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The Rudolf Steiner Archive

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Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204

16 April 1921, Dornach

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Fünfter Vortrag

Lecture V

[ 1 ] Ich habe gestern hingewiesen auf den bedeutsamen Übergangspunkt, der in der abendländischen Zivilisationsentwickelung liegt im 4. nachchristlichen Jahrhundert, und ich habe darauf hingewiesen, wie aus der europäischen Zivilisation damals verschwindet auf der einen Seite die griechische Weisheit, jene Weisheit, durch die man versuchte, die Tiefen des Christentums eben weisheitsvoll zum Ausdrucke zu bringen. Der äußere Zeitpunkt des Verschwindens liegt ja etwas später. Er liegt da, wo der Kaiser Justinian die Schriften des Origenes für ketzerisch erklärte, die römische Konsulwürde abschaffte und die griechische Philosophenschule von Athen schloß, so daß die Träger griechischer Weisheit nach dem Oriente entfliehen mußten und gewissermaßen sich zurückzogen vor dem, was europäische Zivilisation war. Was sich vom Orient aus vorgeschoben hatte bis nach Griechenland hinein, was dann in Griechenland seine besondere Form angenommen hatte, das war die eine Seite.

[ 1 ] Yesterday I referred to the significant turning point in the development of Occidental civilization in the fourth century A.D. I pointed out that, on the one hand, this was the time when Greek wisdom disappeared from European culture, wisdom through which people had tried to bring to expression the depths of Christianity in a wisdom-imbued way. The time of the outer expression of this disappearance falls somewhat later, namely, when Emperor Justinian declared the writings of Origen heretical, abolished Roman consulship, and closed the Greek Academy of Philosophy at Athens. The guardians of Greek wisdom thus had to flee to the Orient, withdrawing, as it were, from European civilization. The wisdom teaching that had extended from the East as far west as Greece and had assumed its special form there, is one aspect of the picture.

[ 2 ] Die andere Seite aber war diese, daß der Mithrasdienst in einem bedeutsamen äußeren Kultus andeuten sollte, wie der Mensch sich herausheben sollte durch sein Geistig-Seelisches aus alledem, was zu begreifen war dutch den Zusammenfluß der Wesen in der Planetensphäre mit den irdischen Mächten, wie dieser Mensch sich als Vollmensch fühlen könnte. Das sollte eben angedeutet sein im Mithraskultus. Und dieser Mithraskultus, der dahin tendierte, dem Menschen sich selber zu zeigen, er verschwand ebenfalls, nachdem er sich ausgebreitet hatte die Donauländer herauf bis nach Mittel- und Westeuropa. Und was in Europa an die Stelle dieser beiden Strömungen, einer kultischen und einer Weisheitsströmung trat, das war zunächst etwas, was eine den äußeren Tatsachen nach verlaufende Erzählung der Ereignisse von Palästina war. Und so kann man sagen: Weder konnte zunächst in Europa den Einzug halten ein Kultus, welcher in dem Christus Jesus den Überwinder alles desjenigen gesehen hätte, was der Mensch in der Weltenentwickelung unter sich zu bringen hatte, noch konnte in dieses Europa einziehen dasjenige, was die eigentlichen Geheimnisse des Christentums weisheitsvoll ergreifen wollte, und es breitete sich aus die äußerliche Erzählung der Vorgänge in Palästina. Was aber begrifflich festgestellt werden sollte an diesen Ereignissen von Palästina, das wurde eingetaucht in ein juristisches Denken, in dem an die Stelle der Erforschung der Weltengeheimnisse die Feststellung der Dogmen durch die Mehrheitsbeschlüsse der Konzilien und so weiter trat.

[ 2 ] On the other hand, the Mithras worship was supposed to indicate in a significant external ritual how, with their soul-spiritual nature, human beings were to raise themselves above all that could be comprehended through the interplay of beings of the planetary sphere with terrestrial forces, how the human being could sense his full humanity. This was the object of the Mithras cult. This Mithras worship, which was intended to reveal to man his own being, likewise disappeared after it had spread through the regions along the Danube and on into central and western Europe. These two streams, one a cultic stream, the other a stream of wisdom, were replaced in Europe by factual narrations of the events of Palestine. Thus, one has to say that neither a cultic worship, which would have recognized in Christ Jesus the victor over all the human being, was meant to bring under his control in the course of world evolution, nor a wisdom that would have tried to grasp the actual mysteries of Christendom in a wise manner were able to enter Europe. Instead, the superficial narration of the events of Palestine became popular. The concepts that should have been found in these happenings in Palestine were instead steeped in the flood of juristic thinking, which replaced the investigation of cosmic secrets with the determination of dogmas by means of majority resolutions in Church Councils, and so forth.

[ 3 ] Nun zeigt gerade diese Tatsache, daß ein bedeutungsvoller, ein gewaltiger Umschwung in der abendländischen Zivilisationsentwickelung und damit in der Entwickelung der ganzen Menschheit sich in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert vollzogen hat. Alles dasjenige, was vom Orient ausgehend den Osten der europäischen Zivilisation ergriffen hatte, das wurde sozusagen nach dem Orient wieder zurückgeschoben. Dasjenige allein konnte sich abendländisch halten neben der Erfassung der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt, was in der romanischen Welt aufgekommen war als ein Anlauf zum abstrakten Denken.

[ 3 ] This very fact indicates that a change of great and far-reaching significance had taken place in the fourth century A.D. in the development of Western civilization, and consequently in the evolution of the whole of mankind. Proceeding from the Orient, all the influences that had laid hold of eastern European civilization were in a sense pushed back again towards the Orient. Only the increasing tendency towards abstract thinking in the Roman world maintained itself in the Occident alongside the comprehension of the external, sensory world of facts.

[ 4 ] Wie lebendig sind doch die Vorstellungen über die griechischen Götter bei den Griechen gewesen, und wie abstrakt begrifflich sind die Vorstellungen, die sich die Römer von ihren Göttern gemacht haben. Im Grunde genommen war in der späteren Zeit dasjenige, was die Griechen an Ideen hatten über die übersinnliche Welt,schon ein Unlebendiges, obwohl es in sich sehr lebendig war, aber verhältnismäßig ein Unlebendiges gegenüber den lebendigen Vorstellungen der übersinnlichen Welten, die darstellten ein Darinnenleben in diesen übersinnlichen Welten, wie sie in der älteren persischen Zivilisationsform vorhanden waren oder in der älteren indischen Zivilisationsform. Da lebte man in den übersinnlichen Welten, wenn auch dutch ein instinktives menschliches Erkennen, da lebte man aber doch mit diesen übersinnlichen Welten so, wie in der Gegenwatt eine spätere Menschheit mit der sinnlichen Welt lebt. Für den alten Orientalen war die geistige Welt durchaus etwas Erschlossenes. Für den alten Orient war die geistige Welt etwas, was für den Menschen so da war in bezug auf ihre Wesenheiten, wie für den späteren Menschen, nun, sagen wir, die anderen Menschen sind, die als seine Nebenmenschen neben ihm da sind, und der Grieche hatte aus dieser lebendigen übersinnlichen Welt heraus sein Begriffssystem gebildet. Die griechischen Ideen waren bis auf Aristoteles herunter im 4. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit nicht solche abstrakte Ideen, die an der äußeren sinnlichen Beobachtung gewonnen und dann hinaufabstrahiert waren, diese griechischen Ideen waren noch herausgeboren aus der lebendigen übersinnlichen Welt, aus einer uralten Anschauung. Diese lebendigen griechischen Ideen durchseelten, durchwärmten noch den Menschen, gaben ihm noch den nötigen Enthusiasmus zu seiner Art des sozialen Lebens, insofern er an diesen Ideen teilnehmen konnte. Gewiß, man darf niemals vergessen, daß ein großer Teil des griechischen Volkes nicht teilnehmen durfte; es war das die weitausgebreitete Sklavenwelt. Aber diejenigen Menschen, welche die Träger der griechischen Kultur waren, die waren eben durchaus in einer Ideenwelt, die im Grunde genommen ein Herunterstrahlen übersinnlich-geistiger Mächte in die Welt des Irdischen war.

[ 4 ] How alive the conceptions of the Greek gods had been among the Greeks, and how conceptually abstract the ideas were the Romans entertained of their gods! Actually, in the later period, what the Greeks possessed of ideas concerning the super-sensible world was already lifeless, although quite alive as such within itself. Yet, it was a lifeless element in comparison to the living conceptions of the super-sensible worlds present during the ancient Persian and Indian civilizations, which represented a living within these higher worlds. In those times, albeit with a purely instinctive human perception, people lived in communion with the super-sensible worlds just as mankind in the present communes with the sensory world. For human beings in the ancient Orient, the spiritual world was readily accessible. For them, the beings of the spiritual world were present just as other human beings, our fellowmen, live side by side with us. Out of this living, super-sensible world, the Greeks built up their system of concepts. In the ages before Aristotle, up to the fourth century B.C., Greek ideas were not abstract ideas gained through external sensory observation and then lifted up into abstraction. These Greek ideas still originated from the living, super-sensible world; they were born of a primeval power of vision. These living Greek ideas still imbued a person with soul sustenance and warmth; insofar as he could share in them, they bestowed on him the necessary enthusiasm for his form of social order. Certainly, we must never forget that a large part of the Greek people was denied a share in this life of thought; this was the extensive world of the slaves. But the bearers of Greek culture certainly participated in a realm of ideas that was basically a downpouring of super-sensible, spiritual powers into the world of the earthly sphere.

[ 5 ] Demgegenüber nahm sich allerdings die römische Welt, die nur durch das Meer abgeschieden war von der griechischen Welt, ganz abstrakt aus. Die Römer bezeichneten ihre Götter, man möchte sagen, in derselben nüchternen, trockenen Weise, wie unsere Naturforscher ihre Naturgesetze bezeichnen. Und wenn sich schon darin der bedeutsame Umschwung ausdrückt, auf den ich hier hinzuweisen habe, so tritt er uns noch ganz besonders entgegen, wenn wir nun recht aufmerksam hinschauen auf eine seelische Tatsache, die sich nur halb in der Weltentwickelung ausgelebt hat, die nicht vollständig zur Entwickelung gekommen ist. Betrachten Sie einmal das Schicksal des alten griechischen Volkes. Dieses Schicksal des alten griechischen Volkes hat eine gewisse Tragik in sich. Dieses griechische Volk, nach seiner großen Blüte siecht es dahin; es verschwindet im Grunde genommen doch aus der Weltgeschichte. Denn was in seinem Territorium dann als ein Schatten hingetreten ist, ist ja nicht eine wirkliche Nachkommenschaft. In schwerer weltgeschichtlicher Krankheit siecht das griechische Volk dahin und bringt aus seinen alten Ideen etwas heraus, das, ich möchte sagen, die Morgenröte aller späteren Kultur ist, bringt den Stoizismus, den Epikuräismus aus sich hervor, in denen sich als in bestimmten Lebensanschauungen schon vorausverkündet, was dann in der abendländischen Zivilisation auf viel abstraktere Art gewonnen wird. Aber man sieht es auch dem Stoizismus, dem Epikuräismus an, man sieht es selbst der späteren griechischen Mystik an, daß sie ausdrücken ein Hinsiechen des alten Griechentums.

[ 5 ] In comparison with this, the Roman world—separated from Greece only by the sea—definitely had a quite abstract appearance. The Romans described their gods in the same prosaic, unimaginative ways as, shall we say, our modern scientists speak of the laws of nature. Although this is an indication of the significant change I have to point out here, we confront this change in a special way if we turn our attention to a factor in the life of soul that found only partial realization in world history and did not develop to its full potential. Consider for a moment the destiny of the ancient Greek people. It is fraught with a certain tragedy. After its period of great glory, Greek culture pined away and, in essence, vanished from the stage of world history, for what replaced it in that territory cannot be said to have been a true successor. The Greek nation went into decline in a severe, world-historical illness, and from its ancient ideas it produced what, I would say, represents the dawn of all later culture. It brought forth Stoicism and Epicureanism,1 Stoicism—philosophy and spiritual view of the Stoa (founded around 300 B.C. by Zeno).

Epicureanism—teaching by Epicurus in the Philosophers' School of Athens, founded by him in 306 B.C.

Both philosophical systems are mainly directed towards practical life, seeking “happiness” in it. The latter is understood to be a rational, moderate striving for self-control and spiritualization without negating nature. (The debauchery of the Epicureans belongs to a later age. )
systems or views of life in which the more abstract mode of thought, characterizing the later Western civilization, already found an early expression. But we can see in Stoicism and Epicureanism, even in the later Greek mysticism, that they express a decline of ancient Greece.

[ 6 ] Warum mußte denn in der Weltenentwickelung dieses Griechentum krank werden und dann im Grunde genommen absterben? Man möchte sagen, in diesem Krankwerden und Absterben des alten Griechenvolkes liegt ein bedeutsames weltgeschichtliches Mysterium. Ja, dieses Griechenvolk sah noch mit dem, was es als einen Nachklang der alten orientalischen Weltanschauung herüberbekommen hatte, den seelisch-geistigen Menschen in seinem vollen Lichte. Und in den älteren Zeiten der griechischen Kultur sah sich doch jeder Mensch an als ein seelisch-geistiges Wesen, das aus geistigen Welten durch die Geburt oder durch die Empfängnis heruntergestiegen ist, das seine Heimat hat in übersinnlicher Sphäre, das berufen ist zu übersinnlichen Sphären. Aber es fühlte zu gleicher Zeit, dieses Griechenland, selbst noch in seiner Blütezeit — ich habe das oftmals erwähnt — seinen weltgeschichtlichen Niedergang. Es fühlte, daß der Mensch nicht Mensch werden kann auf der Erde durch dieses Hinaufschauen, durch dieses alleinige Hinaufschauen in übersinnliche Welten. Es fühlte sozusagen sich umschlungen und durchdrungen von den irdischen Mächten. Daher jener uralte griechische Spruch: Besser ein Bettler zu sein in der sinnlichen Welt, als ein König im Reiche der Schatten. — Der Grieche hatte in seinen alten Zeiten noch allen Glanz der übersinnlichen Welt geschaut; aber er hat zu gleicher Zeit dadurch, daß er in diesem Griechenland ganz Mensch wurde, gefühlt, wie er ihn nicht erhalten kann, diesen Glanz der geistigen Welten, wie er ihm verlorenging, und wie sein Seelisches verstrickt wurde in die irdischen Dinge, und er fürchtete sich gewissermaßen vor dem Sterben deshalb, weil die Seele durch das Leben zwischen Geburt und Tod entfremdet werden kann ihrer übersinnlichen Heimat. Man muß das Griechentum durchaus nach diesem Gefühle schildern. |

[ 6 ] Why was it that this culture of Greece was destined to decline and ultimately to pass away from the stream of world evolution?2 Concerning the reasons for this development, see also Rudolf Steiner, The Mission of the Individual Folk Souls in Relation to Teutonic Mythology, Rudolf Steiner Press, London, 1970; lecture of June 12, 1910. One could say that this decline and death of the ancient Greek people indicates a significant mystery in world history. With faculties of vision handed down to them as an echo of the ancient Oriental world view, the ancient Greeks still beheld the soul-spiritual human being in his full light. After all, in the earlier periods of Greek culture, every individual knew himself to be a being of soul and spirit that had descended through conception and birth from the spiritual worlds, that has its home in a super-sensible sphere and is destined for super-sensible spheres. Yet, at the same time, even in its prime, Greece sensed its decline in world history—I have often referred to this. It sensed that human beings cannot fully attain to humanity on earth by merely looking up into super-sensible worlds. It felt itself surrounded and pervaded by the earth's forces. Hence the ancient saying: “Better it is to be a beggar in the sense world than a king in the realm of shades”3 Homer, Odyssey, Song XI. The Greeks of earlier periods had still beheld all the shining glory of the super-sensible world; at the same time, by attaining full humanity in ancient Greece, they sensed that they could not maintain this radiance of the spiritual worlds. They felt they were losing it and that their soul nature was becoming ensnared in the things of the earth. Fear of death arose in them because they realized that life between birth and death can estrange the soul from its spiritual home. Greek culture must definitely be described in accordance with this feeling.

[ 7 ] Solche Menschen wie Nietzsche, sie haben im Grunde genommen richtig gefühlt. Nietzsche hat richtig gefühlt, wenn er das Zeitalter der griechischen Entwickelung, das dem sokratischen, dem platonischen vorangegangen ist, das tragische Zeitalter griechischer Entwickelung genannt hat. Denn schon bei den Denkern Tales, namentlich aber bei Anaxagoras, Heraklit sehen wir hinabdämmern eine großartige Weltanschauung, über die die heutige Geschichte so gar nichts mehr vermeldet. Wir sehen die Furcht, entfremdet zu werden der übersinnlichen Welt und verbunden zu werden mit dem, was einem einzig und allein bleibt beim Durchgang durch das Leben zwischen Geburt und Tod, verbunden zu werden mit der Welt des Hades, mit der Schattenwelt, die im Grunde genommen dem Menschen zuteil wird. Aber der Grieche hatte doch etwas gerettet, gerettet dasjenige, was in seiner schönsten Blüte erscheint in der platonischen Idee. Ich möchte sagen, mit dem absterbenden Siechtum tritt diese platonische Ideenwelt, der letzte glanzvolle Rest des alten Orients auf, der selber dann bestimmt ist zu sterben im Aristotelismus, aber es tauchen eben doch auf diese griechischen Ideen. Und fortwährend empfand der Grieche, wie das Ich des Menschen im menschlichen Leben eigentlich etwas Verlorengehendes ist. Das war im Grunde genommen Grundempfindung der Griechen. Nehmen Sie die Schilderung, die ich über die Ich-Entwickelung in meinen «Rätseln der Philosophie» gegeben habe, wie da das Ich mit dem Denken verbunden war, mit der äußeren Wahrnehmung. Da aber mit dem Denken das ganze Ich-Erleben zusammenhängt, so fühlte der Mensch auch das Ich noch weniger in seiner eigenen Leiblichkeit drinnen, als er es verbunden fühlte mit alledem, was draußen in der Welt lebt, mit dem Blühen der Blumen, mit dem Blitzen und Donnern draußen im Weltenraum, mit den hinstürmenden Wolken, mit den Bäumen, mit dem aufsteigenden Nebel und dem herabfallenden Regen. Mit alledem verknüpft fühlte der Grieche sein Ich. Er fühlte sozusagen mit den Kräften des Ichs, gleichsam ohne das Gehäuse dieses Ichs; er fühlte vielmehr: Wenn ich hinauswende den Blick auf die Blumenwelt, da haftet mein Ich, da blüht es mit den Blumen. — Das fühlte er. Und man kann eben schon sagen, diese griechische Kultur konnte sich nicht fortsetzen. Wie aber wäre sie geworden, wenn sie sich fortgesetzt hätte? Es lag gar nicht in ihr die Möglichkeit, sich in gerader Linie fortzusetzen. Was wäre aus ihr geworden? — Der Mensch hätte nach und nach sich gefühlt als ein Erdenwesen, das untermenschlich ist, und das, was das eigentlich Geistig-Seelische im Menschen ist, das hätte man gefühlt wie etwas, was eigentlich in den Wolken und in den Blumen, in den Bergen, in Regen und Sonnenschein wohnt und das da kommt, einen zu besuchen. Gefühlt hätte man nach und nach, wenn die griechische Kultur in gerader Linie sich weiterentwickelt hätte, daß man ja, wenn man des Abends einschläft, das Herannahen seines eigenen Ichs in seinem Glanze erfühlen kann, daß es einen da besonders besucht. Aber gefühlt hätte man auch, daß, wenn man wiederum des Morgens aufwacht und sich einläßt auf die Welt der niederen Sinne, daß man dann eigentlich nur als Erdenmensch das äußerliche Gehäuse ist. Eine gewisse Fremdheit gegenüber dem Ich wäre eingetreten bei einer geradlinigen Fortentwickelung desjenigen, was man gefühlsmäßig merken kann als den eigentlichen Grundton, als das eigentliche Grundtemperament der griechischen Natur.

[ 7 ] Men like Nietzsche basically had true insight into these matters.4 See Friedrich Nietzsche, Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, 1874. Nietzsche had the right feeling when he designated the period of Greek development preceding the Socratic and Platonic age as the tragic epoch of Greek culture. For already in thinkers such as Thales,5 Thales of Milet, around 625–545 B.C. and particularly Anaxagoras6 See Note 2, Lecture III. and Heraclitus,7 Heraclitus of Ephesus, around 535–475 B.C., Philosopher of the age preceding Socrates. we observe the twilight of a magnificent world view which modern history does not mention at all. We note the fear of becoming estranged from the super-sensible world, of becoming tied to what alone remains from the passage through life between birth and death, namely, of becoming linked to the world of Hades, the world of shades, which basically becomes man's lot. Nevertheless, the Greeks preserved one thing; they saved what appeared at its height in the Platonic idea. There emerged amid the onset of progressive decline this world of Platonic ideas, the last glorious remnant of the ancient Orient, though it, too, was then fated to perish in Aristotelianism. Yet these Greek ideas did appear, and Greek thinking constantly sensed how the human ego is really something that is becoming lost in human life. This was a fundamental experience of the Greeks. Take the description I gave concerning ego evolution in my book Riddles of Philosophy,8 Rudolf Steiner, Riddles of Philosophy, Anthroposophic Press, New York, 1973. where I described that the ego was then connected with thinking, with external perception. But since the whole ego experience is bound up with thinking, the human being experienced his I not so much within his own corporeality. Rather, he felt it linked to all that lives in the world outside, to the blossoming of the flowers, to lightning and thunder in the sky, to the billowing clouds, to the rising mist and the falling rain. The Greeks experienced the ego connected to all this. They sensed with the forces of the ego, as it were, but without the housing of this ego. Instead, they felt, When I look out upon the world of flowers, there my ego is attached, there it blossoms in the flowers. It is justifiable to say that this Greek culture could not have continued. What would it have become if it had continued? It was not inherently possible for it to continue on a straight line. What would it have become? Human beings would gradually have come to consider themselves earth beings that are subhuman. The actual soul-spirit being in us would have been experienced as something that really dwells in the clouds, the flowers, the mountains, in rain, and sunshine, a being that occasionally comes to visit us. If the development of Greek culture had continued in the same direction, human beings increasingly would have felt that at night, when they had fallen asleep, they could experience the approach of their own ego in all its radiance and that it paid them a special visit then. But upon waking in the morning and becoming involved in the world of the lower senses, they also would have felt that insofar as they are a being of the earth they are but the outer housing of the ego. A certain estrangement from the ego would have been the consequence of an unbroken development of what can be noticed or sensed as the fundamental keynote or actual basic temperament of Greek nature.

[ 8 ] Das war notwendig, daß gewissermaßen das den Menschen entfliehende Ich, das hinaus in Natur und Kosmos entfliehende Ich, daß das gefestigt wurde in der menschlichen Innenwesenheit als einer organischen, auf der Erde wandelnden Wesenheit. Dazu bedurfte es eines kräftigen Impulses. Das war ja die Eigentümlichkeit des Orientalismus, daß er zwar scharf auf das Ich hingewiesen hat, gerade dadurch hingewiesen hat, daß er die wiederholten Erdenleben in bezug auf die menschliche Lebensauffassung lehrte, daß aber zu gleicher Zeit in ihm die Tendenz lag, dieses Ich dem Menschen zu entfremden, dieses Ich dem Menschen zu nehmen. Deshalb hatte das Abendland, das sich eben nicht bis zur griechischen Höhe emporschwingen konnte, auch nicht die Kraft, die griechische Weisheit entgegenzunehmen in ihrer vollen Gestalt, es ließ sie sozusagen zurückfluten nach dem Orient. Es hatte auch nicht die Kraft, den Mithraskultus zu übernehmen, es ließ auch ihn zurückfluten nach dem Orient. Es hatte nur die Kraft, aus der vollen Robustheit des Menschen heraus, aus der irdischen Menschennatur heraus sich erzählen zu lassen die rein tatsächlichen Vorgänge von Palästina und sie bekräftigen zu lassen durch die konzilienmäßig festgesetzte Dogmatik. Gewissermaßen zunächst in einen Persönlichkeits-Materialismus wurde der europäische Mensch hineingestellt.

[ 8 ] It was necessary that this ego, which was escaping, as it were, into nature and the cosmos, should be firmly anchored in the inner constitution of the human being, an organic being moving about on the earth. A powerful impulse was required for this to happen. It was, after all, the peculiar characteristic of the Oriental world view that while it clearly drew attention to the ego—precisely because of its teaching of repeated earth lives—it also had the inherent tendency to alienate this ego from the human being, to deprive us of the ego. This is how it came about that the Occident, unable to rise to the heights attained by Greece, lacked the inner strength to assimilate the wisdom of Greece in its full strength and allowed it instead to flow back, so to speak, towards the Orient. The West also lacked the strength to take possession of the Mithras cult and allowed it to flow back to the Orient. By dint of the robust, sturdy forces of human earthly nature, the West was capable only of listening to purely factual narrations of the events of Palestine and then of having them affirmed by dogmas laid down in the Councils. At the outset, the Europeans were confronted with a materialistic view of the human personality.

[ 9 ] Das zeigt sich dann am intensivsten in dem Umschwung im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da schwindet allmählich alles nach Asien zurück, was ein tieferes Erfassen des Christentums gebracht hätte, was einen Kultus hätte bringen können, welcher den Christus als den Triumphierenden hätte ansehen können, nicht bloß als denjenigen, der unter den schweren Lasten des Kreuzes hinuntersinkt und dessen Triumphieren man nur ahnen kann hinter dem Kruzifixus. Es handelte sich für das Abendland bei diesem Zurückflutenlassen der Weisheit und des alten Zeremonialdienstes um die Befestigung zunächst des Ichs. Aus der robusten Kraft der nordischen Barbarenvölker ging hervor dasjenige, was die Kraft dieser Befestigung des Ichs im irdischen Organ des Menschen sein sollte. Und während sich das vollzog in den Gegenden der Donauländer, in denen, die etwas südwärts davon waren, im Süden Europas, im Westen Europas, verpflanzte sich nun vom Orient herüber in anderen Gestalten, als was früher orientalische Weisheit war, der Arabismus. Der Arabismus pflanzte sich nach Spanien hinein fort, und man sah den Südwesten Europas überflutet von einer phantastischen Verstandeskultur, die es in der äußeren künstlerischen Welt nur bis zu der Arabeske brachte, die es nicht bis zu einem Durchdringen des Organischen mit dem Geistig-Seelischen brachte. So war Europa erfüllt auf der einen Seite von der Erzählung des rein Tatsächlichen in bezug auf die Kultushandlungen, so war es auf der anderen Seite erfüllt mit einer abstrakt phantastischen Wahrheit, Weisheit, mit demjenigen, was dann filtriert die reine Verstandeskultur bildete und was über Spanien nach Europa hereinkam.

[ 9 ] This became most evident in the transition in the fourth century. All knowledge that would have been capable of producing a deeper comprehension of Christianity gradually withdrew back into Asia, all insight that could have brought about a cult in which the Christ Triumphant would have appeared rather than He who is overwhelmed by the burdens of the Cross, whose triumph can only faintly be surmised behind the shadow of the Crucifix. For the Occident, this ebbing away of the wisdom and the ancient ceremonial worship was initially a matter of securing the ego. From the robust force dwelling in the barbaric peoples of the north, the impulse emerged that was intended to supply the power to attach the ego to the earthly human organism. While this was happening in the regions around the Danube, somewhat south of there, and in southern and western Europe, Arabism was transplanted from the Orient in forms differing from those of the earlier Oriental wisdom. Arabism then made its way as far as Spain, and southwestern Europe became inundated by a fantastic intellectual culture. This was a culture that in the external field of art could not achieve anything more than the arabesque, since it was incapable of permeating the organic realm with soul and spirit. Thus, in regard to the cultic ceremonies, Europe was filled, on the one hand with the narration of purely factual events; on the other hand, it was engrossed in a body of abstract, fantastic wisdom that, entering Europe by way of Spain, turned in filtered form into the culture of pure intellect.

[ 10 ] Innerhalb dieser Welt, in welcher also nur die rein auf das Äußerliche bezüglichen Erzählungen von den Ereignissen in Palästina lebten, in welcher nur das lebte, was an phantastischer Verstandesweisheit dutch den Arabismus gekommen war, in dieser Welt tauchten auch einzelne Menschen auf — einzelne gibt es ja immer wieder und wiederum innerhalb des Gros der Menschheit —, denen etwas aufging von dem, wie eigentlich die Sache war. Es stieg in ihrer Seele auf, daß es ja ein großes christliches Geheimnis gibt, für das die höchste Weisheit nicht hoch genug ist, um es in seiner ganzen Bedeutung zu durchdringen, für das das intensivste Fühlen nicht stark genug ist, um dafür einen Zeremonialdienst auszubilden, daß eben von dem Kreuz von Golgatha etwas ausging, was mit höchster Weisheit und kühnstem Gefühle erfaßt werden müsse. Das ging in einzelnen Menschen auf. Und ihnen stieg so etwas auf, wie die bedeutsame Imagination: In dem Brote des Abendmahles war etwas vorhanden wie eine Synthesis, wie eine Zusammenfassung der Kraft des äußeren Kosmos, der mit alledem, was aus dem Kosmos an Kräfteströmung herunterkommt auf die Erde, diese Erde durchdringt, aus dieser Erde hervorzaubert die Vegetation; dann wird dasjenige, was da aus dem Kosmos der Erde anvertraut wird, was dann aus der Erde hervorquillt, zusammengefaßt synthetisch im Brote und konstituiert den menschlichen Leib.

[ 10 ] Within this region, where the stories about the events of Palestine referring solely to the external aspects prevailed, where only the fantastic intellectual wisdom from Arabism existed, there a few individuals emerged—after all, a few isolated individuals appear now and again within the totality of mankind—who had an idea of how matters really stood. In their souls a feeling dawned that there is a lofty Christian mystery, the full significance of which is so great that the highest wisdom cannot penetrate it; the most ardent feeling is not strong enough to develop a fitting ceremonial worship for it. Indeed, they felt that something emanated from the Cross on Golgotha that would have to be comprehended by the highest wisdom and the most daring feeling. Such ideas arose in a few individuals. Something like the following profound Imagination arose in them. In the bread of the Last Supper, a synthesis of sorts was contained, a concentration of the force of the outer cosmos that comes down to the earth together with all the streams of forces from the cosmos, penetrating this earth, conjuring forth from it the vegetation. Then, what has thus been entrusted to the earth from out of the cosmos, in turn springs forth from the earth and is synthetically concentrated in the bread and sustains the human body.

[ 11 ] Und etwas anderes noch ging durch alle Nebel, möchte ich sagen, die sich hinübergezogen haben über die alten Traditionen, etwas anderes ging auf diese europäischen Weisen über, etwas, was ja allerdings im Orient seinen Ursprung genommen hat, was aber eben durch die Nebel durchdrang und von einzelnen verstanden wurde. Das war das andere Mysterium, das sich an das Mysterium des Brotes anreihte, das Mysterium von der heiligen Schale, in welcher Joseph von Arimathia aufgesammelt hat das herunterträufelnde Blut des Christus Jesus, das war die andere Seite des Weltengeheimnisses. Wie im Brote zusammengenommen ist alles dasjenige, was der Extrakt des Kosmos ist, so ist im Blute zusammengenommen alles dasjenige, was der Extrakt der menschlichen Natur und Wesenheit ist, in Brot und Blut, wofür ja der Wein nur das äußere Symbolum sein sollte, in Brot und Blut drückte sich das aus für diese europäischen Weisen, die wirklich wie aus geheimnisvollen Mysterienorten sich herausentwickelt hatten, weit hinausragend über das Gros der europäischen Bevölkerung, das nur die Tatsachen von Palästina hören konnte und das, wenn es zur Gelehrsamkeit heranwuchs, nur sich allmählich hineinfand in die abstrakte Phantastik des Arabismus. Bei diesen Menschen, die sich ebenso auszeichneten durch etwas, was wie eine reifste, überreife Frucht orientalischer Weisheit war und zugleich eine reifste Frucht europäischen Empfindens und Fühlens, bei ihnen entwickelte sich dasjenige, was sie nannten das Geheimnis des Grals. Aber, so sagten sie sich, auf der Erde ist nicht zu finden, was das Geheimnis des Grales ist.

[ 11 ] Still another element pierced through all the clouds of obscurity that covered the ancient traditions. Something else was passed on to these European sages, something that, it is true, had had its origin in the Orient but penetrated through the cloud cover and was understood by some individuals. This other mystery, which was linked with the mystery of the bread, was the mystery of the holy vessel in which Joseph of Arimathea had caught the blood flowing down from Christ Jesus. This was the other aspect of the cosmic mystery. Just as the bread was regarded a concentrated extract of the cosmos, so the blood was regarded as the extract of the nature and being of man. In bread and blood—of which wine is merely the outer symbol—this extract expressed itself for these European sages. They had truly stepped forth as if out of the hidden places of the mysteries and towered far above the masses of the European population who could only hear the facts of Palestine, and who, if they advanced to scholarliness, found their way only slowly into the abstract fantasy of Arabism. In these wise men, who distinguished themselves by something that was like the overripe fruit of Oriental wisdom and at the same time the ripest fruit of European perception and feeling, there developed what they called the Mystery of the Grail. But, so they told themselves, the Mystery of the Grail is not to be found on earth.

[ 12 ] Die Menschen sind gewohnt worden, einen Verstand zu entwickeln, wie er ja seine höchste Blüte trieb im Arabismus. Die Menschen sind gewohnt, nicht hinzuschauen auf den Sinn der äußeren Tatsachen, sondern lediglich sich diese äußeren Tatsachen ihrer sinnenfälligen Wirklichkeit nach erzählen zu lassen. Durchdringen muß man zu demjenigen, was in dem Geheimnis des Brotes ist, das ja in derselben Schale gebrochen worden sein soll durch den Christus Jesus, in der dann das Blut durch Joseph von Arimathia aufgefangen worden ist, welche Schale dann entrückt worden ist nach Europa, aber, wie die Sage sagt, so von Engeln über der Erdoberfläche, hoch oben über der Erdoberfläche gehalten wurde, bis Titurel kam, der diesem Gral, dieser heiligen Schale, dieser das Mysterium des Brotes und Blutes umfassenden Schale den Tempel auf dem Montsalvatsch schuf. In heiliger spiritueller Tempelstätte wollten schauen diejenigen, die auf diese Weise europäische Mysterienweise geworden waren, durch die Nebel der Abstraktion hindurch und durch die Nebel der reinen Tatsachenerzählungen hindurch das Geheimnis vom Gral, das Geheimnis vom Kosmos, das verschwunden war mit der ätherischen Astronomie, das Geheimnis vom Blute, das verschwunden war mit der alten medizinischen Anschauung. Wie die alte medizinische Anschauung übergegangen ist in abstraktes Denken, so ist übergegangen die alte ätherische Astronomie in abstraktes Denken. Das hatte sich in der höchsten Blüte zu einer bestimmten Zeit gerade durch die Araber in Spanien abgelagert. In diesem Spanien war es, wo man äußerlich unter den Menschen nicht finden konnte das Geheimnis des Grales. Da war nur abstrakte Verstandesweisheit. Bei den Christen war nur äußere Tatsachenerzählung, bei den Arabern, bei den Mauren phantastische Verstandesentwickelung. Und in Höhen nur über dieser Erde schwebte der Heilige Gral, und nur von denjenigen, denen von göttlichen Mächten dazu die Fähigkeiten gegeben wurden, konnte betreten werden dieser spitituelle Tempel, dieser Heilige Gral, dieser die Geheimnisse des Brotes und Blutes umschließende Tempel. Es ist kein Zufall, daß er gefunden werden sollte in Spanien, wo wirklich meilenweit aus dem, was die irdische Tatsächlichkeit bot, herausgeschritten werden mußte, wo durchbrochen werden mußten dornige Hecken, um vorzudringen zu dem spirituellen Tempel, welcher den Heiligen Gral umschloß.

[ 12 ] People have grown accustomed to developing the kind of intelligence that found its highest form in Arabism. They are in the habit of not looking for the meaning of external facts, but are satisfied with being told of these outer facts from the aspect of sensory reality. One must penetrate to an understanding of the Mystery of the Bread, which is said to have been broken by Christ Jesus in the same chalice in which Joseph of Arimathea caught His blood. As legend tells it, this chalice was then removed to Europe, but was preserved by angels in a region high above the surface of the earth until the arrival of Titurel9 Titurel, founder of the Grail-dynasty (grandfather of Herzeloide and great-grandfather of Parsifal) who erected the Temple of the Grail within 30 years. See Albrecht von Scharffenberg, who, continuing in the manner of Wolfram von Eschenbach, wrote “Juengerer Titurel” between 1270 and 1280. who created for this Grail, this sacred chalice, a temple on Mont Salvat. Through the clouds of abstraction and narrations of mere facts, those who had become European mystery sages in the manner described above wished to behold in a sacred, spiritual temple the Mystery of the Grail, the mystery of the cosmos that had disappeared along with etheric astronomy and the Mystery of the Blood that had vanished along with the ancient view of medicine. For just as the ancient medicine had fallen victim to abstract thinking, the old etheric astronomy, too, had passed over into abstract thought. At a certain period in time, this whole trend of abstract thinking had reached its prime and had been brought to Spain by the Arabs. It was precisely in Spain where the Mystery of the Grail could not be found outwardly anywhere among people. Only abstract intellectual wisdom prevailed. Among the Christians, there was only narration of bare, external facts; among the Arabs, the Moors, there existed a fantastic development of the intellect. Only in the heights, above this earth, hovered the Holy Grail. This spiritual temple, this Holy Grail, this temple that encompassed the mysteries of bread and wine, could be entered only by those who had been endowed by divine powers with the necessary faculties. It is not by chance that the temple of the Grail was supposed to be found in Spain, where one literally had to move miles away from what earthly actuality presented, where one had to break through brambles in order to penetrate to the spiritual temple that enshrined the Holy Grail.

[ 13 ] Aus solchen gefühlsmäßigen Voraussetzungen heraus entwickelte sich die Anschauung des Heiligen Grals. Die unsichtbare Kirche, die übersinnliche Kirche, die doch aber auf Erden zu finden ist, das war es, was sich mit dem Mysterium des Grals umhüllte. Es war ein unmittelbar Daseiendes, das aber derjenige nicht findet, der sein Inneres teilnahmslos der Welt gegenüberstellt. In alten Zeiten, da sind die Mysterienpriester aus den Mysterien hinausgegangen in die Welt, haben Umschau gehalten unter den Menschen, haben aus dem Anblicke der menschlichen Aura sich gesagt: Das ist einer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien; das ist ein anderer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien. — Man brauchte nicht zu fragen, man wurde erwählt. Es brauchte nicht im Inneren des Menschen selber die Aktivität zu entspringen, man wurde erwählt, man wurde hineingeholt in die heiligen Mysterienstätten. Diese Zeit war um das 11., 12. und das 9., 10. Jahrhundert schon vorbei. Befestigt mußte im Menschen durch die Christus-Kraft, die eingezogen war in die europäische Zivilisation, dasjenige sein, was ihn drängte zu fragen: Was sind die Geheimnisse des Daseins? — Und keiner konnte sich dem Grale nähern, der teilnahmslos schläfrig mit seinem Inneren die Außenwelt durchwanderte und durchschritt. Allein derjenige, so sagte man, könne eindringen in die Wunder, das heißt in die Geheimnisse des Heiligen Grals, der in seiner Seele den Antrieb empfand, zu fragen nach den Geheimnissen des Daseins, des kosmischen Daseins und des innermenschlichen Daseins. Und seither ist es im Grunde genommen so geblieben. Nur nachdem um die Mitte des Mittelalters herum die Menschen einst hingewiesen worden waren auf dieses Fragestellen, auf dieses Fragensollen, trat zunächst seit dem Beginne des 14. Jahrhunderts, das heißt im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, der große Rückschlag ein. Immer weniger und weniger blieben von denen, die da fragten nach den Wundern des Heiligen Grals, immer inaktiver und inaktiver wurden die Seelen. Sie sahen nunmehr hin nach den äußeren Gestaltungen der menschlichen Wesenheit auf Erden und nach dem, was sich anschauen läßt und was sich zählen und wägen und messen und errechnen läßt im Kosmos. Aber geblieben ist auch diese schon im frühen Mittelalter in die europäische Zivilisation hereintretende heilige Aufforderung: zu fragen nach den Geheimnissen des Kosmos ebensowohl wie nach den inneren Geheimnissen des Menschen, das heißt nach den Mysterien des Blutes. Die Menschen haben ja in den verschiedensten Phasen durchgemacht dasjenige, was notwendigerweise der Materialismmus mit all seinen Kräften über die europäische Zivilisation bringen mußte. Es waren schon eindringliche Worte, wenn sie auch vielfach verklungen sind. Man muß nur bedenken, wie groß die Möglichkeit war, daß bedeutsame Worte erklingen konnten innerhalb der europäischen Zivilisation. Dasjenige, was für ein bestimmtes Zeitalter geschaffen war, das Erzählen der äußeren Tatsache von Palästina, das Durchdringen dieser äußeren Tatsache mit dem Arabismus, was dann die Scholastik des Mittelalters besorgt hat als mittelalterliche christliche Philosophie, das war für ein gewisses Zeitalter groß. Aber so, wie es sich herausentwickelt hat aus einer Zeit größerer Weisheit und größerem Zeremoniellen, die nur zurückgeschoben wurden in den Orient, so hat es das, was sich da herausgebildet hat, auch nicht verstanden: hinzuhorchen auf die übersinnlichen Mysterien des Christentums, auf die Mysterien des Heiligen Grals. Und all die wirklich eindringlichen Stimmen, die ertönt haben im Frühlingsalter — es waren ihrer nicht wenige —, sie sind ebenso zum Verstummen gebracht worden dutch den immer mehr und mehr in die Dogmatik hinein versinkenden Katholizismus Roms, wie die Gnosis — wie ich ja auch gestern wiederum angedeutet habe — mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist.

[ 13 ] It was out of such prerequisite feelings that the conception of the Holy Grail developed. The invisible Church, the super-sensible Church, which is nevertheless to be found on earth—this was what concealed itself in the Mystery of the Grail. It was an immediate presence that cannot be discovered, however, by those who turn their mind indifferently to the world. In ancient times, the priests of the mysteries went out into the world, looked around among human beings, and based on seeing their auras, concluded, Here is one we must receive into the mysteries; there is another one we must accept into the mysteries. People did not need to ask; they were chosen. Inner initiative on the part of the individual was not required; one was chosen and bidden to enter the sacred mystery centers. This age was over already around the eleventh, twelfth, and ninth and tenth centuries. The impulse urging a person to ask, What are the secrets of existence? had to be grounded in the human being through the Christ force, which had moved into European civilization. No one could approach the Grail who passed through the outer world with a drowsy, apathetic mind. It was said that he alone could penetrate into the miracles, that is, the mysteries of the Holy Grail, who in his soul felt the inclination to ask about the secrets of existence, both the cosmic secrets and those of man's inner being. Fundamentally speaking, it has remained so ever since. After the first half of the Middle Ages, however, when human beings had been earnestly directed to pose questions, had been told that they should indeed ask questions, a great reaction set in beginning with the first third of the fourteenth century. By that time, those who asked about the Mysteries of the Holy Grail had become fewer and fewer in number, and inertia was creeping into the souls of men. They turned their attention wholly to the outer forms of human life on earth, to all that may be seen, counted, weighed, measured, and calculated in the cosmos. Nevertheless, the sacred challenge had already entered European civilization in the early Middle Ages, the sacred challenge remained: To enquire into the mysteries of the cosmos as well as into the inner mysteries of man, namely, the mysteries of the blood. After all, it was in a great variety of phases that humanity has passed through what materialism with all its forces by necessity had to bring into European civilization. Momentous, stirring words were uttered, though in many instances they have died away. We have to consider how great the possibility was for momentous words to be spoken within European civilization. What was destined for a certain age, namely, the factual narration of the events of Palestine, the permeation of these outer facts with Arabism, which was accomplished by scholasticism10Scholasticism: medieval philosophy attempting to justify Christian faith through reason. Based itself on Aristotelian philosophy. in the Middle Ages, was indeed of great significance for that particular age. But just as it developed out of an age of greater wisdom and ceremonial practices, both of which had only been pushed back to the East, it also did not understand how to listen to the super-sensible mysteries of Christianity, the mysteries of the Holy Grail. All the truly compelling voices that resounded in the early Middle Ages—and there were more than a few of them—were silenced by Rome's Catholicism, which was becoming more and more engulfed in dogmatism, in the same way as the Gnosis—as I pointed out again yesterday—was eradicated root and branch.

[ 14 ] Man darf nicht negativ urteilen über das Zeitalter vom 4. nachchristlichen Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert herein, weil von den zahlreichen, ich möchte sagen, mit heiliger Süße und Überreifheit durch die europäische Zivilisation, die im übrigen barbarisch war, hindurchklingenden Stimmen nur die etwas ungelenke eines Menschen zurückgeblieben ist, der nicht schreiben konnte, die des Wolfram von Eschenbach. Ex ist noch groß genug; ihn hat dasjenige übriggelassen, was als Dogmatik sich in Europa festgesetzt hat und was im Grunde genommen dasjenige ausgerottet hat, was an mächtigen Stimmen, aber eben unter Kampf und Bitterkeit den Ruf nach dem Heiligen Gral ertönen ließ. Und diejenigen, die ertönen ließen den Ruf nach dem Heiligen Gral, sie wollten ihn schon als in der dumpfen Seele heraufdämmernde Freiheit ertönen lassen. Sie wollten dem Menschen nicht seine Freiheit nehmen, sie wollten ihm nichts aufdrängen, er sollte ein Fragender sein. Er sollte aus den Tiefen seines Seelenwesens heraus nach den Wundern des Grals fragen. Was da an geistigem Leben untergegangen ist, war wahrhaftig noch größer als sein Gegenspiel, wenn dieses auch nicht einer gewissen Größe entbehrt. Und als dann dasjenige, was als einen geistigen Weg bezeichnet hatten die Diener des Heiligen Grals, abgelöst wurde von dem physischen Weg nach dem physischen Jerusalem im Orient drüben, abgelöst wurde der Kreuzweg nach dem Gral durch die Kreuzzüge nach dem physischen Jerusalem, und als dann Gottfried von Bouillon im Gegensatz zu Rom ein äußerliches Reich in Jerusalem aufrichten wollte, aus seinem Empfinden heraus seinen Ruf «Los von Rom» ertönen ließ, da war dieser allerdings weniger suggestiv als derjenige des Peter vor Amiens, der wie eine gewaltige Suggestion wirkte, um dasjenige, was die Diener des Heiligen Grals spirituell gemeint hatten, in das Materialistische zu übersetzen.

[ 14 ] We must not form a negative judgment of the period between the fourth and the twelfth and thirteenth centuries merely on the basis of the fact that of the numerous voices raised, as it were, in holy, overripe sweetness throughout European civilization—which, for the rest was barbaric—only the somewhat awkward voice of one man has remained who could not write, that of Wolfram von Eschenbach.11Wolfram von Eschenbach, around 1170–1220, Medieval epic writer. Poet of Parsifal (1210), a novel in verses, as well as Willehalm and a fragment, Titurel. For all that, he was still great; he was spared by the dogmatism that had gripped Europe and had basically eradicated the powerful voices that had called amid strife and bitterness for the quest of the Holy Grail. Those who raised this call for the Holy Grail meant to let it resound in the spirit of freedom dawning in the dull souls. They did not wish to deprive the human being of his freedom; they did not mean to push anything on him; he was to be the questioning one. Out of the depths of his own soul he was to ask about the miracles of the Grail. This spiritual life that later became extinct was truly greater than the spiritual life opposing it, although the latter, too, was not without a certain greatness. When what has been described by the servants of the Holy Grail as a spiritual path was then superseded by the earthly path of the journey to the physical Jerusalem over in the East, namely, when the crusade to the Grail was replaced by the crusades for the terrestrial Jerusalem, when Gottfried of Bouillon12Gottfried of Bouillon, around 1060–1100, leader of the first Crusade in 1096. set out to establish an external kingdom in Jerusalem in opposition to Rome, letting his cry, “Away from Rome!” ring out, his voice was really less persuasive than that of Peter of Amiens.13Peter of Amiens, around 1050–1115, Augustine prior who moved through France and summoned people to the Crusade; later, he joined Gottfried of Bouillon. His voice sounded like a mighty suggestion to translate into something materialistic what the servants of the Holy Grail had intended as something spiritual.

[ 15 ] Das war auch einer der Wege, die durch den Materialismus gegangen worden sind, der Weg nach dem physischen Jerusalem statt nach dem spirituellen Jerusalem, das in Titurels Tempel bergen sollte dasjenige, was von dem Mysterium von Golgatha in dem Heiligen Gral übriggeblieben war. Titurel, so sagte man, habe ihn aus den Wolken, wo ihn die Engel schwebend gehalten haben — während Arabismus und rein äußere Tatsachenerzählungen herrschten —, Titurel habe ihn heruntergebracht, den Heiligen Gral, auf die Erdensphäre. Aber das materialistische Zeitalter fing nicht an, nach ihm zu fragen. Einsame Menschen, vereinzelte Menschen, Menschen in der «Dumpfheit», nicht gerade in der Weisheit, wie der Parzival, waren es, welche Wege antraten zu dem Heiligen Gral, aber sie verstanden es im Grunde genommen auch nicht richtig, die entsprechende Frage zu stellen. Und voran ging schon dem geistigen Materialismusweg, der dann in dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts begann, der andere Materialismusweg, der im Grunde genommen schon in der Wendung nach dem Osten hinüber war, nach dem physischen Jerusalem. Und diese Tragik erlebte die moderne Menschheit, die eben durch diese Tragik hindurchgehen mußte und muß, um sich in dieser Tragik innerlich zu ergreifen und so recht zu Fragenden zu werden. Diese Tragik mußte und muß die moderne Menschheit erleben, daß das Licht, das ihr einstmals aus dem Osten gekommen war, nicht erkannt wurde als spitituelles Licht, daß das spirituelle Licht zurückgeschoben worden ist und dafür gesucht worden ist das physische Land, die physische Materialität des Orients. Den physischen Orient fing man an im Mittelalter zu suchen, nachdem man im Ausgang des Altertums den spirituellen Orient zurückgestellt hatte.

[ 15 ] This, too, was one of the paths that was taken because of materialism. It led to the physical Jerusalem, not to the spiritual Jerusalem, which was said to enshrine in Titurel's temple what had remained of the Mystery of Golgotha as the Holy Grail. Legend held that Titurel had brought this Holy Grail down to the earth's sphere from the clouds, where it had hovered, held by angels during the age of Arabism and the factual narration of the events of Palestine. The age of materialism, however, did not begin to ask about the Holy Grail. Lonely, isolated individuals, people who did not have a share in wisdom but dwelled in a kind of stupor, like Parsifal, were the ones who set out to seek the Holy Grail. But they also did not really understand how to ask the proper, appropriate question. Thus, the path of materialism, which began in the first third of the fourteenth century, was preceded by that other path of materialism already expressed in the turn to the East, the eastward journey to the physical Jerusalem. This tragedy was experienced by modern humanity; human beings had to and still have to undergo this tragedy in order to comprehend themselves inwardly and to turn properly into people asking questions. Modern mankind had to and still has to experience the tragedy that the light that once had approached from the East had not been recognized as spiritual light. The spiritual light had been rejected, and instead people set out to find a physical country, the physical materiality of the Orient. In the Middle Ages, humanity began to seek the physical East after the spiritual East had been rejected at the close of antiquity.

[ 16 ] Das ist die europäische Situation, und in dieser europäischen Situation ist auch unsere heutige noch. Denn noch sind wir, wenn wir den wahren innersten Ruf der Menschheit verstehen, Sucher nach dem Heiligen Gral und müßten es sein, Sucher nach dem Heiligen Gral. Noch müssen die Bestrebungen der Menschheit, wie sie, angefangen in den Kreuzzügen, hervortreten, die Umwandlung, die Metamorphose ins Spirituelle erfahren. Noch müssen wir wiederum kommen zu einem solchen Erfassen der kosmischen Welten, daß wir den Ursprung des Christus in diesen kosmischen Welten suchen können. Solange diese kosmischen Welten nur mit der äußeren physischen Astronomie erfaßt werden, können sie selbstverständlich nicht als die Heimat des Christus aufgefaßt werden, denn aus dem, was heute der Astronom lehrt als das Geheimnis des Himmels, für dessen Beschreibung er nur die Geometrie, die Mathematik, die Mechanik hat, für dessen Anschauung er nur das Teleskop hat, aus diesem Himmel kann der Christus nicht herabgestiegen sein auf die Erde, um sich in dem Menschen Jesus von Nazareth zu verkörpern. Denn diese Verkörperung, sie kann auch nicht verstanden werden, wenn man lediglich den Menschen kennenlernt, so wie man ihn, um ihn zu erforschen, aus dem lebendigen Leben heraus in die Klinik bringt, wo man den Leichnam seziert, um sich dann von der Leiche Vorstellungen über den lebendigen Menschen zu machen. Die Alten hatten eine lebendige Astronomie, sie hatten eine lebendige Medizin. Suchen müssen wir wiederum nach einer lebendigen Astronomie, nach einer lebendigen Medizin. So wie uns eine lebendige Astronomie zeigen wird einen Himmel, einen Kosmos, der wirklich von jener Geistigkeit durchdrungen ist, aus der der Christus heruntersteigen kann, so wird uns die verlebendigte Medizin den Menschen wiederum so vorführen, daß wir ihn ergreifen mit unserem Wissen, mit unserem Erkennen bis in sein Geheimnis des Blutes hinein, bis in diejenige organische innere Sphäre, wo sich die Kräfte des ätherischen, des astralischen Leibes, des Ichs umwandeln in das physische Blut. In dem Augenblicke, wo wir das Geheimnis des Blutes ergriffen haben von einer wirklich medizinischen Erkenntnis und wo wir begriffen haben die Weltensphäre, die kosmische Sphäre durch eine durchgeistigte Astronomie, werden wit verstehen, wie aus diesen kosmischen Sphären der Christus heruntersteigen konnte auf die Erde und wie er finden konnte auf der Erde den Menschenleib, der mit seinem Blute ihn aufnehmen konnte. Es ist das Geheimnis des Grals, das im Ernste auf diese Weise gesucht werden muß: uns mit dem ganzen Menschen, mit Kopf und Herz auf diesen Weg nach dem spirituellen Jerusalem zu machen. Das ist die Aufgabe der modernen Menschheit. Es ist merkwürdig, wie dasjenige, was geschehen soll, objektiv durch die Sphäre des Daseins webt. Und wenn es nicht in richtiger Weise Empfindung wird, so wird es äußerlich empfunden, wird es äußerlich vermaterialisiert. Wie die Christen zuerst nach Jerusalem gezogen sind, so ziehen jetzt Ansammilungen des jüdischen Volkes nach Jerusalem, damit wiederum eine Phase des Materialismus zum Ausdruck bringend, zeigend, wie dasjenige, was geistig verstanden werden sollte von der modernen Menschheit in allen ihren Teilen, nun doch materialistisch verstanden wird. Aber es muß die Zeit kommen, in der in der richtigen Weise wiederum das Geheimnis des Grals empfunden werden kann. Sie wissen, ich habe es erwähnt in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», ich habe es gewissermaßen in den Text verwebt, der dasjenige ausspricht, was auf diesem Wege der Geisteswissenschaft gesucht werden soll, und ich habe dadurch hingedeutet auf dasjenige, was wir uns erobern müssen als eine Art Bild und Imagination für das, was aber in ernster Geistesanstrengung und mit tiefem menschlichem Fühlen gesucht werden soll eben als der Weg zum Gral.

[ 16 ] Such, then, was the situation in Europe, and our age today is still a part of it. For if we understand the true, inner call resounding in human hearts, we still are and should be seekers for the Holy Grail. The strivings of humanity that emerged beginning with the crusades still await their metamorphosis into spiritual endeavors. We have yet to arrive at such a comprehension of the cosmic worlds so that we will be able to seek for the origin of Christ in these cosmic worlds. As long as these cosmic worlds are investigated only with the methods of external, physical astronomy, they naturally cannot be conceived of as the home of Christ. From what the modern astronomer teaches as the secret of the heavens, which he describes only by means of geometry, mathematics, and mechanics and observes only with the telescope, the Christ could not have descended to earth in order to incarnate in the human being Jesus of Nazareth. Neither can this incarnation be understood on the basis of knowledge about the physical nature of the human being, knowledge that is obtained by moving from people in actual life to the clinic, where the corpse is dissected for the purposes of research so that views concerning the living human being are arrived at based on the corpse. People in antiquity possessed an astronomy inbued with life and medical knowledge filled with life. Once again, our quest must be for a living astronomy, a living medicine. Just as a living astronomy will reveal to us a heaven, a cosmos, that is truly pervaded by a spirituality and from where the Christ could descend, so an enlivened medicine will present to us the being of man in a way that enables us to penetrate with insight and understanding to the Mystery of the Blood, to the organic inner sphere where the forces of the etheric body, the astral body, and the ego transform themselves into the physical blood. When a true medical knowledge has grasped the Mystery of the Blood and a spiritualized astronomy has understood the cosmic spheres, we shall comprehend how it was possible for the Christ to descend from these cosmic spheres to the earth, how He could find on earth the human body that could receive Him with its blood. It is the Mystery of the Grail that in all earnestness must be sought in this manner, namely, by setting out on the path to the spiritual Jerusalem with all that we are as human beings, with head and heart. This, indeed, is the task of modern humanity. It is strange how the essence of what ought to come to pass weaves objectively through the sphere of existence. If it is not perceived in the correct way, it is experienced outwardly, it is superficially materialized. Just as formerly the Christians flocked to Jerusalem, so now large numbers of Jewish people travel to Jerusalem,14See Rudolf Steiner: Gesammelte Aufsaetze zur Kulturgeschichte, Bibl. #31, 1966. Not translated. thus expressing yet another phase of materialism that indicates how something that ought to be understood spiritually by all of modern humanity is interpreted only materialistically. The time must come when the Mystery of the Grail will once again be comprehended in the right way. You know that I have mentioned it in my An Outline of Occult Science.15An Outline of Occult Science, chapter VI: “The Present and Future of Cosmic and Human Evolution.” It is, in a manner of speaking, woven into the text that refers to all we must seek to discover along this path of spiritual science. Thus, I indicated what we have to acquire as a kind of picture and Imagination for what must be sought in earnest striving of the spirit and with profound human feeling as the path to the Grail.

[ 17 ] Wir wollen morgen wiederum hier darüber weiter reden.

[ 17 ] Tomorrow, we will discuss this further.