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The Rudolf Steiner Archive

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Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

29 January 1921, Stuttgart

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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
  1. Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung

Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Aus den verschiedensten Betrachtungen, die wir angestellt haben, kann Ihnen hervorgehen, daß, wenn auch vielleicht äußerlich nicht bemerkbar, doch ein inniger Zusammenhang besteht zwischen einem Wesen, dem Hauptwesen, das einen Planetenweltenkörper bewohnt in einer gewissen Zeit, und diesem Weltenkörper selbst. Man kann von den verschiedensten Gesichtspunkten aus diesen Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem ganzen Erdenleben — könnten wir auch sagen — und alldem, was dazu gehört, betrachten. Wir wollen heute von einem einzelnen Gesichtspunkte aus die Sache ins Auge fassen, um uns von da aus wiederum über das eigentliche Wesen des Menschen Vorstellungen zu bilden.

[ 1 ] From the various considerations we have made, it should be clear to you that, even if it may not be outwardly apparent, there is a deep connection between a being—the principal being that inhabits a planetary world-body at a certain time—and that world-body itself. One can view this connection between the human being and the whole of earthly life—as we might say—and everything that belongs to it from a wide variety of perspectives. Today we want to approach the matter from a single perspective in order to form ideas about the true nature of the human being from that vantage point.

[ 2 ] Wir wissen ja, daß der Mensch sein Erdenleben absolviert in aufeinanderfolgenden Verkörperungen. Diese aufeinanderfolgenden Verkörperungen bringen ihn in einen innigeren Zusammenhang mit dem eigentlichen Planeten Erde als diejenigen Zeiten, welche zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegen. Die Zeiten, die der Mensch zubringt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sind für ihn Zeiten eines mehr geistigen Daseins. Er ist in solchen Zeiten der Erde selber mehr entrückt als in den Zeiten zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 2 ] We know, of course, that human beings live out their earthly lives through successive incarnations. These successive incarnations bring them into a deeper connection with the planet Earth itself than the periods that lie between death and a new birth. The periods a person spends between death and a new birth are times of a more spiritual existence for them. During such times, they are more detached from the Earth itself than during the periods between birth and death.

[ 3 ] Der Erde mehr entrückt sein, oder mit der Erde in einem innigeren Zusammenhange stehen, bedeutet aber jeweils immer auch, in einem gewissen Verhältnis zu stehen zu anderen Wesen. Denn was wir äußerlich sinnlich wahrnehmbare Weltengebiete nennen, das ist schließlich nur der Ausdruck für gewisse Zusammenhänge zwischen geistigen Wesen. Mag zunächst für den physischen Anblick unsere Erde so aussehen, wie die Geologen sie sich vorstellen: daß sie gewissermaßen nur ein Gesteinszusammenhang ist, von einer Lufthülle umgeben —, so ist das doch im Grunde genommen nur der äußere Schein. Was eigentlich da erscheint als dieser Gesteinszusammenhang, das ist doch nur die Leiblichkeit für gewisse geistige Wesenheiten. Und wiederum: Das, was uns erscheint außerhalb der Erde, was uns erscheint so außerhalb der Erde, daß es auf diese Erde herabglänzt als Sternenwelt, auch das ist wiederum so, wie es uns erscheint, nur der äußerliche sinnliche Ausdruck für einen gewissen Zusammenhang von geistigen Wesenheiten, von Hierarchien. Durch dasjenige, was uns als die schwere Erde erscheint, was uns vorzugsweise dadurch nahetritt, daß es gewissermaßen der feste Untergrund ist, auf dem wir unser Leben zwischen Geburt und Tod entwickeln, was uns also als die sinnliche äußere Erde erscheint, durch das entwickeln wir vorzugsweise unser Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Durch alles dasjenige, was uns aus dem Weltenraume hereinscheint, was uns als Sternenwelt erglänzt, womit wir so wenig Zusammenhang zu haben scheinen, mit dem haben wir mehr einen Zusammenhang zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Man kann schon sagen, daß es mehr ist als ein Bild, daß es eine Realität von tiefer Bedeutung ist, wenn man sagt: Der Mensch steigt aus Sternenwelten zur physischen Geburt herab, um da sein Dasein zwischen der Geburt und dem Tode zu vollbringen. — Nur dürfen wir uns nicht vorstellen, daß die Gestalt, die wir als den Schein des Weltenalls, den Schein des Kosmos haben, wenn wir hier auf der Erde reden von der Sternenwelt, daß dies auch der Anblick ist, der sich darlebt für unser übersinnliches Schauen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Da bietet sich eben das, was äußerlich dem auf der Erde lebenden Menschen als Sternenwelt erscheint, in seiner inneren Wesenheit, in seiner Geistwesenheit dar. Wir haben es mit dem Inneren dessen zu tun, was für unser irdisches Dasein hier Äußeres ist. Im Grunde müssen wir uns sagen: Sowohl wenn wir gewissermaßen hinunterblicken auf die Erde, wie wenn wir hinaufblicken zum Kosmos, haben wir es für den sinnlichen Anblick immer mit einer Art von Scheingebilden zu tun und kommen zur Wahrheit nur, wenn wir zurückgehen zu den Wesenheiten, die diesem Schein mit den verschiedenen Graden des kosmischen Selbstbewußtseins zugrunde liegen.

[ 3 ] To be more detached from the Earth, or to be in a more intimate connection with it, always also means, in each case, to be in a certain relationship with other beings. For what we call externally perceptible realms of the world is, after all, merely an expression of certain connections between spiritual beings. Even if, at first glance, our Earth appears to the physical eye as geologists imagine it—that is, as, so to speak, merely a mass of rock surrounded by an atmosphere—this is, in essence, only an outward appearance. What actually appears there as this mass of rock is, after all, merely the physical form of certain spiritual beings. And again: what appears to us as existing outside the Earth—what appears to us so far outside the Earth that it shines down upon this Earth as the world of the stars—is, in turn, just as it appears to us: merely the outer, sensory expression of a certain interconnection of spiritual beings, of hierarchies. Through that which appears to us as the heavy Earth—which comes closest to us primarily because it is, so to speak, the solid foundation upon which we develop our lives between birth and death, and which thus appears to us as the sensory, outer Earth—it is through this that we primarily develop our lives between birth and death. Through all that which shines upon us from outer space, which glows before us as the world of the stars—with which we seem to have so little connection—we have a connection more closely related to the period between death and a new birth. One can indeed say that it is more than a mere image—that it is a reality of profound significance—when we say: Human beings descend from the starry worlds to physical birth in order to fulfill their existence between birth and death. — But we must not imagine that the form we perceive as the radiance of the universe—the radiance of the cosmos—when we speak here on Earth of the world of the stars, is also the vision that unfolds before our supersensible gaze between death and a new birth. What appears outwardly to human beings living on Earth as the world of the stars presents itself in its inner essence, in its spiritual nature. We are dealing with the inner aspect of what is the outer aspect of our earthly existence here. Essentially, we must tell ourselves: Whether we look down, as it were, toward the Earth, or look up toward the cosmos, what we perceive with our physical senses is always a kind of illusion, and we arrive at the truth only when we go back to the beings that underlie this appearance with their various degrees of cosmic self-consciousness.

[ 4 ] Schein also ist es, möchte ich sagen, ob man hinauf-, ob man hinuntersieht. Die Wahrheit, die Wesenheit liegt hinter diesem Schein. Daß aber der Schein sich uns oben und unten zeigt, das hängt damit zusammen, daß unserem Leben zwischen der Geburt und dem Tode auf der einen Seite und auch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt auf der anderen Seite stets die Möglichkeit droht, aus der Bahn des Vollmenschlichen herauszukommen. Sowohl hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod können wir zu verwandt werden dieser Erde, können gewissermaßen in uns den Trieb, den Instinkt entfalten, den Erdenmächten zu verwandt zu werden, wie wir auch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt den Trieb entfalten können, den kosmischen Mächten außerhalb der Erde zu verwandt zu werden. Denn hier auf der Erde stehen wir zu nahe dem äußeren bildhaften Ausdruck, dem in sinnliche Materialität sich hüllenden Wesen; hier stehen wir gewissermaßen der inneren Geistigkeit entfremdet da. Wenn wir uns entwickeln zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, stehen wir voll drinnen in der Geistigkeit, erleben wir die Geistigkeit mit, und da droht uns wiederum die Möglichkeit, in dieser Geistigkeit zu versinken, in dieser Geistigkeit uns aufzulösen. Während wir hier auf der Erde der Möglichkeit ausgesetzt sind, im physischen Dasein zu verhärten, sind wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt der Möglichkeit ausgesetzt, im geistigen Dasein zu ertrinken.

[ 4 ] It is, I would say, an illusion, whether one looks up or down. The truth, the essence, lies behind this appearance. But the fact that this appearance presents itself to us both above and below is connected to the fact that in our lives—between birth and death on the one hand, and also between death and a new birth on the other—there is always the danger of straying from the path of full humanity. Both here on Earth, between birth and death, we can become too closely related to this Earth—we can, so to speak, develop within ourselves the impulse, the instinct, to become too closely related to the Earthly forces—just as we can also, between death and a new birth, develop the impulse to become too closely related to the cosmic forces outside the Earth. For here on Earth we stand too close to the outer, pictorial expression, to the being shrouded in sensory materiality; here we stand, as it were, alienated from inner spirituality. When we develop between death and a new birth, we stand fully within spirituality; we experience spirituality firsthand, and there, in turn, we face the danger of sinking into this spirituality, of dissolving into it. While here on Earth we are exposed to the possibility of hardening in physical existence, between death and a new birth we are exposed to the possibility of drowning in spiritual existence.

[ 5 ] Diese beiden Möglichkeiten rühren davon her, daß neben jenen Mächten, die man anführt, wenn man von der normalen Ordnung der Hierarchien spricht, andere Wesen da sind. Wie sich die elementaren Wesenheiten finden in den drei Reichen der Natur, wie sich dann der Mensch findet, wie sich die höheren Hierarchien finden, von denen man, wenn man von diesen Wesenheiten spricht, im Sinne echter Geisteswissenschaft sagt, daß sie so da sind nach ihren «kosmischen Zeiten», sind neben diesen Wesenheiten andere da, die gewissermaßen zur Unzeit ihr Wesen entfalten. Es sind die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten, von denen wir oft gesprochen haben, und von denen Sie sich ja schon die Vorstellung gebildet haben werden, daß die luziferischen Wesenheiten wesentlich solche sind, die eigentlich so, wie sie jetzt sich darleben, in einem früheren kosmischen Zeitraum gelebt haben sollten. Dagegen sind die ahrimanischen Wesenheiten solche, die so, wie sie jetzt sich darleben, in einem späteren kosmischen Zeitraum leben sollten. Verspätete kosmische Wesenheiten sind die luziferischen Wesenheiten, verfrühte kosmische Wesenheiten sind die ahrimanischen Wesenheiten. Die luziferischen Wesenheiten haben es verschmäht, die Zeit gewissermaßen mitzumachen, die ihnen vorgesetzt war; sie sind nicht dazu gekommen, weil sie es verschmäht haben, die Entwickelung voll mitzumachen. So enthüllen sie sich heute, wenn sie sich offenbaren, als auf früherer Stufe des Daseins zurückgeblieben.

[ 5 ] These two possibilities stem from the fact that, in addition to the powers one cites when speaking of the normal order of the hierarchies, there are other beings. Just as the elemental beings are found in the three kingdoms of nature, just as human beings are found, and just as the higher hierarchies are found—of which, when speaking of these beings in the sense of genuine spiritual science, it is said that they exist according to their “cosmic times”—there are, alongside these beings, others who, so to speak, unfold their nature out of sync with the cosmic order. These are the Luciferic and Ahrimanic beings of whom we have often spoken, and of whom you will surely have already formed the idea that the Luciferic beings are essentially those who, as they now manifest themselves, should actually have lived in an earlier cosmic epoch. In contrast, the Ahrimanic beings are those who, as they now manifest themselves, should live in a later cosmic epoch. The Luciferic entities are cosmic beings who have arrived late; the Ahrimanic entities are cosmic beings who have arrived too early. The Luciferic beings have spurned, so to speak, the course of time that was set before them; they have not reached this stage because they refused to participate fully in the process of evolution. Thus, when they reveal themselves today, they appear to have remained at an earlier stage of existence.

[ 6 ] Die ahrimanischen Wesenheiten können es, wenn wir uns so ausdrücken wollen, nicht erwarten, zu einem späteren Zeitpunkte der kosmischen Entwickelung das zu werden, was in ihnen veranlagt ist. Sie wollen es schon jetzt sein. Daher verhärten sie in dem gegenwärtigen Dasein und zeigen sich uns jetzt in der Gestalt, in der sie eigentlich erst in späterer Entwickelung des kosmischen Lebens ankommen sollten.

[ 6 ] The Ahrimanic beings, if we may put it this way, cannot wait until a later stage of cosmic evolution to become what is inherent in them. They want to be that way right now. Therefore, they harden in their present existence and reveal themselves to us now in the form they were actually meant to assume only at a later stage of cosmic life’s development.

[ 7 ] Wenn man hinausblickt in die Weiten des Kosmos, und es zeigt sich einem, ich möchte sagen, das Ensemble der Sterne; was ist dieser An blick? Warum haben wir diesen Anblick? — Wir haben diesen besonderen Anblick, den Anblick der Milchstraße, den Anblick des sonst bestirnten Himmels aus dem Grunde, weil er die Offenbarung ist des luziferischen Wesens der Welt. Was uns gewissermaßen leuchtend, strahlend umgibt, ist die Offenbarung des luziferischen Wesens der Welt, es ist dasjenige, was jetzt so ist, wie es ist, weil es auf einer früheren Stufe seines Daseins zurückgeblieben ist. Und wenn wir über den Erdboden gehen, den starren Erdboden, dann hat dieser starre Erdboden seine Starrheit, seine Härte aus dem Grunde, weil in ihm gewissermaßen zusammengeballt sind die ahrimanischen Wesenheiten, jene Wesenheiten, welche diejenige Stufe, die sie sich jetzt künstlich zulegen, eigentlich erst in einem späteren Zeitpunkte ihrer Entwickelung haben sollten.

[ 7 ] When one looks out into the vastness of the cosmos, and what appears to one—I would say—is the ensemble of stars; what is this sight? Why do we have this sight? — We have this particular sight—the sight of the Milky Way, the sight of the star-studded sky—for the very reason that it is the revelation of the Luciferic nature of the world. What surrounds us, so to speak, in a luminous, radiant way, is the revelation of the Luciferic nature of the world; it is that which is now as it is because it has remained behind at an earlier stage of its existence. And when we walk upon the earth’s surface—the rigid earth’s surface—this rigid earth’s surface derives its rigidity, its hardness, from the fact that the Ahrimanic beings are, so to speak, concentrated within it—those beings who should actually have reached the stage they are now artificially assuming only at a later point in their development.

[ 8 ] Daher liegt auch die Möglichkeit vor, daß wir, indem wir uns so der Sinneswelt hingeben, durch den Anblick des Himmelsaspektes uns immer luziferischer und luziferischer machen. Also, wenn wir im Leben zwischen der Geburt und dem Tode diese Neigung haben, uns dem Anblick des Himmelsaspektes hinzugeben, so bedeutet das eigentlich nichts Unmittelbares, nichts Direktes, es bedeutet das etwas, was uns als ein Instinkt bleibt aus unserer Zeit, die wir zugebracht haben vor der Geburt oder vor der Empfängnis in geistigen Welten, wo wir mit den Sternen gelebt haben. Da sind wir eine zu starke Verwandtschaft eingegangen mit den kosmischen Welten. Da sind wir zu ähnlich geworden diesen kosmischen Welten, und daher ist uns geblieben aus diesen Welten die Neigung, die ja als keine besonders starke Neigung in der Menschheit auftritt, im sinnlichen Anblick der Sternenwelten besonders aufzugehen. Wir entwickeln diese Neigung, wenn wir durch unser Karma — das wir uns ja allerdings immer zuziehen zwischen der Geburt und dem Tode — die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zu stark verschlafen, wenn wir zu wenig Neigung entwickeln, dort ein volles Bewußtsein zu haben.

[ 8 ] Therefore, there is also the possibility that, by indulging ourselves in this way in the sensory world, we make ourselves more and more Luciferic through the sight of the heavenly aspect. So, if in life between birth and death we have this inclination to surrender to the sight of the celestial aspect, this does not actually signify anything immediate or direct; rather, it signifies something that remains with us as an instinct from the time we spent before birth or before conception in spiritual worlds, where we lived among the stars. There we formed too strong a connection with the cosmic worlds. There we became too similar to these cosmic worlds, and therefore we have retained from those worlds the inclination—which, admittedly, does not manifest as a particularly strong inclination in humanity—to become especially absorbed in the sensory vision of the starry worlds. We develop this inclination when, through our karma—which we, of course, always attract between birth and death—we spend too much of the time between death and a new birth in a state of deep slumber, failing to develop sufficient inclination to maintain full consciousness there.

[ 9 ] Das andere dagegen, das Aufgehen in das Leben des Irdischen, das ist es, was wir direkt hier zwischen der Geburt und dem Tode entwickeln. Das ist die eigentliche ahrimanische Möglichkeit in dem Leben des Menschen. Die luziferische Möglichkeit hängt also eigentlich zusammen mit demjenigen, was wir uns zulegen durch unsere Verwandtschaft mit der Schein-Geisteswelt; und die ahrimanische Verwandtschaft, die wir uns zulegen, rührt davon her, daß wir eine zu große Neigung entwickeln zwischen der Geburt und dem Tode zu dem, was uns als sinnliche äußere Welt umgibt. Wenn wir zu stark hineinwachsen in dieses Irdische, wenn wir gewissermaßen so stark in diesem Irdischen aufwachsen, daß wir über dem Aufwachsen im Irdischen keine Hinlenkung unserer Seelenverfassung nach dem Übersinnlichen haben, dann treten in uns die ahrimanischen Verwandtschaften auf.

[ 9 ] The other, on the other hand—the merging into earthly life—is what we develop directly here between birth and death. This is the true Ahrimanic potential in human life. The Luciferic potential is thus actually connected to what we acquire through our affinity with the illusory spiritual world; and the Ahrimanic affinity we acquire stems from the fact that, between birth and death, we develop an excessive inclination toward what surrounds us as the sensory external world. If we become too deeply immersed in this earthly realm—if, so to speak, we grow up so deeply within it that our soul’s disposition is not directed toward the supersensible as we grow up in the earthly realm—then the Ahrimanic affinities arise within us.

[ 10 ] Nun hat das alles eine tiefere Bedeutung für die ganze Entwickelung der menschlichen Wesenheit. Wir können dadurch, daß wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gewissermaßen versinken in der geistigen Welt, und durch das, was wir dann werden, wenn wir hier nicht das richtige Gleichgewicht finden zwischen geistiger und materieller Welt, dadurch also, daß wir eine zu starke Verwandtschaft entwickeln mit dem Außerirdischen, wir können, indem sich solche Dinge immer mehr und mehr summieren und wir in dieser Inkarnation nicht das entsprechende Gleichgewicht finden zwischen dem Geistigen und dem Materiellen, allmählich zu einem Erdendasein kommen — und jetzt in diesem Zeitalter sind solche Dinge überhaupt in der Entscheidung —, unter Umständen schon in der nächsten Inkarnation zu einem solchen Erdendasein kommen, in welchem wir gewissermaßen nicht altern können. Das ist die eine Möglichkeit, die uns als eine gewisse Gefahr bevorstehen kann: das Nicht-Altern-Können. Wir können wiedergeboren werden, und die luziferischen Mächte können uns gewissermaßen zurückhalten auf der Kindheitsstufe; sie können über uns etwas verhängen, so daß wir nicht reif werden. Diejenigen Menschen, die sich allzusehr einer gewissen Schwärmerei, einer nebulosen Mystik hingeben, die eine gewisse Abneigung haben vor einem straffen konturierten Denken, welche es verschmähen, sich klare Vorstellungen zu machen über die Welt, auch diejenigen Menschen, welche es verschmähen, innerlichen Seelenfleiß, innerliche Regsamkeit der Seele zu entwickeln, diejenigen Menschen also, die mehr oder weniger dahinträumen, die setzen sich der Gefahr aus, in der nächsten Inkarnation nicht altern zu können, kindlich im schlimmen Sinne des Wortes zu bleiben. Es ist ein luziferischer Einschlag, der auf diese Weise in die Menschheit hineinkommen wird. Dadurch würden diese Menschen in der nächsten Inkarnation nicht voll in das irdische Leben untertauchen. Sie würden gewissermaßen aus der geistigen Welt sich nicht genügend herausbegeben, um in das irdische Leben einzutreten. Die luziferischen Mächte, welche einmal eine Verbindung eingegangen haben mit unserer Erde, die haben das Bestreben, in dem Menschen solche Instinkte zu entfachen, daß die Erdenentwikkelung des Menschen einmal ankommt bei dieser Stufe, auf der die Menschen Kinder bleiben, auf der die Menschen nicht altern. Die luziferischen Mächte möchten es geradezu dahin bringen, daß einmal auf der Erde keine Greise herumgehen, sondern Menschen, die in einem gewissen Jugendwahn ihr Leben zubringen. Dadurch würden diese luziferischen Mächte die Erde dahin bringen, immer mehr und mehr als ganzer Planet ein Leib zu werden und auch eine gemeinsame Seele zu haben, in der die einzelnen Seelen verschwimmen. Eine gemeinsame Seelenhaftigkeit der Erde und eine gemeinsame Leibhaftigkeit der Erde, das ist es, was Luzifer für die Entwickelung der Menschheit anstrebt, gewissermaßen ein großes organisches Wesen aus der Erde zu machen mit einer gemeinsamen Seele, in der die einzelnen Seelen ihre Individualität verlieren.

[ 10 ] Now, all of this has a deeper significance for the entire development of the human being. By sinking, as it were, into the spiritual world between death and a new birth—and through what we then become if we do not find the right balance here between the spiritual and material worlds—that is, by developing too strong a connection with the non-earthly, we can—as such things accumulate more and more and we fail to find the appropriate balance between the spiritual and the material in this incarnation—gradually come to lead an earthly existence—and now, in this age, such matters are at a decisive juncture—and under certain circumstances, as early as the next incarnation, come to lead such an earthly existence in which, so to speak, we cannot age. This is one possibility that may lie ahead of us as a certain danger: the inability to age. We may be reborn, and the Luciferic forces may, so to speak, hold us back at the childhood stage; they may impose something upon us so that we do not mature. Those people who indulge too much in a certain kind of enthusiasm, a nebulous mysticism; who have a certain aversion to rigorous, well-defined thinking; who spurn forming clear ideas about the world— as well as those who refuse to develop inner spiritual diligence and inner vitality of the soul—in other words, those who more or less drift off into daydreams—expose themselves to the danger of being unable to age in their next incarnation, of remaining childlike in the worst sense of the word. It is a Luciferic influence that will enter humanity in this way. As a result, these people would not fully immerse themselves in earthly life in their next incarnation. They would, so to speak, not step out of the spiritual world sufficiently to enter earthly life. The Luciferic forces, which once formed a connection with our Earth, strive to kindle such instincts in human beings that human development on Earth will eventually reach a stage where people remain children, where people do not age. The Luciferic forces would like to bring things to the point where there are no longer any elderly people walking the Earth, but rather people who spend their lives in a kind of delusion of youth. In this way, these Luciferic forces would lead the Earth to become, more and more, a single body as a whole planet and to possess a common soul in which the individual souls would blur together. A collective soul-ness of the Earth and a collective physicality of the Earth—that is what Lucifer strives for in the development of humanity: to make the Earth, so to speak, a great organic being with a collective soul in which individual souls lose their individuality.

[ 11 ] Wenn Sie sich erinnern, daß ja das, wie ich öfters dargelegt habe, worauf es ankommt in der Erdenentwickelung, nicht im mineralischen, nicht im pflanzlichen, nicht im tierischen Reiche liegt, die ja alle im Grunde genommen Abfälle der Entwickelung sind, sondern daß das, worauf es ankommt, sich eigentlich abspielt innerhalb der Grenzen der menschlichen Haut, und daß innerhalb der Organisation des Menschen die Kräfte liegen, die die Entwickelungskräfte unseres Planeten sind, dann werden Sie begreifen, daß das, was zuletzt aus der Erde wird, nicht ersehen werden kann, wenn wir uns physikalische Vorstellungen bilden; diese physikalischen Vorstellungen haben nur ein eng begrenztes Interesse für uns. Vorstellungen, was aus der Erde werden kann, bekommen wir nur, wenn wir die menschliche Wesenheit selber kennen. Diese menschliche Wesenheit kann aber eine Verbindung, eine Kräfteverwandtschaft eingehen mit der luziferischen Macht, welche sich mit der Erde verbunden hat, und dann kann die Erde gewissermaßen zu wenig individualisierte Wesen tragen; sie kann mehr ein Gesamtrwesen, ein unbestimmtes Gesamtwesen werden mit einer gemeinsamen Seelenhaftigkeit. Das ist es, was die luziferischen Mächte anstreben. Wenn Sie das Bild nehmen, das manche nebulosen Mystiker sich von einem ihnen wünschenswerten Zukunftszustande machen, den sie immer so schildern, daß sie aufgehen wollen im All, den sie so schildern, daß sie höchstens verschwinden wollen in irgendeinem pantheistischen Ganzen, dann werden Sie in solchem Sinne schon etwas wahrnehmen von dem, wie in manchen Menschenseelen dieser luziferische Hang lebt.

[ 11 ] If you recall that, as I have often explained, what matters in the evolution of the Earth does not lie in the mineral, plant, or animal kingdoms—which are, after all, essentially byproducts of evolution—but rather that what matters actually takes place within the confines of the human skin, and that within the human organism lie the forces that constitute the evolutionary forces of our planet, then you will understand that what the Earth will ultimately become cannot be discerned by forming physical concepts; these physical concepts are of only limited interest to us. We can only form concepts of what the Earth may become if we know the human being itself. This human being, however, can enter into a connection—a kinship of forces—with the Luciferic power that has bound itself to the Earth; and then the Earth can, so to speak, come to bear beings that are insufficiently individualized; it can become more of a collective being, an indeterminate collective entity with a shared soul-like quality. This is what the Luciferic powers strive for. If you take the image that some vague mystics conjure up of a future state they desire—which they always describe as wanting to merge into the cosmos, or, at most, to vanish into some pantheistic whole—then, in this sense, you will already perceive something of how this Luciferic tendency lives within some human souls.

[ 12 ] Das andere ist, daß auch ahrimanische Wesenheiten mit unserer Erde eine Verbindung eingegangen haben. Sie haben die entgegengesetzte Tendenz, Sie wirken vor allen Dingen durch diejenigen Kräfte, die unseren Organismus wie an sich heranziehen zwischen der Geburt und dem Tode, die unseren Organismus ganz und gar durchsetzen mit Geistigkeit, das heißt, immer mehr und mehr uns intellektualistisch machen, immer mehr und mehr uns vom Verstande durchziehen. Denn von der Verbindung der Seele mit dem physischen Leib hängt unsere wache Intelligenz ja ab, und wenn sie hypertrophiert, wenn sie zu stark wird, dann werden wir dem physischen Dasein zu ähnlich, dann verlieren wir auch das Gleichgewicht. Dann tritt diejenige Neigung auf, welche den Menschen verhindert, in der richtigen Weise in der Zukunft abzuwechseln zwischen Erdenleben und geistigem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 12 ] The other point is that Ahrimanic beings have also formed a connection with our Earth. They have the opposite tendency; they act above all through those forces that, as it were, draw our organism toward themselves between birth and death, that permeate our organism entirely with spirituality—that is, that make us more and more intellectual, that permeate us more and more with the intellect. For our waking intelligence does, after all, depend on the connection between the soul and the physical body, and when it becomes hypertrophied—when it grows too strong—we become too much like physical existence, and we lose our balance. Then the tendency arises that prevents human beings from alternating properly in the future between earthly life and spiritual life, between death and a new birth.

[ 13 ] Das ist es, was in Ahrimans Streben liegt, den Menschen gewissermaßen abzuhalten davon, in der richtigen Weise in der folgenden Erdenzeit durch Erdenleben und überirdische Leben zu gehen. Ahriman möchte den Menschen abhalten, künftige Inkarnationen durchzumachen. Er möchte ihn schon jetzt in dieser Inkarnation so machen, daß er alles durchlebt, was er auf der Erde durchleben kann. Man kann das nur intellektuell, man kann das nicht vollmenschlich. Aber es gibt allerdings die Möglichkeit, daß der Mensch so gescheit werde, daß er sich in seiner Gescheitheit Vorstellungen machen kann von alledem, was es noch auf der Erde geben kann. Es ist ja das auch ein Ideal, das manche Menschen haben, so recht in ihren Verstand hereinzubekommen eine Vorstellung von dem, was es noch alles auf der Erde geben kann. Aber man kann nicht die Erlebnisse, die man noch in künftigen Leben haben wird, hereinbekommen; man kann nur die Bilder, die intellektuellen Bilder, die sich dann verhärten im physischen Leib, in dieses Leben hereinbekommen. Und dann bekommt man eine tiefe Abneigung, künftige Inkarnationen mitzumachen. Dann sieht man geradezu eine Art von Seligkeit darin, nicht mehr auf der Erde erscheinen zu wollen.

[ 13 ] This is what lies at the heart of Ahriman’s endeavor: to prevent human beings, so to speak, from passing through the coming earthly era in the proper way—through earthly lives and supersensible lives. Ahriman wants to prevent human beings from undergoing future incarnations. He wants to ensure, even now in this incarnation, that they experience everything they can possibly experience on Earth. One can do this only intellectually; one cannot do it as a fully human being. But there is, of course, the possibility that a person may become so wise that, through their wisdom, they can form ideas about everything that may still exist on Earth. This, after all, is also an ideal that some people have: to truly grasp in their minds a conception of all that may still exist on Earth. But one cannot bring into this life the experiences one will have in future lives; one can only bring in the images—the intellectual images—which then solidify in the physical body. And then one develops a deep aversion to participating in future incarnations. Then one actually sees a kind of bliss in no longer wanting to appear on Earth.

[ 14 ] Mit den dekadenten Morgenländern — ich habe Ihnen ja öfters dargestellt, wie die morgenländische Kultur in die Dekadenz gekommen ist — kann insbesondere Ahriman diese Abirrung erzeugen. Während die Morgenländer allerdings im Inneren mehr beherrscht sind von luziferischen Mächten, kann sich Ahriman an ihre Wesenheit heranbegeben und kann ihnen gerade dadurch, daß sie von luziferischen Mächten eingenommen sind, die Neigung einpflanzen, in einer bestimmten Inkarnation mit dem irdischen Leben abschließen zu wollen, nicht mehr innerhalb eines physischen Leibes erscheinen zu wollen. Dann kann sogar von gewissen Lehrern der Menschheit, die im Dienste Ahrimans wirken, als ein Ideal aufgestellt werden, daß der Mensch anstreben soll, in einer bestimmten Inkarnation, bevor die Erde selber an ihr Ziel gelangt ist, mit dem Erdendasein abzuschließen und nicht mehr ein physisches Dasein betreten zu müssen.

[ 14 ] Among the decadent people of the East—I have often explained to you how Eastern culture has fallen into decadence—Ahriman in particular can bring about this deviation. While the people of the East are, however, inwardly more dominated by Luciferic forces, Ahriman can approach their very being and, precisely because they are taken over by Luciferic forces, can instill in them the inclination to want to bring their earthly life to a close in a particular incarnation—to no longer wish to appear within a physical body. Then certain teachers of humanity, who work in the service of Ahriman, may even present as an ideal the notion that human beings should strive, in a particular incarnation and before the Earth itself has reached its goal, to bring their earthly existence to a close and no longer have to enter into a physical existence.

[ 15 ] Unter all den Dingen, welche auftreten in gewissen theosophischen Lehren, die sklavisch dem heutigen dekadenten Morgenlande entlehnt sind, tritt das auf, was ja niemals irgendwie in unsere anthroposophische Anschauung übernommen worden ist, daß es sogar ein besonderer Vollkommenheitsgrad des Menschen sei, wenn man nicht mehr im irdischen Leben erscheinen soll. Das ist eine ahrimanische Anwandlung. Durch diese ahrimanische Anwandlung wird ja im Grunde genommen auch etwas Furchtbares erzeugt. Durch diese ahrimanische Anwandlung könnte die Erde dahin kommen, nun nicht ein einheitlicher großer Organismus mit einer einheitlichen Seelenhaftigkeit zu werden, wozu sie Luzifer machen will, sondern die Erde könnte dahin kommen, gerade sich zu überindividualisieren. Die Menschen würden einmal ankommen bei einer Stufe ahrimanischer Entwickelung, auf der sie zwar sterben würden; aber das Furchtbare würde sich ereignen, daß die Menschen, nachdem sie gestorben sind, möglichst erdenähnlich würden, möglichst an der Erde kleben blieben, so daß die Erde selber nur zu einem Ausdruck der einzelnen individuellen Menschen würde. Es würde gewissermaßen die Erde eineKolonie sein der einzelnen individuellen Menschenseelen.

[ 15 ] Among all the ideas that appear in certain theosophical teachings—which are slavishly borrowed from today’s decadent Orient—there is one that has never in any way been adopted into our anthroposophical view: the notion that it is even a special degree of human perfection to no longer appear in earthly life. This is an Ahrimanic impulse. This Ahrimanic impulse essentially gives rise to something terrible. Through this Ahrimanic impulse, the Earth could end up not becoming a unified, great organism with a unified soul-life—which is what Lucifer seeks to make of it—but rather the Earth could end up becoming overly individualized. Human beings would eventually reach a stage of Ahrimanic development at which they would indeed die; but the terrible consequence would be that, after dying, they would become as earth-like as possible, remaining as closely attached to the Earth as possible, so that the Earth itself would become merely an expression of the individual human beings. In a sense, the Earth would be a colony of individual human souls.

[ 16 ] Das ist etwas, was Ahriman mit der Erde anstrebt: die Erde ganz und gar zum Ausdrucke dieser Intellektualität zu machen, sie ganz zu intellektualisieren. Heute muß die Menschheit durchaus einsehen, daß das Erdenschicksal vom Menschenwillen selber abhängt. Die Erde wird dasjenige sein, was der Mensch aus ihr macht. Die Erde wird nicht dasjenige sein, was physikalische Kräfte aus ihr machen. Diese physikalischen Kräfte werden abfallen, werden keine Bedeutung haben für die Erdenzukunft. Die Erde wird das sein, was der Mensch aus dieser Erde macht.

[ 16 ] This is something Ahriman strives to achieve with the Earth: to make the Earth entirely an expression of this intellectuality, to intellectualize it completely. Today, humanity must fully realize that the Earth’s destiny depends on human will itself. The Earth will be whatever humanity makes of it. The Earth will not be whatever physical forces make of it. These physical forces will fade away and will have no significance for the Earth’s future. The Earth will be whatever humanity makes of it.

[ 17 ] Wir leben gewissermaßen in einer entscheidungsvollen Stunde der Erdenentwickelung, in der die Menschen sich dreierlei sagen können. Das eine ist, in nebuloser Mystik, in Träumeret, im physisch-sinnlichen Befangensein und Eingenommensein, also im Dahinbrüten — und das Leben in der Sinnlichkeit ist ja auch nur ein Dahinbrüten — zu leben, in einem schläfrigen Zustande, in dem man nicht in klaren Begriffen das Leben mitmacht. Das ist das eine, was gewissermaßen Neigung der Menschen werden kann.

[ 17 ] In a sense, we are living in a decisive moment in the Earth’s evolution, in which people can say three different things to one another. One is to live in nebulous mysticism, in a dreamlike state, in physical and sensual preconceptions and preoccupations—that is, in a state of idling away—and life in sensuality is, after all, nothing but idling away—to live in a drowsy state in which one does not participate in life with clear concepts. That is one thing that, in a sense, can become a human inclination.

[ 18 ] Das zweite, was Neigung der Menschen werden kann, ist, sich ganz zu durchdringen mit Intellekt und Verstand, gewissermaßen alles zusammenzuraffen, was der Verstand nur zusammenraffen kann, überall das zu verachten, was Poesie und Phantasieprodukte ausgießt über das irdische Dasein, überall nur hinzusehen auf das Mechanische, auf das pedantisch Perückenhafte. Die Menschen stehen heute vor der Entscheidung, entweder geistige Wollüstlinge zu werden, die ganz und gar in ihrem eigenen Dasein untergehen — denn ob man untergeht im eigenen Dasein durch nebulose Mystik oder wüste Sinnlichkeit, ist einerlei, denn das sind im Grunde genommen nur zwei Seiten einer und derselben Sache —, oder aber über alles nüchtern nachzudenken, alles zu schematisieren, alles einzugliedern und einzuteilen. Das sind die zwei Möglichkeiten.

[ 18 ] The second thing that can become a human inclination is to immerse oneself entirely in intellect and reason—to gather together, as it were, everything that reason can possibly gather—to despise everywhere that which poetry and the products of the imagination pour out over earthly existence, and to look only at the mechanical, at the pedantic and wig-like. People today face the choice of either becoming intellectual hedonists who are completely lost in their own existence—for it makes no difference whether one is lost in one’s own existence through nebulous mysticism or unbridled sensuality, since these are, at the root of it, merely two sides of the same coin—or of thinking soberly about everything, schematizing everything, to classify and categorize everything. These are the two possibilities.

[ 19 ] Die dritte Möglichkeit ist, den Ausgleich, das Äquilibrium zwischen den beiden zu suchen. Von dem Äquilibrium kann man nicht in einer so bestimmten Weise sprechen, wie von dem einen oder von dem anderen Extrem. Das Aquilibrium muß dadurch angestrebt werden, daß man beides in der entsprechenden Weise, ich möchte sagen, zur Rechten und zur Linken hat und weder von dem einen noch von dem anderen zu stark angezogen wird, sondern durch beides im Gleichgewicht des Lebens hindurchgeht, das eine durch das andere geregelt sein läßt, das eine durch das andere geordnet sein läßt.

[ 19 ] The third possibility is to seek a balance, an equilibrium, between the two. One cannot speak of this equilibrium in as specific a way as one can of one extreme or the other. One must strive for this equilibrium by having both—I would say, on the right and on the left—in the appropriate manner, and by not being drawn too strongly toward either one, but rather by moving through the balance of life with both, allowing one to be regulated by the other, allowing one to be ordered by the other.

[ 20 ] Diese kosmische Entscheidungsstunde steht heute vor der menschlichen Seele. Der Mensch kann sich entscheiden, entweder den luziferischen Verlockungen zu folgen und die Erde nicht fertig werden zu lassen, die Erde sein zu lassen, wie der alte Mond war, die Erde, ich möchte sagen, zur Karikatur zu machen von dem alten Monde, sie zu etwas werden zu lassen wie einen großen Organismus, der eine individualisierte träumerische Seele hat, in der die Menschenseelen enthalten sind wie in einem gemeinsamen Nirwana, oder aber sich zu überintellektualisieren, überindividualisieren, die Gemeinsamkeit der Erde aufzugeben, nichts Gemeinsames haben zu wollen, sondern den Leib zu sklerotisieren, zu verknöchern, indem man zuviel Verstand in diesen Leib hineingießt. Der Mensch kann sich entscheiden, ob er den Leib zum Schwamm macht durch nebulose Mystik und Sinnlichkeit oder aber zum Stein, durch Überintellektualität, Überverselbständigung. Und die heutige Menschheit macht Miene, nicht das Gleichgewicht haben zu wollen zwischen beiden, sondern das eine oder das andere haben zu wollen.

[ 20 ] This cosmic moment of decision now confronts the human soul. Humanity can choose either to follow the Luciferic temptations and prevent the Earth from reaching completion—to leave the Earth as the old Moon was—to turn the Earth, I might say, into a caricature of the old Moon, to let it become something like a great organism with an individualized, dreamlike soul in which human souls are contained as in a shared nirvana, or to over-intellectualize and over-individualize themselves, to abandon the Earth’s communal nature, to desire nothing in common, but rather to sclerotize the body, to ossify it, by pouring too much intellect into it. Human beings can decide whether to turn the body into a sponge through nebulous mysticism and sensuality, or into a stone through over-intellectualization and excessive self-assertion. And humanity today gives the impression of not wanting a balance between the two, but of wanting one or the other.

[ 21 ] Wir sehen auf der einen Seite immer mehr und mehr die westlichen Instinkte sich entfalten, die auf Intellektualismus und Verselbständigung, auf Pedantismus hinauslaufen, die alles so beurteilen wollen, daß der Mensch eben zu stark hineindrängt den Intellektualismus in die Leiblichkeit. Wir sehen auf der anderen Seite vom Osten her die andere Gefahr drohen, daß die Menschen ihren Leib durchfeuern, verbrennen. Wir sehen das in den Anschauungen des dekadenten Morgenlandes und wir sehen es in den Entwickelungen im Osten Europas, in den furchtbaren sozialen Bestrebungen, die dort auftreten und die nur der andere Aspekt sind. Es ist schon einmal heute die Entscheidungsstunde über die Menschheit gekommen. Die Menschheit muß sich heute entschließen, das Äquilibrium zu finden. Und man kann das, was eigentlich der Menschheit heute als Aufgabe gestellt ist, nur erkennen aus den Tiefen geisteswissenschaftlicher Erkenntnis heraus. Man muß sich aneignen diejenigen Begriffe, die einen aufmerksam machen können, was für Entwickelungsmöglichkeiten nach der einen und nach der anderen Seite für die Menschheit vorliegen. Auf der einen Seite haben wir das Aufgehen in Nirwana, das ja schon eine «heilige Lehre des Orients» geworden ist, aber weit entfernt ist von der alten Auslegung des Nirwana, das eigentlich ein Anstreben des Äquilibrium aus dem alten Hellsehen heraus war. Was sich der dekadente Orientale heute noch immer unter dem Nirwana vorstellt, ist die verluziferisierte Welt. Was auf der anderen Seite immer mehr und mehr aus den westlichen Bestrebungen herauskommt, aus den Bestrebungen, die aus der modernen Zivilisation sich herausentwickeln, insofern diese moderne Zivilisation sich nicht durchdringt mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, das ist die Vermechanisierung der Welt, ist immer mehr und mehr das Streben, die Vorgänge des menschlichen Daseins mechanisch zu machen. Ahrimanisierung auf der einen, Luziferisierung auf der anderen Seite.

[ 21 ] On the one hand, we see Western instincts unfolding more and more—instincts that lead to intellectualism and self-absorption, to pedantry—which seek to judge everything in such a way that human beings force intellectualism too strongly into physicality. On the other hand, we see another danger looming from the East: that people will burn through their physical bodies. We see this in the views of the decadent Orient, and we see it in the developments in Eastern Europe—in the terrible social upheavals occurring there, which are merely the other side of the same coin. The hour of decision for humanity has already come once today. Humanity must resolve today to find equilibrium. And the task that humanity actually faces today can only be recognized from the depths of spiritual scientific insight. We must acquire those concepts that can make us aware of the possibilities of development that lie before humanity on both sides. On the one hand, we have the merging into Nirvana, which has indeed already become a “sacred teaching of the East,” but is far removed from the ancient interpretation of Nirvana, which was actually a striving for equilibrium rooted in ancient clairvoyance. What the decadent Easterners still imagine today when they think of Nirvana is the Luciferized world. On the other hand, what is emerging more and more from Western endeavors—from the endeavors developing out of modern civilization, insofar as this modern civilization is not permeated by insights from the spiritual sciences—is the mechanization of the world; it is, increasingly, the striving to make the processes of human existence mechanical. Ahrimanization on the one hand, Luciferization on the other.

[ 22 ] Wenn fortgesetzt werden würde, was ich ja das letzte Mal von einem gewissen Gesichtspunkte aus als das chaotische, unorientierte Leben der letzten Zeiten bezeichnet habe, dann würde unzweifelhaft eintreten die Ahrimanisierung der Menschheit. Diese Ahrimanisierung kann nur hintangehalten werden, wenn in das überintellektuelle Leben, in das überindividualisierte, ganz von Egoismen durchzogene Dasein der Menschen die Anschauung von der geistigen Welt hineingebracht wird. Wir brauchen überall diese Anschauung von der geistigen Welt. Wir haben vor allen Dingen nötig, daß in die einzelnen Wissenschaften diese geistigen Impulse hineinkommen, sonst wird es nach und nach dahin kommen, daß die einzelnen Wissenschaften wie eine abstrakte Autorität über der Menschheit walten, und daß die Menschheit ganz und gar von diesen einzelnen Wissenschaften, die sie mit autoritativer Gewalt umklammern, ahrimanisiert wird. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der die sozialen Lebensrätsel so heranschlagen an die menschliche Entwickelung, ist es wichtig, den Blick aufzuheben zu dem, was darstellt den Zusammenhang des Menschen mit seinem planetarischen Leben.

[ 22 ] If what I described last time—from a certain point of view—as the chaotic, disoriented life of recent times were to continue, then the Ahrimanization of humanity would undoubtedly occur. This Ahrimanization can only be held back if the view of the spiritual world is introduced into the super-intellectual life—into the overly individualized existence of human beings, which is entirely permeated by egoism. We need this view of the spiritual world everywhere. Above all, we need these spiritual impulses to enter the individual sciences; otherwise, it will gradually come to pass that the individual sciences will reign over humanity as an abstract authority, and that humanity will be completely Ahrimanized by these individual sciences, which clasp it with authoritative force. Especially in the present day, when the mysteries of social life are having such a profound impact on human development, it is important to lift our gaze to that which represents the connection between the human being and planetary life.

[ 23 ] Verkümmert ist innerhalb der alten Bekenntnisse nach den verschiedensten Seiten hin, was menschliche Vorstellungen sind über den Zusammenhang des menschlichen Wesens mit der geistigen Welt. Verkümmert zu einem bloßen abstrakten Verstandesbekenntnis droht zum Beispiel das evangelische Bekenntnis zu werden, verkümmert zu einem äußeren Machtprinzip ist das römische Bekenntnis. Das sind ja nur andere Ausdrücke für dasjenige, was an den Menschen versuchend herantritt. Nötig ist aber, daß der Mensch seine innerliche Orientierung findet, daß er einen innerlichen Impuls erlangt, um den Blick frei zu haben, hinaus zu dem, was ihn verbindet mit seinem Planeten und durch seinen Planeten mit dem ganzen Kosmos. Der Mensch muß wiederum fühlen: Geologie ist nicht Erdenkunde. Der Anblick eines Gesteinskolosses, auf dem Wasserozeane sind und der von Luft umgeben ist, das ist nicht die Erde, und was uns umgibt als Milchstraße und Sonnen, das ist nicht das Weltenall. Das Weltenall sind unten ahrimanische, oben luziferische Wesenheiten, die durch den äußeren Sinnenschein erscheinen, und Wesenheiten der normalen Hierarchien, zu denen sich der Mensch aufschwingt, wenn er durch beide Sinnenscheine hindurch auf die Wahrheit kommt; denn die eigentlichen Wesenheiten erscheinen nicht im äußeren Sinnenschein, sie offenbaren sich nur durch diesen äußeren Sinnenschein hindurch.

[ 23 ] Within the ancient creeds, human conceptions of the connection between human nature and the spiritual world have atrophied in a wide variety of ways. The Protestant creed, for example, is in danger of withering away into a mere abstract intellectual creed, while the Roman creed has withered away into an external principle of power. These are, after all, merely different expressions of that which tentatively approaches human beings. What is necessary, however, is for human beings to find their inner orientation, to gain an inner impulse that allows them to see clearly out toward what connects them to their planet and, through their planet, to the entire cosmos. Human beings must once again realize: geology is not the study of the Earth. The sight of a colossal rock mass, upon which lie oceans of water and which is surrounded by air—that is not the Earth; and what surrounds us—the Milky Way and the suns—is not the universe. The universe consists of Ahrimanic beings below and Luciferic beings above, which appear through the outer sensory appearance, and beings of the normal hierarchies to which human beings ascend when they penetrate both sensory appearances to reach the truth; for the actual beings do not appear in the outer sensory appearance—they reveal themselves only through this outer sensory appearance.

[ 24 ] Das muß der Mensch der Gegenwart erkennen: Ich kann schauen auf die Erde. Bin ich in der Lage, mir zu deuten, was mir auf der Erde unten erscheint als Ausfluß von geistigen Wesenheiten, dann nehme ich dasjenige wahr, was in Cherubimen, Seraphimen, Thronen lebt. Bin ich aber nicht imstande, mir dasjenige, was auf der Erde lebt, geistig vorzustellen, gebe ich mich der Illusion dessen hin, was von der Erde mir sinnlich erscheint, dann bleibe ich Geologe, dann kann ich mich nicht aufschwingen zum Geosophen, dann verahrimanisiert mein Wesen. Und blicke ich hinauf zu den Sternenwelten und bilde mir nur Vorstellungen über dasjenige, was ich sinnlich schaue, dann verluziferisiere ich. Bin ich imstande, durch das, was mir im äußeren Schein erscheint, das Geistige zu deuten, bin ich imstande mir zu sagen: Ja, mir erscheinen Sterne, mir erscheint eine Milchstraße, mir erscheinen Sonnen, sie künden mir an Kyriotetes, Exusiai, Dynamis — Weisheiten, Mächte, Gewalten —, dann finde ich das Äquilibrium.

[ 24 ] This is what people today must recognize: I can look upon the Earth. If I am able to interpret what appears to me on the Earth below as an outflow of spiritual beings, then I perceive that which lives in the Cherubim, Seraphim, and Thrones. But if I am unable to spiritually conceive of what lives on Earth, if I surrender to the illusion of what appears to me through my senses on Earth, then I remain a geologist; then I cannot rise to become a geosophist; then my being becomes Ahrimanized. And if I look up at the starry worlds and form ideas only about what I perceive with my senses, then I become Luciferized. If I am able to interpret the spiritual through what appears to me in outward appearance, if I am able to say to myself: Yes, stars appear to me, the Milky Way appears to me, suns appear to me; they reveal to me Kyriotetes, Exusiai, Dynamis—wisdom, powers, forces—then I find equilibrium.

[ 25 ] Es handelt sich nicht darum, daß wir von kosmischen Wesenheiten reden als etwas Besserem, als die irdischen Wesenheiten sind, sondern es handelt sich darum, daß wir überall durch den Sinnenschein durchdringen zu der wahrhaften Wesenhaftigkeit, zu jener Wesenhaftigkeit, mit der wir als Menschen eigentlich zusammenhängen. Der Sinnenschein als solcher trügt uns nicht. Wenn wir den Sinnenschein in der richtigen Weise uns deuten, dann sind die geistigen Wesenheiten da, dann haben wir sie. Der Sinnenschein als solcher ist nicht trügerisch, nur unsere Anschauung vom Sinnenschein kann trügerisch sein — durch unsere zu starke Verwandtschaft mit dem Irdischen zwischen Geburt und Tod auf der einen Seite, durch unsere zu starke Verwandtschaft auf der anderen Seite mit dem Außerirdischen, während wir es durchschreiten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 25 ] It is not a matter of speaking of cosmic beings as something superior to earthly beings, but rather of penetrating everywhere through the appearance of the senses to the true essence—to that essence with which we, as human beings, are actually connected. The appearance of the senses as such does not deceive us. If we interpret the appearance of the senses correctly, then the spiritual beings are there; then we have them. The appearance of the senses as such is not deceptive; only our perception of it can be deceptive—on the one hand, because of our excessive attachment to the earthly realm between birth and death, and on the other hand, because of our excessive attachment to the non-earthly realm as we pass through it between death and a new birth.

[ 26 ] Von solchen Vorstellungen erfährt der Mensch ja heute kaum irgend etwas, wenn er nur auf das hinsieht, was sich allmählich innerhalb unserer Zivilisation herausgebildet hat. Daß das einmal anders war, das hat diese Zivilisation, ich möchte sagen, ganz und gar vergessen. Die Menschen lesen ja heute sogar mit einer gewissen Gier, was über Naturdinge im 12., 13. Jahrhundert geschrieben worden ist, aber sie lesen es nicht vernünftig genug. Wenn sie es vernünftig läsen, so würden sie sehen, daß die Zeit, in der man so dachte, wie man jetzt denkt, eigentlich erst ein paar Jahrhunderte alt ist, daß man anders gedacht hat über die Dinge der äußeren Welt noch im 11., 12., 13. Jahrhundert, selbst noch im 14. Jahrhundert; daß man im Stein nicht den Stein, in der Erde nicht die Erde gesehen hat, sondern den Leib von Göttlich-Geistigem. Und in den Sternen hat man schon gar nicht gesehen das, was man heute sieht, sondern die Offenbarung des Göttlich-Geistigen. Es ist erst in den letzten Jahrhunderten so geworden, daß der Mensch lediglich eine Geologie und eine Kosmologie hat, aber nicht eine Geosophie und Kosmosophie! Unter der Kosmologie würde er verluziferisieren, unter der Geologie würde er verahrimanisieren, wenn er sich nicht zum Äquilibrium rettete durch eine Geosophie und durch eine Kosmosophie. Denn im Grunde genommen gibt, weil der Mensch aus dem ganzen Weltenall herausgeboren ist, das alles zusammen erst die Anthroposophie. Die Anthroposophie besteht aus diesen einzelnen Sophien, aus Kosmosophie, Geosophie und so weiter. Wir verstehen den Menschen nur richtig, wenn wir ihn in einen geistigen Zusammenhang zu bringen wissen mit dem Weltenall. Dann werden wir ihn nicht einseitig nur in seiner Verwandtschaft mit dem Lichte aufsuchen, was ein Frönen gegenüber den luziferischen Gewalten wäre, werden ihn auch nicht einseitig bloß nach der Verwandtschaft mit der Schwere aufsuchen, was ein Frönen gegenüber den ahrimanischen Mächten wäre, sondern wir werden versuchen, in seinen Willen hinein den Impuls zu gießen, der ihn befähigt, das Äquilibrium zwischen Licht und Schwere, zwischen der Hinneigung zum Irdischen und der Hinneigung zum Luziferischen in sich aufzunehmen. Der Mensch muß zu diesem Gleichgewicht kommen, und er kann nur dazu kommen, indem er wiederum Übersinnliches zu seinen sinnlichen Begriffen dazubekommt.

[ 26 ] People today hardly learn anything about such ideas if they look only at what has gradually developed within our civilization. I would say that this civilization has completely forgotten that things were once different. People today even read with a certain eagerness what was written about natural phenomena in the 12th and 13th centuries, but they do not read it with sufficient discernment. If they were to read it thoughtfully, they would see that the way of thinking we have today is actually only a few centuries old, that people thought differently about the things of the outer world as recently as the 11th, 12th, 13th centuries—even as late as the 14th century—that people did not see stone as merely stone, nor earth as merely earth, but rather the body of the Divine-Spiritual. And in the stars, they certainly did not see what we see today, but rather the revelation of the Divine-Spiritual. It is only in the last few centuries that humanity has come to have merely a geology and a cosmology, but not a geosophy and a cosmosophy! Under cosmology, humanity would become Luciferized; under geology, it would become Ahrimanized—unless it found salvation through an equilibrium achieved by geosophy and cosmosophy. For, fundamentally, since humanity is born out of the entire universe, it is only the combination of all these elements that constitutes anthroposophy. Anthroposophy consists of these individual “sophies”—cosmosophy, geosophy, and so on. We can only truly understand human beings if we know how to place them in a spiritual context with the entire universe. Then we will not seek them out one-sidedly only in their kinship with light—which would be an indulgence of the Luciferic forces— nor will we seek them one-sidedly merely in their relationship to heaviness, which would be an indulgence of the Ahrimanic forces; rather, we will strive to instill within their will the impulse that enables them to take up within themselves the equilibrium between light and heaviness, between the inclination toward the earthly and the inclination toward the Luciferic. Human beings must attain this balance, and they can only do so by adding the supersensible to their sensory concepts.

[ 27 ] Nun noch etwas ganz Paradoxes: Nehmen Sie einmal das vor die Seele, wovon jetzt gesagt worden ist, daß der Mensch es wissen muß, damit er eine Entscheidung treffen kann in diesem Weltenalter; nehmen Sie an, daß der Mensch eigentlich reden müßte von der möglichen Ahrimanisierung oder Luziferisierung der Welt. Nehmen Sie also das vor Ihre Seele hin, daß dieses eine wichtige Angelegenheit der Menschheit ist, und dann nehmen Sie das, was Sie heute in der gebräuchlichen Literatur lesen, was Ihnen aus den Hörsälen und aus den sonstigen Bildungsanstalten herausdringt als das geistige Leben, und betrachten Sie den großen Abstand, so werden Sie sehen, was notwendig ist, damit die Menschen aus dem heutigen Leben heraus, aus der Dekadenz heraus zu demjenigen kommen, was dringend nötig ist. Ernstes Arbeiten auf geistigem Gebiete, das ist es, was dringend nötig ist. Das kann man nur, wenn man sich entschließt, solche Begriffe ernst zu nehmen, wie diejenigen sind, von denen wir heute auch wiederum gesprochen haben. Morgen wollen wir davon weiter reden.

[ 27 ] Now, something quite paradoxical: Consider what has just been said—that human beings must know this in order to make a decision in this world age; suppose that human beings would actually have to speak of the possible Ahrimanization or Luciferization of the world. So take to heart that this is a matter of great importance to humanity, and then consider what you read today in popular literature, what is presented to you in lecture halls and other educational institutions as “spiritual life,” and observe the vast gulf between them; and you will see what is necessary for people to move from today’s way of life—from this decadence—toward what is urgently needed. Serious work in the spiritual realm—that is what is urgently needed. This is possible only if one resolves to take seriously concepts such as those we have discussed again today. Tomorrow we will continue this discussion.