Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in Their Relationship to the World
GA 205
3 July 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Nach den Betrachtungen, die wir angestellt haben, wird nun eine Grundtatsache des menschlichen Lebens und Wesens gut vor unsere Seele hintreten können. Es ist ja gerade dann, wenn man sich auf eine genauere Betrachtung des Verhältnisses des Menschen zu seiner Umwelt einläßt, immer eine Art Rätsel, wie es denn komme, daß man nicht hineinschauen kann in das eigentliche Wesen der äußeren Welt. Diese äußere Welt liegt uns vor in ihren Phänomenen, in ihren Ereignissen und auch, wenn wir nur ein schwaches Erkenntnisbedürfnis haben, müssen wir vermuten, daß hinter diesen Erscheinungen, die uns als farbige, als tönende, als wärmende Welt und so weiter vorliegen, erst das eigentliche Wesen der Wirklichkeit verborgen ist. Gewissermaßen ein Schleier ist da, und hinter diesem Schleier ist erst das eigentliche Wesen der Wirklichkeit. Auf der andern Seite liegt ein ähnliches Rätsel vor mit Bezug auf dasjenige, was menschliches Inneres ist. Ich habe ja in den letzten Tagen darauf hingedeutet, wie dieses menschliche Innere seine Organrätsel enthüllt, wenn man erst wirklich hineingelangt in dieses Innere. Aber es liegt doch zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein die Tatsache vor, daß man nicht so tief hinunterschauen kann ins eigene Innere, um die Natur von Lunge, Leber und so weiter, wie wir das gestern besprochen haben, wirklich durchschauen zu können. Nun, diese Tatsache des Vorhandenseins zweier Rätsel, des Rätsels gegenüber der Unerkennbarkeit der äußeren Welt, des Rätsels der Unerkennbarkeit der inneren Welt, diese Tatsache versteht man aus der Erkenntnis des ganzen Wesens des Menschen heraus, wenn man sich einläßt darauf, die ganze menschliche Natur einmal ins Auge zu fassen, die ja nur die eine Seite hier zwischen Geburt und Tod uns zeigt, die andere Seite zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat.
[ 1 ] Based on the reflections we have made, a fundamental fact of human life and nature will now come clearly to the forefront of our minds. Indeed, it is precisely when one engages in a closer examination of the relationship between human beings and their environment that it always remains something of a mystery why one cannot glimpse the true nature of the external world. This external world presents itself to us through its phenomena and events, and even if we have only a faint desire for knowledge, we must assume that behind these phenomena—which appear to us as a world of color, sound, warmth, and so on—lies the true nature of reality. In a sense, there is a veil, and only behind this veil lies the true nature of reality. On the other hand, there is a similar mystery concerning what the human inner world is. I have, after all, pointed out in recent days how this human inner world reveals its organ-related mysteries once one truly penetrates into it. But for ordinary consciousness, the fact remains that one cannot look deep enough into one’s own inner being to truly comprehend the nature of the lungs, the liver, and so on, as we discussed yesterday. Now, this fact of the existence of two mysteries—the mystery of the unknowability of the outer world and the mystery of the unknowability of the inner world— this fact is understood through an insight into the whole being of the human being, when one allows oneself to take in the entirety of human nature—which, after all, shows us only one side here, between birth and death, while the other side lies between death and a new birth.
[ 2 ] Aber betrachten wir zunächst den Menschen, wie er sich uns darbietet hier zwischen der Geburt und dem Tode. Wir brauchen da zunächst eine innere seelische Tatsache, die mit unserem ganzen normalen Tagesleben zusammenhängt, wir brauchen die innere Tatsache des Gedächtnisses. Ich habe gestern davon gesprochen, wie dieses Gedächtnis eigentlich beruht auf einer Rückspiegelung an den Außenseiten der inneren Organe. Aber wir brauchen ja dieses Gedächtnis für unser Seelenleben. Ich habe öfters auf Tatsachen hingewiesen, welche zeigen, wie die Störung dieses Gedächtnisses unser ganzes normales Leben hier zwischen Geburt und Tod untergraben kann. Es war dies ein Beispiel, welches zeigte, daß das Erinnerungsvermögen sich im Menschen auslöschen kann. Solche Fälle sind ja auch sonst bekannt. Sie können in psychologischen Werken von zahlreichen solchen Fällen lesen. Es ist ja eine ganz bekannte Tatsache, daß das geschehen kann, und in kleinerem Maßstabe findet sich diese Erscheinung viel häufiger, als man eigentlich denkt. Und Sie brauchen sich ja auch nichts anderes vorzustellen, als daß einfach für solche Menschen diese Vorgänge, ohne daß sie im gewöhnlichen Sinne des Wortes davon wissen, so sind, wie für Sie vom Einschlafen bis zum Aufwachen jede Nacht: das Bewußtsein ist ausgelöscht. Aber es übt eine solche abnorme Diskontinuität des Bewußtseins einen außerordentlich bedeutsamen Einfluß auf das ganze Persönlichkeitsbewußtsein aus. Es kommt der Mensch nicht mehr mit sich zurecht, wenn er so etwas durchgemacht hat; es ist ihm nachträglich im Leben eigentlich etwas Furchtbares. Daraus aber können Sie sehen, wie wichtig es ist, für das gewöhnliche Leben zwischen Geburt und Tod — mit Ausnahme der Schlafenszustände — die Kontinuität des Bewußtseins zu haben.
[ 2 ] But let us first consider the human being as he presents himself to us here, between birth and death. To begin with, we need an inner psychological reality that is connected to our entire normal daily life; we need the inner reality of memory. Yesterday I spoke about how this memory is actually based on a reflection on the outer surfaces of the internal organs. But we do, of course, need this memory for our soul life. I have often pointed to facts that show how a disturbance of this memory can undermine our entire normal life here between birth and death. This was an example that showed how a person’s ability to remember can be erased. Such cases are, of course, well known. You can read about numerous such cases in psychological works. It is, after all, a well-known fact that this can happen, and on a smaller scale, this phenomenon occurs much more frequently than one might actually think. And you need not imagine anything other than that, for such people, these processes—without them being aware of them in the usual sense of the word—are simply the same as they are for you every night from falling asleep to waking up: consciousness is extinguished. But such an abnormal discontinuity of consciousness exerts an extraordinarily significant influence on one’s entire sense of self. A person can no longer cope with themselves after going through something like this; in retrospect, it is actually a terrible experience for them. From this, however, you can see how important it is to maintain the continuity of consciousness in ordinary life between birth and death—with the exception of states of sleep.
[ 3 ] Die Kontinuität des Bewußtseins hängt ja zusammen mit unserem Gedächtnis. Wir brauchen also das Gedächtnis, um das gewöhnliche Leben normal zu unterhalten. Nun besteht, wenn man eine okkulte Entwickelung durchmacht, eine andere Tatsache. Es besteht die Tatsache, daß man nötig hat, solche Seelenkräfte zu entwickeln, welche eigentlich für die Momente des geistigen Schauens dieses gewöhnliche Gedächtnis auch auslöschen. Solange man nämlich dieses gewöhnliche Gedächtnis hat, kann man im Grunde genommen nicht in die geistige Welt hineinschauen. Und bei Schülern der okkulten Entwickelung stellt sich gewöhnlich als ein Erlebnis dieses heraus, daß sie anfangs, wenn sie beginnen, an ihrer Entwickelung zu arbeiten, gewisse Schauungen haben und dann später darüber klagen, daß sie diese Schauungen nicht mehr haben, daß sie ausbleiben. Das beruht darauf, daß es für solche Schauungen, wenn sie echte, wahre Schauungen sind, wenn sie nicht Halluzinationen sind, eigentlich kein Gedächtnis gibt. Es ist nicht möglich, sich wiederum an eine Schauung zu erinnern, denn die Schauung ist etwas Reales. Sehen Sie ein Stück Kreide an und sehen Sie wieder weg, so haben Sie das Erinnerungsbild. Wollen Sie aber die Kreide vor sich haben, die reale Kreide, dann müssen Sie wieder zurückkehren zur Wahrnehmung, Sie müssen wiederum das Reale vor sich haben. Für dieses Reale hilft Ihnen das Gedächtnis gar nichts. Wenn Sie ein heißes Eisen berühren, so verbrennen Sie sich. Sie können noch soviel von der Hitze in der Erinnerung haben, Sie verbrennen sich nicht dabei. Sie müssen, weil die Schauung Sie in Zusammenhang bringt mit etwas Realem und nicht ein bloßes Bild ist, wiederum zu ihr zurückkehren. Es handelt sich darum, daß man zu der Schauung wiederum zurückkehrt, nicht sich bloß erinnert, denn ein wirkliches Schauen ist ein wirkliches okkultes Erlebnis und kann nicht Erinnerung werden, sondern man kann nur auf indirekte Weise wiederum dazu kommen. Man kann sich sagen: Bevor die Schauung eingetreten ist, habe ich dies oder jenes durchgemacht im gewöhnlichen Bewußtsein. Daran kann man sich dann erinnern, und man muß diese Etappe wiederum heraufrufen bis zu dem Punkte, wo die Schauung eingetreten ist; dann kommt man bei dem Punkte an. Sie kann nicht wieder unmittelbar eintreten, aber man muß den Weg gewissermaßen wiederum zurückmachen. Das berücksichtigen viele nicht; sie glauben, man könne sich an eine Schauung im gewöhnlichen Sinne erinnern. Man muß also in einer gewissen Beziehung sogar bei der okkulten Entwickelung das Gedächtnis untergraben. Das ist durchaus notwendig, es läßt sich das gar nicht verhindern. Deshalb muß man sagen: Derjenige, der eine solche okkulte Entwickelung anstrebt, der muß vor allen Dingen sicher sein, daß er im gewöhnlichen Leben ein vernünftiger Mensch ist, das heißt, daß er ohne irgendwelche falschmystischen Anwandelungen einen gesunden Verstand und ein gesundes Gedächtnis hat. Wer im gewöhnlichen Leben schon irgendwie herumschwefelt oder schwimmelt, ist nicht geeignet, eine okkulte Entwickelung durchzumachen. Man muß durchaus die Möglichkeit haben, sich an die Ereignisse des Tages mit aller Bestimmtheit zu erinnern, dann kann man es wagen, zu den Schauungen vorzudringen, für die es eben nicht ein solches Erinnern gibt. Die Vorsichten, die anempfohlen werden für eine okkulte Entwickelung, sind durchaus eben in der Sache selbst begründet. So können Sie sagen: Für das gewöhnliche Bewußtsein ist das Gedächtnis da, und es gehört zu einem normalen Leben zwischen Geburt und Tod dieses Gedächtnis.
[ 3 ] The continuity of consciousness is, after all, linked to our memory. We therefore need memory to maintain ordinary life as usual. Now, when one undergoes occult development, a different reality emerges. The reality is that one must develop certain soul powers that, during moments of spiritual vision, actually erase this ordinary memory. For as long as one possesses this ordinary memory, one cannot, in essence, look into the spiritual world. And for students of occult development, this usually manifests as an experience: at first, when they begin working on their development, they have certain visions, and later they complain that they no longer have these visions, that they have ceased to occur. This is because, for such visions—if they are genuine, true visions, and not hallucinations—there is actually no memory. It is not possible to recall a vision, for the vision is something real. If you look at a piece of chalk and then look away, you are left with the mental image. But if you want to have the chalk in front of you—the real chalk—then you must return to the act of perception; you must once again have the real thing before you. Memory is of no help at all for this reality. If you touch a hot iron, you’ll burn yourself. No matter how much of the heat you may retain in your memory, you won’t burn yourself in the process. Because the vision connects you to something real and is not merely an image, you must return to it once more. The point is to return to the vision itself, not merely to remember it, for true seeing is a genuine occult experience and cannot become a memory; rather, one can only return to it indirectly. One might say to oneself: Before the vision occurred, I went through this or that in ordinary consciousness. One can then recall that, and one must retrace that stage back to the point where the vision occurred; then one arrives at that point. It cannot occur directly again, but one must, so to speak, retrace the path. Many do not take this into account; they believe one can remember a vision in the ordinary sense. So, in a certain sense, even in occult development, one must undermine one’s memory. This is absolutely necessary; it cannot be prevented at all. Therefore, one must say: Anyone who strives for such occult development must, above all, be certain that they are a sensible person in ordinary life—that is, that they possess a sound mind and a sound memory, free from any pseudo-mystical tendencies. Anyone who is already somewhat unfocused or unfocused in everyday life is not suited to undergo occult development. One must definitely be able to recall the events of the day with complete certainty; only then can one venture to advance to the visions for which such recollection does not exist. The precautions recommended for occult development are entirely grounded in the nature of the matter itself. Thus, you may say: Memory exists for ordinary consciousness, and this memory is part of a normal life between birth and death.
[ 4 ] Nun kann ich Ihnen schematisch aufzeichnen, wie sich das menschliche Wesen im Besitze dieses Gedächtnisses verhält. Ich will es Ihnen etwa so aufzeichnen (siehe Zeichnung Seite 128). Es ist das, was ich jetzt aufzeichne, nicht als solches vorhanden, aber es ist im Ätherleib wahrzunehmen. Ich zeichne schematisch als diese Linie das, was eigentlich über den ganzen Leib ausgedehnt ist, und Sie müßten sich dann vorstellen, daß vom Kopf, also von den Sinneswahrnehmungen, Sinnesorganen, bis zu dieser Linie dasjenige ist, was außerhalb der Organe ist. Diese Linie soll die schematische Grenzlinie für die Organe des Menschen sein: Hier wird zurückgespiegelt, und jenseits dieser Linie liegen also Herz, Lunge, Leber und so weiter. Hier (Pfeile) wird zurückgespiegelt. Das ist symbolisch die Linie des menschlichen Gedächtnisses. Sie können sich förmlich vorstellen: Wir haben in unserem Inneren ein Häutchen; es ist eigentlich das Grenzhäutchen zwischen dem AÄtherleib und dem Astralleib, nur ist es in Wirklichkeit nicht räumlich, es ist eben schematisch gezeichnet. Es wird dasjenige, was wahrgenommen ist, durch die Kraft der Organe, die dahinter sind, zurückgeworfen; es wird dadurch gespiegelt, aber es wird eben dennoch hier gespiegelt, und wir können nicht durchschauen im gewöhnlichen Bewußtsein, wir können durch die Gedächtnishaut nicht in das Innere des Menschen hineinschauen. Das Gedächtnis deckt uns das Innere des Menschen zu. Es muß das Innere des Menschen zudecken, sonst wäre der Mensch nicht normal im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod. Das Gedächtnis ist dasjenige, was uns unser gewöhnliches Bewußtsein nach innen zu verschließt. Sobald dieses Gedächtnis unterbrochen wird, sobald also irgendwo ein Riß entsteht, wie es durch die okkulte Entwickelung geschieht, sehen wir so, wie ich es gestern beschrieben habe, in unsere Organe hinein.
[ 4 ] Now I can sketch for you how the human being behaves when in possession of this memory. I will sketch it for you something like this (see drawing on page 128). What I am now sketching does not exist as such, but it can be perceived in the etheric body. I am schematically drawing this line to represent what is actually extended throughout the entire body, and you should then imagine that from the head—that is, from the sensory perceptions and sensory organs—up to this line lies that which is outside the organs. This line is meant to be the schematic boundary for the human organs: here, the image is reflected back, and beyond this line lie the heart, lungs, liver, and so on. Here (arrows), the image is reflected back. Symbolically, this is the line of human memory. You can literally imagine it this way: We have a thin membrane within us; it is actually the boundary membrane between the etheric body and the astral body, only in reality it is not spatial—it is merely drawn schematically. What is perceived is reflected back by the power of the organs that lie behind it; it is thus reflected, but it is nevertheless reflected here, and we cannot see through it in ordinary consciousness; we cannot look through the membrane of memory into the inner being of the human being. Memory veils the inner being of the human being from us. It must veil the inner being of the human being; otherwise, the human being would not be normal in ordinary life between birth and death. Memory is what our ordinary consciousness uses to shut us off from the inner self. As soon as this memory is interrupted—that is, as soon as a breach occurs somewhere, as happens through occult development—we see into our organs, just as I described yesterday.
[ 5 ] Nun haben wir die Antwort auf das Rätsel des Nicht-nach-Innenschauen-Könnens. Es muß zugedeckt sein dieses Innere, sonst würden wir nicht normal sein im Leben zwischen Geburt und Tod, denn wir brauchen dieses Gedächtnis. Also das Innere unseres Selbst wird uns verhüllt durch unsere Gedächtnisspiegelung. Das ist dasjenige, was Sie als eine Lösung dieses Rätsels haben müssen.
[ 5 ] Now we have the answer to the mystery of why we cannot look inward. This inner self must be concealed; otherwise, we would not be able to function normally in life between birth and death, because we need this memory. So the inner self is veiled from us by the reflection of our memory. That is what you must accept as the solution to this mystery.
[ 6 ] Nach der andern Seite, nach der Seite der Außenwelt, da sehen wir gewissermaßen ausgebreitet den Sinnenschleier und sehen nicht dahinter. Wir wollen einmal die Sache so auffassen, daß wir uns sagen: Wie wäre es, wenn wir dahintersehen würden, wenn wir also, nach außen schauend, nicht den Sinnenschleier hätten, hinter dem die Wesenheit der Welt liegt, sondern wenn das überall durchbrochen wäre, wenn man da überall durchschauen und durchgucken könnte, wie wäre es dann? — Wir würden stets mit unserer Wahrnehmung, mit unserer Anschauung in die Dinge hineinfließen. Wir würden mit den Dingen zusammenfließen. Wir könnten uns nicht unterscheiden von den Dingen. Und was wäre die Folge? Niemals könnten wir, wenn wir uns nicht unterscheiden könnten von den Dingen, die Gefühle der Liebe entwickeln, denn Liebe beruht darauf, daß man nicht hinüberfließt in den andern, sondern daß man eine Individualität bleibt, getrennt ist und dennoch hinüberfühlt. Wir sind so organisiert, daß wir liebefähig sind zwischen Geburt und Tod. Und in der okkulten Entwickelung muß diese Liebefähigkeit wiederum durch Imagination, Inspiration, Intuition ersetzt werden. Wir müssen gewissermaßen die Liebefähigkeit durchbrechen. Es würde unser Leben total ruinieren, wir würden kaltherzig werden, wenn wir im gewöhnlichen Leben die Liebe nicht hätten. Daher ist es wieder notwendig, daß derjenige, der nach dieser Richtung hin eine okkulte Entwickelung durchmacht, vor allen Dingen im höchsten Grade die Liebefähigkeit entwickelt. Hat er sie so entwickelt, daß er sie nicht verlieren kann durch die okkulte Entwickelung, daß er sie trotz dieser Entwickelung behält, dann kann er es wagen, den Sinnenschleier zu durchdringen und in die wirkliche Objektivität hinauszuschauen. Sie sehen das zweite Rätsel vor Ihre Seele hingestellt. Der Mensch muß so organisiert sein, daß er gedächtnisfähig und liebefähig ist. Weil er liebefähig sein muß, kann er mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht hinter den Sinnenschleier hinüberschauen, und weil er gedächtnisfähig sein muß, kann er nicht in das eigene Innere hineinschauen.
[ 6 ] On the other side—the side of the external world—we see, as it were, the veil of the senses spread out before us, and we cannot see beyond it. Let us consider the matter this way: What if we could see beyond it—that is, what if, when looking outward, we did not have the veil of the senses behind which the essence of the world lies, but instead if that veil were pierced everywhere, so that we could see right through it everywhere—what would it be like then? — We would constantly flow into things with our perception, with our intuition. We would merge with things. We could not distinguish ourselves from things. And what would be the consequence? If we could not distinguish ourselves from things, we could never develop feelings of love, for love is based on the fact that one does not flow over into the other, but rather remains an individual, is separate, and yet feels across to the other. We are organized in such a way that we are capable of love between birth and death. And in occult development, this capacity for love must in turn be replaced by imagination, inspiration, and intuition. We must, so to speak, break through this capacity for love. It would completely ruin our lives; we would become cold-hearted if we did not have love in ordinary life. Therefore, it is once again necessary that the person undergoing occult development in this direction, above all else, develop the capacity for love to the highest degree. If he has developed it to such an extent that he cannot lose it through occult development—that he retains it despite this development—then he can dare to penetrate the veil of the senses and look out into true objectivity. You see the second riddle set before your soul. Human beings must be constituted in such a way that they are capable of memory and capable of love. Because they must be capable of love, they cannot look beyond the veil of the senses with ordinary consciousness; and because they must be capable of memory, they cannot look into their own inner being.
[ 7 ] Das ist dasjenige, was eigentlich die Wahrheit der so falschen Kantschen Philosophie ist. Kant wollte die menschliche Subjektivität untersuchen und hat einige ganz abstrakte Begriffe hingepfahlt, die eigentlich nichts besagen. In Wirklichkeit ist es so, daß wir den Menschen zwischen Geburt und Tod als gedächtnisfähiges und liebefähiges Wesen verstehen müssen. Da lernt der Mensch das kennen, was in der Empfindung lebt, da lernt der Mensch kennen, was in der Liebe lebt. Und das hat er durch die Pforte des Todes hinüberzutragen. Aber deshalb sind wir auf der Erde, damit wir in diesen beiden Fähigkeiten uns vervollkommnen.
[ 7 ] This is what actually constitutes the truth of Kant’s philosophy, which is so flawed. Kant wanted to examine human subjectivity and established some entirely abstract concepts that actually mean nothing. In reality, we must understand human beings, between birth and death, as beings capable of memory and love. It is through these that a person comes to know what lives in sensation and what lives in love. And this is what they must carry through the gate of death. But that is why we are on earth—so that we may perfect ourselves in these two capacities.
[ 8 ] Wenn nun der Mensch durch das Gedächtnis auseinanderzuhalten hat sein wahrnehmendes und denkendes Wesen, das außerdem hier an den Sinnenschleier stößt, dann entwickelt er, hauptsächlich durch das Haupt — aber der Mensch ist ja im Ganzen Haupt —, das Leben, das wir als das Leben des Bewußtseins bezeichnen. Dieses Leben des Bewußtseins bleibt beim Gedanken stehen. Der Gedanke wird Erinnerungsbild. Aber wir dringen nicht weiter vor als bis zum Erinnerungsbild. Da wird der Gedanke aufgehalten; nur dadurch, daß er da aufgehalten wird, kann er ja immer wiederum zurückkommen als Erinnerung. Da wird der Gedanke aufgehalten, und unser normales Leben zwischen Geburt und Tod beruht eigentlich darauf, daß wir den Gedanken nicht hinunterlassen in die Organe. Seine Kräfte kommen hinunter, wie ich das gestern geschildert habe, aber den Gedanken als solchen, wie er lebt in uns als Bild, den können wir nicht hinunterlassen. In dem Augenblicke, wo wir sterben, da wird der Gedanke das, was er im gewöhnlichen Bewußtsein nicht werden soll: da wird der Gedanke Imagination. Diese Imagination, die in der okkulten Entwickelung mit aller Mühe erstrebt wird, die tritt ein, wenn der Mensch durch den Tod geht. Alle seine Gedanken werden Bilder. Der Mensch lebt dann ganz in Bildern. Man kann daher den Toten nur verstehen, wenn man diese Bildersprache kennengelernt hat. Sofort nach dem Tode verwandeln sich die Gedanken in Bilder. Mit diesen Bildern lebt der Mensch ja einige Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dann werden die Bilder nach und nach Inspiration. So wächst die Seele tatsächlich weiter. Die Bilder werden Inspiration. Da fängt der Mensch dann an, die Sphärenmusik wahrzunehmen. Da wird für ihn die Sphärenmusik etwas Reales. Er lebt in der Welt der Weltentöne. Und zuletzt wächst er zusammen mit dem objektiv-geistigen Weltenall. Seine Seele wird ganz Intuition. Er wird gewissermaßen eins mit dem Weltenall.
[ 8 ] When a human being must, through memory, distinguish between his perceiving and thinking nature—which, moreover, encounters the veil of the senses here—he develops, primarily through the head—though the human being is, after all, head from head to toe—the life we call the life of consciousness. This life of consciousness comes to a halt at the thought. The thought becomes a memory image. But we do not proceed any further than to the memory image. There the thought is held back; it is only because it is held back there that it can always return as a memory. There the thought is held back, and our normal life between birth and death actually rests on the fact that we do not let the thought descend into the organs. Its forces descend, as I described yesterday, but the thought as such—as it lives within us as an image—we cannot allow to descend. At the moment we die, the thought becomes what it is not meant to become in ordinary consciousness: there, the thought becomes imagination. This imagination, which is striven for with great effort in occult development, occurs when a person passes through death. All of their thoughts become images. The person then lives entirely in images. One can therefore understand the dead only if one has become familiar with this language of images. Immediately after death, thoughts are transformed into images. With these images, the person lives for some time between death and a new birth. Then, little by little, the images become inspiration. In this way, the soul truly continues to grow. The images become inspiration. Then the human being begins to perceive the music of the spheres. For him, the music of the spheres becomes something real. He lives in the world of cosmic sounds. And finally, he merges with the objective-spiritual universe. His soul becomes entirely intuition. He becomes, so to speak, one with the universe.
[ 9 ] Das ist zugleich der Punkt, wenn eine Zeitlang diese Intuition da war, wo die Weltenmitternacht eintritt, von der ich auch gestern wieder sprach. Nun beginnt der Rückweg, und die Intuition ist nun geeignet, etwas aufzunehmen, was der Mensch allmählich verlassen hat, indem er hier auf der Erde gelebt hat. Wenn der Mensch nämlich durch des Todes Pforte getreten ist, lebt er durch andere Kräfte, als diejenigen sind, die wir hier auf der Erde den Willen nennen. Er lebt sich in kosmischere Kräfte ein. Der Wille wird, ich möchte sagen, absorbiert, der Wille schwindet allmählich dahin. Aber wenn der Mensch an der Weltenmitternacht angekommen ist, also nachdem er durch den imaginativen Zustand, durch den Inspirationszustand, Intuitionszustand durchgegangen ist und gewissermaßen auf der Höhe des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt angekommen ist, dann füllt sich die Intuition wiederum mit Wille an. Der Gedanke wird wiederum willensmäßig, und dieser Wille durchsättigt immer mehr und mehr die Seele, die nun wiederum zur Inspiration sich durchringt, dann zur Imagination. Wenn sie bei der Imagination angekommen ist und eine Zeitlang sie durchgemacht hat, dann ist sie wiederum reif, hier verkörpert zu werden. Aus dem Bilde heraus bildet sich auf die Weise, wie ich es geschildert habe, was dann als umgewandelter Gliedmaßen-Stoffwechselmensch der vorigen Inkarnation da auftritt. Sie sehen also, durch diejenigen Stufen, welche angestrebt werden bei der okkulten Entwickelung, steigt der Mensch hinauf bis zur Weltenmitternacht, und er geht dann den umgekehrten Weg wiederum herunter bis zur Imagination und kommt bei der Gedankenbildung an, wenn er sich verkörpert.
[ 9 ] This is also the point at which, for a time, this intuition was present—the point at which the “midnight of the world” sets in, which I spoke of again yesterday. Now the return journey begins, and the intuition is now capable of taking in something that the human being has gradually left behind by living here on Earth. For when the human being has passed through the gate of death, he lives through forces other than those we call “will” here on Earth. He attunes himself to more cosmic forces. The will is, I might say, absorbed; the will gradually fades away. But when a person has reached the Midnight of the Worlds—that is, after passing through the imaginative state, the inspirational state, and the intuitive state, and has, so to speak, arrived at the height of life between death and new birth—then intuition is once again filled with will. Thought once again becomes will-driven, and this will increasingly permeates the soul, which now strives anew toward inspiration, and then toward imagination. Once it has reached the stage of imagination and has passed through it for a time, it is once again ready to be embodied here. From the image, in the manner I have described, there emerges what then appears as the transformed human being of the previous incarnation, characterized by the metabolism of the limbs. So you see, through the stages that are sought in occult development, the human being ascends to the “midnight of the worlds,” and then takes the reverse path back down to the level of imagination, arriving at the formation of thought when he incarnates.
[ 10 ] Während dieser ganzen Zeit nimmt der Mensch den Willen auf. Und nun, indem der Mensch wiederum ins physische Dasein kommt, sehen wir, wie das, was aus dem Kosmos hereinwirkt, was er in sich aufgenommen hat von der vorigen Inkarnation, im Bilde ist, und im Bilde ist noch der Wille drinnen. Wir haben also jetzt hier eine willensdurchtränkte Imagination.
[ 10 ] Throughout this entire period, the human being absorbs the will. And now, as the human being returns to physical existence, we see how what is working in from the cosmos—what the human being has absorbed from the previous incarnation—is embodied in the image, and the will is still present within that image. So what we have here now is an imagination imbued with will.


[ 11 ] Wenn der Mensch also vor der Konzeption ankommt bei einem neuen physischen Leben, hat er zwar eine Imagination, aber eine willensdurchtränkte Imagination. Aus der Imagination, die im wesentlichen ja dasjenige ist, was schon da war als Bild, entsteht das Haupt und was zunächst dazugehört, und der Wille, der bemächtigt sich der neuen Gliedmaßen und des Stoffwechsels. So daß sich dieses hier verteilt auf das Haupt und auf den übrigen Menschen. Das Haupt ist im wesentlichen, ich möchte sagen, kristallisierter, erstarrter Gedanke; was im übrigen Menschen lebt, ist organisierter Wille. Eigentlich kann der Mensch nur im Haupte wirklich aufwachen. Nicht wahr, Ihre Gedanken kennen Sie, Ihre Vorstellungen sind im gewöhnlichen Bewußtsein — das kann man zu allen heutigen Menschen sagen; was im Willen vorgeht, ich habe es öfter erwähnt, das ist den Menschen genau so unbekannt wie das, was im Schlafe vor sich geht. Denn wie weiß man, wenn man einen Arm hebt, im gewöhnlichen Bewußtsein, was da vor sich geht! Man nimmt wahr, daß der Arm gehoben wird, die Vorstellung hat man, aber der Willensakt als solcher bleibt im Schlaf, verhältnismäßig so, wie dasSchlafen zwischen Einschlafen und Aufwachen ist. Also kann man sagen: Mit Bezug auf den Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen schläft der Mensch auch bei Tag; er erwacht eigentlich nur in bezug auf seinen Hauptesmenschen. — Das wirkt alles wiederum zusammen.
[ 11 ] So when a human being arrives at a new physical life before conception, he does indeed have an imagination, but one that is imbued with the will. From the imagination—which is essentially what was already there as an image—the head and its immediate components arise, and the will takes hold of the new limbs and the metabolism. So that this force is distributed between the head and the rest of the human being. The head is, in essence, I would say, crystallized, solidified thought; what lives in the rest of the human being is organized will. In fact, a person can truly awaken only in the head. Isn’t that so? You are aware of your thoughts; your ideas are present in ordinary consciousness—this can be said of all people today; but what goes on in the will, as I have often mentioned, is just as unknown to people as what happens during sleep. For how does one know, in ordinary consciousness, what is happening when one raises an arm! One perceives that the arm is being raised; one has the mental image, but the act of will as such remains in a state of sleep, much as sleeping is a state between falling asleep and waking up. So one can say: With regard to the “limb-metabolism human,” a person sleeps even during the day; they actually awaken only in relation to their “head human.” — All of this, in turn, works together.
[ 12 ] Die offizielle Wissenschaft heute spricht von einer gewissen Logik. Sie spricht in der Logik von Vorstellung, von Urteil und von Schluß. Ja, stellen wir einen solchen Schluß vor uns hin. Der bekannte Schluß, der in allen Logiken steht, bezieht sich ja auf die berühmte logische Persönlichkeit. Also: AlleMenschen sind sterblich, Cäsar ist ein Mensch, also ist Cäsar sterblich. — Das ist der Schluß. Jedes Glied des Schlusses ist ein Urteil: Alle Menschen sind sterblich — ist ein Urteil, Cäsar ist ein Mensch — ist ein Urteil, also ist Cäsar sterblich — ist ein Urteil. Das Ganze ist ein Schluß. Mensch, Cäsar, sind Vorstellungen.
[ 12 ] Official science today speaks of a certain logic. In logic, it speaks of concepts, judgments, and inferences. Yes, let’s consider such an inference. The well-known inference found in all logics refers, after all, to the famous logical figure. So: All men are mortal; Caesar is a man; therefore, Caesar is mortal. — That is the syllogism. Each term of the syllogism is a judgment: “All men are mortal” is a judgment; “Caesar is a man” is a judgment; “therefore, Caesar is mortal” is a judgment. The whole is a syllogism. “Human” and “Caesar” are concepts.
[ 13 ] Wenn Sie heute einen Menschen fragen, der nun wiederum zu den ganz Gescheiten gehört — wir müssen uns immer an die ganz Gescheiten halten, denn die geben ja den Ton an —, dann sagt er: Alles das geht so vor, daß es sich im Nervensystem abspielt. Das Nervensystem ist der Vermittler von Vorstellung, Urteil, Schluß, sogar von Gefühl und Wille. — Aber schon bei diesem Vorstellen, Urteilen und Schließen ist es nicht so, wie das heutige offizielle Denken meint. Nur das Vorstellen als solches ist nämlich eigentlich eine Kopfangelegenheit. Wenn Sie ein Urteil fällen, dann müssen Sie allerdings durch Vermittelung des Ätherleibes fühlen, wie Sie auf den Beinen stehen. Sie urteilen nämlich gar nicht mit dem Kopf, Sie urteilen mit den Beinen, allerdings mit den Beinen des Ätherleibes. Derjenige, der urteilt, auch wenn er liegt, streckt seine Ätherbeine aus. Urteilen beruht nicht auf dem Kopfe, Urteilen beruht auf den Beinen. Das glaubt einem natürlich heute keiner, aber wahr ist es doch. Und Schließen, das beruht auf den Armen und Händen, überhaupt auf dem, was sich beim Menschen heraushebt aus dem, was auch das Tier hat. Das Tier steht auf den Beinen, das Tier ist selbst ein Urteil, aber es schließt nicht. Der Mensch schließt. Dazu hat er seine Arme frei bekommen, dazu sind seine Arme da, nicht zum Gehen. Der Mensch hat seine Arme frei, damit er ein Wesen ist, das schließen kann. Und was sich vollzieht, indem man auf seine Ätherbeine tritt, und was sich vollzieht, indem man seinen Astralarm bewegt, das ist Urteil, das ist Schluß, das spiegelt sich bloß im Haupte als Vorstellung und wird dann auch zur Vorstellung. So daß man den ganzen Menschen braucht, nicht bloß den Nerven-Sinnesmenschen, damit Urteil und Schluß zustande kommen.
[ 13 ] If you ask someone today who happens to be among the very intelligent—we must always look to the very intelligent, for they set the tone—then they will say: All of this takes place within the nervous system. The nervous system is the mediator of imagination, judgment, reasoning, and even of feeling and will. — But even when it comes to imagining, judging, and reasoning, it is not as today’s official thinking assumes. For imagination as such is actually a matter of the head. When you make a judgment, however, you must feel—through the mediation of the etheric body—how you are standing on your feet. For you do not judge with your head at all; you judge with your legs—though with the legs of the etheric body. The person who judges, even when lying down, stretches out their etheric legs. Judging does not rest on the head; judging rests on the legs. Of course, no one believes that today, but it is nevertheless true. And reasoning—that is based on the arms and hands, indeed on what distinguishes humans from animals. The animal stands on its legs; the animal is itself a judgment, but it does not reason. The human being reasons. For this purpose, his arms have been freed; that is what his arms are for—not for walking. The human being has his arms free so that he may be a being capable of reasoning. And what takes place when one steps onto one’s etheric legs, and what takes place when one moves one’s astral arm—that is judgment, that is reasoning—is merely reflected in the head as a concept and then becomes a concept itself. Thus, the whole human being is needed—not merely the nervous-sensory human—for judgment and reasoning to come about.
[ 14 ] Nun, wenn Sie das in Betracht ziehen, dann werden Sie sich sagen: Der Mensch holt aus seinem Gliedmaßensystem eigentlich Urteil und Schluß heraus. Das sind nämlich schon Willensakte im Grunde genommen, und das kommt aus einem unbestimmteren Zustande heraus, als das Vorstellen ist. Geradeso wie wir des Morgens aufwachen, so erleben wir im Grunde genommen, wenn wir mit einem Schluß fertig sind. Wir haben ihn aus der ganzen Tiefe unseres Wesens hervorgeholt. Dasjenige, was vom vorigen Leben bis zu diesem Leben alt geworden ist, was sich im Kopfe auslebt, das führt uns dazu, Vorstellungen haben zu können durch den Kopf. Da sind wir in bezug auf den Kosmos alt, wenn wir geboren werden. Und daß unser Wille sich erneuert hat, das ist, weil wir in bezug auf den Kosmos jung geworden sind. Es ist immer dasjenige, was wir als Haupt an uns tragen, erinnernd an die vorige Inkarnation. Es ist das Alte. Was der Gliedmaßen-Stoffwechselmensch ist, das hat sich der Wille erobert, indem er in diese Inkarnation hereinzieht. Das wird ihm eigentlich vermittelt durch den Mutterleib. Denn das andere — man braucht ja nur die äußere empirische Embryologie zu studieren, so wird es bestätigt — wird eigentlich aus dem Kosmos herein in die Mutter konstruiert. Das Haupt ist eben ein Abbild des Kosmos, wird durch äußere Kräfte bewirkt. Derjenige, der das leugnen will, der soll auch nur sagen, es sei ein Unsinn, daß der Magnetismus der Erde die Magnetnadel stellt. Der Physiker geht, wenn er die Magnetnadel erklären will, aus der Magnetnadel heraus; der Physiologe, der Embryologe, der Biologe, der bleibt, wenn er den Embryo erklären will, im Mutterleib drinnen. Das ist ebenso unsinnig, wie wenn man die Magnetnadel nur aus sich selbst erklären wollte. Man muß herausgehen zum ganzen Kosmos. Wir haben zunächst das Haupt in der ganzen Entwickelung und darangegliedert nur wird der übrige Leib, den sich der Wille erobert, der sich an die Imagination herangemacht hat während des Durchganges durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt von der Mitternachtsstunde des Daseins an.
[ 14 ] Well, if you consider this, you will say to yourself: Human beings actually derive judgment and conclusion from their system of limbs. These are, in fact, acts of the will at their core, and they arise from a state that is more indeterminate than imagination. Just as we wake up in the morning, so, in essence, do we experience it when we have reached a conclusion. We have drawn it forth from the very depths of our being. That which has grown old from the previous life into this one, which plays out in the mind, enables us to form concepts through the mind. In relation to the cosmos, we are old when we are born. And the fact that our will has been renewed is because we have become young in relation to the cosmos. It is always that which we carry within us as our head, a reminder of the previous incarnation. It is the old. What the human being of limb metabolism is, the will has conquered by entering into this incarnation. This is actually conveyed to it through the womb. For the rest—one need only study external empirical embryology to confirm this—is actually constructed from the cosmos into the mother. The head is precisely an image of the cosmos, brought about by external forces. Anyone who wishes to deny this should simply say that it is nonsense that the Earth’s magnetism aligns the magnetic needle. When a physicist seeks to explain the magnetic needle, he proceeds from the magnetic needle itself; the physiologist, the embryologist, and the biologist, when seeking to explain the embryo, remain within the womb. This is just as nonsensical as trying to explain the magnetic needle solely from within itself. One must go out into the entire cosmos. We have, first and foremost, the head in the entire process of development, and only then is the rest of the body attached—a body conquered by the will, which has engaged with the imagination during the passage through life between death and new birth, beginning at the midnight hour of existence.
[ 15 ] Nun, wenn wir diesen Menschen hier betrachten (siehe Zeichnung Seite 128), so finden wir alles, was sich auf das Denken und auf die Wahrnehmung bezieht, oberhalb des Gedächtnishäutchens, alles, was sich auf den Willen bezieht, unterhalb. Das wirkt herauf, wirkt aus dem Unbewußten herauf, das man erst auf die Weise findet, wie wir es gestern auseinandergesetzt haben. Da wirkt der Wille herauf. In bezug auf den Willen sind wir schlafend. Und so haben wir eigentlich den Menschen wirklich als eine Dualität im Leben zwischen Geburt und Tod. Der Mensch ist schon ein Monon, aber er ist es in bezug auf die ganze Welt, und er muß es im Werden herstellen, dieses Monadische. Er muß es immer wieder erneuern. Aber in Wirklichkeit ist der Mensch zwischen Geburt und Tod dualistisch: der Gedanke gewissermaßen mit der Wahrnehmung auf der einen Seite, der Wille mit dem Gemüt auf der andern Seite.
[ 15 ] Now, when we look at this person here (see drawing on page 128), we find that everything related to thinking and perception is located above the “memory cap,” and everything related to the will is located below it. This force acts upward, rising from the unconscious—which can only be discovered in the way we discussed yesterday. It is the will that acts upward. With regard to the will, we are asleep. And so, in reality, we truly experience the human being as a duality in life between birth and death. The human being is indeed a monad, but so is the entire world, and the human being must bring this monadic quality into being. He must renew it again and again. But in reality, the human being is dualistic between birth and death: thought, so to speak, with perception on one side, and the will with the soul on the other.
[ 16 ] Dadurch aber ist der Mensch eigentlich, ich möchte sagen, der Durchschnitt durch zwei Welten, Denn bitte, seien Sie ehrlich und fragen Sie sich, was haben Sie denn in jedem Momente Ihres Lebens im Bewußtsein? Ihre Erinnerungsvorstellungen, dasjenige, was Sie erlebt haben seit dem zweiten, dritten Jahr oder fünften, sechsten Jahr, das ist der Inhalt des Bewußtseins. Und was von unten da durchkommt, was aus dem Willen herausquillt, das ist die Liebe, die Liebefähigkeit. Und eigentlich ist der Mensch nichts anderes als dasjenige, was da im Durchschnitte erscheint als Erinnerungsbilder und Liebe. Es ist im Grunde genommen der Mensch so: oberhalb ist eine Welt, die kosmischer Gedanke ist, unterhalb ist eine Welt, die kosmischer Wille ist. Und immerzu ist der Mensch der Angriffspunkt für Luzifer von der Willensseite her und der Angriffspunkt für Ahriman auf der Gedankenseite (siehe Zeichnung). Ahriman möchte fortwährend den Menschen ganz zum Kopfe machen. Luzifer möchte fortwährend dem Menschen den Kopf abschlagen, daß er gar nicht denken kann, daß alles auf dem Umwege durch das Herz in Wärme herausströmt, daß er ganz überfließt von Weltenliebe und ausfließt in die Welt als Weltenliebe, als ein kosmisch-schwärmerisches Wesen ausfließt.
[ 16 ] But this actually makes a person, I would say, the average of two worlds. Because, please, be honest and ask yourself: what is in your consciousness at every moment of your life? Your memories—what you have experienced since the age of two, three, five, or six—that is the content of your consciousness. And what comes up from below, what wells up from the will, that is love, the capacity for love. And in reality, the human being is nothing other than what appears there, on average, as images of memory and love. Fundamentally, the human being is like this: above is a world that is cosmic thought; below is a world that is cosmic will. And constantly, the human being is the point of attack for Lucifer from the side of the will and the point of attack for Ahriman on the side of thought (see drawing). Ahriman constantly seeks to turn human beings entirely into heads. Lucifer constantly seeks to cut off the head of the human being so that he cannot think at all, so that everything flows out indirectly through the heart as warmth, so that he overflows entirely with love for the world and flows out into the world as love for the world, flowing out as a cosmically rapturous being.
[ 17 ] In unserem Zeitalter, in unserer hochgepriesenen Kultur haben wir vorzugsweise ahrimanische Einflüsse tätig. Diese ahrimanischen Einflüsse, sensitivere Menschen haben sie immer verspürt. Als ich noch ein ganz junger Mensch war, redete ich einmal mit einem österreichischen Dichter, der dazumal sehr bekannt war; der hatte eine feine Empfindung für das, was in der Kultur heraufzieht, und er drückte das halbbildlich aus, aber dieses Halbbildliche war für ihn eine Wirklichkeit. Er sagte zu mir — es ist mir, als ob es heute geschehen wäre: Wie wir heutigen Menschen wären, das sei eigentlich ein furchtbares Los; ein furchtbares Los, das die Menschheit treffen wird, wenn die Dinge so fortgehen, wie sie jetzt gehen. Denn der Mensch wird allmählich die Geschicklichkeit seiner Glieder verlieren, er wird nicht mehr ordentlich gehen können, er wird immerfort radfahren und sich mechanisch weiterbewegen; er wird auch die unmittelbare Geschicklichkeit seiner Hände verlieren, alles wird technisch. Geradeso wie ein Muskel verkümmert, der nicht gebraucht wird, so wird alles das allmählich verkümmern und der Mensch wird nur Kopf werden. Der Kopf wird immer größer werden, und zuletzt wird sich der Mensch so fortkugeln mit einem ganz verkrüppelten übrigen Organismus.
[ 17 ] In our age, in our much-praised culture, Ahrimanic influences are predominantly at work. More sensitive people have always sensed these Ahrimanic influences. When I was still a very young man, I once spoke with an Austrian poet who was very well-known at the time; he had a keen sense of what was emerging in culture, and he expressed it in a semi-figurative way, but this semi-figurative quality was a reality for him. He said to me—it seems to me as if it had happened today: What we people of today have become is actually a terrible fate; a terrible fate that will befall humanity if things continue as they are now. For human beings will gradually lose the dexterity of their limbs; they will no longer be able to walk properly; they will constantly ride bicycles and move about mechanically; they will also lose the direct dexterity of their hands—everything will become technical. Just as a muscle atrophies when it is not used, so will all of this gradually atrophy, and humans will become nothing but a head. The head will grow ever larger, and eventually humans will roll along like this with the rest of their bodies completely crippled.
[ 18 ] Dieses Bild stand, ich möchte sagen, wie ein Alpdruck vor diesem österreichischen Dichter — Hermann Rollett hieß er —, und er schilderte das ganz anschaulich, denn es bedrückte ihn ganz ungeheuer diese Vorstellung, daß die Menschen einmal rollende Köpfe werden durch unsere Kultur. Aber es liegt etwas sehr Wahres dem zugrunde. Es liegt das zugrunde, daß tatsächlich in unserer Zeit die Mächte außerordentlich stark sind, welche unseren Kopf immer mehr und mehr entwickeln möchten. Mit dem physischen Kopf gelingt es ihnen nicht gerade ganz besonders gut, aber mit dem Ätherkopf gelingt es schon besser. Also es ist tatsächlich so, daß in unserer Zeit uns die ahrimanischen Mächte zu ganzen Kopfmenschen machen möchten, daß sie uns ganz und gar umgestalten möchten zu bloßen Denkern.
[ 18 ] This image loomed, I might say, like a nightmare before this Austrian poet—his name was Hermann Rollett—and he described it very vividly, for he was deeply troubled by the idea that people would one day become “rolling heads” as a result of our culture. But there is a great deal of truth underlying this. The underlying reality is that, in our time, the forces seeking to develop our heads more and more are indeed extraordinarily strong. They are not particularly successful with the physical head, but they are more successful with the etheric head. So it is indeed the case that in our time the Ahrimanic forces want to turn us into people who are entirely head-oriented, that they want to completely transform us into mere thinkers.
[ 19 ] Aber für den Menschen in seiner gesunden Entwickelung ist der andere Pol da, der Willenspol, der immer entgegenarbeitet, wenn wir sterben, so daß der Wille den Gedanken ergriffen hat. Der Gedanke darf noch nicht allein sein. Wenn wir geboren werden, da haben wir neuen Willen gesammelt, aber der Gedanke sondert sich ab, findet unseren Kopf; der Wille bemächtigt sich des andern Leibes. Während wir auf der Erde leben, ist ein fortwährendes Wechselwirken da zwischen Wille und Gedanke in uns. Der Wille bemächtigt sich des Gedankens, und wir müssen dieses Zusammengesetzte aus Wille und Gedanke wiederum durchtragen durch den Tod. Ahriman möchte uns daran verhindern. Der möchte, daß der Wille abgesondert bleibt, daß der Gedanke nur in uns besonders ausgebildet würde. Dann verlören wir unsere Individualität, wenn es zuletzt wirklich zu dem käme, was Ahriman eigentlich will. Wir verlören vollständig unsere Individualität. Wir würden mit einem geradezu übertriebenen, instinktiv ausgebildeten Gedanken im Momente des Todes ankommen. Aber den könnten wir Menschen nicht halten, diesen Gedanken, und Ahriman könnte sich seiner bemächtigen und ihn einfügen der übrigen Welt, so daß dieser Gedanke in der übrigen Welt weiterwirkte. Das ist tatsächlich das Schicksal, das der Menschheit droht, wenn sie den gegenwärtigen Materialismus fortsetzt, daß die ahrimanischen Mächte so stark werden, daß Ahriman den Menschen die Gedanken wegstehlen kann und sie der Erde einverleiben kann in ihrer Wirksamkeit, so daß die Erde, die eigentlich zugrunde gehen sollte, konsolidiert wird. Ahriman arbeitet darauf hin, daß die Erde konsolidiert wird, daß die Erde als Erde bestehen bleibt. Ahriman arbeitet gegen das Wort: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Er will, daß die Worte weggeworfen werden und daß Himmel und Erde bestehen bleiben. Das kann nur erreicht werden, wenn den Menschen die Gedanken gestohlen werden, wenn die Menschen entindividualisiert werden.
[ 19 ] But for human beings in their healthy development, there is the other pole—the pole of the will—which always works against this when we die, so that the will has taken hold of the thought. The thought must not yet be left alone. When we are born, we have gathered new will, but the thought separates itself, finds its way into our head; the will takes possession of the other body. While we live on Earth, there is a constant interplay between will and thought within us. The will takes possession of the thought, and we must carry this composite of will and thought through death once again. Ahriman would like to prevent us from doing so. He would like the will to remain separate, for the thought to be developed within us in a special way. Then we would lose our individuality if, in the end, what Ahriman actually wants were to come to pass. We would completely lose our individuality. We would arrive at the moment of death with a thought that is downright exaggerated and instinctively formed. But we humans could not hold on to this thought, and Ahriman could take possession of it and incorporate it into the rest of the world, so that this thought would continue to have an effect in the rest of the world. This is indeed the fate that threatens humanity if it continues on the current path of materialism: that the Ahrimanic forces will become so strong that Ahriman can steal people’s thoughts and incorporate them into the Earth through their effects, so that the Earth—which was actually meant to perish—is consolidated. Ahriman works toward the consolidation of the Earth, so that the Earth may continue to exist as the Earth. Ahriman works against the words: “Heaven and Earth will pass away, but my words will not pass away.” He wants the words to be cast aside and for heaven and Earth to remain. This can only be achieved if people’s thoughts are stolen from them, if people are de-individualized.
[ 20 ] Wenn Ahriman weiterwirken könnte, wie er es seit dem Jahre 1845 ja ganz besonders gekonnt hat, dann würden zunächst die menschlichen Gehirne immer steifer und steifer werden, und die Menschen würden wie unter Zwangsgedanken leben, unter materialisierten Gedanken, wie ich das gestern auseinandergesetzt habe. Es würde sich das besonders darin zeigen, daß die Menschen auch in der Erziehung so geführt würden, daß sie nicht bewegliche Gedanken haben, sondern daß sie, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, ganz fixierte Gedanken haben. Nun bitte ich Sie, fragen Sie sich, ob das nicht schon im hohen Grade vielfach gegenwärtig erreicht ist! Denken Sie nur, wie fixiert die Gedanken vieler Menschen heute sind. Kann man den Menschen heute noch viel beibringen? Ihre Gedanken sind so starr, so fest, daß man ihnen nicht viel beibringen kann. Das ist schon ahrimanisch verwendet. Und Ahriman bemüht sich, das immer zu steigern, immer mehr die Gedanken zu Zwangsgedanken zu machen. Und ein solches wirksames Produkt dieser Zwangsgedanken auf wissenschaftlichem Gebiete ist der Atomismus. Da wird hinter dem Sinnenschleier nicht Geist vermutet, sondern lauter Atome, überall schwingende Atome, wirbelnde, schwingende Atome. Natürlich können Sie mit nichts anderem hinter diesen Sinnenschleier kommen als mit den Gedanken. Aber Ahriman hat die Leute schon so verwirrt, daß sie ihre Gedanken schon materialisiert haben. Sie glauben nicht mehr daran, daß sie eigentlich da nur eine Welt von Gedankenatomen konstruieren, sondern sie betrachten das als Wirklichkeit; sie setzen also die Gedanken da hinaus. Das ist durchaus ahrimanisierte Welt. Wir haben heute eine ahrimanisierte Wissenschaft, eine durch und durch ahrimanisierte Wissenschaft.
[ 20 ] If Ahriman were able to continue his influence—as he has been particularly adept at doing since 1845—then, to begin with, human brains would become increasingly rigid, and people would live as if under the influence of obsessive thoughts, under materialized thoughts, as I explained yesterday. This would be particularly evident in the fact that people would be guided—even in their education—in such a way that they would not have flexible thoughts, but rather, once they reached a certain age, would have completely fixed thoughts. Now I ask you: ask yourselves whether this is not already being achieved to a high degree in many cases! Just think how fixed the thoughts of many people are today. Can one still teach people much today? Their thoughts are so rigid, so fixed, that one cannot teach them much. This is already being exploited by Ahriman. And Ahriman strives to intensify this ever more, to turn thoughts more and more into compulsive thoughts. And one such effective product of these compulsive thoughts in the scientific realm is atomism. There, behind the veil of the senses, no spirit is suspected, but only atoms—atoms vibrating everywhere, swirling, vibrating atoms. Of course, you cannot penetrate this veil of the senses with anything other than thoughts. But Ahriman has already confused people to such an extent that they have materialized their thoughts. They no longer believe that they are actually constructing only a world of thought-atoms there, but they regard it as reality; thus, they project their thoughts out into the world. This is a thoroughly Ahrimanized world. Today we have an Ahrimanized science, a science that is Ahrimanized through and through.


[ 21 ] Daß man das hat, tritt einem zuweilen im Leben in einer furchtbaren Weise entgegen. Ich habe zum Beispiel einmal — es ist jetzt vielleicht fünfunddreißig Jahre her — ein Manuskript bekommen. Es war ein sehr gelehrtes Manuskript. Es sollte aufstellen das Menschendifferential — ich erzähle Ihnen eine wahre Geschichte —, das heißt, dasjenige Differential, daß, wenn man integriert, man den Menschen bekommt. Wenn man also integriert vom Fuß bis zum Kopf, bekommt man den Menschen. Es war eine sehr gelehrte Abhandlung. Und der Arzt, der mir das brachte, der sagte: Sie können den Verfasser auch kennenlernen —, denn er war bei ihm auf der Klinik. Und als ich den Mann kennenlernte, sagte der: Ja, das ist so, ich habe das selber erlebt, ich bestehe ja ganz aus Differentialatomen, überall sind Differentiale, ich bin nur ein Integral. — Er hatte sich ganz differenziert vorgestellt in lauter Atomen; das war eine intellektuell-ahrimanische Bewußtseinsart. Aber sie ist ja schließlich, ich möchte sagen, nur das starr gewordene System des Atomismus. Denn als mir dieses Manuskript gebracht wurde, mußte ich mich erinnern, daß es ja eine Laplacesche Weltenformel gibt: da soll es möglich sein, aus den Vorgängen der Atome durch Integration — wobei man jetzt nicht vom Fuß bis zum Kopf integriert, sondern wo man einfach vom Weltenanfang bis zum Weltenende zu integrieren hat — auszurechnen, wenn man irgendeinen speziellen Wert einsetzt, nun, sagen wir, wann Cäsar den Rubikon überschritten hat und dergleichen! Nicht wahr, einfach indem man die Atome in der Weltenformel vorbringt, in der entsprechenden Weise behandelt. Diese ganze Denkweise sah zum Verzweifeln ähnlich der Abhandlung, die jener Mann von sich selber gemacht hat, der sich ganz als ein zwischen den Grenzen von Fuß und Kopf eingeschlossenes Integral angesehen hat. Man kann da schon, wenn man die Dinge richtig anschaut, durchaus in das Ahrimanischwerden unserer Kultur hineinschauen.
[ 21 ] The fact that this exists sometimes confronts you in a terrible way in life. For example, once—it’s been maybe thirty-five years now—I received a manuscript. It was a very scholarly manuscript. It was supposed to establish the “human differential”—I’m telling you a true story—that is, the differential such that, when you integrate it, you get a human being. So if you integrate from foot to head, you get a human being. It was a very scholarly treatise. And the doctor who brought it to me said, “You can also meet the author”—because he had been at the clinic with him. And when I met the man, he said, “Yes, that’s true; I’ve experienced it myself. I consist entirely of differential atoms; there are differentials everywhere; I am merely an integral.” — He had imagined himself as entirely differentiated into nothing but atoms; that was an intellectual-Ahrimanic mode of consciousness. But ultimately, I would say, it is merely the system of atomism that has become rigid. For when this manuscript was brought to me, I was reminded that there is, after all, a Laplacian formula for the universe: it is said to be possible, through integration of atomic processes—not integrating from bottom to top, but simply integrating from the beginning of the world to its end—to calculate, by substituting a specific value, well, let’s say, when Caesar crossed the Rubicon and the like! Isn’t that right? Simply by introducing the atoms into the world formula and treating them in the appropriate manner. This whole way of thinking was, to the point of despair, similar to the treatise written by that man who viewed himself entirely as an integral enclosed between the boundaries of foot and head. If one looks at things correctly, one can indeed glimpse the Ahrimanic transformation of our culture here.
[ 22 ] Dem muß natürlich entgegengearbeitet werden, und das kann nur dadurch geschehen, daß unsere Begriffe wiederum zur Bildlichkeit gebracht werden, daß wir also nicht bloß arbeiten mit abstrakten Begriffen, sondern daß wir unsere Begriffe zur Bildlichkeit bringen. Dann werden wir, wenn wir hinausgehen durch die Pforte des Todes, schon Bilder mitbringen, und wir finden den Anschluß an dasjenige, was die Welt fordert. Sonst geht die Menschheit der Gefahr entgegen, sich selbst zu verlieren, und was eigentlich durch das Hineinfließen des Willens in die Gedanken individualisiert werden sollte, das wird mineralisiert, wird zur allgemeinen Erde gemacht, und die Erde würde ein Weltenwesen werden, aber die Menschheit würde seelisch in einen großen Friedhof einmünden.
[ 22 ] Of course, this must be counteracted, and that can only be done by restoring our concepts to their visual nature—that is, by not merely working with abstract concepts, but by making our concepts visual. Then, when we pass through the gate of death, we will already bring images with us, and we will find a connection to what the world demands. Otherwise, humanity faces the danger of losing itself, and what should actually be individualized through the inflow of the will into thought will instead be mineralized, turned into the universal earth; and the earth would become a cosmic being, but humanity would, spiritually speaking, flow into a vast cemetery.
[ 23 ] Man muß zuweilen solche Kulturausblicke machen. In unserer Zeit ist es durchaus notwendig, solche Kulturausblicke zu machen. Denn derjenige, der die Dinge der Entwickelung heute genauer zu überschauen vermag, der weiß, wie rasch wir uns im Grunde genommen dieser Verknöcherung unserer Kultur nähern. Ich möchte auch bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß man ja bis zum Jahre 869, bis zum achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel die Gliederung des Menschen hatte in Leib, Seele und Geist. Nun ist ja, wie ich öfter erwähnt habe, auf diesem achten allgemeinen ökumenischen Konzil für das Abendland die Formel aufgestellt worden: Es darf nicht geglaubt werden, daß der Mensch aus Leib und Seele und Geist besteht, sondern nur aus Leib und Seele, und die Seele hat einige geistige Eigenschaften. Das ist dann allgemein übergegangen. Im Mittelalter war es ketzerisch, häretisch, zu glauben, der Mensch bestünde aus Leib, Seele und Geist. Heute finden die Philosophieprofessoren durch unbefangene Wissenschaft: Der Mensch besteht nur aus Leib und Seele. Diese «unbefangene Wissenschaft» ist nichts anderes als ein Beschluß des achten allgemeinen ökumenischen Konzils. Aber das strebt nach einem andern hin. Man kann sagen: Durch dieses achte ökumenische Konzil hat die Menschheit verloren das Bewußtsein über den Geist, das wieder errungen werden muß. Gehen wir aber auf dem Wege weiter, den ich Ihnen jetzt geschildert habe, so verliert die Menschheit auch noch das Bewußtsein über die Seele.
[ 23 ] One must occasionally take such a broad view of culture. In our time, it is absolutely necessary to take such a broad view of culture. For anyone who is able to gain a clearer overview of current developments today knows how rapidly we are, in essence, approaching this ossification of our culture. I would also like to take this opportunity to mention that, up until the year 869—the Eighth Ecumenical Council in Constantinople—the human being was understood to consist of body, soul, and spirit. Now, as I have often mentioned, at this Eighth Ecumenical Council the formula was established for the West: One must not believe that human beings consist of body, soul, and spirit, but only of body and soul, and that the soul possesses certain spiritual qualities. This view then became widely accepted. In the Middle Ages, it was considered heretical to believe that human beings consisted of body, soul, and spirit. Today, philosophy professors, through “unbiased science,” conclude that human beings consist only of body and soul. This “unbiased science” is nothing other than a resolution of the Eighth Ecumenical Council. But this trend is leading in another direction. One could say: Through this Eighth Ecumenical Council, humanity has lost its awareness of the spirit, which must be regained. But if we continue down the path I have just described to you, humanity will also lose its awareness of the soul.
[ 24 ] Bei den Materialisten des 19. Jahrhunderts war dieses Bewußtsein über die Seele schon bis zu dem Grade verschwunden, daß man sagte: Das Gehirn sondert Gedanken ab wie die Leber Galle. Man hat also eigentlich nur noch das Bewußtsein der leiblichen Vorgänge gehabt. Und in der Tat, es bestehen heute schon, ohne daß es die Menschen wissen, in gewissen Untergründen, wo allerlei Gesellschaften nach solchen Dingen hinarbeiten, die Tendenzen, etwas Ähnliches herbeizuführen wie 869 auf dem Konzil von Konstantinopel, nämlich zu erklären: Der Mensch besteht nicht aus Leib und Seele, sondern der Mensch besteht aus dem Leib, und die Seele ist bloß etwas, was aus dem Leibe heraus sich entwickelt. Es ist daher unmöglich, den Menschen seelisch zu erziehen; man muß also ein Mittel, ein materielles Mittel finden, womit man den Menschen in einem gewissen Lebensalter impft, und dann wird er seine Talente ausbilden durch Impfung. — Diese Tendenz besteht durchaus. Sie liegt in der geraden Linie der ahrimanischen Entwickelung: nicht mehr Schulen zu gründen, um zu lehren, sondern mit gewissen Stoffen zu impfen. Man kann das nämlich. Es ist nicht so, als ob man es nicht könnte. Man kann es; aber man macht den Menschen zu einem Automaten. Man würde dasjenige riesig beschleunigen, was man sonst auf dem Wege des Gedankenzwanges, durch eine Erziehung, die auf Gedankenzwang hinarbeitet, erreicht. Es gibt schon durchaus Substanzen, die man gewinnen kann, wodurch der Mensch, wenn er zum Beispiel mit sieben Jahren geimpft würde, sich die Volksschule gut ersparen könnte; er würde nämlich ein Gedankenautomat.Er würde außerordentlich gescheit werden, aber er würde kein Bewußtsein davon haben. Es würde so ablaufen diese Gescheitheit. Aber was liegt vielen Menschen heute schon daran, ob der Mensch ein inneres Leben hat oder nicht, wenn er nur äußerlich herumläuft und das oder jenes tut! Diejenigen Menschen, die sich heute vorzugsweise der ahrimanischen Kultur ergeben — und die gibt es auch —, streben durchaus nach solchen Idealen hin. Schließlich, was könnte es denn Reizvolleres geben für eine Gesinnung, wie sie sich heute immer mehr verbreitet, als einen Impfstoff zu finden, statt sich mit den Kindern jahrelang abzuplagen! Man muß diese Dinge drastisch darstellen. Solange man sie nicht drastisch darstellt, merkt nämlich die Menschheit der Gegenwart nicht, zu welchen Zielen sie hinstrebt. Durch einen solchen Impfstoff würde eben einfach das erreicht werden, daß der Ätherleib gelockert würde im physischen Leibe. Sobald der Ätherleib gelockert wird, ist das Spiel zwischen dem Universum und dem Ätherleib ein außerordentlich lebhaftes und der Mensch würde Automat werden. Denn der physische Leib des Menschen muß hier auf der Erde durch geistigen Willen erzogen werden.
[ 24 ] Among the materialists of the 19th century, this awareness of the soul had already disappeared to such an extent that it was said: “The brain secretes thoughts just as the liver secretes bile.” Thus, they were essentially left with only an awareness of physical processes. And in fact, even today—without people realizing it—there are certain underground movements, where all manner of groups are working toward such ends, that are pushing for something similar to what happened at the Council of Constantinople in 869, namely, to declare: Human beings do not consist of body and soul; rather, human beings consist of the body, and the soul is merely something that develops out of the body. It is therefore impossible to educate human beings spiritually; one must therefore find a means—a material means—by which to “vaccinate” human beings at a certain age, and then they will develop their talents through this “vaccination.” — This tendency certainly exists. It lies in the direct line of Ahrimanic development: no longer founding schools to teach, but rather “vaccinating” people with certain substances. For this is indeed possible. It is not as if it were impossible. It is possible; but it turns people into automatons. It would vastly accelerate what is otherwise achieved through the imposition of thought—through an education that works toward the imposition of thought. There are indeed substances that can be extracted, whereby a person—if, for example, vaccinated at the age of seven—could easily do without elementary school; for he would become a thinking automaton. He would become extraordinarily clever, but he would have no awareness of it. That is how this intelligence would manifest. But what does it matter to many people today whether a person has an inner life or not, as long as they go about outwardly doing this or that! Those people who today prefer to surrender to Ahrimanic culture—and such people do exist—are certainly striving toward such ideals. After all, what could be more appealing to a mindset that is becoming increasingly widespread today than finding a vaccine, rather than toiling with children for years on end! One must present these things in stark terms. For as long as they are not presented in stark terms, present-day humanity does not realize what goals it is striving toward. Such a vaccine would simply serve to loosen the etheric body within the physical body. As soon as the etheric body is loosened, the interplay between the universe and the etheric body becomes extraordinarily lively, and the human being would become an automaton. For the human physical body must be educated here on Earth through spiritual will.
[ 25 ] Aus dem vollen Bewußtsein, das man vor Augen hat gegenüber der Automatisierung des Menschen, sind die Methoden für die Waldorfschule, die pädagogischen Methoden für die Waldorfschule ausfindig gemacht. Sie sollen durchaus in dieser Beziehung ein Kulturmotor sein, der wiederum zur Spiritualisierung hinführt. Denn es ist im Grunde genommen — man kann das schon sagen — heute vor allen Dingen notwendig, daß das geistige Leben unter den Menschen als geistiges Leben besonders gepflegt werde. Daher sollte man auch wacker hinsehen auf alles das, was als Symptom zur Besserung bei einzelnen Menschen hervortritt. Ich habe es bei andern Gelegenheiten oftmals hervorgehoben, wie die Menschheit heute darnach strebt, an Stelle der wirklichen Lebenspraxis die Routine zu setzen; Routine, was ja Mechanisierung des Lebens ist.
[ 25 ] The methods for the Waldorf school—the pedagogical methods for the Waldorf school—have been developed out of a full awareness of the automation of human beings. In this regard, they are intended to serve as a driving force for culture, which in turn leads to spiritualization. For, fundamentally speaking—and one can certainly say this—it is necessary today, above all else, that spiritual life among human beings be particularly nurtured as spiritual life. Therefore, we should also look closely at everything that emerges as a sign of improvement in individual people. I have often emphasized on other occasions how humanity today strives to replace genuine lived experience with routine—routine, which is, after all, the mechanization of life.
[ 26 ] Ich mußte mich neulich sehr freuen, als ich las, wie es doch noch Menschen gibt, die außer der gewöhnlichen Lebensroutine eine wirkliche Lebenspraxis auch im praktischen Leben immer schon als etwas Wichtiges angesehen haben. Es ging nämlich neulich einmal die Nachricht durch die Welt, wie Edison seine Leute geprüft hat, die er für Praktiker vorbereiten wollte. Es interessierte ihn gar nicht, ob ein Kaufmann gut buchführen kann. Das, sagte er, lernt einer in drei Wochen, wenn er sonst ein geschickter, vernünftiger Mensch ist. — Alle diese Spezialitäten, die interessieren ihn gar nicht, das bringt man schon fertig. Und es ist richtig. Aber Edison legte den Menschen, von denen er wissen wollte, ob sie auch etwas im praktischen Leben taugen, Fragen vor, Fragen von dieser Art etwa: Wie groß ist Sibirien? — Also wenn er irgendeinen prüfen wollte, ob er ein guter Buchhalter ist, fragte er nicht, ob er richtig eine Bilanz verfertigen kann, sondern: Wie groß ist Sibirien? — Oder: Wenn ein Zimmer fünf Meter lang, drei Meter breit und vier Meter hoch ist, wieviel Kubikmeter Luft faßt es dann? — und ähnliche Fragen. Er legte Fragen vor: Was steht an derjenigen Stelle, wo Cäsar den Rubikon überschritt — und so weiter, ganz allgemeine Fragen, und je nachdem der eine mehr oder weniger solche allgemeine Fragen beantworten konnte, stellte Edison ihn zum Buchhalter oder so etwas an. Ob er also gut Bücher führen kann oder nicht, das interessierte ihn gar nicht, denn das wußte er: Wenn jemand eine solche Frage beantworten kann, so ist ein Beweis dafür geliefert, daß er seine Schulzeit nicht vergebens abgesessen hat, daß er als Kind mit beweglichen Gedanken sich heranentwickelt hat; und das verlangte er.
[ 26 ] I was very pleased the other day when I read that there are still people who, beyond the usual routine of daily life, have always regarded a genuine way of life—even in practical matters—as something important. In fact, news recently spread around the world about how Edison tested the people he wanted to train as practitioners. He wasn’t at all interested in whether a businessman could keep good books. That, he said, is something anyone can learn in three weeks if they’re otherwise a capable, sensible person. — All those specialized skills don’t interest him at all; those can be mastered easily. And that’s true. But Edison posed questions to the people he wanted to assess to see if they were any good in practical life—questions of this sort, for example: How big is Siberia? — So if he wanted to test someone to see if they were a good bookkeeper, he didn’t ask if they could draw up a balance sheet correctly, but rather: How big is Siberia? — Or: “If a room is five meters long, three meters wide, and four meters high, how many cubic meters of air does it hold?” — and similar questions. He asked questions like: “What is located at the spot where Caesar crossed the Rubicon?” — and so on, very general questions, and depending on how well a person could answer such general questions, Edison would hire him as an accountant or something similar. So whether or not someone was good at bookkeeping didn’t interest him at all, because he knew this: If someone could answer such a question, it proved that they hadn’t wasted their school years, that they had developed as a child with a flexible mind; and that was what he demanded.
[ 27 ] So sollte eigentlich die Praxis gestaltet werden, während wir in der letzten Zeit gerade dem Gegenteil zugesteuert haben und immer mehr in Spezialisierungen verfallen sind, so daß schließlich wirklich es zum Verzweifeln war mit den Leuten, die man für die Praxis brauchte. Sie waren überhaupt nicht mehr zu gewinnen für irgend etwas, was außerhalb der Kassette war, in die sie gerade eingepfercht sein wollten. Man muß schon sagen: Auch auf diese Weise muß in die Beweglichkeit der Gedanken hineingearbeitet werden. Wenn in solcher Weise in die Beweglichkeit der Gedanken hineingearbeitet wird, dann werden sich diese Gedanken nicht verhärten und Ahriman wird einen schweren Stand haben. Aber Sie werden selber sehen, wenn Sie das Leben betrachten, wie wenig die Edisons da sind, die gerade solche praktischen Grundsätze haben. Das, worauf es ankommt, ist, hinzuarbeiten nach der Bildlichkeit der Begriffe; wer nach der Bildlichkeit der Begriffe hinarbeitet, wird nicht mehr sagen können, er verstehe Geisteswissenschaft nicht. Denn gerade der Ruck, den sich ein Mensch gibt, um von dem Abstrakten die Bildlichkeit der Begriffe zu bekommen, der bedeutet auf der einen Seite die Möglichkeit, so etwas zu begreifen: Die Erde hat sich aus Mond, Sonne, Saturn entwickelt. Auf der andern Seite mischt sich für das innere Leben in die bildlichen Vorstellungen, in die Imaginationen, Gefühlsleben herein. Der Vollmensch tritt wirklich ein.
[ 27 ] This is how clinical practice should actually be structured, whereas recently we have been heading in exactly the opposite direction and have become increasingly mired in specialization, to the point where it was truly exasperating to find the people needed for clinical practice. They could no longer be won over to anything outside the box into which they wanted to be crammed. It must be said: In this way, too, one must work to cultivate the flexibility of thought. If one works to cultivate the flexibility of thought in this way, then these thoughts will not harden, and Ahriman will have a hard time. But you will see for yourselves, when you look at life, how few Edisons there are who hold precisely such practical principles. What matters is to work toward the imagery of concepts; whoever works toward the imagery of concepts will no longer be able to say that they do not understand spiritual science. For it is precisely the effort a person makes to derive the imagery of concepts from the abstract that, on the one hand, opens the possibility of grasping such things as: The Earth developed from the Moon, the Sun, and Saturn. On the other hand, it brings the emotional life into the inner world, into the pictorial representations and imaginations. The fully developed human being truly emerges.
[ 28 ] Neulich einmal wurde hier mitgeteilt, daß ein Kritiker der Anthroposophie gesagt hat, die Anthroposophie wäre keine Wissenschaft, weil sie dasjenige, wozu sie kommt, aus dem ganzen Menschen heraus schöpft; eine Wissenschaft aber dürfe nur aus dem Intellekt heraus schöpfen. Also Sie sehen, man definiert zuerst, was eine Wissenschaft ist, daß die nicht aus dem ganzen Menschen schöpfen darf, und dann sagt man: Es ist falsch, wenn aus dem ganzen Menschen geschöpft wird. — Auf diese Weise kann man natürlich alles in Grund und Boden definieren. Darauf kommt es gerade an, daß wir die einseitige Kopfkultur wiederum ausdehnen zu einer Vollmenschenkultur. Und es ist ja eigentlich nur das falsche Bewußtsein, das zu dieser Kopfkultur kommt und das sich dann ausbildet im praktischen Leben. Denn der falsche Glaube, daß wir mit dem Kopfe urteilen, schließen, der verleitet die Menschen zu der Kopfkultur. Wir urteilen mit den Beinen und schließen mit den Armen. Weiß man das einmal, daß der ganze Mensch schon notwendig ist zu einem Urteil und zu einem Schluß, dann wird man nicht mehr sich sträuben gegen den Grundsatz: Wirkliche Wahrheit muß aus dem ganzen, aus dem vollen Menschen herauskommen. Das ist dasjenige, worauf ich Sie heute hinweisen wollte.
[ 28 ] It was recently reported here that a critic of anthroposophy said that anthroposophy is not a science because it draws what it arrives at from the whole human being; a science, however, may draw only from the intellect. So you see, first one defines what a science is—that it must not draw from the whole human being—and then one says: It is wrong to draw from the whole human being. — In this way, of course, one can tear everything to shreds. The point is precisely that we must expand this one-sided culture of the head back into a culture of the whole human being. And it is really only false consciousness that leads to this culture of the head and then manifests itself in practical life. For the false belief that we judge and draw conclusions with our heads is what leads people to this culture of the head. We judge with our legs and draw conclusions with our arms. Once we realize that the whole person is already necessary for a judgment and a conclusion, we will no longer resist the principle: True truth must come from the whole, from the full human being. That is what I wanted to point out to you today.



