Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204
16 April 1921, Dornach
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The Spiritual Backgrounds of the Outer World, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Ich habe gestern hingewiesen auf den bedeutsamen Übergangspunkt, der in der abendländischen Zivilisationsentwickelung liegt im 4. nachchristlichen Jahrhundert, und ich habe darauf hingewiesen, wie aus der europäischen Zivilisation damals verschwindet auf der einen Seite die griechische Weisheit, jene Weisheit, durch die man versuchte, die Tiefen des Christentums eben weisheitsvoll zum Ausdrucke zu bringen. Der äußere Zeitpunkt des Verschwindens liegt ja etwas später. Er liegt da, wo der Kaiser Justinian die Schriften des Origenes für ketzerisch erklärte, die römische Konsulwürde abschaffte und die griechische Philosophenschule von Athen schloß, so daß die Träger griechischer Weisheit nach dem Oriente entfliehen mußten und gewissermaßen sich zurückzogen vor dem, was europäische Zivilisation war. Was sich vom Orient aus vorgeschoben hatte bis nach Griechenland hinein, was dann in Griechenland seine besondere Form angenommen hatte, das war die eine Seite.
[ 1 ] Yesterday I pointed out the significant turning point in the development of Western civilization that occurred in the 4th century A.D., and I noted how, at that time, Greek wisdom—the very wisdom through which people sought to express the depths of Christianity in a wise manner—began to disappear from European civilization. The actual date of this disappearance lies somewhat later. It occurred when Emperor Justinian declared the writings of Origen heretical, abolished the Roman consulship, and closed the Greek philosophical school in Athens, so that the bearers of Greek wisdom were forced to flee to the East and, in a sense, withdrew from what European civilization had become. What had spread from the East as far as Greece, and what had then taken on its own distinct form in Greece—that was one aspect.
[ 2 ] Die andere Seite aber war diese, daß der Mithrasdienst in einem bedeutsamen äußeren Kultus andeuten sollte, wie der Mensch sich herausheben sollte durch sein Geistig-Seelisches aus alledem, was zu begreifen war dutch den Zusammenfluß der Wesen in der Planetensphäre mit den irdischen Mächten, wie dieser Mensch sich als Vollmensch fühlen könnte. Das sollte eben angedeutet sein im Mithraskultus. Und dieser Mithraskultus, der dahin tendierte, dem Menschen sich selber zu zeigen, er verschwand ebenfalls, nachdem er sich ausgebreitet hatte die Donauländer herauf bis nach Mittel- und Westeuropa. Und was in Europa an die Stelle dieser beiden Strömungen, einer kultischen und einer Weisheitsströmung trat, das war zunächst etwas, was eine den äußeren Tatsachen nach verlaufende Erzählung der Ereignisse von Palästina war. Und so kann man sagen: Weder konnte zunächst in Europa den Einzug halten ein Kultus, welcher in dem Christus Jesus den Überwinder alles desjenigen gesehen hätte, was der Mensch in der Weltenentwickelung unter sich zu bringen hatte, noch konnte in dieses Europa einziehen dasjenige, was die eigentlichen Geheimnisse des Christentums weisheitsvoll ergreifen wollte, und es breitete sich aus die äußerliche Erzählung der Vorgänge in Palästina. Was aber begrifflich festgestellt werden sollte an diesen Ereignissen von Palästina, das wurde eingetaucht in ein juristisches Denken, in dem an die Stelle der Erforschung der Weltengeheimnisse die Feststellung der Dogmen durch die Mehrheitsbeschlüsse der Konzilien und so weiter trat.
[ 2 ] The other aspect, however, was that the Mithras cult was intended to suggest, through a significant external ritual, how human beings should rise above—through their spiritual and soul aspects—all that could be comprehended through the convergence of beings in the planetary sphere with earthly forces, and how these human beings could feel themselves to be fully human. This was precisely what the Mithras cult was meant to symbolize. And this Mithras cult, which sought to reveal the human being to himself, also disappeared after it had spread from the Danube region up into Central and Western Europe. And what took the place of these two currents in Europe—one a cultic current and the other a current of wisdom—was, at first, a narrative of the events in Palestine that followed the outward facts. And so one can say: Neither could a cult take root in Europe at first that would have seen in Christ Jesus the conqueror of all that humanity had to overcome in the course of world development, nor could that which sought to grasp the true mysteries of Christianity through wisdom take root in this Europe; instead, the external narrative of the events in Palestine spread. But what was to be conceptually established regarding these events in Palestine became immersed in a legalistic mode of thinking, in which the exploration of the mysteries of the world was replaced by the establishment of dogmas through majority decisions of the councils and so on.
[ 3 ] Nun zeigt gerade diese Tatsache, daß ein bedeutungsvoller, ein gewaltiger Umschwung in der abendländischen Zivilisationsentwickelung und damit in der Entwickelung der ganzen Menschheit sich in diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert vollzogen hat. Alles dasjenige, was vom Orient ausgehend den Osten der europäischen Zivilisation ergriffen hatte, das wurde sozusagen nach dem Orient wieder zurückgeschoben. Dasjenige allein konnte sich abendländisch halten neben der Erfassung der äußeren sinnlichen Tatsachenwelt, was in der romanischen Welt aufgekommen war als ein Anlauf zum abstrakten Denken.
[ 3 ] Now, it is precisely this fact that shows that a significant, a tremendous turning point in the development of Western civilization—and thus in the development of all humanity—took place in this 4th century A.D. Everything that had spread from the Orient and taken hold in the eastern part of European civilization was, so to speak, pushed back toward the Orient. The only thing that could maintain its Western character alongside the grasp of the external, sensory world of facts was what had emerged in the Romance world as an attempt at abstract thought.
[ 4 ] Wie lebendig sind doch die Vorstellungen über die griechischen Götter bei den Griechen gewesen, und wie abstrakt begrifflich sind die Vorstellungen, die sich die Römer von ihren Göttern gemacht haben. Im Grunde genommen war in der späteren Zeit dasjenige, was die Griechen an Ideen hatten über die übersinnliche Welt,schon ein Unlebendiges, obwohl es in sich sehr lebendig war, aber verhältnismäßig ein Unlebendiges gegenüber den lebendigen Vorstellungen der übersinnlichen Welten, die darstellten ein Darinnenleben in diesen übersinnlichen Welten, wie sie in der älteren persischen Zivilisationsform vorhanden waren oder in der älteren indischen Zivilisationsform. Da lebte man in den übersinnlichen Welten, wenn auch dutch ein instinktives menschliches Erkennen, da lebte man aber doch mit diesen übersinnlichen Welten so, wie in der Gegenwatt eine spätere Menschheit mit der sinnlichen Welt lebt. Für den alten Orientalen war die geistige Welt durchaus etwas Erschlossenes. Für den alten Orient war die geistige Welt etwas, was für den Menschen so da war in bezug auf ihre Wesenheiten, wie für den späteren Menschen, nun, sagen wir, die anderen Menschen sind, die als seine Nebenmenschen neben ihm da sind, und der Grieche hatte aus dieser lebendigen übersinnlichen Welt heraus sein Begriffssystem gebildet. Die griechischen Ideen waren bis auf Aristoteles herunter im 4. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit nicht solche abstrakte Ideen, die an der äußeren sinnlichen Beobachtung gewonnen und dann hinaufabstrahiert waren, diese griechischen Ideen waren noch herausgeboren aus der lebendigen übersinnlichen Welt, aus einer uralten Anschauung. Diese lebendigen griechischen Ideen durchseelten, durchwärmten noch den Menschen, gaben ihm noch den nötigen Enthusiasmus zu seiner Art des sozialen Lebens, insofern er an diesen Ideen teilnehmen konnte. Gewiß, man darf niemals vergessen, daß ein großer Teil des griechischen Volkes nicht teilnehmen durfte; es war das die weitausgebreitete Sklavenwelt. Aber diejenigen Menschen, welche die Träger der griechischen Kultur waren, die waren eben durchaus in einer Ideenwelt, die im Grunde genommen ein Herunterstrahlen übersinnlich-geistiger Mächte in die Welt des Irdischen war.
[ 4 ] How vivid the Greeks’ conceptions of their gods were, and how abstract and conceptual the Romans’ conceptions of their gods were. Essentially, in later times, the ideas the Greeks held about the supernatural world had already become lifeless, even though they were very vivid in themselves, yet relatively lifeless compared to the vivid conceptions of the supersensible worlds that depicted an inner life within these supersensible worlds, as they existed in the earlier Persian form of civilization or in the earlier Indian form of civilization. There, people lived in the supersensible worlds—albeit through an instinctive human perception—but they lived with these supersensible worlds just as, in contrast, a later humanity lives with the sensory world. For the ancient Oriental, the spiritual world was something thoroughly accessible. For the ancient Orient, the spiritual world was something that existed for human beings in terms of its beings just as, for later human beings, other people—let us say—exist as fellow human beings alongside them; and the Greeks had formed their system of concepts out of this living supersensible world. Greek ideas, right down to Aristotle in the 4th century B.C., were not abstract ideas derived from external sensory observation and then abstracted upward; these Greek ideas were still born out of the living, supersensible world, out of an ancient worldview. These living Greek ideas still animated and warmed people, still gave them the necessary enthusiasm for their way of social life, insofar as they were able to participate in these ideas. Certainly, one must never forget that a large part of the Greek people was not allowed to participate; this was the widespread world of slavery. But those people who were the bearers of Greek culture were indeed fully immersed in a world of ideas that was, in essence, a radiance of supersensory-spiritual powers shining down into the earthly world.
[ 5 ] Demgegenüber nahm sich allerdings die römische Welt, die nur durch das Meer abgeschieden war von der griechischen Welt, ganz abstrakt aus. Die Römer bezeichneten ihre Götter, man möchte sagen, in derselben nüchternen, trockenen Weise, wie unsere Naturforscher ihre Naturgesetze bezeichnen. Und wenn sich schon darin der bedeutsame Umschwung ausdrückt, auf den ich hier hinzuweisen habe, so tritt er uns noch ganz besonders entgegen, wenn wir nun recht aufmerksam hinschauen auf eine seelische Tatsache, die sich nur halb in der Weltentwickelung ausgelebt hat, die nicht vollständig zur Entwickelung gekommen ist. Betrachten Sie einmal das Schicksal des alten griechischen Volkes. Dieses Schicksal des alten griechischen Volkes hat eine gewisse Tragik in sich. Dieses griechische Volk, nach seiner großen Blüte siecht es dahin; es verschwindet im Grunde genommen doch aus der Weltgeschichte. Denn was in seinem Territorium dann als ein Schatten hingetreten ist, ist ja nicht eine wirkliche Nachkommenschaft. In schwerer weltgeschichtlicher Krankheit siecht das griechische Volk dahin und bringt aus seinen alten Ideen etwas heraus, das, ich möchte sagen, die Morgenröte aller späteren Kultur ist, bringt den Stoizismus, den Epikuräismus aus sich hervor, in denen sich als in bestimmten Lebensanschauungen schon vorausverkündet, was dann in der abendländischen Zivilisation auf viel abstraktere Art gewonnen wird. Aber man sieht es auch dem Stoizismus, dem Epikuräismus an, man sieht es selbst der späteren griechischen Mystik an, daß sie ausdrücken ein Hinsiechen des alten Griechentums.
[ 5 ] In contrast, however, the Roman world—which was separated from the Greek world only by the sea—appeared quite abstract. The Romans described their gods, one might say, in the same sober, matter-of-fact manner as our natural scientists describe the laws of nature. And while this already expresses the significant shift I wish to point out here, it becomes particularly evident to us when we look very closely at a spiritual reality that has only been partially realized in the course of world history—one that has not yet fully come to fruition. Consider, for a moment, the fate of the ancient Greek people. There is a certain tragedy inherent in this fate of the ancient Greek people. This Greek people, after its great flowering, is wasting away; it is, in essence, disappearing from world history. For what then emerged as a shadow within its territory is, after all, not a true descendant. Suffering from a grave illness in the context of world history, the Greek people are wasting away and bringing forth from their ancient ideas something that, I would say, is the dawn of all later culture—they give rise to Stoicism and Epicureanism, in which, as specific worldviews, what would later be attained in Western civilization in a much more abstract form is already foreshadowed. But one can also see in Stoicism and Epicureanism—and even in later Greek mysticism—that they express a decline of ancient Greek civilization.
[ 6 ] Warum mußte denn in der Weltenentwickelung dieses Griechentum krank werden und dann im Grunde genommen absterben? Man möchte sagen, in diesem Krankwerden und Absterben des alten Griechenvolkes liegt ein bedeutsames weltgeschichtliches Mysterium. Ja, dieses Griechenvolk sah noch mit dem, was es als einen Nachklang der alten orientalischen Weltanschauung herüberbekommen hatte, den seelisch-geistigen Menschen in seinem vollen Lichte. Und in den älteren Zeiten der griechischen Kultur sah sich doch jeder Mensch an als ein seelisch-geistiges Wesen, das aus geistigen Welten durch die Geburt oder durch die Empfängnis heruntergestiegen ist, das seine Heimat hat in übersinnlicher Sphäre, das berufen ist zu übersinnlichen Sphären. Aber es fühlte zu gleicher Zeit, dieses Griechenland, selbst noch in seiner Blütezeit — ich habe das oftmals erwähnt — seinen weltgeschichtlichen Niedergang. Es fühlte, daß der Mensch nicht Mensch werden kann auf der Erde durch dieses Hinaufschauen, durch dieses alleinige Hinaufschauen in übersinnliche Welten. Es fühlte sozusagen sich umschlungen und durchdrungen von den irdischen Mächten. Daher jener uralte griechische Spruch: Besser ein Bettler zu sein in der sinnlichen Welt, als ein König im Reiche der Schatten. — Der Grieche hatte in seinen alten Zeiten noch allen Glanz der übersinnlichen Welt geschaut; aber er hat zu gleicher Zeit dadurch, daß er in diesem Griechenland ganz Mensch wurde, gefühlt, wie er ihn nicht erhalten kann, diesen Glanz der geistigen Welten, wie er ihm verlorenging, und wie sein Seelisches verstrickt wurde in die irdischen Dinge, und er fürchtete sich gewissermaßen vor dem Sterben deshalb, weil die Seele durch das Leben zwischen Geburt und Tod entfremdet werden kann ihrer übersinnlichen Heimat. Man muß das Griechentum durchaus nach diesem Gefühle schildern. |
[ 6 ] Why, then, in the course of world history, did this Greek civilization have to fall ill and then, in essence, die out? One might say that in this illness and demise of the ancient Greek people lies a significant mystery of world history. Indeed, this Greek people, through what it had inherited as an echo of the ancient Oriental worldview, still saw the soul-spiritual human being in all its glory. And in the earlier times of Greek culture, every human being did indeed see themselves as a soul-spiritual being who had descended from spiritual worlds through birth or conception, who had their home in the supersensible sphere, and who was called to the supersensible spheres. But at the same time, this Greece—even in its heyday, as I have often mentioned—sensed its decline in the course of world history. It sensed that human beings cannot become truly human on earth through this looking upward, through this sole focus on the supersensible worlds. It felt, so to speak, embraced and permeated by earthly powers. Hence that ancient Greek saying: Better to be a beggar in the sensory world than a king in the realm of shadows. — In its ancient times, the Greek had still beheld all the splendor of the supersensible world; but at the same time, by becoming fully human in that Greece, he felt how he could not retain this splendor of the spiritual worlds, how it was slipping away from him, and how his soul became entangled in earthly things; and he feared death, so to speak, because the soul, through life between birth and death, can become estranged from its supernatural homeland. One must certainly describe Greek civilization in terms of this feeling. |
[ 7 ] Solche Menschen wie Nietzsche, sie haben im Grunde genommen richtig gefühlt. Nietzsche hat richtig gefühlt, wenn er das Zeitalter der griechischen Entwickelung, das dem sokratischen, dem platonischen vorangegangen ist, das tragische Zeitalter griechischer Entwickelung genannt hat. Denn schon bei den Denkern Tales, namentlich aber bei Anaxagoras, Heraklit sehen wir hinabdämmern eine großartige Weltanschauung, über die die heutige Geschichte so gar nichts mehr vermeldet. Wir sehen die Furcht, entfremdet zu werden der übersinnlichen Welt und verbunden zu werden mit dem, was einem einzig und allein bleibt beim Durchgang durch das Leben zwischen Geburt und Tod, verbunden zu werden mit der Welt des Hades, mit der Schattenwelt, die im Grunde genommen dem Menschen zuteil wird. Aber der Grieche hatte doch etwas gerettet, gerettet dasjenige, was in seiner schönsten Blüte erscheint in der platonischen Idee. Ich möchte sagen, mit dem absterbenden Siechtum tritt diese platonische Ideenwelt, der letzte glanzvolle Rest des alten Orients auf, der selber dann bestimmt ist zu sterben im Aristotelismus, aber es tauchen eben doch auf diese griechischen Ideen. Und fortwährend empfand der Grieche, wie das Ich des Menschen im menschlichen Leben eigentlich etwas Verlorengehendes ist. Das war im Grunde genommen Grundempfindung der Griechen. Nehmen Sie die Schilderung, die ich über die Ich-Entwickelung in meinen «Rätseln der Philosophie» gegeben habe, wie da das Ich mit dem Denken verbunden war, mit der äußeren Wahrnehmung. Da aber mit dem Denken das ganze Ich-Erleben zusammenhängt, so fühlte der Mensch auch das Ich noch weniger in seiner eigenen Leiblichkeit drinnen, als er es verbunden fühlte mit alledem, was draußen in der Welt lebt, mit dem Blühen der Blumen, mit dem Blitzen und Donnern draußen im Weltenraum, mit den hinstürmenden Wolken, mit den Bäumen, mit dem aufsteigenden Nebel und dem herabfallenden Regen. Mit alledem verknüpft fühlte der Grieche sein Ich. Er fühlte sozusagen mit den Kräften des Ichs, gleichsam ohne das Gehäuse dieses Ichs; er fühlte vielmehr: Wenn ich hinauswende den Blick auf die Blumenwelt, da haftet mein Ich, da blüht es mit den Blumen. — Das fühlte er. Und man kann eben schon sagen, diese griechische Kultur konnte sich nicht fortsetzen. Wie aber wäre sie geworden, wenn sie sich fortgesetzt hätte? Es lag gar nicht in ihr die Möglichkeit, sich in gerader Linie fortzusetzen. Was wäre aus ihr geworden? — Der Mensch hätte nach und nach sich gefühlt als ein Erdenwesen, das untermenschlich ist, und das, was das eigentlich Geistig-Seelische im Menschen ist, das hätte man gefühlt wie etwas, was eigentlich in den Wolken und in den Blumen, in den Bergen, in Regen und Sonnenschein wohnt und das da kommt, einen zu besuchen. Gefühlt hätte man nach und nach, wenn die griechische Kultur in gerader Linie sich weiterentwickelt hätte, daß man ja, wenn man des Abends einschläft, das Herannahen seines eigenen Ichs in seinem Glanze erfühlen kann, daß es einen da besonders besucht. Aber gefühlt hätte man auch, daß, wenn man wiederum des Morgens aufwacht und sich einläßt auf die Welt der niederen Sinne, daß man dann eigentlich nur als Erdenmensch das äußerliche Gehäuse ist. Eine gewisse Fremdheit gegenüber dem Ich wäre eingetreten bei einer geradlinigen Fortentwickelung desjenigen, was man gefühlsmäßig merken kann als den eigentlichen Grundton, als das eigentliche Grundtemperament der griechischen Natur.
[ 7 ] People like Nietzsche were, in essence, right in their intuition. Nietzsche was right when he called the era of Greek development that preceded the Socratic and Platonic eras the “tragic age” of Greek development. For even in the thinkers of Thales, but especially in Anaxagoras and Heraclitus, we see the twilight of a magnificent worldview about which modern history has nothing more to say. We see the fear of becoming estranged from the supernatural world and of being bound to that which alone remains to us as we pass through life between birth and death—of being bound to the world of Hades, to the world of shadows, which is ultimately what befalls human beings. Yet the Greeks had saved something—they had saved that which appears in its most beautiful bloom in the Platonic idea. I would like to say that with the waning of the ancient world, this Platonic world of ideas—the last glorious remnant of the ancient Orient, which is itself destined to die in Aristotelianism—emerges, yet these Greek ideas do indeed surface. And the Greeks continually sensed how the human “I” is, in human life, actually something that is lost. That was, in essence, the fundamental sentiment of the Greeks. Consider the description I gave of the development of the “I” in my Riddles of Philosophy, where the “I” was connected to thinking and to external perception. But since the entire experience of the “I” is linked to thinking, people felt the “I” even less within their own physicality than they felt it connected to everything that lives out there in the world—to the blooming of flowers, to the lightning and thunder out in the cosmos, to the rushing clouds, to the trees, to the rising mist, and to the falling rain. The Greek felt his “I” connected to all of this. He felt, so to speak, with the powers of the “I,” as it were without the shell of this “I”; rather, he felt: When I turn my gaze outward toward the world of flowers, there my “I” clings; there it blooms with the flowers. — That is what he felt. And one can already say that this Greek culture could not continue. But what would have become of it if it had continued? It did not possess the possibility of continuing in a straight line. What would have become of it? — Human beings would gradually have come to feel themselves as earthly beings who are subhuman, and what is actually the spiritual-soul aspect within the human being would have been felt as something that actually dwells in the clouds and in the flowers, in the mountains, in rain and sunshine, and that comes there to visit one. If Greek culture had continued to develop in a straight line, people would gradually have felt that when they fell asleep in the evening, they could sense the approach of their own “I” in all its radiance, that it was coming to visit them in a special way. But one would also have felt that, when one wakes up again in the morning and engages with the world of the lower senses, one is then, as an earthly human being, really nothing more than an outer shell. A certain sense of alienation from the “I” would have arisen had there been a linear continuation of what one can intuitively perceive as the true fundamental tone, as the true fundamental temperament of the Greek nature.
[ 8 ] Das war notwendig, daß gewissermaßen das den Menschen entfliehende Ich, das hinaus in Natur und Kosmos entfliehende Ich, daß das gefestigt wurde in der menschlichen Innenwesenheit als einer organischen, auf der Erde wandelnden Wesenheit. Dazu bedurfte es eines kräftigen Impulses. Das war ja die Eigentümlichkeit des Orientalismus, daß er zwar scharf auf das Ich hingewiesen hat, gerade dadurch hingewiesen hat, daß er die wiederholten Erdenleben in bezug auf die menschliche Lebensauffassung lehrte, daß aber zu gleicher Zeit in ihm die Tendenz lag, dieses Ich dem Menschen zu entfremden, dieses Ich dem Menschen zu nehmen. Deshalb hatte das Abendland, das sich eben nicht bis zur griechischen Höhe emporschwingen konnte, auch nicht die Kraft, die griechische Weisheit entgegenzunehmen in ihrer vollen Gestalt, es ließ sie sozusagen zurückfluten nach dem Orient. Es hatte auch nicht die Kraft, den Mithraskultus zu übernehmen, es ließ auch ihn zurückfluten nach dem Orient. Es hatte nur die Kraft, aus der vollen Robustheit des Menschen heraus, aus der irdischen Menschennatur heraus sich erzählen zu lassen die rein tatsächlichen Vorgänge von Palästina und sie bekräftigen zu lassen durch die konzilienmäßig festgesetzte Dogmatik. Gewissermaßen zunächst in einen Persönlichkeits-Materialismus wurde der europäische Mensch hineingestellt.
[ 8 ] It was necessary, so to speak, that the “I”—which was slipping away from human beings, the “I” that was slipping away into nature and the cosmos—be anchored within the human inner being as an organic entity walking upon the earth. This required a powerful impulse. That was, after all, the peculiarity of Orientalism: although it pointed sharply to the “I”—precisely by teaching about repeated earthly lives in relation to the human conception of life—it simultaneously harbored a tendency to alienate this “I” from the human being, to take this “I” away from the human being. That is why the West, which was unable to rise to the heights of Greek civilization, also lacked the strength to receive Greek wisdom in its full form; it allowed it, so to speak, to flow back to the East. Nor did it have the strength to adopt the cult of Mithras; it allowed that, too, to flow back to the East. It had only the strength, drawing from the full robustness of the human being and from earthly human nature, to allow the purely factual events of Palestine to be recounted and to have them affirmed by the dogmatics established by the councils. In a sense, the European human being was initially placed within a form of “personality materialism.”
[ 9 ] Das zeigt sich dann am intensivsten in dem Umschwung im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Da schwindet allmählich alles nach Asien zurück, was ein tieferes Erfassen des Christentums gebracht hätte, was einen Kultus hätte bringen können, welcher den Christus als den Triumphierenden hätte ansehen können, nicht bloß als denjenigen, der unter den schweren Lasten des Kreuzes hinuntersinkt und dessen Triumphieren man nur ahnen kann hinter dem Kruzifixus. Es handelte sich für das Abendland bei diesem Zurückflutenlassen der Weisheit und des alten Zeremonialdienstes um die Befestigung zunächst des Ichs. Aus der robusten Kraft der nordischen Barbarenvölker ging hervor dasjenige, was die Kraft dieser Befestigung des Ichs im irdischen Organ des Menschen sein sollte. Und während sich das vollzog in den Gegenden der Donauländer, in denen, die etwas südwärts davon waren, im Süden Europas, im Westen Europas, verpflanzte sich nun vom Orient herüber in anderen Gestalten, als was früher orientalische Weisheit war, der Arabismus. Der Arabismus pflanzte sich nach Spanien hinein fort, und man sah den Südwesten Europas überflutet von einer phantastischen Verstandeskultur, die es in der äußeren künstlerischen Welt nur bis zu der Arabeske brachte, die es nicht bis zu einem Durchdringen des Organischen mit dem Geistig-Seelischen brachte. So war Europa erfüllt auf der einen Seite von der Erzählung des rein Tatsächlichen in bezug auf die Kultushandlungen, so war es auf der anderen Seite erfüllt mit einer abstrakt phantastischen Wahrheit, Weisheit, mit demjenigen, was dann filtriert die reine Verstandeskultur bildete und was über Spanien nach Europa hereinkam.
[ 9 ] This is most clearly evident in the upheaval of the 4th century A.D. At that time, everything that would have fostered a deeper understanding of Christianity—everything that could have given rise to a form of worship that viewed Christ as the Triumphant One, rather than merely as the one sinking under the heavy burdens of the cross, whose triumph one can only glimpse behind the crucifix—gradually receded back to Asia. For the West, this ebb of wisdom and the old ceremonial rite was, first and foremost, a matter of strengthening the ego. From the robust strength of the Nordic barbarian peoples emerged that which was to be the source of this strengthening of the ego within the human body. And while this was taking place in the regions of the Danube countries, in those areas slightly to the south of them, in southern Europe, and in western Europe, Arabism—in forms different from what had previously been Oriental wisdom—was now spreading over from the East. Arabism took root in Spain, and one saw the southwest of Europe flooded with a fantastical culture of the intellect, which in the external artistic world achieved no more than the arabesque—a form that failed to achieve a fusion of the organic with the spiritual-soul. Thus, on the one hand, Europe was filled with the narrative of the purely factual as it related to ritual practices; on the other hand, it was filled with an abstract, fantastical truth and wisdom—that which, once filtered, formed the pure culture of the intellect and which entered Europe via Spain.
[ 10 ] Innerhalb dieser Welt, in welcher also nur die rein auf das Äußerliche bezüglichen Erzählungen von den Ereignissen in Palästina lebten, in welcher nur das lebte, was an phantastischer Verstandesweisheit dutch den Arabismus gekommen war, in dieser Welt tauchten auch einzelne Menschen auf — einzelne gibt es ja immer wieder und wiederum innerhalb des Gros der Menschheit —, denen etwas aufging von dem, wie eigentlich die Sache war. Es stieg in ihrer Seele auf, daß es ja ein großes christliches Geheimnis gibt, für das die höchste Weisheit nicht hoch genug ist, um es in seiner ganzen Bedeutung zu durchdringen, für das das intensivste Fühlen nicht stark genug ist, um dafür einen Zeremonialdienst auszubilden, daß eben von dem Kreuz von Golgatha etwas ausging, was mit höchster Weisheit und kühnstem Gefühle erfaßt werden müsse. Das ging in einzelnen Menschen auf. Und ihnen stieg so etwas auf, wie die bedeutsame Imagination: In dem Brote des Abendmahles war etwas vorhanden wie eine Synthesis, wie eine Zusammenfassung der Kraft des äußeren Kosmos, der mit alledem, was aus dem Kosmos an Kräfteströmung herunterkommt auf die Erde, diese Erde durchdringt, aus dieser Erde hervorzaubert die Vegetation; dann wird dasjenige, was da aus dem Kosmos der Erde anvertraut wird, was dann aus der Erde hervorquillt, zusammengefaßt synthetisch im Brote und konstituiert den menschlichen Leib.
[ 10 ] Within this world—in which, then, only narratives of the events in Palestine that focused purely on the external aspects persisted, in which only that which had come through Arabism in the form of fantastical intellectual wisdom persisted—in this world, individual people also emerged — for there are always a few, even within the vast majority of humanity — who began to grasp something of how things actually were. It dawned on their souls that there is indeed a great Christian mystery for which even the highest wisdom is not profound enough to penetrate its full significance, for which even the most intense feeling is not strong enough to shape a ceremonial rite—that something emanated from the cross of Golgotha that must be grasped with the highest wisdom and the boldest feeling. This dawned on individual people. And something like a profound imagination arose within them: In the bread of the Lord’s Supper there was something like a synthesis, like a synthesis of the power of the outer cosmos—which, with all the currents of force flowing down from the cosmos to the earth, permeates this earth and conjures up vegetation from it; then what is entrusted to the Earth from the cosmos, what then wells up from the Earth, is synthetically summarized in the bread and constitutes the human body.
[ 11 ] Und etwas anderes noch ging durch alle Nebel, möchte ich sagen, die sich hinübergezogen haben über die alten Traditionen, etwas anderes ging auf diese europäischen Weisen über, etwas, was ja allerdings im Orient seinen Ursprung genommen hat, was aber eben durch die Nebel durchdrang und von einzelnen verstanden wurde. Das war das andere Mysterium, das sich an das Mysterium des Brotes anreihte, das Mysterium von der heiligen Schale, in welcher Joseph von Arimathia aufgesammelt hat das herunterträufelnde Blut des Christus Jesus, das war die andere Seite des Weltengeheimnisses. Wie im Brote zusammengenommen ist alles dasjenige, was der Extrakt des Kosmos ist, so ist im Blute zusammengenommen alles dasjenige, was der Extrakt der menschlichen Natur und Wesenheit ist, in Brot und Blut, wofür ja der Wein nur das äußere Symbolum sein sollte, in Brot und Blut drückte sich das aus für diese europäischen Weisen, die wirklich wie aus geheimnisvollen Mysterienorten sich herausentwickelt hatten, weit hinausragend über das Gros der europäischen Bevölkerung, das nur die Tatsachen von Palästina hören konnte und das, wenn es zur Gelehrsamkeit heranwuchs, nur sich allmählich hineinfand in die abstrakte Phantastik des Arabismus. Bei diesen Menschen, die sich ebenso auszeichneten durch etwas, was wie eine reifste, überreife Frucht orientalischer Weisheit war und zugleich eine reifste Frucht europäischen Empfindens und Fühlens, bei ihnen entwickelte sich dasjenige, was sie nannten das Geheimnis des Grals. Aber, so sagten sie sich, auf der Erde ist nicht zu finden, was das Geheimnis des Grales ist.
[ 11 ] And something else, too, passed through all the mists—I might say—that had settled over the ancient traditions; something else passed into these European ways—something that, admittedly, had its origin in the East, but which penetrated through the mists and was understood by a few. That was the other mystery that followed the mystery of the bread—the mystery of the holy chalice in which Joseph of Arimathea collected the blood of Christ Jesus as it dripped down; that was the other side of the mystery of the world. Just as everything that constitutes the essence of the cosmos is gathered together in the bread, so everything that constitutes the essence of human nature and being is gathered together in the blood; in bread and blood—for which the wine was meant to be only the outward symbol— in bread and blood this was expressed for these European sages, who had truly developed as if from mysterious places of mystery, towering far above the bulk of the European population, which could only hear the facts about Palestine and which, as it grew into scholarship, only gradually found its way into the abstract fantasy of Arabism. Among these people, who were equally distinguished by something that was like the ripest, overripe fruit of Oriental wisdom and at the same time the ripest fruit of European sensibility and feeling, there developed what they called the Mystery of the Grail. But, they told themselves, the Mystery of the Grail cannot be found on earth.
[ 12 ] Die Menschen sind gewohnt worden, einen Verstand zu entwickeln, wie er ja seine höchste Blüte trieb im Arabismus. Die Menschen sind gewohnt, nicht hinzuschauen auf den Sinn der äußeren Tatsachen, sondern lediglich sich diese äußeren Tatsachen ihrer sinnenfälligen Wirklichkeit nach erzählen zu lassen. Durchdringen muß man zu demjenigen, was in dem Geheimnis des Brotes ist, das ja in derselben Schale gebrochen worden sein soll durch den Christus Jesus, in der dann das Blut durch Joseph von Arimathia aufgefangen worden ist, welche Schale dann entrückt worden ist nach Europa, aber, wie die Sage sagt, so von Engeln über der Erdoberfläche, hoch oben über der Erdoberfläche gehalten wurde, bis Titurel kam, der diesem Gral, dieser heiligen Schale, dieser das Mysterium des Brotes und Blutes umfassenden Schale den Tempel auf dem Montsalvatsch schuf. In heiliger spiritueller Tempelstätte wollten schauen diejenigen, die auf diese Weise europäische Mysterienweise geworden waren, durch die Nebel der Abstraktion hindurch und durch die Nebel der reinen Tatsachenerzählungen hindurch das Geheimnis vom Gral, das Geheimnis vom Kosmos, das verschwunden war mit der ätherischen Astronomie, das Geheimnis vom Blute, das verschwunden war mit der alten medizinischen Anschauung. Wie die alte medizinische Anschauung übergegangen ist in abstraktes Denken, so ist übergegangen die alte ätherische Astronomie in abstraktes Denken. Das hatte sich in der höchsten Blüte zu einer bestimmten Zeit gerade durch die Araber in Spanien abgelagert. In diesem Spanien war es, wo man äußerlich unter den Menschen nicht finden konnte das Geheimnis des Grales. Da war nur abstrakte Verstandesweisheit. Bei den Christen war nur äußere Tatsachenerzählung, bei den Arabern, bei den Mauren phantastische Verstandesentwickelung. Und in Höhen nur über dieser Erde schwebte der Heilige Gral, und nur von denjenigen, denen von göttlichen Mächten dazu die Fähigkeiten gegeben wurden, konnte betreten werden dieser spitituelle Tempel, dieser Heilige Gral, dieser die Geheimnisse des Brotes und Blutes umschließende Tempel. Es ist kein Zufall, daß er gefunden werden sollte in Spanien, wo wirklich meilenweit aus dem, was die irdische Tatsächlichkeit bot, herausgeschritten werden mußte, wo durchbrochen werden mußten dornige Hecken, um vorzudringen zu dem spirituellen Tempel, welcher den Heiligen Gral umschloß.
[ 12 ] People have become accustomed to developing a way of thinking that reached its highest flowering in Arabism. People are accustomed to not looking into the meaning of external facts, but merely allowing these external facts to be recounted to them in terms of their sensory reality. One must penetrate to the very heart of the mystery of the bread, which is said to have been broken by Christ Jesus in that very chalice, into which the blood was then caught by Joseph of Arimathea, and which chalice was then carried off to Europe, but, as the legend tells, was held by angels above the earth’s surface—high above the earth’s surface—until Titurel came and created the temple on Montsalvatsch for this Grail, this holy chalice, this chalice encompassing the mystery of the bread and blood. In this sacred, spiritual temple, those who had thus become European initiates sought to gaze—through the mists of abstraction and through the mists of mere factual narratives—upon the mystery of the Grail, the mystery of the cosmos that had vanished with etheric astronomy, and the mystery of the blood that had vanished with the ancient medical worldview. Just as the ancient medical worldview gave way to abstract thinking, so too did the ancient etheric astronomy give way to abstract thinking. This had reached its highest flowering at a certain time, precisely through the Arabs in Spain. It was in this Spain that one could not find the mystery of the Grail outwardly among the people. There was only abstract intellectual wisdom. Among the Christians there was only an external recounting of facts; among the Arabs and the Moors, a fantastical development of the intellect. And high above this earth alone did the Holy Grail hover, and only those to whom divine powers had granted the necessary abilities could enter this spiritual temple, this Holy Grail, this temple enclosing the mysteries of the bread and the blood. It is no coincidence that it was to be found in Spain, where one truly had to venture miles beyond what earthly reality offered, where thorny hedges had to be breached in order to reach the spiritual temple that enclosed the Holy Grail.
[ 13 ] Aus solchen gefühlsmäßigen Voraussetzungen heraus entwickelte sich die Anschauung des Heiligen Grals. Die unsichtbare Kirche, die übersinnliche Kirche, die doch aber auf Erden zu finden ist, das war es, was sich mit dem Mysterium des Grals umhüllte. Es war ein unmittelbar Daseiendes, das aber derjenige nicht findet, der sein Inneres teilnahmslos der Welt gegenüberstellt. In alten Zeiten, da sind die Mysterienpriester aus den Mysterien hinausgegangen in die Welt, haben Umschau gehalten unter den Menschen, haben aus dem Anblicke der menschlichen Aura sich gesagt: Das ist einer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien; das ist ein anderer, den wir hereinnehmen müssen in die Mysterien. — Man brauchte nicht zu fragen, man wurde erwählt. Es brauchte nicht im Inneren des Menschen selber die Aktivität zu entspringen, man wurde erwählt, man wurde hineingeholt in die heiligen Mysterienstätten. Diese Zeit war um das 11., 12. und das 9., 10. Jahrhundert schon vorbei. Befestigt mußte im Menschen durch die Christus-Kraft, die eingezogen war in die europäische Zivilisation, dasjenige sein, was ihn drängte zu fragen: Was sind die Geheimnisse des Daseins? — Und keiner konnte sich dem Grale nähern, der teilnahmslos schläfrig mit seinem Inneren die Außenwelt durchwanderte und durchschritt. Allein derjenige, so sagte man, könne eindringen in die Wunder, das heißt in die Geheimnisse des Heiligen Grals, der in seiner Seele den Antrieb empfand, zu fragen nach den Geheimnissen des Daseins, des kosmischen Daseins und des innermenschlichen Daseins. Und seither ist es im Grunde genommen so geblieben. Nur nachdem um die Mitte des Mittelalters herum die Menschen einst hingewiesen worden waren auf dieses Fragestellen, auf dieses Fragensollen, trat zunächst seit dem Beginne des 14. Jahrhunderts, das heißt im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, der große Rückschlag ein. Immer weniger und weniger blieben von denen, die da fragten nach den Wundern des Heiligen Grals, immer inaktiver und inaktiver wurden die Seelen. Sie sahen nunmehr hin nach den äußeren Gestaltungen der menschlichen Wesenheit auf Erden und nach dem, was sich anschauen läßt und was sich zählen und wägen und messen und errechnen läßt im Kosmos. Aber geblieben ist auch diese schon im frühen Mittelalter in die europäische Zivilisation hereintretende heilige Aufforderung: zu fragen nach den Geheimnissen des Kosmos ebensowohl wie nach den inneren Geheimnissen des Menschen, das heißt nach den Mysterien des Blutes. Die Menschen haben ja in den verschiedensten Phasen durchgemacht dasjenige, was notwendigerweise der Materialismmus mit all seinen Kräften über die europäische Zivilisation bringen mußte. Es waren schon eindringliche Worte, wenn sie auch vielfach verklungen sind. Man muß nur bedenken, wie groß die Möglichkeit war, daß bedeutsame Worte erklingen konnten innerhalb der europäischen Zivilisation. Dasjenige, was für ein bestimmtes Zeitalter geschaffen war, das Erzählen der äußeren Tatsache von Palästina, das Durchdringen dieser äußeren Tatsache mit dem Arabismus, was dann die Scholastik des Mittelalters besorgt hat als mittelalterliche christliche Philosophie, das war für ein gewisses Zeitalter groß. Aber so, wie es sich herausentwickelt hat aus einer Zeit größerer Weisheit und größerem Zeremoniellen, die nur zurückgeschoben wurden in den Orient, so hat es das, was sich da herausgebildet hat, auch nicht verstanden: hinzuhorchen auf die übersinnlichen Mysterien des Christentums, auf die Mysterien des Heiligen Grals. Und all die wirklich eindringlichen Stimmen, die ertönt haben im Frühlingsalter — es waren ihrer nicht wenige —, sie sind ebenso zum Verstummen gebracht worden dutch den immer mehr und mehr in die Dogmatik hinein versinkenden Katholizismus Roms, wie die Gnosis — wie ich ja auch gestern wiederum angedeutet habe — mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden ist.
[ 13 ] The concept of the Holy Grail developed out of such emotional premises. The invisible church, the supernatural church—which can nevertheless be found on earth—was what the mystery of the Grail encompassed. It was something that existed directly, yet it cannot be found by those who remain indifferent to the world within themselves. In ancient times, the priests of the mysteries would go out from the mysteries into the world, look around among the people, and, upon seeing a person’s aura, say to themselves: “This is someone we must admit into the mysteries”; this is another whom we must admit into the Mysteries.” — One did not need to ask; one was chosen. The initiative did not need to arise from within the person themselves; one was chosen, one was brought into the sacred places of the Mysteries. By the 11th, 12th, 9th, and 10th centuries, that time was already over. What had to be established within the human being through the Christ force—which had entered European civilization—was that which impelled him to ask: What are the mysteries of existence? — And no one could approach the Grail who wandered and passed through the outer world with an indifferent, sleepy inner state. It was said that only those who felt the impulse within their souls to inquire into the mysteries of existence—both cosmic existence and inner human existence—could penetrate the wonders, that is, the mysteries of the Holy Grail. And since then, this has essentially remained the case. Only after people had once been directed, around the middle of the Middle Ages, toward this act of questioning—toward this imperative to ask—did a major setback occur, beginning in the early 14th century, that is, in the first third of the 14th century. Fewer and fewer remained of those who had once inquired into the wonders of the Holy Grail, and souls grew increasingly inactive. They now turned their gaze to the outward forms of human existence on Earth and to that which can be observed, counted, weighed, measured, and calculated in the cosmos. But what has remained is this sacred call, which entered European civilization as early as the early Middle Ages: to inquire into the mysteries of the cosmos just as much as into the inner mysteries of the human being—that is, into the mysteries of the blood. After all, people have gone through, in the most varied phases, what materialism, with all its forces, was bound to bring upon European civilization. Those were indeed powerful words, even if they have largely faded away. One need only consider how great the opportunity was for significant words to resound within European civilization. That which was created for a particular age—the narration of the external facts of Palestine, the permeation of these external facts with Arab culture, which was then taken up by medieval scholasticism as medieval Christian philosophy—was significant for a certain age. But just as it developed out of an era of greater wisdom and greater ceremonialism—which were merely pushed back into the Orient—so, too, did what emerged there fail to grasp the need to listen to the supersensory mysteries of Christianity, to the mysteries of the Holy Grail. And all the truly compelling voices that rang out in the Spring Age—and there were quite a few of them—were silenced just as thoroughly by Roman Catholicism, which was sinking deeper and deeper into dogmatism, just as Gnosticism—as I also hinted at again yesterday—was eradicated root and branch.
[ 14 ] Man darf nicht negativ urteilen über das Zeitalter vom 4. nachchristlichen Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert herein, weil von den zahlreichen, ich möchte sagen, mit heiliger Süße und Überreifheit durch die europäische Zivilisation, die im übrigen barbarisch war, hindurchklingenden Stimmen nur die etwas ungelenke eines Menschen zurückgeblieben ist, der nicht schreiben konnte, die des Wolfram von Eschenbach. Ex ist noch groß genug; ihn hat dasjenige übriggelassen, was als Dogmatik sich in Europa festgesetzt hat und was im Grunde genommen dasjenige ausgerottet hat, was an mächtigen Stimmen, aber eben unter Kampf und Bitterkeit den Ruf nach dem Heiligen Gral ertönen ließ. Und diejenigen, die ertönen ließen den Ruf nach dem Heiligen Gral, sie wollten ihn schon als in der dumpfen Seele heraufdämmernde Freiheit ertönen lassen. Sie wollten dem Menschen nicht seine Freiheit nehmen, sie wollten ihm nichts aufdrängen, er sollte ein Fragender sein. Er sollte aus den Tiefen seines Seelenwesens heraus nach den Wundern des Grals fragen. Was da an geistigem Leben untergegangen ist, war wahrhaftig noch größer als sein Gegenspiel, wenn dieses auch nicht einer gewissen Größe entbehrt. Und als dann dasjenige, was als einen geistigen Weg bezeichnet hatten die Diener des Heiligen Grals, abgelöst wurde von dem physischen Weg nach dem physischen Jerusalem im Orient drüben, abgelöst wurde der Kreuzweg nach dem Gral durch die Kreuzzüge nach dem physischen Jerusalem, und als dann Gottfried von Bouillon im Gegensatz zu Rom ein äußerliches Reich in Jerusalem aufrichten wollte, aus seinem Empfinden heraus seinen Ruf «Los von Rom» ertönen ließ, da war dieser allerdings weniger suggestiv als derjenige des Peter vor Amiens, der wie eine gewaltige Suggestion wirkte, um dasjenige, was die Diener des Heiligen Grals spirituell gemeint hatten, in das Materialistische zu übersetzen.
[ 14 ] One must not pass negative judgment on the period from the 4th century A.D. through the 12th and 13th centuries, because of the numerous, I would say, resounding with holy sweetness and overripeness through European civilization—which, incidentally, was barbaric—only the somewhat clumsy voice of a man who could not write has survived: that of Wolfram von Eschenbach. “Ex” is still significant enough; it was spared by what became established as dogma in Europe—and which, in essence, eradicated those powerful voices that, albeit amid struggle and bitterness, had sounded the call for the Holy Grail. And those who sounded the call for the Holy Grail sought to let it resound as freedom dawning within the dulled soul. They did not want to take away human freedom; they did not want to impose anything on him; he was to be a seeker. He was to seek the wonders of the Grail from the depths of his soul. What has been lost there in terms of spiritual life was truly even greater than its opposite, even if the latter is not without a certain greatness of its own. And when that which the servants of the Holy Grail had designated as a spiritual path was supplanted by the physical path to the physical Jerusalem in the East—when the Way of the Cross to the Grail was supplanted by the Crusades to the physical Jerusalem—and when Godfrey of Bouillon, in opposition to Rome, sought to establish an external kingdom in Jerusalem, letting his cry “Away from Rome,” it was, however, less evocative than that of Peter of Amiens, which acted like a powerful suggestion to translate what the servants of the Holy Grail had meant spiritually into the material realm.
[ 15 ] Das war auch einer der Wege, die durch den Materialismus gegangen worden sind, der Weg nach dem physischen Jerusalem statt nach dem spirituellen Jerusalem, das in Titurels Tempel bergen sollte dasjenige, was von dem Mysterium von Golgatha in dem Heiligen Gral übriggeblieben war. Titurel, so sagte man, habe ihn aus den Wolken, wo ihn die Engel schwebend gehalten haben — während Arabismus und rein äußere Tatsachenerzählungen herrschten —, Titurel habe ihn heruntergebracht, den Heiligen Gral, auf die Erdensphäre. Aber das materialistische Zeitalter fing nicht an, nach ihm zu fragen. Einsame Menschen, vereinzelte Menschen, Menschen in der «Dumpfheit», nicht gerade in der Weisheit, wie der Parzival, waren es, welche Wege antraten zu dem Heiligen Gral, aber sie verstanden es im Grunde genommen auch nicht richtig, die entsprechende Frage zu stellen. Und voran ging schon dem geistigen Materialismusweg, der dann in dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts begann, der andere Materialismusweg, der im Grunde genommen schon in der Wendung nach dem Osten hinüber war, nach dem physischen Jerusalem. Und diese Tragik erlebte die moderne Menschheit, die eben durch diese Tragik hindurchgehen mußte und muß, um sich in dieser Tragik innerlich zu ergreifen und so recht zu Fragenden zu werden. Diese Tragik mußte und muß die moderne Menschheit erleben, daß das Licht, das ihr einstmals aus dem Osten gekommen war, nicht erkannt wurde als spitituelles Licht, daß das spirituelle Licht zurückgeschoben worden ist und dafür gesucht worden ist das physische Land, die physische Materialität des Orients. Den physischen Orient fing man an im Mittelalter zu suchen, nachdem man im Ausgang des Altertums den spirituellen Orient zurückgestellt hatte.
[ 15 ] This was also one of the paths taken by materialism—the path toward the physical Jerusalem rather than the spiritual Jerusalem, which was to preserve within Titurel’s temple that which remained of the Mystery of Golgotha in the Holy Grail. Titurel, so it was said, had brought it down from the clouds—where the angels had kept it suspended—while Arabism and purely external accounts of events prevailed—Titurel had brought it down, the Holy Grail, to the earthly sphere. But the materialistic age did not begin to inquire about it. Lonely people, isolated individuals, people in “dullness”—not exactly in wisdom, like Parzival—were the ones who set out on paths toward the Holy Grail, but they, too, did not really understand how to ask the right question. And even before the path of spiritual materialism—which then began in the first third of the 14th century—there was already the other path of materialism, which, in essence, had already turned toward the East, toward the physical Jerusalem. And modern humanity experienced this tragedy; it had to and must pass through this tragedy in order to be inwardly moved by it and thus truly become seekers. Modern humanity had to and must experience this tragedy—that the light which had once come to it from the East was not recognized as spiritual light, that the spiritual light was pushed aside, and instead the physical land, the physical materiality of the Orient, was sought. People began to seek the physical Orient in the Middle Ages, after having set aside the spiritual Orient at the end of antiquity.
[ 16 ] Das ist die europäische Situation, und in dieser europäischen Situation ist auch unsere heutige noch. Denn noch sind wir, wenn wir den wahren innersten Ruf der Menschheit verstehen, Sucher nach dem Heiligen Gral und müßten es sein, Sucher nach dem Heiligen Gral. Noch müssen die Bestrebungen der Menschheit, wie sie, angefangen in den Kreuzzügen, hervortreten, die Umwandlung, die Metamorphose ins Spirituelle erfahren. Noch müssen wir wiederum kommen zu einem solchen Erfassen der kosmischen Welten, daß wir den Ursprung des Christus in diesen kosmischen Welten suchen können. Solange diese kosmischen Welten nur mit der äußeren physischen Astronomie erfaßt werden, können sie selbstverständlich nicht als die Heimat des Christus aufgefaßt werden, denn aus dem, was heute der Astronom lehrt als das Geheimnis des Himmels, für dessen Beschreibung er nur die Geometrie, die Mathematik, die Mechanik hat, für dessen Anschauung er nur das Teleskop hat, aus diesem Himmel kann der Christus nicht herabgestiegen sein auf die Erde, um sich in dem Menschen Jesus von Nazareth zu verkörpern. Denn diese Verkörperung, sie kann auch nicht verstanden werden, wenn man lediglich den Menschen kennenlernt, so wie man ihn, um ihn zu erforschen, aus dem lebendigen Leben heraus in die Klinik bringt, wo man den Leichnam seziert, um sich dann von der Leiche Vorstellungen über den lebendigen Menschen zu machen. Die Alten hatten eine lebendige Astronomie, sie hatten eine lebendige Medizin. Suchen müssen wir wiederum nach einer lebendigen Astronomie, nach einer lebendigen Medizin. So wie uns eine lebendige Astronomie zeigen wird einen Himmel, einen Kosmos, der wirklich von jener Geistigkeit durchdrungen ist, aus der der Christus heruntersteigen kann, so wird uns die verlebendigte Medizin den Menschen wiederum so vorführen, daß wir ihn ergreifen mit unserem Wissen, mit unserem Erkennen bis in sein Geheimnis des Blutes hinein, bis in diejenige organische innere Sphäre, wo sich die Kräfte des ätherischen, des astralischen Leibes, des Ichs umwandeln in das physische Blut. In dem Augenblicke, wo wir das Geheimnis des Blutes ergriffen haben von einer wirklich medizinischen Erkenntnis und wo wir begriffen haben die Weltensphäre, die kosmische Sphäre durch eine durchgeistigte Astronomie, werden wit verstehen, wie aus diesen kosmischen Sphären der Christus heruntersteigen konnte auf die Erde und wie er finden konnte auf der Erde den Menschenleib, der mit seinem Blute ihn aufnehmen konnte. Es ist das Geheimnis des Grals, das im Ernste auf diese Weise gesucht werden muß: uns mit dem ganzen Menschen, mit Kopf und Herz auf diesen Weg nach dem spirituellen Jerusalem zu machen. Das ist die Aufgabe der modernen Menschheit. Es ist merkwürdig, wie dasjenige, was geschehen soll, objektiv durch die Sphäre des Daseins webt. Und wenn es nicht in richtiger Weise Empfindung wird, so wird es äußerlich empfunden, wird es äußerlich vermaterialisiert. Wie die Christen zuerst nach Jerusalem gezogen sind, so ziehen jetzt Ansammilungen des jüdischen Volkes nach Jerusalem, damit wiederum eine Phase des Materialismus zum Ausdruck bringend, zeigend, wie dasjenige, was geistig verstanden werden sollte von der modernen Menschheit in allen ihren Teilen, nun doch materialistisch verstanden wird. Aber es muß die Zeit kommen, in der in der richtigen Weise wiederum das Geheimnis des Grals empfunden werden kann. Sie wissen, ich habe es erwähnt in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», ich habe es gewissermaßen in den Text verwebt, der dasjenige ausspricht, was auf diesem Wege der Geisteswissenschaft gesucht werden soll, und ich habe dadurch hingedeutet auf dasjenige, was wir uns erobern müssen als eine Art Bild und Imagination für das, was aber in ernster Geistesanstrengung und mit tiefem menschlichem Fühlen gesucht werden soll eben als der Weg zum Gral.
[ 16 ] This is the European situation, and our situation today remains within this European context. For as long as we understand the true, innermost call of humanity, we are—and must be—seekers of the Holy Grail. Humanity’s aspirations, as they have emerged since the Crusades, must still undergo a transformation, a metamorphosis into the spiritual. We must once again come to such an understanding of the cosmic worlds that we can seek the origin of Christ within them. As long as these cosmic worlds are grasped only through external, physical astronomy, they cannot, of course, be understood as the home of Christ, for from what the astronomer teaches today as the mystery of the heavens—for whose description he has only geometry, mathematics, and mechanics, and for whose observation he has only the telescope—from these heavens Christ could not have descended to Earth to incarnate in the human being Jesus of Nazareth. For this incarnation cannot be understood either if one merely gets to know the human being in the same way that, in order to study him, one takes him out of living life and into the clinic, where one dissects the corpse in order to then form ideas about the living human being from the corpse. The ancients had a living astronomy; they had a living medicine. We must once again seek a living astronomy, a living medicine. Just as a living astronomy will show us a heaven, a cosmos, that is truly permeated by that spirituality from which Christ can descend, so, in turn, revitalized medicine will present the human being to us in such a way that we can grasp him with our knowledge, with our understanding, right down into the mystery of his blood, right into that inner organic sphere where the forces of the etheric body, the astral body, and the “I” are transformed into physical blood. The moment we have grasped the mystery of the blood through true medical knowledge, and the moment we have comprehended the world sphere—the cosmic sphere—through a spiritualized astronomy, we will understand how Christ was able to descend from these cosmic spheres to Earth, and how he was able to find on Earth the human body that could receive him through its blood. This is the mystery of the Grail, which must be sought in earnest in this way: to set out with our whole being—head and heart—on this path toward the spiritual Jerusalem. This is the task of modern humanity. It is remarkable how that which is to come weaves itself objectively through the sphere of existence. And if it is not perceived in the right way, it is perceived externally; it becomes externalized and materialized. Just as the Christians first made their way to Jerusalem, so now groups of the Jewish people are making their way to Jerusalem, thereby once again expressing a phase of materialism and showing how that which should be understood spiritually by modern humanity in all its parts is now, after all, understood materialistically. But the time must come when the mystery of the Grail can once again be sensed in the right way. You know, I mentioned this in my Outline of Esoteric Science; I have, so to speak, woven it into the text that articulates what is to be sought on this path of spiritual science, and through this I have pointed to what we must attain as a kind of image and imagination—but which must be sought through serious spiritual effort and deep human feeling precisely as the path to the Grail.
[ 17 ] Wir wollen morgen wiederum hier darüber weiter reden.
[ 17 ] We'll talk more about this here again tomorrow.
