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The Rudolf Steiner Archive

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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in Their Relationship to the World
GA 205

26 June 1921, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Vorgestern sprachen wir davon, wie etwa ein Grieche derjenigen Zeit, in der noch eine gewisse verinnerlichte Erkenntnis vorhanden war, gedacht haben würde über die Weltanschauung, über das wissenschaftliche Weltbild der Gegenwart, und ich versuchte dann vorzuführen, wie von dem Gesichtspunkt imaginativer Erkenntnis solch ein Grieche dasjenige beschrieben haben würde, was wir gewohnt sind, den menschlichen Ätherleib zu nennen, im Verhältnis zu dem Elemente des Wassers. Ich sagte: Der imaginativen Erkenntnis würde sich ein gewisser Zusammenhang ergeben der gesamten Wasserwirkung, des Wellens und Webens des Wasserelementes, des Strebens nach der Weite, des SichSenkens nach der Erde, und ein Zusammenhang dieser, ich möchte sagen, Kräfteentfaltungen nach der Weite und nach dem Zentrum mit dem Gestalten, mit dem Bilden des pflanzlichen Elementes in seinen einzelnen Formen. Wir kommen da zu einer konkreten Gestaltung des Inhaltes der imaginativen Welt, wenigstens eines Teiles der imaginativen Welt. Praktisch für das menschliche Anschauen ist eine solche Erkenntnis nur zu erlangen, wenn eine Entwickelung angestrebt wird, wie sie eben beschrieben worden ist in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», zum Ziele der imaginativen Erkenntnis.

[ 1 ] The day before yesterday, we discussed how a Greek from a time when a certain kind of inner knowledge still existed might have thought about the worldview—about the scientific worldview of the present day— and I then attempted to demonstrate how, from the standpoint of imaginative insight, such a Greek would have described what we are accustomed to calling the human etheric body in relation to the element of water. I said: Imaginative insight would reveal a certain connection between the overall effect of water—the undulation and weaving of the water element, its striving toward the expanse, its sinking toward the earth—and a connection between these, I might say, manifestations of force—toward the expanse and toward the center—and the shaping, the formation of the plant element in its individual forms. Here we arrive at a concrete shaping of the content of the imaginative world—at least of a part of the imaginative world. In practice, such insight can only be attained through human contemplation if one strives for the kind of development described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, with the goal of imaginative insight.

[ 2 ] Nun würde man aber mit einer solchen Erkenntnis noch immer unbekannt bleiben dem gegenüber, was in der früheren Weltanschauung das Luftelement genannt wurde. Dieses Luftelement, es kann so, wie es zum Beispiel die Alten aufgefaßt haben, nur in sogenannter inspirierter Erkenntnis durchdrungen werden. Sie werden nahekommen dieser inspirierten Erkenntnis, diesem Erleben des Luftelementes, wenn Sie versuchen, sich folgendes klarzumachen. Ich habe schon des öfteren erwähnt, wie heute der Mensch im Grunde genommen recht äußerlich betrachtet wird. Man braucht ja nur sich daran zu erinnern, wie heute anatomische, physiologische Bilder von dem Menschen gemacht werden. Sie werden so gemacht, daß man irgendwelche scharfen Konturen von den inneren Organen hinzeichnet, von Herz, Lunge, Leber. Gewiß, diese scharfen Konturen, diese Grenzlinien von Herz, Lunge, Leber und so weiter, sie haben ja eine gewisse Berechtigung. Allein wir zeichnen mit ihnen den Menschen so, wie wenn er durch und durch ein fester Körper wäre, aber er ist das ja nicht. Der Mensch besteht zum allergeringsten Teile aus festen mineralischen Substanzen. Wenn wir, ich möchte sagen, selbst ein Maximum nehmen, so können wir höchstens acht Prozent als fest im Menschen annehmen; zu zweiundneunzig Prozent ist der Mensch eine Flüssigkeitssäule, ist er gar nicht fest. Das Feste ist nur eingelagert im Menschen. Davon wird sehr wenig Bewußtsein erweckt bei den gegenwärtigen Schülern der Physiologie, der Anatomie und so weiter. Den wässerigen Menschen, den Flüssigkeitsmenschen lernen wir aber nicht kennen, wenn wir ihn so zeichnen mit den festen Grenzen seiner Organe, sondern der Flüssigkeitsmensch ist etwas, was in fortwährender Strömung ist; sein Organismus ist ein fortwährend in sich Bewegliches. Und in diesen Flüssigkeitsorganismus lagert sich ja jetzt der Luftorganismus erst ein. Die Luft strömt ein, verbindet sich mit den Substanzen im Inneren, quirlt sie, wenn ich so sagen darf, auf.

[ 2 ] However, even with such insight, one would still remain unfamiliar with what was called the air element in the earlier worldview. This air element—as the ancients, for example, conceived it—can only be penetrated through what is called inspired insight. You will come close to this inspired insight—this experience of the air element—if you try to grasp the following. I have often mentioned how, today, human beings are essentially viewed from a very external perspective. One need only recall how anatomical and physiological depictions of the human being are made today. They are created by drawing sharp contours around the internal organs—the heart, lungs, and liver. Certainly, these sharp contours, these boundary lines of the heart, lungs, liver, and so on, do have a certain validity. Yet by drawing them, we depict the human being as if he were a solid body through and through—but he is not. The human being consists of only a very small portion of solid mineral substances. If we were to take, so to speak, the maximum possible figure, we could assume at most eight percent of the human body to be solid; ninety-two percent of the human being is a column of fluid—it is not solid at all. The solid components are merely embedded within the human body. Very little awareness of this is awakened in today’s students of physiology, anatomy, and so on. But we do not come to know the watery human, the liquid human, when we draw him with the solid boundaries of his organs; rather, the liquid human is something that is in constant flux; his organism is one that is constantly in motion within itself. And it is into this fluid organism that the air organism is now first incorporated. The air flows in, combines with the substances within, and stirs them up, if I may put it that way.

[ 3 ] Dadurch, daß der Mensch dieses Luftelement in sich hat, bildet er eigentlich eine vollständige Einheit mit der äußeren Welt. Die Luft, die ich jetzt in mir habe, ich habe sie ja vor ganz kurzer Zeit nicht in mir gehabt; sie war draußen. Die Luft, die ich jetzt in mir habe, sie wird nachher wiederum draußen sein. Man kann ja gar nicht davon sprechen, daß der Mensch, wenn wir ihn diesem dritten Elemente, dem Luftelement gemäß betrachten, innerhalb seiner Haut abgeschlossen ist, und erst recht nicht dem Wärme- oder Feuerelement gegenüber. Man kann nicht sagen, daß der Mensch ein abgeschlossenes Wesen ist.

[ 3 ] Because human beings contain this element of air within themselves, they actually form a complete unity with the external world. The air that I now have inside me—I didn’t have it inside me just a moment ago; it was outside. The air that I now have within me will later be outside again. One cannot say at all that human beings—when viewed in relation to this third element, the element of air—are enclosed within their skin, and certainly not in relation to the element of warmth or fire. One cannot say that human beings are self-contained beings.

[ 4 ] Nun stellen wir dem, was wir so als den vollständigen Menschen betrachten, als denjenigen Menschen, der nicht nur organisiert ist im Festen, sondern der organisiert ist im Flüssigen, im Luftförmigen und in dem Elemente der Wärme, in der konfigurierten, ineinander sich bewegenden Wärme, dem stellen wir gegenüber den Menschen, wie er ist, wenn er schlafend mit seiner Seele und mit seinem Geiste außerhalb des Leibes und Ätherleibes ist. Was vom Aufwachen bis zum Einschlafen den Menschen durchseelt und durchgeistet, das ist ja nicht da in der Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Das ist dann in einer andern Welt, die auch durchzogen ist von Gesetzmäßigkeit. Und wir müssen uns jetzt fragen: Von welcher Gesetzmäßigkeit ist die Welt durchzogen, in der sich der Mensch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen befindet? — Wir haben gestern vier Arten von Gesetzmäßigkeiten angegeben: erstens die Gesetzmäßigkeit innerhalb der irdischen Welt, zweitens die Gesetzmäßigkeit innerhalb der kosmischen Welt, drittens die Gesetzmäßigkeit innerhalb der Weltenseele und viertens die Gesetzmäßigkeit innerhalb des Weltengeistes. Wir fragen uns: Wo ist jetzt der Mensch mit seiner Seele und mit seinem Geiste oder mit seinem seelischen Teil und mit seinem Ich zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen? — Nun, eine Überlegung und der Vergleich mit dem, was wir bisher besprochen haben, ergibt Ihnen, daß hier astralischer Leib und Ich sind in der Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, in dem Gebiete der Weltenseele und des Weltengeistes.

[ 4 ] Now let us contrast what we regard as the complete human being—that is, the human being who is organized not only in the solid, but also in the liquid, the gaseous, and the element of warmth, in the configured, intermoving warmth—with the human being as he is when he is asleep, with his soul and spirit outside the physical body and the etheric body. What animates and permeates the human being from waking until falling asleep is, of course, not present in the time between falling asleep and waking up. It is then in another world, which is also permeated by laws. And we must now ask ourselves: By what laws is the world permeated in which the human being finds himself between falling asleep and waking up? — Yesterday we identified four types of laws: first, the laws within the earthly world; second, the laws within the cosmic world; third, the laws within the World Soul; and fourth, the laws within the World Spirit. We ask ourselves: Where is the human being now—with his soul and his spirit, or with his soul-part and his “I”—between falling asleep and waking up? — Well, reflection and comparison with what we have discussed so far will show you that here, between falling asleep and waking up, the astral body and the “I” are in the realm of the World Soul and the World Spirit.

1. Gesetzmäßigkeit innerhalb der irdischen Welt
2. Gesetzmäßigkeit innerhalb der kosmischen Welt
3. Gesetzmäßigkeit innerhalb der Weltenseele +
4. Gesetzmäßigkeit innerhalb des Weltengeistes = Astr. Leib, Ich

1. Laws within the earthly world
2. Laws within the cosmic world
3. Laws within the World Soul +
4. Laws within the World Spirit = Astral Body, I

[ 5 ] >Und wir müssen ganz ernst nehmen, was wir vorgestern erwähnt haben, daß wir ja mit den beiden ersten Welten, mit der irdischen und der kosmischen Welt, das gesamte Gebiet des Raumes erschöpft haben. Wir kommen also, indem wir diese Gebiete betreten, schon außerhalb der Gebiete der Räumlichkeit. Das ist etwas, was wir uns immer klarer vor die Seele stellen müssen: Jedes Schlafen führt den Menschen nicht nur, wie man oftmals sagt, außerhalb seines physischen Leibes, sondern es führt ihn außerhalb des gewöhnlichen Raumes. Es führt ihn in eine Welt, die überhaupt nicht verwechselt werden darf mit der Welt, die sinnlich angeschaut werden kann. Aus dieser Welt heraus ist aber alle Gesetzmäßigkeit, welche zugrunde liegt dem rhythmischen Menschen, jenem Menschen, der sein Flüssigkeitselement und auch sein Luftelement mit Rhythmus durchorganisiert. Der Rhythmus erscheint im Raume, aber der Quell des Rhythmus, die Gesetzmäßigkeit, welche den Rhythmus hervorbringt, die strömt in jedem Punkte des Raumes aus außerräumlichen Tiefen hervor. Die wird überall reguliert von einer realen Welt, die jenseits des Sinnesraumes ist. Und stehen wir gegenüber jenem wunderbaren Wechselspiel, das sich abspielt im innermenschlichen Rhythmus durch die Atemzüge und durch den Puls, dann nehmen wir eigentlich in diesem Rhythmus etwas wahr, was aus geistigen, außerräumlichen Untergründen hereinreguliert wird in die Welt, in der sich der Mensch auch als physischer Mensch befindet. Wir können gar nicht das Element des Luftartigen verstehen, wenn wir nicht zu einem solchen konkreten Verstehen der rhythmischen Äußerung des Menschen innerhalb dieses Luftartigen kommen können.

[ 5 ] >And we must take very seriously what we mentioned the day before yesterday: that with the first two worlds—the earthly and the cosmic worlds—we have exhausted the entire realm of space. So, by entering these realms, we are already stepping outside the realms of spatiality. This is something we must bring ever more clearly before our souls: Every act of sleeping leads a person not only, as is often said, outside their physical body, but it also leads them outside ordinary space. It leads them into a world that must not be confused in any way with the world that can be perceived by the senses. Yet it is from this world that all the laws underlying the rhythmic human being—that human being who organizes both their fluid element and their air element through rhythm—originate. Rhythm appears in space, but the source of rhythm—the law that gives rise to it—flows forth at every point in space from depths beyond space itself. It is regulated everywhere by a real world that lies beyond the realm of the senses. And when we stand before that wondrous interplay that takes place in the inner human rhythm through the breaths and the pulse, we actually perceive in this rhythm something that is regulated from spiritual, extra-spatial depths into the world in which the human being also exists as a physical being. We cannot possibly understand the element of air unless we can arrive at such a concrete understanding of the human being’s rhythmic expression within this element of air.

[ 6 ] Wenn man noch mit der Imagination dasjenige erfaßt, was ich Ihnen vorgestern beschrieben habe, das Weben und Wesen der pflanzlichen Welt und das damit parallel gehende Weben und Wesen des menschlichen Ätherleibes, dann ist man noch in der Welt, in der man sonst auch ist; man muß sich nur erdentrückt denken, gewissermaßen hinausergossen in den ganzen Kosmos. Aber geht man über zu dem Luftelemente, dann muß man sich herausversetzen aus dem Raum, dann muß man die Möglichkeit haben, in einer Welt sich zu wissen, die nun nicht mehr räumlich ist, sondern nur noch zeitlich, in der nur noch das Zeitliche eine gewisse Bedeutung hat. In Zeiten, in denen man solche Dinge lebendig angeschaut hat, sah man das, was solchen Welten angehört, auch in einer solchen Weise an, daß man das Hineinspielen des Geistigen in die menschliche Betätigung auf dem Umwege durch den Rhythmus wirklich sah. Und ich habe aufmerksam darauf gemacht, wie der Grieche der griechischen Urzeit herausgegliedert hat den Hexameter: drei Pulsschläge mit der Zäsur, was einen Atemzug gibt, weitere drei Pulsschläge mit der Zäsur oder mit dem Ende des Verses gibt den vollen Hexameter: in zwei Atemzügen die entsprechenden acht Pulsschläge. Das Zusammenklingen der Pulsschläge mit der Atmung, es wurde kunstvoll gestaltet beim Rezitativ des griechischen Hexameters. Wie, man möchte sagen, die geistig-übersinnliche Welt den Menschen durchrieselt, wie sie hereinrieselt in die Blutzirkulation, in den Blutrhythmus und sich synthetisiert, vier Pulsschläge, vier Pulsrhythmen zu einem Atmungsrhythmus, das wurde wiedergegeben in jener Sprachgestaltung, die der Hexameter ist. Alle ursprünglichen Bestrebungen, Verse zu bauen, sind hervorgeholt aus dieser rhythmischen Organisation des Menschen.

[ 6 ] If one uses one’s imagination to grasp what I described to you the day before yesterday—the interweaving and nature of the plant world and the parallel interweaving and nature of the human etheric body—then one is still in the world in which one normally finds oneself; one need only imagine oneself detached from the earth, as it were, poured out into the entire cosmos. But when one moves on to the element of air, one must remove oneself from space; one must be able to know oneself to be in a world that is no longer spatial but only temporal, in which only the temporal has any significance. In times when people viewed such things vividly, they perceived what belongs to such worlds in such a way that they truly saw the spiritual’s interplay in human activity, indirectly through rhythm. And I have drawn attention to how the ancient Greeks structured the hexameter: three heartbeats with a caesura, which constitutes one breath; another three heartbeats with a caesura or with the end of the verse make up the full hexameter: the corresponding eight heartbeats in two breaths. The interplay of the pulse beats with breathing was artfully shaped in the recitative of the Greek hexameter. It is as if, one might say, the spiritual-supernatural world trickles through the human being, as if it trickles into the blood circulation, into the rhythm of the blood, and synthesizes itself—four heartbeats, four rhythmic pulses—into a breathing rhythm; this was reflected in that form of speech known as the hexameter. All original endeavors to construct verses are drawn from this rhythmic organization of the human being.

[ 7 ] Real wird für den Menschen selbst die Welt, aus der dieses rhythmische Sich-Betätigen kommt, erst dann, wenn der Mensch schlafend bewußt wird. Die Tätigkeit, in der der Mensch dann schlafend, aber bewußt lebt, spielt eben in seinen Rhythmus herein. Was da zugrunde liegt, bleibt unbewußt dem gewöhnlichen Alltagsbewußtsein und erst recht dem gewöhnlichen heutigen wissenschaftlichen Bewußtsein. Wird das aber bewußt, dann tritt nicht nur dasjenige auf vor dem Menschen, was ich gestern beschrieb, die wogende, webende, wellende Pflanzenwelt, sondern dann tritt etwas auf, was jetzt nicht Bilder der gewöhnlichen Tierwelt sind, denn die wären räumlich, sondern es tritt auf ein deutliches Bewußtsein — das aber nur außerhalb des Leibes, nicht innerhalb des Leibes auftreten kann —, welches zum Inhalte hat die konkreten Bilder, aus denen sich dann die Gestalten der Tiere im Raume bilden. Geradeso wie unsere menschliche rhythmische Tätigkeit hereinsprudelt aus dem Außerräumlichen, so sprudeln herein aus dem Außerräumlichen die Gestalten, die dann in den verschiedenen Tieren sich organisieren.

[ 7 ] The world from which this rhythmic activity arises only becomes real for human beings when they become conscious while asleep. The activity in which a person then lives—asleep yet conscious—is precisely what shapes their rhythm. What underlies this remains unconscious to ordinary everyday consciousness and, even more so, to ordinary contemporary scientific consciousness. But when this becomes conscious, then not only does what I described yesterday—the undulating, weaving, billowing plant world—appear before the human being, but something else also appears: not images of the ordinary animal world—for those would be spatial—but rather a distinct consciousness — which, however, can arise only outside the body, not within it — whose content consists of the concrete images from which the forms of the animals then take shape in space. Just as our human rhythmic activity bubbles in from outside of space, so do the forms bubble in from outside of space, which then organize themselves into the various animals.

[ 8 ] Das erste, was erlebt wird, wenn man bewußt jenen Zustand durchmacht, der sonst unbewußt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen durchgemacht wird, was man da erlebt, indem man untertaucht in diese Welt, die der Quell unseres Rhythmus ist, das ist, daß einem die tierische Welt in ihren Formen verständlich wird. Die Tierwelt kann nicht in ihren Formen erklärt werden aus äußeren physischen Grundlagen, Kräften. Wenn die Zoologen oder Morphologen glauben, die Löwenform, die Tigerform, die Schmetterlingsform, die Käferform aus irgend etwas erklären zu können, was hier im physischen Raume zu finden ist, so täuschen sie sich sehr. Es ist das, woraus die Formen der Tiere zu erklären sind, nicht aus irgend etwas zu erklären, was hier im physischen Raume zu finden ist. Man trifft es an auf die Weise, wie ich es jetzt beschrieben habe, wenn man eben in die dritte der Gesetzmäßigkeiten hineinkommt, in die Gesetzmäßigkeiten der Weltenseele.

[ 8 ] The first thing one experiences when consciously going through that state—which is otherwise experienced unconsciously between falling asleep and waking up—is that, as one immerses oneself in this world, which is the source of our rhythm, the animal world becomes understandable in its forms. The animal world cannot be explained in terms of its forms by reference to external physical principles or forces. If zoologists or morphologists believe they can explain the form of the lion, the tiger, the butterfly, or the beetle based on something found here in physical space, they are greatly mistaken. It is from this that the forms of animals are to be explained, not from anything to be found here in physical space. One encounters it in the way I have just described when one enters into the third of the laws, the laws of the world soul.

[ 9 ] Und ich möchte jetzt wiederum zurückverweisen auf den Griechen, den ich ja vorgestern in ein Gespräch gebracht habe mit dem modernen Gelehrten, der alles weiß; das heißt, er gibt ja zuweilen zu, daß er nicht alles weiß, aber er prätendiert, daß auf seine Art mindestens alles erklärt werden müsse. Der Grieche würde sagen: Auf deine Art kann überhaupt nichts erklärt werden, denn ich habe davon gehört, daß du so etwas hast wie eine Logik. Da zählst du allerlei abstrakte Begriffsformen, Kategorien auf, Sein, Werden, Haben und so weiter. Diese Logik ist etwas, was eine Gesetzmäßigkeit der Begriffe, der Ideen darstellen soll. Ja, aber diese abstrakte Logik — ich denke jetzt an einen Griechen der vorsokratischen Zeit, an einen Griechen derjenigen Zeit, aus der dann die Philosophien des Thales, des Heraklit, des Anaxagoras hervorgegangen sind, die ja äußerlich nur zum Teil erhalten sind —, das, was ihr die Logik nennt — würde ein solcher Grieche sagen —, das hat ja erst ein Mensch gemacht, der eigentlich nicht mehr viel gewußt hat von den Geheimnissen der Welt. Das hat erst Aristoteles gemacht, nachdem er gründlich seinen Philisterverstand auf den Platonismus angewendet hat. Gewiß, Aristoteles ist ein großer Mann, aber eben ein großer Philister, der die wirkliche Logik ganz korrumpiert hat, der die wirkliche Logik zu einem Gespinst gemacht hat, das sich zur Realität verhält, wie eben etwas ganz dünn gesponnenes Wesenloses zu etwas dicht Realem. Und die wirkliche Logik — würde ein Grieche dieser Zeit sagen, der eben in seiner Art ein Wissenschafter gewesen wäre — umfaßt diejenigen Formen, die in der Tierwelt äußerlich-räumlich werden, und die man findet, wenn man bewußt wird zwischen Einschlafen und Aufwachen. Das ist Logik, das ist der reale Inhalt des logischen Bewußtseins.

[ 9 ] And now I would like to refer once again to the Greek whom I brought into a conversation the day before yesterday with the modern scholar who knows everything; that is to say, he does occasionally admit that he does not know everything, but he claims that, at least in his own way, everything must be explained. The Greek would say: Nothing at all can be explained in your way, for I have heard that you have something like a logic. In it, you list all sorts of abstract conceptual forms, categories—Being, Becoming, Having, and so on. This logic is something that is supposed to represent a regularity of concepts, of ideas. Yes, but this abstract logic—I’m thinking now of a Greek from the pre-Socratic period, a Greek from the time out of which the philosophies of Thales, Heraclitus, and Anaxagoras emerged, which, after all, have been preserved only in part—what you call logic—such a Greek would say— was actually created by a man who, in truth, no longer knew much about the mysteries of the world. It was Aristotle who first created it, after he had thoroughly applied his philistine intellect to Platonism. Certainly, Aristotle is a great man, but he is also a great philistine who completely corrupted true logic, who turned true logic into a web that relates to reality just as something very thinly spun and insubstantial relates to something densely real. And true logic—as a Greek of that time, who would have been a scientist in his own way, would say—encompasses those forms that become outwardly spatial in the animal world, and which one encounters when one becomes conscious between falling asleep and waking up. That is logic; that is the real content of logical consciousness.

[ 10 ] In der Tierwelt ist eben nichts anderes vorhanden als das, was im Menschen auch vorhanden ist, aber im Menschen ist es vergeistigt, und so kann er denken, so kann er die logischen Formen denken, die in der äußeren Welt in den Raum schießen und Tiere werden. Es ist schon so: Wenn wir zwischen dem Aufwachen und Einschlafen im gewöhnlichen Bewußtsein unsere Begriffsformen wälzen, die eine Begriffsform mit der andern verbinden, dann tun wir in ideeller Beziehung dasselbe, was die Außenwelt tut, indem sie die verschiedenen Formen des Getieres gestaltet. Geradeso wie man sein Ätherisches betrachtet, wenn man den Blick wendet auf die Pflanzen und diese Pflanzenwelt sich eingebettet denkt in das Element des Wassers, geradeso begreift man die eigene Seelenwelt — meinetwillen kann sie die Astralwelt genannt werden —, wenn man mit diesem lebendigen Weben, das bewußt wird dem Bewußtsein zwischen Einschlafen und Aufwachen, sich durchdringt und das äußere Gestalten der Tierwelt versteht. Man muß sich dann das eigene Gestalten der ideellen Welt eingesponnen denken in den Rhythmus des luftigen Elementes.

[ 10 ] In the animal world, there is nothing other than what also exists in human beings, but in human beings it is spiritualized, and so they can think—they can conceive of the logical forms that shoot out into space in the external world and become animals. It is indeed true: When, between waking and falling asleep, we turn over our conceptual forms in ordinary consciousness—connecting one conceptual form with another—we are doing, in an ideal sense, the same thing that the external world does when it shapes the various forms of animals. Just as one contemplates one’s own etheric body when turning one’s gaze to the plants and imagining this plant world embedded in the element of water, so too does one comprehend one’s own soul world — for my part, it may be called the astral world — when one becomes imbued with this living weaving, which becomes conscious to the mind between falling asleep and waking up, and understands the outer shaping of the animal world. One must then imagine one’s own shaping of the ideal world woven into the rhythm of the airy element.

[ 11 ] Sie können sich ja eine ganz konkrete Vorstellung machen aus mancherlei, das ich Ihnen über den Menschen angedeutet habe. Nehmen Sie den Vorgang ganz konkret: Sie atmen ein, die Luft geht die Ihnen bekannten Wege durch die Lunge. Dadurch aber, daß Sie eingeatmet haben, schlägt in den Raum, in dem das Rückenmark, aber auch die Rückenmarksflüssigkeit eingebettet ist, die Einatmungsluft hinein; durch den Arachnoidealraum wird dieses Wasser, das das Rückenmark umgibt, gegen das Gehirn hin rhythmisch geworfen. Das Gehirnwasser kommt in Tätigkeit. Diese Tätigkeit, in die das Gehirnwasser kommt, das ist die Tätigkeit des Gedankens. In Wirklichkeit wellt der Gedanke auf dem Atemzuge, der sich dem Gehirnwasser überträgt, und dieses Gehirnwasser, in dem das Gehirn schwimmt, das überträgt seinen rhythmischen Schlag nun auf das Gehirn selbst. Im Gehirn leben die Eindrücke der Sinne, die Eindrücke der Augen, der Ohren durch die Nerven-Sinnesbetätigung. Mit dem, was da von den Sinnen her im Gehirn lebt, schlägt der Atemrhythmus zusammen, und in diesem Zusammenschlagen entwickelt sich jenes Wechselspiel zwischen Sinnesempfinden und jener Gedankentätigkeit, jener formalen Gedankentätigkeit, die äußerlich in den Tierformen ihr Leben hat, und die dasjenige ist, was der Atmungsrhythmus bewirkt, indem er sich unserem Gehirnwasser im Arachnoidealraum mitteilt und dann dasjenige umspielt, was im Gehirn durch die Sinne lebt. Da lebt alles dasjenige drinnen, was nun ideell in uns zur Tätigkeit gelangt aus dem Rhythmus heraus.

[ 11 ] You can form a very concrete picture based on the various things I have hinted at regarding human beings. Consider the process in very concrete terms: You inhale; the air travels through the lungs along the pathways you are familiar with. But because you have inhaled, the inhaled air surges into the space in which the spinal cord—and also the cerebrospinal fluid—is embedded; through the subarachnoid space, this fluid, which surrounds the spinal cord, is rhythmically propelled toward the brain. The cerebrospinal fluid becomes active. This activity in which the cerebrospinal fluid engages is the activity of thought. In reality, thought surges on the breath, which is transmitted to the cerebrospinal fluid, and this cerebrospinal fluid—in which the brain floats—now transmits its rhythmic pulsation to the brain itself. The impressions of the senses—the impressions from the eyes and ears—live in the brain through sensory-nervous activity. The rhythm of the breath synchronizes with what lives in the brain from the senses, and in this convergence, that interplay develops between sensory perception and that thought activity—that formal thought activity—which finds its life externally in animal forms, and which is brought about by the respiratory rhythm as it communicates itself to our cerebrospinal fluid in the arachnoid space and then surrounds what lives in the brain through the senses. Everything that now comes to life within us as an ideal activity arising from the rhythm lives there.

[ 12 ] Das ist das Wesentliche, daß Sie versuchen, allmählich einzudringen in die Art, wie das Geistige hereinspielt in die physisch-sinnliche Welt. Das ist gerade der große Kulturschaden unserer Zeit, daß wir eine Wissenschaft haben, die zum Geiste in abstrakten Formen, in rein intellektualistischen Formen gelangt, während das Geistige begriffen werden muß in seinem schöpferischen Elemente, sonst bleibt die materielle Welt wie ein Hartes, Unbezwungenes außerhalb des Geistigen da. Wir müssen hineinschauen, wie dieses Element der dritten und vierten Gesetzmäßigkeit ganz konkret hereinspielt in das, was wir selber ausführen.

[ 12 ] That is the essential point: that you try to gradually gain insight into the way the spiritual interplays with the physical-sensory world. This is precisely the great cultural harm of our time: that we have a science which approaches the spiritual in abstract forms, in purely intellectual forms, whereas the spiritual must be understood in its creative element; otherwise, the material world remains like something hard and unconquered, standing outside the spiritual. We must look into how this element of the third and fourth laws plays a very concrete role in what we ourselves carry out.

[ 13 ] Es gehört zu dem Wunderbarsten, was wir da gewahr werden, wenn wir den eigentlichen inneren Grund dessen kennenlernen, was sich mit jedem Atemzug vollziehen kann; was sich nicht vollzieht, sondern vollziehen kann, indem die Einatmung heraufspielt ins Gehirnwasser. Nun kommt der Rückschlag: Das Gehirnwasser wird wiederum durch den Arachnoidealraum heruntergedrängt, und dann kommt es zur Ausatmung. Das ist dann wieder ein Hingeben an die Welt, das ist ein Zusammengehen mit der Welt. Aber in diesem Ich-Werden — Zusammengehen mit der Welt — Ich-Werden — Zusammengehen mit der Welt, darin liegt im wesentlichen dasjenige, was sich im Atmungsrhythmus ausdrückt.

[ 13 ] It is one of the most wondrous things we come to realize when we learn the true inner reason behind what can take place with every breath—not what actually takes place, but what can take place as the inhalation flows upward into the cerebrospinal fluid. Now comes the reverse movement: The cerebrospinal fluid is in turn pushed down through the arachnoid space, and then exhalation occurs. This is once again a surrender to the world; it is a merging with the world. But in this becoming-self—merging with the world—becoming-self—merging with the world—therein lies, in essence, that which is expressed in the rhythm of breathing.

[ 14 ] So muß man reden, wenn man von jener Wirklichkeit redet, die gemeint ist mit dem Elemente der Luft, während Erde eben alles das umfaßt, was in unseren etlichen siebzig chemischen Elementen enthalten ist. Sie sehen ja: Das, was Leichnam wird, ist der Gesetzmäßigkeit der zweiundsiebzig Elemente unterworfen. Dasjenige aber, was diesen Leichnam zunächst in Regsamkeit bringt, so daß er wächst, daß er verdauen kann, das ist aus dem Kosmos hereingeströmt. Was diesen Organismus durchdringt, so daß er nicht nur wächst, nicht nur verdauen kann, sondern daß er immerzu in rhythmischer Tätigkeit sich entfaltet, in Puls- und Atmungsrhythmus, das kommt aus einer außerräumlichen Welt. Und wir studieren diese außerräumliche Welt ebenso im Luftelemente, denn da offenbart sie sich, wie wir die kosmische, nicht die irdische Welt, im Wasserelemente studieren, denn da offenbart sie sich. Und was sie für den heutigen Chemiker, für den heutigen Phyisker offenbart, das kommt nur aus dem in sich differenzierten Erdenelemente.

[ 14 ] This is how one must speak when referring to the reality meant by the element of air, whereas earth encompasses everything contained in our seventy-odd chemical elements. As you can see, what becomes a physical body is subject to the laws governing the seventy-two elements. But that which initially brings this physical body to life, so that it grows and can digest, has flowed in from the cosmos. What permeates this organism, so that it not only grows and can digest, but also continually unfolds in rhythmic activity—in the rhythms of the pulse and respiration—comes from a world beyond space. And we study this extra-spatial world just as we study the cosmic—not the earthly—world in the element of air, for that is where it reveals itself, just as we study it in the element of water, for that is where it reveals itself. And what it reveals to today’s chemist and physicist comes solely from the internally differentiated element of earth.

[ 15 ] Wir können dann auch den Übergang finden zu dem Wärme- oder Feuerelemente; aber das ist eigentlich nur möglich in einem Momente, der sich praktisch für den Menschen ergibt, wenn er die Fähigkeit erlangt hat, nicht nur bewußt aus seinem Leibe herauszugehen, sondern mit diesem Bewußtsein in die andern Wesen unterzutauchen. Das ist ein Unterschied. Man kann lange die Fähigkeit haben, aus seinem Leibe herauszugehen, wenn noch etwas Egoismus zurückgeblieben ist gegenüber der Welt, so kann man zwar alles das auffassen, wovon ich bis jetzt gesprochen habe, aber man kann nicht in diese äußere Welt wirklich untertauchen, man kann sich ihr nicht hingeben. Kommen solche Elemente einer wirklichen übersinnlichen Liebe hinzu, eines Untertauchens in diejenige Welt, in der man lebt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, dann erst lernt man eigentlich praktisch das Element der Wärme oder des Feuers kennen. Und dann lernt man im Grunde genommen erst kennen das wahre Wesen des Menschen. Denn was äußerlich durch die Sinne angesehen wird, das ist ja zunächst nur ein Scheinbild des Menschen, das ist der Mensch von der andern Seite, von der Seite des Scheines.

[ 15 ] We can then also find the transition to the elements of warmth or fire; but this is actually only possible at a moment that arises practically for the human being when he has attained the ability not only to step out of his body consciously, but also to immerse himself in other beings with this consciousness. That is a difference. One may have had the ability to step out of one’s body for a long time; yet if even a trace of selfishness remains toward the world, one may indeed grasp everything I have spoken of so far, but one cannot truly immerse oneself in this outer world—one cannot surrender to it. When elements of true supersensible love are added—an immersion into that world in which one lives between falling asleep and waking up—only then does one actually come to know, in a practical sense, the element of warmth or fire. And only then does one truly come to know the true nature of the human being. For what is perceived externally through the senses is, after all, at first only a mere illusion of the human being; it is the human being from the other side, from the side of appearance.

[ 16 ] Steigt man auf zu dem Elemente des Wassers, so zerfließt einem ja zunächst die ätherische Wesenheit des Menschen. Sie wird, ich möchte sagen, zu einem Miniaturbild von Winter, Sommer, Herbst und so weiter. Kommt man zu dem Elemente der Luft, dann gewahrt man ein rhythmisches Sich-Bewegen. Den geschlossenen Menschen, den Menschen, wie er als ewiger Mensch ist, den lernt man nur kennen innerhalb des Elementes der Wärme. Da schließt sich wiederum alles zusammen, schließen sich zusammen jene Bewegungen und Webungen des Wasserelementes und die Rhythmen und Rhythmisierungen des Luftelementes. Sie gleichen sich aus, sie harmonisieren sich und entharmonisieren sich im Wärmeelemente, im Feuerelemente, und da kann man das wirkliche Wesen des Menschen kennenlernen. Da ist man eigentlich erst wirklich in dem vierten, in der Gesetzmäßigkeit des Weltengeistes darinnen.

[ 16 ] When one ascends to the element of water, the ethereal essence of the human being initially dissolves. It becomes, I might say, a miniature image of winter, summer, autumn, and so on. When one reaches the element of air, one perceives a rhythmic movement. The complete human being—the human being as an eternal being—can only be known within the element of warmth. There, everything comes together again: the movements and interweavings of the water element and the rhythms and rhythmic patterns of the air element merge. They balance each other out, they harmonize and become disharmonious within the element of warmth, within the element of fire, and there one can come to know the true nature of the human being. It is only there that one is truly within the fourth, within the laws of the World Spirit.

[ 17 ] Wenn man also heute hört aus früherer Wissenschaft von Erde, Wasser, Feuer, Luft, sollte man sich nicht vorstellen: Wie haben wir es so herrlich weit gebracht mit unserer gegenwärtigen Wissenschaft —, sondern man sollte sich vorstellen: Ein ganz anderes Bewußtsein von dem Wurzeln des Menschen in übersinnlichen Tiefen war vorhanden. Daher wußte man auch etwas von der verschiedenen Stellung des Erdenelementes zu diesem Übersinnlichen. Gewissermaßen ist das Erdenelement ganz außerhalb der Sphäre des Übersinnlichen. Es kommt ihm schon nahe das Wasserelement; mit der im kosmischen Raume ausgebreiteten Sphärenwelt ist eigentlich dieses Wasserelement viel verwandter als mit dem, was Erde selber ist. Wir kommen aber aus dem Raume völlig heraus, wenn wir den Quell dessen suchen, was in uns den Luftrhythmus, also unsere Luftorganisation ausmacht; denn in bezug auf unsere Luftorganisation sind wir rhythmisierend, entrhythmisierend und so weiter. Und wir kommen endlich zu dem universellen Außerräumlichen, zu dem, was auch die Zeit noch überwindet, wenn wir in das Feuerelement hineinkommen, in das Wärmeelement. Da aber lernen wir erst den ganzen in sich abgeschlossenen Menschen kennen. Dieses findet man dann wirklich, wenn man es wieder entdeckt hat — und es ist schon einmal notwendig, daß man es heute wiederum entdeckt —, man findet es dann noch, obwohl korrumpiert, in der Literatur, die zurückliegt hinter dem 15. Jahrhundert.

[ 17 ] So when we hear today about the ancient scientific concepts of earth, water, fire, and air, we should not think, “How wonderfully far we have come with our current science”—but rather we should realize that there was a completely different awareness of humanity’s roots in supersensible depths. That is why people also knew something about the distinct position of the earth element in relation to this supersensible realm. In a sense, the earth element lies entirely outside the sphere of the supersensible. The water element comes closer to it; in fact, this water element is much more closely related to the world of spheres spread out in cosmic space than to what the earth itself is. But we leave space entirely behind when we seek the source of what constitutes the air rhythm within us—that is, our air organization; for in relation to our air organization, we are rhythmizing, derhythmizing, and so on. And we finally arrive at the universal, non-spatial realm—that which even transcends time—when we enter the fire element, the element of warmth. But it is only there that we come to know the human being as a complete, self-contained whole. This can truly be found—once it has been rediscovered (and it is indeed necessary to rediscover it today)—in the literature dating back to before the 15th century, even though it has been corrupted.

[ 18 ] Da ist vor ein paar Jahren das Werk eines schwedischen Gelehrten erschienen über die Alchemie. Dieser schwedische Gelehrte liest einen Vorgang, von einem Alchemisten beschrieben, und er sagt: Wenn man diesen Vorgang heute nachprüft, dann ist er der reine Unsinn, dann kann man sich gar nichts dabei vorstellen. — Man kann ganz gut begreifen, wenn der Chemiker von heute, selbst der schwedische, der etwas vorurteilsloser ist als der mitteleuropäische, die Ausdrücke nimmt, in die dasjenige gekleidet ist, was auch nur in der korrumpierten Literatur der älteren Zeiten vorhanden ist, das nachmacht und dann sagt, daß gar nichts dabei herauskommt! Ich habe den Vorgang, den der gute schwedische Gelehrte nicht verstehen kann, aufgesucht in der Literatur, die dem schwedischen Gelehrten vorgelegen hat, und in diesem Vorgang, der dort beschrieben ist in der Literatur, war allerdings ein Stück des Embryonalvorganges, der Embryoentwickelung des Menschen gegeben! Das zeigte sich sehr bald. Aber man mußte die Sache lesen können! Der heutige Gelehrte liest so etwas, er wendet die Ausdrücke an, die in seiner Chemie stehen, die er gelernt hat. Nun stellt er seine Retorten auf und macht den Vorgang nach: Unsinn! — Dasjenige, was er gelesen hat, ist das Stück eines Vorganges, das sich im mütterlichen Leibe bei der Embryonalbildung vollzieht. Sehen Sie, so ist der Abgrund, der aufgetan ist zwischen dem, was der heutige Gelehrte lesen kann, und dem, was einmal gemeint war.

[ 18 ] A few years ago, a Swedish scholar published a work on alchemy. This Swedish scholar reads a procedure described by an alchemist and says: If one examines this procedure today, it is pure nonsense; one cannot even begin to imagine what it entails. — It is quite understandable that today’s chemist—even a Swedish one, who is somewhat less prejudiced than his Central European counterpart—would take the terms used to describe what is found only in the corrupted literature of earlier times, imitate them, and then say that nothing comes of it! I looked up the process—which the good Swedish scholar cannot understand—in the literature available to him, and in that process, as described in the literature, there was indeed a fragment of the embryonic process, the embryonic development of the human being! This became apparent very quickly. But one had to be able to read the material! Today’s scholar reads something like this and applies the terms found in the chemistry textbooks he has studied. Now he sets up his retorts and tries to replicate the process: Nonsense! — What he has read is a fragment of a process that takes place in the mother’s womb during embryonic formation. You see, such is the gulf that has opened up between what today’s scholar can read and what was originally intended.

[ 19 ] Aber all die Dinge, die da beschrieben werden, sind beschrieben unter dem Einflusse solcher Vorstellungen, wie wir sie heute wiederum hervorsuchen aus neuerer Geisteswissenschaft. Entdeckt man sie nicht wieder, dann kann man diese Schriften gar nicht lesen. Sie waren in einer ganz andern Weise, als wir sie heute entdecken, vorhanden. Sie waren instinktiv, atavistisch vorhanden, aber sie waren eben vorhanden und die Menschheit hat sich gewissermaßen herausgehoben zum Verständnisse des bloßen Erdenelementes. Wir müssen wiederum den Eingang finden in die Elemente, die uns nun nicht bloß den Leichnam des Menschen erklären, sondern die uns wiederum den ganzen Menschen, den lebenden Menschen erklären. Dazu ist allerdings notwendig, daß man lernt, innerhalb unserer Zivilisation ganz ernst zu nehmen, was in der Präexistenzfrage gegeben ist.

[ 19 ] But all the things described there are described under the influence of such concepts as we are now rediscovering through modern spiritual science. If we do not rediscover them, we cannot read these writings at all. They existed in a completely different way than we discover them today. They existed instinctively, atavistically, but they did exist, and humanity has, so to speak, elevated itself to an understanding of the mere earthly element. We must once again find our way back into the elements that now explain to us not merely the human corpse, but the whole human being, the living human being. To do this, however, it is necessary to learn to take the question of pre-existence very seriously within our civilization.

[ 20 ] Als die Präexistenz hinausgeworfen wurde aus der abendländischen Kulturentwickelung, da war eigentlich das selbstlose Forschen aus dieser Kulturentwickelung herausgeworfen. Wenn heute die Prediger von Unsterblichkeit predigen: bitte, nehmen Sie alle Predigten, ich habe ja schon öfter darauf aufmerksam gemacht, sie appellieren im Grunde genommen an den menschlichen Egoismus. Man weiß, der Mensch fühlt sich unbehaglich, er hat Furcht vor dem Aufhören des Lebens. Gewiß, es hört nicht auf. Aber man appelliert nicht an seine Erkenntniskräfte, wenn man davon spricht, sondern man appelliert an seine Todesfurcht, an seinen Willen, fortleben zu wollen, wenn der Leib ihm genommen ist; man appelliert an seinen Egoismus mit andern Worten. Das kann man nicht, wenn man von der Präexistenz spricht. Eigentlich ist es insbesondere den Leuten der Gegenwart zunächst höchst einerlei, wenn sie auf ihren Egoismus schauen, ob sie vorher, bevor sie geboren oder konzipiert worden sind, gelebt haben. Sie leben jetzt, dessen sind sie gewiß. Deshalb sind sie nicht sehr besorgt um die Präexistenz, sie sind um die Postexistenz besorgt; denn wenn sie auch jetzt leben, so wissen sie nicht, ob sie nach dem Tode leben werden. Das hängt mit ihrem Egoismus zusammen. Aber da sie schon einmal leben, so sagen sie sich, wenn auch unbewußt oder instinktiv, wenn sie nicht Erkenntnis getrieben haben: Nun, ich lebe, und wenn ich auch vor meiner Geburt oder Konzeption nicht gelebt habe, so macht mir das nichts aus, wenn ich nur jetzt angefangen habe zu leben und nicht wieder aufhöre! Das ist die Stimmung, aus der heraus im Grunde heute die Gefühle geholt werden, durch welche die Menschen für die Unsterblichkeit begeistert werden. Deshalb haben wir in den bekannten Sprachen ein Wort für Unsterblichkeit als Anweisung zur Ewigkeit an dem Ende des Lebens, aber nicht, wie ich Ihnen ja auch schon öfter gesagt habe, in den gebräuchlichen Kultursprachen ein Wort für Ungeborenheit. Das müssen wir natürlich nach und nach ebenso erobern. Das spricht mehr zu der Erkenntnis, das spricht mehr zu der Unegoität, zu dem egoismusfreien Erkennen des Menschen. An das muß wiederum appelliert werden. Und überhaupt muß die Erkenntnis mit der Moral, mit der Ethik durchzogen werden. Ehe nicht wiederum der Laboratoriumstisch eine Art Altar, ehe nicht das Synthetisieren und Analysieren eine Art Geisteskunst ist und man sich bewußt ist, man greift ein in die Weltenentwickelung, indem man dies oder jenes tut, eher kann es mit unserer Kulturentwickelung nicht aufwärtsgehen. Wir kommen unbedingt in einen furchtbaren Niedergang hinein, wenn nicht in weiteren Kreisen eingesehen wird: Man muß zu egoismusfreier Erkenntnis, zu durchmoralisierter Erkenntnis gelangen, muß jene mit den höheren Welten gar nicht rechnenden Analysen und Synthesen, wie wir sie heute haben, überwinden. Man muß wiederum so etwas verstehen lernen wie den Rhythmus, der hineinspielt in unser Leben, wie dasjenige, was in die Wärme hineinspielt. Denn in die Wärme spielt eben das Moralische hinein; und indem es einfach Wärmeunterschiede, Wärmetingierungen gibt, gibt es in Wirklichkeit die weltdurchwellende Moralität, in der sich der Mensch entwickelt. Das alles muß nach und nach der Menschheit bewußt werden. Und es ist nicht bloß, möchte ich sagen, eine idealistische Schrulle, die uns auffordert, in dieser Zeit die Zeichen der Zeit zu deuten, sondern es sprechen die Zeichen der Zeit selber dahingehend, daß diese Vertiefung nach dem Übersinnlichen versucht werden muß.

[ 20 ] When pre-existence was cast out of Western cultural development, selfless research was, in effect, cast out of that cultural development as well. When preachers today preach about immortality—please, take any sermon you like; as I have often pointed out—they are essentially appealing to human selfishness. We know that people feel uneasy; they fear the end of life. Certainly, life does not end. But when people speak of this, they do not appeal to one’s powers of cognition; rather, they appeal to one’s fear of death, to one’s will to continue living once the body is taken away; in other words, they appeal to one’s egoism. This is not possible when speaking of pre-existence. In fact, when people today look at their own self-interest, it is initially of the utmost indifference to them whether they lived before they were born or even conceived. They are alive now; of that they are certain. That is why they are not very concerned about pre-existence; they are concerned about post-existence. For even though they live now, they do not know whether they will live after death. This is connected to their self-interest. But since they are already living, they tell themselves—even if unconsciously or instinctively, if they have not engaged in reflection—“Well, I am alive, and even if I did not live before my birth or conception, it doesn’t matter to me, as long as I have begun to live now and do not cease again!” This is the mindset from which, fundamentally, the sentiments are drawn today that inspire people with enthusiasm for immortality. That is why, in the well-known languages, we have a word for immortality as a reference to eternity at the end of life, but—as I have often told you—we do not have a word for “unbornness” in the common cultural languages. Of course, we must gradually acquire that as well. This speaks more to knowledge; it speaks more to selflessness, to the ego-free understanding of the human being. We must once again appeal to this. And above all, this understanding must be interwoven with morality and ethics. Until the laboratory table becomes a kind of altar, until synthesizing and analyzing become a kind of spiritual art, and until we are conscious that we are intervening in the development of the world by doing this or that—until then, our cultural development cannot move forward. We are inevitably heading toward a terrible decline unless it is recognized in ever-wider circles: We must attain a non-egoistic understanding, a morally grounded understanding; we must overcome those analyses and syntheses—such as we have today—that take no account of the higher worlds. We must once again learn to understand such things as the rhythm that plays a role in our lives, just as that which plays a role in warmth. For it is precisely the moral that plays a role in warmth; and just as there are differences in warmth and variations in temperature, so in reality there is a morality that permeates the world, within which human beings develop. Humanity must gradually become aware of all this. And it is not merely, I would say, an idealistic quirk that calls on us to interpret the signs of the times in this era, but the signs of the times themselves speak to the effect that this deepening into the supersensible must be attempted.