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The Rudolf Steiner Archive

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Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204

15 April 1921, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Eine Betrachtung, die ich begonnen habe, bevor unser Kursus in Szene gesetzt worden ist, wird erst völlig verständlich werden, wenn wir noch weiter zurückgehen in der Betrachtung der Entwickelung der Menschheit der neueren Geschichte, denn wir haben ja im wesentlichen nur zunächst einige Andeutungen gegeben über die Menschheitsentwickelung im 19. Jahrhundert. Nun wollen wir heute einmal die geistige Entwickelung der Menschheit um einiges weiter zurück verfolgen und zwar zurückweisend auf einen außerordentlich wichtigen Einschnitt in der abendländischen Zivilisationsentwickelung, auf jenen Wendepunkt, der da liegt im 4. nachchristlichen Jahrhundert. In diesem 4. nachchristlichen Jahrhundert taucht ja auf als eine Gestalt, deren Andenken gewissermaßen noch klar geblieben ist für die abendländische Zivilisation, Aurelius Augustinus. In ihm sehen wir eigentlich eine Persönlichkeit, welche in der intensivsten Weise zu kämpfen hat auf der einen Seite mit demjenigen, was herübergekommen ist aus alten Zeiten, was in den ersten Jahrhunderten des Christentums aus einer gewissen alten Weisheit heraus das Christentum zu begründen versuchte, und einem anderen Elemente, demjenigen, das dann zunächst für die abendländische Zivilisation gesiegt hat, das diese ältere Weise ablehnte und sich darauf beschränkte, das Christentum mehr in einer äußerlich materiellen Weise aufzufassen, es nicht zu durchdringen mit Ideen alter Weisheit, sondern einfach es seinem tatsächlichen Gründungsverlaufe nach zu erzählen und es dann, so gut es damals schon ging, intellektuell zu begreifen.

[ 1 ] A line of thought that I began before our course was launched will only become fully understandable if we go even further back in our examination of the development of humanity in recent history, for we have, after all, essentially only provided a few initial insights into human development in the 19th century. Today, let us trace the spiritual development of humanity back a bit further, specifically to an extraordinarily important turning point in the development of Western civilization—that turning point which occurred in the 4th century A.D. In this 4th century A.D., a figure emerges whose memory has, in a sense, remained vivid for Western civilization: Aurelius Augustinus. In him we actually see a figure who had to struggle intensely, on the one hand, with what had come down from ancient times—that which, in the early centuries of Christianity, sought to establish Christianity on the basis of a certain ancient wisdom—and, on the other hand, with an element the one that ultimately prevailed in Western civilization—one that rejected this older way and limited itself to understanding Christianity in a more outwardly material sense, not imbuing it with the ideas of ancient wisdom, but simply recounting its actual founding history and then, as best as was possible at the time, comprehending it intellectually.

[ 2 ] Diese Kämpfe zwischen diesen zwei Richtungen, ich möchte sagen, zwischen der Richtung eines weisheitsvollen Christentums und eines mehr oder weniger nach einem materialistischen Auffassen hin erscheinenden Christentums, diese Kämpfe mußten die Seelen gerade des 4. und des beginnenden 5. Jahrhunderts am intensivsten durchmachen. Und in Augustinus ist eben eine solche Persönlichkeit dem Andenken der Menschheit erhalten geblieben, welche solche Kämpfe durchgemacht hat. Wir müssen uns nur heute darüber völlig klarsein, daß über dasjenige, was eigentlich vor diesem 4.nachchristlichen Jahrhundert lebte, die historischen Dokumente fast völlig irrtümliche Vorstellungen hervorrufen. So klar dies eben liegt seit dem 5. Jahrhundert, so unklar sind eigentlich alle gewöhnlichen Vorstellungen über diejenigen Jahrhunderte, die vorangehen. Wenn wit aber zunächst ins Auge fassen, was eigentlich die meisten wissen könnten aus dieser Zeit vor dem 4. nachchristlichen Jahrhundert, so werden wir auf zwei Gebiete verwiesen, auf ein Gebiet, das mehr ein Gebiet, sagen wir, des Erkennens ist, ein mehr in den Schulen gepflegtes Gebiet, und ein anderes Gebiet, das mehr ein solches des Kultus ist, der Verehrung, des religiösen Elementes. In diese zwei Gebiete ragt allerdings noch etwas sehr Altes aus der Menschheitszivilisation herein; aber in einer gewissermaßen christlichen Umfärbung war dieses Alte nach den beiden Richtungen hin, nach der Weisheitsseite und nach der Kultusseite eben in den ersten vier christlichen Jahrhunderten mehr oder weniger noch vorhanden.

[ 2 ] These struggles between these two currents—I would say, between the current of a wisdom-based Christianity and a Christianity that appears, to a greater or lesser extent, to be based on a materialistic conception—these struggles were felt most intensely by the souls of the 4th century and the early 5th century. And in Augustine, humanity has preserved the memory of precisely such a figure who went through these struggles. We must simply be fully aware today that historical documents convey almost entirely erroneous impressions of what actually existed before the 4th century A.D. As clear as this has been since the 5th century, so unclear are, in fact, all common notions about the centuries that preceded it. But if we first consider what most people might actually know about this period before the 4th century A.D., we are directed to two areas: one that is more a realm of, shall we say, knowledge—an area cultivated primarily in schools—and another that is more a realm of worship, veneration, and the religious element. However, something very ancient from human civilization still extends into these two areas; but in a sort of Christian guise, this ancient element was still more or less present in both directions—toward the side of wisdom and toward the side of worship—during the first four Christian centuries.

[ 3 ] Sehen wir nach der Weisheitsseite hin, so finden wir eine Lehre bewahrt aus früheren Zeiten, die allerdings schon in einem gewissen Sinne ersetzt worden war durch dasjenige, was wir heute das heliozentrische Weltsystem nennen — ich habe darüber in früheren Vorträgen auch hier gesprochen —, aber das doch noch vorhanden war aus älteren astronomischen Lehren heraus und das man nennen könnte eine Art Astronomie, jetzt nicht vom Standpunkt physischer kosmologischer Betrachtung aus. Man ist in sehr alten Zeiten auf diese — nennen wir sie ätherische im Gegensatz zu unserer physischen — Astronomie auf folgende Art gekommen. Man hatte in alten Zeiten durchaus noch ein Bewußtsein davon, daß der Mensch mit seinem Wesen nicht nur der Erde angehört, sondern daß er auch angehört zunächst der kosmischen Nachbarschaft der Erde, dem Planetensystem, und eine alte Weisheit hatte ziemlich konkrete Vorstellungen über diese ätherische Astronomie. Es wurde etwa das Folgende gelehrt. Wenn man dasjenige ins Auge faßt, was mehr die Organisation des oberen Menschen ausmacht — ich bediene mich jetzt derjenigen Ausdrücke, die uns heute geläufig sein sollten —, insofern man seinen Ätherleib betrachtet, so steht der Mensch im Wechselverhältnis mit Saturn, Jupiter und Mars, so daß also hingesehen worden ist auf gewisse Wechselwirkungen zwischen dem oberen Teil des menschlichen Ätherleibes und Saturn, Jupiter und Mars. Dann sagte man sich, derjenige Teil des Menschen, der mehr astralischer Natur ist, der steht wiederum in einer Art von Wechselwirkung mit Venus, mit Merkur und mit dem Mond. Und diejenigen Kräfte, welche den Menschen dann hereinführen in sein irdisches Dasein, welche machen, daß sich diesem Ätherleib ein physischer Leib eingliedert, das sind die Kräfte der Erde. Diejenigen Kräfte aber, welche machen, daß der Mensch nicht aufgeht im irdischen Leben, daß der Mensch gewissermaßen eine Art Ausblick hat vom irdischen Leben hinaus, das sind die Kräfte der Sonne.

[ 2 ] These struggles between these two currents—I would say, between the current of a wisdom-based Christianity and a Christianity that appears, to a greater or lesser extent, to be based on a materialistic conception—these struggles were felt most intensely by the souls of the 4th century and the early 5th century. And in Augustine, humanity has preserved the memory of precisely such a figure who went through these struggles. We must simply be fully aware today that historical documents convey almost entirely erroneous impressions of what actually existed before the 4th century A.D. As clear as this has been since the 5th century, so unclear are, in fact, all common notions about the centuries that preceded it. But if we first consider what most people might actually know about this period before the 4th century A.D., we are directed to two areas: one that is more a realm of, shall we say, knowledge—an area cultivated primarily in schools—and another that is more a realm of worship, veneration, and the religious element. However, something very ancient from human civilization still extends into these two areas; but in a sort of Christian guise, this ancient element was still more or less present in both directions—toward the side of wisdom and toward the side of worship—during the first four Christian centuries.

[ 4 ] Und so sagte man sich: Der Mensch kommt aus unbekannten geistigen Welten, die er durchgemacht hat im präexistenten Leben, und er tritt ein nicht etwa bloß ins irdische Leben, sondern er tritt ein aus außerplanetarischen Welten in das planetarische Leben. Das planetarische Leben nimmt ihn so, wie ich es beschrieben habe, nach Sonne, Mond, Erde, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn auf. In dem Umlaufe des Saturn sah man etwa die Sphäre, in die der Mensch eintritt seinem ätherischen Leibe nach aus dem außerplanetarischen Leben in das planetarische Leben. Und man brachte durchaus dasjenige, was ätherisch ist am Menschen, mit diesem planetarischen Leben in Beziehung. Nur insofern der Ätherleib sich dann auslebt im physischen Leib, brachte man diesen physischen Leib mit der Erde in Beziehung. Insofern der Mensch aber durch sein Ich sich wiederum heraushebt aus ätherischem und astralischem Leib, brachte man das mit der Sonne in Beziehung.

[ 2 ] These struggles between these two currents—I would say, between the current of a wisdom-based Christianity and a Christianity that appears, to a greater or lesser extent, to be based on a materialistic conception—these struggles were felt most intensely by the souls of the 4th century and the early 5th century. And in Augustine, humanity has preserved the memory of precisely such a figure who went through these struggles. We must simply be fully aware today that historical documents convey almost entirely erroneous impressions of what actually existed before the 4th century A.D. As clear as this has been since the 5th century, so unclear are, in fact, all common notions about the centuries that preceded it. But if we first consider what most people might actually know about this period before the 4th century A.D., we are directed to two areas: one that is more a realm of, shall we say, knowledge—an area cultivated primarily in schools—and another that is more a realm of worship, veneration, and the religious element. However, something very ancient from human civilization still extends into these two areas; but in a sort of Christian guise, this ancient element was still more or less present in both directions—toward the side of wisdom and toward the side of worship—during the first four Christian centuries.

[ 5 ] So hatte man eine Art ätherischer Astronomie. Diese ätherische Astronomie hat durchaus auch noch die Möglichkeit gehabt, nicht so bloß auf die physischen Geschicke des Menschen hinzuschauen wie die physische Astronomie; sondern, da man des Menschen Ätherleib, der wiederum mit dem Geistigen des Menschen in einem intimeren Zusammenhange steht, im Wechselverhältnis erblickte mit denselben Kräften des Planetensystems, so hatte man die Möglichkeit, weil ja im Menschen sich aus dem Planetensystem heraus auf dem Umwege dutch den ätherischen Leib die Schicksalskräfte ausleben können, von der menschlichen Konstitution zu reden und in diese menschliche Konstitution die Schicksalsmächte einzubeziehen.

[ 2 ] These struggles between these two currents—I would say, between the current of a wisdom-based Christianity and a Christianity that appears, to a greater or lesser extent, to be based on a materialistic conception—these struggles were felt most intensely by the souls of the 4th century and the early 5th century. And in Augustine, humanity has preserved the memory of precisely such a figure who went through these struggles. We must simply be fully aware today that historical documents convey almost entirely erroneous impressions of what actually existed before the 4th century A.D. As clear as this has been since the 5th century, so unclear are, in fact, all common notions about the centuries that preceded it. But if we first consider what most people might actually know about this period before the 4th century A.D., we are directed to two areas: one that is more a realm of, shall we say, knowledge—an area cultivated primarily in schools—and another that is more a realm of worship, veneration, and the religious element. However, something very ancient from human civilization still extends into these two areas; but in a sort of Christian guise, this ancient element was still more or less present in both directions—toward the side of wisdom and toward the side of worship—during the first four Christian centuries.

[ 6 ] Es war also in dieser Lehre alter Schule, weiche fortgepflanzt wurde, nachdem man schon das heliozentrische System als eine Art esoterisch-physischer Wissenschaft ausgebildet hatte, es war in dieser ätherischen Astronomie eine letzte Weisheitslehre aus alten instinktiven Weisheitsforschungen hervorgegangen, und diese hatte sich als Tradition erhalten. Man redete nicht anders von den Einflüssen des Himmels, als daß man sich sagte: Ja, diese Einflüsse des Himmels sind vorhanden; sie tragen aber nicht bloß die Naturangelegenheiten, sie tragen auch die menschlichen Schicksalskräfte. Und so war durchaus dazumal eine Verbindung zwischen dem, was man nennen könnte die Naturlehre, die Kosmologie, und dem, was dann später übergegangen ist in alles das, was die Leute nun als Astrologisches auffassen, was aber in alten Zeiten einen viel exakteren und auf unmittelbarer Beobachtung ruhenden Charakter hatte.

[ 6 ] Thus, within this teaching of the old school—which had been passed down after the heliocentric system had already been developed into a kind of esoteric-physical science—a final teaching of wisdom had emerged from ancient, instinctive explorations of wisdom, and this had been preserved as a tradition. People spoke of the influences of the heavens in no other way than by saying: Yes, these influences of the heavens exist; but they govern not only natural phenomena, they also govern the forces of human destiny. And so, in those days, there was definitely a connection between what one might call the study of nature—cosmology—and what later evolved into everything that people now regard as astrology, though in ancient times it had a much more precise character based on direct observation.

[ 7 ] Wenn der Mensch dann gewissermaßen auf seinem Weg zur neuen Geburt die Planetensphäre — so dachte man sich das — betreten hat und von ihr seinem ätherischen Leib nach aufgenommen worden ist, so betritt er fernerhin die Erde. Er wird von der Erde aufgenommen. Aber auch da dachte man noch nicht bloß etwa an die feste Erde, sondern auch da dachte man eigentlich an die Erde in ihren Elementen. Man sagte sich: Der Mensch wird außerdem, daß er von der Planetensphäre aufgenommen wird — wodurch er aber ein überirdisches Wesen sein würde, wodurch er dasjenige sein würde, was er eigentlich nur als Seele ist —, als Kind aufgenommen von den Elementen der Erde, von Feuer oder Wärme, von Luft, von Wasser und von der eigentlichen Erde. — Das war erst die eigentliche Erde. Und dadurch, dachte man sich, wird sein Ätherleib von diesem äußeren Elemente so tingiert, so durchtränkt, daß nun in diesem Ätherleib die Temperamente entstehen. So dachte man sich diese Temperamente an den Ätherleib und damit an die Vitalorganisation des Menschen eng gebunden. Man sah also in demjenigen, was eigentlich physisch im Menschen ist, oder wenigstens was durch den physischen Leib sich offenbart, durchaus etwas Geistiges mit in dieser alten Lehre. Und ich möchte sagen, der menschlichste Teil dieser Lehre war dann dasjenige, was zum Beispiel noch deutlich zu sehen ist in der Medizin der damaligen Zeit. Die Arzneimittel, die Heillehre, das war durchaus hervorgegangen aus dieser Anschauung von dem Verhältnis des ätherischen Leibes des Menschen zu dem Planetensystem und außerdem zu dem Eindringen gewissermaßen des ätherischen Menschen in die höheren Sphären, in Luft, Wasser, Wärme, Erde, wodurch sich also in seine Organisation hineinfanden die physischen Abdrücke seiner ätherisch-seelischen Temperamente: schwarze Galle, weiße Galle, die anderen Säfte, Phlegma, Blut und so weiter. Diese Anschauungsweise also, daß in den Säften des Menschen erkannt werden kann das Wesen der menschlichen Konstitution, das war etwas, was in dieser Lehre gang und gäbe war. Man studierte dazumal nicht etwa die einzelnen Organe, die sich zeichnen ließen, sondern man studierte in der Medizin die Säftezusammenmischung, die Säftedurchdringung, und man sah in einem Organ eben ein Ergebnis einer besonderen Säftedurchdtingung. Man sah in dem gesunden Menschen eine bestimmte Art, wie sich die Säfte durchdringen, man sah in dem kranken Menschen eine abnorme Durchdringung der Säfte, so daß man sagen kann: Die Medizin, welche sich aus dieser Lehre ergab, war durchaus begründet auf der Anschauung des wäßrigen menschlichen Organismus, des flüssigen menschlichen Organismus. Was wir heute die Erkenntnis des menschlichen Organismus nennen, das ist ja begründet auf dem festen menschlichen Organismus, auf dem erdigen menschlichen Organismus. In bezug auf die Anschauung vom Menschen ist der Gang der, daß man von einem älteren Durchschauen des flüssigen Menschen übergegangen ist zu einem neueren Durchschauen des festen Menschen mit den scharfen Konturen der Organe.

[ 7 ] Once a person has, so to speak, entered the planetary sphere on their path to a new birth—as was once believed—and has been received by it into their etheric body, they then enter the Earth. They are received by the Earth. But even then, people did not think merely of the solid Earth; rather, they actually thought of the Earth in its elements. People said to themselves: In addition to being received by the planetary sphere—which would make the human being a super-earthly being, which would make him what he is in reality only as a soul—the human being is received as a child by the elements of the Earth: by fire or warmth, by air, by water, and by the Earth itself. — That was the Earth proper. And through this, it was thought, the etheric body is so imbued, so permeated by these external elements that the temperaments now arise within this etheric body. Thus, these temperaments were conceived as closely bound to the etheric body and, through it, to the human vital organization. Thus, in what is actually physical in the human being—or at least what is revealed through the physical body—this ancient teaching saw something thoroughly spiritual. And I would say that the most human aspect of this teaching was what, for example, can still be clearly seen in the medicine of that time. Medicines and the art of healing had definitely emerged from this view of the relationship between the human etheric body and the planetary system, as well as from the etheric human’s penetration, so to speak, into the higher spheres—into air, water, warmth, and earth—through which the physical imprints of his etheric-soul temperaments found their way into his constitution: black bile, white bile, the other humors—phlegm, blood, and so on. This view, then—that the nature of the human constitution could be recognized in the humors—was something that was commonplace in this teaching. At that time, one did not study the individual organs that could be identified, but rather, in medicine, one studied the mixture of humors and the interpenetration of humors, and one viewed an organ simply as the result of a particular interpenetration of humors. In a healthy person, one observed a specific way in which the humors interpenetrated; in a sick person, one observed an abnormal interpenetration of the humors, so that one can say: The medicine that arose from this doctrine was entirely based on the conception of the aqueous human organism, the fluid human organism. What we today call the understanding of the human organism is, after all, based on the solid human organism, on the earthly human organism. With regard to the conception of the human being, the progression has been from an older understanding of the liquid human being to a more recent understanding of the solid human being with the sharp contours of the organs.

[ 8 ] Dieser Gang der medizinischen Lehre geht parallel dem Übergang der alten ätherischen Astronomie zu der modernen physischen Astronomie. Der ätherischen Astronomie entspricht noch im wesentlichen die Medizin des HippoXrates, aber auch noch bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert hinein sind die Leistungen dieser medizinischen Anschauung vorhanden, welche sich auf die Säftemischung des Menschen bezieht, und zwar in einer exakten Weise, nicht wie später in der Tradition. Und indem verdunkelt worden ist diese alte Lehre seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert, und dann heraufgekommen ist mit dem 15. Jahrhundert die physische Astronomie an die Stelle der alten ätherischen Astronomie, ist auch die Pathologie, ist die ganze medizinische Anschauung begründet worden auf der Lehre von dem Festen im Menschen, von dem dutch scharfe Konturen im menschlichen Organismus zu Begrenzenden und Auszudrückenden. Das ist im wesentlichen die Seite der Entwickelung der Menschheit in dem anorganischen Zeitalter.

[ 8 ] This development in medical theory runs parallel to the transition from ancient etheric astronomy to modern physical astronomy. Hippocrates’ medicine essentially corresponds to ethereal astronomy, but even well into the 4th century A.D., the achievements of this medical perspective—which relates to the mixture of humors in the human body—remained evident, and indeed in a precise manner, unlike in later tradition. And just as this ancient teaching was obscured beginning in the 4th century A.D., and then, with the 15th century, physical astronomy emerged to replace the old etheric astronomy, pathology—indeed, the entire medical worldview—came to be based on the doctrine of the solid in the human being, of that which, with sharp contours, delimits and defines the human organism. This is essentially the aspect of human development during the inorganic age.

[ 9 ] Wir können nun aber auch den Blick werfen auf dasjenige, was von jenen Zeiten zurückgeblieben ist an Kulthandlungen, an religiösen Zeremonien. Die religiösen Zeremonien wurden mehr der großen Masse gegeben; dasjenige, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, wurde mehr eben als ein Weisheitsgut der Schule betrachtet. Diejenigen kultischen Verrichtungen, welche sich von Asien herüber nach Europa erstreckt haben und welche durchaus entsprechen als Kultusbestrebungen dieser Anschauung, die ich Ihnen jetzt entwickelt habe, die sind der Mithrasdienst, jener Mithrasdienst, den wir ja durchaus noch in den ersten christlichen Jahrhunderten finden, sich herübererstreckend vom Osten nach dem Westen, den wit verfolgen können den Donauländern entlang bis zu den Rheingegenden, bis nach Frankreich hinein. Dieser Mithrasdienst, den Sie ja seinen äußerlichen Formen nach kennen, läßt sich etwa kurz durch eine Formel dadurch charakterisieren, daß mit dem irdischen und kosmischen Zusammenhange imaginativ bildhaft der Besieger des Mithrasstieres dargestellt worden ist: der Mensch auf dem Stiere reitend und die Stierkräfte besiegend. Man hat heute sehr leicht die Vorstellung, daß sich solche Bilder, die ja alle Kultbilder sind religiöse Versinnbildlichungen, wenn wir so sagen dürfen, die aus den alten Weisheitslehren organisch hervorgegangen sind —, daß sich solche Kultbilder einfach abstrakt-symbolisch aus den alten Weisheitslehren ergeben hätten. Aber es ist eine ganz und gar falsche Vorstellung, wenn man glauben würde, es hätte alte Weisheitslehrer gegeben und die hätten sich hingesetzt und hätten gesagt: Jetzt wollen wir ein Symbol ausdenken; für uns ist die Weisheitslehre, für das dumme Volk müssen wir Symbole ausdenken, die dann zu ihren Kultushandlungen führen können und dergleichen. — Solche Voraussetzungen wären grundfalsch. Eine solche Voraussetzung haben ungefähr die modernen Freimaurer, und die modernen Freimaurer denken ähnlich auch über das Wesen ihrer Symbolik. Aber es ist das nicht die Anschauung der alten Weisheitslehrer gewesen. Die Anschauung der alten Weisheitslehrer, möchte ich Ihnen jetzt gerade an den Beziehungen des Mithrasdienstes zu derjenigen Anschauung, die ich eben entwickelt habe, darlegen. Diejenigen Menschen, die noch eine lebendige Anschauung hatten von diesem Aufgenommenwerden des Menschen durch die planetarische Welt hinsichtlich seines Ätherleibes, von dem Aufgenommenwerden des Menschen dann in die irdische Elementensphäre, Wärme oder Feuer, Luft, Wasser, Erde, und von dem Herausbilden von schwarzer Galle, weißer Galle, Phlegma, Blut aus der Einwirkung dieser Elemente auf die menschliche Ätherwesenheit, diejenigen, die davon eine Ahnung hatten, die konnten sich auch noch eine bedeutsame Frage vorlegen, eine grundbedeutsame Frage. Sie legten sich eine Frage vor, auf die man kommen kann, wenn man wirklich eine imaginative Anschauung hat. Die Antwort auf diese Frage, sie war dazumal eine instinktive imaginative Anschauung, aber man kann sie heute wiederholen mit vollem Bewußtsein. Wenn man sich eine imaginative Anschauung, von diesem Hereingehen des Menschen aus der geistigen Welt durch die Planetensphäre in die irdische Feuer-, Luft-, Wasser-, Erdensphäre, wenn man sich eine solche Vorstellung bildet, da kommt man nämlich dazu, sich zu sagen: Ja, wenn da etwas hereingeht aus der außerplanetarischen Sphäre in die planetarische und in die Erdensphäre und aufgenommen wird von der Erdensphäre, da wird ja gar kein wirklicher Mensch daraus; ich meine, wenn man sich die Vorstellung bildet von dem, was da eigentlich wird, wenn man dasjenige, was man in rein imaginativer Vorstellung erblicken kann außerhalb der Planetensphäre, was da hereingeht und aufgenommen wird von der Planetensphäre, was dann ergriffen wird von dem, was von der Erdensphäre ausgeht, wenn man das als imaginative Anschauung hat, so wird ja kein Mensch daraus. Man kommt nicht zu der Vorstellung des Menschen. Man kommt zu der Vorstellung, die sich am deutlichsten wiedergibt, wenn man nicht einen Menschen sich vorstellt, sondern einen Stier sich vorstellt, ein Rind sich vorstellt. — Es sagten sich die alten Weisheitslehrer: Wenn es nur das gäbe, was da als eine außerplanetarische Wesenheit herunterzieht in diese planetarische Werdesphäre, so lebten auf Erden keine Menschen. Man kommt allerdings, sagten sie sich, wenn man das zunächst betrachtet, dazu, sich diese Vorstellung zu bilden von dem Hereinziehen einer Wesenheit aus der außerplanetarischen in die planetarische und Erdensphäre; aber wenn man nun herausgestalten will ganz plastisch eine imaginative Anschauung aus dem, was man in diesen Vorstellungen hat, da wird es kein Mensch, da wird es ein bloßer Stier. Und wenn man nichts anderes begreift im Menschen als dieses, begreift man im Menschen auch nur das Stierhafte. — Diese Vorstellungen haben die alten Weisheitslehrer sich gebildet, diese Vorstellung war da. Nun sagten sie sich: Also muß der Mensch gegen dieses Stierhafte mit noch einem Höheren ankämpfen. Er muß dasjenige, was diese Weisheit als Anschauung gibt, überwinden. Er ist als Mensch mehr ein Wesen, das bloß aus der außerplanetarischen Sphäre kommt, in die planetarische Sphäre hineinkommt und von den irdischen Elementen ergriffen wird; er hat etwas in sich, was mehr ist.

[ 9 ] But we can now also turn our attention to what remains from those times in terms of ritual practices and religious ceremonies. The religious ceremonies were intended more for the general masses; what I have just explained was regarded more as a body of wisdom belonging to the school. The cultic practices that spread from Asia to Europe—and which correspond entirely, as cultic endeavors, to the view I have just outlined for you—are the cult of Mithras, that Mithraic cult which we indeed still find in the early Christian centuries, spreading from the East to the West—a path we can trace along the Danube region all the way to the Rhine region and into France. This Mithras cult, whose external forms you are familiar with, can be briefly characterized by a formula in which the conqueror of the Mithras bull is depicted imaginatively and pictorially within the context of earthly and cosmic connections: the human being riding the bull and overcoming the bull’s forces. It is very easy today to imagine that such images—which are, after all, all cult images, religious symbolizations, if we may put it that way, that have organically emerged from the ancient wisdom teachings—that such cult images simply arose in an abstract-symbolic way from the ancient wisdom teachings. But it is a completely false notion to believe that there were ancient teachers of wisdom who sat down and said: “Now let’s devise a symbol; for us there is the wisdom teaching, but for the ignorant masses we must devise symbols that can then lead them to their cultic practices and the like.” — Such assumptions would be fundamentally wrong. Modern Freemasons, for example, hold such an assumption, and they think similarly about the nature of their symbolism. But that was not the view of the ancient wisdom teachers. I would now like to explain the view of the ancient wisdom teachers specifically in relation to the Mithraic cult and the perspective I have just outlined. Those people who still had a living understanding of this absorption of the human being by the planetary world with regard to his etheric body, of the human being’s subsequent absorption into the earthly elemental sphere—heat or fire, air, water, earth—and of the formation of black bile, white bile, phlegm, and blood resulting from the influence of these elements on the human etheric being—those who had even a faint inkling of this were also able to pose a significant question to themselves, a question of fundamental importance. They posed a question that one can arrive at when one truly possesses an imaginative insight. The answer to this question was, at that time, an instinctive imaginative insight, but it can be restated today with full consciousness. When one forms an imaginative picture of this entry of the human being from the spiritual world through the planetary sphere into the earthly spheres of fire, air, water, and earth—when one forms such a conception—one comes to say to oneself: Yes, when something enters from the extra-planetary sphere into the planetary sphere and into the earthly sphere and is absorbed by the earthly sphere, it does not actually become a real human being; I mean, if one forms a mental image of what actually comes into being there—if one considers what can be perceived in purely imaginative thought outside the planetary sphere, what enters there and is absorbed by the planetary sphere, and what is then grasped by that which emanates from the earthly sphere—if one has this as an imaginative vision, then no human being results from it. One does not arrive at the concept of a human being. One arrives at the concept that is most clearly reflected not when one imagines a human being, but when one imagines a bull, a cow. — The ancient sages said to themselves: If there were only that which descends as an extraplanetary being into this planetary sphere of becoming, then no human beings would live on Earth. One does, however, they said to themselves, when first considering this, arrive at the idea of a being drawing in from the extraplanetary into the planetary and earthly spheres; but when one now seeks to form a fully three-dimensional, imaginative picture from what one has in these ideas, it does not become a human being—it becomes merely a bull. And if one understands nothing else in the human being but this, one understands in the human being only the bull-like aspect. — The ancient wisdom teachers formed these ideas; this concept existed. Now they said to themselves: Thus, the human being must struggle against this bull-like aspect with something even higher. He must overcome that which this wisdom presents as a vision. As a human being, he is more of a being who comes merely from the extraplanetary sphere, enters the planetary sphere, and is seized by the earthly elements; he has something within him that is more than that.

[ 10 ] Ich möchte sagen, bis zu diesem Begriff kamen diese Weisheitslehrer, und deshalb bildeten sie dann den Stier aus, setzten den Mithras darauf, den kämpfenden Menschen, der den Stier überwindet und der sich sagt: Ich muß einen weit höheren Ursprung haben als denjenigen, den ein solches Wesen hat, welches im Sinne jener alten Weisheitslehre vorgestellt wurde. — Und nun sagten sich diese Lehrer: Diese alte Weisheitslehre enthält allerdings eine Hindeutung auf das, worauf es hier ankommt. Diese alte Weisheitslehre blickt auf in die Planetensphäre zu Saturn, Jupiter, Mars, Merkur, Venus, Mond und so weiter; aber sie sagt auch: Indem der Mensch sich der Erde nähert, wird er fortwährend von der Sonne herausgehoben, daß er nicht aufgehe in dem Irdischen, daß er nicht bloß bleibe dasjenige, was aus der Mischung von schwarzer und weißer Galle, Phlegma und Blut und aus dem Ätherleib hervorgeht, wenn er von der Planetensphäre aufgenommen wird, und wenn der astralische Leib von der anderen Planetensphäre aufgenommen wird durch Merkur, Venus, Mond. Was den Menschen heraushebt, es wohnt in der Sonne. Daher sagten sich diese Lehrer: Machen wir den Menschen aufmerksam auf die in ihm wohnenden Sonnenkräfte, so ist er der Mithras, der den Stier besiegt!

[ 10 ] I would like to say that these teachers of wisdom arrived at this concept, and that is why they then depicted the bull, placed Mithras upon it—the struggling human who overcomes the bull and says to himself: I must have a far higher origin than that of such a being as was conceived in the sense of that ancient wisdom teaching. — And now these teachers said to themselves: This ancient wisdom teaching does indeed contain a hint at what is at stake here. This ancient wisdom teaching looks up toward the planetary sphere of Saturn, Jupiter, Mars, Mercury, Venus, the Moon, and so on; but it also says: As the human being approaches the Earth, he is continually lifted up from the Sun, so that he does not merge into the earthly realm, so that he does not remain merely that which arises from the mixture of black and white bile, phlegm, and blood, and from the etheric body—when he is taken up by the planetary sphere, and when the astral body is taken up by the other planetary sphere through Mercury, Venus, and the Moon. What lifts the human being up dwells in the Sun. Therefore, these teachers said to one another: If we make the human being aware of the solar forces dwelling within him, then he is Mithras, who conquers the bull!

[ 11 ] Das war dann das Kultusbild. Es sollte nicht bloß ein ausgedachtes Symbolum sein, sondern es sollte tatsächlich das Faktum, das kosmologische Faktum geben. Die religiöse Zeremonie war mehr als ein bloßes äußeres Zeichen; sie war etwas, was gewissermaßen herausgeschnitten war aus dem Wesen der Welt selber.

[ 11 ] That, then, was the cult image. It was not meant to be merely a contrived symbol, but was intended to represent the actual fact—the cosmological fact. The religious ceremony was more than a mere outward sign; it was something that was, so to speak, carved out of the very essence of the world itself.

[ 12 ] Dieses Kultartige, das war etwas, was seit sehr alten Zeiten da war, was aus Asien nach Europa herübergebracht worden war. Es war, ich möchte sagen, das Christentum von der einen Seite angesehen, von der äußeren, von der astronomischen Seite angesehen, denn Mithras war die Sonnenktaft im Menschen. Mithras war der Mensch, der sich auflehnte gegen das bloß Planetarische und Irdische. Und nun entstand ein gewisses Bestreben, dessen Ausläufer wir überall wahrnehmen können, wenn wir auf die ersten christlichen Jahrhunderte zurückgehen. Es entstand das Bestreben, die historische Tatsache, das Mysterium von Golgatha zusammenzunehmen mit dem Mithrasdienst. Zahlreich waren in der damaligen Zeit, insbesondere innerhalb der römischen Legionschaft, die Menschen, die dasjenige, was sie in Asien, was sie überhaupt im Oriente erfahren konnten, herübertrugen in die Donauländer bis weit herein nach Mitteleuropa, ja sogar nach Westeuropa. In dem, was sie da als Mithrasdienst herübertrugen, lebten Empfindungen, die, ohne das Mysterium von Golgatha zu reflektieren, durchaus christliche Anschauungen, christliche Empfindungen in sich hatten. Der Mithrasdienst wurde als ein konkreter Dienst betrachtet, der sich bezog auf die Sonnenkräfte im Menschen. Nur wurde noch nicht gesehen in diesem Mithrasdienst, daß mit dem Mysterium von Golgatha diese Sonnenkraft selber heruntergestiegen war als die geistige Wesenheit und sich mit dem Menschen Jesus von Nazareth vereinigt hatte.

[ 12 ] This cult-like phenomenon was something that had existed since very ancient times, something that had been brought over from Asia to Europe. It was, I would say, Christianity viewed from one perspective—the external, astronomical perspective—for Mithras was the power of the sun within the human being. Mithras was the human being who rebelled against the merely planetary and earthly. And now a certain striving arose, the ramifications of which we can perceive everywhere when we look back to the early Christian centuries. There arose the striving to combine the historical fact—the Mystery of Golgotha—with the cult of Mithras. At that time, there were many people—especially among the Roman legions—who brought what they had experienced in Asia, and indeed throughout the Orient, to the lands along the Danube, deep into Central Europe, and even as far as Western Europe. In what they brought back as the Mithras cult, there were feelings that—without reflecting the Mystery of Golgotha—nevertheless contained thoroughly Christian views and Christian feelings. The Mithras cult was regarded as a concrete practice relating to the solar forces within the human being. However, it was not yet recognized within this Mithras cult that, through the Mystery of Golgotha, this solar force itself had descended as a spiritual being and had united with the human being Jesus of Nazareth.

[ 13 ] Und nun gab es — und je weiter wir in den Untersuchungen nach Osten gehen, desto klarer wird es — bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert herein Weisheitsschulen im Osten, welche nach und nach Berichte bekamen, Nachrichten bekamen, Kenntnis bekamen von dem Mysterium von Golgatha, von dem Christus. Sie bemühten sich nun, ein Diktum über die Welt hin zu verbreiten, und es war eine Zeitlang durchaus das Bestreben, in den Mithraskultus hineinzugießen dasjenige, was der übersinnlichen Anschauung entspricht: Der wahre Mithras, das ist der Christus, und Mithras ist sein Vorläufer; man muß hineingießen in diejenigen Kräfte im Menschen, welche den Stier besiegen, die Christus-Kraft. Aus dem Mithrasdienst einen Christus-Dienst zu machen, das ist etwas, was in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bis ins 4. hinein intensiv lebte. Und ich möchte sagen, der Verbreitung des Mithrasdienstes folgte die Strömung, welche nun diesen Mithrasdienst verchristlichen wollte. Eine Synthese wurde angestrebt zwischen dem Christentum und dem Mithrasdienst. Ein altes bedeutsames Bild vom Wesen des Menschen, der auf dem Stier reitende und den Stier besiegende Mithras, sollte in Zusammenhang gebracht werden mit der ChristusWesenheit. Man möchte sagen: Ein ganz glorioses Bestreben bestand in dieser Richtung, und es war in einer gewissen Weise dieses Bestreben stark.

[ 13 ] And now—and the further east we go in our investigations, the clearer it becomes—there were schools of wisdom in the East well into the 4th century A.D. that gradually received reports, news, and knowledge about the Mystery of Golgotha, about Christ. They now endeavored to spread a message throughout the world, and for a time there was a definite effort to infuse into the Mithras cult that which corresponds to supersensible perception: The true Mithras is Christ, and Mithras is his forerunner; one must infuse into those powers within the human being that conquer the bull the power of Christ. Transforming the Mithraic cult into a Christ-centered cult was a movement that flourished intensely in the first centuries after Christ, well into the 4th century. And I would like to say that the spread of the Mithraic cult was followed by a movement that sought to Christianize it. A synthesis was sought between Christianity and the Mithraic cult. An ancient and significant image of the human being—Mithras riding and defeating the bull—was to be brought into connection with the Christ-being. One might say: There was a truly glorious endeavor in this direction, and in a certain sense, this endeavor was powerful.

[ 14 ] Wer nun die Verbreitung des östlichen Christentums, die Verbreitung des Arianismus beobachtet, kann an der Verbreitung des Arianismus wahrnehmen, wie ein Mithraselement in diesem Arianismus drinnen ist, obwohl es schon sehr geschwächt ist. Und jede Übersetzung der Ulfilas-Bibel in die neueren Sprachen bleibt unvollkommen, wenn man nicht weiß, daß in die Termini des Ulfilas, des Wulfila, noch Mithraselemente hineinspielten. Aber wer beachtet denn heute im linguistischen, im sprachlichen Elemente noch diese tieferen Zusammenhänge. In Griechenland gab es bis ins 4. Jahrhundert hinein Philosophen, welche daran arbeiteten, die alte ätherische Astronomie mit dem Christentum in Einklang zu bringen, und daraus entstand jene wahre Gnosis, welche durch das spätere Christentum gründlich ausgerottet worden ist, so daß nur einige Fragmente von den literarischen Proben dieser Gnosis übriggeblieben sind. Was wissen denn die heutigen Menschen, das sagte ich schon neulich, eigentlich über die Gnosis, von der sie in ihrer Torheit sagen, daß unsere Anthroposophie eine Aufwärmung dieser Gnosis sei. Selbst wenn sie es wäre, so könnten es diese Menschen gar nicht wissen, denn sie kennen von der Gnosis eben nur das, was in den abendländischen christlichen kritischen Schriften über die Gnosis steht. Die Zitate kennen sie, welche die Bekämpfer der Gnosis von ihr hinterlassen haben. Von der Gnosis ist ja kaum mehr vorhanden als nur dasjenige, was sich etwa durch folgenden Vergleich ausdrücken läßt: Denken Sie einmal, es gelänge dem Herrn von Gleich, alles auszurotten, was von der anthroposophischen Literatur da ist, und es bliebe nichts anderes als seine Zitate, und dann würde man später einmal konstruieren wollen diese Anthroposophie nach diesen Zitaten, dann würde man im Abendlande ungefähr das Verfahren haben, das man hat mit der Gnosis. Wenn also die Leute sagen, die neuere Anthroposophie ahme die Gnosis nach, so können sie, selbst wenn sie es täte, es ja nicht wissen, denn sie kennen die Gnosis nicht, sie kennen sie ja nur von den Gegnern!

[ 14 ] Anyone who observes the spread of Eastern Christianity—the spread of Arianism—can see in the spread of Arianism how an element of Mithras is present within it, even though it is already greatly weakened. And any translation of the Ulfilas Bible into modern languages remains incomplete unless one recognizes that Mithraic elements were still at play in the terminology used by Ulfilas (Wulfila). But who today still takes these deeper connections into account when considering linguistic elements? In Greece, well into the 4th century, there were philosophers who worked to reconcile the ancient etheric astronomy with Christianity, and from this arose that true Gnosis which was thoroughly eradicated by later Christianity, so that only a few fragments of the literary evidence of this Gnosis remain. What do people today—as I said the other day—actually know about Gnosis, which they foolishly claim our Anthroposophy is merely a rehash of? Even if it were, these people could not possibly know, for all they know of Gnosis is what is written about it in Western Christian critical writings. They are familiar with the quotations that the opponents of Gnosticism have left behind. After all, hardly anything remains of Gnosticism other than what can be expressed, for example, by the following comparison: Just imagine if Mr. von Gleich were to succeed in eradicating all existing anthroposophical literature, leaving nothing but his quotations; and if later on someone were to attempt to reconstruct this anthroposophy based on those quotations, then the approach taken in the West would be roughly the same as that taken with Gnosticism. So when people say that modern anthroposophy imitates Gnosticism, even if it did, they couldn’t possibly know it, because they don’t know Gnosticism—they know it only from its opponents!

[ 15 ] Also in Athen namentlich war bis ins 4. Jahrhundert herein, ja noch länger, eine Weisheitsschule, welche sich bemühte, die alte ätherische Astronomie mit dem Christentum in Einklang zu bringen. Die letzten Reste dieser Anschauung von dem Hereinkommen des Menschen aus höheren Welten durch die Planetensphäre in die Erdensphäre, sie durchglänzen noch die Schriften des Origenes, glänzen noch durch selbst durch die Schriften der griechischen Kirchenväter. Man kann überall sehen, wie das da durchglänzt; und es glänzte namentlich durch die Schriften des wahren Dionysius des Areopagiten. Dieser Dionysius der Areopagite hinterließ ja eine Lehre, die eine reine Synthesis war zwischen der ätherischen Astronomie und demjenigen, was im Christentum lebte: daß sich die gewissermaßen in der Sonne astronomisch oder kosmisch lokalisierten Kräfte in dem Christus durch den Menschen Jesus von Nazareth in die Erdensphäre hineinbegeben haben, und daß damit eine gewisse Beziehung, die vorher nicht vorhanden war, zur Erde entstanden ist in bezug auf alle höheren Hierarchien, die Hierarchien der Engel, die Hierarchien der Weistümer, die Hierarchien der Throne, die Hierarchien der Seraphime und so weiter. Eine Durchdringung dieser Hierarchienlehre mit ätherischer Astronomie, das war es, was beim ursprünglichen Dionysius dem Areopagiten vorhanden war.

[ 15 ] In Athens, in particular, there was a school of wisdom well into the 4th century—and even longer—that sought to reconcile ancient etheric astronomy with Christianity. The last remnants of this view—that human beings come from higher worlds through the planetary sphere into the earthly sphere—still shine through the writings of Origen and even through the writings of the Greek Church Fathers. One can see this shining through everywhere; and it shone particularly brightly through the writings of the true Dionysius the Areopagite. This Dionysius the Areopagite, after all, left behind a teaching that was a pure synthesis between etheric astronomy and what was alive in Christianity: that the forces—which were, so to speak, astronomically or cosmically localized in the Sun—entered the earthly sphere through Christ, via the human being Jesus of Nazareth, and that this created a certain relationship with the Earth—one that had not existed before—in relation to all the higher hierarchies: the hierarchies of the angels, the hierarchies of the Wisdom Beings, the hierarchies of the Thrones, the hierarchies of the Seraphim, and so on. An interweaving of this doctrine of the hierarchies with etheric astronomy—that was what was present in the original Dionysius the Areopagite.

[ 16 ] Im 6. Jahrhundert hat man dann versucht, die Spuren zu verwischen auch der älteren Lehren des Dionysius des Areopagiten, und man hat sie so umgestaltet, daß man darin eigentlich nur noch eine abstrakte Geisteslehre hatte. So wie heute die Lehre des Dionysius des Areopagiten vorliegt, ist sie ja eine Geisteslehre die nicht mehr viel mit ätherischer Astronomie zu tun hat. Und so nennt man ihn dann den Pseudo-Dionysius. Auf diese Weise hat man der Weisheitslehre einen Untergang bereitet, auf der einen Seite, indem man den Dionysius verballhornt hat, und auf der anderen Seite dadurch, daß man jene noch in Athen ganz lebhaft lebendige Lehre, welche die ätherische Astronomie mit dem Christentum vereinigen wollte, ausgerottet hat, und daß man in bezug auf das Kulthafte dann den Mithrasdienst ausgerottet hat.

[ 16 ] In the 6th century, attempts were made to obscure the traces of even the earlier teachings of Dionysius the Areopagite, and they were reworked in such a way that what remained was essentially nothing more than an abstract spiritual doctrine. As the teachings of Dionysius the Areopagite stand today, they are indeed a spiritual doctrine that no longer has much to do with etheric astronomy. And so he is referred to as Pseudo-Dionysius. In this way, the wisdom teachings were doomed to decline: on the one hand, by distorting Dionysius, and on the other hand by eradicating that teaching—which was still very much alive in Athens—that sought to unite etheric astronomy with Christianity, and by eradicating the cult of Mithras.

[ 17 ] Und dann haben ein übriges getan solche Persönlichkeiten wie Konstantin, dessen Taten in späterer Zeit verstärkt wurden dadurch, daß ja der Kaiser Justinian die Athenische Philosophenschule schließen ließ, so daß die letzten Menschen, welche sich damit befaßt haben, die alte ätherische Astronomie mit dem Christentum in Einklang zu bringen, auswandern mußten und in Persien eine Stätte fanden, wo sie wenigstens ihr Leben fortfristen konnten. Justinian hat ja aus demselben Programm heraus, aus dem er die Athenische Philosophieschule schloß, auch den Origenes für einen Ketzer erklären lassen, und er hat die römische Konsulswürde aus demselben Grunde abgeschafft, die ja eigentlich nur noch ein Schattendasein führte, in der man aber doch, selbst als sie nur noch ein Schattendasein führte, eine Art Widerstandskraft suchte gegenüber der _ romanischen Staatsidee, die in der reinen Juristerei aufging. Das alte Menschliche, das man noch mit der Konsulswürde verband, ließ man verschwinden in dem staatlichen Imperialismus des Romanentums.

[ 17 ] And then figures such as Constantine did the rest; his actions were reinforced in later times by the fact that Emperor Justinian had the Athenian School of Philosophy closed, so that the last people who had been engaged in reconciling ancient etheric astronomy with Christianity were forced to emigrate and found a refuge in Persia, where they could at least eke out a living. Indeed, following the same agenda that led him to close the Athenian School of Philosophy, Justinian also had Origen declared a heretic, and he abolished the Roman consulship for the same reason—a consulship that had, in truth, been reduced to a mere shadow of its former self, yet in which, even as it existed only as a shadow, people still sought a kind of resistance against the Roman concept of the state, which had become subsumed into pure jurisprudence. The ancient human element still associated with the office of consul was allowed to disappear into the state imperialism of Roman culture.

[ 18 ] So sehen wir im 4. Jahrhunderte abglimmen, was als Kultusdienst mit dem Menschen näher hätte zusammenbringen können das Christentum, wir sehen abglimmen dasjenige, was als alte Weisheitslehre in einer ätherischen Astronomie sich vereinigen wollte mit der Erkenntnis von der Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Und wir sehen im Westen an dessen Stelle treten dasjenige, was nun schon die Keime des späteren Materialismus in sich trug, der ja erst sich theoretisieren konnte im 15. Jahrhundert, als der fünfte nachatlantische Zeitraum begann, der aber vorbereitet wurde im wesentlichen durch die Vermaterialisierung desjenigen, was noch spirituell aus dem Oriente herübergekommen war.

[ 18 ] Thus, in the 4th century, we see fading away that which, as a form of religious worship, could have brought Christianity closer to humanity; we see fading away that which, as an ancient wisdom teaching, sought to unite within an ethereal astronomy with the understanding of the significance of the Mystery of Golgotha. And in the West, we see taking its place that which already carried within it the seeds of later materialism—a materialism that could only be fully theorized in the 15th century, when the fifth post-Atlantean epoch began, but which was essentially prepared by the materialization of that which had come over from the East in a spiritual form.

[ 19 ] Diesen Gang der europäischen Zivilisation müssen wir durchaus ins Auge fassen. Es wird uns sonst niemals ganz durchsichtig werden, — welches eigentlich die Grundlagen der europäischen Zivilisation sind. Und es wird uns sonst niemals ganz klar werden, wie es eigentlich hat möglich sein können, daß immer wieder und wiederum die Menschen, wenn sie nach dem Orient gezogen sind, starke spirituelle Anregungen aus diesem Orient haben mitnehmen können. Vor allen Dingen war ja durch das ganze erste Mittelalter hindurch ein lebendiger Handelsverkehr von dem Orient an der Donau herauf, gerade jene Wege entlang, die der alte Mithrasdienst, der natürlich im ersten Mittelalter bereits verklungen war, genommen hatte. Die Leute,.die da als Handelsleute nach dem Orient und vom Orient her zogen, haben immer wieder das im Orient gefunden, was dem Christentum vorangegangen war, was aber durchaus schon nach dem Christentum hintendierte. Und wir sehen es ja auch, als die Kreuzfahrer nach dem Oriente zogen, wie sie aus den Resten, die sie noch haben erkennen können im Orient, Anregungen empfangen haben, wie sie altes Weisheitsgut nach Europa gebracht haben. Ich sagte: Mit diesem alten Weisheitsgut war die alte Säftemedizin verknüpft. — Immer wieder brachten die Menschen, die nach dem Orient zogen, auch noch diejenigen, die als Kreuzfahrer oder mit den. Kreuzzügen nach dem Orient zogen und die wiederum nach Europa zurückkamen, immerzu brachten sie auch noch Reste dieser alten Medizin nach Europa. Diese Reste einer alten Medizin wurden überall durch Tradition dann in Europa fortgepflanzt. Einzelne Menschen, die dann zu gleicher Zeit mit ihrer eigenen geistigen Entwickelung ihrer Zeit vorangegangen waren, machten dann merkwürdige Entwickelungen durch, wie die Persönlichkeit, die unter dem Namen des Basilius Valentinus weiterlief.

[ 19 ] We must certainly take this course of European civilization into account. Otherwise, it will never become entirely clear to us what the actual foundations of European civilization are. And otherwise, it will never become entirely clear to us how it could actually have been possible that, time and again, when people journeyed to the East, they were able to bring back powerful spiritual inspirations from that region. Above all, throughout the entire early Middle Ages, there was a lively trade route from the East up the Danube, following precisely those paths that the ancient cult of Mithras—which, of course, had already faded away by the early Middle Ages—had taken. The people who traveled there as merchants to and from the East, found time and again in the East that which had preceded Christianity, yet which was already pointing toward what would follow Christianity. And we see this, too, when the Crusaders journeyed to the East: how they drew inspiration from the remnants they were still able to discern there, and how they brought ancient wisdom back to Europe. I said: This ancient wisdom was linked to the ancient medicine of the humors. — Time and again, the people who traveled to the East—including those who went as Crusaders or with the Crusades to the East and then returned to Europe—continually brought remnants of this ancient medicine back to Europe. These remnants of an ancient medicine were then passed down throughout Europe by tradition. Individuals who, at the same time, had been ahead of their time in their own spiritual development then underwent remarkable transformations, such as the figure known as Basilius Valentinus.

[ 20 ] Was war denn das für eine Persönlichkeit? Es war eine Persönlichkeit, welche unter den Leuten, mit denen sie ihre Jugend verlebt hatte, die Tradition der alten Säftemedizin, zuweilen ganz unverständig, übernommen hatte, in dieser oder jener Andeutung. Bis vor ganz kurzer Zeit — heute ist das schon weniger der Fall — waren in den alten Bauernregeln noch Überreste dieser aus dem Orient durch die Wanderzüge herübergetragenen medizinischen Tradition vorhanden, die eigentlich im Bauerntum sich ablagerten, die dann gehört wurden von denjenigen, die im Bauerntum aufwuchsen; sie waren in der Regel diejenigen, die dann Priester wurden. Namentlich diejenigen, die Mönche wurden, wuchsen aus dem Bauerntum heraus. Sie hatten da dies oder jenes gehört, was aber eben verballhorntes, dekadent gewordenes altes Weisheitsgut war. Sie machten aber eine selbständigere Entwickelung durch. Was man als Entwickelung durchmachte durch die christliche Theologie, war ja bis zum 15., 16. Jahrhundert noch etwas viel Freieres als es später geworden war. Da brachten diese Priester und Mönche allmählich aus ihrer eigenen Geistigkeit heraus eine gewisse Ordnung in die Dinge hinein. Sie dachten nach über das, was sie gehört hatten; aus dem eigenen Genie heraus verbanden sie die Dinge, und so entstanden dann die Schriften, die sich erhalten haben als die Schriften des Basilius Valentinus. Ja, es bildete sich dutch so etwas sogar durchaus noch eine Schule, in der auch Paracelsus und selbst Jakob Böhme lernten. Auch diese nahmen noch das, ich möchte sagen, in der Volksgruppenseele lebende alte medizinische Weisheitsgut auf. Man kann das ja bei Jakob Böhme, wo dieses elementar gilt, auch bei Paracelsus und anderen bemerken, auch wenn man die Schriften nur so äußerlich nimmt. Aber wenn man so etwas nimmt bei Jakob Böhme, wie seine Schrift «De signatura rerum», da wird man in der Art der Darstellung finden, daß das, was ich gesagt habe, da mit Händen zu greifen ist. Es ist das solch ein altes Volksgut, das aber im Grunde genommen in sich verballhorntes Weisheitsgut enthielt. Solch ein altes Volksgut war durchaus noch nicht so abstrakt, wie unsere heutige Wissenschaft es ist, sondern es war da etwas von dem Erfühlen des Objektiven in den Worten. Man fühlte in den Worten. So wie man heute in den Begriffen erkennen will, so fühlte man in den Worten. Man wußte, daß der Mensch die Worte aus dem objektiven Wesen der Welt selber hervorgeholt hat. Das kann man merken, wenn sich Jakob Böhme so viel Mühe gibt, zu fühlen, was eigentlich steckt in der Silbe «Sul», und was wiederum steckt in der Silbe «fur»: Sulfur. Sehen Sie sich an, wie zum Beispiel in «De signatura rerum» Jakob Böhme ringt, ich möchte sagen, um etwas herauszusaugen aus einem inneren Wort, einen inneren Wortextrakt, aus dem Worte Sulfur etwas herauszusaugen, um auf eine Wesenheit zu kommen. Es ist da durchaus das Gefühl vorhanden, daß, wenn man den Extrakt der Worte erlebt, man auf etwas Reales kommt. Es hat sich in älteren Zeiten, so fühlte man, in die Worte dasjenige hineingesetzt, was aufgenommen hat die menschliche Seele, als sie hereingezogen ist aus außerweltlichen Sphären durch die Planetensphäre ins irdische Dasein. Was sie da aber aus ihrem noch Näherstehen der Säftemischung in die Worte hineingelegt hat, wenn das Kind sprechen lernte, das war noch etwas Objektives, es war noch etwas in der Sprache, was wie ein Götterunterricht war, nicht bloß ein menschlicher Unterricht. Und man sieht bei Jakob Böhme dieses schöne Bestreben, das etwa sich so aussprechen läßt, wie wenn er gefühlt hätte: Ich möchte in der Sprache etwas sehen, wo noch hinter den Erscheinungen lebendige Götter in die menschliche Organisation hereinwirken, um in den Menschen die Sprache zu formen und mit der Sprache zugleich ein gewisses Weisheitsgut. Da sehen wir, wie durchaus auch noch in spätere Zeiten sich fortsetzt das alte Weisheitsgut, aber schon aufgenommen vom modernen Denken, das allerdings kaum angedeutet ist bei solchen elementaren Geistern wie Jakob Böhme oder Paracelsus. Und in das prägt sich jetzt hinein dasjenige, was rein intellektualistisch-theoretisch ist, was aus dem physischen Denken des Menschen heraus bloß das Physische ergreift. Wir sehen, wie auf der einen Seite entsteht die rein physische. Astronomie, wie auf der anderen Seite entsteht die rein auf die festbegrenzten Organe des Menschen gerichtete Physiologie und Pathologie, kurz, die ganze medizinische Abschattung. Und so steht allmählich der Mensch da mit einer Welt um sich, die er nur physisch begreift, in der er natürlich als kosmisches Wesen nicht darinnen sein kann. Er begreift an sich nur noch dasjenige, was er durch die Erde geworden ist, denn durch die Erde ist er dieses festbegrenzte physische organische Wesen geworden. Er kann keinen Einklang mehr finden zwischen dem, was ihm vom Kosmos durch die Erkenntnis gegeben wird, durch die physische Astronomie gegeben wird, und demjenigen, was in seiner Gestalt lebt, was allerdings auf etwas anderes weist; aber er wendet den Blick ab von dem, wie diese menschliche Gestalt auf etwas anderes weist. Er verliert schließlich ganz das Bewußtsein, daß sein Aufrichtebestreben und die besondere Art und Weise, wie er aus seinem Organismus heraus die Sprache hat, nicht entstehen können in dem Mithrasstier, sondern erst in dem Mithras. Er will mit alledem sich nicht mehr beschäftigen, denn er segelt dann hinein in den Materialismus. Er muß hineinsegeln in den Materialismus, denn das religiöse Bewußtsein selber hat ja von dem Christentum nur aufgenommen die äußere materielle Erscheinung und diese äußere materielle Erscheinung dogmatisiert, indem man nicht versucht hat, aus irgendeiner Weisheit heraus zu erkennen, wie sich das Mysterium von Golgatha zugetragen hat, sondern indem man versuchte, durch Beschlüsse festzustellen, was die Wahrheit ist.

[ 20 ] What kind of person was she, then? She was someone who, among the people with whom she had spent her youth, had adopted—sometimes quite unwisely—the tradition of ancient juice medicine, in one form or another. Until very recently—though this is less the case today—traces of this medical tradition, which had been carried over from the Orient through migratory movements, were still present in the old farmers’ sayings; these traditions had essentially taken root in peasant culture and were then passed down to those who grew up in that environment—who were, as a rule, the ones who later became priests. In particular, those who became monks came from peasant backgrounds. They had heard this or that there, but it was simply a distorted, decadent remnant of ancient wisdom. However, they underwent a more independent development. The process of development that took place through Christian theology was, after all, still much freer up until the 15th and 16th centuries than it later became. Then, drawing on their own spirituality, these priests and monks gradually brought a certain order to things. They reflected on what they had heard; drawing on their own genius, they connected the various elements, and thus the writings emerged that have been preserved as the works of Basilius Valentinus. Indeed, through this process, a school even took shape in which Paracelsus and even Jakob Böhme studied. They, too, absorbed what I would call the ancient medical wisdom still alive in the soul of the people. One can indeed observe this in Jakob Böhme—where it is particularly evident—as well as in Paracelsus and others, even if one considers their writings only superficially. But if one examines a work by Jakob Böhme such as his treatise De signatura rerum, one will find in the manner of its presentation that what I have said is plain to see. It is such ancient folk heritage, which, however, essentially contained wisdom that had become distorted within itself. Such ancient folk heritage was by no means as abstract as our modern science is; rather, there was a sense of the objective world embedded in the words. People sensed within the words. Just as we seek to recognize things in concepts today, so did people sense within the words. They knew that human beings had drawn the words from the objective essence of the world itself. You can see this when Jakob Böhme goes to such great lengths to sense what is actually contained in the syllable “Sul,” and what, in turn, is contained in the syllable “fur”: Sulfur. Look, for example, at how in De signatura rerum Jakob Böhme struggles—I would say—to extract something from an inner word, an inner essence of the word, to extract something from the word “sulfur” in order to arrive at an essence. There is certainly a sense that, when one experiences the essence of the words, one arrives at something real. In earlier times, so it was felt, that which the human soul had absorbed as it was drawn from otherworldly spheres through the planetary sphere into earthly existence was embedded within the words. But what the human soul, in its closer connection to the mixture of vital forces, placed into the words when the child was learning to speak—that was still something objective; it was still something in language that was like a divine teaching, not merely a human one. And in Jakob Böhme we see this beautiful aspiration, which can be expressed roughly as if he had felt: I would like to see in language something where, even behind the phenomena, living gods still work into the human organism to shape language within the human being and, along with language, a certain treasure of wisdom. There we see how the ancient treasure of wisdom continues even into later times, though now absorbed by modern thought—a thought that is, admittedly, scarcely hinted at in such elemental spirits as Jakob Böhme or Paracelsus. And into this is now imprinted that which is purely intellectual and theoretical—that which, arising from human physical thinking, grasps only the physical. We see how, on the one hand, purely physical astronomy arises, and on the other hand, physiology and pathology—focused exclusively on the human body’s strictly limited organs—in short, the entire medical tradition. And so, gradually, human beings find themselves surrounded by a world they can comprehend only physically—a world in which, as cosmic beings, they naturally cannot exist. They now comprehend, in and of themselves, only that which they have become through the Earth, for it is through the Earth that they have become these strictly limited physical, organic beings. He can no longer find harmony between what is given to him from the cosmos through knowledge—through physical astronomy—and that which lives within his form, which indeed points to something else; but he turns his gaze away from the way in which this human form points to something else. He eventually loses all awareness that his striving for uprightness and the particular way in which he uses language—arising from his organism—cannot originate in the Mithraic bull, but only in Mithras himself. He no longer wishes to concern himself with any of this, for he then sails straight into materialism. He must drift into materialism, for religious consciousness itself has, after all, taken from Christianity only the outer material appearance and dogmatized this outer material appearance—not by attempting to recognize, out of some wisdom, how the Mystery of Golgotha took place, but by attempting to determine what the truth is through decrees.

[ 21 ] So sehen wir den Übergang von der orientalischen alten Gedankenstellung aus der Welterkenntnis heraus zu der besonderen römisch-europäischen Art der Feststellung. Wie wurde im Orient «festgestellt», und wie mußte aus orientalischem instinktivem Anschauen heraus auch etwas über das Mysterium von Golgatha «festgestellt» werden? - Indem man nahm die Erkenntnis, die sich aus der Welt heraus ergeben hatte, indem man hinaufschaute in Sternenwelten, da ergab sich aus der Erkenntnis heraus, wenn sie auch eine instinktive, elementare war, oder sollte sich wenigstensergeben, auch das, was das Mysterium von Golgatha war. Das war der Weg, der im Orient genommen wurde. Dieser Weg wurde vom 5. Jahrhundert an nicht mehr empfunden. Frühere Konzilien schon hatten, indem sie an die Stelle des Asiatischen mehr das Ägyptische gesetzt hatten, darauf hingewiesen, daß man ja nicht auf diese Art ausmachen solle, wie es mit dem Mysterium von Golgatha eigentlich beschaffen ist, sondern daß man durch die Mehrheit der Väter, die auf den Konzilien versammelt sind, entscheiden lassen solle. Es wurde das juristische Prinzip an die Stelle des orientalischen Erkenntnisprinzips gestellt, es wurde die Dogmatik in das Juristische herübergebracht. Man hatte nicht mehr das Gefühl, daß aus dem Weltengewissen heraus über die Wahrheit zu entscheiden ist. Man eignete sich das Gefühl an, daß man auf juristische Art durch Konzilbeschlüsse sagen könne, ob die göttliche und die menschliche Natur in Christus Jesus zwei Naturen oder eine Natur sei und dergleichen. Wir sehen in das innerste Gefüge der abendländischen Zivilisation das Ägyptisch-Romanisch-Juristische einziehen, dasjenige, was heute noch so tief in den Menschen sitzt, die nicht die Neigung haben, entscheiden zu lassen über ihr Verhältnis zur Wahrheit diese Wahrheit, sondern die aus ihren Affekten heraus entscheiden wollen und daher keinen anderen Maßstab für das Festsetzen haben als die Majorität in irgendeiner Form. Davon wollen wir dann morgen noch weiter sprechen.

[ 21 ] Thus we see the transition from the ancient Oriental way of thinking, based on an understanding of the world, to the distinctive Roman-European mode of “determination.” How was something “determined” in the Orient, and how, based on this instinctive Oriental perception, did something about the mystery of Golgotha also have to be “determined”? - By taking the knowledge that had emerged from the world—by looking up into the worlds of the stars—the mystery of Golgotha also emerged from that knowledge, even if it was instinctive and elementary, or at least was supposed to emerge. That was the path taken in the East. From the 5th century onward, this path was no longer followed. Earlier councils, having replaced the Asian approach with the Egyptian one, had already pointed out that one should not determine the true nature of the Mystery of Golgotha in this way, but rather that the decision should be left to the majority of the Fathers gathered at the councils. The legal principle was substituted for the Eastern principle of knowledge; dogmatics was transferred into the realm of law. People no longer felt that the truth should be determined from the conscience of the world. People came to believe that, through council decrees, one could determine in a legal manner whether the divine and human natures in Christ Jesus were two natures or one nature, and so on. We see the Egyptian-Roman-legalistic element making its way into the innermost fabric of Western civilization—that which is still so deeply ingrained today in people who are not inclined to let truth itself determine their relationship to it, but who wish to decide based on their emotions and therefore have no other standard for determination than the majority in some form. We will speak further about this tomorrow.