Human Questions and Cosmic Answers
GA 213
8 July 1922, Dornach
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Menschenfragen und Weltenantworten
Siebenter Vortrag
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Ich habe in einer etwas ausführlicheren Weise von Franz Brentano gesprochen aus dem Grunde, weil ja unmittelbar die Tatsache vorliegt, daß das erste Werk dieses bedeutenden Philosophen, das die Schüler aus seinem Nachlasse veröffentlichten, ein Werk über das Leben Jesu, die Lehre Jesu war. Das gab den äußeren Anknüpfungspunkt. Aber ich wollte gerade mit der Darstellung dieses Philosophenlebens doch noch etwas 'Tieferes. Ich wollte an einem Menschen, der nicht bloß mit seinem Intellekt, nicht bloß mit seiner Wissenschaft, sondern der wirklich als ganzer Mensch ein Wahrheitssucher war, zeigen, wie eine so geartete Persönlichkeit sich in das geistige Leben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hineinstellen mußte.
[ 1 ] Ich habe in einer etwas ausführlicheren Weise von Franz Brentano gesprochen aus dem Grunde, weil ja unmittelbar die Tatsache vorliegt, daß das erste Werk dieses bedeutenden Philosophen, das die Schüler aus seinem Nachlasse veröffentlichten, ein Werk über das Leben Jesu, die Lehre Jesu war. Das gab den äußeren Anknüpfungspunkt. Aber ich wollte gerade mit der Darstellung dieses Philosophenlebens doch noch etwas 'Tieferes. Ich wollte an einem Menschen, der nicht bloß mit seinem Intellekt, nicht bloß mit seiner Wissenschaft, sondern der wirklich als ganzer Mensch ein Wahrheitssucher war, zeigen, wie eine so geartete Persönlichkeit sich in das geistige Leben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hineinstellen mußte.
[ 2 ] Franz Brentano ist 1838 geboren, er war also gerade in der Zeit Student, in welcher die naturwissenschaftliche Gesinnung innerhalb der modernen Zivilisation heraufkam, und Franz Brentano war Student, indem er durchaus frommer Katholik war, wie Sie gesehen haben, der als frommer Katholik festhielt an der geistigen Welt, allerdings nur so, wie das eben aus der katholischen Religionspraxis und der katholischen "Theologie heraus möglich ist. Dabei ist dieser Mensch, der also auf diese Art hineingewachsen ist in ein gewisses selbstverständliches Erfassen der geistigen Welt, der Seelenunsterblichkeit, des Daseins Gottes und so weiter, als Wissenschafter, und zwar als der denkbar gewissenhafteste Wissenschafter hereingewachsen in die Zeit, in der wissenschaftliches Denken alles war. So daß man mehr als bei irgendeiner anderen Persönlichkeit das Gefühl haben muß, wenn man gerade Franz Brentano kennt: In ihm hat man einen Menschen von tiefer Geistigkeit, der aber gegenüber der naturwissenschaftlichen Gesinnung des 19. Jahrhunderts mit seiner Geistigkeit nicht aufkam, nicht durchdringen konnte bis zu einer wirklichen Erfassung des geistigen Lebens. Ich kenne eigentlich keine Persönlichkeit der neueren Zeit, an der so charakteristisch die Notwendigkeit der anthroposophischen Weltauffassung hervortritt. Man möchte überall bei Franz Brentano sagen: Eigentlich brauchte er nur ein, zwei Schritte weiterzugehen, und er war bei der Anthroposophie. Er kam nicht zu ihr, weil er sich eben in dem, was naturwissenschaftlich gang und gäbe war, halten wollte. Franz Brentano machte gerade durch das, was ich gestern als das Charakteristische seiner Persönlichkeit auch im Äußeren darstellte, durch das Würdevolle seines Auftretens, durch den Ernst, der in allem vorhanden war, was er nur aussprach, schon den Eindruck, als ob er eine Art Führerpersönlichkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hätte werden können.
[ 2 ] Franz Brentano ist 1838 geboren, er war also gerade in der Zeit Student, in welcher die naturwissenschaftliche Gesinnung innerhalb der modernen Zivilisation heraufkam, und Franz Brentano war Student, indem er durchaus frommer Katholik war, wie Sie gesehen haben, der als frommer Katholik festhielt an der geistigen Welt, allerdings nur so, wie das eben aus der katholischen Religionspraxis und der katholischen "Theologie heraus möglich ist. Dabei ist dieser Mensch, der also auf diese Art hineingewachsen ist in ein gewisses selbstverständliches Erfassen der geistigen Welt, der Seelenunsterblichkeit, des Daseins Gottes und so weiter, als Wissenschafter, und zwar als der denkbar gewissenhafteste Wissenschafter hereingewachsen in die Zeit, in der wissenschaftliches Denken alles war. So daß man mehr als bei irgendeiner anderen Persönlichkeit das Gefühl haben muß, wenn man gerade Franz Brentano kennt: In ihm hat man einen Menschen von tiefer Geistigkeit, der aber gegenüber der naturwissenschaftlichen Gesinnung des 19. Jahrhunderts mit seiner Geistigkeit nicht aufkam, nicht durchdringen konnte bis zu einer wirklichen Erfassung des geistigen Lebens. Ich kenne eigentlich keine Persönlichkeit der neueren Zeit, an der so charakteristisch die Notwendigkeit der anthroposophischen Weltauffassung hervortritt. Man möchte überall bei Franz Brentano sagen: Eigentlich brauchte er nur ein, zwei Schritte weiterzugehen, und er war bei der Anthroposophie. Er kam nicht zu ihr, weil er sich eben in dem, was naturwissenschaftlich gang und gäbe war, halten wollte. Franz Brentano machte gerade durch das, was ich gestern als das Charakteristische seiner Persönlichkeit auch im Äußeren darstellte, durch das Würdevolle seines Auftretens, durch den Ernst, der in allem vorhanden war, was er nur aussprach, schon den Eindruck, als ob er eine Art Führerpersönlichkeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hätte werden können.
[ 3 ] Sie werden nun mit Recht sagen: Aber wie kommt es denn eigentlich, daß diese Persönlichkeit in weitesten Kreisen ganz unbekannt geblieben ist? Franz Brentano ist eigentlich nur in einem engeren Schülerkreis bekanntgeworden. Alle diese Schüler sind Menschen, die die tiefgehendsten Anregungen von ihm erfahren haben. Man sieht das noch dem Wirken derjenigen an, die nun wiederum die Schüler jener Schüler sind, denn die sind es ja eigentlich, die heute noch da sind. Auf einen engeren Kreis hat Franz Brentano einen bedeutenden Eindruck gemacht. Und ganz gewiß sind in diesem Schülerkreise die meisten ihm gegenüber so gesinnt, daß sie ihn als einen der anregendsten, bedeutendsten Menschen für lange Jahrhunderte empfinden.
[ 3 ] Sie werden nun mit Recht sagen: Aber wie kommt es denn eigentlich, daß diese Persönlichkeit in weitesten Kreisen ganz unbekannt geblieben ist? Franz Brentano ist eigentlich nur in einem engeren Schülerkreis bekanntgeworden. Alle diese Schüler sind Menschen, die die tiefgehendsten Anregungen von ihm erfahren haben. Man sieht das noch dem Wirken derjenigen an, die nun wiederum die Schüler jener Schüler sind, denn die sind es ja eigentlich, die heute noch da sind. Auf einen engeren Kreis hat Franz Brentano einen bedeutenden Eindruck gemacht. Und ganz gewiß sind in diesem Schülerkreise die meisten ihm gegenüber so gesinnt, daß sie ihn als einen der anregendsten, bedeutendsten Menschen für lange Jahrhunderte empfinden.
[ 4 ] Nun ist aber gerade der Umstand, daß Brentano in weitesten Kreisen doch wiederum unbekannt geblieben ist, charakteristisch für die ganze Zivilisationsentwickelung des 19. Jahrhunderts. Man könnte ja manche Persönlichkeiten anführen, die nach der einen oder nach der anderen Richtung auch Repräsentanten des geistigen Lebens im 19. Jahrhundert sind. Aber eine so signifikante, eine so bezeichnende Persönlichkeit wie Franz Brentano kann man eigentlich nicht finden, wenn man noch so sehr sucht. Deshalb möchte ich sagen: Gerade an Franz Brentano zeigt es sich, daß die Naturwissenschaft zwar in der Gestalt, die sie im 19. Jahrhundert angenommen hat, sich eine große Autorität verschaffen kann, daß sie aber trotz dieser großen Autorität geistige Führerschaft innerhalb des Ganzen der Kultur nicht ausüben kann. Dazu muß Naturwissenschaft erst zur Geisteswissenschaft heraufgebildet werden; dann hat sie alles das in sich, was wirklich mit der Geisteswissenschaft zusammen eine gewisse Führerschaft für das geistige Leben der Menschheit antreten kann.
[ 4 ] Nun ist aber gerade der Umstand, daß Brentano in weitesten Kreisen doch wiederum unbekannt geblieben ist, charakteristisch für die ganze Zivilisationsentwickelung des 19. Jahrhunderts. Man könnte ja manche Persönlichkeiten anführen, die nach der einen oder nach der anderen Richtung auch Repräsentanten des geistigen Lebens im 19. Jahrhundert sind. Aber eine so signifikante, eine so bezeichnende Persönlichkeit wie Franz Brentano kann man eigentlich nicht finden, wenn man noch so sehr sucht. Deshalb möchte ich sagen: Gerade an Franz Brentano zeigt es sich, daß die Naturwissenschaft zwar in der Gestalt, die sie im 19. Jahrhundert angenommen hat, sich eine große Autorität verschaffen kann, daß sie aber trotz dieser großen Autorität geistige Führerschaft innerhalb des Ganzen der Kultur nicht ausüben kann. Dazu muß Naturwissenschaft erst zur Geisteswissenschaft heraufgebildet werden; dann hat sie alles das in sich, was wirklich mit der Geisteswissenschaft zusammen eine gewisse Führerschaft für das geistige Leben der Menschheit antreten kann.
[ 5 ] Um das einzusehen, müssen wir uns heute ein wenig an eine größere Perspektive halten. Wenn wir in die ältesten Zeiten der Menschheit zurückblicken, so wissen wir ja, daß da überall als allgemeine menschliche Fähigkeit eine Art traumhaften Hellsehens vorhanden war, daß zu diesem traumhaften Hellsehen die Eingeweihten, die Initiierten der Mysterien, die höhere übersinnliche Erkenntnis, aber auch die Erkenntnisse über die Sinneswelt dazugefügt haben.
[ 5 ] Um das einzusehen, müssen wir uns heute ein wenig an eine größere Perspektive halten. Wenn wir in die ältesten Zeiten der Menschheit zurückblicken, so wissen wir ja, daß da überall als allgemeine menschliche Fähigkeit eine Art traumhaften Hellsehens vorhanden war, daß zu diesem traumhaften Hellsehen die Eingeweihten, die Initiierten der Mysterien, die höhere übersinnliche Erkenntnis, aber auch die Erkenntnisse über die Sinneswelt dazugefügt haben.
[ 6 ] Wenn wir zurückgehen würden in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung, so würden wir keinen Unterschied finden in der Behandlung, ob es sich um Physisches oder um Übersinnliches handelt. Von den Mysterienschulen, die im Grunde genommen zugleich Kirchen und Kunstanstalten waren, ist alles Geistesleben ausgegangen. Aber dieses Geistesleben hat in alten Zeiten im tiefsten Sinne alles menschliche Leben überhaupt beeinflußt, auch das staatliche, auch das wirtschaftliche Leben. Diejenigen, die im staatlichen Leben tätig waren, haben sich ihre Ratschläge bei den Mysterienpriestern geholt, aber auch diejenigen, die im Wirtschaftsleben irgendwie Impulse haben geben wollen, und eine Trennung zwischen dem religiösen und dem wissenschaftlichen Elemente hat es eigentlich in jenen alten Zeiten nicht gegeben. Die Führer des religiösen Lebens waren die Führer des geistigen Lebens überhaupt und waren auch die tonangebenden Leute in den Wissenschaften. Aber immer mehr und mehr hat sich die Entwickelung der Menschheit so gestaltet, daß diejenigen Strömungen des menschlichen Lebens, die ursprünglich eine Einheit bildeten, sich getrennt haben. Die Religion hat sich von der Wissenschaft, von der Kunst abgesondert.
[ 6 ] Wenn wir zurückgehen würden in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung, so würden wir keinen Unterschied finden in der Behandlung, ob es sich um Physisches oder um Übersinnliches handelt. Von den Mysterienschulen, die im Grunde genommen zugleich Kirchen und Kunstanstalten waren, ist alles Geistesleben ausgegangen. Aber dieses Geistesleben hat in alten Zeiten im tiefsten Sinne alles menschliche Leben überhaupt beeinflußt, auch das staatliche, auch das wirtschaftliche Leben. Diejenigen, die im staatlichen Leben tätig waren, haben sich ihre Ratschläge bei den Mysterienpriestern geholt, aber auch diejenigen, die im Wirtschaftsleben irgendwie Impulse haben geben wollen, und eine Trennung zwischen dem religiösen und dem wissenschaftlichen Elemente hat es eigentlich in jenen alten Zeiten nicht gegeben. Die Führer des religiösen Lebens waren die Führer des geistigen Lebens überhaupt und waren auch die tonangebenden Leute in den Wissenschaften. Aber immer mehr und mehr hat sich die Entwickelung der Menschheit so gestaltet, daß diejenigen Strömungen des menschlichen Lebens, die ursprünglich eine Einheit bildeten, sich getrennt haben. Die Religion hat sich von der Wissenschaft, von der Kunst abgesondert.
[ 7 ] Das hat sich nur langsam und allmählich vollzogen. Wenn wir nach Griechenland zurückschauen, so finden wir noch, daß es da nicht eine Naturwissenschaft in unserem Stil gegeben hat und daneben etwa eine Philosophie; sondern die griechische Philosophie sprach auch über Naturwissenschaft, und eine getrennte Naturwissenschaft gab es nicht. Aber indem die Philosophie in Griechenland als etwas Selbständiges auftrat, hatte sich schon das eigentlich religiöse Element von dieser Philosophie abgesondert. Man holte zwar auch noch aus den Mysterien die Wahrheiten über das Tiefste; allein man kritisierte schon das, was die Mysterien gaben in Griechenland, namentlich im späteren Griechenland, von dem Standpunkte der philosophischen Vernunft aus. Aber die religiöse Offenbarung pflanzte sich doch fort, und auch als das Mysterium von Golgatha auftrat, war es im wesentlichen die religiöse Offenbarung, welche sich anschickte, dieses Mysterium zu verstehen. Was auch noch in den ersten Jahrhunderten innerhalb der europäischen Zivilisation an verständiger Theologie vorhanden war, davon machen sich ja die Menschen heute keine rechte Vorstellung mehr; sie nennen es abfällig «Gnosis» und dergleichen. Aber in dieser Gnosis war ein weitgehendes geistiges Verständnis vorhanden, und man hatte durchaus das Bewußtsein: Man muß die geistigen Angelegenheiten ebenso verstehen, wie man heute meinetwillen die Schwerkraft oder die Erscheinungen des Lichtes oder irgend etwas anderes physikalisch versteht. Man hatte nicht das Bewußtsein, daß es eine Wissenschaft abgetrennt vom religiösen Leben gibt. Auch auf christlichem Boden war das durchaus die Gesinnung der ersten Kirchenväter, der ersten großen Lehrer des Christentums, daß sie das Wissen als etwas Einheitliches behandelt haben. Gewiß, die griechische Absonderung des religiösen Lebens war schon da, aber man stellte in die Behandlung aller geistigen Angelegenheiten sowohl die Betrachtung des Religiösen wie die vernünftigen Betrachtungen des bloß Physikalischen hinein. Das wurde erst im Mittelalter anders. Im Mittelalter entstand die Scholastik, die nun eine strenge Trennung machte — ich habe gestern schon darauf hingewiesen — zwischen menschlicher Wissenschaft und dem, was eigentliches Wissen vom Geistigen ist. Dieses konnte nicht durch Anwendung von selbständigen menschlichen Erkenntniskräften errungen werden, das konnte nur durch Offenbarung, durch die Annahme der Offenbarungen errungen werden. Und immer mehr und mehr war es dazu gekommen, daß man sich sagte: Die höchsten Wahrheiten kann der Mensch durch seine eigene Erkenntniskraft nicht durchdringen, die muß er hinnehmen, so wie sie von der Kirche als Offenbarung geliefert werden. Die menschliche Wissenschaft kann sich nur über das, was die Sinne geben, ausbreiten und einige Schlüsse ziehen aus dem, was die Sinne als Wahrheiten geben, wie ich schon gestern sagte.
[ 7 ] Das hat sich nur langsam und allmählich vollzogen. Wenn wir nach Griechenland zurückschauen, so finden wir noch, daß es da nicht eine Naturwissenschaft in unserem Stil gegeben hat und daneben etwa eine Philosophie; sondern die griechische Philosophie sprach auch über Naturwissenschaft, und eine getrennte Naturwissenschaft gab es nicht. Aber indem die Philosophie in Griechenland als etwas Selbständiges auftrat, hatte sich schon das eigentlich religiöse Element von dieser Philosophie abgesondert. Man holte zwar auch noch aus den Mysterien die Wahrheiten über das Tiefste; allein man kritisierte schon das, was die Mysterien gaben in Griechenland, namentlich im späteren Griechenland, von dem Standpunkte der philosophischen Vernunft aus. Aber die religiöse Offenbarung pflanzte sich doch fort, und auch als das Mysterium von Golgatha auftrat, war es im wesentlichen die religiöse Offenbarung, welche sich anschickte, dieses Mysterium zu verstehen. Was auch noch in den ersten Jahrhunderten innerhalb der europäischen Zivilisation an verständiger Theologie vorhanden war, davon machen sich ja die Menschen heute keine rechte Vorstellung mehr; sie nennen es abfällig «Gnosis» und dergleichen. Aber in dieser Gnosis war ein weitgehendes geistiges Verständnis vorhanden, und man hatte durchaus das Bewußtsein: Man muß die geistigen Angelegenheiten ebenso verstehen, wie man heute meinetwillen die Schwerkraft oder die Erscheinungen des Lichtes oder irgend etwas anderes physikalisch versteht. Man hatte nicht das Bewußtsein, daß es eine Wissenschaft abgetrennt vom religiösen Leben gibt. Auch auf christlichem Boden war das durchaus die Gesinnung der ersten Kirchenväter, der ersten großen Lehrer des Christentums, daß sie das Wissen als etwas Einheitliches behandelt haben. Gewiß, die griechische Absonderung des religiösen Lebens war schon da, aber man stellte in die Behandlung aller geistigen Angelegenheiten sowohl die Betrachtung des Religiösen wie die vernünftigen Betrachtungen des bloß Physikalischen hinein. Das wurde erst im Mittelalter anders. Im Mittelalter entstand die Scholastik, die nun eine strenge Trennung machte — ich habe gestern schon darauf hingewiesen — zwischen menschlicher Wissenschaft und dem, was eigentliches Wissen vom Geistigen ist. Dieses konnte nicht durch Anwendung von selbständigen menschlichen Erkenntniskräften errungen werden, das konnte nur durch Offenbarung, durch die Annahme der Offenbarungen errungen werden. Und immer mehr und mehr war es dazu gekommen, daß man sich sagte: Die höchsten Wahrheiten kann der Mensch durch seine eigene Erkenntniskraft nicht durchdringen, die muß er hinnehmen, so wie sie von der Kirche als Offenbarung geliefert werden. Die menschliche Wissenschaft kann sich nur über das, was die Sinne geben, ausbreiten und einige Schlüsse ziehen aus dem, was die Sinne als Wahrheiten geben, wie ich schon gestern sagte.
[ 8 ] So trennte man streng eine sich über die Sinneswelt ausbreitende Wissenschaft und dasjenige, was Inhalt der Offenbarung war. Nun sind ja für die Entwickelung der neueren Menschheit in vieler Beziehung die letzten drei bis fünf Jahrhunderte außerordentlich bedeutsam geworden. Wenn man einem Menschen jener älteren Zeiten, wo Religion und Wissenschaft eines war, davon gesprochen hätte, daß die Religion nicht auf einem Erkennen des Menschen beruhte, so hätte er das als einen Unsinn angesehen; denn alle Religionen sind ursprünglich aus dem menschlichen Erkennen gekommen. Nur hat man gesagt: Wenn der Mensch sich auf sein Bewußtsein beschränkt, wie es ihm für den Alltag gegeben ist, dann gelangt er nicht zu den höchsten Wahrheiten, man muß dieses Bewußtsein erst zu einer höheren Stufe emporheben. Von dem alten Standpunkte aus sagte man gerade so, wie man heute gezwungen ist zu sagen, etwa gemäß dem, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt habe: daß der Mensch durch besondere Behandlung seiner Seelenfähigkeiten aufsteigen muß, um die höheren Erkenntnisse zu erringen. — So sagte man das auch in alten Zeiten. Man war sich bewußt: Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein kann man nur dasjenige erkennen, was sich um den Menschen herum ausbreitet; aber man kann dieses Bewußtsein weiter ausbilden und kann so zu übersinnlichen Wahrheiten kommen. Also in jenen alten Zeiten hätte man nicht davon gesprochen, daß irgendwo ohne Zutun des Menschen eine Offenbarung an ihn herangekommen wäre. Das hätte man als einen Unsinn empfunden. Und so stammen auch alle Dogmen, die in den verschiedenen kirchlichen Lehren enthalten sind, doch ursprünglich von solchen Initiationswahrheiten her. Heute sagt der Mensch leicht: Dogmen wie die Trinität oder wie die Inkarnation, die müssen geoffenbart sein, an die kann man nicht mit den menschlichen Erkenntnisfähigkeiten herankommen. Aber sie sind ursprünglich doch aus den menschlichen Erkenntnisfähigkeiten heraus entstanden.
[ 8 ] So trennte man streng eine sich über die Sinneswelt ausbreitende Wissenschaft und dasjenige, was Inhalt der Offenbarung war. Nun sind ja für die Entwickelung der neueren Menschheit in vieler Beziehung die letzten drei bis fünf Jahrhunderte außerordentlich bedeutsam geworden. Wenn man einem Menschen jener älteren Zeiten, wo Religion und Wissenschaft eines war, davon gesprochen hätte, daß die Religion nicht auf einem Erkennen des Menschen beruhte, so hätte er das als einen Unsinn angesehen; denn alle Religionen sind ursprünglich aus dem menschlichen Erkennen gekommen. Nur hat man gesagt: Wenn der Mensch sich auf sein Bewußtsein beschränkt, wie es ihm für den Alltag gegeben ist, dann gelangt er nicht zu den höchsten Wahrheiten, man muß dieses Bewußtsein erst zu einer höheren Stufe emporheben. Von dem alten Standpunkte aus sagte man gerade so, wie man heute gezwungen ist zu sagen, etwa gemäß dem, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teile meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt habe: daß der Mensch durch besondere Behandlung seiner Seelenfähigkeiten aufsteigen muß, um die höheren Erkenntnisse zu erringen. — So sagte man das auch in alten Zeiten. Man war sich bewußt: Mit dem gewöhnlichen Bewußtsein kann man nur dasjenige erkennen, was sich um den Menschen herum ausbreitet; aber man kann dieses Bewußtsein weiter ausbilden und kann so zu übersinnlichen Wahrheiten kommen. Also in jenen alten Zeiten hätte man nicht davon gesprochen, daß irgendwo ohne Zutun des Menschen eine Offenbarung an ihn herangekommen wäre. Das hätte man als einen Unsinn empfunden. Und so stammen auch alle Dogmen, die in den verschiedenen kirchlichen Lehren enthalten sind, doch ursprünglich von solchen Initiationswahrheiten her. Heute sagt der Mensch leicht: Dogmen wie die Trinität oder wie die Inkarnation, die müssen geoffenbart sein, an die kann man nicht mit den menschlichen Erkenntnisfähigkeiten herankommen. Aber sie sind ursprünglich doch aus den menschlichen Erkenntnisfähigkeiten heraus entstanden.
[ 9 ] Und im Mittelalter war es so, daß die Menschen übergegangen waren zu einem stärkeren Gebrauch ihres Intellektes. Das ist zum Beispiel gerade bei der Scholastik das Charakteristische, daß der Intellekt in großartigem Sinne gebraucht worden ist, aber nur auf die sinnliche Welt angewendet wurde, und daß man in diesem Entwickelungsstadium der Menschheit sich nicht mehr fähig fühlte, höhere Erkenntniskräfte zu entwickeln, mindestens in den Kreisen nicht, in denen sich die alten Dogmen als Offenbarungslehre fortgepflanzt hatten. Da lehnte man es ab, dem Menschen durch höhere Erkenntnisfähigkeiten zur übersinnlichen Welt hin den Weg zu bahnen. So übernahm man das, was in alten Zeiten gar wohl durch eine wirkliche menschliche Erkenntnis errungen worden war, durch Tradition, durch geschichtliche Überlieferung und sagte, man dürfe es eben nicht mit menschlicher Wissenschaft untersuchen.
[ 9 ] Und im Mittelalter war es so, daß die Menschen übergegangen waren zu einem stärkeren Gebrauch ihres Intellektes. Das ist zum Beispiel gerade bei der Scholastik das Charakteristische, daß der Intellekt in großartigem Sinne gebraucht worden ist, aber nur auf die sinnliche Welt angewendet wurde, und daß man in diesem Entwickelungsstadium der Menschheit sich nicht mehr fähig fühlte, höhere Erkenntniskräfte zu entwickeln, mindestens in den Kreisen nicht, in denen sich die alten Dogmen als Offenbarungslehre fortgepflanzt hatten. Da lehnte man es ab, dem Menschen durch höhere Erkenntnisfähigkeiten zur übersinnlichen Welt hin den Weg zu bahnen. So übernahm man das, was in alten Zeiten gar wohl durch eine wirkliche menschliche Erkenntnis errungen worden war, durch Tradition, durch geschichtliche Überlieferung und sagte, man dürfe es eben nicht mit menschlicher Wissenschaft untersuchen.
[ 10 ] In diese Stellung zur Erkenntnis hatte man sich allmählich hineingefunden. Man gewöhnte sich nach und nach, das Glauben zu nennen, was einstmals ein Wissen war, zu dem man sich aber nicht mehr emporwagte; und Wissen nannte man nur dasjenige, was eben durch menschliche Erkenntnisfähigkeiten für die sinnliche Welt gewonnen wird. Diese Lehre hatte sich insbesondere innerhalb des Katholizismus immer stärker und stärker herausgebildet. Aber wie ich Ihnen schon gestern sagte: Im Grunde ist alle moderne naturwissenschaftliche Gesinnung auch nichts anderes als ein Kind dieser Scholastik. Man ist nur dabei stehengeblieben, zu sagen, der menschliche Intellekt könne eben nur über die Natur Kenntnisse erlangen, und kümmerte sich nicht um die übersinnlichen Erkenntnisse. Man sagte, diese könne der Mensch nicht durch seine Fähigkeiten erringen. Aber man überließ es dann dem Glauben, die alten Erkenntnisse als überlieferte Dogmen anzunehmen oder auch nicht.
[ 10 ] In diese Stellung zur Erkenntnis hatte man sich allmählich hineingefunden. Man gewöhnte sich nach und nach, das Glauben zu nennen, was einstmals ein Wissen war, zu dem man sich aber nicht mehr emporwagte; und Wissen nannte man nur dasjenige, was eben durch menschliche Erkenntnisfähigkeiten für die sinnliche Welt gewonnen wird. Diese Lehre hatte sich insbesondere innerhalb des Katholizismus immer stärker und stärker herausgebildet. Aber wie ich Ihnen schon gestern sagte: Im Grunde ist alle moderne naturwissenschaftliche Gesinnung auch nichts anderes als ein Kind dieser Scholastik. Man ist nur dabei stehengeblieben, zu sagen, der menschliche Intellekt könne eben nur über die Natur Kenntnisse erlangen, und kümmerte sich nicht um die übersinnlichen Erkenntnisse. Man sagte, diese könne der Mensch nicht durch seine Fähigkeiten erringen. Aber man überließ es dann dem Glauben, die alten Erkenntnisse als überlieferte Dogmen anzunehmen oder auch nicht.
[ 11 ] Nachdem schon das 18. Jahrhundert vorangegangen war in der Proklamierung der bloß sinnlichen Erkenntnis und dessen, was man durch Vernunftschlüsse aus ihr gewinnen kann, bildete sich besonders im 19. Jahrhundert die Tendenz heraus, eigentlich nur das als Wissenschaft gelten zu lassen, was sich auf diese Art durch Anwendung der menschlichen Fähigkeiten auf die sinnliche Welt gewinnen läßt. Und in dieser Beziehung hat ja das 19. Jahrhundert ungeheuer viel geleistet, und es wird auch jetzt noch fortwährend durch Anwendung der naturwissenschaftlichen Methoden Großes auf dem Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung geleistet.
[ 11 ] Nachdem schon das 18. Jahrhundert vorangegangen war in der Proklamierung der bloß sinnlichen Erkenntnis und dessen, was man durch Vernunftschlüsse aus ihr gewinnen kann, bildete sich besonders im 19. Jahrhundert die Tendenz heraus, eigentlich nur das als Wissenschaft gelten zu lassen, was sich auf diese Art durch Anwendung der menschlichen Fähigkeiten auf die sinnliche Welt gewinnen läßt. Und in dieser Beziehung hat ja das 19. Jahrhundert ungeheuer viel geleistet, und es wird auch jetzt noch fortwährend durch Anwendung der naturwissenschaftlichen Methoden Großes auf dem Gebiete der naturwissenschaftlichen Forschung geleistet.
[ 12 ] Ich möchte sagen, der letzte öffentlich hervorgetretene Aufstieg in die geistige Welt wurde um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert von jener Bewegung versucht, die man den deutschen Idealismus nennt. Diesem deutschen Idealismus war ja ein Philosoph wie Kart vorangegangen, der nun auch philosophisch die Trennung zwischen Wissen und Glauben aussprechen wollte. Dann waren jene energischen Denker gekommen, Fichte, Schelling, Flegel, und diese stehen da, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, wie letzte gewaltige Pfeiler, weil sie noch mit der menschlichen Erkenntnisfähigkeit haben weitergehen wollen als bloß bis zur Sinneserkenntnis und dem, was sich aus ihr erschließen läßt.
[ 12 ] Ich möchte sagen, der letzte öffentlich hervorgetretene Aufstieg in die geistige Welt wurde um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert von jener Bewegung versucht, die man den deutschen Idealismus nennt. Diesem deutschen Idealismus war ja ein Philosoph wie Kart vorangegangen, der nun auch philosophisch die Trennung zwischen Wissen und Glauben aussprechen wollte. Dann waren jene energischen Denker gekommen, Fichte, Schelling, Flegel, und diese stehen da, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, wie letzte gewaltige Pfeiler, weil sie noch mit der menschlichen Erkenntnisfähigkeit haben weitergehen wollen als bloß bis zur Sinneserkenntnis und dem, was sich aus ihr erschließen läßt.
[ 13 ] Fichte, Schelling und Hegel sind voneinander sehr verschieden. Fichte ging von dem menschlichen Ich aus, entwickelte eine ungeheure Kraft gerade in der Erfassung des menschlichen Ich, und suchte vom menschlichen Ich aus erkenntnismäßig sich die Welt zu erobern. Schelling entwickelte eine Art phantasievollen Aufbauens einer Weltanschauung. Dieser Aufschwung in einem phantasievollen Gedankenaufbauen führte ihn sogar bis nahe an das Verständnis der Mysterien. Hegel glaubte an den Gedanken selber, und er glaubte, daß im Gedanken, den der Mensch erfassen kann, unmittelbar das Ewige lebt. Es ist ein schöner Gedanke, wenn Hegel sagte, er wolle den Geist erkennen und ihn erobern vom Gesichtspunkte des Gedankens aus. Allein, so recht Geschmack an Hegel kann doch nur derjenige finden, der das allgemeine Streben bei Hegel auffaßt, dieses Streben nach dem Geiste hin. Denn wenn man Hegel liest — die meisten Menschen hören ja bald zu lesen auf —, so ist er, wenn er seine Gedanken anführt, trotzdem er an die Geistigkeit des Gedankens glaubt, doch ein furchtbar abstrakter Geist. Und es ist schon so, daß, obzwar der Impuls, der in Hegel nach dem Geiste hin lebte, ein ungeheuer starker war, Hegel der Menschheit doch nichts anderes übergeben hat als ein Inventar von abstrakten Begriffen.
[ 13 ] Fichte, Schelling und Hegel sind voneinander sehr verschieden. Fichte ging von dem menschlichen Ich aus, entwickelte eine ungeheure Kraft gerade in der Erfassung des menschlichen Ich, und suchte vom menschlichen Ich aus erkenntnismäßig sich die Welt zu erobern. Schelling entwickelte eine Art phantasievollen Aufbauens einer Weltanschauung. Dieser Aufschwung in einem phantasievollen Gedankenaufbauen führte ihn sogar bis nahe an das Verständnis der Mysterien. Hegel glaubte an den Gedanken selber, und er glaubte, daß im Gedanken, den der Mensch erfassen kann, unmittelbar das Ewige lebt. Es ist ein schöner Gedanke, wenn Hegel sagte, er wolle den Geist erkennen und ihn erobern vom Gesichtspunkte des Gedankens aus. Allein, so recht Geschmack an Hegel kann doch nur derjenige finden, der das allgemeine Streben bei Hegel auffaßt, dieses Streben nach dem Geiste hin. Denn wenn man Hegel liest — die meisten Menschen hören ja bald zu lesen auf —, so ist er, wenn er seine Gedanken anführt, trotzdem er an die Geistigkeit des Gedankens glaubt, doch ein furchtbar abstrakter Geist. Und es ist schon so, daß, obzwar der Impuls, der in Hegel nach dem Geiste hin lebte, ein ungeheuer starker war, Hegel der Menschheit doch nichts anderes übergeben hat als ein Inventar von abstrakten Begriffen.
[ 14 ] Warum war das? Es ist ja etwas ungeheuer Tragisches, daß diese kernigen, gewaltigen Denker, Fichte, Schelling, Hegel, doch eigentlich nicht bis zur Geistigkeit vordrangen.
[ 14 ] Warum war das? Es ist ja etwas ungeheuer Tragisches, daß diese kernigen, gewaltigen Denker, Fichte, Schelling, Hegel, doch eigentlich nicht bis zur Geistigkeit vordrangen.
[ 15 ] Das liegt daran, daß in der allgemeinen Zivilisation eben die Menschheit dazumal noch nicht reif war, die Tore in die geistige Welt wirklich zu öffnen. Fichte, Schelling und Hegel kamen eben bloß bis zum Gedanken. Aber was ist der Gedanke, der im Menschen im gewöhnlichen Bewußtsein lebt?
[ 15 ] Das liegt daran, daß in der allgemeinen Zivilisation eben die Menschheit dazumal noch nicht reif war, die Tore in die geistige Welt wirklich zu öffnen. Fichte, Schelling und Hegel kamen eben bloß bis zum Gedanken. Aber was ist der Gedanke, der im Menschen im gewöhnlichen Bewußtsein lebt?
[ 16 ] Erinnern Sie sich an das, was ich vor einiger Zeit ausgesprochen habe. Wenn wir das Leben eines Menschen von der Geburt bis zum Tode verfolgen, so haben wir den Menschen vor uns als lebendes Wesen; Seele und Geist durchwärmen und durchleuchten das, was als physisches Wesen vor uns steht. Wenn der Mensch für die physische Welt gestorben ist, dann haben wir in der physischen Welt den Leichnam. Wir begraben oder verbrennen diesen Leichnam. Denken Sie nur, welch ein gewaltiger Unterschied besteht für ein unbefangenes menschliches Betrachten des Lebens zwischen einem voll lebendigen Menschen und einem Leichnam. Fassen Sie diesen Unterschied nur einmal mit Ihrem Herzen auf, dann werden Sie nachfühlen können, was der Geisteswissenschafter sagen muß in bezug auf eine andere Phase des Lebens, wenn man den Menschen betrachtet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wie er als seelisch-geistiges Wesen in einer seelisch-geistigen Welt ist, wie er sich da entwickelt, wie er, während man hier auf der Erde alt wird, in der geistigen Welt immer jünger und jünger wird bis zu dem Momente hin, wo man den Weg herunterfindet zu einer physischen Verkörperung. Was da im Menschen lebt, das kann man ebenso mit den höheren geistigen Kräften auffassen, wie man dasjenige, was in einem physischen Menschen lebt, auffassen kann. Und dann kann man sich fragen: Was ist denn von dem geblieben, wenn der Mensch nun geboren worden ist, was sich der Anschauung dargestellt hat in der geistigen Welt droben, bevor das Seelisch-Geistige heruntergestiegen ist? Da ist geblieben das im Menschen — wahrnehmbar —, was seine Gedanken sind. Aber diese Gedanken, die dann der Mensch hier auf der Erde durch den physischen Leib in sich trägt, die sind der Leichnam derjenigen Gedanken, die dem Menschen zukommen, wenn er zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eben in der geistigen und in der seelischen Welt lebt. Die abstrakten Gedanken, die wir hier haben, sind gegenüber dem Lebendigen, das im Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist, durchaus ein Leichnam, gerade so, wie es der Leichnam im Physischen gegenüber dem lebendigen Menschen ist, bevor er für die physische Welt gestorben ist.
[ 16 ] Erinnern Sie sich an das, was ich vor einiger Zeit ausgesprochen habe. Wenn wir das Leben eines Menschen von der Geburt bis zum Tode verfolgen, so haben wir den Menschen vor uns als lebendes Wesen; Seele und Geist durchwärmen und durchleuchten das, was als physisches Wesen vor uns steht. Wenn der Mensch für die physische Welt gestorben ist, dann haben wir in der physischen Welt den Leichnam. Wir begraben oder verbrennen diesen Leichnam. Denken Sie nur, welch ein gewaltiger Unterschied besteht für ein unbefangenes menschliches Betrachten des Lebens zwischen einem voll lebendigen Menschen und einem Leichnam. Fassen Sie diesen Unterschied nur einmal mit Ihrem Herzen auf, dann werden Sie nachfühlen können, was der Geisteswissenschafter sagen muß in bezug auf eine andere Phase des Lebens, wenn man den Menschen betrachtet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wie er als seelisch-geistiges Wesen in einer seelisch-geistigen Welt ist, wie er sich da entwickelt, wie er, während man hier auf der Erde alt wird, in der geistigen Welt immer jünger und jünger wird bis zu dem Momente hin, wo man den Weg herunterfindet zu einer physischen Verkörperung. Was da im Menschen lebt, das kann man ebenso mit den höheren geistigen Kräften auffassen, wie man dasjenige, was in einem physischen Menschen lebt, auffassen kann. Und dann kann man sich fragen: Was ist denn von dem geblieben, wenn der Mensch nun geboren worden ist, was sich der Anschauung dargestellt hat in der geistigen Welt droben, bevor das Seelisch-Geistige heruntergestiegen ist? Da ist geblieben das im Menschen — wahrnehmbar —, was seine Gedanken sind. Aber diese Gedanken, die dann der Mensch hier auf der Erde durch den physischen Leib in sich trägt, die sind der Leichnam derjenigen Gedanken, die dem Menschen zukommen, wenn er zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eben in der geistigen und in der seelischen Welt lebt. Die abstrakten Gedanken, die wir hier haben, sind gegenüber dem Lebendigen, das im Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist, durchaus ein Leichnam, gerade so, wie es der Leichnam im Physischen gegenüber dem lebendigen Menschen ist, bevor er für die physische Welt gestorben ist.
[ 17 ] Wer nicht den Aufschwung vollziehen will zu der Belebung der abstrakten Gedanken, der läßt mit der gewöhnlichen Gedankenwelt nichts anderes in sich leben als den Leichnam dessen, was in ihm war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist. Und nur dieser Leichnam der Gedanken lebte in Fichte, Schelling und Hegel, so großartig auch diese Gedanken sind. Man möchte sagen: In alten Zeiten, als noch Religion, Wissenschaft und Kunst eines war, da lebte in den irdischen Gedanken noch etwas fort von dem Lebendigen, das dem Menschen eignet in der geistigen Welt. Sogar noch bei Plaio kann man in seinem Ideenschwung wahrnehmen, wie etwas Überirdisches fortlebte in ihm. Das wird immer weniger und weniger. Die Menschen behalten die Kunde über das Überirdische als Offenbarung. Aber der Mensch hätte ja sonst nicht frei werden können, er hätte die Freiheit nicht entwickeln können. Der Mensch kommt immer mehr dazu, in seinem Denken nichts anderes zu haben als den Leichnam seines vorgeburtlichen inneren Lebens. Und so wie man manchmal bei gewissen Menschen, wenn sie gestorben sind, in dem Leichnam für einige Tage noch eine ungeheure Frische findet, so war es bei den Leichnam-Gedanken von Fichte, Schelling und Hegel: Sie waren frisch, aber sie waren dennoch eben jene Leichen des Übersinnlichen, von denen eine wirkliche Geisteswissenschaft sprechen muß.
[ 17 ] Wer nicht den Aufschwung vollziehen will zu der Belebung der abstrakten Gedanken, der läßt mit der gewöhnlichen Gedankenwelt nichts anderes in sich leben als den Leichnam dessen, was in ihm war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist. Und nur dieser Leichnam der Gedanken lebte in Fichte, Schelling und Hegel, so großartig auch diese Gedanken sind. Man möchte sagen: In alten Zeiten, als noch Religion, Wissenschaft und Kunst eines war, da lebte in den irdischen Gedanken noch etwas fort von dem Lebendigen, das dem Menschen eignet in der geistigen Welt. Sogar noch bei Plaio kann man in seinem Ideenschwung wahrnehmen, wie etwas Überirdisches fortlebte in ihm. Das wird immer weniger und weniger. Die Menschen behalten die Kunde über das Überirdische als Offenbarung. Aber der Mensch hätte ja sonst nicht frei werden können, er hätte die Freiheit nicht entwickeln können. Der Mensch kommt immer mehr dazu, in seinem Denken nichts anderes zu haben als den Leichnam seines vorgeburtlichen inneren Lebens. Und so wie man manchmal bei gewissen Menschen, wenn sie gestorben sind, in dem Leichnam für einige Tage noch eine ungeheure Frische findet, so war es bei den Leichnam-Gedanken von Fichte, Schelling und Hegel: Sie waren frisch, aber sie waren dennoch eben jene Leichen des Übersinnlichen, von denen eine wirkliche Geisteswissenschaft sprechen muß.
[ 18 ] Aber ich frage Sie nun: Glauben Sie, daß uns jemals ein menschlicher Leichnam in der Welt begegnen könnte, wenn es nicht auch lebendige Menschen geben würde? Wer einem menschlichen Leichnam begegnet, weiß, daß dieser Leichnam einmal gelebt hat. Und so wird einer, der wirklich unbefangen unser Denken, unser abstraktes, unser totes, unser Leichnam-Denken betrachtet, darauf kommen, daß das auch einmal gelebt hat, nämlich bevor der Mensch heruntergestiegen ist in einen physischen Leib.
[ 18 ] Aber ich frage Sie nun: Glauben Sie, daß uns jemals ein menschlicher Leichnam in der Welt begegnen könnte, wenn es nicht auch lebendige Menschen geben würde? Wer einem menschlichen Leichnam begegnet, weiß, daß dieser Leichnam einmal gelebt hat. Und so wird einer, der wirklich unbefangen unser Denken, unser abstraktes, unser totes, unser Leichnam-Denken betrachtet, darauf kommen, daß das auch einmal gelebt hat, nämlich bevor der Mensch heruntergestiegen ist in einen physischen Leib.
[ 19 ] Aber auch diese Erkenntnis war dem Menschen schon verlorengegangen, und so waren die Menschen Erleber des toten Denkens, und alles, was ihnen vom lebendigen Denken zukam, verehrten sie als Offenbarung, wenn sie überhaupt noch einen Wert darauf legten. Das war insbesondere auch erhärtet worden durch die großen naturwissenschaftlichen Fortschritte, die ja dann in derjenigen Zeit kamen, von der ich Ihnen schon gesprochen habe, in der Franz Brentano jung war.
[ 19 ] Aber auch diese Erkenntnis war dem Menschen schon verlorengegangen, und so waren die Menschen Erleber des toten Denkens, und alles, was ihnen vom lebendigen Denken zukam, verehrten sie als Offenbarung, wenn sie überhaupt noch einen Wert darauf legten. Das war insbesondere auch erhärtet worden durch die großen naturwissenschaftlichen Fortschritte, die ja dann in derjenigen Zeit kamen, von der ich Ihnen schon gesprochen habe, in der Franz Brentano jung war.
[ 20 ] Zu mancherlei Eigentümlichkeiten Franz Brentanos muß ich heute noch zwei hinzufügen. Gestern wollte ich mehr die Persönlichkeit charakterisieren, heute will ich mehr auf die Zeitentwickelung hinweisen. Daher muß die heutige Betrachtung etwas allgemeiner sein.
[ 20 ] Zu mancherlei Eigentümlichkeiten Franz Brentanos muß ich heute noch zwei hinzufügen. Gestern wollte ich mehr die Persönlichkeit charakterisieren, heute will ich mehr auf die Zeitentwickelung hinweisen. Daher muß die heutige Betrachtung etwas allgemeiner sein.
[ 21 ] Neben all den Eigenschaften, die ich Ihnen gestern von diesem aus dem Katholizismus herausgewachsenen, dann aber zum allgemeinen Philosophen gewordenen Franz Brentano angeführt habe, war ihm eine ungeheure Antipathie gegenüber Fichte, Schelling und Hegel eigen. Er hat nicht so geschimpft, wie Schopenhauer über Fichte, Schelling und Hegel geschimpft hat, weil er wohl eine bessere Erziehung hatte; aber harte Worte, die nur eben vornehmer ausgesprochen wurden — nicht in dem manchmal wirklich abscheulichen Schopenhauerschen Ton —, harte Worte über Fichte, Schelling und Hegelhat Franz Brentano schon auch ausgesprochen. Nur muß man einsehen, daß ein Mensch, der aus dem Katholizismus zu einer neuen Anschauung herauswächst, im Grunde genommen gar nicht anders zu Fichte, Schelling und Hegel stehen kann, als Franz Brentano gestanden hat. Was etwa für Hegel höchste menschliche Erkenntniskraft, das Denken, ist, das will man ja, wenn man aus der Scholastik herausgewachsen ist, nur auf die Sinnenwelt angewandt wissen, und da ist einem dieses Denken nur ein Hilfsmittel.
[ 21 ] Neben all den Eigenschaften, die ich Ihnen gestern von diesem aus dem Katholizismus herausgewachsenen, dann aber zum allgemeinen Philosophen gewordenen Franz Brentano angeführt habe, war ihm eine ungeheure Antipathie gegenüber Fichte, Schelling und Hegel eigen. Er hat nicht so geschimpft, wie Schopenhauer über Fichte, Schelling und Hegel geschimpft hat, weil er wohl eine bessere Erziehung hatte; aber harte Worte, die nur eben vornehmer ausgesprochen wurden — nicht in dem manchmal wirklich abscheulichen Schopenhauerschen Ton —, harte Worte über Fichte, Schelling und Hegelhat Franz Brentano schon auch ausgesprochen. Nur muß man einsehen, daß ein Mensch, der aus dem Katholizismus zu einer neuen Anschauung herauswächst, im Grunde genommen gar nicht anders zu Fichte, Schelling und Hegel stehen kann, als Franz Brentano gestanden hat. Was etwa für Hegel höchste menschliche Erkenntniskraft, das Denken, ist, das will man ja, wenn man aus der Scholastik herausgewachsen ist, nur auf die Sinnenwelt angewandt wissen, und da ist einem dieses Denken nur ein Hilfsmittel.
[ 22 ] Denken Sie doch nur einmal: Man kommt mit diesem Denkleichnam an die Sinnenwelt heran, man erfaßt zunächst die leblose Natur. Die lebendige Natur kann man ohnedies nicht mit diesem Denken erfassen. Für die leblose Natur ist dieser Denkleichnam gerade recht. Aber Hegel wollte die ganze Welt mit all ihren Geheimnissen mit diesem Denkleichnam umfassen. Sie finden daher irgendwelche Lehre über Unsterblichkeit oder Gott bei Hegel nicht, sondern was Sie finden, ist etwas, was Ihnen eigentlich auch schon ganz merkwürdig erscheinen wird.
[ 22 ] Denken Sie doch nur einmal: Man kommt mit diesem Denkleichnam an die Sinnenwelt heran, man erfaßt zunächst die leblose Natur. Die lebendige Natur kann man ohnedies nicht mit diesem Denken erfassen. Für die leblose Natur ist dieser Denkleichnam gerade recht. Aber Hegel wollte die ganze Welt mit all ihren Geheimnissen mit diesem Denkleichnam umfassen. Sie finden daher irgendwelche Lehre über Unsterblichkeit oder Gott bei Hegel nicht, sondern was Sie finden, ist etwas, was Ihnen eigentlich auch schon ganz merkwürdig erscheinen wird.
[ 23 ] Hegel teilt sein System in drei Teile:
[ 23 ] Hegel teilt sein System in drei Teile:
[ 24 ] Logik, Naturphilosophie, Lehre vom Geist = Kunst, Religion, Wissenschaft
[ 24 ] Logik, Naturphilosophie, Lehre vom Geist = Kunst, Religion, Wissenschaft
[ 25 ] Die Logik ist ein Inventar sämtlicher Begriffe, die der Mensch entwickeln kann, aber nur derjenigen Begriffe, die abstrakt sind. Diese Logik beginnt beim Sein, geht zum Nichts, zum Werden. Ich weiß schon, daß, wenn ich die ganze Liste anführen würde, Sie aus der Haut fahren würden, weil Sie in all diesen Dingen nichts finden würden von dem, was Sie eigentlich suchen. Und Hegel sagt dennoch: Das, was da im Menschen wieder auftaucht, wenn er Sein, Nichts, Werden, Dasein und so weiter als abstrakte Begriffe entwickelt, das ist der Gott vor der Erschaffung der Welt.
[ 25 ] Die Logik ist ein Inventar sämtlicher Begriffe, die der Mensch entwickeln kann, aber nur derjenigen Begriffe, die abstrakt sind. Diese Logik beginnt beim Sein, geht zum Nichts, zum Werden. Ich weiß schon, daß, wenn ich die ganze Liste anführen würde, Sie aus der Haut fahren würden, weil Sie in all diesen Dingen nichts finden würden von dem, was Sie eigentlich suchen. Und Hegel sagt dennoch: Das, was da im Menschen wieder auftaucht, wenn er Sein, Nichts, Werden, Dasein und so weiter als abstrakte Begriffe entwickelt, das ist der Gott vor der Erschaffung der Welt.
[ 26 ] Nehmen Sie die Hegelsche Logik, es sind lauter abstrakte Begriffe vom Anfang bis zum Ende, denn der letzte Begriff ist der des Zweckes. Mit dem können Sie auch noch nicht viel anfangen. Von irgendeiner Seelenunsterblichkeit, von einem Dasein Gottes in dem Sinne, wie Sie es als berechtigt anerkennen, ist gar nichts da, sondern ein Inventar von lauter abstrakten Begriffen. Aber denken Sie sich diese abstrakten Begriffe nun als vorhanden, bevor es eine Natur gibt, bevor es Menschen gab und so weiter. Das ist der Gott vor der Erschaffung der Welt, sagt Hegel. Die Logik ist der Gott vor der Erschaffung der Welt. Und diese Logik hat dann die Natur erschaffen und ist in der Natur zum Bewußtsein ihrer selbst gekommen.
[ 26 ] Nehmen Sie die Hegelsche Logik, es sind lauter abstrakte Begriffe vom Anfang bis zum Ende, denn der letzte Begriff ist der des Zweckes. Mit dem können Sie auch noch nicht viel anfangen. Von irgendeiner Seelenunsterblichkeit, von einem Dasein Gottes in dem Sinne, wie Sie es als berechtigt anerkennen, ist gar nichts da, sondern ein Inventar von lauter abstrakten Begriffen. Aber denken Sie sich diese abstrakten Begriffe nun als vorhanden, bevor es eine Natur gibt, bevor es Menschen gab und so weiter. Das ist der Gott vor der Erschaffung der Welt, sagt Hegel. Die Logik ist der Gott vor der Erschaffung der Welt. Und diese Logik hat dann die Natur erschaffen und ist in der Natur zum Bewußtsein ihrer selbst gekommen.
[ 27 ] Also zuerst die Logik, die, nach Hegel, der Gott vor der Erschaffung der Welt ist. Dann geht sie in ihr Anderssein über und kommt zu sich selbst, zu ihrem Selbstbewußtsein; da wird sie der Menschengeist. Und das ganze System schließt dann als Höchstes mit Kunst, Religion und Wissenschaft. Das sind die drei höchsten Ausgestaltungen des Geistes. So daß also in Religion, Kunst und Wissenschaft der Gott eben innerhalb der Erde weiterlebt. Nichts anderes, als was auf der Erde im gewöhnlichen Erleben ist, registriert Hegel. Er kündet also eigentlich nur den Geist, der gestorben ist, nicht den lebenden Geist.
[ 27 ] Also zuerst die Logik, die, nach Hegel, der Gott vor der Erschaffung der Welt ist. Dann geht sie in ihr Anderssein über und kommt zu sich selbst, zu ihrem Selbstbewußtsein; da wird sie der Menschengeist. Und das ganze System schließt dann als Höchstes mit Kunst, Religion und Wissenschaft. Das sind die drei höchsten Ausgestaltungen des Geistes. So daß also in Religion, Kunst und Wissenschaft der Gott eben innerhalb der Erde weiterlebt. Nichts anderes, als was auf der Erde im gewöhnlichen Erleben ist, registriert Hegel. Er kündet also eigentlich nur den Geist, der gestorben ist, nicht den lebenden Geist.
[ 28 ] Das muß abgelehnt werden von solchen Menschen, die nun im neuzeitlichen Sinne Wissenschaft suchen, aus naturwissenschaftlicher Erziehung heraus. Es muß deshalb abgelehnt werden, weil, wenn man mit den toten Begriffen in die Natur hinausdringt, die Sache ja doch nicht so geht, daß man bei den Abstraktionen bleibt. Selbst wenn Sie noch so schlecht botanisch erzogen werden, so daß Sie sich alle schönen Blumen in die Zahl der Staubgefäße, in die Beschreibung des Samens, des Fruchtknotens und so weiter verwandeln, selbst wenn Sie noch so abstrakte Begriffe im Kopfe haben und dann mit der Botanisiertrommel hinausgehen und nichts anderes zurückbringen als abstrakte Begriffe, so sind wenigstens die welken Blumen noch da, und die sind noch immer konkreter als die abstraktesten Begriffe. Und wenn Sie als Chemiker im Laboratorium stehen, ja, Sie mögen noch so viel von allerlei Atomprozessen und dergleichen phantasieren, immerhin können Sie doch nicht umhin, was in der Retorte vorgeht, auch zu beschreiben, wenn Sie eine bestimmte Substanz drinnen haben und darunter die Lampe, die diese Substanz zum Verdunsten, Schmelzen und so weiter bringt. Sie müssen irgend etwas, was eine Sache ist, doch noch beschreiben. Und schließlich, wenn in der Optik Ihnen die Physiker auch aufzeichnen, wie die Lichtstrahlen sich brechen, und alles das beschreiben, was die Lichtstrahlen nach der Ansicht der Physiker noch tun, so werden Sie doch immer wieder, wenn jene schöne Zeichnung gemacht wird, die zeigt, wie die Lichtstrahlen durch ein Prisma gehen, abgelenkt werden in verschiedener Weise, Sie werden doch immer wieder an die Farben noch erinnert werden. Und wenn auch in der physikalischen Farbenerklärung alle Farbe schon längst ausgedunstet ist, Sie werden doch immer noch an die Farben erinnert. Aber wenn man mit dem ganz abstrakten Begriffssystem, mit der ganz abstrakten Logik das Geistige erfassen will, so bleibt einem eben nichts übrig als die abstrakte Logik. Das konnte ein Mensch wie Franz Brentano nicht als eine wirkliche Beschreibung des Geistes annehmen, übrigens auch die anderen Scholastiker nicht, denn die haben sie wenigstens noch traditionell als Offenbarung. Daher stand Brentano als Student in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem wirklich schier unbezähmbaren Wahrheits- und Wissensdrang, mit einer inneren wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit sondergleichen so in seiner Zeit darinnen, daß er von denen, die noch die letzten Philosophengrößen der neueren Zivilisation waren, nichts empfangen konnte. Nur von der strengen naturwissenschaftlichen Methode konnte er etwas halten. Im Herzen trug er, was ihm der Katholizismus mit seiner Theologie gegeben hatte. Das alles brachte er aber nicht zu einer neuen Erfassung des Geistigen.
[ 28 ] Das muß abgelehnt werden von solchen Menschen, die nun im neuzeitlichen Sinne Wissenschaft suchen, aus naturwissenschaftlicher Erziehung heraus. Es muß deshalb abgelehnt werden, weil, wenn man mit den toten Begriffen in die Natur hinausdringt, die Sache ja doch nicht so geht, daß man bei den Abstraktionen bleibt. Selbst wenn Sie noch so schlecht botanisch erzogen werden, so daß Sie sich alle schönen Blumen in die Zahl der Staubgefäße, in die Beschreibung des Samens, des Fruchtknotens und so weiter verwandeln, selbst wenn Sie noch so abstrakte Begriffe im Kopfe haben und dann mit der Botanisiertrommel hinausgehen und nichts anderes zurückbringen als abstrakte Begriffe, so sind wenigstens die welken Blumen noch da, und die sind noch immer konkreter als die abstraktesten Begriffe. Und wenn Sie als Chemiker im Laboratorium stehen, ja, Sie mögen noch so viel von allerlei Atomprozessen und dergleichen phantasieren, immerhin können Sie doch nicht umhin, was in der Retorte vorgeht, auch zu beschreiben, wenn Sie eine bestimmte Substanz drinnen haben und darunter die Lampe, die diese Substanz zum Verdunsten, Schmelzen und so weiter bringt. Sie müssen irgend etwas, was eine Sache ist, doch noch beschreiben. Und schließlich, wenn in der Optik Ihnen die Physiker auch aufzeichnen, wie die Lichtstrahlen sich brechen, und alles das beschreiben, was die Lichtstrahlen nach der Ansicht der Physiker noch tun, so werden Sie doch immer wieder, wenn jene schöne Zeichnung gemacht wird, die zeigt, wie die Lichtstrahlen durch ein Prisma gehen, abgelenkt werden in verschiedener Weise, Sie werden doch immer wieder an die Farben noch erinnert werden. Und wenn auch in der physikalischen Farbenerklärung alle Farbe schon längst ausgedunstet ist, Sie werden doch immer noch an die Farben erinnert. Aber wenn man mit dem ganz abstrakten Begriffssystem, mit der ganz abstrakten Logik das Geistige erfassen will, so bleibt einem eben nichts übrig als die abstrakte Logik. Das konnte ein Mensch wie Franz Brentano nicht als eine wirkliche Beschreibung des Geistes annehmen, übrigens auch die anderen Scholastiker nicht, denn die haben sie wenigstens noch traditionell als Offenbarung. Daher stand Brentano als Student in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem wirklich schier unbezähmbaren Wahrheits- und Wissensdrang, mit einer inneren wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit sondergleichen so in seiner Zeit darinnen, daß er von denen, die noch die letzten Philosophengrößen der neueren Zivilisation waren, nichts empfangen konnte. Nur von der strengen naturwissenschaftlichen Methode konnte er etwas halten. Im Herzen trug er, was ihm der Katholizismus mit seiner Theologie gegeben hatte. Das alles brachte er aber nicht zu einer neuen Erfassung des Geistigen.
[ 29 ] Aber gerade dabei ist anziehend, wie unendlich wahrhaftig dieser Mensch war. Denn — und damit komme ich auf das andere, das ich anführte — wenn wir den Menschen betrachten, wie er hereingeboren wird in die physische Welt, wie er die ersten zappelnden Bewegungen als Kind macht, wie wir in den ersten zappelnden Kindesbewegungen in ungeschickter Art die Entfaltung dessen sehen, was ungeheuer weise war, bevor es heruntergestiegen ist in die physische Welt, dann sagen wir uns, wenn wir Geisteswissenschaft richtig verstehen: Wir sehen, wie der kindliche Hauptesorganismus geboren wird. In ihm haben wir ein Abbild des Kosmos. Nur an der Schädelbasis stemmen sich gewissermaßen die irdischen Kräfte entgegen. Wenn die Schädelbasis ebenso abgerundet wäre, wie der Kopf nach oben abgerundet ist, so wäre das Haupt durchaus ein Abbild des Kosmos. Das bringt der Mensch mit. Das Haupt können wir durchaus, wenn wir es als physischen Leib betrachten, als ein Abbild des Kosmos ansehen. Das ist es wirklich.
[ 29 ] Aber gerade dabei ist anziehend, wie unendlich wahrhaftig dieser Mensch war. Denn — und damit komme ich auf das andere, das ich anführte — wenn wir den Menschen betrachten, wie er hereingeboren wird in die physische Welt, wie er die ersten zappelnden Bewegungen als Kind macht, wie wir in den ersten zappelnden Kindesbewegungen in ungeschickter Art die Entfaltung dessen sehen, was ungeheuer weise war, bevor es heruntergestiegen ist in die physische Welt, dann sagen wir uns, wenn wir Geisteswissenschaft richtig verstehen: Wir sehen, wie der kindliche Hauptesorganismus geboren wird. In ihm haben wir ein Abbild des Kosmos. Nur an der Schädelbasis stemmen sich gewissermaßen die irdischen Kräfte entgegen. Wenn die Schädelbasis ebenso abgerundet wäre, wie der Kopf nach oben abgerundet ist, so wäre das Haupt durchaus ein Abbild des Kosmos. Das bringt der Mensch mit. Das Haupt können wir durchaus, wenn wir es als physischen Leib betrachten, als ein Abbild des Kosmos ansehen. Das ist es wirklich.


[ 30 ] Man hat es mir übelgenommen, daß ich auch öffentlich eine wichtige Tatsache erwähnt habe, aber ohne daß solche Tatsachen erwähnt werden, kann man eigentlich nicht an die Weltzusammenhänge kommen: Ich habe öffentlich dargestellt, wie im menschlichen Gehirn eine gewisse Anordnung der Furchenbildung ist, gewisse Zentren sind und so weiter. Auch bis in diese kleinsten Einzelheiten ist dieses menschliche Gehirn ein Abbild des Sternenhimmels für den Zeitpunkt, da der Mensch geboren ist. Im Haupte sehen wir ein Abbild des Kosmos, den wir äußerlich sinnlich auch sehen, wenn auch die meisten Menschen sein Geistiges nicht wahrnehmen. Im Brustorganismus, in dem, was hauptsächlich dem rhythmischen System zugrunde liegt, sehen wit, wie die Rundung des Kosmos zwar durch die Anpassung an die Erde schon etwas überwunden ist, aber wer den Brustorganismus mit seiner eigentümlichen Bildung des Rückgrates mit den Rippen verfolgt und sieht, wie dieser Brustorganismus in der Atmung mit dem Kosmos zusammenhängt, der kann, wenn auch schon sehr verändert, in dem Brust-, in dem rhythmischen Organismus doch noch etwas wie ein Nachbild des Kosmos sehen. Nicht aber mehr in dem Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus. Da können Sie unmöglich etwas sehen, was dem Kosmos nachgebildet ist. Nun hängt die Kopfbildung mit dem Denken zusammen, der Brustorganismus, der rhythmische Organismus mit dem Fühlen, und der Stoffwechsel-GliedmaBenorganismus mit dem Wollen.
[ 30 ] Man hat es mir übelgenommen, daß ich auch öffentlich eine wichtige Tatsache erwähnt habe, aber ohne daß solche Tatsachen erwähnt werden, kann man eigentlich nicht an die Weltzusammenhänge kommen: Ich habe öffentlich dargestellt, wie im menschlichen Gehirn eine gewisse Anordnung der Furchenbildung ist, gewisse Zentren sind und so weiter. Auch bis in diese kleinsten Einzelheiten ist dieses menschliche Gehirn ein Abbild des Sternenhimmels für den Zeitpunkt, da der Mensch geboren ist. Im Haupte sehen wir ein Abbild des Kosmos, den wir äußerlich sinnlich auch sehen, wenn auch die meisten Menschen sein Geistiges nicht wahrnehmen. Im Brustorganismus, in dem, was hauptsächlich dem rhythmischen System zugrunde liegt, sehen wit, wie die Rundung des Kosmos zwar durch die Anpassung an die Erde schon etwas überwunden ist, aber wer den Brustorganismus mit seiner eigentümlichen Bildung des Rückgrates mit den Rippen verfolgt und sieht, wie dieser Brustorganismus in der Atmung mit dem Kosmos zusammenhängt, der kann, wenn auch schon sehr verändert, in dem Brust-, in dem rhythmischen Organismus doch noch etwas wie ein Nachbild des Kosmos sehen. Nicht aber mehr in dem Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus. Da können Sie unmöglich etwas sehen, was dem Kosmos nachgebildet ist. Nun hängt die Kopfbildung mit dem Denken zusammen, der Brustorganismus, der rhythmische Organismus mit dem Fühlen, und der Stoffwechsel-GliedmaBenorganismus mit dem Wollen.


[ 31 ] Warum ist denn gerade der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus, der eigentlich das Irdischste an dem Menschen darstellt, der Träger des Wollens? Das hängt so zusammen: Im menschlichen Haupte haben wir ein sehr getreues Abbild des Kosmos. Da ist das Seelisch-Geistige in den Kopf ausgeflossen, in die Bildungskräfte hineingeflossen. Man möchte sagen: Der Mensch hat gelernt, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, von den kosmischen Kräften, und hat sein Haupt darnach gebildet. Ein wenig bildet er noch den Brustorganismus darnach, aber gar nicht mehr den Gliedmaßenorganismus. In diesem ist das Wollen. So daß, wenn man den menschlichen äußeren Organismus ansieht, das Denken dem Haupte zugeordnet werden muß, das Fühlen dem mittleren Menschen und das Wollen dem Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus. In dem, was wirklich das Niedrigste ist, der Stoffwechsel und die Gliedmaßen, erhält sich aber auch das Geistige am besten, so daß wir in unserem Denken nur einen Leichnam dessen haben, was wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind. In unserem Fühlen haben wir schon etwas mehr, aber das Fühlen bleibt ja auch traumhaft, wie Sie wissen, und das Wollen, das übersieht man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein gar nicht mehr. Das Wollen bleibt ganz im Unbewußten, aber da drinnen ist noch am meisten Lebendiges von dem, was wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind auf die Erde. Wenn wir als Kind heranentwickelt werden, ist im Wollen am meisten von unserer unsterblichen Seele. Nun, die meisten Menschen machen sich nicht viele Skrupel, sie sagen: Der Mensch hat in sich die drei Seelenkräfte, das Denken, das Fühlen und das Wollen. Sie wissen ja, diese drei Seelentätigkeiten werden aufgezählt, so wie wenn sie für das gewöhnliche Bewußtsein vorhanden wären, während wir erst in der Anthroposophie darauf aufmerksam machen müssen: Eigentlich hat man ja nur das Denken als etwas vollständig Waches. Das Fühlen ist schon so, wie die Träume im Menschen, und von dem Wollen weiß der Mensch überhaupt nichts. Ich muß immer wieder betonen: Wenn wir auch nur einen Arm heben wollen — wie der Gedanke: «Ich hebe den Arm», hineinströmt in den Organismus und zum Wollen wird, so daß dann die Armhebung wirklich stattfindet, davon weiß der Mensch nichts, das verschläft er im wachen Zustand ebenso, wie er sonst die Dinge verschläft vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Statt daß also die Menschen sagen: Wir haben in uns das wache Denken, das träumende Fühlen, das schlafende Wollen —, sagen sie: Wir haben Denken, Fühlen und Wollen, die ganz gleichbedeutend nebeneinander liegen sollen.
[ 31 ] Warum ist denn gerade der Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus, der eigentlich das Irdischste an dem Menschen darstellt, der Träger des Wollens? Das hängt so zusammen: Im menschlichen Haupte haben wir ein sehr getreues Abbild des Kosmos. Da ist das Seelisch-Geistige in den Kopf ausgeflossen, in die Bildungskräfte hineingeflossen. Man möchte sagen: Der Mensch hat gelernt, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, von den kosmischen Kräften, und hat sein Haupt darnach gebildet. Ein wenig bildet er noch den Brustorganismus darnach, aber gar nicht mehr den Gliedmaßenorganismus. In diesem ist das Wollen. So daß, wenn man den menschlichen äußeren Organismus ansieht, das Denken dem Haupte zugeordnet werden muß, das Fühlen dem mittleren Menschen und das Wollen dem Stoffwechsel-Gliedmaßenorganismus. In dem, was wirklich das Niedrigste ist, der Stoffwechsel und die Gliedmaßen, erhält sich aber auch das Geistige am besten, so daß wir in unserem Denken nur einen Leichnam dessen haben, was wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind. In unserem Fühlen haben wir schon etwas mehr, aber das Fühlen bleibt ja auch traumhaft, wie Sie wissen, und das Wollen, das übersieht man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein gar nicht mehr. Das Wollen bleibt ganz im Unbewußten, aber da drinnen ist noch am meisten Lebendiges von dem, was wir waren, bevor wir heruntergestiegen sind auf die Erde. Wenn wir als Kind heranentwickelt werden, ist im Wollen am meisten von unserer unsterblichen Seele. Nun, die meisten Menschen machen sich nicht viele Skrupel, sie sagen: Der Mensch hat in sich die drei Seelenkräfte, das Denken, das Fühlen und das Wollen. Sie wissen ja, diese drei Seelentätigkeiten werden aufgezählt, so wie wenn sie für das gewöhnliche Bewußtsein vorhanden wären, während wir erst in der Anthroposophie darauf aufmerksam machen müssen: Eigentlich hat man ja nur das Denken als etwas vollständig Waches. Das Fühlen ist schon so, wie die Träume im Menschen, und von dem Wollen weiß der Mensch überhaupt nichts. Ich muß immer wieder betonen: Wenn wir auch nur einen Arm heben wollen — wie der Gedanke: «Ich hebe den Arm», hineinströmt in den Organismus und zum Wollen wird, so daß dann die Armhebung wirklich stattfindet, davon weiß der Mensch nichts, das verschläft er im wachen Zustand ebenso, wie er sonst die Dinge verschläft vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Statt daß also die Menschen sagen: Wir haben in uns das wache Denken, das träumende Fühlen, das schlafende Wollen —, sagen sie: Wir haben Denken, Fühlen und Wollen, die ganz gleichbedeutend nebeneinander liegen sollen.
[ 32 ] Nun stellen Sie sich einen Menschen vor, der ein unendliches Wahrheitsgefühl hat, und der mit der modernen Naturwissenschaft geht, also nur das Denken anwendet. Der moderne Naturforscher, ob er nun mikroskopiert, ob er mit dem Teleskop sich den Kosmos anschaut, oder ob er mit dem Spektralapparat Astrophysik treibt, er wendet sich immer nur an das bewußte Denken. Daher wurde es auch für Franz Brentano wie ein Axiom, daß alles Unbewußte abgewiesen werden mußte. Er wollte nur bei dem gewöhnlichen bewußten Denken bleiben, und für das wollte er nicht höhere Erkenntnisfähigkeiten ausbilden. Was könnten wir eigentlich von einem solchen Menschen erwarten, wenn er von der Seele spricht, wenn er als Psychologe sprechen will? Man könnte eigentlich erwarten, wenn er sich nur an das Bewußte hält, daß er in der Psychologie von dem Wollen gar nicht spricht. Man könnte erwarten, daß er das Wollen ganz ausstreicht, dem Fühlen gegenüber recht unsicher wird, und eigentlich nur das Denken richtig behandelt.
[ 32 ] Nun stellen Sie sich einen Menschen vor, der ein unendliches Wahrheitsgefühl hat, und der mit der modernen Naturwissenschaft geht, also nur das Denken anwendet. Der moderne Naturforscher, ob er nun mikroskopiert, ob er mit dem Teleskop sich den Kosmos anschaut, oder ob er mit dem Spektralapparat Astrophysik treibt, er wendet sich immer nur an das bewußte Denken. Daher wurde es auch für Franz Brentano wie ein Axiom, daß alles Unbewußte abgewiesen werden mußte. Er wollte nur bei dem gewöhnlichen bewußten Denken bleiben, und für das wollte er nicht höhere Erkenntnisfähigkeiten ausbilden. Was könnten wir eigentlich von einem solchen Menschen erwarten, wenn er von der Seele spricht, wenn er als Psychologe sprechen will? Man könnte eigentlich erwarten, wenn er sich nur an das Bewußte hält, daß er in der Psychologie von dem Wollen gar nicht spricht. Man könnte erwarten, daß er das Wollen ganz ausstreicht, dem Fühlen gegenüber recht unsicher wird, und eigentlich nur das Denken richtig behandelt.
[ 33 ] Darauf sind andere, oberflächlichere Geister nicht gekommen. Franz Brentanos Psychologie teilt die Seelenfähigkeiten nicht in Denken, Fühlen und Wollen ein, sondern in Vorstellen, Urteilen und in die Phänomene von Liebe und Haß, das heißt in die Phänomene von Sympathie und Antipathie, das heißt des Fühlens. Wollen finden Sie überhaupt nicht bei ihm. Das richtige aktive Wollen fehlt in der Brentanoschen Psychologie, weil er eben grundehrlicher Wahrheitssucher war, und sich eigentlich hat sagen müssen: Das Wollen finde ich eben nicht.
[ 33 ] Darauf sind andere, oberflächlichere Geister nicht gekommen. Franz Brentanos Psychologie teilt die Seelenfähigkeiten nicht in Denken, Fühlen und Wollen ein, sondern in Vorstellen, Urteilen und in die Phänomene von Liebe und Haß, das heißt in die Phänomene von Sympathie und Antipathie, das heißt des Fühlens. Wollen finden Sie überhaupt nicht bei ihm. Das richtige aktive Wollen fehlt in der Brentanoschen Psychologie, weil er eben grundehrlicher Wahrheitssucher war, und sich eigentlich hat sagen müssen: Das Wollen finde ich eben nicht.
[ 34 ] Es hat wiederum etwas ungeheuer Ergreifendes, zu sehen, wie unendlich aufrichtig und ehrlich diese Persönlichkeit eigentlich ist. Es fehlt das Wollen in Brentanos Psychologie, denn das Urteilen und Vorstellen trennt er, damit er nun auch drei Glieder des Seelenlebens hat; aber Urteilen und Vorstellen fällt ja zusammen in bezug auf die Seelenfähigkeit, so daß er eigentlich nur zwei hat.
[ 34 ] Es hat wiederum etwas ungeheuer Ergreifendes, zu sehen, wie unendlich aufrichtig und ehrlich diese Persönlichkeit eigentlich ist. Es fehlt das Wollen in Brentanos Psychologie, denn das Urteilen und Vorstellen trennt er, damit er nun auch drei Glieder des Seelenlebens hat; aber Urteilen und Vorstellen fällt ja zusammen in bezug auf die Seelenfähigkeit, so daß er eigentlich nur zwei hat.
[ 35 ] Nun denken Sie an die Folge dessen, was da bei Brentano auftritt. Was hat er denn in Realität ich? im Menschen? Dadurch, daß er moderner Naturwissenschafter geworden ist und auf nichts etwas gegeben hat, was sich nicht dem bewußten Denken darbietet nach der naturwissenschaftlichen Methode, dadurch schaltet er aus der menschlichen Seele das Wollen aus. Und was schaltet er damit aus? Gerade dasjenige, was wir als Lebendes aus unserem Zustande, bevor wir heruntersteigen in einen physischen Leib, mitbringen.
[ 35 ] Nun denken Sie an die Folge dessen, was da bei Brentano auftritt. Was hat er denn in Realität ich? im Menschen? Dadurch, daß er moderner Naturwissenschafter geworden ist und auf nichts etwas gegeben hat, was sich nicht dem bewußten Denken darbietet nach der naturwissenschaftlichen Methode, dadurch schaltet er aus der menschlichen Seele das Wollen aus. Und was schaltet er damit aus? Gerade dasjenige, was wir als Lebendes aus unserem Zustande, bevor wir heruntersteigen in einen physischen Leib, mitbringen.
[ 36 ] Brentano war vor eine Wissenschaft gestellt, die ihm gerade das Ewige in der Seele ausschaltete. Die anderen Psychologen haben das nicht empfunden. Er hat es empfunden, und deshalb ergab sich für ihn der ungeheure Abgrund zwischen dem, was ihm einstmals Offenbarungslehre war, die ihm von dem Ewigen der Menschenseele sprach, und dem, was er nach seiner naturwissenschaftlichen Methode allein finden konnte, was ihm sogar das Wollen und damit das Ewige aus der Menschenseele wegstrich.
[ 36 ] Brentano war vor eine Wissenschaft gestellt, die ihm gerade das Ewige in der Seele ausschaltete. Die anderen Psychologen haben das nicht empfunden. Er hat es empfunden, und deshalb ergab sich für ihn der ungeheure Abgrund zwischen dem, was ihm einstmals Offenbarungslehre war, die ihm von dem Ewigen der Menschenseele sprach, und dem, was er nach seiner naturwissenschaftlichen Methode allein finden konnte, was ihm sogar das Wollen und damit das Ewige aus der Menschenseele wegstrich.
[ 37 ] So ist Brentano schon eine Persönlichkeit, die charakteristisch ist für alles das, was das 19. Jahrhundert dem Menschen eben nicht geben konnte. Denn die Tore nach der geistigen Welt mußten geöffnet werden. Und das ist der Grund, warum ich Ihnen gerade von Franz Brentano gesprochen habe, der 1917 in Zürich gestorben ist, weil ich in ihm den charakteristischsten aller derjenigen Philosophen des 19. Jahrhunderts sehe, die schon ein ernstes Wahrheitsstreben hatten, die aber festgehalten wurden durch die Fesseln der naturwissenschaftlichen Gesinnung, die nicht herauf wollten zu einer geistigen Erfassung der Welt, dabei aber überall zeigen, daß die Zeit herangekommen ist, wo man diese geistige Auffassung braucht. Was ist denn schließlich der Unterschied zwischen dem, was nun Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne wirklich will, und dem tragischen Streben eines solchen Menschen, wie Franz Brentano einer war? Daß Franz Brentano mit ungeheurem Scharfsinn überall die Begriffe herangetragen hat, die man eben aus dem gewöhnlichen Bewußtsein heraus bekommen kann, und gesagt hat: Da muß man stehenbleiben. — Aber die Erkenntnis ist nicht vollendet; vergeblich strebt man so nach einer wirklichen Erkenntnis. Niemals aber hat er sich damit zufrieden gegeben, immer wieder wollte er heraus. Sein Naturwissenschaftliches ließ ihn nur nicht herauskommen. Und das ist bis zu seinem Tode so geblieben. Man möchte sagen: Geisteswissenschaft mußte dort anfangen, wo Brentano aufgehört hatte, mußte den Schritt wagen, von dem gewöhnlichen Bewußtsein in das höhere Bewußtsein hineinzukommen. Deshalb ist er so außerordentlich interessant, eben der interessanteste Philosoph von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn an ihm war wirklich das Wahrheitsstreben etwas Persönliches. Man muß schon sagen: Will man an einem Symptom studieren, was ein Mensch erleben mußte an der Wissenschaftsentwickelung, an der geistigen Entwickelung in der neuesten Zeit, so kann man diesen Neffen des Clemens Brentano, den Philosophen Franz Brentano ins Auge fassen. Er ist charakteristisch für alles, was man als Mensch suchen muß und mit der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methode eben nicht finden kann. Er ist charakteristisch dafür, weil man hinausgehen muß über das, was er mit so ehrlichem Wahrheitssinn angestrebt hat. Je genauer man ihn betrachtet, bis in seine Gliederungen der Psychologie hinein, desto mehr fällt einem dieses auf. Gerade er ist einer derjenigen Geister, die zeigen: Die Menschheit braucht wiederum ein Geistesleben, das in alles eingreifen kann. Von der Naturwissenschaft kann es nicht kommen. Aber diese Naturwissenschaft ist überhaupt das Schicksal der neueren Zeit, wie sie das Schicksal Brentanos geworden ist. Denn wie der richtige moderne Faust des 19. Jahrhunderts sitzt dieser Brentano zuerst in Würzburg, dann in Wien, dann in Florenz, dann in Zürich, und ringt mit den größten Problemen der Menschheit. Er gesteht sich zwar nicht, «daß wir nichts wissen können», aber müßte es sich eigentlich gestehen, wenn er sich seine eigene Methode voll bewußt machen würde. Eigentlich müßte er sich sagen: Die Naturwissenschaft ist das, was mich hindert, den Weg in die geistige Welt hinein zu unternehmen.
[ 37 ] So ist Brentano schon eine Persönlichkeit, die charakteristisch ist für alles das, was das 19. Jahrhundert dem Menschen eben nicht geben konnte. Denn die Tore nach der geistigen Welt mußten geöffnet werden. Und das ist der Grund, warum ich Ihnen gerade von Franz Brentano gesprochen habe, der 1917 in Zürich gestorben ist, weil ich in ihm den charakteristischsten aller derjenigen Philosophen des 19. Jahrhunderts sehe, die schon ein ernstes Wahrheitsstreben hatten, die aber festgehalten wurden durch die Fesseln der naturwissenschaftlichen Gesinnung, die nicht herauf wollten zu einer geistigen Erfassung der Welt, dabei aber überall zeigen, daß die Zeit herangekommen ist, wo man diese geistige Auffassung braucht. Was ist denn schließlich der Unterschied zwischen dem, was nun Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne wirklich will, und dem tragischen Streben eines solchen Menschen, wie Franz Brentano einer war? Daß Franz Brentano mit ungeheurem Scharfsinn überall die Begriffe herangetragen hat, die man eben aus dem gewöhnlichen Bewußtsein heraus bekommen kann, und gesagt hat: Da muß man stehenbleiben. — Aber die Erkenntnis ist nicht vollendet; vergeblich strebt man so nach einer wirklichen Erkenntnis. Niemals aber hat er sich damit zufrieden gegeben, immer wieder wollte er heraus. Sein Naturwissenschaftliches ließ ihn nur nicht herauskommen. Und das ist bis zu seinem Tode so geblieben. Man möchte sagen: Geisteswissenschaft mußte dort anfangen, wo Brentano aufgehört hatte, mußte den Schritt wagen, von dem gewöhnlichen Bewußtsein in das höhere Bewußtsein hineinzukommen. Deshalb ist er so außerordentlich interessant, eben der interessanteste Philosoph von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn an ihm war wirklich das Wahrheitsstreben etwas Persönliches. Man muß schon sagen: Will man an einem Symptom studieren, was ein Mensch erleben mußte an der Wissenschaftsentwickelung, an der geistigen Entwickelung in der neuesten Zeit, so kann man diesen Neffen des Clemens Brentano, den Philosophen Franz Brentano ins Auge fassen. Er ist charakteristisch für alles, was man als Mensch suchen muß und mit der gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methode eben nicht finden kann. Er ist charakteristisch dafür, weil man hinausgehen muß über das, was er mit so ehrlichem Wahrheitssinn angestrebt hat. Je genauer man ihn betrachtet, bis in seine Gliederungen der Psychologie hinein, desto mehr fällt einem dieses auf. Gerade er ist einer derjenigen Geister, die zeigen: Die Menschheit braucht wiederum ein Geistesleben, das in alles eingreifen kann. Von der Naturwissenschaft kann es nicht kommen. Aber diese Naturwissenschaft ist überhaupt das Schicksal der neueren Zeit, wie sie das Schicksal Brentanos geworden ist. Denn wie der richtige moderne Faust des 19. Jahrhunderts sitzt dieser Brentano zuerst in Würzburg, dann in Wien, dann in Florenz, dann in Zürich, und ringt mit den größten Problemen der Menschheit. Er gesteht sich zwar nicht, «daß wir nichts wissen können», aber müßte es sich eigentlich gestehen, wenn er sich seine eigene Methode voll bewußt machen würde. Eigentlich müßte er sich sagen: Die Naturwissenschaft ist das, was mich hindert, den Weg in die geistige Welt hinein zu unternehmen.
[ 38 ] Aber diese Naturwissenschaft spricht eben eine starke autoritative Sprache. Und so ist es ja auch heute im öffentlichen Leben. Die Naturwissenschaft selbst kann den Menschen das nicht bieten, was sie brauchen für ihre Seele. Die größten Errungenschaften des 19. Jahrhunderts und die des 20. Jahrhunderts konnten den Menschen nicht geben, was eine Art führendes Geistiges darstellte. Und ein starkes Hindernis ist diese naturwissenschaftliche Gesinnung durch ihre mächtige Autorität, denn überall, wo Anthroposophie auftritt, stellt sich ihr die Naturwissenschaft zunächst entgegen, und obzwar die Naturwissenschaft selber dem Menschen nichts geben kann, frägt man doch bei der Anthroposophie: Stimmt die Naturwissenschaft mit ihr überein? — weil auch diejenigen Menschen, die gar nicht viel von der Naturwissenschaft wissen, heute das autoritative Gefühl haben, die Naturwissenschaft hat recht, und wenn die sagt, daß Anthroposophie ein Unding ist, dann muß es stimmen. — Die Leute brauchen, wie gesagt, gar nicht viel von der Naturwissenschaft zu wissen, denn was wissen schließlich die monistischen Redner viel von Naturwissenschaft? Sie haben ja in der Regel dasjenige von der Naturwissenschaft an allgemeinen Dingen im Kopfe, was vor drei Jahrzehnten gegolten hat! Aber sie tun so, als ob sie aus dem vollen Geist der gegenwärtigen Naturwissenschaft heraus reden würden. Daher gilt das für viele Menschen als Autorität.
[ 38 ] Aber diese Naturwissenschaft spricht eben eine starke autoritative Sprache. Und so ist es ja auch heute im öffentlichen Leben. Die Naturwissenschaft selbst kann den Menschen das nicht bieten, was sie brauchen für ihre Seele. Die größten Errungenschaften des 19. Jahrhunderts und die des 20. Jahrhunderts konnten den Menschen nicht geben, was eine Art führendes Geistiges darstellte. Und ein starkes Hindernis ist diese naturwissenschaftliche Gesinnung durch ihre mächtige Autorität, denn überall, wo Anthroposophie auftritt, stellt sich ihr die Naturwissenschaft zunächst entgegen, und obzwar die Naturwissenschaft selber dem Menschen nichts geben kann, frägt man doch bei der Anthroposophie: Stimmt die Naturwissenschaft mit ihr überein? — weil auch diejenigen Menschen, die gar nicht viel von der Naturwissenschaft wissen, heute das autoritative Gefühl haben, die Naturwissenschaft hat recht, und wenn die sagt, daß Anthroposophie ein Unding ist, dann muß es stimmen. — Die Leute brauchen, wie gesagt, gar nicht viel von der Naturwissenschaft zu wissen, denn was wissen schließlich die monistischen Redner viel von Naturwissenschaft? Sie haben ja in der Regel dasjenige von der Naturwissenschaft an allgemeinen Dingen im Kopfe, was vor drei Jahrzehnten gegolten hat! Aber sie tun so, als ob sie aus dem vollen Geist der gegenwärtigen Naturwissenschaft heraus reden würden. Daher gilt das für viele Menschen als Autorität.
[ 39 ] Man kann schon auch an dem inneren Schicksal Brentanos das äußere Schicksal, jetzt nicht das innere, aber das äußere Schicksal der anthroposophischen Weltanschauung sehen.
[ 39 ] Man kann schon auch an dem inneren Schicksal Brentanos das äußere Schicksal, jetzt nicht das innere, aber das äußere Schicksal der anthroposophischen Weltanschauung sehen.



