Philosophy, Cosmology, and Religion
in Anthroposophy
GA 215
8 September 1922, Dornach
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Philosophy, Cosmology, and Religion in Anthroposophy, tr. SOL
3. Imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnismethoden
3. Imaginative, Inspired, and Intuitive Methods of Insight
[ 1 ] Durch die Meditationsübungen, die zur imaginativen Erkenntnis führen sollen, wird das gesamte seelische Innenleben des Menschen verwandelt. Ebenso werden verwandelt die Beziehungen der Menschenseele zur umliegenden Welt. Es handelt sich ja darum, daß Meditieren in dem Sinne, wie es in den letzten Vorträgen hier gemeint war, besteht in einem Konzentrieren aller Seelenkräfte auf einen bestimmten, leicht überschaulichen Vorstellungskomplex. Es ist wichtig, daß man dies ins Auge faßt: ein leicht überschaulicher Vorstellungskomplex, ein solcher, auf den das Geistig-Seelische des Menschen in der unmittelbaren Gegenwart alle Aufmerksamkeit verwenden kann, so daß während des Ruhens der Seele auf diesem Vorstellungskomplex nichts in sie einfließt von irgendwie unterbewußten oder unbewußten oder irgendwie aus der Erinnerung heraufspielenden Seeleneindrücken.
[ 1 ] Through the meditation exercises designed to lead to imaginative insight, the entire inner life of the human soul is transformed. Likewise, the relationships between the human soul and the surrounding world are transformed. The point is that meditation, in the sense intended in the previous lectures here, consists of concentrating all the soul’s powers on a specific, easily comprehensible complex of ideas. It is important to bear this in mind: a clearly comprehensible complex of ideas—one to which the human spirit and soul can direct all their attention in the immediate present, so that while the soul rests upon this complex of ideas, nothing flows into it from any subconscious or unconscious impressions, or from impressions arising from memory.
[ 2 ] Man muß, wenn die imaginative Erkenntnis in der richtigen Weise herbeigeführt werden soll, beim Meditieren den ganzen Vorstellungskomplex, dem man sich mit allen Seelenkräften hingibt, so vor sich haben wie etwa ein mathematisches Problem, so daß in das Meditieren nichts hineinspielt von gefühlsbetonten Vorstellungen oder von willensdurchzogenen Vorstellungen. Wenn man sich einem mathematischen Problem hingibt, weiß man in jedem Augenblick, daß man mit der Seelentätigkeit in dem verharrt, was man unmittelbar vor dem Seelenauge hat. Man weiß, daß nichts Emotionelles, nichts Gefühlsmäßiges, keine Reminiszenzen aus dem verflossenen Leben in das hineinkommen dürfen, was man sich vorstellt und was zur Urteilsfällung in dem betreffenden Problem führt. In einer solchen Seelenverfassung muß man auch sein bei dem richtigen Meditieren.
[ 2 ] If imaginative insight is to be brought about in the proper way, one must, while meditating, hold before oneself the entire complex of ideas—to which one devotes all one’s soul forces—just as one would a mathematical problem, so that nothing from emotionally charged ideas or ideas imbued with the will interferes with the meditation. When one devotes oneself to a mathematical problem, one knows at every moment that one’s mental activity is focused solely on what is immediately before the mind’s eye. One knows that nothing emotional, nothing based on feeling, and no reminiscences from past life may enter into what one imagines and what leads to a judgment on the problem in question. One must also be in such a state of mind when meditating properly.
[ 3 ] Dann ist es am besten, wenn man sich möglichst einem solchen Vorstellungskomplex hingibt, der einem ganz neu ist, von dem man weiß, daß man ihn ganz gewiß noch niemals gedacht hat. Denn wenn man einfach aus der Erinnerung etwas heraufholen würde, so könnte man ja gar nicht wissen, was da alles an unbewußten, gefühlsmäßigen Impulsen hineinspielt. Es ist daher für den Meditanten außerordentlich gut, wenn er sich von einem erfahrenen Geistesforscher raten läßt, denn dieser wird darauf sehen, daß der Meditierende einen Vorstellungsinhalt habe, über den er ganz gewiß bisher nicht gedacht haben kann, so daß dasjenige, was nunmehr meditiert wird, zum ersten Male in das Bewußtsein eintritt, nichts Erinnerungsmäßiges, nichts von Instinktivem hineinspielen kann und nur das Geistig-Seelische bei diesem Meditieren engagiert ist.
[ 3 ] Then it is best to surrender as fully as possible to a complex of ideas that is entirely new to you—one that you know for certain you have never thought of before. For if one were simply to draw something from memory, one could not possibly know what unconscious, emotional impulses might be at play there. It is therefore extremely beneficial for the meditator to seek advice from an experienced spiritual researcher, for the latter will ensure that the meditator has a subject of meditation about which he certainly cannot have thought before, so that what is now being meditated upon enters consciousness for the first time, nothing from memory or instinct can play a role, and only the spiritual-psychic aspect is engaged in this meditation.
[ 4 ] Wenn dann eine solche Meditation, die an einem Tage nur kurz zu sein braucht, immer wiederholt wird, dann kommt endlich ein Seelenzustand zustande, der den Menschen ganz deutlich fühlen läßt: Jetzt lebst du in einer inneren Tätigkeit, die sich losgelöst hat von dem physischen Leibe; jetzt lebst du in einer Tätigkeit, die anders ist, als wenn du deine Denktätigkeit oder deine Gefühls- oder Willenstätigkeit innerhalb des physischen Leibes auslösest. — Was einem da besonders entgegentritt, das ist, daß man deutlich fühlt: Man lebt in einer von der physischen Körperlichkeit getrennten Welt. — Man lebt sich eben allmählich in die ätherische Welt hinein und das fühlt man daran, daß der eigene Organismus, der physische Organismus, den Charakter einer relativen Objektivität annimmt. Man schaut gewissermaßen von außen auf diesen physischen Organismus hin, so wie man sonst vom Innern dieses physischen Organismus auf äußere Gegenstände schaut. Aber was sich im inneren Erleben zeigt, daß das Meditieren von Erfolg begleitet war, das ist, daß die Gedanken gewissermaßen dichter werden, daß sie nicht nur den Charakter tragen, den sie sonst haben, nämlich den des Abstrakten, sondern daß man in den Gedanken etwas erlebt, was ähnlich ist den Wachstumskräften, die einen vom kleinen Kinde zum erwachsenen Menschen gemacht haben, oder den Kräften, die täglich in einem tätig sind, wenn der Stoffwechsel den Leib versorgt.
[ 4 ] If such a meditation—which need only be brief each day—is repeated consistently, a state of mind will eventually arise that allows a person to feel quite clearly: Now you are living in an inner activity that has become detached from the physical body; now you are living in an activity that is different from when you engage your thinking, feeling, or volitional activity within the physical body. — What particularly strikes one here is that one clearly feels: one is living in a world separate from physical corporeality. — One gradually immerses oneself into the etheric world, and one senses this in that one’s own organism—the physical organism—assumes the character of a relative objectivity. One looks, as it were, at this physical organism from the outside, just as one otherwise looks at external objects from within this physical organism. But what becomes evident in one’s inner experience—that the meditation was successful—is that the thoughts, as it were, become denser; they do not merely retain the character they usually have, namely that of the abstract, but that one experiences something in the thoughts that is similar to the forces of growth that have transformed one from a small child into an adult, or to the forces that are at work within one daily when metabolism sustains the body.
[ 5 ] Das Denken nimmt durchaus einen realen Charakter an. Und gerade weil das Denken einen realen Charakter annimmt, so daß man sich jetzt in dem Denken fühlt, wie man sich früher in seinen Wachstumsprozessen oder in seinen Lebensprozessen gefühlt hat, gerade aus dem Grunde muß dieses imaginative Denken auf die eben beschriebene Art erworben sein. Denn wenn man es so erworben hätte, daß Unbewußtes, vielleicht sogar Körperliches beim Meditieren mitgespielt hätte, so würden jene Kräfte, jene Realitäten, die man jetzt im übersinnlichen Denken erlebt, auch wiederum zurückspielen in den physischen und in den ätherischen menschlichen Organismus. Sie würden sich dort vereinigen mit den Wachstumskräften, mit den Ernährungskräften und man würde, indem man dann in einem solchen realen Denken verharrt, seinen physischen und seinen ätherischen Organismus verändern. Das darf aber auf keine Weise sein! Alle Tätigkeit, die man zum Ziele dieser imaginativen Erkenntnis ausführt, alle diese Kräfte müssen lediglich angewendet werden auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt und sie dürfen in keiner Weise eingreifen in den physischen oder ätherischen Organismus. Diese beiden müssen völlig unverändert bleiben, so daß der Mensch, wenn er sich eine dahingehende Fähigkeit erwirbt, indem er jetzt gewissermaßen mit seinem Denken in der ätherischen Welt schwebt, zurückblickt mit seinem Denken auf seinen unveränderten physischen Leib. Der ist so geblieben, wie er war; da greift dieses ätherische Denken nicht ein.
[ 5 ] Thinking certainly takes on a real character. And precisely because thinking takes on a real character—so that one now feels oneself within the act of thinking just as one once felt oneself during one’s growth processes or life processes—it is for this very reason that this imaginative thinking must be acquired in the manner just described. For if one had acquired it in such a way that the unconscious—perhaps even the physical—had played a role during meditation, then those forces, those realities that one now experiences in supersensible thinking, would in turn exert an influence on the physical and etheric human organism. They would unite there with the forces of growth and the forces of nutrition, and by persisting in such “real” thinking, one would alter one’s physical and etheric organisms. But this must not happen under any circumstances! All activity undertaken for the purpose of this imaginative insight, all these forces, must be applied solely to the relationship between the human being and their environment, and they must not in any way interfere with the physical or etheric organism. These two must remain completely unchanged, so that when a person acquires the ability to, as it were, float with their thinking in the etheric world, they look back with their thinking upon their unchanged physical body. It has remained as it was; this etheric thinking does not interfere with it.
[ 6 ] Man fühlt sich also mit diesem ätherischen Denken ganz außerhalb seines physischen Leibes, aber es muß dieses Außerhalbstehen stets durch freie Willkür wieder abgewechselt werden können mit dem völligen Drinnenstehen im physischen Organismus. Wer in der richtigen Weise durch Meditation das imaginative Erkennen herbeigeführt hat, der muß in dem einen Augenblick in diesem ätherischen Denken sein können, das sich innerlich wie ein Wachstums-, wie ein Ernährungsprozeß erlebt und sich durchaus wie etwas Reales innerlich fühlt, und er muß im nächsten Augenblicke wieder, indem dieses Denken verschwindet, zurückkehren können in seinen physischen Leib und mit seinen Augen so sehen können, wie er gewöhnlich sieht, muß mit seinen Ohren so hören können, wie er sonst hört, muß so tasten können wie sonst. Dieses in völlig freier Willkür mögliche Hin- und Herschweben zwischen einem Sein im physischen Leibe und außerhalb desselben im Ätherischen muß stets herbeigeführt werden können. Dann ist ein richtiges imaginatives Denken erreicht. Wie das nun wirkt, möchte ich im zweiten Teile des Vortrages darlegen.
[ 6 ] With this ethereal thinking, one feels completely outside one’s physical body; however, it must always be possible to alternate this state of being outside—through free will—with being completely within the physical organism. Anyone who has correctly brought about imaginative perception through meditation must be able, in one moment, to be in this etheric thinking—which is experienced inwardly as a process of growth and nourishment and feels entirely real within— and in the very next moment, as this thinking fades, must be able to return to his physical body and see with his eyes as he normally does, hear with his ears as he normally does, and feel with his hands as he normally does. This free-will ability to float back and forth between being in the physical body and outside of it in the etheric realm must always be achievable. Then true imaginative thinking has been attained. I would like to explain how this works in the second part of the lecture.
[ 7 ] Für den, der ein Geistesforscher werden will, ist notwendig, daß er lange Zeit hindurch in systematischer Weise die mannigfaltigsten Übungen durchmacht. Durch das, was ich soeben prinzipiell angedeutet habe, wird man aber immerhin dazu kommen, das ätherische Denken so weit zu erleben, daß man das, was ein Geistesforscher an Aussagen macht, kontrollieren kann, obwohl diese Kontrolle auch durch den gewöhnlichen gesunden Menschenverstand durchaus möglich ist, wenn er nur unbefangen und vorurteilslos genug ist.
[ 7 ] For anyone who wishes to become a spiritual researcher, it is essential that they systematically undergo a wide variety of exercises over a long period of time. However, through what I have just outlined in principle, one will eventually come to experience etheric thinking to such an extent that one can verify the statements made by a spiritual researcher—although such verification is also entirely possible through ordinary common sense, provided one is sufficiently open-minded and free of prejudice.
[ 8 ] Man muß das Meditieren, wenn es in der richtigen Weise zu einem Erfolg führen soll, unterstützen durch gewisse andere Seelenübungen. Vor allen Dingen müssen immer mehr und mehr solche Seeleneigenschaften ausgebildet werden wie Charakterstärke, innere Wahrhaftigkeit, eine gewisse Seelenruhe und vor allen Dingen eine völlige Besonnenheit. Das muß immer wiederholt werden: eine Besonnenheit, die sowohl die Meditationsübungen selbst wie dann auch alles, was in ihrer Folge als exaktes Hellsehen unternommen wird, in einer solchen Seelenstimmung und Seelenverfassung verrichten läßt, wie man beim Mathematisieren ist. Wenn man solche Eigenschaften wie Charakterstärke, innere Wahrhaftigkeit, Besonnenheit, eine gewisse Seelenruhe gewohnheitsmäßig hat, dann ist der Meditationsvorgang imstande, wenn er immer wieder wiederholt wird — bei dem einen dauert es nach seinen Anlagen vielleicht nur wenige Wochen, bei manchem kann es Jahre dauern —, seine Ergebnisse dem ganzen physischen und ätherischen Menschenorganismus einzuprägen, so daß der Mensch wirklich zu einer solchen inneren Tätigkeit im imaginativen Erkennen kommt, wie er sonst in einer Tätigkeit ist durch seinen physischen Leib im sinnlichen Anschauen der Welt und im Denken durch den Körper.
[ 8 ] If meditation is to lead to success in the proper way, it must be supported by certain other spiritual exercises. Above all, one must increasingly cultivate such spiritual qualities as strength of character, inner truthfulness, a certain inner calm, and, above all, complete composure. This must be repeated again and again: a level-headedness that allows both the meditation exercises themselves and everything that follows as precise clairvoyance to be performed in a state of mind and spiritual disposition similar to that experienced when doing mathematics. If one habitually possesses qualities such as strength of character, inner truthfulness, composure, and a certain inner calm, then the meditative process—when repeated over and over—is capable of imprinting its results on the entire physical and etheric human organism; for some, depending on their aptitudes, this may take only a few weeks, for others it may take years—to imprint its results on the entire physical and etheric human organism, so that the person truly attains a form of inner activity in imaginative cognition similar to the activity they otherwise engage in through their physical body in the sensory perception of the world and through the body in thinking.
[ 9 ] Wenn der Mensch ein solches imaginatives Erkennen erlangt hat, dann ist er zunächst imstande, den eigenen Lebenslauf, den er von Kindheit auf bis zum gegenwärtigen Augenblicke durchlebt hat, wie in einer Einheit, wie in einem Zeittableau zu überschauen. Man hat ein fortwährendes innerlich bewegtes Werdendes vor sich als seinen eigenen Lebenslauf. Das ist aber, indem man durch das imaginative Erkennen diesen Lebenslauf jetzt betrachtet, nicht etwa gleich dem, was man sonst wie Erinnerung an das Leben vor sich hat, sondern was man nun vor sich hat, ist so real, wie eben die Wachstums-, die Lebenskräfte sind, die aus dem Körper des kleinen Kindes heraus die ganze seelische Konfiguration treiben, dann im weiteren Verlaufe das Denken und so weiter treiben. Alles, was sich da innerlich herausarbeitet, was die Entwickelung des ätherischen Organismus des Menschen im Laufe des Lebens ist, das überschaut man. Von dem, was man so überschaut und was viel realer ist als das Tableau der Erinnerungen, von dem sind die Erinnerungen, die in das gewöhnliche Bewußtsein eintreten, nur wie eine Art Abglanz, wie eine obere Welle, die aufgeworfen wird von Tiefenvorgängen, in die man jetzt eindringt, Tiefenvorgängen des Lebens, ätherischen Vorgängen, die sonst gar nicht ins Bewußtsein eintreten, uns aber gestalten, formen, uns im Leben werden lassen von unserer Geburt bis zum gegenwärtigen Augenblick.
[ 9 ] Once a person has attained this kind of imaginative insight, they are first able to survey the course of their own life—from childhood to the present moment—as a unified whole, as a tableau of time. One sees before oneself a continuous, inwardly dynamic process of becoming as one’s own life course. But when one now views this life course through imaginative cognition, it is not at all like what one otherwise has before one as a memory of life; rather, what one now has before one is as real as the very forces of growth and life that drive the entire soul configuration out of the body of the small child, and then, in the further course of life, drive thinking and so on. One surveys everything that is taking shape inwardly—the development of the human etheric organism over the course of life. Compared to what one surveys in this way—and which is far more real than the tableau of memories—the memories that enter ordinary consciousness are merely a kind of reflection, like a surface wave set in motion by deep processes into which one is now penetrating—deep processes of life, etheric processes that otherwise do not enter consciousness at all, but which shape and form us, allowing us to become who we are in life from our birth to the present moment.
[ 10 ] Diese Tatsachen, diese Prozesse treten vor dem imaginativen Bewußtsein auf. Das gibt dem Menschen eine wirkliche Selbsterkenntnis zunächst seines irdischen Lebens. Wie man zur Selbsterkenntnis des außerirdischen Lebens kommt, wird sich uns noch in den nächsten Tagen zeigen. Denn eigentlich besteht der erste Schritt des übersinnlichen Erkennens darin, daß einem das eigene Ätherleben, wie man es von der Kindheit bis zum gegenwärtigen Augenblick verbracht hat, in seinem übersinnlichen Charakter entgegentritt. Man lernt sich dadurch erst richtig verstehen, und was man auf diese Weise erlebt, das spiegelt sich wiederum durch den eigenen physischen und ätherischen Organismus so, daß man in dem, was man auf diese Weise als die eigenen ätherischen Vorgänge erlebt, etwas hat, was einem zeigt, wie der gesamte ätherische Kosmos sich im einzelnen Menschen auslebt, wie die äußere ätherische Welt, ich möchte sagen, weiter wellt und schwingt in dem ätherischen Organismus des Menschen.
[ 10 ] These facts, these processes, appear before the imaginative consciousness. This gives human beings a true self-knowledge, beginning with their earthly life. How one arrives at self-knowledge of one’s extraterrestrial life will become clear to us in the coming days. For in fact, the first step in supersensible cognition consists in one’s own etheric life—as one has lived it from childhood to the present moment—appearing before one in its supersensible character. Only through this does one truly come to understand oneself, and what one experiences in this way is in turn reflected through one’s own physical and etheric organism in such a way that, in what one experiences as one’s own etheric processes, one has something that shows how the entire etheric cosmos manifests itself within the individual human being—how the outer etheric world, I would say, continues to undulate and vibrate within the human etheric organism.
[ 11 ] Jetzt kann man sagen, daß man das, was man so erlebt, in sprachlich-begriffliche Form kleiden kann, und aus dem imaginativen Erleben der Welt in dem ätherischen Menschen kann eine wahre Philosophie entstehen. Was man so erlebt, bleibt aber für das gewöhnliche Bewußtsein durchaus unbewußt. Voll in dieser Tätigkeit, in die sich da der Mensch durch das imaginative Erkennen einfügt, lebt eigentlich nur das ganz kleine Kind, bevor es sprechen gelernt hat. Denn indem es sprechen lernt, indem sich die Sprache im Seelenleben herausbildet, sondern sich aus den allgemeinen Wachstums- und sonstigen Lebenskräften jene Kräfte ab, die dann als abstraktes Denken erlebt werden. Das Kind hat dieses abstrakte Denken noch nicht. Die Metamorphose eines Teiles der Wachstums- und Lebenskräfte zu Denkkräften hat sich noch nicht vollzogen. Daher ist das Kind gegenüber dem Kosmos in einer Tätigkeit, in die man sich wieder zurückversetzt fühlt durch das imaginative Erkennen, nur, daß das Kind es unbewußt erlebt. Der imaginative Denker erlebt es vollbewußt in klarer Besonnenheit.
[ 11 ] Now one might say that what one experiences in this way can be expressed in linguistic and conceptual terms, and that a true philosophy can arise from the imaginative experience of the world within the ethereal human being. However, what one experiences in this way remains entirely unconscious to ordinary consciousness. Only the very young child, before it has learned to speak, truly lives fully within this activity into which the human being enters through imaginative cognition. For as the child learns to speak, and as language develops within the soul life, certain forces are drawn off from the general forces of growth and other life forces—forces that are then experienced as abstract thinking. The child does not yet possess this abstract thinking. The metamorphosis of a portion of the forces of growth and life into powers of thought has not yet taken place. Therefore, the child is engaged in an activity toward the cosmos—an activity into which one feels transported once again through imaginative cognition—except that the child experiences it unconsciously. The imaginative thinker experiences it fully consciously with clear composure.
[ 12 ] Für den Menschen, der nicht das imaginative Denken erringt, ist es unmöglich, dasjenige zu überschauen, was da spielt zwischen dem menschlichen ätherischen Organismus und dem Ätherischen im Kosmos. Das Kind kann es nicht schauen, obwohl es das unmittelbar erlebt, weil es noch kein abstraktes Denken hat; der Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein kann es nicht schauen, weil er sein abstraktes Denken noch nicht durch Meditation vertieft hat. Vertieft er es durch Meditation, dann schaut er vollbewußt im Grunde genommen jenes Wechselspiel des ätherischen menschlichen Organismus mit dem Ätherischen im Kosmos, in dem noch ungeteilt das ganz kleine Kind lebt. Und so möchte man den paradoxen Satz aussprechen: Der allein ist ein wirklicher Philosoph, der als reifer Mensch wiederum in seiner Seelenverfassung zum ganz kleinen Kinde werden kann, der aber die Gabe sich erworben hat, diese Seelenverfassung des kleinen Kindes in einem wacheren Zustande zu erleben, als das Wachsein des gewöhnlichen Bewußtseins ist, und wiederum heraufzuholen in sein ganzes Seelenleben das, was man war als ganz kleines Kind, bevor man durch die Sprache zum abstrakten Denken übergegangen ist. — Und das, was man so erlebt, vollbewußt zu überschauen, das gibt den Philosophen der modernen Zeit. Der Philosoph der modernen Zeit lebt in der — vollbewußten — Verfassung des ganz kleinen Kindes, bevor es sprechen gelernt hat.
[ 12 ] For a person who has not attained imaginative thinking, it is impossible to grasp what is taking place between the human etheric organism and the etheric in the cosmos. A child cannot perceive it, even though it experiences it directly, because it does not yet possess abstract thinking; the person with ordinary consciousness cannot perceive it because they have not yet deepened their abstract thinking through meditation. If they deepen it through meditation, then they perceive—in a fully conscious way—that interplay between the human etheric organism and the etheric in the cosmos, in which the very young child still lives undivided. And so one might utter this paradoxical statement: The only true philosopher is the one who, as a mature human being, can once again become, in his or her state of mind, a very young child, but who has acquired the gift of experiencing this state of mind of the young child in a more awakened state than the waking state of ordinary consciousness, and to bring back into one’s entire soul life what one was as a very young child, before one had transitioned to abstract thinking through language. — And to survey what one experiences in this way with full consciousness—that is what defines the philosopher of the modern age. The philosopher of the modern age lives in the—fully conscious—state of the very young child before it has learned to speak.
[ 13 ] Das ist das Paradoxe, was, wie ich denke, ganz besonders deutlich machen kann, wie sich die Menschenseele tatsächlich innerhalb des modernen Geisteslebens zu einer wirklichen, realen philosophischen Seelenverfassung aufschwingen wird.
[ 13 ] This is the paradox that, I believe, can illustrate particularly clearly how the human soul will indeed rise within modern intellectual life to a genuine, real philosophical state of mind.
[ 14 ] Zu einer vollständigen übersinnlichen Erkenntnis ist notwendig die Erweiterung der meditativen Übungen zu demjenigen, was zur Inspiration führen kann. Man kommt dazu, wenn man nicht nur jenes Ruhen der Seele auf Vorstellungskomplexen übt, wie es bisher beschrieben worden ist, sondern wenn man — prinzipiell ist das auch schon in diesen Tagen erwähnt worden — auch das Fortschaffen solcher durch Meditation oder infolge der Meditation ins Bewußtsein getretener Bilder vermag. So, wie man durch völlig freie Willkür die Bilder des imaginativen Erkennens herbeigeführt hat, muß man auch in die Lage kommen, diese Bilder wiederum aus dem Bewußtsein, aus dem Seelenleben fortzuschaffen. Es ist eine größere Energie der Seele notwendig, um Bilder, die entweder durch das meditative Leben oder infolge desselben auftreten, wieder fortzuschaffen, als etwa, um Vorstellungen fortzuschaffen, die ins Bewußtsein eingetreten sind entweder aus dem Gedächtnis heraus oder aus der gewöhnlichen sinnlichen Anschauung. Man braucht mehr Kraft, um meditative Vorstellungen, imaginative Bilder aus dem Bewußtsein fortzuschaffen als solche gewöhnliche Vorstellungen. Aber diese stärkere Kraft, welche die Seele anwenden muß, ist notwendig zum Fortschreiten in der übersinnlichen Erkenntnis.
[ 14 ] To attain complete supersensible knowledge, it is necessary to expand one’s meditative exercises to include those practices that can lead to inspiration. This is achieved not only by practicing the resting of the soul on complexes of imagination, as has been described so far, but also—as has already been mentioned in principle in these lectures—by being able to remove from consciousness those images that have entered it through meditation or as a result of meditation. Just as one has brought about the images of imaginative cognition through completely free will, one must also be able to remove these images from consciousness, from the life of the soul. It requires greater energy of the soul to dispel images that arise either through the meditative life or as a result of it than, for example, to dispel mental images that have entered consciousness either from memory or from ordinary sensory perception. It takes more strength to remove meditative ideas and imaginative images from consciousness than it does to remove such ordinary ideas. But this greater strength, which the soul must exert, is necessary for progress in supersensible knowledge.
[ 15 ] Man erlangt diese Kraft, indem man sich immer mehr und mehr bemüht, wenn die imaginativen Bilder aufgetreten sind, das Bewußtsein davon frei zu machen und nichts anderes ins Bewußtsein eintreten zu lassen. Dadurch tritt das auf, was man nennen kann, ein bloßes Wachsein, ohne daß irgendein Seeleninhalt da ist. Dieses bloße Wachsein führt dann zur Inspiration. Denn wenn die Seele auf diese Weise durch die starke Kraft ihrer Selbstbefreiung von imaginativen Bildern zum leeren Bewußtsein gekommen ist, dann strömen die geistigen Inhalte des Kosmos in diese leergewordene aber wache Seele ein. Dann hat man nach und nach vor sich und um sich einen geistigen Kosmos, wie man als sinnlicher Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein einen physisch-sinnlichen Kosmos um sich hat.
[ 15 ] One attains this power by striving more and more, once the imaginative images have appeared, to free one’s consciousness of them and not allow anything else to enter consciousness. As a result, what might be called a state of mere wakefulness arises, devoid of any inner content. This mere wakefulness then leads to inspiration. For when the soul has attained this empty state of consciousness in this way—through the powerful force of its self-liberation from imaginative images—the spiritual contents of the cosmos flow into this soul, which has become empty yet remains awake. Then, little by little, one has before and around oneself a spiritual cosmos, just as a sensory human being in ordinary consciousness has a physical-sensory cosmos around oneself.
[ 16 ] Das, was man jetzt im geistigen Kosmos erlebt, stellt sich einem so dar, daß es auf dasjenige zurückweist, was man in der Sinneswelt erlebt hat. Man hat in der Sinneswelt erlebt Sonne, Mond, Planeten, Fixsterne und anderes Tatsächliches eben der physisch-sinnlichen Welt. Indem man jetzt den geistigen Kosmos aufzufassen vermag durch das leergewordene Bewußtsein, indem man die Inspiration durchmacht, erlebt man die Offenbarung des geistigen Wesens der Sonne, die Offenbarungen des geistigen Wesens des Mondes, des geistigen Wesens der Planeten und der Fixsterne. Und wiederum muß es so sein, daß der Mensch in freier Willkür das, was er im Geistigen als Kosmos erlebt, zurückbeziehen kann auf das, was er durch seinen physischen Leib als physisch-sinnlichen Kosmos erlebt hat. Man muß sagen können: Ich erlebe jetzt ein geistiges Wesenhaftes, das sich offenbart; das muß ich beziehen als den Sonnengeist auf das, was ich in der physisch-sinnlichen Welt als die physisch-sinnliche Sonne erlebe; und ich erlebe ein geistig-seelisches Wesen, das sich offenbart, und ich muß es als das geistige Wesen des Mondes zurückbeziehen können auf das, was ich in der physisch-sinnlichen Welt als den Mond erlebe und so weiter.
[ 16 ] What one now experiences in the spiritual cosmos presents itself in such a way that it points back to what one has experienced in the sensory world. In the sensory world, one has experienced the sun, the moon, the planets, the fixed stars, and other realities of the physical-sensory world. By now being able to perceive the spiritual cosmos through a consciousness that has been emptied, by undergoing inspiration, one experiences the revelation of the spiritual essence of the sun, the revelations of the spiritual essence of the moon, the spiritual essence of the planets, and the fixed stars. And again, it must be the case that a person can, of their own free will, relate what they experience in the spiritual realm as the cosmos back to what they have experienced through their physical body as the physical-sensory cosmos. One must be able to say: I am now experiencing a spiritual essence that is revealing itself; I must relate this, as the Sun Spirit, to what I experience in the physical-sensory world as the physical-sensory Sun; and I experience a spiritual-soul being that is revealing itself, and I must be able to relate it, as the spiritual being of the Moon, to what I experience in the physical-sensory world as the Moon, and so on.
[ 17 ] Wiederum muß der Mensch frei sich hin- und herbewegen können, aber indem er gleichzeitig in der geistigen Welt und in der physisch-sinnlichen drinnen ist. Er muß sich mit seinem Seelenleben frei hin- und herbewegen können zwischen den geistigen Offenbarungen des Kosmos und zwischen dem, was er als physisch-sinnliche Offenbarungen innerhalb des physischen Erdenlebens zu erleben gewohnt ist. Wenn man so das Geistige der Sonne bezieht auf das Physische der Sonne, das Geistige des Mondes auf das Physische des Mondes und so weiter, so ist das ein ähnlicher Seelenvorgang, als er etwa vorliegt, wenn man eine neue Wahrnehmung hat und sich an etwas erinnert, was man früher erlebt hat. Wie man etwas, was einem in einer neuen Wahrnehmung entgegentritt, um es sich zu verdeutlichen, mit dem zusammenbringt, was man schon erlebt hat, so bringt man im wirklich freien inspirativen Leben dasjenige, was man als Offenbarungen kosmischer geistiger Wesenheiten erlebt, mit dem zusammen, was man innerhalb der physisch-sinnlichen Welt erlebt hat. Es ist hier so, als ob das Erleben im Geistigen neue Ahnungen gäbe an das, was man früher in der Sinneswelt durch seinen physischen Leib erlebt hat. Und man muß die volle Besonnenheit haben, diesen höheren Grad der übersinnlichen Erkenntnis, der etwas Überwältigendes hat, in derselben ruhigen Seelenverfassung zu erleben wie das Zusammenbringen einer neuen Wahrnehmung mit einer alten Erinnerung.
[ 17 ] Once again, human beings must be able to move freely back and forth, while at the same time being present in both the spiritual world and the physical-sensory world. They must be able to move freely with their soul life back and forth between the spiritual revelations of the cosmos and what they are accustomed to experiencing as physical-sensory revelations within physical life on Earth. When one relates the spiritual aspect of the Sun to the physical aspect of the Sun, the spiritual aspect of the Moon to the physical aspect of the Moon, and so on, this is a soul process similar to the one that occurs, for example, when one has a new perception and recalls something one has experienced before. Just as one brings together something that one encounters in a new perception—in order to clarify it for oneself—with what one has already experienced, so too, in a truly free, inspirational life, one brings together what one experiences as revelations from cosmic spiritual beings with what one has experienced within the physical-sensory world. It is as if the experience in the spiritual realm were to give rise to new intuitions about what one has previously experienced in the sensory world through one’s physical body. And one must possess the full composure to experience this higher degree of supersensory knowledge—which has something overwhelming about it—with the same calm state of mind as when bringing a new perception into connection with an old memory.
[ 18 ] Dieses Erleben durch Inspiration unterscheidet sich ganz wesentlich von demjenigen, was man früher hat haben können als bloße Imagination. Mit der Imagination lebt man in der ätherischen Welt. Man fühlt sich in dieser ätherischen Welt so lebend, wie man sich sonst in seinem physischen Leibe gefühlt hat. Aber man fühlt die ätherische Welt als eine Summe von allerdings mehr rhythmischen Vorgängen, als ein Vibrieren im Weltenäther, das man aber durchaus in Begriffen, in Ideen zu deuten in der Lage ist. Man fühlt eben im ätherisch-imaginativen Erleben ein Allgemeingeschehen, man fühlt übersinnliche, ätherische Tatsachen. In der Inspiration fühlt man nicht bloß solche ätherische übersinnliche Tatsachen, die ineinander übergehen, sich metamorphosieren, die auch alle möglichen Formen annehmen, sondern jetzt fühlt man durch die Inspiration, wie in dieser ätherischen wogenden Welt, in dieser rhythmisch vibrierenden Welt wie auf den Wellen eines ätherischen Weltenmeeres wirkliche Wesenheiten schweben und sich betätigen. Man fühlt so, was einen an die Sonne erinnert, was an den Mond, an die Planeten und Fixsterne erinnert und auch an die physischen Erdendinge erinnert, an Mineralien und Pflanzen, und das alles in dem Weltenäther drinnen.
[ 18 ] This experience through inspiration differs quite significantly from what one might previously have regarded as mere imagination. Through imagination, one lives in the etheric world. In this etheric world, one feels as alive as one otherwise felt in one’s physical body. But one perceives the etheric world as a sum of processes that are, admittedly, more rhythmic—a vibration in the world-ether—which one is, however, fully capable of interpreting in terms of concepts and ideas. In the etheric-imaginative experience, one perceives a general process; one perceives supersensible, etheric realities. In inspiration, one does not merely sense such ethereal, supersensible facts that merge into one another, undergo metamorphosis, and take on all manner of forms; rather, through inspiration, one now senses how, in this undulating ethereal world—this rhythmically vibrating world—as if on the waves of an ethereal cosmic ocean, real beings float and are active. One thus perceives what reminds one of the sun, what of the moon, of the planets and fixed stars, and also of physical earthly things, of minerals and plants—and all of this within the world ether.
[ 19 ] So fühlt man den astralischen Kosmos. Was man hier in der physisch-sinnlichen Welt nur seiner Außenseite nach hat, das erkennt man jetzt wieder in seinem geistigen Dasein, wesenhaft. Und man erlangt auch eine Anschauung von der inneren Wesenheit des menschlichen Organismus, sowohl der ganzen Form des menschlichen Organismus wie der Formen der einzelnen Organe, Lunge, Herz, Leber und so weiter. Denn alles, was dem menschlichen Organismus Form und Leben gibt, das rührt nicht bloß — das sieht man jetzt — von dem her, was draußen im physischen Kosmos um uns herum ist und tätig ist, sondern es rührt von dem her, was innerhalb dieses physischen Kosmos als geistige Wesenheiten — als Sonnenwesenheit, Mondwesenheit, als Tier- und Pflanzenwesenheiten — das physische Geschehen und das ätherische Geschehen durchseelt und durchgeistigt, und was dann so wirkt, daß es dem menschlichen Organismus Leben und Form gibt. Man begreift die Form und das Leben des physischen Organismus erst dann, wenn man zur Inspiration aufgestiegen ist.
[ 19 ] This is how one perceives the astral cosmos. What we experience here in the physical-sensory world only in its outward form, we now recognize again in our spiritual existence, in its essential nature. And we also gain insight into the inner essence of the human organism—both the overall form of the human organism and the forms of the individual organs: the lungs, the heart, the liver, and so on. For everything that gives the human organism form and life does not stem merely—as one now sees—from what is outside in the physical cosmos around us and is active there, but rather from what exists within this physical cosmos as spiritual beings—as the Solar Being, lunar beings, and animal and plant beings—that animates and spiritualizes physical and etheric processes, and which then acts in such a way as to give the human organism life and form. One can only understand the form and life of the physical organism once one has risen to the level of inspiration.
[ 20 ] Was man da erlebt, das bleibt dem gewöhnlichen Bewußtsein vollständig verborgen. Das würde man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nur wahrnehmen können, wenn man nicht nur durch seine Augen sehen, mit seinen Ohren hören, mit seinem Geschmacksorgan schmecken könnte, sondern wenn der Atmungsprozeß, das Ein- und Ausatmen, ein Wahrnehmungsvorgang wäre, wenn wir im Ein- und Ausströmen des Atems so etwas hätten wie einen Wahrnehmungsvorgang, in dem wir innerlich im ganzen Organismus das Ein- und Ausströmen der Atemluft erleben würden. Weil das so ist, hat eine gewisse orientalische Schule, die Jogaschule, das Atmen zu einem Erkenntnisprozeßß umgebildet, in einen Wahrnehmungsprozeß metamorphosiert. Dadurch, daß die Jogaphilosophie das Atmen zu einem bewußten, wenn auch halb träumerischen Erkenntnisprozeß umbildet, also im Atmungsprozeß etwas erleben will, wie wir es im Sehen und Hören erleben, dadurch bildet sie in der Tat eine Kosmologie aus, eine Einsicht, wie die geistigen Wesenheiten des Kosmos in den Menschen hereinwirken, und wie sich der Mensch als ein Glied des geistigen Kosmos erlebt. Aber solche Jogavorschriften auszuüben, widerspricht derjenigen Form der menschlichen Organisation, welche die abendländische Menschheit in der Gegenwart angenommen hat. Solche Jogaübungen waren der menschlichen Organisation nur in einem älteren Zeitabschnitt möglich, und was heute Jogis ausführen, ist im Grunde genommen schon in der Dekadenz.
[ 20 ] What one experiences there remains completely hidden from ordinary consciousness. One would only be able to perceive this with ordinary consciousness if one could not only see through one’s eyes, hear with one’s ears, and taste with one’s sense of taste, but if the process of breathing—inhaling and exhaling— were a process of perception—if, in the inflow and outflow of the breath, we had something like a process of perception in which we would experience the inflow and outflow of the breath internally throughout the entire organism. Because this is the case, a certain Eastern school—the school of yoga—has transformed breathing into a process of cognition, metamorphosing it into a process of perception. By transforming breathing into a conscious, if somewhat dreamlike, process of cognition—that is, by seeking to experience something in the breathing process similar to what we experience in seeing and hearing— it thereby effectively develops a cosmology—an insight into how the spiritual entities of the cosmos work within the human being, and how the human being experiences himself as a member of the spiritual cosmos. But practicing such yoga disciplines contradicts the form of human organization that Western humanity has adopted in the present day. Such yoga exercises were possible for the human organism only in an earlier era, and what yogis practice today is, in essence, already a form of decadence.
[ 21 ] Für einen ganz bestimmten, ich möchte sagen mittleren Zeitraum der Erdenmenschheitsentwickelung war es sozusagen der menschlichen Organisation angemessen, durch solche Jogaübungen den Atmungsprozeß zu einem Bewußtseins-, Erkenntnisprozeß zu machen und auf diese Art eine traumhafte, aber immerhin geltende Kosmologie auszubilden. Was in jener Zeitepoche für die damals gebildete, im damaligen Sinne wissenschaftliche Menschheit zu einer richtigen Kosmologie geführt hat, das muß auf einer höheren Stufe von dem gegenwärtigen Menschen mit seiner körperlichen und seelischen Verfassung wiederum erreicht werden, aber nicht in jenem halb träumerischen, halb unbewußten Zustande wie damals, sondern in vollbewußter Art, wie ich es beschrieben habe, als ich über die Inspiration sprach. Würde der abendländische Mensch Jogaübungen ausführen, so würde er unter allen Umständen — eben wegen seiner ganz anderen Organisation — mit solchen Atmungsübungen seine physische und seine ätherische Organisation nicht unberührt lassen, sondern verändern. Und in seinen Erkenntnisprozeß träte das hinein, was aus seinem physischen und ätherischen Organismus käme und was sich als ein Unobjektives in die Kosmologie hineinmischen würde. Aber geradeso wie man als Philosoph die allererste Kindheit in das Seelenleben wiederum heraufholen muß, aber sie vollbewußt durchschauen muß, so muß man jene Seelenverfassung, die für die Menschheit in bezug auf Kosmologie geltend war, als das Jogasystem sich anwenden ließ, wieder in das Seelenleben heraufrufen, aber man muß sie in voller Besonnenheit erleben, im Vollbewußtsein, in einem höheren Wachen, als das gewöhnliche Wachen ist.
[ 21 ] For a very specific—I would say intermediate—period in the development of humanity on Earth, it was, so to speak, appropriate to the human constitution to use such yoga exercises to transform the breathing process into a process of consciousness and insight, and in this way to develop a dreamlike, yet nonetheless valid, cosmology. What led to a correct cosmology in that epoch for the educated humanity of the time—which was scientific in the sense of that era—must be achieved once again at a higher level by present-day human beings with their physical and soul constitutions; but not in that half-dreamlike, half-unconscious state as in the past, but in a fully conscious manner, as I described when I spoke of inspiration. If Westerners were to perform yoga exercises, they would—precisely because of their entirely different constitution—under all circumstances alter their physical and etheric constitutions through such breathing exercises, rather than leaving them unaffected. And into their process of cognition would enter that which comes from their physical and etheric organism and which would intrude into cosmology as something non-objective. But just as a philosopher must bring the very earliest childhood back into the life of the soul—yet must see through it with full consciousness—so too must one recall into the life of the soul that state of mind which prevailed for humanity in relation to cosmology when the yoga system was practiced, but one must experience it with complete composure, in full consciousness, in a state of wakefulness higher than ordinary wakefulness.
[ 22 ] So kann man also sagen: Der moderne Philosoph muß im vollerwachten Zustande die kindliche Seelenverfassung des einzelnen Menschen wieder heraufrufen in seine Seelenverfassung, und der Kosmologe im modernen Sinne muß die Seelenverfassung einer mittleren Epoche der Erdenmenschheitsentwickelung wieder heraufrufen, aber jetzt wiederum im vollbewußten Zustande. Einen individuellen Seelenzustand muß zur Vollbewußtheit bringen der moderne Philosoph. Ein Seelenzustand, der einmal bei den Kosmologen einer früheren Menschheit da war, er muß in vollbewußter Art heraufgerufen werden von dem modernen Kosmologen. Kind werden in vollbewußtem Zustande, bedeutet Philosoph sein. Jogamensch, wie er einmal im Verlaufe der ganzen Menschheitsentwickelung in einem mittleren Zeitraum leben konnte, das Wiederheraufrufen dieses Zustandes und dessen Verwandlung in Vollbewußtheit, bedeutet im heutigen Sinne Kosmologe werden.
[ 22 ] So one might say: The modern philosopher must, in a state of full wakefulness, evoke the childlike state of mind of the individual human being within his own state of mind, and the cosmologist in the modern sense must evoke the state of mind of a middle epoch in the development of humanity on Earth, but now, in turn, in a state of full consciousness. The modern philosopher must bring an individual state of soul to full consciousness. A state of soul that once existed among the cosmologists of an earlier humanity must be evoked in a fully conscious manner by the modern cosmologist. To become a child in a fully conscious state means to be a philosopher. To be a yogi—as one might once have lived during a middle period in the course of humanity’s entire development—and to evoke this state once more and transform it into full consciousness means, in today’s sense, to become a cosmologist.
[ 23 ] Was es bedeutet, religiöser Mensch zu sein, möchte ich im letzten Teile schildern.
[ 23 ] In the final section, I would like to describe what it means to be a religious person.
[ 24 ] Ich habe gestern geschildert, wie die dritte Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die wahre Intuition, durch Willensübungen zu erreichen ist, durch solche Willensübungen, die Sie im genaueren nachlesen können in den gestern genannten Schriften, und die auch noch im einzelnen in den nächsten Tagen geschildert werden sollen. Hier wird der Mensch in eine Seelenverfassung gebracht, die als traumhafter Seelenzustand bei jener Menschheit vorhanden war, die als erste, als Urmenschheit, auf unserer Erde im Beginne der Menschheitsentwickelung lebte. Nur war bei dieser Urmenschheit eine traumhafte, eine halb unbewußte, instinktive Intuition vorhanden.
[ 24 ] Yesterday I described how the third stage of supersensible knowledge—true intuition—can be attained through exercises of the will, exercises which you can read about in more detail in the writings I mentioned yesterday, and which will also be described in detail over the next few days. Here, the human being is brought into a state of mind that existed as a dreamlike state of consciousness among that humanity which was the first—the primordial humanity—to live on our Earth at the beginning of human evolution. However, this primordial humanity possessed only a dreamlike, semi-unconscious, instinctive intuition.
[ 25 ] Diese Intuition muß der moderne Erkenner des religiösen Lebens wiederum zur Vollbewußtheit bringen. Die mehr instinktive Intuition der Urmenschheit tritt allerdings wie ein Nachklang noch bei einzelnen Menschen der Gegenwart auf, die das ausleben, was sie instinktiv-intuitiv in ihrer Umgebung als geistige Kräfte wahrnehmen, mit denen sie wie in der Außenwelt leben. Sie verwenden diese Intuitionen, die Nachklänge der traumhaften Intuitionen der Urmenschheit sind, im dichterischen, im künstlerischen Schaffen. Diese Intuitionen spielen auch eine Rolle bei dem, was erste wissenschaftliche Einfälle sind; sie spielen im heutigen Phantasieleben der Menschheit eine außerordentlich große Rolle.
[ 25 ] The modern scholar of religious life must once again bring this intuition to full consciousness. The more instinctive intuition of primeval humanity, however, still appears as an echo in certain individuals today who live out what they instinctively and intuitively perceive in their surroundings as spiritual forces with which they live, just as they do in the external world. They use these intuitions—which are echoes of the dreamlike intuitions of primeval humanity—in their poetic and artistic creations. These intuitions also play a role in what constitute initial scientific insights; they play an extraordinarily large role in humanity’s imaginative life today.
[ 26 ] Was hier als die wahre, vollbewußte Intuition beschrieben wird und was auf die gestern dargestellte Weise erreicht wird, ist etwas ganz anderes. Der Urmensch hatte ja eine ganz andere Seelenverfassung als der moderne Mensch. Er lebte gewissermaßen in der ganzen Außenwelt, in Wolken und Nebel, in Sternen, Sonne und Mond, in der Pflanzenwelt wie im Tierreich; er lebte in alledem fast mit derselben Intensität, wie er in seinem eigenen Leibe sich lebend fühlte. Es ist außerordentlich schwierig, diese Seelenverfassung der Urmenschheit heute wieder für das gewöhnliche Bewußtsein anschaulich zu machen. Aber alles, was äußerlich historisch erkannt werden kann, weist uns zurück auf eine solche Seelenverfassung der Urmenschheit. Sie war dadurch begründet, daß der Urmensch nun nicht eigentlich seine körperlichen Zustände so im Unbewußten liegen hatte wie wir modernen Menschen. Wir modernen Menschen leben nicht mehr mit unserer Ernährung, mit unserem Wachstum, mit den Vorgängen in unserem physischen Organismus. Ausgebreitet über dieses Erleben, das ganz im Unbewußten verbleibt, webt das mehr oder weniger bewußte Seelenleben in Wollen und Fühlen oder das ganz bewußte Seelenleben im Vorstellen. Aber unter dem, was wir da unmittelbar erleben als Vorstellen, Fühlen und Wollen, ist dasjenige, was der menschliche physische Organismus vollbringt und was dem gewöhnlichen Bewußtsein ganz unbewußt bleibt.
[ 26 ] What is described here as true, fully conscious intuition—and what is achieved in the manner described yesterday—is something entirely different. Primitive man, after all, had a completely different state of soul than modern man. He lived, so to speak, in the entire external world—in clouds and mist, in the stars, the sun, and the moon, in the plant world as well as in the animal kingdom; he lived in all of this with almost the same intensity with which he felt himself alive within his own body. It is extraordinarily difficult today to make this state of mind of early humanity vividly comprehensible to ordinary consciousness. But everything that can be recognized externally through history points us back to such a state of mind in early humanity. It was based on the fact that early humans did not actually have their physical conditions lying in the unconscious in the same way that we modern humans do. We modern humans no longer live in direct experience of our nutrition, our growth, or the processes within our physical organism. Overlaying this experience, which remains entirely in the unconscious, is the more or less conscious life of the soul in willing and feeling, or the fully conscious life of the soul in imagination. But beneath what we directly experience as imagination, feeling, and volition lies that which the human physical organism accomplishes and which remains entirely unconscious to ordinary consciousness.
[ 27 ] Beim Urmenschen war das wesentlich anders. Er erlebte als Kind nicht solche deutlichen Vorstellungen wie wir. Sein Vorstellen war vielfach fast träumerisch, und erst recht im Unbestimmten verschwimmend war sein Gefühlsleben, wenn auch vehement. Das Gefühlsleben der Seele war viel ähnlicher einem körperlichen Schmerz oder einer körperlichen Lust, als es heute beim modernen Menschen der Fall ist. Dafür aber fühlte es der Urmensch in der Kindheit, wie er wuchs. Er fühlte sein Wachsen als Leibes- und Seelenleben, und er fühlte noch als Erwachsener, wie die Nahrungsmittel in ihm ihre Wege im Stoffwechsel nehmen, wie das Blut zirkuliert und den Nahrungssaft durch den Organismus trägt. Wer mit einer Organisation ausgerüstet ist, wie ich sie gestern in ihrem Werden geschildert habe, kann auch heute noch eine Anschauung, wenn auch auf einer niederen Stufe, von diesem körperlichen Erleben des Urmenschen haben, wenn er beobachtet, wie, nachdem sie gegrast haben, Kühe liegen, die verdauen, die den Stoffwechsel in seiner besonderen Regsamkeit erleben. Es ist ein körperlich-seelisches Leben in diesen Wesen, das geradezu wie das Hineinschwingen und innerliche Aufleuchten von kosmischen Vorgängen erscheint. Sie erleben ein innerliches Wohlgefühl im Verdauen, im Ernähren, im Herumtragen der Nahrungsstoffe durch die Blutzirkulation, und man braucht nicht einmal Hellseher zu sein, um es der ganzen äußeren Verfassung, der Geste dieser Tiere anzusehen, wie sie mit ihrem Tierbewußtsein ihre Verdauung verfolgen.
[ 27 ] For early humans, things were quite different. As children, they did not experience such clear mental images as we do. Their imagination was often almost dreamlike, and their emotional life—though intense—was even more blurred and indefinite. The emotional life of the soul was much more akin to physical pain or physical pleasure than is the case with modern humans today. But in childhood, early humans felt themselves growing. They experienced their growth as a process involving both body and soul, and even as adults, they felt how food made its way through their metabolism, how the blood circulated and carried nutrients throughout the organism. Anyone endowed with an organism such as I described yesterday in its development can still today gain an insight—albeit at a lower level—into this physical experience of early humans by observing how, after grazing, cows lie down to digest, experiencing their metabolism in its particular liveliness. There is a physical-psychic life within these beings that appears almost like the resonating and inner radiance of cosmic processes. They experience an inner sense of well-being during digestion, during nourishment, and as nutrients are carried through the bloodstream; and one need not even be a clairvoyant to see from their entire outward demeanor and gestures how these animals follow their digestion with their animal consciousness.
[ 28 ] So verfolgte der Urmensch, als er in die Erdentwickelung eintrat, seine physischen Prozesse, die unmittelbar vereinheitlicht waren, eine Einheit bildeten mit den seelischen Prozessen. Dadurch, daß er sein eigenes physisches Innere so erlebte, konnte der Urmensch auch die Außenwelt fast ebenso intensiv körperlich-seelisch erleben, wie er sich, wenn ich mich so ausdrücken darf, in seiner Lunge, in seinem Herzen, in den Vorgängen des Magens, der Leber und so weiter fühlte. So fühlte er sich in dem zuckenden Blitze, in dem rollenden Donner, in der sich verwandelnden Wolke, in dem sich verändernden Mond. Er lebte da die Zeiträume mit, das Wachsen des Mondes, so wie er die Vorgänge seiner Verdauung erlebte. Es war ihm dieses Äußere fast so ein Inneres wie sein eigenes Innere. Und das, was man innerlich erlebte, war ihm so wie das, was er im dahinfließenden Strome und so weiter erlebte. Das Wellenspiel des Stromes war ihm ein innerlicher Vorgang, den er miterlebte, in den er untertauchte, wie er in seine eigene Blutzirkulation untertauchte.
[ 28 ] Thus, when early man entered into the Earth’s evolution, he experienced his physical processes, which were directly unified with—and formed a unity with—his soul processes. Because he experienced his own inner physical being in this way, primitive man was also able to experience the external world almost as intensely, both physically and psychically, as he felt—if I may put it this way—in his lungs, in his heart, in the processes of his stomach, liver, and so on. Thus he felt himself in the flickering lightning, in the rolling thunder, in the shifting cloud, in the changing moon. He lived through those periods of time—the waxing of the moon—just as he experienced the processes of his digestion. To him, this external world was almost as much an inner world as his own inner self. And what one experienced internally was to him like what he experienced in the flowing river and so on. The play of the river’s waves was an inner process for him, one he experienced firsthand, into which he immersed himself, just as he immersed himself in his own blood circulation.
[ 29 ] So lebte sich der Urmensch in die Außenwelt hinein, daß ihm die Außenwelt ebenso erscheinen mußte — sie ist Ja auch so — wie das eigene Innere. Man nennt das heute Animismus. Man mißversteht aber damit heute vollständig, was da eigentlich zugrundeliegt, indem man den Animismus so ansieht, als ob der Mensch das, was er in sich erlebte, in die Außenwelt hinausprojiziert hätte. Was er in der Außenwelt erlebte, das war eine ganz elementare Tatsache seines Bewußtseins, so selbstverständlich, wie uns die Bedeutung der Farben- und Tonerscheinungen ist. Man darf nicht annehmen, daß der Urmensch in einer besonders phantasievollen Weise dasjenige in die Außenwelt hineingeträumt hat, was uns von ihm als Bewußtseinsinhalte berichtet wird. Er nahm es wirklich wahr in einer so selbstverständlichen Weise, wie wir es heute tun. Die sinnliche Anschauung ist nur ein Umwandlungsprodukt dieser ursprünglichen Anschauung des Urmenschen, der tatsächlich in der Außenwelt das wahrnahm, was im ätherischen, im astralischen Kosmos diejenigen Wesenheiten vollbringen, die den Kosmos in Tätigkeit, schaffend, erhalten. Das nahm er wahr, wenn auch wie im Träumen, ganz dumpf, aber er nahm es wahr, und dieses Wahrnehmen war zugleich der Inhalt seines religiösen Bewußtseins. Der Urmensch hatte eine gewisse Seelenverfassung gegenüber der Umwelt, aber diese Seelenverfassung steigerte sich so, daß er im ganzen ihn umgebenden Kosmos zugleich die geistigen Wesenheiten wahrnahm, mit denen er sein eigenes Menschenwesen verwandt fühlte. Für ihn war in seiner Anschauung die Verbindung gegeben, die wir in abgeleiteten Formen in unserem religiösen Bewußtsein haben. Für ihn war das religiöse Bewußtsein nur die höhere Stufe seines primitiven Erkennens.
[ 29 ] Thus, early man lived so deeply within the external world that it must have appeared to him—and indeed it is—just like his own inner world. Today, this is called animism. However, this term completely misrepresents what actually underlies this phenomenon, since it views animism as if humans had projected what they experienced within themselves out into the external world. What they experienced in the external world was a completely elementary fact of their consciousness, as self-evident to them as the meaning of color and sound phenomena is to us. One must not assume that primitive man, in a particularly imaginative way, projected into the external world what is reported to us as the contents of his consciousness. He truly perceived it in a manner as natural as we do today. Sensory perception is merely a transformed product of this original perception of primitive man, who actually perceived in the external world what those beings in the etheric and astral cosmos accomplish—beings who maintain the cosmos through their active, creative work. He perceived this—albeit as in a dream, quite dimly—but he did perceive it, and this perception was at the same time the content of his religious consciousness. Primitive man had a certain spiritual disposition toward his environment, but this disposition intensified to such an extent that, within the entire cosmos surrounding him, he simultaneously perceived the spiritual beings with whom he felt his own human being was kindred. For him, the connection that we have in derived forms within our religious consciousness was already present in his perception. For him, religious consciousness was merely the higher stage of his primitive cognition.
[ 30 ] Wenn man ein neues religiöses Bewußtsein auf wahrer Erkenntnis begründen will, so kann man auch nicht anders, als sich wieder in diese Seelenverfassung der Urmenschheit zurückzuversetzen. Nur darf sie beim modernen Menschen nicht traumhaft, nicht halbbewußt sein, sondern sie muß wacher sein als das gewöhnliche Bewußtsein, aufgewacht, so wie ich es für das Erringen der wahren Intuition geschildert habe, wo wir in der Tat die Fähigkeit erringen, mit unserem eigenen Ich aus uns herauszugehen und in die anderen geistigen Wesenheiten des Kosmos so unterzutauchen und so mit ihnen zu leben, wie wir im physischen Erdenleben in unserem physischen Organismus leben. Wir tauchen im Erdenleben unter in den physischen Organismus; wir tauchen in der wahren intuitiven Erkenntnis mit unserem Ich unter in die geistigen Wesenheiten des Kosmos. Wir leben mit ihnen und erringen uns dadurch die Verbindung unseres Ich mit der Welt, der eigentlich dieses Ich angehört. Denn dieses Ich ist Geistwesen wie die anderen Geistwesen, auf die ich eben hindeutete, und wir erringen auf unmittelbare Weise die Verbindung mit den Geistern, zu denen wir selbst gehören, durch ein religiöses Bewußtsein. Ein dumpfes, instinktives religiöses Bewußtsein war dem Urmenschen gegeben. Was des Urmenschen Seelenverfassung war, das müssen wir wieder heraufholen und in Vollbewußtheit erleben. Dann werden wir eine religiöse Erkenntnis, eine Erkenntnisreligion für den modernen Menschen gewinnen.
[ 30 ] If one wishes to ground a new religious consciousness in true knowledge, one has no choice but to return to this state of mind characteristic of early humanity. However, for modern human beings, this state must not be dreamlike or semi-conscious; rather, it must be more alert than ordinary consciousness—awake— just as I have described it for the attainment of true intuition, where we indeed gain the ability to step outside of ourselves with our own “I” and to immerse ourselves in the other spiritual beings of the cosmos and live with them just as we live in our physical organism during our physical earthly life. In earthly life, we immerse ourselves in the physical organism; in true intuitive knowledge, we immerse our “I” in the spiritual beings of the cosmos. We live with them and thereby attain the connection of our “I” with the world to which this “I” actually belongs. For this “I” is a spiritual being just like the other spiritual beings I have just referred to, and we attain, in a direct way, the connection with the spirits to whom we ourselves belong through a religious consciousness. A vague, instinctive religious consciousness was given to primitive man. We must reclaim the state of mind that primitive man possessed and experience it with full consciousness. Then we will gain a religious insight—a religion of insight—for modern humanity.
[ 31 ] Wie wir die Seelenverfassung der Kindheit wieder heraufholen müssen und in Vollbewußtheit tauchen müssen, wenn wir moderner Philosoph werden wollen, wie wir die Seelenverfassung der Menschheit einer mittleren Epoche, die den Atmungsprozeß in traumhafter Art zu einem wahrnehmenden Erkenntnisprozeß machen konnte, wie wir diese Seelenverfassung wieder heraufheben in unsere eigene und in Vollbewußtheit tauchen müssen, um im modernen Sinne Kosmologen zu werden, so müssen wir auch die Seelenverfassung des Urmenschen in bezug auf sein Verhältnis zur Außenwelt wieder in uns heraufholen und in Vollbewußtheit tauchen, damit wir zu einer Erkenntnisreligion im modernen Sinne des Wortes kommen können. Die Seelenverfassung der Kindheit in Vollbewußtheit wieder zu erleben, ist die Voraussetzung wirklicher moderner Philosophie. Eine mittlere Menschheitsepoche, in welcher der Atmungsvorgang zu einem Wahrnehmungsprozeß werden konnte, in Vollbewußtheit wieder in unserem Seelenleben zu erleben, ist die Voraussetzung der modernen Kosmologie. Und die Seelenverfassung gar der Urmenschheit — der ersten Menschheit auf dieser Erde, die noch mit den Göttern in unmittelbarer Verbindung stand — wieder in die gegenwärtige Seelenstimmung des modernen Menschen heraufzuheben, sie darin regsam zu machen und in Vollbewußtheit zu tauchen, das ist die Voraussetzung einer Erkenntnisreligion für den modernen Menschen.
[ 31 ] Just as we must reclaim the state of mind of childhood and immerse ourselves in full consciousness if we wish to become modern philosophers—just as we must reclaim the state of mind of humanity during a middle epoch, which was able to transform the breathing process, in a dreamlike manner, into a process of perceptual cognition— just as we must bring this state of mind back into our own being and immerse ourselves in full consciousness in order to become cosmologists in the modern sense, so too must we bring back within ourselves the state of mind of primeval man with regard to his relationship to the external world and immerse ourselves in full consciousness, so that we may arrive at a religion of knowledge in the modern sense of the word. To relive the state of mind of childhood in full consciousness is the prerequisite for true modern philosophy. To relive in our inner life, in full consciousness, a middle epoch of human history in which the act of breathing could become a process of perception is the prerequisite for modern cosmology. And to raise the soul state of primeval humanity—the first humanity on this Earth, which was still in direct connection with the gods—back into the present soul mood of modern human beings, to make it active within that mood, and to immerse it in full consciousness—this is the prerequisite for a religion of knowledge for modern human beings.
