Nordic and Central European Spiritual Influences
The Feast of the Epiphany
GA 209
4 December 1921, Oslo
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Nordische und mitteleuropäische Geistimpulse, tr. SOL
Die spirituellen Zukunftsaufgaben Norwegens und Schwedens III
The Spiritual Tasks Ahead for Norway and Sweden III
[ 1 ] Die beiden Stunden, in denen ich wieder zu Ihnen sprechen durfte, waren gewidmet den wichtigen Betrachtungen über das Menschenwesen und Menschengeschick. Auf der einen Seite sollte zur Erörterung kommen, wie des Menschen physischer und ätherischer Leib in Verbindung stehen mit dem, was wir nicht bloß auf der Erde als äußere Welt wahrnehmen, sondern wie diese Leiblichkeit des Menschen erst begriffen werden kann, wenn wir sie auch angeschlossen denken an den Sternenumkreis. Und wir haben versucht, uns klarzumachen, wie der Fixsternhimmel, wie die Planetensphäre gestaltend und belebend eingreifen in dasjenige, was der Mensch in seiner äußern Umhüllung hat. Auf der anderen Seite haben wir aber auch das letzte Mal uns vor die Seele geführt, wie das, was des Menschen Inneres ist, sein eigenes GeistigSeelisches, nur begriffen werden kann, wenn man es im Zusammenschlusse denkt mit der Welt der höheren Hierarchien. Und wir haben darauf hingewiesen, daß eigentlich dieser Zusammenhang mit der Welt der höheren Hierarchien besonders dadurch auffällig wird, daß wir beobachten, wie der Mensch hier durch sein physisches Leben auf der Erde eine Beziehung bekommen kann in moralischer, in religiöser Hinsicht, in bezug auf Menschenliebe und so weiter, zu der geistigen Welt, wie er dadurch in einer gewissen Weise es seinem mit ihm in Verbindung stehenden Engelwesen möglich macht, so auf ihn einzuwirken, daß das Herabkommen nach dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so verläuft, daß der Mensch dann wieder zur vollen Individualität, zum freien individuellen Ergreifen seines Menschenwesens kommt. Wir mußten darauf hinweisen, wie der Mensch dadurch, daß er eine solche Verbindung mit der geistigen Welt nicht eingeht in irgendeiner Inkarnation, zum Beispiel in bezug auf sein Volkstum in einer äußerlichen Weise mit diesem Volkstum in Verbindung kommt, wodurch solche Dinge entstehen wie das äußerliche, in seinem Extrem nach dem Chauvinismus hindrängende Sich-Zusammenschließen mit dem Volkstum.
[ 1 ] The two hours during which I was once again able to speak to you were devoted to important reflections on the human being and the human condition. On the one hand, the discussion was to focus on how the human physical and etheric bodies are connected not only to what we perceive on Earth as the external world, but also on how this physicality of the human being can only be understood when we conceive of it as connected to the sphere of the stars. And we have tried to understand how the fixed-star sky and the planetary sphere intervene in a formative and enlivening way in what the human being possesses in his outer shell. On the other hand, however, we also showed the soul last time how what constitutes the human inner being—the human’s own spiritual-soul aspect—can only be understood when it is conceived in connection with the world of the higher hierarchies. And we have pointed out that this connection with the world of the higher hierarchies actually becomes particularly evident when we observe how human beings, through their physical life on Earth, can establish a relationship—in moral and religious terms, in terms of love for humanity, and so on—with the spiritual world, and how, through this, they enable the angelic beings connected to them, in a certain way, to influence them in such a way that the descent following life—between death and a new birth—proceeds in such a way that the human being then regains full individuality and the free, individual grasp of their human nature. We had to point out how, by failing to establish such a connection with the spiritual world in any given incarnation—for example, with regard to their national identity—human beings come into contact with that national identity in an external way, giving rise to phenomena such as the external bonding with that national identity, which, taken to its extreme, leads to chauvinism.
[ 2 ] Man sieht aus solchen Betrachtungen dann, wie man den Menschen in seinem Leben nur verstehen kann, wenn man das Leben auch auf seiner andern Seite betrachtet, auf der Seite zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Sobald wir eben an das menschliche Innere kommen, müssen wir dieses Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ins Auge fassen. Denn das Leben hier auf der Erde ist eigentlich ein Abbild dieses Lebens zwischen Tod und neuer Geburt. Es ist das Leben im Materiellen das Leibliche, und in diesem Leiblichen drückt sich bloß dasjenige aus, was wir vor unserer Geburt in der geistigseelischen Welt ausgebildet haben. Was wir neu bekommen müssen, was sich neu ausbilden muß in unserem menschlichen Wesenskern, das ist das willensmäßige und in einer gewissen Beziehung auch das gefühlsmäßige Element. Das denkerische Element, das an unser Haupt, an unseren Kopf gebunden ist, das bekommen wir bis zu einem hohen Grade, nämlich bis zu dem Grade, wo die Gefühle dann mitsprechen beim Denken, aus der geistigen Welt vor unserer Geburt mit. Was wir an eigentlich denkerischen Fähigkeiten haben, bringen wir uns durch die Geburt in das physische Dasein herein und müssen es während dieses physischen Daseins nur ausbilden oder durch das Schulwesen ausgebildet bekommen. Das aber, was wir in der neuen Inkarnation durch den Verkehr mit der äußeren Welt hauptsächlich bekommen, das ist das gefühls- und willensmäßige Element, das ist dasjenige Element, welches in der Erziehungsfrage deshalb die größte Rolle spielen muß.
[ 2 ] From such reflections, one can see that one can only understand human beings in their lives if one also considers life from its other side—the side between death and a new birth. As soon as we delve into the human inner being, we must take this life between death and a new birth into account. For life here on earth is actually a reflection of this life between death and a new birth. It is life in the material, physical realm, and in this physical realm is expressed only that which we developed in the spiritual-soul world before our birth. What we must acquire anew—what must develop anew in the core of our human being—is the volitional element and, in a certain sense, the emotional element as well. The thinking element, which is connected to our head, we receive to a high degree—namely, to the degree where emotions then influence our thinking—from the spiritual world before our birth. The actual thinking abilities we possess, we bring with us into physical existence at birth and need only develop them during this physical life or have them developed through the school system. But what we primarily acquire in the new incarnation through our interaction with the external world is the emotional and volitional element—the very element that must therefore play the greatest role in the question of education.
[ 3 ] In der Erziehungsfrage liegt es ja so: Wenn wir in bezug auf das Gedankliche schlechte Lehrer oder schlechte Erzieher sind, so können wir manches in dem Menschen unausgebildet lassen, was er vermöge seiner früheren Erdeninkarnation zum Ausdruck bringen könnte. Wenn wir aber in bezug auf Gefühl und Wille durch unsere eigene Autorität als Lehrer und Erzieher, durch unser Vorbild nicht auf das Kind zu wirken in der Lage sind, dann geben wir einem solchen Kinde nicht das Richtige, was es hier in der physischen Welt erhalten soll, und wir schädigen sein Leben nach dem Tode. Das ist dasjenige, was einem in dem heutigen Weltenwesen, wenn man die Dinge durchschaut, einen so tiefen Schmerz verursacht. Die Menschen versuchen heute in Lehre und Erziehung immer wieder und wieder auf die Anschauung hinzuweisen, dadurch das Kind zum Denken zu bringen, Intellektualistisches in dem Kinde auszubilden. Dadurch wird allerdings vieles von dem, was das Kind sich durch die Geburt ins Dasein bringt, herausgeholt. Aber das kann doch nur von Nutzen sein, wenn dem Kinde .auch entgegengebracht wird für das irdische Leben in der richtigen Weise dieses irdische Leben selber, wenn wir ihm also das, was in Gefühl und Wille unanschaulich liegt, auch unanschaulich durch unsere Autorität, durch unser Vorbild beizubringen vermögen. Und vor allen Dingen schädigen wir das ewige Leben des Kindes, wenn wir nicht Gefühl und Wille ausbilden. Denn das Denken, das wir uns mitbringen durch die Geburt, das findet seinen Abschluß hier in dieser sinnlichen Welt. Das stirbt mit uns. Allein dasjenige, das wir durch Gefühl und Wille ausbilden, was allerdings dann unbewußt sich wiederum mit neuen Gedanken durchsetzt, nehmen wir durch die Pforte des Todes mit. Es wird schon eintreten müssen in unserer gegenwärtigen schweren Zeit für die Menschheit, daß Religion, Erziehung, allgemeines Geisteswesen, das ganze Leben überhaupt wiederum Rücksicht nehmen auf die ewige Natur des Menschen, und dabei nicht bloß auf den menschlichen Egoismus sehen.
[ 3 ] The situation regarding education is this: If we are poor teachers or poor educators in matters of the intellect, we may leave certain aspects of a person undeveloped—aspects that they might otherwise be able to express based on their previous earthly incarnation. But if, with regard to feeling and will, we are unable to influence the child through our own authority as teachers and educators—through our example—then we are not giving such a child what it is meant to receive here in the physical world, and we are harming its life after death. This is what causes such deep pain in today’s world, when one sees through these things. In teaching and education today, people try again and again to emphasize conceptual understanding, thereby encouraging the child to think and developing intellectual faculties in the child. Through this, however, much of what the child brings into existence through birth is drawn out. But this can only be of benefit if the child is also presented with earthly life itself in the right way—that is, if we are able to teach them, through our authority and by our example, what lies beyond the realm of the senses in feeling and will. And above all, we harm the child’s eternal life if we do not develop feeling and will. For the thinking that we bring with us at birth finds its conclusion here in this sensory world. It dies with us. Only that which we develop through feeling and will—which, however, then unconsciously permeates itself with new thoughts—do we take with us through the gate of death. In these difficult times for humanity, it is imperative that religion, education, the general spiritual life—indeed, life as a whole—once again take into account the eternal nature of the human being, rather than focusing solely on human selfishness.
[ 4 ] Die Religionen der heutigen Zeit spekulieren ja zu sehr auf den menschlichen Egoismus. Sie huldigen auf der einen Seite der Trägheit, indem sie den Menschen nicht anspornen zu eigener, innerer, gefühlsmäßiger und willensmäßiger Erarbeitung des Ewigen, und sie huldigen auf der andern Seite dem Egoismus, indem sie von dem ewigen Leben nur als von demjenigen sprechen, was nach dem Tode da sein wird, nicht von demjenigen, was vor der Geburt beziehungsweise Empfängnis da war, und das wir heruntergetragen haben in die physische Welt. Ich habe schon das letzte Mal gesagt: Um von diesem Leben vor der Geburt zu sprechen, muß man von den selbstlosen Kräften des Menschen sprechen, während man nur vom Egoismus zu sprechen braucht, wenn man dem Menschen vom Leben nach dem Tode spricht. Und selbst dieses Reden vom Leben nach dem Tode nimmt noch in den heutigen Religionsbegriffen eine egoistische Form an. Es wird so an den Menschen herangebracht, daß der Mensch vor allen Dingen seine Begierde befriedigt. Wenn die Religionen den Menschen ein Wohlgefallen beigebracht zu haben vermeinen, so daß der Mensch ein Seelenleben egoistisch führen kann, dann glauben sie genug getan zu haben. Was aber durch eine wirkliche geistige Erfassung der Welt wiederum in die ganze Menschheit hineinkommen soll, das ist, daß wiederum in einer unegoistischen und in .einer ewigen Weise des Menschen ganzes Leben aufgefaßt und auch; von Erziehern, Lehrern und so weiter gestaltet wird.
[ 4 ] The religions of today rely far too heavily on human selfishness. On the one hand, they pander to inertia by failing to spur people on to their own inner, emotional, and volitional exploration of the eternal; and on the other hand, they pander to selfishness by speaking of eternal life only as that which will exist after death, not as that which existed before birth or conception, and which we have brought down into the physical world. I already said last time: To speak of this life before birth, one must speak of the selfless forces within the human being, whereas one need speak only of selfishness when speaking to people about life after death. And even this talk of life after death still takes on an egoistic form in today’s religious concepts. It is presented to people in such a way that they seek, above all, to satisfy their desires. If religions believe they have taught people to take pleasure in life so that they can lead a spiritual life in an egoistic manner, then they believe they have done enough. But what should once again enter into all of humanity through a true spiritual understanding of the world is that a person’s entire life be viewed—and also shaped by educators, teachers, and so on—in a selfless and eternal way.
[ 5 ] Das aber hat auch für die großen öffentlichen Verhältnisse seine Bedeutung. Und von solchen großen öffentlichen Verhältnissen möchte ich nun heute in der dritten Betrachtung, die ich vor Ihnen anstellen darf, sprechen. Denn es ist heute im höchsten Maße notwendig, daß wir das, was wir uns aneignen durch eine anthroposophische Erkenntnis der höheren Welten, auch wirklich in das unmittelbare Leben hineintragen, daß wir es im Leben darzustellen verstehen. Aber mit dem Leben ist es so, daß uns abstrakte Lehren wenig nützen. Das Leben ist mannigfaltig auf der Erde. Es sind nicht nur, wenn wir die Mannigfaltigkeit des Lebens zum Beispiel auf das Völkerdasein anwenden, die Inder von den Amerikanern oder Engländern verschieden, es sollen sogar, wie mannigfaltig versichert wird, die Schweden von den Norwegern verschieden sein, die ja nicht so weit auseinander sind. Es ist schon so, daß wir in der Welt nicht nach allgemeinen Grundsätzen uns richten können, sondern daß wir durchaus überall konkrete einzelne Verhältnisse haben und daß man diese ins Auge fassen muß. Aber gerade diese einzelnen konkreten Verhältnisse lernt man nicht kennen, wenn man nicht von Gesichtspunkten des Geistigen ausgeht. Der heutige Mensch kennt eigentlich die Welt nicht. Er redet viel über die Welt, aber er kennt sie nicht, denn er weiß nicht, wie dieses Geistig-Seelische hereinragt in dieses physische Dasein und wie schließlich doch das Geistige dieses physische Dasein regiert. Also man kann schon sehen, wie es mit abstrakten allgemeinen Prinzipien nicht getan ist. Gewiß, diese allgemeinen abstrakten Prinzipien sind richtig, aber man kommt mit ihnen nicht sehr weit in der wirklichen Welt.
[ 5 ] But this also has significance for the broader public sphere. And it is precisely these broader social contexts that I would like to discuss today in the third reflection I have the privilege of presenting to you. For it is of the utmost importance today that we truly carry what we gain through an anthroposophical understanding of the higher worlds into our immediate lives, and that we know how to express it in our lives. But when it comes to life, abstract teachings are of little use to us. Life on Earth is diverse. It is not only—if we apply the diversity of life, for example, to the existence of different peoples—that Indians differ from Americans or English people; it is even said, as is frequently asserted, that Swedes differ from Norwegians, who are not so far apart. It is indeed true that we cannot guide ourselves in the world according to general principles, but rather that we encounter concrete, individual circumstances everywhere, and that we must take these into account. But it is precisely these individual, concrete circumstances that one cannot come to know unless one proceeds from spiritual perspectives. People today do not really know the world. They talk a lot about the world, but they do not know it, for they do not know how this spiritual-soul aspect permeates physical existence and how, ultimately, the spiritual governs this physical existence. So one can already see that abstract, general principles are not enough. Certainly, these general, abstract principles are correct, but they do not take one very far in the real world.
[ 6 ] Es ist ganz gewiß ein richtiges Prinzip, daß Gott die Welt regiert. Aber es nützt gegenüber der Mannigfaltigkeit der Welt nichts, daß der Mensch sich vorhält: In Indien regiert Gott die Welt, in England regiert Gott die Welt, in Schweden regiert Gott die Welt, in Norwegen regiert Gott die Welt. Es ist gewiß, daß Gott die Welt überall regiert, aber es ist notwendig für das unmittelbar wirkliche Leben, daß man weiß, wie Gott die Welt in Indien, wie Gott die Welt in England, wie Gott die Welt in Schweden, wie Gott die Welt in Norwegen regiert. Auf die einzelnen konkreten Verhältnisse muß man auch bei der geistigen Betrachtung eingehen. Was würde es denn zum Beispiel nützen, wenn man den Menschen auf eine Wiese führte und ihm dort irgendeine Pflanze zeigte, welche gelbe Blüten, rundliche Blumenblätter hat, und man lehrte ihn nur: Das ist eine Pflanze —, und man ihn dann führte vor eine Pflanze, die Stacheln hat, die ganz spitze, fadenförmige Blumenblätter hat, und man sagte ihm: Das ist eine Pflanze. — Man muß ihm das einzelne der Pflanze klarmachen! Aber in bezug auf geistige Angelegenheiten ist der Mensch so ungemein bequem geworden, daß er mit den allgemein geistigen Prinzipien immer zufrieden ist, daß er immer nur hören will: Gott regiert die Welt, oder: Man hat einen Engel —; während er nicht im einzelnen wissen will, wie das Dasein sich gestaltet über die mannigfaltigsten Gebiete der Erde hin zum Beispiel, und wiederum über die mannigfaltigsten Gebiete des Lebens aus der geistigen Welt heraus.
[ 6 ] It is certainly a true principle that God governs the world. But given the diversity of the world, it does no good for a person to tell himself: In India, God governs the world; in England, God governs the world; in Sweden, God governs the world; in Norway, God governs the world. It is certain that God governs the world everywhere, but for immediate, real life, it is necessary to know how God governs the world in India, how God governs the world in England, how God governs the world in Sweden, and how God governs the world in Norway. One must also address the individual, concrete circumstances even in spiritual contemplation. What good would it do, for example, to lead a person to a meadow and show them some plant there that has yellow blossoms and rounded petals, and to teach them only: “This is a plant”—and then lead them to a plant that has thorns and very pointed, thread-like petals, and say to them: “This is a plant.” — One must make the specific characteristics of the plant clear to them! But when it comes to spiritual matters, people have become so incredibly complacent that they are always satisfied with general spiritual principles; they always want to hear only: “God rules the world,” or “One has an angel”—while he does not want to know in detail how existence takes shape across the most diverse regions of the earth, for example, and likewise across the most diverse realms of life emanating from the spiritual world.
[ 7 ] Wir wollen daher heute eine solche Betrachtung anstellen, welche nach dieser Richtung hinzielt. Man kann ja wirklich gerade in dieser heutigen Zeit, wo vieles so tumultuarisch abläuft, wo auf der andern Seite die Menschen auf weiten Gebieten der Erde so ratlos sind in bezug auf die öffentlichen Angelegenheiten, wo so vergeblich Kongresse und Konferenzen abgehalten werden, auf denen die Menschen zunächst große Programme entwickeln, um nachher auseinanderzugehen, ohne irgend etwas eigentlich entschieden zu haben, man kann gerade heute tiefere Fragen aufwerfen wollen über dasjenige, was in den einzelnen Gebieten der Erde vom Geiste heraus regierend sich offenbart.
[ 7 ] We would therefore like to undertake such a reflection today, one that points in this direction. Indeed, especially in these times, when so much is happening in such a tumultuous way, when, on the other hand, people in vast regions of the earth are so at a loss regarding public affairs, when congresses and conferences are held in vain—at which people first develop grand programs only to go their separate ways afterward without having actually decided anything— it is precisely today that one might wish to raise deeper questions about what is revealed in the various regions of the earth as governing from the spirit.
[ 8 ] Wenn wir auf das Halbinselgebilde blicken, welches Sie mit den Schweden zusammen als Ihren irdischen Wohnplatz betrachten, so hat es schon etwas,was gewissermaßen Rätsel aufgibt den außerhalb Schwedens und Norwegens wohnenden, aber auch den innerhalb Schwedens und Norwegens wohnenden Menschen. Es war ganz gewiß ein großer Unterschied in der Art und Weise, wie, sagen wir, seit 1914 Sie hier über die tumultuarischen Angelegenheiten der Welt gedacht haben, die ja gewiß hereingeschlagen haben in der mannigfaltigsten Weise, und wie in Mitteleuropa darüber gedacht wurde. Aber heute lebt ja der Mensch in bezug auf solches Hereinschlagen zumeist unbewußt, er macht sich nicht klar, welche tieferen Kräfte da walten. Und Sie konnten hinunterschauen in die mitteleuropäischen Gegenden, in die südlichen europäischen, afrikanischen, selbst asiatischen Gegenden, und Sie werden gesehen haben, daß da die Dinge sich nicht so abspielen, daß man eigentlich nur wie hier oben die Folgeerscheinung wahrnimmt, das Hereinspielen, das Herüberschlagen, sondern daß man etwas wahrnimmt, was aus den unmittelbaren menschlichen Leidenschaften herausquillt, was einen elementaren Charakter trägt, was wirklich den Charakter trägt, den man vielleicht ganz rätselhaft gefunden hat hier im Norden: als ob die Menschen einmal plötzlich rasend geworden wären, um übereinander herzufallen und sich zu zerfleischen. Diejenigen, die Zuschauer waren, die konnten ja ganz gewiß vieles in dieser Beziehung rätselhaft finden, wenn sie nur tiefer nachdachten.
[ 8 ] When we look at the peninsula that you, together with the Swedes, consider your home on earth, there is certainly something about it that, in a sense, poses a mystery not only to those living outside Sweden and Norway, but also to those living within Sweden and Norway. There was certainly a great difference in the way—let’s say, since 1914—you have thought here about the tumultuous events of the world, which have certainly impacted you in the most diverse ways, and the way people in Central Europe thought about them. But today, people are for the most part unaware of such impacts; they do not realize what deeper forces are at work there. And you could look down into the regions of Central Europe, into the southern European, African, and even Asian regions, and you would have seen that things do not unfold there in such a way that one actually perceives only the consequences, the spillover effects, spilling over—but rather that one perceives something that wells up from immediate human passions, something that has an elemental character, something that truly bears the character one might have found quite enigmatic here in the North: as if people had suddenly gone mad, rushing to attack one another and tear each other apart. Those who were spectators could certainly find much about this perplexing, if only they had thought more deeply about it.
[ 9 ] Aber solche Dinge werden nur klar, wenn man nicht nur einen einzelnen Zeitraum, und wäre es selbst einen, in dem so vieles geschieht wie in den letzten Jahren, betrachtet. Es ist ja wahr, derjenige, der die letzten Jahre durchlebt hat, der kann sagen, es ist ihm so, wie wenn er Jahrhunderte durchlebt hätte. Man wird erst nach und nach einsehen, daß das so ist. Die meisten Menschen leben ja heute noch so, denken so, wie es 1914 der Fall war. In den Ländern, die so sind, wie diese nordischen, ist es einigermaßen begreiflich. Daß es in Mitteleuropa auch so ist, ist ja etwas Furchtbares. Das Normale ist nur, daß der Mensch fühlt, er habe etwas durchgemacht, wie man es sonst nur innerhalb von Jahrhunderten durchmachen kann. Das alles war zusammengedrängt in wenigen Jahren. Man braucht sich ja nur zu überlegen, daß schließlich solche Ereignisse, wie sie 1914, 1915 vorgegangen sind, in einem kurzen Zeitraume so viel in sich faßten wie etwa zehn Jahre Dreißigjähriger Krieg. Aber ein einigermaßen bedeutsames Licht kann auf diese Dinge nur fallen, wenn man sie in einem größeren historischen Zusammenhange betrachtet.
[ 9 ] But such things only become clear when one looks beyond a single period—even one in which so much has happened as in recent years. It is true that anyone who has lived through the last few years can say it feels as if they had lived through centuries. People will only gradually come to realize that this is the case. After all, most people today still live and think the way they did in 1914. In countries like the Nordic ones, this is somewhat understandable. But that it is also the case in Central Europe is truly terrible. It is only natural that people feel they have gone through something that one would otherwise only experience over the course of centuries. All of that was crammed into just a few years. One need only consider that, after all, events such as those that took place in 1914 and 1915 encompassed as much in a short period of time as, say, ten years of the Thirty Years’ War. But a reasonably meaningful light can only be shed on these matters if one views them within a broader historical context.
[ 10 ] Und da sehen Sie gerade hier von dem Standpunkte Ihrer nordischen Halbinsel aus, wie sich im Grunde genommen erst seit dem Beginn unseres Zeitalters südwärts von Ihnen Dinge abgespielt haben, an denen Sie eben doch in anderer Weise teilgenommen haben als diejenigen, die im europäischen Süden, im westlichen Asien oder auch in Mitteleuropa an diesen jahrhundertelangen Ereignissen teilgenommen haben. Man muß nur einmal die polarischen Gegensätze, die zwischen dem Süden von Europa und dem Norden von Europa sind, zu einem ganz bestimmten Zeitraum ins Auge fassen.
[ 10 ] And here, from the vantage point of your Nordic peninsula, you can see how—essentially only since the beginning of our era—events have been unfolding south of you in which you have, after all, participated in a different way than those in southern Europe, western Asia, or even Central Europe who have taken part in these centuries-long events. One need only consider the polar opposites that exist between southern and northern Europe during a very specific period of time.
[ 11 ] Nehmen Sie einmal so etwas wie das 4. nachchristliche Jahrhundert oder das Zeitalter eben, das im 4. nachchristlichen Jahrhundert seinen Gipfel erlangt. Sie sehen im Süden auf der griechischen, namentlich auf der italienischen Halbinsel, auch in demjenigen, was sich nun schon in Mitteleuropa darangeschlossen hat: das Christentum breitet sich immer mehr und mehr aus. Aber man nimmt auch noch etwas anderes wahr. Dieses Christentum hat sich vom Osten herüber in die europäisch-heidnische Welt eingelebt. In verschiedener Weise hat es sich in den ersten Jahrhunderten in diese heidnische Welt eingelebt. Und wenn wir die ersten Jahrhunderte, das 1., 2., auch noch das 3. Jahrhundert ins Auge fassen, so finden wir eigentlich überall, daß das Christentum durchsetzt ist von alter Weisheit, von der alten Erbweisheit der Menschen. Mit Hilfe der sogenannten Gnosis will man das Christentum begreifen. Mit der höchsten Weisheit will man das Christentum durchdringen. Das wird eigentlich erst anders im 4. nachchristlichen Jahrhundert. Gerade dann wird es anders, als das Christentum beginnt, mehr sich nach den Gegenden Mitteleuropas auszubreiten. Da verschwindet die gnostische, die weisheitsvolle Auffassung des Christentums. Man erlebt es, daß ein solcher Schriftsteller, der noch etwas von der alten gnostischen Weisheit in das Christentum hat hineinbringen wollen, wie Origenes, verketzert wird. Man erlebt es, daß Julian, der sogenannte Apostat, der die alte heidnische Weisheit mit dem Christentum hat verbinden wollen, perhorresziert wird. Und man erlebt endlich das Außerlichwerden des Christentums in einer politischen Kirchenform durch die Tat des Konstantin. Was zunächst ganz anders war im Christentum, was weisheitsvoll war, was so war, daß man sich sagte, höchste Weisheit ist notwendig, um die christlichen Geheimnisse zu begreifen, das nimmt im 4. Jahrhundert allmählich einen immer weniger weisheitsvollen Charakter an. Man verlangt immer mehr und mehr, daß die Menschen mit einem gewissen elementaren Sinn bloß, mit einem abstrakten Gefühl das Christentum begreifen sollen. Das Christentum schiebt sich herauf vom Süden nach Norden. Man hat allerdings in den Jahrhunderten vom 4. bis zum 15. Jahrhundert im Süden und namentlich in Mitteleuropa viel Seelisches in demjenigen, was sich als das christliche Leben entwickelt, aber das eigentlich Geistige ist gewichen. Die Gnosis wird als etwas betrachtet, was man im Christentum nicht mehr haben will. Das sind so etwa ein paar Streiflichter nur über das, was im Süden der Nordvölker Europas vorgeht.
[ 11 ] Take, for example, the 4th century A.D. or the era that reached its peak in the 4th century A.D. If you look to the south—on the Greek Peninsula, specifically the Italian Peninsula, and also in the regions of Central Europe that had already joined them—you see that Christianity is spreading more and more. But you also notice something else. This Christianity has taken root in the European pagan world, having come from the East. In various ways, it took root in this pagan world during the first centuries. And when we consider the first centuries—the 1st, 2nd, and even the 3rd—we find, in fact, everywhere that Christianity is interwoven with ancient wisdom, with the ancient inherited wisdom of humanity. People sought to understand Christianity through what is known as Gnosticism. People sought to permeate Christianity with the highest wisdom. This actually began to change only in the 4th century A.D. It was precisely then that things changed, as Christianity began to spread more widely into the regions of Central Europe. That is when the Gnostic, wisdom-based understanding of Christianity disappeared. We see that a writer such as Origen, who sought to bring some of the ancient Gnostic wisdom into Christianity, was declared a heretic. We see that Julian, the so-called Apostate, who sought to unite the ancient pagan wisdom with Christianity, was condemned. And finally, one witnesses Christianity becoming externalized in a political form of the Church through the actions of Constantine. What was initially quite different in Christianity—what was wisdom-filled, what was such that one said to oneself, “The highest wisdom is necessary to comprehend the Christian mysteries”—gradually takes on an increasingly less wisdom-filled character in the 4th century. There was an ever-increasing demand that people understand Christianity merely through a certain elementary sense, through an abstract feeling. Christianity spread northward from the south. Admittedly, from the 4th to the 15th century, in the south—and especially in Central Europe—there was much of a spiritual nature in what developed as Christian life, but the truly spiritual had given way. Gnosticism is regarded as something that is no longer welcome in Christianity. These are just a few brief glimpses into what is happening in the south among the northern peoples of Europe.
[ 12 ] Es breitet sich das Christentum aus, muß sich einleben in die griechische Welt, in die römische und in die mitteleuropäische Welt. Es wird in einer gewissen Weise da entgeistet. Betrachten Sie nun, sagen wir, in demselben 3., 4. Jahrhunderte, also in den ersten Jahrhunderten der nachchristlichen Zeit, Ihre nordische Welt hier. Man kann es ja heute mit der äußeren Geschichte wohl wenig, denn diese äußere Geschichte berichtet gerade darüber nicht das Wahre, man muß es an der Hand der Anthroposophie tun. Mit Bezug auf die europäischen Völkerseelen haben wir das vor Jahren hier getan, aber mit Bezug mehr auf den äußeren Volkscharakter wollen wir es heute einmal ins Auge fassen.
[ 12 ] Christianity is spreading and must adapt to the Greek world, the Roman world, and the Central European world. In a certain sense, it becomes de-spiritualized there. Now consider, let’s say, during those same 3rd and 4th centuries—that is, in the first centuries of the Christian era—your Nordic world here. One can’t really rely on external history today, since that external history does not tell the truth about this; one must approach it through the lens of anthroposophy. We did this here years ago with regard to the European national souls, but today we want to consider it more in relation to the outward national character.
[ 13 ] In der Zeit, in der es im Süden immer mehr und mehr so wird, daß sich der Geist nach dem Orient zurückzieht, bald nach der Zeit, die ich geschildert habe, werden ja die alten athenischen Philosophenschulen geschlossen, und die letzten Philosophen Athens müssen sich zurückziehen nach dem Orient, wo sie sich verbinden mit der geheimnisvollen Akademie von Gondishapur, die dann ein merkwürdiges Geistesleben über Afrika und Südeuropa herüber nach dem übrigen Europa verbreitete, welches das spätere Geistesleben viel beeinflußte. Aber man kann doch sagen: Da unten im Süden müssen die Menschen zurückblicken auf eine hohe Geistigkeit, die sie einstmals gehabt haben. Das gewaltige Ereignis von Golgatha ist hereingebrochen. Man hat in den ersten Jahrhunderten noch nötig befunden, mit Hilfe dieser hohen Geistigkeit das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Man hat diese Geistigkeit allmählich abgestreift. Es ist immer mehr und mehr Menschliches an die Stelle desjenigen getreten, was man nennen kann das göttliche Wirken in dem Menschen.
[ 13 ] At a time when, in the South, the spirit was increasingly turning back toward the East—shortly after the period I have described—the ancient Athenian schools of philosophy were closed, and the last philosophers of Athens were forced to retreat to the East, where they joined the mysterious Academy of Gondishapur, which then spread a remarkable spiritual life across Africa and Southern Europe to the rest of Europe—a spiritual life that greatly influenced later spiritual development. But one can still say: Down there in the South, people must look back on a high level of spirituality that they once possessed. The momentous event of Golgotha has come to pass. In the early centuries, people still felt it necessary to comprehend the mystery of Golgotha with the help of this high spirituality. Gradually, this spirituality was cast aside. More and more of the human has taken the place of what might be called the divine working within the human being.
[ 14 ] Gnosis war noch etwas, wodurch der Mensch sich bewußt wurde, daß ein göttlich-geistiges Sein in ihm ist. Immer mehr und mehr wurde dieses göttlich-geistige Sein abgestreift, und das Menschliche sollte herauskommen. Dazu haben viel diejenigen Völkerschaften beigetragen, die man als die Glieder der Völkerwanderungsvölker bezeichnete. Bei ihren Wanderungen nach dem Süden, bei ihren Eroberungen der südlichen Gebiete haben diese mitteleuropäischen Völker, diese mitteleuropäisch-germanischen Völker, die eine, ich möchte sagen, mehr natürlich an das Physische gebundene Seele mitgebracht haben, dazumal mitgewirkt an diesem Zurückdrängen des Geistigen, indem sie nicht verstanden haben die alte Geistigkeit, und ein mehr menschlich-elementarisches Wesen nach dem Süden gebracht haben. Und die hohe menschliche Urweisheit ist so allmählich aus der abendländischen Geisteskultur herausgewichen. Und in derselben Zeit, also im 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert, in welcher im Süden dieses Zurückdrängen des Geistigen stattfindet, sehen wir hier oben im Norden, daß sich unter diesen Menschen des Nordens noch durchaus Götterlehren verbreiten.
[ 14 ] Gnosis was also a means by which human beings became aware that a divine-spiritual being dwells within them. More and more, this divine-spiritual being was shed, and the human aspect was to emerge. The peoples known as the Migration Period tribes contributed greatly to this. During their migrations southward and their conquests of the southern regions, these Central European peoples—these Central European-Germanic peoples—who brought with them a soul that was, I would say, a soul more naturally bound to the physical—contributed to this suppression of the spiritual at that time, in that they did not understand the ancient spirituality and brought a more human-elemental nature to the south. And thus the high, primordial human wisdom gradually receded from Western spiritual culture. And at the same time—that is, in the 3rd and 4th centuries A.D., when this suppression of the spiritual was taking place in the south—we see here in the north that teachings about the gods were still very much in circulation among these northern peoples.
[ 15 ] In dieser Zeit war es noch durchaus so, daß in hohem Ansehen standen diejenigen, die in instinktiver Weise inspiriert wurden. Es spielten sich hier Zeiten ab, die für die südliche Bevölkerung der Erde längst vorüber waren. Hier konnte man noch erleben, wie der einzelne Mann oder die einzelne Frau da oder dort in der Einsamkeit aufgesucht wurde und wie ihnen in dieser Einsamkeit zugehört wurde, wie sie in geheimnisvoller Art durch ihre besonderen Fähigkeiten, die an die besondere Ausbildung ihres Körperlichen gebunden waren, wie sie aus dieser besonderen Ausbildung ihrer Fähigkeiten heraus Offenbarungen gaben über die geistigen Welten. Als ursprüngliche Naturanlage erschien das bei den einzelnen Menschen, die in dieser Weise unter den andern wirkten. Und indem die größeren Völkermassen solchen einzelnen einsamen Offenbarern aufmerksam lauschten, waren sie sich durchaus bewußt, daß, wenn sie in die Hütte dieses oder jenes gotttrunkenen und gottoffenbarenden Mannes oder auch einer gottoffenbarenden, gottdurchtränkten Frau eintraten, es eigentlich nicht dieser physische Mann oder diese physische Frau waren, denen sie zuhörten, denen sie lauschten, sondern daß es die göttliche Geistigkeit selbst war, die da heruntergestiegen war, die inspiriert hatte diese einzelnen Persönlichkeiten, damit diese einzelnen Persönlichkeiten Gotteslehren ihren Mitmenschen geben konnten.
[ 15 ] At that time, it was still very much the case that those who were inspired instinctively were held in high esteem. This was a time that had long since passed for the southern populations of the Earth. Here one could still witness how individual men or women were sought out here and there in solitude, and how they were listened to in that solitude; how, in a mysterious way through their special abilities—which were linked to the special development of their physical bodies—they gave revelations about the spiritual worlds. This appeared as an innate disposition in the individual human beings who worked in this way among others. And as the larger masses of people listened attentively to such solitary revelators, they were fully aware that when they entered the hut of this or that God-intoxicated and God-revealing man—or even a God-revealing, God-imbued woman, it was not actually this physical man or this physical woman whom they were listening to, but rather the divine spirit itself that had descended, which had inspired these individual personalities so that they could impart God’s teachings to their fellow human beings.
[ 16 ] Es ist das Auffallende für den anthroposophischen Geschichtsbetrachter Europas, daß in derselben Zeit, wo wir den Geist immer mehr und mehr sich ablähmen sehen im Süden, wo immer mehr und mehr das Menschliche höchstens Seelen erfüllt — aber eben das Physisch-Menschliche, das der Mensch auf der äußeren physischen Erde auslebt und gegenüber dem Göttlichen immer mehr und mehr überhand nimmt —, daß da gerade hier oben im Norden, in dem entscheidenden 4. Jahrhundert, während im Süden die Menschen immer mehr und mehr begierig werden, Menschenlehren entgegenzunehmen, die Menschen hier oben im Norden durchaus noch dafür veranlagt waren, Gotteslehren entgegenzunehmen, zu fühlen, daß die Götter, das heißt, die Wesenheiten der höheren Hierarchien noch unter ihnen wandeln.
[ 16 ] What is striking to the anthroposophical observer of European history is that, at the very same time when we see the spirit becoming increasingly dulled in the south—where the human aspect, at most, fills the souls—but precisely that physical-human aspect which human beings live out on the outer physical earth and which is increasingly gaining the upper hand over the divine —it is precisely here in the North, during the decisive 4th century, that while people in the South were becoming more and more eager to receive human teachings, people here in the North were still quite predisposed to receive divine teachings, to feel that the gods—that is, the beings of the higher hierarchies—were still walking among them.
[ 17 ] Wir müssen daher durchaus ernst nehmen die aus der grauen Geistestiefeheraufleuchtenden einzelnen Kundgebungen, die so angesehen werden, als ob — was eben die Wahrheit ist — in diesen Zeiten unter den nordischen Völkern, die da noch kindlich waren, die Götter als die Lehrer gewandelt hätten. Derjenige Zustand, der in einer bestimmten Weise da im Norden noch in den ersten christlichen Jahrhunderten uns entgegentritt, war für die südlichen Gegenden längst vorüber. Aber es ist doch merkwürdig, tief bezeichnend, wie in dem Schicksal der Völker es vorgezeichnet ist, daß die nordischen Menschen die Träger werden in einer bestimmten Weise für den Süden in bezug auf dasjenige, was diese nordischen Menschen nun wiederum nicht von Menschen, sondern von Göttern gelernt hatten.
[ 17 ] We must therefore take very seriously the individual manifestations that shine forth from the gray depths of the spirit, which are regarded as if—and this is indeed the truth—in those times, among the Nordic peoples who were still childlike, the gods had walked among them as teachers. The state of affairs that, in a certain sense, still confronts us in the North even during the first centuries of Christianity had long since passed in the southern regions. But it is nevertheless remarkable, deeply significant, how it is predestined in the fate of peoples that the Nordic peoples would, in a certain way, become the bearers for the South of that which these Nordic peoples had in turn learned not from human beings, but from the gods.
[ 18 ] Nehmen wir nur das ganz ernst, daß diejenigen Menschen, die zum Beispiel sich anschließen hauptsächlich an die Bevölkerung des Westens Ihrer Halbinsel, die ihre Nachfolger in den heutigen Norwegern haben, ihre Züge beginnen nach Westen, nach Südwesten hinüber, daß sie beeinflussen bei ihren Wanderzügen, bei ihren Seefahrten, bei ihren Eroberungen bis nach Sizilien hinunter, bis nach Nordafrika dasjenige, was dort sitzt. Die Göttersöhne gehen zu den Söhnen der Welt, und sie bringen ihnen in einer ganz bestimmten Weise dasjenige, was sie noch von ihren Göttern gelernt haben.
[ 18 ] Let us take this very seriously: that those people who, for example, are primarily associated with the population of the western part of your peninsula—whose successors are the Norwegians of today—begin to move westward and southwestward, and that through their migrations, their sea voyages, and their conquests all the way down to Sicily and as far as North Africa, they influence the peoples living there. The sons of the gods go to the sons of the world, and in a very specific way they bring them what they have learned from their gods.
[ 19 ] Es ist ein interessantes Studium der Geschichte, wenn man diese Wanderungen der Nordvölker nach dem Südwesten hinüber betrachtet, wie sich überall dasjenige, was sich hier noch als nordische Götterlehre abgespielt hat, allerdings sich immer gleich metamorphosierend, verwandelnd, nach dem Südwesten hin ergießt und tief beeinflußt die englischen Inseln, Frankreich, Spanien, Italien, Sizilien, Afrika. Und wir sehen heute noch den Einschlag, der sich da bilder.
[ 19 ] It is an interesting study of history to observe these migrations of the northern peoples toward the southwest, and to see how what was still playing out here as the Norse pantheon—albeit constantly metamorphosing and transforming—spilled out toward the southwest and profoundly influenced the British Isles, France, Spain, Italy, Sicily, and Africa. And we can still see the impact that has taken shape there today.
[ 20 ] Dasjenige, was vom Süden nach dem Norden hinaufspielt durch das Römertum hindurch, durch das römisch-lateinische Element, das wird durchdrungen von dem nordischen Element. Man möchte sagen, was an Gottesbewußtsein erhalten geblieben ist von den vom Süden heraufwandernden Kulturströmungen, das wird hier sich so darstellen, daß es den Einschlag der nordischen Götterlehren hat. Aber es nimmt doch einen eigentümlichen Charakter an, der einem erst ganz auffällt, wenn man nunmehr nach dem östlichen Teil dieser nordischen Halbinsel hinsieht, nach dem schwedischen Teil.
[ 20 ] That which flows from the south to the north through Roman culture—through the Roman-Latin element—is permeated by the Nordic element. One might say that what has been preserved of the sense of God in the cultural currents migrating upward from the south manifests itself here in such a way that it bears the influence of the Nordic teachings about the gods. Yet it takes on a distinctive character that one only fully notices when one now turns one’s gaze to the eastern part of this Nordic peninsula—the Swedish part.
[ 21 ] Wir brauchen nur der einen Tatsache uns zu erinnern, wie die Bevölkerungen des europäischen Ostens zu den Warägern schicken, wie sie von da aus die Beeinflussung erhalten, und wie dasjenige, was im Osten der nordischen Halbinsel ist, eben auch mehr nach dem Osten hinüberströmt. Wir haben ein merkwürdiges Wirken von dieser Halbinsel aus. Dasjenige, ich möchte sagen, was mehr zum Norwegischen später hinneigt, strömt nach dem Südwesten, was mehr zu dem Schwedischen später hinneigt, strömt nach dem Südosten. Überall sind es allerdings die nordischen Götterlehren, aber sie sind in einer andern Weise vertreten.
[ 21 ] We need only recall the fact that the peoples of Eastern Europe look to the Varangians, that they are influenced by them, and that what exists in the east of the Nordic Peninsula also flows further eastward. We see a remarkable influence emanating from this peninsula. That which, I would say, later tends more toward the Norwegian, flows toward the southwest; that which later tends more toward the Swedish, flows toward the southeast. Everywhere, of course, it is the Nordic myths, but they are represented in a different way.
[ 22 ] Es ist ein Zug bei denjenigen Völkern, die dann zu den Norwegern werden, vorhanden, das aktive Element, das erkraftende Element, das anfeuernde Element nach Südwesten zu tragen. Der erlahmenden romanisch-lateinischen Kultur wird auf diese Weise das Aktive, das Tätige eingepflanzt. Wir sehen also, ich möchte sagen, die nordischen Götter so wirken bei diesen Wanderungen, daß sie das ganze Völkerleben aktivieren, in Tätiges verwandeln. In allen Einzelheiten ist das zu verfolgen, und es ist reizvoll zu verfolgen.
[ 22 ] There is a tendency among those peoples who would later become the Norwegians to carry the active element, the invigorating element, the inspiring element toward the southwest. In this way, the active, dynamic force is instilled into the flagging Roman-Latin culture. So we see—I would say—that the Norse gods exert an influence during these migrations such that they invigorate the entire life of the peoples, transforming it into something active. This can be traced in every detail, and it is fascinating to trace.
[ 23 ] Betrachten wir aber auf der andern Seite den ganzen merkwürdigen Charakter bis in die heutigen Tage hinein der ostskandinavischen Einflüsse nach dem Osten hinüber, der schwedischen Impulse nach dem Osten hinüber. Gewiß, durch geographische Verhältnisse mitbedingt! Aber diese geographischen Verhältnisse müssen doch auch im Volkscharakter liegen, denn der Mensch wächst nicht aus der Erde heraus, sondern er wird auf die Erde hin geboren, er kommt aus geistig-seelischen Welten herunter, und es ist nicht gleichgültig, ob er als Norweger oder als Schwede geboren wird. So daß man nicht auskommt damit, daß man bloß sagt, die geographischen Verhältnisse sind so, sondern man muß weiter fragen, warum die Seelen auf der einen Seite dahin streben, ein Norweger zu werden, auf der andern Seite dahin streben, ein Schwede zu werden.
[ 23 ] But let us also consider, on the other hand, the entire remarkable character—extending right up to the present day—of the East Scandinavian influences spreading eastward, of the Swedish impulses spreading eastward. Certainly, this is partly due to geographical conditions! But these geographical conditions must also be reflected in the national character, for human beings do not grow out of the earth; rather, they are born into the earth—they descend from spiritual and soul worlds—and it is not a matter of indifference whether they are born as Norwegians or as Swedes. So one cannot simply say that geographical conditions are what they are; rather, one must ask further why souls on the one hand strive to become Norwegians, and on the other hand strive to become Swedes.
[ 24 ] Also die Ostskandinavier, sie strömen hinüber nach dem Osten, aber sie werden überall, indem sie vorwärtsströmen, wie abgelenkt. Sie entwickeln keine Aktivität. Sie können nicht widerstehen demjenigen, was sich vom Osten herüber, früher durch andere Asiaten, später durch mongolisch-tatarische Völkerschaften, und wiederum, was sich vom Süden herauf als das mehr nach dem Osten hinüberneigende Element der christlich-antiken Kultur entwickelt. Ich möchte sagen, diese Strömung, sie strömt hinunter nach dem Südosten, aber sie staut sich überall. Sie nimmt durchaus, indem sie eindringt in dieses Element, einen passiven Charakter an.
[ 24 ] So the Eastern Scandinavians are streaming eastward, but as they move forward, they seem to be distracted everywhere they go. They do not engage in any activity. They cannot resist what is coming from the east—first through other Asian peoples, later through Mongol-Tatar peoples—and, in turn, what is developing from the south as the element of Christian-antique culture that leans more toward the east. I would say that this current flows down toward the southeast, but it becomes blocked everywhere. As it penetrates this element, it certainly takes on a passive character.
[ 25 ] Es ist tatsächlich alles an der äußeren Peripherie vom Norden aus tief beeinflußt. Aktiv wirkt überall nach dasjenige, was sich von dem Westen der nordischen Halbinsel nach dem Süden hin erstreckt. Ergriffen von dem Nichtaktiven wird überall dasjenige, was sich nach dem Osten hin erstreckt, von dem sinnigen Elemente des Ostens, und wird in einer gewissen Weise in der Aktivität abgestumpft. Die nordischen Götter, möchte ich sagen, indem sie nach dem Westen hinüber ihre Impulse schicken, entwickeln vor allen Dingen ihre Willensnatur. Die nordischen Götter, indem sie nach dem Osten hinüber ihre Wesensnatur schicken, entfalten ihre mehr Verstandes-, ihre mehr Vernunftnatur, ihre betrachtende Natur.
[ 25 ] In fact, everything on the outer periphery is deeply influenced by the north. That which extends from the west of the Nordic Peninsula toward the south exerts an active influence everywhere. That which extends toward the east is permeated everywhere by the passive element of the East and is, in a certain sense, dulled in its activity. The Nordic gods, I would say, by sending their impulses westward, develop above all their volitional nature. The Nordic gods, by sending their essential nature eastward, unfold their more intellectual, their more rational nature, their contemplative nature.
[ 26 ] Äußere Kriege, äußere Kämpfe sind ja zuletzt nur die sinnlichen Abbilder desjenigen, was in dieser Weise sich abspielte, wie ich es jetzt eben geschildert habe. Derjenige, der nun ein Abstraktling ist, der die ganze Welt vom Standpunkte irgendeiner Theorie betrachten will und die heutigen Empiriker, die heutigen Menschen, die so stolz sind auf ihre äußere Wissenschaft, sind im Grunde genommen die stärksten Abstraktlinge, sie gehen nirgends auf die Realität ein, sie denken über die Sache nach, statt in die Sache unterzutauchen, um sie innerlich kennenzulernen —, diejenigen, die solche Abstraktlinge sind, werden allerlei charakteristische Eigenschaften, die sich noch bei den Norwegern zeigen, die sich noch bei den Schweden zeigen, vorbringen. Man kann dann allerdings auch manches vorbringen, und in den Ländern selbst werden von den eigenen Bewohnern oftmals nur solche Eigentümlichkeiten des Außeren vorgebracht, weil man heute nicht in die Tiefen der Menschennatur hinunterdringen will, um das Leben wirklich kennenzulernen. Aber man muß solche Anschauungen anwenden auf das Leben, wie wir sie in diesen beiden Betrachtungen, die ich hier vor Ihnen halten durfte, kennengelernt haben. Man muß eben einführen in das äußere Leben die Betrachtung nicht nur vom Gesichtspunkte zwischen Geburt und Tod, sondern auch vom Gesichtspunkte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und man muß auf diejenigen Dinge sehen, die nicht allein den egoistischen Menschen befriedigen, der nach dem Tode selig werden will und der sich, weil er das physische Leben noch vor sich hat, um dieses vorgeburtliche Leben nicht kümmert, man muß nicht bloß diese Sache vom egoistischen Standpunkte aus betrachten, sondern man muß die Sache betrachten vom Standpunkte des allgemeinen Menschenlebens aus, von dem Standpunkte aus, wie man eingreifen kann durch das, was man sich mitgebracht hat durch die Geburt aus geistig-seelischen Welten in dieses irdische Leben.
[ 26 ] External wars and external struggles are, after all, merely the sensory reflections of what unfolded in the manner I have just described. Those who are abstract thinkers—who want to view the entire world from the standpoint of some theory—and today’s empiricists, today’s people who are so proud of their external science, are, at heart, the most extreme abstract thinkers; they never engage with reality; they think about the matter instead of immersing themselves in it to get to know it from within—those who are such abstract thinkers will point to all sorts of characteristic traits that are still evident among the Norwegians and the Swedes. Of course, one can also point out many things, and in the countries themselves, the inhabitants often highlight only such external peculiarities because today people do not wish to delve into the depths of human nature in order to truly understand life. But one must apply such perspectives to life as we have come to know them in these two reflections that I have been allowed to present here before you. One must introduce into external life a perspective not only from the standpoint between birth and death, but also from the standpoint between death and a new birth, and one must look at those things that do not merely satisfy the selfish person who wants to attain bliss after death and who, because physical life still lies ahead, pays no heed to this pre-birth life; one must not merely view this matter from an egoistic standpoint, but must view it from the standpoint of human life in general—from the standpoint of how one can intervene through what one has brought with oneself at birth from the spiritual and soul worlds into this earthly life.
[ 27 ] Da kommt man dann dazu, daß Zusammenhänge sind im Leben der Menschen, im Leben der Völker, die sich allerdings erst offenbaren, wenn man dasjenige überblickt, was der Mensch ist durch die Erdenleben hindurch, wenn man auf diejenigen Zeiten auch blickt, die er eben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zubringt. Da zeigt sich der wunderbar merkwürdige Zusammenhang, und aus solchen merkwürdig wunderbaren Zusammenhängen begreift man dann dasjenige, was auf der Erde geschieht: Der heutige Norweger hat durchaus in seiner äußeren volksmäßigen Charakteristik Erbschaften von dem, was jene Menschen ausgebildet haben, die nach dem Südwesten einstmals mit ihren Götteroffenbarungen hinübergekommen sind, um das römisch-lateinische Element aktiv zu machen. Damals wurde etwas ausgebildet im großen Weltenplane, was den norwegischen Menschen gerade ihren besonderen Charakter gegeben hat, was ihnen ihre besondere Aufgabe gegeben hat. Und diejenigen, die heute in Norwegen geboren sind, werden ihr Dasein nur verstehen, ihre Aufgabe in der Gesamtwelt nur verstehen, wenn sie mit einem solchen geistigen Verständnis zurückblicken auf diejenigen Zeiten, die Norwegen auf besondere Weise haben werden lassen damals, als die nordischen Völker auf ihren Wanderzügen, auf ihren Beutezügen, auf ihren Erobererzügen nach dem Südwesten gezogen sind zu einer Erdenaufgabe. Aber diese Erdenaufgabe entsprang eben dazumal aus einem Charakter der hier ansässigen Völker heraus. Dieser Charakter, der ist dazumal gewiß anders gewesen als heute, aber von ihm ist etwas als Erbschaft geblieben, was heute im Norweger steckt, die ihm ganz besondere Fähigkeiten erteilt, die auch unter dem Gesichtspunkte des ewigen Menschenlebens, des unsterblichen Menschenlebens eine gewisse Bedeutung haben.
[ 27 ] This leads us to the realization that there are connections in the lives of individuals and in the lives of peoples—connections that, however, only become apparent when one surveys what a human being is throughout their earthly lives, and when one also looks at the periods they spend between death and a new birth. There the wonderfully remarkable connection becomes apparent, and from such remarkably wonderful connections one then comes to understand what happens on Earth: Today’s Norwegians certainly carry within their outward national characteristics a legacy of what was shaped by those people who once came from the southwest with their divine revelations to activate the Roman-Latin element. At that time, something was shaped within the great world plan that gave the Norwegian people their particular character and their special mission. And those born in Norway today will only understand their existence, will only understand their mission within the world as a whole, if they look back with such spiritual understanding on those times that shaped Norway in a special way—back when the Nordic peoples, on their migrations, their raids, and their conquests, journeyed southwest to fulfill an earthly mission. But this earthly mission arose at that time precisely from the character of the peoples settled here. This character was certainly different then than it is today, but something of it has remained as a legacy within the Norwegians of today, endowing them with very special abilities that also hold a certain significance from the perspective of eternal human life, of immortal human life.
[ 28 ] Und ebenso ist es schließlich damit, daß in dem östlichen Teil dieser Halbinsel, wo sich dann der schwedische Charakter entwickelt hat, die alten Götterlehren so hinübergetragen worden sind nach dem Osten, daß man das nur so ausdrücken kann, daß man sagen möchte: Diese Götter wanderten hinüber nach dem Osten und erblickten im Osten Menschen, die ihre eigene Götterlehre noch bewahrt hatten in einer gewissen mystisch-orientalischen Form. So daß dasjenige, was mehr aus der Natur heraus eine Offenbarung war, da im Osten wenig angenommen worden ist, und diejenigen, die nach dem Osten wanderten, mehr zum Betrachten, zum sinnigen Leben verurteilt waren.
[ 28 ] And the same is ultimately true of the eastern part of this peninsula, where the Swedish character subsequently developed: the ancient teachings about the gods were carried over to the East in such a way that one can only express it by saying: These gods migrated eastward and found there people who had still preserved their own divine teachings in a certain mystical, Eastern form. Thus, what was more of a revelation arising from nature was scarcely accepted in the East, and those who migrated eastward were more destined for contemplation and a life of meaning.
[ 29 ] Das aber hat wiederum eine Erbschaft hinterlassen, und diese Erbschaft drückt dem Volke seinen Charakter auf. Und ich möchte sagen: Will man heute den westlichen und den östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel verstehen, so muß man auf dasjenige zurückblicken, was diese Völker im Verlaufe der Jahrhunderte erlebt haben, was sie durch das, was sie da erlebt haben, heute der Welt geworden sind, denn heute haben wir alle Ursache, über so etwas nachzudenken. Wir können es heute ganz gut auf eine leicht elementare Weise verstehen, wie schon geistige Kräfte in die Welt hereinwirken müssen in den ganzen internationalen Weltenverlauf und in das ganze internationale Menschenleben, und wie die einzelnen Volksmissionen verstanden werden müssen vom Gesichtspunkte spiritueller Erforschung der Welt.
[ 29 ] But this, in turn, has left a legacy, and this legacy shapes the character of the people. And I would like to say: If one wants to understand the western and eastern parts of the Scandinavian Peninsula today, one must look back at what these peoples have experienced over the course of the centuries, and what they have become to the world today as a result of those experiences, for today we have every reason to reflect on such matters. Today we can quite easily understand, in a very basic way, how spiritual forces must already be at work in the world—in the entire course of world history and in the whole of international human life—and how the missions of individual peoples must be understood from the perspective of spiritual exploration of the world.
[ 30 ] Wenn man nun mit übersinnlicher Erkenntniskraft darangeht, diesen Zusammenhang zu erforschen zwischen den Aufgaben der heutigen Norweger und Schweden und ihren historischen Entwickelungsgängen, dann stellt sich eine merkwürdige Beziehung heraus. Eine ganz bestimmte Anlage haben, nicht nur wenn sie durch die Geburt in das norwegische Dasein treten, die Norweger. Dasjenige, was sich da entwickelt, kann man ja in der äußeren physischen Welt sehen; das können Anthropologen, Kulturhistoriker oder meinetwillen selbst Journalisten beschreiben. Es wird mehr oder weniger treffend sein, aber es wird nicht das ausmachen, was im Inneren der menschlichen Seele quillt. Denn der Mensch hat nicht nur eine Mission hier auf der Erde, der Mensch hat auch eine Mission, wenn er durch den Tod getreten ist, für die geistigen Welten. Und diese Mission, die der Mensch hat für die geistigen Welten, nachdem er durch den Tod getreten ist, die bildet sich gerade hier auf Erden aus. |
[ 30 ] If one now sets out to explore, using supersensible insight, this connection between the tasks facing Norwegians and Swedes today and their historical development, a remarkable relationship becomes apparent. Norwegians possess a very specific predisposition, not only when they enter Norwegian existence through birth. What develops there can, of course, be seen in the outer physical world; anthropologists, cultural historians, or even journalists, for that matter, can describe it. Their descriptions may be more or less accurate, but they will not capture what wells up within the human soul. For human beings do not only have a mission here on Earth; they also have a mission for the spiritual worlds once they have passed through death. And this mission that human beings have for the spiritual worlds after they have passed through death is formed precisely here on Earth. |
[ 31 ] Das, was wir in den ersten Zeiten nach dem Tode erleben, ist eine Folge unserer Erdenentwickelung. Was wir hier allerdings erleben in den ersten Zeiten nach der Geburt, das ist wiederum eine Folge der geistig-seelischen Welt. Es ist im höchsten Grade bedeutungsvoll, wenn man eben mit den Mitteln, die der Geistesforschung in anthroposophischer Beziehung zur Verfügung stehen, die norwegische Mission nicht für die Erde, sondern für die Zeit nach dem "Tode betrachtet.
[ 31 ] What we experience in the early stages after death is a consequence of our earthly development. What we experience here, however, in the early stages after birth, is in turn a consequence of the spiritual-soul world. It is of the utmost significance to view the Norwegian mission—not in relation to the Earth, but in relation to the time after “death”—using the methods available to spiritual research within the context of anthroposophy.
[ 32 ] Diese Seelen, die gerade von diesem Boden des Westens der skandinavischen Halbinsel durch die Pforte des Todes gehen, denen kann ich sage: kann — durch ihren eigentümlichen physischen Volkscharakter, durch die ganze Konfiguration ihres Gehirns, ihrer übrigen Leiblichkeit beschieden sein, daß sie in einer ganz bestimmten Weise für ihre Mitseelen nach dem Tode anregend werden, daß sie ihren Mitseelen nach dem Tode etwas geben können, was sie ihnen nur vermöge des norwegischen Charakters geben können. Denn der norwegische Charakter ist heute, gerade in diesem Zeitalter, so veranlagt, daß er unterbewußt innerlich kennenlernt gewisse Geheimnisse der Natur: nicht durch Ihr äußerliches Verstandeswissen, aber durch jenes Wissen, das Sie entwickeln in Ihrer Geistleiblichkeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, wenn Sie draußen sind im Raume, ohne daß Sie sich der Sinne bedienen; wenn Sie die Geistigkeit in der Pflanzenwelt, die Geistigkeit in Stein und Fels, die Geistigkeit im Baum- und Meeresrauschen erleben außerhalb Ihres Leibes, wenn Sie das nicht anschauen mit Ihren physischen Sinnen, sondern wenn Sie es außerhalb Ihres Leibes anschauen, wenn Sie wandeln innerhalb Ihrer Gebiete in der Zeit zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen; was Sie da für eine Kraft erkennen lernen, die in den Pflanzen lebt, was Sie da für Kräfte erkennen lernen, die in Ihren Felsen verborgen sind, was Sie da für Kräfte erkennen lernen, die mit Ihren Meereswellen anrauschen an die Küste, wenn Sie all dasjenige nehmen, was die Geistigkeit dieser rauschenden Meereswellen, dieser auf den Felsen hier spärlich blühenden Pflanzen, dieses ganzen Weltensembles ist, wenn Sie nehmen, was von diesem Weltensemble in Ihren Seelen ausgelöst wird während des Schlafes, wenn Sie also die intime Naturerkenntnis, die für das äußere Verstandes- und Sinnesleben unbewußt bleibt, nehmen, dann ist das dasjenige, was Sie in die geistige Welt tragen können, wenn Sie es in der richtigen Weise durchfrommen, durchfühlen, so wie ich das in der letzten Betrachtung hier dargestellt habe. Wenn Sie es in der richtigen Weise mit der geistigen Welt, die Sie fassen können, in Beziehung bringen, wenn Sie das entwickeln, was ich die Verbindung mit dem Engelwesen genannt habe, dann tragen Sie diese unbewußte Naturweisheit, dieses konkrete Erkennen des Geistes der Pflanzen, dieses konkrete Erkennen des Geistes der Steine, der übrigen Naturerscheinungen, in die geistige Welt hinein. Und diejenigen, die in der richtigen Weise ihr Norwegerleben durchlebt haben, werden die Anreger, die Lehrenden für ihre Mitseelen nach dem Tode in bezug auf Naturgeheimnisse hier auf der Erde. Denn in den geistigen Welten müssen die Seelen gerade so unterrichtet werden von den Geheimnissen der Erde, wie hier auf der Erde die Seelen unterrichtet werden sollen von den Geheimnissen der geistigen Welt.
[ 32 ] To these souls who are now passing through the gate of death from this very soil in the west of the Scandinavian Peninsula, I can say: —by virtue of their unique physical national character, by the entire configuration of their brains and the rest of their physical being—they may be destined to inspire their fellow souls after death in a very specific way, to give their fellow souls after death something that they can give them only by virtue of the Norwegian character. For the Norwegian character today, especially in this age, is so disposed that it subconsciously comes to know certain mysteries of nature from within: not through your external intellectual knowledge, but through that knowledge you develop in your spiritual-physical state between falling asleep and waking up, when you are out in space without making use of your senses; when you experience the spirituality in the plant world, the spirituality in stone and rock, the spirituality in the rustling of trees and the roar of the sea outside your body—not by observing it with your physical senses, but by observing it outside your body—as you wander within your own realms during the time between falling asleep and waking up; what kind of power you come to recognize there that lives in the plants, what kind of powers you come to recognize there that are hidden in your rocks, what kind of powers you come to recognize there that rush toward the shore with your ocean waves—when you take all that which constitutes the spirituality of these surging ocean waves, of these plants blooming sparsely on the rocks here, of this entire world ensemble; when you take what this whole world ensemble triggers in your souls during sleep—in other words, when you take this intimate knowledge of nature, which remains unconscious to your outer intellectual and sensory life—then that is what you can carry into the spiritual world if you meditate on it and feel it through in the right way, just as I described here in the last meditation. If you relate it in the right way to the spiritual world that you can grasp, if you develop what I have called the connection with the angelic beings, then you carry this unconscious wisdom of nature—this concrete knowledge of the spirit of plants, this concrete knowledge of the spirit of stones, and of the other natural phenomena—into the spiritual world. And those who have lived through their Norwegian lives in the right way will become the inspirers and teachers for their fellow souls after death regarding the mysteries of nature here on Earth. For in the spiritual worlds, souls must be taught the mysteries of the Earth just as souls here on Earth are to be taught the mysteries of the spiritual world.
[ 33 ] Blickt man nach dem östlichen Teile dieser Halbinsel, wo also das Erbe der alten Zeit so lebt, wie ich es charakterisiert habe, dann findet man allerdings, daß da eine andere Mission durch die Pforte des Todes getragen wird. Da wird von den Seelen in die geistige Welt dasjenige | hineingetragen, was nunmehr nicht so sehr erlebt wird zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, sondern mehr während des Tagwachens, was mehr erlebt wird im sinnlichen Zusammensein mit der Außenwelt, in dem sinnigen Betrachten der Sinneswelt während des Wachens, in dem gefühlsmäßig durchdrungenen Verstandesverstehen der Außenwelt.
[ 33 ] If one looks toward the eastern part of this peninsula—where the legacy of ancient times lives on as I have described it—one finds, however, that a different mission is carried through the gate of death. There, the souls carry into the spiritual world that which is now experienced not so much between falling asleep and waking up, but rather during waking hours—that which is experienced more in sensory interaction with the external world, in the sensory perception of the sensory world while awake, and in the emotionally imbued intellectual understanding of the external world.
[ 34 ] Das aber ist ja schließlich so etwas, was im Grunde genommen nur eine Bedeutung hat für das Erdenleben. Aber während man im Erdenleben gerade dieses Element entwickelt, entwickelt sich im Unterbewußtsein während des Erdenlebens auch noch etwas ganz Besonderes. Ich habe Sie aufmerksam darauf gemacht, daß auch im wachen Leben ein gewisser Teil unseres Wesens schläft und träumt. Das Gefühlsleben ist eigentlich nur eine andere Form des Traumlebens. Indem wir fühlen, träumen wir, und indem wir wollen, schlafen wir. Was wir von unserem Wollen wissen, ist ja nur die von dem Denken herkommende Beleuchtung. Aber ein solches Wollen wird insbesondere angefeuert in der schwedischen Seele, die weniger die Möglichkeit hat, während des Schlafzustandes in die Naturgeheimnisse einzudringen. Das, was dort mehr unbewußt im Willen und im Gefühl während des äußeren Sinnesbetrachtens, Verstandeslebens, in die Seele einzieht, wird da durch die Pforte des Todes genommen. So daß diejenigen Seelen, die in dieser Weise aus dem östlichen Teile der skandinavischen Halbinsel durch die Pforte des Todes gehen, wiederum die Mission haben, nun ihren Mitseelen ein mehr willensmäßiges Element einzugliedern, gerade das Entgegengesetzte von dem, was diese östlichen nordischen Völker ihren physischen Mitmenschen während ihrer historischen Beziehung beibringen konnten. Man möchte sagen: Die besondere Veranlagung zu dem Willenselemente ist ausgebildet worden im Ursprünglichen und dann im Erbgut des Volkscharakters auf diesem östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel.
[ 34 ] But that, after all, is something that, strictly speaking, has significance only for earthly life. Yet while we develop precisely this element in earthly life, something quite special also develops in the subconscious during earthly life. I have pointed out to you that even in waking life, a certain part of our being sleeps and dreams. The emotional life is actually just another form of the dream life. When we feel, we dream, and when we will, we sleep. What we know of our willing is, after all, only the illumination derived from thinking. But such volition is particularly stirred in the Swedish soul, which has less opportunity to penetrate the mysteries of nature during the state of sleep. What enters the soul there—more unconsciously—through volition and feeling during external sensory perception and intellectual life is taken in through the gate of death. Thus, those souls who pass through the gate of death in this way from the eastern part of the Scandinavian Peninsula have, in turn, the mission to now incorporate a more volitional element into their fellow souls—precisely the opposite of what these eastern Nordic peoples were able to impart to their physical fellow human beings during their historical relationship. One might say: The particular predisposition toward the element of will was developed in the primordial state and then incorporated into the genetic heritage of the national character in this eastern part of the Scandinavian Peninsula.
[ 35 ] Die europäischen Menschen haben lange gelebt, ohne in einer solchen Weise konkret zu fragen, was sie denn eigentlich werden zu tun haben nach dem Tode. Sie begnügten sich mit der egoistischen Antwort: Wir werden selig sein. — Aber es wird nicht genügen, wenn die Erde nicht in den völligen Verfall kommen soll, diese egoistische Antwort zu bekommen; sondern es wird allein möglich sein, daß die Menschen ihr richtiges Leben führen, wenn sie die selbstlose Antwort bekommen wollen, wenn sie nicht bloß fragen: Was wird sein nach meinem Tode, damit es mir recht wohl ergehe, damit ich selig sei —, sondern wenn sie auch darnach fragen: Was werde ich zu tun haben aus meiner besonderen Stellung hier im Erdenleben? — Und nur, wenn man die Neigung hat, die Frage in dieser Weise zu betrachten, wird man gerade die besondere Stellung, die man im Erdenleben hat, in der richtigen Weise anwenden, dann wird man sich in der richtigen Weise zu seiner Mission vorbereiten. Und es kann dann nicht mehr schwer sein, in der richtigen Weise sich zu seiner Mission vorzubereiten.
[ 35 ] For a long time, Europeans lived without ever asking themselves in concrete terms what they would actually have to do after death. They were content with the self-centered answer: “We will be blessed.” — But if the earth is not to fall into complete ruin, it will not be enough to settle for this self-centered answer; rather, it will only be possible for people to lead their true lives if they seek the selfless answer—if they do not merely ask, “What will happen after my death, so that I may fare well, so that I may be blessed?”—but if they also ask: What will I have to do from my particular position here in earthly life? — And only when one is inclined to consider the question in this way will one apply the particular position one holds in earthly life in the right way; only then will one prepare oneself properly for one’s mission. And then it can no longer be difficult to prepare oneself properly for one’s mission.
[ 36 ] In dieser Beziehung hängen die beiden oder eigentlich alle drei Vorträge, die ich jetzt unter Ihnen halten durfte, zusammen. Es handelt sich durchaus darum, daß gerade mit Rücksicht auf diese besondere Mission das geistige Element der anthroposophischen Weltorientierung hier in Norwegen verstanden werde. Denn wenn Sie bedenken, daß es ja eine besondere Aufgabe ist, aus dem unterbewußten Leben, ich möchte sagen, die Naturwissenschaft für das Jenseits zu schaffen — so paradox das klingt, es ist so —, dann müssen Sie sich hier in dem bewußten Leben gefühlsmäßig dazu vorbereiten, dann muß Ihre Seele die Möglichkeit bekommen, jeden Abend so einzuschlafen, daß sie nicht stumpf bleibt gegen die Naturerkenntnisse, die ihr im Schlafe übermittelt werden sollen. Aber die heutigen Leiber sind eben nicht mehr so, daß sie in dieser richtigen Weise den Menschen vorbereiten.
[ 36 ] In this regard, the two—or rather, all three—lectures that I have now had the privilege of delivering to you are interconnected. It is indeed a matter of ensuring that, precisely in view of this special mission, the spiritual element of the anthroposophical worldview is understood here in Norway. For if you consider that it is, after all, a special task to draw from the subconscious life, I would say, to create a natural science for the beyond—as paradoxical as that sounds, it is true—then you must emotionally prepare yourselves for this here in your conscious life; then your soul must be given the opportunity to fall asleep each evening in such a way that it does not remain insensitive to the insights into nature that are to be conveyed to it during sleep. But today’s bodies are simply no longer capable of preparing people in this proper way.
[ 37 ] Die Seelen der nordischen Völker sind durch das alte Erbe für die geistige Welt gründlich geschaffen. Die Leiber müssen hier insbesondere durch eine Geistkultur dazu bereitet werden. Daher entsteht hier eine entscheidende Frage. Es entsteht die entscheidende Frage, die man sich beleuchten kann durch das Vergleichen der Mission, sagen wir, der mitteleuropäischen Menschen mit derjenigen der nordischen Menschen.
[ 37 ] The souls of the Nordic peoples are thoroughly attuned to the spiritual world through their ancient heritage. Here, the bodies must be prepared for this, particularly through a culture of the spirit. This raises a crucial question. It raises the crucial question that can be illuminated by comparing the mission—let us say—of the Central European peoples with that of the Nordic peoples.
[ 38 ] Den mitteleuropäischen Menschen wurde in einer gewissen Weise nicht schlecht ihre gegenwärtige Lage gekennzeichnet, wenn sie nichts Geistiges annehmen wollen, von einem Manne, der gar nicht an die Möglichkeit einer geistigen Befruchtung der Menschheit denkt: Oswald Spengler, der sein Buch über den Untergang des Abendlandes geschrieben hat, dieses geniale, aber durch und durch pessimistische Buch, trotzdem Spengler den Pessimismus in einer besonderen Schrift zurückgewiesen hat. Es ist ja natürlich pessimistisch, wenn man vom Untergang des Abendlandes spricht. Aber er spricht von dem Untergang der Kultur, von dem Untergang von etwas Seelischem. Ohne die geistige Erneuerung werden die mitteleuropäischen Völker Schaden an ihrer Seele nehmen. Gerade in dieser Ecke von Europa ist die Eigentümlichkeit vorhanden, daß eben diese Bevölkerung hier gar nicht bloß Schaden an der Seele nehmen kann, sondern daß, wenn sie Schaden an der Seele nimmt, sie zu gleicher Zeit Schaden an der Leiblichkeit nimmt. Ich möchte sagen: das ist ein Glück! Denn die mitteleuropäischen Völker können, wenn sie nicht die Geistigkeit annehmen, barbarisiert werden, können seelisch verkommen; die nordischen Völker können nur sterben, auch leiblich sterben, aussterben, weil im Sinne der geschilderten Anlagen hier alles auf der besonderen Konfiguration der Leiblichkeit beruht.
[ 38 ] In a certain sense, the current situation of Central Europeans—who are unwilling to embrace anything spiritual—was aptly described by a man who does not even consider the possibility of a spiritual renewal of humanity: Oswald Spengler, who wrote his book on the Decline of the West—this brilliant but thoroughly pessimistic work—even though Spengler himself rejected that pessimism in a separate essay. It is, of course, pessimistic to speak of the decline of the West. But he speaks of the decline of culture, of the decline of something spiritual. Without spiritual renewal, the Central European peoples will suffer damage to their souls. It is precisely in this corner of Europe that a peculiarity exists: namely, that this population here is not merely capable of suffering damage to the soul, but that, when it suffers damage to the soul, it simultaneously suffers damage to the body. I would like to say: this is a blessing! For the Central European peoples, if they do not embrace spirituality, can become barbarized and degenerate spiritually; the Nordic peoples, on the other hand, can only die—including physical death—and become extinct, because, in accordance with the characteristics described here, everything is based on the specific configuration of the physical body.
[ 39 ] Es ist schon einmal die Notwendigkeit vorhanden, hinzuschauen auf den notwendigen Einschlag einer Geistkultur. Denn Europa, Mitteleuropa wird verkommen, barbarisieren, es wird sein Untergang ihm bereitet werden, wenn es sich vom Geiste nicht beeinflussen läßt. Der Norden, er wird aussterben, er wird den physischen Tod erleiden, wenn er sich vom Geiste nicht beeinflussen läßt.
[ 39 ] There is certainly a need to consider the essential influence of a spiritual culture. For Europe—Central Europe—will degenerate, become barbaric, and face its downfall if it does not allow itself to be influenced by the spirit. The North will die out; it will suffer physical death if it does not allow itself to be influenced by the spirit.
[ 40 ] So hängt volksmäßig genommen, dasjenige, was sich hier während des physischen Lebens entwickelt, zusammen mit der Mission dieser nordischen Seelen nach dem Tode. Sie können diese Mission dann nicht ausführen, wenn sie diejenigen Leiber, die, wenn sie durchgeistigt werden, dazu geeignet sind, wenn sie diese Leiber verfallen lassen.
[ 40 ] In layman’s terms, what develops here during physical life is connected to the mission of these Nordic souls after death. They cannot carry out this mission if they allow those bodies—which, when spiritualized, are suited for it—to fall into decay.
[ 41 ] Man muß heute durchaus solche ernsten Worte sprechen, denn es liegt im Sinne der Entwickelung unserer Zeit, daß heute die Menschen solches miteinander reden müssen, wenn sie ihr Zeitalter ernst nehmen wollen. Und deshalb wollte ich diesmal, ich möchte sagen, von einem: solchen allgemein persönlich-menschlichen Standpunkte zu Ihnen sprechen, Ihnen sagen, was man seinen heutigen Mitmenschen sagt auf dieser Erde, wenn einem das Schicksal der Erdenentwickelung tief am Herzen liegt. Denn diejenigen Menschen, die sich heute nicht für ein ewiges Leben selbstlos vorbereiten, werden auch ihr irdisches Leben zwischen der Geburt und dem Tode nicht in der richtigen Weise führen.
[ 41 ] It is absolutely necessary to speak such serious words today, for it is in keeping with the course of our times that people must speak to one another in this way if they wish to take their era seriously. And that is why I wanted to speak to you this time—I would say—from such a generally personal, human standpoint, to tell you what one says to one’s fellow human beings on this Earth today when the fate of Earth’s evolution lies deeply at one’s heart. For those people who do not selflessly prepare themselves today for an eternal life will also fail to live their earthly lives between birth and death in the right way.
[ 42 ] Das ist es, was ich Ihnen zurücklassen möchte, nachdem wir heute die letzte Betrachtung während meines Hierseins hier angestellt haben. Das ist es, wodurch ich Ihnen bemerklich habe machen wollen, wie in der Tat diejenigen, die sich heute als Anthroposophen fühlen, sich so vorkommen sollten, daß sie als ein kleines Häuflein in der Welt wirklich alle Energie aufwenden sollten, um die übrige träge Menschheit aufzurütteln und vorwärtszubringen. Die Menschen, die heute Anthroposophie hassen — das dürfen wir unter uns sagen —, hassen sie ja aus dem Grunde, weil sie eben zu bequem sind, um wirklich mitzuerleben die großen Aufgaben der Menschheit, und weil sie zu furchtsam sind gegenüber dem, was sie überwinden müssen, wenn sie aus ihrem begrifflichen und gefühlsmäßigen Schlendrian heraus nun sich umgestalten und Tieferes begreifen sollten. Daher sehen wir, wie so mancher Sturm gegen alles dasjenige entsteht, was auf dem Felde der Anthroposophie sich abspielt und aus ihr herauskommt. Aber auch Sie werden sich hier daran gewöhnen müssen, daß das eine Selbstverständlichkeit ist, daß anthroposophische Geisteswissenschaft heute von all den Rückschrittlern, von all denjenigen, die da ihren alten Schlendrian lieben, auf das allerheftigste bekämpft wird. Und wer sich abhalten läßt von der Entwickelung seiner Kraft dadurch, daß er so etwas sieht, der steht doch nicht tief genug in der eigentlichen anthroposophischen Aufgabe darinnen. Wenn man sieht, wie heute von vielen Seiten Anthroposophisches bekämpft wird, so kann man auf der einen Seite furchtsam, ängstlich werden und sich sagen: Wäre es denn nicht besser, wenn man mit weniger Kraft vorwärtsginge, so daß der Widerstand vielleicht ein nicht so großer wäre? — Oder man kann auch etwas anderes sagen. Man kann auch fragen, wenn man bemerken würde, daß man von denen, die heute gerade in einer verfallenden Zeit das große Wort führen, gelobt würde: Was hat man denn eigentlich schlecht gemacht? — Und diese Frage würde ich vor allen Dingen vom anthroposophischen Gesichtspunkte aus stellen. Wenn man beschimpft wird, dann wird sich das zumeist aus den angegebenen Gründen erklären. Wenn man aber von denjenigen, die einen so beschimpfen, gelobt würde, so wäre das eine außerordentlich mißliche Sache, denn dann müßte es schlecht stehen um das anthroposophische Streben. Eben gerade deshalb, daß diejenigen, die das Anthroposophische heute verschimpfen, dies tun, kann man beruhigt sein. Man darf allerdings nur in dem Sinne beruhigt sein, daß man um so mehr Kraft anwendet, um das in der Welt wirklich durchzubringen, was Anthroposophie nicht aus einer persönlichen Willkür, sondern aus einem Vertiefen in die Weltaufgaben heraus will. Mit dieser Empfindung, mit diesem Impuls, sage ich Ihnen beim Abschlusse dieser hiesigen Zusammenarbeit meinen allerherzlichsten, tiefgefühltesten Dank für Ihr so reges, tatkräftiges Mitwirken bei alledem, was in Ihrem Sinne in dieser Zeit hat geschehen sollen.
[ 42 ] This is what I would like to leave with you now that we have concluded our final reflection today during my time here. This is what I wanted to use to make you realize how, in fact, those who consider themselves anthroposophists today should feel that, as a small group in the world, they really ought to devote all their energy to rousing the rest of humanity—which is so sluggish—and moving it forward. The people who hate anthroposophy today—we can say this among ourselves—hate it precisely because they are too comfortable to truly engage with humanity’s great tasks, and because they are too fearful of what they must overcome if they are to transform themselves out of their intellectual and emotional complacency and come to understand deeper truths. That is why we see how many a storm arises against everything that takes place in the field of anthroposophy and emerges from it. But you, too, will have to get used to the fact that it is only natural that anthroposophical spiritual science is today fought with the utmost vehemence by all the reactionaries, by all those who cling to their old complacency. And anyone who allows himself to be deterred from developing his own strength simply because he sees such things has not yet delved deeply enough into the true anthroposophical task. When one sees how anthroposophy is being attacked from many sides today, one might, on the one hand, become fearful and anxious and say to oneself: Wouldn’t it be better to move forward with less vigor, so that the resistance might not be so great? — Or one can also say something else. One can also ask, if one were to notice that one is being praised by those who, precisely in this time of decline, hold sway: What, then, have we actually done wrong? — And I would ask this question above all from an anthroposophical point of view. If one is reviled, this can usually be explained by the reasons given. But if one were praised by those very people who revile one, that would be an extraordinarily troubling situation, for then the state of anthroposophical endeavors would be dire. It is precisely because those who disparage anthroposophy today do so that we can be reassured. However, we may only be reassured in the sense that we must devote all the more energy to truly bringing into the world what anthroposophy seeks—not out of personal whim, but out of a deep immersion in the world’s tasks. With this feeling, with this impulse, I would like to express to you, as we conclude our collaboration here, my most heartfelt and sincere thanks for your lively and energetic participation in all that was meant to happen in accordance with your spirit during this time.
[ 43 ] Seien Sie versichert, daß es mir ernst sein soll damit, daß räumliches Getrenntsein kein Getrenntsein ist für diejenigen, die den geistigen Zusammenhalt der Seelen begriffen haben. Seien Sie versichert, daß ich von Ihnen Abschied nehme, weggehe, nicht um von Ihnen weg zu sein, sondern mit Ihnen zusammen zu sein. Und das ist etwas, wovon ich glaube, daß Sie es, falls Sie es als etwas betrachten, was Ihnen wünschenswert ist, immer in Ihren Seelen haben können. Sie können wissen, daß doch nun schon eine Anzahl von Menschen in der Welt verbreitet sind, die diese Zusammengehörigkeit in diesem Sinne fühlen und mit inniger Liebe heraufschauen auf dieses nordwestliche Weltgebiet mit seiner ganz besonderen Aufgabe, die man intensiv fühlen kann auf dem Felde anthroposophischer Untersuchung. Mit dieser Liebe im Herzen zu denjenigen, die sich hier als zu uns gehörig, als zu unserer anthroposophischen Bewegung gehörig betrachten, nehme ich von Ihnen heute Abschied. Hoffentlich wird unser weiteres Zusammensein kraftvoll und von dem Sinne getragen sein, der unter Anthroposophen der notwendige, der richtige ist. Auf Wiedersehen!
[ 43 ] Rest assured that I am serious when I say that physical separation is not true separation for those who have understood the spiritual bond between souls. Rest assured that I am taking my leave of you, departing, not to be away from you, but to be with you. And this is something that I believe you can always carry within your souls, if you regard it as something desirable. You may know that there are already a number of people scattered throughout the world who feel this sense of belonging in this way and who look up with deep love toward this northwestern region of the world with its very special mission, which can be felt intensely in the field of anthroposophical research. With this love in my heart for those who consider themselves part of us here, part of our anthroposophical movement, I take my leave of you today. May our continued fellowship be strong and sustained by the spirit that is necessary and right among anthroposophists. Goodbye!
