Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 208

23 October 1921, Dornach

Translate the original German text into any language:

Vierzehnter Vortrag

Fourteenth Lecture

[ 1 ] Es wird gut sein, um eine Erweiterung zu bekommen zu den Ausführungen, die in der letzten Zeit hier von mir gemacht worden sind, zunächst einmal zurückzublicken in der Menschheitsentwickelung auf Zeiten, in denen das, was wir heute erkennen nennen, einen ganz anderen Charakter hatte. Wir haben ja von diesem anderen Charakter der menschlichen Erkenntnis in früheren Zeiten schon gesprochen. Allein mit dem, was wir nun in den letzten Vorträgen hier gewonnen haben, werden wir noch manches Licht auf schon Bekanntes werfen können.

[ 1 ] To expand upon the remarks I have made here recently, it will be helpful to first look back at the course of human development to times when what we today call “cognition” had a completely different character. We have, of course, already spoken of this different nature of human knowledge in earlier times. But with what we have now gained here in the last few lectures, we will be able to shed further light on what we already know.

[ 2 ] Die menschliche Erkenntnis hat eigentlich einen ganz anderen Charakter angenommen, als sie früher hatte, in der Zeit, als das Griechentum, das Römertum in die Geschichte eingetreten ist. Was dem Griechentum, dem Römertum im Oriente, in Afrika vorangegangen ist an Erkenntnis, war eben ganz anderer Art als das, was dann zunächst in einer großartigen Weise durch die Griechen inauguriert worden ist, was durch die Römer abstrakt gemacht worden ist, und was dann in der neuesten Zeit immer mehr in den Materialismus hineingeführt worden ist. Es ist etwa der Beginn des 8. vorchristlichen Jahrhunderts, in dem die Erkenntnis einen solchen Charakter annimmt, wie er, allerdings mit wesentlichen Modifikationen, auch heute vorhanden ist. Wir konnten bisher die ältere Erkenntnis hauptsächlich in der Weise charakterisieren, daß wir sagten: Es war eine Art instinktiven Schauens. Es war nicht ein Erkenntnisleben in Begriffen, es war ein Erkenntnisleben in Bildern, die zwar nicht vollständig ähnlich sind unseren Traumbildern, weil sie sich ja auf geistige Wirklichkeiten bezogen, die aber doch eben in der Seele lebten nicht mit der Bestimmtheit unserer heutigen Begriffswelt, sondern die mehr in der Form vorübergehender Bilder eben im Bewußtsein vorhanden waren.

[ 2 ] Human knowledge has actually taken on a completely different character than it had in the past, back when Greek and Roman civilizations entered history. The form of knowledge that preceded Greek and Roman civilization in the East and in Africa was of a completely different nature than what was subsequently inaugurated in such a magnificent way by the Greeks, abstracted by the Romans, and then, in more recent times, increasingly led into materialism. It was around the beginning of the 8th century B.C. that knowledge took on the character that, albeit with significant modifications, still exists today. Until now, we have been able to characterize earlier knowledge mainly by saying: It was a kind of instinctive insight. It was not a life of cognition in concepts; it was a life of cognition in images—images that, while not entirely similar to our dream images because they referred to spiritual realities, nevertheless lived in the soul not with the precision of our present-day conceptual world, but were present in consciousness more in the form of fleeting images.

[ 3 ] Diese Erkenntnis bezog sich aber nun nicht eigentlich auf das, was heute Inhalt unserer Erkenntnis ist, sondern sie bezog sich mehr auf diejenigen Welten, aus denen sich der Mensch als aus den Urwelten heraus gebildet hat, in denen er noch so enthalten war, daß er sich wenig von ihnen abtrennte. Der Mensch war während der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung noch völlig ein Glied der ganzen übrigen Welt. Aber auch während der älteren Erdenentwickelung war die Persönlichkeit noch nicht abgegliedert von dem allgemeinen Weltinhalt. Der Mensch fühlte sich gewissermaßen in dem allgemeinen Welteninhalt drinnen. Sobald der Mensch von seiner eigentlichen intellektuellen Erkenntnis, von der Kopferkenntnis abkommt und es etwa so macht, wie noch gewisse orientalische Schulen, die sich durch Atmungsprozesse eine Art von Erkenntnis zu erringen suchen, da ist es ja auch sogleich so, daß dieses scharfe Sich-Abtrennen von der Welt nicht mehr vorhanden ist. In dem Augenblicke, wo der Mensch heute die antiquierten Jogaübungen, die aber immer noch vorkommen, macht, fühlt er sich sogleich in seiner Persönlichkeit herabgesetzt und herabgedämpft, er fühlt sich selber, ich möchte sagen, wie ein Hauch der Welt.

[ 3 ] This insight, however, did not actually refer to what constitutes the content of our knowledge today, but rather to those worlds from which human beings emerged—the primordial worlds in which they were still so fully integrated that they were scarcely distinct from them. During the Saturn, Sun, and Moon phases of evolution, human beings were still completely one with the rest of the world. But even during the early stages of Earth’s evolution, the individual personality was not yet separated from the general content of the world. Human beings felt, as it were, immersed within the general fabric of the world. As soon as a person departs from their actual intellectual understanding—from intellectual knowledge—and proceeds in a manner similar to certain Eastern schools that seek to attain a kind of knowledge through breathing exercises, this sharp separation from the world immediately ceases to exist. The moment a person today performs the antiquated yoga exercises—which still occur—he immediately feels diminished and subdued in his personality; he feels, I might say, like a breath of the world.

[ 4 ] Solch einen Charakter hatte eben die Erkenntnis in jener älteren Zeit auch, wo aber der Mensch durch diese bildhafte Erkenntnis durchaus deuten konnte — in dem Sinne, wie ich das gestern auseinandergesetzt habe - sein eigenes physisches Innere. Wir haben ja gestern darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch heute seine Umgebung aufnimmt, wie er sie dann als Vorstellung bewahrt, wie das dann sein Inneres ist, und er aus diesem Inneren heraus gewissermaßen ein Bild seiner Welt zwischen der Geburt und dem jetzigen Augenblicke repräsentieren kann. So repräsentiert dasjenige, was wir als Organe, als Gehirn, Lunge, Leber in uns tragen, den ganzen Weltinhalt. So wie man aus einer Erinnerungsvorstellung einen Vorgang deuten kann, den man erlebt hat, so wie man also als Vorstellung diesen Vorgang in sich trägt, so trägt man in seinen inneren Organen, in Lunge, Herz und so weiter die ganze Welt in sich. Und die alte Weisheit hat darinnen bestanden, daß man diese einzelnen Organe gedeutet hat, daß man sie bezogen hat auf den ganzen Weltinhalt.

[ 4 ] This was precisely the nature of perception in those earlier times, when human beings were able to interpret—in the sense I explained yesterday—their own physical inner being through this pictorial perception. Yesterday we pointed out how people today perceive their surroundings, how they then retain them as mental images, what their inner world is like, and how, from within this inner world, they can, so to speak, represent an image of their world from birth to the present moment. Thus, what we carry within us as organs—the brain, lungs, and liver—represents the entire content of the world. Just as one can interpret an event one has experienced from a memory image—that is, just as one carries this event within oneself as an image—so too does one carry the entire world within one’s internal organs: the lungs, the heart, and so on. And ancient wisdom consisted in interpreting these individual organs and relating them to the entire content of the world.

[ 5 ] Es war im wesentlichen die ältere, noch bis in das 9. vorchristliche Jahrhundert herein dauernde Erkenntnis eine solche, die aus dem inneren physischen Wesen des Menschen, physisch-ätherischen Wesen des Menschen — man sah natürlich das Innere anders, als es ein heutiger Anatom oder Physiologe sieht — sich den Weltinhalt deutete. Jedes einzelne innere Organ wurde auf etwas in der Außenwelt bezogen, aber es war dieses innere Organ von innen aus erlebt. Man erlebte also den Gehirnbau in mächtigen Bildern, und die Bilder bezog man wieder auf die ganze Himmelssphäre, so daß man in der Tat durch diese alte Erkenntnis aus dem in der atavistischen Imagination angedeuteten Gehirnbau sich eine Vorstellung machte von der ganzen Himmelssphäre. Und was in der alten Weisheit enthalten ist über die Welt, ist im wesentlichen aus solcher Deutung des inneren Menschen entstanden.

[ 5 ] It was essentially the older understanding—one that persisted well into the 9th century B.C.—that interpreted the content of the world based on the inner physical nature of the human being, the physical-etheric nature of the human being—though, of course, the inner world was viewed differently than it is by today’s anatomists or physiologists. Each individual internal organ was related to something in the external world, but this internal organ was experienced from within. Thus, the structure of the brain was experienced in powerful images, and these images were in turn related to the entire celestial sphere, so that through this ancient understanding—based on the structure of the brain as suggested by atavistic imagination—people actually formed a conception of the entire celestial sphere. And what is contained in ancient wisdom regarding the world has essentially arisen from such an interpretation of the inner human being.

[ 6 ] Nun kann man aber eigentlich nicht einmal sagen, daß das, was da als Erkenntnis lebte, eine richtige menschliche Erkenntnis war. Richtige menschliche Erkenntnis, wenn sie auch durchaus nicht sein soll trockener reiner Intellektualismus, als was sie heute vielfach angesehen wird, ist doch nicht denkbar ohne Intelligenz. Jene alte Weisheit war aber durchaus ohne eine vom Menschen zustande gebrachte Intelligenz, so daß man gar nicht sagen kann, diese alte Weisheit war eine eigentliche menschliche Erkenntnis. Der Mensch nahm gewissermaßen nur teil an einer Erkenntnis, die eigentlich andere Wesen in ihm hatten. Und dies waren Wesen, die zur Hierarchie der Angeloi gehörten. Ein solcher Angelos durchseelte den Menschen und der war es eigentlich, der diese alte Erkenntnis hatte. Der Mensch nahm nur daran teil. Er sah gewissermaßen in das Innere dieses Angelos hinein. Daher nahm er teil an dem, was der Angelos erkannte. Daher hatte auch der Besitzer jener alten Weisheit eine sehr unbestimmte Anschauung von dem, wie er zu seinen Erkenntnissen kam. Er sagte sich einfach: Das ist Eingebung, das ist da — weil er selber diese Erkenntnis nicht zustande brachte, weil das Engelwesen in ihm diese Erkenntnis zustande brachte.

[ 6 ] But one cannot really even say that what existed there as knowledge was true human knowledge. True human knowledge—even if it is by no means meant to be the dry, pure intellectualism that it is often regarded as today—is nonetheless inconceivable without intelligence. That ancient wisdom, however, was entirely devoid of any intelligence brought about by human beings, so that one cannot even say that this ancient wisdom was true human knowledge. In a sense, the human being merely participated in a form of knowledge that was actually possessed by other beings within him. And these were beings who belonged to the hierarchy of the Angeloi. Such an Angelos animated the human being, and it was actually the Angelos who possessed this ancient knowledge. The human being merely participated in it. He looked, as it were, into the inner being of this Angelos. Therefore, he shared in what the Angelos perceived. Consequently, even the bearer of that ancient wisdom had a very vague notion of how he arrived at his insights. He simply told himself: “This is inspiration; it is simply there”—because he himself did not bring about this insight, but rather the angelic being within him brought it about.

[ 7 ] Aber dieses Engelwesen war auch kein solches, wie wir es in diesen verflossenen Tagen jetzt hier von dem normalen Engelwesen, das den Menschen begleitet durch die verschiedenen Erdenleben hindurch, angenommen haben, sondern dieses Engelwesen hatte einen luziferischen Charakter. Es war gewissermaßen mit seinem ganzen Wesen, mit seiner ganzen Gesinnung zurückgeblieben auf einer früheren Stufe der Entwickelung, auf der Stufe der Mondenentwickelung. So daß man sagen kann: Wesenheiten, die während der Mondenentwickelung eigentlich ihre normale Menschheitsstufe hätten durchmachen sollen, luziferische Wesenheiten beseelten oder durchseelten den Menschen für die ältere Weisheit, und der Mensch nahm an dem, was dieses Engelwesen in ihm erlebte, teil. Es war das, was da der Mensch als eine solche Weisheit bekam, eine außerordentlich hohe Erkenntnis. Es war diejenige Erkenntnis, die eben als eine sehr vollendete während der Mondenentwickelung dem Engelwesen zuteil geworden war, aber es war eben keine Erkenntnis, die eigentlich für den Menschen so geeignet war, daß er auf der Erde etwas damit anzufangen wußte. Auf der Erde benahm sich der Mensch mehr oder weniger instinktiv, ich möchte sagen, wie ein höheres Tier benahm er sich. Und dann leuchtete aber in dieses gleichsam noch höhere Tierwesen diese hohe Weisheit herein, diese hohe Weisheit, die abdämmerte, als das 8. vorchristliche Jahrhundert heraufzog.

[ 7 ] But this angelic being was not like the normal angelic beings we have come to regard in recent days as accompanying human beings through their various earthly lives; rather, this angelic being had a Luciferic character. In a sense, its entire being and its entire disposition had remained at an earlier stage of development—the stage of lunar evolution. So one can say: Beings who, during the Lunar Evolution, should actually have passed through their normal human stage—Luciferic beings—animated or permeated human beings for the sake of the ancient wisdom, and human beings participated in what this angelic being experienced within them. This was what humanity received as such wisdom—an extraordinarily high level of knowledge. It was the very knowledge that had been bestowed upon the angelic being as a highly perfected form during the Lunar Evolution, but it was not a form of knowledge that was actually suited to humanity in such a way that they knew what to do with it on Earth. On Earth, human beings behaved more or less instinctively; I would say they behaved like higher animals. And then, however, this high wisdom shone into this, as it were, even higher animal being—this high wisdom that began to fade as the 8th century B.C. dawned.

[ 8 ] Diese Weisheit, die ja in dem angedeuteten Sinne durchaus einen luziferischen Charakter hatte, erstreckte sich eigentlich nur auf alles das, was den Menschen als einen Angehörigen außerirdischer Welten erkennen ließ. Der Mensch hatte sozusagen mit seiner Erkenntnis die Erde noch gar nicht in Wirklichkeit betreten. Er fühlte sich noch innerhalb höherer Sphären mit seiner Weisheit, und auf der Erde hantierte er instinktiv.

[ 8 ] This wisdom, which in the sense implied certainly had a Luciferic character, actually extended only to everything that allowed human beings to recognize themselves as members of extraterrestrial worlds. With his knowledge, so to speak, the human being had not yet truly set foot on Earth. He still felt himself to be within higher spheres with his wisdom, and on Earth he acted instinctively.

[ 9 ] Dann trat immer mehr und mehr dasjenige ein, was eben mit der Verstandes- oder Gemütsseele heraufkommen konnte. Der Mensch begann in sich selber den Verstand rege zu machen. Der Mensch begann Begriffe auszuarbeiten. Die griechische Kultur zeichnete sich dadurch aus, daß sie eigentlich durchaus aus alten Zeiten noch, ich möchte sagen, jene Engelweisheit hatte, aber sie durcharbeitete mit menschlichen Begriffen. Und eine solche Weisheit wie die Weisheit Platos, die macht auf uns eben einen so großen Eindruck aus dem Grunde, weil bei Plato schon vorhanden war das subjektive Erarbeiten der Begriffs- oder Vorstellungswelt, zugleich aber hereinstrahlte in dieses Erarbeiten die alte instinktive Weisheit. Daher die Platonischen Schriften in einer so wunderbaren Weise höchste Weisheit verbinden mit dem, was doch schon im Elemente des Menschlich-Persönlichen lebt. Und man kann sich, wenn man die ganze Seelenverfassung Platos ins Auge faßt, gar nicht denken, daß er in einer anderen Form als in der Dialogform seine Weisheitsbücher abgefaßt haben könnte, aus dem einfachen Grunde, weil er deutlich spürte, was der ältere Mensch unbestimmt empfand. Der ältere Mensch sagte sich: Die Weisheit ist einfach da, sie erfaßt mich, sie strahlt in mich herein. Plato fand sich selbst in einer Art von Wechselgespräch mit dem Wesen, das in ihn herein die Weisheit brachte. Wie im Dialog erlebte er selber die Weisheit, daher er sie auch am liebsten im Dialog zum Ausdruck brachte.

[ 9 ] Then, more and more, what could arise from the intellectual or emotional soul began to take hold. Human beings began to awaken their intellect within themselves. Human beings began to develop concepts. Greek culture was characterized by the fact that, even from ancient times, it still possessed—I would say—that angelic wisdom, but it worked it out using human concepts. And wisdom such as that of Plato makes such a profound impression on us precisely because, in Plato, the subjective elaboration of the world of concepts and ideas was already present, while at the same time the ancient instinctive wisdom shone into this process. This is why the Platonic writings combine, in such a wondrous way, the highest wisdom with what already lives within the human-personal element. And when one considers the whole disposition of Plato’s soul, one cannot imagine that he could have composed his books of wisdom in any form other than the dialogue, for the simple reason that he clearly sensed what the older human being felt only vaguely. The ancient person said to himself: Wisdom is simply there; it takes hold of me; it shines into me. Plato found himself in a kind of dialogue with the being that brought wisdom into him. Just as in a dialogue, he himself experienced wisdom; that is why he preferred to express it in the form of a dialogue.

[ 10 ] Dann aber ist rasch dies gekommen, daß sich diese Begriffstätigkeit verstärkt hat. Und bei Aristoteles sehen wir schon durchaus die Erkenntnis uns in Form eines theoretischen Gewebes entgegentreten.

[ 10 ] But then it quickly came to pass that this conceptual activity intensified. And in Aristotle, we already see knowledge presenting itself to us in the form of a theoretical fabric.

[ 1 ] Dann gewinnt immer mehr und mehr in dem vierten nachatlantischen Zeitraum ein gewisses Kulturelement den größeren Einfluß, das wir so bezeichnen können, daß wir sagen: Es fühlten die Menschen, daß einmal eine alte Weisheit die Seele durchsetzt hatte. Sie fühlten, daß zu ihnen heruntergestiegen waren übermenschliche Wesenheiten und die Weisheit gebracht hatten. Aber sie fühlten auch, wie diese Weisheit sich verabstrahierte. Sie konnten das nicht mehr erfassen; es entströmte ihnen, was ehedem aus geistigen Welten heruntergeflossen ist.

[ 1 ] Then, during the fourth post-Atlantean epoch, a certain cultural element began to gain ever greater influence—one we might describe as follows: People felt that an ancient wisdom had once permeated the soul. They felt that superhuman beings had descended to them and brought this wisdom. But they also felt how this wisdom was becoming increasingly abstract. They could no longer grasp it; what had once flowed down from spiritual worlds was now slipping away from them.

[ 12 ] Dieses Betätigen des menschlichen Verstandes, der dann alles ins Abstrakte hineingestaltete, das finden wir insbesondere im Römertum. Das Römertum entwickelte ja ein trockenes, ein abstraktes Wesen, ein bildfremdes Wesen, ein Wesen, das in den Verstandesformen leben wollte. Während wir durch den Griechen noch immer das Gefühl haben: die Göttergestalten, also das, was als Elementares der Welt, der Natur zugrunde lag, das habe ein inneres Leben, sind die römischen Götter Abstraktionen, haben einen starren, steifen Begriffscharakter. Das logische Wesen nimmt überhand gegenüber dem früheren imaginativen Wesen, das noch in Griechenland so stark ausgebreitet war. Alles, was die Römer noch an Imagination gehabt haben, entstammte ja Griechenland. Die Römer haben das Prosaelement, das Element der Logizität hinzugebracht und haben es dann auch als Romanismus in die späteren Zeiten fortentwickelt, daher dann die lateinische Sprache jenen logischen Charakter angenommen hat, durch den sie so lange Zeit hindurch kulturgestaltend gewirkt hat.

[ 12 ] This activity of the human intellect, which then shaped everything into the abstract, is something we find particularly in Roman culture. Roman culture, after all, developed a dry, abstract nature—a nature alien to imagery, a nature that sought to exist within the forms of the intellect. Whereas with the Greeks we still have the sense that the divine figures—that is, what lay at the foundation of the world and nature as elemental forces—possess an inner life, the Roman gods are abstractions, possessing a rigid, inflexible conceptual character. The logical nature gains the upper hand over the earlier imaginative nature, which was still so widespread in Greece. After all, whatever imagination the Romans still possessed originated in Greece. The Romans introduced the element of prose, the element of logic, and then developed it further into Romanism in later times; this is why the Latin language took on that logical character through which it shaped culture for so long.

[ 13 ] Aber eines hat sich erhalten, durch das Griechentum noch lebendiger, durch das Römertum etwas toter, aber es hat sich dann fortgepflanzt auch in die nachchristlichen Jahrhunderte bis ins Mittelalter herein, ja sogar bis zu der Morgendämmerung der neueren Zeit: es hat sich fortgepflanzt die Tradition der alten Weisheit. Und mehr als die Menschen heute denken, hat sich die Tradition dieser alten Weisheit fortgepflanzt.

[ 13 ] But one thing has endured—kept alive by Greek civilization, somewhat stifled by Roman civilization—yet it has continued to be passed down through the post-Christian centuries into the Middle Ages, and even into the dawn of the modern era: the tradition of ancient wisdom has endured. And more than people today realize, the tradition of this ancient wisdom has endured.

[ 14 ] Man konnte doch nicht das, was sich für die Sinne ringsherum ausbreitete, mit dem Verstande gleich erfassen. Man suchte das Traditionelle mit dem Verstande zu erfassen. Dadurch aber gewann das, was früher ein innerlich belebendes luziferisches Element war, einen sogar äußerlichen ahrimanischen Charakter. Das ist aber die Maske. In Wahrheit ist es ein luziferisches Element, das sich durch Tradition fortpflanzt. Und was wir von der Zeit des römischen Kaisertums an durch die folgenden Jahrhunderte an Romanismus sich fortpflanzen sehen, was dann sehr stark durchtränkt wird vom germanischen Elemente, was sich aber doch bewahrt in der Tradition, das ist ein im wesentlichen luziferisches Element. Das luziferische Element wirkt weiter. Es wird natürlich dadurch, daß es herunterströmt bis in das Gedankenwesen, seines ursprünglichen Charakters entkleidet. Es geht in Gedankenform auf. In der lateinischen Sprache lebt, ich möchte sagen, auf ahrimanische Art ein luziferisches Element weiter.

[ 14 ] It was not possible to grasp immediately with the intellect what unfolded all around us through the senses. People sought to grasp the traditional with the intellect. As a result, however, what had previously been an inwardly enlivening Luciferic element took on an even outward Ahrimanic character. But that is merely the mask. In truth, it is a Luciferic element that perpetuates itself through tradition. And what we see perpetuating itself from the time of the Roman Empire through the following centuries as Romanism—which is then very strongly imbued with the Germanic element, yet which nevertheless preserves itself in tradition—is essentially a Luciferic element. The Luciferic element continues to work. Naturally, as it flows down into the realm of thought, it is stripped of its original character. It dissolves into thought form. In the Latin language, I would say, a Luciferic element lives on in an Ahrimanic way.

[ 15 ] In der griechischen Kunst ist dieses Element noch durchaus lebendig. Dann wird es mehr oder weniger starr, und es ist interessant zu verfolgen, wie es sich fortsetzt in die Theologie hinein, die eine Lehre von übersinnlichen Welten ist, aber die übersinnlichen Welten selber doch nicht hat, die übersinnlichen Welten nur der Tradition nach hat. Und so entsteht diejenige Geistesströmung, die im wesentlichen eine Art luziferische ist und die die alte Anschauung des Übersinnlichen ins Theologische herüberführt.

[ 15 ] In Greek art, this element is still very much alive. Then it becomes more or less rigid, and it is interesting to trace how it continues into theology, which is a doctrine of supersensory worlds, yet does not actually possess these supersensory worlds itself—it has them only according to tradition. And thus arises the intellectual current that is essentially a kind of Luciferic one and that carries the ancient conception of the supersensible over into theology.

[ 16 ] Das Christentum selber wird in die Maschen dieser Theologie hineingezogen. Das Christentum wird theologisiert. So wie in der römischen Sprache ein Logisieren eintritt, so tritt mit dem Christentum ein Theologisieren ein. Aber das eigentliche lebensvolle Element des Christentums geht da in einem luziferischen Element, das eine ahrimanische Maske trägt, unter. Es wird das lebendige Christentum zu einer theologisierenden Kulturströmung. Darunter ist immer schon das eigentliche persönliche Element wirksam, aber noch auf eine instinktive Weise. Es kann sich noch nicht völlig vereinigen mit dem, was von oben kommt. Und es ist ja insbesondere interessant, dies zu beobachten in seiner eklatanten Phase, in der Phase der Renaissance. Da sehen wir, wie eine hohe T'heologie lebt, die durchaus die Begriffe, die Vorstellungen vom Übersinnlichen hat, aber nicht mehr die Anschauung hat. Traditionell ist im Grunde genommen zur Zeit der Renaissance alles da. Was im Romanismus bewahrt wird in der theologischen Form, das ist uralte Weisheit, aber ins Vorstellungsleben heruntergeholt. Es lebt in den Vorstellungen luziferisch weiter.

[ 16 ] Christianity itself is drawn into the web of this theology. Christianity becomes theologized. Just as “logization” occurs in the Roman language, so “theologization” occurs with Christianity. But the true, life-giving element of Christianity is submerged there in a Luciferic element wearing an Ahrimanic mask. Living Christianity becomes a theologizing cultural current. The true personal element is always at work beneath it, but still in an instinctive way. It cannot yet fully unite with what comes from above. And it is particularly interesting to observe this in its most striking phase, the Renaissance. There we see a form of high theology that certainly possesses the concepts and ideas of the supersensible, but no longer possesses the intuitive insight. Traditionally, everything is essentially present at the time of the Renaissance. What is preserved in Roman Catholicism in theological form is ancient wisdom, but brought down into the realm of the imagination. It lives on in the imagination in a Luciferic way.

[ 17 ] Es ist wunderbar, was heute noch geschaut werden kann an solchen theologisierenden Elementen, wenn man die Raffaelschen Wandbilder in Rom sieht, was da in jenem Bilde, das die Disputa genannt wird, eigentlich lebt an theologisierendem Elemente. Tiefe Weisheit, die mehr oder weniger in Worten weiterlebt, die nicht mehr Anschauungen in sich hegt, die aber für denjenigen, der sie mit den Anschauungen verbinden kann, eben tiefste Weisheit ist.

[ 17 ] It is wonderful to see what remains of such theological elements even today when one views Raphael’s frescoes in Rome—what actually lives on in that painting, known as *The Disputa*, in terms of theological elements. Profound wisdom that lives on, more or less, in words—words that no longer contain visual images in themselves, but which, for those who can connect them with those images, are indeed the deepest wisdom.

[ 18 ] Wir bewundern auch die Theologie, die in Dantes «Göttlicher Komödie» lebt, wissen aber zu gleicher Zeit, daß bei Dante zwar gewisse Anschauungen wiederum errungen worden sind durch seinen Lehrer Brunetto Latini — ich habe das einmal auseinandergesetzt -—, daß aber dennoch das weitaus meiste eigentlich traditionelles, theologisierendes Element ist, das einen starken luziferischen Einschlag hat. Und wir sehen auf der anderen Seite, wie jene Wesen, welche so alte Weisheit in. das theologisierende Element hineintragen, wie diese Wesen diejenigen sind, die nun auch das griechische Kunstwesen, nachdem sie es vorher beseelt haben, mehr versteift, aber doch noch durch Tradition so hineintragen in die Renaissancekunst, daß Goethe die griechische Kunst in seinem Geiste wiederum auferstehen sieht, indem er diese griechische Kunst in der Renaissancekunst wiederum erblickte.

[ 18 ] We also admire the theology embodied in Dante’s *Divine Comedy*, but at the same time we know that while certain views in Dante’s work were indeed derived from his teacher Brunetto Latini—I have discussed this before—the vast majority of it is actually a traditional, theological element that has a strong Luciferic influence. And on the other hand, we see how those beings who bring such ancient wisdom into into the theological element—how these beings are the very ones who, having previously animated Greek art, now carry it—albeit in a more rigid form—into Renaissance art through tradition, so that Goethe sees Greek art resurrected in his spirit by recognizing it anew in Renaissance art.

[ 19 ] Man muß sagen: Durchaus ein starkes luziferisches Element lebt in der Theologie, lebt in der Kunst, wie sie uns aus alten Zeiten heraufgebracht worden ist, jener Kunst, die vorzugsweise suchen muß, damit sie künstlerisch sein kann, Überirdisches, die nicht vollständig herunterkommen kann bis zum Menschen. Da, wo sie herunterkommt, erscheint sie uns wie mit einem Sprung herunterversetzt in das Instinktive. Denn wir sehen ja das Leben der Renaissance selber so, daß es gewissermaßen in sich hat den Himmel, von dem es Vorstellungen hat, keine Anschauungen mehr, Vorstellungen, die es sogar künstlerisch wunderbar beleben kann; wir sehen aber darunter sich entwickeln ein instinktives Ausarten des Renaissancelebens. Es ist immerhin ein großartiges, aber eigentlich manchmal schreckhaftes Schauspiel der Weltgeschichte, wie so ein Papst Alexander VI. oder auch Leo X., auf der einen Seite gelehrte, durch und durch gelehrte Menschen sind, wie sie das Höchste von übersinnlichen Welten in ihren Vorstellungen tragen, wie sie aber als Renaissancemenschen das, was menschliche Persönlichkeit ist, nicht erheben können bis in diese geistige Höhe, wie das da unten instinktiv ausartet. Und so sehen wir diese Schreckenskerle, die Renaissancemenschen, auf der einen Seite etwas wie ein höheres tierisches Leben entfalten, und darüber sehen wir sich ausbreiten, den luziferischen Charakter tragend, den Himmel, der in einer auf der einen Seite wunderbaren, auf der anderen Seite eben durchaus luziferischen Theologie vorstellungsgemäß an die Menschen herangebracht worden ist.

[ 19 ] It must be said: There is indeed a strong Luciferic element present in theology and in art as it has been handed down to us from ancient times—that art which, in order to be artistic, must primarily seek the supernatural, which cannot fully descend to the human level. Where it does descend, it appears to us as if it had been thrust down into the instinctive realm in a single leap. For we see Renaissance life itself in such a way that it possesses, as it were, heaven within itself—of which it has ideas, no longer visions, but ideas that it can even bring to life in a wonderfully artistic way; yet we see an instinctive degeneration of Renaissance life developing beneath it. It is, after all, a magnificent—though at times actually terrifying—spectacle of world history to see how a pope such as Alexander VI or Leo X, on the one hand are learned—thoroughly learned—men, carrying within their imaginations the highest aspects of supersensible worlds, yet as Renaissance men, they are unable to elevate what constitutes human personality to these spiritual heights, and thus what lies below instinctively degenerates. And so we see these terrifying figures, these Renaissance men, unfolding on the one hand something like a higher form of animal life, and above that we see spreading out—bearing the Luciferic character—the heaven that has been brought to humanity in a theology that is, on the one hand, wondrous, and on the other, thoroughly Luciferic.

[ 20 ] Damit aber kommen wir auch schon in jene Zeit hinein, in der dann andere Mächte die Menschheitsentwickelung ergriffen, als es diese älteren, engelhaften Wesenheiten waren.

[ 20 ] But this brings us to the time when other powers took charge of human evolution, rather than those older, angelic beings.

[ 21 ] Der Mensch steht ja in der Mitte zwischen dem Reich der Angeloi und dem Reich der Tiere. Seine äußere physische Form war in älteren Zeiten sehr tierähnlich, aber sie war doch beseelt von demjenigen, was ich Ihnen eben jetzt geschildert habe. Ohne irgendeine Ahnung von dem, was auf diesem Gebiete wahr ist, stöbern heute die Geologen, die Paläontologen menschliche Reste aus alten Zeiten auf mit zurückfliehender Stirne, tierähnliche Menschengestalten, und glauben, damit den Menschen an das Tier heranzubringen. Der äußeren physischen Gestalt nach ist das durchaus berechtigt, aber zu je tierischeren Formen wir in der’ alten Zeit zurückkommen, um so mehr sind diese tierischen Formen durchseelt von uralter Weisheit. Und wenn man diese tierähnlichen Formen vor ein paar Jahren in gewissen Gegenden Europas ausgrub und nun mit heutiger Geologie und Paläontologie nur zu sagen weiß: Das sind Menschen mit einem niedrigen Schädel, mit zurückfliehender Stirn, mit vortretenden Augenbrauen, Augenhöhlen -— muß man sagen, wenn man die Wahrheit kennt auf diesem Gebiete: Dieser Mensch, der heute vielleicht so tierähnlich aussieht, der dem äußeren Paläontologen wie ein höher entwickelter Affe erscheint, der war aber voll durchseelt von uralter Weisheit, die eben ein anderes Wesen in ihm hatte. Er nahm nur teil daran.

[ 21 ] Human beings, after all, stand at the center between the realm of the angels and the realm of the animals. In ancient times, their outward physical form was very animal-like, but it was nevertheless animated by what I have just described to you. Without the slightest inkling of what is true in this regard, geologists and paleontologists today unearth human remains from ancient times—with receding foreheads, animal-like human forms—and believe that this brings humans closer to animals. Judging by outward physical appearance, this is entirely justified; but the more animal-like the forms we encounter as we go back in time, the more these animal forms are imbued with ancient wisdom. And when these animal-like forms were excavated a few years ago in certain regions of Europe, and today’s geology and paleontology can only say: “These are humans with low skulls, receding foreheads, protruding eyebrows, and eye sockets”—one must say, if one knows the truth in this field: This human being, who today may look so animal-like, who appears to the superficial paleontologist as a more highly developed ape, was in fact fully imbued with ancient wisdom, which had a different nature within him. He merely participated in it.

[ 22 ] So kann man sagen: Den Menschen erfüllt in alten Zeiten ein Übermenschliches. Er wächst dem immer mehr und mehr entgegen, indem er sich von tierähnlichen Formen heraufentwickelt, bis er eine Art von Übertier wird, das die verschiedenen tierischen Gestalten zusammenfaßt. In diesem Übertier kann sich nun ein Wesen ganz anderer Art als es die gewöhnlichen Engelwesen sind, einleben, ein ahrimanisches Wesen. Und gerade in derselben Zeit, in der zur Tradition abglimmt das Wesen der uralten Weisheit, in der Zeit wird immer mehr und mehr dieser Mensch mächtig, der nun an seine tierische Organisation heranzieht das Verstandeswesen. Und so sehen wir, wie vom 8. vorchristlichen Jahrhundert ab der Mensch zunächst langsam, dann immer weiter und weiter sich heraufentwickelt, indem aus seinem Inneren heraufsprießt eine Art von Übertierwesen, das ahrimanischer Art ist, und das ihn jetzt auch von der anderen Seite her durchseelt.

[ 22 ] Thus one can say: In ancient times, human beings were filled with something superhuman. They grew toward this more and more as they evolved from animal-like forms until they became a kind of super-animal that synthesized the various animal forms. Within this super-animal, a being of a completely different nature than the ordinary angelic beings—an Ahrimanic being—can now take root. And precisely at the same time that the essence of ancient wisdom is fading into tradition, this human being—who is now drawing the intellectual being toward his animal organization—becomes more and more powerful. And so we see how, beginning in the 8th century B.C., human beings develop upward—at first slowly, then further and further—as a kind of super-animal being of an Ahrimanic nature springs forth from within them and now also permeates them from the other side.

[ 23 ] Dieses Wesen, das sich im Menschen gewissermaßen mit dem luziferischen Wesen trifft, dieses Wesen ist, ich möchte sagen, das andere, das den Menschen von seiner reinen Bahn abzubringen trachtet. Man könnte sagen, die luziferischen Wesen sind Zorneswesen, die den Menschen beseelen, aber um ihn eigentlich auf der Erde nicht froh werden zu lassen und ihn immer von der Erde wegzuziehen, um ihn gewissermaßen immerfort ins Übermenschliche hinaufzuziehen. Sie möchten ihn viel mehr als einen Engel haben, der nicht in die niederen Funktionen des physischen Organismus verfällt. Die luziferischen Wesen haben einen argen Zorn auf den auf zwei Beinen auf der Erde herumgehenden Menschen, der mit der Erde durch seine niederen Funktionen verbunden ist; alles Tierischen möchten diese Wesenheiten den Menschen entkleiden, und sie möchten ihn zum Beispiel jetzt in dieser Epoche seines Daseins nicht gern wiederum herunterlassen zur physischen Verkörperung, sie möchten ihn oben erhalten in dem Leben, das zwischen Tod und neuer Geburt verfließt. Dagegen möchte man die anderen, die ahrimanischen Wesenheiten, Schmerzenswesen nennen. Denn eigentlich streben sie nach der menschlichen Gestaltung hin, können sie aber für sich nicht erreichen. Es ist ein furchtbarer Schmerz, den im Grunde genommen diese ahrimanischen Wesen durchmachen. Es ist so, wie wenn das Tier in sich dunkel fühlen würde: Du solltest dich aufrichten, du solltest ein Mensch sein — wie wenn es alles in sich zerreißen möchte. Diesen furchtbaren Schmerz, ihn fühlen eigentlich die ahrimanischen Wesen. Und er kann ihnen nur gelindert werden, wenn sie herankommen an den Menschen und den Verstand erfassen. Da kühlt der Verstand diesen Schmerz ab. Daher verbeißen sie sich in den menschlichen Verstand, krallen sich gewissermaßen mit ihrem ganzen Wesen in ihn ein, knochen sich ein. Das ahrimanische Wesen hat so etwas wie das sich schmerzvolle Durchdringen mit dem menschlichen Verstand. Es möchte sich das ahrimanische Wesen mit dem Menschen vereinen, um zu Verstand zu kommen.

[ 23 ] This being, which, in a sense, encounters the Luciferic being within the human being—this being is, I would say, the other that seeks to lead the human being astray from his pure path. One could say that the Luciferic beings are beings of wrath who inspire human beings, but not in order to actually allow them to find joy on Earth, and who constantly draw them away from the Earth in order to, so to speak, continually lift them up into the superhuman realm. They would much rather have them as angels who do not succumb to the lower functions of the physical organism. The Luciferic beings harbor a fierce anger toward the human being who walks on two legs upon the earth and is bound to the earth through his lower functions; these beings wish to strip humanity of everything animal, and they do not wish, for example, to allow him—now, in this epoch of his existence—to descend once more into physical embodiment; they wish to keep him above in the life that flows between death and new birth. In contrast, one might call the other, Ahrimanic beings “beings of suffering.” For in truth they strive toward the human form, yet cannot attain it for themselves. It is a terrible suffering that these Ahrimanic beings essentially endure. It is as if the animal were to feel deep within itself: “You should rise up, you should be a human being”—as if it wanted to tear everything within itself apart. It is this terrible pain that the Ahrimanic beings actually feel. And it can only be alleviated for them when they approach human beings and grasp the human intellect. There, the intellect cools this pain. That is why they sink their teeth into the human intellect, clawing into it, so to speak, with their entire being, digging themselves in. The Ahrimanic being experiences something like a painful interpenetration with the human intellect. The Ahrimanic being wishes to unite with the human being in order to come to its senses.

[ 24 ] Es ist also der Mensch der Kampfplatz zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Es ist so, daß man sagen kann: Das Luziferische hat die Hand im Spiele bei allem Künstlerischen, bei allem Abstrakt-Theologischen. Das Ahrimanische, das ist etwas wie aus der materiellen Welt Heraufkommendes, durch das Tierreich Durchgegangenes, das schmerzvoll hinstrebt nach dem Menschen, das den Verstand ergreifen will, das aber zurückgestoßen wird im Menschen von dem übermenschlichen Wesen, das immer zurückprallt, aber sich mitnehmen möchte den Verstand. Es ist etwas, was immer wieder und wieder in den Menschen herein will und den Menschen halten möchte beim bloßen Verstande, ihn nicht hinaufkommen lassen möchte bis zur Imagination, Inspiration, weil es das Menschenwesen zur Linderung seiner Qual bei sich behalten möchte.

[ 24 ] Human beings, then, are the battleground between the Luciferic and the Ahrimanic. One can say that the Luciferic is at work in everything artistic and in everything abstractly theological. The Ahrimanic is something that arises from the material world, has passed through the animal kingdom, strives painfully toward the human being, and seeks to seize the intellect—but is repelled within the human being by the superhuman being, which always bounces back yet still seeks to carry the intellect along with it. It is something that seeks to enter the human being again and again and wishes to keep the human being confined to mere intellect, not allowing him to rise to the levels of imagination and inspiration, because it wishes to keep the human being close to itself to alleviate its own torment.

[ 25 ] Alles das, was in der Menschheit sich seit der neueren ahrimanischen Zeit gebildet hat, vorzugsweise als materialistische Wissenschaft, als Wissenschaft, die von diesem sich im Menschen abkühlenden Schmerz des materiellen Daseins kommt, das ist ahrimanischer Natur. Und wir sehen die materialistische Wissenschaft heraufkommen. Der Mensch bildet sie aus. Indem der Mensch sie in sich hegt, verbindet sich Ahriman in ihm mit seiner Wissenschaft. Und so wie insbesondere Luzifer seine Hand im Spiele hat bei dem Künstlerischen, so hat Ahriman seine Hand im Spiele bei dem Ausbilden des Mechanischen, Technischen, dessen, was den Verstand wegziehen möchte vom Menschen, was ihn in die Maschine, sei es in das mechanische Werkzeug, sei es in die Maschinerie des Staatswesens hineinziehen möchte. Nur dadurch ist im wesentlichen möglich geworden, was da in der neueren Menschheit lebt, was da heraufgezogen ist insbesondere seit der Renaissancezeit. Man möchte sagen: Während der Renaissancezeit ist das luziferische Wirken in eine Art von Sackgasse gekommen; das ahrimanische Wirken, das hat sich jenseits der Wand dieser Sackgasse dann angesetzt. Und wir sehen das ganze Treiben, welches seit der Renaissancezeit da ist; das Hintreiben nach Mechanismus, nach geistloser Wissenschaft, sehen wir mit dem ahrimanischen Charakter ablaufen.

[ 25 ] Everything that has taken shape within humanity since the recent Ahrimanic era—primarily as materialistic science, as a science that arises from this cooling pain within the human being caused by material existence—is of an Ahrimanic nature. And we see materialistic science emerging. Human beings develop it. As human beings nurture it within themselves, Ahriman unites with their science. And just as Lucifer, in particular, has a hand in the arts, so does Ahriman have a hand in the development of the mechanical and the technical—that which seeks to draw the intellect away from the human being, to draw it into the machine, be it a mechanical tool or the machinery of the state. It is only through this that what lives in modern humanity—what has emerged especially since the Renaissance—has essentially become possible. One might say: During the Renaissance, the Luciferic activity reached a kind of dead end; the Ahrimanic activity then took hold on the other side of the wall of this dead end. And we see the entire trend that has been present since the Renaissance—the drive toward mechanism and spiritless science—unfolding with an Ahrimanic character.

[ 26 ] Das einzige nun, was möglich ist hineinzubringen in das, was seit der Renaissancezeit heraufgezogen ist, ist die Christus-Auffassung. Was in der neueren Zeit als materialistische Wissenschaft, als industrielle Technik heraufgezogen ist, ist durchaus ahrimanischer Natur, würde, wenn es sich verbreiten könnte ohne Christus-Auffassung, den Menschen an die Erde fesseln. Der Mensch würde nicht hinaufkommen zum Jupiterdasein. Bringen wir aber die Christus- Auffassung, bringen wir ein neues geistiges Leben, bringen wir neuerdings Imagination, Inspiration, Intuition in dasjenige, was nur Erkenntnis der äußeren Welt ist, dann erlösen wir das ahrimanische Wesen. Wie diese Erlösung bildhaft vorgestellt werden kann, ich habe es ja in meinen Mysteriendramen von den mannigfaltigsten Seiten aus dargestellt. Aber es würde ein Überwinden des Menschen durch Ahriman sein, wenn die Christus-Auffassung nicht als eine wirklich durchgeistigte Auffassung, enttheologisiert, sich weiter gestalten könnte. Die materialistische Wissenschaft, der äußere industrielle Mechanismus würden den Menschen dem Erdentod überliefern, das heißt, eine ganz andere Welt zimmern, in der der Mensch mehr oder weniger wie ein Petrifikat fortleben würde zur Erbauung der ahrimanischen Wesenheiten, wenn nicht die Christus-Auffassung das moderne materialistische, das moderne mechanische Wesen wiederum in geistiger Art durchziehen würde.

[ 26 ] The only thing that can now be introduced into what has developed since the Renaissance is the concept of Christ. What has emerged in modern times as materialistic science and industrial technology is thoroughly Ahrimanic in nature; if it were allowed to spread without the concept of Christ, it would bind human beings to the earth. Human beings would not be able to ascend to a Jupiter-like existence. But if we introduce the Christ-concept, if we bring a new spiritual life, if we once again introduce imagination, inspiration, and intuition into what is merely knowledge of the outer world, then we redeem the Ahrimanic nature. I have depicted how this redemption can be visualized from the most varied perspectives in my Mystery Dramas. But it would be a conquest of humanity by Ahriman if the Christ concept could not continue to develop as a truly spiritualized concept, stripped of theology. Materialistic science and the external industrial mechanism would condemn humanity to earthly death—that is, they would construct an entirely different world in which humanity would continue to exist more or less as a petrified entity for the edification of the Ahrimanic beings—if the Christ concept did not, in turn, permeate the modern materialistic and mechanical nature in a spiritual way.

[ 27 ] Wir können also sagen: Luzifer hat seine Hand im Spiele bei allem traditionell Theologischen, bei allem ins Manierhafte, Steife ausartenden Künstlerischen, bei allem Renaissanceartigen; während Ahriman seine Hand im Spiele hat bei allem, was nur äußerliche geistlose Naturwissenschaft ist, die in der Natur nicht den Geist entdecken kann, und bei allem, was äußerlicher Mechanismus im menschlichen Tun ist. Die luziferischen Engelwesen, die sich aus dem traditionellen Leben durchaus auch jetzt noch gerettet haben bis in die Gegenwart, sie haben alles Interesse daran, den Menschen eigentlich abzuhalten vom Tun. Sie möchten den Menschen wenigstens beim inneren Seelenleben erhalten. Der Mensch ist eine Persönlichkeit geworden. Aber diese Engelwesen möchten den Menschen nicht ausströmen lassen in seinen Taten in das Erlebnis, in die Offenbarung seiner Willensimpulse. Sie möchten ihn in innerlicher Beschaulichkeit erhalten. Sie verführen ihn zur Mystik, sie verführen ihn zur falschen Theosophie. Sie verführen ihn dazu, ein bloß innerliches beschauliches Leben zu führen, zu betrachten, statt zu handeln. Sie machen ihn zu einem Sinnierer, der am liebsten den ganzen Tag sitzen möchte und spinnen möchte über allerlei Welträtselfragen, der aber das, was in seinem Geiste lebt, nicht übertragen möchte in die äußere Wirklichkeit. Sie möchten durch rein äußere Beobachtung entstehen lassen, was äußere Wissenschaft ist. Sie lassen gut entstehen solch eine Wissenschaft wie die des Paters Secch:, der ein ausgezeichneter Astrophysiker war, deshalb, weil er beobachten konnte mit Mikroskop und Teleskop, weil er das verzeichnen konnte, und nur daneben etwas hatte, was damit gar nicht zusammenhing: das, was ihm eingegeben war von luziferischen Wesen als eine hohe überirdisch-übermenschliche Weisheit. Indem die luziferischen Wesen diese übermenschlich-überirdische Weisheit pflegen, entreißen sie das Seelisch-Geistige des Menschen dem Erdendasein. Dann verfällt einfach das, was noch so hohe äußere materialistische Wissenschaft ist; das verfällt, das hat keinen inneren Bestand. Es ist ja nicht von realer Geistigkeit durchzogen. Das interessiert sie nicht weiter.

[ 27 ] We can therefore say: Lucifer has a hand in everything traditionally theological, in everything artistic that degenerates into mannerism and rigidity, and in everything Renaissance-like; whereas Ahriman has a hand in everything that is merely external, spiritless natural science—which cannot discover the spirit in nature—and in everything that is external mechanism in human activity. The Luciferic angelic beings, who have managed to preserve themselves from traditional life right up to the present day, have every interest in actually preventing human beings from acting. They would like to preserve human beings at least in their inner soul life. Human beings have become personalities. But these angelic beings do not want to let human beings flow out into their actions, into experience, into the manifestation of their impulses of will. They want to keep them in inner contemplation. They tempt them toward mysticism; they tempt them toward false theosophy. They tempt them to lead a purely inner, contemplative life—to observe rather than to act. They turn him into a daydreamer who would prefer to sit all day and ponder all manner of world-puzzling questions, but who does not wish to translate what lives in his spirit into external reality. They wish to bring about, through purely external observation, what constitutes external science. They readily give rise to a science such as that of Father Secch, who was an excellent astrophysicist precisely because he could observe with a microscope and telescope, because he could record his findings—and alongside this had something that was entirely unrelated to it: that which had been instilled in him by Luciferic beings as a lofty, superhuman, otherworldly wisdom. By cultivating this superhuman, super-earthly wisdom, the Luciferic beings tear the soul-spiritual aspect of the human being away from earthly existence. Then even what is still such a lofty external materialistic science simply decays; it decays because it has no inner substance. After all, it is not permeated by real spirituality. That does not interest them any further.

[ 28 ] Ebenso möchten diese luziferischen Wesenheiten die Kunst möglichst lebenslos, geistlos in dem Sinne haben, daß in die Form nicht Geist einzieht. Sie möchten immer nur Renaissance haben, das, was in alten Zeiten gelebt hat. Sie geben dem Menschen einen Haß ein gegen jede neue Stilform, die aus dem modernen Menschlichen wirklich hervorgehen kann. Sie möchten die alten Stilformen fortpflanzen, weil diese alten Stilformen noch dem Unirdischen, Überirdischen entlehnt sind.

[ 28 ] Likewise, these Luciferic entities want art to be as lifeless and spiritless as possible, in the sense that no spirit enters into the form. They want nothing but the Renaissance—that which was alive in ancient times. They instill in people a hatred of any new stylistic form that can truly emerge from modern humanity. They want to perpetuate the old stylistic forms because these old stylistic forms are still borrowed from the unearthly, the supernatural.

[ 29 ] Das ahrimanische Wesen wiederum möchte es überhaupt nicht zur Vergeistigung, nicht zum Stil kommen lassen, möchte am liebsten nur ganz prosaische Bauten, Nützlichkeitsbauten zum Beispiel aufführen, möchte alles mechanisieren, alles nur in den Dienst des Industriellen stellen, möchte dem Menschen eingeben, nicht zu schätzen noch irgendeine Handarbeit als Kunstgewerbe, sondern möchte nur Modelle liefern, die dann maschinell in unendlichen Exemplaren nachgebildet werden so, wie sich Ahriman selbst in einer unermeßlich großen Zahl von Exemplaren durch das Geheimnis der Zahl in vielen Menschen offenbaren kann.

[ 29 ] The Ahrimanic being, on the other hand, does not want to allow for spiritualization or style at all; it would prefer to erect only entirely prosaic buildings—utility buildings, for example—and wants to mechanize everything, place everything solely at the service of industry, and instill in people the idea that they should not value any kind of handiwork as a craft—but rather, it seeks only to provide models that are then reproduced mechanically in infinite numbers, just as Ahriman himself can reveal himself in an immeasurably large number of instances through the mystery of numbers in many people.

[ 30 ] Der Mensch steht eigentlich in der Gegenwart ganz in diesem Kampfe drinnen. Nur wenn er sich wirklich besinnt auf das, was ihm die echte Christus-Gabe sein kann: eine der heutigen Zeit angemessene anthroposophische Geist-Erkenntnis und Geistesanschauung, wenn er sich darauf besinnt, findet er den Weg durch Innehalten der Gleichgewichtslage zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Er muß sozusagen mit dem Ahrimanischen kämpfen, denn er würde ja sonst dem Luziferischen verfallen müssen. Er darf aber nicht, ohne wachsam zu sein, sich den Strömen Ahrimans hingeben, denn dadurch würde er in eine vollständig mechanische Weltenordnung hineinfallen. Die luziferischen Wesen möchten den Menschen von jeglichem Tun abhalten, ihn zum Sinnierer, zum Mystiker machen, der nach und nach nichts mehr übrig hat für das Erdendasein und deshalb auch dem Erdendasein entzogen werden kann. Die ahrimanischen Wesenheiten möchten den Menschen ganz beim Erdendasein erhalten. Daher möchten sie alles mechanisieren, das heißt, hinunterdrücken ins Mineralreich. Sie würden dadurch die Erde in ihrem Sinne umgestalten, sie nicht hinüberkommen lassen zu dem Jupiterdasein. Sie haben allerdings das Bestreben, dem Menschen nicht das Tun zu rauben, ihn vielmehr so stark tun, wirken, handeln zu lassen, als der Mensch nur kann, aber es soll alles schablonenmäßig verlaufen, es soll alles programmmäßig verlaufen. Ahriman ist der große Enthusiast für alles Programmäßige. Er ist der Inspirator für das ewige Statutenmachen. Wenn Ahriman irgendwo in einem Komitee sieht, wie da Statuten gemacht werden, dann ist er in seinem eigentlichen Elemente: Erstens, zweitens, drittens —, erstens soll das geschehen, zweitens soll das geschehen, drittens hat dieses Mitglied diese Rechte, viertens sollte jenes Mitglied das oder jenes tun. Natürlich fällt es dann dem Mitglied nicht ein, diese Rechte zu respektieren, oder das, was dasteht, irgendwie zu tun. Aber darauf kommt es nicht an zunächst. Wenn die Statuten abgefaßt sind, da kommt es darauf an, den ahrimanischen Geist zu pflegen. Man kann dann hinweisen auf Paragraph soundsoviel.

[ 30 ] In the present day, human beings are actually fully immersed in this struggle. Only when they truly reflect on what the genuine gift of Christ can be for them—an anthroposophical spiritual insight and worldview appropriate to the present age—and when they reflect on this, will they find the path by maintaining a balance between the Luciferic and the Ahrimanic. They must, so to speak, struggle against the Ahrimanic, for otherwise they would inevitably succumb to the Luciferic. But they must not, without remaining vigilant, surrender to the currents of Ahriman, for thereby they would fall into a completely mechanical world order. The Luciferic beings would like to deter human beings from all action, turning them into contemplatives, into mystics, who gradually have no further interest in earthly existence and can therefore be withdrawn from it. The Ahrimanic beings would like to keep human beings entirely within earthly existence. Therefore, they would like to mechanize everything—that is, to push it down into the mineral kingdom. In this way, they would reshape the Earth according to their own conception, preventing it from transitioning to the Jupiter stage of existence. They do, however, strive not to rob human beings of their activity, but rather to let them act, work, and do as much as humanly possible—yet everything is to proceed by the book, everything is to proceed according to a program. Ahriman is the great enthusiast for all that is programmatic. He is the inspiration behind the endless drafting of bylaws. When Ahriman sees a committee somewhere drafting bylaws, he is in his element: First, second, third—first this is to be done, second that is to be done, third this member has these rights, fourth that member should do this or that. Of course, it then doesn’t occur to the member to respect these rights or to do what is written there in any way. But that isn’t what matters at first. Once the bylaws are drafted, what matters is cultivating the Ahrimanic spirit. One can then point to paragraph such-and-such.

[ 31 ] Aber zum Tun dennoch anregen möchte Ahriman, nur soll alles ablaufen in dem schablonenmäßig programmatischen Sinne. Alles soll in Paragraphen gezwängt sein. Der Mensch soll gewissermaßen jeden Morgen auf seiner Bettdecke finden ein Verzeichnis dessen, was er den Tag über zu tun hat, und das soll er mechanisch ausführen, indem er gewissermaßen nur mit den Beinen denkt, nicht mit dem Kopfe. Während Luzifer das Bestreben hat, den Menschen mit dem Kopf denken zu machen und in den Kopf das Herz zu gießen, ist Ahriman bestrebt, den Menschen nur mit den Beinen denken zu machen, alles in die Beine hineinzugießen.

[ 31 ] But Ahriman still wants to inspire people to act; it’s just that everything is supposed to proceed in a formulaic, programmatic manner. Everything is to be crammed into paragraphs. Every morning, so to speak, a person is to find on their bedspread a list of what they have to do throughout the day, and they are to carry this out mechanically, thinking, so to speak, only with their legs, not with their head. While Lucifer strives to make people think with their heads and to pour the heart into the head, Ahriman strives to make people think only with their legs, pouring everything into the legs.

[ 32 ] In diesem Kampfe steht der Mensch schon drinnen; und das, was ich vielleicht in einer mehr bildhaften Form ausspreche, das ist schon im Grunde genommen Inhalt unserer Kultur. Da sehen wir auf der einen Seite diejenigen Menschen, die es als ihr Ideal ansehen, mit untergelegten Beinen wie eine Buddha-Statue sich zum Allerhöchsten sinnierend erheben zu können, in vollständiger Beinlosigkeit, mit einem Aufschwellen des Kopfes in die mystischen Abgründe sich hineinvertiefend. Da sehen wir auf der anderen Seite die abendländischen Menschen, die im Grunde genommen, indem sie gar nicht wissen, wie schnell sie von einem Büro zum anderen, von einem Geschäft zum anderen mit ihren Beinen pendeln müssen, auf uns den Eindruck machen, daß sie eigentlich ganz unnötig auf ihren Schultern auch noch einen Kopf tragen, der ja im Grunde genommen gar nicht dabei ist bei dem, was sie tun. Und es sind das schon die beiden Extreme der Menschheit in der gegenwärtigen Zeit: die einsamen Sinnierer mit zugemachten Augen, damit sie auch das, was sie selber tun, nicht sehen können, und diejenigen, die eigentlich Augen nicht brauchten, weil sie immer an den Beinen etwas haben wie Leinen, Zugleinen, und am Ende der Zugleinen ist Paragraph soundsoviel, und so werden sie wie das Glied eines Mechanismus durch die Welt gezogen.

[ 32 ] Humanity is already embroiled in this struggle; and what I may express in a more figurative way is, at its core, the very essence of our culture. On the one hand, we see those people who regard it as their ideal to be able to rise, with legs crossed like a Buddha statue, to contemplate the Supreme, in a state of complete leglessness, their heads rising as they immerse themselves in the mystical abysses. On the other hand, we see Western people who, essentially—because they have no idea how quickly they must shuttle back and forth on their feet from one office to another, from one store to another—give us the impression that they are actually carrying a head on their shoulders quite unnecessarily, a head that, in essence, isn’t even present in what they’re doing. And these are already the two extremes of humanity in the present age: the lonely musers with their eyes closed, so that they cannot even see what they themselves are doing, and those who actually have no need for eyes, because they always have something attached to their legs—like ropes, pull ropes—and at the end of the pull ropes is “Paragraph So-and-so,” and so they are dragged through the world like a cog in a machine.

[ 33 ] Wir sehen zwar, wie sich zuweilen der moderne Mensch gegen den Ahrimanismus aufbäumt, wie er schimpft gegen die Bürokratie, die ja reiner Ahrimanismus ist, wie er gegen die Schablonisierung des Unterrichtes und so weiter sich aufbäumt — aber in der Regel nur, um etwas tiefer noch in das hineinzufallen, aus dem er heraus möchte.

[ 33 ] We do see, however, how modern people sometimes rebel against Ahrimanism, how they rail against bureaucracy—which is, after all, pure Ahrimanism—and how they rebel against the standardization of education and so on—but as a rule, only to fall even deeper into the very thing from which they wish to escape.

[ 34 ] Heraus aus alldem kann doch nur führen ein Hinlenken der ganzen Gesinnung, der ganzen Seelenverfassung des Menschen zum Geist-Erkennen, zu demjenigen, was wiederum das Vorstellungswesen durchdringt mit realer Geistigkeit, so daß der reale Geist den ganzen Menschen ergreift, nicht bloß den Kopf. Und indem er den ganzen Menschen ergreift, kann er auch das ahrimanische Wesen überwinden, und indem er es überwindet, erlöst er es. Es soll gar nichts gesagt werden gegen das ahrimanische Wesen. Es soll nicht etwa getadelt werden, was sich im Registrieren und im Statutenmachen und im Paragraphenmachen berechtigt auslebt. Aber durchgeistigt soll das alles werden.

[ 34 ] The only way out of all this is to direct the entire mindset, the entire state of the human soul, toward spiritual knowledge—toward that which, in turn, permeates the realm of imagination with true spirituality, so that the true spirit takes hold of the whole human being, not merely the head. And by taking hold of the whole human being, it can also overcome the Ahrimanic being, and by overcoming it, it redeems it. Nothing at all should be said against the Ahrimanic being. There is no reason to reproach that which rightfully expresses itself in record-keeping, in drafting statutes, and in formulating paragraphs. But all of this must be imbued with spirit.

[ 35 ] Wir können ja doch kaum anders in der neueren Zeit, als daß wir ahrimanische Künste treiben, daß wir zum Beispiel stenographieren, daß wir mit der Schreibmaschine schreiben. Das alles sind ja Ahrimanisierungen unserer Kultur im höchsten Maße. Aber indem wir Geistigkeit in unsere Kultur hineinbringen, können wir selbst das, was in einer so bedenklichen Weise ahrimanischer Einfluß ist wie das Stenographieren oder das Schreibmaschinenschreiben, in die Sphäre der Geistigkeit heraufheben, so daß wir Ahriman erlösen. Es ist ja ein solches nur durch eine volle Besonnenheit über das Geistesleben möglich. Derjenige, der heute in materialistischer Gesinnung lebt und stenographiert oder gar Schreibmaschine schreibt, der gerät tief hinein in das ahrimanische Element. Sie sehen, es soll nicht einer Reaktion das Wort geredet werden, es soll nicht verpönt werden die Dämonologie, die da heraufgezogen ist; aber die Dämonen selbst sollen erlöst werden.

[ 35 ] In modern times, we can hardly do anything other than engage in Ahrimanic arts—such as taking shorthand or typing on a typewriter. All of these are, after all, manifestations of Ahriman’s influence on our culture to the highest degree. But by bringing spirituality into our culture, we can elevate even those practices that are so clearly under Ahrimanic influence—such as shorthand or typing—into the sphere of spirituality, thereby redeeming Ahriman. This is possible only through full mindfulness of the spiritual life. Anyone who lives today with a materialistic mindset and uses shorthand or even types on a typewriter becomes deeply entangled in the Ahrimanic element. You see, we are not advocating a reaction; we are not condemning the demonology that has arisen here; but the demons themselves are to be redeemed.

[ 36 ] Das kann sich auch durchaus im einzelnen zeigen. Im Grunde genommen kann man sagen: Was da an ahrimanischen Elementen Platz gegriffen hat in der neueren Zivilisation, das treibt eigentlich nur aus einer gewissen Vorliebe die ahrimanischen Künste. Denn das, was von dieser ahrimanischen Kultur stenographiert oder schreibmaschinengeschrieben wird, das könnte auch ungeschrieben bleiben. Man weiß in der Regel ohnedies schon, was es enthält. Man braucht es im Grunde genommen gar nicht zu fixieren. Der Inhalt ist gleichgültig. Es ist nur die ahrimanische Kunst, die da in Betracht kommt, von einer gewissen Bedeutung. Aber für dasjenige, was geisteswissenschaftlich heraufkommt, für das wird man brauchen können die genaue Fixierung, weil es notwendig ist, sich in einer exakten, genauen Weise auszusprechen. Und dann wird gerade das Ahrimanische dem Geistigen wesentliche Dienste leisten können. So wird man das im einzelnen übersehen.

[ 36 ] This can certainly be seen in specific instances. Essentially, one can say: The Ahrimanic elements that have taken root in modern civilization actually drive the Ahrimanic arts only out of a certain preference. For whatever is transcribed by shorthand or typed by this Ahrimanic culture could just as well remain unwritten. As a rule, one already knows what it contains anyway. There is really no need to record it at all. The content is irrelevant. It is only the Ahrimanic art that comes into consideration here that is of any significance. But for what emerges in the field of spiritual science, precise recording will be necessary, because it is essential to express oneself in an exact and precise manner. And then it is precisely the Ahrimanic that will be able to render essential services to the spiritual. This is how one will come to see it in detail.

[ 37 ] Von ganz besonderer Bedeutung wird aber sein, daß die moderne Geisteswissenschaft die einzelnen menschlichen Wissenschaften durchdringt, daß sie von den geistlosen Naturwissenschaften zu einer wirklichen einheitlichen Geisteswissenschaft kommt, daß die einzelnen Naturwissenschaften, ich möchte sagen, Kapitel sind einer einheitlichen Geisteswissenschaft. Dadurch werden sie entahrimanisiert, und man kommt allmählich durch den richtigen Betrieb der Einzelheiten in diejenige Strömung hinein, die ich heute aus dem luziferisch-ahrimanischen Gegensatze vor Ihnen entwickeln mußte.

[ 37 ] Of particular importance, however, will be that modern spiritual science permeates the individual human sciences, that it moves from the spiritless natural sciences toward a truly unified spiritual science, and that the individual natural sciences are, I might say, chapters of a unified spiritual science. In this way, they will be de-Ahrimanized, and through the proper handling of the details, one will gradually enter into that current which I had to unfold for you today out of the Luciferic-Ahrimanic opposition.

[ 38 ] Glauben Sie nicht, daß es gleichgültig ist, in solche Einzelheiten hineinzuweisen, wie ich das heute getan habe. Es ist schon gut, wenn man sich ein wenig bekannt macht durch solche Bilder, wie ich sie gebraucht habe, mit den heute lebenden luziferischen Menschen mit den untergeschlagenen Buddha-Beinen, und den ahrimanischen Menschen, die als «Hansdampf auf allen Straßen» geschäftig von Kontor zu Kontor laufen, und die eigentlich zu dieser Geschäftigkeit ihren Kopf gar nicht brauchten.

[ 38 ] Do not think that it is unimportant to point out such details as I have done today. It is certainly helpful to become somewhat acquainted, through images such as those I have used, with the Luciferic people living today—those with their legs crossed in the Buddha posture—and the Ahrimanic people who, like “jack-of-all-trades,” bustle busily from office to office, and who, in truth, do not even need their heads for this busyness.

[ 39 ] Es ist vielleicht manchmal angenehmer, diese Dinge in Abstraktionen zu hören als in den konkreten Bildern, aber moderne Geisteswissenschaft, anthroposophische Geisteswissenschaft hat die Aufgabe, ins unmittelbare Leben hineinzuweisen, das unmittelbare Leben auch überall beim rechten Namen zu nennen. Nur dadurch kann eigentlich eine völlig gesunde, konkret zutreffende Anschauung und Seelenverfassung heraufkommen.

[ 39 ] It may sometimes be more pleasant to hear about these things in abstract terms rather than through concrete images, but modern spiritual science—anthroposophical spiritual science—has the task of pointing the way to immediate life and of calling immediate life by its proper name in every context. Only in this way can a completely healthy, concretely accurate perspective and state of mind truly emerge.

[ 40 ] Das ist es, was ich heute hinzufügen wollte zu den Betrachtungen der letzten Wochen. Das nächste Mal werden wir wiederum versuchen, von einer anderen Seite an die Betrachtung des Menschen heranzukommen.

[ 40 ] That is what I wanted to add today to the reflections of the past few weeks. Next time, we will once again try to approach the study of human beings from a different angle.