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Fundamental Impulses
of Humanity's Development
Throughout World History
GA 216

24 September 1922, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Ein ägyptischer Weiser sprach zu einem griechischen Weisen einmal Worte, etwa dahingehend: Ihr Griechen seid eigentlich ein Volk, das ohne Geschichte nur in der Gegenwart lebt. Ihr sprecht von dem, was sich unmittelbar um euch herum zuträgt, und macht euch keine Gedanken über die Art und Weise, wie sich das seit uralten Zeiten gestaltet und gebildet hat, was in der Gegenwart vorhanden ist.

[ 1 ] An Egyptian sage once said to a Greek sage something to the effect of: “You Greeks are, in fact, a people who live only in the present, without a history. You speak of what is happening immediately around you and give no thought to the way in which what exists in the present has taken shape and developed since time immemorial.

[ 2 ] Was meinte jener ägyptische Weise eigentlich? Er wollte sagen, daß die Ägypter sich Gedanken machten über kosmische Probleme im Großen, über die Entwickelung der Erde durch verschiedene Formen hindurch, und er meinte, daß die Griechen über diese Dinge höchstens in Mythen und Sagen ausgesprochene Bilder haben. Aber eigentlich wollte der Ägypter gerade hindeuten auf das, was aus dem Gebrauche des mumifizierten Menschen hervorging, wie ich das in den beiden vorangehenden Auseinandersetzungen klarzulegen versuchte. Die Ägypter hielten darauf, in ihren Einatmungsrhythmus dasjenige hereinzubekommen, was ihnen dadurch werden konnte, daß sie eben sich den Behausungen gewisser geistiger Wesenheiten gegenüberstellten, denen sie in den Mumien Gestalt zu geben in der Lage waren. Wir müssen uns einmal ein möglichst sprechendes Bild machen von dem, was in der Blütezeit der ägyptischen Einweihungskultur die Mumie bedeutete.

[ 2 ] What did that Egyptian sage actually mean? He meant to say that the Egyptians pondered cosmic problems on a grand scale—the evolution of the Earth through various forms—and he believed that the Greeks had, at most, imagery expressed in myths and legends regarding these matters. But in fact, the Egyptian wanted to point precisely to what emerged from the practice of mummifying human beings, as I attempted to clarify in the two preceding discussions. The Egyptians sought to incorporate into their breathing rhythm that which they could attain by placing themselves in the presence of the abodes of certain spiritual beings, to whom they were able to give form in the mummies. We must try to form as vivid a picture as possible of what the mummy signified during the heyday of Egyptian initiatory culture.

[ 3 ] Die Mumie war der Mensch in seiner Form, in seiner Gestaltung, nachdem das Geistig-Seelische von dieser Gestaltung, von dieser Form weggenommen war. Während der Mensch lebt, ist das, was in seinem ätherischen Organismus, in seinem astralischen Organismus, in seiner Ich-Wesenheit tätig ist, wirksam in der Form. Die Form wird durchleuchtet von dem, was aus dem Blute und der übrigen Organisation heraus die Form als die Menschenfarbe durchdringt. An der Mumie hatte man die bloße Form, die nur durch den Menschen auf der Erde da sein kann, die nicht entstehen könnte, wenn der Mensch nicht auf der Erde wäre. Ohne daß unmittelbar das Seelische und Geistige dabei war, brauchte der ägyptische Eingeweihte diese Form, um etwas haben zu können, was er, wenn er nicht zur Mumienkultur geschritten wäre, nicht hätte haben können.

[ 3 ] The mummy was the human being in its form, in its physical structure, after the spiritual and soul elements had been removed from that structure, from that form. While the human being is alive, that which is active in its etheric organism, in its astral organism, and in its I-being is at work within the form. The form is illuminated by what, emanating from the blood and the rest of the organism, permeates the form as the human complexion. In the mummy, one had the mere form—a form that can exist on Earth only through the human being, a form that could not come into being if the human being were not on Earth. Without the immediate presence of the soul and spirit, the Egyptian initiate needed this form in order to possess something that he could not have possessed had he not advanced to the culture of mummification.

[ 4 ] Wir müssen versuchen, uns von diesen Zeiten, die in ganz andern Seelenverfassungen als den heutigen lebten, ein Bild zu machen, das allerdings unserem heutigen Weltbilde sehr unähnlich ist. Wir müssen uns klar darüber sein, daß alles, was bis zur ägyptischen Zeit der Mensch innerlich an Ideen, an Gedanken hatte, was er innerlich im Seelischen erlebte, ihm unmittelbar aus der geistigen Welt gegeben war, daß er also in Offenbarungen der geistigen Welt lebte, auch wenn er sich seinen Gedanken hingab. In der Zeit der urindischen und der urpersischen Kultur hatte der Mensch eben nur solche, ihm vom Geistigen aus geoffenbarte Gedanken. An der äußeren Welt, an Pflanzen, Tieren, Mineralien machte sich der Mensch keine Gedanken. Er hatte sein Seelenleben voll ausgefüllt mit den aus dem Geistigen heraus kommenden Gedanken; die klärten ihn hinlänglich über die Welt auf. Er lebte mit den Pflanzen, mit den Tieren, er gab ihnen auch Namen. Aber auch diese Namen empfand er so, daß sie ihm von den Göttern geoffenbart waren. Wenn in der urindischen, in der urpersischen Kultur ein Mensch einer Blume einen Namen gab, so hatte das für ihn die Bedeutung, daß ihm eine göttliche Stimme gesagt hatte, so daß er es deutlich vernahm: so solle er zu der Blume sagen. Wenn er einem Tiere den Namen gab, dann hatte er das Bewußtsein, in seinem Innern zu hören: so solle er zu dem Tiere sagen. Alle Namen für das, was er bezeichnete, kamen den Angehörigen der urindischen, der urpersischen Zivilisation von innen heraus.

[ 4 ] We must try to form a picture of those times, when people lived in a state of mind quite different from our own today—a picture that is, admittedly, very unlike our current worldview. We must be clear that everything humanity had inwardly in terms of ideas and thoughts up until the Egyptian era—everything they experienced inwardly in their souls—was given to them directly from the spiritual world; that is to say, they lived within revelations from the spiritual world, even when they were absorbed in their own thoughts. In the era of ancient Indian and ancient Persian culture, human beings had only such thoughts—those revealed to them from the spiritual realm. They gave no thought to the external world—to plants, animals, or minerals. Their inner life was fully filled with thoughts arising from the spiritual realm; these provided them with sufficient insight into the world. They lived with the plants and animals, and they also gave them names. But they perceived even these names as having been revealed to them by the gods. When, in ancient Indian or ancient Persian culture, a person gave a flower a name, it meant to them that a divine voice had told them—so that they heard it clearly—how they should address the flower. When he gave a name to an animal, he was conscious of hearing within himself: this is what he was to say to the animal. All the names for the things he designated came from within the members of the ancient Indian and ancient Persian civilizations.

[ 5 ] In der ägyptischen Zivilisation wurde es anders. Da kamen die inneren Erlebnisse immer mehr in die Dämmerung. Der Mensch konnte nicht mehr so deutlich überschauen, was sich ihm da aus der geistigen Welt offenbarte. Daher fühlte er immer mehr die Notwendigkeit, mit der äußeren Natur, mit dem Tier-, Pflanzen- und Mineralteich zu leben; aber das konnte er auch noch nicht, denn die Zeit war noch nicht gekommen. Diese Zeit kam eigentlich erst nach dem Mysterium von Golgatha. Der Mensch war nicht so weit, daß er mit der Außenwelt hätte leben können. Dadurch war er genötigt, den Menschen zu mumifizieren. Denn aus dem, was jetzt in dem nicht mehr beseelten Menschen wohnte, aus dem gerade konnte er Aufschlüsse gewinnen über die ihn umgebende Natur, über Pflanzen, Tiere, Mineralien. Die ersten Kenntnisse über Pflanzen, Tiere, Mineralien sind dem Menschen dadurch geworden, daß jene Geistwesen aus den Mumien zu ihnen sprachen, denen er auf der Erde dutch die Mumien Wohnsitze verschafft hatte. Man möchte sagen, in der Zeit, als aus den übersinnlichen Welten die Götter immer mehr aufhörten für die Menschen zu reden, nahm der Mensch seine Zuflucht zu den Helfern, die nun auf der Erde dadurch leben konnten, daß der Mensch die Menschenform konservierte durch die Mumien. Der Vorgang war eigentlich ein ziemlich komplizierter. Für die Eingeweihten wäre es wohl möglich gewesen, unmittelbar durch jene mondgeistigen Wesenheiten, die in den Mumien wohnten, Aufschlüsse darüber zu bekommen, was im Menschenleben vor sich gehen sollte, Direktionslinien zum Lenken und Leiten und Erziehen der Menschen zu erhalten. Aber nicht ohne weiteres wäre es auch für die Eingeweihten möglich gewesen — denn dazu waren zunächst keine Fähigkeiten in den menschlichen Seelen vorhanden —, durch die die Mumien bewohnenden Wesen Aufschlüsse über die Natur zu bekommen, über das Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Und dennoch, gerade darin waren die Ägypter groß. Sie haben zum Beispiel schon eine wunderbare Medizin gerade mit Hilfe der Mumienkultur begründet.

[ 5 ] In Egyptian civilization, things took a different turn. There, inner experiences increasingly receded into the twilight. Human beings could no longer clearly grasp what was being revealed to them from the spiritual world. Consequently, they felt an ever-increasing need to live in harmony with the external natural world—with the animal, plant, and mineral realms—but they were not yet able to do so, for the time had not yet come. That time actually did not come until after the Mystery of Golgotha. Humanity was not yet ready to live in harmony with the external world. As a result, they were compelled to mummify the dead. For it was precisely from what now dwelt within the no longer animated human being that he could gain insights into the nature surrounding him—into plants, animals, and minerals. Humanity’s earliest knowledge of plants, animals, and minerals came about because those spiritual beings spoke to them from within the mummies, to whom humanity had provided dwellings on Earth through the mummies. One might say that during the time when the gods from the supersensible worlds increasingly ceased to speak to human beings, humanity took refuge in the helpers who could now live on Earth because humans preserved the human form through mummification. The process was actually quite complicated. For the initiates, it would certainly have been possible to obtain insights directly through those lunar-spiritual beings dwelling in the mummies regarding what was to take place in human life, and to receive guiding principles for directing, leading, and educating human beings. But even for the initiates, it would not have been readily possible—since the human soul initially lacked the necessary capacities—to gain insights into nature, into the plant, animal, and mineral kingdoms, through the beings inhabiting the mummies. And yet, it was precisely in this that the Egyptians were great. For example, they had already established a marvelous form of medicine specifically through the culture of mummification.

[ 6 ] Natürlich, wenn ein heutiger gescheiter Mensch diese Dinge auslegt, so sagt er: Die Ägypter haben die Mumien konserviert, dabei haben sie die verschiedenen Organe kennengelernt, die sie konserviert haben, und dadurch eine Anatomie begründet, nicht bloß eine Medizin. — Aber das ist bloß eine Scheinansicht, das ist keine wahre Ansicht. Die Wahrheit ist, daß in der damaligen Zeit durch solche logische Erwägungen, durch solche reine Beobachtungsforschungen den Ägyptern gar nicht gedient gewesen wäre; denn in dieser Weise verkehrten sie überhaupt nicht mit der Außenwelt. Ihr Verkehr mit der Außenwelt war ein viel feinerer. Aber eines ist dadurch bewirkt worden, daß in einer so sorgfältigen Weise die Mumienform erhalten wurde: die Seelen der Menschen, die gestorben waren, sind eine Zeitlang an ihre Mumie gefesselt worden.

[ 6 ] Of course, when a smart person today interprets these things, he says: The Egyptians preserved the mummies; in doing so, they became familiar with the various organs they preserved, and thereby laid the foundation for anatomy, not merely for medicine. — But that is merely a superficial view; it is not the true view. The truth is that, in those days, such logical considerations and purely observational research would not have served the Egyptians at all; for they did not interact with the outside world in that way. Their interaction with the outside world was much more subtle. But one thing was brought about by the fact that the form of the mummy was preserved so meticulously: the souls of those who had died were bound to their mummies for a time.

[ 7 ] Das ist das Bedenkliche der ägyptischen Kultur, was uns immer darauf hinweisen muß, daß diese ägyptische Kultur eigentlich doch eine absteigende war, eine Dekadenzkultur, von der man nicht als von einer Blütekultur innerhalb der Gesamtmenschheit sprechen darf, denn sie griff auch in die übersinnlichen Schicksale der Menschen ein. Sie fesselte in einer gewissen Weise die Menschenseelen nach dem Tode an ihre konservierte Form, an die Mumie. Und während man durch die die Mumie bewohnenden geistigen Wesenheiten über Direktionslinien für die Menschheit Aufschluß gewann, konnte man über die Natur, über das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich, solche Aufschlüsse nicht unmittelbar gewinnen, wohl aber mittelbar dadurch, daß diese mondgeistigen Wesenheiten den Menschenseelen, die sich noch bei den Mumien aufhielten, wiederum die Naturgeheimnisse mitteilten. Und von diesen noch bei den Mumien verweilenden Menschenseelen bekamen dann wiederum die Initiierten Ägyptens Aufschlüsse über das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich. So war also innerhalb der ägyptischen Kultur eine merkwürdige Stimmung da. Die ägyptischen Eingeweihten sagten sich: Unsere Menschenleiber sind bis zum Tode nicht geeignet, Aufschlüsse über die Natur zu bekommen. Eine Naturwissenschaft können wir nicht erringen, dazu sind unsere Leiber noch nicht geeignet, das wird erst später, nach dem Mysterium von Golgatha möglich sein. Aber wir müssen doch einen Aufschluß gewinnen. So wie unsere jetzigen Leiber sind, so werden die Menschen erst nach dem Tode geeignet sein, etwas über die Natur zu wissen. Sie leben hier zwar in der Natur, aber sie können ihren Leib noch nicht gebrauchen, um sich Begriffe über die Natur zu machen. Erst nach dem Tode gehen ihnen diese Begriffe über die Natur auf. Daher halten wir die Toten eine Weile fest, daß sie uns Aufschlüsse über die Natur geben. — Es trat also im Grunde genommen etwas recht Bedenkliches in die geschichtliche Entwickelung der Menschheit gerade durch die ägyptische Kultur ein. Die chaldäische hielt sich in dieser Zeit fern und ist, man möchte sagen, eine reinere Kultur.

[ 7 ] This is what is troubling about Egyptian culture—it must always remind us that this Egyptian culture was, in fact, a culture in decline, a culture of decadence, which cannot be described as a culture of flourishing within the context of humanity as a whole, for it also interfered with the supernatural destinies of human beings. In a certain sense, it bound human souls after death to their preserved form—the mummy. And while insights into the guiding principles for humanity were gained through the spiritual beings inhabiting the mummies, such insights into nature—the animal, plant, and mineral kingdoms—could not be gained directly; rather, they were obtained indirectly through these lunar-spiritual beings, who in turn communicated the secrets of nature to the human souls still lingering with the mummies. And from these human souls still lingering with the mummies, the initiates of Egypt in turn received insights into the animal, plant, and mineral kingdoms. Thus, a remarkable atmosphere prevailed within Egyptian culture. The Egyptian initiates said to themselves: Our human bodies are not suited to gaining insights into nature until death. We cannot attain a natural science; our bodies are not yet suited for that—it will only be possible later, after the Mystery of Golgotha. But we must still gain some insight. As our present bodies are, human beings will only be capable of knowing anything about nature after death. Although they live here in nature, they cannot yet use their bodies to form concepts about nature. Only after death do these concepts about nature become clear to them. That is why we hold on to the dead for a while, so that they may provide us with insights into nature. — So, in essence, something quite troubling entered the historical development of humanity precisely through Egyptian culture. The Chaldean culture kept its distance during this period and is, one might say, a purer culture.

[ 8 ] Das alles, was ich Ihnen jetzt auseinandergesetzt habe — was natürlich für die heutige Wissenschaft eine Phantasterei ist, aber vieles Wahre ist eben für die heutige Wissenschaft eine Phantasterei —, das wußten vor allen Dingen die Angehörigen des hebräischen Altertums. Daher jene Abneigung, jene Aversion, die Sie im Alten Testament gegen das Ägyptertum finden, obwohl wiederum auf dem Umwege durch Moses sehr vieles Ägyptisches in das Alte Testament hereingekommen ist. Sie können aus dem Alten Testament ablesen, wie die Stimmung war gegenüber allem, was ich Ihnen eben als das Wesen der historischen Entwickelung Ägyptens darstellen mußte. Und so war in dem alten Ägypten eben die Stimmung: Wir müssen äußere Mittel schaffen, da wir innere nicht mehr haben, um die die Menschen regierenden und erziehenden Kräfte zu bekommen. Wir müssen aber auch etwas vorausnehmen, was in der Zukunft erst kommen soll, eine Naturwissenschaft. Das können wir nicht anders, als daß wir sie uns von den Toten, die wir an ihre Mumien fesseln, zunächst einmal geben lassen.

[ 8 ] Everything I have just explained to you—which, of course, is considered a fantasy by modern science, but then again, much that is true is considered a fantasy by modern science—was known above all by the people of ancient Hebrew times. Hence the aversion you find in the Old Testament toward Egyptian culture, even though, indirectly through Moses, a great deal of Egyptian influence found its way into the Old Testament. You can see from the Old Testament what the attitude was toward everything I have just had to describe to you as the essence of Egypt’s historical development. And so the prevailing sentiment in ancient Egypt was precisely this: We must create external means—since we no longer possess internal ones—to obtain the forces that govern and educate human beings. But we must also anticipate something that is yet to come in the future: a natural science. We have no choice but to first receive this from the dead, whom we bind to their mummies.

[ 9 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha, nun kamen nachher das 4., 5. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. Die alte Seelenverfassung mit der bildhaften Weltvorstellung dämmerte vollständig hinab. Die Zeit kündigte sich schon an, wo der Mensch sich aus der äußeren Natur heraus Vorstellungen machen sollte über diese Natur, wo er es auch konnte. Die ganze menschliche Organisation wurde innerlich umgestaltet. Der Mensch fühlte immer mehr und mehr, daß seine Seele leer blieb, wenn er auf geoffenbarte Gedanken und Ideen wartete, die unmittelbar aus der geistigen Welt kommen sollten. Dafür aber schaute er die äußeren Dinge und Wesenheiten an, beobachtete sie und bildete sich aus der Beobachtung und später aus den Experimenten heraus seine Begriffe und Ideen. Und jetzt entstand wiederum die Aufgabe, das, was man noch nicht oder nicht mehr durch eigene menschliche Kräfte haben konnte, auf eine andere Weise zu bekommen. Immer mehr und mehr seit dem 4., 5. nachchristlichen Jahrhunderte mußte sich die Menschheit sagen: Es muß eine Zukunft kommen, wo, trotzdem wir durch unseren Verstand uns an den äußeren Naturdingen Ideen und Gedanken machen, wo wiederum eine Art Spiritualisierung des Intellekts eintritt, wo wiederum die Gedanken und Ideen unmittelbar hinweisen auf ein Göttlich-Geistiges, wo das, was in den Ideen als Kraft liegt, in die Ausatmung übergehen kann. Aber sie ist eben noch nicht da, diese Kraft. Vorläufig sind wir angewiesen auf den Intellekt, der nur an den physischen Leib gebunden ist.

[ 9 ] Then came the Mystery of Golgotha, followed by the 4th and 5th centuries after the Mystery of Golgotha. The old state of the soul, with its pictorial conception of the world, faded away completely. The time was already dawning when human beings were to form concepts of external nature based on that nature itself, wherever they were able to do so. The entire human constitution was transformed from within. Human beings felt more and more that their souls remained empty when they waited for revealed thoughts and ideas that were to come directly from the spiritual world. Instead, however, they looked at external things and beings, observed them, and formed their concepts and ideas from these observations and, later, from experiments. And now the task arose once again of obtaining in a different way that which could not yet—or no longer—be attained through human powers alone. More and more, from the 4th and 5th centuries A.D. onward, humanity had to say to itself: There must be a future in which, even though we form ideas and thoughts about external natural phenomena through our intellect, a kind of spiritualization of the intellect will once again take place; in which thoughts and ideas will once again point directly to the divine-spiritual; and in which the power inherent in these ideas can pass into the outbreath. But this power is not yet here. For the time being, we are dependent on the intellect, which is bound solely to the physical body.

[ 10 ] Aus gewissen traditionellen Vorstellungen heraus, die heute geschichtlich fast ganz verglommen sind, von denen man geschichtlich nichts mehr weiß, die aber im Mittelalter vom 4., 5. bis zum 12., 13. Jahrhunderte lebten und dann, obwohl ziemlich im Verborgenen, weiterlebten innerhalb der Menschheitszivilisation, bildete man nun auch eine Art von Mumien, die analog den ägyptischen Mumien sind, die aber, weil sie eben doch etwas anderes als die ägyptischen Mumien sind, nicht als solche empfunden werden.

[ 10 ] Based on certain traditional beliefs—which have now almost completely faded from history, about which nothing is known historically, but which were held during the Middle Ages from the 4th and 5th through the 12th, 13th centuries and then, albeit largely in secret, continued to exist within human civilization, a kind of mummy was also created—analogous to Egyptian mummies—but because they are, after all, somewhat different from Egyptian mummies, they are not perceived as such.

[ 11 ] Von einer Konservierung der menschlichen Form zur Mumie, wie das die Ägypter gemacht haben, hätte die moderne Menschheit nichts gehabt. Sie mußte etwas anderes konservieren, und sie konservierte alte Kulte, vorzugsweise vorchristliche Kulte. Als dann insbesondere vom 14., 15. Jahrhundert herauf die völlig intellektualistische Kultur kam, da wurden in den verschiedensten okkulten Orden alte Kulte konserviert. Und es sind in der Tat wunderbare alte Kultushandlungen in allen möglichen Orden konserviert. Wir sehen, wie Gebräuche, okkulte Zeremonien in den verschiedenen okkulten Logen fortleben. Die sind wahrhaftig ebenso Mumien wie die Menschenmumien Ägyptens. Sie sind dann Mumien, wenn sie nicht von dem Mysterium von Golgatha durchglüht und durchwärmt werden. In solchen Kulten und Zeremonien ist außerordentlich vieles enthalten, aber sie haben von dem, was einstmals in ganz alten Zeiten in ihnen lag, ebenso nur das Tote bewahrt, wie die Mumie nur die tote Form des Menschen bewahrt hatte. Und das ist vielfach so bis zum heutigen Tage geblieben. Es gibt unzählige Orden, die Zeremonien betreiben, Ritualien haben, alles mögliche, aber das Leben ist daraus gewichen, sie sind mumifiziert. Geradeso wie der gewöhnliche Ägypter nur eine Art von Schauer hatte, wenn er die Mumie anschaute, so hat der moderne Mensch, wenn auch vielleicht nicht gerade einen Schauer, aber doch irgend etwas, was auch kein rechtes Gefühl der Seele ist, wenn er diesen mumifizierten spirituellen Verrichtungen nahekommt. Er empfindet sie als etwas Geheimnisvolles, wie die Mumie auch als etwas Geheimnisvolles empfunden wurde.

[ 11 ] Modern humanity would have gained nothing from preserving the human form as a mummy, as the Egyptians did. It had to preserve something else, and it preserved ancient cults, primarily pre-Christian ones. Then, especially starting in the 14th and 15th centuries, as a thoroughly intellectualistic culture emerged, ancient cults were preserved within a wide variety of occult orders. And indeed, marvelous ancient ritual practices have been preserved in all manner of orders. We see how customs and occult ceremonies live on in the various occult lodges. They are truly just as much mummies as the human mummies of Egypt. They become mummies when they are not purified and warmed by the Mystery of Golgotha. Such cults and ceremonies contain an extraordinary wealth of elements, but of what once lay within them in ancient times, they have preserved only the dead—just as the mummy had preserved only the dead form of the human being. And in many cases, this has remained so to this very day. There are countless orders that perform ceremonies, have rituals, and engage in all manner of practices, but life has fled from them; they are mummified. Just as the ordinary Egyptian felt only a kind of shudder when looking at a mummy, so too does modern man—though perhaps not exactly a shudder, but still something that is not a true feeling of the soul—when he comes into contact with these mummified spiritual practices. He perceives them as something mysterious, just as the mummy was also perceived as something mysterious.

[ 12 ] Aber geradeso wie unter den ägyptischen Eingeweihten solche waren, die aus den Mitteilungen jener Geister, die die Mumien bewohnten, etwas Falsches machten in der Menschheitserziehung und Menschheitsdirektion — und es gab durchaus solche unter ihnen —, so ist in den mumifizierten Zeremonien vieler okkulter Orden eben ein falscher Antrieb vorhanden, um dieses oder jenes in der Lenkung und Leitung der Menschheit zu erreichen. Was damals in den Menschen auf dem Wege der Einatmung hereinkam, das kam aus dem, was er von der Mumie hatte. Ich habe Ihnen gestern gesagt, daß die geistigen Wesenheiten, welche die Ägypter brauchten, kein Obdach hatten, daß in den Mumien Obdach geschaffen werden mußte. Die geistigen Wesenheiten nun, die auf dem Wege der Ausatmung die innere Menschenform in die ätherische Welt tragen sollten, die, habe ich Ihnen gesagt, finden keine Wege draußen in der Welt, aber sie können sich auf dem Wege innerhalb der Zeremonien bewegen, wenn auch unverstandene, mumifizierte Zeremonien verrichtet werden. Die Mondengeister zur Zeit der ägyptischen Zivilisation waren namentlich bei Tag obdachlos. Die Ausatmungsgeister, diese Erdenelementargeister, die die heutigen Helfer der Menschheit sein sollen, sind bei der Nacht obdachlos, abet sie schlüpfen unter in das, was in solchen Zeremonien vollzogen wird. Da finden sie ihre Wege, da können sie leben. Bei Tag ist es ihnen noch möglich, ich möchte sagen, auf ehrliche Art mit dem Atem zu leben, denn bei Tag denkt der Mensch, und immerhin sendet er seine intellektualistischen Denkformen mit dem Atem hinaus, der durch das Gehirnwasser durch den Rückenmarkskanal getrieben wird und dann wieder ausgestoßen wird. In der Nacht aber, wo der Mensch nicht denkt, gehen keine Denkformen hinaus, leben gewissermaßen keine ätherischen Schifflein, auf denen diese Erdgeister vom Menschen in die Welt hinausgehen könnten, um dort seine Form dem Ätherkosmos einzuprägen.

[ 12 ] But just as there were some among the Egyptian initiates who misused the messages from the spirits inhabiting the mummies in the education and guidance of humanity—and there were certainly such individuals among them— so too in the mummification ceremonies of many occult orders there is a false impulse to achieve this or that in the guidance and direction of humanity. What entered people at that time through inhalation came from what they received from the mummy. I told you yesterday that the spiritual beings whom the Egyptians needed had no shelter, and that shelter had to be created within the mummies. Now, the spiritual beings who were to carry the inner human form into the etheric world through exhalation—as I have told you—find no paths out in the world, but they can move along the path within the ceremonies, even if misunderstood, mummified ceremonies are performed. The moon spirits during the time of Egyptian civilization were, in particular, homeless during the day. The spirits of exhalation—these earth elemental spirits, who are meant to be humanity’s helpers today—are homeless at night, though they slip into what is performed in such ceremonies. There they find their paths; there they can live. During the day, it is still possible for them—I would say—to live honestly through the breath, for during the day the human being thinks, and after all, he sends out his intellectual thought-forms with the breath, which is driven through the cerebrospinal fluid via the spinal canal and then expelled again. At night, however, when a person is not thinking, no thought-forms go out; in a sense, there are no ethereal little vessels on which these earth spirits could travel from the person out into the world to imprint his form upon the etheric cosmos.

[ 13 ] So schafft der Mensch das, was diese Erddämonen an Wegen, an Richtungen finden sollen, durch solche mumifizierten Zeremonien. Die haben ihren guten Sinn. Was in der neueren Zeit, namentlich seit dem Aufkommen des Intellektualismus, alle möglichen okkulten Orden haben, das hat einen ähnlichen Grund wie das Auftreten der Mumien in Ägypten. Denn der Mensch kann das, was in der äußeren Natur ist, nicht ohne sich, ohne seine eigene Form erkennen, und als die Ägypter darauf angewiesen waren, eine Naturerkenntnis zu schaffen, konnten sie durch die Mumien die menschliche Form vor sich hinstellen. Als die neueren Menschen darauf angewiesen waren, nun auch etwas zu bekommen, was nicht bloß passiv machtloser Gedanke ist, den sich. der Mensch intellektualistisch erarbeitet, sondern was in die Welt hinausziehen kann, um wirksam zu werden, da hatte der Mensch nötig, draußen etwas um sich zu haben, was symbolistisch, ist, was eine Ausdeutung von dem ist, was sich spirituell eigentlich in ihm gestalten sollte.

[ 13 ] Through such mummification ceremonies, humans create the paths and directions that these earth demons are meant to follow. These have their own valid purpose. What all manner of occult orders have in more recent times—namely, since the rise of intellectualism—has a similar basis to the emergence of mummies in Egypt. For human beings cannot perceive what exists in external nature without themselves, without their own form; and since the Egyptians were dependent on creating a knowledge of nature, they were able to set the human form before them through the mummies. When modern people found themselves in need of something that is not merely a passive, powerless thought—which the human being develops intellectually—but rather something that can reach out into the world to become effective, they needed to have something around them in the external world that is symbolic, that serves as an interpretation of what should actually take shape within them spiritually.

[ 14 ] Nun sind diese Formen, die da als Zeremoniell in den Logen getrieben werden, ja auch entseelt. Ebensowenig wie in der Mumie die Seele des Menschen lebte, so lebt in diesen Verrichtungen eigentlich jene Beseelung, die einstmals in ihnen vorhanden war, als sie unter den alten Eingeweihten ausgeübt wurden. Damals pulsierte noch durch jene Zeremonien unmittelbares spirituelles Leben, das vom Menschen in die Zeremonie floß. Da waren der Mensch und die Zeremonie eines. Man vergleiche damit, wie äußerlich die Zeremonien und Verrichtungen unter den modernen Menschen in den modernen Orden sind.

[ 14 ] Now, these forms that are carried out as rituals in the lodges are, in fact, soulless. Just as the human soul did not live within the mummy, so too does the spiritual life that once existed in these rituals—when they were practiced among the ancient initiates—no longer live within them. Back then, direct spiritual life still pulsed through those ceremonies, flowing from the human being into the ceremony. There, the human being and the ceremony were one. Compare this with how superficial the ceremonies and rituals are among modern people in modern orders.

[ 15 ] Aber da kommt nun etwas anderes an den modernen Menschen heran. Der moderne Mensch kann aus seinem Intellekt nicht heraus. Ich habe Ihnen gestern an einem Benediktinerpater gezeigt, wie selbst ein Mensch, der berufsmäßig ein Diener des Spirituellen sein soll, aus dem Intellektuellen nicht herauskommt. Der moderne Mensch kann aus dem Intellektuellen nicht heraus, wie der alte Ägypter nicht hineinkonnte in das Intellektuelle. Der alte Ägypter brauchte die Menschenleiber, wenn sie schon tot waren, damit sie ihm eine Naturwissenschaft vermitteln konnten. Der moderne Mensch braucht etwas, was ihm wiederum eine geistige Wissenschaft, eine Geist-Erkenntnis vermittelt.

[ 15 ] But now something else is affecting modern human beings. Modern human beings cannot escape their intellect. Yesterday, using the example of a Benedictine monk, I showed you how even a person whose profession is to be a servant of the spiritual cannot escape the intellectual realm. Modern man cannot step outside the realm of the intellectual, just as the ancient Egyptians could not enter into it. The ancient Egyptians needed human bodies—even after they were dead—so that they could impart natural science to them. Modern man, in turn, needs something that imparts spiritual science, spiritual knowledge, to him.

[ 16 ] Nun will ich dabei ganz von denjenigen okkulten Orden absehen die ja vielfach bestehen —, die vollständige Mumien sind, die also eigentlich mehr aus einer Kulturkoketterie heraus getrieben werden, die tiefere Untergründe nicht haben. Aber es gibt doch auch und hat namentlich bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts herein immerhin sehr ernsthafte Ordensverbindungen gegeben, die mehr vermittelten, als was zum Beispiel ein heutiger Durchschnittsfreimaurer aus seinem Orden erhält. Und die konnten nun auch wirklich mehr vermitteln aus dem Grunde, weil in der geistigen Welt heute gewisse Bedürfnisse unter der Hierarchie der Angeloi herrschen, die uns auf der Erde allerdings weniger interessieren, die uns aber in unserem vorirdischen Dasein sehr wichtig sind. Da haben gewisse Wesen der Hierarchie der Angeloi nun auch gewisse Erkenntnisbedürfnisse, die sie nur dadurch befriedigen können, daß sie gerade dahin, wo solche ernsthafte okkulte Orden sind, gewissermaßen schon probeweise die Menschenseelen hingelangen lassen, bevor sie eigentlich aus dem vorirdischen Dasein in das irdische Dasein herunterkommen.

[ 16 ] Now, I will completely set aside those occult orders that do indeed exist in great numbers—which are nothing but empty shells, driven more by cultural affectation than by any deeper foundations. But there have also been—and indeed, up until the first half of the 19th century, there were—very serious orders that conveyed more than what, for example, the average Freemason today receives from his order. And they were indeed able to impart more for the reason that certain needs prevail today in the spiritual world within the hierarchy of the Angeloi—needs that, admittedly, are of less interest to us here on Earth, but which were very important to us in our pre-earthly existence. Certain beings within the hierarchy of the Angeloi have specific needs for knowledge, which they can satisfy only by allowing human souls—as it were, on a trial basis—to reach precisely those places where such serious occult orders exist, before they actually descend from their pre-earthly existence into earthly existence.

[ 17 ] Es ist durchaus so gewesen, daß in gewissen mit alten Zeremonien wirkenden Logen derjenige, der die Dinge wirklich verfolgen konnte, sich sagte: Hier ist schon die Seele eines Menschen gegenwärtig, der erst in der Zukunft auf die Erde heruntersteigen wird. — Bevor der Mensch heruntersteigt auf die Erde, kehrt diese Seele in einer solchen okkulten Loge ein, und man kann gefühlsmäßig aus ihr außerordentlich viel gewinnen. Geradeso wie die Menschenseele die Mumie umschwirrte, also noch an die Mumie gewissermaßen gebannt war, so schwirren in okkulten Logen die Geister der noch nicht geborenen Menschen wie in einem vorher sich auswirkenden Dasein herum. Es kommt das wiederum nicht durch intellektuelle Gedanken zum Vorschein, denn die haben die modernen Menschen ohnedies, die brauchen sie nicht, aber wenn sie mit der richtigen Seelenstimmung in ihren okkulten Logen sind, so bekommen sie da Mitteilungen von noch nicht geborenen Menschen, von Menschen, die noch in dem vorirdischen Dasein sind und die jetzt durch dieses Zeremoniell gegenwärtig sein können. Und sie fühlen die spirituelle Welt, diese Menschen, und können auch aus der spirituellen Welt heraus reden.

[ 17 ] It was certainly the case that in certain lodges that observed ancient ceremonies, those who were truly able to perceive these things would say to themselves: “Here is already the soul of a person who will not descend to Earth until the future.” — Before a human descends to Earth, this soul enters such an occult lodge, and one can intuitively gain an extraordinary amount from it. Just as the human soul hovered around the mummy—still, in a sense, bound to it—so, in occult lodges, the spirits of those not yet born hover about as if in a previous existence that is still unfolding. This, in turn, does not come to light through intellectual thoughts, for modern people have those anyway—they do not need them—but when they are in their occult lodges with the right spiritual disposition, they receive messages there from people not yet born, from people who are still in their pre-earthly existence and who can now be present through this ceremony. And these people sense the spiritual world and can also speak from within it.

[ 18 ] Es gibt etwas in der Goethe-Biographie, das auf einen Menschen, der für solche Dinge ein Gefühl hat, außerordentlich bedeutsam wirkt, besonders dann, wenn es von Leuten gesagt wird, die nicht eigentlich das Rechte wissen, die aber aus einer gewissen Erkenntnis heraus sozusagen halbbewußt auf das Rechte hinweisen. In dieser Beziehung war Karl Julius Schröer, von dem ich Ihnen oftmals erzählt habe, ganz merkwürdig, wenn er über Goethe sprach. Wenn er so die GoetheBiographie mit den Werken von Goethe vor die Seelen seiner Zuhörer stellte, so kam immer wiederum ein Wort heraus, das einen frappierte, das einen ungeheuer gefangennahm, das Wort: Das hatte Goethe wiedererlebt, und er hatte sich an diesem Erlebnis verjüngt. Und so hat Schröer eigentlich Goethe so dargestellt, als ob dieser eine Persönlichkeit gewesen wäre, die, nachdem sie einmal mit sieben Jahren jung gewesen ist, dann mit vierzehn Jahren etwas anderes erlebte, und durch dieses Erlebnis eigentlich ein bißchen weiter in die Kindheit zurückgebracht wurde. Goethe verjüngte sich. Und dann, meinetwillen mit einundzwanzig Jahren, verjüngte er sich wiederum. Und so hat tatsächlich Schröer den Goethe so dargestellt, als ob er von Etappe zu Etappe immer solche Verjüngungsprozesse durchgemacht hätte.

[ 18 ] There is something in Goethe’s biography that strikes a person with a feel for such things as extraordinarily significant, especially when it is said by people who do not actually know what is right, but who, out of a certain insight, point—as it were—semi-consciously toward what is right. In this regard, Karl Julius Schröer—whom I have often told you about—was quite remarkable when he spoke of Goethe. Whenever he presented the Goethe biography alongside Goethe’s works to his listeners, a certain phrase would always emerge that struck one, that captivated one immensely: “Goethe had relived that,” and “this experience had rejuvenated him.” And so Schröer actually portrayed Goethe as if he were a personality who, having once been young at the age of seven, then experienced something else at the age of fourteen, and through this experience was actually brought back a little further into childhood. Goethe rejuvenated himself. And then, let’s say at the age of twenty-one, he rejuvenated himself once more. And so Schröer did indeed portray Goethe as if he had undergone such processes of rejuvenation from one stage to the next.

[ 19 ] Und schauen Sie sich schließlich die Goethe-Biographie an: es ist etwas daran, daß diese Verjüngung in ihm war. Selbst als Goethe in Weimar schon der dicke Geheimrat mit dem Doppelkinn war, selbst in der Zeit, als er gewissen Leuten so gegenübertrat, daß sie in ihm oftmals schon mehr oder weniger einen Sauertopf verspürten — in dieser Beziehung ist ja vieles bekannt, was durchaus im persönlichen Verkehr von Goethe mit andern Menschen nicht ganz nett war —, selbst da kam es immer mehr und mehr über ihn, und er hat eigentlich im spätesten Alter eine Verjüngung durchgemacht. Und schließlich hätte er das, was er im spätesten Greisenalter am zweiten Teile des «Faust» geschrieben hat, wahrhaftig nicht schreiben können, wenn er nicht eine solche Verjüngung durchgemacht hätte. Denn Goethe war so ungefähr im Jahre 1816 oder 1817 eine Persönlichkeit, der man nichts von dem zumuten konnte, was Goethe im zweiten Teile des «Faust» später vom Jahre 1824 an geschrieben hat. Das war wirklich eine Verjüngungskur. Goethe hat das auch geahnt, allerdings in früheren Jahren, da, wo er dem Faust einen Verjüngungstrank geben ließ. Das ist auch so etwas wie eine Art Selbstbiographie. Und wenn man nachforscht, wodurch Goethe zu so etwas gekommen ist, dann sieht man: es ist seine Mitgliedschaft zur Loge gewesen. Die andern ehrsamen Weimaraner, höchstens mit Ausnahme von Wieland, Kanzler von Müller und ein paar andern — nun, die waren halt Mitglieder der Loge, wie die Leute es eben sind. Wenn man in Weimar ein ordentlicher Beamter ist, kann man nicht anders, als am Sonntag in die Kirche gehen, und so ist man auch, trotzdem das gerade das Gegenteil ist, Mitglied der Loge. Das war schon einmal so Sitte, in diesen Kreisen wenigstens. Aber bei Goethe war das nicht so, auch bei dem Kanzler von Müller und bei Wieland und bei einigen andern nicht; die machten wirklich solche Verjüngungen durch, weil sie in ihrer Seele den Verkehr mit noch ungeborenen Menschenkindern hatten.

[ 19 ] And finally, take a look at Goethe’s biography: there is something to be said for the fact that this youthful vigor was within him. Even when Goethe was already the portly Privy Councilor with the double chin in Weimar, even during the time when he treated certain people in such a way that they often perceived him as more or less a sourpuss—in this regard, much is known about how Goethe’s personal interactions with others were not always entirely pleasant—even then, it came over him more and more, and he actually underwent a rejuvenation in his very old age. And finally, he truly could not have written what he wrote in the second part of Faust during his very old age if he had not undergone such a rejuvenation. For around the year 1816 or 1817, Goethe was a person from whom one could not have expected anything like what he later wrote in the second part of Faust, beginning in 1824. That was truly a rejuvenation. Goethe had also sensed this, albeit in earlier years, when he had Faust drink a potion of rejuvenation. This is also something of an autobiography. And if one investigates what led Goethe to such a state, one sees that it was his membership in the lodge. The other respectable citizens of Weimar—with the possible exception of Wieland, Chancellor von Müller, and a few others—well, they were simply members of the lodge, just as people tend to be. If you’re a respectable civil servant in Weimar, you can’t help but go to church on Sundays, and so you’re also—even though it’s actually the opposite—a member of the lodge. That was simply the custom, at least in those circles. But that was not the case with Goethe, nor with Chancellor von Müller, Wieland, or a few others; they truly underwent such rejuvenation because, in their souls, they were in communion with human children not yet born.

[ 20 ] Geradeso wie der alte ägyptische Tempelpriester mit den Menschenseelen nach ihrem Tode verkehrte, so verkehrten solche Leute mit den Menschen vor ihrer Geburt. Und die Menschen können nun, bevor sie geboren sind, etwas von Spiritualität in die Welt der Gegenwart hereintragen. Intellektualistisches tragen sie nicht herein, aber Spirituelles tragen sie herein, was der Mensch dann durch seine Gefühle aufnimmt und was sich in sein ganzes Leben hereinlebt.

[ 20 ] Just as the ancient Egyptian temple priests interacted with human souls after their death, so did such people interact with human beings before their birth. And human beings can now, before they are born, bring something of spirituality into the present world. They do not bring intellectual concepts into it, but they do bring spiritual elements, which a person then absorbs through their feelings and which become an integral part of their entire life.

[ 21 ] So kann man sagen: Das erste von Intellektualismus, was die Menschheit in ihrer geschichtlichen Entwickelung gelernt hat, haben die Ägypter von den Toten gelernt, und das erste, was in der neueren Zeit über Spirituelles gelernt worden ist, das haben wiederum hervorragende Persönlichkeiten aus ihrer Initiationslehre in okkulten Logen von ungeborenen Menschen bekommen. Das ist etwas, was einander in einer merkwürdigen Weise entspricht. Sehen Sie nur einmal, wenn Sie Goethes Werke verfolgen, wie Ihnen manchmal daraus etwas entgegenblitzt, was in spirituelle Weisheit zu dringen scheint, was er nicht imstande ist, in Gedankenform auszusprechen. Aber er prägt es in ein Bild, und das Bild hat eine große Ähnlichkeit mit irgendeinem Logensymbolum. Er hat es nur auf diese Weise bekommen. Und so gibt es viele, die auf diese Weise etwas bekommen haben. Aber diese ungeborenen Menschen können doch nur über das Aufschluß geben, was eben in der nichtirdischen Welt an Geistigem erfahren werden kann, sie können natürlich nur über das Himmlische Aufschluß geben, über das, was außerhalb der Erdenentwickelung liegt. Dadurch aber, daß dutch die Zeremonien die elementarischen Erdengeister festgehalten wurden, dadurch können wiederum Mitteilungen gemacht werden von den ungeborenen Menschen an die elementarischen Erdengeister. Und ist dann gar noch ein Talent, ein Genie vorhanden, um die elementarischen Erdengeister abzuhorchen über das, was ihnen die ungeborenen Menschen mitteilen, dann sprechen die betreffenden Menschen, die so etwas abhören können, eben das aus, was die ungeborenen Menschen den Naturgeistern, den Erdgeistern sagen.

[ 21 ] So one might say: The first lesson in intellectualism that humanity learned in the course of its historical development was learned by the Egyptians from the dead, and the first lessons about the spiritual realm learned in more recent times were, in turn, received by outstanding individuals from their initiatory teachings in occult lodges from those who have not yet been born. This is something that corresponds to one another in a remarkable way. Just take a look, for example, at Goethe’s works: you will sometimes see something flash through them that seems to penetrate spiritual wisdom—something he is unable to express in the form of thought. But he casts it into an image, and that image bears a striking resemblance to some lodge symbol. He could only have received it in this way. And so there are many who have received something in this way. But these unborn human beings can, after all, only provide insight into what can be experienced in the spiritual realm of the non-earthly world; naturally, they can only provide insight into the heavenly, into that which lies beyond earthly evolution. But because the elemental earth spirits were bound through these ceremonies, messages can in turn be conveyed from the unborn beings to the elemental earth spirits. And if there is even a talent, a genius, capable of eavesdropping on the elemental earth spirits to hear what the unborn human beings are communicating to them, then the people in question—who are able to eavesdrop on such things—will simply voice what the unborn human beings are saying to the nature spirits, the earth spirits.

[ 22 ] Versuchen Sie einmal auf das hin so manches wunderbare Naturbekenntnis Goethes zu verfolgen, manches Naturbekenntnis auch eines andern Menschen dieser Zeit, in dem so etwas besonders rege war, zum Beispiel in dem Dänen Steffens, oder sagen wir in Menschen wie etwa Troxier, Schubert, der so viel über den 'Iraum geschrieben hat, aber eigentlich die besten Anregungen dazu von den Naturgeistern bekommen hat. Verfolgen Sie das bei vielen andern, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zahlreicher waren als später, dann bekommen Sie Zeugnis für das, was auf diese Weise unter die Menschen gekommen ist. Aber manchmal ist sogar noch etwas anderes zustande gekommen. Manchmal ging die Mitteilung, welche die ungeborenen Menschen auf diese Weise den Naturgeistern auf Erden machten, nicht so in die Menschen über, daß diese aus der Natur und ihren Geheimnissen heraus spirituelle Dinge sprachen, sondern die Menschen nahmen sie manchmal in ihrer ganzen Seelenverfassung auf. Sie nahmen die Kräfte der Naturgeister in ihrer ganzen Seelenverfassung auf, und das kam dann zum Vorschein in dem Stil, den solche Menschen schrieben. Und wo ein Gefühl für so etwas vorhanden ist, da kann der heutige Mensch sich folgendes sagen: Wenn ich heute einen Historiker lese, wie zum Beispiel Ranke oder Taine oder einen gegenwärtigen englischen Historiker, da wird der Stil schon intellektualistisch. Ranke schreibt ja schon im Stil intellektualistisch, die Sätze sind schon intellektualistisch gefügt, es ist alles so gescheit, das Subjekt gescheit an seine Stelle gesetzt, das Prädikat gescheit an seine Stelle gesetzt, so daß schon fast die Schulmeister sogar mit einem solchen Stil zufrieden sein könnten. Aber man vergleiche solch einen Stil zum Beispiel mit dem von Johannes Müller in seinen «24 Büchern allgemeiner Geschichte». Es ist ein Stil, man möchte sagen, wie wenn ein Engel sprechen würde. Und auch in andern Kulturen ist im 18. Jahrhundert eben noch manches in einem solchen Stil geschrieben, der tatsächlich nicht dieses Unindividuelle, dieses beleidigend Objektive eines jetzigen historischen oder naturwissenschaftlichen Stiles hat, sondern der etwas von dem hat, woran man sieht: es gehen elementare Naturkräfte durch den schreibenden Menschen hindurch und sein Stil ist aus dem Kosmos, aus dem Universum heraus geschrieben.

[ 22 ] Try, with this in mind, to trace some of Goethe’s wonderful expressions of his love for nature, as well as those of other people of that era in whom such feelings were particularly vivid—for example, the Dane Steffens, or let’s say people like Troxier, Schubert, who wrote so much about the ‘Iraum’ but actually drew his best inspiration for it from the spirits of nature. Explore this in many others—who were even more numerous in the first half of the 19th century than later on—and you will find evidence of what has come to people in this way. But sometimes something else has even come about. Sometimes the message that the unborn human beings conveyed in this way to the nature spirits on earth did not pass into people in such a way that they spoke of spiritual matters drawn from nature and its mysteries; rather, people sometimes absorbed it into their entire soul disposition. They absorbed the forces of the nature spirits into their entire soul disposition, and this then came to the fore in the style in which such people wrote. And where a feeling for such things exists, people today can say to themselves: When I read a historian today—such as Ranke or Taine, or a contemporary English historian—the style is already intellectualistic. Ranke, after all, already writes in an intellectualistic style; the sentences are constructed in an intellectualistic manner—everything is so clever, the subject cleverly placed in its proper place, the predicate cleverly placed in its proper place—so that even schoolmasters might almost be satisfied with such a style. But compare such a style, for example, with that of Johannes Müller in his 24 Books of General History. It is a style—one might say—as if an angel were speaking. And in other cultures as well, in the 18th century, quite a bit was still written in such a style—one that indeed lacks the impersonal, the insultingly objective quality of a contemporary historical or scientific style, but rather possesses something from which one can see that elemental forces of nature flow through the writer, and his style is written from the cosmos, from the universe.

[ 23 ] Da kommt an den modernen Menschen etwas heran, was für die moderne Zeit ähnlich ist wie das, was von den Mumien ausging für den ägyptischen Eingeweihten. Das sind außerordentlich wichtige, hinter den Kulissen der äußeren Geschichte sich abspielende historische Begebenheiten, die man eben kennen muß, wenn man überhaupt etwas von der Entwickelung der Menschheit verstehen will. Und so sehen wir, wie auf diese Weise vorbereitet wurde — was jetzt nur eine Weile verkannt wird, weil eigentlich kein Mensch mehr auf so etwas in der richtigen Weise hinhorcht —, wie vorbereitet wurde das Spirituelle, das wiederum auch in den Intellekt hereinkommen soll und in der Zukunft im Intellekt leben muß, wenn die Menschheit der neueren Zivilisation nicht ganz den Spengler-Weg gehen will in den Niedergang des Abendlandes hinein. So können wir sagen: Die alten Ägypter mumifizierten die Menschenform; die neuere Menschheit seit dem 4., 5. nachchristlichen Jahrhunderte mumifizierte die alten Kulte auf allen Gebieten. Aber sie gab dadurch immerhin Veranlassung, daß ein Außerirdisches in dem Zeremoniell der alten Kulte leben konnte. Von dem Menschen lebte ja nicht viel darinnen in diesen Kulten, aber von außermenschlichen Wesenheiten lebt doch manches darinnen.

[ 23 ] Modern human beings are confronted with something that, for our time, is analogous to what the mummies represented for the Egyptian initiates. These are extraordinarily important historical events unfolding behind the scenes of external history, which one simply must be aware of if one wishes to understand anything at all about the development of humanity. And so we see how the groundwork was laid in this way—something that is currently overlooked for a time, because virtually no one listens to such things in the right way anymore— how the spiritual was prepared—which in turn is also meant to enter the intellect and must live in the intellect in the future, if humanity in the newer civilization does not wish to follow Spengler’s path entirely into the Decline of the West. Thus we can say: The ancient Egyptians mummified the human form; modern humanity, since the 4th and 5th centuries A.D., has mummified the ancient cults in all areas. But in doing so, it at least provided the conditions for something extraterrestrial to live within the ceremonial practices of the ancient cults. Not much of the human element lived within these cults, but much of the non-human entities does live within them.

[ 24 ] So ist es ja auch mit den Kirchenkulten, und wer in die Dinge hineinschaut, wirklich der Realität nach hineinschaut, der kann manchmal ganz gut auch bei den Kirchenkulten die Persönlichkeiten, die mit Fleisch und Blut vor dem Altare stehen, entbehren, weil die geistigen Wesenheiten, ganz abgesehen von den zelebrierenden Priestern, da sind, weil er auf die geistigen Wesenheiten, die da eben in den Zeremonien drinnen leben, hinschauen kann. Wenn Sie das alles ins Auge fassen, so werden Sie sich sagen: Man muß schon eine ganz andere Sprache wählen, als es die heutige Menschheit gewöhnt ist, wenn man überhaupt an das herankommen will, was im spirituellen Sinne wirklich um uns herum ist. — Deshalb brauchen Sie sich gar nicht zu verwundern, wenn heute solche Werke erscheinen wie Fritz Mauthners «Kritik der Sprache», in der bewiesen werden soll, daß alles, was die Menschen sich an geistigen Wesenheiten vorgestellt haben, nur in den Worten liegt — und wenn man nicht an die Worte glauben will, so kann man auch nicht an Geister glauben! Das ist ja der Sinn der «Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner. Fritz Mauthner hat für einen großen Teil der modernen Menschheit recht, wirklich recht. Ein großer Teil der modernen Menschheit hat nichts als Worte, wenn er von übersinnlichen Dingen spricht. Für diese gilt die «Kritik der Sprache» — leider. Aber es ist ebenso notwendig, daß wiederum in die Worte der substantielle geistige Gehalt hineingebracht wird. Und deshalb war es auch in der geschichtlichen Entwickelung notwendig, daß eine Zeit hindurch, in der die Menschen selber noch nicht diesen geistigen Gehalt erfassen konnten, dieser ihnen fortentwickelt wurde von außermenschlichen Wesenheiten und von den Menschen, die noch nicht geboren sind, wie ebenso von außermenschlichen Wesenheiten und von Menschen, die nicht mehr irdisch lebten, die schon in dem Leben nach dem Tode standen, den Ägyptern die Intellektualität vorbereitet worden ist. Die Intellektualität, in der wir stehen, lernten die Ägypter von den Toten. Wir müssen die Spiritualität, in der wir noch nicht drinnen sind, in der Gegenwart lernen auf dem Umwege durch den mumifizierten Kultus, den wir uns wieder aneignen müssen, den wir mindestens studieren müssen. Denn dann ist er vielsagend. Wir müssen uns die Spiritualität der Zukunft zu unserer Intellektualität hinzu durch diese andere Mumie aneignen. An die Stelle des mumifizierten Menschen ist die mumifizierte menschliche Verrichtung getreten, an die Stelle der mumifizierten menschlichen Form ist die mumifizierte menschliche Handlung getreten. In entsprechender Weise hat sich das andere so ausgebildet, wie ich es charakterisiert habe.

[ 24 ] The same is true of church rituals, and anyone who looks into these matters—who truly looks at them as they really are—can sometimes quite easily do without the personalities of flesh and blood standing before the altar, even in church rituals, because the spiritual beings are there—quite apart from the officiating priests—and because one can focus on the spiritual beings who are actually present within the ceremonies. When you take all this into account, you will say to yourself: One must choose a language quite different from what humanity today is accustomed to if one is to even begin to approach what truly surrounds us in a spiritual sense. — That is why you need not be at all surprised when works such as Fritz Mauthner’s Critique of Language appear today, in which it is intended to prove that everything people have imagined about spiritual beings lies solely in words—and if one does not want to believe in the words, then one cannot believe in spirits either! That is, after all, the point of Fritz Mauthner’s Critique of Language. Fritz Mauthner is right—truly right—for a large part of modern humanity. A large portion of modern humanity has nothing but words when speaking of supersensible things. For them, the Critique of Language applies—unfortunately. But it is equally necessary that substantial spiritual content be restored to these words. And that is why it was also necessary in the course of historical development that, during a period when human beings themselves were not yet able to grasp this spiritual content, this content was developed for them by extra-human beings and by people who had not yet been born, as well as by extra-human beings and by people who no longer lived on Earth but were already in the life after death—it was through them that intellectuality was prepared for the Egyptians. The intellectuality in which we now stand, the Egyptians learned from the dead. We must learn the spirituality in which we have not yet entered, in the present, by a roundabout route through the cult of mummification, which we must reclaim for ourselves, which we must at least study. For then it is highly revealing. We must incorporate the spirituality of the future into our intellectuality through this other mummy. The mummified human activity has taken the place of the mummified human being; the mummified human action has taken the place of the mummified human form. In a corresponding way, the other has developed as I have characterized it.

[ 25 ] So muß man das studieren, was hinter den Kulissen der Weltgeschichte vor sich geht, sonst bleibt alles, was die Leute über geschichtliche Vorgänge erzählen, dennoch ein für die Menschheit unverstandenes Konglomerat von äußeren Zufallstatsachen, reinen Zufallstatsachen. Sie sind aber nicht Zufallstatsachen, wenn man ihren Hintergrund kennt. Sie werden erst Zufallstatsachen, wenn die Menschen es verschmähen, die Hintergründe zu erkennen. Sie werden sozusagen Wellen, von denen man glaubt, daß eine jede neben der andern steht, während sie alle zusammen aus den Tiefen des Meeres heraufspielen. In Wahrheit sind die geschichtlichen Vorgänge Wellen, die aus ungeheuren Tiefen eines spirituellen Meeres der Weltevolution heraufgeworfen werden auf die Oberfläche des unmittelbar von den Menschen zu erreichenden Geschehens. Und man sollte in jeder einzelnen historischen Tatsache eine solche Welle sehen, aber nicht glauben, daß Welle sich neben Welle durch sich selbst stellt, sondern daß jede einzelne Welle, das heißt jede einzelne historische Tatsache, aus spirituellen Tiefen der von Zeitenferne zu Zeitenferne gehenden spirituellen historischen Entwickelung herrührt.

[ 25 ] One must therefore study what goes on behind the scenes of world history; otherwise, everything people say about historical events remains, for humanity, an incomprehensible conglomeration of external, coincidental facts—mere coincidences. But they are not mere facts of chance once one knows their background. They become mere facts of chance only when people refuse to recognize the underlying context. They become, so to speak, waves that one believes stand side by side, whereas in reality they all surge up together from the depths of the sea. In truth, historical events are waves that are hurled up from the immense depths of a spiritual sea of world evolution onto the surface of events immediately accessible to human beings. And one should see such a wave in every single historical fact, but not believe that one wave stands beside another of its own accord; rather, one should recognize that every single wave—that is, every single historical fact—originates from the spiritual depths of spiritual-historical development, which extends from one distant age to the next.