentant der Jesusknaben. Insbesondere war dies eine astrologische Anschauung in der Perserzeit.

[ 22 ] There is an ancient way of representing the celestial sphere; it was already practiced by the Persian magi. They looked up at the sky, saw physically in the zodiac that constellation called Virgo, and spiritually they looked into this constellation to perceive what is physically observable only in the constellation of Gemini. This wisdom has been preserved—a wisdom that lived within human beings in such a way that they could perceive and discern the harmony between the constellation of Virgo and the constellation standing at a right angle to it in the quadrant, that of Gemini. Thus it was depicted that in place of the constellation of Virgo, the Virgin was portrayed with the sheaf of grain, but also with the child, who is none other than the representative of Gemini, the representative of the infant Jesus. This was, in particular, an astrological view during the Persian period.

[ 23 ] Es kam die andere Zeit, die Zeit der ägyptisch-chaldäischen Entwickelung. Da schaute man ebenso hin zu dem Sternbilde des Löwen, wie man hinschaute in der Perserzeit zu dem Sternbilde der Jungfrau. Aber jetzt war im Quadranten dem Löwen zugeteilt der Stier, und es entstand die Mithrasreligion, die Stierverehrung, indem man hineinschaute in das Sternbild des Löwen das Sternbild des Stieres.

[ 23 ] Then came the next era, the era of Egyptian-Chaldean development. Just as people had looked toward the constellation of Virgo during the Persian era, they now looked toward the constellation of Leo. But now, in the quadrant, Taurus was assigned to Leo, and the Mithraic religion—the worship of Taurus—arose as people looked into the constellation of Leo and saw the constellation of Taurus.

[ 24 ] Und es kam die Zeit, die griechisch-lateinische Zeit, in welcher der Krebs dieselbe Rolle spielte wie die Jungfrau unter den Persern, und man sah das Sternbild des Widders, im Quadranten stehend, in das Sternbild des Krebses hinein. Da war die Umkehrung, da schlug die Sache einen anderen Weg ein. Bis in die griechisch-lateinische Zeit, bis ins Mysterium von Golgatha war Astronomie etwas, das als äußere Wissenschaft zu erreichen war, war das menschliche Erkennen so geartet, daß man hinausschaute in den Raum und die Geheimnisse der Sternenwelten, die Geheimnisse von Raum und Zeit fand, daß man hineinlebte in das menschliche Innere, und durch die Verfrommung des Herzens zu der Anschauung innerer Geheimnisse kam. In der griechisch-lateinischen Zeit drehte sich das Verhältnis um. Dasjenige, was vorher innerlich erlebt werden konnte, es mußte immer mehr durch das Anschauen der äußeren Natur erlebt werden.

[ 24 ] And then came the Greco-Latin era, in which Cancer played the same role as Virgo among the Persians, and one could see the constellation of Aries, standing in the quadrant, extending into the constellation of Cancer. That was the reversal; that was when things took a different turn. Up until the Greco-Roman era, up until the Mystery of Golgotha, astronomy was something to be attained as an external science; human cognition was such that one looked out into space and discovered the mysteries of the starry worlds, the mysteries of space and time, and that one lived inwardly into the human inner being, and through the spiritualization of the heart, one arrived at the perception of inner mysteries. In the Greco-Roman era, this relationship was reversed. What had previously been experienced inwardly had to be experienced more and more through the observation of external nature.

[ 25 ] Wir müssen so fromm werden wie die Hirten in ihrem Herzen waren gegenüber den Offenbarungen der Natur. Wie diese in ihrer Innenwelt zum Geistesauge kamen, müssen wir zum Geistesauge an der Natur kommen. Und wir müssen auf der anderen Seite auch den Krebsweg machen. Wir müssen kommen zu einer Astronomie des Inneren, so daß aus den schauenden Kräften im Inneren des Menschen erweckt kann werden der Gang der Welt durch Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erden-, Jupiter-, Venus-, Vulkanzeiten: eine Astronomie aus dem Inneren wie früher eine Astronomie aus dem Äußeren, eine Frömmigkeit an der Naturbeobachtung wie früher die Frömmigkeit nach Art der Hirten auf dem Felde. Können wir vertiefen dasjenige, was heute so ungeistig an uns herantritt in der Naturbetrachtung, können wir auf der anderen Seite schöpferisch machen, was heute so grau in bloßen mathematisch-geometrischen Bildern erlebt wird, können wir die Mathematik durch inneres Erleben zu jener Glorie wiederum erheben, welche die alte Astronomie hatte, können wir die Naturbetrachtung zu jener Herzenstiefe und zu jener Frommheit vertiefen, die die Hirten auf dem Felde erlebten, können wir durch das Innere dasjenige erleben, was die Magier aus den Sternen erlebten, können wir an dem Anblicke der äußeren Natur so fromm werden, wie die Hirten auf dem Felde gewesen sind — dann werden wir erleben durch Frommheit im äußeren Naturbetrachten, durch liebevolles Verfolgen der Weltenereignisse aus dem Inneren heraus, dann werden wir finden in einer ähnlichen Weise wiederum den Weg zum Weihnachtsmysterium, wie durch innerliches Frommwerden die Hirten auf dem Felde, durch äußeres Weisewerden die Magier aus dem Morgenlande den Weg zur Krippe gefunden haben.

[ 25 ] We must become as devout in our hearts as the shepherds were toward the revelations of nature. Just as they attained the eye of the spirit within their inner world, we must attain the eye of the spirit through nature. And on the other hand, we must also follow the path of Cancer. We must arrive at an “astronomy of the inner world,” so that the course of the world through the Saturn, Sun, Moon, Earth, Jupiter, Venus, and Vulcan eras can be awakened from the contemplative powers within the human being: an astronomy from within, just as there was once an astronomy from without; a piety in the observation of nature, just as there was once the piety of the shepherds in the fields. If we can deepen what today appears so unspiritual in our observation of nature, if we can, on the other hand, give creative form to what is today experienced so drearily in mere mathematical and geometric images, if we can, through inner experience, raise mathematics once again to the glory that ancient astronomy possessed, if we can deepen our observation of nature to that depth of heart and that piety which the shepherds in the fields experienced; if we can experience inwardly what the Magi experienced from the stars; if we can become as pious at the sight of outer nature as the shepherds in the fields were — then, through piety in our observation of external nature and through lovingly following world events from within, we will once again find the path to the Christmas mystery in a similar way to how the shepherds in the fields found their way to the manger through inner piety, and the Magi from the East through outer wisdom.

[ 26 ] Der Weg zum Weihnachtsmysterium muß neu gefunden werden. Wir müssen an der Natur so fromm werden, wie die Hirten in ihren Herzen waren. Wir müssen in unserem inneren Schauen so weise werden, wie es die Magier an der Beobachtung von Planeten und Sternen im Raume und in der Zeit geworden sind. Wir müssen im Inneren entwickeln, was die Magier im Äußeren entwickelt haben. Wir müssen dasjenige in unserem Wechselverkehr mit der äußeren Welt entwickeln, was die einfältigen Hirten auf dem Felde in ihren Herzen entwickelt haben — dann werden wir finden den Weg, den rechten Weg zu einem tiefen Empfinden des Christus, zu einem liebevollen Begreifen des Christus. Dann werden wir den Weg zum Weihnachtsmysterium finden. Dann werden wir dürfen mit rechten Gedanken und rechten Gefühlen neben den Ursprungsbaum aus dem Paradiese hinstellen die Krippe, welche uns nicht nur spricht von dem, wie der Mensch durch Naturkräfte in die Welt hereingekommen ist, sondern wie er durch Wiedergeburt erst sich seines vollen Menschseins bewußt werden kann.

[ 26 ] We must rediscover the path to the mystery of Christmas. We must become as devout toward nature as the shepherds were in their hearts. We must become as wise in our inner vision as the Magi became through their observation of planets and stars in space and time. We must develop within ourselves what the Magi developed externally. We must develop in our interaction with the external world what the simple shepherds in the fields developed in their hearts—then we will find the path, the true path, to a deep sense of Christ, to a loving understanding of Christ. Then we will find the path to the Christmas Mystery. Then we will be able to place the manger beside the Tree of Origin from Paradise with right thoughts and right feelings; a manger that speaks to us not only of how human beings came into the world through natural forces, but also of how they can only become aware of their full humanity through rebirth.

[ 27 ] Wer heute von dem Weihnachtsmysterium redet, muß eine Forderung, die in die Zukunft hinein spricht, an die Menschheit stellen. Wir leben in jenen ernsten Zeiten, wo wir uns klar werden müssen, daß wir erst im rechten Sinne wiederum Menschen werden müssen. Wir haben noch nicht errungen dasjenige, was die Magierweisheit ganz verinnerlichte, was die Hirtenfrömmigkeit ganz in die Außenwelt flieBen ließ. Die soziale Frage steht vor den Toren des Menschendaseins furchtbar fordernd. Sie hat Schreckliches gebracht in den letzten Jahren; sie wird immer drohender und drohender, und nur schläfrige Seelen können das Drohende übersehen. Europa schickt sich an, ein Trümmerhaufen der Kultur zu werden. Nicht anders wird es sich aus seinem chaotischen Zustande erheben als dadurch, daß die Menschen die Möglichkeit finden, im sozialen Zusammensein wiederum echtes, wahres Menschentum zu entwickeln. Sie werden es nicht anders entwickeln, als wenn sie ihre Gefühle dadurch vertiefen und verinnerlichen, daß sie im Naturbetrachten so fromm werden können, wie die Hirten auf dem Felde waren, als ihnen durch ihre innerlichen Kräfte der Engel verkündete von der Offenbarung der Götter oben und des Erdenfriedens unten. Mit diesen Kräften allein bezwingt man auch das soziale Leben, und nur dann, wenn das, was in den Raumesweiten und in der Zeitenfolge geschaut wird, in das Innere einzieht, so daß der Mensch des Weltengeistes wahres Wesen so einheitlich sieht, wie die eine Sonne der Chinese ebenso sieht wie der Amerikaner und in der Mitte zwischen beiden der Europäer. So wie es lächerlich wäre, wenn der Chinese eine Sonne für sich in Anspruch nehmen würde, der Russe eine Sonne für sich, der Mitteleuropäer eine andere, der Franzose eine andere, der Engländer eine andere! Wie die Sonne eine einheitliche ist, so ist das die Menschen tragende Sonnenwesen ein einheitliches.

[ 27 ] Anyone who speaks today of the mystery of Christmas must make a demand of humanity that looks toward the future. We live in those serious times when we must realize that we must first become human beings again in the true sense. We have not yet attained what the wisdom of the Magi fully internalized, what the piety of the shepherds allowed to flow fully into the outer world. The social question stands at the very gates of human existence, making a terrible demand. It has brought terrible things in recent years; it is becoming ever more and more threatening, and only slumbering souls can overlook this threat. Europe is on the verge of becoming a heap of cultural ruins. It will not rise from its chaotic state except by people finding the means to develop genuine, true humanity once again in their social interactions. They will not develop it in any other way than by deepening and internalizing their feelings through contemplating nature—becoming as devout as the shepherds in the fields were when, through their inner powers, the angel announced to them the revelation of the gods above and peace on earth below. It is with these powers alone that one can master social life, and only when what is perceived in the vastness of space and the sequence of time penetrates into the inner self, so that humanity perceives the true nature of the world spirit as uniformly as the Chinese, the American, and the European—who stands midway between them—all perceive the one and same sun. Just as it would be ridiculous if the Chinese claimed one sun for themselves, the Russians another, the Central Europeans yet another, the French another, and the English yet another! Just as the sun is one and the same, so too is the solar being that sustains humanity one and the same.

[ 28 ] Sehen wir hinaus in die Weltenweiten: wir finden die Aufforderung zur Vereinheitlichung der Menschheit. Sehen wir hinein in des Menschen tiefste, innere Geheimnisse: wir sehen die Aufforderung zur Vereinheitlichung der Menschheit. Was da draußen erscheint, auch das Geistigste, spricht nicht von der Differenzierung der Menschheit, nicht von Unfrieden; was im tiefsten Inneren spricht, spricht nicht von der Differenzierung der Menschheit, nicht von Unfrieden. Den Hirten auf dem Felde hat diejenige Stimme, die sie durch ihr Herzensgehör hörten, verkündet, daß sich aus den weiten Erscheinungen des Weltenalls die Gottheit offenbaret, und daß durch das Aufnehmen der Gottheit in die eigene Seele Friede werden kann unter den Menschen, die eines guten Willens sind. Das muß sich verkünden der neueren Menschheit aus dem ganzen Umkreis des Naturdaseins heraus. Den Magiern aus dem Morgenlande haben die Sternengeheimnisse gesagt, daß hier auf der Erde geboren ist der Christus Jesus. Das muß sich der neueren Menschheit verkünden aus dem Verfolgen desjenigen, was in ihrem Inneren sich offenbarend auftun kann.

[ 28 ] Let us look out into the vastness of the universe: we find a call for the unification of humanity. Let us look into the deepest, innermost mysteries of the human being: we see the call for the unification of humanity. What appears out there—even the most spiritual—does not speak of the differentiation of humanity, nor of discord; what speaks from the deepest inner self does not speak of the differentiation of humanity, nor of discord. To the shepherds in the field, the voice they heard through the ear of their hearts proclaimed that the Divinity reveals itself through the vast phenomena of the universe, and that by receiving the Divinity into their own souls, peace can come among people of good will. This must be proclaimed to modern humanity from the entire realm of natural existence. The mysteries of the stars have told the Magi from the East that Christ Jesus was born here on Earth. This must be proclaimed to modern humanity through the pursuit of that which can unfold within them as a revelation.

[ 29 ] Einen neuen Weg brauchen wir. Wiederum dringt die Stimme zu uns: Ändert den Sinn, sehet in einer neuen Art hin auf den Weltenlauf! — Und wenn man in einer rechten Art hinsieht auf den Weltenlauf, wenn man ansieht den Gang der Menschheit, der wir selber angehören, dann finden wir den Weg zu demjenigen Geheimnis, das sich den Hirten ebenso offenbaren konnte wie den entwickelten Weisen, und das sich offenbaren wird unserem inneren Weltenschauen, unserem äußeren Weltenschauen. Wenn wir inneres Weltenschauen und äußeres Weltenschauen in genügender Weise vertiefen, wenn wir das können, wenn wir die innere Magierweisheit finden, die uns so weist, wie die äußere Magierweisheit die Weisen aus dem Morgenlande geführt hat, wenn wir die äußere Weisheit finden, die uns so führt in Frömmigkeit, wie die Frömmigkeit die Hirten auf dem Felde geführt hat, dann werden wir wiederum mit richtigen inneren Empfindungen hinschauen auf dasjenige, was in dem Mysterium liegt: daß für alle ohne Unterschied, wie er sonst unter den Menschen auftritt, gewissermaßen herausgestellt aus der Menschheit, hineingestellt in die Einsamkeit — geboren worden ist dasjenige, was dann zum Christus geworden ist.

[ 29 ] We need a new path. Once again, the voice calls out to us: Change your perspective; look at the course of the world in a new way! — And when we look at the course of the world in the right way, when we observe the path of humanity—to which we ourselves belong—then we find the path to that mystery which could reveal itself to shepherds just as it did to advanced sages, and which will reveal itself to our inner and outer perception of the world. If we deepen our inner and outer view of the world sufficiently—if we are able to do so, if we find the inner wisdom of the magi that guides us just as the outer wisdom of the magi guided the sages from the East, if we find the outer wisdom that leads us in piety just as piety led the shepherds in the fields— then we will once again look with true inner feelings upon that which lies within the Mystery: that for all, without distinction as to how one otherwise appears among human beings—set apart, as it were, from humanity and placed in solitude—that which was born became Christ.

[ 30 ] Wir müssen das Jesus-Weihnachtsgeheimnis wiederfinden, und wir müssen es wiederfinden, indem wir in uns all dasjenige pflegen, von dem heute gesprochen werden sollte. Wir müssen das Weihnachtslicht in uns selber finden, wie die Hirten das Engelslicht auf dem Felde, und wir müssen, wie die Magier aus dem Morgenlande, den Stern finden durch die Kraft dessen, was wahre Geisteswissenschaft ist. Dann wird sich uns der einige Weg zu dem eröffnen, was das Weihnachtsgeheimnis enthält. Wiedererkennen sollen wir es: es erinnert uns an des Menschen Wiedergeburt.

[ 30 ] We must rediscover the mystery of Jesus at Christmas, and we must do so by nurturing within ourselves all that should be spoken of today. We must find the light of Christmas within ourselves, just as the shepherds found the angel’s light in the field, and we must, like the Magi from the East, find the star through the power of what true spiritual science is. Then the one path to what the Christmas mystery contains will open up to us. We are to recognize it: it reminds us of the rebirth of the human being.

[ 31 ] Arbeiten wir daran, daß das Weihnachtsgeheimnis unter den Menschen wiedergeboren werde, dann werden wir auch das Wiedergeburtsgeheimnis von des Menschen Wesenheit im richtigen Sinne erfassen. Das ist es, was zu uns gesprochen wird in einer eigentümlichen Weise: In einem nicht von der Kirche anerkannten Evangelium wird erzählt, daß es eine Eigentümlichkeit des einen Jesusknaben war, daß er gleich nach seiner Geburt seine Mutter mit bestimmten Worten angesprochen hat. Sicherlich gehen wir heute in der richtigen Art auf das in der Krippe liegende Kind ein, wenn wir die Worte, die es heute zu uns sprechen will, in der richtigen Weise hören: Erwecket das Weihnachtslicht in euch, und das Weihnachtslicht wird euch im rechten Sinne mit euren Mitmenschen zusammen auch in der Außenwelt erscheinen.

[ 31 ] If we work to ensure that the mystery of Christmas is reborn among humankind, then we will also grasp the mystery of the rebirth of the human being in its true sense. This is what is spoken to us in a peculiar way: A Gospel not recognized by the Church recounts that it was a peculiar trait of the infant Jesus that, immediately after his birth, he addressed his mother with specific words. Surely we respond in the right way today to the child lying in the manger when we hear the words he wishes to speak to us today in the right way: Awaken the Christmas light within yourselves, and the Christmas light will appear to you in the true sense, together with your fellow human beings, in the outer world as well.