Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
23 January 1921, Stuttgart
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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich möchte heute allerlei anfügen den Betrachtungen, die wir hier in der letzten Zeit gepflogen haben über kosmische, über menschliche Wahrheiten, vorzugsweise aber über Wahrheiten von der Art, wie wir sie auch gestern wiederum angeführt haben, die zusammenhängen mit dem Wesen der Entwickelung der Menschheit in unserer Zeit. Es wird vielleicht, um nach dieser oder jener Seite hin das Vorgebrachte zu ergänzen, heute notwendig sein, da oder dort eine, aber nur scheinbar persönliche Bemerkung einzufügen. Sie wissen, ich mache das ja allerseltenst, aber auch wenn ich es mache, so geschieht es immer nur, wie es auch heute der Fall sein soll, um irgend etwas streng Sachliches damit zu erläutern.
[ 1 ] Today I would like to add a number of points to the reflections we have been engaging in here recently regarding cosmic and human truths—but primarily truths of the kind we again discussed yesterday, which are connected to the nature of humanity’s development in our time. In order to supplement what has been presented from one perspective or another, it may be necessary today to insert here and there a remark that is only seemingly personal. As you know, I do this very rarely, but even when I do, it is always—as will be the case today—solely to clarify something strictly factual.
[ 2 ] Wir leben in einer Zeit, welche etwas ganz bestimmtes vom Menschen fordert. Sie fordert vom Menschen, möchte man sagen, eine Entscheidung, welche aus dem Innersten des menschlichen Wesens herauskommt. Es muß durchaus beachtet und eingesehen werden, daß wir in das Zeitalter der menschlichen Freiheit eigentlich erst eintreten. Und dieses Rumoren auf intellektuellem, moralischem, sozialem Gebiete ist nichts anderes als der Ausdruck dafür, daß durch tiefergehende Kräfte der Menschheitsentwickelung diese Menschheit hineingebracht werden soll in die Region der Freiheit.
[ 2 ] We live in an age that demands something very specific of human beings. One might say it demands a decision that springs from the very depths of the human being. It must certainly be noted and understood that we are, in fact, only just entering the age of human freedom. And this upheaval in the intellectual, moral, and social spheres is nothing other than an expression of the fact that, through deeper forces of human development, humanity is to be led into the realm of freedom.
[ 3 ] Wir brauchen ja nur das eigene Leben oder das Leben der Völker ins Auge zu fassen, unbefangen ins Auge zu fassen, was geschieht, und wir werden uns sagen, daß der Faktoren zahlreiche sind, durch die der einzelne Mensch, durch die ganze Völker, Völkergemeinschaften, Menschengruppen von außen oder auch wohl — aber unfrei — von innen bestimmt werden. Dieses Getragenwerden durch die Verhältnisse, das ist ja das, was im Grunde genommen die eigentliche Entwickelungskraft der Menschheit war. Aber aus dieser Entwickelungskraft muß der Mensch immer mehr und mehr heraus. Und die Erdenzukunft wird darin bestehen, daß der Mensch immer mehr das ausbildet, was man eben heute dadurch charakterisieren muß, daß man sagt: Der Mensch ist zum erstenmal so recht vor bedeutungsvolle Entscheidungen gestellt.
[ 3 ] We need only look at our own lives or the lives of peoples—to look at what is happening with an open mind—and we will realize that there are numerous factors through which the individual human being, entire peoples, communities of peoples, and groups of people are determined from the outside or—albeit unfreely—from within. This being carried along by circumstances—that is, after all, what has essentially been the true driving force of human development. But humanity must increasingly break free from this driving force. And the future of the Earth will consist in humanity increasingly developing what we must characterize today by saying: For the first time, humanity is truly faced with significant decisions.
[ 4 ] Dieses «vor bedeutende Entscheidungen Gestelltsein», vor Entscheidungen, die aus dem Innersten der Menschenbrust, des Menschenherzens, der Menschenseele heraus getroffen werden müssen, das drückt sich ja auch in dem äußeren Gang der Ereignisse aus. Man betrachtet eigentlich viel zu wenig die großen Umschwünge, die auf allen Gebieten des politischen, des sozialen, des geistigen, des wissenschaftlichen Lebens im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschehen sind.
[ 4 ] This “being faced with momentous decisions”—decisions that must be made from the very depths of the human breast, the human heart, and the human soul—is also reflected in the outward course of events. In fact, far too little attention is paid to the major upheavals that took place in all areas of political, social, intellectual, and scientific life during the second half of the 19th century.
[ 5 ] Sehen Sie, man kann Symptome, die für diesen Umschwung sprechen, im großen und kleinen heute überall bemerken. Nehmen wir ein sehr naheliegendes Beispiel. Sie wissen, daß unter den zahlreichen Feinden, die heute wider die anthroposophische Bewegung vorhanden sind, sich auch die Klerikalen dieses Landes [Schweiz] befinden, die deutlich zeigen, daß jesuitische Macht hinter ihnen steht und daß jesuitische Macht wiederum etwas ist, was in diesem Lande einige Geltung hat. Man braucht nur ins Auge zu fassen, was sich auf verschiedenen Gebieten heute zeigt, und man wird sehen, wie stark diese Macht heute wiederum für viele Menschen verquickt ist mit dem, was sie nennen die äußere Erziehung zum Religiösen hin und so weiter. Gerade für dieses Land könnte es daher interessant sein, sich einmal ein merkwürdiges Dokument vor die Seele zu führen, welches ich mir, weil es gar so interessant ist, habe photographieren lassen. Dieses Dokument stammt aus der Schweiz und wurde in der Schweiz 1847 gegeben. Ich werde es vorlesen:
[ 5 ] You see, signs pointing to this shift can be observed everywhere today, on both a large and small scale. Let’s take a very obvious example. You know that among the numerous enemies opposing the anthroposophical movement today are the clerics of this country [Switzerland], who clearly demonstrate that Jesuit power stands behind them—and that Jesuit power, in turn, is a force that carries some weight in this country. One need only consider what is evident today in various fields, and one will see how strongly this power is, for many people, intertwined with what they call “external religious education” and so on. For this country in particular, it might therefore be interesting to take a closer look at a remarkable document, which I had photographed because it is so fascinating. This document originates from Switzerland and was published there in 1847. I will read it aloud:
[ 6 ] «Der eidgenössischen Armee und ihren braven Chefs als bleibendes Denkmal gewidmet zur Gedächtnisfeier des 24. November 1847, da die Jesuitenherrschaft in der Schweiz unterging.
[ 6 ] “Dedicated as a lasting monument to the Swiss Army and its brave commanders in commemoration of November 24, 1847, when Jesuit rule in Switzerland came to an end.
[ 7 ] Der Allmächtige hat der gerechten Sache den Sieg verliehen. Die jedem eidgenössischen Wehrmanne unvergeßlichen Tage vom 12! bis zum 30! November 1847, während welchen die sieben kriegsgerüsteten katholischen Sonderbunds-Stände Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis, infolge der Tagsatzungsbeschlüsse vom 20! Heumonat und 4! Wintermonat 1847 auf allen Seiten von einer imposanten und kampflustigen Armee von 100000 Mann bedroht, mit dem Oberkommandanten, General Wilhelm Heinrich Dufour von Genf, nacheinander kapituliert haben, gehören zu den denkwürdigsten Ereignissen, welche die Schweizergeschichte darbietet. Mit verhältnismäßig sehr geringen Opfern an Toten und Verwundeten gelang es dem klugen und kriegserfahrenen Oberbefehlshaber mittels seiner trefflichen strategischen Anordnungen nach mehreren Gefechten... sich die von einer tyrannischen Regierungsgewalt geknechteten, vom heuchlerischen Klerus fanatisierten und verblendeten katholischen Mitbrüder, welche den eidgenössischen Truppen, mit Inbegriff des Landsturms, über 80000 Mann stark als feindliche Armee gegenüberstanden, binnen wenigen Tagen gänzlich zu unterwerfen, den Sonderbund zu sprengen und die Jesuiten aus der Schweiz zu entfernen.» Und der Schlußsatz, der nach meiner Meinung ganz besonders interessant ist, lautet: «Gottes schützende Vaterhand waltete über dem Heere.»
[ 7 ] The Almighty has granted victory to the just cause. The days from the 12th to the 30th of November 1847—unforgettable to every Swiss soldier—during which the seven war-prepared Catholic Sonderbund cantons of Lucerne, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Fribourg, and Valais, following the decisions of the Diet on the 20th Heumonat and the 4th of Wintermonat 1847, were threatened on all sides by an imposing and battle-ready army of 100,000 men, and, under the command of General Wilhelm Heinrich Dufour of Geneva, surrendered one after another; these days rank among the most memorable events in Swiss history. With relatively few casualties in terms of dead and wounded, the astute and battle-hardened commander-in-chief, through his excellent strategic arrangements following several skirmishes, succeeded in... to completely subdue, within a few days, his Catholic brethren—who were enslaved by a tyrannical government and fanaticized and deluded by the hypocritical clergy, and who faced the Swiss troops, including the Landsturm, as an enemy army numbering over 80,000 men—to dismantle the Sonderbund, and to expel the Jesuits from Switzerland. “And the concluding sentence, which I find particularly interesting, reads: ‘God’s protective fatherly hand reigned over the army.’”
[ 8 ] Sie sehen, in welchen Schutz dazumal die Vertreibung der Jesuiten gestellt worden ist, und wie man Gottes schützende Vaterhand anrief, daß sie immer so walten möge über dem Schweizervolke, wie sie dazumal gewaltet hat, als es dem General Dufour gelang, die Schweiz von Jesuiten zu säubern. Das war einmal! — 1847.
[ 8 ] You can see the protection afforded to the expulsion of the Jesuits at that time, and how people invoked God’s protective fatherly hand, praying that it might always watch over the Swiss people as it had done back then, when General Dufour succeeded in ridding Switzerland of the Jesuits. That was then! — 1847.
[ 9 ] Aber nicht nur diese Dinge, auch manche andere haben wesentliche Wandlungen erfahren im Laufe des letzten halben Jahrhunderts. Und diese Wandlungen haben einen ganz bestimmten Charakter. Sie haben den Charakter, daß derjenige, der sich nur verlassen will auf den Erfolg der äußeren Ereignisse, wie sie sich abgespielt haben in dieser Zeit, ganz notwendig in Verwirrung kommen muß. Die beste Art, in Verwirrung zu kommen, nicht herauszufinden aus gewissen Knäueln und Knoten, ist, bloß diese äußeren Ereignisse des letzten halben oder der letzten zwei Drittel des Jahrhunderts auf sich wirken zu lassen. Es bedarf eben, wenn der Mensch seinen Weg heute richtig finden will, einer orientierenden Richtung, die durchaus von innen kommt, eines Impulses. Und in das Chaos hinein, dessen Grund eben die Verwirrung ist, daß man sich nur auf die äußeren Ereignisse verlassen will, sind verschlungen auch die besten Bestrebungen aus der letzten Zeit. Es darf ja natürlich nicht verkannt werden, daß diese neueste Zeit auf den verschiedensten Gebieten des Lebens, namentlich auf dem Gebiet der Technik und dessen, was an Wissenschaft mit der Technik in Verbindung steht, große, bedeutungsvolle Fortschritte erlebt und Triumphe gefeiert hat, und daß nach dieser Richtung hin ein Lob der neuesten Zeit durchaus gerechtfertigt ist. Allein, auch wenn Sie die besten wissenschaftlichen Ausflüsse der neueren Kultur, die besten technischen Errungenschaften, wenn Sie alles das nehmen, was auch als Gutes aus diesem verworrenen Knoten der neuesten Kultur hervorgegangen ist, Sie können darinnen viel Nützliches finden, viel Aufklärendes, vieles von dem, was den Menschen insbesondere in materieller Beziehung bis zu einem gewissen Grade weiterbringen kann; aber Sie können nichts, weder im wissenschaftlichen, weder im technischen noch auf irgendeinem anderen Gebiete, auch auf den Gebieten — ich muß es immer wieder betonen —, die Gutes gebracht haben, finden, was aus der Außenwelt herein so in die menschlichen Seelen leuchten könnte, daß der Mensch selber an diesen von der Außenwelt kommenden Dingen einen Richtimpuls erhalten könnte. Deshalb mußte sich Geisteswissenschaft gerade in diese Zeit hereinstellen, weil aus ihr dasjenige kommen soll, was aus keiner Außenwelt entnommen ist, was nur den geistigen Welten entnommen ist und entnommen ist so, daß, wenn es in die Außenwelt einfließt, eben durchaus einen Impuls darstellt, der nichts zu tun hat mit alldem, was der Außenwelt selbst heute entnommen werden kann. Es ist ein aus den geistigen Welten in diese Außenwelt hineingetragener Impuls, was mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft gegeben werden soll. Nach dieser Richtung wird man ja heute gründlich mißverstanden, und einer Aufklärung nach einer gewissen Seite hin dienten meine gestrigen Auseinandersetzungen. Ich wollte namentlich darauf hinweisen, wie man nicht sagen darf, wir trügen in jenen Schulimpuls, der allerdings herausgeboren ist aus der Geistesschau, oder wir trügen in unsere praktischen Maßnahmen irgend etwas hinein, was nur eine theoretische Weltanschauung wäre. Ich habe gestern gesagt, wie fern die Wirklichkeit von dem ist, was in einer solchen Behauptung liegt. Aber auch das Umgekehrte darf man nicht sagen, und dies hängt wieder zusammen mit einer richtigen Auffassung anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft: Man darf auch nicht sagen, daß so, wie sich die Menschen das heute gewöhnlich vorstellen, irgendeine äußere Betätigung aus einer Theorie kommt, aus einem Programm; man darf sich nicht vorstellen, daß dasjenige, was wir, sei es auf einem solchen Gebiete, wie auf dem der Schule, sei es auf einem Gebiete, wie dem des praktisch-ökonomischen Lebens, gründen, aus irgendeinem Programm hervorginge, so wie man sich heute vorstellt, daß die Dinge aus Programmen hervorgehen.
[ 9 ] But it is not only these things; some others, too, have undergone significant changes over the course of the last half-century. And these changes have a very specific character. Their character is such that anyone who wishes to rely solely on the outcome of external events, as they have unfolded during this period, is bound to become confused. The best way to become confused—and to be unable to untangle oneself from certain tangles and knots—is simply to let these external events of the last half or two-thirds of the century take their course. If a person wants to find the right path today, they need a guiding direction that comes entirely from within—an impulse. And entangled within this chaos—whose very foundation is the confusion arising from relying solely on external events—are even the best aspirations of recent times. Of course, it must not be overlooked that in recent times, in the most diverse areas of life—particularly in the field of technology and the sciences related to it—great and significant progress has been made and triumphs celebrated, and that praise for the modern era in this regard is entirely justified. However, even if you take the finest scientific achievements of modern culture, the greatest technical advancements—if you take everything that has emerged as good from this tangled knot of modern culture—you can find much that is useful, much that is enlightening, and much that can advance humanity to a certain degree, particularly in material terms; but you cannot find anything—neither in the scientific, nor in the technical, nor in any other field, not even in those fields—I must emphasize this again and again—that have brought about good—that could shine into human souls from the external world in such a way that human beings themselves might receive a guiding impulse from these things coming from the external world. That is why spiritual science had to emerge precisely at this time, because it is meant to provide that which is not derived from the external world, but is drawn solely from the spiritual worlds—and drawn in such a way that, when it flows into the external world, it constitutes an impulse that has nothing to do with anything that can be derived from the external world even today. What is to be provided by anthroposophically oriented spiritual science is an impulse carried from the spiritual worlds into this external world. People today thoroughly misunderstand us in this regard, and my discussions yesterday served to clarify matters from a certain perspective. I wanted specifically to point out that one must not say that we are introducing into that educational impulse—which is, admittedly, born of spiritual vision—or into our practical measures, anything that would be merely a theoretical worldview. I said yesterday how far reality is from what such a claim implies. But one must not say the opposite either, and this again relates to a correct understanding of anthroposophically oriented spiritual science: One must not say, as people generally imagine today, that any external activity stems from a theory or a program; one must not imagine that what we establish—whether in a field such as education or in a field such as practical economic life—arises from some kind of program, in the way people today imagine that things arise from programs.
[ 10 ] Mir sagte zum Beispiel vor einigen Tagen jemand: Im Grunde genommen wäre es doch nicht zu dieser besonderen Anschauung der «Dreigliederung des sozialen Organismus» gekommen, wenn diese Dreigliederung nicht herausentsprungen wäre aus der Anthroposophie. — Ich mußte einen solchen Ausspruch gründlich berichtigen, denn es ist tatsächlich — und hier muß ich einige persönliche Dinge einfügen, die aber durchaus sachlich gemeint sind, und die mit der Sache sehr viel zu tun haben — das, was Ihnen und anderen heute als «Dreigliederung» entgegentritt, insofern es von mir konzipiert worden ist, ganz und gar nicht aus einem abstrakten Gedanken entsprungen, nicht aus einem Nachdenken darüber, wie das soziale Leben eingerichtet sein soll, damit nun auch irgend etwas herauskäme von jenem utopistischen Charakter, wie man ihn in mancherlei Ausführungen der Gegenwart findet. So ist das nicht geworden. Es ist gewissermaßen bei mir selbst das geistige Anschauen die eine Strömung gewesen, die nur selbstverständlich im Leben zusammenfloß mit den anderen Strömungen; und namentlich die wirtschaftliche Strömung, die wirtschaftliche Anschauung ist durchaus auf dem eigenen Grund und Boden ihres Lebens entstanden.
[ 10 ] For example, a few days ago someone said to me: “Basically, this particular view of the ‘threefold social order’ would never have come about if this threefold division had not sprung from anthroposophy.” — I had to thoroughly correct such a statement, for it is in fact—and here I must interject a few personal remarks, which are, however, meant to be entirely objective and have a great deal to do with the matter at hand—that what you and others encounter today as the “threefold social order,” insofar as it was conceived by me, did not arise at all from an abstract thought, nor from a reflection on how social life should be organized so that something might emerge from that utopian character, as one finds it in various contemporary discussions. That is not how it came about. In a sense, spiritual insight has been the one current within me that simply flowed together naturally in life with the other currents; and in particular, the economic current—the economic perspective—has arisen entirely from the soil of its own life.
[ 11 ] Ich habe es ja vor Jahren einmal ausgeführt, woher gerade diese meine Anschauung des wirtschaftlichen Lebens der neueren Zeit, der wirtschaftlichen Notwendigkeiten entsprungen ist. Das mußte ich auch erwidern, als mir gesagt wurde, diese Dreigliederung sei aus der Anthroposophie herausgeholt, gewissermaßen wie man heute abstraktlogisch aus irgendeinem Programm das herausholt, was man dann als Impulse aufstellt. Ich habe ja mein Knabenleben zugebracht als Sohn eines kleinen Eisenbahnbeamten, zu einer Zeit, als in den sechziger, siebziger Jahren die Eisenbahnen sich erst, ich möchte sagen, aus einem halb embryonalen Leben herausentwickelt haben. Zu dem, was dann das große Verkehrswesen geworden ist, ist es ja im Grunde genommen erst später gekommen. Ich nahm teil an all den Maßnahmen, die noch unter dem Einfluß der ersten tonangebenden Eisenbahnbauten standen. Ich stand also unmittelbar unter dem Eindruck des aufstrebenden Verkehrslebens. Diese Anschauung hat sich später mit etwas anderem verbunden, was dazumal dazu geführt hat, das Wirtschaftsleben so vorstellen zu müssen, wie ich es eben vorstellen mußte im Sinne der «Dreigliederung des sozialen Organismus».
[ 11 ] I explained years ago where my view of modern economic life and economic necessities originated. I had to respond to this as well when I was told that this threefold division had been extracted from anthroposophy—in a sense, just as one today extracts from some program, through abstract logic, what one then presents as impulses. I spent my boyhood as the son of a low-ranking railroad official, at a time—in the 1860s and 1870s—when the railroads were, I might say, just beginning to emerge from a sort of semi-embryonic state. What eventually became the vast transportation system did not, in fact, come about until later. I took part in all the initiatives that were still influenced by the first major railway construction projects. I was thus directly under the influence of the burgeoning transportation sector. This perspective later merged with something else, which at the time led me to conceive of economic life in the way I had to—in the sense of the “Threefold Social Order.”
[ 12 ] Wir müssen bedenken: bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein war ja das Wesentlichste, das Grundelement der neueren Entwickelung die Umgestaltung des Verkehrs. Der Weltverkehr war das, was sich in dieser Zeit entwickelte. In dieser letzten Zeit des Weltverkehrs, unmittelbar unter dem täglichen, stündlichen Einfluß der Einzelheiten, die sich mit diesem Weltverkehr entwickelten, stand ich dazumal drinnen. Und dann kam im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, im letzten Viertel eigentlich erst, der große Umschwung, der vom Weltverkehr führte zu der Weltwirtschaft.
[ 12 ] We must bear in mind that, well into the 1970s, the most essential, the fundamental element of modern development was the transformation of transportation. Global transportation was what developed during that period. I was right in the midst of that era of global transportation, directly under the daily, hourly influence of the details that emerged alongside it. And then, in the last third of the 19th century—actually, not until the last quarter—came the great shift that led from global transportation to the global economy.
[ 13 ] Weltwirtschaft ist etwas anderes als Weltverkehr. Der Weltverkehr hat erst die Weltwirtschaft herbeigeführt. Der Weltverkehr ist nur die letzte Phase der Ausbildung der Nationalwirtschaft. Was im einzelnen Lande bereitet wird, im wesentlichen natürlich, wird durch den Weltverkehr ausgeglichen über die verschiedenen Länder; aber es besteht eine gewisse Individualität der Produktion für die einzelnen Länder. Das ist dann unter dem Einfluß des Verkehrswesens selber anders geworden. Die Welt ging über vom Weltverkehr zur Weltwirtschaft. Und Weltwirtschaft ist erst da, wenn im ausgiebigsten Maße in einem Lande die Rohprodukte eingekauft werden, nach dem anderen Lande verfrachtet und dort industriell verarbeitet werden. Es ist also nicht nur durch den Verkehr, sondern durch die Wirtschaft selber der eine Staat, das eine Land von dem anderen abhängig, so daß gewissermaßen die Wirtschaft selber sich über die verschiedenen Länder ausbreitet. Diese Ausbreitung der Weltwirtschaft, dieses sich gewissermaßen Zusammenschließen der Welt zu einer gemeinsamen Weltwirtschaft, fällt im wesentlichen in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Und es ist, ich möchte sagen, ganz und gar so entstanden, wie es sich am allereindringlichsten gezeigt hat in der Versorgung der europäischen Textilindustrien mit indischer und amerikanischer Baumwolle.
[ 13 ] The global economy is not the same thing as global trade. Global trade was what brought about the global economy in the first place. Global trade is merely the final stage in the development of the national economy. What is produced in each individual country—essentially, of course—is balanced out across the various countries through global trade; but there is a certain distinctiveness in production for each individual country. This has since changed under the influence of the transportation system itself. The world transitioned from global trade to the global economy. And the global economy only exists when raw materials are purchased on a massive scale in one country, shipped to another country, and industrially processed there. Thus, it is not only through trade but through the economy itself that one state, one country, becomes dependent on another, so that, in a sense, the economy itself spreads across the various countries. This expansion of the global economy—this, so to speak, unification of the world into a single global economy—occurred primarily during the final decades of the 19th century. And it came about, I would say, exactly as was most strikingly evident in the supply of Indian and American cotton to the European textile industries.
[ 14 ] Gerade die Baumwollindustrie war es, an der man in charakteristischer Weise erleben konnte die Umwandlung des Weltverkehrs in die Weltwirtschaft. Und in der Zeit, in der man noch genau sehen konnte, wie sich das vollzieht, war ich acht Jahre hindurch Erzieher in einem Hause, durch welches eben nur Baumwolle von Indien und Amerika nach Europa verfrachtet worden ist, in welchem nur Baumwollagenten und Fabrikanten von solchen Dingen verkehrten, die aus Baumwolle gearbeitet werden, und man lebte da ganz in den Interessen, die sich über alles das ausspannen, was eben von diesen Dingen kommt. Ich lebte ganz darinnen, weil ich niemals diese äußeren Dinge für gering ansah und etwa sagte, man müsse sich in ein mystisches Halbdunkel zurückziehen vor diesen äußeren Dingen; ich interessierte mich durchaus tief dafür, zumal wenn jene Depeschen ankamen, die man durch Schlüssel übersetzte. Es kam eine Depesche an, darauf stand «Drahtzieher». Dieses «Drahtzieher» mußte man dann aufsuchen im Schlüsselbuch, und das bedeutete: Haus so und so bietet an so und so viele Ballen Baumwolle zu diesem und jenem Preis. — Aus dem Worte «Drahtzieher» zog man alles das heraus, was dann unter Umständen eine sehr bedeutende geschäftliche Unternehmung werden konnte.
[ 14 ] It was precisely the cotton industry where one could observe, in a characteristic way, the transformation of global trade into the global economy. And during the time when one could still clearly see how this was taking place, I spent eight years as a tutor in a household through which only cotton from India and America was shipped to Europe—a household frequented exclusively by cotton agents and manufacturers of goods made from cotton— and life there revolved entirely around the interests that encompass everything derived from these commodities. I was fully immersed in it because I never regarded these external matters as trivial or suggested that one should retreat into a mystical twilight to escape them; I took a deep interest in them, especially when those dispatches arrived that had to be deciphered using codes. A telegram arrived that read “Drahtzieher.” You then had to look up “Drahtzieher” in the code book, and it meant: Such-and-such a company is offering so many bales of cotton at such-and-such a price. — From the word “Drahtzieher,” one could glean all sorts of information that, under certain circumstances, could lead to a very significant business venture.
[ 15 ] Während dieser Zeit, während ich mich intensiv interessierte für die Muster der amerikanischen und indischen Baumwolle, die da ankamen, die im Kontor wirklich ganz hoch aufgestapelt waren, jedes mit seiner Spezifikation, mit seinem Papierstreifchen, worauf ganz interessante Dinge standen, während ich diese sorgfältig studierte — verzeihen Sie, daß ich eben diese persönliche Bemerkung mache, aber sie hängt mit dem Sachlichen in einer gewissen Weise zusammen —, studierte ich zugleich Goethes «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», und das ging vollständig parallel. Und im Grunde genommen lag in dem, was mir dazumal aus dem Studium der «Grünen Schlange und der schönen Lilie» zufloß, das, was dann nach dreimal sieben Jahren, nach einundzwanzig Jahren zu meinem ersten Mysterium «Die Pforte der Einweihung» führte.
[ 15 ] During this time, while I was intensely interested in the patterns of the American and Indian cotton that was arriving—which was really piled up very high in the office, each with its own specifications, with its little strip of paper on which very interesting things were written—while I was carefully studying these—please forgive me for making this personal remark, but it is related to the factual matter in a certain way—I was also studying Goethe’s “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” and the two proceeded entirely in parallel. And, essentially, what I gained at that time from studying “The Green Snake and the Beautiful Lily” was what then, after three times seven years—after twenty-one years—led to my first Mystery, “The Gate of Initiation.”
[ 16 ] Ich wollte nur diese paar Beispiele anführen, ich könnte sie noch durch manche andere vermehren. Aber ich mußte dem Manne, der mir sagte, daß das, was ich über das wirtschaftliche Leben denke, aus einer — wie er natürlich meinte — abstrakten Anthroposophie geflossen sei, erwidern, daß ich durchaus das Verkehrswesen mitgemacht habe, Frachtbriefe geschrieben habe — wie ich noch Tintenkleckse darauf gemacht habe, außer den Zeichen, die ich auf die Frachtbriefe habe schreiben müssen —, daß ich miterlebt habe die Baumwollindustrie und den Baumwollhandel, und daß aus diesen Dingen heraus, die gerade zusammenhängen mit dem ganzen Nerv des Lebens der neueren Zeit, das entstanden ist, was meine wirtschaftlichen Anschauungen sind. Das sind eben keine Theorien, das ist wirklich hervorgeholt aus dem Leben. Und ich habe nur das eine Gefühl, daß man diese Dinge aus dem Leben hervorholen kann, wenn man den guten Willen hat, das Leben wirklich anzuschauen. Man muß das Leben allerdings auch da anschauen, wo es manche verachten, wenn man zu dem kommen will, was wirklich auch Lebenspraxis sein kann, was sich lebenspraktisch ausnehmen kann. Und gerade aus alledem, was sich da ergeben hat aus der Lebenspraxis heraus, aus dem Drinnenstehen in der Lebenspraxis, auch aus dem verworrenen Knoten der Lebenspraxis, konnte man diese Dinge hervorholen. Denn unter denjenigen Menschen, die mir dazumal entgegengetreten sind, standen manche, die noch in ihrem Lebensschicksal die Nachwirkungen der großen Krise vom Jahre 1873 hatten.
[ 16 ] I just wanted to cite these few examples; I could add many others. But I had to reply to the man who told me that my views on economic life stemmed from—as he naturally assumed—an abstract form of anthroposophy, that I had indeed been involved in the transportation industry, written waybills—and even made ink blots on them, aside from the marks I had to write on the waybills—that I have witnessed the cotton industry and the cotton trade firsthand, and that my economic views have emerged from these very things, which are closely connected to the very nerve center of modern life. These are not mere theories; they are truly drawn from life. And I have only this one feeling: that one can draw these things from life if one has the good will to truly observe life. One must, however, also observe life in those areas that some people despise, if one wishes to arrive at what can truly be a practice of life—what can prove to be practical in life. And it was precisely from all that emerged from the practice of life—from being immersed in the practice of life, even from the tangled knots of the practice of life—that these things could be drawn out. For among those people who opposed me at that time were some who were still experiencing, in the course of their lives, the aftereffects of the great crisis of 1873.
[ 17 ] Allerdings, gerade damals zeigten sich jene merkwürdigen Zusammenhänge zwischen Weltanschauung und äußerem wirtschaftlichem Leben, jene Zusammenhänge, die gerade durch unsere Art zu denken über das geistige Leben auf der einen Seite und über das wirtschaftliche auf der anderen Seite, überwunden werden sollen. Direktor jener Bahn, an der mein Vater angestellt war, war dazumal ein Mann namens Bontoux. Jener Bontoux war, ich möchte sagen, ein kleiner Halbgott für die Umgebung, in der ich dazumal lebte. Die Frau Bontoux, die man, ich weiß nicht aus welchem Grunde, nur «die Baronin» nannte, galt als eine außerordentlich fromme Frau, und es waren wirklich von einem gewissen Gesichtspunkt aus außerordentlich fromme Leute, Bontoux verließ dann den Generaldirektorposten der Südbahn, trat in ein Konsortium ein, ein großes Unternehmen, das von Frankreich bis nach Serbien seine Fangarme erstreckte, und seiner «Frömmigkeit» gelang es, riesige Geschäfte zu machen, im Dienste allerdings nicht weltlicher Mächte, sondern jener frommen Mächte, in deren Dienst er sich auch sonst gestellt hatte, wenn er das Gebetbuch in der Hand hatte. — Dann krachte die ganze Sache zusammen, und es entstand der berühmte BontouxKrach, aus dem zur rechten Zeit eine gewisse kirchliche Gemeinschaft ihre Finger herausgezogen hatte und den Bontoux allein hineinsausen ließ. Aber es war dazumal sehr deutlich zu bemerken ein gewisses Hineintragen von Weltanschauungsideen, sagen wir, in finanzielle Unternehmungen, und man konnte da sehr gut lernen, was man nicht tun soll. Allerdings, manche Leute können sich nicht vorstellen, daß man das in der richtigen Weise gelernt hat und daß das dahin geführt hat, daß man sich den Zusammenhang zwischen Anthroposophie und Kommender Tag und Futurum ganz anders denkt, als sich der Bontoux den Zusammenhang gedacht hat der katholischen Kirche mit der Serbischen Bank.
[ 17 ] However, it was precisely at that time that those strange connections between worldview and external economic life became apparent—connections that are to be overcome precisely through our way of thinking about spiritual life on the one hand and economic life on the other. The director of the railroad where my father was employed at the time was a man named Bontoux. This Bontoux was, I might say, something of a demigod in the community where I lived back then. Mrs. Bontoux, whom people—for reasons I do not know—called simply “the Baroness,” was regarded as an exceptionally devout woman, and from a certain point of view, they really were exceptionally devout people; Bontoux then left his post as general director of the Southern Railway, joined a consortium—a large enterprise that stretched its tentacles from France all the way to Serbia—and his “piety” enabled him to conduct massive business deals, though not in the service of worldly powers, but rather of those pious powers to which he had otherwise devoted himself whenever he held a prayer book in his hand. — Then the whole thing came crashing down, and the famous Bontoux scandal erupted—from which a certain ecclesiastical community had wisely withdrawn its involvement at just the right moment, leaving Bontoux to take the fall alone. But at that time, it was very clear that certain worldview ideas were being carried over, so to speak, into financial ventures, and one could learn very well from that what one should not do. Admittedly, some people cannot imagine that this was learned in the right way and that it led to a completely different understanding of the connection between anthroposophy and *Kommender Tag* and *Futurum* than Bontoux’s understanding of the connection between the Catholic Church and the Serbian Bank.
[ 18 ] Diese Dinge sind alle durchaus aus dem Leben abgelesen. Und daß man aus dem Leben ablesen kann, daß man nicht mit theoretischen Dogmen an das Leben herantrete, das ist gerade das, was von richtig verstandener Anthroposophie kommen soll. Anthroposophie unterscheidet sich nämlich von anderen Weltanschauungen dadurch — oder soll sich wenigstens dadurch unterscheiden —, daß sie selbstlos sein kann, das heißt, daß sie nicht überall auf ihre Dogmen trommelt, sondern daß sie tatsächlich die Anleitung gibt, um das Leben in seiner Fülle, in seiner Breite kennenzulernen. Nur dadurch kann sie ja die wichtigsten, die grundwichtigsten Forderungen und Notwendigkeiten gerade der gegenwärtigen menschlichen Entwickelung erfüllen.
[ 18 ] These things are all drawn directly from life. And the fact that one can learn from life—that one should not approach life with theoretical dogmas—is precisely what should come from a correctly understood anthroposophy. Anthroposophy differs from other worldviews—or at least is meant to differ—in that it can be selfless; that is, it does not constantly harp on its dogmas, but rather actually provides guidance for coming to know life in all its fullness and breadth. Only in this way can it fulfill the most important, the most fundamental demands and necessities of human development today.
[ 19 ] Wer mit offenen Augen sah, was man erleben konnte bei einem wirklichen Hineinschauen in das, was geschah, der sah überall die Verwirrung, der sah, daß selbst in den Guten durchaus die Verwirrung lebte, und daß man verloren sein mußte, wenn man darauf angewiesen war, nur fortzuschwimmen in dem, was die äußere Welt darbot. Dahinein mußte der Impuls aus Geisteslanden fließen, der, ich möchte sagen, aus einem ganz anderen Quellpunkt heraus Richtung zu geben berufen ist dem, was eben von außen her diese Richtung nicht bekommen kann, selbst da nicht, wo das Gute dieses Äußeren lebt.
[ 19 ] Anyone who looked with open eyes at what could be experienced by truly delving into what was happening saw confusion everywhere; they saw that confusion was very much alive even among the good people, and that one was bound to be lost if one relied solely on drifting along with what the outer world offered. Into this, the impulse from the realms of the spirit had to flow—an impulse which, I would say, is called upon to provide direction from an entirely different source to that which cannot receive this direction from the outside, not even where the good of this outer world exists.
[ 20 ] Das ist es, was gerade den Beruf anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft zum Ausdruck bringt. Aber man bedenke nur, was für ein Antrieb in dieser Zeit liegt, wo sich die äußeren Ereignisse überall, sei es im wissenschaftlichen, sei es im anderen kulturellen Leben, sei es im äußeren praktischen Leben, zu einem unentwirrbaren Knäuel formen. Man bedenke, was in dieser Zeit an Notwendigkeiten vorliegt, gerade aus geistigen Untergründen heraus etwas zu finden, was in der Welt heute richtunggebend sein kann.
[ 20 ] This is precisely what defines the profession of anthroposophically oriented spiritual science. But just consider the driving force at work in this era, when external events everywhere—whether in scientific life, in other cultural spheres, or in practical life—are forming an inextricable tangle. Consider the necessity in this era of finding, precisely from spiritual foundations, something that can provide direction in the world today.
[ 21 ] Man bedenke aber auch, wie auf der anderen Seite aus diesen Dingen heraus noch eine andere Veranlassung für den Menschen kam. Das ist diese: Wenn sich der Mensch nun überläßt dem Strom der unlösbaren Knoten, so kommt er in die Versuchung, seine Führung nicht selbst mit seiner Seele zu besorgen, sondern sich hinzugeben dem verwirrenden Äußeren, sich tragen zu lassen von dem Flusse des verwirrenden Äußeren. — Das hat man sehen können, zum großen Schmerze, wie die Menschen unter diesem Einfluß immer unselbständiger und unselbständiger wurden, wie sie auf der einen Seite den Drang bekamen zum eigenen Urteil, aber als eigenes Urteil dann doch nur das formten, was sich ihnen aus dem verknoteten, chaotischen äußeren Leben auf ihnen unbekannten Wegen eindrängte. Die Menschen möchten selbständig sein, weil nun einmal die Forderung der Freiheit im Unterbewußten der Menschen lebt. Die Menschen bilden sich auch ein, selbständig zu sein, aber sie überlassen sich, weil Selbständigsein, das heißt Freisein, heute ein starkes Aufrütteln des Inneren bedeutet, sie aber dieses Aufrütteln nicht wollen, dem Strom, der eben in der geschilderten Weise abläuft. Da kommen sie in dieser Weise namentlich in ahrimanische Einflüsse hinein, in das, was mit allerlei schönen und schön geprägten Worten nach dem Geistigen hinzielt, was aber doch in nichts anderem wurzelt als in persönlichen Egoismen und in der Sucht, diese persönlichen Egoismen tragen zu lassen von dem sozialen Leben.
[ 21 ] But consider also how, on the other hand, these things gave rise to yet another impulse within human beings. This is it: When a person now surrenders to the current of these inextricable knots, he is tempted not to take charge of his own guidance with his soul, but to give himself over to the confusing external world, to let himself be carried along by the flow of that confusing external world. — It has been possible to see, to one’s great sorrow, how people under this influence became increasingly less and less independent, how, on the one hand, they felt the urge to form their own judgments, but as their own judgments they ultimately shaped only what was imposed upon them from the tangled, chaotic external life through paths unknown to them. People want to be independent because the demand for freedom lives in their subconscious. People also imagine themselves to be independent, but they surrender themselves—because independence, that is, freedom, today means a powerful stirring of the inner self, and they do not want this stirring—to the current that flows in the manner just described. In this way, they fall prey to Ahrimanic influences in particular—to that which, using all manner of beautiful and elegantly phrased words, aims toward the spiritual, yet is rooted in nothing other than personal egotism and the craving to have this personal egotism sustained by social life.
[ 22 ] Es ist das wichtigste Charakteristikum der Gegenwart, daß die Menschen im Grunde genommen vollgepfropft sind mit Egoismen, und daß, wenn sie von sozialen Forderungen sprechen, sie eigentlich meinen: Wie wird der Egoismus am besten von der Sozietät getragen? — Im Grunde genommen sprechen die Leute von sozialem Leben und meinen das egoistische Leben. Sie möchten ein solches soziales Leben, daß der Egoismus darinnen am besten gedeihen kann.
[ 22 ] The most important characteristic of the present day is that people are, at heart, steeped in selfishness, and that when they speak of social demands, what they really mean is: How can society best support selfishness? — Basically, people talk about social life but mean selfish life. They want a social life in which selfishness can flourish best.
[ 23 ] So konnte allerdings nicht die «Dreigliederung des sozialen Organismus» reden. Sie konnte nicht von einem Paradiese reden. Das muß sie den Lenins und Trotzkis und so weiter überlassen. Sie kann nur reden von dem, was im Gesellschaftskörper organisch möglich ist, von dem, was lebensfähig ist, von dem, was geschehen kann, was sich vollziehen kann. Und zu dem müssen wir gelangen. Denn wenn wir uns Illusionen vormachen wollen und Illusionen anstreben, so werden wir durchaus nicht weiterkommen können.
[ 23 ] However, the “Threefold Social Order” could not speak in such terms. It could not speak of a paradise. It must leave that to the Lenins and Trotskys and so on. It can only speak of what is organically possible within the social body, of what is viable, of what can happen, of what can come to pass. And that is what we must strive to achieve. For if we want to delude ourselves and pursue illusions, we will certainly not be able to make any progress.
[ 24 ] Wir müssen uns angewöhnen, nicht aus einem abstrakten Prinzip heraus das ganze Leben zu betrachten, sondern im Leben aufzugehen, die Einzelheiten des Lebens mit vollem Anteil zu betrachten, gleichgültig ob sie anscheinend ganz geistigen Dingen angehören oder ob sie anscheinend ganz materiellen Dingen angehören. Es hat sich einmal ein großer Umschwung dadurch vollzogen, daß gewissermaßen das Wirtschaftsleben der ganzen Welt ein einziger Körper geworden ist, und die Menschheit konnte das nicht verstehen, konnte es nicht ertragen. Man hat es nur deklamiert, man hat es nicht innerlich verstanden. Gewiß, vieles ist erschienen über Weltwirtschaft, aber das waren alles Phrasen, denn diese Reden von der Weltwirtschaft, dieses Anschauen der Weltwirtschaft ist nicht immer verdaut worden. Und so ist es gekommen, daß die Menschen zunächst in die Weltwirtschaft hineingetrieben worden sind, daß sie aber nicht verstanden haben, das Leben darnach einzurichten, und jetzt in einer Welt leben, die nun Schranken über Schranken aufrichtet, die unmögliche nationale Wirtschaften durch alle möglichen Schranken, Zoll- und Paßschranken in der furchtbarsten Weise konservieren möchte, die also etwas, was im Grunde genommen schon längst nicht mehr da ist, konservieren möchte.
[ 24 ] We must get into the habit of not viewing life as a whole from the perspective of an abstract principle, but rather of immersing ourselves in life and observing its details with full engagement, regardless of whether they seem to pertain entirely to spiritual matters or entirely to material ones. A major upheaval once took place because, in a sense, the economic life of the entire world had become a single entity, and humanity could not understand this, could not bear it. People merely paid lip service to it; they did not understand it inwardly. Certainly, much has been written about the global economy, but it was all just empty rhetoric, for this talk of the global economy—this way of viewing it—has not always been truly internalized. And so it came to pass that people were initially driven into the global economy, yet they did not understand how to organize their lives accordingly, and now live in a world that is erecting barrier after barrier, seeking to preserve impossible national economies through all manner of barriers— customs and passport barriers in the most dreadful way—in other words, seeking to preserve something that, in essence, has long since ceased to exist.
[ 25 ] Das, was wir heute erleben, ist nichts anderes als das Nichtverstehen dessen, was heraufgezogen ist, weil dieses Leben im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im Grunde genommen verwirrende Knoten dargeboten hat, denen man sich äußerlich nicht überlassen durfte. Aus diesem Sich-Hingeben an das Chaos, an die verwirrenden Knoten, entstand schließlich das, was sich so vielfach gerade ausprägt in den Feindseligkeiten gegen Anthroposophie. Diese Feindseligkeiten nehmen ja heute sowohl extensiv, wie namentlich auch intensiv, die unglaublichsten Dimensionen an. Und man kann sagen: Aus dem, was sich der äußeren Welt übergibt in dem angedeuteten negativen Sinne — ich habe ja auch den positiven Sinn hingestellt, der Welt sich zu übergeben, indem man nämlich auch mit den Baumwollballen leben konnte —, aus dem heraus entstehen heute alle die Dinge, die in einer so merkwürdigen Weise auftreten. Kann man denn nicht eigentlich schon, wenn man rein äußerlich die Dinge nimmt, an der ganzen Art und Weise, wie man diese Dinge ausdrückt, ersehen, von welchem Geiste diese Dinge beseelt sind, wenn man da überhaupt von Beseelung sprechen kann? [Es wird vorgelesen:] «Über Steiners Goetheanum in Dornach wurde gesagt: «Der Besuch reute uns aber nicht, und wir möchten jedem, der sich ein Urteil über Dr. Steiner bilden will, raten, diesen Tempel, dieses Abbild seines Geistes, mit eigenen Augen zu sehen. Wofür hält sich dieser Mann und wofür hält er die andern, daß er es wagt, jeden Anfall, jeden Fiebertraum seines Hirns so in Beton gießen, in Holz meißeln, in Glas schleifen und an die Wand malen zu lassen?» »
[ 25 ] What we are experiencing today is nothing other than a failure to understand what has come to pass, because life in the last third of the 19th century and in the first two decades of the 20th century essentially presented confusing tangles that one could not allow oneself to be swept up in outwardly. From this surrender to chaos, to these confusing knots, ultimately arose what is now so frequently manifesting itself in the hostility toward anthroposophy. This hostility is indeed assuming the most incredible dimensions today, both in scope and, in particular, in intensity. And one can say: From what surrenders to the outer world in the negative sense I have indicated—I have, after all, also pointed out the positive sense of surrendering to the world, namely, by being able to live with the bales of cotton as well—from this, all the things that arise today in such a strange way emerge. Can’t one actually already see—if one considers things purely from the outside—from the very way these things are expressed, what spirit animates them, if one can even speak of animation at all? [The following is read aloud:] “It was said of Steiner’s Goetheanum in Dornach: ‘We did not regret our visit, however, and we would advise anyone who wishes to form an opinion of Dr. Steiner to see this temple, this reflection of his spirit, with their own eyes. What does this man take himself to be, and what does he take others to be, that he dares to have every whim, every feverish dream of his mind cast in concrete, carved in wood, etched in glass, and painted on the wall?””
[ 26 ] Und zuletzt hat sich mit den verschiedensten Leuten, den Chauvinisten, den extremen Sozialisten, namentlich der Führerschaft des Sozialismus und so weiter, mit all denen hat sich ja in der letzten Zeit noch ein merkwürdiges Völkchen verbunden, allerdings, es ist nicht ganz neueren Datums, denn man konnte die Bestrebungen dieses Völkchens auch schon im Jahre 1912, 1913 kennenlernen. An das, was ich Ihnen eben vorgelesen habe, werden nämlich ganz merkwürdige Sätze angeknüpft: «Das sind nur ganz kleine Stichproben gegnerischer Angriffe» — und nun äußert der Verfasser seine Meinung, woher diese gegnerischen Angriffe kommen — «unter der Uranusströmung. Wir sehen, an Hohn und Spott fehlt es schon jetzt nicht. Ganz besonders aber gibt die Warnung eines haßerfüllten Gegners zu denken.»
[ 26 ] And finally, a peculiar little group has recently joined forces with all sorts of people—the chauvinists, the extreme socialists, notably the leadership of socialism, and so on. Admittedly, this is not an entirely recent development, for one could already observe the aspirations of this little group as early as 1912, 1913. For what I have just read to you is followed by some very peculiar statements: “These are only very small samples of hostile attacks”—and now the author expresses his opinion as to where these hostile attacks come from—“under the influence of Uranus. We see that there is no shortage of scorn and mockery even now. But the warning from a hate-filled opponent gives particular cause for thought.”
[ 27 ] Die will ich dann vorlesen. Das Völkchen aber, das sich so mit den anderen verschiedenen Gegnern verbunden hat, ist das der Astrologen, und dahinter liegt eine ganz besondere Ruchlosigkeit — die ja allerdings bei vielen ganz unbewußt ist —, weil man mit diesen Dingen sehr viel machen kann, und weil darin etwas besonders Aufreizendes liegt. Aber sehr sonderbar sind doch die Dinge, wenn man sie nun zusammenstellt. Da findet sich zum Beispiel ein Angriff, der enthält die Worte: «Wir halten es für sehr notwendig, auf Rudolf Steiner ein wachsames Auge zu haben. Der Mann, der auf Judentum, Kommunisten und idealistisch verschrobene Köpfe sich stützend, in Württemberg in der Revolutionszeit Kultusminister werden wollte, gibt seine Partie auf dem politischen Theater unseres engeren Vaterlandes sicherlich nicht verloren.»
[ 27 ] I’ll read those aloud. But the little group that has thus allied itself with the other various opponents is that of the astrologers, and behind this lies a very special kind of wickedness—which, admittedly, is completely unconscious to many—because one can do a great deal with these things, and because there is something particularly provocative about them. But things do seem very strange when you put them all together. For example, there is an attack that contains the words: “We consider it very necessary to keep a watchful eye on Rudolf Steiner. The man who, relying on Judaism, communists, and idealistic eccentrics, wanted to become Minister of Culture in Württemberg during the revolutionary period, certainly has not given up his role on the political stage of our immediate homeland.”
[ 28 ] Hier wird also geredet von einer Gemeinschaft mit Judentum und Kommunisten. Halten wir einen anderen Angriff dagegen. Es ist gut, diese Dinge zu vergleichen, denn in der Vergleichung mag sich vielleicht einzelnes ergeben: «Alle bisherigen Religionsstifter wie Christus, Buddha und alle Weisen und Propheten» — ich glaube nicht, daß ich jemals auf solch einen Titel im entferntesten Anspruch gemacht habe, aber die Gegner tun es, wie es scheint — «haben niemals auf Äußeres, auf irdische Schätze, auf Paläste und Tempel viel gegeben, im Gegenteil, sie sind ohne wesentliches Besitztum geblieben, haben ohne äußeren Aufwand die Menschen unterrichtet, geistig höher geführt oder gelehrt, im stillen Kämmerlein zu beten! Sie haben ihre geistigen Ideen und weisen Lehren durchgesetzt, ohne die materielle Hilfe reicher Kommerzienräte zu bedürfen.»
[ 28 ] So here we are talking about a communion with Judaism and communists. Let’s counter this with another argument. It is good to compare these things, for in the comparison, certain details may come to light: “All the founders of religions to date, such as Christ, Buddha, and all the sages and prophets” —I do not believe I have ever even remotely laid claim to such a title, but my opponents seem to do so—"never placed much value on outward appearances, earthly treasures, palaces, or temples; on the contrary, they remained without significant possessions, instructed people without outward pomp, guided them to higher spiritual levels, or taught them to pray in the quiet privacy of their own rooms! They have established their spiritual ideas and wise teachings without needing the material support of wealthy commercial councilors.”
[ 29 ] Also sehen Sie, auf der einen Seite die Gemeinschaft mit den Kommunisten und mit dem Judentum, auf der anderen Seite die Gemeinschaft mit reichen Kommerzienräten. Es fehlt bloß noch die Gemeinschaft mit besonders tonangebenden Generälen! Es muß schon einmal betont werden, da diese Dinge ja gesagt werden müssen, und, wie mir scheint, sie niemand anderes sagt: Ich weiß, daß weder die, die hier als Kommunisten, noch die, welche als Kommerzienräte geschildert werden — auch wenn noch Generäle genannt wären —, es mir alle nicht übelnehmen würden, wenn ich sage, daß durchaus einmal genau untersucht werden müßte, ob ich selber irgend jemanden, sei es von diesen «Kommunisten», sei es von diesen «Kommerzienräten» oder «Generälen», für mich gebraucht hätte? — Ich hätte sie alle entbehren können, und man müßte erst untersuchen, ob ich zu ihnen oder sie zu mir gekommen sind. Das ist, was zunächst einmal ins Auge gefaßt werden müßte, das ist etwas, was doch sehr stark in Betracht kommt.
[ 29 ] So you see, on the one hand, there is solidarity with the Communists and with the Jewish community; on the other hand, there is solidarity with wealthy commercial councilors. The only thing missing is solidarity with particularly influential generals! This must be emphasized, since these things need to be said, and, as it seems to me, no one else is saying them: I know that neither those described here as communists nor those described as commercial councilors—even if generals were mentioned as well—would take it amiss if I said that it would certainly be necessary to examine closely whether I myself would have needed anyone at all, be it from among these “communists,” these “commercial councilors,” or these “generals,” I would have needed at all? — I could have done without them all, and one would first have to investigate whether I went to them or they came to me. That is what must be considered first and foremost; it is something that certainly warrants serious consideration.
[ 30 ] Und noch etwas anderes. Wenn nun auf der einen Seite wirklich so gesprochen wird: Rudolf Steiner kann nur auf Judentum, Kommunisten und so weiter sich stützen —, auf der anderen Seite: Die bisherigen Religionsstifter haben ihre geistigen Ideen und weisen Lehren durchgesetzt, ohne der materiellen Hilfe reicher Kommerzienräte zu bedürfen —, so kann man sagen, das klingt so ähnlich, wie 1908 von seiten der Jesuiten die Verleumdung aufgetaucht ist, daß ich ein besonders gefährlicher Freimaurer sei, während auf der anderen Seite die Verleumdung aufgetaucht ist, ich sei selber Jesuit. — So «genau» kennen einen die Leute! Aber man sollte doch einmal nachdenken darüber, ob nicht vielleicht gerade das, was am notwendigsten ist heute ins Auge zu fassen, sowohl im Kommunisten wie im Juden wie auch im reichen Kommerzienrat steckt: der Mensch. Heute kommt es auf den Menschen an, und was gesucht werden muß, ist der Mensch in jeder Form. Denn die alten Parteischablonen, wie Kommunisten, die alten Volkszusammenhänge, wie Juden, und schließlich auch die alten Kommerzienratstitel bedeuten heute nur noch außerordentlich wenig, wo wir mit aller Gewalt hineinkommen müssen ins allgemein Menschliche.
[ 30 ] And one more thing. If, on the one hand, it is truly said that Rudolf Steiner can rely only on Judaism, communists, and so on—and, on the other hand, that the founders of previous religions have established their spiritual ideas and wise teachings without needing the material support of wealthy commercial councilors— then one could say that this sounds very similar to the slander spread by the Jesuits in 1908, claiming that I was a particularly dangerous Freemason, while at the same time another slander emerged claiming that I was a Jesuit myself. — That’s how “well” people know you! But one should really pause to consider whether perhaps what is most necessary to focus on today lies within the communist, the Jew, and the wealthy commercial councilor alike: the human being. Today, it is the human being that matters, and what we must seek is the human being in every form. For the old party stereotypes—such as “Communists”—the old ethnic groupings—such as “Jews”—and, finally, even the old titles of “Commercial Councilor” mean next to nothing today, when we must force our way with all our might into the realm of universal humanity.
[ 31 ] Aber es scheint, daß diejenigen ganz. besonders ahrimanisch besessen sind, die mit allem möglichen geistverwandt sind, nur nicht mit dem, was nun wirklich einen geistigen Impuls in die heute verworrene Menschheitsentwickelung hineinbringen will. Und so kann man sich schon auch ruhig anhören, wenn gesagt wird: «Planetarische Einflüsse von Saturn und Uranus mögen für den persönlichen Menschen unheilvoll wirken, ihm schwere Sorgen oder Feindseligkeiten bringen — aber — der Mensch wird dadurch gezwungen, sein niedriges Ich-Leben zu beherrschen und zu überwinden und es schließlich reif zu machen für den Menschheitsdienst. Die Gestirnseinflüsse von 1921 werden also Herrn Dr. Rudolf Steiner — wie alle Menschen mit ähnlichem Wurzelhoroskop — entweder seelisch erschüttern, zu erhöhter geistiger Anstrengung, zur Vertiefung und Konzentration zwingen — oder ihnen, falls die astralischen Einflüsse nicht geistig verwertet werden — schwere materielle Schädigungen, schmerzliche Verluste oder körperliche Erkrankungen bringen. — Manche Ende Februar Geborene aus kritischen Jahren können auch in persönliche Gefahr kommen, was stets aus den einzelnen Grundhoroskopen klarer ersichtlich ist.»
[ 31 ] But it seems that those who are particularly possessed by Ahriman are the ones who are in tune with all sorts of things—except for what truly seeks to bring a spiritual impulse into the confused course of human development today. And so one can certainly listen calmly when it is said: “Planetary influences from Saturn and Uranus may have a calamitous effect on the individual, bringing him grave worries or hostilities—but—the individual is thereby compelled to master and overcome his lower ego life and ultimately bring it to maturity for the service of humanity. The celestial influences of 1921 will therefore — like all people with a similar root horoscope — either shake him emotionally, forcing him to greater spiritual effort, deepening, and concentration — or, if the astral influences are not spiritually utilized, bring him severe material damage, painful losses, or physical illness. — Some people born in late February during critical years may also face personal danger, which is always more clearly evident from their individual natal charts.”
[ 32 ] Nun, es ist durchaus nicht nötig, daß aus den Uranus- und Saturneinflüssen gesagt wird, es sei notwendig, das Ich-Leben zu beherrschen und dergleichen; denn ich habe versucht, Ihnen zu schildern, aus welchen Untergründen heraus zum Beispiel die «Dreigliederung des sozialen Organismus» und so etwas wie «Die Pforte der Einweihung» entsprungen sind, und ich selbst kann ruhig hinsehen auf alles das, was von Saturn- und Uranuseinflüssen kommt. Das sind nicht die Dinge, die mich besorgt machen. Besorgt machen mich ganz andere Dinge. Und solange das Folgende figuriert, solange kann ja schon einige Besorgtheit bestehen. Aber die Dinge, die daran geknüpft werden, müßten doch in einem anderen Lichte gesehen werden.
[ 32 ] Well, it is by no means necessary to conclude from the influences of Uranus and Saturn that one must master the ego life and the like; for I have tried to describe to you the underlying reasons from which, for example, the “Threefold Social Order” and works such as *The Gate of Initiation* arose, and I myself can calmly look upon everything that comes from the influences of Saturn and Uranus. These are not the things that cause me concern. Quite different things concern me. And as long as the following is a factor, there can certainly be some cause for concern. But the things associated with it should be viewed in a different light.
[ 33 ] Es wird hier ein besonders haßerfüllter Gegner angeführt, der das Folgende sagt: «Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mäusefalle [gemeint ist das Goetheanum] zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen,
[ 33 ] A particularly hate-filled opponent is quoted here, who says the following: “Spiritual sparks of fire, hissing like lightning after the wooden mousetrap [meaning the Goetheanum], are thus abundant, and it will take quite a bit of Steiner’s wisdom to act
[ 34 ] Hier ist sehr deutlich auf etwas hingewiesen, was die Welt gerne sehen möchte hier am Dornacher Hügel!
[ 34 ] This very clearly points to something the world would like to see here on the Dornach Hill!
[ 35 ] Und dann findet sich das Völkchen und sucht nach den Gründen, solche drohenden Aussprüche ganz und gar den Wirkungen des Uranus in der Nähe der Sonne und so weiter zuzuschreiben. Also nicht nur an Extensität sind die Angriffe da, sie sind auch von einer merkwürdigen Intensität beseelt. Und vor allen Dingen, was mich betrifft, möchte ich sagen: Wo die Uranuseinflüsse sich so äußern, da zeigen sie wohl, daß sie nicht gerade von guter Seite her kommen können! Da zeigen sie schon durch ihr eigenes Auftreten, wes Geistes Kind sie sind.
[ 35 ] And then this little crowd gets together and looks for reasons to attribute such threatening statements entirely to the effects of Uranus near the Sun, and so on. So these attacks are not only extensive in scope; they are also imbued with a peculiar intensity. And above all, as far as I am concerned, I would like to say: Where Uranus’s influences manifest themselves in this way, they clearly show that they cannot exactly be coming from a good source! By their very nature, they reveal what kind of spirit they are born of.
[ 36 ] Aber auf der anderen Seite müssen wir uns durchaus klar sein: Wenn über eine Sache aus den «geistigen Feuerfunken», von denen gesagt wird, daß sie «genugsam vorhanden sind», herbeigesehnt wird der «physische Feuerfunke», dann bedarf es des wachsenden Sorgens derjenigen, die vielleicht mit einiger Liebe an dem hängen, was äußerlich hier zustande gekommen ist, und an dem, was damit zusammenhängt. Es ist wirklich nötig, einige Sorge darauf zu verwenden, das Werk, das nun wirklich zusammengetragen ist aus der Arbeit und den Opfern vieler, zu bewahren. Denn derjenigen Leute, die mit ihrem ideellen oder sogar zu einer ruchlosen Tat schreitenden Willen dieses Werk haßerfüllt anschauen, sind heute wirklich genügend viele vorhanden!
[ 36 ] But on the other hand, we must be absolutely clear about this: If, out of the “spiritual sparks” that are said to be “sufficiently present,” a longing arises for the “physical spark,” then this calls for the growing concern of those who may be attached with some affection to what has come into being here outwardly, and to what is connected with it. It is truly necessary to devote some care to preserving the work that has now truly been brought together through the labor and sacrifices of many. For there are indeed enough people today who view this work with hatred, driven by their idealistic—or even criminal—will!
[ 37 ] Sie könnten sagen, ich hätte das hier nicht verlesen sollen. — O nein, meine lieben Freunde, davon kann gar nicht die Rede sein! Daß es in der Welt bekannt wird bei den anderen Leuten, dafür werden schon die anderen sorgen. Aber daß es unter Ihnen auch bekannt werde, die Sie vielleicht doch etwas anderes fühlen in solchen Dingen, wenigstens die meisten unter Ihnen, dafür muß ich doch einigermaßen sorgen. Denn es könnte sonst durch die Sitten, die einmal eingerissen sind in weitesten Kreisen gerade dieses Saales, nun unseren Freunden verborgen bleiben. Denn es bleibt ja so vieles leider verborgen. Es soll aber gerade ein wenig in die Wachheit unserer Freunde hineinblitzen, was heute schon sehr intensiv, haßgeballt sich geltend macht gegen das, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will.
[ 37 ] You might say I shouldn’t have read this aloud. — Oh no, my dear friends, that’s out of the question! The others will certainly see to it that this becomes known to the rest of the world. But I must take some responsibility for ensuring that it also becomes known among you—who perhaps feel somewhat differently about such matters, at least most of you. For otherwise, due to customs that have taken root in the widest circles of this very hall, it might remain hidden from our friends. After all, so much, unfortunately, remains hidden. But a glimmer of this should penetrate the awareness of our friends—for today, something very intense and filled with hatred is already asserting itself against what anthroposophically oriented spiritual science seeks.
[ 38 ] Und es war nicht etwa bloß, um einen Witz zu machen, wenn ich gestern sagen mußte: die Gegner sind in vieler Beziehung andere Kerle; und sie werden sich noch als andere Kerle erweisen, wenn wir nicht auch versuchen, wachsam zu sein, Wächter zu sein desjenigen, was durch viele Opfer und viele Arbeit zustandegebracht worden ist.
[ 38 ] And it wasn't just to make a joke when I had to say yesterday: our opponents are a different breed in many ways; and they will prove to be a different breed indeed if we do not also try to be vigilant, to be guardians of what has been achieved through many sacrifices and much hard work.
[ 39 ] Denn wenn es schon, wie es heute der Fall ist, gelingt, daß das Schlechte so viele Wächter findet, so sollte es doch auch möglich sein, daß dasjenige, was wir doch immerhin als das Gute ansehen müssen, auch seine Wächter fände! Seien Sie treuliche Wächter des Geistesgutes, von dem wir auch heute wiederum aus gewissen Zusammenhängen heraus sagen mußten: Es ist nicht durch irgendeine subjektive Idee allein in die Welt gebracht, es ist aus der Beobachtung des Lebens in diese Welt gebracht, aus der Anschauung der Forderungen, welche menschliche sind, welche die wichtigsten menschlichen Forderungen sind in diesem unserem Zeitalter und die immer wichtiger werden, je mehr wir der nächsten Zukunft entgegengehen. Seien Sie auf alle diejenigen aufmerksam, die dieses der Menschheit notwendige Werk vernichten wollen! Denn dieser Wille zum Vernichten ist heute in vielen ein sehr, sehr starker. Seien Sie selbst stark, denn dasjenige, was in jener geistigen Bewegung lebt, die auch diesen Bau hier zustande gebracht hat, das ist nicht aus dem Chaos heraus entstanden, das ist ein Impuls, der in das Chaos hineingebracht worden ist. Und kommt man ihm nur nahe, dann wird man fühlen: es gibt Kraft, es gibt Leben. Seien Sie Wächter, wahre Wächter desjenigen, was Sie ja gewählt zu haben scheinen zu dem Ihrigen, indem Sie sich hineingestellt haben in diese anthroposophisch orientierte geisteswissenschaftliche Bewegung.
[ 39 ] For if, as is the case today, evil manages to find so many guardians, then surely it should also be possible for that which we must, after all, regard as good to find its guardians as well! Be faithful guardians of the spiritual heritage, about which we have once again had to say today, in light of certain circumstances: It was not brought into the world by any subjective idea alone; it was brought into this world through the observation of life, through the perception of the demands that are human—the most important human demands of our age—and which become ever more important the closer we approach the near future. Be on guard against all those who wish to destroy this work, which is so necessary for humanity! For this will to destroy is very, very strong in many people today. Be strong yourselves, for that which lives in the spiritual movement that also brought about this building here did not arise out of chaos; it is an impulse that was brought into the chaos. And if one only comes close to it, one will feel: there is power, there is life. Be guardians, true guardians of that which you seem to have chosen as your own by placing yourselves within this anthroposophically oriented spiritual-scientific movement.
