Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206
24 July 1921, Dornach
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Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist II
Sechzehnter Vortrag
Sechzehnter Vortrag
[ 1 ] Jenen Schnitt durch das Wesen des Menschen, von dem ich gesprochen habe, Sie finden ihn auch im alltäglichen menschlichen Gesamtleben zum Ausdruck kommend. Sie finden ihn vor allen Dingen, wenn Sie sachgemäß das Verhältnis zweier menschlicher Fähigkeiten untersuchen, die durch ihre eigene Beschaffenheit auch bei oberflächlicher Betrachtung sich als sowohl dem seelischen Leben wie auch dem körperlich-leiblichen Leben angehörig erweisen. Sie finden auf der einen Seite als eine wichtige, sagen wir, Tatsache des Seelenlebens im menschlichen Leben eben mit dem körperlichen Leben verbunden die Fähigkeit des Gedächtnisses, der Erinnerung, und Sie finden auf der andern Seite, sagen wir, eine Kraft im menschlichen Leben, deren Wesenheit weniger ins Auge gefaßt wird, weil sie mehr eine Fähigkeit ist, der man sich naiv hingibt, ohne sie näher zu prüfen oder gar zu analysieren: das ist die Kraft der menschlichen Liebe. Es muß von vornherein gesagt werden, daß, wenn man über solche Dinge erstens mit Bezug auf die Wesenheit des Menschen, dann aber auch mit Bezug auf das Verhältnis des Menschen zur Welt spricht, man sich darüber klar sein muß, daß man von der Wirklichkeit, nicht von irgendeiner Vorstellung auszugehen hat. Ich habe öfter den zwar banalen Vergleich für das Ausgehen von Vorstellungen-statt von der Wirklichkeit gebraucht: Jemand sieht ein Rasiermesser, und er sagt, das sei ein Messer, ein Messer gehöre zum Schneiden der Speisen; also nimmt er das Rasiermesser zum Schneiden der Speisen, weil es ein Messer ist.
[ 1 ] Jenen Schnitt durch das Wesen des Menschen, von dem ich gesprochen habe, Sie finden ihn auch im alltäglichen menschlichen Gesamtleben zum Ausdruck kommend. Sie finden ihn vor allen Dingen, wenn Sie sachgemäß das Verhältnis zweier menschlicher Fähigkeiten untersuchen, die durch ihre eigene Beschaffenheit auch bei oberflächlicher Betrachtung sich als sowohl dem seelischen Leben wie auch dem körperlich-leiblichen Leben angehörig erweisen. Sie finden auf der einen Seite als eine wichtige, sagen wir, Tatsache des Seelenlebens im menschlichen Leben eben mit dem körperlichen Leben verbunden die Fähigkeit des Gedächtnisses, der Erinnerung, und Sie finden auf der andern Seite, sagen wir, eine Kraft im menschlichen Leben, deren Wesenheit weniger ins Auge gefaßt wird, weil sie mehr eine Fähigkeit ist, der man sich naiv hingibt, ohne sie näher zu prüfen oder gar zu analysieren: das ist die Kraft der menschlichen Liebe. Es muß von vornherein gesagt werden, daß, wenn man über solche Dinge erstens mit Bezug auf die Wesenheit des Menschen, dann aber auch mit Bezug auf das Verhältnis des Menschen zur Welt spricht, man sich darüber klar sein muß, daß man von der Wirklichkeit, nicht von irgendeiner Vorstellung auszugehen hat. Ich habe öfter den zwar banalen Vergleich für das Ausgehen von Vorstellungen-statt von der Wirklichkeit gebraucht: Jemand sieht ein Rasiermesser, und er sagt, das sei ein Messer, ein Messer gehöre zum Schneiden der Speisen; also nimmt er das Rasiermesser zum Schneiden der Speisen, weil es ein Messer ist.
[ 2 ] So ungefähr, obwohl man es gewöhnlich nicht glaubt, weil man die Sache für sehr gelehrt hält, sind die Auffassungen, die, sagen wir, zum Beispiel wissenschaftlich denkende Menschen über den Tod oder über die Geburt haben mit Bezug auf Menschen und Tiere. Manchmal dehnt man sogar dann solche Vorstellungen auch auf Pflanzen aus. Man macht sich eine Vorstellung darüber, wie man sich eine Vorstellung darüber macht, was ein Messer ist, und geht dann von dieser Vorstellung, die natürlich der Repräsentant einer gewissen Tatsachenreihe ist, aus und untersucht in gleicher Weise, sagen wir, den Tod beim Menschen, bei Tieren und eventuell sogar bei den Pflanzen, ohne zu berücksichtigen, daß vielleicht dasjenige, was man im allgemeinen in der Vorstellung des Todes zusammenfaßt, etwas ganz anderes sein könnte bei den Menschen und bei den Tieren. Man hat von der Wirklichkeit des Tieres und von der Wirklichkeit des Menschen auszugehen, nicht von der Erscheinung des Todes, die man repräsentiert sein läßt durch irgendeine Vorstellung.
[ 2 ] So ungefähr, obwohl man es gewöhnlich nicht glaubt, weil man die Sache für sehr gelehrt hält, sind die Auffassungen, die, sagen wir, zum Beispiel wissenschaftlich denkende Menschen über den Tod oder über die Geburt haben mit Bezug auf Menschen und Tiere. Manchmal dehnt man sogar dann solche Vorstellungen auch auf Pflanzen aus. Man macht sich eine Vorstellung darüber, wie man sich eine Vorstellung darüber macht, was ein Messer ist, und geht dann von dieser Vorstellung, die natürlich der Repräsentant einer gewissen Tatsachenreihe ist, aus und untersucht in gleicher Weise, sagen wir, den Tod beim Menschen, bei Tieren und eventuell sogar bei den Pflanzen, ohne zu berücksichtigen, daß vielleicht dasjenige, was man im allgemeinen in der Vorstellung des Todes zusammenfaßt, etwas ganz anderes sein könnte bei den Menschen und bei den Tieren. Man hat von der Wirklichkeit des Tieres und von der Wirklichkeit des Menschen auszugehen, nicht von der Erscheinung des Todes, die man repräsentiert sein läßt durch irgendeine Vorstellung.
[ 3 ] In einer ähnlichen Weise sind dann die Vorstellungen geschmiedet, die man zum Beispiel mit Bezug auf das Gedächtnis hat. Mit Bezug auf das Gedächtnis zeigt sich das ganz besonders dort, wo in der Absicht, ein Gleiches bei Menschen und bei Tieren zu finden, der Gedächtnisbegriff in einer undifferenzierten Weise auf beide angewendet wird. Man macht darauf aufmerksam — es ist das sogar sehr berühmten Professoren passiert wie Otto Liebmann —, daß zum Beispiel ein Elefant, der auf seinem Wege zur Schwemme ist, wo er Wasser zu trinken hat, irgend etwas von einem Insult durch einen vorübergehenden Menschen bekommt; der tut ihm etwas. Der Elefant geht vorüber. Aber als er wieder zurückgeht und der Mensch dann wieder dasteht, da spritzt ihn der Elefant aus seinem Rüssel mit Wasser an. Weil der Elefant — so sagt der Erkenntnistheoretiker — sich selbstverständlich gemerkt hat, in seinem Gedächtnis aufbewahrt hat dasjenige, was ihm der Mensch getan hat.
[ 3 ] In einer ähnlichen Weise sind dann die Vorstellungen geschmiedet, die man zum Beispiel mit Bezug auf das Gedächtnis hat. Mit Bezug auf das Gedächtnis zeigt sich das ganz besonders dort, wo in der Absicht, ein Gleiches bei Menschen und bei Tieren zu finden, der Gedächtnisbegriff in einer undifferenzierten Weise auf beide angewendet wird. Man macht darauf aufmerksam — es ist das sogar sehr berühmten Professoren passiert wie Otto Liebmann —, daß zum Beispiel ein Elefant, der auf seinem Wege zur Schwemme ist, wo er Wasser zu trinken hat, irgend etwas von einem Insult durch einen vorübergehenden Menschen bekommt; der tut ihm etwas. Der Elefant geht vorüber. Aber als er wieder zurückgeht und der Mensch dann wieder dasteht, da spritzt ihn der Elefant aus seinem Rüssel mit Wasser an. Weil der Elefant — so sagt der Erkenntnistheoretiker — sich selbstverständlich gemerkt hat, in seinem Gedächtnis aufbewahrt hat dasjenige, was ihm der Mensch getan hat.
[ 4 ] Das äußere Aussehen der Sache ist natürlich durchaus für eine solche erkenntnistheoretische Betrachtung, man möchte sagen, sehr verführerisch, aber eben nicht verführerischer als das Unterfangen, mit einem Rasiermesser das Fleisch bei Tisch zu zerschneiden. Es handelt sich eben durchaus darum, daß man überall von der Wirklichkeit ausgeht und nicht von Vorstellungen, die man an irgendeiner Erscheinungsreihe gewonnen hat und die man dann in beliebiger Weise wesenhaft auf eine andere Erscheinungsreihe überträgt. Man macht sich gewöhnlich gar nicht klar, wie weitverbreitet der eben angeführte methodologische Fehler in unseren heutigen wissenschaftlichen Untersuchungen eigentlich ist.
[ 4 ] Das äußere Aussehen der Sache ist natürlich durchaus für eine solche erkenntnistheoretische Betrachtung, man möchte sagen, sehr verführerisch, aber eben nicht verführerischer als das Unterfangen, mit einem Rasiermesser das Fleisch bei Tisch zu zerschneiden. Es handelt sich eben durchaus darum, daß man überall von der Wirklichkeit ausgeht und nicht von Vorstellungen, die man an irgendeiner Erscheinungsreihe gewonnen hat und die man dann in beliebiger Weise wesenhaft auf eine andere Erscheinungsreihe überträgt. Man macht sich gewöhnlich gar nicht klar, wie weitverbreitet der eben angeführte methodologische Fehler in unseren heutigen wissenschaftlichen Untersuchungen eigentlich ist.
[ 5 ] Dasjenige, was als Gedächtnis, als Erinnerungsvermögen beim Menschen vorliegt, muß durchaus aus der menschlichen Natur heraus selbst begriffen werden. Und da handelt es sich darum, daß man sich zunächst eine Möglichkeit schafft, zu beobachten, wie das Gedächtnis im Verlauf der menschlichen Entwickelung selber wird. Derjenige, der so etwas beobachten kann, der wird bemerken können, daß sich das Gedächtnis bei dem Kinde noch in einer ganz andern Weise äußert als beim Menschen etwa vom sechsten, siebenten, achten Jahre an. Das Gedächtnis bekommt in den letztangeführten Jahren vielmehr einen seelischen Charakter, während man deutlich merken kann, wie sehr in den ersten Kinderjahren dieses Gedächtnis gebunden ist an die organischen Zustände, wie es sich herauswindet aus diesen organischen Zuständen. Und derjenige, der das Verhältnis der Erinnerungen zu der kindlichen Begriffsbildung ins Auge faßt, der wird merken, wie sich die Begriffsbildung in der Tat stark anlehnt an dasjenige, was das Kind aus seiner Umgebung durch seine Sinneswahrnehmung, durch alle die zwölf angeführten Sinneswahrnehmungen erlebt. Es ist außerordentlich reizvoll, aber auch außerordentlich bedeutsam, zu sehen, wie die Begriffe, die sich das Kind bildet, ganz und gar abhängen von der Erfahrung, der das Kind unterworfen wird, namentlich von dem Verhalten der Umgebung. Das Kind ist ja in den Jahren, die hier in Betracht kommen, ein Nachahmer, und auch in bezug auf seine Begriffsbildung ein Nachahmer. Dagegen wird man leicht bemerken können, wie die Fähigkeit der Erinnerung mehr aus dem Inneren der kindlichen Entwickelung aufsteigt, wie sie mehr zusammenhängt mit der ganzen körperlichen Konstitution, sogar sehr wenig mit der Konstitution der Sinne und dadurch der Konstitution des menschlichen Hauptes. Dagegen wird man einen innigen Zusammenhang verspüren können zwischen der Art, wie das Kind mehr oder weniger, wenn man so sagen könnte, normal oder unnormal zum Beispiel in bezug auf seine Blutbildung, in bezug auf seine Bluternährung beschaffen ist. Man wird leicht bemerken, daß bei Kindern, die nach dem Anämischen hinneigen, die Gedächtnisbildung Schwierigkeiten hat. Dagegen wird man bemerken, daß in einem solchen Falle die Begriffsbildung, die Vorstellungsbildung weniger Schwierigkeiten hat.
[ 5 ] Dasjenige, was als Gedächtnis, als Erinnerungsvermögen beim Menschen vorliegt, muß durchaus aus der menschlichen Natur heraus selbst begriffen werden. Und da handelt es sich darum, daß man sich zunächst eine Möglichkeit schafft, zu beobachten, wie das Gedächtnis im Verlauf der menschlichen Entwickelung selber wird. Derjenige, der so etwas beobachten kann, der wird bemerken können, daß sich das Gedächtnis bei dem Kinde noch in einer ganz andern Weise äußert als beim Menschen etwa vom sechsten, siebenten, achten Jahre an. Das Gedächtnis bekommt in den letztangeführten Jahren vielmehr einen seelischen Charakter, während man deutlich merken kann, wie sehr in den ersten Kinderjahren dieses Gedächtnis gebunden ist an die organischen Zustände, wie es sich herauswindet aus diesen organischen Zuständen. Und derjenige, der das Verhältnis der Erinnerungen zu der kindlichen Begriffsbildung ins Auge faßt, der wird merken, wie sich die Begriffsbildung in der Tat stark anlehnt an dasjenige, was das Kind aus seiner Umgebung durch seine Sinneswahrnehmung, durch alle die zwölf angeführten Sinneswahrnehmungen erlebt. Es ist außerordentlich reizvoll, aber auch außerordentlich bedeutsam, zu sehen, wie die Begriffe, die sich das Kind bildet, ganz und gar abhängen von der Erfahrung, der das Kind unterworfen wird, namentlich von dem Verhalten der Umgebung. Das Kind ist ja in den Jahren, die hier in Betracht kommen, ein Nachahmer, und auch in bezug auf seine Begriffsbildung ein Nachahmer. Dagegen wird man leicht bemerken können, wie die Fähigkeit der Erinnerung mehr aus dem Inneren der kindlichen Entwickelung aufsteigt, wie sie mehr zusammenhängt mit der ganzen körperlichen Konstitution, sogar sehr wenig mit der Konstitution der Sinne und dadurch der Konstitution des menschlichen Hauptes. Dagegen wird man einen innigen Zusammenhang verspüren können zwischen der Art, wie das Kind mehr oder weniger, wenn man so sagen könnte, normal oder unnormal zum Beispiel in bezug auf seine Blutbildung, in bezug auf seine Bluternährung beschaffen ist. Man wird leicht bemerken, daß bei Kindern, die nach dem Anämischen hinneigen, die Gedächtnisbildung Schwierigkeiten hat. Dagegen wird man bemerken, daß in einem solchen Falle die Begriffsbildung, die Vorstellungsbildung weniger Schwierigkeiten hat.
[ 6 ] Ich kann auf diese Dinge nur hindeuten, denn im Grunde genommen muß jeder, wenn er die Richtlinien zu einer solchen Beobachtung empfangen hat, aus dem Leben heraus sich die Daten suchen, und er wird sie finden. Er wird dann finden, daß in der Tat beim Kinde von der Hauptesorganisation, das heißt von der Nerven-Sinnesorganisation, also von den Erlebnissen, von der Wahrnehmung aus die Begriffsbildung erfolgt; daß aber dasjenige, was, ich möchte sagen, die Begriffsbildung durchwebt als Erinnerungsvermögen, sich herausentwickelt aus dem übrigen Organismus außer dem Hauptesorganismus. Und setzt man diese Beobachtung fort, versucht man, namentlich dahinterzukommen, wie eigentümlich sich verhält die Art, namentlich der Gedächtnisbildung bei Kindern, welche etwa neigen zu einer kurzen, kleinen, gedrungenen Gestalt und bei Kindern, die dazu neigen, hoch aufzuschießen, so wird man finden, daß da tatsächlich sich deutlich ausspricht ein Zusammenhang zwischen den Wachstumserscheinungen im ganzen und zwischen dem, was als Gedächtniskraft sich im Menschen ausbildet.
[ 6 ] Ich kann auf diese Dinge nur hindeuten, denn im Grunde genommen muß jeder, wenn er die Richtlinien zu einer solchen Beobachtung empfangen hat, aus dem Leben heraus sich die Daten suchen, und er wird sie finden. Er wird dann finden, daß in der Tat beim Kinde von der Hauptesorganisation, das heißt von der Nerven-Sinnesorganisation, also von den Erlebnissen, von der Wahrnehmung aus die Begriffsbildung erfolgt; daß aber dasjenige, was, ich möchte sagen, die Begriffsbildung durchwebt als Erinnerungsvermögen, sich herausentwickelt aus dem übrigen Organismus außer dem Hauptesorganismus. Und setzt man diese Beobachtung fort, versucht man, namentlich dahinterzukommen, wie eigentümlich sich verhält die Art, namentlich der Gedächtnisbildung bei Kindern, welche etwa neigen zu einer kurzen, kleinen, gedrungenen Gestalt und bei Kindern, die dazu neigen, hoch aufzuschießen, so wird man finden, daß da tatsächlich sich deutlich ausspricht ein Zusammenhang zwischen den Wachstumserscheinungen im ganzen und zwischen dem, was als Gedächtniskraft sich im Menschen ausbildet.
[ 7 ] Nun habe ich bei früheren Gelegenheiten gesagt: Die menschliche Hauptesbildung als solche stellt sich ja dar als eine Metamorphose der organischen Bildung des Menschen des früheren Erdenlebens, aber abgesehen von der Hauptesbildung. Also was wir in einem gewissen Erdenleben als unser Haupt an uns tragen, das ist der umgestaltete Körper außer dem Haupte, namentlich aber der Gliedmaßen-Stoffwechselmensch des früheren Erdenlebens. Man darf sich das natürlich nicht materialistisch vorstellen. Mit der materiellen Ausfüllung hat das nichts zu tun, sondern mit der Form und mit dem Kräftezusammenhang. Dasjenige, was heute der Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus ist bei einem Menschen, das ist im nächsten Erdenleben, metamorphosisch umgewandelt durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, die Hauptesbildung.
[ 7 ] Nun habe ich bei früheren Gelegenheiten gesagt: Die menschliche Hauptesbildung als solche stellt sich ja dar als eine Metamorphose der organischen Bildung des Menschen des früheren Erdenlebens, aber abgesehen von der Hauptesbildung. Also was wir in einem gewissen Erdenleben als unser Haupt an uns tragen, das ist der umgestaltete Körper außer dem Haupte, namentlich aber der Gliedmaßen-Stoffwechselmensch des früheren Erdenlebens. Man darf sich das natürlich nicht materialistisch vorstellen. Mit der materiellen Ausfüllung hat das nichts zu tun, sondern mit der Form und mit dem Kräftezusammenhang. Dasjenige, was heute der Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus ist bei einem Menschen, das ist im nächsten Erdenleben, metamorphosisch umgewandelt durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, die Hauptesbildung.
[ 8 ] So können wir uns ja auch sagen, wenn wir sehen, wie beim Kinde abhängt sein Begriffsvermögen, sein Vorstellungsvermögen von dieser Hauptesbildung, daß gewissermaßen die Vorstellungsfähigkeit zusammenhängt mit dem früheren Erdenleben (siehe Zeichnung, rot). Dagegen das, was sich uns als Erinnerungsvermögen eingliedert, steigt auf aus demjenigen, was wir zunächst in diesem Erdenleben als unseren Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen eben anorganisiert erhalten (blau). Es schließen sich da zwei Dinge zusammen: das eine, was der Mensch sich mitbringt aus früheren Erdenleben, und das andere, die Erinnerungsfähigkeit, was er sich dadurch erwirbt, daß er einen neuen Organismus angegliedert erhält.
[ 8 ] So können wir uns ja auch sagen, wenn wir sehen, wie beim Kinde abhängt sein Begriffsvermögen, sein Vorstellungsvermögen von dieser Hauptesbildung, daß gewissermaßen die Vorstellungsfähigkeit zusammenhängt mit dem früheren Erdenleben (siehe Zeichnung, rot). Dagegen das, was sich uns als Erinnerungsvermögen eingliedert, steigt auf aus demjenigen, was wir zunächst in diesem Erdenleben als unseren Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen eben anorganisiert erhalten (blau). Es schließen sich da zwei Dinge zusammen: das eine, was der Mensch sich mitbringt aus früheren Erdenleben, und das andere, die Erinnerungsfähigkeit, was er sich dadurch erwirbt, daß er einen neuen Organismus angegliedert erhält.


[ 9 ] Sie werden daher begreifen, daß dasjenige Gedächtnis, das man zunächst für den Gebrauch zwischen Geburt und Tod hat und das man ja angegliedert erhält in diesem Erdenleben, zunächst nicht ausreicht, um zurückzuschauen in das vorgeburtliche Leben, in das präexistente Leben. Da ist notwendig, was ich immer betone, wenn ich das Methodologische der Sache auseinandersetze, daß man hinter dieses Gedächtnis mit seinen Fähigkeiten kommt und daß man deutlich einsehen lernt, daß das Gedächtnis etwas ist, was uns dient zwischen Geburt und Tod, daß man aber eine höhere Fähigkeit entwickeln muß, die ganz nach Gedächtnisweise zurückverfolgt das, was sich in uns als Begriffsvermögen ausgestaltet. Der abstrakte Erkenntnistheoretiker, der setzt an die Stelle einer Tatsache ein Wort. Er sagt zum Beispiel: Mathematische Begriffe, weil sie nicht durch Erfahrung erworben zu werden brauchen, beziehungsweise weil ihre Gewißheit nicht aus der Erfahrung belegt zu werden braucht, seien a priori. — Das ist ein Wort: sie sind vor der Erfahrung gelegen, a priori. Und man kann ja dieses Wort bei Kantianern heute immer wieder und wiederum hören. Aber dieses a priori bedeutet eben nichts anderes, als daß wir diese Begriffe in den früheren Erdenleben erfahren haben; aber sie sind nicht minder eben Erfahrungen, von der Menschheit angeeignet im Laufe ihrer Entwickelung. Nur ist die Menschheit gegenwärtig in einem Stadium ihrer Entwickelung, wo sich eben die meisten Menschen, wenigstens die zivilisierten Menschen, diese mathematischen Begriffe schon mitbringen und man sie nur aufzuwecken braucht.
[ 9 ] Sie werden daher begreifen, daß dasjenige Gedächtnis, das man zunächst für den Gebrauch zwischen Geburt und Tod hat und das man ja angegliedert erhält in diesem Erdenleben, zunächst nicht ausreicht, um zurückzuschauen in das vorgeburtliche Leben, in das präexistente Leben. Da ist notwendig, was ich immer betone, wenn ich das Methodologische der Sache auseinandersetze, daß man hinter dieses Gedächtnis mit seinen Fähigkeiten kommt und daß man deutlich einsehen lernt, daß das Gedächtnis etwas ist, was uns dient zwischen Geburt und Tod, daß man aber eine höhere Fähigkeit entwickeln muß, die ganz nach Gedächtnisweise zurückverfolgt das, was sich in uns als Begriffsvermögen ausgestaltet. Der abstrakte Erkenntnistheoretiker, der setzt an die Stelle einer Tatsache ein Wort. Er sagt zum Beispiel: Mathematische Begriffe, weil sie nicht durch Erfahrung erworben zu werden brauchen, beziehungsweise weil ihre Gewißheit nicht aus der Erfahrung belegt zu werden braucht, seien a priori. — Das ist ein Wort: sie sind vor der Erfahrung gelegen, a priori. Und man kann ja dieses Wort bei Kantianern heute immer wieder und wiederum hören. Aber dieses a priori bedeutet eben nichts anderes, als daß wir diese Begriffe in den früheren Erdenleben erfahren haben; aber sie sind nicht minder eben Erfahrungen, von der Menschheit angeeignet im Laufe ihrer Entwickelung. Nur ist die Menschheit gegenwärtig in einem Stadium ihrer Entwickelung, wo sich eben die meisten Menschen, wenigstens die zivilisierten Menschen, diese mathematischen Begriffe schon mitbringen und man sie nur aufzuwecken braucht.
[ 10 ] Es ist natürlich ein bedeutsamer pädagogisch-didaktischer Unterschied im Aufwecken der mathematischen Begriffe und im Beibringen von solchen Vorstellungen und Begriffen, die aus der äußeren Erfahrung gewonnen werden müssen und bei denen das Erinnerungsvermögen eine wesentliche Rolle spielt. Man kann auch, namentlich wenn man sich ein gewisses Anschauungsvermögen aneignet für die menschliche Entwickelung in ihren Besonderheiten, deutlich zwei Typen von aufwachsenden Kindern unterscheiden: solche, die sich viel mitbringen aus früheren Erdenleben und denen daher leicht Begriffe beizubringen sind; dagegen kann man andere finden, die weniger sicher sind in ihren Begriffsbildungen, die sich aber leicht die Eigenschaften äußerer Dinge merken und daher leicht dasjenige aufnehmen, was sie durch eigene Beobachtung aufnehmen können. Da hinein spielt aber das Erinnerungsvermögen, denn man kann äußere Dinge nicht leicht in der Weise lernen, wie es dann schulmäßig gelehrt werden muß. Man kann dann natürlich einen Begriff bilden, aber man kann sie nicht so lernen, daß man an ihnen das Gelernte wiederzugeben vermag, wenn nicht ein deutliches Erinnerungsvermögen vorliegt. Kurz, man kann da das Zusammenfließen zweier Strömungen in der menschlichen Entwickelung sehr genau wahrnehmen.
[ 10 ] Es ist natürlich ein bedeutsamer pädagogisch-didaktischer Unterschied im Aufwecken der mathematischen Begriffe und im Beibringen von solchen Vorstellungen und Begriffen, die aus der äußeren Erfahrung gewonnen werden müssen und bei denen das Erinnerungsvermögen eine wesentliche Rolle spielt. Man kann auch, namentlich wenn man sich ein gewisses Anschauungsvermögen aneignet für die menschliche Entwickelung in ihren Besonderheiten, deutlich zwei Typen von aufwachsenden Kindern unterscheiden: solche, die sich viel mitbringen aus früheren Erdenleben und denen daher leicht Begriffe beizubringen sind; dagegen kann man andere finden, die weniger sicher sind in ihren Begriffsbildungen, die sich aber leicht die Eigenschaften äußerer Dinge merken und daher leicht dasjenige aufnehmen, was sie durch eigene Beobachtung aufnehmen können. Da hinein spielt aber das Erinnerungsvermögen, denn man kann äußere Dinge nicht leicht in der Weise lernen, wie es dann schulmäßig gelehrt werden muß. Man kann dann natürlich einen Begriff bilden, aber man kann sie nicht so lernen, daß man an ihnen das Gelernte wiederzugeben vermag, wenn nicht ein deutliches Erinnerungsvermögen vorliegt. Kurz, man kann da das Zusammenfließen zweier Strömungen in der menschlichen Entwickelung sehr genau wahrnehmen.
[ 11 ] Nun, was liegt denn da eigentlich zugrunde? Bedenken Sie, auf der einen Seite ist der Mensch aus seiner Hauptesorganisation heraus das Begriffsbildungsvermögen gestaltend. Warum tut er das? Sie brauchen nur mit Verständnis die menschliche Hauptesorganisation zu betrachten, so werden Sie sich sagen können, warum. Diese menschliche Hauptesorganisation, sie tritt schon im embryonalen Leben verhältnismäßig früh auf, bevor die andere Organisation, gerade ihrem Wesentlichen nach, angegliedert ist. Die Embryologie ist ja durchaus ein Beleg für das, was Anthroposophie in bezug auf die Menschheitsentwickelung zu sagen hat. Aber Sie brauchen nicht so weit zu gehen, Sie brauchen bloß gewissermaßen den ausgewachsenen Menschen ins Auge zu fassen. Sehen Sie sich diese Hauptesorganisation an. Sie ist erstens darauf angelegt, daß man’ im Haupte relativ das Vollkommenste der ganzen menschlichen Organisation hat. Nun, diese Vorstellung könnte man anfechten. Dagegen eine andere ist nicht anzufechten, wenn sie nur in der richtigen Weise angeschaut wird. Das ist diese, daß wir in unserem Erleben uns ja ganz anders zu unserem Haupte stellen als zu unserem übrigen Organismus. Unseren übrigen Organismus verspüren wir in einer ganz andern Weise als unser Haupt. Unser Haupt löscht sich ja in unserem eigenen Seelenleben im Grunde genommen aus. Wir haben viel mehr organisches Bewußtsein von unserem gesamten übrigen Organismus als von unserem Haupte. Unser Haupt ist eigentlich dasjenige, was sich innerhalb unserer Organisation auslöscht.
[ 11 ] Nun, was liegt denn da eigentlich zugrunde? Bedenken Sie, auf der einen Seite ist der Mensch aus seiner Hauptesorganisation heraus das Begriffsbildungsvermögen gestaltend. Warum tut er das? Sie brauchen nur mit Verständnis die menschliche Hauptesorganisation zu betrachten, so werden Sie sich sagen können, warum. Diese menschliche Hauptesorganisation, sie tritt schon im embryonalen Leben verhältnismäßig früh auf, bevor die andere Organisation, gerade ihrem Wesentlichen nach, angegliedert ist. Die Embryologie ist ja durchaus ein Beleg für das, was Anthroposophie in bezug auf die Menschheitsentwickelung zu sagen hat. Aber Sie brauchen nicht so weit zu gehen, Sie brauchen bloß gewissermaßen den ausgewachsenen Menschen ins Auge zu fassen. Sehen Sie sich diese Hauptesorganisation an. Sie ist erstens darauf angelegt, daß man’ im Haupte relativ das Vollkommenste der ganzen menschlichen Organisation hat. Nun, diese Vorstellung könnte man anfechten. Dagegen eine andere ist nicht anzufechten, wenn sie nur in der richtigen Weise angeschaut wird. Das ist diese, daß wir in unserem Erleben uns ja ganz anders zu unserem Haupte stellen als zu unserem übrigen Organismus. Unseren übrigen Organismus verspüren wir in einer ganz andern Weise als unser Haupt. Unser Haupt löscht sich ja in unserem eigenen Seelenleben im Grunde genommen aus. Wir haben viel mehr organisches Bewußtsein von unserem gesamten übrigen Organismus als von unserem Haupte. Unser Haupt ist eigentlich dasjenige, was sich innerhalb unserer Organisation auslöscht.
[ 12 ] Dieses Haupt hebt sich auch heraus aus unserem übrigen Zusammenhange mit der Welt, erstens innerlich schon durch unsere Gehirnorganisation. Ich habe die Tatsache oftmals hervorgehoben: das Gehirn hat eine so große Schwere, daß es alles, was darunterliegt, zerdrücken würde, wenn es nicht im Gehirnwasser schwimmen würde und dadurch das ganze Gewicht verliert, das ein Körper haben würde, der aus Gehirnwasser besteht und ebenso groß wäre wie das Gehirn; so daß das Gehirn, sagen wir etwa in dem Verhältnis von eintausenddreihundert bis eintausendvierhundert Gramm zu zwanzig Gramm an Gewicht verliert. Das heißt aber, da der Mensch, insofern er auf der Erde steht, durchaus sein natürliches Gewicht hat, ist das Gehirn herausgehoben aus diesen Schwereverhältnissen, in denen es im Menschen natürlich sitzt, nicht in seiner Absolutheit, aber indem es im Menschen sitzt. Aber selbst wenn Sie nicht auf dieses Innerliche gehen, wenn Sie auf das Außerliche gehen, man möchte sagen, die ganze Art, wie Sie Ihre Köpfe tragen, ist ja eigentlich so, daß dieser Kopf, indem man ihn durch die Welt trägt, sich verhält wie ein Herr oder eine Dame, die in einer Droschke sitzen. Die Droschke, die muß sich weiterbewegen, aber indem sich die Droschke weiterbewegt, strengt sich der Herr oder die Dame in der Droschke gar nicht an, um weiterzukommen. Ungefähr in demselben Verhältnis ist auch unser Haupt zu unserem Organismus. Dazu ließen sich viele Dinge noch anführen. Auch unser Haupt ist in einem gewissen Sinne herausgehoben aus unserem übrigen Verhältnis zur Welt. Das ist eben aus dem Grunde, weil wir in unserem Haupte gewissermaßen in physischer Umgestaltung dasjenige haben, was unsere Seele zusammen mit unserem übrigen Organismus erlebte in einem früheren Erdenleben.
[ 12 ] Dieses Haupt hebt sich auch heraus aus unserem übrigen Zusammenhange mit der Welt, erstens innerlich schon durch unsere Gehirnorganisation. Ich habe die Tatsache oftmals hervorgehoben: das Gehirn hat eine so große Schwere, daß es alles, was darunterliegt, zerdrücken würde, wenn es nicht im Gehirnwasser schwimmen würde und dadurch das ganze Gewicht verliert, das ein Körper haben würde, der aus Gehirnwasser besteht und ebenso groß wäre wie das Gehirn; so daß das Gehirn, sagen wir etwa in dem Verhältnis von eintausenddreihundert bis eintausendvierhundert Gramm zu zwanzig Gramm an Gewicht verliert. Das heißt aber, da der Mensch, insofern er auf der Erde steht, durchaus sein natürliches Gewicht hat, ist das Gehirn herausgehoben aus diesen Schwereverhältnissen, in denen es im Menschen natürlich sitzt, nicht in seiner Absolutheit, aber indem es im Menschen sitzt. Aber selbst wenn Sie nicht auf dieses Innerliche gehen, wenn Sie auf das Außerliche gehen, man möchte sagen, die ganze Art, wie Sie Ihre Köpfe tragen, ist ja eigentlich so, daß dieser Kopf, indem man ihn durch die Welt trägt, sich verhält wie ein Herr oder eine Dame, die in einer Droschke sitzen. Die Droschke, die muß sich weiterbewegen, aber indem sich die Droschke weiterbewegt, strengt sich der Herr oder die Dame in der Droschke gar nicht an, um weiterzukommen. Ungefähr in demselben Verhältnis ist auch unser Haupt zu unserem Organismus. Dazu ließen sich viele Dinge noch anführen. Auch unser Haupt ist in einem gewissen Sinne herausgehoben aus unserem übrigen Verhältnis zur Welt. Das ist eben aus dem Grunde, weil wir in unserem Haupte gewissermaßen in physischer Umgestaltung dasjenige haben, was unsere Seele zusammen mit unserem übrigen Organismus erlebte in einem früheren Erdenleben.
[ 13 ] Wenn Sie beim Haupte die vier Hauptglieder der menschlichen Organisation betrachten, physischen Leib, Atherleib, astralischen Leib und Ich, so ist für das Haupt eigentlich nur das Ich dasjenige, was eine gewisse Selbständigkeit hat. Die andern Glieder haben sich eigentlich ihr Abbild geschaffen in diesem menschlichen Haupte, in der physischen Gestaltung des menschlichen Hauptes. Ich habe auch dafür einmal einen ganz schlagenden Beleg angeführt, ich will ihn hier anführen mehr durch das Wiedergeben einer Geschichte als rein theoretisch. Aber ich habe schon einmal die Sache angeführt.
[ 13 ] Wenn Sie beim Haupte die vier Hauptglieder der menschlichen Organisation betrachten, physischen Leib, Atherleib, astralischen Leib und Ich, so ist für das Haupt eigentlich nur das Ich dasjenige, was eine gewisse Selbständigkeit hat. Die andern Glieder haben sich eigentlich ihr Abbild geschaffen in diesem menschlichen Haupte, in der physischen Gestaltung des menschlichen Hauptes. Ich habe auch dafür einmal einen ganz schlagenden Beleg angeführt, ich will ihn hier anführen mehr durch das Wiedergeben einer Geschichte als rein theoretisch. Aber ich habe schon einmal die Sache angeführt.
[ 14 ] Ich sagte Ihnen: Ich nahm einmal teil — viele Jahre sind es jetzt her —, als man aus gewissen Voraussetzungen heraus die Giordano Bruno-Gesellschaft gegründet hatte, an einem Vortrage, den ein richtiger, waschechter Materialist gehalten hat über das menschliche Gehirn. Er hat als waschechter Materialist selbstverständlich die Struktur des Gehirnes gezeichnet und nachgewiesen, wie diese Struktur des Gehirnes im Grunde genommen das Seelenleben ausdrückt. Man kann das auch sehr gut.
[ 14 ] Ich sagte Ihnen: Ich nahm einmal teil — viele Jahre sind es jetzt her —, als man aus gewissen Voraussetzungen heraus die Giordano Bruno-Gesellschaft gegründet hatte, an einem Vortrage, den ein richtiger, waschechter Materialist gehalten hat über das menschliche Gehirn. Er hat als waschechter Materialist selbstverständlich die Struktur des Gehirnes gezeichnet und nachgewiesen, wie diese Struktur des Gehirnes im Grunde genommen das Seelenleben ausdrückt. Man kann das auch sehr gut.
[ 15 ] Vorsitzender jenes Vereines war nun ein Gymnasialdirektor, der nicht Materialist war, aber dafür ein waschechter philosophischer Herbartianer. Für den gab es nur Herbartsche Philosophie. Der sagte: Eigentlich könne er als Herbartianer ganz zufrieden sein mit den Darstellungen; nur sagte er, dasjenige, was der andere aufgezeichnet hat aus seinem waschechten Materialismus heraus, nehme er nicht als die Materie des Gehirnes. Wenn der also, nicht wahr, aufgezeichnet hat Gehirnpartien, Verbindungsfasern und so weiter, so nahm der Herbartianer die Zeichnung ganz willig hin. Die Zeichnung, die gefiel ihm ganz gut, dem Herbartianer, der kein Materialist war, denn er sagte, er brauche ja nur dafür, wofür der andere Gehirnpartien hinzeichnete, Vorstellungskomplexe hinzuzeichnen, und statt der Gehirnfasern zeichne er Assoziationsfasern; dann zeichne er etwas Seelisches, Vorstellungskomplexe, wo der andere Gehirnpartien zeichne. Und wo der andere Gehirnfasern gezeichnet hat, da zeichne er Assoziationsfasern; zum Beispiel diejenigen Gebilde, die John Stuart Mill so wunderbar herausphantasiert hat, die von Vorstellung zu Vorstellung gehen. Nicht wahr, ganz willenlos, automatisch spinnt da die Seele allerlei Dinge zwischen den Vorstellungskomplexen. Man findet das ja auch bei Herbart ganz schön.
[ 15 ] Vorsitzender jenes Vereines war nun ein Gymnasialdirektor, der nicht Materialist war, aber dafür ein waschechter philosophischer Herbartianer. Für den gab es nur Herbartsche Philosophie. Der sagte: Eigentlich könne er als Herbartianer ganz zufrieden sein mit den Darstellungen; nur sagte er, dasjenige, was der andere aufgezeichnet hat aus seinem waschechten Materialismus heraus, nehme er nicht als die Materie des Gehirnes. Wenn der also, nicht wahr, aufgezeichnet hat Gehirnpartien, Verbindungsfasern und so weiter, so nahm der Herbartianer die Zeichnung ganz willig hin. Die Zeichnung, die gefiel ihm ganz gut, dem Herbartianer, der kein Materialist war, denn er sagte, er brauche ja nur dafür, wofür der andere Gehirnpartien hinzeichnete, Vorstellungskomplexe hinzuzeichnen, und statt der Gehirnfasern zeichne er Assoziationsfasern; dann zeichne er etwas Seelisches, Vorstellungskomplexe, wo der andere Gehirnpartien zeichne. Und wo der andere Gehirnfasern gezeichnet hat, da zeichne er Assoziationsfasern; zum Beispiel diejenigen Gebilde, die John Stuart Mill so wunderbar herausphantasiert hat, die von Vorstellung zu Vorstellung gehen. Nicht wahr, ganz willenlos, automatisch spinnt da die Seele allerlei Dinge zwischen den Vorstellungskomplexen. Man findet das ja auch bei Herbart ganz schön.
[ 16 ] Aber in der Zeichnung konnten beide ganz gut zusammentreffen. Warum? Aus dem einfachen Grunde, weil in der Tat in bezug darauf das menschliche Gehirn ein außerordentlich guter Abdruck ist des Seelisch-Geistigen. Das Seelisch-Geistige drückt sich einfach im Gehirn sehr gut ab. Es hat ja auch Zeit gehabt, dieses Seelisch-Geistige, durch die ganze Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt diese Konfiguration hervorzurufen, die dann in der äußeren Plastik des Gehirnes das Seelenleben wunderbar ausdrückt.
[ 16 ] Aber in der Zeichnung konnten beide ganz gut zusammentreffen. Warum? Aus dem einfachen Grunde, weil in der Tat in bezug darauf das menschliche Gehirn ein außerordentlich guter Abdruck ist des Seelisch-Geistigen. Das Seelisch-Geistige drückt sich einfach im Gehirn sehr gut ab. Es hat ja auch Zeit gehabt, dieses Seelisch-Geistige, durch die ganze Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt diese Konfiguration hervorzurufen, die dann in der äußeren Plastik des Gehirnes das Seelenleben wunderbar ausdrückt.
[ 17 ] Gehen wir von dieser Geschichte nun etwa zu der Darstellung der Psychologie, wie sie Theodor Ziehen gibt, da finden wir, daß Theodor Ziehen auch so materialistisch die Gehirnpartien und so weiter beschreibt, und das Ganze macht einen außerordentlich glaubwürdigen Eindruck. Es ist auch außerordentlich gewissenhaft. Man kann in der Tat das tun. Man kann, wenn man das menschliche intellektualistische Leben, das Vorstellungsleben ins Auge faßt, einen sehr genauen Abdruck im Gehirn finden. Aber man kommt mit einer solchen Psychologie nur nicht bis zum Fühlen, und am wenigsten bis zum Wollen. Schauen Sie sich an solch eine Psychologie, wie die von Ziehen ist, so werden Sie finden: das Fühlen ist für ihn überhaupt nichts als eine Gefühlsbetonung der Vorstellung, und das eigentliche Wollen fällt ganz heraus aus der psychologischen Betrachtungsweise. Das ist gar nicht drinnen, weil in der Tat das Fühlen und das Wollen nicht in derselben Weise zusammenhängen mit demjenigen, was schon gestaltet ist. Das Fühlen hängt zusammen mit dem rhythmischen System des Menschen; das ist noch in voller Bewegung. Das hat seine Bildlichkeit in Bewegungen. Und das Wollen, das überhaupt mit plastisch Entstehendem und Vergehendem im Stoffwechsel zusammenhängt, das kann nicht eine solche Abbildlichkeit aufweisen, wie das für das Vorstellen möglich ist. Kurz, wir haben im Vorstellungsleben beziehungsweise in der Vorstellungsfähigkeit etwas in bezug auf Seelisches, was sich plastisch-bildhaft im Haupte ausdrückt: da stehen wir aber innerhalb des menschlichen astralischen Leibes. Denn indem wir vorstellen, gehört diese ganze Tätigkeit des Vorstellens dem menschlichen astralischen Leibe an. So daß also schon der menschliche astralische Leib sein Abbild sich schafft im menschlichen Haupte. Nur das Ich, das bleibt noch etwas Bewegliches. Der ätherische Leib hat nun sein ganz genaues Abbild im menschlichen Haupte, und der physische Leib erst recht. Dagegen ist in dem übrigen Organismus, zum Beispiel im rhythmischen Organismus, der astralische Leib als solcher durchaus nicht abgebildet, sondern nur der ätherische Leib und der physische Leib. Und im Stoffwechselorganismus ist gar nur der physische Leib abgebilder.
[ 17 ] Gehen wir von dieser Geschichte nun etwa zu der Darstellung der Psychologie, wie sie Theodor Ziehen gibt, da finden wir, daß Theodor Ziehen auch so materialistisch die Gehirnpartien und so weiter beschreibt, und das Ganze macht einen außerordentlich glaubwürdigen Eindruck. Es ist auch außerordentlich gewissenhaft. Man kann in der Tat das tun. Man kann, wenn man das menschliche intellektualistische Leben, das Vorstellungsleben ins Auge faßt, einen sehr genauen Abdruck im Gehirn finden. Aber man kommt mit einer solchen Psychologie nur nicht bis zum Fühlen, und am wenigsten bis zum Wollen. Schauen Sie sich an solch eine Psychologie, wie die von Ziehen ist, so werden Sie finden: das Fühlen ist für ihn überhaupt nichts als eine Gefühlsbetonung der Vorstellung, und das eigentliche Wollen fällt ganz heraus aus der psychologischen Betrachtungsweise. Das ist gar nicht drinnen, weil in der Tat das Fühlen und das Wollen nicht in derselben Weise zusammenhängen mit demjenigen, was schon gestaltet ist. Das Fühlen hängt zusammen mit dem rhythmischen System des Menschen; das ist noch in voller Bewegung. Das hat seine Bildlichkeit in Bewegungen. Und das Wollen, das überhaupt mit plastisch Entstehendem und Vergehendem im Stoffwechsel zusammenhängt, das kann nicht eine solche Abbildlichkeit aufweisen, wie das für das Vorstellen möglich ist. Kurz, wir haben im Vorstellungsleben beziehungsweise in der Vorstellungsfähigkeit etwas in bezug auf Seelisches, was sich plastisch-bildhaft im Haupte ausdrückt: da stehen wir aber innerhalb des menschlichen astralischen Leibes. Denn indem wir vorstellen, gehört diese ganze Tätigkeit des Vorstellens dem menschlichen astralischen Leibe an. So daß also schon der menschliche astralische Leib sein Abbild sich schafft im menschlichen Haupte. Nur das Ich, das bleibt noch etwas Bewegliches. Der ätherische Leib hat nun sein ganz genaues Abbild im menschlichen Haupte, und der physische Leib erst recht. Dagegen ist in dem übrigen Organismus, zum Beispiel im rhythmischen Organismus, der astralische Leib als solcher durchaus nicht abgebildet, sondern nur der ätherische Leib und der physische Leib. Und im Stoffwechselorganismus ist gar nur der physische Leib abgebilder.
[ 18 ] Zusammengefaßt können Sie sich die Sache so vorstellen: Wenn Sie das Haupt haben, so haben Sie im Haupte physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, so daß diese im Physischen ihre Abbildung haben, daß Sie tatsächlich in den physischen Formen die Abbildungen nachweisen können. Sie verstehen das menschliche Haupt gar nicht anders, als daß Sie tatsächlich diese drei Formen in dem menschlichen Haupte sehen. Noch in einem freien Verhältnis ist dasjenige, was das Ich ist (siehe Zeichnung).
[ 18 ] Zusammengefaßt können Sie sich die Sache so vorstellen: Wenn Sie das Haupt haben, so haben Sie im Haupte physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, so daß diese im Physischen ihre Abbildung haben, daß Sie tatsächlich in den physischen Formen die Abbildungen nachweisen können. Sie verstehen das menschliche Haupt gar nicht anders, als daß Sie tatsächlich diese drei Formen in dem menschlichen Haupte sehen. Noch in einem freien Verhältnis ist dasjenige, was das Ich ist (siehe Zeichnung).
[ 19 ] Gehen wir über zu der übrigen Organisation des Menschen, also zu der Atmungsorganisation zum Beispiel, dann haben wir den physischen Leib und den ätherischen Leib, die ihre Abbilder darinnen haben. Aber der astralische Leib und das Ich haben nicht ihre Abbilder, die sind gewissermaßen frei. Und im menschlichen Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen haben wir den physischen Leib als solchen, und frei haben wir Ich, astralischen Leib und ätherischen Leib. Sie müssen unterscheiden zwischen dem Vorhandensein und dem Frei- oder Gebundensein. Natürlich ist es nicht so, als ob dem menschlichen Haupte nicht auch ein astralischer Leib und ein Ätherleib zugrunde läge. Die durchsetzen natürlich auch das menschliche Haupt; aber sie sind nicht frei dadrinnen, sondern sie haben in der Organisation ihr Abbild. Dagegen ist der astralische Leib zum Beispiel in der ganzen rhythmischen, namentlich in der Atmungsorganisation frei. Er betätigt sich als solcher. Er füllt das nicht bloß aus, sondern er ist gegenwärtig drinnen tätig.
[ 19 ] Gehen wir über zu der übrigen Organisation des Menschen, also zu der Atmungsorganisation zum Beispiel, dann haben wir den physischen Leib und den ätherischen Leib, die ihre Abbilder darinnen haben. Aber der astralische Leib und das Ich haben nicht ihre Abbilder, die sind gewissermaßen frei. Und im menschlichen Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen haben wir den physischen Leib als solchen, und frei haben wir Ich, astralischen Leib und ätherischen Leib. Sie müssen unterscheiden zwischen dem Vorhandensein und dem Frei- oder Gebundensein. Natürlich ist es nicht so, als ob dem menschlichen Haupte nicht auch ein astralischer Leib und ein Ätherleib zugrunde läge. Die durchsetzen natürlich auch das menschliche Haupt; aber sie sind nicht frei dadrinnen, sondern sie haben in der Organisation ihr Abbild. Dagegen ist der astralische Leib zum Beispiel in der ganzen rhythmischen, namentlich in der Atmungsorganisation frei. Er betätigt sich als solcher. Er füllt das nicht bloß aus, sondern er ist gegenwärtig drinnen tätig.


[ 20 ] Nun, nehmen wir zwei Dinge zusammen. Das eine ist dieses, daß wir konstatieren können eine Beziehung des menschlichen Erinnerungsvermögens zu der Organisation außerhalb des Hauptes, und daß wir die menschliche Gefühls- und Willensorganisation auch außerhalb des Hauptes suchen müssen. Sie sehen, jetzt gliedern sich zusammen die Gefühlswelt der Seele und die Gedächtniswelt. Und wenn Sie nun empirisch, wirklich erfahrungsgemäß den Zusammenhang zwischen Gefühlsleben und Erinnerungsvermögen ins Auge fassen, so werden Sie diesen Zusammenhang als einen sehr engen konstatieren können.
[ 20 ] Nun, nehmen wir zwei Dinge zusammen. Das eine ist dieses, daß wir konstatieren können eine Beziehung des menschlichen Erinnerungsvermögens zu der Organisation außerhalb des Hauptes, und daß wir die menschliche Gefühls- und Willensorganisation auch außerhalb des Hauptes suchen müssen. Sie sehen, jetzt gliedern sich zusammen die Gefühlswelt der Seele und die Gedächtniswelt. Und wenn Sie nun empirisch, wirklich erfahrungsgemäß den Zusammenhang zwischen Gefühlsleben und Erinnerungsvermögen ins Auge fassen, so werden Sie diesen Zusammenhang als einen sehr engen konstatieren können.
[ 21 ] Die Art und Weise, wie wir uns erinnern können, hängt im wesentlichen davon ab, wie wir vermöge unserer außerhauptlichen Organisation teilnehmen können an den Dingen, wie weit wir drinnenstehen können in den Dingen. Wenn wir starke Kopfmenschen sind, werden wir vieles begreifen, aber an weniges uns so erinnern, daß wir mit ihm zusammengewachsen sind. Es gibt, ich möchte sagen, einen bedeutsamen Bezug zwischen dem Gefühlsvermögen und dem Erinnerungsvermögen. Aber zugleich sehen wir, daß die menschliche außerhauptliche Organisation sich ja im Beginne der Entwickelung der hauptlichen nähert. Wenn Sie das Embryonalleben nehmen, so ist der Mensch ganz im Anfange fast nur Haupt. Das andere sind Ansätze. Wenn das Kind geboren ist: denken Sie nur, wie unvollkommen im Verhältnis zum Haupte eigentlich die übrige Organisation ist! Aber sie gliedert sich ihm an. Die übrige Organisation, sie wird schon im Leben zwischen Geburt und Tod der Hauptesorganisation immer ähnlicher, und namentlich prägt sich dieses Ähnlichwerden aus in dem Hervorschießen der zweiten Zähne. Dasjenige, was der Mensch als erste Zahnung hat, die sogenannten Milchzähne — und das wird, wenn nur die entsprechenden Methoden angewendet werden, sich leicht auch anatomischphysiologisch nachweisen lassen, geisteswissenschaftlich ist es ohne Frage —, die ersten Zähne, die Milchzähne sind in der Tat mehr aus der Hauptesorganisation heraus. An der andern Zahnung beteiligt sich der volle Mensch. Diejenigen Zähne, die mehr aus der Hauptesorganisation heraus sind, werden ausgestoßen. Der übrige Mensch betätigt sich an der zweiten Zahnung.
[ 21 ] Die Art und Weise, wie wir uns erinnern können, hängt im wesentlichen davon ab, wie wir vermöge unserer außerhauptlichen Organisation teilnehmen können an den Dingen, wie weit wir drinnenstehen können in den Dingen. Wenn wir starke Kopfmenschen sind, werden wir vieles begreifen, aber an weniges uns so erinnern, daß wir mit ihm zusammengewachsen sind. Es gibt, ich möchte sagen, einen bedeutsamen Bezug zwischen dem Gefühlsvermögen und dem Erinnerungsvermögen. Aber zugleich sehen wir, daß die menschliche außerhauptliche Organisation sich ja im Beginne der Entwickelung der hauptlichen nähert. Wenn Sie das Embryonalleben nehmen, so ist der Mensch ganz im Anfange fast nur Haupt. Das andere sind Ansätze. Wenn das Kind geboren ist: denken Sie nur, wie unvollkommen im Verhältnis zum Haupte eigentlich die übrige Organisation ist! Aber sie gliedert sich ihm an. Die übrige Organisation, sie wird schon im Leben zwischen Geburt und Tod der Hauptesorganisation immer ähnlicher, und namentlich prägt sich dieses Ähnlichwerden aus in dem Hervorschießen der zweiten Zähne. Dasjenige, was der Mensch als erste Zahnung hat, die sogenannten Milchzähne — und das wird, wenn nur die entsprechenden Methoden angewendet werden, sich leicht auch anatomischphysiologisch nachweisen lassen, geisteswissenschaftlich ist es ohne Frage —, die ersten Zähne, die Milchzähne sind in der Tat mehr aus der Hauptesorganisation heraus. An der andern Zahnung beteiligt sich der volle Mensch. Diejenigen Zähne, die mehr aus der Hauptesorganisation heraus sind, werden ausgestoßen. Der übrige Mensch betätigt sich an der zweiten Zahnung.
[ 22 ] Man hat in der Tat mit Bezug auf das Physische eine Art Abbild in den ersten Zähnen und in den zweiten Zähnen mit Bezug auf Begriffsbildung und Gedächtnis. Man möchte sagen, die Milchzähne werden mehr aus der Hauptesorganisation heraus gebildet, so wie die Begriffe, bloß daß die Begriffe natürlich ins Intellektualistisch-Geistige heraufgesetzt sind; und die zweiten Zähne, die sind mehr so aus der ganzen menschlichen Organisation herausgeholt wie das Erinnerungsvermögen. Man muß nur auf solche feinen Unterschiede in der menschlichen Organisation eingehen können.
[ 22 ] Man hat in der Tat mit Bezug auf das Physische eine Art Abbild in den ersten Zähnen und in den zweiten Zähnen mit Bezug auf Begriffsbildung und Gedächtnis. Man möchte sagen, die Milchzähne werden mehr aus der Hauptesorganisation heraus gebildet, so wie die Begriffe, bloß daß die Begriffe natürlich ins Intellektualistisch-Geistige heraufgesetzt sind; und die zweiten Zähne, die sind mehr so aus der ganzen menschlichen Organisation herausgeholt wie das Erinnerungsvermögen. Man muß nur auf solche feinen Unterschiede in der menschlichen Organisation eingehen können.
[ 23 ] Wenn Sie solch eine Sache ins Auge fassen, dann werden Sie ja einsehen, wie man eigentlich das Materielle in seiner Formung, in seiner Gestaltung — namentlich, wenn man ins Organische heraufkommt — nur erfassen kann, wenn man es erfaßt aus der geistigen Gestaltung heraus. Nicht wahr, der waschechte Materialist sieht sich den materiellen Menschen an, studiert den materiellen Menschen. Und derjenige, der auf die Wirklichkeit geht, nicht auf seine materialistischen Vorurteile, der sieht zunächst einmal dieses menschliche Haupt beim Kinde aus dem Übersinnlichen herausgestaltet, allerdings durch Metamorphose des früheren Erdenlebens herausgestaltet, und er sieht dann angegliedert aus der Welt, in die dieses Kind jetzt in diesem Erdenleben versetzt ist, das andere, aber auch aus dem Geistigen, aus dem Übersinnlichen dieser Welt herausgestaltet.
[ 23 ] Wenn Sie solch eine Sache ins Auge fassen, dann werden Sie ja einsehen, wie man eigentlich das Materielle in seiner Formung, in seiner Gestaltung — namentlich, wenn man ins Organische heraufkommt — nur erfassen kann, wenn man es erfaßt aus der geistigen Gestaltung heraus. Nicht wahr, der waschechte Materialist sieht sich den materiellen Menschen an, studiert den materiellen Menschen. Und derjenige, der auf die Wirklichkeit geht, nicht auf seine materialistischen Vorurteile, der sieht zunächst einmal dieses menschliche Haupt beim Kinde aus dem Übersinnlichen herausgestaltet, allerdings durch Metamorphose des früheren Erdenlebens herausgestaltet, und er sieht dann angegliedert aus der Welt, in die dieses Kind jetzt in diesem Erdenleben versetzt ist, das andere, aber auch aus dem Geistigen, aus dem Übersinnlichen dieser Welt herausgestaltet.
[ 24 ] Es ist wichtig, gerade auf solch eine Anschauung seine Aufmerksamkeit zu wenden; denn darauf kommt es an, daß jemand nicht in einer abstrakten Weise spricht von materieller Welt und von geistiger Welt, sondern daß er eine Anschauung gewinnt von dem Hervorgehen der materiellen Welt aus der geistigen Welt, gewissermaßen von der Abbildlichkeit der geistigen Welt in der materiellen Welt. Nur darf man dabei nicht im Abstrakten stehenbleiben, sondern muß in das Konkrete gehen. Man muß eine Anschauung sich verschaffen können von dem Unterschiede des menschlichen Hauptes vom übrigen Organismus. Dann sieht man in den Formen des menschlichen Hauptes eben etwas anderes, auch in seinem Hervorgehen aus der geistigen Welt, als man im übrigen Organismus sieht. Denn der übrige Organismus ist eben durchaus uns angegliedert in einem entsprechenden Erdenleben, während wir die Hauptesbildung bis in seine Formung hinein als Ergebnis früherer Erdenleben mitnehmen. Wer das bedenkt, wird sehen, wie töricht zum Beispiel solch ein Einwand gegen Anthroposophie ist, wie er neulich wiederum — Sie können das in einem Bericht der gegenwärtigen Nummer der Dreigliederungszeitung nachlesen — in einer Münchner Diskussion, die hervorgerufen worden ist über Anthroposophie von dem, von so vielen Leuten trotz seiner feuilletonistischen Philisterei hochgeehrten Eucken, gemacht worden ist. Eucken erhob den Einwand gegen Anthroposophie, daß sie materialistisch sei, indem er hinpfahlte den törichten Begriff: Dasjenige, was man wahrnehmen kann, das ist materiell. — Selbstverständlich, wenn man solch eine Definition macht, dann kann man beweisen, was man mag; nur ist man eben schlecht bekannt mit der Methode des Beweisens überhaupt. Es handelt sich durchaus darum, das zu fassen, wie das Materielle in seinem Hervorgehen aus dem Geistigen gerade als ein Zeuge für die geistige Welt angeschaut werden kann. Wenn Sie aber wiederum — und nur bis zu diesem Punkte möchte ich zunächst heute gehen — ins Auge fassen, wie man dieses Werden des Gedächtnisses erschauen kann in seiner Verwandtschaft mit den übrigen Wachstumskräften des Menschen, so werden Sie ein Ineinanderspielen bemerken desjenigen, was man sonst materiell nennt und desjenigen, was da namentlich im späteren Leben, vom siebenten, achten Jahre an, sich als geistig-seelisches Leben entwickelt.
[ 24 ] Es ist wichtig, gerade auf solch eine Anschauung seine Aufmerksamkeit zu wenden; denn darauf kommt es an, daß jemand nicht in einer abstrakten Weise spricht von materieller Welt und von geistiger Welt, sondern daß er eine Anschauung gewinnt von dem Hervorgehen der materiellen Welt aus der geistigen Welt, gewissermaßen von der Abbildlichkeit der geistigen Welt in der materiellen Welt. Nur darf man dabei nicht im Abstrakten stehenbleiben, sondern muß in das Konkrete gehen. Man muß eine Anschauung sich verschaffen können von dem Unterschiede des menschlichen Hauptes vom übrigen Organismus. Dann sieht man in den Formen des menschlichen Hauptes eben etwas anderes, auch in seinem Hervorgehen aus der geistigen Welt, als man im übrigen Organismus sieht. Denn der übrige Organismus ist eben durchaus uns angegliedert in einem entsprechenden Erdenleben, während wir die Hauptesbildung bis in seine Formung hinein als Ergebnis früherer Erdenleben mitnehmen. Wer das bedenkt, wird sehen, wie töricht zum Beispiel solch ein Einwand gegen Anthroposophie ist, wie er neulich wiederum — Sie können das in einem Bericht der gegenwärtigen Nummer der Dreigliederungszeitung nachlesen — in einer Münchner Diskussion, die hervorgerufen worden ist über Anthroposophie von dem, von so vielen Leuten trotz seiner feuilletonistischen Philisterei hochgeehrten Eucken, gemacht worden ist. Eucken erhob den Einwand gegen Anthroposophie, daß sie materialistisch sei, indem er hinpfahlte den törichten Begriff: Dasjenige, was man wahrnehmen kann, das ist materiell. — Selbstverständlich, wenn man solch eine Definition macht, dann kann man beweisen, was man mag; nur ist man eben schlecht bekannt mit der Methode des Beweisens überhaupt. Es handelt sich durchaus darum, das zu fassen, wie das Materielle in seinem Hervorgehen aus dem Geistigen gerade als ein Zeuge für die geistige Welt angeschaut werden kann. Wenn Sie aber wiederum — und nur bis zu diesem Punkte möchte ich zunächst heute gehen — ins Auge fassen, wie man dieses Werden des Gedächtnisses erschauen kann in seiner Verwandtschaft mit den übrigen Wachstumskräften des Menschen, so werden Sie ein Ineinanderspielen bemerken desjenigen, was man sonst materiell nennt und desjenigen, was da namentlich im späteren Leben, vom siebenten, achten Jahre an, sich als geistig-seelisches Leben entwickelt.
[ 25 ] Es ist wirklich so, daß dasjenige, was später mehr in der abstrakt-intellektualistischen Form in der Erinnerungskraft zutage tritt, zuerst sich mitbeteiligt an dem Wachstum. Es ist wirklich dieselbe Kraft. Es muß da dieselbe Betrachtungsweise angewendet werden, die angewendet wird, sagen wir, wenn von gebundener und freier Wärme gesprochen wird. Wärme, die frei wird, die aus ihrem latenten Zustand in Freiheit übergeht, verhält sich äußerlich in der physischen Welt wie jene Kraft, die dann anschaulich für das innere Leben als Erinnerungskraft zutage tritt und in den ersten Kindheitsjahren den Wachstumserscheinungen zugrunde liegt. Es ist dasselbe, was den Wachstumserscheinungen zugrunde liegt in den ersten Kindheitsjahren und was dann als die Kraft der Erinnerungsfähigkeit mehr in seiner ureigenen Gestalt erscheint.
[ 25 ] Es ist wirklich so, daß dasjenige, was später mehr in der abstrakt-intellektualistischen Form in der Erinnerungskraft zutage tritt, zuerst sich mitbeteiligt an dem Wachstum. Es ist wirklich dieselbe Kraft. Es muß da dieselbe Betrachtungsweise angewendet werden, die angewendet wird, sagen wir, wenn von gebundener und freier Wärme gesprochen wird. Wärme, die frei wird, die aus ihrem latenten Zustand in Freiheit übergeht, verhält sich äußerlich in der physischen Welt wie jene Kraft, die dann anschaulich für das innere Leben als Erinnerungskraft zutage tritt und in den ersten Kindheitsjahren den Wachstumserscheinungen zugrunde liegt. Es ist dasselbe, was den Wachstumserscheinungen zugrunde liegt in den ersten Kindheitsjahren und was dann als die Kraft der Erinnerungsfähigkeit mehr in seiner ureigenen Gestalt erscheint.
[ 26 ] Ich habe das im Herbstkurse hier im Goetheanum noch des genaueren entwickelt. Aber Sie sehen daraus, wie man gerade auf diesem Wege einen intimen Bezug zwischen dem Seelisch-Geistigen und Leiblich-Physischen finden kann, wie wir also in der Gedächtniskraft etwas haben, was auf der einen Seite uns seelisch-geistig erscheint, auf der andern Seite uns erscheint, indem es in anderem Weltenzusammenhange auftritt, als Wachstumskraft.
[ 26 ] Ich habe das im Herbstkurse hier im Goetheanum noch des genaueren entwickelt. Aber Sie sehen daraus, wie man gerade auf diesem Wege einen intimen Bezug zwischen dem Seelisch-Geistigen und Leiblich-Physischen finden kann, wie wir also in der Gedächtniskraft etwas haben, was auf der einen Seite uns seelisch-geistig erscheint, auf der andern Seite uns erscheint, indem es in anderem Weltenzusammenhange auftritt, als Wachstumskraft.
[ 27 ] Genau den entgegengesetzten Fall haben Sie, wenn Sie die Liebefähigkeit des Menschen ins Auge fassen. Die Liebefähigkeit, die auf der einen Seite durchaus sich erweist als an die Körperlichkeit gebunden, die können Sie wiederum als die seelischeste Funktion ins Auge fassen, genauso wie die Gedächtniskraft. So daß Sie in der Tat — das letztere werde ich in späteren Vorträgen noch genauer ausführen — in Gedächtnis und Liebe etwas haben, wo Sie, ich möchte sagen, das Zusammenspiel des Geistigen und des Leiblichen ganz erfahrungsgemäß sehen können und es auch beziehen können auf das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt.
[ 27 ] Genau den entgegengesetzten Fall haben Sie, wenn Sie die Liebefähigkeit des Menschen ins Auge fassen. Die Liebefähigkeit, die auf der einen Seite durchaus sich erweist als an die Körperlichkeit gebunden, die können Sie wiederum als die seelischeste Funktion ins Auge fassen, genauso wie die Gedächtniskraft. So daß Sie in der Tat — das letztere werde ich in späteren Vorträgen noch genauer ausführen — in Gedächtnis und Liebe etwas haben, wo Sie, ich möchte sagen, das Zusammenspiel des Geistigen und des Leiblichen ganz erfahrungsgemäß sehen können und es auch beziehen können auf das ganze Verhältnis des Menschen zur Welt.
[ 28 ] Beim Gedächtnis haben wir das schon getan, indem wir zurückbezogen haben das Vorstellungsbild auf frühere Erdenleben, die Kraft des Gedächtnisses aber auf das gegenwärtige Erdenleben. Wir werden sehen in späteren Vorträgen, daß man mit der Liebekraft ebenso verfahren kann. Man kann zeigen, wie sie sich entwickelt in dem gegenwärtigen Erdenleben, aber durchgeht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt in das nächste Erdenleben hinüber, wie sie es gerade ist, die an der Metamorphosierung des übrigen außerhauptlichen menschlichen Organismus in das nächste Erdenleben hinüberarbeitet.
[ 28 ] Beim Gedächtnis haben wir das schon getan, indem wir zurückbezogen haben das Vorstellungsbild auf frühere Erdenleben, die Kraft des Gedächtnisses aber auf das gegenwärtige Erdenleben. Wir werden sehen in späteren Vorträgen, daß man mit der Liebekraft ebenso verfahren kann. Man kann zeigen, wie sie sich entwickelt in dem gegenwärtigen Erdenleben, aber durchgeht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt in das nächste Erdenleben hinüber, wie sie es gerade ist, die an der Metamorphosierung des übrigen außerhauptlichen menschlichen Organismus in das nächste Erdenleben hinüberarbeitet.
[ 29 ] Warum stellen wir diese ganze Betrachtung an? Wir stellen sie an, weil man heute eine Möglichkeit braucht, von dem Geistig-Seelischen hinüberzukommen zu dem Leiblich-Physischen. Innerhalb des GeistigSeelischen erleben wir das Moralische, innerhalb des Physisch-Leiblichen erleben wir die Naturnotwendigkeit. Zwischen beiden besteht für die heutige Anschauung, wenn man ehrlich auf beiden Gebieten ist, eben keine Brücke. Und ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß, weil eine solche Brücke nicht besteht, die Leute ja sogar unterscheiden zwischen dem sogenannten echten Wissen, das sich auf die Naturkausalität bezieht, und dem bloßen Glaubensinhalt, der sich auf die moralische Welt beziehen soll, weil unzusammenhängend nebeneinanderstehen auf der einen Seite die Naturkausalität, auf der andern Seite das seelisch-geistige Leben. Aber es handelt sich durchaus darum, daß wir, um zu einem vollen Menschenbewußtsein wiederum zu kommen, dieses Brückenschlagen zwischen dem einen und dem andern brauchen.
[ 29 ] Warum stellen wir diese ganze Betrachtung an? Wir stellen sie an, weil man heute eine Möglichkeit braucht, von dem Geistig-Seelischen hinüberzukommen zu dem Leiblich-Physischen. Innerhalb des GeistigSeelischen erleben wir das Moralische, innerhalb des Physisch-Leiblichen erleben wir die Naturnotwendigkeit. Zwischen beiden besteht für die heutige Anschauung, wenn man ehrlich auf beiden Gebieten ist, eben keine Brücke. Und ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, daß, weil eine solche Brücke nicht besteht, die Leute ja sogar unterscheiden zwischen dem sogenannten echten Wissen, das sich auf die Naturkausalität bezieht, und dem bloßen Glaubensinhalt, der sich auf die moralische Welt beziehen soll, weil unzusammenhängend nebeneinanderstehen auf der einen Seite die Naturkausalität, auf der andern Seite das seelisch-geistige Leben. Aber es handelt sich durchaus darum, daß wir, um zu einem vollen Menschenbewußtsein wiederum zu kommen, dieses Brückenschlagen zwischen dem einen und dem andern brauchen.
[ 30 ] Da ist vor allen Dingen notwendig zu berücksichtigen, daß die moralische Welt ohne die Statuierung der Freiheit nicht bestehen kann, die natürliche Welt nicht bestehen kann ohne die Notwendigkeit, nach welcher das eine aus dem andern hervorgeht. Es könnte im Grunde gar keine Wissenschaft geben, wenn es diese Notwendigkeit nicht geben würde. Würde nicht notwendig eine Erscheinung aus der andern hervorgehen im Naturzusammenhang, würde da alles willkürlich sein, so könnte es ja keine Wissenschaft geben. Es könnte nun ja alles dasjenige, was man eben nicht wissen kann, aus dem andern hervorgehen, nicht wahr! Also es ist klar: Wissenschaft ist zunächst da, wenn man in ihr nur sehen will, wie eines aus dem andern hervorgeht, daß eines aus dem andern hervorgeht. Aber wenn diese Naturkausalität ganz allgemein ist, dann ist eine moralische Freiheit unmöglich, dann kann sie nicht da sein. Aber das Bewußtsein dieser moralischen Freiheit innerhalb des Seelisch-Geistigen, das ist als eine unmittelbar erfahrbare Tatsache in jedem Menschen vorhanden.
[ 30 ] Da ist vor allen Dingen notwendig zu berücksichtigen, daß die moralische Welt ohne die Statuierung der Freiheit nicht bestehen kann, die natürliche Welt nicht bestehen kann ohne die Notwendigkeit, nach welcher das eine aus dem andern hervorgeht. Es könnte im Grunde gar keine Wissenschaft geben, wenn es diese Notwendigkeit nicht geben würde. Würde nicht notwendig eine Erscheinung aus der andern hervorgehen im Naturzusammenhang, würde da alles willkürlich sein, so könnte es ja keine Wissenschaft geben. Es könnte nun ja alles dasjenige, was man eben nicht wissen kann, aus dem andern hervorgehen, nicht wahr! Also es ist klar: Wissenschaft ist zunächst da, wenn man in ihr nur sehen will, wie eines aus dem andern hervorgeht, daß eines aus dem andern hervorgeht. Aber wenn diese Naturkausalität ganz allgemein ist, dann ist eine moralische Freiheit unmöglich, dann kann sie nicht da sein. Aber das Bewußtsein dieser moralischen Freiheit innerhalb des Seelisch-Geistigen, das ist als eine unmittelbar erfahrbare Tatsache in jedem Menschen vorhanden.
[ 31 ] Der Widerspruch zwischen dem, was der Mensch erlebt in seiner moralischen Seelenkonstitution und in der Naturkausalität, ist nicht ein logischer, sondern ein Lebenswiderspruch. Wir gehen fortwährend mit diesem Widerspruch durch die Welt. Er gehört zum Leben. Es ist in der Tat so, daß, wenn wir uns ehrlich gestehen, was da vorliegt, wir uns sagen müssen: Naturkausalität, Notwendigkeit, sie muß es geben, und wir gehen selber als Menschen durch diese Notwendigkeit. Aber unser inneres, seelisch-geistiges Leben widerspricht dem. Wir sind uns bewußt: Wir können Entschlüsse fassen, wir können moralischen Idealen folgen, die uns nicht innerhalb der Naturkausalität gegeben sind. Es ist dieses ein Widerspruch, der ein Lebenswiderspruch ist. Und derjenige, der nicht zugeben kann, daß solche Widersprüche im Leben drinnenstehen, der faßt einfach das Leben nicht in seiner Allseitigkeit. Aber wenn wir das so ausdrücken, ist es recht abstrakt. Es ist eigentlich im Grunde genommen stets nur eine Art von Auffassung, die wir dem Leben entgegenbringen. Wir gehen durch das Leben und fühlen uns eigentlich fortwährend mit der äußeren Natur im Widerspruch. Es scheint, als ob wir machtlos wären, als ob wir uns eben im Widerspruch fühlen müßten.
[ 31 ] Der Widerspruch zwischen dem, was der Mensch erlebt in seiner moralischen Seelenkonstitution und in der Naturkausalität, ist nicht ein logischer, sondern ein Lebenswiderspruch. Wir gehen fortwährend mit diesem Widerspruch durch die Welt. Er gehört zum Leben. Es ist in der Tat so, daß, wenn wir uns ehrlich gestehen, was da vorliegt, wir uns sagen müssen: Naturkausalität, Notwendigkeit, sie muß es geben, und wir gehen selber als Menschen durch diese Notwendigkeit. Aber unser inneres, seelisch-geistiges Leben widerspricht dem. Wir sind uns bewußt: Wir können Entschlüsse fassen, wir können moralischen Idealen folgen, die uns nicht innerhalb der Naturkausalität gegeben sind. Es ist dieses ein Widerspruch, der ein Lebenswiderspruch ist. Und derjenige, der nicht zugeben kann, daß solche Widersprüche im Leben drinnenstehen, der faßt einfach das Leben nicht in seiner Allseitigkeit. Aber wenn wir das so ausdrücken, ist es recht abstrakt. Es ist eigentlich im Grunde genommen stets nur eine Art von Auffassung, die wir dem Leben entgegenbringen. Wir gehen durch das Leben und fühlen uns eigentlich fortwährend mit der äußeren Natur im Widerspruch. Es scheint, als ob wir machtlos wären, als ob wir uns eben im Widerspruch fühlen müßten.
[ 32 ] Man kann diese Widersprüche zum Beispiel heute bei manchen Menschen gerade in einer recht tragischen Weise erleben. Ich habe zum Beispiel einen Menschen gekannt, der tatsächlich ganz erfüllt war davon, daß es eine Notwendigkeit in der Welt gibt, der auch der Mensch eingegliedert ist. Man kann natürlich theoretisch eine solche Notwendigkeit zugeben und sich mit seinem ganzen Menschen nicht viel darum kümmern; dann geht man eben als Trivialling durch die Welt und wird nicht von einer inneren Tragik erfüllt. Aber wie gesagt, ich kannte immerhin einen Menschen, der sagte: Es ist ja überall Notwendigkeit, und wir Menschen sind hineingestellt in diese Notwendigkeit. Es ist nicht anders, denn die Wissenschaft zwingt uns zur Anerkennung dieser Notwendigkeit. Aber diese Notwendigkeit läßt zu gleicher Zeit Blasen in uns aufsteigen, Blasen, die Schaum sind und die uns vorgaukeln ein freies Seelenleben. Das müssen wir durchschauen, als Blasen ansehen. Das ist auch eine Notwendigkeit.
[ 32 ] Man kann diese Widersprüche zum Beispiel heute bei manchen Menschen gerade in einer recht tragischen Weise erleben. Ich habe zum Beispiel einen Menschen gekannt, der tatsächlich ganz erfüllt war davon, daß es eine Notwendigkeit in der Welt gibt, der auch der Mensch eingegliedert ist. Man kann natürlich theoretisch eine solche Notwendigkeit zugeben und sich mit seinem ganzen Menschen nicht viel darum kümmern; dann geht man eben als Trivialling durch die Welt und wird nicht von einer inneren Tragik erfüllt. Aber wie gesagt, ich kannte immerhin einen Menschen, der sagte: Es ist ja überall Notwendigkeit, und wir Menschen sind hineingestellt in diese Notwendigkeit. Es ist nicht anders, denn die Wissenschaft zwingt uns zur Anerkennung dieser Notwendigkeit. Aber diese Notwendigkeit läßt zu gleicher Zeit Blasen in uns aufsteigen, Blasen, die Schaum sind und die uns vorgaukeln ein freies Seelenleben. Das müssen wir durchschauen, als Blasen ansehen. Das ist auch eine Notwendigkeit.
[ 33 ] Das ist die furchtbare Illusion des Menschen. Das ist dieBegründung des Pessimismus in der menschlichen Natur. Wer wenig Idee davon hat, wie tief so etwas in der Seele eines Menschen wirken kann, der wird nicht nachfühlen können, wie hier der durchaus reale Lebenswiderspruch die ganze menschliche Seele durchwühlen kann und selbst zu der Anschauung führen kann, daß zu leben durch seine eigene Wesenheit ein Unglück ist. Es ist nur die Gedankenlosigkeit und die Empfindungslosigkeit gegenüber demjenigen, was uns heute auf der einen Seite wissenschaftliche Gewißheit und auf der andern Seite Glaubensgewißheit geben wollen, die die Menschen nicht kommen lassen zu solcher inneren Lebenstragik. Denn eigentlich wäre gegenüber der heutigen möglichen Seelenverfassung der Menschheit diese Lebenstragik die gegebene Seelenverfassung.
[ 33 ] Das ist die furchtbare Illusion des Menschen. Das ist dieBegründung des Pessimismus in der menschlichen Natur. Wer wenig Idee davon hat, wie tief so etwas in der Seele eines Menschen wirken kann, der wird nicht nachfühlen können, wie hier der durchaus reale Lebenswiderspruch die ganze menschliche Seele durchwühlen kann und selbst zu der Anschauung führen kann, daß zu leben durch seine eigene Wesenheit ein Unglück ist. Es ist nur die Gedankenlosigkeit und die Empfindungslosigkeit gegenüber demjenigen, was uns heute auf der einen Seite wissenschaftliche Gewißheit und auf der andern Seite Glaubensgewißheit geben wollen, die die Menschen nicht kommen lassen zu solcher inneren Lebenstragik. Denn eigentlich wäre gegenüber der heutigen möglichen Seelenverfassung der Menschheit diese Lebenstragik die gegebene Seelenverfassung.
[ 34 ] Aber woher rührt denn das Unvermögen, das zu solcher Lebenstragik führt? Es rührt daher, daß wir uns seit Jahrhunderten eben eingesponnen haben als zivilisierte Menschheit in gewisse Abstraktionen, in einen Intellektualismus. Dieser Intellektualismus kann sich höchstens sagen: Es gaukelt uns die Naturnotwendigkeit durch merkwürdige Richtungen ein Freiheitsgefühl vor. Das ist aber nicht vorhanden. Es ist nur in unseren Ideen vorhanden. Wir sind ohnmächtig gegenüber der Naturnotwendigkeit.
[ 34 ] Aber woher rührt denn das Unvermögen, das zu solcher Lebenstragik führt? Es rührt daher, daß wir uns seit Jahrhunderten eben eingesponnen haben als zivilisierte Menschheit in gewisse Abstraktionen, in einen Intellektualismus. Dieser Intellektualismus kann sich höchstens sagen: Es gaukelt uns die Naturnotwendigkeit durch merkwürdige Richtungen ein Freiheitsgefühl vor. Das ist aber nicht vorhanden. Es ist nur in unseren Ideen vorhanden. Wir sind ohnmächtig gegenüber der Naturnotwendigkeit.
[ 35 ] Die große Frage entsteht: Sind wir das nun wirklich? — Und nun merken Sie, wie die Vorträge, die ich nun seit Wochen hier gehalten habe, eigentlich alle auf die Frage hintendieren: Sind wir es in Wirklichkeit? Sind wir in Wirklichkeit so ohnmächtig mit diesem Widerspruch? — Erinnern Sie sich, wie ich gesagt habe, daß wir im menschlichen Leben nicht nur eine aufsteigende, sondern auch eine absteigende Entwickelung haben, daß unser intellektuelles Leben nicht gebunden ist an die Wachstums-, sondern an die Absterbekräfte, an die absterbende Entwickelung, daß wir das Sterben brauchen, gerade um die Intelligenz zu entwickeln. Erinnern Sie sich daran, wie ich vor einigen Wochen hier gezeigt habe, was es für eine Bedeutung hat, daß mit bestimmten Affinitäten und Wertigkeitskräften in der Welt bestehende Elemente, meinetwillen Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel sich verbinden zu dem Eiweißstoff; wie ich Ihnen gezeigt habe, worauf dieses Verbinden beruht, wie es gerade nicht auf dem Chemisieren, sondern auf dem Chaotischwerden beruht, und Sie werden sehen, alle diese Betrachtungen tendieren dahin, das, was ich angedeutet habe, nicht nur als einen theoretischen Widerspruch aufzudecken, sondern als einen Prozeß in der menschlichen Natur. Wir sind nicht nur, indem wir als Menschen leben, dazu da, einen solchen Widerspruch zu empfinden, sondern unser inneres Leben ist ein fortwährender Zerstörungsprozeß desjenigen, was außen in der Natur als Naturkausalität sich entwickelt. Wir lösen in uns Menschen die Naturkausalität in Wirklichkeit auf. Dasjenige, was außen die physikalischen Vorgänge, die chemischen Vorgänge vorstellen, in uns wird es rückgängig entwickelt, wird es nach der andern Seite entwickelt. Natürlich wird uns das nur dann klar, wenn wir den unteren und den oberen Menschen ins Auge fassen, wenn wir dasjenige, was im unteren Menschen vom Stoffwechsel heraufkommt, in seiner Entmechanisierung, Entphysizierung, Entchemisierung durch den oberen Menschen ins Auge fassen. Wenn wir die Entstofflichung im Menschen ins Auge zu fassen suchen, dann haben wir nicht nur einen logischen, theoretischen Widerspruch in uns, sondern wir haben den realen Prozeß: wir haben den Menschenwerde- und Menschenentwickelungsprozeß als denjenigen in uns, der selber kämpft gegen die Naturkausalität, und das Menschenleben als ein solches, welches darinnen besteht, daß es ein Kampf ist gegen die Naturkausalität. Und der Ausdruck dieses Kampfes, der Ausdruck desjenigen, was in uns fortwährend die physische Synthese, die chemische Synthese löst, wiederum analysiert, der Ausdruck des analytischen Lebens in uns faßt sich zusammen in der Empfindung: Ich bin frei.
[ 35 ] Die große Frage entsteht: Sind wir das nun wirklich? — Und nun merken Sie, wie die Vorträge, die ich nun seit Wochen hier gehalten habe, eigentlich alle auf die Frage hintendieren: Sind wir es in Wirklichkeit? Sind wir in Wirklichkeit so ohnmächtig mit diesem Widerspruch? — Erinnern Sie sich, wie ich gesagt habe, daß wir im menschlichen Leben nicht nur eine aufsteigende, sondern auch eine absteigende Entwickelung haben, daß unser intellektuelles Leben nicht gebunden ist an die Wachstums-, sondern an die Absterbekräfte, an die absterbende Entwickelung, daß wir das Sterben brauchen, gerade um die Intelligenz zu entwickeln. Erinnern Sie sich daran, wie ich vor einigen Wochen hier gezeigt habe, was es für eine Bedeutung hat, daß mit bestimmten Affinitäten und Wertigkeitskräften in der Welt bestehende Elemente, meinetwillen Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel sich verbinden zu dem Eiweißstoff; wie ich Ihnen gezeigt habe, worauf dieses Verbinden beruht, wie es gerade nicht auf dem Chemisieren, sondern auf dem Chaotischwerden beruht, und Sie werden sehen, alle diese Betrachtungen tendieren dahin, das, was ich angedeutet habe, nicht nur als einen theoretischen Widerspruch aufzudecken, sondern als einen Prozeß in der menschlichen Natur. Wir sind nicht nur, indem wir als Menschen leben, dazu da, einen solchen Widerspruch zu empfinden, sondern unser inneres Leben ist ein fortwährender Zerstörungsprozeß desjenigen, was außen in der Natur als Naturkausalität sich entwickelt. Wir lösen in uns Menschen die Naturkausalität in Wirklichkeit auf. Dasjenige, was außen die physikalischen Vorgänge, die chemischen Vorgänge vorstellen, in uns wird es rückgängig entwickelt, wird es nach der andern Seite entwickelt. Natürlich wird uns das nur dann klar, wenn wir den unteren und den oberen Menschen ins Auge fassen, wenn wir dasjenige, was im unteren Menschen vom Stoffwechsel heraufkommt, in seiner Entmechanisierung, Entphysizierung, Entchemisierung durch den oberen Menschen ins Auge fassen. Wenn wir die Entstofflichung im Menschen ins Auge zu fassen suchen, dann haben wir nicht nur einen logischen, theoretischen Widerspruch in uns, sondern wir haben den realen Prozeß: wir haben den Menschenwerde- und Menschenentwickelungsprozeß als denjenigen in uns, der selber kämpft gegen die Naturkausalität, und das Menschenleben als ein solches, welches darinnen besteht, daß es ein Kampf ist gegen die Naturkausalität. Und der Ausdruck dieses Kampfes, der Ausdruck desjenigen, was in uns fortwährend die physische Synthese, die chemische Synthese löst, wiederum analysiert, der Ausdruck des analytischen Lebens in uns faßt sich zusammen in der Empfindung: Ich bin frei.
[ 36 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt in ein paar Worten hingestellt habe, also die Betrachtung des Menschen in seinem Werdeprozesse als einem Kampfprozesse gegen die Naturkausalität, als eine umgekehrte Naturkausalität, das wollen wir in den nächsten Vorträgen nun hier betrachten.
[ 36 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt in ein paar Worten hingestellt habe, also die Betrachtung des Menschen in seinem Werdeprozesse als einem Kampfprozesse gegen die Naturkausalität, als eine umgekehrte Naturkausalität, das wollen wir in den nächsten Vorträgen nun hier betrachten.

