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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 208

30 October 1921, Dornach

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Siebzehnter Vortrag

Lecture VI

[ 1 ] Wir haben versucht, den Menschen zu betrachten, zusammenhängend mit dem Universum nach seiner Form und nach seinem Leben. Wir haben gesehen, wie der Mensch gewissermaßen nach dem Kopfende und nach dem Gliedmaßenende in verschiedener Weise zugeordnet ist dem Universum. Alle diese Dinge gelten natürlich im wesentlichen für den Zeitraum der menschlichen Entwickelung, in dem wir stehen, der nachatlantischen Zeit, und Sie müssen sich ja klar darüber sein, daß eben das, was gesagt werden kann über Welterscheinungen, immer nur für gewisse Epochen gilt, weil ja die Welt in Entwickelung ist und sich in den aufeinanderfolgenden Stadien ihrer Entwickelung radikal verändert.

[ 1 ] So far we have attempted to see the human being in relation to the universe as regards form and as regards life. We found that human beings relate in different ways to the universe at the head end and at the limb end. All these things essentially hold true for the period of human evolution in which we are today, i.e. the post-Atlantean period, and it has to be understood that anything we are able to say about the phenomena of this world always applies only for specific periods, for the world is in a process of evolution and changes radically from one stage of evolution to the next.

[ 2 ] Wir haben gesehen, wie der Mensch sich in bezug auf die Form gewissermaßen herausreißt aus seinem Zugeordnetsein dem Tierkreise, also gegenüber dem tierischen Kopf, der im Tierkreis drinnen liegt, herausgehoben ist, gewissermaßen um einen rechten Winkel gedreht ist. Dieser Teil des Menschen, dieses Kopfende des Menschen ist ja erfüllt von einem Lebenswesen, das gewissermaßen zu der unorganischen, zu der leblosen Natur hinneigt. Es ist mehr oder weniger an diesem Ende des Menschen untergehendes, ersterbendes Leben. Also wir haben dieses Ende des Menschen so vor uns, daß sowohl die Form wie das Leben selbst nach dieser Seite hin sich aus dem Zusammenhange mit dem Kosmos herausreißt; daß es dadurch, daß es sich herausreißt, sich gewissermaßen in eine Art von Erstarrung, in eine Art von beginnender Leblosigkeit bringt.

[ 2 ] We saw that human beings tear themselves away, as it were, from the relationship to the zodiac. Unlike the animal head, which lies within the zodiac, the human head has been lifted out of it, going through an angle of about 90 degrees. The head end of the human being is fully in a way of life that inclines towards inorganic, lifeless nature. Here life is more or less in decline; it is dying. Both form and life tear themselves away from their connection with the cosmos, and because of this enter into a kind of frozen state, the beginning of lifelessness.

[ 3 ] Nun ist das, was wir so als Menschen an uns tragen, ja im wesentlichen das Ergebnis der vergangenen Entwickelung. Sie brauchen nur zunächst an das Individuelle des Menschen zu denken, und Sie werden sich erinnern, wie ich wiederholt auseinandergesetzt habe, daß das Haupt des Menschen eine Metamorphose des anderen Menschen ist aus dem früheren Lebenslaufe, daß also das Haupt hinweist auf die Vergangenheit, während ja, wie wir betonen mußten, der Gliedmaßenmensch hinweist auf die Zukunft.

[ 3 ] Essentially we are the outcome of previous development in this area. Think of the individual aspect of the human being and the fact that the human head is the metamorphosis of the other person who lived on earth before, and you will recall that the head points to the past, whilst the limbs point to the future.

[ 4 ] Auch sonst weist uns ja gerade dieses Hauptesende des Menschen auf die kosmischen Weiten der Vergangenheit zurück. Wir wissen ja, daß das Haupt der vorzüglichste Träger der Sinnesorgane ist. Wir wissen aber, daß die Sinnesorgane ihre erste Anlage während der alten Saturnzeit erfahren haben. Die ausgebildetsten Sinne — es kommen ja immer auch wiederum Sinnesbildungen nach während der Sonnen- und Mondenzeit —, aber die ausgebildetsten Sinne gehen also in die frühesten Zeiten der kosmischen Erdenentwickelung zurück. Alles also am menschlichen Haupte weist auf die Vergangenheit zurück, und in einer gewissen Beziehung kann man sagen: Indem sich während des Erdendaseins das Mineralreich ausgebildet hat, nimmt das Haupt des Menschen als die älteste Bildung am stärksten an dieser Mineralisierung des Menschen teil. Und indem der Mensch sich noch außerdem aus dem Kosmos herausreißt, konserviert er in einer gewissen Beziehung während seines Lebens zwischen Geburt und Tod diese erstens nicht mehr mit dem Kosmos zusammenhängende Form, zweitens das ersterbende, sich mineralisierende Leben. So daß man sagen kann: Hätte der Mensch sich bewahrt seine tierische Bildung, das heißt mit anderen Worten, wäre sein Haupt in der Tierkreisrichtung drinnen geblieben, wäre in ihm jenes wuchtigere Leben, das im tierischen Haupte drinnen ist, dann würde der Mensch dadurch in seinem Haupte ganz ein Ergebnis seiner Vorzeit sein. Er würde gewissermaßen in seinem Haupte etwas an sich tragen, dem man unmittelbar ansehen würde, wie es sich ergibt aus der ganzen vergangenen kosmischen Entwickelung. Dadurch aber, daß der Mensch das, was er da erhält als Ergebnis der vorhergehenden kosmischen Entwickelung, herausreißt, dadurch zerstört er, vernichtet er in einer gewissen Weise seine kosmische Vergangenheit.

[ 4 ] The head part of the human being also points to the cosmic expanses of the past in another way. As you know, the head is the principal bearer of the sense organs and these had their origin on ancient Saturn. The most highly developed senses—other senses developed on ancient sun and moon—go back to the earliest stages of cosmic earth evolution. Everything connected with the human head therefore points to the past and in some respects it would be right to say: The mineral world evolved in the course of earth existence, and the human head, being the oldest part, is more than any other part involved in this process of mineralization. Tearing themselves away from the cosmos, human beings keep the form that is no longer connected with the cosmos during their life between birth and death, and they also keep the life that is dying and becoming mineralized. We may also say that if human beings had kept the animal form, that is, if their heads had maintained the orientation given by the zodiac and therefore the weightier life that is to be found in the animal head, they would be entirely the outcome of earlier times in their heads. The head would have something that would immediately make it apparent that it has arisen out of the whole past cosmic evolution. By tearing the head away from this, human beings are in a way destroying their cosmic past.

[ 5 ] Und das ist etwas außerordentlich Wichtiges, daß wir durch diejenigen Zusammenhänge, die wir gestern und vorgestern vor unsere Seele geführt haben, erkennen, wie der Mensch in seiner Hauptesbildung im Grunde genommen seine kosmische Vergangenheit vernichtet. Es ist so, daß der Mensch innerhalb seines Hauptes in der Tat noch hinausgeht über den eigentlichen Mineralisierungsprozeß zu einer Art außerordentlich feinen Verteilung der Materie. Es durchdringen ja selbstverständlich die organischen Gebilde auch das Haupt. Dadurch ist eingebettet in das Organische diese eigentlich noch über die mineralische Stufe hinausgehende Zerstäubung des materiellen Lebens.

[ 5 ] It is tremendously important that we consider the things that were presented yesterday and the day before and realize that in the development of the head human beings essentially destroy their cosmic past. In fact, they go beyond the actual mineralization process, entering into a process in which matter is finely dispersed to an extraordinary degree. Organic forms are of course also to be found in the head, and embedded in the organic element is a process in which matter is reduced to dust to a degree that actually goes beyond the mineral level. Fig. 18.

human head
Fig. 18

[ 6 ] Wenn man in richtiger Weise das Haupt des Menschen ins Auge faßt, so muß man sagen: Es ist dieses Haupt der Herd eines die Materie als solche vernichtenden Prozesses. Das Materielle wird vernichtet, und dadurch gerade wird das Haupt als solches der Träger des besonderen seelischen Lebens. Man kann nur sagen: der Träger des besonderen seelischen Lebens, denn gerade mit Bezug auf die menschliche Hauptesbildung ist die materialistische Anschauung durchaus falsch, so wie sie gewöhnlich auftritt. Indem durch die Anwesenheit des menschlichen Hauptes im Organismus der Mensch der Träger des Gedankenlebens wird, des Vorstellungslebens, beruht dieses ganze Vorstellungsleben darauf, daß eigentlich das materielle Leben zerstäubt. Dadurch aber, daß das materielle Leben zerstäubt, findet ein merkwürdiger Prozeß statt, den ich Ihnen durch ein Bild vor die Seele führen möchte.

[ 6 ] If we look at the human head in the right way we have to say it is the focus of a process in which matter as such is reduced to nothing and it is this which makes it the bearer of a distinct inner life. The generally accepted materialistic view is entirely wrong when it comes to the form of the human head. Thanks to the head being part of the organism, human beings have a life of thoughts and ideas. This becomes possible because the material life is reduced to dust in a strange process which you may be able to picture as follows.

[ 7 ] Denken Sie sich einmal — wie gesagt, es ist ein Bild, aber es wird Ihnen den sehr subtilen Vorgang, mit dem wir es da zu tun haben, doch etwas vor die Seele rücken —, denken Sie sich einmal ein Gemälde, meinetwillen die Raffaelsche Madonna. Wir haben natürlich, sonst würde das Gemälde in der physischen Welt nicht vorhanden sein können, das, was wir auf der Tafel haben, materiell. Nun denken Sie sich aber, das Materielle der Sixtinischen Madonna würde ganz zerstäubt werden, zu Staub zerfallen, und es würde doch ein feines ätherisches Gewebe bleiben können. Also die Sixtinische Madonna würde materiell zerstäuben, aber alles das, was in dieser Materie gemalt ist, auch mit seiner Farbentingierung, das würde ätherisch verbleiben, und jemand, der das ätherisch wahrnehmen könnte, würde, trotzdem das Materielle jede Bedeutung verliert, er würde wahrnehmen können, was als ätherisches Gebilde zurückbleibt.

[ 7 ] Imagine—as I said, it is a picture, but it will give you some idea of the extremely subtle process involved—imagine, then, a painting, Raphael’s Sistine Madonna, for example. For the painting to exist in this world, it is necessary for it to have physical substance. Imagine that the physical substance falls to dust, but a fine etheric tissue would remain. So now the Sistine Madonna has turned into dust, but everything that was painted by using physical paints, including the nuances of colour, continues to exist in etheric form and someone with etheric perception would be able to perceive the etheric form that remains.

[ 8 ] So ist der Denkvorgang, so ist der Vorgang in der Gedankenbildung. Wenn Sie sich bewußt werden im gewöhnlichen Bewußtsein eines Gedankens, einer Vorstellung, so beruht dieses Bewußtwerden der Vorstellung, des Gedankens darauf, daß durch das Herausgehen aus dem ganzen Kosmos, wie wir das gestern und vorgestern gesehen haben, das Materielle jede Bedeutung verliert, der Mensch fortwährend genötigt ist, sein Haupt gewissermaßen neu zu beleben, weil alle Einzelheiten des Hauptes fortwährend im Zerfall, im Ersterben sind. Und während dieses Ersterbens hebt sich das Ätherische des Hauptes heraus (siehe Zeichnung Seite 103, rot außen), und dieses Herausheben des Atherischen des Hauptes bedeutet das Fassen von Gedanken. Indem gewissermaßen abstäubt das Materielle und das Ätherische bleibt, wird sich der Mensch bewußt seiner Vorstellung.

[ 8 ] That is what the thinking process is like, the process of forming ideas. When we become conscious of a thought or an idea, this is due to the fact that because the head has been taken out of the wholeness of the cosmos, as we have seen yesterday and the day before, matter loses all significance and human beings face the constant need to let their heads come alive again because they are always disintegrating, and dying in every detail. The etheric aspect of their heads lifts out of it in the process (Fig. 18, red line on the outside) and thoughts evolve. Matter turns to dust and falls away, as it were, and the etheric remains and that is how people become aware of their ideas.

[ 9 ] Erinnern Sie sich, daß ich gesagt habe: In den Sinnen ist schon mehr oder weniger etwas wie ein physikalischer Apparat vorhanden. Das Auge ist ein physikalischer Apparat, ist eben nur von dem Ätherleib des Menschen durchwebt. Da ist es schon so, wie ich es jetzt beschreibe für das übrige Haupt, für das Nervengewebe. So daß wir folgendes sagen können — ich bitte Sie, diesen Satz, den ich jetzt aussprechen werde, recht genau ins Auge zu fassen: In den Sinnen, also namentlich in den Hauptessinnen, ist abgesondertes ätherisches Wesen während der Wahrnehmung webend. — Also insofern wir in den Sinnen leben, haben wir eine Art freien ätherischen Prozesses, der sich abspielt in der Sinnensphäre.

[ 9 ] You’ll remember me saying that in the senses we already have something of a physical apparatus. The eye is a physical apparatus, except that the human ether body is active in it. There it already is the way I am now also going to describe for the rest of the head, for nerve tissue. Please take careful note of what I am going to say now. In the senses, and especially in the senses connected with the head, a separate etheric principle is active in the process of perception. In the sphere of the senses, therefore, we have a kind of independent etheric process.

[ 10 ] Nehmen Sie das Auge. Es ist ein physikalischer Apparat, aber es ist durchzogen von dem Ätherischen. Und in diesem Durchziehen eines Unorganischen, eines solchen, welches fortwährend zerfallen will, das eigentlich ein Mechanisches, man möchte sagen, ein Untermechanisches darstellt, in dem lebt frei das ätherische Wesen. So ist es für die Sinnesregion.

[ 10 ] Take the eye. It is a physical apparatus, but the etheric is active in it. Independent etheric life is to be found in an organ that is all the time tending to disintegrate and is really a mechanical, if not sub-mechanical, object. This is the situation in the sphere of the senses.

[ 11 ] Für die Nervenregion, die ja die Fortsetzung der Sinnesregion nach innen ist, ist es so, daß zwar die Nervenregion inniger verbunden hat den Ätherleib mit der Materie, aber fortwährend will unser gesamtes Nervenleben Sinnesleben werden. Also stellen Sie sich vor: Sie sehen, sagen wir, irgendeine farbige Fläche. Da haben Sie zunächst die Sinneswahrnehmung. Da ist es so, daß der Ätherleib frei webt. Indem Sie jetzt absehen von der Sinneswahrnehmung und sich dem Nervenleben überlassen, wird das ganze Nervenwesen Sinneswesen: da ist die Vorstellung in Ihrem Bewußtsein anwesend. Man möchte sagen: Insofern der Mensch Nervenmensch ist, wird er in der Vorstellung durch und durch Sinneswesen.

[ 11 ] In the sphere of the nerves, which is an inward continuation of the sphere of the senses, the situation is such that the ether body is more closely bound up with the physical substance, but the whole of our life of the nerves wants all the time to become life of the senses. Imagine, therefore, that you are seeing a coloured surface. The ether body moves independently in this process of sensory perception. If you now leave this process aside and give yourself up to the life of the nerves, the whole sphere of the nerves becomes sphere of the senses and you have a idea of the coloured surface in your mind. We may say that in so far as human beings are nerve human beings, they become entirely sphere of the senses in their mental images or ideas.

[ 12 ] Dann kommt die Reaktion. Die Sinne, sie sind nach dem Physikalischen hin orientiert. Die vertragen ein fortwährendes Aufnehmen. Der Organismus der Nerven, der nimmt auf in sich, was ihm die Sinne darbieten. Er gestaltet sich um zum Sinneswesen. Aber damit ertötet er sich. Er würde ganz Auge oder ganz Ohr oder so etwas werden. Damit er das nicht wird, durchdringt ihn wiederum das Vitalprinzip, das Lebensprinzip aus dem übrigen Organismus. Der Mensch läßt gewissermaßen die Vorstellung hinschwinden. So daß wir sagen können: Nach dem Kopfende hin vernichtet der Mensch seine Vergangenheit. Dadurch wird er als Nerven-Sinnesmensch der Träger von Bildern, hat er ein Bild-Erleben; ein Bild-Erleben, das im Ätherischen webt.

[ 12 ] Now comes the reaction. The senses are geared towards the physical and are able to take things in continually. The organism of the nerves takes in what the senses present to it. It changes into sphere of the senses and in doing so it partly dies. It seeks to become all eye, or all ear, for instance. To prevent this happening, the vital principle, the principle of life, enters from the rest of the organism and pervades it and the human individual lets the idea go, as it were.

[ 13 ] Sie sehen, man kann, wenn man geisteswissenschaftlich-anthroposophisch vorgeht, dieses Gedankenleben, wie es im Bewußtsein urständet, durchaus beschreiben. Und es ist notwendig, daß man zur Anthroposophie greift, um dieses Leben der Gedanken im Bewußtsein zu beschreiben.

[ 13 ] To sum up, we may say that towards the head end, human beings destroy their past. They thus become human beings with nerves and senses that hold images and they have a living experience of images that moves in the etheric realm. You see if we base ourselves on the spiritual science of anthroposophy it is perfectly possible to describe the life of ideas that arises in the conscious mind.

[ 14 ] Wir können also sagen: Indem der Mensch das Kopfende der Form nach entwickelt, entwickelt er es in dem Sinne, daß er für die heutige Zeit ausgesetzt ist den Einwirkungen jener Kräfte, die sich im Kosmos entwickeln, wenn die Sonne im Zeichen der Fische, des Widders, des Stiers und so weiter steht; aber der Mensch hebt seinen Kopf der Form nach heraus. Dadurch wird er nicht tierischer Kopf, sondern er wendet sich, dieser Mensch, man möchte sagen, in die Menschenvertikale, während das Tier im Tierkreis stehenbleibt.

[ 14 ] As human beings develop their head end with regard to form, they do so in a way that in the present age exposes them to the influence of forces that evolve in the cosmos when the sun is in the Fishes, the Ram, the Bull, and so on, but they lift their heads out of this, as far as the form is concerned. The result is that the head does not become an animal head but assumes what we may call the “human vertical”, whilst the animal remains within the zodiac.

[ 15 ] Wenn wir das Leben betrachten, so können wir sagen: Nach dem Kopfende zu entwickelt sich das Leben unter der Einwirkung der äußeren Planeten, des Saturn und Jupiter, wie wir gestern gesehen haben. Aber der Mensch hebt heraus dieses sein Leben, und folgendes geschieht: Würden sie durch die Sonne niemals bedeckt — erinnern Sie sich an das, was ich gestern auseinandergesetzt habe in bezug auf Saturn und Jupiter —, dann würde das ganze Nervenleben immer mehr Sinnesleben werden. Der Mensch würde durchaus die Augenempfindung haben, aber sie würde sich ins Nervenleben fortsetzen; er würde die Gehörempfindung haben, sie würde sich ins Nervenleben fortsetzen — es würde im Nervenleben chaotisch-unorganisch durcheinanderschießen das Sinnesleben der zwölf Sinne. Dadurch, daß nun diese äußersten Planeten bedeckt werden, dadurch wird das Nervenleben aus dem Sinnesleben herausgerissen, und der Mensch ist in der Lage, eben sich so zu verhalten, wie ich gesagt habe, daß er im Vorstellungsleben bewußt willkürlich wirkt, daß er gewissermaßen Sinn wird, sich wiederum entsinnt, indem er die Vorstellungen willkürlich unterdrükken kann und so weiter.

[ 15 ] With regard to life we are able to say that towards the head end, life evolves under the influence of the outer planets Saturn and Jupiter, as we saw yesterday. But human beings lift their life out of this, and thus the following happens: If those planets were never blocked out by the sun, the whole life of the nerves would increasingly become life of the senses. People would perceive with their eyes, or their ears, but this would continue on into the life of nerves. The life of the twelve senses would be in total, inorganic chaos in their life of nerves. Due to the fact that those outermost planets are blocked out, the life of nerves is torn out of the life of senses, and human beings are able to be conscious and act with deliberation in the life of ideas—entering into sensory function and leaving it again by deliberately suppressing ideas, and so on.

[ 16 ] So daß wir sagen können: In den Sinnen ist abgesondertes ätherisches Wesen während der Wahrnehmung webend. In dem Nervenorganismus ist dem Leibe verbundenes, abgeschwächtes Sinnenleben webend. — Das Ganze bekommt einen Bildcharakter, weil das, was bewirken würde, daß man es nicht mit einem Bildcharakter zu tun hätte, sondern mit einem materiellen Charakter, vernichtet wird durch das Herausgehen des Menschen in die Menschenvertikale, während das Tier im Tierkreise drinnen bleibt. Das Tier hat eben nur Traumvorstellungen, nicht Bildvorstellungen, wie sie der Mensch hat. Und Traumvorstellungen sind etwas, was hervorsprießt aus dem Vitalprinzip des Organismus, während die Bildvorstellungen rein herausgehoben sind ins freie ätherische Leben, das nicht mehr mit dem physischen Leib verbunden ist. Es muß durchaus betont werden, daß durch die Organisation des Menschen, durch das Herausheben seines Kopfendes aus den Tierkreisbildern und aus dem Planetenweben, daß dadurch im Menschen ein freies ätherisches Leben nach dem Kopfende hin entsteht; daß dieses freie ätherische Leben in dem Kopf dann erst von dem astralischen Leib durchzogen ist, von dem Ich durchzogen ist, die dadurch teilnehmen an dem Gedanken- und Vorstellungsweben des ätherischen Leibes.

[ 16 ] Thus an independent etheric principle is active in the senses during sensory perception and a reduced life of senses that is bound to the physical body is active in the nerve organism. The whole has image quality because by going into the vertical human beings destroy the principle that would give them not image quality but the quality of physical substance. Animals remain within the zodiac and have only dream images and not the conscious images that human beings have. Dream images grow out of the vital principle of the organism; conscious images are lifted up into an etheric life that has become independent of the physical body. It is important to realize that human beings develop an independent etheric life towards the head end because they raise that part out of both the zodiac and the movements of the planets. Then the astral body and the I enter into the independent etheric life and are able to take part in the thought and idea activity of the ether body.

[ 17 ] Dieses kann uns schon zeigen, wie man das Seelische dann erfaßt, wenn man weiß, wodurch eben das Gedankenleben im Menschen ein Seelisches ist, das heißt, nicht teilnimmt an dem materiellen Leben.

[ 17 ] We thus see that the nature of the soul principle can be understood if we know that human thought life has soul quality, that is, it does not take part in material life.

[ 18 ] Gehen wir nun weiter. Wir haben gezeigt — wir wollen den anderen Pol betrachten —, wie der Mensch nach der anderen Seite hin sich der Form und dem Leben nach entwickelt. Wir haben gesehen, vorgestern, wie der Mensch seine äußere Tätigkeit als Gliedmaßenmensch entwickelt. Ich habe Ihnen gezeigt, wie der Mensch — und wir mußten dazu noch zu den griechischen Zuständen zurückblicken — als Jäger, als Tierzüchter, als Ackerbauer, als die Meere befahrender Handelsmann sich betätigt. In dieser menschlichen Betätigung verharrt der Mensch dann aber dadurch, daß er sich entzieht der Einwirkung der entsprechenden Fixstern-Tierkreisbilder. Das Tier bleibt durchaus unter der Einwirkung des Schützen, des Steinbocks, des Wassermanns, der Fische. Dadurch bilden sich die Tiere in ihrer Form so aus, daß sie sich hinordnen auf das Irdische, bilden sich so aus, wie sie sind. Studiert man den Tierkreis, so kann man erkennen, warum die Tiere in einer gewissen Weise ihr Gliedmaßensystem ausgebildet haben. Der Mensch bildet sein Gliedmaßensystem so aus, daß er eshinordnet auf das Irdische, wenn diese Tierkreisbilder eben unter dem Irdischen sind, wenn die Erde für einige Zeit dort im Tierkreis auf der nördlichen Hemisphäre ist. Es sind dadurch auch geographisch die Erdteile in verschiedener Weise bewohnbar. Der Mensch kann aber, was er an einem Orte ausbildet, auf einen anderen übertragen. Das, was hier entwickelt wird, muß natürlich für die älteren Zeiten gelten; für die heutigen vermischen sich die verschiedenen Menschenformen auf der Erde, und man hat, wenn man heute Geographie studiert, nicht mehr ein reines Bild von dem, was der Mensch im Zusammenhange mit dem Makrokosmos ist. Der Mensch reißt sich also da auf eine andere Art heraus aus der Tierkreislinie. Er bringt sich gewissermaßen nach der anderen Seite hin in die Menschenvertikale, in die Menschensenkrechte. Und während er voll ausgesetzt bleibt sowohl der Form nach den Tierkreisbildern, wie auch den äußeren Planeten in bezug auf sein Hauptesende, entzieht er sich sowohl der planetarischen Einwirkung wie auch der Tierkreiseinwirkung, indem er auf der Erde steht und sich die andere Seite zudecken läßt von der Erde. Saturn und Jupiter wirken auf den Menschen, indem sie ihr Licht auf die Erde herabstrahlen. Der Mensch, der in seinem Hauptesende ein Bildesleben hat, empfängt auch die Bilder dieser Sternwelten, ebenso wie er die Bilder der planetarischen Bewegungen empfängt, indem er sein Lebenswesen nach dem Hauptesende zu entwickelt. Er entwickelt da ein Bildleben und nimmt auch vom Kosmos, vom Makrokosmos die Bilder auf.

[ 18 ] We have seen how human beings develop with regard to both form and life at the other extreme. The day before yesterday we saw that human beings become active in the world through their limbs; going back to ancient Greek times we saw how they became hunters, animal breeders, tillers of the soil and traders who sailed the oceans. Human beings continue in these activities by withdrawing from the influence of the relevant images in the zodiac. Animals remain fully under the influence of Archer, Goat, Water Carrier and Fishes and therefore develop forms that relate to the earth. A study of the zodiac will show why animal limbs have developed in a particular way. Human beings develop their system of limbs in such a way that they relate it to the earth when those zodiacal images are beneath the earth, when the earth is at that point in the zodiac in the northern hemisphere for a time. This is also why the geography of the earth offers different living conditions. Human beings are however able to transfer something they have developed in one place to another. I am speaking of things that apply to earlier times; today the different human forms mingle on the globe and the study of geography will no longer give a real idea of the way human beings relate to the macrocosm. Here, then, human beings tear themselves away from the line of the zodiac in a different way, entering into the “human vertical” in the opposite direction. They remain fully exposed to the constellations of the zodiac with regard to form and to the outer planets with regard to the head, but withdraw from both influences by standing on the earth and letting the earth cover up the other side. Saturn and Jupiter influence human beings by letting their light shine on the earth. Living in images in their heads, human beings also receive the images of those starry worlds, just as they receive images of the planetary movements by developing the principle of life towards the head end. Images from the cosmos, the macrocosm, are taken up into the life of images that human beings develop.

[ 19 ] Von der anderen Seite nimmt er die Bilder nicht auf. Daher entstehen jene Formen, die ich vorgestern gezeigt habe, die die Gliedmaßen sind, die entgegengesetzten Formen von den Hauptesformen. Und er entwickelt aber auch Tätigkeiten, die sich entziehen dem makrokosmischen Einfluß, die diesen makrokosmischen Einfluß nicht herankommen lassen.

[ 19 ] At the other end, images are taken up and thus the forms develop that I showed you the day before yesterday—the limbs, forms that are the opposite of those seen in the head. Human beings also develop activities that are beyond the influence of the macrocosm, that do not allow those influences to enter.

[ 20 ] Nun ist es so, daß, wenn wir sagen können, daß der Mensch seinem Kopfende nach seine Vergangenheit vernichtet, so ist das Entgegengesetzte der Fall nach dem Gliedmaßenende hin. Würde der Mensch auf einer durchsichtigen Erde stehen, so daß auch von der anderen Seite Tierkreis und Planetenbewegung auf ihn wirken könnten, dann würde er erstens nicht selbständige, freie Taten entfalten können. Er würde unter dem Einflusse des Planetarischen und des Fixsternlebens stehen. Nur dadurch, daß ihm die Erde dieses Planetarische und Fixsternleben zudeckt, kommt er zu der freien Entfaltung seiner Tätigkeit. Aber er würde außerdem, wenn er ihm voll ausgesetzt wäre gerade mit seiner besonderen Lebenszeit, mit seinem sich immer wiederholenden Erdenleben, in seinem Gliedmaßensystem ein verholzendes Leben, ein sich stark verhärtetes Leben entwickeln. Er würde ja die Materie nicht zerstäuben können, sondern die organische Materie würde vor der Ausreifung verhornen. Der Mensch würde eigentlich nur Gliedmaßen haben, die in ganz anderer Weise noch wie die Hufe der Pferde oder Rinder verhornt wären bis weit an den Leib heran. Der Mensch ist dieser Verhornung dadurch entzogen, daß er sich heraushebt aus dem Tierkreise.

[ 20 ] At the head end, therefore, human beings destroy their past. The opposite is the case at the limb end. If we stood on a transparent earth so that both zodiac and planetary movements could influence us from the other side as well, we would not be able to act freely and independently but only under the influence of the life of the planets and fixed stars. Freedom of action is only possible because the earth blocks out the life of the planets and fixed stars. Furthermore, if we were fully exposed to them, then in view of the special nature of the human life span, with repeated earth lives, the life of our limbs would grow wooden, it would harden in itself. We would be unable to let matter fall to dust, and our organic substance would become cornified (horn-like) before it matured. Human limbs would be cornified in a way that is utterly different from the hoofs of horses or cows—almost all the way up. We are protected from this horny development because as human beings we are lifted out of the zodiac.

[ 21 ] Dadurch aber findet der entgegengesetzte Prozeß statt wie nach dem Hauptesende. Nach dem Hauptesende wird die Vergangenheit vernichtet, die Materie zerstäubt. Nach dem Gliedmaßenende entwickelt sich der Mensch so, daß er die Materie nicht zur vollen kosmischen Reife gelangen läßt. Sie bleibt zurück. Er hält sie zurück. Wir haben nur dadurch Finger, wir haben nur dadurch Zehen, daß wir unsere Gliedmaßen nicht auswachsen lassen. Würden wir sie auswachsen lassen, so wären sie nicht nur mit Nägeln besetzt, sondern sie wären ganz versteift, verhornt. Wir halten sie also auf einer früheren Stufe zurück. Dadurch, daß wir unsere Gliedmaßen so zurückhalten, dadurch können wir in ihnen den Willen entwickeln, der dann die Anlage ist für die folgenden Erdenleben. Würden wir den Menschen als Gliedmaßenmenschen ausreifen lassen, dann würde mit unserem einen Erdenleben das Leben abschließen. Wir bewahren das, was in die Zukunft hinübergeht, dadurch, daß wir unseren Gliedmaßenmenschen nicht voll ausreifen lassen. Es ist also hier das Gegenteil der Fall: Während nach dem Gedankenende hin das seelische Leben ein Bildleben wird, bleibt in der Tat, wenn ich mich grob ausdrücken darf, nach dem Gliedmaßenende hin das Leben fleischlich materiell, organisch materiell jung, möchte ich sagen. Es wird nicht alt, es verhornt nicht, es bleibt jung. Dadurch, daß es jung bleibt, kann dann das Materielle abfallen, und das Bild des Jungen geht hinüber durch den Tod in das folgende Erdenleben. Da drinnen kann sich der Wille dann entwickeln. Da ist das Willensende. So daß wir sagen können: Das Willensende des Menschen ist nicht zu Ende gekommene organische Bildung. — Können wir hier (am Kopfende) vom Bild sprechen, so müssen wir da von etwas anderem sprechen. Was ist denn eine nicht zu Ende gekommene organische Bildung? Ein Keim. Denn der Keim kann sich weiter entwickeln. Während wir am Kopfende etwas haben wie eine Austernschale, wie etwas, was als Materie sich abgesondert hat und reine Materie ist, haben wir nach dem Gliedmaßenende etwas wie Keime. Hier (oben) können wir sagen: Wir erleben seelisch das reine Ätherische, das Bild. Hier (unten) erleben wir nicht das Bild, sondern wir erleben keimendes Leben. (Siehe Darstellung Seite 112.) Hier erleben wir Verbundensein oben mit der Materie. Deshalb können wir auch unsere Gliedmaßen bewegen, weil wir mit der Materie verbunden sind. Am Kopf kann der Mensch nicht viel bewegen, höchstens insofern seine Sinne zu Glied maßen umgebildet sind und der Mensch auch am Kopf Gliedmaßen mensch ist. Es durchdringt sich ja alles, jedes einzelne Glied durch dringt die anderen. In gewissem Sinne sind die Augen auch Hand, in sofern sie sich bewegen können. Aber nicht vieles ist beweglich am Kopf, der Kopf ist zumeist unbeweglich, und der willkürlichen Bewegung sind vor allen Dingen, sagen wir, die Gehirnlappen und der gleichen entzogen. Aber auch am Außenhaupte ist wenig beweglich, und es ist schon eine Seltenheit, wenn der Mensch gewisse Ohrmuskeln bewegen kann; er kann damit schon außerordentlich brillieren.

[ 21 ] The process which results from this is the opposite of the process of reducing to dust in the head, where the past is destroyed and matter turns to dust. Development of the limb end is such that matter is not allowed to reach full cosmic maturity. It is held back. We have fingers and toes because we do not allow our limbs to reach their full growth potential. If they did, we would not just have nails but our arms and legs would be completely stiffened and cornified. By holding our limbs back we are able to develop the will in them, and this provides the basis for future lives on earth. If we allowed the limb person to reach full maturity, life would consist of one life on earth only. We preserve the basis for our future by not letting the limb person grow to maturity. Thus we have a complete contrast: When it goes in the direction of thought, our inner life becomes a life in images; when it goes in the direction of our limbs, life becomes material, it is flesh and organic matter—“young”, I’d say. It does not cornify and grow old and because of this it is possible for the flesh to fall away and the image of youth to go through death and into the next life on earth. There (Fig. 19) the will is able to develop, and we may say that the “will-end” of the human being is organic development not taken to its conclusion. At the head end we were able to speak of image quality, and here we must speak of something else. Organic development not taken to its conclusion remains germinal, an embryo capable of further development. At the head end we have something like an oyster shell, pure matter that has been secreted out. At the limb end we have something that is embryonic. Here (above) we can say we have living inner experience of a purely etheric principle—the image. Here (below) we live not in the image but in germinal life and we know ourselves to be bound up with matter, which is also why we are able to move our limbs. We do not have much physical movement in the head, except in so far as our senses are transformed into limbs, so that in the head, too, we are human beings with limbs. One thing is also always to be found in the other, that is a basic principle. In a sense our eyes are also hands, in so far as they are able to move. Nevertheless, the head is largely immobile, and the lobes of the brain and similar structures in particular are incapable of voluntary movement. Even the outside of the head does not show much mobility; it is quite rare even for people to be able to move certain ear muscles; if they can, it provides them with an excellent opportunity for showing off.

[ 22 ] Dieses Erleben in der Materie läßt das Bewußtsein nicht aufkommen. Dadurch aber sind wir in der Lage, den Willen eben zu entwikkeln. So daß wir hier (oben) die Materie vernichten, hier (unten) aber behalten wir, wenn die Materie von uns abfällt im Tode, Keime zurück als Kraft für die nächsten Erdenleben.

[ 22 ] Life experienced in organic substance does not allow conscious awareness to arise and this makes it possible for us to develop the will. (Up) here, then, we destroy physical matter, and (down) here we retain, in embryo, the powers for our next life on earth when physical substance falls away from us at death.

[ 23 ] Was dazwischen liegt, wir haben es gestern bezeichnet auf der einen Seite als das Atmungswesen, wenn wir auf das Leben sehen, oder das Zirkulationswesen. Wir haben dann gesehen, wie das zugeteilt ist als Form demjenigen, was da liegt zwischen den oberen Tierkreisbildern und den unteren Tierkreisbildern.

[ 23 ] Between the two lie the life of breathing and the life of circulation, as we called them yesterday. We also saw that with regard to form this area relates to the constellations of the zodiac that lie between the upper and the lower ones.

[ 24 ] Wenn Sie also für die heutige Zeit den Fixsternhimmel sich in folIinks gender Weise repräsentiert denken: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische — dann würden wir diese vier Tierkreisbilder (Fische, Widder, Stier, Zwillinge, siehe Zeichnung) dem Haupte zuzuteilen haben, und unter ihrer Einwirkung wird das Haupt im Sinne derjenigen Planetenbewegungen, die über der Erde sind, mit einem ersterbenden Leben ausgerüstet. So daß das Haupt ein Bild-Erleben hat, ein Vorstellungserleben als Seelisches. Die anderen vier entgegengesetzten Zeichen für das Heutige — für das Griechische wäre es etwas anders — wären dann Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze. Und wir hätten dann für den rhythmischen Menschen das, was dazwischen liegt, wie wir vom planetarischen Leben den Mars und den Merkur als die Zwischenlage haben, die dazwischen liegenden Planeten haben. Da, können wir sagen, ist der Mensch so, daß er zwischen dem Bilde und dem Keime drinnen hin- und herpendelt. Das Atmungs-Blutleben zeigt Ihnen ja das, ich möchte sagen, wie in einem äußeren Bilde wunderbar. Der Mensch nimmt den belebenden Sauerstoff auf, der mit seinem Gliedmaßenorganismus, mit allem Beweglichen in ihm verbunden ist. Er verbindet den Sauerstoff mit dem Kohlenstoff. Der Kohlenstoff wirkt zuerst anregend als das Ertötende auf das Nerven-Sinnesleben, dann wird er ausgestoßen als das Ersterbende. Da haben wir fortwährend schon materiell das äußerste Leben im Sauerstoff, den äußersten Tod im Kohlenstoff: ErsterbenBeleben, Ersterben-Beleben. Es schwingt das Leben zwischen Ersterben und Beleben hin und her.

[ 24 ] If we consider the present-day fixed stars to be Ram, Bull, Twins, Crab, Lion, Virgin, Scales, Scorpion, Archer, Goat, Water Carrier and Fishes, we need to relate these four (Fishes, Ram, Bull, Twins) to the head. Under their influence and in accord with the planetary movements that are above the earth, the head is given a dying life that offers experience of life in images, an inner life of ideas. The four opposite constellations—it would have been slightly different in ancient Greece—would be Virgin, Scales, Scorpion and Archer. The constellations that lie between the upper and lower ones would relate to the rhythmical aspect of the human being, just as in planetary life Mars and Mercury hold a middle position. Here, we may say, the human being swings to and fro between image and embryo. The life of breathing and of the blood illustrates this quite beautifully. We take in oxygen which gives life and is connected with the limb organism and with everything that is mobile in us. We combine the oxygen with carbon, a substance that initially has a stimulant effect on the life of the nerves and senses, bringing in an element of death, and is then cast out as a dying element. Here we have in physical, material terms the continuous contrast of extreme life in oxygen and extreme death in carbon: dying and enlivening, dying and enlivening. Life swings to and fro between these extremes.

zodiac
Fig. 19

[ 25 ] Seelisch ist das aber so, daß wir innerlich etwas erleben, was auf der einen Seite, wie noch das Gedankenleben, rein ätherisch ist; aber der Ätherleib erfaßt gewisse Gebilde, Drüsengebilde. Diese Drüsen sondern Materie ab. Es ist das, was körperlich so vor sich geht, daß der Ätherleib auf die Drüsen wirkt. Die Drüsen verbinden sich nicht so wie etwa die Muskeln — die dann vorzugsweise dem Gliedmaßenorganismus angehören — mit dem ätherischen Leben, sondern indem das Atherleben die Drüsen ergreift, sondert die Drüse Materie ab. Es ist also ein nicht vollständiges Zusammenschmelzen des ätherischen Lebens mit dem materiellen Leben. Es ist der Übergang. Es ist ein Ergreifen der Materie, aber zugleich ein Sich-Wehren der Materie, ein Absondern der Materie. Wenn Sie den Muskel studieren, den Knochen studieren, was zum Gliedmaßensystem gehört, dann haben Sie das so, daß die Materie streng — am meisten beim Knochen — ergriffen wird von dem Ätherleib des Menschen. Da zerstäubt nichts, da bleibt alles frisch-lebendig. Da wird die Materie unmittelbar ergriffen von dem Ätherleib des Menschen. Im Haupte wird nichts ergriffen von der Materie, sondern indem das Haupt sich entwickelt, zerstäubt die Materie. Das freie ätherische Weben entwickelt sich als Gedankenleben. Indem der Ätherleib die Drüsen ergreift, verbindet er sich zwar mit den Drüsen, aber die leiden ihn nicht; der Muskel leidet ihn. Der Muskel nimmt den Ätherleib auf. Die Drüse leidet ihn nicht; sie sondert sogleich Materie ab, treibt den Äther gleich wieder heraus. Das ist, seelisch, das Gefühlsleben.

[ 25 ] At the level of soul life it is like this: we have inward experience of something that on the one hand is still purely etheric, like the life of thoughts; but the ether body takes hold of certain glandular structures and these glands secrete matter. At the physical level, therefore, the ether body acts on the glands. Glands do not make a connection with etheric life, the way muscles do—which are essentially part of the limb organism but secrete matter when etheric life takes hold of them. Etheric life and physical, material life therefore do not fuse completely, and we have a stage of transition. Matter is taken hold of but it also resists and is secreted out. If you study muscles and bones, the elements of the limb system, you find that matter is rigorously taken hold of by the human ether body, most of all in the bones. Nothing falls to dust and is dispersed, everything stays fresh and alive. In the head, none of the matter is taken hold of, but as the head develops, matter falls to dust. Unbound, etheric activity develops to become the life of thought. When the ether body takes hold of the glands, it unites with them but they resist. Muscle tolerates the ether body and take it into itself. Glands do not tolerate it; they immediately secrete matter and drive out the ether. At the soul level this is the life of feeling.

life of feeling
Fig. 20

[ 26 ] So daß wir jetzt wirklich beschreiben können, wie das Gedankenleben vor sich geht. Das Gedankenleben geht so vor sich, daß die Materie nicht in Anspruch genommen wird, daß es nur bis zu dem Ätherischen herankommt und das Bewußtsein in diesem Ätherischen lebt. Das Gefühlsleben geht so vor sich, daß der Ätherleib das Drüsenleben ergreift, aber das Drüsenleben leidet ihn nicht. Während aber der Ätherleib in das Drüsenleben hinein verschwindet, bevor die eigentliche Absonderung sich geltend macht, da hat der Mensch seinen Ätherleib nicht, da verschwindet ihm sein Ätherleib in die Drüsen hinein. Er erlebt sich daher nur in seinem Ich und in seinem astralischen Leib. Und so ist es beim Gefühl.

[ 26 ] We can now get a real idea of the life of thought. Matter is not put to use, it only goes as far as the etheric, and conscious awareness lives in this etheric element. In the life of feeling, the ether body takes hold of glandular life, which does not tolerate it. Yet for the time that the ether body vanishes into glandular life, before secretion actually comes into effect, human beings are without their ether body, which has vanished into the glands. At that point they find themselves only in their I and astral body, and that is how it is when we feel.

Vorstellung: Ätherleib, Astralleib, Ich
Gefühlswesen: Astralleib, Ich
Willensleben: Ich

idea—ether body, astral body, I
realm of feeling—astral body, I
life of will—I

[ 27 ] Wenn wir also die Vorstellungen des Gedankenlebens haben: abgestoßen wird da das Leben des physischen Leibes, der Mensch erlebt sich im Ätherleib, im astralischen Leib, im Ich — im menschlichen Haupt ist das Ich, das durchwebt den astralischen Leib, das durchwebt den Ätherleib, stößt das Physische aus; dadurch erlebt das Ich mit Hilfe des astralischen Leibes im Ätherleib die Gedanken, das Denken.

[ 27 ] If we take the ideas that come in the life of thought—the life of the physical body is cast off; human beings experience themselves in ether body, astral body and I. In the human head the I is active in the astral and the ether bodies and rejects the physical element; the I is thus able, with the aid of the astral body, to experience thoughts, thinking, in the ether body.

[ 28 ] Das Gefühlswesen: Da wird dem Menschen der Ätherleib genommen, indem der Ätherleib die Drüse ergreift; so lange bis die Drüse voll abgesondert hat, ist nun der Ätherleib dem Menschen entzogen. Er steckt drinnen im physischen Leib. Da hat der Mensch zu seinem inneren bewußten Erleben nur den Astralleib und das Ich. Das erlebt er gefühlsmäßig-traumhaft, weil er ja untertaucht in den physischen Leib.

[ 28 ] In the realm of feeling human beings have the ether body taken away from them when it takes hold of glandular life; it is withdrawn from them until the gland has taken the secretory activity to its conclusion. The ether body is therefore in the physical body and human beings have only the astral body and I available for conscious inner life. Experience is at the level of feelings and dream-like in quality, because we enter into the physical body.

[ 29 ] Nun kommen wir zum Willensleben. Da ist es wirklich so, daß der Mensch mit seinem ätherischen Leibe ganz untertaucht in die organische Materie. Aber im wachenden Zustand nimmt der ätherische Leib den astralischen Leib mit. Dadurch ist ja der Mensch imstande, die Bewegung auszuführen. Er nimmt den astralischen Leib mit in die Materie hinein. Da ist auch der astralische Leib dem Menschen entzogen, und der Mensch erlebt im Bewußtsein nur das Ich.

[ 29 ] In their life of will, human beings enter completely into organic matter with the ether body. When we are awake, the ether body takes the astral body with it, and this enables us to move our limbs. The astral body is also taken into matter and is therefore withdrawn from us so that we have conscious awareness only of the I.

[ 30 ] Sie sehen, wir finden einen vollständigen Zusammenhang zwischen dem seelischen Leben und dem leiblichen Leben. Wir müssen nur aus anthroposophischer Erkenntnis heraus uns klar sein, wie Ich, astralischer Leib, Ätherleib teilnehmen an dem physischen Leib, dann merken wir den Unterschied zwischen dem seelischen Gedankenleben, dem seelischen Gefühlsleben, dem seelischen Willensleben und finden, daß das seelische Gedankenleben im ersterbenden Organismusteil ist, der sich aus der oberen Fixsternwelt und der oberen planetarischen Welt herausgerissen hat, das Vergangene zerstäubt und dadurch zum BildErleben wird. Wir finden, daß in der mittleren Region, im rhythmischen Menschen, der Mensch auf der einen Seite miterleben kann das Vergangene, deshalb auch den Makrokosmos, der sich aus der Vergangenheit heraus ja gebildet hat; aber dadurch, daß ein fortwährendes Rhythmisches stattfindet, entweder ein rhythmisches Verbinden des Sauerstoffs mit dem Kohlenstoff oder aber ein Ergreifen der Drüsen und Absondern der Drüsen, reagiert der Mensch darauf. In dem Ergriffenwerden und Ergreifen des makrokosmischen Lebens des Menschen, in der Absonderung reagiert der Mikrokosmos, der einzelne Mensch, darauf. Der Mensch lebt im Rhythmus nicht nur innerlich; er lebt im Rhythmus mit der Welt, er öffnet sich der Welt, nimmt sie in sich zurück. Der Mensch nimmt die Welt in sich herein, ist halb ein individuelles Wesen und pendelt rhythmisch hin und her zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos. Das ist das Leben und Weben im Gefühl. Und man kann sogar ganz genau sehen, wie das MateriellPhysische des Organismus mit dem Seelisch-Geistigen zusammenwirkt. Im Willensleben ist es so, daß das Materiell-Physische am meisten ergriffen wird, daß da der Mensch am meisten bloß Mikrokosmos ist, daß er sich völlig entzieht in seiner Tätigkeit der makrokosmischen Tätigkeit.

[ 30 ] Thus we find that the inner life and the physical life are related at every level. Basing ourselves on the science of the spirit we merely need to have a clear picture of the way in which I, astral body and ether body are involved in the physical body and we perceive the difference between the inner life of thought, the inner life of feeling and the inner life of will. We find that the inner life of thought is in the dying part of the organism which has torn itself away from the upper part of the world of the fixed stars and the upper world of the planets, and become a life in images by reducing the past to dust. We find that in the middle, or rhythmical region we are able to share in life relating to the past and therefore also to the macrocosm, which has evolved out of the past; yet we also react to this because there is a continuous rhythmical element—on the one hand the rhythm of oxygen combining with carbon, and on the other that of glands being taken hold of and responding with secretion. When the macrocosmic life in us is taken hold of and takes hold, the microcosm, that is, the individual human being, reacts. We live in rhythm not only inside ourselves but with the world; we open up to the cosmos and take it back into ourselves. We are half-way individual beings and move rhythmically to and fro between macrocosm and microcosm, and this is where we are alive and active in our feelings. Here we can see exactly how the physical, material aspect of the organism interacts with the element of soul and spirit. In the life of the will, physical matter is most strongly taken hold of and this is where we are most of all mere microcosm, withdrawing entirely from macrocosmic activity in becoming active ourselves.

[ 31 ] Lebt er auf der nördlichen Halbkugel, so entzieht er sich eben in unserer Weise den übrigen Fixsternen und übrigen Planeten; auf der südlichen Halbkugel in ähnlicher Weise, das Ganze dreht sich ja herum, und auf diese Weise ist der Mensch als Gliedmaßenmensch, indem er als solcher lebt zwischen Geburt und Tod, ganz Mikrokosmos, hat eine Welt für sich, die deshalb sich selber auch in eine Zukunft hinübertragen kann. Jetzt entwickelt er das jüngste Glied des Seelenlebens, den Willen, der noch ganz der Stütze des physischen Leibes bedarf, der nur das Ich zu sich selber kommen läßt, während astralischer Leib und Ätherleib in dem physischen Leib untergehen.

[ 31 ] Living in the northern hemisphere, we withdraw from the other fixed stars and planets in our own way; people living in the southern hemisphere do the same in a similar way, and the whole does, of course, rotate. In our limbs we are therefore entirely microcosm between birth and death, in a world of our own which therefore is also able to take itself forward into a future. We are today developing the will as the youngest element in the inner life. This is still entirely dependent on the physical body for support; it allows only the I to find to itself, with the astral body and the ether body caught up in the physical body.

[ 32 ] Niemand wird das Seelenleben begreifen, der es nicht in einer solchen Weise begreifen kann, daß er unterscheiden kann zwischen Ich, astralischem Leib und ätherischem Leib; denn niemals wird irgend jemandem begreiflich erscheinen können das Gedankenleben, das Gefühlsleben oder das Willensleben, ohne daß die Sache so innerlich konkret erfaßt wird. Weist man diese Erfassung in der heutigen Zeit zurück, was kommt dann zustande?

[ 32 ] We shall never understand the inner life unless we are able to differentiate between I, astral body and ether body. Anyone who does not have a real, inner grasp of these will never be able to understand the life of thought, the life of feeling and the life of will. What happens when people refuse to grasp this reality today?

[ 33 ] Dann kommt das zustande, daß die offiziellen Vertreter sich hinstellen und den Leuten erzählen: Eigentlich kann man über das Seelische nichts wissen, aber dennoch, man muß aus gewissen Erscheinungen annehmen, daß es so ein Seelenartiges, ein «Psychoid» gibt. Man stellt sich dann hin und erklärt, wie der Descartes und der Spinoza sich bemüht haben, darauf zu kommen, wie die Wechselwirkung ist, aber man bleibt bei dem Abstrakten stehen: auf der einen Seite der Körper, auf der anderen Seite die Seele. Da kommt man niemals hinein, weil im Gedankenleben die Seele mit dem Leib anders zusammenwirkt als im Gefühlsleben und als im Willensleben, und weil man dieses Zusammenwirken nicht verstehen kann, wenn man das ganze Seelenleben einfach durcheinanderwirft und von einem «Psychoid» spricht, statt daß man sich einläßt auf diese Konfiguration, auf diese Konkretisierung des Lebens in Ich, astralischen Leib und Ätherleib. Es ist heute ein furchtbares, möchte man sagen, Ablehnen der Wahrheit vorhanden, dafür aber dann ein bloßes Stammeln und ein Bekämpfen teilweise des Fechnerismus, auf der anderen Seite ein Reden von «Psychoid». Das ist gerade so, wie wenn einer verzichten würde, den Menschen anzuschauen und vom «Anthropoid» reden würde, weil er vermeiden möchte, vom Anthropos zu reden. Im Grunde genommen ist solche Wissenschaft eben nicht Anthroposophie, sondern Anthropoid-Sophie, Psychoidologie.

[ 33 ] What happens is that people who carry some authority stand there and tell people that it is not really possible to know anything about the inner life, though certain phenomena suggest that something exists that has soul quality, which they call “psychoid”. Giving an explanation of the way Descartes15René, Descartes (1596–1650), French philosopher and mathematician. and Spinoza16Baruch Spinoza (1632–77), Dutch-Jewish philosopher and theologian. endeavoured to discover the nature of this interaction, they are unable to be anything but abstract—the body on one side, the soul on the other. It will never be possible to get at the truth in this way, because the relationship between soul and body is different in the life of thought, the life of feeling and the life of will. People will not get to the truth if they insist on making one big muddle of the whole inner life and talk of a “psychoid” element rather than giving real consideration to the way the I, astral body and ether body are related in real life. It is as if someone were to refuse to look at the real human being and talk about an “anthropoid” in order to avoid speaking of the anthropos17Anthropos, Greek for “human being”. That kind of science is anthropoid-sophy rather than anthroposophy; it is psychoidology.

[ 34 ] Wenn man wirklich eingeht auf das seelisch-geistige Leben, dann kann man in allen Einzelheiten hinweisen auf das, was die Leute «Wechselwirkung» und so weiter nennen. Man bekommt dann tatsächliche Vorstellungen von den Dingen, und man muß auch nicht bloß, ich möchte sagen, anatomisch so hübsch hinlegen, was man aus der Leber herausschneidet, und was man aus dem Gehirn herausschneidet und es als abstrakte Gewebe nebeneinanderlegen, sondern man muß wissen, wie der Mensch am Kopfende in anderer Weise sich zu dem ganzen Makrokosmos verhält als am Gliedmaßenende. Am Kopfende zerstäubt er ihn, da vernichtet er die Vergangenheit. Am Gliedmaßenende läßt er seine Wachstumstendenz nicht zu Ende kommen, er bleibt Keim.

[ 34 ] If we give real consideration to the life of soul and spirit, we can give full detail of the “interactions” and so on, as people call them. There will be no need to cut out bits of the liver, or the brain, and present them neatly as abstract tissues, the way anatomists do. Instead we must know that the relationship of the human being to the cosmos is different at the head end and the limb end. At the head end we reduce it to dust, destroying the past. At the limb end we do not allow growth to reach its full potential but remain embryonic.

[ 35 ] Am schrecklichsten ist es, wenn mit Ausschluß einer wirklichkeitsgemäßen Anschauung die Leute dann herumspekulieren über das Wesen des Leibes sowohl wie über das Wesen des Geistig-Seelischen, und dann im Grunde genommen in altabgebrauchten Worten reden, die sie zu «oiden» machen, und eigentlich das, um was es sich handelt, gar nicht ergreifen. Es gibt Leute, die heute gar nicht einmal mehr eine Ahnung davon haben, wie man vom Worte zu einem Begriff kommt. So zum Beispiel werden jetzt in Deutschland überall in den freireligiösen Gemeinden und in den monistischen Gemeinden, die eigentlich beide Vereinigungen sind, die da leben von dem Abwaschwasser der materialistischen Naturwissenschaft der sechziger und siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts, da werden überall Vorträge veranstaltet von einem Menschen, Arthur Drews heißt er, der eigentlich so konstituiert ist: Er hat einmal Hartmannsche Philosophie studiert — er tänzelte ja immer in seinen Jugendjahren um Hartmann herum —, aber von dieser Hartmannschen Philosophie im Grunde genommen nur die Worte aufgenommen. Diese Worte sind in seinem Kopfe wie das Spiel von automatischen Dingen, da rollt es herum, und er hat keine Ahnung davon, wie man von dem Worte zu irgendeinem Begriff kommt. Und mit diesen aus der Hartmannschen Philosophie in seinem Kopfe automatenhaft herumwirbelnden Worten kritisiert er die Anthroposophie.

[ 35 ] The worst thing is when people leave truth aside and speculate on the nature of the physical body as well as of soul and spirit. Using worn-out old words and making them into -oids, they fail to grasp the real truth. There are people nowadays who have no notion of how to get from a word to a concept. Someone called Arthur Drews18Arthur Drews (1865–1935), a professor of philosophy who gave a number of lectures against anthroposophy in the autumn of 1921. See his Metaphysik und Anthroposophie, Berlin 1922, esp. the chapter on perception of the supersensible. has been giving lectures to non-conformist religious and monist congregations in Germany today, both of which live on the dregs of the materialistic science that goes back to the 1860s and 70s. He has studied Hartmann’s philosophy19Eduard von Hartmann (1842–1906), German philosopher—as a young man he would always dance attendance on him—but he really only took in the words, which roll about in his head like the balls in a pin-ball machine, and he has no idea of how to get from word to concept. And he uses these words from Hartmann’s philosophy, words that whizz around in his head as if in a pinball machine, to criticize anthroposophy!

[ 36 ] Das sind die Früchte der gegenwärtigen Zivilisation, die Früchte der gegenwärtigen Bildung, die es durchaus ablehnen will, sich wirklich einzulassen darauf, wie man eine Einsicht bekommen kann in den Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos, so daß man des Menschen Form und des Menschen Leben aus dem Kosmos heraus beschreibt und auch begreift, wie das besondere Herausreißen des Menschen aus dem Kosmos eben bewirkt, daß er auf der einen Seite in einem ersterbenden Leben das bildhafte Vorstellungs-Seelenwesen entwickeln kann, auf der anderen Seite in einem keimhaft bleibenden Leben das willensartige Element des Seelischen entwickeln kann.

[ 36 ] Those are the fruits of education in our modern civilization, where people refuse to give serious consideration to the methods available for gaining real insight into the relationship between human being and cosmos. These enable us to describe the human form and human life on the basis of the cosmos and to understand that because human beings are specifically torn away from the cosmos they have dying life at one end, which enables them to develop an inner life of ideas based on images, and a life that remains embryonic at the other extreme, which allows the will element to develop.

[ 37 ] Diese Dinge klingen ja eigentlich denjenigen, die heute offiziell Wissenschaft treiben, als etwas, was sie nicht verstehen können. Man sollte eigentlich darauf verzichten, daß diejenigen, die einmal in der offiziellen Wissenschaft ein bestimmtes Alter erreicht haben, in der Regel ich sage natürlich: in der Regel — sich noch hineinfinden können in so etwas, denn sie haben ja alle Begriffe und damit alle Wirklichkeit aus ihrem Wortkaleidoskop im Grunde genommen verloren. Denn solche Vorträge über Psychoide sind für den, der die Wirklichkeit durchschaut, im Grunde genommen nichts anderes als Wortkaleidoskope; was da über Descartes, über Spinoza und so weiter bis zu Fechner herauf auseinandergesetzt wird, das hat eigentlich keinen inneren Zusammenhang, das sind Wortkaleidoskope. Denn was diesen Wortfetzen, die da kaleidoskopartig durcheinanderwurlen, -wellen, was denen einen inneren Sinn geben könnte, das ist eben die Einsicht in Ich, astralischen Leib, Ätherleib und so weiter. Es tut einem ja fast leid, daß man über die Gegenwart so sprechen muß; aber es muß eben gerade da, wo es sich um das sogenannte Geistesleben handelt, über diese Gegenwart so gesprochen werden. Die Philosophen haben sich nicht mehr zurechtgefunden, weil sie schon vor einigen Dezennien aus den Worten die Begriffe verloren haben. Jetzt ist man darauf gekommen, daß man an die philosophischen Lehrkanzeln Naturgelehrte im heutigen Stil beruft. Die müssen dann Philosophie tradieren. Bei Mach hat es angefangen, und einer der hauptsächlichsten Repräsentanten dieser Sorte ist heute der Driesch. Weil die Philosophen allen Inhalt ihres Kopfes schon verloren haben, die Naturforscher wenigstens noch die äußere Sinnesbeobachtung haben, hat man die Naturforscher an die philosophischen Lehrkanzeln berufen. Über Philosophie reden sie ja natürlich noch inhaltloser als die Philosophen. Die Philosophen haben wenigstens noch die Worte gehabt. Aber eine merkwürdige Entwickelung hat sich schon zugetragen. Man hat es erlebt, daß zunächst die noch inhaltsvolle Philosophie von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollständig verduftet ist in den Worthelden, sagen wir von der Sorte eines Kuno Fischer. Aber in der Kuno-Fischer-Zeit haben noch Philosophen an den Lehrkanzeln gelehrt. Innerer Gehalt war in dieser Philosophie nicht mehr.

[ 37 ] These things sound incomprehensible to the people involved in the official science of today, and as a rule—not always but as a rule—we cannot expect them to gain access to them, for essentially they have lost all real understanding with their kaleidoscope of words. For anyone who knows the real situation, those lectures about psychoids are essentially no more than word kaleidoscopes; the things said about Descartes, Spinoza and so on, right up to Fechner,20Gustav Theodor Fechner (1801–87), German philosopher and psychologist. have no inner connection and are kaleidoscopes of words. The scraps of words that whirl around in confusion can only gain inner meaning through insight into I, astral body, ether body, and so on. It seems a pity that one has to talk about the present time like this; but when it comes to the “intellectual life”, as it is called, we have to speak about the present age like this. The philosophers have no longer been able to get their bearings because decades ago their words have lost all meaning. The latest thing is to appoint modern scientists as professors of philosophy. They are asked to hand down philosophy. It started with Mach,21Ernst Mach (1839–1916) Austrian physicist and philosopher. and today Driesch22Hans Driesch (1867–1914), German zoologist and philosopher. is one of the main representatives of the species. Scientists are being appointed as professors of philosophy because the philosophers no longer have anything meaningful to say, whilst scientists at least still have the faculty of external observation. What they say about philosophy is, of course, even more empty of meaning than the things said by philosophers, who at least still had the words. This really has been a strange development. We have seen philosophy, which still had meaningful content in the first half of the 19th century, evaporate completely in the wordy works of someone like Kuno Fischer,23Ernst Kuno Fischer (1824–1907), German philosopher who wrote a major history of modern philosophy, books on logic and metaphysics and on Kant, Descartes, Goethe, Lessing and Schiller. for instance. But in his day the chairs of philosophy were still held by philosophers, even if their philosophy no longer had inner meaning.

[ 38 ] Aber was eben notwendig ist, das ist durchaus, daß wir diesen Zusammenhang durchschauen, daß wir uns darüber klar sind, daß wenigstens einige Menschen in der Welt da sein müssen, die all das Geflunker von den Psychoiden durchschauen und die wissen, wie stark wir in der Dekadenz drinnenstecken gerade in bezug auf unsere gelehrte Bildung. Man kann nicht stark genug dieses wissen; und ich glaube, es ist gut, wenn Sie sich vertiefen in das, was ich versuchte, in diesen drei Vorträgen vor Ihre Seele hinzustellen, nämlich wie der Mensch auf der einen Seite durch seine äußere Form, durch sein Leben, anzuknüpfen schien an das Universum, aber sich von dem Universum nach beiden Seiten hin lossagt, um nur als rhythmischer Mensch im Rhythmus des Universums aufzugehen; lossagt, um auf der einen Seite das Gedankenleben als Bildleben, also in Freiheit von der Materie zu entwickeln, nach der anderen Seite hin das Willensleben so zu entwickeln, daß er die Materie im Keime erhält, so daß sie nicht schon die starre Form, die ihr von dem Makrokosmos aufgezwungen werden kann, annimmt, damit der Mensch an diesem Ende sich noch beweglich erhält und von der Erde zum Jupiter-, Venus- und Vulkandasein hinüber sich entwickle, damit der Mensch in beweglicher Form sich erhalte, um sich hinüber zu entwickeln.

[ 38 ] It is absolutely necessary that we realize this clearly and that there are at least a few people in the world who see through all the glitter of those “psychoids” and know that we are deeply in decadence, particularly in the field of academics. You can’t know this strongly enough, and I think it will be good for you to enter deeply into the things I have tried to put before you in these three lectures. We have seen that on the one hand man appeared to be connected with the universe in outer form and in the way of life, but that he has renounced the universe at the head end and at the limb end, so that we are only wholly given up to the rhythm of the universe in so far as we are rhythmical human beings; renounced in order to develop the life of thoughts as life in images, that is, independent of physical matter, at one end, and at the other end to develop the life of will by keeping matter at an embryonic level, not letting it assume the rigid form that the macrocosm is able to impose. The limb end is thus kept mobile and has the potential to evolve and progress from earth to existence on Jupiter, Venus and Vulcan.

[ 39 ] Wenn Sie dieses zusammenhalten, dann werden Sie sehen, wie tatsächlich das, was in der Anthroposophie als Erkenntnis auftritt, ergreifen will erstens das Wahrheitsgefühl des Menschen, zweitens das ästhetische Gefühl, wenn Sie studieren den Menschen als Form, so wie sich die Form herausergibt aus dem Makrokosmos, und drittens auch nach der Richtung des Guten und des religiösen Lebens. Es wird Ihnen gerade aus diesen drei Vorträgen hervorgehen können, mit welcher tiefen Berechtigung oftmals hier in Kursen und sonst ausgesprochen worden ist, daß gesucht werden muß eine Synthese, eine Vereinigung, eine Harmonie von Religion, Kunst und Wissenschaft. Aber eine Vereinigung von Religion, Kunst und Wissenschaft erlangt man nicht, ohne daß man sich aufschwingt zu einer wirklichen Kosmologie, welche uns klarlegt, was der Mensch nach Form und Leben ist.

[ 39 ] Hold on to these things and you can see that the insight gained in anthroposophy really wants to take hold first of all of our sense of truth, secondly of our sense of aesthetics—when you study the human form as it arises out of the macrocosm—and thirdly also in the direction of what is good and of religious life. These three lectures are particularly able to show the profound justification of the statement that has been made so many times here, in courses and also on other occasions, that we must look for a synthesis, bringing together in harmony religion, art and science. This cannot be achieved unless we come to a genuine cosmology which clearly shows the reality of the human form and of human life.

[ 40 ] Was wir weiter brauchen, ist eine Freiheitslehre in bezug auf das Seelische, welche uns darlegt, was der Mensch ist dadurch, daß er sich losreißt von dem Makrokosmos nach seinen zwei Enden hin, nach seinen zwei Polen hin. Und auf der anderen Seite braucht man die Erkenntnis dessen, was der Mensch in Freiheit entwickelt nach der Weltenzukunft, nach dem, was die Erde im Makrokosmos ablösen wird. Das entwickelt dann tief religiöse Empfindungen, Gefühle.

[ 40 ] Something else we need is a theory of independent activity in the inner life, a theory that shows us the true nature of man, who has torn himself away from the cosmos at either end. And we also need to know the qualities which human beings develop independently, relating to future worlds which will take the place of the earth within the macrocosm. This will lead to deeply religious inner responses and feelings.

[ 41 ] Damit der Mensch zu einem wirklichen Aufstieg unserer Kultur kommt, braucht er erstens eine Kosmologie, welche den Menschen selbst umfaßt, die den Menschen nicht, wie unsere heutige Kosmologie, links liegen läßt. Man braucht eine Freiheitslehre, und man braucht eine Ethik, welche imstande ist zu zeigen, wie das in ihr veranlagte Gute der Keim zu Welten ist. Man braucht eine Ethik, die Realität in sich enthält, nicht bloße abstrakte Werte, sondern Werte, die in sich die Kraft haben, sich zu realisieren. Kosmologie, Freiheitslehre, Ethik sind dasjenige, was der Mensch braucht zum Aufstieg.

[ 41 ] If human civilization is to show true progress we need a cosmology that includes the human being and does not leave humanity aside the way our present-day cosmology does. We also need a theory of independent activity and we need ethics that are able to show that the potential for good which they hold is the seed for worlds. We need ethics that have reality, their values not abstract but having the power in them to come to realization. Cosmology, a theory of independent activity and ethics—these are the things humanity will need to be able to rise to something higher.