Anthroposophie als Kosmosophie
Erster Teil
Wesenszüge des Menschen im irdischen und kosmischen Bereich
GA 205
12 November 1921, Dornach
Einundzwanzigster Vortrag
[ 1 ] Wir haben in den letzten Betrachtungen den Menschen von den allerverschiedensten Seiten aus angesehen, und alle diese Auseinandersetzungen haben ja zuletzt das Ziel, die komplizierte menschliche Wesenheit immer besser kennenzulernen, vor allen Dingen die Weltstellung des Menschen. |
[ 2 ] Nun wollen wir uns einmal zunächst an ein Einfachstes erinnern, das uns bekannt ist von den Elementen her: an die Tatsache, daß die menschliche Wesenheit, so wie sie vor uns im gegenwärtigen Weltenzyklus steht, wirksam an sich hat eben die vier Glieder des physischen Leibes, des ätherischen Leibes, des astralischen Leibes und des Ich. Und wir wollen uns einmal vor die Seele stellen, wodurch für den hauptsächlichsten Anblick, möchte ich sagen, diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit sich offenbaren. Da müssen wir denn doch sagen, daß das Ich sich vorzugsweise offenbart durch alles das, was willensmäßig aus dem Menschen heraus kommt. Wenn der Mensch im Schlafe ist, so ruht ja, wie Sie wissen, vorzugsweise der Wille. Das heißt aber mit anderen Worten: das Willensmäßige drückt sich nicht aus durch die physische Organisation. Das Ich ist dann, wie wir wissen, außerhalb des physischen Leibes. Wir sehen gewissermaßen an dem Sichnicht-Ausdrücken des Willensmäßigen dieses Nichtvorhandensein des Ich im physischen Leibe des Menschen.
[ 3 ] Das, was wir den astralischen Leib genannt haben, drückt sich für die unmittelbare Beobachtung des Menschen namentlich aus durch das Gefühlsmäßige, durch alles Gefühlsmäßige. Auch der astralische Leib des Menschen ist, wie wir wissen, im Schlafe außerhalb des physischen Menschen. Auch das Gefühlsmäßige ist ja während des Schlafes in das Dämmerdunkel des Bewußtseins hinübergerückt. Da das Bewußtsein im Schlafe überhaupt schweigt, kann man zunächst im Zweifel darüber sein, was sich nun eigentlich offenbart durch den physischen Leib und durch den ätherischen Leib. Wollen wir das auch zunächst unbesprochen lassen. Der physische Leib ist ja das, was am augenfälligsten an der Wesenheit des Menschen erscheint. Der ätherische Leib kann durch mancherlei, wie wir ja durch Jahre hindurch gesehen haben, erschlossen werden für den, der nicht durch Imagination eine Anschauung davon gewinnt. Aber zunächst wollen wir das Physische und das Ätherische unbesprochen lassen von dem Gesichtspunkte aus, von dem wir eben das Ich als das Willensmäßige, das Astralische als das Gefühlsmäßige in Betracht gezogen haben.
[ 4 ] Nun, wenn wir das Menschenleben verfolgen vom Morgen bis zum Abend, also während seines wachen Zustandes, dann haben wir das Ich und den astralischen Leib arbeitend, willensmäßig, gefühlsmäßig arbeitend innerhalb des physischen und des ätherischen Leibes. Und wenn wir alles zusammenfassen, was als seelische Erlebnisse auftritt in diesem wachenden Zustande, so haben wir zunächst die Welt unserer Sinneswahrnehmungen, die an den physischen Leib gebunden sind. Wir haben dann dasjenige, was von uns als eine Folge unserer Sinneswahrnehmung erlebt wird; wir haben unsere Gedanken, unsere Vorstellungswelt. Und wir wissen ja ganz gut, daß diese Vorstellungswelt, so wie sie uns im wachenden Zustand entgegentritt, durchaus von dem Willensmäßigen und dem Gefühlsmäßigen durchzogen ist.
[ 5 ] Wir haben öfters betont, daß wir im Seelischen abstrakt gut unterscheiden können das Vorstellungsmäßige, das Gefühlsmäßige und das Willensmäßige. Aber in dem wirklichen Seelenleben, wie es sich abspielt, laufen diese drei Betätigungen des Seelenlebens durcheinander. Man kann verspüren das Willensmäßige, wenn man Vorstellungen miteinander verknüpft, oder wenn man Vorstellungen voneinander trennt. Man kann auch das Durchtränktsein der Vorstellung mit dem Gefühl durchaus in dem Bewußtsein verfolgen. Wenn die eine Vorstellung anwesend ist, haben wir ein Gefühl des Sympathisierens mit der Vorstellung, wenn eine andere Vorstellung vorhanden ist, vielleicht ein Gefühl der Antipathie für diese Vorstellung. Also die Vorstellungen sind gefühlsmäßig durchtränkt.
[ 6 ] Nun werfen wir einmal im Geiste den Blick darauf, wie im Einschlafen.das Ich und der astralische Leib den physischen Leib und den Ätherleib verlassen. Wir haben damit zurückgelassen in der physischen Welt etwas, was zwar dem äußeren Anblicke nach nicht gleich ist dem pflanzlichen Dasein, aber wesenhaft ihm doch gleichkommt, weil es auch physischen Leib und Ätherleib hat wie die Pflanze. Wir haben aber etwas, was uns zwar der äußeren Offenbarung nach im Tierischen entgegentritt, im Astralischen des Menschen, und wir haben in dem Ich des Menschen etwas, was uns in der besonderen Gestalt, also auch in der äußeren Offenbarung des Menschen entgegentritt. Aber da, wie wir wissen, das Ich und der astralische Leib vom Einschlafen bis zum Aufwachen außer dem physischen und Ätherleib vorhanden sind, können wir zum innerlich Wesenhaften vom Ich und astralischen Leib nicht diese Gestalt des Menschen oder diese tierische Wesenheit zählen, sondern wir müssen zunächst uns klarmachen, daß das Ich und der astralische Leib sich da nicht durch etwas offenbaren; daß, wenn Ich und astralischer Leib also für sich auftreten, wie es beim Menschen im Schlafe ist, sie sich für die physische Welt zunächst weder sinnlich noch verstandesgemäß offenbaren können.
[ 7 ] Wir haben etwas durchaus Übersinnliches in dem Ich und dem astralischen Leib des Menschen gegeben. Wir wissen aber auch, daß, wenn wir ein Pflanzliches betrachten, wir gar nicht veranlaßt sein können, dieses Pflanzliche so anzusehen, wie wir einen Menschen ansehen. . Wenn wir einen Menschen ansehen, dann fragen wir zum Beispiel nach dem Moralischen, nach seinem Gut- und Bösesein. Das heißt aber, es hat auch keinen Sinn, gegenüber dem, was der Mensch in der physischen Welt nach dem Einschlafen zurückgelassen hat, also beim physischen Leib und Ätherleib des Menschen, zu fragen nach dem Gut- und Bösesein. Gegenüber dem Gut- und Bösesein verhalten sich der physische Leib und Ätherleib des Menschen neutral. Aber gerade das Ganze der moralischen Menschheitsverfassung wird ja in den Menschen, in die menschliche Wesenheit wiederum hineingebracht mit dem Aufwachen, mit dem Einzug des Ich und des astralischen Leibes in den physischen Leib und in den Ätherleib.
[ 8 ] Damit aber kündigt sich auch für denjenigen Menschen, der nicht ein übersinnliches Schauen hat, schon an, daß Ich und astralischer Leib etwas zu tun haben mit dem, was wir die moralische Weltordnung nennen. Wir durchtränken gewissermaßen unseren physischen Leib und unseren Ätherleib mit der moralischen Weltordnung, wenn wir aufwachen. Und es ist ja für dasjenige Bewußtsein, das nicht zum übersinnlichen Schauen kommt, sondern sich nur an die gewöhnlichen Schlußfolgerungen des äußeren Lebens halten kann, auch nicht absurd, etwa zu sagen: Ich und astralischer Leib gehören im Grunde genommen einer ganz anderen Welt an als physischer Leib und Ätherleib. Denn der physische Leib und der ÄÄtherleib sind neutral gegenüber dem Gut- und Bösesein wie die Pflanzen; das Ich und der astralische Leib tragen die moralische Verantwortlichkeit in den physischen und in den Ätherleib hinein.
[ 9 ] Solche Erwägungen zeigen auch schon einem Menschen, der nicht zu der anschaulichen Erkenntnis anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft kommt, und legen schon dem mit seinen Erwägungen im gewöhnlichen Leben stehenden Menschen nahe, daß gewissermaßen polarische Gegensätze vorhanden sind einerseits im physischen und Ätherleib, die nach der Naturgestaltung hinneigen, und auf der anderen Seite im Ich und astralischen Leib, die nach der moralischen Gestaltung hinneigen.
[ 10 ] Nun müssen wir allerdings, wenn wir das, was da schon im gewöhnlichen Leben verfolgt werden kann, weiter verfolgen wollen, die Beobachtungen des schauenden Bewußtseins zu Hilfe nehmen. Wenn wir mit diesem schauenden Bewußtsein das Ich und den astralischen Leib verfolgen, wie sie sind in der Welt, der sie angehören zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, dann finden wir, daß, ebenso wie die Umgebung des physischen Leibes hier die Natur ist, die geistige Welt die Umgebung von Ich und astralischem Leib ist in dem Zustande zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Ich und astralischer Leib befinden sich da durchaus in der geistigen Welt. Sie bringen für den Menschen aus dieser geistigen Welt die moralische Seelenverfassung mit. Sie können unmöglich, da physischer Leib und Ätherleib moralisch neutral sind, aus diesen die moralischen Impulse schöpfen, und es ist auch so: Sie schöpfen die moralischen Impulse aus der Welt, in der sie sich befinden zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen.
[ 11 ] Die Geisteswissenschaft sagt uns für das hier in Betracht Kommende: Wenn der Mensch mit dem Einschlafen seinen physischen Leib und Ätherleib verläßt, so tritt er, allerdings unbewußt, vor die geistigen Wesenheiten der Welt hin, bringt vor diese Wesenheiten alles das, was er bewußt innerhalb des physischen und des Ätherleibes an moralischer Seelenverfassung ausgebildet hat, und ist genötigt, das, was er da hinausträgt aus seinem physischen und Ätherleib, gestalten zu lassen durch die geistig-seelische Welt. Und hier kommen wir zu einem anderen Aspekt derjenigen Betrachtungen, die wir immer angestellt haben, um die Brücke zu schlagen zwischen der ätherisch-physischen Welt und der moralisch-geistigen Welt.
[ 12 ] Wenn wir zunächst auf das Ich sehen, es ist willensmäßig. Dieses willensmäßige Ich, das seine ganze Struktur, seine ganze Konstitution vom Aufwachen bis zum Einschlafen im physischen und Ätherleib ausgebildet hat, das tritt mit dem Einschlafen vor die Wesenheiten der geistigen Welt. Wenn wir hier als Menschen in der physischen Welt herumgehen, nehmen wir durch unsere Tastorgane die festen Körper wahr. Wir sehen die Farben, wir nehmen wahr. Wir treten mit den physischen Kräften der Welt in eine gewisse Beziehung. So tritt auch das willensmäßige Ich mit den Kräften der Welt, in der es zwischen dem Einschlafen und Aufwachen ist, in eine gewisse Beziehung. Stellen wir uns diese Beziehung, so wie sie sich der geistigen Beobachtung ergibt, einmal graphisch dar. Ich kann sie natürlich nur schematisch darstellen. Es sei dies der physische Mensch, wie er im Einschlafen ist, und es sei das, was ich nun hier zeichne, der ihn durchdringende Ätherleib (siehe Zeichnung, gelb). Ich müßte nun, wenn ich den Menschen im Wachen zeichne, den astralischen Leib hineinzeichnen und das Ich. Das tue ich nicht, denn ich will ja den Zustand charakterisieren, der eintritt, wenn der Mensch in den Schlaf fällt. Das Willensmäßige, also das Ich, tritt vor die Wesenheiten der geistigen Welt.
[ 13 ] Da tritt es so in Beziehung zu diesen Wesenheiten der geistigen Welt, wie wir durch unseren physischen Leib zu den Wesenheiten der physischen Welt während des Wachens in Beziehung treten. Nur ist diese Beziehung des willensmäßigen Ich zu den Wesen der geistigen Welt eine viel realere noch, möchte ich sagen, als die majaartige Beziehung, welche der physische Leib mit seiner Umgebung eingeht. Und vor allen Dingen drückt sich diese Beziehung dadurch aus, daß alles, was der Mensch als Böses in seiner Seelenverfassung hat vom Einschlafen bis zum Aufwachen, gewissermaßen — man kann diese Dinge nur bildhaft ausdrücken — das willensmäßige Ich bei dieser Berührung mit den Kräften der geistigen Wesenheiten verkümmern läßt, während das Gute, das in der Seelenverfassung liegt, dem willensmäßigen Ich gestattet, sich frei zu entfalten.
[ 14 ] Wenn man graphisch darstellen will, wie das geschieht, so kommt man — allerdings, Sie müssen das natürlich wiederum bildhaft ansehen — zu einer gewissen Gestaltung dessen, was da als geistige, willensmäßige Ich-Gestalt aus dem Menschen heraustritt. In bezug auf den Gliedmaßenmenschen ist ja das Ich auch während des Schlafes gerade ganz intensiv im Menschen darinnen. Ich möchte es nun graphisch so darstellen (die Zeichnung wird weitergeführt): Diese Furchungen, die ich zeichne (hell), die sind eigentlich entstanden durch die Gegenwirkungen der geistigen Wesenheiten, und ganz nach der moralischen Seelenverfassung gestalten sich diese Furchungen des Ich. Man kann schon sprechen von einer Geistgestalt, welche das Ich annimmt aus seiner moralischen Seelenverfassung heraus, indem es die geistige Welt betritt.
[ 15 ] Nun tritt aber beim Einschlafen auch der astralische Leib in die äußere, mehr seelische Welt. Bei dem willensmäßigen Ich können wir sagen: Es tritt vor die Wesenheiten der geistigen Welt —, bei dem astralischen Leib können wir sagen: Er tritt mit dem Einschlafen in das Gebiet des äußeren Seelischen. — Also der gefühlsmäßige astralische Leib tritt in das Seelische ein.
[ 16 ] Auch unsere Willensverfassung nach der Richtung des Guten und Bösen ist ja durchaus von Gefühlselementen, von Gefühlskräften durchzogen. Wir brauchen uns nur zu erinnern, wie wir, wenn wir eine gute Handlung begangen haben, gefühlsmäßig anders gestimmt sind, als wenn wir eine böse Handlung begangen haben. Man braucht nur auf das ganze Gebiet der Selbstvorwürfe und der inneren Befriedigung hinzudeuten, und man wird das gefühlsmäßige Durchtränktsein der moralischen Seelenverfassung ins Auge fassen können. Dieses Gefühlsmäßige tritt nun alles in die seelische Welt mit dem Einschlafen ein, und auch das tritt in Beziehung zur äußeren seelischen Welt. So wie wir durch unsere Vorstellungen während des Wachens zu der äußeren physischen Welt in Beziehung treten und dabei allerdings das Gefühlsleben innerlich ausbilden — aber es schließt sich eben bloß innerlich das Gefühlsleben an das Vorstellungsleben —, so tritt während des Schlafens direkt unser gefühlsmäßiges Astralisches an die seelische Welt heran. Da findet aber dann nicht eine Gestaltung statt. Für das Ich, für das willensmäßige Ich findet eine Gestaltung statt; ich habe diese Gestaltung schematisch durch eine Art Furchung ausgedrückt. Das, was durch die Wechselbeziehung des astralischen Leibes mit der seelischen Umgebung entsteht, kann ich nicht ausdrücken durch eine Furchung; ich muß es ausdrücken durch eine Tingierung, durch eine Durchtränkung. Und ich müßte das dann so zeichnen, daß, je nachdem unser Gemüt behaftet ist mit Selbstvorwürfen oder mit inneren Befriedigungen, mit Sympathie- und Antipathiegefühlen, es tingiert, durchsetzt wird von dem, was man schematisch durch eine gewisse Farbbezeichnung zum Ausdruck bringen kann (siehe Zeichnung, rötlich, blau). Es tritt also eine Gestaltung durch unser Ich für unseren, wie wir sagen, höheren Menschen ein, und eine Durchtingierung, eine Durchfärbung für unseren astralischen Menschen.
[ 17 ] Durchfärbung, Durchtingierung ist natürlich nur schematisch gesprochen. Denn obzwar man mit Recht das, was da geschieht, durch Farbbilder ausdrückt, muß man doch sagen, es ist eben nur ein Teil dessen, was geschieht, was man durch Farbbilder ausdrücken kann. Ich könnte ebensogut, statt daß ich hier Farben herzeichne, allerlei, sagen wir, musikalische Instrumente hier haben und verschiedene Töne anschlagen; dann würde ich das Schema eben durch andere Bilder, durch Tonbilder zum Ausdrucke bringen. Oder ich könnte selbst, sagen wir, Geschmacksempfindungen hineintingieren. Alles das, möchte man sagen, wirbelt durcheinander in dem astralischen Leib, der aus dem physischen Leib vom Einschlafen bis zum Aufwachen draußen ist. Die Sache ist so, daß man aber nun sieht: Die wirksamen Kräfte für alles das, was ich da gezeichnet habe, die haben eigentlich, schematisch gezeichnet, solch eine Richtung (rötliche Linien), daß von dem Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen die bestimmenden Kräfte ausgehen. Man möchte sagen: Die geistigen Wesenheiten und die seelische Welt, die gestalten und tingieren, die wirken so, daß sie wie von unten herauf die Gestaltung, die Tingierung bewirken.
[ 18 ] Wenn man nun versucht, darauf zu kommen, was man eigentlich in dem hat, was da vom Einschlafen bis zum Aufwachen als Ich und astralischer Leib gestaltet, tingiert außerhalb des Menschen ist, so kommt man zuletzt zu folgendem. Man lernt verstehen: Gegenüber jener vollkommenen Form des Menschen, die er vom Aufwachen bis zum Einschlafen ist, die er ist, wenn ineinandergefügt sind Ich, astralischer Leib, Ätherleib und physischer Leib — gegenüber dieser vollkommenen Wesenheit, die mit einer bestimmten Intensität des Bewußtseins auftritt, die mit unserem intellektualistischen, gefühlsmäßigen, willensmäßigen Bewußtsein auftritt, gegenüber dem hat das, was da außerhalb des Menschen im Schlafe ist, etwas Infantiles, etwas Kindhaftes. Wir gedenken des dumpfen Bewußtseins des Kindes und kommen höchstens diesem Zustande nahe, wenn er von Träumen durchsetzt ist. Wir müssen noch weiter ins Unvollkommene zurückgehend uns das dumpfe Bewußtsein des Kindes denken, wenn wir uns zur Ähnlichkeit dieses außerhalb des Menschen befindlichen Wesenhaften während des Schlafes wenden. Ich möchte sagen: Noch infantiler ist dasjenige, was da draußen im Menschen lebt, als das, was geistig-seelisch im Kinde ist.
[ 19 ] Was ist denn das eigentlich, was da seelisch und geistig vom Menschen im Schlafe außerhalb seiner lebt? Es ist sehr charakteristisch, daß für die geisteswissenschaftliche Beobachtung das Bestimmende von dem Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen ausgeht. Und wenn man studiert, was man da durch übersinnliches Schauen beobachten kann, so hat man eigentlich das Gefühl — und dieses Gefühl steigert sich immer mehr zu einer ganz bestimmten Erkenntnis —, daß, wenn man dieses Ganze hier so betrachtet wie ein photographisches Negativ und sich das Positiv dazu denkt, richtig der Bau des menschlichen Gehirns herauskommt. Allerdings, die Größe stimmt nicht, aber das als Negativ vorgestellt und das Positiv dazu gedacht, gibt im Positiven das menschliche Gehirn.
[ 20 ] Und erinnern Sie sich an manches, was ich von anderen Gesichtspunkten her ausgeführt habe. Ich habe ausgeführt, wie der Bau des menschlichen Hauptes, so wie er in einem bestimmten Leben auftritt, innerlich, der Kräftestruktur nach, die Ausgestaltung des kopflosen Menschen, also des Menschen, den Kopf abgerechnet, vom vorigen Erdenleben ist, und daß dasjenige, was heute der Mensch ist, abgesehen von seinem Kopfe, die Kräfte enthält, die sein Haupt, sein Kopf im nächsten Erdenleben haben wird. Aber infantil, kindhaft ausgebildet und sogar ins Negativ verkehrt, sehen wir das schon in dem, was der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen aus sich herausserzt.
[ 21 ] Tatsächlich haben wir in dem, was der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen aus sich heraussetzt, das Bildhafte von dem, was dann physisch verkörpert im menschlichen Haupte im nächsten Erdenleben zutage tritt. Das ist ein außerordentlich wichtiger Zusammenhang. Und wenn wir darauf zurückblicken, daß es eigentlich die moralische Seelenverfassung ist, welche das Bestimmende für diese Gestaltung, für diese Tingierung abgibt, so werden wir im nächsten Erdenleben die Einkörperung, die Verleiblichung der moralischen Seelenverfassung in den Kräften des menschlichen Hauptes zu suchen haben. Und indem sich dann diese Kräfte des menschlichen Hauptes als unser Denkvermögen, als unser Vorstellungsvermögen ausdrücken, haben wir dieses Denkvermögen, dieses Vorstellungsvermögen als die Wirkung unserer moralischen Seelenverfassung von diesem Leben. Das alles aber ist bildhaft vorhanden in dem, was der Mensch beim Einschlafen aus sich heraussetzt.
[ 22 ] Und so könnte man eigentlich auf Grundlage der geisteswissenschaftlichen Beobachtung das Folgende sagen: Der Mensch stellt tatsächlich jede Nacht, indem er schläft, an eine andere Welt, an die geistig-seelische Welt, eine ganz bestimmte Anfrage. Er stellt sie natürlich nicht bewußt, aber er stellt sie mit dem Teil seines Wesens, der dann heraustritt aus seinem physischen und aus seinem Ätherleib. Er stellt die Anfrage an die geistige Welt: Wie nimmt sich vor den Wesen der geistigen Welt meine moralische Seelenverfassung aus? Und es wird ihm die Antwort gegeben. Sie wird ihm dadurch gegeben, daß er, je nachdem wie seine moralische Seelengestaltung ist, die Furchengestaltung und die Tingierung bekommt. Jeden Morgen, wenn der Mensch aufwacht, tritt er in die physische und ätherische Körperlichkeit hinein mit einer Antwort aus der geistig-seelischen Welt. Jedes Einschlafen ist eine Fragestellung, eine unbewußte Fragestellung an die geistige Welt, jedes Aufwachen ist ein unbewußtes Antwortgeben aus der geistigen Welt. Wir stehen fortwährend gewissermaßen mit unserem Unterbewußtsein mit der geistigen Welt in einer Korrespondenz, indem wir aus dieser geistigen Welt heraus uns die Antworten darüber holen, wie wir innerlich als Mensch eigentlich sind.
[ 23 ] Und hier bekommen Sie eine Anschauung über etwas, was ja sonst immer außerordentlich abstrakt bleibt. Denken Sie doch, wenn der Mensch von seinem Gewissen spricht, dann spricht er von diesem Gewissen als etwas sehr Realem; wenn er aber irgendeine bestimmte Anschauung von seinem Gewissen geben soll, dann kommt er sogleich ins Unbestimmte. In bezug auf die moralische Impulsivität ist das Gewissen etwas sehr real Erlebtes in uns. Wenn man in Gemäßheit der äußeren Wissenschaft ebenso über das Gewissen nachdenkt, wie man etwa über Wärme oder Licht und dergleichen nachdenkt, dann fällt man ins Chaotische hinein. Man kommt zu keinen bestimmten Ansichten. Hier bekommen Sie eine bestimmte Ansicht. Hier bekommen Sie die Ansicht, daß Sie auf Ihre moralische Seelenverfassung fortwährend Antwort bekommen aus der geistigen Welt. Sie tragen das, was die geistige Welt an Ihnen gestaltet, herein in Ihr physisches und Ihr ätherisches Dasein. Damit tragen Sie die Stimme des Gewissens herein. Im wachen Leben verwandelt sich das, was man als Antwort bekommt in Gestaltung und Tingierung, in die Stimme des Gewissens. Überhaupt alles, was unsere innerliche moralische Stimmung ist, müssen wir aus solchen Erkenntnissen heraus auf den Schlafzustand beziehen.
[ 24 ] Wir haben ja an vielen Beispielen gesehen, wie die instinktive Erkenntnis früherer Zeiten und auch jene instinktive Erkenntnis, die sich noch bei Menschen erhalten hat, die nicht von der Intellektualität durchaus durchzogen sind, wie diese instinktive Erkenntnis, wenn auch in bildhafter Form, weiser ist als die heutige Wissenschaft. Und so ist auch in den moralischen Maximen des instinktiven Erkennens vieles von dem enthalten, was uns, allerdings klarer, durchsichtiger, konturierter, durch eine wirkliche geisteswissenschaftliche Erkenntnis wieder wird. Man denke nur daran, wie eine Maxime des Volksbewußtseins die ist, daß, wenn man durch irgendeinen Menschen beleidigt ist, man die Empfindung, die man dadurch hat, nicht durch den Schlaf tragen soll, sondern sie womöglich vor dem Schlaf abmachen soll; daß man also den Zorn nicht durch den Schlaf tragen soll, sondern versuchen soll, ihn vor dem Schlafe zu beruhigen.
[ 25 ] Wenn Sie wissen, daß das Einschlafen ein Fragestellen an die geistige Welt und das Aufwachen eine Antwort auf diese Frage ist, dann werden Sie sich sagen können: Sie bekommen eine andere Antwort und tragen eine andere Antwort des Morgens aus der geistigen Welt in Ihren physischen Leib herein, wenn Sie einen Zorn am Abend gemäßigt oder eine Beleidigung abgedämpft haben in Ihrem Empfinden, als wenn Sie diese Beleidigung in den Schlaf hineingetragen haben und in der Stimmung dieser Beleidigung die Frage an die geistige Welt stellen, oder wenn Sie zornig hineingehen in die geistige Welt und Ihre Frage durchglüht ist von Zorn. Wenn Sie etwas Zornmütiges in die geistige Welt hineintragen, so ist es, wie wenn ein vulkanischer Feuerstrom sich hineinergießen würde, und es muß dann von der äußeren seelischen Welt dieser vulkanische Feuerstrom tingiert werden (siehe Zeichnung Seite 183, rötlich). Das ist etwas anderes, als wenn man beim Einschlafen den Zorn abgedämpft hat.
[ 26 ] Es ist vieles von dem, was hier geschildert worden ist, in seinen Wirkungen nicht nur auf das menschliche Gemüt, sondern sogar auf die körperliche und innerliche organische Lebensstimmung zu erkennen, und viele innerliche Krankheitsursachen sind in dem zu suchen, was wir als Antwort bekommen auf die Fragen, die wir unbewußt an die geistige Welt im Einschlafen stellen. Denn unsere physischen und ätherischen Organe, sie müssen im Wachzustande durchaus fertig werden mit dem, was ihnen durch das willensmäßige Ich und durch den gefühlsmäßigen astralischen Leib mit dem Aufwachen aus der geistigen Welt hereingetragen wird.
[ 27 ] Es ist eine durchaus irrtümliche Anschauung, wenn man glaubt: Nun ja, der Mensch erlebt während des Wachens vieles, aber während des Schlafens erlebt er nichts. — Was der Mensch während des Wachens erlebt, das sind Vorgänge, die sich zum großen Teil zwischen ihm und der Welt, der äußeren, der physischen Welt abspielen. Unsere Befriedigungen über das, was sich da abspielt, die begleiten wie innere Träume des Gemütes — wir wissen ja, daß das Gefühlsmäßige nur die Bewußstseinsintensität des Traumes hat —, wie traumhaft begleiten diese innerlichen Ereignisse das, was wir eigentlich deutlich an unserem Verhältnis zur äußeren physischen Welt haben. Aber wenn wir in dem Zustande sind zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, dann geschieht durchaus in unserem Ich und in unserem astralischen Leibe viel Innerliches: Das willensmäßige Ich wird gestaltet, der gefühlsdurchtränkte astralische Leib wird tingiert mit den Kräften der äußeren geistigen und seelischen Welt. Und das alles sind nun auch Geschehnisse, sind Tatsächliches, das nun den physischen und den Ätherleib durchtränkt, durchdringt, durchzieht, durchströmt. Und je nachdem wir da durchtränkt und durchströmt werden, verhalten wir uns wiederum in der physischen Welt. Für das Innerliche tun wir mehr während des Schlafes als während des Wachens. Es hängt allerdings das, was wir während des Schlafes tun, von dem Wachen ab. Aber ich möchte sagen: Die ganze Tragweite des Schlafes, die hauptsächlichste Tragweite des Schlafes liegt im Grunde genommen nicht nur im physischen Erleben, sondern in der moralischen Struktur der menschlichen Wesenheit.
[ 28 ] Ich habe ja bei verschiedenen Anlässen darauf hingewiesen, wie ein äußerliches Denken gerade über die Beziehung des menschlichen physischen und ätherischen Organismus zum Einschlafen falsch denkt. Gewöhnlich wird ja die Sache — ich wiederhole nur, was ich öfter und ausführlich dargelegt hatte — so dargestellt, daß man sagt: Der Mensch ermüdet durch die Anstrengung seiner Glieder, durch die Arbeit, und er muß dann schlafen, weil dadurch die Ermüdung wieder ausgeglichen wird. Schon eine Besinnung darüber, daß man ja nicht immer durch die Ermüdung einschläft, könnte hier ein richtiges Denken zutage fördern. Man braucht sich nur daran zu erinnern, daß ein recht ausgeruhter Rentier zum Beispiel sich einen Vortrag anhört, zu dem er, weil sich das so gehört, vielleicht einmal geht, und nach den ersten fünf Minuten ist er gewöhnlich eingeschlafen — aus Ermüdung kaum!
[ 29 ] Wenn man alle diese Dinge verfolgt, die sich rein der äußeren Erfahrung auf diesem Gebiete ergeben, dann kommt man eigentlich darauf, daß das gewöhnliche Denken hier Ursache und Wirkung verwechselt. In Wahrheit sind wir ermüdet, weil wir einschlafen wollen. Die Impulse des Einschlafens treten viel innerlicher auf als in der Sphäre der Ermüdung, als in der Sphäre des körperlichen Gegenteils. Wenn wir keine Lust haben an der Außenwelt, dann tritt in uns die Sehnsucht auf, uns aus dieser Außenwelt zurückzuziehen. Dann verläßt das Seelisch-Geistige das Leiblich-Physische, und dann ermüdet das Leiblich-Physische. Wir ermüden, weil wir einschlafen wollen, nicht: Wir schlafen ein, weil wir ermüdet sind. Davon kann sich jeder überzeugen, wenn er nur will. Allerdings ist das Überzeugtwerden bei Dingen, die mit den selbstzufriedenen Interessen des Lebens so innig im Zusammenhang stehen, außerordentlich schwierig. Aber wir können uns schon überzeugen, wenn wir uns nur überzeugen wollen. Und wir werden dann schon dazu geführt, daß wir in dem Einschlafen nicht nur einen physisch-physiologischen Vorgang sehen, sondern daß wir das Einschlafen hineinstellen in den Gesamtkosmos, der, wie wir ja von den verschiedensten Seiten charakterisiert haben, auch die moralischen Impulse als reale Impulse, nicht als bloße Worte enthält. Und so zeigt uns gerade der Wechselzustand von Schlafen und Wachen, wie eine Brücke geschlagen werden kann zwischen dem Physischen und dem Moralischen in unserer Weltenordnung.
[ 30 ] Du Bois-Reymond, derselbe Physiologe, der über die Grenzen des Naturerkennens — was ich öfter besprochen habe — seinen berühmten Vortrag gehalten hat, der sagte auch einmal: Den Menschen, wie er im wachen Leben vor uns steht, können wir überhaupt nicht begreifen. Nun, wir wissen ja, wie wir über einen solchen Ausspruch zu denken haben. Aber, meint Du Bois-Reymond, den schlafenden Menschen können wir begreifen. In dem schlafenden Menschen sind eben nur in einer komplizierteren Weise, meint er — wir wissen, daß das nicht richtig ist, aber wir wollen diesen Ausspruch betrachten —, die gesetzmäßigen Zusammenhänge der äußeren physischen Welt, die man begreift, vorhanden. So daß man also nur den schlafenden Menschen naturwissenschaftlich begreifen kann, nicht aber den wachen Menschen.
[ 31 ] Es wird dadurch — wie gesagt, wir wollen uns heute nicht über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieses Satzes unterhalten —, aber es wird damit von naturwissenschaftlicher Seite zugestanden, daß man mit naturwissenschaftlichen Mitteln nicht erfahren kann, was den Menschen durchdringt, durchzieht, wenn er wacht und daß sich der schlafende Mensch als physische Wesenheit ganz anders auch vor der naturwissenschaftlichen Denkweise ausnimmt als der wachende Mensch.
[ 32 ] Die Naturwissenschaft weiß natürlich nichts von dem, was da heraustritt aus dem Menschen und vorhanden ist vom willensmäßigen Ich und gefühlsmäßigen Astralleib in der übersinnlichen Welt. Aber dieses Nichts, das die Naturwissenschaft ausdrückt, was ist es im Lichte unserer heutigen Betrachtungen? Das ist ja gerade etwas, was innerhalb der moralischen Weltordnung steht! Also gerade an dem Punkte, wo die naturwissenschaftliche Weltanschauung aufhört zu betrachten, da beginnt auch als reale Welt die eigentliche Wirksamkeit des Moralischen. Und nur in ihren Wirkungen zeigt sich dieses Moralische in der menschlichen Verfassung nach dem Aufwachen. Wir müßten also, wenn wir überhaupt das Terrain betreten wollen, wo das MoralischReale gefunden werden kann, die Welt betrachten, die der Mensch durchlebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Kein Wunder also, da ja die naturwissenschaftliche Weltanschauung dieses Terrain nicht betritt, daß sie nur das kennt als real, was die moralischen Impulse nicht enthält und die moralischen Impulse auf das Gebiet des bloßen Glaubens verweist.
[ 33 ] Dieser Glaube aber wird ebenso ein reales Erkennen wie das, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung erreicht, wenn wir das andere Gebiet ins Auge fassen. Nur müssen wir in unserer Darstellung von ganz anderen Ausgangspunkten ausgehen, wenn wir überhaupt dieses geistig-seelische Gebiet, das vom Moralischen durchtränkt ist, ins Auge fassen wollen.
[ 34 ] Hätte ich Ihnen hier irgend etwas hergemalt, was eine Nachbildung ist von einem Physischen, dann würde ich mich zu halten haben an das Physische, und das, was ich hierher gemalt hätte, wäre eben das Bild, und man würde von der äußeren Realität zu dem bloßen Bildhaften übergehen. Wenn man das Übersinnliche darstellt, muß man den umgekehrten Weg gehen. Es ist übersinnlich, man muß es innerlich erleben. Und dann geht man nach außen und stellt eben im Bilde das innerlich Erlebte dar. Dieses innerlich Erlebte ist auch ein durchaus in sich Bewegliches, und ich müßte eigentlich diese Tingierung glitzernd, glänzend, sich ineinanderschiebend, aufleuchtend, abdämmernd darstellen. Dieses Aufleuchten, Abdämmern, das ist aber durchaus zu beobachten, wenn man den ganzen Menschen durch geisteswissenschaftliche Forschung ins Auge faßt.
[ 35 ] Verschafft man sich eine Anschauung — ich versuche ganz genau zu reden — von astralischem Leib und Ich während des Schlafens, so ist die Gestaltung des Ich und die Tingierung des astralischen Leibes scharf und hell. Tritt jetzt das Ich und der astralische Leib in den physischen Leib und den Ätherleib zurück, so wird das, was hell, glitzernd, glänzend ist während des Schlafes, dunkel, dumpf; und das, was außerhalb des Leibes feste Konturen hat, das bekommt unbestimmte Konturen innerhalb des Leibes am Ich. Und man hat ein ganz bestimmtes Gefühl, wenn man dieses Untertauchen des Ich und astralischen Leibes beim Aufwachen in den physischen und in den Ätherleib verfolgt. Will man abstrakte Worte wählen, um dieses Gefühl auszudrücken, so wird man in der Regel ziemlich plump charakterisieren. Aber man kann es doch ziemlich scharf präzisieren, was da eigentlich ist. Beim Aufwachen des Menschen - man weiß aus dem übersinnlichen Anschauen vom Ich und astralischen Leibe, daß sie hell und scharf konturiert sind —; nachdem sie in den [physischen und Ätherleib] hineingegangen sind - ist der astralische Leib wie mit unscharfen Konturen, dumpf, dunkel, wenig glänzend. Da hat man dasselbe Gefühl, wie wenn man von Tag zu Tag das Herbst- und Winterwerden auf die Seele wirken läßt. Dem ganzen Menschen nach das Aufwachen betrachten, hieße sich in eine Stimmung versetzen, wie man sie im Winterwerden hat. Und beim Einschlafen, also bei dem Heraustreten des Geistig-Seelischen aus dem Menschen, hat man eine Seelenstimmung, wie man sie haben kann beim Frühling- und Sommerwerden. Man wird tatsächlich also in etwas ganz Besonderes geführt.
[ 36 ] Meine lieben Freunde, ich habe mich jetzt durch Wochen bemüht, Ihnen zu zeigen, wie die geisteswissenschaftliche Betrachtung uns dazu führt, den Menschen in den ganzen Zusammenhang zu bringen mit dem Kosmos. Ich habe Ihnen in Zusammenhang gebracht die menschliche Gestalt mit der Sternenwelt, mit der Fixsternwelt, die menschlichen Lebensstufen mit der planetarischen Welt. Wir werden überall herausgeführt aus dem Menschen, wenn wir den Menschen geisteswissenschaftlich betrachten. Heute betrachteten wir die Wechselzustände von Wachen und Schlafen, und wir werden, indem wir sie empfindend verstehen, wiederum aus dem Menschen herausgeführt, jetzt nicht in die Sternenwelt, sondern in die zeitliche Welt. Wir sagten uns: Wir verstehen das Aufwachen, wenn wir das Herbst-Winterwerden verstehen; wir verstehen das Einschlafen, wenn wir das Frühling-Sommerwerden verstehen. Wir werden vom menschlichen zeitlichen Verlaufe in den kosmischen zeitlichen Verlauf herausgeführt. Wir werden von den menschlichen Wechselzuständen zwischen Schlafen und Wachen in die Jahreszeitenwechselzustände Frühling, Sommer, Herbst und Winter geführt. Wir sehen im Menschen ein Abbild von dem, was auch in der Zeit geschieht, während wir uns ja nun seit Wochen bemüht haben, im Menschen ein Abbild des Makrokosmos zu sehen in bezug mehr auf das Räumliche.
[ 37 ] So stellt man den Menschen in die Welt hinein, und so begreift man den Menschen aus der Welt heraus. Dann allerdings stellt sich die moralische Weltordnung ebenso als eine Realität vor uns hin, nicht als eine Welt leerer Worte. Und dann, wenn der Mensch sich mit alldem durchdringt, was er fühlen kann aus diesem seinem Weltzusammenhang, dann durchdringt sich auch seine ethisch-moralische Welt mit den religiösen Impulsen, dann wird der ethische Wille im Menschen der Ausdruck des im Menschen waltenden göttlichen Willens, dann erhebt sich die Sphäre des Ethisch-Moralischen in die Sphäre des Ethisch-Religiösen. So sucht anthroposophische Geisteswissenschaft den Weg zum Ethischen und zum Religiösen. Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.
