Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Nordic and Central European Spiritual Influences
The Feast of the Epiphany
GA 209

27 November 1921, Oslo

Translate the original German text into any language:

Die spirituellen Zukunftsaufgaben Norwegens und Schwedens II

The Spiritual Tasks Ahead for Norway and Sweden II

[ 1 ] Wir haben gesehen, wie wir den Menschen in Gemäßheit der anthroposophischen Erkenntnisse hineinstellen müssen seiner Wesenheit nach in das ganze Universum, und wir haben zunächst betrachtet des Menschen Form, des Menschen Gestaltung. Wir mußten diese Gestaltung des Menschen zurückführen auf den Fixsternhimmel beziehungsweise auf die Repräsentation dieses Fixsternhimmels, auf den Tierkreis. Wir haben gesehen, wie gewisse Kräfte von jenen Sternzusammenhängen ausgehen, wenn sie mit den Sonnenkräften in Verbindung treten, und wie dasjenige, was die Form des menschlichen Hauptes und der damit zusammenhängenden Organe bildet, zusammenhängt mit den oberen Tierkreisbildern, Widder, Stier, Zwillinge, Krebs; wie dann dasjenige, was des Menschen Brustorganisation ausmacht, zusammenhängt mit den mittleren Sternbildern, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, und wie endlich dasjenige, was zum menschlichen Stoffwechsel und den Gliedmaßen führt, zusammenhängt mit den unteren Sternbildern, mit deren Wirksamkeit, wenn sie gewissermaßen von der Erde bedeckt sind, mit den Sternbildern des Schützen, des Steinbockes, des Wassermannes und der Fische. So daß wir sagen können: Der Fixsternhimmel — denn die Sternbilder sollen nur die Repräsentanten der Fixsternwirkungen auf den Menschen sein —, der Fixsternhimmel wirkt auf die menschliche Gestaltung, auf die menschliche Form.

[ 1 ] We have seen how, in accordance with anthroposophical insights, we must place the human being—in accordance with his essence—within the entire universe, and we have first considered the human form, the human constitution. We had to trace this human form back to the fixed-star sky—or rather, to the representation of that fixed-star sky—the zodiac. We have seen how certain forces emanate from those stellar configurations when they come into contact with the forces of the Sun, and how that which forms the shape of the human head and the associated organs is connected to the upper signs of the zodiac—Aries, Taurus, Gemini, Cancer; how, in turn, what constitutes the human chest region is connected to the middle constellations—Leo, Virgo, Libra, Scorpio; and finally, how that which gives rise to human metabolism and the limbs is connected to the lower constellations—whose influence, when they are, so to speak, covered by the Earth, is associated with the constellations of Sagittarius, Capricorn, Aquarius, and Pisces. So we can say: The fixed-star sky—for the constellations are merely meant to represent the effects of the fixed stars on human beings—the fixed-star sky influences human form and structure.

[ 2 ] Die Planetensphäre, sie wirkt auf die menschlichen Lebensstufen. Und zwar müssen wir uns klar darüber sein, daß der Mensch in sich verschiedenartiges Leben hat. Wir würden nicht denken können, unser Haupt würde kein Denkorgan sein, wenn wir in unserem Haupte ein so starkes Leben hätten, wie wir es zum Beispiel in unseren Stoffwechselorganen haben. Wenn der Stoffwechsel im Haupte, im Kopfe zu stark wird, dann erlischt unser Bewußtsein, unsere Besonnenheit. Daraus können Sie schon äußerlich schließen, daß zum Bewußtsein, zum Vorstellen ein abgedämpftes, ein abgelähmtes Leben, ein ersterbendes Leben nötig ist, während das aufwärtssteigende Leben, das wuchtige, das intensive Leben, notwendig ist zu demjenigen, was in uns mehr aus dem Unbewußten heraus wirkt, zum Wollen.

[ 2 ] The planetary sphere influences the stages of human life. We must be clear about the fact that human beings possess various forms of life within themselves. We would not be able to think—our head would not be an organ of thought—if we had within our head a life as vigorous as that which we have, for example, in our metabolic organs. If metabolism in the head becomes too vigorous, then our consciousness and our composure fade away. From this you can already conclude, even from an external perspective, that consciousness and imagination require a subdued, sluggish, and fading life, whereas the upward-striving, powerful, and intense life is necessary for that which acts within us more from the unconscious—namely, the will.

[ 3 ] Wir haben also unter unseren Lebensstufen solche, die mehr ersterbende, sich ertötende Lebensstufen sind, und solche, welche richtige Lebensstufen sind, so wie das starke, intensive organische Leben etwa beim Kinde auftritt, wo das Denken noch nicht da ist. Wir haben dieses kindliche Leben fortwährend in uns, ‚aber es setzt sich in dieses kindliche Leben das allmählich ersterbende Leben hinein.

[ 3 ] So among our stages of life, there are some that are more like stages of life that are dying off or killing themselves, and others that are true stages of life, such as the strong, intense organic life found, for example, in a child, where thinking has not yet emerged. We have this childlike life within us continuously, ‘but the life that is gradually dying out is superimposed upon this childlike life.’

[ 4 ] Diese verschiedenen Lebensstufen sind abhängig von der Planetensphäre. Während der Fixsternhimmel durch seine physischen Kräfte auf den Menschen wirkt, wirkt die Planetensphäre durch dasjenige, was sie an ätherischen Kräften in sich hat. Also in feinerer Weise wirkt die Planetensphäre auf den Menschen. Aber es ist schon so, daß der menschliche physische Leib seine Form, seine Gestalt von dem Fixsternhimmel hat, nicht von etwas Irdischem, und seine Lebensstufen von der Planetensphäre.

[ 4 ] These various stages of life depend on the planetary sphere. While the fixed-star sky influences human beings through its physical forces, the planetary sphere influences them through the etheric forces it contains. Thus, the planetary sphere influences human beings in a more subtle way. But it is indeed true that the human physical body derives its form and shape from the fixed-star sky, not from anything earthly, and its stages of life from the planetary sphere.

[ 5 ] Wir haben damit betrachtet von dem physischen Leib des Menschen die Gestalt, von dem ätherischen Leib des Menschen die Lebensstufen. Wir können nun vorschreiten zum seelischen und zum geistigen Leben des Menschen. Da müssen wir aber eine andere Betrachtungsweise anstellen. Dasjenige, was uns unser physischer Leib und unser ätherischer Leib im wachen Tagesleben vermitteln, was ist denn das? Das ist dasjenige, was wir durch die Sinne wahrnehmen und was wir durch unser Denken verarbeiten können. Nur in dem, was unsere Sinne wahrnehmen und was wir durch unser Denken verarbeiten können, sind wir wirklich wach.

[ 5 ] We have thus considered the form of the human physical body and the stages of life of the human etheric body. We can now proceed to the soul life and the spiritual life of the human being. There, however, we must adopt a different approach. What is it that our physical body and our etheric body convey to us in our waking daily life? It is that which we perceive through the senses and which we can process through our thinking. We are truly awake only in what our senses perceive and what we can process through our thinking.

[ 6 ] Betrachten Sie dagegen das Fühlen. Sie werden sich aus einer schon oberflächlichen Betrachtung sagen können, daß das Fühlen nicht in demselben Grade ein Wachsein bedeutet wie das Denken und das sinnliche Wahrnehmen. Wenn wir des Morgens aufwachen und die äußeren Farben, die Töne an uns herantreten, wenn wir bewußt in die Wärmeverhältnisse versetzt werden, so tritt unser voller, wacher Zustand auf und wir verarbeiten dann dasjenige, was uns unsere Sinne liefern, durch unser Denken. Wenn aber die Gefühle aus der Seele heraustauchen, so können wir nicht sagen, daß wir in demselben Grade in den Gefühlen besonnen, bewußt sind. Die Gefühle schließen sich an die Sinneswahrnehmungen an. Die eine Sinneswahrnehmung gefällt uns, die andere mißfällt uns. Die Gefühle schließen sich auch an unser Denken an. Aber wer das, was wir im Traum erleben an Bildern, vergleicht mit dem, was wir in den Gefühlen erleben, der wird die Verwandtschaft des Träumens mit dem Fühlen sehr wohl merken.

[ 6 ] Consider, on the other hand, feeling. Even from a superficial observation, you will be able to tell that feeling does not imply the same degree of wakefulness as thinking and sensory perception. When we wake up in the morning and the colors and sounds of the outside world come to us, when we are consciously immersed in the surrounding warmth, our full, alert state emerges, and we then process what our senses provide us through our thinking. But when feelings arise from the soul, we cannot say that we are just as clear-headed or conscious within those feelings. Feelings are linked to sensory perceptions. One sensory perception pleases us, another displeases us. Feelings are also linked to our thinking. But anyone who compares the images we experience in dreams with what we experience in our feelings will readily notice the kinship between dreaming and feeling.

[ 7 ] Träume müssen erst vom wachen Gedankenleben erfaßt werden, damit wir sie in der richtigen Weise bewerten und in der richtigen Weise verstehen können. Aber Gefühle müssen auch erst von unserem Denkleben beobachtet werden gewissermaßen, wenn wir sie in der richtigen Weise mit uns verbinden wollen. In unserem Fühlen träumen wir eigentlich. Wenn wir träumen, träumen wir in Bildern. Wenn wir wach sind, träumen wir in unseren Gefühlen. Und im Wollen schlafen wir auch beim Wachsein vollständig. Sie brauchen sich nur zu überlegen: Wenn Sie einen Arm heben, wenn Sie dies oder jenes tun, so wissen Sie aus der Anschauung, welche Bewegung Ihr Arm, welche Bewegung die Hand ausführt; aber Sie wissen nicht, wie die Kraft des Willens da eigentlich in Ihrem Organismus waltet. Das ist Ihnen so unbekannt, wie die Zustände vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Indem wir wollen, indem wir handeln, schlafen wir, während wir sonst mit Bezug auf unser Sinneswahrnehmen und mit Bezug auf unsere Gedanken wachen. Wir schlafen also nicht nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wir schlafen mit einem Teil unseres Wesens auch während wir wachen. Wir schlafen mit unserem Wollen und träumen mit unserem Fühlen.

[ 7 ] Dreams must first be grasped by our waking thought life so that we can evaluate and understand them correctly. But feelings, too, must first be observed by our thought life, so to speak, if we are to connect them to ourselves in the right way. In our feelings, we are actually dreaming. When we dream, we dream in images. When we are awake, we dream in our feelings. And in our willing, we are also completely asleep even while awake. Just consider this: When you raise an arm, when you do this or that, you know from observation what movement your arm makes, what movement your hand performs; but you do not know how the power of the will actually operates within your organism. This is as unknown to you as the states from falling asleep to waking up. By willing, by acting, we sleep, even though we are otherwise awake in terms of our sensory perceptions and our thoughts. So we do not sleep only from falling asleep to waking up; we also sleep with a part of our being while we are awake. We sleep with our will and dream with our feelings.

[ 8 ] Was wir während des Schlafens erleben, entzieht sich eigentlich unserem Bewußtsein. Aber auch dasjenige, was das wahre Wesen des Fühlens und des Wollens ist, entzieht sich unserem Bewußtsein. Es ist aber trotzdem wichtig, daß sich der Mensch auch ein Bewußtsein erwirbt von dem, was er in seinen unbewußten Welten, in diesen für das gewöhnliche Leben unbewußten Welten erlebt.

[ 8 ] What we experience while sleeping is actually beyond our consciousness. But the true nature of feeling and willing is also beyond our consciousness. Nevertheless, it is important for a person to also gain an awareness of what they experience in their unconscious worlds—those worlds that remain unconscious in ordinary life.

[ 9 ] Sie wissen ja aus den verschiedenen anthroposophischen Betrachtungen, daß wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit unserem Ich und mit unserem astralischen Leib außerhalb des physischen und des Ätherleibes sind. Nun kann es von ganz besonderer Wichtigkeit werden, gerade diejenigen Erlebnisse kennenzulernen, welche das Ich und der astralische Leib haben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Wenn wir wach sind, sind wir den Sinneswahrnehmungen der Natur gegenüber; wir stoßen gewissermaßen bis zu den Sinneswahrnehmungen der Natur. Wir kommen aber mit unseren Sinneswahrnehmungen und mit unserem wachen Denken nicht weiter als bis zu der Oberfläche der Dinge.

[ 9 ] As you know from various anthroposophical considerations, from the moment we fall asleep until we wake up, our “I” and our astral body are outside the physical and etheric bodies. Now it can be of particular importance to gain insight into precisely those experiences that the “I” and the astral body have from the moment we fall asleep until we wake up. When we are awake, we are open to the sensory perceptions of nature; we reach, so to speak, as far as the sensory perceptions of nature. But with our sensory perceptions and our waking thinking, we cannot go beyond the surface of things.

[ 10 ] Gewiß, es kann jemand einwenden, er käme weiter als bis zu der Oberfläche der Dinge. Er könne ja ein Stück Holz, an dem er sich stößt mit seiner Wahrnehmung, zerschneiden, dann sei er im Inneren. Das ist aber nicht wahr, denn wenn Sie ein Stück Holz zerschneiden, dann haben Sie wiederum nur eine Oberfläche, und wenn Sie die zwei Stücke wieder zerschneiden, haben Sie wiederum Oberflächen. Und wenn Sie bis zu den Molekülen und Atomen gehen, haben Sie immer nur Oberflächen. Sie kommen nicht zu dem, was man das wirkliche Innere der Dinge nennen kann. Das wirkliche Innere der Dinge, das liegt jenseits der Sinneswahrnehmungen. Wir können uns die Sinneswahrnehmungen vorstellen wie einen Teppich, der um uns ausgebreitet ist. Was diesseits des Teppichs liegt, das nehmen wir durch die Sinne wahr; was jenseits des Teppichs liegt, nehmen wir nicht durch die Sinne wahr. Wir sind in dieser Sinneswelt vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Unsere Seele ist erfüllt von dem Eindrucke, den diese Sinneswelt auf uns macht. Wenn wir nun in den Schlaf übergehen, dann sind wir nicht in dieser Welt diesseits der Sinne, dann sind wir nämlich in Wirklichkeit im Inneren der Dinge drinnen, dann sind wir jenseits des Sinnesteppichs. Aber der Mensch im Erdenbewußtsein weiß nichts davon, und er träumt von allerlei Dingen, die da jenseits der Sinneswahrnehmungen sein sollen. Er träumt von Molekülen, von Atomen; aber das sind eben nur Träume, Träume des wachen Bewußtseins. Man erfindet Moleküle, Atome, die Wirklichkeiten sein sollen. Aber nehmen Sie irgendeine Beschreibung, selbst die sorgfältigste neuere Beschreibung der Atome: nichts anderes ist das als kleine Dinger, die nach dem Muster dessen beschrieben werden, was an der Oberfläche der Dinge wach erlebt wird. Es ist eine Erdichtung, die herausgenommen wird aus dem, was im wachen Bewußtsein diesseits des Sinnesteppichs erlebt wird.

[ 10 ] Certainly, someone might object that they can go beyond the surface of things. They could, after all, cut up a piece of wood that their perception comes up against, and then they would be inside it. But that is not true, because if you cut a piece of wood, you are left with only another surface; and if you cut those two pieces again, you are left with more surfaces. And if you go all the way down to the molecules and atoms, you are always left with only surfaces. You do not reach what can be called the true interior of things. The true inner essence of things lies beyond sensory perception. We can imagine sensory perception as a carpet spread out around us. What lies on this side of the carpet, we perceive through the senses; what lies beyond the carpet, we do not perceive through the senses. We are in this sensory world from the moment we wake up until we fall asleep. Our soul is filled with the impressions that this sensory world makes on us. When we then drift off to sleep, we are no longer in this world on this side of the senses; for in reality, we are then within the inner essence of things—we are beyond the sensory carpet. But the human being in earthly consciousness knows nothing of this, and dreams of all sorts of things that are supposed to exist beyond sensory perception. He dreams of molecules, of atoms; but these are merely dreams—dreams of waking consciousness. People invent molecules and atoms that are supposed to be realities. But take any description—even the most meticulous modern description of atoms—and it is nothing more than tiny things described according to the pattern of what is experienced on the surface of things while awake. It is a fabrication drawn from what is experienced in waking consciousness on this side of the tapestry of the senses.

[ 11 ] Aber wenn wir einschlafen, dann dringen wir aus der ganzen Sinneswelt heraus, dann dringen wir hinüber nach der andern Seite. Und wenn wir hier mit unseren Sinnen und mit unserem wachen Denken die Natur erleben, dann erleben wir drüben, jenseits, vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Geisteswelt, diejenige Geisteswelt, die wir auch durchmachen vor unserer Geburt, die wir durchmachen nach unserem Tode. Aber der Mensch ist in dieser Erdenentwickelung so eingerichtet, daß, wenn er jenseits der Sinneswelt ist, er sein Bewußtsein ausgelöscht erhält. Sein Bewußtsein ist nicht stark genug, um in diese geistige Welt einzudringen. Dasjenige aber, was uns in der Geisteswissenschaft entgegentritt als Imagination, Inspiration, Intuition, das liefert uns Kenntnisse von dem, was da jenseits des Sinnesteppichs liegt. Und das erste, was wir entdecken, das ist die unterste Stufe jener Welt, die wir die Welt der Hierarchien nennen.

[ 11 ] But when we fall asleep, we step out of the entire sensory world; we cross over to the other side. And while here we experience nature with our senses and our waking consciousness, over there—beyond—from the moment we fall asleep until we wake up, we experience the spiritual world, the very same spiritual world we pass through before our birth and after our death. But human beings are constituted in this earthly evolution in such a way that, when they are beyond the sensory world, their consciousness is extinguished. Their consciousness is not strong enough to penetrate this spiritual world. But what we encounter in spiritual science as imagination, inspiration, and intuition provides us with knowledge of what lies beyond the veil of the senses. And the first thing we discover is the lowest level of that world, which we call the world of hierarchies.

[ 12 ] Wenn wir aufwachen, werden wir in die Welt versetzt, wo Tiere, Pflanzen, Mineralien, wo die Wesen der drei Naturreiche sind, die eben der Sinneswelt angehören. Wenn wir hinüberschlafen jenseits der Sinneswelt, werden wir zunächst versetzt in dasjenige Gebiet, in dem die erste über den Menschen gelagerte Wesensstufe der Angeloi, der Engel ist. Und wir stehen vom Einschlafen bis zum Aufwachen zunächst mit jenem Wesen, das dem Menschen zugeordnet ist als sein Engelwesen, so in Verbindung, wie wir durch unsere Augen und Ohren mit den drei Reichen der Natur hier in der Sinneswelt in Verbindung stehen. Wenn wir auch zunächst kein Bewußtsein haben von dieser Verbindung mit der Welt der Angeloi, sie ist doch da, diese Verbindung. In dasjenige, was unser astralischer Leib ist, reicht diese Verbindung hinein.

[ 12 ] When we wake up, we are transported into the world of animals, plants, and minerals—the realm of the beings of the three kingdoms of nature that belong to the sensory world. When we fall asleep and pass beyond the sensory world, we are first transported to the realm where the first level of beings above humanity—the Angeloi, the angels—resides. And from the moment we fall asleep until we wake up, we are initially connected to that being assigned to us as our angelic being in the same way that we are connected through our eyes and ears to the three kingdoms of nature here in the sensory world. Even if we are initially unaware of this connection to the world of the Angeloi, it is nevertheless there—this connection. This connection extends into what is our astral body.

[ 13 ] Wenn wir in unserem astralischen Leibe im Schlafe leben und würden plötzlich aufwachen, würden wir ebenso in Berührung kommen mit der Welt der Angeloi, zunächst mit dem Engelwesen, das mit unserem eigenen Leben in Verbindung steht, wie wir hier in der irdischen Welt mit Tier und Pflanze und Mineralien verbunden sind.

[ 13 ] If we were to live in our astral body while asleep and were to suddenly wake up, we would likewise come into contact with the world of the Angeloi, first and foremost with the angelic being connected to our own life, just as we are connected here in the earthly world to animals, plants, and minerals.

[ 14 ] Nun aber sieht der Mensch auch in der irdischen Welt, in der Sinneswelt, wenn er aufmerksam ist, wenn er seine Gedanken schult, mehr, als wenn er unaufmerksam, flüchtig ist. Die Verbindung also mit den drei Reichen der Natur kann eine innigere oder eine oberflächlichere sein. So ist es auch mit der Welt der geistigen Wesenheiten. Nur gibt es da andere Bedingungen für diese Welt der geistigen Wesenheiten. Ein Mensch, der mit seinen Gedanken ganz in der materiellen Welt aufgeht, der sich niemals erheben will über die materielle Welt, der sich nicht bekanntmachen will mit sittlichen Idealen, die über das bloß Nützliche hinausgehen, der nicht erleben will wirkliche Menschenliebe, der nicht kennt das fromme Hingeben an die göttlich-geistige Welt im wachen Zustande, dem bleiben beim Einschlafen keine Kräfte, um in der richtigen Weise mit seinem Engelwesen in Berührung zu kommen. Dieses Engelwesen wartet gewissermaßen jedesmal unser Einschlafen ab, wieviel wir mitbringen von idealen Empfindungen, von idealen Gedanken mit diesem Einschlafen. Und je mehr wir von solcher Art mitbringen, desto inniger wird das Verhältnis zu diesem Engelwesen, wenn wir im Schlafe verweilen. Und so sammeln wir gewissermaßen im Wachen durch das ganze Leben hindurch dasjenige, was wir ausbilden in uns über die materiellen Interessen hinweg; wir sammeln dasjenige, was die Beziehung zu unserem Engelwesen immer inniger und inniger macht. Und wenn wir dann durch die Pforte des Todes gehen, dann fällt ja von uns alles dasjenige ab, was Sinne sind. Die äußere Welt kann keinen Eindruck mehr auf uns machen, denn den muß sie machen durch unsere Sinne. Die fallen aber mit unserem Leib ab. Ebenso erlischt dasjenige Denken, das sich nur an die Sinneswahrnehmung knüpft, denn das ist im ätherischen Leib vorhanden. Der ätherische Leib bleibt uns nur wenige Tage nach dem Tode erhalten. Wir sehen ihn, wie er zunächst da ist, in einem 'Tableau, das ich ja in anderer Beziehung in diesen Tagen auch in den öffentlichen Vorträgen schon besprochen habe, das man erkennen, schauen kann, das man aber nach dem Tode schauen muß.

[ 14 ] But even in the earthly world—the world of the senses—if a person is attentive and trains their thoughts, they see more than when they are inattentive or distracted. Thus, the connection with the three realms of nature can be either a deeper one or a more superficial one. The same is true of the world of spiritual beings. However, there are different conditions for this world of spiritual beings. A person whose thoughts are entirely absorbed in the material world—who never wishes to rise above the material world, who does not wish to familiarize himself with moral ideals that go beyond mere utility, who does not wish to experience true love for humanity, who does not know devout devotion to the divine -spiritual world while awake—such a person, upon falling asleep, has no strength left to come into contact with their angelic being in the proper way. This angelic being, so to speak, waits each time we fall asleep to see how much we bring with us in the way of ideal feelings and ideal thoughts as we fall asleep. And the more we bring of this kind, the more intimate the relationship with this angelic being becomes while we are asleep. And so, in a sense, throughout our entire waking life we gather within ourselves that which we develop beyond material interests; we gather that which makes our relationship with our angelic being ever more intimate. And when we then pass through the gate of death, everything that constitutes our senses falls away from us. The outer world can no longer make an impression on us, for it must do so through our senses. But these fall away with our physical body. Likewise, the thinking that is linked solely to sensory perception ceases, for it is present in the etheric body. The etheric body remains with us for only a few days after death. We see it as it first appears in a “tableau”—which I have already discussed in a different context in my public lectures these past few days—that can be recognized and beheld, but which must be beheld after death.

[ 15 ] Aber man sieht zugleich, wie sich dieses ätherische Leibgewebe auflöst im All, wie die gewöhnlichen Gedanken, die wir an der äußeren Sinneswelt gewonnen haben, von uns fortgehen. Die bleiben nicht. Alles das, was der Mensch über das Nützliche gedacht hat im Leben, über die Zusammenhänge der Sinneswelt, was er gedacht hat in Anknüpfung an das Materielle, geht von uns weg, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Allein das, was wir an idealen Gedanken und idealen Empfindungen, an reiner Menschenliebe, auch an religiösem Frommsein im echten wahren Sinne des Wortes, in unserem Wachzustande aufgebracht und mit unserem Engelwesen vereinigt haben, das nehmen wir auch mit, wenn wir durch die Pforte des Todes schreiten.

[ 15 ] But at the same time, we see how this ethereal body tissue dissolves into the cosmos, how the ordinary thoughts we have formed about the external sensory world drift away from us. They do not remain. Everything a person has thought about what is useful in life, about the connections within the sensory world, and everything they have thought in relation to the material world—all of this departs from us when we pass through the gate of death. Only what we have cultivated in our waking state—ideal thoughts and feelings, pure love for humanity, and religious devotion in the true sense of the word—and united with our angelic being, that is what we take with us when we pass through the gate of death.

[ 16 ] Das bewirkt aber nun etwas ganz Wichtiges in der Zeit, in der wir uns zwischen dem Tod und einer neuen Geburt entwickeln. Wir stehen ja allerdings auch im Erdenleben in Verbindung mit den noch höheren Hierarchien, und es ist schon richtig, daß, wenn wir einschlafen und die idealen Erlebnisse an unser Engelwesen herandringen, dann das Engelwesen wiederum mit dem Erzengelwesen, mit dem Archai und so weiter hinauf in Verbindung steht. So daß wir gewissermaßen unser Dasein fortgesetzt finden in einer reichen geistigen Welt. Aber diese reiche geistige Welt hat für uns keine besondere Bedeutung, während wir die Zeit zubringen zwischen der Geburt und dem Tode. Erst dadurch bekommt diese Welt der höheren Hierarchien eine große Bedeutung für uns, daß sie die Welt unserer Umgebung wird zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Je mehr wir gewissermaßen unserem Engelwesen überliefert haben, desto mehr kann aber auch nach dem Tode, wenn wir ein geistig-seelisches Wesen sind, dieser Engel uns an bewußtem Leben, an bewußten Seeleninhalten von den höheren Hierarchien geben. Ich möchte sagen: Was unsere Augen hier in der physischen Welt sind, oder unser Ohr hier in der physischen Welt ist, das ist für unser Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in der geistigen Welt dasjenige, was das Engelwesen, was überhaupt durch dieses unser Engelwesen die andern Wesen aus dem Reich der dritten Hierarchie im Zusammenhange mit den höheren Hierarchien entwickeln. Und unser Bewußtsein wird um so heller, um so inniger leuchtender, je mehr wir an idealen Gedanken und idealen Empfindungen, an Menschenliebe und religiösem Frommsein unserem Engelwesen zugeführt haben.

[ 16 ] This, however, has a very important effect during the period in which we evolve between death and a new birth. Of course, even during our earthly life we are connected to the even higher hierarchies, and it is indeed true that when we fall asleep and these ideal experiences reach our angelic being, that angelic being in turn is connected upward to the archangelic being, to the Archai, and so on. So that, in a sense, we find our existence continuing in a rich spiritual world. But this rich spiritual world has no special significance for us while we spend our time between birth and death. It is only because this world of the higher hierarchies becomes our surroundings between death and a new birth that it takes on great significance for us. The more we have, so to speak, entrusted ourselves to our angelic being, the more this angel can give us—even after death, when we are spiritual-soul beings—of conscious life and conscious soul content from the higher hierarchies. I would like to say: What our eyes are here in the physical world, or what our ears are here in the physical world, is for our consciousness between death and a new birth in the spiritual world that which the angelic being—and indeed, through this angelic being of ours, the other beings from the realm of the third hierarchy in connection with the higher hierarchies—develops. And our consciousness becomes all the brighter, all the more intimately radiant, the more we have nourished our angelic being with ideal thoughts and ideal feelings, with love for humanity and religious devotion.

[ 17 ] Nun kommt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eine gewisse Zeit, wo das Engelwesen mit uns eine bestimmte Aufgabe hat. Dieses Engelwesen muß eine noch innigere, wichtigere Verbindung herstellen mit dem Reiche der Archangeloi, der Erzengel, als es früher der Fall war. Ich habe die Zeit, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, von den verschiedensten Gesichtspunkten dargestellt — das kann man auch —, zuletzt noch in meinem Wiener Zyklus vom Jahre 1914, der da heißt: «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt.» Heute will ich von einigen anderen Gesichtspunkten aus die Sache darstellen.

[ 17 ] Now, between death and a new birth, there is a certain period of time during which the angelic being has a specific task to fulfill with us. This angelic being must establish an even more intimate and important connection with the realm of the Archangeloi, the archangels, than was previously the case. I have described the period that a human being experiences between death and a new birth from a wide variety of perspectives—which is certainly possible—most recently in my Vienna lecture series from 1914, titled “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and a New Birth.” Today I would like to present the subject from a few other perspectives.

[ 18 ] Eine gewisse längere Zeit nach dem Tode kommt eben einmal der wichtige Augenblick, wo gewissermaßen der Engel an den Erzengel überliefern muß dasjenige, was er von uns Menschen aufgenommen hat durch die geschilderten idealen Erlebnisse. Der Mensch wird gewissermaßen hingestellt vor die Welt der Archangeloi, die übernehmen können dasjenige,was er an solch geist-seelischen Erlebnissen schon zwischen der Geburt und dem Tode entwickelt hat. Und das ist der große Unterschied, der sich darstellt zwischen Mensch und Mensch in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß es in unserer Zeit der Menschheitsentwickelung solche Persönlichkeiten gibt, welche wenig mitbringen von idealen Empfindungen und Gedanken und Menschenliebe, wenn der Engel dem Erzengel abgeben soll für die weitere Weltenentwickelung dasjenige, was wir da hindurchgetragen haben durch die Pforte des Todes.

[ 18 ] Some time after death, there comes an important moment when, so to speak, the angel must hand over to the archangel what he has received from us humans through the ideal experiences described. The human being is, so to speak, placed before the world of the Archangels, who can take over what he has already developed in terms of such spiritual and soul experiences between birth and death. And this is the great difference that emerges between one human being and another in the time between death and a new birth: that in our present stage of human development, there are personalities who bring with them very little in the way of ideal feelings, thoughts, and love for humanity when the angel is to hand over to the archangel—for the further development of the worlds—that which we have carried through the gate of death.

[ 19 ] Die Tätigkeit, die sich da entwickelt zwischen Angeloi und Archangeloi, die muß unter allen Umständen stattfinden. Aber es ist ein großer Unterschied, ob wir durch die geschilderten Erlebnisse mehr mit Bewußtsein verfolgen können, was da mit uns sich abspielt zwischen Angeloi und Archangeloi, oder ob wir es nur in einem dumpfen, dämmerhaften Zustande erleben, wie es eben erleben müssen diejenigen Menschen, die nur von materialistischem Bewußtsein sich durchdrungen haben.

[ 19 ] The activity that unfolds there between the Angeloi and the Archangeloi must take place under all circumstances. But there is a great difference between whether, through the experiences described, we can follow with greater awareness what is happening to us between the angels and archangels, or whether we experience it only in a dull, twilight-like state—as must be the case for those people who have allowed themselves to be permeated solely by materialistic consciousness.

[ 20 ] Es ist nicht ein ganz zutreffender Ausdruck, wenn ich sage: dumpf, dämmerhaft erleben die Menschen. Ich müßte vielleicht, um genauer es zu charakterisieren, sagen: Sie erleben es so, daß sie fortwährend herausgestoßen werden aus einer Welt, von der sie eigentlich aufgenommen werden sollen, daß sie fortwährend sich erkälter fühlen von einer Welt, die sie eigentlich warm empfangen soll. Denn sympathisch soll der Mensch von der Welt der Archangeloi in dem wichtigen angeführten Zeitmomente empfangen werden, warm soll er von ihnen empfangen werden. Dann wird er auch in richtiger Weise hingeführt zu dem, was ich in einem meiner Mysteriendramen genannt habe «die Mitternachtsstunde» des Daseins.

[ 20 ] It is not entirely accurate to say that people experience life as dull and dim. To characterize it more precisely, I might have to say: They experience it in such a way that they are constantly being cast out of a world that is actually meant to embrace them, that they constantly feel themselves growing colder toward a world that is actually meant to welcome them warmly. For at that crucial moment in time, human beings are meant to be received sympathetically by the world of the Archangels; they are meant to be warmly welcomed by them. Then they will also be led in the right way to what I have called in one of my Mystery Dramas “the midnight hour” of existence.

[ 21 ] Dann wird der Mensch wiederum durch die Archangeloi an das Reich der Archai herangeführt. Und indem der Mensch gewissermaßen eingefügt wird dem Reiche der Archai, wird er allen höheren Hierarchien eingefügt, denn durch die Archai kommt er in Beziehung zu allen höheren Hierarchien, und er nimmt nun aus dem Reiche dieser höheren Hierarchien den Drang auf, wiederum herunterzusteigen auf die Erde. Denn er nimmt die Kraft auf, wiederum in dem, was ihm materiell später übergeben wird durch die Vererbungsströmung, geistig-seelisch zu arbeiten.

[ 21 ] Then, through the Archangeloi, the human being is once again led into the realm of the Archai. And as the human being is, so to speak, incorporated into the realm of the Archai, he is incorporated into all the higher hierarchies; for through the Archai he enters into relationship with all the higher hierarchies, and he now takes up from the realm of these higher hierarchies the impulse to descend once more to Earth. For they absorb the power to work spiritually and psychologically within what will later be handed down to them materially through the stream of heredity.

[ 22 ] Und die Mitternachtsstunde des Daseins ist der Punkt im Leben des Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, der so überschritten wird, daß wir vorher immer fremder und fremder dem irdischen Dasein werden, immer mehr und mehr hineinwachsen in die geistige Welt, indem wir immer sympathischer und sympathischer im vorher charakterisierten Sinne von dieser geistigen Welt aufgenommen werden, mit immer größerer und größerer Wärme von ihr angezogen werden, oder eben abgestoßen werden, erkältet werden.

[ 22 ] And the midnight hour of existence is the point in a person’s life between death and a new birth, which is crossed in such a way that we become increasingly estranged from earthly existence beforehand, growing ever more deeply into the spiritual world, as we are received by that spiritual world with ever greater sympathy—in the sense described above—and are drawn to it with ever greater warmth, or else are repelled by it and grow cold.

[ 23 ] Dann aber, wenn die Mitternachtsstunde des Daseins da ist, dann neigt sich der Mensch gewissermaßen langsam wiederum zu der Sehnsucht nach dem Erdendasein herunter. Und er begegnet auf dem zweiten Teile des Weges nun wiederum der Welt der Archangeloi. Es ist wirklich so, daß der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zuerst hinaufsteigt zu der Welt der Angeloi, Archangeloi, Archai, dann wiederum steigt er herunter, und er trifft nach der Welt der Archai vorzugsweise auf die Welt der Archangeloi auf.

[ 23 ] But then, when the midnight hour of existence arrives, the human being, as it were, slowly turns back toward a longing for earthly existence. And on the second part of the journey, he now encounters once again the world of the Archangeloi. It is indeed the case that between death and a new birth, the human being first ascends to the world of the Angels, Archangels, and Archai, then descends again, and after the world of the Archai, encounters primarily the world of the Archangels.

[ 24 ] Nun kommt wiederum ein wichtiger Punkt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Demjenigen Menschen, der nichts durch den Tod hindurchgeführt hat von idealen Gedanken, idealen Empfindungen, Menschenliebe und wahrem, echtem Frommsein, dem ist von dem Geistig-Seelischen unter den Antipathien der höheren Welt, unter den Erkältungen der höheren Welt gewissermaßen etwas erstorben. Während bei einem Menschen, der in der rechten Weise geistig-seelisch jetzt an das Reich der Angeloi herankommt, in das Geistig-Seelische innerlich die Kraft eingepflanzt wird, in dem späteren Leben wiederum auf der Erde, denLeib durchdringend zu wirken, müssen die Angeloi, wenn der Mensch solche seelisch-geistigen Erkenntnisse nicht mitgebracht hat, ihm so, daß es mehr unbewußt wirkt, dasjenige einpflanzen, was Sehnsucht nach dem irdischen Leben ist. Und bei diesem Einpflanzen entscheidet sich außerordentlich viel. Bei diesem Einpflanzen entscheidet sich nämlich jetzt, zu welchem Volke, zu welcher Sprache, zu welcher sogenannten Muttersprache der Mensch heruntersteigt zum nächsten irdischen Dasein. Und es entscheidet sich, ob dieser Drang zum Volkstum, zu der Muttersprache mehr innerlich oder ob er mehr äußerlich eingepflanzt wird. So daß der Mensch durchdrungen wird beim Heruntersteigen von innerlicher Liebe zu demjenigen, was dann seine Muttersprache wird, oder mehr automatisch hineinversetzt wird in dasjenige,was er alsSprache durch seine Sprachorgane später zu äußern hat.

[ 24 ] Now we come once again to an important point in the life between death and rebirth. For the person who has carried nothing through death—no ideal thoughts, no ideal feelings, no love of humanity, and no true, genuine piety—something of the spiritual-soul aspect has, so to speak, died off amid the antipathies of the higher world, amid the coldness of the higher world. Whereas in a person who now approaches the realm of the angels in the right way, spiritually and soulfully, the power is implanted within their spiritual and soul life to act, in their later life back on Earth, to work by permeating the body; but if a person has not brought such spiritual-soul insights with them, the angels must implant within them—in a way that acts more unconsciously—that which is a longing for earthly life. And an extraordinary amount is determined by this implantation. For it is at this point that it is determined to which people, to which language, to which so-called mother tongue the human being will descend for their next earthly existence. And it is determined whether this urge toward national identity and the mother tongue is implanted more inwardly or more outwardly. So that, upon descending, the human being is imbued with an inner love for what will then become his mother tongue, or is more automatically placed into that which he will later have to express as language through his speech organs.

[ 25 ] Das macht einen großen Unterschied, ob der Mensch auf die eine oder die andere Art zu der Sprache hin determiniert wird für das kommende Erdenleben. Derjenige Mensch, der schon vor diesem Erdenleben, beim zweiten Durchgang durch das Reich der Angeloi, innerlich seelisch liebevoll durchdrungen werden kann mit der Hinneigung zu seiner Muttersprache, der nimmt diese Muttersprache innerlich auf. Er nimmt sie auf wie einen Teil seines Wesens. Er wird eins damit. Die Liebe wird eine selbstverständliche, sie wird eine seelische Liebe. Der Mensch wächst mit Selbstverständlichkeit in die Sprache und in das Volkstum hinein, indem er so hineinwächst.

[ 25 ] It makes a great difference whether a person is predestined to one language or another for their coming earthly life. The person who, even before this earthly life—during the second passage through the realm of the Angeloi—can be inwardly and soulfully imbued with a loving inclination toward their mother tongue, absorbs that mother tongue inwardly. They absorb it as part of their being. They become one with it. Love becomes second nature; it becomes a spiritual love. The person grows naturally into the language and the national culture by growing into them in this way.

[ 26 ] Wenn der Mensch aber auf die andere Art hineinwächst — ich habe das genannt mehr automatisch —, dann kommt der Mensch später, indem er durch die Geburt zum nächsten Erdendasein heruntersteigt, so auf der Erde an, daß er gewissermaßen nur instinktiv, triebhaft seine Sprache lieben lernt. Was er innerlich nicht an Liebe, an selbstverständlicher Liebe für seine Sprache, für sein Volkstum aufbringt, das stößt er dann gleichsam aus seinem Leibesdasein hervor. Und das macht den großen Unterschied, ob wir in ein Volkstum, in einen Sprachzusammenhang hineinwachsen mit jener stillen, keuschen Liebe, die derjenige Mensch hat, der innerlich mit Volkstum und Sprache verwächst, oder ob wir hineinwachsen in Sprachtum und Volkstum mehr automatisch, so daß wir aus dem Triebe, aus den Instinkten gleichsam herausstoßen eine innerliche Liebe für dieses Volkstum, für diese Sprache. Das erstere äußert sich niemals als dasjenige, was man in der Welt Chauvinismus nennt, was man ein äußerliches Pochen auf das Volkstum nennt, sondern die wirklich aus einem vorherigen idealen, frommen Erleben errungene, innerlich geistig-seelische Liebe zu Volkstum und Sprache äuBert sich selbstverständlich und ist mit wahrer universeller Menschenliebe durchaus vereinbar. Niemals wird der kosmopolitische, der internationale Sinn durch eine solche geistig-seelische Liebe zu Sprache und Volkstum verkümmert. Wenn aber der Mensch mehr automatisch in seine Sprache hineinwächst, dann, wenn er dadurch mit seinen Instinkten, mit seinen Trieben eine überhitzte, organische, animalische Liebe zu Sprache und Volkstum entwickelt, dann entsteht dasjenige, was falscher Nationalismus, was chauvinistische Gesinnung ist, was in einer äußerlichen Weise auf das Volkstum pocht.

[ 26 ] But if a person grows into it in the other way—which I have called more automatic—then later, when that person descends through birth into the next earthly existence, they arrive on Earth in such a way that, in a sense, they learn to love their language only instinctively, out of impulse. Whatever love—that natural, self-evident love for their language and their cultural heritage—they fail to cultivate within themselves, they then, as it were, expel from their physical being. And that makes the great difference between whether we grow into a cultural identity and a linguistic context with that quiet, chaste love possessed by the person who is inwardly intertwined with that cultural identity and language, or whether we grow into that cultural identity and language more automatically, so that we, as it were, expel an inner love for this cultural identity and for this language out of our drives and instincts. The former never manifests as what the world calls chauvinism—that is, an outward insistence on national identity—but rather, the inner, spiritual-emotional love for national identity and language, truly attained through a prior ideal and devout experience, expresses itself naturally and is entirely compatible with true universal love for humanity. Such a spiritual and emotional love for language and national identity never stifles the cosmopolitan, international spirit. But when a person grows into their language more automatically—that is, when they thereby develop, through their instincts and drives, an overheated, organic, animalistic love for language and national identity—then what arises is false nationalism, a chauvinistic mindset that emphasizes national identity in an external manner.

[ 27 ] Man hat insbesondere in der heutigen Zeit nötig, dasjenige, was uns in der Außenwelt entgegentritt in der Zeit, die wir zubringen als Menschen auf Erden zwischen der Geburt und dem Tode, zu betrachten vom Gesichtspunkte des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Denn, wie wir das zweite Mal dem Reich der Archangeloi begegnen, davon hängt es ab, wie wir in Volkstum und Sprache hinein uns versenken durch die Verbindung mit der Vererbungsströmung durch die Geburt.

[ 27 ] Especially in our time, we need to view what we encounter in the outer world during the time we spend as human beings on Earth between birth and death from the perspective of life between death and a new birth. For how we encounter the realm of the Archangels a second time determines how deeply we immerse ourselves in folklore and language through our connection to the stream of heredity via birth.

[ 28 ] Für denjenigen, der vom geistigen Gesichtspunkte gerade das heutige Leben verstehen will, tritt als etwas sehr Wichtiges dieses Erleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt heran, wenn er zum zweiten Male in das Reich der Archangeloi kommt. Wir sehen heute über das Erdenrund, wie die Völker in einer falschen Weise auf ihre Nationalität, auf ihre Volkstümlichkeit, auf ihr Sprachtum hinschauen. Und vieles von dem, was in der katastrophalen Zeit im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in der Menschheitsentwickelung des Abendlandes aufgetaucht ist, wird nur erklärlich, wenn man es unter solchen Gesichtspunkten betrachtet. Wer das Leben eben innerlich anthroposophisch, geisteswissenschaftlich anschaut, der muß hinschauen heute bei vielen Menschen auf deren voriges Erdenleben als ein solches, in dem die Menschen in den Materialismus nach und nach sich eingesponnen hatten. Sie kennen alle die Tatsache, daß in normaler Weise eine längere Zeit verfließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Allein gerade in der heutigen Erdenentwickelung sind viele Menschen, welche nur kurze Zeit gehabt haben zwischen ihrem letzten Tode und ihrer diesmaligen Geburt, und sie haben sich schon in ihrem vorigen Erdenleben wenig durchdrungen mit Menschenliebe, mit idealen Empfindungen. Sie waren schon in diesem vorigen Erdenleben auf die bloße Nützlichkeit bedacht. Und dadurch wurde ihnen bei der zweiten Berührung mit dem Reich der Angeloi zwischen Tod und neuer Geburt eigentlich alles dasjenige zubereitet, was jetzt in einer so üblen Weise herauftaucht im Leben des Abendlandes.

[ 28 ] For those who wish to understand present-day life from a spiritual perspective, this experience between death and a new birth—when one enters the realm of the Archangels for the second time—is of great importance. Looking out over the world today, we see how peoples view their nationality, their folk culture, and their language in a mistaken way. And much of what emerged in the catastrophic period of the second decade of the 20th century in the development of Western civilization can only be explained when viewed from such a perspective. Anyone who views life from an inner anthroposophical and spiritual-scientific perspective must recognize that, for many people today, their previous earthly life was one in which they had gradually become entangled in materialism. You are all aware of the fact that, under normal circumstances, a considerable amount of time elapses between death and a new birth. Yet, particularly in the current stage of Earth’s evolution, there are many people who have had only a short time between their last death and their present birth, and even in their previous earthly life they were scarcely imbued with love for humanity or with idealistic feelings. Even in that previous earthly life, they were concerned solely with practical utility. And as a result, during their second encounter with the realm of the Angeloi between death and rebirth, everything was actually prepared for them that is now emerging in such a pernicious way in the life of the West.

[ 29 ] Geradeso wie man den Menschen als Raumeswesen nur versteht, wenn man weiß, daß man seine Gestalt bis zum Fixsternhimmel zu verfolgen hat, daß man seine Lebensstufen zu verfolgen hat bis zur Planetensphäre, daß der Mensch als Raumeswesen eben ein Wesen ist, das nicht allein aus der Erde die Kräfte, die in ihm wirksam sind, zieht, sondern aus dem ganzen Kosmos, so notwendig zu dieser räumlichen Menschenerkenntnis das Hinausgehen über das Irdische ist, so notwendig ist es, um das soziale, um das volksmäßige Leben auf der Erde zu verstehen, über das Leben zwischen Geburt und Tod hinauszugehen.

[ 29 ] Just as one can only understand human beings as beings of space if one knows that one must trace their form all the way to the fixed-star sky, that one must trace their stages of life all the way to the planetary sphere—that human beings, as beings of space, are precisely beings who draw the forces at work within them not only from the Earth but from the entire cosmos— just as it is necessary to transcend the earthly realm in order to gain this spatial understanding of humanity, so too is it necessary to transcend life between birth and death in order to understand social and communal life on Earth.

[ 30 ] Wenn man vieles von dem heutigen Leben studiert, so findet man, wie die Menschen heute, trotzdem sie so viel nach Freiheit rufen, eigentlich innerlich unfrei sind; wie in den Bestrebungen, die heute solche Niedergangskräfte zeitigen, nicht ein freies Leben pulsiert, sondern die Instinkte und Triebe pulsieren und das soziale Leben unglücklich machen. Wenn man dieses sieht, so will man es auch verstehen.

[ 30 ] When one studies many aspects of life today, one discovers how people today, despite their constant cries for freedom, are in fact inwardly unfree; how the endeavors that are currently giving rise to such forces of decline are not driven by a free life, but rather by instincts and drives that make social life miserable. When one sees this, one also wants to understand it.

[ 31 ] Ebenso nun, wie sich eine zweite Begegnung mit dem Reich der Archangeloi findet, so findet sich später, dann, wenn sich der Mensch schon wiederum sehr nähert seinem Erdenleben, eine innigere Verbindung wiederum mit seinem Angelos, mit seinem Engelwesen. Der Mensch wird gewissermaßen, wenn es wiederum gegen das Erdenleben hingeht, mehr entrückt, herausgezogen aus dem Reich der Archangeloi. Solange er im Reich der Archangeloi ist, ist sein Engel auch stärker verbunden mit diesem Reiche. Der Mensch lebt gewissermaßen in den höheren Hierarchien. Indem er weiter die Zeit verbringt zwischen dem "Tode und einer neuen Geburt, wird er immer mehr und mehr auf das bloße Reich der Angeloi angewiesen, und sie führen ihn dann durch die Elemente, durch Feuer, Erde, Luft, Wasser, führen ihn dann hin zu dem, was Vererbungsströmung ist. Es führt ihn namentlich sein Engelwesen hin zu dem physisch-irdischen Dasein. Es kann ihn zu einem Menschen machen, der aus dem Tiefsten seines Seelisch-Geistigen heraus frei zu handeln in der Lage ist, wenn alle die Bedingungen erfüllt sind durch ein voriges Leben, wie ich es charakterisiert habe.

[ 31 ] Just as there is a second encounter with the realm of the Archangels, so too, later on—when the human being is once again drawing very close to earthly life—there is a deeper connection with his Angelos, with his angelic being. As a person moves back toward earthly life, so to speak, they become more detached, drawn out of the realm of the Archangels. As long as they are in the realm of the Archangels, their angel is also more strongly connected to that realm. In a sense, the human being lives within the higher hierarchies. As he continues to spend time between “death and a new birth,” he becomes increasingly dependent on the realm of the angels, and they then guide him through the elements—fire, earth, air, and water—leading him toward what is the current of heredity. It is specifically his angelic being that leads him toward physical-earthly existence. It can make him a human being who is capable of acting freely from the depths of his soul-spiritual being, provided that all the conditions have been fulfilled through a previous life, as I have characterized it.

[ 32 ] Aber der Angelos ist nicht imstande, den Menschen zu einem freien Leben zu führen, wenn der Mensch gewissermaßen automatisch mit seiner Sprache, mit seinem Volkstum hat verbunden werden müssen. Dann wird auch das individuelle Leben unfrei. Diese Unfreiheit drückt sich dadurch aus, daß der Mensch zwar innerlich auch ein Bewußtsein entwickelt, wenn er nicht freie Begriffe faßt, sondern wenn er innerlich Worte denkt, aber der Mensch wird veräußerlicht, wird unfrei gemacht dadurch, daß sein ganzes Denken in Worten aufgeht. Das ist aber sogar ein Grunderlebnis der Menschen der heutigen Zeit, daß ihr Denken eben in Worten aufgeht. Man begreift auch das Erdenleben in seiner geschichtlichen Entwickelung, besonders in seinem gegenwärtigen Zustande nicht, wenn man nicht aufsteigt zu dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zu der geistig-seelischen Welt.

[ 32 ] But Angelos is incapable of leading people to a free life if people must, as it were, be automatically bound to their language and their national identity. Then individual life, too, becomes unfree. This lack of freedom is expressed in the fact that, although a person does develop inner consciousness—not by grasping free concepts, but by thinking words inwardly—the person becomes externalized, rendered unfree, because their entire thinking is absorbed in words. Yet this is indeed a fundamental experience of people today: that their thinking is absorbed in words. Nor can one understand earthly life in its historical development—especially in its present state—unless one ascends to the life between death and a new birth, to the spiritual-soul world.

[ 33 ] Will man also die menschliche Gestalt verstehen, muß man zum Fixsternhimmel hindeuten. Will man die menschlichen Lebensstufen verstehen, muß man zur Planetensphäre hindeuten. Will man das menschlich-geistig-seelische Leben verstehen, dann kann man nicht stehenbleiben zwischen der Geburt und dem Tode, denn dieses geistig-seelische Leben wurzelt, wie wir gesehen haben, in der Welt der höheren Hierarchien, wie das physische und ätherische Wesen der Menschen zu der physischen und ätherischen Außenwelt gehört.

[ 33 ] If one wishes to understand the human form, one must look to the fixed-star sky. If one wishes to understand the stages of human life, one must look to the sphere of the planets. If one wishes to understand human spiritual and soul life, one cannot stop between birth and death, for this spiritual and soul life, as we have seen, is rooted in the world of the higher hierarchies, just as the physical and etheric nature of human beings belongs to the physical and etheric external world.

[ 34 ] Will man also Denken, Fühlen und Wollen richtig verstehen, dann muß man nicht bloß den Menschen in seiner Beziehung zur sinnlichen Außenwelt ins Auge fassen, dann muß man den Menschen ins Auge fassen in bezug auf sein Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denken, Fühlen, Wollen sind die Kräfte, durch die sich zunächst unser Seelenwesen entwickelt. Unsere idealen Gedanken, dasjenige, was sich in diese Gedanken, in das Seelenwesen hineinverpflanzt hat aus idealer Liebe, aus Frömmigkeit, das trägt uns gewissermaßen durch die Todespforte. Wie wir unser Denken beeinflußt haben, wie unser Denken von einer idealen Gesinnung durchdrungen war, das bringt uns in der richtigen Weise zu der ersten Begegnung mit den Archangeloi. Dann aber, indem wir die Mitternachtsstunde des Daseins überschreiten, dann verglimmt, möchte ich sagen, unser Denken. Denn dieses Denken ist es, das nun gerade bearbeitet wird nach der Mitternachtsstunde des Daseins hin für das nächste Erdendasein. Und aus demjenigen, was dieses unser Denken war, werden nun diejenigen Kräfte geformt, die die physischen Denkorgane durchziehen im nächsten Erdenleben.

[ 34 ] If, then, we wish to understand thinking, feeling, and willing correctly, we must not merely consider the human being in relation to the external sensory world; rather, we must consider the human being in relation to his or her life between death and a new birth. Thinking, feeling, and willing are the forces through which our soul being first develops. Our ideal thoughts—that which has taken root in these thoughts, in the soul, out of ideal love and piety—carry us, so to speak, through the gate of death. The way we have influenced our thinking, the way our thinking was imbued with an ideal disposition, leads us in the right way to our first encounter with the Archangels. But then, as we pass through the midnight hour of existence, our thinking, I might say, fades away. For it is this thinking that is now being shaped, after the midnight hour of existence, for the next earthly life. And from what our thinking was, those forces are now formed that will permeate the physical organs of thought in the next earthly life.

[ 35 ] Wenn Sie auf den menschlichen Kopf hinschauen und sehen, wie die Kräfte darinnen wirken, so sind es nicht etwa bloß die Kräfte, die in diesem Leben wirken. Es sind diejenigen Kräfte, die vom Denken des vorigen Lebens herrühren und die die Form unseres Gehirns zustande bringen. Dagegen bei der zweiten Begegnung mit dem Archangeloi ist es namentlich der Wille, der da seine besondere Rolle spielt im seelischgeistigen Leben des Menschen. Und der Wille, der ist es, der dann im nächsten Erdenleben mehr unseren Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus ergreift. Dieser Wille tritt dann, wenn wir durch die Geburt ins Erdendasein eintreten, als dasjenige auf, was uns von seiten des Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen geschickter oder ungeschickter zu dem oder jenem macht. Ich möchte sagen, in unserem Kopfinneren sehen wir mehr das physische Abbild dessen, was wir im vorigen Leben an Gedanken entwickelt haben. In den Fähigkeiten unseres StoffwechselGliedmaßenmenschen sehen wir das Wirken der neuerworbenen Willenskräfte, die uns nun entweder innerlich-seelisch, wie ich geschildert habe, oder mehr automatisch eingegliedert werden bei der zweiten Begegnung mit dem Archangeloi.

[ 35 ] When you look at the human head and see how the forces within it work, these are not merely the forces at work in this life. These are the forces that stem from the thinking of the previous life and that give rise to the form of our brain. In contrast, during the second encounter with the Archangeloi, it is specifically the will that plays a special role in the soul-spiritual life of the human being. And it is the will that then, in the next earthly life, takes a greater hold of our limb-metabolic organism. When we enter earthly existence through birth, this will manifests as that which, on the part of the limb-metabolic human being, makes us—more or less skillfully—into one person or another. I would like to say that within our minds we see more the physical reflection of what we developed in thought during our previous life. In the abilities of our metabolic-limb human, we see the workings of the newly acquired forces of the will, which are now integrated into us either inwardly and soulfully, as I have described, or more automatically upon our second encounter with the Archangeloi.

[ 36 ] Wer sieht, wie sich gewissermaßen herausgestaltet hat das gegenwärtige Leben, das gerade für die abendländische Menschheit zu solchen Niedergangskräften führt, der wird mit dem allergrößten, idealsten Interesse zu demjenigen hinschauen, was tätig war in dem Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in dem Leben, das vorangegangen ist diesem Erdenleben. Und er wird gerade aus dem, was er in dieser Beziehung erkennen kann, den starken Impuls bekommen, der Menschheit, die schon in ihrer vorigen Inkarnation zu materialistisch war, jetzt, wo die Folgen dieses Materialismus im Völkerleben aufgetreten sind, dasjenige zu bringen, dasjenige als Anregung zu geben, was wiederum hinführen kann zu einer Verinnerlichung, zur Freiheit, zu einem wirklich innerlichen, das heißt selbstverständlichen Leben in Sprache und Volkstum, das nicht in Disharmonie steht mit dem Internationalismus, mit dem Kosmopolitismus.

[ 36 ] Anyone who sees how, in a sense, the present life has taken shape—a life that is leading Western humanity in particular toward such forces of decline—will look with the greatest and most ideal interest at what was active within the human being between death and a new birth, in the life that preceded this earthly existence. And it is precisely from what they can recognize in this regard that they will receive the powerful impulse to offer humanity—which was already too materialistic in its previous incarnation— now that the consequences of this materialism have become apparent in the life of nations, to bring forth and provide as inspiration that which can once again lead to an inner life, to freedom, to a truly inner—that is, natural—life in language and folk culture, one that is not at odds with internationalism or cosmopolitanism.

[ 37 ] Das aber kann nur errungen werden, wenn unser Denken durchglüht werden kann von wirklicher Geistigkeit. Was enthält denn eigentlich der heutige Geist des Menschen? Gedanken — Gedanken über etwas. Wenn heute der Mensch von seinem Geiste spricht, spricht er eigentlich nur von seinen Gedanken, von dem mehr oder weniger abstrakten Denken. Was wir brauchen, das ist wirklicher Geist, der innerlich in uns eindringt, lebendiger Geist. Von solchem lebendigem Geist handelt aber wirklich Anthroposophie in der Anschauung der Welt, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt. Der Mensch hat also heute nötig, von seiner Gestalt, von seiner Form, von seinen Lebensstufen, von seinem Seelisch-Geistigen aus sich selbst zu betrachten als angehörig einer Welt, die außerhalb des Irdischen liegt. Dann wird er in das Irdische das Richtige hereintragen können.

[ 37 ] But this can only be achieved if our thinking can be infused with true spirituality. What, then, does the human spirit actually consist of today? Thoughts—thoughts about something. When people today speak of their spirit, they are really speaking only of their thoughts, of more or less abstract thinking. What we need is true spirit that penetrates deep within us—living spirit. It is precisely this living spirit that anthroposophy addresses in its view of the world that lies between death and a new birth. Human beings today therefore need to view their form, their shape, their stages of life, and their soul-spiritual nature from within themselves as belonging to a world that lies beyond the earthly realm. Then they will be able to bring what is right into the earthly realm.

[ 38 ] Wir haben es erlebt, wie das Geistige des Menschen allmählich aufgesogen worden ist von den andern Elementen des Erdendaseins, von dem politischen Leben, von dem wirtschaftlichen Leben. Wir brauchen die Hinneigung zu einem selbständigen Geistesleben. Das allein nur kann die Grundlage geben für die Durchdringung des Menschen mit wirklicher Geistigkeit, mit geistiger Substanz, nicht bloß mit den Gedanken über irgend etwas. Deshalb muß Anthroposophie sich geneigt finden, für eine Befreiung des Geisteslebens zu wirken. Wenn dieses Geistesleben sich nicht auf seine eigenen Grundlagen stellt, so wird der Mensch immer mehr und mehr ein Abstraktling werden. Er wird sich nicht durchdringen können mit lebendigem Geiste, sondern nur mit abstraktem Geiste.

[ 38 ] We have witnessed how the spiritual aspect of human beings has gradually been absorbed by the other elements of earthly existence—by political life and by economic life. We need a striving toward an independent spiritual life. That alone can provide the foundation for the human being to be permeated with true spirituality, with spiritual substance—not merely with thoughts about something or other. That is why anthroposophy must be committed to working toward the liberation of spiritual life. If this spiritual life does not stand on its own foundations, human beings will become more and more abstract. They will not be able to imbue themselves with living spirit, but only with abstract spirit.

[ 39 ] Wenn der Mensch hier im physischen Leben durch des Todes Pforte geht, so wird sein physischer Leichnam in die Erde versenkt oder den Elementen übergeben. In diesem physischen Leichnam ist nicht mehr der Mensch in seiner wahren Wesenheit. Wenn der Mensch durch die Geburt geht so, daß er in bezug auf Volkstum, auf Sprache, in bezug auf sein eigenes Handeln automatisch geworden ist durch die geschilderten Vorgänge, dann erstirbt das lebendige Denken, das lebendige Wollen, das lebendige Geistig-Seelische, indem der Mensch in die physische Welt hereingeboren wird. Und dann entsteht der Leichnam des göttlich-geistig-seelischen Menschen innerhalb des physischen Erdendaseins.

[ 39 ] When a person passes through the gate of death here in physical life, his physical body is buried in the earth or left to the elements. The person in his true essence is no longer present in this physical body. When a human being is born in such a way that, with regard to ethnicity, language, and their own actions, they have become automatic through the processes described, then the living thinking, the living willing, and the living spiritual-soul aspect die out as the human being is born into the physical world. And then the corpse of the divine-spiritual-soul human being arises within physical earthly existence.

[ 40 ] In unserem abstrakten, rationalistischen Denken haben wir den Leichnam des Geistig-Seelischen. Wie wir in dem übriggelassenen physischen Leichnam nicht mehr die wahre Menschenwesenheit haben, so haben wir in einem abstrakten Denken, in einem nicht durchgeistigten Seelenwesen eigentlich nur das Leichnamhafte der göttlich-geistigen Welt. Und die Menschheit steht eben heute an dem starken Entscheidungspunkte, wo sie sich entschließen muß, die geistige Welt wiederum aufzunehmen, damit dasjenige, was mehr oder weniger als göttlich-geistiger Leichnam im abstrakten Denken der Menschheit Platz gegriffen hat, was nun wieder den Instinkten und Trieben, dem automatischen Wesen Platz gemacht hat, damit das der Mensch wiederum durchdringen kann.

[ 40 ] In our abstract, rationalistic thinking, we have the corpse of the spiritual-soul aspect. Just as we no longer possess the true human being in the physical body left behind, so too do we, in abstract thinking—in a soul being that is not spiritualized—actually possess only the corpse-like aspect of the divine-spiritual world. And humanity stands today at a critical turning point where it must resolve to reconnect with the spiritual world, so that what has taken root in humanity’s abstract thinking—more or less as a divine-spiritual corpse—and has now given way to instincts and drives, to the automatic nature of being—so that humanity may once again penetrate it.

[ 41 ] Sie sehen schon, tief wahr ist es, was ich auch gestern am Schlusse meines Vortrages vor der hiesigen Studentenschaft gesagt habe, tief, tief innerlich wahr ist es: Der Mensch braucht in der Gegenwart, wenn er vom Niedergang zu einem wirklichen Aufstieg wiederum kommen will, die Überwindung des Abstrakten, man möchte sagen, des SeelischLeichenhaften, das im gegenwärtigen Intellektualismus und Rationalismus vorhanden ist. Der Mensch braucht eine Art Auferweckung des Seelisch-Geistigen. Und diese Auferweckung des Seelisch-Geistigen, die erkennt man eben in seiner Notwendigkeit aus den Erscheinungen des sozialen und geschichtlichen Gegenwartslebens heraus. Wenn man sie richtig und unbefangen erkennt, dann sagt man sich: Anthroposophie hat gewiß eine ewige Aufgabe, eine Aufgabe gegenüber dem im Menschen, was über alle Zeitepochen in ihm leben muß. Aber in der heutigen Gegenwart hat sie auch eine zeitliche Aufgabe. Sie muß den Menschen zurückbringen von der Veräußerlichung, von der Lähmung, von der Ertötung des göttlich-geistigen Lebens in ihm. Sie muß dieses göttlich-geistige Leben zurückbringen, indem der Mensch lernt, sich nicht bloß als ein Erdenwesen, sondern als ein Himmelswesen anzusehen, indem er lernt, daß er sein Erdendasein in der richtigen Weise nur dadurch führen kann, daß er die Kräfte des himmlischen Daseins, des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt in dieses Erdenleben hineinträgt.

[ 41 ] As you can see, what I said yesterday at the end of my lecture to the local student body is profoundly true; it is deeply, deeply true at the core: In the present, if humanity wishes to turn from decline toward a true ascent, it must overcome the abstract—one might say, the soul-corpse-like quality—that is present in contemporary intellectualism and rationalism. Humanity needs a kind of reawakening of the soul-spiritual. And the necessity of this reawakening of the soul-spiritual can be recognized precisely from the phenomena of contemporary social and historical life. If one recognizes these phenomena correctly and impartially, one says to oneself: Anthroposophy certainly has an eternal task—a task toward that which must live within the human being across all epochs of time. But in the present day, it also has a task for our time. It must bring humanity back from externalization, from paralysis, from the suppression of the divine-spiritual life within them. It must restore this divine-spiritual life by helping human beings learn to regard themselves not merely as earthly beings but as heavenly beings, and by helping them realize that they can lead their earthly existence in the right way only by bringing the forces of heavenly existence—the existence between death and new birth—into this earthly life.

[ 42 ] An diese Dinge wollen wir dann das nächste Mal noch anknüpfen, um sie zu einem gewissen Abschlusse zu bringen in der Zeit, in der ich noch in mich befriedigender Weise unter Ihnen weilen kann.

[ 42 ] We will pick up on these matters next time, in order to bring them to some sort of conclusion while I am still able to remain among you in a way that is satisfying to me.