Human Questions and Cosmic Answers
GA 213
24 June 1922, Dornach
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Human Questions and Cosmic Answers, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Ich werde heute einiges auseinanderzusetzen haben, das scheinbar etwas abliegt von den konkreteren Betrachtungen unserer Anthroposophie, das aber dennoch die Grundlage von vielen Anschauungen bilden muß, und auf das dann in intimeren Betrachtungen manches gebaut werden kann.
[ 1 ] Today I will be discussing a number of topics that may seem somewhat removed from the more concrete aspects of our anthroposophy, but which nonetheless must form the foundation for many of our views, and upon which many things can then be built in more intimate reflections.
[ 2 ] Wenn wir sprechen von dem Physisch-Leiblichen des Menschen auf der einen Seite und dem Geistig-Seelischen auf der anderen Seite, dann liegt ja für die Erkenntnis, für das Auffassungsvermögen des Menschen eine Schwierigkeit vor. Der Mensch kann verhältnismäßig leicht Vorstellungen gewinnen über das Physisch-Leibliche. Dieses Physisch-Leibliche ist ihm ja durch die Sinne gegeben. Es gehört sozusagen zu demjenigen, was von allen Seiten seiner Umgebung ihm entgegentritt, ohne daß er dazu selbst Wesentliches tut, wenigstens insofern sein Bewußtsein in Betracht kommt. Anders liegt die Sache, wenn von dem Geistig-Seelischen gesprochen wird. Das Geistig-Seelische ist ja von der Art, daß der Mensch, wenn er unbefangen genug ist, ein deutliches Bewußtsein davon hat, daß es vorhanden ist. Die Menschheit hat ja auch immer in ihre Sprachen Bezeichnungen, Worte, Satzwendungen aufgenommen für das Geistig-Seelische, und schon die Tatsache, daß solche Worte, Wendungen, Bezeichnungen innerhalb der Sprache sich befinden, zeigt, daß für das unbefangene Bewußtsein immerhin doch etwas da ist, was den Menschen hinweist auf das Geistig-Seelische.
[ 2 ] When we speak of the physical-bodily aspect of the human being on the one hand and the spiritual-soul aspect on the other, a difficulty arises for human understanding and perception. Human beings can form concepts of the physical-bodily aspect relatively easily. This physical-bodily aspect is, after all, given to them through the senses. It belongs, so to speak, to that which comes to meet them from all sides of their environment without them having to do anything substantial themselves—at least as far as their consciousness is concerned. The situation is different when we speak of the spiritual-soul aspect. The spiritual and soul-related is, after all, of such a nature that, if a person is open-minded enough, they have a clear awareness of its existence. Humanity has, after all, always incorporated terms, words, and phrases into its languages to describe the spiritual-soul realm, and the very fact that such words, phrases, and terms exist within language shows that, for the unbiased consciousness, there is indeed something that points human beings toward the spiritual-soul realm.
[ 3 ] Die Schwierigkeit entsteht aber sofort, wenn der Mensch die Welt des Physisch-Leiblichen und die Welt des Geistig-Seelischen in eine Beziehung bringen will. Und dieses Aufsuchen einer Beziehung bietet gerade für diejenigen, die sich, sagen wir, in philosophischer Weise mit solchen Fragen beschäftigen, die denkbar größten Schwierigkeiten. Sie wissen, daß das Leiblich-Physische im Raume ausgedehnt ist. Sie können sogar dieses Leiblich-Physische im Raume darstellen. Und der Mensch bekommt verhältnismäßig leicht Vorstellungen davon, weil er eben dasjenige, was ihm der Raum darbietet mit seinen drei Dimensionen, verwenden kann zu den Vorstellungen über das Leiblich-Physische. Aber der Mensch findet schließlich nirgends im Raume das Geistige als solches.
[ 3 ] However, the difficulty arises immediately when a person attempts to establish a relationship between the physical-bodily world and the spiritual-soul world. And this search for a connection presents the greatest possible difficulties, especially for those who, let us say, engage with such questions in a philosophical manner. They know that the physical-bodily realm is extended in space. They can even represent this physical-bodily realm in space. And it is relatively easy for a person to form concepts of this, because they can use precisely what space offers them—with its three dimensions—to form concepts of the physical-bodily realm. But ultimately, a person finds nowhere in space the spiritual as such.
[ 4 ] Menschen, die da glauben, nicht materialistisch gesinnt zu sein, die es aber erst recht sind, die möchten sich allerdings auch das Geistig-Seelische im Raume vorstellen und kommen dadurch zu den bekannten spiritistischen Verirrungen. Die spiritistischen Verirrungen sind ja materialistische Verirrungen; sie sind ein Bestreben, das Geistig-Seelische in den Raum hereinzubringen. Aber ganz abgesehen davon ist es ja so, daß der Mensch sich seines eigenen Geistig-Seelischen bewußt ist. Er weiß, wie das Geistig-Seelische wirkt, denn er sagt sich, daß sein Gedanke, den er hegt, wenn er zum Beispiel sich vornimmt, im Raume eine Bewegung zu machen, sich umsetzt in die Bewegung vermittelst des Willens. Die Bewegung ist im Raume; aber von dem Gedanken kann der unbefangene Mensch nicht sagen, daß er im Raume ist. Und so haben sich gerade für das philosophische Denken die größten Schwierigkeiten ergeben. Man frägt: Wie kann das Seelisch-Geistige im Menschen, zu dem auch das Ich gehört, auf das Physisch-Leibliche, das im Raume ist, wirken? Wie kann ein Unräumliches auf ein Räumliches wirken?
[ 4 ] People who believe they are not materialistic in their outlook, but who in fact are all the more so, would naturally also like to imagine the spiritual and soul-related aspects of space, and in doing so fall into the well-known spiritualist errors. These spiritualist aberrations are, after all, materialistic aberrations; they represent an effort to introduce the spiritual-psychic into space. But quite apart from that, the fact is that human beings are aware of their own spiritual-psychic nature. They know how the spiritual-soul aspect works, for they tell themselves that the thought they harbor—for example, when they resolve to make a movement in space—is translated into movement through the will. The movement is in space; but an unbiased person cannot say that the thought itself is in space. And this is precisely where the greatest difficulties have arisen for philosophical thinking. One asks: How can the spiritual-psychic aspect of the human being—which includes the “I”—act upon the physical-bodily aspect, which is in space? How can something non-spatial act upon something spatial?
[ 5 ] Es sind die verschiedensten 'Theorien entstanden, welche mehr oder weniger alle an der Schwierigkeit leiden, das unräumliche GeistigSeelische in eine Beziehung zu bringen zu dem räumlichen Leiblich-Physischen. Man sagt, im Willen wirke das Geistig-Seelische auf das Leibliche. Aber zunächst kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein niemand sagen, wie der Gedanke in den Willen hineinfließt, und wie der Wille, der selber eine Art Geistiges ist, nun dazu kommt, in äußeren Bewegungsformen, in äußerer Betätigung zum Vorschein zu kommen.
[ 5 ] A wide variety of “theories” have emerged, all of which, to a greater or lesser extent, struggle with the difficulty of relating the non-spatial spiritual-psychic to the spatial bodily-physical. It is said that the spiritual-psychic realm acts upon the physical through the will. But to begin with, no one with ordinary consciousness can say how thought flows into the will, and how the will—which is itself a kind of spiritual entity—comes to manifest itself in external forms of movement and external activity.
[ 6 ] Auf der anderen Seite wiederum sind die Vorgänge, die zum Beispiel durch die physische Welt in den Sinnen, also im Leiblichen hervorgerufen werden, im Raume ausgedehnt. Sie verwandeln sich, indem sie ein Geistig-Seelisches werden, in ein Unräumliches. Der Mensch kann aus seinem gewöhnlichen Bewußtsein heraus nicht sagen, wie das Räumlich-Physische, das geschieht in der Sinneswahrnehmung, eine Wirkung ausübt auf das Nichträumliche, auf das Geistig-Seelische.
[ 6 ] On the other hand, the processes that are brought about, for example, by the physical world through the senses—that is, in the physical realm—are extended in space. As they transform into something spiritual-psychic, they become non-spatial. From the perspective of ordinary consciousness, a person cannot say how the spatial-physical—which occurs in sensory perception—exerts an effect on the non-spatial, on the spiritual-psychic.
[ 7 ] Man ist ja in der neuesten Zeit zu dem Auskunftsmittel gekommen, das ich schon öfter erwähnt habe: man redet von «psychophysischem Parallelismus». Das ist eigentlich das Eingeständnis, daß man nichts zu sagen weiß über die Beziehung des Leiblich-Physischen und des Geistig-Seelischen. Man sagt zum Beispiel: Der Mensch geht, seine Beine bewegen sich, er verändert den Ort im äußeren Raume. Das alles stellt ein Räumliches, ein Physisch-Leibliches dar.
[ 7 ] In recent times, people have come to rely on the concept I have mentioned on several occasions: they speak of “psychophysical parallelism.” This is actually an admission that they have no idea how to describe the relationship between the physical-bodily and the spiritual-psychic. For example, people say: A person walks, their legs move, and they change their location in external space. All of this constitutes a spatial, physical-bodily phenomenon.
[ 8 ] Gleichzeitig damit, wenn in seinem Leibe etwas vorgeht, wickelt sich ein Geistig-Seelisches ab, ein Gedanklich-Gefühlsmäßig-Willensmäßiges. Man weiß nur, so sagt man, daß wenn sich das LeiblichPhysische räumlich abspielt und zeitlich, daß sich dann das GeistigSeelische auch abspielt. Aber wie das eine auf das andere wirkt, davon kann man sich keine Vorstellung machen. Psychophysischer Parallelismus heißt: es läuft ein psychischer, ein seelischer Prozeß ab, während ein leiblicher abläuft. Aber über dieses, möchte man sagen, also ausgesprochene Geheimnis, daß die beiden Vorgänge parallel ablaufen, kommt man nicht hinaus. Man kommt nicht zu einer Vorstellung, wie die beiden aufeinander wirken. So ist es dann, wenn die Menschen sich eine Vorstellung machen wollen über das Vorhandensein, das Dasein des Geistig-Seelischen überhaupt.
[ 8 ] At the same time, when something is happening in his body, a spiritual-soul process unfolds—one involving thought, feeling, and will. All we know, so they say, is that when the physical process unfolds in space and time, the spiritual-psychic process also unfolds. But how one affects the other is something we cannot conceive of. Psychophysical parallelism means: a psychological, a psychic process takes place while a physical one is underway. But one cannot get beyond this—one might say—utter mystery that the two processes occur in parallel. One cannot form a conception of how the two interact with one another. This is how it is when people try to form a conception of the existence, the very being, of the spiritual-soul aspect in general.
[ 9 ] Im 19. Jahrhundert, in dem die Menschen in ihren Anschauungen so sehr durchsetzt worden sind vom Materialismus, entstand ja bei Materialisten auch die Frage: Wo im Weltenraume halten sich denn die Seelen eigentlich auf, wenn sie den Leib verlassen haben? Und es hat sogar Leute gegeben, die den Spiritualismus dadurch widerlegen wollten, daß sie versuchten, die Unmöglichkeit ins Auge zu fassen, die darin gegeben ist, daß, da so viele Menschen sterben und so viele Menschen schon gestorben sind, in der ganzen Raumeswelt eigentlich kein Platz sei, um all den Seelen, die von gestorbenen Menschen herrühren, einen Aufenthaltsort zu geben. Diese absurde Anschauungsweise ist ja tatsächlich gerade im 19. Jahrhundert oftmals aufgetreten. Man hat gesagt: Der Mensch kann nicht unsterblich sein, denn es müßten schon alle Räume der Welt mit den unsterblichen Seelen erfüllt sein. Alle diese Dinge weisen darauf hin, welche Schwierigkeiten auftauchen, wenn in Frage kommt die Beziehung zwischen dem deutlich im Raume ausgedehnten Leiblich-Physischen und demjenigen, was man zunächst nicht in den Raum versetzen kann, dem GeistigSeelischen.
[ 9 ] In the 19th century, when people’s views had become so deeply permeated by materialism, materialists also began to ask: Where in the universe do souls actually dwell once they have left the body? And there were even people who sought to refute spiritualism by attempting to highlight the impossibility inherent in the fact that, since so many people die and so many have already died, there is actually no room in the entire universe to accommodate all the souls that originate from deceased human beings. This absurd view did indeed arise frequently, particularly in the 19th century. It was said: Human beings cannot be immortal, for otherwise all the spaces in the world would have to be filled with immortal souls. All these things point to the difficulties that arise when considering the relationship between the physical body—which is clearly extended in space—and that which cannot initially be located in space: the spiritual-soul aspect.
[ 10 ] Nun aber ist es allmählich dahin gekommen, daß das rein intellektualistische menschliche Denken schroff nebeneinandergestellt hat Leiblich-Physisches auf der einen Seite und Geistig-Seelisches auf der anderen Seite. Die beiden stehen für das heutige Bewußtsein ohne alle Vermittelung nebeneinander. Ja, so wie die Menschen allmählich dazu gekommen sind, zu denken über das Leiblich-Physische auf der einen und das Geistig-Seelische auf der anderen Seite, so gibt es überhaupt keine Möglichkeit, eine Beziehung aufzufinden. Der Mensch denkt sich eben heute einfach das Räumlich-Physische so, daß das Seelische darinnen nirgends unterzubringen ist, und wiederum das Seelische so schroff geschieden von dem Physisch-Räumlichen, daß das ganz unräumliche Geistig-Seelische nirgends dazu kommen kann, das Physische zu stoßen oder dergleichen. Man hat aber erst nach und nach diesen schroffen Gegensatz herausgebildet. Man muß eine ganz andere Betrachtungsweise zugrunde legen, eine Betrachtungsweise, die erst wiederum heraufkommen kann dadurch, daß angeknüpft wird an dasjenige, was anthroposophische Geisteswissenschaft zu sagen hat. Anthroposophische Geisteswissenschaft muß zunächst den Willen betrachten. Zunächst liefert eine unbefangene Anschauung zweifellos den Beweis, daß der Wille des Menschen seinen Bewegungen überallhin folgt, und daß die Bewegungen des Menschen, die er äußerlich im Raume vollführt, indem er sich selber bewegt, aber auch die Bewegungen, die in ihm vorgehen, indem seine alltäglichen Funktionen sich vollziehen, daß überhaupt alle Betätigung des Menschen hier in der physischen Welt räumlich dreidimensional ist. Darüber kann ja der unbefangene Mensch in keinem Zweifel sein. Alle diese Bewegungen werden begleitet vom Willen, der Wille muß also überall hinkommen, wo die drei Dimensionen ausgedehnt sind. Darüber kann auch kein Zweifel sein.
[ 10 ] But now it has gradually come to pass that purely intellectual human thinking has sharply set the physical-bodily on one side and the spiritual-psychic on the other. In today’s consciousness, the two stand side by side without any mediation. Indeed, just as people have gradually come to think of the physical-bodily on one side and the spiritual-psychic on the other, there is absolutely no possibility of finding a connection between them. Today, people simply conceive of the spatial-physical realm in such a way that there is no room within it for the soul, and conversely, they conceive of the soul as so sharply separated from the physical-spatial realm that the entirely non-spatial spiritual-soul realm has no way of coming into contact with the physical or anything of the sort. But this stark opposition has only gradually been developed. We must adopt an entirely different perspective—one that can only emerge by drawing upon what anthroposophical spiritual science has to say. Anthroposophical spiritual science must first consider the will. To begin with, an unbiased observation undoubtedly provides proof that the human will follows human movements everywhere, and that human movements—those performed externally in space as the person moves, but also those taking place within the person as daily functions unfold—that, in short, all human activity here in the physical world is spatially three-dimensional. An unbiased person can have no doubt about this. All these movements are accompanied by the will; the will must therefore extend wherever the three dimensions are present. There can be no doubt about this either.
[ 11 ] Wenn also vom Willen als von einem Geistig-Seelischen gesprochen wird, kann gar keine Frage sein darüber, daß dieser Wille, trotzdem er ein Geistig-Seelisches ist, ein Dreidimensionales ist, dreidimensionale Gestaltung hat. Wir müssen einfach so denken: Wenn wir durch unseren Willen, sagen wir eine Bewegung ausführen mit der Hand, so schmiegt sich der Wille in alle die Lagen hinein, welche im Raume von Arm und Hand ausgeführt werden. Der Wille geht überall mit, wo irgendeine Bewegung eines Gliedes sich vollzieht. So daß wir vom Willen selber als von demjenigen Seelischen sprechen müssen, das eine dreidimensionale Gestaltung annehmen kann.
[ 11 ] So when we speak of the will as a spiritual-soul element, there can be no question whatsoever that this will—even though it is a spiritual-soul element—is three-dimensional and has a three-dimensional form. We simply have to think of it this way: When we perform, say, a movement with our hand through our will, the will permeates all the positions that the arm and hand assume in space. The will accompanies every movement of a limb. Thus, we must speak of the will itself as that aspect of the soul that can take on a three-dimensional form.
[ 12 ] Eine weitere Frage ist aber diese, ob alles Seelische eine dreidimensionale Gestaltung annimmt. Und gehen wir da über vom Willen auf die Welt des Fühlens, auf die Welt des Gefühles, so wird der Mensch zunächst, wenn er einfach mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein über diese Dinge nachdenkt, sich ja allerdings sagen: Wenn ich, sagen wir, hier auf der rechten Seite des Gesichtes, des Kopfes, von einer Nadel gestochen werde, so fühle ich das; wenn ich auf der linken Seite gestochen werde, fühle ich es auch. Er kann also mit dem gewöhnlichen Bewußtsein die Meinung haben, sein Gefühl ist in seinem ganzen Leibe ausgedehnt. Und dann wird er auch vom Fühlen im selben Sinne als dreidimensional gestaltet sprechen, wie er vom Willen als dreidimensional gestaltet spricht.
[ 12 ] Another question, however, is whether everything psychological takes on a three-dimensional form. And if we move from the will to the world of sensation, to the world of feeling, then a person, when simply reflecting on these things with ordinary consciousness, will certainly say to himself: If, let’s say, I am pricked by a needle here on the right side of my face, on my head, I feel it; if I am pricked on the left side, I feel it too. With ordinary consciousness, therefore, they may believe that their sensation extends throughout their entire body. And then he will also speak of sensation as three-dimensionally structured in the same sense that he speaks of the will as three-dimensionally structured.
[ 13 ] Aber da gibt er sich doch einer Täuschung hin. Es ist nicht so. Es ist vielmehr so, daß da berücksichtigt werden muß, wie der Mensch zunächst gewisse Erfahrungen an sich selber machen kann, und von diesen Erfahrungen wollen wir ausgehen. Die heutige Betrachtung wird etwas subtil sein, aber ohne solche subtilen Betrachtungen kann ganz gründlich doch das Geisteswissenschaftliche nicht verstanden werden.
[ 13 ] But he is deluding himself there. That is not the case. Rather, we must take into account how a person can initially have certain experiences within themselves, and we want to proceed from these experiences. Today’s discussion will be somewhat subtle, but without such subtle considerations, spiritual science cannot be thoroughly understood.
[ 14 ] Fassen Sie nur einmal ins Auge, ich meine ins Seelenauge, wie das ist, wenn Sie Ihre linke Hand mit der rechten Hand selber berühren. Dadurch haben Sie die Wahrnehmung von sich selbst. Wie Sie einen äußeren Gegenstand sonst empfinden, so empfinden Sie sich selbst, wenn Sie die rechte Hand mit der linken berühren, sagen wir durch Vermittelung der einzelnen Finger.
[ 14 ] Just take a moment to visualize—I mean, with the eye of the soul—what it’s like when you touch your left hand with your right hand. Through this, you gain a sense of yourself. Just as you normally perceive an external object, so do you perceive yourself when you touch your right hand with your left—let’s say through the mediation of the individual fingers.
[ 15 ] Noch viel deutlicher haben Sie aber das Faktum, das da vorliegt, wenn Sie daran denken, daß Sie zwei Augen haben, und daß, wenn Sie einen Gegenstand fixieren mit beiden Augen, Sie ja den Willen zunächst anstrengen müssen. Man denkt oftmals an diese Willensanstrengung nicht. Sie müssen, um zum Beispiel einen sehr nahen Gegenstand zu fixieren, wobei es eben stärker hervortritt als sonst, das linke Auge nach rechts wenden, das rechte Auge nach links, und Sie fixieren den Gegenstand dadurch, daß Sie die Sehlinien in einer ähnlichen Weise miteinander in Berührung bringen, wie Sie die rechte Hand mit der linken in Berührung bringen, wenn Sie sich sozusagen selber angreifen.
[ 15 ] However, the fact at hand becomes even clearer when you consider that you have two eyes, and that when you focus on an object with both eyes, you must first exert your will. People often do not think about this exertion of will. For example, to focus on a very close object—which stands out more clearly than usual—you must turn your left eye to the right and your right eye to the left, and you focus on the object by bringing your lines of sight into contact with one another in much the same way as you bring your right hand into contact with your left when you, so to speak, grasp yourself.
[ 16 ] Sie können auf diese Weise sehen, wie es einfach eine gewisse Bedeutung für den Menschen hat in bezug auf seine Weltorientierung, das Linke auf das Rechte zu beziehen, das Linke mit dem Rechten in eine gewisse Beziehung zu bringen.
[ 16 ] In this way, you can see how it is simply of some significance for people, in terms of their orientation in the world, to relate the left to the right—to establish a certain relationship between the left and the right.
[ 17 ] Nun, viel weiter, als sich das hier zugrunde liegende ganz bedeutungsvolle Faktum durch die Berührung der Hände, durch die Kreuzung der Sehvisierlinie zum Bewußtsein zu bringen, kommt das gewöhnliche Bewußtsein meistens nicht; aber man kann diese Betrachtung weiter fortsetzen.
[ 17 ] Well, ordinary consciousness usually does not go much further than bringing this underlying, highly significant fact to mind through the touching of hands and the crossing of the line of sight; but one can continue this line of thought.
[ 18 ] Nehmen wir an, daß wir auf unserer rechten Körperhälfte mit einer Nadel gestochen werden: Wir empfinden, wir fühlen den Stich. Aber wir dürfen nicht ohne weiteres sagen, wo wir den Stich fühlen, indem wir etwa bei diesem Wo hinweisen auf unsere Körperoberfläche. Denn ohne daß alle einzelnen Glieder unseres Organismus miteinander in einem Verhältnisse, und zwar in einem lebendigen Wechselverhältnisse stehen, so daß sie aufeinander wirken, ohne das würde unser leiblich-seelisch-menschliches Wesen überhaupt nicht dasjenige sein, was es ist. Und es ist immer, auch wenn wir nicht die linke Hand durch die rechte angreifen, um so die linke Hand durch die rechte Hand zu fühlen, und auch wenn unser Organismus, sagen wir, auf seiner rechten Seite gestochen wird, eine Leitung vorhanden von der rechten Seite nach der Symmetrieebene in der Mitte, und die linke Körperhälfte muß in eine Beziehung treten zu der rechten Körperhälfte, damit die Empfindung, das Gefühl zustande kommen kann.
[ 18 ] Let’s suppose we are pricked with a needle on the right side of our body: We perceive it; we feel the prick. But we cannot simply say where we feel the prick by, for example, pointing to a specific spot on our body’s surface. For without all the individual parts of our organism being in a relationship with one another—and specifically in a living, interactive relationship—so that they influence one another, our physical, psychological, and human being would not be at all what it is. And it is always the case—even if we do not grasp our left hand with our right in order to feel the left hand through the right, and even if our organism is, say, pricked on its right side—that a pathway exists from the right side to the plane of symmetry in the center, and the left half of the body must enter into a relationship with the right half of the body so that the sensation, the feeling, can come about.


[ 19 ] Es ist verhältnismäßig leicht, sich zu sagen: Wenn ich hier, von vorne nach rückwärts angesehen, die Symmetrieebene habe, dann berührt die rechte Hand die linke Hand, und das Gefühl der beiden Hände, jeder Hand durch die andere, kommt in der Symmetrieebene zustande. Das wird offenbar so gesehen, und es ist verhältnismäßig leicht, von der Kreuzung der Visierlinie des Auges zu sprechen. Aber es ist immer, wenn wir zum Beispiel rechts gestochen werden, eine Leitung vorhanden (rot), und die linke Körperhälfte kreuzt sich in diesen Leitungen mit der rechten Körperhälfte, sonst würde die Empfindung nicht zustande kommen. Bei allen Empfindungs- und Gefühlswegen spielt die Tatsache, daß wir eine rechte und eine linke Körperhälfte haben, daß wir symmetrisch gebaut sind, eine ungeheuer bedeutsame Rolle. Wir beziehen dadurch immer dasjenige, was uns rechts geschieht, auf das Linke, indem immer, gewissermaßen unsichtbar vom Linken etwas herübergreift, um sich mit dem, was vom Rechten herüberströmt, zu kreuzen.
[ 19 ] It is relatively easy to tell oneself: If I have the plane of symmetry here—viewed from front to back—then the right hand touches the left hand, and the sensation of the two hands, each hand through the other, arises in the plane of symmetry. This is obviously how it is perceived, and it is relatively easy to speak of the intersection of the eye’s line of sight. But whenever, for example, we are stabbed on the right side, a pathway is present (red), and the left half of the body intersects with the right half of the body along these pathways; otherwise, the sensation would not arise. In all pathways of sensation and feeling, the fact that we have a right and a left half of the body—that we are symmetrically constructed—plays an immensely significant role. As a result, we always relate what happens to us on the right to the left, in that something from the left—in a sense, invisibly—always reaches across to intersect with what flows over from the right.
[ 20 ] Dadurch allein kommt das Fühlen zustande. Das Fühlen kommt niemals im dreidimensionalen Raume zustande, das Fühlen kommt immer in der Ebene zustande. Die Gefühlswelt ist in Wirklichkeit gar nicht dreidimensional ausgebreitet, die Gefühlswelt ist in Wahrheit nur zweidimensional ausgebreitet. Die Gefühlswelt erlebt der Mensch nur in derjenigen Ebene, die, wenn man sie als eine Schnittebene vollziehen würde, den Menschen in zwei symmetrische Hälften spalten würde.
[ 20 ] This alone gives rise to feeling. Feeling never arises in three-dimensional space; feeling always arises on a plane. The world of feelings is not, in reality, spread out in three dimensions; in truth, the world of feelings is spread out only in two dimensions. Humans experience the world of feelings only on that plane which, if it were to be cut as a cross-section, would split a person into two symmetrical halves.
[ 21 ] Das Gefühlsleben ist nämlich eigentlich so wie ein Gemälde, das auf einer Leinwand gemalt ist, wobei man aber nicht bloß von der einen Seite malt, sondern von beiden Seiten malt. Denken Sie sich, ich spanne mir eine Leinwand auf, bemale sie von rechts nach links und von links nach rechts, und ich lasse in der Anschauung durcheinanderwirken dasjenige, was ich von vorne und von rückwärts, das heißt, von rechts nach links und von links nach rechts bemalt habe. Und das Gemälde, das da ist, das ist durchaus nur zweidimensional. Alles, was dreidimensional ist, ist, wenn ich so sagen darf, auf die zwei Dimensionen projiziert.
[ 21 ] Emotional life is, in fact, like a painting on a canvas, except that one does not paint from just one side, but from both sides. Imagine this: I stretch out a canvas, paint it from right to left and from left to right, and in the viewer’s perception, I allow what I have painted from the front and from the back—that is, from right to left and from left to right—to interact with one another. And the painting that results is, strictly speaking, only two-dimensional. Everything that is three-dimensional is, if I may put it that way, projected onto these two dimensions.
[ 22 ] Sie könnten sich die Vorstellung auch noch anders bilden. Denken Sie sich, Sie wären imstande, auf einer Fläche Gegenstände, welche rechts sind, und Gegenstände, welche links sind, in Schattenbilder zu werfen. Dann würden Sie Schatten von rechten Gegenständen, von linken Gegenständen auf der aufgespannten Wand haben. So ist es mit unserer Gefühlswelt. Sie ist nicht dreidimensional, sie ist zweidimensional. Der Mensch ist im Grunde genommen ein von zwei Seiten her arbeitender Maler, indem er sich nicht einfach in den Raum fühlend hineinlebt, sondern indem er durch seinen dreidimensionalen Willen alles dasjenige, was ihm im Raume als Gefühlswirkung begegnet, indem er durch den Willen, der allerdings dreidimensional ist — der ist der Maler, der Wille —, alles auf eine von vorne nach rückwärts durchgehende Ebene in Schattenbildungen, in Gemälden entwirft. Der Mensch lebt fühlend in einem Gemälde, das durch seinen Leib zweidimensional gezogen ist, das nur eben von beiden Seiten bemalt wird. So daß wir, wenn wir für uns selbst, für die Menschen, im Seelischen den Übergang suchen wollen vom Willen zum Gefühl, aus dem Dreidimensionalen in das Zweidimensionale übergehen müssen.
[ 22 ] You could also form this idea in a different way. Imagine that you were able to cast shadows of objects on the right and objects on the left onto a surface. Then you would have shadows of objects on the right and objects on the left on the stretched-out wall. So it is with our emotional world. It is not three-dimensional; it is two-dimensional. Human beings are, in essence, painters working from two sides: not simply by immersing themselves emotionally in space, but by using their three-dimensional will to transform everything they encounter in space as an emotional effect—using the will, which is indeed three-dimensional—that is the painter, the will— projects everything onto a plane extending from front to back in the form of shadows and paintings. Human beings live, through their feelings, within a painting that is drawn two-dimensionally through their body, a painting that is painted only from both sides. Thus, if we wish to seek for ourselves, for humanity, the transition in the soul from will to feeling, we must pass from the three-dimensional into the two-dimensional.
[ 23 ] Damit aber haben Sie ein anderes Verhältnis zunächst desjenigen Seelischen, das sich im Fühlen ausspricht, zu dem Räumlichen, als wenn Sie einfach vom Seelischen sagen, es sei unräumlich. Die Ebene hat zwei Dimensionen, aber sie ist nicht räumlich. Sie können die Tafel eine Ebene nennen, aber sie ist in Wirklichkeit ein Körper, denn sie hat eine Dicke. Eine Ebene ist zwar im Raume drinnen, aber sie ist nicht selber räumlich; der Raum muß immer drei Dimensionen haben. Und in diesen dreidimensionalen Raum geht nur der Wille hinein. Aber das Gefühl, das geht nicht in die drei Dimensionen des Raumes hinein. Es ist zweidimensional. Aber es hat dennoch Beziehungen zum Raume, geradeso wie das Schattenbild Beziehungen zum Raume hat.
[ 23 ] But this means you have a different relationship—at least initially—between the psychological, which expresses itself in feeling, and the spatial, than if you simply said that the psychological is non-spatial. A plane has two dimensions, but it is not spatial. You can call a blackboard a plane, but in reality it is a solid, because it has thickness. A plane is indeed located within space, but it is not itself spatial; space must always have three dimensions. And only the will enters into this three-dimensional space. But feeling—that does not enter into the three dimensions of space. It is two-dimensional. Yet it still has a relationship to space, just as a shadow has a relationship to space.
[ 24 ] Ich weise Sie damit aber auch hin auf eine außerordentlich bedeutungsvolle Tatsache, die gar nicht so leicht durchschaut werden kann, aus dem Grunde, weil der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein in der Regel gar nicht geneigt ist, das Eigentümliche seiner Gefühlswelt aufzufassen. Diese Gefühlswelt ist ja immer von der Willenswelt durchsetzt. Denken Sie doch nur einmal, wenn Sie wirklich den Stich, von dem ich gesprochen habe, auf Ihre rechte Körperseite bekommen, da trennen Sie ja nicht gleich das Gefühl vom Willen. Sie werden ganz zweifellos diesen Stich nicht sehr geduldig empfangen, sondern abgesehen davon, daß Sie vielleicht äußerlich dahin greifen werden, also mit Ihrem Willen sehr in den dreidimensionalen Raum hineinfahren werden, wenn Sie gestochen werden, abgesehen davon haben Sie eine nach außen nicht hervortretende Abwehrbewegung, die sich nur in allerlei kleinen, intimen Strömungen des Blutes und des Atems zeigt. Dasjenige, was man als Abwehrbewegung macht, wenn man von einer Mücke gestochen wird und man greift hin, das ist ja eben auch nur das Grobklotzigste. Das Feinere, die Abwehrbewegung, die man eigentlich nur mit der Blutbewegung, mit der Atembewegung, mit allerlei anderem im Inneren macht, die beachtet man gewöhnlich nicht. Und so trennt man nicht dasjenige, was da der Wille tut, von demjenigen, was eigentlich Gefüblsinhalt ist. Dasjenige, was Gefühlsinhalt ist, ist auch zu scheu. Dazu kann man es nur bringen in sehr, sehr sorgfältiger Meditation. Wenn Sie aber einmal alles, was zum Willen gehört, ausschließen können von dem Fühlen, dann schrumpfen Sie allerdings zusammen von rechts und links, und Sie werden in der Mitte die Ebene. Und dann, wenn Sie in der Mitte die Ebene sind und gewissermaßen nun bewußt als Maler Ihre Erlebnisse auf dieser Ebene abmalen, dann fangen Sie an zu begreifen, warum sich die Gefühlswelt so außerordentlich unterscheidet von dem gewöhnlichen Erleben.
[ 24 ] I am also drawing your attention to an extraordinarily significant fact that is not at all easy to grasp, for the reason that human beings, with their ordinary consciousness, are generally not inclined to comprehend the peculiar nature of their emotional world. This emotional world is, after all, always interwoven with the world of the will. Just think about it: if you were to actually feel the prick I mentioned on the right side of your body, you wouldn’t immediately separate the feeling from the will. You will undoubtedly not take this sting very patiently; but apart from the fact that you might reach out outwardly—that is, project your will very strongly into three-dimensional space when you are stung—apart from that, you have a defensive movement that does not manifest outwardly, one that reveals itself only in all sorts of small, intimate currents of blood and breath. What one does as a defensive reaction when stung by a mosquito—reaching out to swat it—is, after all, only the most crude and clumsy aspect. The more subtle defensive reaction—the one that actually takes place only through the movement of the blood, the movement of the breath, and all sorts of other internal processes—is usually overlooked. And so one does not separate what the will does from what is actually the content of feeling. The content of feeling is also too elusive. One can only bring it to light through very, very careful meditation. But once you are able to exclude everything that belongs to the will from your feeling, then you do indeed shrink on the right and left, and you become the plane in the middle. And then, when you are that level in the center and, as it were, consciously paint your experiences on this level as a painter, you begin to understand why the world of feeling differs so extraordinarily from ordinary experience.
[ 25 ] Man kann schon dieses Flächenhafte, dieses Ebenenhafte des Fühlens erleben; aber man muß es meditativ erleben. Man muß das ganze Schattendasein der Gefühle gegenüber den robusten Erlebnissen im dreidimensionalen Raum haben. Man muß sich erst vorbereiten dazu, es zu haben. Dann aber kann man es auch haben. Und dann wird man allmählich sich dieser Wahrheit nähern, daß das Fühlen zweidimensional verläuft. Und das Denken, das läßt sich ja einfach dadurch charakterisieren, daß man mit unbefangenem Gemüte sich gesteht, wie wenig man doch sagen kann, daß ein Gedanke im Raume drinnen ist. Er ist doch nirgends eigentlich im Raume drinnen, der Gedanke. Aber eine Beziehung zum Raume muß er doch haben. Denn zweifellos ist ja das Gehirn, wenn auch nicht das Werkzeug, so doch die Unterlage des Denkens. Ohne Gehirn kann man nicht denken. Wenn aber das Denken, das also im Zusammenhange mit der Gehirntätigkeit verläuft, gar nichts mit dem Raum zu tun hätte, dann würde sich die kuriose Tatsache ergeben, daß, wenn man mit zwölf Jahren gut denken kann und man dann mit seinem Kopfe herausgewachsen ist über die Lage, in der man war mit zwölf Jahren, man dann aus seinem Denken herausgewachsen wäre. Das ist nicht der Fall. Indem man wächst, verläßt man das Denken nicht. Und schon das weist darauf hin, daß man mit dem Wachsen doch auch mit dem Denken im Raume drinnen ist.
[ 25 ] One can indeed experience this expansiveness, this flatness of feeling; but one must experience it meditatively. One must be aware of the entire shadowy existence of feelings in contrast to the robust experiences in three-dimensional space. One must first prepare oneself to be aware of it. But then one can indeed be aware of it. And then one will gradually approach the truth that feeling unfolds in two dimensions. And thinking—well, that can simply be characterized by admitting to oneself, with an open mind, just how little one can actually say that a thought is located within space. After all, the thought isn’t really located anywhere within space. But it must have some relationship to space. For undoubtedly, the brain—if not the tool, then at least the foundation—of thinking. One cannot think without a brain. But if thinking—which thus proceeds in connection with brain activity—had absolutely nothing to do with space, then the curious fact would arise that if one can think well at the age of twelve and has since outgrown, in terms of one’s mental development, the state one was in at twelve, one would have outgrown one’s own thinking. That is not the case. As one grows, one does not abandon thinking. And that alone indicates that, as one grows, one remains within the realm of thinking.
[ 26 ] Nun, geradeso wie man die Welt des Fühlens, die Welt des Erlebens der Gefühle für sich selbst fühlen kann, indem man auf seine Symmetrieebene allmählich kommt, läßt sich wiederum meditativ das Denken erleben als dasjenige, das eigentlich nur die Ausdehnung oben und unten hat. Das Denken ist durchaus eindimensional, verläuft im Menschen in der Linie. Man muß also sagen: Der Wille gestaltet sich dreidimensional, das Gefühl zweidimensional und das Denken eindimensional.
[ 26 ] Just as one can experience the world of feeling—the world of experiencing emotions—for oneself by gradually reaching one’s plane of symmetry, so too can thinking be experienced meditatively as that which actually extends only upward and downward. Thinking is entirely one-dimensional; in human beings, it proceeds in a linear fashion. One must therefore say: The will manifests itself three-dimensionally, feeling two-dimensionally, and thinking one-dimensionally.
[ 27 ] Sie sehen, wenn wir im Raume differenzieren, dann kommen wir nicht zu einem so schroffen Übergang, wie es der bloße Intellekt tut. Wir kommen zu einem allmählichen Übergang. Der bloße Intellekt sagt: Das Physische ist dreidimensional räumlich ausgedehnt; das Geistig-Seelische ist gar nicht ausgedehnt, also kann man keine Beziehung finden, denn man kann zwischen dem Ausdehnungslosen und dem Ausgedehnten selbstverständlich keine Beziehungen finden. Wird man aber aufmerksam, daß der Wille dreidimensional gestaltet ist, so findet man, daß der Wille überall sich hinergießt in die dreidimensionale Welt. Weiß man, daß das Gefühl zweidimensional gestaltet ist, dann muß man, indem man von den drei Dimensionen auf die zwei übergeht, zu etwas kommen, was zwar noch Beziehungen darstellt, was aber nur nicht mehr räumlich ist, denn die bloße Ebene, die bloßen zwei Dimensionen sind eben nicht räumlich. Aber sie sind im Raume drinnen, sie sind nicht völlig aus dem Raume draußen.
[ 27 ] You see, when we differentiate within space, we do not arrive at such an abrupt transition as the mere intellect does. We arrive at a gradual transition. Pure intellect says: The physical is three-dimensionally extended in space; the spiritual-psychic is not extended at all, so no relationship can be found, for one cannot, of course, find any relationship between that which is not extended and that which is extended. But if one becomes aware that the will is three-dimensionally structured, one finds that the will pours out everywhere into the three-dimensional world. If one knows that feeling is structured two-dimensionally, then—by moving from the three dimensions to the two—one must arrive at something that still represents relationships, but which is simply no longer spatial, for the mere plane, the mere two dimensions, are indeed not spatial. Yet they are within space; they are not completely outside of space.
[ 28 ] Und wiederum, wenn wir vom Fühlen zum Denken übergehen, so gehen wir von den zwei Dimensionen zu der einen Dimension über, also noch immer nicht ganz aus dem Raume heraus. Wir gehen allmählich von dem Räumlichen in das Unräumliche hinein. Ich habe es ja öfter ausgesprochen, daß das Tragische des Materialismus darinnen besteht, daß er gerade das Materielle, das Stoflliche in seiner dreidimensionalen Ausdehnung nicht versteht. Er glaubt es zu verstehen, aber er versteht gerade das Stoffliche nicht. Und im 19. Jahrhundert sind historisch mancherlei bedeutsame Erscheinungen hervorgetreten, die mit dem gewöhnlichen Bewußtsein heute doch nicht in ordentlicher Weise enträtselt werden können. Denken Sie doch nur an das große Aufsehen, das bei vielen denkenden Menschen das Schopenhauersche philosophische System gemacht hat: «Die Welt als Wille und Vorstellung.» Danach hat nur die Vorstellung etwas Unwirkliches, der Wille allein ist das Wirkliche. Ja, warum ist denn Schopenhauer za der Vorstellung gekommen, daß die Welt nur Wille ist? Weil er doch auch vom Materialismus angefressen war! Denn in die Welt, in der die Materie sich dreidimensional ausdehnt, da ist eben nur der Wille ergossen. Wer auch die Gefühle in diese Welt hineinstellen will, der muß die Beziehung aufsuchen, die besteht zwischen einem dreidimensionalen Ding und einem zweidimensionalen Schattenbilde. Was wir erleben in den Gefühlen, sind Schattenbilder desjenigen, worinnen auch unser Wille als dreidimensionale Gestaltung lebt. Und was wir erleben im Denken, das sind Gestaltungen in einer einzigen Dimension. Und erst wenn wir ganz aus den Dimensionen herausgehen, wenn wir übergehen zu dem dimensionslosen Punkte, dann sind wir bei unserem Ich angekommen. Das hat nun wirklich gar keine Ausdehnung, das ist ganz punktuell. So daß wir sagen können: Wir gehen über von dem Dreidimensionalen (weiß) zu dem Zweidimensionalen (rot), zu dem Eindimensionalen (gelb) und zu dem Punktuellen (blau).
[ 28 ] And again, when we move from feeling to thinking, we move from two dimensions to one dimension—so we still have not entirely left space behind. We gradually move from the spatial into the non-spatial. I have often stated that the tragedy of materialism lies in the fact that it fails to understand precisely the material, the physical, in its three-dimensional extension. It believes it understands it, but it fails to understand precisely the physical. And in the 19th century, various historically significant phenomena emerged that cannot be properly unraveled today by ordinary consciousness. Just think of the great sensation that Schopenhauer’s philosophical system caused among many thinking people: “The World as Will and Representation.” According to this, only representation is unreal; will alone is the real. Indeed, why did Schopenhauer arrive at the idea that the world is nothing but will? Because he, too, was consumed by materialism! For in the world where matter extends in three dimensions, it is precisely will that is poured out. Anyone who wishes to include feelings in this world must seek out the relationship that exists between a three-dimensional object and a two-dimensional shadow image. What we experience in our feelings are shadow images of that in which our will also lives as a three-dimensional form. And what we experience in thought are forms in a single dimension. And only when we step completely out of the dimensions, when we transition to the dimensionless point, do we arrive at our “I.” This truly has no extension at all; it is entirely point-like. So that we can say: We transition from the three-dimensional (white) to the two-dimensional (red), to the one-dimensional (yellow), and to the point-like (blue).


[ 29 ] Aber indem wir beim Dreidimensionalen noch bleiben, haben wir in den drei Dimensionen unseren Willen drinnen. Es steckt auch das Fühlen, es steckt auch das Denken drinnen, aber nicht dreidimensional ausgedehnt. Indem wir die dritte Dimension weglassen und nur zu zwei Dimensionen kommen, haben wir den Schatten des äußeren Daseins, in dem sich aber dasjenige Geistig-Seelische ausdehnt, das im Fühlen lebt. Wir kommen schon mehr aus dem Raume heraus. Gehen wir zum Denken, dann kommen wir noch mehr aus dem Raume heraus, und indem wir zum Ich übergehen, kommen wir noch mehr aus dem Raume heraus. Da werden wir gewissermaßen Stück für Stück aus dem Raume herausgeführt. Und wir sehen, daß es einfach keinen Sinn hat, bloß zu sprechen von dem Gegensatz des Geistig-Seelischen und des Physisch-Leiblichen. Es hat keinen Sinn, denn man muß fragen, wenn man die Beziehung entdecken will zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen: Wie verhalten sich Dinge, die im dreidimensionalen Raum ausgedehnt sind, zum Beispiel unser eigener Körper, zu dem Seelischen als Willenswesen? Wie verhält sich das Körperlich-Leibliche beim Menschen zu der Seele als einem Gefühlswesen? Zu der Seele als Willenswesen verhält sich das Leiblich-Physische als ein Körperliches so, daß eben einfach das Leiblich-Physische, wie ein Schwamm vom Wasser, vom Willen nach allen Seiten, nach allen Dimensionen durchtränkt wird.
[ 29 ] But as long as we remain within the three-dimensional realm, our will is contained within those three dimensions. Feeling is also present there, as is thinking, but not extended in three dimensions. By omitting the third dimension and reducing it to two dimensions, we have the shadow of external existence, within which, however, the spiritual-soul aspect that lives in feeling expands. We are already moving further out of space. When we turn to thinking, we emerge even further from space, and as we move on to the “I,” we emerge even further from space. There we are, as it were, led out of space bit by bit. And we see that it simply makes no sense to speak merely of the contrast between the spiritual-soul aspect and the physical-bodily aspect. It makes no sense, for if one wishes to discover the relationship between the spiritual-soul and the physical-body, one must ask: How do things that are extended in three-dimensional space—for example, our own body—relate to the soul as a being of will? How does the physical-bodily aspect of a human being relate to the soul as a being of feeling? The physical-bodily aspect, as a physical entity, relates to the soul as a being of will in such a way that the physical-bodily aspect is simply permeated by the will in all directions, in all dimensions, just as a sponge is permeated by water.
[ 30 ] Zum Gefühl verhält sich aber das Leiblich-Physische so, wie Gegenstände sich verhalten, die ihre Schatten werfen auf eine Wand. Und wiederum, wenn wir von dem Gefühlsmäßigen zu dem Gedankenhaften übergehen wollen, dann müssen wir gar ein eigentümlicher Maler werden. Da müssen wir auf einer Linie dasjenige wiederum extra aufmalen, was sonst in den zwei Dimensionen des Gemäldes ist.
[ 30 ] The physical-bodily realm, however, relates to feeling in the same way that objects cast their shadows onto a wall. And again, if we wish to move from the realm of feeling to that of thought, then we must become a painter of a very peculiar sort. There we must, in a single line, paint separately that which is otherwise contained within the two dimensions of the painting.
[ 31 ] Legen Sie sich einmal die folgende Frage vor. Das ist natürlich etwas, was einige Ansprüche stellt an das innere Anschauen, aber stellen Sie sich vor, Sie stünden, sagen wir, vor dem «Abendmahl» des Leonardo da Vinci. Sie haben es zunächst in der Fläche vor sich. Dasjenige, was in Betracht kommt, ist zweidimensional. Wir können ja natürlich von der Dicke der Farbflecken absehen, nicht wahr; aber das, was Sie vor sich haben als Gemälde, ist zweidimensional. Nun aber denke ich mir eine Linie gezogen in der Mitte von oben nach unten, und diese Linie stelle dar ein eindimensionales Wesen. Dieses eindimensionale Wesen hätte die Eigentümlichkeit, daß, sagen wir, der Judas hier (S.22) ihm nicht gleichgültig wäre; sondern daß der Judas da ist, das empfindet dieses Wesen in einer gewissen Beziehung. Das empfindet dieses Wesen so: Da, wo der Judas den Kopf hinüberneigt, da empfindet es mehr, wo der Judas sich abneigt, da empfindet es weniger; und von allen übrigen Gestalten empfindet dieses eindimensionale Wesen, je nachdem diese Gestalt in einer blauen, in einer gelben Farbe ist, anders. Alles dasjenige, was da links und rechts ist, das empfindet dieses eindimensionale Wesen. Dann ist alles das, was auf diesem Gemälde ist, lebendig von diesem eindimensionalen Wesen gefühlt.
[ 31 ] Consider the following question. Of course, this requires a certain degree of inner contemplation, but imagine you were standing, say, in front of Leonardo da Vinci’s The Last Supper. At first, you see it as a flat surface before you. What you are considering is two-dimensional. Of course, we can disregard the thickness of the paint layers, can’t we? But what you have before you as a painting is two-dimensional. But now I imagine a line drawn down the center from top to bottom, and this line represents a one-dimensional being. This one-dimensional being would have the peculiarity that, let’s say, Judas here (p. 22) would not be indifferent to it; rather, the fact that Judas is there is something this being perceives in a certain way. This being perceives it this way: where Judas tilts his head toward it, it feels more; where Judas turns away, it feels less; and with regard to all the other figures, this one-dimensional being perceives them differently depending on whether the figure is blue or yellow. This one-dimensional being perceives everything that is on the left and right. Thus, everything in this painting is brought to life through the perception of this one-dimensional being.


[ 32 ] So ist aber wirklich unser Denken in uns. Unser Denken ist ein solches eindimensionales Wesen und lebt das übrige unseres menschlichen Wesens nur dadurch mit, daß es erstens in Beziehung steht zu dem Gemälde, das uns entzweischneidet als einen rechten und als einen linken Menschen, und daß es auf dem Umwege durch dieses Gemälde dann in Beziehung steht zu der dreifach gestalteten Willenswelt.
[ 32 ] But this is truly how our thinking exists within us. Our thinking is such a one-dimensional entity and participates in the rest of our human being only insofar as, first, it relates to the painting that divides us into a right-hand and a left-hand human being, and, second, it relates—indirectly through this painting—to the threefold world of the will.
[ 33 ] Wenn wir von unserem geistig-seelischen Wesen, nur insoferne es wollend, fühlend, denkend ist, zunächst sogar ohne das Ich eine Vorstellung bekommen wollen, müssen wir es eigentlich nicht vorstellen als eine Nebelwolke, sondern indem wir innerlich-seelisch etwas vollziehen. Wir wollen uns also das Geistig-Seelische schematisch vorstellen. Wir müssen gewissermaßen hinschauen: Da stellt es sich uns zunächst als eine Wolke dar. Aber das ist zunächst nur ein Willenswesen. Das hat immerfort die Tendenz, sich zusammenzuquetschen; da wird es Gefühlswesen. Wir sehen als erstes eine Lichtwolke, dann aber eine solche Lichtwolke, die in der Mitte sich selber als eine Ebene erzeugt und sich dadurch fühlt. Und diese Ebene wiederum hat das Bestreben, zur Linie zu werden. Wir müssen also fortwährend uns vorstellen: Wolke, Ebene, Linie, als ein in sich lebendes Gebilde: etwas, was fortwährend Wolke sein will, von der Wolke aber zur Ebene sich zusammenquetschen will, zur Linie sich verlängern will. Wenn Sie sich eine Linie vorstellen, die Ebene wird, die Ebene wird wiederum dreidimensionale Wolke, wenn Sie sich also vorstellen: Wolke, Ebene, Linie — Linie, Ebene, Wolke und so weiter, dann haben Sie dasjenige, was Ihnen nun schematisch veranschaulichen kann, was Ihre Seele in ihrem innerlichen Wesen, in ihrer innerlichen Wesenhaftigkeit eigentlich ist. Sie kommen nicht aus mit einer Vorstellung, die nur in sich ruhig bleibt. Keine Vorstellung, die in sich ruhig bleibt, gibt dasjenige, was das Seelische ist, wieder. Sie müssen eine solche Vorstellung haben, die selber eine innerliche Tätigkeit ausführt, und zwar eine solche innerliche Tätigkeit, daß die Seele, indem sie sich vorstellt, spielt mit den Dimensionen des Raumes: Sie läßt verschwinden die dritte Dimension, verliert dadurch den Willen, läßt verschwinden die zweite Dimension, verliert dadurch das Gefühl; und das Denken verliert man erst, wenn man auch die erste Dimension verschwinden läßt. Dann kommt man bei dem Punktuellen an. Dann geht es erst zu dem Ich über.
[ 33 ] If we wish to form a conception of our spiritual-soul nature—insofar as it is willing, feeling, and thinking—even without the “I” at first, we need not actually imagine it as a cloud of mist, but rather by carrying out an inner, soul-level process. Let us therefore imagine the spiritual-soul nature schematically. We must, so to speak, look closely: At first, it appears to us as a cloud. But this is initially only a being of will. It constantly tends to compress itself; in doing so, it becomes a being of feeling. We first see a cloud of light, but then a cloud of light that generates a plane within itself and thereby feels itself. And this plane, in turn, strives to become a line. So we must continually imagine: cloud, plane, line—as a living entity in and of itself: something that continually wants to be a cloud, but wants to compress itself from a cloud into a plane, and wants to extend itself into a line. If you imagine a line that becomes a plane, and the plane in turn becomes a three-dimensional cloud—that is, if you imagine: cloud, plane, line—line, plane, cloud, and so on—then you have what can now schematically illustrate to you what your soul actually is in its inner being, in its inner essence. You cannot make do with an image that simply remains static within itself. No concept that remains static in itself can convey what the soul is. You must have a concept that itself carries out an inner activity—namely, an inner activity in which the soul, as it conceives, plays with the dimensions of space: It causes the third dimension to vanish, thereby losing the will; it causes the second dimension to vanish, thereby losing feeling; and one loses thinking only when one also causes the first dimension to vanish. Then one arrives at the point. Only then does one pass over to the “I.”


[ 34 ] Deshalb kommt ja diese Schwierigkeit zustande. Die Menschen möchten das Seelische erkennen, sie sind aber gewöhnt, nur räumliche Vorstellungen sich zu machen. Nun machen sie sich auch, wenn auch noch so verdünnte, räumliche Vorstellungen vom Seelischen. Aber da hat man ja nur das Willenshafte. Man müßte sich das Seelische stets so vorstellen, daß man, indem man sich etwa eine Wolke vorstellt, diese Wolke gleichzeitig fortwährend zusammengepreßt und wiederum auch eindimensional vorstellen würde. Ohne daß man das Denken innerlich beweglich macht, bekommt man überhaupt keine Vorstellung von dem Geistig-Seelischen. Einer, der ein Geistig-Seelisches sich vorstellen will und in zwei aufeinanderfolgenden Augenblicken sich das Gleiche vorstellt, der hat sich nur ein Willenshaftes vorgestellt. Man darf sich einfach das Geistig-Seelische in zwei aufeinanderfolgenden Augenblicken nicht gleichgestaltet vorstellen. Man muß innerlich beweglich werden, und zwar nicht nur so, daß man von einem Raumpunkte zum anderen übergeht, sondern daß man von einer Dimension in die andere übergeht. Das ist dasjenige, was gewöhnlich dem heutigen Bewußtsein schwer wird. Das hat ja sogar dazu geführt, daß nun die gutmütigsten Menschen — gutmütig in bezug auf die Vorstellung des Geistigen — aus dem Raume schon heraus möchten, die drei Dimensionen überwinden möchten. Dann kommen sie zu einer vierten Dimension. Das ist ja ganz nett, vom Dreidimensionalen zu einem Vierdimensionalen überzugehen. Solange man im Mathematischen bleibt, sind auch alle die Gedanken, die man sich darüber macht, ganz zutreffend, es stimmt alles. Nur wenn man übergeht zur Realität, stimmt es nicht mehr, denn das Eigentümliche ist, daß wenn man real die vierte Dimension denkt, dann hebt sie einem die dritte auf. Durch die vierte Dimension verschwindet die dritte Dimension, und durch die fünfte Dimension verschwindet die zweite, und durch die sechste verschwindet die erste; dann ist man beim Punkt angekommen.
[ 34 ] That is precisely why this difficulty arises. People would like to understand the spiritual realm, but they are accustomed to forming only spatial concepts. So they form spatial concepts of the spiritual realm as well, however diluted they may be. But in doing so, they are dealing only with the volitional aspect. One would have to imagine the soul in such a way that, for example, when imagining a cloud, one would simultaneously and continuously compress that cloud and also imagine it as one-dimensional. Without making one’s thinking internally flexible, one cannot form any conception of the spiritual-soul at all. Someone who wants to imagine something spiritual-psychic and imagines the same thing in two successive moments has imagined only an act of the will. One simply must not imagine the spiritual-psychic in the same form in two successive moments. One must become inwardly flexible—not merely by moving from one point in space to another, but by moving from one dimension to another. This is precisely what is usually difficult for modern consciousness. It has even led to the point where even the most open-minded people—open-minded with regard to the concept of the spiritual—already want to step out of space, to transcend the three dimensions. Then they arrive at a fourth dimension. It is quite nice, after all, to move from the three-dimensional to the four-dimensional. As long as one remains within the realm of mathematics, all the thoughts one forms about it are entirely accurate; everything adds up. But when one moves on to reality, it is no longer true, for the peculiar thing is that when one truly conceives of the fourth dimension, it nullifies the third. Through the fourth dimension, the third dimension disappears; through the fifth dimension, the second disappears; and through the sixth, the first disappears; then one has arrived at the point.
[ 35 ] In Wirklichkeit kommt man nämlich beim Übergang von der dritten in die vierte Dimension in das Geistige hinein, und man kommt, indem man Dimensionen wegläßt, nicht indem man sie hinzufügt, immer mehr und mehr in das Geistige hinein. Man bekommt: aber durch solche Vorstellungen auch Einblicke in die menschliche Gestalt.
[ 35 ] In reality, the transition from the third to the fourth dimension leads one into the spiritual realm, and it is by omitting dimensions—not by adding them—that one enters more and more deeply into the spiritual realm. Through such concepts, one also gains insights into the human form.
[ 36 ] Ist es denn nicht für ein künstlerisches Empfinden so, daß man eigentlich, ich möchte sagen, brutal den Menschen anschaut, wenn man ihn anschaut, wie er sich mit seinen drei Dimensionen nach allen Seiten hin in die Welt hineinstellt? Gewiß, so tut man es; aber das ist doch nicht das einzige. Man hat doch im allgemeinen ein Gefühl dafür, daß die linke und die rechte Körperhälfte im wesentlichen symmetrisch sind. Und das führt einen über die drei Dimensionen hinaus, indem man den Menschen zusammenfaßt in seiner Mittelebene. Man geht da schon über zu dieser Mittelebene; und von der einen Dimension, in der der Mensch wächst, da hat man erst dann eine recht deutliche Vorstellung. Künstlerisch verwendet man schon diesen Übergang von drei zu zwei zu einer Dimension. Und würde man mehr pflegen dieses künstlerische Anschauen des Menschen, dann würde man auch leichter den Übergang finden zu dem Seelischen. Sie würden niemals ein Wesen als ein einheitlich fühlendes Wesen empfinden können, das nicht symmetrisch gestaltet ist.
[ 36 ] Isn’t it true, when it comes to artistic sensibility, that one actually—I would say—looks at a person quite brutally when observing how they position themselves in the world in all directions with their three dimensions? Certainly, that is how one does it; but that is not the only aspect. One generally has a sense that the left and right halves of the body are essentially symmetrical. And this leads one beyond the three dimensions, by summarizing the human being in his or her midplane. One already moves over to this midplane there; and only then does one have a truly clear conception of the one dimension in which the human being grows. In art, this transition from three to two to one dimension is already utilized. And if we were to cultivate this artistic view of the human being more, we would also find it easier to make the transition to the spiritual realm. You would never be able to perceive a being as a unified, feeling being if it were not symmetrically formed.
[ 37 ] Wenn Sie einen Seestern anschauen, der nicht symmetrisch gestaltet, sondern fünfstrahlig ist, so können Sie ja selbstverständlich gefühllos an ihm vorübergehen, aber Sie können niemals, wenn Sie sich gefühlsmäßig fragen, sich sagen, der hat ein einheitliches Gefühl. Der Seestern kann unmöglich ein Rechtes auf ein Linkes beziehen, ein Rechtes mit einem Linken umgreifen, sondern er muß fortwährend den einen Strahl mit einem oder mit zweien oder mit dreien oder mit allen vier anderen in eine Beziehung bringen. Dadurch lebt dasjenige, was wir als Fühlen kennen, überhaupt nicht im Seestern.
[ 37 ] If you look at a starfish, which is not symmetrical but has five arms, you can of course walk past it without a second thought, but if you ask yourself intuitively, you can never tell yourself that it has a unified sense of self. The starfish cannot possibly relate a right side to a left side, or encircle a right side with a left side; rather, it must constantly relate one arm to one, two, three, or all four of the others. Consequently, what we know as feeling does not exist at all in the starfish.
[ 38 ] Wie ist es mit demjenigen — ich bitte Sie, bei diesem intimen Gedankengang mir zu folgen -, was wir als Gefühl kennen? Was wir als Gefühl kennen, kommt von rechts, kommt von links und hält in der Mitte die Ruhe. Wir gehen durch die Welt, indem wir uns mit unserem Gefühl ruhend in die Welt hineinstellen. Der Seestern kann das nicht. Er kann dasjenige, was er von hier aus auf sich als Wirkung der Welt hat (roter Pfeil), nicht symmetrisch auf etwas anderes beziehen. Er kann es beziehen auf (rot) eins oder zwei oder auf den dritten oder vierten anderen Strahl, er wird aber immer hier ein Mächtigeres haben (gelb). Daher hat der Seestern nicht innerlich das ruhende Fühlen, sondern wenn er gewissermaßen die Aufmerksamkeit nach der einen Seite hinwendet, dann wird durch seine Anordnung in ihm das Erlebnis entstehen: Du strahlst dahin, du schickst dahin einen Strahl (gelber Pfeil). Wenn er von dort empfindet, so fühlt er, als ob es schießen würde aus ihm. Er hat kein ruhendes Gefühl. Er hat das Gefühl, aus sich herauszuschießen. Er fühlt sich als hinstrahlend in der Welt.
[ 38 ] What about that—I ask you to follow me in this intimate train of thought—which we know as feeling? What we know as feeling comes from the right, comes from the left, and maintains calm in the center. We move through the world by placing ourselves within it, with our feeling at rest. The starfish cannot do this. It cannot relate what it experiences here as the world’s effect upon itself (red arrow) symmetrically to anything else. It can relate it to (red) one or two, or to the third or fourth ray, but it will always have a more powerful force here (yellow). Therefore, the starfish does not possess an inner sense of stillness; rather, when it turns its attention, so to speak, toward one side, its internal structure gives rise to the experience: You are radiating in that direction; you are sending a ray there (yellow arrow). When it perceives from there, it feels as if something were shooting out of it. It has no sense of stillness. It has the feeling of shooting out of itself. It feels as if it were radiating out into the world.


[ 39 ] Wenn Sie Ihre Gefühle fein entwickeln, dann werden Sie auch beim Anschauen des Seesternes das erleben können. Gucken Sie an irgendeinen Endpunkt eines Strahles und beziehen Sie das dann auf den ganzen Seestern, dann beginnt in Ihrer Vorstellung der Seestern nach diesem einen Strahl hin sich in Bewegung zu setzen, wie wenn er dahinwanderndes, strömendes Licht wäre. Und so ist es bei anderen Tieren, die nicht symmetrisch gebaut sind, die nicht eine wirkliche Symmetrieachse haben.
[ 39 ] If you refine your feelings, you will be able to experience this even when looking at the starfish. Look at any endpoint of a ray and then relate that to the entire starfish; in your imagination, the starfish will begin to move toward that single ray, as if it were light flowing and drifting in that direction. And so it is with other animals that are not symmetrically built, that do not have a true axis of symmetry.
[ 40 ] Der Mensch könnte, wenn er auf dieses feinere Fühlen nur einmal einginge, wenn er nur nicht im Laufe der Zeit dadurch, daß er ein intellektuelles Wesen geworden ist, sich bloß dem Intellektuellen übergeben würde, er könnte viel feiner sich hineinfühlen in die Welt.
[ 40 ] If only human beings would respond to this more subtle sense just once—if only, over the course of time, they had not, by becoming intellectual beings, surrendered themselves entirely to the intellectual—they could empathize with the world in a much more subtle way.
[ 41 ] So ist es auch in einem gewissen Sinne der Pflanzenwelt gegenüber. So ist es all dem gegenüber, was uns umgibt. Und wirkliche Selbsterkenntnis trägt uns auch immer weiter und weiter in das Innere der Dinge hinein.
[ 41 ] In a certain sense, this is also true of the plant world. It is true of everything that surrounds us. And true self-knowledge carries us further and further into the very heart of things.
[ 42 ] Auf das, was ich heute in einer abgelegeneren Weise, möchte ich sagen, entwickelt habe, möchte ich dann morgen und in der kommenden Zeit einiges aufbauen.
[ 42 ] I would like to build upon what I have developed today—in a somewhat more abstract way, I might say—tomorrow and in the days ahead.



