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Old and New Initiation Methods
Drama and Poetry in the Shift
of Consciousness in the Modern Era
GA 210

19 February 1922, Dornach

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8. Die Angliederung des Menschen an den Kosmos

8. Man's Connection to the Cosmos

[ 1 ] Wir haben in diesen Betrachtungen noch einmal darauf hingewiesen, wie in dem letzten Kulturzeitraum, den wir in der Menschheitsentwickelung zu verzeichnen haben — in dem fünften nachatlantischen Zeitraum — die hauptsächlichste Kraft, von der das menschliche Seelenleben beherrscht ist, die intellektuelle Kraft ist, die Verstandeskraft, die in Gedanken lebt. Und wir haben nun hinzufügen müssen, daß die Kraft der Gedanken eigentlich darstellt den Leichnam des geistig-seelischen Lebens, wie es vor der Geburt war. Immer stärker und stärker emanzipierte sich in gewissem Sinne diese Gedankenkraft von den andern Kräften der Menschenwesenheit in der neueren Zeit, und das wurde stark gefühlt von denjenigen Geistern, welche zu einem vollen Verständnisse des christlichen Impulses kommen wollten.

[ 1 ] In these reflections, we have once again pointed out how, in the most recent cultural epoch recorded in human development—the fifth post-Atlantean epoch—the primary force governing human soul life is the intellectual force, the power of reason that lives in thought. And we have now had to add that the power of thought actually represents the corpse of the spiritual-soul life as it was before birth. In a certain sense, this power of thought has emancipated itself more and more from the other powers of the human being in recent times, and this was keenly felt by those spirits who sought to arrive at a full understanding of the Christian impulse.

[ 2 ] Das habe ich gestern versucht darzustellen an dem Beispiel des Calderónschen Cyprianus. Wir haben da das Ringen auf der einen Seite aus den alten Vorstellungen einer durchseelten Natur heraus, aber zu gleicher Zeit ein starkes Gefühl von der Ohnmacht, in die der Mensch eigentlich hineinkommt, wenn er sich von der alten Anschauung entfernt und nun gezwungen ist, bei bloßen Gedanken seine Zuflucht zu suchen. Gerade bei Cyprianus sehen wir, wie er, um sich Justinas zu bemächtigen — deren Bedeutung ich gestern versuchte darzulegen —, bei dem Satan seine Zuflucht sucht, wie er aber gerade infolge des hauptsächlichsten neueren Seelenprinzips von diesem Satan nur das Phantom der Justina bekommen kann.

[ 2 ] I tried to illustrate this yesterday using the example of Calderón’s Cyprianus. On the one hand, we see the struggle arising from the old notions of a nature imbued with spirit, but at the same time a strong sense of the powerlessness into which a person actually falls when he moves away from the old worldview and is now forced to seek refuge in mere thoughts. In Cyprianus in particular, we see how, in order to take possession of Justina—whose significance I tried to explain yesterday—he seeks refuge with Satan, yet precisely because of the most fundamental modern principle of the soul, he can obtain from this Satan only the phantom of Justina.

[ 3 ] Alle diese Dinge weisen eben stark darauf hin, wie das Gefühl der nach dem Geistigen strebenden Menschen in diesem neuesten Zeitraum der Menschheitsentwickelung war, wie sie das Tote des bloßen Gedankenlebens fühlten, und wie sie zu gleicher Zeit fühlten, daß in die Lebendigkeit der Christus-Auffassung nicht hineinzukommen sei mit diesem bloßen Gedankenleben. Nun habe ich schon gestern darauf hingedeutet, daß gewissermaßen eine weitere Phase desselben Problems, das uns bei dem Calderónschen Cyprianus entgegentritt, dann im Goetheschen «Faust» vor uns steht. In Goethe hat man ja eine menschliche Persönlichkeit zu sehen, welche hineingestellt ist in das Zivilisationsleben des 18. Jahrhunderts — das im Grunde genommen viel internationaler war als alles spätere Zivilisationsleben — und welche stark, wirklich recht stark das Intellektualistische, das Verstandesmäßige empfindet. Man kann schon sagen: Goethe hat sich in seiner Jugend in den verschiedensten Wissenschaften so herumgerrieben, wie er das an seinem Faust darstellt. Denn Goethe suchte eben nicht das in dem Leben, das sich ihm als Intellektualistisches darbot, was aus einer gewissen menschlichen Gewohnheit heraus die meisten suchen, sondern er suchte eine wirkliche Verbindung mit derjenigen Welt, welcher der Mensch mit seiner ewigen Natur angehört. Man kann sagen, Goethe suchte wirkliche Erkenntnis. Diese konnte er durch die einzelnen Wissenschaften, die sich ihm darboten, eben nicht finden. Goethe kam vielleicht zunächst auf eine äußerliche Weise an die Faust-Gestalt heran. Aber jedenfalls hat er durch seine besondere Veranlagung in dieser Faust-Gestalt dasjenige gefühlt, was diesen ringenden Menschen darstellt, von dem wir gestern gesprochen haben. Und er identifizierte sich in einem gewissen Sinne mit diesem ringenden Menschen.

[ 3 ] All these things point strongly to what the feelings of people striving for the spiritual were like in this most recent period of human development, how they felt the lifelessness of mere intellectual life, and how they felt at the same time that this mere intellectual life could not penetrate the vitality of the Christ conception. Now, I already pointed out yesterday that, in a sense, a further phase of the same problem that confronts us in Calderón’s Cyprianus then presents itself to us in Goethe’s Faust. In Goethe, one must indeed see a human personality who is situated within the cultural life of the 18th century—which, fundamentally speaking, was far more international than any subsequent cultural life—and who feels strongly, truly very strongly, the intellectual, the rational. One can certainly say that in his youth, Goethe immersed himself in the most diverse sciences, just as he depicts in his Faust. For Goethe did not seek in the life that presented itself to him as intellectual—what most people seek out of a certain human habit—but rather he sought a genuine connection with the world to which human beings, with their eternal nature, belong. One could say that Goethe sought true knowledge. He simply could not find this through the individual sciences that were available to him. Goethe may initially have approached the figure of Faust in a superficial way. But in any case, through his special disposition, he sensed in this figure of Faust what represents that struggling human being we spoke of yesterday. And in a certain sense, he identified with this struggling human being.

[ 4 ] Goethes Arbeit am «Faust» erscheint einem in drei Etappen. Die erste Etappe führt zurück in eine frühe Jugendzeit Goethes, in der er eben ganz empfunden hat das Unbefriedigende seiner Universitätsstudien, aus denen er heraus wollte zu einer wirklichen Verbindung der Seele mit dem vollen geistigen Leben. Da stellte er die FaustGestalt, die ihm entgegengetreten war aus dem «Puppenspiel», aus dem heraus man noch sehr wohl den ringenden Menschen erkennen kann, eben als den strebenden Menschen dar, der heraus will aus dem bloßen Verstandesmäßigen zu einem vollmenschlichen Erfassen des kosmischen Ursprungs des Menschen. Und so steht denn in der ersten Gestalt, die Goethe seinem «Faust» gegeben hat, Faust neben den andern einzelnen Figuren einfach als der strebende Mensch da. Dann ging Goethe durch diejenigen Entwickelungsstadien seines Lebens hindurch, die er zunächst durchgemacht hat, indem er sich in die noch im Süden vorhandene Kunst vertiefte, in der er gewissermaßen eine höhere Ausgestaltung des Wesens der Natur sah. Goethe suchte fortschreitend den Geist innerhalb der Natur. Er konnte ihn in dem Geistesleben nicht finden, das sich ihm zunächst dargeboten hatte. Eine tiefe Sehnsucht führte ihn zu dem, was er als die Reste der griechischen Kunst im Süden ansah. Da glaubte er in der Art und Weise, wie aus der griechischen Weltanschauung heraus die Naturgeheimnisse in den künstlerischen Gestaltungen verfolgt worden sind, die Geistigkeit der Natur zu erkennen.

[ 4 ] Goethe’s work on Faust seems to unfold in three stages. The first stage takes us back to Goethe’s early youth, when he had just come to fully realize the unsatisfactory nature of his university studies, from which he sought to break free in order to achieve a genuine connection of the soul with the fullness of intellectual life. There he portrayed the figure of Faust—who had appeared to him in the “puppet play,” from which one can still very clearly discern the struggling human being—precisely as the striving human being who wants to break free from the purely intellectual realm and attain a fully human understanding of humanity’s cosmic origin. And so, in the first form Goethe gave to his “Faust,” Faust stands alongside the other individual characters simply as the striving human being. Goethe then passed through those stages of development in his life that he initially experienced by immersing himself in the art still extant in the South, in which he saw, as it were, a higher expression of the essence of nature. Goethe progressively sought the spirit within nature. He could not find it in the spiritual life that had initially presented itself to him. A deep longing led him to what he regarded as the remnants of Greek art in the South. There, in the way in which the mysteries of nature had been explored in artistic forms based on the Greek worldview, he believed he recognized the spirituality of nature.

[ 5 ] Dann, möchte ich sagen, machte das Ganze, was er da in Italien absolviert hatte, in seiner eigenen Seele eine Verwandlung durch. Wir sehen diese Verwandlung sich ausleben in der intimen Gestaltung, die er dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» gegeben hat, wo er aus gewissen traditionellen Begriffen über Schönheit, über Weisheit, über Tugend und Kraft seinen Tempel formte mit den vier Königen.

[ 5 ] Then, I would say, everything he had experienced in Italy underwent a transformation within his own soul. We see this transformation playing out in the intimate form he gave to “The Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” where he shaped his temple with the four kings out of certain traditional concepts of beauty, wisdom, virtue, and strength.

[ 6 ] Wir sehen, wie dann aus dieser Vorstellungswelt heraus, angeeifert durch Schiller, Goethe am Ende des 18. Jahrhunderts zurückkehrt zu seinem «Faust». Und dieses zweite Stadium seiner «Faust»-Arbeit drückt sich ja insbesondere dadurch aus, daß er den «Prolog im Himmel» hingestellt hat, jene wunderschöne Dichtung, die mit den Worten beginnt: «Die Sonne tönt nach alter Weise in Brudersphären Wettgesang.» Da steht dann, so wie Goethe jetzt die Faust-Dichtung umfassen will, Faust nicht mehr als eine einzelne Person da, die es nur mit sich selber zu tun hat; da steht gewissermaßen der Kosmos mit den auf- und absteigenden Weltenkräften, und hineingestellt in diesen Kosmos der Mensch, um den die guten und die bösen Mächte ringen. Da ist Faust in den ganzen Kosmos hineingestellt. Goethe hat gewissermaßen das Problem, das für ihn zunächst bloß ein Menschheitsproblem war, zum Weltenproblem ausgedehnt.

[ 6 ] We see how, drawing on this imaginative world and spurred on by Schiller, Goethe returned to his Faust at the end of the 18th century. And this second stage of his work on Faust is expressed in particular by his inclusion of the “Prologue in Heaven,” that beautiful poem that begins with the words: “The sun resounds, as in times of old, in a contest of song among the spheres of brotherhood.” There, in the way Goethe now seeks to encompass the Faust poem, Faust no longer appears as a single individual concerned only with himself; there stands, so to speak, the cosmos with its ascending and descending cosmic forces, and set within this cosmos is the human being, around whom the forces of good and evil struggle. There, Faust is placed within the entire cosmos. Goethe has, in a sense, expanded the problem—which for him was initially merely a human problem—into a universal problem.

[ 7 ] Und eine dritte Phase tritt dann ein, als Goethe in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts daran geht, den «Faust» zu vollenden. Da sind wieder ganz andere Gedankenformen in seiner Seele vorhanden als am Ende des 18. Jahrhunderts, da er den «Prolog im Himmel» dichtete und alte Naturvorstellungen, vergeistigte Naturvorstellungen damals zu Hilfe genommen hatte, um das Faust-Problem zu einem kosmischen Problem zu machen. In den zwanziger Jahren, als er am zweiten Teile «Faust» zu Ende arbeitet, da will Goethe dann wiederum aus der menschlichen Seele heraus alles gewinnen, gewissermaßen wiederum das Seelenwesen zum Allwesen erweitern.

[ 7 ] And a third phase then begins when Goethe sets out to complete Faust in the 1820s. By then, his soul was filled with entirely different forms of thought than at the end of the 18th century, when he composed the “Prologue in Heaven” and had drawn upon ancient conceptions of nature—spiritualized conceptions of nature—to transform the Faust problem into a cosmic one. In the 1820s, as he was finishing the second part of Faust, Goethe then sought once again to draw everything from the human soul—in a sense, to expand the soul-being back into the cosmic being.

[ 8 ] Wir sehen, wie er dramatisch — selbstverständlich kann er das nur in äußeren Gestaltungen machen —, wie er aber innere Wege der Seele darstellt in der klassischen Walpurgisnacht, in dem Wieder-Auflebenlassen der Helena-Szene, die allerdings schon früher, aber nur als Episode, entstanden war, und wie er dann das innere Erleben, das zu gleicher Zeit ein kosmisches Erleben in der Seele ist, wenn dieses Erleben geistig wird, wie er das in dem großen Schlußtableau des «Faust» zu Ende zu führen versucht. Da mündet «Faust» allerdings ein in das christliche Element. Allein, ich habe schon gestern gesagt, dieses christliche Element entwickelt sich ja nicht aus der Seele des Faust heraus, sondern es ist gewissermaßen angeleimt. Goethe hat sich in die Form des katholischen Kultus vertieft und leimt dieses christianisierende Element an den «Faust» an, so daß zwischen dem Ringen des Faust und diesem Einmünden in das durchchristete Weltentableau doch nur ein äußerer Zusammenhang ist. Selbstverständlich setzt das den «Faust» nicht herunter, aber es ist doch so, daß man sagen muß: Goethe, der im tiefsten Sinne des Wortes gerungen hat, darzustellen, wie im irdischen Leben selber die Geistigkeit gefunden werden sollte, ihm ist es eigentlich nicht gelungen, dieses Finden der Geistigkeit im irdischen Leben irgendwie darzustellen. Er hätte dazu kommen müssen, das Mysterium von Golgatha in seinem Vollsinne zu begreifen, zu begreifen, wie wirklich aus kosmischen Weiten heruntergestiegen ist die Christus-Wesenheit in den Jesus von Nazareth, sich verbunden hat mit der Erde, so daß, wenn man seither den Erdgeist sucht, der im Tatensturm auf und ab wallt, eigentlich der Christus-Impuls im Erdenweben gefunden werden müßte.

[ 8 ] We see how he dramatically—of course, he can only do this through external forms—depicts the inner paths of the soul in the classic Walpurgis Night, in the revival of the Helena scene, which, admittedly, had already been created earlier, though only as an episode, and how he then attempts to bring this inner experience—which, when it becomes spiritual, is at the same time a cosmic experience within the soul—to its conclusion in the great final tableau of Faust. There, however, Faust flows into the Christian element. However, as I already said yesterday, this Christian element does not develop from within Faust’s soul; rather, it is, so to speak, pasted on. Goethe immersed himself in the form of Catholic worship and affixed this Christianizing element to Faust, so that there is, after all, only an external connection between Faust’s struggle and this convergence into the thoroughly Christianized world tableau. Of course, this does not diminish Faust, but it is nevertheless true that one must say: Goethe, who struggled in the deepest sense of the word to portray how spirituality should be found in earthly life itself, did not actually succeed in portraying this finding of spirituality in earthly life in any way. He would have had to come to a full understanding of the Mystery of Golgotha—to grasp how the Christ Being truly descended from cosmic expanses into Jesus of Nazareth and united with the Earth, so that whenever one seeks the Earth Spirit, which surges up and down in the storm of deeds, one must actually find the Christ impulse within the fabric of the Earth.

[ 9 ] Man möchte sagen, daß Goethe niemals den Erdengeist, der im Tatensturm, im Zeitenweben auf und ab wallt, in Zusammenhang bringen konnte mit dem Christus-Impuls. Das ist in gewissem Sinne etwas, was wir als eine Art Iragik empfinden, die aber selbstverständlich dadurch gegeben ist, daß in jener Zeit menschlicher Entwickelung, in der Goethe stand, eben durchaus noch nicht die Bedingungen da waren, um das Mysterium von Golgatha in seinem Vollsinne zu empfinden. Und dieses Mysterium von Golgatha kann eigentlich in seinem Vollsinne nur empfunden werden, wenn die Menschen das, was sie im fünften nachatlantischen Zeitraum als die toten Gedanken haben, wiederum zu beleben verstehen. Heute spricht noch sehr viel Vorurteil und Vorempfindung und auch Vorwille gegen das Lebendigmachen der Gedankenwelt. Aber die Menschheit muß dieses Problem lösen: Die Gedankenwelt, die, wenn der Mensch konzipiert beziehungsweise geboren wird, als der Leichnam des Geistig-Seelischen in die menschliche Natur eintritt, diese Gedankenwelt wiederum zu beleben, diesen Leichnam der Gedanken, der Vorstellungen, zu einem Lebendigen zu machen. Das kann aber nur geschehen, wenn die Gedanken umgewandelt werden zunächst in Imaginationen, und wenn dann die Imaginationen zu Inspirationen und Intuitionen erhöht werden. Denn was gebraucht wird, ist volle Menschenerkenntnis. Nicht eher wird das, was ich gestern vor Sie hinstellte, in seinem Vollsinne begriffen werden: daß die Welt, wie sie um uns herum ist, eine große Frage, und der Mensch selbst die Antwort ist, was im tiefsten Sinne eben mit dem Mysterium von Golgatha hat gegeben werden sollen. Nicht eher wird das begriffen werden, als bis der Mensch wiederum begriffen werden kann.

[ 9 ] One might say that Goethe was never able to connect the Earth Spirit—which surges up and down in the storm of deeds and the ebb and flow of time—with the Christ impulse. In a certain sense, this is something we perceive as a kind of paradox, but it is, of course, due to the fact that during that period of human development in which Goethe lived, the conditions simply were not yet in place to perceive the Mystery of Golgotha in its fullest sense. And this Mystery of Golgotha can actually only be experienced in its full meaning when people learn to breathe new life into what they have as “dead thoughts” in the fifth post-Atlantean epoch. Today, there is still a great deal of prejudice, preconception, and even deliberate resistance to bringing the world of thought to life. But humanity must solve this problem: to revive the world of thought—which, when a human being is conceived or born, enters human nature as the corpse of the spiritual-soul—and to transform this corpse of thoughts and ideas into something living. But this can only happen if thoughts are first transformed into imaginations, and if these imaginations are then elevated to inspirations and intuitions. For what is needed is full human understanding. Only then will what I presented to you yesterday be fully understood: that the world as it surrounds us is a great question, and that human beings themselves are the answer—which, in the deepest sense, is precisely what was to be given through the Mystery of Golgotha. Only then will this be understood, when human beings themselves can once again be understood.

[ 10 ] Setzen wir noch einmal rein schematisch diesen dreigliedrigen Menschen vor uns hin: Den Kopfmenschen oder Nerven-Sinnesmenschen in dem gestern wiederum besprochenen Sinne; den rhythmischen Menschen, den Brustmenschen und den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen.

[ 10 ] Let us once again picture, in a schematic way, this threefold human being: the head human, or the nervous-sensory human, in the sense discussed again yesterday; the rhythmic human, the chest human, and the metabolic-limb human.

[ 11 ] Indem man heute den Menschen betrachtet, nimmt man ihn so, wie er einem als äußerliche Gestaltung entgegentritt. Wer heute im Seziersaal den Menschen auf den Seziertisch legt, der hat nicht ein tiefes Gefühl davon, indem er zum Beispiel den Kopf des Menschen untersucht, daß er etwas ganz anderes vor sich hat als wenn er, sagen wir einen Finger untersucht. Der Muskel des Fingers wird in derselben Weise beurteilt wie der Muskel des Kopfes. Aber man muß wissen, daß der Kopf des Menschen im wesentlichen eine metamorphosische Umgestaltung des Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus von der vorigen Inkarnation ist, daß der Kopf also in bezug auf seine Entwickelung etwas ganz anderes ist als der heutige Gliedmaßenmensch.

[ 11 ] When we look at a person today, we perceive them as they appear to us in their outward form. Anyone who places a human being on the dissection table in the dissection room today does not have a deep sense—for example, when examining the human head—that they are dealing with something entirely different than when, say, examining a finger. The muscle of the finger is assessed in the same way as the muscle of the head. But one must realize that the human head is essentially a metamorphic transformation of the limb-metabolic organism from the previous incarnation; that is, in terms of its development, the head is something entirely different from the limb-based human of today.

[ 12 ] Nun, wenn man sich einmal durchgerungen hat zu einer inneren Anschauung des dreigliedrigen Menschen, dann wird man auch wiederum zu einer Anschauung kommen können über das, was aus dem Kosmos heraus mit diesem dreigliedrigen Menschen zusammenhängt. Wir sind eigentlich als äußere menschliche Wesenheit nur durch unsere Kopforganisation dem Festen oder Irdischen einverleibt. Wir wären niemals ein Wesen, das als Festes, als Irdisches anzusprechen wäre, wenn wir nicht unsere Kopforganisation hätten, die aber ein Nachklang ist der Gliedmaßenorganisation von der vorigen Inkarnation. Daß wir auch feste Bestandteile in den Gliedmaßen, in den Händen, in den Füßen haben, das ist eine Ausstrahlung des Kopfes. Der Kopf ist dasjenige, was uns zum Festen macht. Alles, was fest in uns ist, was irdisch ist, das geht in seinem Kraftverhältnis vom Kopfe aus.

[ 12 ] Well, once one has brought oneself to an inner understanding of the threefold human being, one will also be able to gain an understanding of what, from the cosmos, is connected to this threefold human being. As outer human beings, we are actually incorporated into the solid or earthly realm only through our head organization. We would never be beings that could be described as solid or earthly if we did not have our head organization—which, however, is an echo of the limb organization from our previous incarnation. The fact that we also have solid components in our limbs, in our hands, and in our feet, is a radiating effect of the head. The head is what makes us solid. Everything that is solid within us, everything that is earthly, derives its power from the head.

[ 13 ] Wir können sagen: Im Kopfe liegt das Feste, die Erde, in uns (siehe Zeichnung $. 130). Und alles das, was sonst fest in uns ist, das strahlt über den Menschen vom Kopfe hin. Im Kopfe liegt vorzugsweise der Ursprung der Knochen, der festen Knochenbildung. Aber in diesem Kopfe sehen wir auch schon.den Übergang zum Flüssigen. Alles das, was feste Bestandteile des Gehirnes sind, ist eingebettet im Gehirnwasser, und im Kopfe findet ein fortwährendes Durcheinandervibrieren der festen Gehirnbestandteile mit dem Gehirnwasser statt, das dann durch den Rückenmarkskanal mit dem übrigen Körper zusammenhängt. So daß wir sagen können: Wenn wir den Nerven-Sinnesmenschen in Betracht ziehen, ist da der Übergang von dem Irdischen (blau) zu dem Wässerigen, zu dem Flüssigen. Wir dürfen also sagen, der Nerven-Sinnesmensch lebt in dem erdig-wässerigen Elemente. Und eigentlich besteht unser Gehirn also, dem Organismus nach, in diesem Korrespondieren des Festen mit dem Flüssigen.

[ 13 ] We can say: The head contains the solid, the earth, within us (see drawing $130). And everything else that is solid within us radiates out from the head throughout the human being. The head is primarily the source of the bones, of solid bone formation. But in this head we also see the transition to the fluid. All the solid components of the brain are embedded in cerebrospinal fluid, and within the head there is a continuous intermingling and vibration of the solid brain components with the cerebrospinal fluid, which is then connected to the rest of the body through the spinal canal. So we can say: When we consider the nerve-sense human, there is a transition from the earthy (blue) to the watery, to the fluid. We may therefore say that the nerve-sense human lives in the earthy-watery element. And in fact, our brain, in terms of its organism, consists of this interplay between the solid and the fluid.

[ 14 ] Gehen wir dann über zu dem Brustorganismus, zu dem rhythmischen Organismus, so lebt dieser rhythmische Organismus in einem Tafel 11.

[ 14 ] If we then turn to the breast organism, the rhythmic organism, this rhythmic organism lives in a Table 11.

[ 15 ] Wechselverhältnis zwischen dem Flüssigen und dem Luftförmigen (gelb). Sie sehen daher das Flüssige mit dem Luftförmigen in Berührung treten durch die Lunge. Sie sehen das rhythmische Leben als ein Durcheinanderweben des Flüssigen mit dem Luftförmigen, des Wassers mit der Luft. So daß ich sagen kann: Der rhythmische Mensch lebt im wässerig-luftförmigen Elemente.

[ 15 ] The interplay between the liquid and the airy (yellow). You therefore see the liquid coming into contact with the airy through the lungs. You see rhythmic life as an interwoven interplay of the liquid with the airy, of water with air. So that I can say: The rhythmic human being lives in the watery-airy element.

[ 16 ] Und der Stoffwechsel-Gliedmaßenmensch, der lebt dann auf dem Übergang von dem luftförmigen Element in das Wärmeelement, in das feurige Element (rot). Er ist ein fortwährendes Auflösen des Luftförmigen in das Wärmeelement, in das feurige Element, das dann den ganzen Menschen durchsetzt als seine Körperwärme. In Wahrheit ist das, was im Stoffwechsel geschieht und was durch unsere Bewegungen geschieht, ein Herauforganisieren des luftförmigen Elementes, des gasförmigen Elementes in das Wärmeelement, in das feurige Element. Indem wir herumgehen, verbrennen wir fortwährend die luftförmig gewordenen Elemente unserer Nahrungsstoffe, und auch wenn wir nicht herumgehen im gewöhnlichen Leben des Menschen, geschieht es fortwährend, daß, indem die Nahrungsmittel bis zum Luftförmigen getrieben sind, sie verbrennen und in das Wärmeelement übergehen. So daß ich sagen kann, der Gliedmaßen-Stoffwechselmensch lebt im luftförmig-feurigen Elemente.

[ 16 ] And the metabolic-limb human then lives at the transition from the airy element to the warm element, to the fiery element (red). He is a continuous dissolution of the airy element into the element of warmth, into the fiery element, which then permeates the entire human being as his body heat. In truth, what happens in metabolism and through our movements is an organization of the airy element—the gaseous element—into the element of warmth, into the fiery element. As we walk about, we are constantly burning the elements of our food that have become air-like, and even when we are not walking about in ordinary human life, it happens continuously that, as the foodstuffs are driven down to the air-like state, they burn and pass into the heat element. So I can say that the human being of limb metabolism lives in the air-like and fiery elements.

Nerven-Sinnesmensch: erdig-wässeriges Element
Rhythmischer Mensch: wässerig-luftförmig
Gliedmaßen-Stoffwechselmensch: luftförmig-feurig.

Nerve-Sensation Type: Earthy-Watery Element
Rhythmic Type: Watery-Airy
Limbs-Metabolism Type: Airy-Fiery.

[ 17 ] Dann geht es hinauf ins Ätherische, ins Lichtförmige, in die Ätherbestandteile des Menschen, in den ätherischen Leib. Wenn der Mensch durch seinen Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus alles in die Wärme übergeführt hat, dann geht es in den Ätherleib hinauf. Da schließt sich der Mensch zusammen mit dem Äther, der die ganze Welt ausfüllt, da gliedert er sich an den Kosmos an.

[ 17 ] Then it ascends into the ethereal, into the light-form, into the etheric components of the human being, into the etheric body. Once the human being has transformed everything into warmth through its metabolic-limb organism, it ascends into the etheric body. There the human being unites with the ether that fills the entire world; there he becomes part of the cosmos.

[ 18 ] Solche Vorstellungen, wie ich sie Ihnen hier schematisch entwickle, sie lassen sich durchaus, wenn der Mensch innerlich plastisch-musikalischen Sinn hat, ins Künstlerische, ins Poetische umgestalten. Und man könnte bei einer solchen Dichtung wie der Faust-Dichtung durchaus das, was man weiß, auch im künstlerischen Gestalten zum Ausdrucke bringen, wie gewisse kosmische Geheimnisse, sagen wir im siebenten Bilde meines ersten Mysteriums zur Darstellung gekommen sind. Da kommt man zu der Möglichkeit, den Menschen wiederum im Anschlusse an den Kosmos zu schauen. Aber dann darf man eben nicht das, was einem der Verstand über die äußere Natur gibt, auf den Menschen anwenden. Dann muß man sich klar sein: Studierst du die äußere Natur und dann den menschlichen Kopf geradeso wie die äußere Natur, dann studierst du etwas, was gar nicht herein gehört in diese äußere jetzige Natur, sondern was von der vorigen Inkarnation kommt. Das studierst du so, wie wenn es aus dem jetzigen Momente heraus entstanden wäre, aber es ist nicht aus dem jetzigen Momente heraus entstanden. Es könnte auch niemals aus einem jetzigen Momente heraus entstehen, denn aus den Naturkräften, die da sind, könnte niemals ein menschliches Haupt entstehen. Daher darf das menschliche Haupt nicht studiert werden nach gegenständlicher Erkenntnis, wie sie der Verstand gibt, sondern nach imaginativer Erkenntnis. Also, das menschliche Haupt wird man nicht früher erkennen, als bis man es nach imaginativer Erkenntnis studiert.

[ 18 ] Such ideas, as I am outlining them here schematically, can certainly be transformed into something artistic and poetic if a person possesses an inner sense of plasticity and musicality. And in a work of poetry such as Faust, one could certainly give artistic expression to what one knows—just as certain cosmic mysteries have been depicted, for example, in the seventh scene of my first mystery play. This opens up the possibility of viewing human beings once again in connection with the cosmos. But then one must not apply to human beings what the intellect provides about external nature. Then one must be clear: If you study external nature and then the human head in exactly the same way as external nature, you are studying something that does not belong at all to this present external nature, but rather comes from the previous incarnation. You study it as if it had arisen from the present moment, but it did not arise from the present moment. Nor could it ever arise from a present moment, for a human head could never arise from the natural forces that exist. Therefore, the human head must not be studied through objective knowledge, as provided by the intellect, but through imaginative knowledge. Thus, one will not come to know the human head until one studies it through imaginative knowledge.

[ 19 ] Beim rhythmischen Menschen, da geht schon alles hinein ins Bewegte. Da haben Sie es mit dem flüssigen und dem luftförmigen Elemente zu tun. Der rhythmische Mensch ist ein Anfang zwischen dem wässerigen und dem luftförmigen Elemente. Da wogt alles. Und die äußeren festen Bestandteile in unserer Brust sind nur das, was der Kopf hineinstrahlt in dieses Wogen. Wollen wir also den rhythmischen Menschen studieren, so müssen wir sagen, in diesem rhythmischen Menschen wogen ineinander wässeriges Element und luftförmiges Element (siehe Zeichnung, grün, gelb). Und da hinein sendet dann das Haupt, der Kopf die Möglichkeit, daß feste Bestandteile, wie sie in der Lunge und so weiter sind, da drinnen vorhanden sein können (weiß). Dieses Wogen, das die wirkliche Gestaltung des rhythmischen Menschen ist, das läßt sich nur durch Inspiration studieren. So daß der rhythmische Mensch nur durch Inspiration studiert werden kann.

[ 19 ] In the rhythmic human being, everything is already integrated into movement. There you are dealing with the liquid and the airy elements. The rhythmic human being is a transition between the watery and the airy elements. Everything surges there. And the outer, solid components in our chest are merely what the head radiates into this undulation. So if we wish to study the rhythmic human being, we must say that within this rhythmic human being, the watery element and the airy element undulate within one another (see drawing, green, yellow). And into this, the head then sends the potential for solid components—such as those found in the lungs and so on—to be present there (white). This undulation, which is the true form of the rhythmic human being, can only be studied through inspiration. Thus, the rhythmic human being can only be studied through inspiration.

[ 20 ] Und der Gliedmaßen-Stoffwechselmensch — das ist das fortwährende Brennen der Luft in uns. Sie stehen darinnen, Sie fühlen sich in Ihrer Wärme als Mensch, aber das ist eine sehr dunkle Vorstellung. Im Ernste kann man das nur studieren durch Intuition, wo die Seele im Objekte darinnen steht. Nur Intuition kann zum Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen führen.

[ 20 ] And the human being as a metabolic entity—that is the ceaseless burning of the air within us. You stand within it; you feel yourself as a human being in its warmth, but this is a very obscure concept. In all seriousness, one can study this only through intuition, where the soul is present within the object. Only intuition can lead to the metabolic-limb human.

[ 21 ] Der Mensch wird immer ein Unbekanntes bleiben, wenn er nicht mit Imagination, Inspiration und Intuition studiert wird. Er wird immer dastehen vor dem Menschen als diese äußerliche Gestalt, die er für das heutige populäre und auch für das heutige wissenschaftliche Vorstellen ist. Dabei darf es nicht bleiben. Der Mensch muß wieder erkannt werden. Wenn Sie den Menschen nur in seinen festen Bestandteilen studieren, wenn Sie nur die Zeichnungen nehmen, die heute in den Anatomiebüchern stehen, dann studieren Sie es schon ohnedies nicht richtig, weil Sie es imaginativ studieren sollten, weil alle diese Zeichnungen, die man von den festen Bestandteilen des menschlichen Organismus macht, als Bilder vom vorigen Erdenleben genommen werden sollten. Schon das ist das erste. Aber was dann im feineren Menschen in den flüssigen Bestandteilen lebt, das kann erst durch Inspiration, und das andere, das Luft- und Wärmeförmige, erst durch Intuition studiert werden. Das sind die Dinge, die ins europäische Bewußtsein hineinkommen müssen, die in die ganze moderne Zivilisation hineinkommen müssen. Ohne daß wir dieses in die ganze moderne Zivilisation hineinbringen, kommen wir eben durchaus mit dieser Zivilisation nicht zu einem Aufbau, sondern nur zu einem Abbau.

[ 21 ] Human beings will always remain a mystery unless they are studied with imagination, inspiration, and intuition. They will always appear to people as that external form they represent in today’s popular and scientific conception. This must not be allowed to continue. Human beings must be recognized anew. If you study human beings solely in terms of their solid components, if you rely only on the illustrations found in today’s anatomy textbooks, then you are not studying them correctly anyway, because you should be studying them imaginatively; for all these illustrations of the solid components of the human organism should be understood as images from a previous earthly life. That alone is the first step. But what then lives in the finer aspects of the human being—in the fluid components—can only be studied through inspiration, and the other aspect—that which is air- and heat-like—can only be studied through intuition. These are the things that must enter European consciousness, that must enter modern civilization as a whole. Unless we bring this into the whole of modern civilization, we will certainly not achieve any construction with this civilization, but only its decline.

[ 22 ] Wer Goethe versteht, wer versteht, was er in seinem «Faust» wollte, der fühlt schon, daß er eigentlich, ich möchte sagen durch ein gewisses Tor durch wollte. Überall ringt er mit der Frage: Wie steht es eigentlich mit diesem Menschen? — Als ganz junger Mensch hat Goethe angefangen, die menschliche Gestalt zu studieren. Lesen Sie seine Abhandlung vom Zwischenknochen und auch das, was ich darüber in meinen Ausgaben von den Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes geschrieben habe; überall will er an den Menschen heran. Er versucht es zuerst auf anatomisch-physiologische Weise; dann versucht er es in den neunziger Jahren auf mehr moralische Weise durch Vorstellungen, die wir dann in dem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» finden. Und dann will er den Menschen, wie er in der Welt drinnensteht, schildern im «Faust». Er möchte durch ein Tor hindurch, um einzusehen, wie dieser Mensch in der Welt drinnensteht. Aber er hat nicht die Elemente dazu, er kann es nicht.

[ 22 ] Anyone who understands Goethe, anyone who understands what he was aiming for in his Faust, can already sense that he was actually—I would say—trying to pass through a certain gate. Throughout the work, he grapples with the question: What is the true nature of this human being? — As a very young man, Goethe began to study the human form. Read his treatise on the intervertebral bone and also what I have written about it in my editions of Goethe’s Scientific Writings; everywhere he seeks to approach the human being. He first attempts this from an anatomical and physiological perspective; then, in the 1890s, he approaches it from a more moral perspective through ideas that we later find in the “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily.” And then, in Faust, he seeks to portray human beings as they exist within the world. He wants to pass through a gate to see how these human beings exist within the world. But he lacks the means to do so; he cannot.

[ 23 ] Als Calderón seinen «Cyprianus» schrieb, da war das Ringen noch auf einer vorhergehenden Stufe. Da sehen wir, wie Justina sich dem Satan entreißt, wie dann Cyprianus wahnsinnig wird, wie sie sich im Tode finden, wie in dem Momente, als sie auf dem Schafott endigen, ihre Erlösung geschieht: Oben erscheint die Schlange mit dem darauf reitenden Dämon, der selber verkündigen muß, sie seien erlöst.

[ 23 ] When Calderón wrote his Cyprianus, the struggle was still at an earlier stage. There we see how Justina breaks free from Satan, how Cyprianus then goes mad, how they find each other in death, and how, at the very moment they meet their end on the scaffold, their redemption takes place: Above, the serpent appears with the demon riding upon it, who himself must proclaim that they are redeemed.

[ 24 ] Da sehen wir, wie in der Zeit, in der Calderón seinen «Cyprianus» geschrieben hat, deutlich gesagt werden soll: Hier im Erdenleben findet ihr das Göttlich-Geistige nicht. Ihr müßt erst sterben, ihr müßt erst durch den Tod gehen, dann findet ihr das Göttlich-Geistige, jene Erlösung, die ihr durch den Christus finden könnt. Da ist man noch weit davon entfernt, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, durch das doch der Christus auf die Erde niedergestiegen ist; dort müßte er also auch zu finden sein. Es ist noch zuviel Heidnisches, zuviel Jüdisches in den Vorstellungen des Calderón, um das christliche Empfinden schon voll zu haben.

[ 24 ] Here we see how, at the time Calderón wrote his Cyprianus, it was meant to be clearly stated: Here in earthly life, you will not find the divine-spiritual. You must first die; you must first pass through death; only then will you find the divine-spiritual, that salvation which you can find through Christ. People are still far from understanding the Mystery of Golgotha, through which Christ descended to Earth; that is where He should therefore also be found. There is still too much paganism, too much Judaism in Calderón’s ideas for his Christian sensibility to be fully developed.

[ 25 ] Dann ist natürlich wiederum einige Zeit vergangen, bis Goethe an seinem «Faust» arbeitete. Goethe fühlt schon die Notwendigkeit: Faust muß hier auf der Erde seine Erlösung finden können. Goethe hätte die Frage so stellen müssen: Wie findet Faust die Bewahrheitung der Paulinischen Worte: «Nicht ich, sondern der Christus in mir»? Goethe hätte dazu kommen müssen, seinen Faust nicht nur sagen zu lassen: «Auf freiem Grund mit freiem Volk zu stehen», sondern: Auf freiem Grund, mit dem Christus in der Seele, den Menschen im Erdenleben zum Geiste führend. — So etwa müßte Goethe seinen Faust sagen lassen. Goethe ist natürlich ehrlich; er sagt es nicht, weil er es noch nicht voll erfaßt hat. Aber Goethe strebt nach diesem Erfassen. Goethe strebt nach etwas, was eigentlich erst erfüllt werden kann, wenn man sagt: Erkenne den Menschen durch Imagination, Inspiration, Intuition. — Daß das so ist, gibt demjenigen, der sich Goethe naht, das Gefühl, daß in Goethes Ringen, in Goethes Streben eigentlich viel mehr ist, als sich dann irgendwie ausgelebt hat, als dann in die moderne Zivilisation übergegangen ist. Man kann vielleicht Goethe nur erkennen, wenn man es so macht, wie ich es in meinen Jugendschriften gemacht habe, wo ich versuchte, dasjenige darzustellen, was gewissermaßen unbewußt als eine Weltanschauung in Goethe lebte. Aber es ist ja im Grunde genommen so gewesen, daß in der Gegenwart doch die Menschheit diesem Suchen wenig Verständnis entgegenbringt.

[ 25 ] Then, of course, some time passed before Goethe began working on his Faust. Goethe already sensed the necessity: Faust must be able to find his redemption here on earth. Goethe should have posed the question this way: How does Faust find the fulfillment of Paul’s words: “Not I, but Christ in me”? Goethe should have gone so far as to have his Faust say not only, “To stand on free ground with a free people,” but: “On free ground, with Christ in the soul, leading human beings to the spirit in their earthly life.” — That is roughly what Goethe should have had his Faust say. Goethe is, of course, honest; he does not say it because he has not yet fully grasped it. But Goethe strives toward this understanding. Goethe strives for something that can actually only be fulfilled when one says: Know the human being through imagination, inspiration, and intuition. — The fact that this is so gives those who approach Goethe the feeling that in Goethe’s struggles, in Goethe’s striving, there is actually much more than what was ultimately realized, than what was ultimately incorporated into modern civilization. Perhaps one can only understand Goethe by doing as I did in my early writings, where I attempted to portray what, in a sense, lived unconsciously within Goethe as a worldview. But the fact is that, in the present day, humanity shows little understanding for this quest.

[ 26 ] Wenn ich auf dieses ganze Verhältnis hinschaue innerhalb der modernen Zivilisation, dann muß ich mich immer wieder erinnern an meinen alten Lehrer und Freund Karl Julius Schröer. Und namentlich daran, wie Schröer selber, als er in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts am «Faust» und an den andern Goetheschen Dramen arbeitete, Kommentare, Einleitungen gab, wie er eigentlich gar nicht darauf bedacht war, in streng umrissenen Begriffen über Goethe zu reden, sondern mehr in allgemeinen Vorstellungen, wie er aber versuchte, begreiflich zu machen, daß dasjenige, was als Tiefstes in Goethe lebte, doch hinein muß in die moderne Kultur. Schröer hat, als der fünfzigste Todestag Goethes war, 1882, eine Rede gehalten: «Die kommende Anschauung über Goethe.» Schröer lebte in dem Traum, daß dazumal schon die Zeit gekommen wäre, die Goethe zu einer Art von Auferstehung verhelfen würde. Und dann schrieb er einen kurzen Aufsatz in der «Neuen freien Presse», der wiederum abgedruckt ist in dem Büchelchen «Goethe und die Liebe», das jetzt unter andern Schröerschen Schriften von unserem Kommenden-Tag-Verlag erworben worden ist, so daß die Restexemplare dort zu haben sind und nach einiger Zeit wohl auch Neuauflagen werden besorgt werden können. Dieser Aufsatz «Goethe nach 50 Jahren» ist ein kurzer Auszug aus jenem Vortrag, den ich dazumal gehört habe. Er enthält manches von dem, was dazumal in Schröers Gefühlen lebte: Daß Goethe in die Zeitzivilisation hinein müsse. Und dann, als Schröer das Büchelchen schrieb «Goethe und die Liebe», da hatte er in den Anmerkungen zu zeigen versucht, wie man Goethe lebendig machen solle, denn Goethe lebendig machen, heißt ja in gewissem Sinne, die abstrakte Gedankenwelt selber lebendig machen. Ich habe in der letzten Nummer des «Goetheanum» hingewiesen auf eine solche Stelle, die wunderschön ist und die in dem Büchelchen «Goethe und die Liebe» steht. Da sagt Schröer: «Schiller erkannte ihn [Goethe nämlich]: Ist der intuitive Geist genialisch und sucht in dem Empirischen den Charakter der Notwendigkeit auf, so wird er zwar immer nur Individuen, aber mit dem Charakter der Gattung erzeugen. Goethe steht mit seiner intuitiven Methode, mit der er im vergänglichen Individuum die unvergängliche Idee, den Urtypus sieht, nicht so vereinzelt da, als man vielleicht annehmen möchte.»

[ 26 ] When I look at this whole situation within modern civilization, I am constantly reminded of my old teacher and friend Karl Julius Schröer. And in particular, how Schröer himself, when he was working on Faust and Goethe’s other dramas in the 1880s, provided commentaries and introductions—how he was actually not at all concerned with speaking about Goethe in strictly defined terms, but rather in general concepts; yet how he sought to make it clear that what lived as the deepest essence within Goethe must, after all, find its way into modern culture. In 1882, on the fiftieth anniversary of Goethe’s death, Schröer delivered a speech titled “The Coming Perspective on Goethe.” Schröer lived in the hope that the time had already come for Goethe to experience a kind of resurrection. He then wrote a short essay in the Neue freie Presse, which in turn was reprinted in the little book Goethe and Love, which has now been acquired by our Kommenden-Tag-Verlag along with other writings by Schröer, so that the remaining copies are available there and new editions will likely be published after some time. This essay, “Goethe After 50 Years,” is a brief excerpt from that lecture I heard back then. It contains much of what was alive in Schröer’s feelings at the time: that Goethe must be brought into contemporary civilization. And then, when Schröer wrote the little book Goethe and Love, he had tried to show in the notes how Goethe should be brought to life, for bringing Goethe to life means, in a certain sense, bringing the abstract world of thought itself to life. In the latest issue of Goetheanum, I pointed out a passage of this kind—one that is beautiful and appears in the little book Goethe and Love. There Schröer says: “Schiller recognized him [Goethe, that is]: If the intuitive spirit is genius-like and seeks the character of necessity in the empirical, it will indeed always produce only individuals, but with the character of the species. With his intuitive method—by which he sees the imperishable idea, the archetype, in the transitory individual—Goethe does not stand as isolated as one might perhaps assume.”

[ 27 ] Gerade als Schröer dazumal, 1882, diese Stelle schrieb, war ich bei ihm; das heißt, während er an dem Büchelchen schrieb, kam ich öfter zu ihm, und er war dazumal ganz voll von einem Eindruck, den er bekommen hatte. Dieser Eindruck rührte davon her, daß er irgendwo wahrgenommen hatte, wie einer jener damals noch vorhandenen älteren Ärzte-Oppolzer war es nämlich, der Wiener Kliniker Oppolzer eine gewisse unbestimmte Intuition hatte bei der Diagnose. Wenn Oppolzer ans Krankenbett trat, dann machte er nicht die Differentialuntersuchungen, wie man sie sonst macht, sondern der Typus des Kranken machte auf ihn einen gewissen Eindruck, und aus dem Typus des Kranken heraus empfand er nun auch etwas von dem Typus der Krankheit. Das machte auf Schröer einen starken Eindruck, und aus diesem Eindruck heraus schrieb er dann die Stelle, die dieses Phänomen bei Oppolzer nur zur Erläuterung benützte. Er schrieb: «In der Heilkunst preist man an großen Diagnostikern am Krankenbette den Tiefblick, mit dem sie den Habitus, den individuellen Typus des Kranken und daraus dann die Krankheit erkennen. Nicht ihr chemikalisches oder anatomisches Wissen steht ihnen dabei zur Seite, sondern die Intuition in das Lebewesen als Ganzes. Sie sind schöpferische Geister, die die Sonne sehen, weil ihr Auge sonnenhaft ist. Andere sehen sie eben nicht. Folgt ein solcher Diagnostiker der intuitiven Methode Goethes unbewußt, Goethe hat sie mit Bewußtsein in die Wissenschaft eingeführt. Sie führte ihn zu Ergebnissen, die nicht mehr bestritten werden, nur die Methode ist noch nicht allseitig erkannt.»

[ 27 ] I was with Schröer at the very time he wrote this passage, back in 1882; that is to say, while he was writing that little book, I visited him frequently, and at that time he was completely absorbed by an impression he had received. This impression stemmed from the fact that he had observed somewhere—it was one of those older physicians who were still practicing at the time, namely Oppolzer—that the Viennese clinician Oppolzer possessed a certain indefinable intuition when making a diagnosis. When Oppolzer approached a patient’s bedside, he did not perform the differential examinations as is usually done; rather, the patient’s type made a certain impression on him, and from the patient’s type he was then able to discern something of the type of the illness. This made a strong impression on Schröer, and based on this impression, he then wrote the passage that merely used this phenomenon in Oppolzer’s case for illustrative purposes. He wrote: “In the art of healing, great diagnosticians at the patient’s bedside are praised for the depth of insight with which they recognize the patient’s constitution, the individual type of the patient, and from that, the disease itself. It is not their chemical or anatomical knowledge that aids them in this, but their intuition regarding the living being as a whole. They are creative spirits who see the sun because their eye is sun-like. Others simply do not see it. If such a diagnostician unconsciously follows Goethe’s intuitive method, Goethe consciously introduced it into science. It led him to results that are no longer disputed; only the method itself has not yet been universally recognized.”

[ 28 ] Das schrieb Schröer aus diesem Aperçu mit der Oppolzerschen Intuition am Krankenbett heraus, schon damals hindeutend darauf, daß also die einzelnen Wissenschaften, zum Beispiel die Heilkunde, von der Methode, die wiederum mit dem Geiste arbeitet, befruchtet werden müssen.

[ 28 ] Schröer wrote this based on this insight, drawing on Oppolzer’s intuition at the patient’s bedside, already suggesting at that time that the individual sciences—such as medicine—must be enriched by the method that, in turn, works with the mind.

[ 29 ] Es hat etwas Tragisches, wenn ich zurückschaue, wie in Schröer einer der letzten von denjenigen Menschen vorhanden war, die noch etwas empfanden von dem Tiefsten in Goethe. Denn während Schröer dazumal, im Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, geglaubt hat, daß ein Wiederaufleben Goethes stattfinden müsse, hat man ja Goethe nachher erst recht eingesargt, erst richtig begraben. Man könnte auch sagen: Das richtige Grab Goethes, das ist für Mitrteleuropa gewesen die Goethe-Gesellschaft, und auf englisch heißt sie Goethe-Society, denn sie wurde dort auch als ein Ableger begründet. Das war die Grabstätte des lebenden Goethe. Aber die Notwendigkeit besteht doch, dieses lebendige Element, das in Goethe lebte, wiederum in unsere Zivilisation hineinzubringen. Karl Julius Schröers Trieb war ein guter; er konnte sich nur dazumal nicht erfüllen, weil die Zeit weiterging in der Anbetung des Toten. «Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben, sucht erst den Geist herauszutreiben.»

[ 29 ] There is something tragic about looking back and realizing that Schröer was one of the last of those people who still felt something of the deepest essence of Goethe. For while Schröer believed back then, in the early 1880s, that a revival of Goethe was bound to take place, Goethe was subsequently laid to rest—and truly buried—once and for all. One could also say: Goethe’s true grave, for Central Europe, was the Goethe Society—which is called the Goethe Society in English, since it was also founded there as a branch. That was the resting place of the living Goethe. But there is still a need to bring this living element, which lived within Goethe, back into our civilization. Karl Julius Schröer’s impulse was a good one; it simply could not be fulfilled at that time because the era continued to worship the dead. “Whoever wishes to recognize and describe something living must first seek to drive out the spirit.”

[ 30 ] Das ist, was eben die Devise wurde, und heute ist in manchen sehr weiten Kreisen diese Devise bis zum Haß gegen alles Vernehmen vom Geistigen gegeben — wie Sie ja aus der Aufnahme der Anthroposophie bei vielen Menschen ersehen können.

[ 30 ] That is precisely what has become the motto, and today, in some very broad circles, this motto has gone so far as to breed hatred toward any expression of the spiritual—as you can see from the way many people have reacted to anthroposophy.

[ 31 ] Die Zivilisation, aus der Sie selber alle noch herausgewachsen sind, braucht durchaus dieses Element einer Wiederbelebung. Und es ist nur merkwürdig, wie heute vieles geredet wird zum Beispiel über den Goetheschen «Faust» — der ja nur ein neues Moment in jenem Ringen nach dem Geist darstellt, das wir im Calderónschen «Cyprianus» gestern gesehen haben —, wie aber nicht gesehen wird, daß es Aufgabe der Gegenwart ist, zur vollen Lebendigkeit dasjenige herauszustellen, was Goethe eigentlich hat leben lassen, unbestimmt andeutend, gefühls- und empfindungsmäßig, aber nicht in geistiger Anschauung, in seinem «Faust», insbesondere im zweiten Teil. Wir müßten auf diese Erscheinungen in ganz intensiver Weise unsere Aufmerksamkeit richten, denn wir haben es da wirklich nicht bloß mit einer Weltanschauungsangelegenheit zu tun, wir haben es schon mit einer allgemeinen Zivilisationsangelegenheit zu tun. Dafür gibt es viele Symptome der Gegenwart. Diese Symptome müssen nur im richtigen Lichte gesehen werden.

[ 31 ] The civilization from which you yourselves have all outgrown certainly needs this element of revitalization. And it is remarkable how much is said today—for example, about Goethe’s Faust —which, after all, represents only a new phase in that struggle for the spirit that we saw yesterday in Calderón’s Cyprianus—yet how little is recognized that it is the task of the present to bring to full vitality that which Goethe actually brought to life—vaguely hinted at, in terms of feeling and sensation, but not through intellectual insight—in his Faust, particularly in the second part. We must direct our attention to these phenomena in a very intense way, for we are truly dealing here not merely with a matter of worldview, but with a matter of civilization as a whole. There are many symptoms of this in the present. These symptoms merely need to be seen in the right light.

[ 32 ] Da ist eine Schrift erschienen, welche «Die drei Krisen» heißt, von Ruedorffer, eine Schrift, die einen, wenn man sie liest, ich möchte sagen auf jeder Seite sticht. Denn der, der sie geschrieben hat, ist eine Persönlichkeit, die selber im diplomatisch-politischen Leben Europas in ganz wichtigen Stellungen mitgewirkt hat, vor dem Kriege und in den Krieg hinein. Der Mann sucht sich jetzt, nachdem er alle möglichen Wege dieses europäischen Lebens kennengelernt hat — eben von Auslugen aus, von denen aus man es genauer kennenlernen kann als die meisten Menschen —, er sucht sich jetzt klarzuwerden darüber, was eigentlich ist. Ich brauche Ihnen nur ein paar Stellen vorzulesen aus der Schrift eines Menschen, der durchaus ein Realist, nicht ein Idealist sein will, der sich einen gewissen trockenen Blick angeeignet hat innerhalb seiner diplomatischen Laufbahn und bei dem es, trotzdem er solche Stellen niedergeschrieben hat, wie ich sie Ihnen vorlesen werde, doch so ist, daß man sagen kann: Der Zopf, der hängt ihm hinten. Er ist trotzdem geblieben, was man heute insbesondere liebt, der bürgerliche Philister.

[ 32 ] A book has been published titled The Three Crises by Ruedorffer—a book that, when you read it, strikes a chord on every page, I would say. For the man who wrote it is a figure who himself played a role in European diplomatic and political life in very important positions, both before the war and during it. Now that he has come to know all the possible facets of this European life—precisely from vantage points from which one can understand it more closely than most people—he is now seeking to clarify for himself what it is actually all about. I need only read a few passages to you from the writings of a man who certainly wants to be a realist, not an idealist—a man who has acquired a certain dry perspective during his diplomatic career and about whom, despite having written passages such as those I am about to read to you, one can still say: He’s still stuck in the past. Nevertheless, he has remained what people particularly love today: the bourgeois philistine.

[ 33 ] Er spricht von drei Dingen in dieser seiner Schrift. Er spricht erstens davon, wie die Staaten und Völker Europas kein Verhältnis mehr zueinander haben. Dann spricht er davon, wie die einzelnen regierenden Kreise, die Führer innerhalb der einzelnen Völkerschaften, wiederum zum Volke selbst kein Verhältnis haben. Und drittens spricht er davon, wie namentlich diejenigen Menschen, die heute in radikaler Art eine neue Zeit herausarbeiten und begründen wollen, erst recht kein Verhältnis zur Realität haben.

[ 33 ] In this essay, he discusses three things. First, he discusses how the states and peoples of Europe no longer have any relationship with one another. Second, he discusses how the individual ruling circles—the leaders within each nation—in turn have no connection to the people themselves. And third, he discusses how, in particular, those people who today seek to radically shape and establish a new era have even less connection to reality.

[ 34 ] Also ein Mensch, der mitgearbeitet hat, wie gesagt, an den Zuständen, die heute geworden sind, der schreibt etwa so: «Diese Erkrankung des staatlichen Organismus entreißt der Vernunft die Führung, überantwortet die Entschließungen des Staats mannigfachen unsachlichen Nebeneinflüssen und Nebenrücksichten. Sie beschränkt die Bewegungsfreiheit, zersplittert den staatlichen Willen und hat überdies zumeist noch eine gefährliche Labilität der Regierungen im Gefolge. Die Zeit des ungebärdigen Nationalismus vor dem Kriege, der Krieg selbst, der europäische Zustand nach dem Kriege haben ungeheure Anforderungen an die Vernunft der Staaten, ihre Ruhe und Bewegungsfreiheit gestellt. Daß mit den Aufgaben das Vermögen nicht wuchs, sondern abnahm, hat die Katastrophe vollendet. Die Krise des Staates und die Krise der Weltorganisation haben in steter Wechselwirkung einander befördert und eine jede die destruktiven Wirkungen der anderen vermehrt.» So spricht nicht irgendein Idealist, nicht irgendein künstlerischer Mensch, der bloß zugeschaut hat, sondern einer, der mitgetan hat. Er sagt zum Beispiel: «Wenn die Demokratie bestehen soll, muß sie ehrlich und mutig genug sein, zu sagen, was ist, auch wenn sie gegen sich selbst zu zeugen scheint. Europa steht vor dem Untergang.»

[ 34 ] So a person who, as I said, has contributed to the conditions that exist today writes something like this: “This disease of the state organism strips reason of its leadership and subjects the state’s decisions to a multitude of irrelevant external influences and considerations. It restricts freedom of action, fragments the will of the state, and, moreover, is usually accompanied by a dangerous instability of governments. The era of unrestrained nationalism before the war, the war itself, and the postwar situation in Europe have placed immense demands on the reason of states, their composure, and their freedom of action. The fact that capacity did not grow but rather diminished in the face of these challenges was the final blow dealt by the catastrophe. The crisis of the state and the crisis of the international order have, in constant interaction, fueled one another, each amplifying the destructive effects of the other.” These are not the words of just any idealist, nor of just any artist who merely stood by and watched, but of one who took part. He says, for example: “If democracy is to survive, it must be honest and courageous enough to tell it like it is, even if it seems to testify against itself. Europe is facing ruin.”

[ 35 ] Daß wir vor dem Untergange Europas stehen, das sagen heute nicht bloß die pessimistisch angehauchten Idealisten, sondern das sagen insbesondere diejenigen, die in der Praxis drinnengestanden haben. Jemand, der, wie gesagt, darinnengestanden hat und mitgetan hat, schreibt heute eben den Satz hin: «Europa steht vor dem Untergang. Da ist keine Zeit, daß ein jeder aus parteitaktischen Gründen seine Fehler verbirgt, statt sie zu bessern. Nur zu diesem Behufe, nicht als laudator temporis acti unterstreiche ich, daß die Demokratie sich selbst zerstören muß und wird, wenn sie nicht den Staat aus dieser Verstrickung von Nebeneinflüssen und Nebenrücksichten befreien kann. Das vorkriegerische Europa ist zusammengebrochen, weil alle kontinentalen Staaten, und zwar die Monarchien ebenso wie die Demokratien und am meisten das autokratische Rußland, teils freiwillig und unbewußst, teils unwillig und gezwungen sich der Demagogie unterworfen haben, unfähig, in der selbstgeschaffenen Verirrung der Geister das Vernünftige zu erkennen und das etwa doch Erkannte frei und entschieden zu tun. Die Oberschichten der alten Staatsordnung Europas, im vergangenen Jahrhundert freilich Träger der europäischen Bildung und reich an Persönlichkeiten von staatsmännischem Geist und Welterfahrung, wären nicht so leicht aus dem Sattel und als morsch und verbraucht beiseite geworfen worden, wenn sie, mit den Problemen und Aufgaben der verwandelten Zeit mitgewachsen, nicht des staatsmännischen Geistes verlustig gegangen wären und eine andere Tradition als die der äußerlichsten diplomatischen Routine bewahrt hätten. Wenn die Monarchen den Anspruch erheben, Staatsmänner besser und sachlicher auszuwählen als Parlamente, dann müssen sie und ihre Höfe Mittelpunkt und Höhepunkt der Bildung, Einsicht und Kenntnis sein. Das aber war lange vor dem Kriege vorbei. Aber die Anklage gegen die Fehler der Monarchie entbindet die Demokratie nicht, die Ursachen ihrer eigenen Unzulänglichkeit zu erkennen und alles zu tun, um sie zu beheben. Ehe Europa gesunden, ehe versucht werden kann, seine heillose Desorganisation durch einen haltbareren politischen Bau zu ersetzen, müssen die einzelnen Länder ihre inneren Dinge dergestalt ordnen, daß ihre Regierungen zu sachlich freier Arbeit auf lange Sicht befähigt werden. Sonst erlahmt der beste Wille und die größte Begabung, tausendfach umstrickt, in dem allerorten gleichen Verhängnis.» Ich würde Ihnen das alles nicht vorlesen, wenn es von einem Idealisten herrührte, wenn es nicht von jemandem herrührte, der da glauben muß, ganz im Realen drinnenzustehen, weil er eben mitgetan hat.

[ 35 ] That we are facing the downfall of Europe is a view held today not only by idealists with a touch of pessimism, but especially by those who have been on the inside and experienced it firsthand. Someone who, as I said, has been on the inside and played an active role writes today: “Europe is facing its downfall.” There is no time for anyone to conceal their mistakes for partisan reasons instead of correcting them. For this purpose alone—and not as a laudator temporis acti—I emphasize that democracy must and will destroy itself if it cannot free the state from this entanglement of extraneous influences and considerations. Pre-war Europe collapsed because all the continental states—the monarchies as well as the democracies, and most of all autocratic Russia—submitted to demagoguery, partly voluntarily and unconsciously, partly unwillingly and under duress, unable to recognize what was reasonable amid the self-inflicted confusion of minds, and to act freely and decisively upon whatever they might have recognized. The upper classes of Europe’s old political order—who, in the past century, were indeed the bearers of European culture and abounded in figures of statesmanlike spirit and worldly experience—would not have been so easily unseated and cast aside as rotten and spent if they, having grown alongside the problems and challenges of the changing times, had not lost their statesmanlike spirit and had preserved a tradition other than that of the most superficial diplomatic routine. If monarchs claim to be better and more objective at selecting statesmen than parliaments, then they and their courts must be the center and pinnacle of education, insight, and knowledge. But that was over long before the war. Yet the indictment of the monarchy’s failings does not absolve democracy from recognizing the causes of its own inadequacies and doing everything possible to remedy them. Before Europe can recover, before any attempt can be made to replace its hopeless disorganization with a more sustainable political structure, the individual countries must put their internal affairs in order in such a way that their governments are enabled to work objectively and freely in the long term. Otherwise, even the best will and the greatest talent, entangled a thousandfold, will wither away in the same fate that befalls all.” I would not read all this to you if it came from an idealist, if it did not come from someone who must believe he is fully grounded in reality, precisely because he has been a participant.

[ 36 ] «Es ist ein Schauspiel von tiefer TIragik, wie jeder Versuch einer bessernden Handlung, jedes Wort der Umkehr sich in den Netzen dieses Verhängnisses fängt und, hundertfach umstrickt, schließlich wirkungslos zu Boden fällt; wie das europäische Bürgertum, gedankenlos an dem Zeitirrtum des steten Fortschritts der Menschheit hangend oder die gewohnte Bahn jammernd weitertrottend, nicht sieht und sehen will, daß es von der aufgespeicherten Arbeit früherer Jahre zehrt und kaum fähig ist, die Schäden der jetzigen Weltordnung zu erkennen, geschweige denn, aus sich heraus eine neue zu gebären; wie auf der anderen Seite die Arbeiterschaft, sich in nahezu allen Ländern radikalisierend, von der Unhaltbarkeit des gegenwärtigen Zustandes überzeugt, sich Heilbringer einer neuen Ordnung glaubt, in Wirklichkeit aber in diesem Glauben nur unbewußtes Werkzeug der Zerstörung und des Untergangs, auch des eigenen, ist. Die neuen Parasiten der wirtschaftlichen Desorganisation, der klagende Reichtum von gestern, der zum Proletarier herabsinkende Kleinbürger, der gläubige Arbeiter, der eine neue Welt zu begründen wähnt, sie alle scheint dasselbe Verhängnis zu umschlingen, sie alle scheinen Erblindete, die ihre eigenen Gräber schaufeln.» Das steht nicht in dem Buch eines Idealisten, das steht eben heute in dem Buch eines [Menschen], der mitgearbeitet hat! «Aber der ganze Aspekt des heutigen politischen Wesens, die neueren Friedensschlüsse der Entente, der polnische Vormarsch in die Ukraine, die Blindheit oder Hilflosigkeit der Entente gegenüber der deutsch-österreichischen Entwicklung, zeigt dem nun einmal auf Realitäten angewiesenen Politiker, daß die ideale Forderung einer paneuropäischen, konstruktiven Revision der Pariser Friedensschlüsse zwar gestellt, die dringendste Warnung erschütternd begründet, Forderung und Warnung aber nur unbeachtet verhallen können und die Dinge im alten Sinne zwangsläufig weiterrollen dem Abgrund zu.»

[ 36 ] “It is a spectacle of profound tragedy, as every attempt at a redemptive act, every word of repentance, becomes ensnared in the webs of this fate and, entangled a hundredfold, ultimately falls to the ground, having no effect; just as the European bourgeoisie, thoughtlessly clinging to the fallacy of humanity’s constant progress or lamenting as it plods on along its familiar path, neither sees nor wishes to see that it is living off the accumulated labor of past years and is scarcely capable of recognizing the ills of the current world order, let alone giving birth to a new one of its own accord; how, on the other hand, the working class—radicalizing in nearly every country, convinced of the unsustainability of the present state of affairs, and believing itself to be the savior of a new order—is, in reality, merely an unwitting instrument of destruction and ruin, including its own, through this very belief. The new parasites of economic disorganization—yesterday’s lamenting wealthy, the petty bourgeois sinking into proletarian status, the devout worker who imagines he is founding a new world—all of them seem to be ensnared by the same doom; all of them seem like the blind who are digging their own graves.” This is not written in the book of an idealist; it is written today in the book of a [person] who was actively involved! “But the entire nature of today’s political reality—the Entente’s recent peace treaties, the Polish advance into Ukraine, the Entente’s blindness or helplessness in the face of German-Austrian developments—all of this shows the politician, who must ultimately rely on reality, that while the ideal demand for a pan-European, constructive revision of the Paris Peace Treaties has indeed been made, and the most urgent warning has been shatteringly substantiated, both the demand and the warning can only fall on deaf ears, and events will inevitably continue to roll toward the abyss in the old way.”

[ 37 ] Das ganze Buch ist geschrieben, um zu beweisen, daß Europa vor dem Abgrunde steht, daß wir daran sind, das Grab der europäischen Zivilisation zu schaufeln. Aber das alles möchte ich Ihnen nur als eine Introduktion sagen zu dem, was ich nun eigentlich für notwendig halte zu sagen. Das ist nämlich etwas anderes. Wir haben da einen Menschen vor uns, der in den entscheidenden Büros selber gesessen hat, der da sieht, daß Europa am Abgrunde steht, und der einfach sagt — das geht aus dieser ganzen Schrift hervor: Wenn nichts anderes geschieht, als was die Fortsetzung der alten Impulse ist, dann geht die Zivilisation unter; unbedingt geht sie unter. Es muß etwas Neues kommen.

[ 37 ] The entire book is written to prove that Europe is on the brink of the abyss, that we are in the process of digging the grave of European civilization. But I would like to say all this to you merely as an introduction to what I now actually consider necessary to say. For that is something else entirely. We have before us a man who has held key positions himself, who sees that Europe is on the brink of the abyss, and who simply says—as is evident from this entire work—that if nothing happens other than a continuation of the old impulses, then civilization will perish; it will perish without a doubt. Something new must come along.

[ 38 ] Nun, ich suche nun, wo in einer solchen Schrift auf das Neue hingedeutet worden ist. Ja, ich finde es auf Seite 67, da stehen drei Zeilen: «Nur eine Sinnesänderung der Welt, eine Willensänderung der beteiligten Hauptmächte kann einen obersten Rat der europäischen Vernunft entstehen lassen.»

[ 38 ] Well, I am now looking to see where in such a text the New is alluded to. Yes, I find it on page 67; there are three lines there: “Only a change of mindset in the world, a change of will among the major powers involved, can bring about a supreme council of European reason.”

[ 39 ] Ja, Sie sehen, vor dieser Entscheidung stehen die Menschen. Sie weisen darauf hin, nur wenn überall eine Sinnesänderung entsteht, wenn etwas ganz Neues kommt, dann gibt es noch eine Rettung. Das ganze Buch ist geschrieben zu dem Zwecke, um zu zeigen, daß es sonst keine Rettung gibt. Es ist viel Richtiges daran. Die Wahrheit ist nämlich, daß es für die zusammenbrechende Zivilisation aus nichts weiter heraus eine Rettung gibt als aus dem Geistesleben, das aus den wirklichen geistigen Quellen geschöpft wird. Es gibt keine andere Rettung, sonst geht eben die moderne Zivilisation, insofern sie von Europa aus bis nach Amerika begründet worden ist, ihrem Untergange entgegen. In dem, was verfault, muß gesehen werden die wichtigste Zeiterscheinung der Gegenwart. Und es hilft nichts, Kompromisse zu schließen mit dem Verfaulenden, sondern es hilft allein, auf dasjenige zu sehen, was auch über dem Grabe gedeihen kann, weil es eben stärker ist als der Tod. Das ist das Geistesleben. Aber für das, was da notwendig ist, haben solche Leute zunächst nur die ganz abstrakte Hindeutung: Es muß eben eine allgemeine internationale Sinnesänderung entstehen. — Hören sie irgendwo etwas von wirklichem Aufblühen von geistigem Leben, dann ist es «unbrauchbare Mystik». Dann kommen sie und sagen: Ja, in solchen sinkenden Zeiten des Unterganges, da machen sich alle möglichen Okkultismen und Mystiken geltend, und da muß man sich hüten davor.

[ 39 ] Yes, you see, this is the choice people face. They point out that only if there is a change of heart everywhere, if something entirely new emerges, will there still be salvation. The entire book was written for the purpose of showing that there is no other salvation. There is much truth in that. The truth is, in fact, that for a civilization in collapse, there is no salvation other than through spiritual life drawn from genuine spiritual sources. There is no other salvation; otherwise, modern civilization—insofar as it was established from Europe all the way to America—is headed for its downfall. What is decaying must be seen as the most significant phenomenon of our time. And it does no good to make compromises with what is decaying; rather, the only thing that helps is to look to that which can flourish even over the grave, precisely because it is stronger than death. That is spiritual life. But as for what is necessary here, such people initially have only a very abstract suggestion: a general international change of heart must take place. — If they hear anywhere of a genuine blossoming of spiritual life, they dismiss it as “useless mysticism.” Then they come and say: Yes, in such declining times of ruin, all manner of occultism and mysticism assert themselves, and one must guard against them.

[ 40 ] Und so schaufeln an dem Grabe der heutigen Zivilisation am meisten diejenigen, die sogar einsehen, daß dieses Schaufeln geschieht. Es ist nicht anders möglich, zu diesen Dingen Stellung zu nehmen, als indem man sie mit vollem Ernst einsieht, indem man sich mit vollem Ernst wirklich versenkt in die Wahrheit, daß ein neues Geistesleben notwendig ist und daß dieses neue Geistesleben wirklich gesucht werden muß, so daß endlich die Möglichkeit gefunden werde, innerhalb des irdischen Lebens den Christus zu finden, ihn so zu finden, wie er ist seit dem Mysterium von Golgatha. Denn er ist heruntergestiegen, um sich mit den Erdenverhältnissen zu verbinden.

[ 40 ] And so those who are digging the grave of today’s civilization are, for the most part, the very ones who even realize that this digging is taking place. There is no other way to take a stand on these matters than by recognizing them with the utmost seriousness, by truly immersing oneself with the utmost seriousness in the truth that a new spiritual life is necessary and that this new spiritual life must truly be sought, so that at last the possibility may be found to find Christ within earthly life—to find him as he has been since the Mystery of Golgotha. For He has descended to connect Himself with earthly conditions.

[ 41 ] Den stärksten Kampf gegen diese eigentlich christliche Wahrheit führt heute zum Beispiel eine gewisse Sorte von Theologie, die gerade dann sich aufbäumt, wenn man von dem kosmischen Christus spricht. So daß immer wieder und wieder darauf aufmerksam gemacht werden muß, daß auch schon in den Zeiten, in denen zum Beispiel Schröer auf Goethe hingewiesen hat zur Wiederbelebung der Zivilisation, schon dazumal das Buch von dem Basler Professor, dem Freunde Nietzsches, erschienen ist über die Christlichkeit der neueren Theologie — er meinte die christliche Theologie. Und Overbeck meinte dazumal, daß gerade die Theologie das Unchristlichste ist und suchte das als Historiker der Theologie zu beweisen. Damals war also in Basel die historisch-theologische Lehrkanzel mit einem Professor besetzt, der den Beweis führte: Die Theologie ist unchristlich!

[ 41 ] The fiercest opposition to this essentially Christian truth is being waged today, for example, by a certain kind of theology that rebels precisely when one speaks of the cosmic Christ. So it must be pointed out again and again that even in the days when, for example, Schröer referred to Goethe for the revival of civilization, the book by the Basel professor—a friend of Nietzsche’s—had already been published on the Christian character of modern theology—he meant Christian theology. And Overbeck argued at the time that theology, of all things, is the most unchristian, and sought to prove this as a historian of theology. At that time, therefore, the chair of historical theology in Basel was held by a professor who demonstrated: Theology is unchristian!

[ 42 ] Die Menschheit hat in die Katastrophe hineintreiben müssen, weil sie die einzelnen Rufe, die da waren, die allerdings noch sehr an Unklarheit litten, nicht aufgenommen hat. Heute hat die Menschheit keine Zeit mehr, zu warten. Heute muß die Menschheit wissen, daß solche Darstellungen wie die von Ruedorffer durchaus wahr sind, daß es durchaus notwendig ist, einzusehen, wie durch die Fortsetzung der alten Impulse alles zusammensinkt. Dann gibt es nur eines: Sich an dasjenige zu wenden, was auch aus Gräbern wachsen kann, nämlich das Geistig-Lebendige.

[ 42 ] Humanity has been driven into catastrophe because it failed to heed the individual calls that were made—calls that, admittedly, were still very unclear. Today, humanity no longer has time to wait. Today, humanity must realize that accounts such as Ruedorffer’s are entirely true, and that it is absolutely necessary to understand how everything is collapsing as a result of the persistence of the old impulses. Then there is only one thing to do: to turn to that which can grow even from graves—namely, the spiritual and living.

[ 43 ] Und das ist es, worauf immer wieder und wiederum aufmerksam gemacht werden muß, gerade in unserem Zusammenhange, meine lieben Freunde. Davon werden wir dann am nächsten Freitag um 8 Uhr weiterreden.

[ 43 ] And that is what we must keep bringing to your attention, time and again, especially in our context, my dear friends. We’ll continue discussing this next Friday at 8 o’clock.