Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in Their Relationship to the World
GA 205
8 July 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit I, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wir wollen heute zur Vorbereitung für die beiden nächsten Betrachtungen uns vor die Seele rufen einiges über das Wesen des Menschen, insofern der Mensch ein Gedankenwesen ist. Gerade diese Eigenschaft des Menschen, daß er ein Gedankenwesen ist, die wird ja wissenschaftlich heute verkannt, in einer ganz falschen Weise gedeutet. Man denkt, Gedanken, wie sie der Mensch erlebt, kommen in dem Menschen zustande, der Mensch sei gewissermaßen der Träger der Gedanken. Kein Wunder, daß man diese Anschauung hat, denn eigentlich ist ja die Wesenheit des Menschen nur einer feineren Beobachtung zugänglich. Der gröberen Beobachtung entzieht sich gerade diese Menschenwesenheit.
[ 1 ] Today, in preparation for the next two reflections, let us bring to mind a few thoughts about the nature of the human being, insofar as the human being is a thinking being. It is precisely this characteristic of the human being—that he is a thinking being—that is misunderstood scientifically today and interpreted in a completely wrong way. It is thought that thoughts, as experienced by human beings, arise within them; that human beings are, so to speak, the bearers of thoughts. It is no wonder that people hold this view, for the true nature of the human being is, in fact, accessible only to more subtle observation. It is precisely this human essence that eludes coarse observation.
[ 2 ] Wenn wir den Menschen als Gedankenwesen betrachten, so geschieht es ja deshalb, weil wir im Wachzustande, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wahrnehmen, daß er seine sonstigen Erlebnisse mit Gedanken, mit dem Inhalt seines Denkens begleitet. Diese Gedankenerlebnisse kommen einem so vor, als ob sie auf irgendeine Weise im Inneren des Menschen entstehen und als ob sie in einer gewissen Weise für die Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, also für den Schlafzustand, aufhören würden. Und weil man der Meinung ist, Gedankenerlebnisse seien für den Menschen eben da, so lange er wacht, verlieren sich aber im Schlafe in irgendein Unbestimmtes, über das man sich nicht weiter Aufklärung zu verschaffen versucht und man sich die Sache eben so vorstellt, so kann man eigentlich über den Menschen als Gedankenwesen sich nicht aufklären. Eine feinere Beobachtung, die ja noch gar nicht besonders stark vorrückt bis in diejenige Region, die ich gezeichnet habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», zeigt, daß das Gedankenleben durchaus nicht jenes Einfache ist, als das man es sich gewöhnlich vorstellt. Wir brauchen nur dieses gewöhnliche Gedankenleben, das grobe Gedankenleben, dessen jeder gewahr wird, der eben den Menschen zwischen Aufwachen und Einschlafen betrachtet, zunächst zu vergleichen mit einem für das gewöhnliche Bewußtsein allerdings problematischen Element, mit dem Element des Träumens.
[ 2 ] When we regard human beings as thinking beings, it is because, in the waking state—from the moment we wake up until we fall asleep—we perceive that they accompany their other experiences with thoughts, with the content of their thinking. These thought experiences seem as though they arise in some way within the person and as though they cease, in a certain sense, during the time between falling asleep and waking up—that is, during sleep. And because people believe that thought experiences exist for a person only as long as they are awake, but dissolve into some indeterminate state during sleep—a state about which they make no further effort to gain insight and simply imagine it to be so—they cannot truly gain insight into the human being as a thinking being. A more subtle observation—which, admittedly, does not yet penetrate very deeply into the region I have described in my book How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?—shows that the life of thought is by no means as simple as it is usually imagined to be. We need only compare this ordinary life of thought—this coarse life of thought, which anyone who observes a person between waking and falling asleep becomes aware of—with an element that is, admittedly, problematic for ordinary consciousness: the element of dreaming.
[ 3 ] Gewöhnlich läßt man sich doch eigentlich nicht auf etwas anderes ein, wenn von Träumen die Rede ist, als auf eine allgemeine Charakteristik des Träumens. Man vergleicht den Zustand des Träumens mit dem Zustand des wachen Denkens und findet, daß im Träumen willkürliche Gedankenverbindungen, wie man etwa sagen würde, vorhanden sind, daß Bilder sich aneinanderreihen, ohne daß in dieser Aneinanderreihung ein solcher Zusammenhang wahrnehmbar wäre, wie er wahrnehmbar ist in der äußeren Seinswelt. Oder auch man bezieht dann dasjenige, was im Traum abläuft, auf die äußere Sinneswelt, sieht, wie es gewissermaßen herausragt, wie es nach Anfang und Ende sich nicht eingliedert in die Vorgänge der äußeren Sinneswelt.
[ 3 ] Usually, when we talk about dreams, we are really referring to nothing other than a general characterization of dreaming. One compares the state of dreaming with the state of waking thought and finds that in dreaming there are, as one might say, arbitrary associations of thoughts, that images follow one another without any perceptible connection in this sequence, such as is perceptible in the external world. Or one may relate what takes place in a dream to the external sensory world, observing how it stands out, as it were, and how, in terms of its beginning and end, it does not fit into the processes of the external sensory world.
[ 4 ] Gewiß, bis zu diesen Beobachtungen dringt man ja vor, und in bezug auf diese Beobachtungen sind ja durchaus schöne Resultate zu verzeichnen. Aber was man nicht bemerkt, das ist, daß erstens, wenn der Mensch sich ein wenig, ich möchte sagen, einem Anflug der Versenkung überläßt, ein wenig sich gehen läßt und die Gedanken frei laufen läßt, er dann wahrnehmen kann, wie in diesen gewöhnlichen Gedankenablauf, der sich anschließt an den äußeren Verlauf der Ereignisse, sich etwas doch hineinmischt, was dem Träumen nicht unähnlich ist, auch dann, wenn wir im wachen Zustande sind. Man kann schon sagen: Vom Aufwachen bis zum Einschlafen verläuft gewissermaßen — während wir uns anstrengen, unser Gedankenleben den äußeren Verhältnissen, in die wir hineinverwoben sind, anzupassen — ein unbestimmtes Träumen. Gewissermaßen wie zwei Ströme, die da sind, kann es uns vorkommen: die obere Strömung, die wir beherrschen mit unserer Willkür, und eine untere Strömung, die eigentlich wirklich so verläuft, wie die Träume selbst in ihrer Bilderaufeinanderfolge verlaufen. Gewiß, man muß sich ein bißchen dem inneren Leben hingeben, wenn man das bemerken will, wovon ich eben jetzt spreche. Aber es ist immer vorhanden. Man wird immer bemerken: eine Unterströmung ist da. Da wirbeln die Gedanken durchaus so bildhaft ineinander, wie sie in den Träumen durcheinanderwirbeln, da reiht sich das Bunteste aneinander. Da kommen Reminiszenzen aus allem möglichen, die ebenso wie der Traum nach dem bloßen Wortgleichklang andere Gedanken an sich heranrufen, sich mit ihnen verbinden. Und Menschen, welche sich innerlich gehen lassen, Menschen, welche zu bequem sind, um sich den äußeren Verhältnissen mit ihrem Gedankenablauf anzupassen, die können bemerken, wie ein inneres Streben besteht, sich hinzugeben solchen wachen Träumen.
[ 4 ] Certainly, one does arrive at these observations, and with regard to these observations, there are indeed some very fine results to report. But what goes unnoticed is that, first of all, when a person allows himself, I might say, a hint of contemplation, lets themselves go a little, and allows their thoughts to run free, they can then perceive how, into this ordinary flow of thought—which follows the external course of events—something does indeed intermingle that is not unlike dreaming, even when we are in the waking state. One could even say: From the moment we wake up until we fall asleep, a kind of indefinite dreaming takes place—while we strive to adapt our thought life to the external circumstances in which we are entwined. It may seem to us, in a sense, as if there were two currents: the upper current, which we control with our will, and a lower current that actually flows just as dreams themselves flow in their succession of images. Certainly, one must surrender a little to one’s inner life if one wants to notice what I am speaking of right now. But it is always there. One will always notice: an undercurrent is present. There, thoughts swirl into one another just as vividly as they do in dreams; there, the most colorful images follow one after another. There come reminiscences from all sorts of things, which—just as a dream does based on the mere assonance of words—evoke other thoughts and connect with them. And people who let themselves go inwardly—people who are too comfortable to adapt their train of thought to external circumstances—can sense how there is an inner striving to surrender to such waking dreams.
[ 5 ] Dieses wache Träumen unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Träumen nur dadurch, daß die Bilder verblaßter sind, daß die Bilder mehr vorstellungsähnlich sind. Aber in bezug auf das gegenseitige Verhältnis dieser Bilder unterscheidet sich dieses Wachträumen gar nicht besonders von dem sogenannten wirklichen Träumen. Es gibt ja alle Grade von Menschen, von jenen an, die überhaupt gar nicht bemerken, daß ein solches waches Träumen in den Unterströmungen ihres Bewußtseins vorhanden ist, die also ganz am Leitfaden der äußeren Ereignisse ihre Gedanken ablaufen lassen, bis zu denen, die sich dem wachen Träumen hingeben und in ihrem Bewußtsein ablaufen lassen, wie, ich möchte sagen, die Gedanken daselbst sich ineinander verweben und verstrudeln wollen. Von solchen träumerischen Naturen, wie man sie auch nennt, bis zu denen, die ganz trockene Naturen sind, die nichts gelten lassen als das, was genau übereinstimmt mit irgendeinem Tatsachenverlauf, gibt es ja alle Grade von menschlichen Naturen. Und wir müssen sagen, ein größerer Teil dessen, was die Menschen künstlerisch, dichterisch und so weiter befruchtet, entstammt dieser Unterströmung des wachen Träumens während des Tages.
[ 5 ] This lucid dreaming differs from ordinary dreaming only in that the images are fainter, that they are more like figments of the imagination. But in terms of the interrelationship of these images, this lucid dreaming does not differ particularly from so-called real dreaming. There are, after all, all kinds of people, ranging from those who do not even notice that such lucid dreaming exists in the undercurrents of their consciousness—who thus let their thoughts run entirely along the thread of external events—to those who indulge in lucid dreaming and allow it to unfold in their consciousness; as, I might say, thoughts there seek to interweave and swirl together. From such dreamy dispositions—whatever one may call them—to those who are entirely pragmatic, accepting nothing but what corresponds exactly to some course of events, there are indeed all degrees of human nature. And we must say that a large part of what inspires people artistically, poetically, and so on stems from this undercurrent of waking dreaming during the day.
[ 6 ] Das ist die eine Seite der Sache. Man sollte sie durchaus berücksichtigen. Man würde dann wissen, daß eigentlich in uns fortwährend ein wogendes Träumen stattfindet, das wir nur bändigen durch unseren Verkehr mit der Außenwelt. Und man würde dann auch wissen, daß es im wesentlichen der Wille ist, der sich an die Außenwelt anpaßt, und der in die sonst regellos verlaufende innereGedankenmasse System, Zusammenhang, Logik hineinbringt. Der Wille ist es, der in unser Denken Logik hineinbringt. Aber wie gesagt, das ist nur die eine Seite.
[ 6 ] That is one side of the matter. It should certainly be taken into account. We would then realize that, in fact, a constant surge of dreaming is taking place within us, which we can only rein in through our interaction with the outside world. And one would also realize that it is essentially the will that adapts to the outside world and brings system, coherence, and logic to the otherwise chaotic mass of inner thoughts. It is the will that brings logic to our thinking. But as I said, that is only one side of the story.
[ 7 ] Die andere Seite der Sache ist diese: Auch da kann man wiederum bemerken, beobachten — kaum daß man nur etwas hineinkommt in diejenigen Regionen, die ich in meinem Buche »Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe —, wie man, wenn man aufwacht, etwas mitnimmt aus dem Zustande heraus, in dem wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen waren. Und wenn man nur einiges hinzufügt zu dem, was man da wahrnehmen kann, dann wird man sehr deutlich bemerken können, wie man gleichsam aus einem Meere von Gedanken aufwacht, wenn man eben aufwacht. Man wacht durchaus nicht aus dem Unbestimmten, aus der Finsternis gewissermaßen auf, sondern man wacht eigentlich aus einem Meere von Gedanken auf, von Gedanken, die allerdings den Eindruck machen: sie waren sehr, sehr bestimmt, während man geschlafen hat, aber man kann sie nicht festhalten, wenn man in den Wachzustand übergeht.
[ 7 ] The other side of the matter is this: Here, too, one can once again notice and observe—as soon as one begins to enter those regions that I have described in my book How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds? —how, upon waking, one carries something with them from the state in which we were from falling asleep until waking up. And if one adds just a few things to what one can perceive there, then one will be able to notice very clearly how, as it were, one wakes up from a sea of thoughts the moment one wakes up. One does not at all wake up from the indeterminate, from darkness, so to speak, but rather one actually wakes up from a sea of thoughts—thoughts that, admittedly, give the impression of having been very, very definite while one was asleep, yet one cannot hold onto them when one transitions into the waking state.
[ 8 ] Und wenn man solche Beobachtungen fortsetzt, wird man bemerken können, daß diese Gedanken, die man gewissermaßen mitbringt aus dem Schlafzustand, sehr ähnlich sind den Einfällen, den Erfindungen, die wir haben in bezug auf irgend etwas, das wir in der äußeren Welt verrichten sollen, daß sogar diese Gedanken, die wir so mitbringen beim Aufwachen, sehr ähnlich sind den sittlichen Intuitionen, wie ich sie in meiner «Philosophie der Freiheit» genannt habe.
[ 8 ] And if one continues such observations, one will be able to notice that these thoughts—which, so to speak, we bring with us from the state of sleep—are very similar to the ideas and inventions we have regarding anything we are to carry out in the external world—that even these thoughts, which we bring with us upon waking, are very similar to the moral intuitions, as I have called them in my Philosophy of Freedom.
[ 9 ] Während wir bei der ersteren Art von Gedankenweben, das ja gewissermaßen als Unterströmung unseres klaren Bewußtseins verläuft, immer das Gefühl haben, wir stehen mit unserem wachen Träumen uns selbst gegenüber, da brodelt und sprudelt etwas in uns, können wir das bei dem Letztcharakterisierten nicht sagen. Bei dem Letztcharakterisierten müssen wir uns vielmehr sagen: Wenn wir beim Aufwachen wiederum in unseren Leib und zum Gebrauche unseres Leibes zurückkehren, dann sind wir nicht imstande, dasjenige festzuhalten, in dem wir denkend gelebt haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen.
[ 9 ] While with the former type of thought-weaving—which, in a sense, flows as an undercurrent of our clear consciousness—we always have the feeling that we are facing ourselves in our waking dreams, as something simmers and bubbles within us, we cannot say the same of the latter type. With the latter type, we must rather say to ourselves: When we wake up and return to our body and the use of our body, we are unable to hold on to that in which we lived while thinking, from the moment we fell asleep until we woke up.
[ 10 ] Wer diese beiden Seiten des menschlichen Lebens sich so recht zum Bewußtsein bringt, der wird aufhören, Gedanken nur als etwas zu betrachten, das gewissermaßen im menschlichen Organismus gemacht wird. Denn namentlich dasjenige, was ich zuletzt charakterisiert habe, aus dem wir uns herausheben beim Aufwachen, das können wir gar nicht als irgendein Produkt des menschlichen Organismus als solchem unmittelbar ansehen, sondern das können wir nur ansehen als etwas, was wir erleben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, wenn wir aus unserem Leibe herausgerissen sind mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leibe.
[ 10 ] Anyone who truly brings these two aspects of human life to consciousness will cease to regard thoughts merely as something that is, so to speak, produced within the human organism. For what I have just described—that which we emerge from upon waking—we cannot directly regard as any product of the human organism as such; rather, we can only regard it as something we experience between falling asleep and waking up, when we are torn from our physical body along with our “I” and our astral body.
[ 11 ] Wo sind wir denn dann? Diese Frage muß man sich zunächst aufwerfen. Wir sind mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib außerhalb unseres physischen und unseres Ätherleibes. Eine einfache Erwägung, der man gar nicht entkommen kann, wenn man sich nur unbefangen dem Leben hingibt, muß uns sagen: In demjenigen, was uns erscheint, wenn wir die Sinne auf die Außenwelt richten, als der Sinnesschleier der Welt, als alles das, was Sinnesqualitäten uns darbieten, in dem sind wir, wenn wir außerhalb unser sind. Nur erlischt dann eben für das gewöhnliche Leben das Bewußtsein. Und wir fühlen, warum da das Bewußtsein erlischt, wenn wir eben des Morgens aus diesem Zustande aufwachen. Wir fühlen uns in unserem Leibe dann schwach, zu schwach, um darinnen festzuhalten, was wir erlebt haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Es können unser Ich und unser astralischer Leib, indem sie in den physischen und in den Ätherleib untertauchen, nicht festhalten dasjenige, was sie da erlebt haben. Und indem sie dann teilnehmen an den Erlebnissen, die durch den Leib gemacht werden, löscht sich für sie aus, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen erlebt wird. Und wie gesagt, nur wenn wir Einfälle haben, die sich auf die äußere Welt beziehen, oder auch wenn wir sittliche Intuitionen haben, dann erleben wir so etwas wie das, was uns bei einer unmittelbaren Betrachtung erscheinen muß als dasjenige, worin wir leben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen.
[ 11 ] Where, then, are we? This is the question we must first ask ourselves. We are, with our “I” and our astral body, outside our physical and etheric bodies. A simple consideration—one that cannot be avoided if we simply surrender to life with an open mind—must tell us: In that which appears to us when we direct our senses toward the outer world—as the veil of the world’s sensory perceptions, as all that sensory qualities present to us—in that we are present, even when we are outside of ourselves. It is just that, for ordinary life, consciousness then fades away. And we sense why consciousness fades when we wake up from this state in the morning. We then feel weak in our body—too weak to hold onto within it what we have experienced from falling asleep until waking up. As our ego and our astral body submerge into the physical and etheric bodies, they cannot retain what they have experienced there. And as they then participate in the experiences mediated through the physical body, what was experienced from falling asleep to waking up fades away for them. And as I said, only when we have thoughts relating to the external world, or when we have moral intuitions, do we experience something akin to what, upon direct observation, must appear to us as that in which we live between falling asleep and waking up.
[ 12 ] Wenn wir die Sache so ansehen, dann bekommen wir einen sehr deutlichen Gegensatz zwischen unserem Inneren und der äußeren Welt. Dann wirft uns das auch in gewissem Sinne ein Licht auf die Aussage, die wir oftmals machen, daß die äußere Welt, so wie sie sich uns vom Aufwachen bis zum Einschlafen darbietet, eine Art Täuschung, eine Art Maja ist. Denn in dieser Welt, die da ihre Außenseite uns zeigt, stecken wir darinnen, wenn wir nicht in unserem Leibe, sondern wenn wir außerhalb unseres Leibes sind. Dann tauchen wir unter in die Welt, die wir sonst nur durch unsere Sinnesoffenbarung wahrnehmen. So daß wir uns sagen müssen: Diese Welt, die wir da durch unsere Sinnesoffenbarung wahrnehmen, die hat Untergründe, Untergründe, die eigentlich ihre Ursachen, ihre Wesenheiten enthalten. Und diese Ursachen und diese Wesenheiten unmittelbar wahrzunehmen, sind wir im gewöhnlichen Bewußtsein zu schwach.
[ 12 ] When we look at it this way, we see a very clear contrast between our inner world and the outer world. This also sheds light, in a certain sense, on the statement we often make—that the external world, as it presents itself to us from the moment we wake up until we fall asleep, is a kind of illusion, a kind of Maya. For in this world, which shows us its outer side, we are immersed within it—not when we are in our bodies, but when we are outside our bodies. Then we immerse ourselves in the world that we otherwise perceive only through our sensory experience. So that we must say to ourselves: This world, which we perceive through our sensory experience, has underlying layers—layers that actually contain its causes, its essences. And in our ordinary consciousness, we are too weak to perceive these causes and these essences directly.
[ 13 ] Dennoch ergibt schon ein unbefangenes Beobachten etwas, was weit hineinreicht in die Regionen, die beschrieben sind in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»; ein unbefangenes Beobachten ergibt schon dasjenige, was ich schematisch etwa in der folgenden Weise darstellen kann. Wenn ich das gewöhnliche Gedankenleben darstellen will, so geschieht es dadurch, daß ich es umfassen lasse all das, was der Mensch innerlich-gedanklich durchlebt vom Aufwachen bis zum Einschlafen in Anlehnung an die äußeren Wahrnehmungen oder auch in Anlehnung an seine physischen Schmerzen, physischen Lustgefühle und so weiter. Was also im gewöhnlichen Bewußtsein da gedanklich erlebt wird, das möchte ich zunächst schematisch etwa so darstellen (siehe Zeichnung, weiß). Unter diesem also, wie ein wachendes Träumen, webt und lebt, nicht den Gesetzen der Logik unterworfen, dasjenige, was ich zuerst dargestellt habe (rot unten). Dagegen, wenn wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in die Außenwelt übergehen, leben wir, wie wir in Reminiszenz nach dem Aufwachen wahrnehmen können, wiederum in einer Welt des Gedankens, aber der Gedanken, die uns aufnehmen, die nicht in uns sind, aus denen wir herauskommen beim Aufwachen (rot außen). So daß wir gewissermaßen durch unser gewöhnliches Denken zwei Gedankenwelten voneinander geschieden haben: eine innere Gedankenwelt und eine äußere Gedankenwelt, eine Gedankenwelt, die den Kosmos, der uns aufnimmt beim Einschlafen, erfüllt. Wir können die letztere Gedankenwelt eben die kosmische Gedankenwelt nennen. Die erstere ist irgendeine Gedankenwelt; wir wollen noch näher auf sie eingehen im Laufe dieser Tage.
[ 13 ] Nevertheless, even an unbiased observation reveals something that reaches far into the realms described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?; an unbiased observation already reveals what I can schematically represent in roughly the following way. If I wish to depict ordinary thought life, I do so by having it encompass everything that a person experiences inwardly and mentally from waking until falling asleep, based on external perceptions or on physical pain, physical sensations of pleasure, and so on. So what is experienced mentally in ordinary consciousness, I would like to depict schematically at first in roughly this way (see drawing, white). Beneath this—like a waking dream—weaves and lives, not subject to the laws of logic, what I depicted first (red below). In contrast, when we transition into the external world between falling asleep and waking up, we live—as we can perceive in retrospect after waking—once again in a world of thought, but of thoughts that envelop us, that are not within us, and from which we emerge upon waking (red on the outside). Thus, through our ordinary thinking, we have, so to speak, separated two worlds of thought from one another: an inner world of thought and an outer world of thought—a world of thought that fills the cosmos, which envelops us as we fall asleep. We can call this latter world of thought the cosmic world of thought. The former is simply a world of thought; we will examine it in greater detail over the course of these days.
[ 14 ] So sehen wir uns gewissermaßen mit unserer gewöhnlichen Gedankenwelt hineingestellt in eine allgemeine Gedankenwelt, welche wie durch eine Grenze auseinandergehalten wird, und von der ein Teil in uns, ein Teil außer uns ist. Dasjenige, was in uns ist, es erscheint uns sehr deutlich eben als eine Art von Traum. Es ruht immer auf dem Grund unserer Seele ein chaotisches Gedankengewebe, wir können sagen, etwas, was nicht von Logik durchzogen ist. Aber diese äußere Gedankenwelt, ja, wahrnehmen kann sie ja allerdings das gewöhnliche Bewußtsein nicht. Also aus unmittelbarem Anschauen, aus unmittelbarem Erleben kann die Natur dieser äußeren Gedankenwelt nur enthüllen das wirkliche geistige Schauen, das dann schon tiefer in die Regionen eintritt, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben werden. Aber dann stellt sich auch heraus: Diese Gedankenwelt, in die wir da eintauchen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, das ist eine Gedankenwelt, die nicht nur so logisch ist, wie unsere gewöhnliche Gedankenwelt logisch ist, sondern die eine viel höhere Logik enthält. Wenn man den Ausdruck nicht mißverstehen will, so möchte ich diese Gedankenwelt eine überlogische Gedankenwelt nennen. Sie ist, ich möchte sagen, ebensoweit über der gewöhnlichen Logik gelegen, wie unsere träumerische Welt, unsere wachende träumerische Welt unter der Logik gelegen ist.
[ 14 ] In a sense, we find ourselves, with our ordinary world of thought, placed within a general world of thought that is kept separate as if by a boundary, and of which one part is within us and one part is outside us. That which is within us appears to us very clearly as a kind of dream. There is always a chaotic web of thoughts lying at the bottom of our soul—we might say, something that is not permeated by logic. But this outer world of thought—well, ordinary consciousness certainly cannot perceive it. Thus, the nature of this outer world of thought can only be revealed through direct observation, through direct experience—that is, through true spiritual vision, which then penetrates deeper into the realms described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. But then it also becomes clear: this world of thought into which we plunge between falling asleep and waking up is a world of thought that is not merely as logical as our ordinary world of thought is, but one that contains a much higher logic. If one does not wish to misunderstand the expression, I would like to call this world of thought a “super-logical” world of thought. It is, I would say, just as far above ordinary logic as our dream world—our waking dream world—lies below logic.


[ 15 ] Wie gesagt, das kann man nur durch geistiges Schauen ergründen. Aber es gibt einen andern Weg, durch den Sie dieses geistige Schauen in diesem Punkte kontrollieren können. Es ist Ihnen doch klar, in gewisse Regionen des eigenen Organismus kann das gewöhnliche Bewußtsein nicht untertauchen. Ich habe davon in den letzten Vorträgen viel gesprochen. Ich habe gesagt: Dadurch, daß wir für das gewöhnliche Bewußtsein unser Gedächtnis, unser Erinnerungsvermögen haben, ist uns gewissermaßen nach innen hin eine Haut gezogen gegenüber unseren inneren Organen. Wir können nicht unmittelbar durch innere Anschauung beobachten, was die inneren Organe sind, Lunge, Leber und so weiter. Aber ich sagte auch: Es ist eine falsche Mystik, eine nebulose Mystik, welche nur so nach dem Inneren hinein phantasiert und etwa so redet wie die Heilige Therese oder die Mechthild von Magdeburg, die allerlei schöne poetische Bilder finden — die Schönheit soll nicht bestritten werden —, die aber nichts weiter sind als organische Ausflüsse. Gibt man sich nicht dieser nebulosen Mystik hin, sondern der wirklichen Geisteserforschung, so kommt man gerade, wenn man nach dem Inneren des Menschen vordringt, zu der Erkenntnis der Organe. Man sieht geistig die Bedeutung von Lunge, Leber, Niere und so weiter, man durchstößt geistig das Erinnerungshäutchen und kommt zu einem inneren Durchschauen des Menschen. Aber das ist etwas, was man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein eben nicht erreichen kann. Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein ist es nur möglich, äußerlich durch die Anatomie zu beobachten, wie die Organe sich ausnehmen, wenn man sie als angehörig der gewöhnlichen physischen und mineralischen Welt betrachtet. Aber innerlich anzuschauen, was sie an Kräften durchdringt, was sie durchsetzt, was in ihnen tätig ist, was ich Ihnen ja in den letzten Tagen beschrieben habe, dazu gehört ein wirklich ausgebildetes geistiges Anschauen.
[ 15 ] As I said, this can only be fathomed through spiritual vision. But there is another way in which you can verify this spiritual vision in this regard. Surely it is clear to you that ordinary consciousness cannot penetrate certain regions of one’s own organism. I have spoken a great deal about this in recent lectures. I have said: Because we possess memory and the capacity to recall for the purposes of ordinary consciousness, a sort of skin has, so to speak, been drawn inwardly over our internal organs. We cannot directly observe through inner vision what the internal organs—the lungs, the liver, and so on—actually are. But I also said: It is a false mysticism, a nebulous mysticism, that merely fantasizes about the inner world and speaks in a manner similar to Saint Teresa or Mechthild of Magdeburg, who conjure up all sorts of beautiful poetic images—the beauty of which should not be disputed—but which are nothing more than organic outpourings. If one does not surrender to this nebulous mysticism but rather to genuine spiritual research, then precisely when one penetrates into the inner being of the human being, one arrives at an understanding of the organs. One spiritually perceives the significance of the lungs, liver, kidneys, and so on; one spiritually pierces through the veil of memory and arrives at an inner insight into the human being. But this is something that simply cannot be achieved with ordinary consciousness. With ordinary consciousness, it is only possible to observe externally, through anatomy, what the organs look like when viewed as belonging to the ordinary physical and mineral world. But to look inwardly at the forces that permeate them, that interweave through them, that are active within them—which I have described to you over the past few days—requires a truly developed spiritual vision.
[ 16 ] Also da ist etwas in dem Menschen drunten, das er nicht erreichen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Warum kann er es mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht erreichen? Weil es eben nicht allein ihm angehört. Was mit dem gewöhnlichen Bewußtsein zu erreichen ist, das gehört allein dem Menschen an. Dasjenige, was da unten in den Organen pulsiert, das gehört nicht allein dem Menschen an, das gehört dem Menschen als einem Weltenwesen an, das gehört zugleich dem Menschen und zugleich der Welt an.
[ 16 ] So there is something deep within a person that he cannot reach with ordinary consciousness. Why can’t they reach it with ordinary consciousness? Because it does not belong to them alone. What can be reached with ordinary consciousness belongs solely to the human being. That which pulsates down there in the organs does not belong to the human being alone; it belongs to the human being as a cosmic being—it belongs both to the human being and to the world.
[ 17 ] Vielleicht wird es uns durch die folgende Erörterung am allerdeutlichsten. Wenn wir den Menschen schematisch anschauen und haben irgendein Organ, Lunge oder Leber in ihm, so haben wir in einem solchen Organe Kräfte. Diese Kräfte sind nicht bloß innere menschliche Kräfte, diese Kräfte sind Weltenkräfte. Und wenn alles, was äußere physische Welt ist und uns als physische Welt vor das Anschauen tritt, wenn das alles einstmals mit dem Erdenuntergang verschwunden sein wird, so wird weiter wirken dasjenige, was jetzt als innere Kräfte unserer Organe existiert. Man möchte sagen, alles, was unsere Augen sehen, unsere Ohren hören können, alle äußere Welt ist eine Welt, die zunächst abklingt mit dem Erdenende. Was unsere Haut bedeckt, was wir im Inneren tragen, was umschlossen wird von unserer Organisation, das enthält geistig dasjenige, was fortbesteht, wenn die äußere Welt, die unsere Sinne sehen, einstmals nicht mehr da sein wird. Im Grunde genommen arbeitet innerhalb der menschlichen Haut etwas, was über die Erde hinauslebt; innerhalb der menschlichen Haut liegen die Zentren, die Kräfte dessen, was über das Erdendasein hinausarbeitet. Wir stehen als Mensch nicht bloß in der Welt, damit wir für uns unsere Organe umschließen, wir stehen in der Welt als Mensch, damit der Kosmos selber innerhalb unserer Haut sich gestaltet. In demjenigen, wohin unser gewöhnliches Bewußtsein nicht reicht, umschließen wir etwas, was nicht bloß uns, was der Welt angehört. Das, was da der Welt angehört, ist es auferbaut aus dem, was die chaotischen Vorgänge des wachen Träumens darstellen?
[ 17 ] Perhaps the following discussion will make this clearest of all. If we look at a human being schematically and consider any organ within them—such as a lung or a liver—we find forces within such an organ. These forces are not merely inner human forces; they are forces of the worlds. And when everything that constitutes the external physical world—and which appears before our eyes as the physical world—has one day vanished with the end of the Earth, that which now exists as the inner forces of our organs will continue to act. One might say that everything our eyes can see and our ears can hear—the entire external world—is a world that will initially fade away with the end of the Earth. What our skin covers, what we carry within us, what is enclosed by our physical constitution—this contains, in a spiritual sense, that which will endure when the external world perceived by our senses is no longer there. Essentially, something is at work within the human skin that lives beyond the Earth; within the human skin lie the centers, the forces of that which works beyond earthly existence. We do not stand in the world as human beings merely to enclose our organs for ourselves; we stand in the world as human beings so that the cosmos itself may take shape within our skin. Within that which our ordinary consciousness cannot reach, we enclose something that belongs not only to us but also to the world. Is that which belongs to the world built up from what the chaotic processes of waking dreaming represent?
[ 18 ] Wir brauchen ja nur zu betrachten diese chaotischen Vorgänge des wachen Träumens und Sie werden sich sagen: Die ganze Struktur, alles das, was Sie da gewissermaßen als Unterströmung Ihres Bewußtseins wahrnehmen, das ist ganz gewiß nicht der Erbauer Ihrer Organe, Ihres ganzen Organismus. Der Organismus würde schön ausschauen, wenn alles das, was in Ihrem Unterbewußtsein da chaotisch herumlebt, Ihre Organe, Ihren ganzen Organismus aufbauen würde! Sie würden schon sehen, was Sie für sonderbare Karikaturen wären, wenn Sie ein Abbild dessen wären, was da in Ihrem Unterbewußtsein pulsiert. Nein, geradeso wie die äußere Welt, die sich uns durch die Sinne offenbart, gewissermaßen offenbart an der Oberfläche, die sie uns zuneigt, wie diese Welt aus den Gedanken aufgebaut ist, die wir erleben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, so sind wir selbst in dem, was wir in uns nicht erreichen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, auferbaut aus denselben äußeren Gedankenkräften. Wenn ich also vollständig das darstellen will, was der Mensch ist, so müßte ich schematisch so zeichnen. Ich müßte sagen: Da ist die umliegende Gedankenwelt (rot). Diese umliegende Gedankenwelt baut auch den menschlichen Organismus auf, und dieser menschliche Organismus erzeugt, gewissermaßen auf ihm flutend, die höhere Gedankenwelt (weiß), der sich zuneigt die sinnliche äußere Maja zwischen unseren Gedanken und der umliegenden Welt (blau).
[ 18 ] We need only consider these chaotic processes of waking dreaming, and you will say to yourself: The entire structure—everything you perceive there, so to speak, as an undercurrent of your consciousness—is most certainly not the builder of your organs, of your entire organism. Your organism would look quite a sight if everything that’s chaotically swirling around in your subconscious were building your organs, your entire organism! You’d see just what strange caricatures you’d be if you were a reflection of what’s pulsating in your subconscious. No, just as the external world reveals itself to us through the senses—revealing itself, so to speak, on the surface it turns toward us—and just as this world is built up from the thoughts we experience between falling asleep and waking up, so too are we ourselves, in that which we cannot reach within ourselves with ordinary consciousness, built up from the same external forces of thought. So if I want to fully depict what a human being is, I would have to draw a diagram like this. I would have to say: Here is the surrounding world of thought (red). This surrounding world of thought also builds up the human organism, and this human organism generates—as it were, flowing over it—the higher world of thought (white), toward which the sensory, outer Maya between our thoughts and the surrounding world (blue) inclines.


[ 19 ] Versuchen Sie sich einmal recht gegenwärtig zu machen, wie es eigentlich nur ein kleiner Teil von Ihnen selbst ist, was Sie da mit dem Bewußtsein umspannen, und wie ein großer Teil von Ihnen selbst aus derselben äußeren Welt aufgebaut ist, in die Sie untertauchen zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Aber das ist ja auch schließlich bei unbefangener Betrachtung des Menschen noch von einer andern Seite her zu bemerken, und ich habe auf diese Seite auch schon öfter hier hingedeuter.
[ 19 ] Try to really bring to mind just how only a small part of yourself is what you encompass with your consciousness, and how a large part of yourself is made up of the very same external world into which you immerse yourself between falling asleep and waking up. But after all, if one considers human beings impartially, this can also be observed from another perspective, and I have already alluded to this aspect here on several occasions.
[ 20 ] Der Mensch umfaßt eigentlich mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein nur seine Gedanken; seine Gefühle sind schon wie unter den Gedanken schwimmende Träume. Gefühle tauchen auf, fluten ab. Der Mensch durchschaut sie nicht in der Klarheit, in der er seine Gedanken, seine Vorstellungen durchschaut. Aber ganz gleich mit dem Erleben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ist das Erleben desjenigen, was in uns während des Tages willensmäßig ist. Und was weiß der Mensch — so sagte ich Ihnen oft — von dem, was vorgeht, wenn er durch den Willen seine Hand oder seinen Arm bewegt! Er kennt das alles vorstellungsgemäß, er weiß zuerst: Ich will meinen Arm bewegen. Das ist eine Vorstellung. Er weiß dann, wie das aussieht an seiner Gestalt, wenn er den Arm bewegt hat: wieder Vorstellung. Was er davon in seinem gewöhnlichen Bewußtsein weiß, das ist ein Gewebe von Vorstellungen; unter diesem Gewebe von Vorstellungen fluten Gefühle. Aber was da als Wille in ihm wirkt, das schläft auch während des Wachens geradeso stark, wie unser ganzer Mensch schläft vom Einschlafen bis zum Aufwachen.
[ 20 ] With their ordinary consciousness, human beings actually encompass only their thoughts; their feelings are like dreams floating beneath those thoughts. Feelings arise and ebb away. Human beings do not perceive them with the same clarity with which they perceive their thoughts and ideas. But the experience of what is volitional within us during the day is exactly the same as the experience between falling asleep and waking up. And what does a person know—as I have often told you—about what happens when he moves his hand or arm through his will! He knows all of this through mental images; first, he knows: “I want to move my arm.” That is a mental image. He then knows what it looks like in his physical form once he has moved his arm: again, a mental image. What he knows of this in his ordinary consciousness is a web of mental images; beneath this web of mental images, feelings surge. But what is at work within him as will remains just as deeply dormant even while he is awake as our entire being does from the moment we fall asleep until we wake up.
[ 21 ] Was schläft da? Das, was da unten schläft, was aus dem äußeren Kosmos in uns hineingebaut ist, das ist genauso etwas Schlafendes, wie draußen die Mineralien und Pflanzen schlafend sind für uns. Das heißt: Wir dringen nicht von außen in sie ein, sehen nicht hinunter in das, was für uns kosmisch ist. Wir weben und leben in diesem Kosmischen vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und in demselben Maße, wie wir die äußere Welt durchschauen, leben wir uns in unsere eigene Organisation ein. In demselben Maße hören wir auf, bloß Erinnerungsreminiszenzen zu haben, wie wir sie aus den Ereignissen des Lebens schälen, sondern wir bekommen Vorstellungen von Kräften, die unsere Organe die Lunge, die Leber, den Magen und so weiter — konstituieren, auferbauen. In demselben Maße, wie wir lernen, die äußere Welt zu durchschauen, lernen wir unser Stück Kosmos zu durchschauen, das wir eingegliedert haben, in dem wir sind, das in unserer Haut ist, ohne daß wir im gewöhnlichen Bewußtsein etwas davon wissen.
[ 21 ] What is sleeping there? That which sleeps down there—that which is woven into us from the outer cosmos—is just as much a sleeping entity as the minerals and plants outside are sleeping entities to us. This means: We do not penetrate them from the outside; we do not look down into what is cosmic to us. We weave and live within this cosmic realm from the moment we fall asleep until we wake up. And to the same extent that we see through the outer world, we become attuned to our own inner organization. To the same extent, we cease to have merely fragmentary memories—as we peel them away from the events of life—and instead gain an understanding of the forces that constitute and build up our organs—the lungs, the liver, the stomach, and so on. To the same extent that we learn to see through the external world, we learn to see through our own piece of the cosmos—the one we have incorporated, the one we are part of, the one that is within our skin—without being aware of it in our ordinary consciousness.
[ 22 ] Was nehmen wir uns denn des Morgens beim Aufwachen aus diesem Kosmos mit? Dasjenige, was wir uns mitnehmen, das erlebt sich für den unbefangenen Beobachter sehr deutlich als Wille. Und im Grunde genommen unterscheidet sich das wache Denkleben von dem, was da unten träumend im Unterbewußtsein strömt, auch eben durch nichts anderes, als daß es vom Willen durchströmt wird. Der Wille ist es, der Logik hineinbringt, und die Logik ist im Grunde genommen nicht eigentlich eine Denklehre, sondern die Logik ist eine Lehre davon, wie der Wille die Gedankenbilder ordnet und bändigt und sie in eine gewisse äußere Ordnung bringt, die dann dem äußeren Weltenverlauf entspricht.
[ 22 ] What do we take with us from this cosmos when we wake up in the morning? What we take with us is experienced very clearly by the impartial observer as will. And fundamentally, the waking life of thought differs from what flows dreamily in the subconscious below by nothing other than the fact that it is permeated by the will. It is the will that introduces logic, and logic is, in essence, not really a theory of thought; rather, logic is a theory of how the will organizes and tames mental images and brings them into a certain external order that then corresponds to the course of the external world.
[ 23 ] Wenn wir aufwachen mit einem Traum, da nehmen wir besonders stark dieses Gewoge da unten von chaotischen, unlogischen Bilderwirbeln wahr, und wir können es bemerken, wie wir einschlagen sehen in dieses chaotische Bilderwirbeln den Willen, der dann das, was da in uns lebt, so anordnet, daß es eben logisch geordnet ist. Aber wir nehmen nicht die Weltenlogik mit, was ich eben früher überlogisch genannt habe, wir nehmen nur den Willen mit.
[ 23 ] When we wake up from a dream, we perceive particularly strongly this surging mass down below—this chaotic, illogical whirl of images—and we can observe how we project our will into this chaotic whirl of images, which then organizes what lives within us in such a way that it is logically ordered. But we do not take the logic of the world with us—what I just referred to as “superlogical”—we take only the will with us.
[ 24 ] Wie kommt es denn, daß dieser Wille nun doch in uns logisch wirkt? Sehen Sie, hier liegt ein wichtiges Menschengeheimnis, etwas außerordentlich Bedeutsames. Es ist dieses: Wenn wir untertauchen in unsere für das gewöhnliche Bewußtsein nicht vorhandene kosmische Existenz, wenn wir untertauchen in unsere ganze Organisation, dann spüren wir in unserem Willen, der sich da ausbreitet, die kosmische Logik unserer Organe. Wir spüren die kosmische Logik unserer Organe.
[ 24 ] How is it, then, that this will does indeed operate logically within us? You see, here lies an important human mystery, something extraordinarily significant. It is this: When we immerse ourselves in our cosmic existence—which is not accessible to ordinary consciousness—when we immerse ourselves in our entire organism, then we sense, in our will as it expands there, the cosmic logic of our organs. We sense the cosmic logic of our organs.
[ 25 ] Es ist außerordentlich wichtig, daß man sich das ganz klarmacht, daß, wenn wir des Morgens aufwachen, also eintauchen in unseren Leib, wir durch dieses Eintauchen gezwungen werden, den Willen in einer gewissen Weise zu formen. Wäre unser Leib nicht schon in einer gewissen Weise geformt, der Wille, der würde nach allen Seiten quallenhaft wirbeln beim Aufwachen; der Wille könnte beim Aufwachen quallenhaft nach allen Seiten chaotisch streben. Das tut er nicht, weil er in die bestehende Menschenform eintaucht. Da taucht er unter, nimmt alle diese Formen an; das gibt ihm die logische Gliederung. Das macht es, daß er aus dem Menschenleib heraus den sonst chaotisch durcheinanderwirbelnden Gedanken die Logik gibt. In der Nacht, wenn der Mensch schläft, ist der Mensch eingespannt in die Überlogik des Kosmos. Die kann er nicht festhalten. Aber wenn er nun in den Leib untertaucht, so nimmt der Wille die Form des Leibes an. Genau so, wie wenn Sie Wasser in ein Gefäß hineingießen und das Wasser die Form des Gefäßes annimmt, so nimmt der Wille die Form des Leibes an. Aber nicht nur, wie wenn Sie Wasser in ein Gefäß gießen und das Wasser nimmt die ganze Form des Gefäßes an, nicht nur so ist es beim Willen, daß er die Raumesformen annimmt, sondern er fließt in die kleinsten Aderchen überall hinein. Das kann sich ja nicht bewegen höchstens beim Professor Traub bewegen sich Tische und Stühle im Raume von selbst, das ist jedoch theologische Universitätslogik, sonst bewegt sich solch ein Gerät nicht —, da nimmt das Wasser die ruhende Form an und nur an den Außenwänden stößt es an. Aber beim Menschen gliedert sich dieser Wille ganz hinein in alle einzelnen Verzwei gungen und von da aus beherrscht er dann den sonstigen chaotischen Bilderablauf. Dasjenige, was man da also als Unterströmung wahrnimmt, das ist, möchte ich sagen, losgelassen vom Leib. Das ist auch wirklich losgelassen vom Leib, das ist etwas, was zwar mit dem Menschenleib verbunden ist, was aber eigentlich fortwährend sich frei zu machen strebt vom Menschenleib, was fortwährend heraus will aus den Formen dieses Menschenleibes. Dasjenige aber, was der Mensch beim Einschlafen herausträgt aus dem Leib, was er in den Kosmos hineinträgt, was dann untertaucht, das fügt sich dem Gesetz des Leibes an.
[ 25 ] It is extremely important to realize quite clearly that when we wake up in the morning—that is, when we enter our body—this act of entering compels us to shape our will in a certain way. If our body were not already shaped in a certain way, the will would whirl agonizingly in all directions upon waking; the will could strive chaotically in all directions upon waking. It does not do so because it immerses itself in the existing human form. There it submerges, taking on all these forms; this gives it its logical structure. This is what enables it to impart logic—from within the human body—to thoughts that would otherwise swirl chaotically. At night, when a person sleeps, they are bound up in the overarching logic of the cosmos. They cannot hold onto it. But when they now submerge into the body, the will takes on the form of the body. Just as when you pour water into a vessel and the water takes on the shape of the vessel, so the will takes on the shape of the body. But it is not merely as when you pour water into a vessel and the water takes on the entire shape of the vessel; it is not only in this way that the will assumes spatial forms, but it flows into the tiniest veins everywhere. That cannot move—at most, in Professor Traub’s case, tables and chairs move of their own accord in the room, but that is theological university logic; otherwise, such an apparatus does not move—there, the water assumes a stationary form and only comes into contact with the outer walls. But in humans, this will branches out completely into all the individual ramifications, and from there it then governs the otherwise chaotic flow of images. What one perceives there as an undercurrent, I would say, is detached from the body. It is truly detached from the body; it is something that, while connected to the human body, actually strives continually to free itself from it, constantly seeking to break out of the forms of that human body. But that which a person carries out of the body as they fall asleep—that which they carry into the cosmos, that which then submerges—submits to the law of the body.
[ 26 ] Nun ist es so, daß mit all der Organisation, die des Menschen Kopforganisation ist, der Mensch bloß zu Bildern käme. Es ist ein allgemeines physiologisches Vorurteil, daß wir zum Beispiel mit dem Kopf auch urteilen und schließen. Nein, wir stellen mit dem Kopf bloß vor. Wenn wir den Kopf bloß hätten und der übrige Leib wäre untätig für unser Vorstellungsleben, dann würden wir wachende Träumer sein. Der Kopf hat nämlich nur das Vermögen, wachend zu träumen. Und wenn wir auf dem Umwege über den Kopf am Morgen wieder zurückkehren in unseren Leib, indem wir den Kopf passieren, kommen uns die Träume ins Bewußtsein. Erst wenn wir tiefer in unseren Leib wieder eindringen, wenn sich der Wille nicht nur dem Kopf, sondern der übrigen Organisation wiederum anpaßt, erst dann ist dieser Wille wieder in der Lage, Logik in die sonst bildhaft ineinanderwurlenden Bilderkräfte hineinzubringen.
[ 26 ] The fact is that with all of this organization—which is the organization of the human mind—human beings would arrive at nothing but images. It is a common physiological misconception that, for example, we also use our minds to judge and draw conclusions. No, we merely imagine with our heads. If we had only our heads and the rest of our bodies were inactive in our imaginative life, then we would be waking dreamers. For the head has only the capacity to dream while awake. And when we return to our bodies in the morning via the detour through the head—by passing through the head—our dreams come into our consciousness. Only when we penetrate deeper into our body again, when the will adapts not only to the head but also to the rest of the organism, only then is this will once again able to bring logic into the otherwise pictorially swirling forces of imagery.
[ 27 ] Das führt Sie dann zu etwas, was ich auch schon in den verflossenen Vorträgen vorgebracht habe. Man muß sich klar sein darüber, daß der Mensch vorstellt mit dem Haupte und daß er in Wirklichkeit urteilt, so sonderbar und paradox es klingt, mit den Beinen und auch mit den Händen, und dann auch wiederum schließt mit den Beinen und Händen. So entsteht, was wir einen Schluß, ein Urteil nennen. Wenn wir vorstellen, ist es nur das Bild, das in den Kopf zurückgestrahlt wird, urteilend und schließend sind wir als ganzer Mensch, nicht bloß als Kopfmensch. Dagegen kommt natürlich nicht auf, daß, wenn irgendein Mensch verstümmelt ist, er dann etwa nicht urteilen und schließen könne oder dürfe, denn es kommt darauf an, wie die Dinge veranlagt
[ 27 ] This brings us to something I have already discussed in previous lectures. One must be clear about the fact that human beings imagine with their heads and that, as strange and paradoxical as it may sound, they actually judge with their legs and also with their hands, and then, in turn, draw conclusions with their legs and hands. This is how what we call a conclusion or a judgment comes about. When we imagine, it is only the image that is reflected back into the head; we judge and draw conclusions as whole human beings, not merely as “head people.” Of course, it does not follow that if a person is physically disabled, they cannot or should not judge and draw conclusions, for it depends on how things are constituted
[ 28 ] sind bei solchen, denen gewissermaßen zufällig das eine oder andere Glied fehlt. Gelernt muß werden, das, was der Mensch geistig-seelisch ist, in Zusammenhang zu bringen mit dem ganzen Menschen, sich klarzuwerden darüber, daß wir Logik in unser Vorstellungsleben hineinbringen aus denselben Regionen heraus, die wir gar nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein erreichen, die von dem Gefühlswesen und dem Willenswesen eingenommen werden. Unser Urteilen und unser Schließen geschieht aus denselben Schlafregionen unseres eigenen Inneren heraus, aus dem unser Fühlen und unser Wollen heraustönt.
[ 28 ] are found in those who, in a sense, happen to be missing one or another limb. We must learn to relate what a person is in terms of mind and soul to the whole person, and to realize that we bring logic into our life of imagination from the very same regions that we cannot reach with ordinary consciousness—regions occupied by the emotional and volitional aspects of our being. Our judgments and our reasoning arise from the same dormant regions within our own inner being from which our feeling and our willing resound.
[ 29 ] Am meisten kosmisch ist in uns die mathematische Region. Die mathematische Region gehört uns nicht einmal bloß als ruhendem Menschen an, sondern als herumgehendem Menschen. Wir bewegen uns ja immer irgendwie in mathematischen Figuren. Wenn wir das äußerlich ansehen an einem herumgehenden Menschen, so sehen wir etwas Räumliches; wenn wir es innerlich erleben, erleben wir die uns innerliche Mathematik, die eine kosmische ist, nur daß das Kosmische uns auch aufbaut. Die Raumesrichtungen, die wir draußen haben, die bauen uns auch auf und in uns erleben wir sie. Und indem wir sie erleben, abstrahieren wir sie, nehmen die Bilder, die sich im Gehirn spiegeln und verweben sie mit dem, was sich äußerlich räumlich in der Welt uns zeigt.
[ 29 ] The most cosmic aspect within us is the mathematical realm. The mathematical realm belongs to us not merely as human beings at rest, but as human beings in motion. After all, we are always moving in mathematical figures in one way or another. When we observe this externally in a person walking around, we see something spatial; when we experience it internally, we experience the mathematics within us—which is cosmic—except that the cosmic also builds us up. The spatial directions we encounter outside also shape us, and we experience them within ourselves. And as we experience them, we abstract them, taking the images reflected in the brain and weaving them together with what appears to us externally in the world.
[ 30 ] Es ist schon notwendig, daß heute aufmerksam darauf gemacht wird, daß eigentlich dasjenige, was der Mensch mathematisierend in die Welt hineinlegt, dasselbe ist, was ihn aufbaut, was also kosmischer Natur ist. Denn durch den unsinnigen Kantianismus ist der Raum bloß zu einer subjektiven Form gemacht worden. Er ist nicht eine subjektive Form, er ist etwas, was wir gerade in derselben Region real erleben, wo wir das Willensmäßige erleben. Und da scheint es herauf. Da wird das Heraufscheinen zur Welt etwas, mit dem wir dann durchdringen dasjenige, was sich äußerlich darbietet.
[ 30 ] It is indeed necessary today to draw attention to the fact that what human beings introduce into the world through mathematics is, in fact, the very same thing that constitutes them—and is thus of a cosmic nature. For through senseless Kantianism, space has been reduced to a mere subjective form. It is not a subjective form; it is something we actually experience in the very same realm where we experience the volitional. And there it appears. There, this emergence into the world becomes something through which we then penetrate that which presents itself externally.
[ 31 ] Die heutige Welt ist noch weit entfernt davon, dieses innerliche Verwobensein des Menschen mit dem Kosmos studieren zu können, dieses Darinnenstehen des Menschen in dem Kosmos. Ich habe auf dieses Darinnenstehen eklatant aufmerksam gemacht in meiner «Philosophie der Freiheit», wo Sie an bemerkenswerten Stellen finden werden, wie ich zeige, daß der Mensch unter dem gewöhnlichen Bewußtsein zusammenhängt mit dem ganzen Kosmos, daß er ein Glied ist des ganzen Kosmos, und daß dann gewissermaßen aufblüht aus diesem allgemein Kosmischen das Individuell-Menschliche, das dann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein umfaßt wird. Gerade diese Stelle meiner «Philosophie der Freiheit» ist von den wenigsten verstanden worden; die meisten haben nicht gewußt, um was es sich handelt. Es ist auch kein Wunder, daß in einem Zeitalter, in dem die Abstraktion bis zur Einsteinerei blüht, daß in einem Zeitalter, in dem diese allerdings in sich außerordentlich geistreiche, aber eben absolut abstrakte Anschauung als etwas Besonderes der Welt vorgeführt wird, dasjenige nicht verstanden wird, was in die Wirklichkeit, eben in die wahre Wirklichkeit einführen will.
[ 31 ] Today’s world is still far from being able to study this inner interconnectedness of human beings with the cosmos, this way in which human beings are embedded within the cosmos. I have drawn attention to this embeddedness in a striking way in my Philosophy of Freedom, where you will find remarkable passages in which I show that, in ordinary consciousness, the human being is connected to the entire cosmos, that he is a member of the entire cosmos, and that, in a sense, the individual human being blossoms forth from this universal cosmic whole, which is then encompassed by ordinary consciousness. It is precisely this passage in my Philosophy of Freedom that has been understood by very few; most have not known what it is about. It is also no wonder that in an age in which abstraction flourishes to the point of “Einsteinism”—an age in which this perspective, which is indeed extraordinarily ingenious in itself but absolutely abstract, is presented as something special to the world—that which seeks to introduce us to reality, to true reality, is not understood.
[ 32 ] Es muß immer wieder betont werden: Es genügt nicht, daß irgend etwas logisch ist. Logisch ist die Einsteinerei, wirklichkeitsgemäß ist sie nicht. Aller Relativismus ist als solcher nicht wirklichkeitsgemäß. Das wirklichkeitsgemäße Denken fängt erst da an, wo man nicht mehr die Realität verlassen kann, indem man denkt. Nicht wahr, es liest heute der Mensch, oder hört, möchte ich sagen, ganz gelassen zu, wenn der Einstein sagt als Beispiel: Wie würde es sein, wenn eine Uhr mit Lichtgeschwindigkeit in den Kosmos hinausflöge? — Ja, das hört sich heute ein Mensch ganz ruhig an. Eine Uhr, die mit Lichtgeschwindigkeit in den Kosmos hinausfliegt, das ist ungefähr für denjenigen, der wirklichkeitsgemäß in seinem Denken lebt, wirklichkeitsgemäß in seiner Seele lebt, ungefähr so, wie wenn einer sagt: Wie wird der Mensch, wenn ich ihm den Kopf abschneide, und dazu ihm die rechte Hand und die linke Hand oder den rechten Arm und so weiter abschneide? — Er hört eben auf, ein Mensch zu sein. So hört dasjenige, was man noch berechtigt ist vorzustellen, wenn man davon redet, daß eine Uhr mit Lichtgeschwindigkeit in den Kosmos hinausfliege, gleich auf, eine Uhr zu sein! Es ist nicht möglich, das vorzustellen. Das Wirklichkeitsgemäße muß festgehalten werden, wenn man zu einem gültigen Denken kommen will. Logisch, geistvoll kann etwas in ungeheurem Maße sein, aber es braucht noch nicht wirklichkeitsgemäß zu sein. Ein wirklichkeitsgemäßes Denken aber brauchen wir in diesem Zeitalter. Denn das abstrakte Denken führt uns endlich wirklich dazu, eben die Wirklichkeit vor lauter Abstraktionen nicht mehr zu sehen. Und heute bewundert die Menschheit die Abstraktionen, die ihr in dieser Weise dargeboten werden. Daß man diese Abstraktionen irgendwie logisch belegt oder dergleichen, darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, daß der Mensch lernt, mit der Wirklichkeit zusammenzuwachsen, so daß er nicht mehr etwas anderes sagen kann als dasjenige, was eben auch aus der Wirklichkeit heraus gesprochen wird.
[ 32 ] It must be emphasized time and again: It is not enough for something to be logical. Einstein’s theories are logical, but they do not correspond to reality. All relativism, as such, does not correspond to reality. Thinking that corresponds to reality begins only where one can no longer leave reality behind through thought. Isn’t it true that today people read—or rather, I would say, listen—quite calmly when Einstein gives this example: What would it be like if a clock were to fly out into the cosmos at the speed of light? — Yes, people today listen to that quite calmly. A clock flying out into the cosmos at the speed of light—for someone who lives in accordance with reality in their thinking, who lives in accordance with reality in their soul—is roughly the same as if someone were to say: “What becomes of a human being if I cut off their head, and along with that their right hand and left hand, or their right arm, and so on?”—They simply cease to be a human being. In the same way, what one is still justified in imagining when speaking of a watch flying out into the cosmos at the speed of light immediately ceases to be a watch! It is impossible to imagine this. One must hold fast to what corresponds to reality if one wishes to arrive at valid thinking. Something may be logical and ingenious to an immense degree, but that does not necessarily mean it corresponds to reality. Yet we need thinking that corresponds to reality in this age. For abstract thinking ultimately leads us to no longer see reality at all, lost as we are in a sea of abstractions. And today, humanity admires the abstractions presented to it in this way. Whether these abstractions are somehow logically substantiated or the like is irrelevant. What matters is that people learn to grow together with reality, so that they can no longer say anything other than what is spoken directly from reality.
[ 33 ] Aber solche Vorstellungen über den Menschen selbst, wie ich sie Ihnen heute wiederum vorgeführt habe, die geben eine Art Anleitung zu einem wirklichkeitsgemäßen Denken. Sie werden vielfach heute verspottet von denen, die dressiert sind durch unser abstraktes Denken. Durch drei bis vier Jahrhunderte ist ja die abendländische Menschheit dressiert durch bloße Abstraktion. Aber wir leben in dem Zeitalter, wo eine Umkehr nach dieser Richtung stattfinden muß, wo wir den Weg zurück zur Wirklichkeit finden müssen. Materialistisch sind die Menschen geworden, nicht weil sie die Logik verloren haben, sondern weil sie die Wirklichkeit verloren haben. Logisch ist der Materialismus, logisch ist der Spiritualismus, logisch ist der Monismus, logisch ist der Dualismus, logisch ist alles, wenn es nur nicht eben auf wirklichen Denkfehlern beruht. Aber dadurch, daß etwas logisch ist, entspricht es noch nicht der Wirklichkeit. Wirklichkeit kann nur gefunden werden, wenn wir unser Denken selber immer mehr und mehr hereinbringen in diejenige Region, von der ich gesagt habe: Im reinen Denken hat man das Weltgeschehen an einem Zipfel. — Das steht in meinen erkenntnistheoretischen Schriften, und das ist dasjenige, was als Grundlage eines Weltverständnisses gewonnen werden muß.
[ 33 ] But such conceptions of human beings themselves—as I have once again presented to you today—provide a kind of guide to thinking in accordance with reality. They are often ridiculed today by those who have been conditioned by our abstract thinking. For three to four centuries, Western humanity has indeed been conditioned by mere abstraction. But we live in an age when a reversal in this direction must take place, when we must find our way back to reality. People have become materialistic, not because they have lost logic, but because they have lost reality. Materialism is logical, spiritualism is logical, monism is logical, dualism is logical—everything is logical, provided it is not based on actual errors in thinking. But just because something is logical does not mean it corresponds to reality. Reality can only be found if we increasingly bring our own thinking into that realm of which I have said: “In pure thought, one has a corner of world events.” — This is stated in my epistemological writings, and this is what must be gained as the foundation for an understanding of the world.
[ 34 ] In dem Augenblicke, wo man das Denken noch hat, trotzdem man keine sinnliche Anschauung hat, in dem Augenblick hat man das Denken zugleich als Wille. Es ist kein Unterschied mehr zwischen Wollen und Denken. Denn das Denken ist ein Wollen und das Wollen ist dann ein Denken. Wenn das Denken ganz sinnlichkeitsfrei geworden ist, dann hat man das Weltgeschehen an einem Zipfel. Und das ist es, was man vor allen Dingen anstreben muß: den Begriff zu bekommen von diesem reinen Denken. Von diesem Punkte aus wollen wir dann morgen weiter reden.
[ 34 ] At the very moment when one still has thought, even though one has no sensory perception, at that very moment one has thought as will at the same time. There is no longer any difference between willing and thinking. For thinking is a willing, and willing is then a thinking. When thinking has become entirely free of sensibility, then one has a hold on the course of world events. And that is what one must strive for above all else: to grasp the concept of this pure thinking. We will then continue our discussion from this point tomorrow.
