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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 208

23 October 1921, Dornach

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Vierzehnter Vortrag

Lecture III

[ 1 ] Es wird gut sein, um eine Erweiterung zu bekommen zu den Ausführungen, die in der letzten Zeit hier von mir gemacht worden sind, zunächst einmal zurückzublicken in der Menschheitsentwickelung auf Zeiten, in denen das, was wir heute erkennen nennen, einen ganz anderen Charakter hatte. Wir haben ja von diesem anderen Charakter der menschlichen Erkenntnis in früheren Zeiten schon gesprochen. Allein mit dem, was wir nun in den letzten Vorträgen hier gewonnen haben, werden wir noch manches Licht auf schon Bekanntes werfen können.

[ 1 ] To broaden the subject matter I have been presenting, let us start by looking back to a period of human evolution when the gaining of insight, as we know it today, was entirely different in character. We have spoken of this before, but a new light may be thrown on things that are already familiar because of the things that have been said in recent lectures.

[ 2 ] Die menschliche Erkenntnis hat eigentlich einen ganz anderen Charakter angenommen, als sie früher hatte, in der Zeit, als das Griechentum, das Römertum in die Geschichte eingetreten ist. Was dem Griechentum, dem Römertum im Oriente, in Afrika vorangegangen ist an Erkenntnis, war eben ganz anderer Art als das, was dann zunächst in einer großartigen Weise durch die Griechen inauguriert worden ist, was durch die Römer abstrakt gemacht worden ist, und was dann in der neuesten Zeit immer mehr in den Materialismus hineingeführt worden ist. Es ist etwa der Beginn des 8. vorchristlichen Jahrhunderts, in dem die Erkenntnis einen solchen Charakter annimmt, wie er, allerdings mit wesentlichen Modifikationen, auch heute vorhanden ist. Wir konnten bisher die ältere Erkenntnis hauptsächlich in der Weise charakterisieren, daß wir sagten: Es war eine Art instinktiven Schauens. Es war nicht ein Erkenntnisleben in Begriffen, es war ein Erkenntnisleben in Bildern, die zwar nicht vollständig ähnlich sind unseren Traumbildern, weil sie sich ja auf geistige Wirklichkeiten bezogen, die aber doch eben in der Seele lebten nicht mit der Bestimmtheit unserer heutigen Begriffswelt, sondern die mehr in der Form vorübergehender Bilder eben im Bewußtsein vorhanden waren.

[ 2 ] Human perceptiveness has a completely different character today from the way it was in ancient Greek and Roman times. And the knowledge held in the Orient and in Africa before those times was of a completely different kind again than the insights that were so magnificently presented by the Greeks, made more abstract by the Romans and have in our day become more and more materialistic. At about the beginning of the 8th century BC the nature of human understanding became what essentially it still is today, though with modifications. Until now, we have more or less characterized the earlier way that went before it by saying: It was a kind of instinctive perception. Insight lived not in concepts but in images; these were not entirely like the dream images we see, yet they did not have the clear definition when they lived in human souls which they have in the modern world of concepts, but took more the form of images that passed through the conscious mind.

[ 3 ] Diese Erkenntnis bezog sich aber nun nicht eigentlich auf das, was heute Inhalt unserer Erkenntnis ist, sondern sie bezog sich mehr auf diejenigen Welten, aus denen sich der Mensch als aus den Urwelten heraus gebildet hat, in denen er noch so enthalten war, daß er sich wenig von ihnen abtrennte. Der Mensch war während der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung noch völlig ein Glied der ganzen übrigen Welt. Aber auch während der älteren Erdenentwickelung war die Persönlichkeit noch nicht abgegliedert von dem allgemeinen Weltinhalt. Der Mensch fühlte sich gewissermaßen in dem allgemeinen Welteninhalt drinnen. Sobald der Mensch von seiner eigentlichen intellektuellen Erkenntnis, von der Kopferkenntnis abkommt und es etwa so macht, wie noch gewisse orientalische Schulen, die sich durch Atmungsprozesse eine Art von Erkenntnis zu erringen suchen, da ist es ja auch sogleich so, daß dieses scharfe Sich-Abtrennen von der Welt nicht mehr vorhanden ist. In dem Augenblicke, wo der Mensch heute die antiquierten Jogaübungen, die aber immer noch vorkommen, macht, fühlt er sich sogleich in seiner Persönlichkeit herabgesetzt und herabgedämpft, er fühlt sich selber, ich möchte sagen, wie ein Hauch der Welt.

[ 3 ] The contents were also different, relating more to the worlds in which human beings had their origin and in which they still lived, having separated only a little from them. During Saturn, Sun and Moon evolution, the human being was still wholly part of the rest of the world. And during earlier stages of Earth evolution, too, the human individual was not yet separate from the general content of the world but felt part of it. When people let go of the intellectual approach, where we use our brain to learn things, and do more or less as is done in certain oriental schools, where breathing processes are used to gain a kind of insight, a situation is created where the clean separation between self and world has disappeared. When people do yoga exercises, which belong to the past but can still be found today, they feel their individual nature to be reduced and subdued, so that they are like a breath in the world.

[ 4 ] Solch einen Charakter hatte eben die Erkenntnis in jener älteren Zeit auch, wo aber der Mensch durch diese bildhafte Erkenntnis durchaus deuten konnte — in dem Sinne, wie ich das gestern auseinandergesetzt habe - sein eigenes physisches Innere. Wir haben ja gestern darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch heute seine Umgebung aufnimmt, wie er sie dann als Vorstellung bewahrt, wie das dann sein Inneres ist, und er aus diesem Inneren heraus gewissermaßen ein Bild seiner Welt zwischen der Geburt und dem jetzigen Augenblicke repräsentieren kann. So repräsentiert dasjenige, was wir als Organe, als Gehirn, Lunge, Leber in uns tragen, den ganzen Weltinhalt. So wie man aus einer Erinnerungsvorstellung einen Vorgang deuten kann, den man erlebt hat, so wie man also als Vorstellung diesen Vorgang in sich trägt, so trägt man in seinen inneren Organen, in Lunge, Herz und so weiter die ganze Welt in sich. Und die alte Weisheit hat darinnen bestanden, daß man diese einzelnen Organe gedeutet hat, daß man sie bezogen hat auf den ganzen Weltinhalt.

[ 4 ] The nature of perceptiveness was like that in those earlier times, though people were also able to interpret their own inner physical body, in the way I spoke of yesterday, by using their image-based perception. Yesterday we considered how human beings take in the world around them today and retain it in ideas. This becomes an inner life out of which individuals are able to create an image of their world as it has been from birth to the present moment. The organs we have inside us—brain, lungs, liver—are content of the whole world. We can recall something we have experienced from memory and interpret its meaning, so that it lives in us as an idea. And in our internal organs we have the whole world inside us. Ancient wisdom consisted in interpreting the individual organs by relating them to the content of the whole world.

[ 5 ] Es war im wesentlichen die ältere, noch bis in das 9. vorchristliche Jahrhundert herein dauernde Erkenntnis eine solche, die aus dem inneren physischen Wesen des Menschen, physisch-ätherischen Wesen des Menschen — man sah natürlich das Innere anders, als es ein heutiger Anatom oder Physiologe sieht — sich den Weltinhalt deutete. Jedes einzelne innere Organ wurde auf etwas in der Außenwelt bezogen, aber es war dieses innere Organ von innen aus erlebt. Man erlebte also den Gehirnbau in mächtigen Bildern, und die Bilder bezog man wieder auf die ganze Himmelssphäre, so daß man in der Tat durch diese alte Erkenntnis aus dem in der atavistischen Imagination angedeuteten Gehirnbau sich eine Vorstellung machte von der ganzen Himmelssphäre. Und was in der alten Weisheit enthalten ist über die Welt, ist im wesentlichen aus solcher Deutung des inneren Menschen entstanden.

[ 5 ] Essentially, the older kind of human understanding which existed until the 9th century BC was such that people gained insight into the content of the world by interpreting the internal physical and etheric nature of the human being. Of course, their view of those internal organs was different from that held by modern anatomists and physiologists. Every individual internal organ related to something in the outside world, yet the organ itself was experienced from inside. Thus the structure of the brain was seen in tremendous images and these in turn were related to the whole sphere of heaven, and people with this ancient way of understanding were able to gain an idea of the whole sphere of heaven, based on indications as to the structure of the brain gained through atavistic perception in images.

[ 6 ] Nun kann man aber eigentlich nicht einmal sagen, daß das, was da als Erkenntnis lebte, eine richtige menschliche Erkenntnis war. Richtige menschliche Erkenntnis, wenn sie auch durchaus nicht sein soll trockener reiner Intellektualismus, als was sie heute vielfach angesehen wird, ist doch nicht denkbar ohne Intelligenz. Jene alte Weisheit war aber durchaus ohne eine vom Menschen zustande gebrachte Intelligenz, so daß man gar nicht sagen kann, diese alte Weisheit war eine eigentliche menschliche Erkenntnis. Der Mensch nahm gewissermaßen nur teil an einer Erkenntnis, die eigentlich andere Wesen in ihm hatten. Und dies waren Wesen, die zur Hierarchie der Angeloi gehörten. Ein solcher Angelos durchseelte den Menschen und der war es eigentlich, der diese alte Erkenntnis hatte. Der Mensch nahm nur daran teil. Er sah gewissermaßen in das Innere dieses Angelos hinein. Daher nahm er teil an dem, was der Angelos erkannte. Daher hatte auch der Besitzer jener alten Weisheit eine sehr unbestimmte Anschauung von dem, wie er zu seinen Erkenntnissen kam. Er sagte sich einfach: Das ist Eingebung, das ist da — weil er selber diese Erkenntnis nicht zustande brachte, weil das Engelwesen in ihm diese Erkenntnis zustande brachte.

[ 6 ] Essentially all the ancient wisdom about the world has come from such interpretations of the inner human being. It is not really possible, however, to say that the knowledge and understanding of those times was truly human by nature. True human understanding, which of course is not at all the dry, purely intellectual knowledge people often think it to be, is, after all, unthinkable without intelligence. The wisdom of old, however, was entirely without intelligence produced by human beings, and we cannot really call it “human” understanding. Human beings merely had part in the understanding which other entities had inside them. These were spirits belonging to the hierarchy of the Angels. An Angel would ensoul a human being and the old form of wisdom was really that of the Angel. The human individual merely had part in it by looking into the inner life of the Angel, as it were. This is also why people who had that ancient wisdom were rather vague as to how they got it. They simply said to themselves that it was something which was given to them, for it was the Angel who created insight in them; as they were unable to do this themselves.

[ 7 ] Aber dieses Engelwesen war auch kein solches, wie wir es in diesen verflossenen Tagen jetzt hier von dem normalen Engelwesen, das den Menschen begleitet durch die verschiedenen Erdenleben hindurch, angenommen haben, sondern dieses Engelwesen hatte einen luziferischen Charakter. Es war gewissermaßen mit seinem ganzen Wesen, mit seiner ganzen Gesinnung zurückgeblieben auf einer früheren Stufe der Entwickelung, auf der Stufe der Mondenentwickelung. So daß man sagen kann: Wesenheiten, die während der Mondenentwickelung eigentlich ihre normale Menschheitsstufe hätten durchmachen sollen, luziferische Wesenheiten beseelten oder durchseelten den Menschen für die ältere Weisheit, und der Mensch nahm an dem, was dieses Engelwesen in ihm erlebte, teil. Es war das, was da der Mensch als eine solche Weisheit bekam, eine außerordentlich hohe Erkenntnis. Es war diejenige Erkenntnis, die eben als eine sehr vollendete während der Mondenentwickelung dem Engelwesen zuteil geworden war, aber es war eben keine Erkenntnis, die eigentlich für den Menschen so geeignet war, daß er auf der Erde etwas damit anzufangen wußte. Auf der Erde benahm sich der Mensch mehr oder weniger instinktiv, ich möchte sagen, wie ein höheres Tier benahm er sich. Und dann leuchtete aber in dieses gleichsam noch höhere Tierwesen diese hohe Weisheit herein, diese hohe Weisheit, die abdämmerte, als das 8. vorchristliche Jahrhundert heraufzog.

[ 7 ] Those were not the normal angelic spirits who accompany human beings through several lives on earth. They had luciferic character, for their disposition had remained at the earlier, moon level of development. Thus we are able to say that the ancient wisdom arose when spirits who should have gone through their normal human stage of development on the ancient moon let their soul powers enter into and ensoul human beings, and people would have part in the Angel’s experiences inside them, gaining an extraordinarily sublime insight in this way. The wisdom given to the angelic beings during the moon evolution was at a high level of perfection, but it was not really something which people could put to any real use on earth. People acted more or less out of instinct on earth, we might say they acted like a higher kind of animal. And into this creature shone the sublime wisdom which began to fade away towards the 8th century BC.

[ 8 ] Diese Weisheit, die ja in dem angedeuteten Sinne durchaus einen luziferischen Charakter hatte, erstreckte sich eigentlich nur auf alles das, was den Menschen als einen Angehörigen außerirdischer Welten erkennen ließ. Der Mensch hatte sozusagen mit seiner Erkenntnis die Erde noch gar nicht in Wirklichkeit betreten. Er fühlte sich noch innerhalb höherer Sphären mit seiner Weisheit, und auf der Erde hantierte er instinktiv.

[ 8 ] This wisdom—definitely luciferic the way it is presented above—really related only to anything that showed the human being to be a citizen of other worlds. With regard to their perceptions, therefore, human beings had not yet really come to earth. They felt themselves to be in higher spheres in their wisdom, and their actions on earth were instinctive.

[ 9 ] Dann trat immer mehr und mehr dasjenige ein, was eben mit der Verstandes- oder Gemütsseele heraufkommen konnte. Der Mensch begann in sich selber den Verstand rege zu machen. Der Mensch begann Begriffe auszuarbeiten. Die griechische Kultur zeichnete sich dadurch aus, daß sie eigentlich durchaus aus alten Zeiten noch, ich möchte sagen, jene Engelweisheit hatte, aber sie durcharbeitete mit menschlichen Begriffen. Und eine solche Weisheit wie die Weisheit Platos, die macht auf uns eben einen so großen Eindruck aus dem Grunde, weil bei Plato schon vorhanden war das subjektive Erarbeiten der Begriffs- oder Vorstellungswelt, zugleich aber hereinstrahlte in dieses Erarbeiten die alte instinktive Weisheit. Daher die Platonischen Schriften in einer so wunderbaren Weise höchste Weisheit verbinden mit dem, was doch schon im Elemente des Menschlich-Persönlichen lebt. Und man kann sich, wenn man die ganze Seelenverfassung Platos ins Auge faßt, gar nicht denken, daß er in einer anderen Form als in der Dialogform seine Weisheitsbücher abgefaßt haben könnte, aus dem einfachen Grunde, weil er deutlich spürte, was der ältere Mensch unbestimmt empfand. Der ältere Mensch sagte sich: Die Weisheit ist einfach da, sie erfaßt mich, sie strahlt in mich herein. Plato fand sich selbst in einer Art von Wechselgespräch mit dem Wesen, das in ihn herein die Weisheit brachte. Wie im Dialog erlebte er selber die Weisheit, daher er sie auch am liebsten im Dialog zum Ausdruck brachte.

[ 9 ] There followed the development that goes hand in hand with the intellectual or mind soul. Human beings began to let the mind be active in them and evolve concepts. Greek civilization still had the angelic wisdom of earlier times but worked it through with human concepts. Plato’s4Plato (c. 427–c. 347 BC), Athenian philosopher. wisdom makes such an impression on us because he was subjectively evolving concepts and ideas, but the old instinctive wisdom still shone into the process. His writings therefore are a marvellous combination of the highest wisdom and a way of thinking that was human and individual. Considering Plato’s mind and spirit it would be impossible to imagine him writing his philosophical works in a form other than that of dialogues, for the simple reason that he was definitely aware of a wisdom that had only been an indefinite feeling to earlier people. They would say: The wisdom simply exists; it comes to me and radiates into me. Plato found himself in a form of dialogue with the entity that brought wisdom into him. Experiencing this wisdom in dialogue he also preferred to express it through dialogue.

[ 10 ] Dann aber ist rasch dies gekommen, daß sich diese Begriffstätigkeit verstärkt hat. Und bei Aristoteles sehen wir schon durchaus die Erkenntnis uns in Form eines theoretischen Gewebes entgegentreten.

[ 10 ] Soon, however, conceptual thinking became more prevalent. Aristotle5Aristotle (384–322 BC), Greek philosopher, scientist and physician. already presented his knowledge in a complex of theories.

[ 1 ] Dann gewinnt immer mehr und mehr in dem vierten nachatlantischen Zeitraum ein gewisses Kulturelement den größeren Einfluß, das wir so bezeichnen können, daß wir sagen: Es fühlten die Menschen, daß einmal eine alte Weisheit die Seele durchsetzt hatte. Sie fühlten, daß zu ihnen heruntergestiegen waren übermenschliche Wesenheiten und die Weisheit gebracht hatten. Aber sie fühlten auch, wie diese Weisheit sich verabstrahierte. Sie konnten das nicht mehr erfassen; es entströmte ihnen, was ehedem aus geistigen Welten heruntergeflossen ist.

[ 11 ] As the fourth post-Atlantean age progressed, a civilizatory element gained influence that may be described as follows: People felt that an ancient wisdom had filled human souls in times past. They felt that superhuman entities had come down and brought this wisdom to humanity. But they were also aware that this wisdom was becoming more abstract. They could not longer grasp it; it eluded them.

[ 12 ] Dieses Betätigen des menschlichen Verstandes, der dann alles ins Abstrakte hineingestaltete, das finden wir insbesondere im Römertum. Das Römertum entwickelte ja ein trockenes, ein abstraktes Wesen, ein bildfremdes Wesen, ein Wesen, das in den Verstandesformen leben wollte. Während wir durch den Griechen noch immer das Gefühl haben: die Göttergestalten, also das, was als Elementares der Welt, der Natur zugrunde lag, das habe ein inneres Leben, sind die römischen Götter Abstraktionen, haben einen starren, steifen Begriffscharakter. Das logische Wesen nimmt überhand gegenüber dem früheren imaginativen Wesen, das noch in Griechenland so stark ausgebreitet war. Alles, was die Römer noch an Imagination gehabt haben, entstammte ja Griechenland. Die Römer haben das Prosaelement, das Element der Logizität hinzugebracht und haben es dann auch als Romanismus in die späteren Zeiten fortentwickelt, daher dann die lateinische Sprache jenen logischen Charakter angenommen hat, durch den sie so lange Zeit hindurch kulturgestaltend gewirkt hat.

[ 12 ] Roman civilization is characterized by a mind that made everything abstract. The Romans evolved a dry, abstract way of thinking that did not perceive in images and wanted to live only in the forms of the mind. With the Greeks we still feel that the figures of their gods, that is, the elemental principles in the world of nature, had an inner life. The Roman gods were stiff, abstract concepts. Logic gained the upper hand over the imaginative thinking that had still been widespread in ancient Greece. Anything the Romans still had by way of imagination actually came from Greece. The Romans introduced the prosaic, logical thinking that was later to give the Latin language the logical quality that was to govern civilization for ages to come.

[ 13 ] Aber eines hat sich erhalten, durch das Griechentum noch lebendiger, durch das Römertum etwas toter, aber es hat sich dann fortgepflanzt auch in die nachchristlichen Jahrhunderte bis ins Mittelalter herein, ja sogar bis zu der Morgendämmerung der neueren Zeit: es hat sich fortgepflanzt die Tradition der alten Weisheit. Und mehr als die Menschen heute denken, hat sich die Tradition dieser alten Weisheit fortgepflanzt.

[ 13 ] One thing continued on, however—in a more living way through Greek culture and a slightly more dead way through Roman culture, into the Christian era and right into the Middle Ages—and that was the tradition of the ancient wisdom. This has persisted more than people are inclined to think today.

[ 14 ] Man konnte doch nicht das, was sich für die Sinne ringsherum ausbreitete, mit dem Verstande gleich erfassen. Man suchte das Traditionelle mit dem Verstande zu erfassen. Dadurch aber gewann das, was früher ein innerlich belebendes luziferisches Element war, einen sogar äußerlichen ahrimanischen Charakter. Das ist aber die Maske. In Wahrheit ist es ein luziferisches Element, das sich durch Tradition fortpflanzt. Und was wir von der Zeit des römischen Kaisertums an durch die folgenden Jahrhunderte an Romanismus sich fortpflanzen sehen, was dann sehr stark durchtränkt wird vom germanischen Elemente, was sich aber doch bewahrt in der Tradition, das ist ein im wesentlichen luziferisches Element. Das luziferische Element wirkt weiter. Es wird natürlich dadurch, daß es herunterströmt bis in das Gedankenwesen, seines ursprünglichen Charakters entkleidet. Es geht in Gedankenform auf. In der lateinischen Sprache lebt, ich möchte sagen, auf ahrimanische Art ein luziferisches Element weiter.

[ 14 ] The world that presented itself to the senses could not be immediately grasped with the mind, but people sought to grasp the traditional element in this way. The result was that an element which before had been luciferic, inwardly enlivening, gained an ahrimanic character that was also outwardly apparent, as a mask. In reality this is a luciferic element which continues by tradition. Romanism continued through the centuries; a strong Germanic element came into it, but the tradition survived and it was essentially luciferic. Its original character was lost because it streamed down into the realm of thought and became formulated in thoughts. We may say that in the Latin language, a luciferic element lives on in an ahrimanic way.

[ 15 ] In der griechischen Kunst ist dieses Element noch durchaus lebendig. Dann wird es mehr oder weniger starr, und es ist interessant zu verfolgen, wie es sich fortsetzt in die Theologie hinein, die eine Lehre von übersinnlichen Welten ist, aber die übersinnlichen Welten selber doch nicht hat, die übersinnlichen Welten nur der Tradition nach hat. Und so entsteht diejenige Geistesströmung, die im wesentlichen eine Art luziferische ist und die die alte Anschauung des Übersinnlichen ins Theologische herüberführt.

[ 15 ] This luciferic element was still very much alive in Greek art. It then became more or less rigid and it is interesting to see how it extended into theology, which had to do with other worlds, yet had no real access to those worlds; all it had was the tradition. A spiritual stream that was essentially luciferic thus brought the ancient perception of other worlds into theology.

[ 16 ] Das Christentum selber wird in die Maschen dieser Theologie hineingezogen. Das Christentum wird theologisiert. So wie in der römischen Sprache ein Logisieren eintritt, so tritt mit dem Christentum ein Theologisieren ein. Aber das eigentliche lebensvolle Element des Christentums geht da in einem luziferischen Element, das eine ahrimanische Maske trägt, unter. Es wird das lebendige Christentum zu einer theologisierenden Kulturströmung. Darunter ist immer schon das eigentliche persönliche Element wirksam, aber noch auf eine instinktive Weise. Es kann sich noch nicht völlig vereinigen mit dem, was von oben kommt. Und es ist ja insbesondere interessant, dies zu beobachten in seiner eklatanten Phase, in der Phase der Renaissance. Da sehen wir, wie eine hohe T'heologie lebt, die durchaus die Begriffe, die Vorstellungen vom Übersinnlichen hat, aber nicht mehr die Anschauung hat. Traditionell ist im Grunde genommen zur Zeit der Renaissance alles da. Was im Romanismus bewahrt wird in der theologischen Form, das ist uralte Weisheit, aber ins Vorstellungsleben heruntergeholt. Es lebt in den Vorstellungen luziferisch weiter.

[ 16 ] The Christian faith also got caught up in the meshes of this theology; it became theology. The language of Rome was made logical, the Christian faith theological. The true life of Christianity was submerged in a luciferic element that bore an ahrimanic mask. The personal and individual element was always there, but it was more instinctive. It was not able to unite fully with the element which came from above. It is particularly interesting to observe this when it was at its most striking, during the Renaissance. There we see a highly developed theology with concepts and ideas of other worlds but no perception. Everything took the form of tradition during the Renaissance. Romanism had preserved the original, ancient wisdom in a theology that had brought it down into the realm of ideas, where it lived on as a luciferic element.

[ 17 ] Es ist wunderbar, was heute noch geschaut werden kann an solchen theologisierenden Elementen, wenn man die Raffaelschen Wandbilder in Rom sieht, was da in jenem Bilde, das die Disputa genannt wird, eigentlich lebt an theologisierendem Elemente. Tiefe Weisheit, die mehr oder weniger in Worten weiterlebt, die nicht mehr Anschauungen in sich hegt, die aber für denjenigen, der sie mit den Anschauungen verbinden kann, eben tiefste Weisheit ist.

[ 17 ] Those theologizing elements are still marvellously apparent in Raphael’s wall paintings in Rome, the Disputa, for instance.6Raphael, or Raffaello Santi or Sanzio (1483–1520), Italian painter. Profound wisdom, more or less living on in words, no longer offering perception, but holding true wisdom for those who are able to connect it with perception.

[ 18 ] Wir bewundern auch die Theologie, die in Dantes «Göttlicher Komödie» lebt, wissen aber zu gleicher Zeit, daß bei Dante zwar gewisse Anschauungen wiederum errungen worden sind durch seinen Lehrer Brunetto Latini — ich habe das einmal auseinandergesetzt -—, daß aber dennoch das weitaus meiste eigentlich traditionelles, theologisierendes Element ist, das einen starken luziferischen Einschlag hat. Und wir sehen auf der anderen Seite, wie jene Wesen, welche so alte Weisheit in. das theologisierende Element hineintragen, wie diese Wesen diejenigen sind, die nun auch das griechische Kunstwesen, nachdem sie es vorher beseelt haben, mehr versteift, aber doch noch durch Tradition so hineintragen in die Renaissancekunst, daß Goethe die griechische Kunst in seinem Geiste wiederum auferstehen sieht, indem er diese griechische Kunst in der Renaissancekunst wiederum erblickte.

[ 18 ] We also admire the theology in Dante’s Divine Comedy,7Dante Alighieri (1265–1321), greatest Italian poet. though we know that whilst Dante gained some of the old true perception—thanks to his teacher Brunetto Latini,8Brunette Latini (c. 1210–c. 1295), Florentine statesman, scholar and poet. as I have shown on another occasion9published in How can Mankind Find the Christ Again? (GA 187) Tr. F.E. Dawson, G. Hahn, O. D. Wannamaker. London: Rudolf Steiner Press.—most of the work represents the traditional, theologizing approach with a strong luciferic element in it. We can also see that the entities which brought the ancient wisdom into the theologizing element also brought the essence of Greek art into the art of the Renaissance, a Greek art that originally had soul quality before and had become more rigid, but still came down through tradition. Goethe10Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), German poet, dramatist, scientist and statesman. was therefore able to perceive the resurrection of Greek art in the art of the Renaissance.

[ 19 ] Man muß sagen: Durchaus ein starkes luziferisches Element lebt in der Theologie, lebt in der Kunst, wie sie uns aus alten Zeiten heraufgebracht worden ist, jener Kunst, die vorzugsweise suchen muß, damit sie künstlerisch sein kann, Überirdisches, die nicht vollständig herunterkommen kann bis zum Menschen. Da, wo sie herunterkommt, erscheint sie uns wie mit einem Sprung herunterversetzt in das Instinktive. Denn wir sehen ja das Leben der Renaissance selber so, daß es gewissermaßen in sich hat den Himmel, von dem es Vorstellungen hat, keine Anschauungen mehr, Vorstellungen, die es sogar künstlerisch wunderbar beleben kann; wir sehen aber darunter sich entwickeln ein instinktives Ausarten des Renaissancelebens. Es ist immerhin ein großartiges, aber eigentlich manchmal schreckhaftes Schauspiel der Weltgeschichte, wie so ein Papst Alexander VI. oder auch Leo X., auf der einen Seite gelehrte, durch und durch gelehrte Menschen sind, wie sie das Höchste von übersinnlichen Welten in ihren Vorstellungen tragen, wie sie aber als Renaissancemenschen das, was menschliche Persönlichkeit ist, nicht erheben können bis in diese geistige Höhe, wie das da unten instinktiv ausartet. Und so sehen wir diese Schreckenskerle, die Renaissancemenschen, auf der einen Seite etwas wie ein höheres tierisches Leben entfalten, und darüber sehen wir sich ausbreiten, den luziferischen Charakter tragend, den Himmel, der in einer auf der einen Seite wunderbaren, auf der anderen Seite eben durchaus luziferischen Theologie vorstellungsgemäß an die Menschen herangebracht worden ist.

[ 19 ] It has to be said that there is a powerful luciferic element in the theology and in the art that have come to us from the past. To be artistic, this art must look for elements that belong to other worlds, and it is not able to descend fully to the human level. Where it does so, it seems to us to have made a sudden leap down to the level of instinct. Looking at Renaissance life, we see that people had ideas of heaven—no vision any more—and were able to bring those ideas to life in their art in a truly marvellous way. Beneath this, however, we see Renaissance life deteriorate to the level of instincts. World history presents magnificent but sometimes also horrific scenes where Pope Alexander VI, for instance, or Leo X, are on the one hand great scholars, having ideas of the most sublime aspects of other worlds, yet on the other hand are unable, as Renaissance people, to let their personal life rise to that level, letting it degenerate to the life of instincts. It is a terrible thing to see those individuals develop a kind of higher animal life on the one hand, and spreading above this a heaven that is luciferic by nature, a heaven presented to human minds in a theology that is truly wonderful and at the same time also entirely luciferic.

[ 20 ] Damit aber kommen wir auch schon in jene Zeit hinein, in der dann andere Mächte die Menschheitsentwickelung ergriffen, als es diese älteren, engelhaften Wesenheiten waren.

[ 20 ] With this, we are coming to an age when powers other than those older angelic spirits became involved in human evolution.

[ 21 ] Der Mensch steht ja in der Mitte zwischen dem Reich der Angeloi und dem Reich der Tiere. Seine äußere physische Form war in älteren Zeiten sehr tierähnlich, aber sie war doch beseelt von demjenigen, was ich Ihnen eben jetzt geschildert habe. Ohne irgendeine Ahnung von dem, was auf diesem Gebiete wahr ist, stöbern heute die Geologen, die Paläontologen menschliche Reste aus alten Zeiten auf mit zurückfliehender Stirne, tierähnliche Menschengestalten, und glauben, damit den Menschen an das Tier heranzubringen. Der äußeren physischen Gestalt nach ist das durchaus berechtigt, aber zu je tierischeren Formen wir in der’ alten Zeit zurückkommen, um so mehr sind diese tierischen Formen durchseelt von uralter Weisheit. Und wenn man diese tierähnlichen Formen vor ein paar Jahren in gewissen Gegenden Europas ausgrub und nun mit heutiger Geologie und Paläontologie nur zu sagen weiß: Das sind Menschen mit einem niedrigen Schädel, mit zurückfliehender Stirn, mit vortretenden Augenbrauen, Augenhöhlen -— muß man sagen, wenn man die Wahrheit kennt auf diesem Gebiete: Dieser Mensch, der heute vielleicht so tierähnlich aussieht, der dem äußeren Paläontologen wie ein höher entwickelter Affe erscheint, der war aber voll durchseelt von uralter Weisheit, die eben ein anderes Wesen in ihm hatte. Er nahm nur teil daran.

[ 21 ] Humanity is halfway between the world of the angels and that of the animals. In past ages the human form was quite animal-like, but ensouled with the element I have just described. Without a clue as to the reality of this situation, modern geologists and palaeontologists are turning up ancient human remains that show receding foreheads and animal-like human forms and believe this shows that humans are related to animals. This is quite right if one considers only the outer physical form, but the more animal-like those forms become as we go back in time, the more are they ensouled with original wisdom. If all that modern geologists and palaeontologists are able to say about the remains dug up in some parts of Europe a few years ago is that these were human beings with low skulls, receding foreheads, prominent brows and eye-sockets, anyone who knows the true situation has to say: This human being, who may look animal-like today and to palaeontologists who see only the outer appearance may appear to have evolved from apes, was fully ensouled with an ancient, original wisdom. Another spiritual entity had that wisdom in the human being who merely had a share in it.

[ 22 ] So kann man sagen: Den Menschen erfüllt in alten Zeiten ein Übermenschliches. Er wächst dem immer mehr und mehr entgegen, indem er sich von tierähnlichen Formen heraufentwickelt, bis er eine Art von Übertier wird, das die verschiedenen tierischen Gestalten zusammenfaßt. In diesem Übertier kann sich nun ein Wesen ganz anderer Art als es die gewöhnlichen Engelwesen sind, einleben, ein ahrimanisches Wesen. Und gerade in derselben Zeit, in der zur Tradition abglimmt das Wesen der uralten Weisheit, in der Zeit wird immer mehr und mehr dieser Mensch mächtig, der nun an seine tierische Organisation heranzieht das Verstandeswesen. Und so sehen wir, wie vom 8. vorchristlichen Jahrhundert ab der Mensch zunächst langsam, dann immer weiter und weiter sich heraufentwickelt, indem aus seinem Inneren heraufsprießt eine Art von Übertierwesen, das ahrimanischer Art ist, und das ihn jetzt auch von der anderen Seite her durchseelt.

[ 22 ] In the past, therefore, human beings held within them a superhuman principle. They grew increasingly towards this as they evolved out of animal-like forms, finally to become a kind of super-animal which included all the different animal forms. This super-animal offered conditions where an ahrimanic entity that was very different from the usual angelic spirits was able to enter. The human being who combines intellectual thinking with an animal-like organization came to the fore at the time when the wisdom of old was fading and becoming tradition. From the 8th century BC, human evolution took a course, slowly at first, but progressively, where a kind of ahrimanic super-animal nature developed from inside which then also entered the human soul from the other side.

[ 23 ] Dieses Wesen, das sich im Menschen gewissermaßen mit dem luziferischen Wesen trifft, dieses Wesen ist, ich möchte sagen, das andere, das den Menschen von seiner reinen Bahn abzubringen trachtet. Man könnte sagen, die luziferischen Wesen sind Zorneswesen, die den Menschen beseelen, aber um ihn eigentlich auf der Erde nicht froh werden zu lassen und ihn immer von der Erde wegzuziehen, um ihn gewissermaßen immerfort ins Übermenschliche hinaufzuziehen. Sie möchten ihn viel mehr als einen Engel haben, der nicht in die niederen Funktionen des physischen Organismus verfällt. Die luziferischen Wesen haben einen argen Zorn auf den auf zwei Beinen auf der Erde herumgehenden Menschen, der mit der Erde durch seine niederen Funktionen verbunden ist; alles Tierischen möchten diese Wesenheiten den Menschen entkleiden, und sie möchten ihn zum Beispiel jetzt in dieser Epoche seines Daseins nicht gern wiederum herunterlassen zur physischen Verkörperung, sie möchten ihn oben erhalten in dem Leben, das zwischen Tod und neuer Geburt verfließt. Dagegen möchte man die anderen, die ahrimanischen Wesenheiten, Schmerzenswesen nennen. Denn eigentlich streben sie nach der menschlichen Gestaltung hin, können sie aber für sich nicht erreichen. Es ist ein furchtbarer Schmerz, den im Grunde genommen diese ahrimanischen Wesen durchmachen. Es ist so, wie wenn das Tier in sich dunkel fühlen würde: Du solltest dich aufrichten, du solltest ein Mensch sein — wie wenn es alles in sich zerreißen möchte. Diesen furchtbaren Schmerz, ihn fühlen eigentlich die ahrimanischen Wesen. Und er kann ihnen nur gelindert werden, wenn sie herankommen an den Menschen und den Verstand erfassen. Da kühlt der Verstand diesen Schmerz ab. Daher verbeißen sie sich in den menschlichen Verstand, krallen sich gewissermaßen mit ihrem ganzen Wesen in ihn ein, knochen sich ein. Das ahrimanische Wesen hat so etwas wie das sich schmerzvolle Durchdringen mit dem menschlichen Verstand. Es möchte sich das ahrimanische Wesen mit dem Menschen vereinen, um zu Verstand zu kommen.

[ 23 ] The spirit which meets with the luciferic spirit in the human being, as it were, may be said to be another one who sought to deflect human beings from the true path. The luciferic spirits may be said to be spirits of ire in the human soul who do not intend human beings to be glad to be on earth but draw them away from the earth, over and over again, always wanting to draw them up towards the superhuman. They want him to be an angel who does not have anything to do with the lower functions of the physical organism. It angers the luciferic spirits to see people walk the earth on their two feet who are connected to the earth through their lower functions. They want to strip all animal nature away from people. Today, at the present stage of human evolution, for example, they do not want to let individuals come to physical incarnation; they want to keep them up above in the life that passes between death and a new birth. The ahrimanic spirits, on the other hand, may be called spirits of pain and suffering. They seek to achieve the human form for themselves but are unable to do so. Essentially these ahrimanic spirits suffer terrible pain. It is as if an animal were to feel dimly: You ought to come upright and be a human being—as if it wanted to tear itself apart inwardly. That is the terrible pain experienced by the ahrimanic spirits. It can only be relieved by approaching human beings and taking hold of their minds. This will cool the pain. These spirits therefore get their teeth into the human mind, digging their claws into it, boring themselves into it.11Phrase coined by Steiner Ahrimanic nature involves something that is like painfully letting the human mind enter into you. Ahrimanic spirits want to unite with human beings so that they may come to their senses, as it were.

[ 24 ] Es ist also der Mensch der Kampfplatz zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Es ist so, daß man sagen kann: Das Luziferische hat die Hand im Spiele bei allem Künstlerischen, bei allem Abstrakt-Theologischen. Das Ahrimanische, das ist etwas wie aus der materiellen Welt Heraufkommendes, durch das Tierreich Durchgegangenes, das schmerzvoll hinstrebt nach dem Menschen, das den Verstand ergreifen will, das aber zurückgestoßen wird im Menschen von dem übermenschlichen Wesen, das immer zurückprallt, aber sich mitnehmen möchte den Verstand. Es ist etwas, was immer wieder und wieder in den Menschen herein will und den Menschen halten möchte beim bloßen Verstande, ihn nicht hinaufkommen lassen möchte bis zur Imagination, Inspiration, weil es das Menschenwesen zur Linderung seiner Qual bei sich behalten möchte.

[ 24 ] Thus the human being is the battle ground for luciferic and ahrimanic elements. It would be fair to say that the luciferic element is involved in anything to do with the arts and with abstract theology. The ahrimanic element is like something coming up from the world of matter that has gone through the animal world and painfully seeks to achieve human status, taking hold of the human mind; it is repulsed by the part of the human being that is higher than human nature; again and again it is thrown back, though it wishes to take the human mind for itself. Again and again this element wants to enter into human beings and make them go by the intellect alone, preventing them from developing the higher faculties of Imagination and Inspiration, seeking to keep humanity at their level, so as to ease their own pain.

[ 25 ] Alles das, was in der Menschheit sich seit der neueren ahrimanischen Zeit gebildet hat, vorzugsweise als materialistische Wissenschaft, als Wissenschaft, die von diesem sich im Menschen abkühlenden Schmerz des materiellen Daseins kommt, das ist ahrimanischer Natur. Und wir sehen die materialistische Wissenschaft heraufkommen. Der Mensch bildet sie aus. Indem der Mensch sie in sich hegt, verbindet sich Ahriman in ihm mit seiner Wissenschaft. Und so wie insbesondere Luzifer seine Hand im Spiele hat bei dem Künstlerischen, so hat Ahriman seine Hand im Spiele bei dem Ausbilden des Mechanischen, Technischen, dessen, was den Verstand wegziehen möchte vom Menschen, was ihn in die Maschine, sei es in das mechanische Werkzeug, sei es in die Maschinerie des Staatswesens hineinziehen möchte. Nur dadurch ist im wesentlichen möglich geworden, was da in der neueren Menschheit lebt, was da heraufgezogen ist insbesondere seit der Renaissancezeit. Man möchte sagen: Während der Renaissancezeit ist das luziferische Wirken in eine Art von Sackgasse gekommen; das ahrimanische Wirken, das hat sich jenseits der Wand dieser Sackgasse dann angesetzt. Und wir sehen das ganze Treiben, welches seit der Renaissancezeit da ist; das Hintreiben nach Mechanismus, nach geistloser Wissenschaft, sehen wir mit dem ahrimanischen Charakter ablaufen.

[ 25 ] Everything which has developed during the more recent ahrimanic age by way of materialistic science, a science that comes from the burning pain of material existence that is cooled in the human being, is ahrimanic by nature. We see this materialistic science arise as human beings evolve it. When people give their inner life to this science, Ahriman unites with them through it. Lucifer has a hand above all in the sphere of the arts; Ahriman has a hand in the development of mechanics, technology, anything that seeks to take the human intellect away from people and put it into machine tools and also the machinery of government. This alone has made the developments possible which have arisen mainly from the time of the Renaissance onwards. We might say that luciferic activity came to a kind of dead end during the Renaissance and that ahrimanic activity then took over. We can see how everything since then has gone in the direction of mechanization, and a science divorced from the realm of the spirit.

[ 26 ] Das einzige nun, was möglich ist hineinzubringen in das, was seit der Renaissancezeit heraufgezogen ist, ist die Christus-Auffassung. Was in der neueren Zeit als materialistische Wissenschaft, als industrielle Technik heraufgezogen ist, ist durchaus ahrimanischer Natur, würde, wenn es sich verbreiten könnte ohne Christus-Auffassung, den Menschen an die Erde fesseln. Der Mensch würde nicht hinaufkommen zum Jupiterdasein. Bringen wir aber die Christus- Auffassung, bringen wir ein neues geistiges Leben, bringen wir neuerdings Imagination, Inspiration, Intuition in dasjenige, was nur Erkenntnis der äußeren Welt ist, dann erlösen wir das ahrimanische Wesen. Wie diese Erlösung bildhaft vorgestellt werden kann, ich habe es ja in meinen Mysteriendramen von den mannigfaltigsten Seiten aus dargestellt. Aber es würde ein Überwinden des Menschen durch Ahriman sein, wenn die Christus-Auffassung nicht als eine wirklich durchgeistigte Auffassung, enttheologisiert, sich weiter gestalten könnte. Die materialistische Wissenschaft, der äußere industrielle Mechanismus würden den Menschen dem Erdentod überliefern, das heißt, eine ganz andere Welt zimmern, in der der Mensch mehr oder weniger wie ein Petrifikat fortleben würde zur Erbauung der ahrimanischen Wesenheiten, wenn nicht die Christus-Auffassung das moderne materialistische, das moderne mechanische Wesen wiederum in geistiger Art durchziehen würde.

[ 26 ] If the industrial technology and materialistic science which has evolved from Renaissance times and is entirely ahrimanic by nature is allowed to spread without there being any understanding of Christ, it will bind human beings to the earth and prevent them from reaching the Jupiter stage. Yet if we bring understanding of Christ, a new life of the spirit, and Imagination, Inspiration and Intuition to what at present is mere discovery of the physical world, we will redeem ahrimanic nature. This redemption can be presented in images, as I have done in many different ways in my Mystery Plays. Humanity will however be overcome by Ahriman unless understanding of Christ, an understanding that is truly of the spirit and free from all theology, is able to develop. Materialistic science and industrial technology would condemn humanity to earthly death, that is, they would craft a completely different world in which human beings live on as a kind of petrified fossils for the edification of ahrimanic spirits, and this will happen unless spiritual understanding of Christ spreads through the mechanization of our age.

[ 27 ] Wir können also sagen: Luzifer hat seine Hand im Spiele bei allem traditionell Theologischen, bei allem ins Manierhafte, Steife ausartenden Künstlerischen, bei allem Renaissanceartigen; während Ahriman seine Hand im Spiele hat bei allem, was nur äußerliche geistlose Naturwissenschaft ist, die in der Natur nicht den Geist entdecken kann, und bei allem, was äußerlicher Mechanismus im menschlichen Tun ist. Die luziferischen Engelwesen, die sich aus dem traditionellen Leben durchaus auch jetzt noch gerettet haben bis in die Gegenwart, sie haben alles Interesse daran, den Menschen eigentlich abzuhalten vom Tun. Sie möchten den Menschen wenigstens beim inneren Seelenleben erhalten. Der Mensch ist eine Persönlichkeit geworden. Aber diese Engelwesen möchten den Menschen nicht ausströmen lassen in seinen Taten in das Erlebnis, in die Offenbarung seiner Willensimpulse. Sie möchten ihn in innerlicher Beschaulichkeit erhalten. Sie verführen ihn zur Mystik, sie verführen ihn zur falschen Theosophie. Sie verführen ihn dazu, ein bloß innerliches beschauliches Leben zu führen, zu betrachten, statt zu handeln. Sie machen ihn zu einem Sinnierer, der am liebsten den ganzen Tag sitzen möchte und spinnen möchte über allerlei Welträtselfragen, der aber das, was in seinem Geiste lebt, nicht übertragen möchte in die äußere Wirklichkeit. Sie möchten durch rein äußere Beobachtung entstehen lassen, was äußere Wissenschaft ist. Sie lassen gut entstehen solch eine Wissenschaft wie die des Paters Secch:, der ein ausgezeichneter Astrophysiker war, deshalb, weil er beobachten konnte mit Mikroskop und Teleskop, weil er das verzeichnen konnte, und nur daneben etwas hatte, was damit gar nicht zusammenhing: das, was ihm eingegeben war von luziferischen Wesen als eine hohe überirdisch-übermenschliche Weisheit. Indem die luziferischen Wesen diese übermenschlich-überirdische Weisheit pflegen, entreißen sie das Seelisch-Geistige des Menschen dem Erdendasein. Dann verfällt einfach das, was noch so hohe äußere materialistische Wissenschaft ist; das verfällt, das hat keinen inneren Bestand. Es ist ja nicht von realer Geistigkeit durchzogen. Das interessiert sie nicht weiter.

[ 27 ] We are thus able to say that Lucifer has a hand in all traditional theology, all art that is stiff and mannered, anything by way of renaissance; Ahriman has a hand in all materialistic science divorced from the realm of the spirit and unable to find the spirit in the world of nature, and in all aspects of human activity that are mechanical and without inwardness. The luciferic angelic spirits who have survived till today on the basis of tradition are only interested in keeping people from actually doing anything at all. They want to keep them confined to the inner life. Human beings have become individuals, but these angelic spirits do not want human actions to flow out into life and activity, into a manifestation of human will impulses. They want to keep people in an introspective frame of mind, to look rather than take action, to be mystics and follow the wrong kind of theosophy. They like people to sit musing all day, pursuing a thread through all kinds of riddles of the world and unwilling to apply the things they have in mind to the real world outside. They want detached observation to lead to a science of the outside world. They are good at creating a science like the one of Father Secchi,12Father Angelo Secchi (1818–1878) Italian astronomer trained as a Jesuit, Professor of Physics, Washington, USA, and from 1849 director of the observatory at the Coliegio Romano. who was an excellent astrophysicist, being able to make observations using the microscope and telescope and record them, and who also had something that did not relate to this at all, a sublime wisdom greater than the wisdom of this earth and of the human mind that had been given to him by luciferic spirits. The luciferic spirits nurture this wisdom and in doing so tear the human soul and spirit away from earth existence. And however great our materialistic science may be, it comes to nothing, for it has no inner reality of the spirit. This is of no interest to the luciferic spirits.

[ 28 ] Ebenso möchten diese luziferischen Wesenheiten die Kunst möglichst lebenslos, geistlos in dem Sinne haben, daß in die Form nicht Geist einzieht. Sie möchten immer nur Renaissance haben, das, was in alten Zeiten gelebt hat. Sie geben dem Menschen einen Haß ein gegen jede neue Stilform, die aus dem modernen Menschlichen wirklich hervorgehen kann. Sie möchten die alten Stilformen fortpflanzen, weil diese alten Stilformen noch dem Unirdischen, Überirdischen entlehnt sind.

[ 28 ] These spirits also want art to be as lifeless and devoid of spirit as possible, so that no spirit may enter into the forms created. They want nothing but the revival of things that existed in the past. They make people hate any kind of new style that may truly arise out of the present day. They want to reproduce the old styles because they come from a time when things could still be taken from unearthly realms.

[ 29 ] Das ahrimanische Wesen wiederum möchte es überhaupt nicht zur Vergeistigung, nicht zum Stil kommen lassen, möchte am liebsten nur ganz prosaische Bauten, Nützlichkeitsbauten zum Beispiel aufführen, möchte alles mechanisieren, alles nur in den Dienst des Industriellen stellen, möchte dem Menschen eingeben, nicht zu schätzen noch irgendeine Handarbeit als Kunstgewerbe, sondern möchte nur Modelle liefern, die dann maschinell in unendlichen Exemplaren nachgebildet werden so, wie sich Ahriman selbst in einer unermeßlich großen Zahl von Exemplaren durch das Geheimnis der Zahl in vielen Menschen offenbaren kann.

[ 29 ] On the other hand it is ahrimanic nature not to let a style or anything of a spiritual nature develop but rather to create utterly prosaic, purpose-designed buildings, mechanize everything and let it serve industry, letting people attach no value to hand-made arts and crafts and merely produce models which machines can reproduce in endless numbers. In the same way Ahriman can manifest in an infinite number of examples in many human beings through the mystery of numbers.

[ 30 ] Der Mensch steht eigentlich in der Gegenwart ganz in diesem Kampfe drinnen. Nur wenn er sich wirklich besinnt auf das, was ihm die echte Christus-Gabe sein kann: eine der heutigen Zeit angemessene anthroposophische Geist-Erkenntnis und Geistesanschauung, wenn er sich darauf besinnt, findet er den Weg durch Innehalten der Gleichgewichtslage zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Er muß sozusagen mit dem Ahrimanischen kämpfen, denn er würde ja sonst dem Luziferischen verfallen müssen. Er darf aber nicht, ohne wachsam zu sein, sich den Strömen Ahrimans hingeben, denn dadurch würde er in eine vollständig mechanische Weltenordnung hineinfallen. Die luziferischen Wesen möchten den Menschen von jeglichem Tun abhalten, ihn zum Sinnierer, zum Mystiker machen, der nach und nach nichts mehr übrig hat für das Erdendasein und deshalb auch dem Erdendasein entzogen werden kann. Die ahrimanischen Wesenheiten möchten den Menschen ganz beim Erdendasein erhalten. Daher möchten sie alles mechanisieren, das heißt, hinunterdrücken ins Mineralreich. Sie würden dadurch die Erde in ihrem Sinne umgestalten, sie nicht hinüberkommen lassen zu dem Jupiterdasein. Sie haben allerdings das Bestreben, dem Menschen nicht das Tun zu rauben, ihn vielmehr so stark tun, wirken, handeln zu lassen, als der Mensch nur kann, aber es soll alles schablonenmäßig verlaufen, es soll alles programmmäßig verlaufen. Ahriman ist der große Enthusiast für alles Programmäßige. Er ist der Inspirator für das ewige Statutenmachen. Wenn Ahriman irgendwo in einem Komitee sieht, wie da Statuten gemacht werden, dann ist er in seinem eigentlichen Elemente: Erstens, zweitens, drittens —, erstens soll das geschehen, zweitens soll das geschehen, drittens hat dieses Mitglied diese Rechte, viertens sollte jenes Mitglied das oder jenes tun. Natürlich fällt es dann dem Mitglied nicht ein, diese Rechte zu respektieren, oder das, was dasteht, irgendwie zu tun. Aber darauf kommt es nicht an zunächst. Wenn die Statuten abgefaßt sind, da kommt es darauf an, den ahrimanischen Geist zu pflegen. Man kann dann hinweisen auf Paragraph soundsoviel.

[ 30 ] The human beings of today are caught in the midst of this battle. They need to realize that anthroposophy enables them to find and perceive the spirit and is therefore the true gift of Christ. Holding on to this they can keep the balance between luciferic and ahrimanic elements and thus find their way. They have to fight the ahrimanic spirit, for otherwise they must fall to the luciferic spirit. It is important, however, to be watchful when they give themselves up to the streams of Ahriman, lest they fall into a world that is entirely mechanized. The luciferic spirits want to prevent human beings from taking action; they want to make them mystics, given up to thought, who will gradually cease to take an interest in life on earth and can in this way be made remote from this life. The ahrimanic spirits want to keep human beings very much to life on earth. They want to mechanize everything, that is, take it down to the level of the mineral world. If they succeeded they would reshape the world to suit themselves and prevent it from reaching the Jupiter stage. On the other hand they do not want to deprive people of the opportunity to act; on the contrary, they want them to be as active as possible, except that it should all be routine and according to programme. Ahriman is a real programme enthusiast. It is he who inspires people to have endless statutes. He is really in his element if he finds a committee busily engaged in setting up statutes: Paragraph one, two and three—in the first place this is to be done, in the second place something else, in the third place one member has those particular rights, and in the fourth place another member is to do one thing or another. Of course, the members will never think of respecting those rights and may well refuse to do what it says in the statutes. That is not the point, however. Once the statutes exist, it is a matter of acting in the spirit of Ahriman, always pointing to paragraph number such and such.

[ 31 ] Aber zum Tun dennoch anregen möchte Ahriman, nur soll alles ablaufen in dem schablonenmäßig programmatischen Sinne. Alles soll in Paragraphen gezwängt sein. Der Mensch soll gewissermaßen jeden Morgen auf seiner Bettdecke finden ein Verzeichnis dessen, was er den Tag über zu tun hat, und das soll er mechanisch ausführen, indem er gewissermaßen nur mit den Beinen denkt, nicht mit dem Kopfe. Während Luzifer das Bestreben hat, den Menschen mit dem Kopf denken zu machen und in den Kopf das Herz zu gießen, ist Ahriman bestrebt, den Menschen nur mit den Beinen denken zu machen, alles in die Beine hineinzugießen.

[ 31 ] Ahriman wants people to be active, but within the system, with everything firmly laid down in paragraphs. People should really find a list of things to be done on their pillow when they wake up in the morning and carry it all out mechanically, thinking only with their legs, as it were and not their heads. Lucifer wants them to use their heads and pour their hearts into their heads; Ahriman seeks to make people think only with their legs, pour everything into the legs.

[ 32 ] In diesem Kampfe steht der Mensch schon drinnen; und das, was ich vielleicht in einer mehr bildhaften Form ausspreche, das ist schon im Grunde genommen Inhalt unserer Kultur. Da sehen wir auf der einen Seite diejenigen Menschen, die es als ihr Ideal ansehen, mit untergelegten Beinen wie eine Buddha-Statue sich zum Allerhöchsten sinnierend erheben zu können, in vollständiger Beinlosigkeit, mit einem Aufschwellen des Kopfes in die mystischen Abgründe sich hineinvertiefend. Da sehen wir auf der anderen Seite die abendländischen Menschen, die im Grunde genommen, indem sie gar nicht wissen, wie schnell sie von einem Büro zum anderen, von einem Geschäft zum anderen mit ihren Beinen pendeln müssen, auf uns den Eindruck machen, daß sie eigentlich ganz unnötig auf ihren Schultern auch noch einen Kopf tragen, der ja im Grunde genommen gar nicht dabei ist bei dem, was sie tun. Und es sind das schon die beiden Extreme der Menschheit in der gegenwärtigen Zeit: die einsamen Sinnierer mit zugemachten Augen, damit sie auch das, was sie selber tun, nicht sehen können, und diejenigen, die eigentlich Augen nicht brauchten, weil sie immer an den Beinen etwas haben wie Leinen, Zugleinen, und am Ende der Zugleinen ist Paragraph soundsoviel, und so werden sie wie das Glied eines Mechanismus durch die Welt gezogen.

[ 32 ] People are caught up in the battle. I am trying to give you a picture of something which essentially is already part of our culture. We see people whose idea of perfection is to sit on folded legs like a Buddha figure and introspectively rise to sublime levels, not using their legs at all, but their heads swelling as they enter into mysterious depths. In the Western world we see others who hardly know how to get more quickly from one office to another, from business to business on their legs, so that we get the impression that it is really quite unnecessary for them to carry a head on their shoulders, for essentially their heads are not involved in their doings. Those are the two extremes in our time—solitary figures sitting thinking with eyes closed so that they may not even see what they themselves are doing, and others who actually don’t need eyes, for they have strings that pull their legs, and at the other end of those strings are the different paragraphs, with people pulled along as if they were part of a mechanism.

[ 33 ] Wir sehen zwar, wie sich zuweilen der moderne Mensch gegen den Ahrimanismus aufbäumt, wie er schimpft gegen die Bürokratie, die ja reiner Ahrimanismus ist, wie er gegen die Schablonisierung des Unterrichtes und so weiter sich aufbäumt — aber in der Regel nur, um etwas tiefer noch in das hineinzufallen, aus dem er heraus möchte.

[ 33 ] Occasionally we see modern people rebel against the ahrimanic trend and complain of the bureaucracy, which is of course entirely ahrimanic, against standardization in education, and so on. But as a rule all that happens is that they slide even deeper into the situation from which they want to escape.

[ 34 ] Heraus aus alldem kann doch nur führen ein Hinlenken der ganzen Gesinnung, der ganzen Seelenverfassung des Menschen zum Geist-Erkennen, zu demjenigen, was wiederum das Vorstellungswesen durchdringt mit realer Geistigkeit, so daß der reale Geist den ganzen Menschen ergreift, nicht bloß den Kopf. Und indem er den ganzen Menschen ergreift, kann er auch das ahrimanische Wesen überwinden, und indem er es überwindet, erlöst er es. Es soll gar nichts gesagt werden gegen das ahrimanische Wesen. Es soll nicht etwa getadelt werden, was sich im Registrieren und im Statutenmachen und im Paragraphenmachen berechtigt auslebt. Aber durchgeistigt soll das alles werden.

[ 34 ] The only thing to take us out of it all it to direct the whole of our minds and hearts to the search for the spirit, to an understanding that brings true spirituality to our thinking, with the true spirit taking hold of the whole human being and not merely the head. This will overcome the ahrimanic element and in so doing redeem it. We are not saying anything against ahrimanic nature, nor against all the situations where keeping of records and making of statutes and paragraphs have their rightful place. But the spirit must enter into it all.

[ 35 ] Wir können ja doch kaum anders in der neueren Zeit, als daß wir ahrimanische Künste treiben, daß wir zum Beispiel stenographieren, daß wir mit der Schreibmaschine schreiben. Das alles sind ja Ahrimanisierungen unserer Kultur im höchsten Maße. Aber indem wir Geistigkeit in unsere Kultur hineinbringen, können wir selbst das, was in einer so bedenklichen Weise ahrimanischer Einfluß ist wie das Stenographieren oder das Schreibmaschinenschreiben, in die Sphäre der Geistigkeit heraufheben, so daß wir Ahriman erlösen. Es ist ja ein solches nur durch eine volle Besonnenheit über das Geistesleben möglich. Derjenige, der heute in materialistischer Gesinnung lebt und stenographiert oder gar Schreibmaschine schreibt, der gerät tief hinein in das ahrimanische Element. Sie sehen, es soll nicht einer Reaktion das Wort geredet werden, es soll nicht verpönt werden die Dämonologie, die da heraufgezogen ist; aber die Dämonen selbst sollen erlöst werden.

[ 35 ] We cannot really avoid using the ahrimanic skills in the present age—taking shorthand, for instance, and using a typewriter. These are highly ahrimanic elements in our civilization. But we can also bring the spirit into it, and in this way raise such ahrimanic influences as stenography and typewriting into the sphere of the spirit, redeeming Ahriman in the process. It is only possible to do this if we bring the life of the spirit fully to mind. People who live as materialists today, using stenography and typewriters, get deeply caught up in the ahrimanic element. You see, it is not my purpose to preach reaction against these things; the demonic world that has come on us is not to be given a bad name; but the demons themselves need to be redeemed.

[ 36 ] Das kann sich auch durchaus im einzelnen zeigen. Im Grunde genommen kann man sagen: Was da an ahrimanischen Elementen Platz gegriffen hat in der neueren Zivilisation, das treibt eigentlich nur aus einer gewissen Vorliebe die ahrimanischen Künste. Denn das, was von dieser ahrimanischen Kultur stenographiert oder schreibmaschinengeschrieben wird, das könnte auch ungeschrieben bleiben. Man weiß in der Regel ohnedies schon, was es enthält. Man braucht es im Grunde genommen gar nicht zu fixieren. Der Inhalt ist gleichgültig. Es ist nur die ahrimanische Kunst, die da in Betracht kommt, von einer gewissen Bedeutung. Aber für dasjenige, was geisteswissenschaftlich heraufkommt, für das wird man brauchen können die genaue Fixierung, weil es notwendig ist, sich in einer exakten, genauen Weise auszusprechen. Und dann wird gerade das Ahrimanische dem Geistigen wesentliche Dienste leisten können. So wird man das im einzelnen übersehen.

[ 36 ] This may certainly also show itself in individual instances. Basically we may say that the ahrimanic elements which have entered into our civilization in more recent times really only pursue their ahrimanic skills because they are inclined that way. The things they write in shorthand or on typewriters might just as well stay unwritten. We usually know all about it and there is no need to put it down on paper. The content does not matter, for only the ahrimanic skill has some significance. Yet it will be good to have the things that are coming up in the science of the spirit laid down exactly, for it is necessary to express ourselves in a careful, accurate way. And in this respect the ahrimanic element will be able to serve the realm of the spirit well.

[ 37 ] Von ganz besonderer Bedeutung wird aber sein, daß die moderne Geisteswissenschaft die einzelnen menschlichen Wissenschaften durchdringt, daß sie von den geistlosen Naturwissenschaften zu einer wirklichen einheitlichen Geisteswissenschaft kommt, daß die einzelnen Naturwissenschaften, ich möchte sagen, Kapitel sind einer einheitlichen Geisteswissenschaft. Dadurch werden sie entahrimanisiert, und man kommt allmählich durch den richtigen Betrieb der Einzelheiten in diejenige Strömung hinein, die ich heute aus dem luziferisch-ahrimanischen Gegensatze vor Ihnen entwickeln mußte.

[ 37 ] It will be of special importance that the modern science of the spirit enters fully into the different human sciences and advances them from natural sciences devoid of spirit to a truly consistent science of the spirit, with the individual sciences as chapters in a unified science of the spirit. This will deahrimanize them, and if details are handled in the right way we gradually come into the stream that I had to present to you today, developing it out of the polarity between the luciferic and ahrimanic elements.

[ 38 ] Glauben Sie nicht, daß es gleichgültig ist, in solche Einzelheiten hineinzuweisen, wie ich das heute getan habe. Es ist schon gut, wenn man sich ein wenig bekannt macht durch solche Bilder, wie ich sie gebraucht habe, mit den heute lebenden luziferischen Menschen mit den untergeschlagenen Buddha-Beinen, und den ahrimanischen Menschen, die als «Hansdampf auf allen Straßen» geschäftig von Kontor zu Kontor laufen, und die eigentlich zu dieser Geschäftigkeit ihren Kopf gar nicht brauchten.

[ 38 ] Please do not think it is irrelevant to go into detail the way I have done today. It is good to enter into this to some extent, using the kind of images I have used today, with today’s luciferic individual sitting on crossed legs, and ahrimanic people who rush from office to office, a finger in every pie, and who really don’t need to use their heads to keep their busy lives going.

[ 39 ] Es ist vielleicht manchmal angenehmer, diese Dinge in Abstraktionen zu hören als in den konkreten Bildern, aber moderne Geisteswissenschaft, anthroposophische Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, ins unmittelbare Leben hineinzuweisen, das unmittelbare Leben auch überall beim rechten Namen zu nennen. Nur dadurch kann eigentlich eine völlig gesunde, konkret zutreffende Anschauung und Seelenverfassung heraufkommen.

[ 39 ] You may feel more comfortable if abstract ideas are presented to you rather than concrete images, but the modern, anthroposophical science of the spirit must relate directly to life and indeed call a spade a spade. This, after all, is the only way to develop sound, proper ideas and the right inner attitude.

[ 40 ] Das ist es, was ich heute hinzufügen wollte zu den Betrachtungen der letzten Wochen. Das nächste Mal werden wir wiederum versuchen, von einer anderen Seite an die Betrachtung des Menschen heranzukommen.

[ 40 ] This is what I wanted to add today. The next time we’ll try and use a different approach to the nature of the human being.