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Fundamental Impulses
of Humanity's Development
Throughout World History
GA 216

23 September 1922, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Gestern habe ich von geschichtlichen Zusammenhängen gesprochen, insofern diese die Betrachtung des Menschen in die geistigen Welten führen, und ich habe die beiden älteren Zeiträume der Menschheitsentwickelung von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet. Ich habe darauf hingewiesen, wie die älteren Initiierten versuchten, die Menschen zu lenken sowohl in religiöser wie auch in sozialer und sonstiger Beziehung, indem sie jene geistigen Wesenheiten als ihre Helfer ausersahen, die mit der menschlichen Einatmung zusammenhängen. Und wir haben gesehen, daß diese Wesenheiten ihrerseits wiederum im Kosmos mit dem zusammenhängen, was sich äußerlich im Mondenlichte offenbart, so daß wir etwa davon sprechen können, daß gewisse Mondenwesenheiten in der Zeit, als es notwendig geworden war, nämlich in der ägyptischen Zeit, als Helfer benutzt worden sind, dem religiösen, dem sozialen Leben des alten Ägyptens und überhaupt den weiteren Gebieten der alten geschichtlichen Entwickelung Richtungen zu geben.

[ 1 ] Yesterday I spoke about historical contexts insofar as they lead our consideration of humanity into the spiritual worlds, and I examined the two earlier periods of human development from this perspective. I pointed out how the ancient initiates sought to guide humanity—in religious, social, and other respects—by choosing as their helpers those spiritual beings associated with human inhalation. And we have seen that these beings, in turn, are connected within the cosmos to that which manifests outwardly in the light of the moon, so that we can speak, for example, of certain lunar beings having been used as helpers during the time when it became necessary—namely, in the Egyptian era—to guide the religious and social life of ancient Egypt and, more broadly, the wider spheres of ancient historical development.

[ 2 ] Wir haben dann gesehen, wie im Griechentum die Wesenheiten wichtig werden, die ich gestern elementarische luziferische Wesenheiten genannt habe und die von den griechischen Eingeweihten, zum Beispiel denen der orphischen Mysterien, als Helfer, namentlich zur Inaugurierung der griechischen Kunst, verwendet wurden. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie man selbst heute noch, wenn man eine etwas tiefere und intimere menschliche Empfindung hat, in dem traditionellen Homer-Kopf sehen kann das Lauschen dieser Menschenindividualität auf das, was ich gestern tastendes Hören, hörendes Tasten genannt habe, und das im wesentlichen ein Lauschen auf geistige Wesenheiten war. Das waren die Luftwesenheiten, welche die Gleichgewichtslage zwischen dem, was durch die menschliche Ein- und Ausatmung geschieht, benützten, um einen Rhythmus zwischen dem Atmen und der Blutzirkulation hervorzurufen, wodurch dann durch jenes wunderbare Zahlenverhältnis, das beim Menschen zwischen dem Atmungsrhythmus und dem Pulsrhythmus besteht, so etwas wie der griechische Hexameter sich ergeben hat, wie überhaupt alle griechischen Versmaße, die dadurch sowohl ein Geschöpf des Menschen selber sind als auch ein Geschöpf dessen, was als ein geheimnisvoller Rhythmus den ganzen Kosmos durchwellt und durchvibriert. Ich habe gesagt: Wenn die Griechen von der Leier des Apollo sprechen, so kann man geradezu daran denken, wie die Saiten dieser Apollo-Leier gestimmt waren nach jenen Eindrücken, die man aus dem Wahrnehmen dieses also zusammengesetzten Rhythmus hatte.

[ 2 ] We then saw how, in Greek culture, the beings I referred to yesterday as elemental Luciferic beings came to play an important role, and how they were used by the Greek initiates—for example, those of the Orphic Mysteries—as helpers, particularly in the inauguration of Greek art. I pointed out how even today, if one possesses a somewhat deeper and more intimate human sensibility, one can perceive in the traditional image of Homer’s head the way this human individuality listens to what I called yesterday “tentative hearing” and “hearing through touch”—which was essentially a listening to spiritual beings. These were the air beings who utilized the equilibrium between what occurs through human inhalation and exhalation to evoke a rhythm between breathing and blood circulation, whereby—through that marvelous numerical ratio that exists in humans between the respiratory rhythm and the pulse rhythm— resulted in something like the Greek hexameter—as, indeed, all Greek verse forms, which are thereby both a creation of human beings themselves and a creation of that which, as a mysterious rhythm, ripples and vibrates through the entire cosmos. I have said: When the Greeks speak of Apollo’s lyre, one can almost imagine how the strings of this lyre of Apollo were tuned according to the impressions one gained from perceiving this composite rhythm.

[ 3 ] Seither ist die Menschheit in eine ganz andere Entwickelung eingetreten, und ich habe auf die besonderen Eigentümlichkeiten dieser Entwickelung immer wiederum von den verschiedensten Gesichtspunkten aus hingewiesen. Namentlich habe ich darauf hingewiesen, wie seit dem 15. Jahrhundert die Menschheit von dem intellektuellen Elemente ergriffen worden ist, das heute eigentlich alle menschliche Kultur und Zivilisation im weitesten Umfange beherrscht und das in der neueren Entwickelung namentlich dadurch heraufgekommen ist, daß allmählich eine ältere Sprachform, die noch in ihrer ersten Gestaltung mit dem zusammenhing, was ich als dieses Erlauschen des Rhythmus in der griechisch-römischen Zeit bezeichnen konnte, daß die lateinische Sprache bis tief ins Mittelalter hinein sich fortgesetzt hat und sich ganz und gar umintellektualisiert hat. So daß eigentlich durch die lateinische Sprache vielfach die Erziehung der modernen Menschheit zum modernen Intellektualismus bewirkt worden ist.

[ 3 ] Since then, humanity has entered a completely different phase of development, and I have repeatedly pointed out the specific characteristics of this development from a wide variety of perspectives. In particular, I have pointed out how, since the 15th century, humanity has been gripped by the intellectual element that today actually dominates all human culture and civilization to the greatest extent, and which has emerged in recent development notably through the gradual disappearance of an older form of language—which, in its earliest form, was still connected to what I might describe as this “listening to rhythm” in the Greco-Roman era—that the Latin language persisted well into the Middle Ages and became thoroughly intellectualized. Thus, in many ways, it was actually through the Latin language that modern humanity was educated into modern intellectualism.

[ 4 ] Dieser Intellektualismus, der auf Gedanken beruht, die ganz und gar von der Entwickelung des physischen Menschenleibes abhängen, bringt eigentlich die ganze Menschheit in Gefahr, von der geistigen Welt abzufallen. Und man kann schon sagen: Wenn die älteren Religionsbekenntnisse von einem Sündenfall in älterer Form sprechen, der mehr als ein moralischer Sündenfall gemeint ist, so muß man von der Gefahr, in die die neuere Menschheit versetzt ist, als von einem intellektualistischen Sündenfall sprechen. — Denn die heute allgemeinen Menschheitsgedanken, denen gegenüber die Menschheit das größte Autoritätsgefühl hat, die sogenannten gescheiten Gedanken der modernen Wissenschaft, diese durchaus intellektualistischen Gebilde sind ganz und gar begründet auf den physischen Menschenleib. Man darf eben nicht glauben, daß, wenn der moderne Mensch denkt, er etwas anderes als den physischen Menschenleib zu Hilfe nimmt. Die Gedanken waren eben in früherer Erdperiode etwas ganz anderes. In früheren Perioden der geschichtlichen Entwickelung kamen die Gedanken der Menschen zugleich mit gewissen spirituellen Schauungen. Spirituelle Schauungen drangen entweder aus dem Kosmos an den Menschen heran, oder aber sie stiegen aus dem Inneren des Menschen auf. Diese spirituellen Schauungen, sie trugen, ich möchte sagen, auf ihren Wogen Gedanken. Das waren geistig gegebene Gedanken, das waren Gedanken, die aus der geistigen Welt dem Menschen geschickt waren, Gedanken, die sich eben dem Menschen offenbarten. Solche Gedanken sind dem Intellektualismus nicht zugänglich.

[ 4 ] This intellectualism, which is based on ideas that depend entirely on the development of the physical human body, actually puts all of humanity at risk of falling away from the spiritual world. And one can certainly say: If the older religious creeds speak of a “fall” in an archaic sense—meaning more than just a moral fall—then the danger facing modern humanity must be described as an “intellectual fall.” — For the ideas about humanity that are common today—toward which humanity feels the greatest sense of authority, the so-called intelligent ideas of modern science—these thoroughly intellectualistic constructs are based entirely on the physical human body. One simply cannot believe that when modern human beings think, they draw upon anything other than the physical human body. Thoughts were, in fact, something entirely different in earlier periods of Earth’s history. In earlier periods of historical development, human thoughts arose simultaneously with certain spiritual visions. Spiritual visions either reached out to human beings from the cosmos, or they arose from within the human being. These spiritual visions, I might say, carried thoughts upon their waves. These were thoughts bestowed from the spiritual realm; they were thoughts sent to human beings from the spiritual world—thoughts that revealed themselves to human beings. Such thoughts are inaccessible to intellectualism.

[ 5 ] Wenn man aus der bloßen Logik heraus, nach der ja die moderne Menschheit strebt, sich seine Gedanken selber macht, so ist man dadurch mit seinem Bewußtsein an den physischen Leib gebunden. Nicht, als ob die Gedanken selber aus diesem physischen Leib erstünden, das ist natürlich durchaus nicht der Fall; aber die Kräfte, die in diesen Gedanken wirken, werden dem modernen Menschen nicht bewußt. Er lernt die Gedanken gar nicht in ihrer wahren Wesenheit kennen. Alle Gedanken, die der moderne Mensch schon in der Schule empfängt durch das, was ihm als populäre Wissenschaft übermittelt wird, was in der populären Literatur enthalten ist, alle diese Gedanken sind ihrer eigentlichen Substanz nach, dem nach, was in ihnen lebt, dem modernen Menschen unbekannt. Er kennt sie nur als Spiegelbilder. Der physische Leib ist der Spiegel, und der Mensch lernt nicht erkennen, was in seinen Gedanken eigentlich lebt, sondern er lernt nur das erkennen, was ihm der physische Leib von diesen Gedanken zurückspiegelt. Denn würde der Mensch sich hineinleben in diese Gedanken, dann würde er das vorirdische Dasein wahrnehmen können. Das kann er nicht. Der moderne Mensch kann das vorirdische Dasein nicht wahrnehmen, weil er gar nicht in der Substanz seiner Gedanken, sondern nur in den Gedankenspiegelbildern lebt. Sie sind keine Realitäten, diese Gedanken.

[ 5 ] If one forms one’s own thoughts based solely on logic—which is, after all, what modern humanity strives for—one’s consciousness is thereby bound to the physical body. Not that the thoughts themselves arise from this physical body—that is, of course, by no means the case—but the forces at work within these thoughts remain unconscious to modern human beings. They do not come to know thoughts at all in their true essence. All the thoughts that modern people receive as early as school through what is conveyed to them as popular science, or what is contained in popular literature—all these thoughts are, in their actual substance—in terms of what lives within them—unknown to modern people. They know them only as reflections. The physical body is the mirror, and modern people do not learn to recognize what actually lives within their thoughts; rather, they learn only to recognize what the physical body reflects back to them from these thoughts. For if modern people were to immerse themselves in these thoughts, they would be able to perceive pre-earthly existence. They cannot do this. Modern man cannot perceive pre-earthly existence because he does not live at all in the substance of his thoughts, but only in the mirror images of those thoughts. These thoughts are not realities.

[ 6 ] Und das ist gerade das Gefährliche für die moderne Menschheitsentwickelung, daß eigentlich in diesen Gedanken substantiell das Geistige, das Spirituelle, das vorirdische Leben ist, daß aber der Mensch nichts davon weiß, sondern nur von den Spiegelbildern weiß. Dadurch fällt etwas, was eigentlich für die geistige Welt bestimmt ist denn diese Gedanken sind für die geistige Welt bestimmt, sie wurzeln in der geistigen Welt —, im modernen Menschen ab von der geistigen Welt und spiegelt sich am physischen Leib. Und was da gespiegelt wird, das ist nur die äußere Sinneswelt, so daß man wirklich für die moderne Zeit von einem Sündenfall sprechen könnte, der auf intellektualistischem, intellektuellem Gebiete sich ergibt. Die große Aufgabe der Zeit — wir haben das ja oftmals charakterisiert — besteht gerade darin, daß wiederum Spiritualität, wirklicher Geist auch für das Bewußtsein des Menschen in die Gedankenwelt einzieht. Der Mensch kann sich nicht, wenn er wirklich mit der modernen Welt leben will, seines Intellektualismus entschlagen; aber er muß den Intellektualismus spiritualisieren, er muß wiederum geistige Substanz in seine Gedanken hineinbringen.

[ 6 ] And this is precisely what is dangerous for the development of modern humanity: that these thoughts actually contain, in essence, the spiritual, the supernatural, and pre-earthly life, yet human beings know nothing of this—they know only the reflections. As a result, something that is actually intended for the spiritual world—for these thoughts are intended for the spiritual world; they are rooted in the spiritual world—falls away from the spiritual world in modern human beings and is reflected in the physical body. And what is reflected there is only the outer sensory world, so that one could truly speak of a “fall from grace” in modern times, one that arises in the realm of intellectualism. The great task of our time—as we have often characterized it—consists precisely in bringing spirituality, true spirit, back into the world of thought for human consciousness. If a person truly wants to live in the modern world, they cannot renounce their intellectualism; but they must spiritualize that intellectualism; they must once again bring spiritual substance into their thoughts.

[ 7 ] Dadurch, daß dies unsere Aufgabe ist, stellen wir uns in einen Gegensatz zu dem, was die Eingeweihten der alten Ägypter tun mußten. Die Eingeweihten der vorägyptischen Zeit drüben in Asien konnten ohne weiteres, weil die Menschen ein altes Hellsehen hatten, jene Zwischenzustände zwischen Schlafen und Wachen, die bei den Menschen zu finden waren, dazu benützen, um die Mondengeister, die in den Einatmungen der Menschen leben konnten, als ihre Helfer zu haben. Aber während der ägyptischen Entwickelungsperiode verloren die Menschen allmählich das alte Hellsehen, und die Initiierten waren dazu gezwungen, ihren Helfern auf der Erde eine Wohnung zu verschaffen, weil allmählich diese Mondengeister auf der Erde obdachlos geworden sind, wie ich es gestern geschildert habe. Und ich habe Ihnen gesagt, die Wohnungen, welche die ägyptischen Initiierten diesen Mondengeistern verschafften, das waren die mumifizierten Menschenkörper, das waren die Mumien. Die Mumien spielen wirklich dadurch eine denkbar größte Rolle während des dritten nachatlantischen Zeitraums der geschichtlichen Entwickelung. In den Mumien wohnten jene elementarischen Geister, ohne welche die Initiierten auf der Erde in sozialer Beziehung mit den Menschen kaum etwas machen konnten. So daß also das, was in alten Zuständen durchaus möglich war: die in der Einatmung des Menschen lebenden Mondengeister zu Helfern der geistigen Leitung der Erdenentwickelung zu machen, dann ersatzweise, stellvertretend im alten Ägypten durch das bewirkt wurde, was die Elementargeister, die in den Mumien ihre Behausung hatten, bewirkten.

[ 7 ] Because this is our task, we stand in contrast to what the initiates of ancient Egypt had to do. The initiates of the pre-Egyptian era over in Asia were able, without difficulty—because people possessed an ancient form of clairvoyance—to use those intermediate states between sleeping and waking that were found in human beings to enlist the moon spirits, who could live within people’s inhalations, as their helpers. But during the Egyptian period of development, people gradually lost their ancient clairvoyance, and the initiates were forced to provide a dwelling for their helpers on Earth, because these lunar spirits had gradually become homeless on Earth, as I described yesterday. And I have told you that the dwellings the Egyptian initiates provided for these lunar spirits were the mummified human bodies—the mummies. The mummies thus truly play the greatest conceivable role during the third post-Atlantean period of historical development. Those elemental spirits dwelt within the mummies, without whom the initiates on Earth could hardly accomplish anything in their social relations with human beings. Thus, what was entirely possible in earlier times—making the lunar spirits living within the human breath into helpers for the spiritual guidance of Earth’s evolution—was then achieved in ancient Egypt, by way of substitution, through the work of the elemental spirits that had their dwelling in the mummies.

[ 8 ] Wir sind heute in der entgegengesetzten Lage. Der Eingeweihte Ägyptens blickte auf eine Vorzeit, für deren Eigentümlichkeiten er einen Ersatz zu schaffen hatte. Wir müssen in die Zukunft blicken, wo wiederum Menschen vorhanden sein werden, welche mit der geistigen Welt leben, Menschen, welche die Impulse ihrer Moralität in ihrem individuellen Charakter tragen, wie ich das in meiner «Philosophie der Freiheit» beschrieben habe, wo ich auseinandergesetzt habe, wie die moralischen Impulse in dem einzelnen Menschen geboren werden und aus dem einzelnen Menschen heraus in die Welt wirken müssen. Das werden sie nur können, wenn die Ausatmung dieser Menschen so gestaltet wird, daß die ausgeatmete Luft die Abbilder dieser Moralität und dieser moralischen Gesinnungen dem äußeren kosmischen Leben einprägt. So wie mit der Einatmung, wie ich es gestern charakterisiert habe, die ätherischen Formen des Kosmos in den Menschen hereinkommen und zur Erhaltung seiner Organe wirken, so muß das, was in dem Menschen selber sich ausbildet, was gewissermaßen als die Form seiner inneren Organe sich loslöst dadurch, daß er ein intellektualistisches Leben führt, so muß das sich in die Ausatmung hinein als Impuls prägen, muß mit der Ausatmungsluft in den äußeren Kosmos kommen.

[ 8 ] Today we find ourselves in the opposite situation. The Egyptian initiate looked back on a bygone era, for whose distinctive characteristics he had to create a substitute. We must look to the future, where there will once again be people who live in harmony with the spiritual world—people who carry the impulses of their morality within their individual characters, as I described in my Philosophy of Freedom, where I explained how moral impulses are born within the individual and must radiate from the individual out into the world. They will be able to do this only if these people’s exhalation is shaped in such a way that the exhaled air imprints the images of this morality and these moral dispositions upon outer cosmic life. Just as, with inhalation—as I characterized it yesterday—the etheric forms of the cosmos enter into the human being and work to sustain his organs, so too must that which develops within the human being—that which, in a sense, detaches itself as the form of their inner organs through the leading of an intellectualistic life—must be imprinted as an impulse into the exhalation and must enter the outer cosmos with the exhaled air.

[ 9 ] Und wenn einstmals diese Erde in den Weltenraum zerstäuben wird, dann muß ein Leben vorhanden sein, das zuerst im kosmischen Äther sich dadurch gebildet hat, daß die moralischen Impulse der Menschen, die durch moralische Intuitionen, wie Sie wissen, immer mehr und mehr entstehen müssen, durch die Ausatmungsluft ihre Bilder in den Äther hinausgeschickt haben werden. Dann wird sich eine neue Erde, ein Jupiterplanet, wie ich ihn in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» beschrieben habe, aufbauen aus den verdichteten Formen, welche die Menschen in der Zukunft ausatmen werden. So müssen wir auf eine Menschenzukunft hinschauen, in der die Ausatmung eine hervorragende Rolle spielt, wo der Mensch seiner Ausatmung das anvertraut, wodurch er eine Zukunft bilden soll.

[ 9 ] And when this Earth is one day scattered into outer space, there must be a form of life that has first taken shape in the cosmic ether through the moral impulses of human beings—which, as you know, must arise more and more through moral intuitions—sending their images out into the ether through the air we exhale. Then a new Earth—a Jupiter-like planet, as I described it in my Outline of Esoteric Science—will build itself up from the condensed forms that human beings will exhale in the future. Thus, we must look toward a future for humanity in which exhalation plays a prominent role, where human beings entrust to their exhalation that which is to shape their future.

[ 10 ] Man könnte hier ein Evangelien-Wort ergänzen. Ich habe öfter von dem Worte des Christus Jesus gesprochen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Ich habe darauf hingewiesen, daß damit gemeint ist, daß eben das, was uns physisch einschließlich der heutigen Sternenwelt umgibt, einmal nicht mehr sein wird, das aber, was spirituell aus den Menschenseelen heraus kommt, an dessen Stelle treten wird und die zukünftige Verkörperung der Erde, den Jupiterplaneten, finden wird. Man könnte dieses Christus-Wort so ergänzen: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen —, wenn die Menschen so durchchristet werden, daß sie das, was Christi Worte in den Menschenseelen als moralische Impulse anregen, der ausgeatmeten Luft anvertrauen werden, die dann die neue Welt erbauen wird aus den dem Menschen entspringenden Formen.

[ 10 ] One could add a passage from the Gospels here. I have often spoken of the words of Christ Jesus: “Heaven and earth will pass away, but my words will never pass away.” I have pointed out that this means that what surrounds us physically—including today’s stellar world—will one day cease to exist, but that which arises spiritually from human souls will take its place and find its future embodiment on Earth, the planet Jupiter. One could expand on this saying of Christ as follows: Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away—if human beings are so permeated by Christ that they entrust what Christ’s words inspire in human souls as moral impulses to the exhaled air, which will then build the new world out of the forms springing from human beings.

[ 11 ] Nun sind ungefähr seit dem 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert elementarische geistige Wesenheiten aus andern Welten in die Erdenwelt hereingekommen. Diese Wesenheiten waren früher nicht da. Diese Wesenheiten können wir im Gegensatz zu den Mondenwesenheiten, die in der urindischen und in der urpersischen Zeit eine große Rolle gespielt haben und dann später in den Mumien ihre Wohnsitze aufgeschlagen haben, und im Gegensatz zu den Luftdämonen, welche in der griechischen Zeit eine große Rolle gespielt haben und auf die Homer gelauscht hat, diese Wesenheiten können wir im Gegensatz zu den andern die eigentlichen Erdwesenheiten nennen. Diese Wesenheiten, die einstmals gerade die größten Helfer des individuellen Menschen mit seinen individuellen moralischen Impulsen sein werden, die Helfer sein werden im Aufbauen eines neuen Erdenplaneten aus den moralischen Impulsen der Menschen heraus, diese Helfer können wir die Erdgeister nennen, elementarische Erdgeister, denn sie hängen mit dem irdischen Leben innig zusammen. Sie erwarten von dem irdischen Leben, daß sie genügend angeregt werden, um ihre Tätigkeit in der zukünftigen Verkörperung der Erde zu vollführen. Diese Wesenheiten sind, wie gesagt, seit dem 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert in die Erdenevolution eingetreten, und ich habe es sowohl in den öffentlichen Vorträgen als sonst betont, wie sich noch Reste des alten Hellsehens, auch nachdem das Mysterium von Golgatha sich abgespielt hatte, erhalten hatten. Da gab es auch noch äußere menschliche Verrichtungen, Kultushandlungen und dergleichen, durch welche diese Wesenheiten, die so in die Erdenentwickelung hereingezogen waren, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, ihr Fortkommen fanden. Aber es ist die besondere Tendenz dieser Wesenheiten, den Menschen zu helfen, gewissermaßen recht individuell zu werden, wenn der Mensch eine intensive moralische Idee hat, den ganzen Organismus so zu gestalten, daß diese moralische Idee im Menschen zur Temperamentsanlage, zur Charakteranlage, zur Blutsgestaltung werden kann, so daß man gewissermaßen aus seiner Blutsgestaltung heraus seine moralische Idee, seine ganze moralische Qualität entnehmen kann.

[ 11 ] Now, since approximately the 4th or 5th century A.D., elemental spiritual beings from other worlds have entered the earthly realm. These beings were not present before. In contrast to the lunar beings, who played a major role in the early Indian and early Persian periods and later took up residence in mummies, and in contrast to the air demons, who played a major role in the Greek period and to whom Homer listened—in contrast to these and the others, we can call these beings the true Earth beings. These beings, who will one day be the greatest helpers to the individual human being with his or her individual moral impulses—who will be helpers in building a new Earth planet out of the moral impulses of human beings—these helpers we can call Earth spirits, elemental Earth spirits, for they are intimately connected with earthly life. They expect earthly life to provide them with sufficient stimulation to carry out their work in the future incarnation of the Earth. As I have said, these beings entered Earth’s evolution in the 4th and 5th centuries A.D., and I have emphasized—both in public lectures and elsewhere—how remnants of the ancient clairvoyance had been preserved even after the Mystery of Golgotha had taken place. There were also external human activities, ritual acts, and the like, through which these beings—who had thus been drawn into Earth’s evolution, if I may put it in trivial terms—found their way forward. But it is the particular tendency of these beings to help human beings, in a sense, to become truly individual—when a person has an intense moral idea—to shape the entire organism in such a way that this moral idea can become, within the person, a temperamental disposition, a character trait, and a blood constitution, so that, in a sense, one can derive one’s moral idea, one’s entire moral quality, from one’s blood constitution.

[ 12 ] Bedeutsame Helfer können diese elementarischen Erdwesen gerade für den immer mehr und mehr in die individuelle Freiheit hineinkommenden Menschen werden. Aber ein großes Hindernis haben diese Wesenheiten, ein ungeheures Hindernis. Man kann wirklich nicht anders, wenn man nicht aus Theorien heraus, die niemals völlig ernst zu nehmen sind, sondern aus der wirklichen Lebenspraxis über die spirituelle Welt redet, als daß man über diese spirituellen Wesenheiten so redet, wie man über Menschen redet, denn sie sind wirklich auf der Erde da, wie Menschen auf der Erde da sind. Man kann also schon sagen: Diese Wesenheiten fühlen sich insbesondere beirrt durch das, was menschliche Vererbung ist. Und wenn der Aberglaube der menschlichen Vererbung ganz besonders intensiv wirkt, dann geht das gegen alle inneren Stimmungen und Tendenzen dieser Wesen, die sehr leidenschaftlich sind. Wie gesagt, Sie müssen diese Paradoxie hinnehmen, denn man muß über diese Wesenheiten reden wie über Menschen. Als Ibsen zum Beispiel auftrat mit seinen «Gespenstern», durch die der Aberglaube der Vererbungstheorie geradezu fixiert worden ist, da wurden diese Wesenheiten einfach wild. Wenn ich mich etwas bildlich ausdrücken darf, so möchte ich sagen: Dieser zerzauste Kopf von Ibsen, dieser wüste Bart, dieser sonderbare Blick, dieser verzerrte Mund, das alles rührte von dem Zerzausen her, das diese Wesenheiten mit Ibsen getrieben haben, weil sie ihn nicht leiden konnten, weil er in dieser Beziehung so recht ein moderner Geist war, der an dem Aberglauben der Vererbung festgehalten hat. Sie wissen ja, wenn man diesem Gespensteraberglauben verfallen ist, meint man, man trägt von seinen Eltern, Großeltern und so weiter im Blute Anlagen vererbt, von denen man nicht loskommen kann, man wird ein so und so gearteter Mensch nur durch das, was man an vererbten Anlagen in sich trägt. Was bei Ibsen in einer grotesk poetischen Form, aber noch mit einer gewissen Grandiosität hervorgekommen ist, das geht durch die ganze moderne Wissenschaft. Die leidet wirklich an dem Aberglauben der Vererbung. Was dem modernen Menschen eigen werden muß, das ist eben, daß er loskommt von den vererbten Eigenschaften, daß er nicht an dem Aberglauben festhält, alles komme nur vom Blute, das von den Ahnen herunterfließt, sondern daß er wirklich zum Gebrauche seiner Individualität kommt, so daß seine moralischen Impulse an ihm als einzelnem Menschen in diesem Erdenleben haften und er schöpferisch, produktiv werden kann durch seine individuellen moralischen Impulse. Dazu dienen diese Wesenheiten und können einmal Helfer werden.

[ 12 ] These elemental earth beings can become significant helpers, especially for human beings who are increasingly entering into individual freedom. But these beings face a major obstacle—a tremendous obstacle. When speaking about the spiritual world—not based on theories that should never be taken entirely seriously, but rather from the actual practice of life—one really has no choice but to speak of these spiritual beings just as one speaks of human beings, for they are truly present on Earth, just as human beings are present on Earth. So one can certainly say: These beings feel particularly misled by what human heredity is. And when the superstition of human heredity exerts a particularly intense influence, it runs counter to all the inner dispositions and tendencies of these beings, who are very passionate. As I said, you must accept this paradox, for one must speak of these beings as one speaks of human beings. When Ibsen, for example, appeared with his “Ghosts”—through which the superstition of the theory of heredity was virtually cemented—these beings simply went wild. If I may express myself somewhat figuratively, I would like to say: Ibsen’s disheveled hair, that wild beard, that strange gaze, that contorted mouth—all of that stemmed from the turmoil these beings caused Ibsen, because they could not stand him, because in this regard he was truly a modern spirit who clung to the superstition of heredity. You know, when one has fallen prey to this ghostly superstition, one believes that one carries in one’s blood traits inherited from one’s parents, grandparents, and so on—traits from which one cannot escape; one becomes a person of a certain nature solely through the inherited traits one carries within oneself. What emerged in Ibsen’s work in a grotesquely poetic form—yet still with a certain grandeur—permeates all of modern science. Modern science truly suffers from the superstition of heredity. What must become characteristic of modern human beings is precisely that they break free from inherited traits, that they do not cling to the superstition that everything comes solely from the blood flowing down from the ancestors, but rather that they truly come to make use of their individuality, so that their moral impulses are attached to them as individual human beings in this earthly life and they can become creative and productive through their individual moral impulses. These beings serve this purpose and can one day become helpers.

[ 13 ] In der heutigen Welt geht es zwar diesen Wesenheiten nicht so, wie es einst den Mondenwesenheiten ging, die obdachlos geworden waren und die deshalb in den Mumien ihre Häuser finden mußten; sondern diesen Wesenheiten, auf die wir als die Hoffnung der Zukunft für die Menschheit hinblicken, geht es so, daß sie zwar unter der Menschheit nicht obdachlos sind, daß sie aber wie verirrte Pilger herumirren und überall Zustände finden, die ihnen nicht angemessen sind. Sie fühlen sich überall zurückgestoßen, am meisten von den Köpfen der Gelehrten. Da wollen sie gar nicht auch nur in die Nähe kommen. Es ist für diese Wesenheiten etwas Ungemütliches auf allen Wegen und Stegen, denn der Glaube an die bloße Allmacht der Materie ist ihnen ganz besonders zuwider. Dieser Glaube an die Allmacht der Materie hängt zusammen mit dem intellektualistischen Sündenfall, mit dem, daß der Mensch an Gedanken festhalten will, die ja im Grunde genommen nichts sind, weil sie nur Spiegelbilder sind, weil der Mensch sich ihres substantiellen Inhalts gar nicht bewußt wird.

[ 13 ] In today’s world, these beings are not in the same situation as the lunar beings once were, who had become homeless and therefore had to find their homes within the mummies; but these beings, whom we regard as the hope of the future for humanity, are in a situation where, although they are not homeless among humanity, they wander about like lost pilgrims and find conditions everywhere that are not suitable for them. They feel rejected everywhere, most of all by the minds of the scholars. They do not even want to come anywhere near them. For these beings, every path and bridge is a source of discomfort, for the belief in the mere omnipotence of matter is particularly repugnant to them. This belief in the omnipotence of matter is connected to the intellectualistic Fall—to the fact that human beings want to cling to thoughts that are, in essence, nothing at all, because they are merely reflections, and because human beings are not even aware of their substantive content.

[ 14 ] So wie nun der ägyptische Initiierte nachdenken mußte, wie man jene Wesenheiten unterbringt, die obdachlos geworden sind, so obliegt es uns, Möglichkeiten zu finden, daß diese Wesenheiten, von denen ich eben gesprochen habe, die ganze Erde für sich wirtlich finden, nicht unwirtlich. Das Allerschlimmste, was diesen Wesenheiten begegnen kann, das ist der moderne Mechanismus. Dieser moderne Mechanismus ist gewissermaßen eine zweite Erde, aber eine geistlose Erde. In Mineralien, Pflanzen, Tieren lebt das Geistige, im modernen Mechanismus leben nur diese Spiegelgedanken. Dieser moderne Mechanismus ist etwas, was solchen Wesenheiten einen fortwährenden Schmerz bei ihren Wanderungen auf der Erde verursacht, so daß vor allen Dingen die Nachtausatmung der Menschen heute schon in einer vollständig chaotischen Weise vor sich geht.

[ 14 ] Just as the Egyptian initiate had to consider how to provide shelter for those beings who had become homeless, so it is our responsibility to find ways to ensure that these beings, of whom I have just spoken, find the entire Earth hospitable to them, not inhospitable. The very worst thing that can happen to these beings is modern machinery. This modern machinery is, in a sense, a second Earth—but a spiritless one. The spiritual lives in minerals, plants, and animals; in modern machinery, only these mirror-thoughts exist. This modern machinery is something that causes such beings constant pain during their wanderings on Earth, so that, above all, the nightly exhalation of human beings today already takes place in a completely chaotic manner.

[ 15 ] Diese Wesenheiten, die eigentlich ihre Wege in der ausgeatmeten Luft, in der Kohlensäureluft, die von den Menschen kommt, finden sollten, finden sich überall abgesperrt durch das, was der Intellektualismus in der Welt ausrichtet. So sehr das dem modernen Menschen widerstrebt, so sehr er das auch nicht haben will, dagegen gibt es nur ein einziges: das Hinstreben nach einer Vergeistigung dessen, was der Mensch selber in der Außenwelt tut. Aber dazu muß dieser moderne Mensch erst erzogen werden. Es wird ihm schwer werden. Der bloß intelligente Mensch — der moderne Mensch ist ja sehr intelligent — weiß eigentlich nichts, denn die Intelligenz allein verhilft einem nicht zu einem Wissen. Und ein solcher Mensch, der sich umgibt mit seinen Mechanismen, in denen die Spiegelgedanken leben, ist eigentlich in der Gefahr, sich selbst immer mehr und mehr zu verlieren, sich selbst nicht mehr zu haben, von sich selber nicht mehr etwas zu wissen. Er muß erst wiederum mit einer gewissen Substantialität ausgefüllt werden. Was dieser moderne intellektualistische Mensch sich erwerben muß, wodurch er sich erziehen muß, das ist innere intellektuelle Moralität. Ich will Ihnen gleich sagen, was ich damit meine.

[ 15 ] These entities, which should actually find their way through the exhaled air—the carbon dioxide-laden air that comes from human beings—find themselves blocked everywhere by the effects of intellectualism in the world. As much as this repels modern man, and as much as he does not want it, there is only one remedy: the striving for a spiritualization of what man himself does in the external world. But to achieve this, modern man must first be educated. It will be difficult for him. The merely intelligent person—and modern man is, after all, very intelligent—actually knows nothing, for intelligence alone does not lead to knowledge. And such a person, who surrounds himself with his mechanisms in which mirrored thoughts dwell, is actually in danger of losing himself more and more, of no longer possessing himself, of no longer knowing anything about himself. He must first be filled once again with a certain substance. What this modern, intellectualistic person must acquire—and through which he must educate himself—is inner intellectual morality. I will tell you right away what I mean by that.

[ 16 ] Heute sind die Menschen furchtbar gescheit, aber in der Gescheitheit lebt eigentlich nicht viel Substantielles. Man kann diese furchtbar gescheiten Menschen alles mögliche reden hören, sie tun sich auch auf ihr Reden außerordentlich viel zugute. Die Beispiele liegen ja nahe. Etwas ganz Kurioses zum Beispiel spielt jetzt in der europäischen Literatur eine Rolle, ein Briefwechsel, der im Russischen verfaßt ist, zwischen zwei Menschen, Herschenson und Iwanow. Die Sache wird literarisch so eingekleidet, daß das zwei Menschen sind, die in einem und demselben Zimmer leben. Aber alle beide sind offenbar so überaus gescheit, daß, wenn sie miteinander reden, ihre Gedanken so aufeinanderplatzen, daß der eine dem andern nicht zuhört, weil sie immer gleichzeitig reden. Ich kann mir sonst gar nicht vorstellen, warum sie sich Briefe schreiben, da sie doch immer zusammensitzen, der eine in der einen Ecke, in der Diagonale des quadratförmigen Zimmers, der andere in der andern Ecke. Die schreiben sich also Briefe. In diesen Briefen steht nichts drinnen, absolut nichts. Sie sind sehr lang, und es werden ungeheuer viel Worte gemacht, es steht aber nichts darin. Was darin gesagt wird, ist etwa, daß der eine meint: Ja, wir sind viel zu gescheit geworden. Kunst haben wir, und Religion haben wir, und Wissenschaft haben wir, und das alles haben wir uns angeeignet. Wir sind fürchterlich gescheit geworden.

[ 16 ] People today are incredibly clever, but there isn’t really much substance to that cleverness. You can hear these incredibly clever people say all sorts of things; they also take great pride in their own words. The examples are obvious. Something quite curious, for instance, is currently making waves in European literature: a correspondence written in Russian between two people, Herschenson and Ivanov. The story is framed in such a way that these are two people living in the same room. But both are apparently so exceedingly intelligent that, when they talk to each other, their thoughts collide in such a way that neither listens to the other, because they always speak at the same time. Otherwise, I can’t imagine why they write letters to each other, since they’re always sitting together—one in one corner, diagonally across from the other in the square room, the other in the opposite corner. So they write letters to each other. There’s nothing in these letters—absolutely nothing. They’re very long, and an enormous number of words are used, but there’s nothing in them. What’s said in them is something like this: one of them thinks, “Yes, we’ve become far too clever. We have art, and we have religion, and we have science, and we’ve acquired all of that for ourselves.” We’ve become terribly clever.

[ 17 ] Wenn man freilich dann die Ausführungen dieses Menschen liest, der sich mit seiner Gescheitheit so schrecklich großtut, dann ist man nur erstaunt darüber, wie dumm der Betreffende ist, trotzdem er eben im modernen Sinne gescheit ist. Er ist eben nach seiner Meinung so furchtbar gescheit geworden, daß er mit seiner Gescheitheit schon gar nichts mehr anfangen kann und daß er sich wieder zurücksehnt in die Zeiten, wo die Menschen noch nichts von religiösen Ideen, noch nichts von Wissenschaft, noch nichts von Kunst und so weiter gehabt haben und also in ganz primitiver Weise lebten. Und der andere, der kann nicht mitgehen. Aber er findet, es muß das alles, was da als ein solcher Brei der Kultur sich weiterentwickelt, gewisse weiter zugrunde liegende Ideen aufweisen, damit es doch auf etwas hinauskomme. Kurz, die beiden Menschen reden eigentlich über nichts, über gar nichts, machen aber viele Worte und sind ungeheuer gescheit. Das ist nur ein solches Beispiel. Es gibt sehr viele solcher Beispiele.

[ 17 ] Of course, when one reads the writings of this man, who makes such a terrible show of his cleverness, one can only be astonished at how stupid he is—even though he is, in the modern sense, clever. In his own opinion, he has become so terribly clever that he no longer knows what to do with his cleverness and longs to return to the times when people knew nothing of religious ideas, nothing of science, nothing of art, and so on—and thus lived in a completely primitive way. And the other man cannot go along with that. But he believes that everything that continues to develop as this sort of cultural mishmash must be based on certain underlying ideas in order for it to amount to anything at all. In short, the two men are actually talking about nothing—absolutely nothing—yet they use many words and are incredibly clever. This is just one such example. There are many such examples.

[ 18 ] Man könnte sagen: Endlich ist der Intellektualismus so weit gekommen, daß in dieser Weise diskutiert wird. Es ist ungefähr so, wie wenn einer auf einem Acker Hafer bauen will und nun mit einem andern darüber diskutiert, ob man Hafer bauen soll. Keinem fällt es nämlich heute ein, daß er selber in der Kultur und Zivilisation etwas bauen sollte, sondern ein jeder kritisiert nur, was da geworden ist und nicht hat werden sollen und nun anders sein soll nach seiner Idee. Nun fangen sie an, zu diskutieren: Soll man da Hafer bauen? Da ist früher einmal Korn gebaut worden. Soll man auf einem Acker, auf dem früher einmal Korn gebaut wurde, nun Hafer bauen, oder ist der Acker dadurch verdorben, daß einmal Korn darauf gebaut worden ist? Ist nicht der Gedanke, daß man Hafer bauen soll, belastet dadurch, daß früher einmal da Menschen gewohnt haben, die gewußt haben, daß man da Korn gebaut hatte? Und andererseits sind doch wiederum diese Menschen andern als sehr nette Menschen vorgekommen; soll man nun nicht auch berücksichtigen, daß das sehr nette Menschen waren?

[ 18 ] One might say: Intellectualism has finally reached the point where discussions are taking place in this manner. It’s roughly like someone who wants to grow oats in a field and is now discussing with another person whether one should grow oats. After all, it doesn’t occur to anyone today that they themselves should contribute something to culture and civilization; instead, everyone merely criticizes what has come to be—what wasn’t supposed to be—and insists it should now be different according to their own ideas. Now they begin to debate: Should one grow oats there? Grain used to be grown there. Should one now grow oats on a field where grain was once grown, or has the field been ruined by the fact that grain was once grown on it? Isn’t the idea of growing oats there burdened by the fact that people once lived there who knew that grain had been grown there? And on the other hand, those people were, after all, regarded by others as very nice people; shouldn’t we also take into account that they were very nice people?

[ 19 ] So ungefähr verläuft es, weil keiner weiß, daß er den Hafer nun bauen soll. Mag unsere Kultur wert sein, daß man zu Adam wiederum zurückgeht oder das Erdenende herbeisehnt — derjenige, der in sich etwas hat, um es in diese Kultur hineinzubauen, der setze sich nicht hin und schreibe seinem Nachbarn Briefe in der Weise, wie dieser Briefwechsel geschrieben worden ist! Es ist eines der faulsten Produkte des modernen Geisteslebens. Es ist das richtig symptomatisch für das Durchfaultsein des modernen Geisteslebens.

[ 19 ] That’s roughly how it goes, because no one knows that they’re supposed to grow the oats now. Even if our culture is worth going back to Adam or longing for the end of the world—anyone who has something within himself to contribute to this culture should not sit down and write letters to his neighbor in the manner in which this correspondence was written! It is one of the laziest products of modern intellectual life. It is truly symptomatic of the rottenness of modern intellectual life.

[ 20 ] Diese Dinge müssen mit klarem Auge angeschaut werden. Menschen, die im Leben darinnenstehen, könnten oftmals recht viel tun; sie müssen aber das tun, was in die betreffende Lebenssituation hineingehört. Es gibt nun natürlich unzählige Möglichkeiten, um dreiviertel zwölf Uhr am 23. September 1922 dies oder jenes zu tun, aber jeder einzelne Mensch muß das tun, was die Situation von ihm fordert. Diese Tatsache muß sich auch in das Gedankenleben der Menschen hineinleben. Man muß lernen, daß man sich gewisse Gedanken verbieten muß, daß man gewisse Gedanken haben darf. So wie man auch sonst etwas tun und etwas lassen muß, so muß man sich klar sein darüber, daß man sich nicht jeden Gedanken gestatten darf.

[ 20 ] These matters must be viewed with a clear eye. People who are in the midst of life could often do quite a lot; however, they must do what is appropriate for the situation at hand. Of course, there are countless possibilities for doing this or that at a quarter to twelve on September 23, 1922, but each individual must do what the situation demands of them. This fact must also become part of people’s inner lives. One must learn that certain thoughts must be forbidden, while others are permitted. Just as one must do some things and refrain from others in general, one must be clear that one cannot allow oneself every thought.

[ 21 ] Solch eine Anschauung würde manches in unserem Leben ändern. Zeitungen könnten fast gar nicht mehr im modernen Stil geschrieben werden, wenn so etwas allgemeine Erziehung würde, denn diejenigen, die es etwas strenge mit sich nehmen, würden sich alle die Gedanken verbieten, die da geschrieben werden. Aber so wie in dem Handeln der Menschen durch die reale Welt notwendigerweise Moralität liegen muß, so muß auch in das Gedankenleben der Menschen Moralität einziehen.

[ 21 ] Such a view would change many things in our lives. Newspapers could hardly be written in the modern style anymore if this were to become part of general education, for those who take themselves rather seriously would reject all the ideas expressed in them. But just as morality must necessarily be present in human actions as they interact with the real world, so too must morality find its way into people’s intellectual lives.

[ 22 ] Heute hören Sie von jedem: Das ist mein Standpunkt, das denke ich. — Ja, vielleicht ist es gar nicht notwendig, daß er das denkt und daß er diesen Standpunkt einnimmt. Aber im Denken moralisieren die Menschen noch nicht. Sie müssen es lernen. Dann wird nicht ein so wüster Strom von Pseudogedanken auf das Papier fließen wie in dem genannten Briefwechsel. All das hängt eben damit zusammen, daß der Intellektualismus die Menschen vom wirklichen Geiste, vom Verständnis des wirklichen Geistigen ganz abgebracht hat. Dafür gibt es gerade in der Gegenwart ein sehr schönes Beispiel. Und ich will Ihnen dieses Beispiel erzählen, bevor ich weitergehe in diesen Auseinandersetzungen, die ich dann morgen weiterführen werde.

[ 22 ] These days, everyone says: “That’s my point of view; that’s what I think.” — Yes, perhaps it isn’t even necessary for them to think that or to take that position. But people do not yet moralize in their thinking. They have to learn to do so. Then a torrent of pseudo-thoughts like the one in the aforementioned correspondence will not flow onto the page. All of this is connected to the fact that intellectualism has completely turned people away from the true spirit, from an understanding of what is truly spiritual. There is a very fine example of this, especially in the present day. And I want to share this example with you before I continue with these discussions, which I will then carry on tomorrow.

[ 23 ] Es gibt einen Benediktinermönch, Alois Mager. Dieser Benediktiner Mager hat vor kurzem ein recht gutes Büchelchen über den «Wandel in Gottes Gegenwart» geschrieben. Aber dieses Büchelchen beweist nur, daß der Benediktinerorden einmal eine großartige Institution war, unmittelbar nachdem Benedikt ihn begründet hat. Denn was unmittelbar aus der Ordensregel des Benedikt fließt, das wirkt auch noch in dem Büchelchen dieses Benediktinermönches Mager. Man kann einen gewissen Respekt bekommen vor diesem Büchelchen, und es ist jedenfalls eine Lektüre, die gegenüber manchem, was heute an Schund existiert, manchem empfohlen werden könnte. Nun aber muß man sagen: Das, was von dem Benediktinermönch ausgeht, ist allerdings noch die beste Literatur, die von dieser Seite kommt, aber es ist natürlich eine ganz und gar veraltete Literatur.

[ 23 ] There is a Benedictine monk named Alois Mager. This Benedictine monk, Mager, recently wrote a rather good little book on “Walking in God’s Presence.” But this little book only proves that the Benedictine Order was once a magnificent institution, immediately after Benedict founded it. For what flows directly from Benedict’s Rule is still evident in this little book by the Benedictine monk Mager. One can develop a certain respect for this little book, and it is certainly a read that could be recommended to some people, given the trash that exists today. But now one must say: What comes from this Benedictine monk is indeed still the best literature to come from that camp, but it is, of course, thoroughly outdated literature.

[ 24 ] Dieser Mager hat sich nun aber auch bemüßigt gefunden, über Anthroposophie zu sprechen. Über Anthroposophie sprechen ja heute alle möglichen Leute von den mannigfaltigsten Standpunkten aus. Verbieten können sie sich das selber nicht in ihrem Denken, weil sie nicht wissen, daß sie nicht das geringste Verständnis dafür haben. Aber eigentlich gehört auch das, was Mager über die Anthroposophie schreibt, nicht einmal zu dem Schlechtesten. Wir müssen es uns näher betrachten, denn es ist charakteristisch für den Intellektualismus unserer Zeit. Mager sagt: Der Anthroposoph möchte seine menschlichen Erkenntnisfähigkeiten so entwickeln, daß sie das Geistige wirklich anschauen können. — Gewiß, das möchte Anthroposophie und kann es auch. Alois Mager findet nun: Das wäre etwas außerordentlich Gutes, wenn die Menschen wirklich zur Anschauung der geistigen Welt kommen könnten. Aber sie können es eben nicht — meint er —, es geht eben nicht. Er ist sogar der Ansicht, daß es prinzipiell nicht unmöglich ist, aber daß eben die Menschen im allgemeinen nicht dazu kommen können, die geistige Welt wirklich anzuschauen. Und daß er nicht prinzipiell dagegen ist, das zeigt der Umstand, daß er sagt: Zwei Menschen sind einmal in der Lage gewesen, wirklich ihre menschlichen Erkenntnisfähigkeiten so zu entwickeln, daß sie in die geistige Welt hineinschauen konnten. Und diese zwei Menschen sind nach seiner Ansicht Buddha und Plotin.

[ 24 ] Now this Mager has also taken it upon himself to speak about anthroposophy. After all, all sorts of people today speak about anthroposophy from the most diverse points of view. They cannot stop themselves from doing so in their thinking, because they do not realize that they have not the slightest understanding of it. But actually, what Mager writes about anthroposophy isn’t even among the worst. We must examine it more closely, for it is characteristic of the intellectualism of our time. Mager says: The anthroposophist wishes to develop his human cognitive faculties in such a way that they can truly perceive the spiritual. — Certainly, that is what anthroposophy aims for, and it can do so. Alois Mager now believes: It would be something extraordinarily good if people could truly come to perceive the spiritual world. But they simply cannot—he argues—it is simply not possible. He is even of the opinion that it is not impossible in principle, but that people in general are simply unable to truly perceive the spiritual world. And the fact that he is not opposed to this in principle is shown by his statement: “Two people were once able to develop their human cognitive faculties to such an extent that they could look into the spiritual world.” And in his view, these two people are Buddha and Plotinus.

[ 25 ] Es ist ganz merkwürdig, daß ein katholischer Benediktinermönch die Ansicht hat, die zwei einzigen Menschen, welche wirklich in die geistige Welt hineinschauen konnten, seien Buddha und Plotin gewesen: Plotin, den die katholische Kirche selbstverständlich als einen Phantasten und Ketzer anschaut, und Buddha, der ja zu denen gehört, die man im Mittelalter abschwören mußte; unter den drei größten abzuschwörenden Wesenheiten war Buddha die eine. Aber von diesen beiden sagt nun Alois Mager: Die konnten noch ihre Seelen dahin bringen, in die geistige Welt hineinzuschauen. — Er gebraucht sogar einen merkwürdigen Vergleich, ein merkwürdiges Bild, das einen an die Denkgewohnheiten der modernen Menschheit, nämlich an die militaristischen Denkgewohnheiten erinnert. Er vergleicht nämlich die geistige Welt mit einer Stadt, und diejenigen, die an diese geistige Welt herankommen wollen, vergleicht er mit Soldaten, die diese Gottesstadt, diese geistige Welt also, erstürmen wollen. Nun sagt er: Es ist, als hätte sich ein Heer zum Erstürmen einer Stadt gerüstet, aber nur ein paar der kühnsten Soldaten erstiegen die Zinnen der Mauer. Damit bricht der Angriff in sich zusammen.

[ 25 ] It is quite remarkable that a Catholic Benedictine monk holds the view that the only two people who were truly able to glimpse the spiritual world were Buddha and Plotinus: Plotinus, whom the Catholic Church naturally regards as a fantasist and heretic, and Buddha, who, after all, belongs to those whom one had to renounce in the Middle Ages; among the three greatest entities to be renounced, Buddha was one. But of these two, Alois Mager now says: “They were still able to bring their souls to the point of looking into the spiritual world.” — He even uses a curious comparison, a curious image that recalls the patterns of thought characteristic of modern humanity—namely, militaristic patterns of thought. For he compares the spiritual world to a city, and those who wish to approach this spiritual world he compares to soldiers who want to storm this city of God—that is, the spiritual world. Now he says: It is as if an army had prepared to storm a city, but only a few of the boldest soldiers scaled the battlements of the wall. Thus, the attack collapses.

[ 26 ] Von diesem Zusammenbrechen eines Angriffes haben wir während des Weltkrieges immer wieder und wiederum in den Telegrammen gelesen. So lesen wir heute in den Auseinandersetzungen eines Benediktinermönches, wie die Geist-Erkenner Soldaten sind, die die Stadt des geistigen Lebens erstürmen wollen, wie aber der Angriff in sich zusammenbricht, mit Ausnahme dessen, was die beiden kühnen Soldaten, der Plotin und der Buddha, einmal ausgeführt haben.

[ 26 ] During the World War, we read time and again in telegrams about the collapse of such an attack. Today, in the writings of a Benedictine monk, we read how the “spirit-recognizers” are soldiers who seek to storm the city of spiritual life, yet how the attack collapses in on itself—with the exception of what the two bold soldiers, Plotinus and the Buddha, once accomplished.

[ 27 ] Und so sehen Sie, daß der Mann nicht in der Lage ist, auch nur irgendwie zuzugeben, daß man an die geistige Welt herankommen könne. Er kann es nicht aus seinem Intellektualismus heraus. Man wundert sich nur, daß er gar keiner christlichen Persönlichkeit die Möglichkeit zugesteht, mit der wirklichen Erkenntnis in die Gottesnähe zu kommen. Aber er ist in dieser Beziehung ehrlich. Daher würde er selbstverständlich auch so etwas wie meine «Philosophie der Freiheit» ganz ablehnen müssen, denn die will das, was im menschlichen Individuum selber entspringen kann, als moralische Impulse geltend machen. Aber er findet, so etwas kann es überhaupt nicht geben, denn wenn der Mensch nur sich selbst überlassen ist, dann kommt nichts Geistiges aus dem Menschen heraus. Daher sagt er, daß das private und öffentliche Leben nach und nach ganz nach den Vorschriften des Evangeliums eingerichtet sein muß. Also ohne daß man irgendwie einsieht, warum das Evangelium so oder so spricht, soll einfach nach den Vorschriften des Evangeliums, die man mit menschlichen Erkenntniskräften nicht verstehen kann, das private und öffentliche Leben eingerichtet werden!

[ 27 ] And so you see that this man is incapable of even remotely admitting that one can gain access to the spiritual world. His intellectualism prevents him from doing so. One can only wonder why he refuses to grant any Christian figure the possibility of drawing near to God through true knowledge. But he is honest in this regard. Therefore, he would naturally have to reject something like my Philosophy of Freedom entirely, for it seeks to assert as moral impulses that which can arise from within the human individual itself. But he believes that such a thing cannot exist at all, for if human beings are left entirely to themselves, then nothing spiritual can emerge from them. Therefore, he says that private and public life must gradually be organized entirely according to the precepts of the Gospel. So, without in any way understanding why the Gospel speaks in this or that way, private and public life is simply to be organized according to the precepts of the Gospel—precepts that cannot be understood by human powers of cognition!

[ 28 ] Man braucht sich nicht zu wundern, wenn aus dem Intellektualismus der Gegenwart heraus eine solche Anschauung sich in der Weise geltend macht, daß der Mann dann dazu kommt, zu sagen: Meine innerste wissenschaftliche Überzeugung ist es, daß die Anthroposophie Steiners nicht anders charakterisiert werden kann, denn als eine geschickte Systematisierung von Halluzinationen zu einem Weltbilde, als eine Materialisierung des Geistigen.

[ 28 ] It is no surprise that, given the intellectualism of our time, such a view asserts itself in such a way that one is led to say: My deepest scientific conviction is that Steiner’s anthroposophy cannot be characterized as anything other than a skillful systematization of hallucinations into a worldview, a materialization of the spiritual.

[ 29 ] Man kann sich gar nicht vorstellen, wie grotesk kurios das ist, was solch ein Mann schreibt, der an sich ehrlich ist, der eigentlich nicht einmal einer der unbedeutendsten Menschen der Gegenwart ist. Ich habe, um ihn in rechter Weise zu charakterisieren, Sie darauf aufmerksam gemacht, daß er vor ganz kurzer Zeit ein gutes Büchelchen geschrieben hat. Das andere ist nun sein neuestes Elaborat, diese Beurteilung der Anthroposophie. Nun nehme man einmal diesen Satz: «Meine innerste wissenschaftliche Überzeugung ist es, daß die Anthroposophie Steiners nicht anders charakterisiert werden kann, denn als die geschickte Systematisierung von Halluzinationen zu einem Weltbild. Auf eine Materialisierung des Geistigen läuft letzten Endes auch die Wiederverkörperungslehre hinaus.» — Nun möchte ich sagen: Herr Pater, stellen wir uns einmal vor, Sie nehmen es ernst mit Ihren Gottes- und Geistesvorstellungen. Dann müssen Sie das Geistige irgendwohin versetzen, wenn Sie sich zum Geistigen erheben. Sie geben zwar nicht zu, daß der Mensch das mit seinen Erkenntniskräften kann. Ich weiß aber nicht, warum Sie dann Pater sind und dem Geistigen Ihren ganzen Lebensdienst widmen wollen. Wenn Sie überhaupt von Geistigem reden wollen, dann ist doch dieses Geistige das, was das Materielle hervorbringt. Erlangt nun jemand eine Erkenntnis des Geistigen, wie ist dann diese Erkenntnis des Geistigen? Wer bloß an einer Erkenntnis des Materiellen hängt, nun, der hat ja das Materielle vor sich, und das Geistige ist dann so, daß es eben bloße Gedanken sind. Wer sich zum Geistigen wendet, der lebt ganz offenbar in der Intensität, in der Realität des Geistigen. Darinnen sind dann die Dinge, die man mit Augen schauen kann, nur als Andeutungen.

[ 29 ] It is impossible to imagine just how grotesquely bizarre the writings of such a man are—a man who is, in himself, honest, and who is actually not even one of the most insignificant people of our time. To characterize him properly, I have drawn your attention to the fact that he wrote a fine little book quite recently. The other is his latest work, this critique of anthroposophy. Now take this sentence, for example: “My deepest scientific conviction is that Steiner’s anthroposophy cannot be characterized as anything other than the skillful systematization of hallucinations into a worldview. Ultimately, the doctrine of reincarnation also amounts to a materialization of the spiritual.” — Well, I’d like to say: Father, let’s imagine for a moment that you take your conceptions of God and the spiritual seriously. Then you must place the spiritual somewhere if you are to rise to the spiritual. You do not, however, admit that human beings are capable of doing this with their powers of cognition. But I don’t know why you are a priest and want to devote your entire life’s work to the spiritual. If you want to speak of the spiritual at all, then surely this spiritual is what gives rise to the material. Now, if someone attains knowledge of the spiritual, what is this knowledge of the spiritual like? Whoever clings solely to an understanding of the material—well, that person has the material right before them, and the spiritual is then merely a matter of thoughts. Whoever turns to the spiritual quite clearly lives in the intensity, in the reality of the spiritual. Within that, the things one can see with the eyes are merely hints.

[ 30 ] Das kommt dem Herrn Pater vor wie Halluzinationen. Deshalb nennt er das Ganze eine Systematisierung von Halluzinationen. Es ist ja sehr begreiflich, daß es ihm so vorkommen muß, weil man nicht, wenn man vom Geistigen redet, zugleich von einem materiellen Tisch reden kann, denn den sehen die Augen, den greifen die Hände an. Der ist da im Geistigen nur so darinnen wie eine Andeutung. Also kommt es dem Herrn Pater wie eine Halluzination vor. Aber nun gehen wir weiter; man muß zu ihm sagen: Herr Pater, bedenken Sie doch nur, Sie widmen Ihren Dienst dem Geistigen, geben also doch wohl zu, daß im Geistigen der Schöpfer des Materiellen lebt. Was ist denn dann die Welt nach Ihrer Ansicht? Die Materialisierung des Geistigen. Wenn er sie also wirklich erkennt, die Welt, was muß er denn erkennen? Die Materialisierung des Geistigen! Ja, aber Herr Pater, Sie tadeln das an der Anthroposophie, lehnen ihr Weltbild ab als eine Materialisierung des Geistigen — woran Sie eigentlich doch glauben müssen als eine Tatsache der Welt: daß sich aus dem Geiste heraus durch Materialisierung diese Welt gebildet hat. Das sucht die Anthroposophie zu durchdringen. Sie tadeln es am allermeisten, weil die Anthroposophie endlich Ernst macht mit dem, womit Sie selber Ernst machen sollten und womit Sie nicht Ernst machen wollen. Deshalb tadeln Sie Anthroposophie. Nach Ihrer Ansicht muß doch Ihr Gott, an den Sie glauben, einmal mit einer Materialisierung: des Geistigen Ernst gemacht haben, sonst wäre doch niemals durch diese Schöpfung eine Welt entstanden. Glauben Sie denn an Ihre Religion selber im Ernste, wenn Sie an der Anthroposophie gerade das tadeln, daß sie zu begreifen sucht, wie das Geistige materialisiert werden kann, wie es allmählich zum Materiellen werden kann?

[ 30 ] This seems like hallucinations to Father. That is why he calls the whole thing a systematization of hallucinations. It is, after all, quite understandable that it must seem that way to him, because when one speaks of the spiritual, one cannot at the same time speak of a material table—for the eyes see that, and the hands touch it. In the spiritual realm, it is present only as a hint. So it strikes Father as a hallucination. But now let us move on; one must say to him: Father, just consider this: you devote your ministry to the spiritual, so surely you must admit that the Creator of the material world lives within the spiritual. What, then, is the world in your view? The materialization of the spiritual. So if he truly recognizes the world, what must he recognize? The materialization of the spiritual! Yes, but Father, you criticize anthroposophy for this, rejecting its worldview as a materialization of the spiritual—which you must actually believe to be a fact of the world: that this world was formed out of the spirit through materialization. That is what anthroposophy seeks to penetrate. You criticize it most of all because anthroposophy finally takes seriously what you yourself should take seriously but do not wish to take seriously. That is why you criticize anthroposophy. In your view, surely the God in whom you believe must once have taken the materialization of the spiritual seriously; otherwise, a world could never have come into being through this act of creation. Do you truly believe in your own religion if you criticize anthroposophy precisely for seeking to understand how the spiritual can be materialized, how it can gradually become material?

[ 31 ] Denken Sie, in welchen Abgrund man hineinblickt, wenn man einen doch ziemlich gescheiten Menschen der Gegenwart, der außerdem ganz gut denken gelernt hat, wenn man einen Mann vor sich hat, der vorher ein gutes Büchelchen geschrieben hat, und nun sieht, wie der an Anthroposophie herangeht! Überlegen Sie sich das einmal, was in einer solchen Beurteilung eigentlich versteckt liegt, und Sie werden sehen, was der Intellektualismus auch derer, die sich heute irgendeinem spirituellen Dienst widmen, für Blüten getrieben hat und wie man über diesen Intellektualismus hinauskommen muß — in einer andern Weise natürlich, als die ägyptischen Priester über die spirituelle Unmöglichkeit, die in ihrem Zeitalter eingetreten war, hinausgekommen sind. Welche historischen Mächte es sind, an die sich gerade der Intellektualismus wenden muß, das wollen wir dann morgen weiter besprechen.

[ 31 ] Just think of the abyss one gazes into when one has before one a rather intelligent person of our time—who, moreover, has learned to think quite well—a man who has previously written a good little book, and now sees how he approaches anthroposophy! Think for a moment about what is actually hidden in such a judgment, and you will see what kind of consequences intellectualism—even among those who today devote themselves to some form of spiritual service—has produced, and how one must move beyond this intellectualism—in a different way, of course, than the Egyptian priests moved beyond the spiritual impasse that had arisen in their age. We will discuss further tomorrow exactly which historical forces intellectualism must turn to.