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Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204

16 April 1921, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Ich habe gestern hingewiesen auf den bedeutsamen Übergangspunkt, der in der abendländischen Zivilisationsentwickelung liegt im 4. nachchristlichen Jahrhundert, und ich habe darauf hingewiesen, wie aus der europäischen Zivilisation damals verschwindet auf der einen Seite die griechische Weisheit, jene Weisheit, durch die man versuchte, die Tiefen des Christentums eben weisheitsvoll zum Ausdrucke zu bringen. Der äußere Zeitpunkt des Verschwindens liegt ja etwas später. Er liegt da, wo der Kaiser Justinian die Schriften des Origenes für ketzerisch erklärte, die römische Konsulwürde abschaffte und die griechische Philosophenschule von Athen schloß, so daß die Träger griechischer Weisheit nach dem Oriente entfliehen mußten und gewissermaßen sich zurückzogen vor dem, was europäische Zivilisation war. Was sich vom Orient aus vorgeschoben hatte bis nach Griechenland hinein, was dann in Griechenland seine besondere Form angenommen hatte, das war die eine Seite.

[ 1 ] Ich habe gestern hingewiesen auf den bedeutsamen Übergangspunkt, der in der abendländischen Zivilisationsentwickelung liegt im 4. nachchristlichen Jahrhundert, und ich habe darauf hingewiesen, wie aus der europäischen Zivilisation damals verschwindet auf der einen Seite die griechische Weisheit, jene Weisheit, durch die man versuchte, die Tiefen des Christentums eben weisheitsvoll zum Ausdrucke zu bringen. Der äußere Zeitpunkt des Verschwindens liegt ja etwas später. Er liegt da, wo der Kaiser Justinian die Schriften des Origenes für ketzerisch erklärte, die römische Konsulwürde abschaffte und die griechische Philosophenschule von Athen schloß, so daß die Träger griechischer Weisheit nach dem Oriente entfliehen mußten und gewissermaßen sich zurückzogen vor dem, was europäische Zivilisation war. Was sich vom Orient aus vorgeschoben hatte bis nach Griechenland hinein, was dann in Griechenland seine besondere Form angenommen hatte, das war die eine Seite.

[ 2 ] Die andere Seite aber war diese, daß der Mithrasdienst in einem bedeutsamen äußeren Kultus andeuten sollte, wie der Mensch sich herausheben sollte durch sein Geistig-Seelisches aus alledem, was zu begreifen war dutch den Zusammenfluß der Wesen in der Planetensphäre mit den irdischen Mächten, wie dieser Mensch sich als Vollmensch fühlen könnte. Das sollte eben angedeutet sein im Mithraskultus. Und dieser Mithraskultus, der dahin tendierte, dem Menschen sich selber zu zeigen, er verschwand ebenfalls, nachdem er sich ausgebreitet hatte die Donauländer herauf bis nach Mittel- und Westeuropa. Und was in Europa an die Stelle dieser beiden Strömungen, einer kultischen und einer Weisheitsströmung trat, das war zunächst etwas, was eine den äußeren Tatsachen nach verlaufende Erzählung der Ereignisse von Palästina war. Und so kann man sagen: Weder konnte zunächst in Europa den Einzug halten ein Kultus, welcher in dem Christus Jesus den Überwinder alles desjenigen gesehen hätte, was der Mensch in der Weltenentwickelung unter sich zu bringen hatte, noch konnte in dieses Europa einziehen dasjenige, was die eigentlichen Geheimnisse des Christentums weisheitsvoll ergreifen wollte, und es breitete sich aus die äußerliche Erzählung der Vorgänge in Palästina. Was aber begrifflich festgestellt werden sollte an diesen Ereignissen von Palästina, das wurde eingetaucht in ein juristisches Denken, in dem an die Stelle der Erforschung der Weltengeheimnisse die Feststellung der Dogmen durch die Mehrheitsbeschlüsse der Konzilien und so weiter trat.

[ 2 ] Die andere Seite aber war diese, daß der Mithrasdienst in einem bedeutsamen äußeren Kultus andeuten sollte, wie der Mensch sich herausheben sollte durch sein Geistig-Seelisches aus alledem, was zu begreifen war dutch den Zusammenfluß der Wesen in der Planetensphäre mit den irdischen Mächten, wie dieser Mensch sich als Vollmensch fühlen könnte. Das sollte eben angedeutet sein im Mithraskultus. Und dieser Mithraskultus, der dahin tendierte, dem Menschen sich selber zu zeigen, er verschwand ebenfalls, nachdem er sich ausgebreitet hatte die Donauländer herauf bis nach Mittel- und Westeuropa. Und was in Europa an die Stelle dieser beiden Strömungen, einer kultischen und einer Weisheitsströmung trat, das war zunächst etwas, was eine den äußeren Tatsachen nach verlaufende Erzählung der Ereignisse von Palästina war. Und so kann man sagen: Weder konnte zunächst in Europa den Einzug halten ein Kultus, welcher in dem Christus Jesus den Überwinder alles desjenigen gesehen hätte, was der Mensch in der Weltenentwickelung unter sich zu bringen hatte, noch konnte in dieses Europa einziehen dasjenige, was die eigentlichen Geheimnisse des Christentums weisheitsvoll ergreifen wollte, und es breitete sich aus die äußerliche Erzählung der Vorgänge in Palästina. Was aber begrifflich festgestellt werden sollte an diesen Ereignissen von Palästina, das wurde eingetaucht in ein juristisches Denken, in dem an die Stelle der Erforschung der Weltengeheimnisse die Feststellung der Dogmen durch die Mehrheitsbeschlüsse der Konzilien und so weiter trat.

[ 3 ] Nun zeigt gerade diese Tatsache, daß ein bedeutungsvoller, ein gewaltiger Umschwung in der abendländischen Zivilisationsentwickelung und damit in der Entwickelung der ganzen Menschheit sich in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert vollzogen hat. Alles dasjenige, was vom Orient ausgehend den Osten der europäischen Zivilisation ergriffen hatte, das wurde sozusagen nach dem Orient wieder zurückgeschoben. Dasjenige allein konnte sich abendländisch halten neben der Erfassung der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt, was in der romanischen Welt aufgekommen war als ein Anlauf zum abstrakten Denken.

[ 3 ] Nun zeigt gerade diese Tatsache, daß ein bedeutungsvoller, ein gewaltiger Umschwung in der abendländischen Zivilisationsentwickelung und damit in der Entwickelung der ganzen Menschheit sich in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert vollzogen hat. Alles dasjenige, was vom Orient ausgehend den Osten der europäischen Zivilisation ergriffen hatte, das wurde sozusagen nach dem Orient wieder zurückgeschoben. Dasjenige allein konnte sich abendländisch halten neben der Erfassung der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt, was in der romanischen Welt aufgekommen war als ein Anlauf zum abstrakten Denken.

[ 4 ] Wie lebendig sind doch die Vorstellungen über die griechischen Götter bei den Griechen gewesen, und wie abstrakt begrifflich sind die Vorstellungen, die sich die Römer von ihren Göttern gemacht haben. Im Grunde genommen war in der späteren Zeit dasjenige, was die Griechen an Ideen hatten über die übersinnliche Welt,schon ein Unlebendiges, obwohl es in sich sehr lebendig war, aber verhältnismäßig ein Unlebendiges gegenüber den lebendigen Vorstellungen der übersinnlichen Welten, die darstellten ein Darinnenleben in diesen übersinnlichen Welten, wie sie in der älteren persischen Zivilisationsform vorhanden waren oder in der älteren indischen Zivilisationsform. Da lebte man in den übersinnlichen Welten, wenn auch dutch ein instinktives menschliches Erkennen, da lebte man aber doch mit diesen übersinnlichen Welten so, wie in der Gegenwatt eine spätere Menschheit mit der sinnlichen Welt lebt. Für den alten Orientalen war die geistige Welt durchaus etwas Erschlossenes. Für den alten Orient war die geistige Welt etwas, was für den Menschen so da war in bezug auf ihre Wesenheiten, wie für den späteren Menschen, nun, sagen wir, die anderen Menschen sind, die als seine Nebenmenschen neben ihm da sind, und der Grieche hatte aus dieser lebendigen übersinnlichen Welt heraus sein Begriffssystem gebildet. Die griechischen Ideen waren bis auf Aristoteles herunter im 4. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit nicht solche abstrakte Ideen, die an der äußeren sinnlichen Beobachtung gewonnen und dann hinaufabstrahiert waren, diese griechischen Ideen waren noch herausgeboren aus der lebendigen übersinnlichen Welt, aus einer uralten Anschauung. Diese lebendigen griechischen Ideen durchseelten, durchwärmten noch den Menschen, gaben ihm noch den nötigen Enthusiasmus zu seiner Art des sozialen Lebens, insofern er an diesen Ideen teilnehmen konnte. Gewiß, man darf niemals vergessen, daß ein großer Teil des griechischen Volkes nicht teilnehmen durfte; es war das die weitausgebreitete Sklavenwelt. Aber diejenigen Menschen, welche die Träger der griechischen Kultur waren, die waren eben durchaus in einer Ideenwelt, die im Grunde genommen ein Herunterstrahlen übersinnlich-geistiger Mächte in die Welt des Irdischen war.

[ 4 ] Wie lebendig sind doch die Vorstellungen über die griechischen Götter bei den Griechen gewesen, und wie abstrakt begrifflich sind die Vorstellungen, die sich die Römer von ihren Göttern gemacht haben. Im Grunde genommen war in der späteren Zeit dasjenige, was die Griechen an Ideen hatten über die übersinnliche Welt,schon ein Unlebendiges, obwohl es in sich sehr lebendig war, aber verhältnismäßig ein Unlebendiges gegenüber den lebendigen Vorstellungen der übersinnlichen Welten, die darstellten ein Darinnenleben in diesen übersinnlichen Welten, wie sie in der älteren persischen Zivilisationsform vorhanden waren oder in der älteren indischen Zivilisationsform. Da lebte man in den übersinnlichen Welten, wenn auch dutch ein instinktives menschliches Erkennen, da lebte man aber doch mit diesen übersinnlichen Welten so, wie in der Gegenwatt eine spätere Menschheit mit der sinnlichen Welt lebt. Für den alten Orientalen war die geistige Welt durchaus etwas Erschlossenes. Für den alten Orient war die geistige Welt etwas, was für den Menschen so da war in bezug auf ihre Wesenheiten, wie für den späteren Menschen, nun, sagen wir, die anderen Menschen sind, die als seine Nebenmenschen neben ihm da sind, und der Grieche hatte aus dieser lebendigen übersinnlichen Welt heraus sein Begriffssystem gebildet. Die griechischen Ideen waren bis auf Aristoteles herunter im 4. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit nicht solche abstrakte Ideen, die an der äußeren sinnlichen Beobachtung gewonnen und dann hinaufabstrahiert waren, diese griechischen Ideen waren noch herausgeboren aus der lebendigen übersinnlichen Welt, aus einer uralten Anschauung. Diese lebendigen griechischen Ideen durchseelten, durchwärmten noch den Menschen, gaben ihm noch den nötigen Enthusiasmus zu seiner Art des sozialen Lebens, insofern er an diesen Ideen teilnehmen konnte. Gewiß, man darf niemals vergessen, daß ein großer Teil des griechischen Volkes nicht teilnehmen durfte; es war das die weitausgebreitete Sklavenwelt. Aber diejenigen Menschen, welche die Träger der griechischen Kultur waren, die waren eben durchaus in einer Ideenwelt, die im Grunde genommen ein Herunterstrahlen übersinnlich-geistiger Mächte in die Welt des Irdischen war.

[ 5 ] Demgegenüber nahm sich allerdings die römische Welt, die nur durch das Meer abgeschieden war von der griechischen Welt, ganz abstrakt aus. Die Römer bezeichneten ihre Götter, man möchte sagen, in derselben nüchternen, trockenen Weise, wie unsere Naturforscher ihre Naturgesetze bezeichnen. Und wenn sich schon darin der bedeutsame Umschwung ausdrückt, auf den ich hier hinzuweisen habe, so tritt er uns noch ganz besonders entgegen, wenn wir nun recht aufmerksam hinschauen auf eine seelische Tatsache, die sich nur halb in der Weltentwickelung ausgelebt hat, die nicht vollständig zur Entwickelung gekommen ist. Betrachten Sie einmal das Schicksal des alten griechischen Volkes. Dieses Schicksal des alten griechischen Volkes hat eine gewisse Tragik in sich. Dieses griechische Volk, nach seiner großen Blüte siecht es dahin; es verschwindet im Grunde genommen doch aus der Weltgeschichte. Denn was in seinem Territorium dann als ein Schatten hingetreten ist, ist ja nicht eine wirkliche Nachkommenschaft. In schwerer weltgeschichtlicher Krankheit siecht das griechische Volk dahin und bringt aus seinen alten Ideen etwas heraus, das, ich möchte sagen, die Morgenröte aller späteren Kultur ist, bringt den Stoizismus, den Epikuräismus aus sich hervor, in denen sich als in bestimmten Lebensanschauungen schon vorausverkündet, was dann in der abendländischen Zivilisation auf viel abstraktere Art gewonnen wird. Aber man sieht es auch dem Stoizismus, dem Epikuräismus an, man sieht es selbst der späteren griechischen Mystik an, daß sie ausdrücken ein Hinsiechen des alten Griechentums.

[ 5 ] Demgegenüber nahm sich allerdings die römische Welt, die nur durch das Meer abgeschieden war von der griechischen Welt, ganz abstrakt aus. Die Römer bezeichneten ihre Götter, man möchte sagen, in derselben nüchternen, trockenen Weise, wie unsere Naturforscher ihre Naturgesetze bezeichnen. Und wenn sich schon darin der bedeutsame Umschwung ausdrückt, auf den ich hier hinzuweisen habe, so tritt er uns noch ganz besonders entgegen, wenn wir nun recht aufmerksam hinschauen auf eine seelische Tatsache, die sich nur halb in der Weltentwickelung ausgelebt hat, die nicht vollständig zur Entwickelung gekommen ist. Betrachten Sie einmal das Schicksal des alten griechischen Volkes. Dieses Schicksal des alten griechischen Volkes hat eine gewisse Tragik in sich. Dieses griechische Volk, nach seiner großen Blüte siecht es dahin; es verschwindet im Grunde genommen doch aus der Weltgeschichte. Denn was in seinem Territorium dann als ein Schatten hingetreten ist, ist ja nicht eine wirkliche Nachkommenschaft. In schwerer weltgeschichtlicher Krankheit siecht das griechische Volk dahin und bringt aus seinen alten Ideen etwas heraus, das, ich möchte sagen, die Morgenröte aller späteren Kultur ist, bringt den Stoizismus, den Epikuräismus aus sich hervor, in denen sich als in bestimmten Lebensanschauungen schon vorausverkündet, was dann in der abendländischen Zivilisation auf viel abstraktere Art gewonnen wird. Aber man sieht es auch dem Stoizismus, dem Epikuräismus an, man sieht es selbst der späteren griechischen Mystik an, daß sie ausdrücken ein Hinsiechen des alten Griechentums.

[ 6 ] Warum mußte denn in der Weltenentwickelung dieses Griechentum krank werden und dann im Grunde genommen absterben? Man möchte sagen, in diesem Krankwerden und Absterben des alten Griechenvolkes liegt ein bedeutsames weltgeschichtliches Mysterium. Ja, dieses Griechenvolk sah noch mit dem, was es als einen Nachklang der alten orientalischen Weltanschauung herüberbekommen hatte, den seelisch-geistigen Menschen in seinem vollen Lichte. Und in den älteren Zeiten der griechischen Kultur sah sich doch jeder Mensch an als ein seelisch-geistiges Wesen, das aus geistigen Welten durch die Geburt oder durch die Empfängnis heruntergestiegen ist, das seine Heimat hat in übersinnlicher Sphäre, das berufen ist zu übersinnlichen Sphären. Aber es fühlte zu gleicher Zeit, dieses Griechenland, selbst noch in seiner Blütezeit — ich habe das oftmals erwähnt — seinen weltgeschichtlichen Niedergang. Es fühlte, daß der Mensch nicht Mensch werden kann auf der Erde durch dieses Hinaufschauen, durch dieses alleinige Hinaufschauen in übersinnliche Welten. Es fühlte sozusagen sich umschlungen und durchdrungen von den irdischen Mächten. Daher jener uralte griechische Spruch: Besser ein Bettler zu sein in der sinnlichen Welt, als ein König im Reiche der Schatten. — Der Grieche hatte in seinen alten Zeiten noch allen Glanz der übersinnlichen Welt geschaut; aber er hat zu gleicher Zeit dadurch, daß er in diesem Griechenland ganz Mensch wurde, gefühlt, wie er ihn nicht erhalten kann, diesen Glanz der geistigen Welten, wie er ihm verlorenging, und wie sein Seelisches verstrickt wurde in die irdischen Dinge, und er fürchtete sich gewissermaßen vor dem Sterben deshalb, weil die Seele durch das Leben zwischen Geburt und Tod entfremdet werden kann ihrer übersinnlichen Heimat. Man muß das Griechentum durchaus nach diesem Gefühle schildern. |

[ 6 ] Warum mußte denn in der Weltenentwickelung dieses Griechentum krank werden und dann im Grunde genommen absterben? Man möchte sagen, in diesem Krankwerden und Absterben des alten Griechenvolkes liegt ein bedeutsames weltgeschichtliches Mysterium. Ja, dieses Griechenvolk sah noch mit dem, was es als einen Nachklang der alten orientalischen Weltanschauung herüberbekommen hatte, den seelisch-geistigen Menschen in seinem vollen Lichte. Und in den älteren Zeiten der griechischen Kultur sah sich doch jeder Mensch an als ein seelisch-geistiges Wesen, das aus geistigen Welten durch die Geburt oder durch die Empfängnis heruntergestiegen ist, das seine Heimat hat in übersinnlicher Sphäre, das berufen ist zu übersinnlichen Sphären. Aber es fühlte zu gleicher Zeit, dieses Griechenland, selbst noch in seiner Blütezeit — ich habe das oftmals erwähnt — seinen weltgeschichtlichen Niedergang. Es fühlte, daß der Mensch nicht Mensch werden kann auf der Erde durch dieses Hinaufschauen, durch dieses alleinige Hinaufschauen in übersinnliche Welten. Es fühlte sozusagen sich umschlungen und durchdrungen von den irdischen Mächten. Daher jener uralte griechische Spruch: Besser ein Bettler zu sein in der sinnlichen Welt, als ein König im Reiche der Schatten. — Der Grieche hatte in seinen alten Zeiten noch allen Glanz der übersinnlichen Welt geschaut; aber er hat zu gleicher Zeit dadurch, daß er in diesem Griechenland ganz Mensch wurde, gefühlt, wie er ihn nicht erhalten kann, diesen Glanz der geistigen Welten, wie er ihm verlorenging, und wie sein Seelisches verstrickt wurde in die irdischen Dinge, und er fürchtete sich gewissermaßen vor dem Sterben deshalb, weil die Seele durch das Leben zwischen Geburt und Tod entfremdet werden kann ihrer übersinnlichen Heimat. Man muß das Griechentum durchaus nach diesem Gefühle schildern. |

[ 7 ] Solche Menschen wie Nietzsche, sie haben im Grunde genommen richtig gefühlt. Nietzsche hat richtig gefühlt, wenn er das Zeitalter der griechischen Entwickelung, das dem sokratischen, dem platonischen vorangegangen ist, das tragische Zeitalter griechischer Entwickelung genannt hat. Denn schon bei den Denkern Tales, namentlich aber bei Anaxagoras, Heraklit sehen wir hinabdämmern eine großartige Weltanschauung, über die die heutige Geschichte so gar nichts mehr vermeldet. Wir sehen die Furcht, entfremdet zu werden der übersinnlichen Welt und verbunden zu werden mit dem, was einem einzig und allein bleibt beim Durchgang durch das Leben zwischen Geburt und Tod, verbunden zu werden mit der Welt des Hades, mit der Schattenwelt, die im Grunde genommen dem Menschen zuteil wird. Aber der Grieche hatte doch etwas gerettet, gerettet dasjenige, was in seiner schönsten Blüte erscheint in der platonischen Idee. Ich möchte sagen, mit dem absterbenden Siechtum tritt diese platonische Ideenwelt, der letzte glanzvolle Rest des alten Orients auf, der selber dann bestimmt ist zu sterben im Aristotelismus, aber es tauchen eben doch auf diese griechischen Ideen. Und fortwährend empfand der Grieche, wie das Ich des Menschen im menschlichen Leben eigentlich etwas Verlorengehendes ist. Das war im Grunde genommen Grundempfindung der Griechen. Nehmen Sie die Schilderung, die ich über die Ich-Entwickelung in meinen «Rätseln der Philosophie» gegeben habe, wie da das Ich mit dem Denken verbunden war, mit der äußeren Wahrnehmung. Da aber mit dem Denken das ganze Ich-Erleben zusammenhängt, so fühlte der Mensch auch das Ich noch weniger in seiner eigenen Leiblichkeit drinnen, als er es verbunden fühlte mit alledem, was draußen in der Welt lebt, mit dem Blühen der Blumen, mit dem Blitzen und Donnern draußen im Weltenraum, mit den hinstürmenden Wolken, mit den Bäumen, mit dem aufsteigenden Nebel und dem herabfallenden Regen. Mit alledem verknüpft fühlte der Grieche sein Ich. Er fühlte sozusagen mit den Kräften des Ichs, gleichsam ohne das Gehäuse dieses Ichs; er fühlte vielmehr: Wenn ich hinauswende den Blick auf die Blumenwelt, da haftet mein Ich, da blüht es mit den Blumen. — Das fühlte er. Und man kann eben schon sagen, diese griechische Kultur konnte sich nicht fortsetzen. Wie aber wäre sie geworden, wenn sie sich fortgesetzt hätte? Es lag gar nicht in ihr die Möglichkeit, sich in gerader Linie fortzusetzen. Was wäre aus ihr geworden? — Der Mensch hätte nach und nach sich gefühlt als ein Erdenwesen, das untermenschlich ist, und das, was das eigentlich Geistig-Seelische im Menschen ist, das hätte man gefühlt wie etwas, was eigentlich in den Wolken und in den Blumen, in den Bergen, in Regen und Sonnenschein wohnt und das da kommt, einen zu besuchen. Gefühlt hätte man nach und nach, wenn die griechische Kultur in gerader Linie sich weiterentwickelt hätte, daß man ja, wenn man des Abends einschläft, das Herannahen seines eigenen Ichs in seinem Glanze erfühlen kann, daß es einen da besonders besucht. Aber gefühlt hätte man auch, daß, wenn man wiederum des Morgens aufwacht und sich einläßt auf die Welt der niederen Sinne, daß man dann eigentlich nur als Erdenmensch das äußerliche Gehäuse ist. Eine gewisse Fremdheit gegenüber dem Ich wäre eingetreten bei einer geradlinigen Fortentwickelung desjenigen, was man gefühlsmäßig merken kann als den eigentlichen Grundton, als das eigentliche Grundtemperament der griechischen Natur.

[ 7 ] Solche Menschen wie Nietzsche, sie haben im Grunde genommen richtig gefühlt. Nietzsche hat richtig gefühlt, wenn er das Zeitalter der griechischen Entwickelung, das dem sokratischen, dem platonischen vorangegangen ist, das tragische Zeitalter griechischer Entwickelung genannt hat. Denn schon bei den Denkern Tales, namentlich aber bei Anaxagoras, Heraklit sehen wir hinabdämmern eine großartige Weltanschauung, über die die heutige Geschichte so gar nichts mehr vermeldet. Wir sehen die Furcht, entfremdet zu werden der übersinnlichen Welt und verbunden zu werden mit dem, was einem einzig und allein bleibt beim Durchgang durch das Leben zwischen Geburt und Tod, verbunden zu werden mit der Welt des Hades, mit der Schattenwelt, die im Grunde genommen dem Menschen zuteil wird. Aber der Grieche hatte doch etwas gerettet, gerettet dasjenige, was in seiner schönsten Blüte erscheint in der platonischen Idee. Ich möchte sagen, mit dem absterbenden Siechtum tritt diese platonische Ideenwelt, der letzte glanzvolle Rest des alten Orients auf, der selber dann bestimmt ist zu sterben im Aristotelismus, aber es tauchen eben doch auf diese griechischen Ideen. Und fortwährend empfand der Grieche, wie das Ich des Menschen im menschlichen Leben eigentlich etwas Verlorengehendes ist. Das war im Grunde genommen Grundempfindung der Griechen. Nehmen Sie die Schilderung, die ich über die Ich-Entwickelung in meinen «Rätseln der Philosophie» gegeben habe, wie da das Ich mit dem Denken verbunden war, mit der äußeren Wahrnehmung. Da aber mit dem Denken das ganze Ich-Erleben zusammenhängt, so fühlte der Mensch auch das Ich noch weniger in seiner eigenen Leiblichkeit drinnen, als er es verbunden fühlte mit alledem, was draußen in der Welt lebt, mit dem Blühen der Blumen, mit dem Blitzen und Donnern draußen im Weltenraum, mit den hinstürmenden Wolken, mit den Bäumen, mit dem aufsteigenden Nebel und dem herabfallenden Regen. Mit alledem verknüpft fühlte der Grieche sein Ich. Er fühlte sozusagen mit den Kräften des Ichs, gleichsam ohne das Gehäuse dieses Ichs; er fühlte vielmehr: Wenn ich hinauswende den Blick auf die Blumenwelt, da haftet mein Ich, da blüht es mit den Blumen. — Das fühlte er. Und man kann eben schon sagen, diese griechische Kultur konnte sich nicht fortsetzen. Wie aber wäre sie geworden, wenn sie sich fortgesetzt hätte? Es lag gar nicht in ihr die Möglichkeit, sich in gerader Linie fortzusetzen. Was wäre aus ihr geworden? — Der Mensch hätte nach und nach sich gefühlt als ein Erdenwesen, das untermenschlich ist, und das, was das eigentlich Geistig-Seelische im Menschen ist, das hätte man gefühlt wie etwas, was eigentlich in den Wolken und in den Blumen, in den Bergen, in Regen und Sonnenschein wohnt und das da kommt, einen zu besuchen. Gefühlt hätte man nach und nach, wenn die griechische Kultur in gerader Linie sich weiterentwickelt hätte, daß man ja, wenn man des Abends einschläft, das Herannahen seines eigenen Ichs in seinem Glanze erfühlen kann, daß es einen da besonders besucht. Aber gefühlt hätte man auch, daß, wenn man wiederum des Morgens aufwacht und sich einläßt auf die Welt der niederen Sinne, daß man dann eigentlich nur als Erdenmensch das äußerliche Gehäuse ist. Eine gewisse Fremdheit gegenüber dem Ich wäre eingetreten bei einer geradlinigen Fortentwickelung desjenigen, was man gefühlsmäßig merken kann als den eigentlichen Grundton, als das eigentliche Grundtemperament der griechischen Natur.

[ 8 ] Das war notwendig, daß gewissermaßen das den Menschen entfliehende Ich, das hinaus in Natur und Kosmos entfliehende Ich, daß das gefestigt wurde in der menschlichen Innenwesenheit als einer organischen, auf der Erde wandelnden Wesenheit. Dazu bedurfte es eines kräftigen Impulses. Das war ja die Eigentümlichkeit des Orientalismus, daß er zwar scharf auf das Ich hingewiesen hat, gerade dadurch hingewiesen hat, daß er die wiederholten Erdenleben in bezug auf die menschliche Lebensauffassung lehrte, daß aber zu gleicher Zeit in ihm die Tendenz lag, dieses Ich dem Menschen zu entfremden, dieses Ich dem Menschen zu nehmen. Deshalb hatte das Abendland, das sich eben nicht bis zur griechischen Höhe emporschwingen konnte, auch nicht die Kraft, die griechische Weisheit entgegenzunehmen in ihrer vollen Gestalt, es ließ sie sozusagen zurückfluten nach dem Orient. Es hatte auch nicht die Kraft, den Mithraskultus zu übernehmen, es ließ auch ihn zurückfluten nach dem Orient. Es hatte nur die Kraft, aus der vollen Robustheit des Menschen heraus, aus der irdischen Menschennatur heraus sich erzählen zu lassen die rein tatsächlichen Vorgänge von Palästina und sie bekräftigen zu lassen durch die konzilienmäßig festgesetzte Dogmatik. Gewissermaßen zunächst in einen Persönlichkeits-Materialismus wurde der europäische Mensch hineingestellt.

[ 8 ] Das war notwendig, daß gewissermaßen das den Menschen entfliehende Ich, das hinaus in Natur und Kosmos entfliehende Ich, daß das gefestigt wurde in der menschlichen Innenwesenheit als einer organischen, auf der Erde wandelnden Wesenheit. Dazu bedurfte es eines kräftigen Impulses. Das war ja die Eigentümlichkeit des Orientalismus, daß er zwar scharf auf das Ich hingewiesen hat, gerade dadurch hingewiesen hat, daß er die wiederholten Erdenleben in bezug auf die menschliche Lebensauffassung lehrte, daß aber zu gleicher Zeit in ihm die Tendenz lag, dieses Ich dem Menschen zu entfremden, dieses Ich dem Menschen zu nehmen. Deshalb hatte das Abendland, das sich eben nicht bis zur griechischen Höhe emporschwingen konnte, auch nicht die Kraft, die griechische Weisheit entgegenzunehmen in ihrer vollen Gestalt, es ließ sie sozusagen zurückfluten nach dem Orient. Es hatte auch nicht die Kraft, den Mithraskultus zu übernehmen, es ließ auch ihn zurückfluten nach dem Orient. Es hatte nur die Kraft, aus der vollen Robustheit des Menschen heraus, aus der irdischen Menschennatur heraus sich erzählen zu lassen die rein tatsächlichen Vorgänge von Palästina und sie bekräftigen zu lassen durch die konzilienmäßig festgesetzte Dogmatik. Gewissermaßen zunächst in einen Persönlichkeits-Materialismus wurde der europäische Mensch hineingestellt.

[ 9 ] Das zeigt sich dann am intensivsten in dem Umschwung im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da schwindet allmählich alles nach Asien zurück, was ein tieferes Erfassen des Christentums gebracht hätte, was einen Kultus hätte bringen können, welcher den Christus als den Triumphierenden hätte ansehen können, nicht bloß als denjenigen, der unter den schweren Lasten des Kreuzes hinuntersinkt und dessen Triumphieren man nur ahnen kann hinter dem Kruzifixus. Es handelte sich für das Abendland bei diesem Zurückflutenlassen der Weisheit und des alten Zeremonialdienstes um die Befestigung zunächst des Ichs. Aus der robusten Kraft der nordischen Barbarenvölker ging hervor dasjenige, was die Kraft dieser Befestigung des Ichs im irdischen Organ des Menschen sein sollte. Und während sich das vollzog in den Gegenden der Donauländer, in denen, die etwas südwärts davon waren, im Süden Europas, im Westen Europas, verpflanzte sich nun vom Orient herüber in anderen Gestalten, als was früher orientalische Weisheit war, der Arabismus. Der Arabismus pflanzte sich nach Spanien hinein fort, und man sah den Südwesten Europas überflutet von einer phantastischen Verstandeskultur, die es in der äußeren künstlerischen Welt nur bis zu der Arabeske brachte, die es nicht bis zu einem Durchdringen des Organischen mit dem Geistig-Seelischen brachte. So war Europa erfüllt auf der einen Seite von der Erzählung des rein Tatsächlichen in bezug auf die Kultushandlungen, so war es auf der anderen Seite erfüllt mit einer abstrakt phantastischen Wahrheit, Weisheit, mit demjenigen, was dann filtriert die reine Verstandeskultur bildete und was über Spanien nach Europa hereinkam.

[ 9 ] Das zeigt sich dann am intensivsten in dem Umschwung im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da schwindet allmählich alles nach Asien zurück, was ein tieferes Erfassen des Christentums gebracht hätte, was einen Kultus hätte bringen können, welcher den Christus als den Triumphierenden hätte ansehen können, nicht bloß als denjenigen, der unter den schweren Lasten des Kreuzes hinuntersinkt und dessen Triumphieren man nur ahnen kann hinter dem Kruzifixus. Es handelte sich für das Abendland bei diesem Zurückflutenlassen der Weisheit und des alten Zeremonialdienstes um die Befestigung zunächst des Ichs. Aus der robusten Kraft der nordischen Barbarenvölker ging hervor dasjenige, was die Kraft dieser Befestigung des Ichs im irdischen Organ des Menschen sein sollte. Und während sich das vollzog in den Gegenden der Donauländer, in denen, die etwas südwärts davon waren, im Süden Europas, im Westen Europas, verpflanzte sich nun vom Orient herüber in anderen Gestalten, als was früher orientalische Weisheit war, der Arabismus. Der Arabismus pflanzte sich nach Spanien hinein fort, und man sah den Südwesten Europas überflutet von einer phantastischen Verstandeskultur, die es in der äußeren künstlerischen Welt nur bis zu der Arabeske brachte, die es nicht bis zu einem Durchdringen des Organischen mit dem Geistig-Seelischen brachte. So war Europa erfüllt auf der einen Seite von der Erzählung des rein Tatsächlichen in bezug auf die Kultushandlungen, so war es auf der anderen Seite erfüllt mit einer abstrakt phantastischen Wahrheit, Weisheit, mit demjenigen, was dann filtriert die reine Verstandeskultur bildete und was über Spanien nach Europa hereinkam.

[ 10 ] Innerhalb dieser Welt, in welcher also nur die rein auf das Äußerliche bezüglichen Erzählungen von den Ereignissen in Palästina lebten, in welcher nur das lebte, was an phantastischer Verstandesweisheit dutch den Arabismus gekommen war, in dieser Welt tauchten auch einzelne Menschen auf — einzelne gibt es ja immer wieder und wiederum innerhalb des Gros der Menschheit —, denen etwas aufging von dem, wie eigentlich die Sache war. Es stieg in ihrer Seele auf, daß es ja ein großes christliches Geheimnis gibt, für das die höchste Weisheit nicht hoch genug ist, um es in seiner ganzen Bedeutung zu durchdringen, für das das intensivste Fühlen nicht stark genug ist, um dafür einen Zeremonialdienst auszubilden, daß eben von dem Kreuz von Golgatha etwas ausging, was mit höchster Weisheit und kühnstem Gefühle erfaßt werden müsse. Das ging in einzelnen Menschen auf. Und ihnen stieg so etwas auf, wie die bedeutsame Imagination: In dem Brote des Abendmahles war etwas vorhanden wie eine Synthesis, wie eine Zusammenfassung der Kraft des äußeren Kosmos, der mit alledem, was aus dem Kosmos an Kräfteströmung herunterkommt auf die Erde, diese Erde durchdringt, aus dieser Erde hervorzaubert die Vegetation; dann wird dasjenige, was da aus dem Kosmos der Erde anvertraut wird, was dann aus der Erde hervorquillt, zusammengefaßt synthetisch im Brote und konstituiert den menschlichen Leib.

[ 10 ] Innerhalb dieser Welt, in welcher also nur die rein auf das Äußerliche bezüglichen Erzählungen von den Ereignissen in Palästina lebten, in welcher nur das lebte, was an phantastischer Verstandesweisheit dutch den Arabismus gekommen war, in dieser Welt tauchten auch einzelne Menschen auf — einzelne gibt es ja immer wieder und wiederum innerhalb des Gros der Menschheit —, denen etwas aufging von dem, wie eigentlich die Sache war. Es stieg in ihrer Seele auf, daß es ja ein großes christliches Geheimnis gibt, für das die höchste Weisheit nicht hoch genug ist, um es in seiner ganzen Bedeutung zu durchdringen, für das das intensivste Fühlen nicht stark genug ist, um dafür einen Zeremonialdienst auszubilden, daß eben von dem Kreuz von Golgatha etwas ausging, was mit höchster Weisheit und kühnstem Gefühle erfaßt werden müsse. Das ging in einzelnen Menschen auf. Und ihnen stieg so etwas auf, wie die bedeutsame Imagination: In dem Brote des Abendmahles war etwas vorhanden wie eine Synthesis, wie eine Zusammenfassung der Kraft des äußeren Kosmos, der mit alledem, was aus dem Kosmos an Kräfteströmung herunterkommt auf die Erde, diese Erde durchdringt, aus dieser Erde hervorzaubert die Vegetation; dann wird dasjenige, was da aus dem Kosmos der Erde anvertraut wird, was dann aus der Erde hervorquillt, zusammengefaßt synthetisch im Brote und konstituiert den menschlichen Leib.

[ 11 ] Und etwas anderes noch ging durch alle Nebel, möchte ich sagen, die sich hinübergezogen haben über die alten Traditionen, etwas anderes ging auf diese europäischen Weisen über, etwas, was ja allerdings im Orient seinen Ursprung genommen hat, was aber eben durch die Nebel durchdrang und von einzelnen verstanden wurde. Das war das andere Mysterium, das sich an das Mysterium des Brotes anreihte, das Mysterium von der heiligen Schale, in welcher Joseph von Arimathia aufgesammelt hat das herunterträufelnde Blut des Christus Jesus, das war die andere Seite des Weltengeheimnisses. Wie im Brote zusammengenommen ist alles dasjenige, was der Extrakt des Kosmos ist, so ist im Blute zusammengenommen alles dasjenige, was der Extrakt der menschlichen Natur und Wesenheit ist, in Brot und Blut, wofür ja der Wein nur das äußere Symbolum sein sollte, in Brot und Blut drückte sich das aus für diese europäischen Weisen, die wirklich wie aus geheimnisvollen Mysterienorten sich herausentwickelt hatten, weit hinausragend über das Gros der europäischen Bevölkerung, das nur die Tatsachen von Palästina hören konnte und das, wenn es zur Gelehrsamkeit heranwuchs, nur sich allmählich hineinfand in die abstrakte Phantastik des Arabismus. Bei diesen Menschen, die sich ebenso auszeichneten durch etwas, was wie eine reifste, überreife Frucht orientalischer Weisheit war und zugleich eine reifste Frucht europäischen Empfindens und Fühlens, bei ihnen entwickelte sich dasjenige, was sie nannten das Geheimnis des Grals. Aber, so sagten sie sich, auf der Erde ist nicht zu finden, was das Geheimnis des Grales ist.

[ 11 ] Und etwas anderes noch ging durch alle Nebel, möchte ich sagen, die sich hinübergezogen haben über die alten Traditionen, etwas anderes ging auf diese europäischen Weisen über, etwas, was ja allerdings im Orient seinen Ursprung genommen hat, was aber eben durch die Nebel durchdrang und von einzelnen verstanden wurde. Das war das andere Mysterium, das sich an das Mysterium des Brotes anreihte, das Mysterium von der heiligen Schale, in welcher Joseph von Arimathia aufgesammelt hat das herunterträufelnde Blut des Christus Jesus, das war die andere Seite des Weltengeheimnisses. Wie im Brote zusammengenommen ist alles dasjenige, was der Extrakt des Kosmos ist, so ist im Blute zusammengenommen alles dasjenige, was der Extrakt der menschlichen Natur und Wesenheit ist, in Brot und Blut, wofür ja der Wein nur das äußere Symbolum sein sollte, in Brot und Blut drückte sich das aus für diese europäischen Weisen, die wirklich wie aus geheimnisvollen Mysterienorten sich herausentwickelt hatten, weit hinausragend über das Gros der europäischen Bevölkerung, das nur die Tatsachen von Palästina hören konnte und das, wenn es zur Gelehrsamkeit heranwuchs, nur sich allmählich hineinfand in die abstrakte Phantastik des Arabismus. Bei diesen Menschen, die sich ebenso auszeichneten durch etwas, was wie eine reifste, überreife Frucht orientalischer Weisheit war und zugleich eine reifste Frucht europäischen Empfindens und Fühlens, bei ihnen entwickelte sich dasjenige, was sie nannten das Geheimnis des Grals. Aber, so sagten sie sich, auf der Erde ist nicht zu finden, was das Geheimnis des Grales ist.

[ 12 ] Die Menschen sind gewohnt worden, einen Verstand zu entwickeln, wie er ja seine höchste Blüte trieb im Arabismus. Die Menschen sind gewohnt, nicht hinzuschauen auf den Sinn der äußeren Tatsachen, sondern lediglich sich diese äußeren Tatsachen ihrer sinnenfälligen Wirklichkeit nach erzählen zu lassen. Durchdringen muß man zu demjenigen, was in dem Geheimnis des Brotes ist, das ja in derselben Schale gebrochen worden sein soll durch den Christus Jesus, in der dann das Blut durch Joseph von Arimathia aufgefangen worden ist, welche Schale dann entrückt worden ist nach Europa, aber, wie die Sage sagt, so von Engeln über der Erdoberfläche, hoch oben über der Erdoberfläche gehalten wurde, bis Titurel kam, der diesem Gral, dieser heiligen Schale, dieser das Mysterium des Brotes und Blutes umfassenden Schale den Tempel auf dem Montsalvatsch schuf. In heiliger spiritueller Tempelstätte wollten schauen diejenigen, die auf diese Weise europäische Mysterienweise geworden waren, durch die Nebel der Abstraktion hindurch und durch die Nebel der reinen Tatsachenerzählungen hindurch das Geheimnis vom Gral, das Geheimnis vom Kosmos, das verschwunden war mit der ätherischen Astronomie, das Geheimnis vom Blute, das verschwunden war mit der alten medizinischen Anschauung. Wie die alte medizinische Anschauung übergegangen ist in abstraktes Denken, so ist übergegangen die alte ätherische Astronomie in abstraktes Denken. Das hatte sich in der höchsten Blüte zu einer bestimmten Zeit gerade durch die Araber in Spanien abgelagert. In diesem Spanien war es, wo man äußerlich unter den Menschen nicht finden konnte das Geheimnis des Grales. Da war nur abstrakte Verstandesweisheit. Bei den Christen war nur äußere Tatsachenerzählung, bei den Arabern, bei den Mauren phantastische Verstandesentwickelung. Und in Höhen nur über dieser Erde schwebte der Heilige Gral, und nur von denjenigen, denen von göttlichen Mächten dazu die Fähigkeiten gegeben wurden, konnte betreten werden dieser spitituelle Tempel, dieser Heilige Gral, dieser die Geheimnisse des Brotes und Blutes umschließende Tempel. Es ist kein Zufall, daß er gefunden werden sollte in Spanien, wo wirklich meilenweit aus dem, was die irdische Tatsächlichkeit bot, herausgeschritten werden mußte, wo durchbrochen werden mußten dornige Hecken, um vorzudringen zu dem spirituellen Tempel, welcher den Heiligen Gral umschloß.

[ 12 ] Die Menschen sind gewohnt worden, einen Verstand zu entwickeln, wie er ja seine höchste Blüte trieb im Arabismus. Die Menschen sind gewohnt, nicht hinzuschauen auf den Sinn der äußeren Tatsachen, sondern lediglich sich diese äußeren Tatsachen ihrer sinnenfälligen Wirklichkeit nach erzählen zu lassen. Durchdringen muß man zu demjenigen, was in dem Geheimnis des Brotes ist, das ja in derselben Schale gebrochen worden sein soll durch den Christus Jesus, in der dann das Blut durch Joseph von Arimathia aufgefangen worden ist, welche Schale dann entrückt worden ist nach Europa, aber, wie die Sage sagt, so von Engeln über der Erdoberfläche, hoch oben über der Erdoberfläche gehalten wurde, bis Titurel kam, der diesem Gral, dieser heiligen Schale, dieser das Mysterium des Brotes und Blutes umfassenden Schale den Tempel auf dem Montsalvatsch schuf. In heiliger spiritueller Tempelstätte wollten schauen diejenigen, die auf diese Weise europäische Mysterienweise geworden waren, durch die Nebel der Abstraktion hindurch und durch die Nebel der reinen Tatsachenerzählungen hindurch das Geheimnis vom Gral, das Geheimnis vom Kosmos, das verschwunden war mit der ätherischen Astronomie, das Geheimnis vom Blute, das verschwunden war mit der alten medizinischen Anschauung. Wie die alte medizinische Anschauung übergegangen ist in abstraktes Denken, so ist übergegangen die alte ätherische Astronomie in abstraktes Denken. Das hatte sich in der höchsten Blüte zu einer bestimmten Zeit gerade durch die Araber in Spanien abgelagert. In diesem Spanien war es, wo man äußerlich unter den Menschen nicht finden konnte das Geheimnis des Grales. Da war nur abstrakte Verstandesweisheit. Bei den Christen war nur äußere Tatsachenerzählung, bei den Arabern, bei den Mauren phantastische Verstandesentwickelung. Und in Höhen nur über dieser Erde schwebte der Heilige Gral, und nur von denjenigen, denen von göttlichen Mächten dazu die Fähigkeiten gegeben wurden, konnte betreten werden dieser spitituelle Tempel, dieser Heilige Gral, dieser die Geheimnisse des Brotes und Blutes umschließende Tempel. Es ist kein Zufall, daß er gefunden werden sollte in Spanien, wo wirklich meilenweit aus dem, was die irdische Tatsächlichkeit bot, herausgeschritten werden mußte, wo durchbrochen werden mußten dornige Hecken, um vorzudringen zu dem spirituellen Tempel, welcher den Heiligen Gral umschloß.

[ 13 ] Aus solchen gefühlsmäßigen Voraussetzungen heraus entwickelte sich die Anschauung des Heiligen Grals. Die unsichtbare Kirche, die übersinnliche Kirche, die doch aber auf Erden zu finden ist, das war es, was sich mit dem Mysterium des Grals umhüllte. Es war ein unmittelbar Daseiendes, das aber derjenige nicht findet, der sein Inneres teilnahmslos der Welt gegenüberstellt. In alten Zeiten, da sind die Mysterienpriester aus den Mysterien hinausgegangen in die Welt, haben Umschau gehalten unter den Menschen, haben aus dem Anblicke der menschlichen Aura sich gesagt: Das ist einer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien; das ist ein anderer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien. — Man brauchte nicht zu fragen, man wurde erwählt. Es brauchte nicht im Inneren des Menschen selber die Aktivität zu entspringen, man wurde erwählt, man wurde hineingeholt in die heiligen Mysterienstätten. Diese Zeit war um das 11., 12. und das 9., 10. Jahrhundert schon vorbei. Befestigt mußte im Menschen durch die Christus-Kraft, die eingezogen war in die europäische Zivilisation, dasjenige sein, was ihn drängte zu fragen: Was sind die Geheimnisse des Daseins? — Und keiner konnte sich dem Grale nähern, der teilnahmslos schläfrig mit seinem Inneren die Außenwelt durchwanderte und durchschritt. Allein derjenige, so sagte man, könne eindringen in die Wunder, das heißt in die Geheimnisse des Heiligen Grals, der in seiner Seele den Antrieb empfand, zu fragen nach den Geheimnissen des Daseins, des kosmischen Daseins und des innermenschlichen Daseins. Und seither ist es im Grunde genommen so geblieben. Nur nachdem um die Mitte des Mittelalters herum die Menschen einst hingewiesen worden waren auf dieses Fragestellen, auf dieses Fragensollen, trat zunächst seit dem Beginne des 14. Jahrhunderts, das heißt im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, der große Rückschlag ein. Immer weniger und weniger blieben von denen, die da fragten nach den Wundern des Heiligen Grals, immer inaktiver und inaktiver wurden die Seelen. Sie sahen nunmehr hin nach den äußeren Gestaltungen der menschlichen Wesenheit auf Erden und nach dem, was sich anschauen läßt und was sich zählen und wägen und messen und errechnen läßt im Kosmos. Aber geblieben ist auch diese schon im frühen Mittelalter in die europäische Zivilisation hereintretende heilige Aufforderung: zu fragen nach den Geheimnissen des Kosmos ebensowohl wie nach den inneren Geheimnissen des Menschen, das heißt nach den Mysterien des Blutes. Die Menschen haben ja in den verschiedensten Phasen durchgemacht dasjenige, was notwendigerweise der Materialismmus mit all seinen Kräften über die europäische Zivilisation bringen mußte. Es waren schon eindringliche Worte, wenn sie auch vielfach verklungen sind. Man muß nur bedenken, wie groß die Möglichkeit war, daß bedeutsame Worte erklingen konnten innerhalb der europäischen Zivilisation. Dasjenige, was für ein bestimmtes Zeitalter geschaffen war, das Erzählen der äußeren Tatsache von Palästina, das Durchdringen dieser äußeren Tatsache mit dem Arabismus, was dann die Scholastik des Mittelalters besorgt hat als mittelalterliche christliche Philosophie, das war für ein gewisses Zeitalter groß. Aber so, wie es sich herausentwickelt hat aus einer Zeit größerer Weisheit und größerem Zeremoniellen, die nur zurückgeschoben wurden in den Orient, so hat es das, was sich da herausgebildet hat, auch nicht verstanden: hinzuhorchen auf die übersinnlichen Mysterien des Christentums, auf die Mysterien des Heiligen Grals. Und all die wirklich eindringlichen Stimmen, die ertönt haben im Frühlingsalter — es waren ihrer nicht wenige —, sie sind ebenso zum Verstummen gebracht worden dutch den immer mehr und mehr in die Dogmatik hinein versinkenden Katholizismus Roms, wie die Gnosis — wie ich ja auch gestern wiederum angedeutet habe — mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist.

[ 13 ] Aus solchen gefühlsmäßigen Voraussetzungen heraus entwickelte sich die Anschauung des Heiligen Grals. Die unsichtbare Kirche, die übersinnliche Kirche, die doch aber auf Erden zu finden ist, das war es, was sich mit dem Mysterium des Grals umhüllte. Es war ein unmittelbar Daseiendes, das aber derjenige nicht findet, der sein Inneres teilnahmslos der Welt gegenüberstellt. In alten Zeiten, da sind die Mysterienpriester aus den Mysterien hinausgegangen in die Welt, haben Umschau gehalten unter den Menschen, haben aus dem Anblicke der menschlichen Aura sich gesagt: Das ist einer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien; das ist ein anderer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien. — Man brauchte nicht zu fragen, man wurde erwählt. Es brauchte nicht im Inneren des Menschen selber die Aktivität zu entspringen, man wurde erwählt, man wurde hineingeholt in die heiligen Mysterienstätten. Diese Zeit war um das 11., 12. und das 9., 10. Jahrhundert schon vorbei. Befestigt mußte im Menschen durch die Christus-Kraft, die eingezogen war in die europäische Zivilisation, dasjenige sein, was ihn drängte zu fragen: Was sind die Geheimnisse des Daseins? — Und keiner konnte sich dem Grale nähern, der teilnahmslos schläfrig mit seinem Inneren die Außenwelt durchwanderte und durchschritt. Allein derjenige, so sagte man, könne eindringen in die Wunder, das heißt in die Geheimnisse des Heiligen Grals, der in seiner Seele den Antrieb empfand, zu fragen nach den Geheimnissen des Daseins, des kosmischen Daseins und des innermenschlichen Daseins. Und seither ist es im Grunde genommen so geblieben. Nur nachdem um die Mitte des Mittelalters herum die Menschen einst hingewiesen worden waren auf dieses Fragestellen, auf dieses Fragensollen, trat zunächst seit dem Beginne des 14. Jahrhunderts, das heißt im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, der große Rückschlag ein. Immer weniger und weniger blieben von denen, die da fragten nach den Wundern des Heiligen Grals, immer inaktiver und inaktiver wurden die Seelen. Sie sahen nunmehr hin nach den äußeren Gestaltungen der menschlichen Wesenheit auf Erden und nach dem, was sich anschauen läßt und was sich zählen und wägen und messen und errechnen läßt im Kosmos. Aber geblieben ist auch diese schon im frühen Mittelalter in die europäische Zivilisation hereintretende heilige Aufforderung: zu fragen nach den Geheimnissen des Kosmos ebensowohl wie nach den inneren Geheimnissen des Menschen, das heißt nach den Mysterien des Blutes. Die Menschen haben ja in den verschiedensten Phasen durchgemacht dasjenige, was notwendigerweise der Materialismmus mit all seinen Kräften über die europäische Zivilisation bringen mußte. Es waren schon eindringliche Worte, wenn sie auch vielfach verklungen sind. Man muß nur bedenken, wie groß die Möglichkeit war, daß bedeutsame Worte erklingen konnten innerhalb der europäischen Zivilisation. Dasjenige, was für ein bestimmtes Zeitalter geschaffen war, das Erzählen der äußeren Tatsache von Palästina, das Durchdringen dieser äußeren Tatsache mit dem Arabismus, was dann die Scholastik des Mittelalters besorgt hat als mittelalterliche christliche Philosophie, das war für ein gewisses Zeitalter groß. Aber so, wie es sich herausentwickelt hat aus einer Zeit größerer Weisheit und größerem Zeremoniellen, die nur zurückgeschoben wurden in den Orient, so hat es das, was sich da herausgebildet hat, auch nicht verstanden: hinzuhorchen auf die übersinnlichen Mysterien des Christentums, auf die Mysterien des Heiligen Grals. Und all die wirklich eindringlichen Stimmen, die ertönt haben im Frühlingsalter — es waren ihrer nicht wenige —, sie sind ebenso zum Verstummen gebracht worden dutch den immer mehr und mehr in die Dogmatik hinein versinkenden Katholizismus Roms, wie die Gnosis — wie ich ja auch gestern wiederum angedeutet habe — mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist.

[ 14 ] Man darf nicht negativ urteilen über das Zeitalter vom 4. nachchristlichen Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert herein, weil von den zahlreichen, ich möchte sagen, mit heiliger Süße und Überreifheit durch die europäische Zivilisation, die im übrigen barbarisch war, hindurchklingenden Stimmen nur die etwas ungelenke eines Menschen zurückgeblieben ist, der nicht schreiben konnte, die des Wolfram von Eschenbach. Ex ist noch groß genug; ihn hat dasjenige übriggelassen, was als Dogmatik sich in Europa festgesetzt hat und was im Grunde genommen dasjenige ausgerottet hat, was an mächtigen Stimmen, aber eben unter Kampf und Bitterkeit den Ruf nach dem Heiligen Gral ertönen ließ. Und diejenigen, die ertönen ließen den Ruf nach dem Heiligen Gral, sie wollten ihn schon als in der dumpfen Seele heraufdämmernde Freiheit ertönen lassen. Sie wollten dem Menschen nicht seine Freiheit nehmen, sie wollten ihm nichts aufdrängen, er sollte ein Fragender sein. Er sollte aus den Tiefen seines Seelenwesens heraus nach den Wundern des Grals fragen. Was da an geistigem Leben untergegangen ist, war wahrhaftig noch größer als sein Gegenspiel, wenn dieses auch nicht einer gewissen Größe entbehrt. Und als dann dasjenige, was als einen geistigen Weg bezeichnet hatten die Diener des Heiligen Grals, abgelöst wurde von dem physischen Weg nach dem physischen Jerusalem im Orient drüben, abgelöst wurde der Kreuzweg nach dem Gral durch die Kreuzzüge nach dem physischen Jerusalem, und als dann Gottfried von Bouillon im Gegensatz zu Rom ein äußerliches Reich in Jerusalem aufrichten wollte, aus seinem Empfinden heraus seinen Ruf «Los von Rom» ertönen ließ, da war dieser allerdings weniger suggestiv als derjenige des Peter vor Amiens, der wie eine gewaltige Suggestion wirkte, um dasjenige, was die Diener des Heiligen Grals spirituell gemeint hatten, in das Materialistische zu übersetzen.

[ 14 ] Man darf nicht negativ urteilen über das Zeitalter vom 4. nachchristlichen Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert herein, weil von den zahlreichen, ich möchte sagen, mit heiliger Süße und Überreifheit durch die europäische Zivilisation, die im übrigen barbarisch war, hindurchklingenden Stimmen nur die etwas ungelenke eines Menschen zurückgeblieben ist, der nicht schreiben konnte, die des Wolfram von Eschenbach. Ex ist noch groß genug; ihn hat dasjenige übriggelassen, was als Dogmatik sich in Europa festgesetzt hat und was im Grunde genommen dasjenige ausgerottet hat, was an mächtigen Stimmen, aber eben unter Kampf und Bitterkeit den Ruf nach dem Heiligen Gral ertönen ließ. Und diejenigen, die ertönen ließen den Ruf nach dem Heiligen Gral, sie wollten ihn schon als in der dumpfen Seele heraufdämmernde Freiheit ertönen lassen. Sie wollten dem Menschen nicht seine Freiheit nehmen, sie wollten ihm nichts aufdrängen, er sollte ein Fragender sein. Er sollte aus den Tiefen seines Seelenwesens heraus nach den Wundern des Grals fragen. Was da an geistigem Leben untergegangen ist, war wahrhaftig noch größer als sein Gegenspiel, wenn dieses auch nicht einer gewissen Größe entbehrt. Und als dann dasjenige, was als einen geistigen Weg bezeichnet hatten die Diener des Heiligen Grals, abgelöst wurde von dem physischen Weg nach dem physischen Jerusalem im Orient drüben, abgelöst wurde der Kreuzweg nach dem Gral durch die Kreuzzüge nach dem physischen Jerusalem, und als dann Gottfried von Bouillon im Gegensatz zu Rom ein äußerliches Reich in Jerusalem aufrichten wollte, aus seinem Empfinden heraus seinen Ruf «Los von Rom» ertönen ließ, da war dieser allerdings weniger suggestiv als derjenige des Peter vor Amiens, der wie eine gewaltige Suggestion wirkte, um dasjenige, was die Diener des Heiligen Grals spirituell gemeint hatten, in das Materialistische zu übersetzen.

[ 15 ] Das war auch einer der Wege, die durch den Materialismus gegangen worden sind, der Weg nach dem physischen Jerusalem statt nach dem spirituellen Jerusalem, das in Titurels Tempel bergen sollte dasjenige, was von dem Mysterium von Golgatha in dem Heiligen Gral übriggeblieben war. Titurel, so sagte man, habe ihn aus den Wolken, wo ihn die Engel schwebend gehalten haben — während Arabismus und rein äußere Tatsachenerzählungen herrschten —, Titurel habe ihn heruntergebracht, den Heiligen Gral, auf die Erdensphäre. Aber das materialistische Zeitalter fing nicht an, nach ihm zu fragen. Einsame Menschen, vereinzelte Menschen, Menschen in der «Dumpfheit», nicht gerade in der Weisheit, wie der Parzival, waren es, welche Wege antraten zu dem Heiligen Gral, aber sie verstanden es im Grunde genommen auch nicht richtig, die entsprechende Frage zu stellen. Und voran ging schon dem geistigen Materialismusweg, der dann in dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts begann, der andere Materialismusweg, der im Grunde genommen schon in der Wendung nach dem Osten hinüber war, nach dem physischen Jerusalem. Und diese Tragik erlebte die moderne Menschheit, die eben durch diese Tragik hindurchgehen mußte und muß, um sich in dieser Tragik innerlich zu ergreifen und so recht zu Fragenden zu werden. Diese Tragik mußte und muß die moderne Menschheit erleben, daß das Licht, das ihr einstmals aus dem Osten gekommen war, nicht erkannt wurde als spitituelles Licht, daß das spirituelle Licht zurückgeschoben worden ist und dafür gesucht worden ist das physische Land, die physische Materialität des Orients. Den physischen Orient fing man an im Mittelalter zu suchen, nachdem man im Ausgang des Altertums den spirituellen Orient zurückgestellt hatte.

[ 15 ] Das war auch einer der Wege, die durch den Materialismus gegangen worden sind, der Weg nach dem physischen Jerusalem statt nach dem spirituellen Jerusalem, das in Titurels Tempel bergen sollte dasjenige, was von dem Mysterium von Golgatha in dem Heiligen Gral übriggeblieben war. Titurel, so sagte man, habe ihn aus den Wolken, wo ihn die Engel schwebend gehalten haben — während Arabismus und rein äußere Tatsachenerzählungen herrschten —, Titurel habe ihn heruntergebracht, den Heiligen Gral, auf die Erdensphäre. Aber das materialistische Zeitalter fing nicht an, nach ihm zu fragen. Einsame Menschen, vereinzelte Menschen, Menschen in der «Dumpfheit», nicht gerade in der Weisheit, wie der Parzival, waren es, welche Wege antraten zu dem Heiligen Gral, aber sie verstanden es im Grunde genommen auch nicht richtig, die entsprechende Frage zu stellen. Und voran ging schon dem geistigen Materialismusweg, der dann in dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts begann, der andere Materialismusweg, der im Grunde genommen schon in der Wendung nach dem Osten hinüber war, nach dem physischen Jerusalem. Und diese Tragik erlebte die moderne Menschheit, die eben durch diese Tragik hindurchgehen mußte und muß, um sich in dieser Tragik innerlich zu ergreifen und so recht zu Fragenden zu werden. Diese Tragik mußte und muß die moderne Menschheit erleben, daß das Licht, das ihr einstmals aus dem Osten gekommen war, nicht erkannt wurde als spitituelles Licht, daß das spirituelle Licht zurückgeschoben worden ist und dafür gesucht worden ist das physische Land, die physische Materialität des Orients. Den physischen Orient fing man an im Mittelalter zu suchen, nachdem man im Ausgang des Altertums den spirituellen Orient zurückgestellt hatte.

[ 16 ] Das ist die europäische Situation, und in dieser europäischen Situation ist auch unsere heutige noch. Denn noch sind wir, wenn wir den wahren innersten Ruf der Menschheit verstehen, Sucher nach dem Heiligen Gral und müßten es sein, Sucher nach dem Heiligen Gral. Noch müssen die Bestrebungen der Menschheit, wie sie, angefangen in den Kreuzzügen, hervortreten, die Umwandlung, die Metamorphose ins Spirituelle erfahren. Noch müssen wir wiederum kommen zu einem solchen Erfassen der kosmischen Welten, daß wir den Ursprung des Christus in diesen kosmischen Welten suchen können. Solange diese kosmischen Welten nur mit der äußeren physischen Astronomie erfaßt werden, können sie selbstverständlich nicht als die Heimat des Christus aufgefaßt werden, denn aus dem, was heute der Astronom lehrt als das Geheimnis des Himmels, für dessen Beschreibung er nur die Geometrie, die Mathematik, die Mechanik hat, für dessen Anschauung er nur das Teleskop hat, aus diesem Himmel kann der Christus nicht herabgestiegen sein auf die Erde, um sich in dem Menschen Jesus von Nazareth zu verkörpern. Denn diese Verkörperung, sie kann auch nicht verstanden werden, wenn man lediglich den Menschen kennenlernt, so wie man ihn, um ihn zu erforschen, aus dem lebendigen Leben heraus in die Klinik bringt, wo man den Leichnam seziert, um sich dann von der Leiche Vorstellungen über den lebendigen Menschen zu machen. Die Alten hatten eine lebendige Astronomie, sie hatten eine lebendige Medizin. Suchen müssen wir wiederum nach einer lebendigen Astronomie, nach einer lebendigen Medizin. So wie uns eine lebendige Astronomie zeigen wird einen Himmel, einen Kosmos, der wirklich von jener Geistigkeit durchdrungen ist, aus der der Christus heruntersteigen kann, so wird uns die verlebendigte Medizin den Menschen wiederum so vorführen, daß wir ihn ergreifen mit unserem Wissen, mit unserem Erkennen bis in sein Geheimnis des Blutes hinein, bis in diejenige organische innere Sphäre, wo sich die Kräfte des ätherischen, des astralischen Leibes, des Ichs umwandeln in das physische Blut. In dem Augenblicke, wo wir das Geheimnis des Blutes ergriffen haben von einer wirklich medizinischen Erkenntnis und wo wir begriffen haben die Weltensphäre, die kosmische Sphäre durch eine durchgeistigte Astronomie, werden wit verstehen, wie aus diesen kosmischen Sphären der Christus heruntersteigen konnte auf die Erde und wie er finden konnte auf der Erde den Menschenleib, der mit seinem Blute ihn aufnehmen konnte. Es ist das Geheimnis des Grals, das im Ernste auf diese Weise gesucht werden muß: uns mit dem ganzen Menschen, mit Kopf und Herz auf diesen Weg nach dem spirituellen Jerusalem zu machen. Das ist die Aufgabe der modernen Menschheit. Es ist merkwürdig, wie dasjenige, was geschehen soll, objektiv durch die Sphäre des Daseins webt. Und wenn es nicht in richtiger Weise Empfindung wird, so wird es äußerlich empfunden, wird es äußerlich vermaterialisiert. Wie die Christen zuerst nach Jerusalem gezogen sind, so ziehen jetzt Ansammilungen des jüdischen Volkes nach Jerusalem, damit wiederum eine Phase des Materialismus zum Ausdruck bringend, zeigend, wie dasjenige, was geistig verstanden werden sollte von der modernen Menschheit in allen ihren Teilen, nun doch materialistisch verstanden wird. Aber es muß die Zeit kommen, in der in der richtigen Weise wiederum das Geheimnis des Grals empfunden werden kann. Sie wissen, ich habe es erwähnt in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», ich habe es gewissermaßen in den Text verwebt, der dasjenige ausspricht, was auf diesem Wege der Geisteswissenschaft gesucht werden soll, und ich habe dadurch hingedeutet auf dasjenige, was wir uns erobern müssen als eine Art Bild und Imagination für das, was aber in ernster Geistesanstrengung und mit tiefem menschlichem Fühlen gesucht werden soll eben als der Weg zum Gral.

[ 16 ] Das ist die europäische Situation, und in dieser europäischen Situation ist auch unsere heutige noch. Denn noch sind wir, wenn wir den wahren innersten Ruf der Menschheit verstehen, Sucher nach dem Heiligen Gral und müßten es sein, Sucher nach dem Heiligen Gral. Noch müssen die Bestrebungen der Menschheit, wie sie, angefangen in den Kreuzzügen, hervortreten, die Umwandlung, die Metamorphose ins Spirituelle erfahren. Noch müssen wir wiederum kommen zu einem solchen Erfassen der kosmischen Welten, daß wir den Ursprung des Christus in diesen kosmischen Welten suchen können. Solange diese kosmischen Welten nur mit der äußeren physischen Astronomie erfaßt werden, können sie selbstverständlich nicht als die Heimat des Christus aufgefaßt werden, denn aus dem, was heute der Astronom lehrt als das Geheimnis des Himmels, für dessen Beschreibung er nur die Geometrie, die Mathematik, die Mechanik hat, für dessen Anschauung er nur das Teleskop hat, aus diesem Himmel kann der Christus nicht herabgestiegen sein auf die Erde, um sich in dem Menschen Jesus von Nazareth zu verkörpern. Denn diese Verkörperung, sie kann auch nicht verstanden werden, wenn man lediglich den Menschen kennenlernt, so wie man ihn, um ihn zu erforschen, aus dem lebendigen Leben heraus in die Klinik bringt, wo man den Leichnam seziert, um sich dann von der Leiche Vorstellungen über den lebendigen Menschen zu machen. Die Alten hatten eine lebendige Astronomie, sie hatten eine lebendige Medizin. Suchen müssen wir wiederum nach einer lebendigen Astronomie, nach einer lebendigen Medizin. So wie uns eine lebendige Astronomie zeigen wird einen Himmel, einen Kosmos, der wirklich von jener Geistigkeit durchdrungen ist, aus der der Christus heruntersteigen kann, so wird uns die verlebendigte Medizin den Menschen wiederum so vorführen, daß wir ihn ergreifen mit unserem Wissen, mit unserem Erkennen bis in sein Geheimnis des Blutes hinein, bis in diejenige organische innere Sphäre, wo sich die Kräfte des ätherischen, des astralischen Leibes, des Ichs umwandeln in das physische Blut. In dem Augenblicke, wo wir das Geheimnis des Blutes ergriffen haben von einer wirklich medizinischen Erkenntnis und wo wir begriffen haben die Weltensphäre, die kosmische Sphäre durch eine durchgeistigte Astronomie, werden wit verstehen, wie aus diesen kosmischen Sphären der Christus heruntersteigen konnte auf die Erde und wie er finden konnte auf der Erde den Menschenleib, der mit seinem Blute ihn aufnehmen konnte. Es ist das Geheimnis des Grals, das im Ernste auf diese Weise gesucht werden muß: uns mit dem ganzen Menschen, mit Kopf und Herz auf diesen Weg nach dem spirituellen Jerusalem zu machen. Das ist die Aufgabe der modernen Menschheit. Es ist merkwürdig, wie dasjenige, was geschehen soll, objektiv durch die Sphäre des Daseins webt. Und wenn es nicht in richtiger Weise Empfindung wird, so wird es äußerlich empfunden, wird es äußerlich vermaterialisiert. Wie die Christen zuerst nach Jerusalem gezogen sind, so ziehen jetzt Ansammilungen des jüdischen Volkes nach Jerusalem, damit wiederum eine Phase des Materialismus zum Ausdruck bringend, zeigend, wie dasjenige, was geistig verstanden werden sollte von der modernen Menschheit in allen ihren Teilen, nun doch materialistisch verstanden wird. Aber es muß die Zeit kommen, in der in der richtigen Weise wiederum das Geheimnis des Grals empfunden werden kann. Sie wissen, ich habe es erwähnt in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», ich habe es gewissermaßen in den Text verwebt, der dasjenige ausspricht, was auf diesem Wege der Geisteswissenschaft gesucht werden soll, und ich habe dadurch hingedeutet auf dasjenige, was wir uns erobern müssen als eine Art Bild und Imagination für das, was aber in ernster Geistesanstrengung und mit tiefem menschlichem Fühlen gesucht werden soll eben als der Weg zum Gral.

[ 17 ] Wir wollen morgen wiederum hier darüber weiter reden.

[ 17 ] Wir wollen morgen wiederum hier darüber weiter reden.