Fundamental Impulses
of Humanity's Development
Throughout World History
GA 216
29 September 1922, Dornach
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Fundamental Impulses of Humanity's Development Throughout World History, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Ich habe Ihnen in der letzten Zeit von dem Geheimnis der Mumie und dem Geheimnis des Kultus gesprochen, insofern in Mumie und Kultus — wie wir gesehen haben — ganze Mysterien stecken: in der Mumie die Mysterien des ausgehenden Altertums vor dem Mysretium von Golgatha und in dem Kultus die Mysterien, die sich eigentlich erst in ihrer vollen Bedeutung in der Zukunft offenbaren werden, eben die Mysterien der kommenden Zeit. Ich möchte nun heute und morgen einiges zu dem schon Auseinandergesetzten hinzufügen. Zunächst möchte ich heute mehr in erzählender Form ein Bild vor Ihre Seelen stellen. Wenn Sie manche Mysterienszene in einem gewissen Zeitalter der ägyptischen Entwickelung, in dem Zeitalter, in welchem das Mumifizieren der Leichen in besonderer Blüte stand, hätten belauschen können, dann würden Sie das Folgende erfahren haben. Der lehrende Mysterienpriester versuchte seinen Zöglingen zunächst klarzumachen, wie im menschlichen Haupte eigentlich alle Geheimnisse der Welt verborgen liegen. Aber auf eine ganz besondere Art seien sie verborgen, so würde er gesagt haben. Er würde gesagt haben: Schauet die Erde an; so, wie sie der Wohnplatz der Menschen ist, ist sie eigentlich ein Spiegel, ein Reflex des ganzen Kosmos.
[ 1 ] I have recently spoken to you about the mystery of the mummy and the mystery of the cult, insofar as—as we have seen—entire mysteries are contained within the mummy and the cult: in the mummy, the mysteries of the waning antiquity preceding the Mystery of Golgotha; and in the cult, the mysteries that will only reveal their full significance in the future—namely, the mysteries of the time to come. Today and tomorrow I would like to add a few things to what has already been discussed. First of all, today I would like to paint a picture for your souls in a more narrative form. If you had been able to overhear certain mystery scenes during a particular era of Egyptian development—the era in which the mummification of corpses was at its peak—you would have learned the following. The teaching mystery priest would first have tried to make it clear to his pupils how all the secrets of the world are actually hidden within the human head. But they are hidden in a very special way, he would have said. He would have said: Look at the Earth; just as it is the dwelling place of human beings, it is actually a mirror, a reflection of the entire cosmos.
[ 2 ] Sie finden in der Tat alles, was Sie im Kosmos finden, auch in der Erde selbst. Sie brauchen nur auf das Folgende hinzublicken. Sie wissen, wenn wir hinausschauen in die Sternenwelt, so ist der Mond zunächst unser Erdennachbar unter den Himmelsgebilden. Wenn wir uns das als Erde vorstellen, hier den Mond kreisend um die Erde (siehe Zeichnung), so können wir uns die Bahn vorstellen, in der sich der Mond herumbewegt um die Erde, und wir können dann das, was sich zwischen der Erde und der Mondesbahn befindet, etwa mit dieser roten Fläche bezeichnen.
[ 2 ] In fact, everything you find in the cosmos can also be found within the Earth itself. You need only look at the following. As you know, when we look out into the world of the stars, the Moon is, first and foremost, our Earth’s neighbor among the celestial bodies. If we imagine this as the Earth, with the Moon orbiting the Earth (see drawing), we can visualize the path along which the Moon moves around the Earth, and we can then designate the area between the Earth and the Moon’s orbit with this red area, for example.


[ 3 ] Wer nun richtig die Erscheinungen zu deuten versteht, die ihm da entgegentreten, wenn er in die Erde hineingräbt, der muß in der Tat sich sagen: Das, was da in der Umgebung ist, findet sich abgespiegelt, aber nur verdichtet, in einer äußeren Schicht der Erde selbst.
[ 3 ] Anyone who truly understands how to interpret the phenomena that confront him when he digs into the earth must indeed say to himself: What is present in the surrounding environment is reflected—but only in a condensed form—in an outer layer of the earth itself.
[ 4 ] Gehen wir jetzt zu dem nächsten Planeten, der mit der Erde um die Sonne kreist, so können wir uns schematisch — es ist natürlich hier ungenau — diesen Planeten, die Venus, in ihrer Bahn vorstellen und können das, was in dem Raum auf eine luftförmige, ätherische, feinere Art eingeschlossen ist, wiederum in dieser Weise bezeichnen (gelb), und wir müßten, wenn wir die nächste Schicht der Erde zeichnen, diese Schicht wieder als eine Spiegelung dessen zeichnen, was da draußen ist (gelb). Und so würden wir die ganze Erde bekommen als ein Spiegelbild des Universums, nur daß wir immer das, was draußen in ätherischer Verdünnung, in ätherischer Flüchtigkeit ist, zusammengedrückt, verdichtet finden würden, wenn wir in die Erde hineingraben. Und wenn wir dann zu dem äußersten Umkreis des Weltenalls kämen, so würde dieser äußerste Umkreis des Weltenalls im Mittelpunkte der Erde ganz verdichtet in einem einzigen Punkte sein.
[ 4 ] If we now turn to the next planet orbiting the Sun along with Earth, we can schematically—though this is, of course, an approximation—visualize this planet, Venus, in its orbit, and we can again designate what is enclosed in space in an air-like, ethereal, more subtle form in this way (yellow), and when we draw the next layer of the Earth, we would have to depict this layer as a reflection of what is out there (yellow). And so we would see the entire Earth as a mirror image of the universe, except that as we dig deeper into the Earth, we would always find what is out there—in ethereal dilution, in ethereal volatility—compressed and condensed. And if we were then to reach the outermost circumference of the universe, this outermost circumference of the universe would be completely condensed into a single point at the center of the Earth.
[ 5 ] Was ich Ihnen jetzt ganz skizzenhaft auseinandergesetzt habe, von dem sprach auch der ägyptische Eingeweihte zu seinen Schülern in der Zeit, die ich jetzt meine. Aber er sagte ihnen: Wenn man wiederum verstehen will, wie das Universum, der Kosmos, und sein Spiegelbild, die Erde, gegenseitig aufeinander wirken, dann schaue man den menschlichen Kopf, das menschliche Haupt an. — Das menschliche Haupt wird in der Tat im Leibe der Mutter gebildet durch das Zusammenwirken des ganzen Universums und der Erde. Aber — so sagte dieser Eingeweihte weiter zu seinen Schülern — durch keine Betrachtung des menschlichen Kopfes kann man das verstehen, was da eigentlich vorliegt, denn das menschliche Haupt enthüllt in sich selber nicht seine Geheimnisse. — Dieses menschliche Haupt enthält unendliche Geheimnisse, aber es enthüllt seine Geheimnisse keiner Betrachtung, wie man diese auch anstellen mag. Denn dieses menschliche Haupt ist allerdings von der ersten Zeit der Menschkeimung an im Leibe der Mutter bis zum Tode auf Erden tätig; aber es hat alles das, was es tut, als Wirkungen eigentlich nicht in sich. Das ist das Geheimnis des menschlichen Hauptes, daß es unendlich viel tut, aber alles, was es tut, geschieht nicht im Haupte selbst, sondern das geschieht im ganzen übrigen Organismus.
[ 5 ] What I have just outlined for you in very general terms is also what the Egyptian initiate spoke of to his students during the period I am referring to. But he told them: If one wishes to understand how the universe, the cosmos, and its reflection, the Earth, interact with one another, then one should look at the human head. — The human head is, in fact, formed within the mother’s womb through the interplay of the entire universe and the Earth. But—as this initiate went on to say to his students—no observation of the human head can reveal what is actually at work there, for the human head does not reveal its secrets of its own accord. — This human head contains infinite mysteries, but it does not reveal its secrets to any observation, however one may go about it. For this human head is indeed active from the very beginning of human gestation in the mother’s womb until death on Earth; but it does not actually contain within itself the effects of all that it does. That is the mystery of the human head: that it does an infinite amount, but everything it does does not take place in the head itself, but rather in the rest of the organism.
[ 6 ] So, wie ich jetzt zu Ihnen spreche, würde eben auch dieser Eingeweihte, nur in der damaligen Form des Ausdruckes, zu seinen Schülern gesprochen haben. Er würde ihnen begreiflich gemacht haben: Wenn durch das menschliche Auge eine Farbe angeschaut wird, wenn durch das Anschauen dieser Farbe eine Veränderung im menschlichen Gehirn hervorgebracht wird, so ist das, was da im menschlichen Auge hervorgebracht wird, diese Veränderung des Gehirns, eine Tat der Außenwelt. Was im Gehirn selber geschicht, sind Taten der Außenwelt. Aber das Gehirn tut selber auch etwas. Wenn das Gehirn von außen den Farbeneindruck empfängt und im Innern dadurch einen Nervenvorgang als Wirkung erfährt, so tut das Gehirn in seinem astralischen Leibe und in seiner Ich-Wesenheit etwas. Aber das zeigt sich nicht im Gehirn. Die Wirkung davon ist im übrigen Organismus. Und während die Wirkung der Außenwelt in einer Veränderung des Gehirns vorliegt, wirkt das Gehirn seinerseits zum Beispiel auf das Herz oder auf irgendein anderes Organ des menschlichen Leibes. Was der menschliche Kopf tut, das könnt ihr nur dann betrachten — so würde dieser Eingeweihte zu seinen Schülern gesprochen haben —, wenn ihr genau alles das kennt, was im menschlichen physischen Leibe vor sich geht.
[ 6 ] Just as I am speaking to you now, so too would this initiate have spoken to his students—only using the forms of expression common at that time. He would have made it clear to them: When a color is perceived by the human eye, and when the act of perceiving this color brings about a change in the human brain, then what is brought about in the human eye—that is, this change in the brain—is an action of the external world. What happens within the brain itself are actions of the external world. But the brain itself also does something. When the brain receives the color impression from the outside and thereby experiences a nervous process internally as a result, the brain does something within its astral body and within its I-being. But this does not manifest in the brain itself. The effect of this is in the rest of the organism. And while the effect of the external world manifests as a change in the brain, the brain, for its part, acts, for example, on the heart or on some other organ of the human body. What the human head does, you can only observe—as this initiate would have said to his students—if you know exactly everything that takes place in the human physical body.
[ 7 ] Die Ägypter wußten das, aber sie mußten, weil sie nicht mehr die Mittel der alten Zeit hatten, zu andern Mitteln greifen als zum Beispiel die urpersischen oder die urindischen Eingeweihten. Die urindischen Eingeweihten haben ihre Schüler Jogaübungen machen lassen; sie haben sie in einer bestimmten Weise atmen lassen. Dadurch, daß die Schüler den Atmungsvorgang zu einem Sinnesvorgang gemacht haben, haben sie den menschlichen physischen Leib kennengelernt. Wie ging das vor sich?
[ 7 ] The Egyptians knew this, but because they no longer had the methods of ancient times, they had to resort to different methods than, for example, the ancient Persian or ancient Indian initiates. The ancient Indian initiates had their students perform yoga exercises; they had them breathe in a specific way. By transforming the act of breathing into a sensory experience, the students came to understand the human physical body. How did this take place?
[ 8 ] Nun, wir wissen ja, wie in dieser Beziehung der menschliche Organismus geartet ist. Wenn wir eine Einatmung machen, da geht der Atemstoß durch die Lunge in den Körper und geht durch denRückenmarkskanal in das Gehirn. Im Gehirn verbindet er sich mit den andern Vorgängen, die da vor sich gehen, stößt zurück, und namentlich diesen Rückstoß beobachtete der Jogaschüler. Es war also für ihn so, daß er den Atemstoß bekam, der zunächst in die Lunge, dann durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn ging und sich da ausbreitete. Er stieß dann wiederum zurück, ging durch die verschiedenen Organe in die Brust und so weiter. Diesen Rückstoß, den beobachtete also vorzugsweise der Jogaschüler. Was konnte er sich sagen? Indem er den Atemstoß, der zurückging in den Organismus, durch seine besondere Atemkunst beobachten konnte, beobachtete er in dem Hinunterwirken des Atems, was das Gehirn in seiner Brust, in seinen Unterleibsorganen und so weiter tut. In dem Zurückstoßen durch den Rückenmarkskanal und in dem Ausbreiten dieses Rückstoßes im ganzen Leibe beobachtete der Jogaschüler, was in seinem Organismus durch das Kopforgan bewirkt wird.
[ 8 ] Well, we know how the human organism functions in this regard. When we inhale, the breath flows through the lungs into the body and travels through the spinal canal to the brain. In the brain, it connects with the other processes taking place there, pushes back, and it was specifically this recoil that the yoga student observed. So for him, it was as if he received the breath that first went into the lungs, then through the spinal canal into the brain, where it spread out. It then pushed back again, passing through the various organs into the chest, and so on. It was this recoil, then, that the yoga student observed most closely. What could he conclude from this? By observing the breath impulse as it returned to the organism through his special breathing technique, he observed, in the downward action of the breath, what the brain does in his chest, in his abdominal organs, and so on. As the breath flowed back through the spinal canal and spread throughout the entire body, the yoga student observed what the brain was causing to happen within his organism.
[ 9 ] Das war die Kunst des Atmens, als es noch so vorhanden war, daß tatsächlich der Atmungsvorgang zu einem Sinnesvorgang gemacht wurde, daß auf dem Umwege des Atmens der Mensch sich die Frage beantwortete: Was tut mein Haupt in meinem Organismus? — Nun habe ich Ihnen schon die letzten Male klargemacht, daß diese Art der Hellseherkunst eben in einer bestimmten Epoche des ägyptischen Zeitalters verlorengegangen war, daß die Ägypter zu andern Mitteln greifen mußten. Und so führten die Eingeweihten dieses ägyptischen Zeitalters ihren Schülern die Mumie vor, lehrten sie auch, den menschlichen Organismus zu mumifizieren, und lehrten sie durch diese Anschauung das, was früher auf eine innerliche Weise durch das Verfolgen des Atmungsprozesses gelernt worden war.
[ 9 ] That was the art of breathing, back when it still existed in such a way that the act of breathing itself was transformed into a sensory experience, so that through the medium of breathing, human beings answered the question: What is the purpose of my head within my organism? — Now, I have already made it clear to you on previous occasions that this form of clairvoyance was lost during a specific epoch of the Egyptian era, and that the Egyptians had to resort to other means. And so the initiates of that Egyptian era presented the mummy to their students, taught them how to mummify the human organism, and through this visual demonstration taught them what had previously been learned in an inner way by observing the breathing process.
[ 10 ] Aber ich habe Ihnen auch gesagt, wenn diese ägyptischen Schüler der Eingeweihten auch nicht mehr die geistigen Vorgänge innerlich verfolgen konnten — denn auf die kam es an —, die sich als Taten des Gehirnes am menschlichen Organismus enthüllen, so kamen den alten ägyptischen Eingeweihten, wenn sie mit ihren Schülern sprachen, die geistigen Wesenheiten zu Hilfe, die mit dem Monde, mit der Mondensphäre zusammenhängen. Und diese geistigen Wesenheiten, die eben sonst obdachlos herumgeirrt wären auf Erden, die fanden ihr Obdach, ihr Haus, ihre Wohnung in den Mumien. Die waren es dann, welche man noch beobachten konnte, deren Sprache man sogar noch verstand in diesem Zeitalter der ägyptischen Entwickelung und von denen man die erste Naturwissenschaft lernte, indem man das, was der Jogaschüler noch auf innere Weise durch den kultivierten Atmungsprozeß wahrgenommen hat, so lehrte, daß man sagte: Sieh dir das menschliche Haupt an! Es ist eigentlich in einem fortwährenden Vergehen. — Das menschliche Haupt ist im Grunde genommen in einem fortwährenden Sterben, und in jeder Nacht muß sich der menschliche Organismus bemühen, gegen dieses Sterben des menschlichen Kopfes zu arbeiten. Aber was er während dieses Sterbens zwischen Geburt und Tod ausführt, das ist ein Neubeleben der übrigen Körperorgane, so daß diese, indem sie ihre Kräfte — natürlich nicht ihre Materie, sondern ihre Kräfte — durch die Zwischenzeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in die Zukunft hineinschicken, Haupt werden, Kopf werden in der nächsten Erdenorganisation. Aber — so sagte der Eingeweihte zu seinen Schülern — ihr müßt verstehen, was in den Formen der Organe liegt. — Deshalb suchte man so sorgfältig die Mumie zu bewahren, damit einem an den Formen der Organe der Mumie die eben angeführten Mondengeister erzählen konnten, welches die Geheimnisse dieser Organe sind, wie sie im Zusammenhange stehen mit dem menschlichen Haupte, wie sie in sich die Keimkräfte tragen, um selbst im nächsten Erdenleben Haupt zu werden. Diesen Unterricht gab der ägyptische Eingeweihte seinen Schülern an der Mumie.
[ 10 ] But I also told you that even though these Egyptian disciples of the initiates could no longer follow the spiritual processes internally — for that was what mattered — which reveal themselves as acts of the brain upon the human organism, then, when the ancient Egyptian initiates spoke with their students, the spiritual beings associated with the Moon and the lunar sphere came to their aid. And these spiritual beings, who would otherwise have wandered homelessly upon the earth, found their shelter, their home, their dwelling in the mummies. It was these beings that could still be observed, whose language was even understood in this era of Egyptian development, and from whom the first natural science was learned—by teaching what the yoga student had already perceived inwardly through the cultivated breathing process, so that it was said: “Look at the human head! It is, in fact, in a state of constant decay.” — The human head is, in essence, in a state of constant dying, and every night the human organism must strive to counteract this dying of the human head. But what it accomplishes during this dying process between birth and death is a revitalization of the remaining bodily organs, so that these, by sending their forces—not their matter, of course, but their forces—into the future through the interval between death and a new birth, become the head in the next earthly incarnation. But—as the initiate said to his students—you must understand what lies within the forms of the organs. — That is why such care was taken to preserve the mummy, so that the lunar spirits mentioned above could reveal, through the forms of the mummy’s organs, what the secrets of these organs are, how they relate to the human head, and how they carry within themselves the germinative forces to become heads themselves in the next earthly life. The Egyptian initiate imparted this teaching to his students using the mummy as a model.
[ 11 ] So hatte man in einem bestimmten Zeitalter auf äußerliche Weise zu lehren, was in den Blütezeiten der Jogaphilosophie und der Jogareligion auf eine innerliche Weise gelehrt worden war. Das war der ungeheure große Übergang, der stattfand von der urindischen und urpersischen Kultur zur ägyptischen Kultur hinüber, daß das, was früher auf innerliche Weise gelehrt worden war, nun auf äußerliche Weise gelehrt wurde. Und so etwa schloß mit einer, ich möchte sagen, grandiosen Pointe der ägyptische Eingeweihte diesen Unterricht, indem er sagte: Und nun versetzt euch ganz in das, was ihr in der Plastik der Mumie vor euch habt. Ihr habt in der Plastik der Mumie ganz undeutlich vor euch, was im Leben des Menschen auf der Erde in fortwährendem Vergehen ist: das Innere des menschlichen Hauptes. Ihr habt aber mit einer großen Deutlichkeit vor euch, was im übrigen Organismus in der Form ist. Nicht die Lebensprozesse, nicht die Empfindungsprozesse, das alles könnt ihr nicht studieren an der Mumie, aber ihr könnt studieren, was die plastische Form von Herz, von Leber, von Niere, von Magen, von alledem ist, was der menschliche Leib in seinem Inneren trägt. Und jetzt stellt euch vor: wenn ihr während des Lebens den Atem zurückgezogen habt in eurem Kopfe und ihn wiederum zurückstrahlt in den Organismus, so liegt in diesem Atem die plastizierende Kraft, Mumie zu werden.
[ 11 ] Thus, during a certain era, it became necessary to teach in an external manner what had been taught in an internal manner during the heyday of yoga philosophy and the yoga religion. This was the immense transition that took place from the ancient Indian and ancient Persian cultures to Egyptian culture: that which had previously been taught in an inner way was now taught in an outer way. And so, with what I might call a magnificent climax, the Egyptian initiate concluded this lesson by saying: “And now immerse yourselves completely in what you see before you in the form of the mummy. In the form of the mummy, you have before you—albeit very indistinctly—what is in a state of constant decay in the life of a human being on Earth: the interior of the human head. But you have before you, with great clarity, what is present in the rest of the organism in the form of organs. Not the life processes, not the sensory processes—you cannot study any of that in the mummy—but you can study the physical form of the heart, the liver, the kidneys, the stomach, and all that the human body carries within itself. And now imagine: when, during life, you draw your breath into your head and then radiate it back into the organism, this breath contains the plasticizing power to become a mummy.
[ 12 ] Der Atemstoß, der vom Kopfe nach dem Körper geht, will sich zur Mumie formen (siehe Zeichnung S. 92). Und nur dadurch, daß der Körper entgegenwirkt und wiederum die Ausatmung bewirkt, wird diese Mumie zurückverwandelt. Was man da vom menschlichen Haupte gegen den übrigen menschlichen Organismus zu sich bilden sieht, indem der Atem vorstößt, diese schnell wie eine Mumie sich bildende Gestalt, die sich aber sogleich wiederum auflöst, indem der Atem ausgeatmet wird (weiß), das bleibt nur zurück in einem fast fortwährend, namentlich während des Wachens, bleibenden Schein des ätherischen Leibes (rot). Wenn man den ätherischen Leib betrachtet, bekommt man das Gefühl: vom Kopf aus will er sich fortwährend zur Mumie formen und wiederum auflösen in eine Art von Ähnlichkeit mit dem menschlichen physischen Organismus (blau). Das ist die innere bewegliche Plastik, diese Tendenz des menschlichen ätherischen Leibes, die Mumiengestalt anzunehmen und wiederum zurückzukehren, so daß er wieder ähnlich wird dem menschlichen physischen Organismus.
[ 12 ] The breath that flows from the head to the body seeks to form itself into a mummy (see illustration on p. 92). And it is only because the body counteracts this and in turn brings about exhalation that this mummy is transformed back. What one sees forming there from the human head toward the rest of the human organism as the breath surges forward—this form that rapidly takes shape like a mummy but immediately dissolves again as the breath is exhaled (white)—this remains only as an almost continuous appearance of the etheric body (red), particularly during wakefulness. When one observes the etheric body, one gets the feeling that, starting from the head, it constantly seeks to form itself into a mummy and then dissolve back into a kind of resemblance to the human physical organism (blue). This is the inner, dynamic plasticity—this tendency of the human etheric body to assume the form of a mummy and then return, so that it once again becomes similar to the human physical organism.


[ 13 ] Diese Eigentümlichkeit des Menschen wurde zuerst gelehrt, wie ich sagte, als die grandiose Pointe von all den einzelnen vielgestaltigen Lehren, die der ägyptische Eingeweihte mit Hilfe übersinnlicher, elementarischer Wesenheiten, die man als Mondengeister ansprechen kann, seinen Schülern gab.
[ 13 ] This peculiarity of human nature was first taught, as I said, as the grand culmination of all the various and multifaceted teachings that the Egyptian initiate imparted to his students with the help of supersensory, elemental beings, who can be addressed as moon spirits.
[ 14 ] Worauf wies denn dieser Eingeweihte seine Schüler hin? Er wies seine Schüler auf das hin, was in älteren Zeiten die Menschen innerlich erlebt haben: auf die Vergangenheit. Das war in der Tat das Eigentümliche dieser ägyptischen Kultur, die heute so rätselhaft vor uns steht, wenn wir uns die Sphinxe, Pyramiden, Mumien vergegenwärtigen. Rätselhaft steht das vor uns. Aber es enthüllt sich dem geisteswissenschaftlichen Blicke, wenn wir wissen, daß die Sphinxe zurück weisen auf die Gestaltungen, die während der atlantischen Zeit auf der Erde für den damaligen Blick der Menschen durchaus sichtbar waren, und wenn wir bedenken, daß in den Lehren, die der ägyptische Eingeweihte seinen Schülern über die Mumie geben konnte, ein Nachklang enthalten war von dem, was zum Beispiel der urindische Eingeweihte seinen Jogaschülern auf eine leichte Weise beibringen konnte, weil in diesen alten Erdenzeiten schon durch einen geringen Anstoß jeder Mensch dazu zu bringen war, das wahrzunehmen, was ich nennen möchte: den Augenblick des Entstehens der Äthermumie und die Rückgestaltung in einen menschlichen physischen Organismus.
[ 14 ] What, then, did this initiate point out to his students? He pointed out to his students what people had experienced inwardly in earlier times: the past. That was indeed the distinctive feature of this Egyptian culture, which stands before us today as such a mystery when we picture the sphinxes, pyramids, and mummies. It stands before us as a mystery. But it reveals itself to the spiritual-scientific gaze when we realize that the sphinxes point back to the forms that were fully visible on Earth during the Atlantean epoch to the eyes of the people of that time, and when we consider that the teachings the Egyptian initiate could impart to his students about the mummy there was an echo of what, for example, the ancient Indian initiate could easily teach his yoga students, because in those ancient earthly times, even a slight impulse was enough to enable every human being to perceive what I would like to call: the moment of the formation of the etheric mummy and its reconstitution into a human physical organism.
[ 15 ] Es ist außerordentlich interessant, sich in die Art und Weise zu vertiefen, wie diese Mysterien enthüllt wurden in den ägyptischen Lehrstätten, die sich ja deshalb mit dem menschlichen Tode in eine innige Verbindung setzten, weil der menschliche Tod eben die Formen, wenn sie so bearbeitet werden, wie das in Ägypten geschah, beibehält, diese Formen, die sich während des Lebens der Beobachtung entziehen und die im Grunde genommen dennoch erkannt werden müssen, wenn man wirklich in die menschliche Wesenheit eindringen will.
[ 15 ] It is extraordinarily interesting to delve into the manner in which these mysteries were revealed in the Egyptian schools of instruction, which established such a close connection with human death precisely because human death, when treated as it was in Egypt, retains these forms, forms that elude observation during life but which, in essence, must nevertheless be recognized if one truly wishes to penetrate the human being.
[ 16 ] Nun habe ich Ihnen gesagt, daß in dem, was vielfach seit dem Mysterium von Golgatha als Kultus bewahrt worden ist, etwas Ähnliches vorliegt wie für den Ägypter in der Mumie. Ich habe Ihnen gesagt, wie in der Zeit, als man es brauchte, schon vom 4., 5. nachchristlichen Jahrhundert an, leise in Anfängen, aber dann später immer deutlicher und deutlicher begonnen wurde, alte Kultformen im Grunde zu mumifizieren. Denn wenn wir hinschauen auf die Art und Weise, wie in gewissen okkulten und sonstigen Brüderschaften Ritualien beobachtet werden, so sehen wir in diesen Ritualien eigentlich nirgends etwas Neues, sondern überall alte Formen, alte Ritualformen konserviert. Wir sehen sogar, wie diejenigen Persönlichkeiten, welche solche Ritualien und Zeremonien zu bewahren und das, was mit ihnen vorgenommen wird, zu leiten haben, den größten Wert darauf legen, daß solche Zeremonien in uralte Zeiten zurückweisen, also gewissermaßen konservierte Gebräuche aus uralten Zeiten sind. Und wir sehen auch überall, wie diese Zeremonien, die Wirksamkeiten dieser Ritualformen eigentlich nicht mehr verstanden werden. Denn was heißt es eigentlich, solche Zeremonien verstehen? Was heißt das, die Handlungen zu verstehen, die im Ritus vor sich gehen? Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, müssen wir uns vergegenwättigen, wie Handlungen, die mit Ritualien zusammenhingen in alten Zeiten, zum Beispiel in der urpersischen und in der urindischen Zeit, verstanden wurden.
[ 16 ] Now I have told you that what has been preserved as a cult in many ways since the Mystery of Golgotha contains something similar to what the Egyptians found in the mummy. I have told you how, in the era when it was needed—beginning as early as the 4th and 5th centuries A.D.—a process began, quietly at first but later becoming ever clearer and clearer, to essentially mummify ancient forms of worship. For when we look at the way rituals are observed in certain occult and other brotherhoods, we see in these rituals nothing new anywhere, but rather old forms—old ritual forms—preserved everywhere. We even see how those individuals who are responsible for preserving such rituals and ceremonies—and for guiding what is performed within them—place the greatest emphasis on the fact that these ceremonies trace their origins back to ancient times; in other words, they are, so to speak, preserved customs from ancient times. And we also see everywhere how the true significance of these ceremonies—the efficacy of these ritual forms—is no longer understood. For what does it actually mean to understand such ceremonies? What does it mean to understand the actions that take place within the rite? If we wish to answer this question, we must consider how actions associated with rituals were understood in ancient times, for example, in the early Persian and early Indian periods.
[ 17 ] Der Mensch nimmt heute einen Unterschied wahr, wenn er, sagen wir, mit der Hand eine Rose aus Papiermach£ und eine wirkliche Rose berührt. Er nimmt ja schließlich auch diesen Unterschied wahr, wenn er sich mit der Nase an diese Rose heranmacht. Und er bezeichnet diesen Unterschied dadurch, daß er die Rose aus Papiermache& eben als etwas Totes und die Rose, die er am Rosenstrauch gepflückt hat, als ein Lebendiges bezeichnet. Jemand, der in der richtigen Weise die Welt in jenen alten Zeiten, die ins 4., 5. vorchtistliche Jahrtausend zurückführen, ansah, der würde das, was zum Beispiel jemand tut, wenn er mit einer Maschine Holz zuschneidet und dergleichen, als einen toten Vorgang bezeichnet haben, denn er sah ja, auch wenn er geistig hinsah, nicht die physische Materie, sondern so etwas wie ein totes Schattenbild. Aber bei einer Handlung, die im Ritus ausgeführt wurde, bei einer Zeremonie, da sah er, wiein dem, was sich da vollzog, sogleich aus der umliegenden elementarischen Welt geistige Wesenhaftigkeiten heranrückten und durch all die Formen durchgingen, welche sich in der ritusmäßigen Handlung vollzogen. Geistigkeit sah er in diesen Handlungen.
[ 17 ] Today, a person perceives a difference when, say, he touches a papier-mâché rose and a real rose with his hand. After all, he also perceives this difference when he brings his nose close to the rose. And they describe this difference by calling the papier-mâché rose something dead and the rose they picked from the rosebush something alive. Someone who viewed the world correctly in those ancient times—dating back to the 4th and 5th millennia B.C.—would have described, for example, what someone does when cutting wood with a machine and the like as a dead process, for they saw— even when looking with their spiritual vision, not the physical matter but something like a lifeless shadow. But in an act performed as a ritual, in a ceremony, he saw how, in what was taking place there, spiritual entities immediately drew near from the surrounding elemental world and passed through all the forms that were manifested in the ritual act. He saw spirituality in these acts.
[ 18 ] Heute können Sie überall herumfragen, wo man irgendeine von Ritualien getragene Handlung ausführt, in Logen oder auch in Kirchen, ob die Leute in solchen rituellen Handlungen noch geistige Wesenheiten sehen, die diese Handlungen durchströmen und durchpulsen. Es ist nicht der Fall. Es ist ebensowenig in diesen Handlungen heute geistiges Leben, wie in der ägyptischen Mumie das Leben dessen war, den man mumifiziert hatte. Diese Ritualien wurden nun bewahrt. Gewissermaßen wurden so, wie in der ägyptischen Mumie der menschliche Körper seiner Form nach mumifiziert worden ist, menschliche Handlungen, menschliche Verrichtungen traditionell aufbewahrt und werden, indem man sie nun vornimmt, gewissermaßen eben auch mumifiziert; wurde doch in ihnen etwas bewahrt, was wieder auferweckt werden kann und was auch wieder auferweckt werden wird, wenn man einmal den Weg gefunden haben wird, um die Kraft, die von dem Mysterium von Golgatha ausgeht, wiederum in alles menschliche Tun hineinzubringen.
[ 18 ] Today, you can ask around anywhere where any ritual-based practice is performed—in lodges or even in churches—whether people still perceive spiritual beings in such ritual acts, beings that flow through and pulse through these acts. This is not the case. There is just as little spiritual life in these acts today as there was in the Egyptian mummy the life of the one who had been mummified. These rituals have now been preserved. In a sense, just as the human body in an Egyptian mummy has been preserved in its form, human actions and human activities have been traditionally preserved and, by performing them today, are in a sense also being preserved; for something has been preserved within them that can be resurrected—and will indeed be resurrected—once we have found the way to reintroduce the power emanating from the Mystery of Golgotha into all human activity.
[ 19 ] Dieses Hineinbringen der Kraft des Mysteriums von Golgatha, das verstehen die Menschen eigentlich heute sehr wenig. Einzelne Menschen gab es noch immer im Laufe der Zeiten, die einen Begriff davon hatten, wenn dieser Begriff auch nicht mehr so klar war wie in alten Zeiten, aber einzelne Menschen gab es noch immer, die einen Begriff hatten, wie das, was im Menschen als geistiger Impuls leben kann, hineingeleitet werden kann in alle menschlichen Handlungen, wie der Mensch ein Vermittler sein kann zwischen dem Geiste und dem, was äußerlich durch ihn selbst geschieht. Man muß natürlich dazu den rechten inneren Impuls haben. Man braucht nur auf einen solchen Geist wie Paracelsus hinzuweisen. Da ist noch solch ein Einsamer da, der wenigstens noch eine Ahnung davon hatte, daß das Geistige unter den Menschen so leben muß, daß es wirklich von den Menschen ausströmt und in die Handlungen hineingeht. Es ist ein großer Unterschied zwischen dem, was heute die Menschen gelten lassen und dem, was zum Beispiel noch Paracelsus ahnungsvoll wollte. Heute trennen die Menschen, was sie auf gewissen Gebieten des Lebens tun. Sie treiben zum Beispiel Medizin; aber sie wird nach materialistischer Auffassung getrieben. Nun kann man als Mediziner auch ein religiös frommer Mann oder eine religiös fromme Frau im heutigen Sinne sein. Aber man trennt das. Man verrichtet die Medizin äußerlich nach materialistischen Grundsätzen und sucht dann, was man für seine Seele braucht, in einer abgesonderten Religion. Dadurch bekommt die Religion etwas außerordentlich Egoistisches, denn eigentlich geht der Mensch an die Religion nur heran, wenn er wissen will, wie es ihm nach dem Tode ergeht oder wie seine Taten zusammenhängen mit dem, was ein Gott aus ihnen macht.
[ 19 ] People today actually understand very little about this infusion of the power of the Mystery of Golgotha. Throughout the ages, there have still been individual people who had some sense of this—even if that sense was no longer as clear as in ancient times—but there have still been individual people who understood how that which can live within a human being as a spiritual impulse can be channeled into all human actions, and how a human being can serve as a mediator between the spirit and what happens externally through him or her. Of course, one must have the right inner impulse for this. One need only point to a figure such as Paracelsus. There is still such a solitary figure who at least had a sense that the spiritual must live among human beings in such a way that it truly flows out from them and enters into their actions. There is a great difference between what people accept today and what, for example, Paracelsus intuitively sought. Today, people separate what they do in certain areas of life. They practice medicine, for example; but it is practiced according to a materialistic view. Now, as a physician, one can also be a religiously devout man or woman in the modern sense. But they keep the two separate. They practice medicine outwardly according to materialistic principles and then seek what they need for their soul in a separate religion. This gives religion an extraordinarily selfish character, for in reality, people turn to religion only when they want to know what will happen to them after death or how their actions relate to what a god makes of them.
[ 20 ] Paracelsus war in seiner ganzen Gesinnung noch anders. Paracelsus wollte als Arzt ein religiös frommer Mensch sein. Die einzelne medizinische Tat, die therapeutische Tat sollte eine religiöse Tat sein. Für ihn war gewissermaßen das, was er am Kranken tat, ein Zusammenfügen der äußeren physischen Menschentat mit einer religiösen Verrichtung. Im Grunde genommen war für ihn das Heilen noch Kultushandlung. Und es war sein Ideal, es zur Kultushandlung zu machen.
[ 20 ] Paracelsus was different in his entire outlook. As a physician, Paracelsus wanted to be a devoutly religious person. The individual medical act—the therapeutic act—was to be a religious act. For him, what he did for the patient was, in a sense, a fusion of the external, physical human act with a religious ritual. Essentially, for him, healing was still a ritual act. And it was his ideal to make it a ritual act.
[ 21 ] Das verstanden seine Zeitgenossen schon recht wenig, und in der Gegenwart wird es noch weniger verstanden. Es tut einem immer das Herz weh, wenn man nach Salzburg kommt und hört, wie die Tradition davon lebt, daß Paracelsus ein Säufer gewesen sei, daß er einmal spät nachts betrunken nach Hause gegangen, über einen Felsen heruntergefallen sei und sich den Schädel zerschlagen habe, daß er auf diese Weise zugrunde gegangen sei. Würde man das Richtige erzählen, so würde man natürlich darauf hinweisen, was seine Feinde getan haben; denn für dieses Schädelzerschlagen hat nicht die Betrunkenheit des Paracelsus gesorgt, sondern diejenigen haben es getan, die dann auch die Märe von seiner Betrunkenheit aufgebracht haben.
[ 21 ] His contemporaries understood this very little, and today it is understood even less. It always breaks one’s heart to come to Salzburg and hear how the tradition persists that Paracelsus was a drunkard, that he once walked home late at night while drunk, fell off a cliff, and smashed his skull, and that this is how he met his end. If the true story were told, one would naturally point out what his enemies did; for it was not Paracelsus’s drunkenness that caused his skull to be shattered, but rather those who later spread the rumor of his drunkenness.
[ 22 ] Nun, heute sind die Sitten milder in dieser Beziehung, nicht gerade sehr viel anders, aber milder. Um was es sich handelt, ist, daß die Zeit schon herankommen wird, in der eine vertiefte Auffassung alles Kultus, aller Kultushandlungen Platz greifen wird. Und dann werden die richtigen Lehrer den richtigen Schülern etwas Ähnliches klarmachen können, wie es der ägyptische Eingeweihte seinen Schülern an den Mumien klarmachen konnte. Wie dazumal der ägyptische Eingeweihte seinen Schülern hat klarmachen können, daß sie etwas an der Mumie sehen, was in alten Zeiten durch den zu einem Sinnesprozeß umgestalteten Atmungsprozeß innerlich erlebt wurde, so wird, wenn wiederum der Kultus in der richtigen Weise verstanden werden kann, der Eingeweihte seinen Schülern klarmachen können, daß die Kultushandlung etwas ist, was im Vergleiche zu den äußeren Taten, die sonst der Mensch mit Hilfe von Werkzeugen verrichtet — und auch bei den Kultushandlungen spielen Werkzeuge ja eine Rolle —, eine ungeheuer viel größere Bedeutung im Zusammenhang mit dem Kosmos, mit dem Universum hat.
[ 22 ] Well, today’s customs are more lenient in this regard—not exactly very different, but more lenient. The point is that the time is already approaching when a deeper understanding of all worship and all ritual acts will take hold. And then the right teachers will be able to make something similar clear to the right students, just as the Egyptian initiate was able to make it clear to his students through the mummies. Just as the Egyptian initiate was once able to make clear to his students that they were seeing in the mummy something that in ancient times was experienced inwardly through the process of breathing, which had been transformed into a sensory process, so too, when the cult can once again be understood in the right way, the initiate will be able to make it clear to his students that the ritual act is something that, in comparison to the external deeds that people otherwise perform with the aid of tools—and tools do, after all, play a role in ritual acts as well—has an immensely greater significance in connection with the cosmos, with the universe.
[ 23 ] Einstmals wird der Eingeweihte an den, allerdings nicht im heutigen Sinne verlaufenden, sondern an den wieder richtiggestellten Kultushandlungen seinen Schülern folgendes klarmachen können. Er wird ihnen sagen können: Wenn Ihr eine Kultushandlung verrichtet, so ist das ein Appell an die geistigen Mächte des Universums, ein Appell an diejenigen Mächte, die gerade durch das, was der Mensch tut, sich mit der Erde verbinden sollen. — Solch eine Handlung, die nach einem gewissen Ritus ausgeführt wird, unterscheidet sich wesentlich von einer bloß technischen Handlung. Eine Handlung, die bloß technisch ist, bewirkt irgend etwas. Mit einer Maschine macht man irgend etwas. Das, was man macht, wird verwendet im Leben. Man macht, sagen wir, heute mit der Nähmaschine Kleider, die Kleider trägt man, sie gehen zugrunde. Damit ist aber auch das, was durch die Maschine geschieht, getan. So ist es nicht bei der Kultushandlung. Ich habe Ihnen das letztemal gezeigt, wie der Mensch, wenn die Kultushandlung in der richtigen Weise aufgefaßt wird, in die Möglichkeit kommt, mit andern geistigen Wesenheiten verkehren zu können, mit Wesenheiten, die der Erde so nahestehen, wie die Geister, welche zu den Ägyptern aus den Mumien sprachen, dem Monde nahestanden. Durch die Maschine, durch die äußere Technik verkehrt man mit den physischen Naturkräften der Erde; durch die Kultushandlungen verkehrt man mit den geistig-elementarischen Mächten der Erde. Mit denjenigen Mächten der Erde verkehrt man, welche in die Zukunft hinweisen.
[ 23 ] One day, the initiate will be able to explain the following to his students regarding the ritual practices—which, however, will not be conducted in the modern sense, but will have been restored to their proper form. He will be able to tell them: When you perform a ritual, it is an appeal to the spiritual powers of the universe, an appeal to those powers that are meant to connect with the Earth precisely through what human beings do. — Such an act, performed according to a specific rite, differs fundamentally from a merely technical act. An action that is merely technical accomplishes something. With a machine, one does something. What one does is used in life. Today, for example, one uses a sewing machine to make clothes; one wears those clothes, and they eventually wear out. But with that, what is accomplished by the machine is also complete. This is not the case with a ritual act. Last time I showed you how, when the ritual act is understood in the right way, a person gains the ability to communicate with other spiritual beings—beings as close to the Earth as the spirits who spoke to the Egyptians from the mummies were close to the Moon. Through machines, through external technology, one interacts with the physical forces of nature on Earth; through ritual practices, one interacts with the spiritual-elemental forces of the Earth. One interacts with those forces of the Earth that point toward the future.
[ 24 ] Und so wird der Eingeweihte seinen Schülern sagen können: Indem ihr euch einlebt in eine Kultushandlung, indem ihr verfolgt, was da geschieht, verfolgt ihr etwas, wovon der materialistische Phantast sagt: Das ist ja nichts Wirkliches! —, oder gar, wenn er zynisch ist, sagt: Das ist ja ein Spiel! — So mag es sein, aber alles, was nach dem richtigen Ritus ausgeführt wird, birgt Geistiges in sich. Die geistig-elementaren Wesenheiten, welche in die Gegenwart herein berufen werden, wenn eine Kultushandlung ausgeführt wird, brauchen diese Kultushandlung, denn aus ihr ziehen sie ihre Nahrung, ihre Wachstumskräfte.
[ 24 ] And so the initiate will be able to say to his students: As you immerse yourselves in a ritual, as you follow what is happening there, you are following something about which the materialistic fantasist says: “That’s not real at all!” — or even, if he is cynical, says: “That’s just a game!” — That may be so, but everything performed according to the proper rite contains something spiritual within it. The spiritual-elemental beings who are summoned into the present when a ritual is performed need this ritual, for from it they draw their nourishment and their forces of growth.
[ 25 ] Einmal wird eine Zeit kommen, in der die Erde nicht mehr sein wird. Es ist so, daß alles, was wir um die physischen Sinne ringsherum haben, alles, was wir im heutigen Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich sehen, alles, was an Luft und Wolken, selbst das, was an dem Glanze der Sterne vorhanden ist, daß alles das vergehen wird. Dann wird die Erde sich angeschickt haben, das zu werden, wovon ich im Umriß einer «Geheimwissenschaft» gesprochen habe. Die Erde wird sich anschicken müssen, in einer gewissen Zukunft zum Jupiterdasein hinüberzugehen. Dieser Jupiter wird ebenso eine folgende Verkörperung der Erde sein, wie unser eigenes künftiges Erdenleben eine Wiederverkörperung unseres gegenwärtigen Erdendaseins sein wird, nur daß die Zeiträume wesentlich größer sind. Kein Stäubchen wird von der Materie, die heute in Mineralien, Pflanzen, Tieren, in Wind und Wolken ist, kein Stäubchen von dieser Erde wird in einer gewissen Weise in der Zukunft mehr vorhanden sein. Alle Vorgänge, die auf äußerlich technische Weise geschehen, die mit den technischen Maschinen vor sich gehen, die werden ihre Aufgabe getan haben. Das alles wird Vergangenheit sein.
[ 25 ] A time will come when the Earth will no longer exist. The fact is that everything surrounding our physical senses—everything we see in today’s mineral, plant, and animal kingdoms; everything in the air and the clouds; even the radiance of the stars—all of that will pass away. Then the Earth will have set out to become what I have described in the outline of Occult Science. The Earth will have to prepare itself to transition, at some point in the future, into a Jupiter-like existence. This Jupiter will be just as much a subsequent incarnation of the Earth as our own future earthly life will be a reincarnation of our present earthly existence, only the time spans are considerably greater. Not a single speck of the matter that is today found in minerals, plants, animals, the wind, and the clouds—not a single speck of this Earth—will, in a certain sense, still exist in the future. All processes that take place in an outwardly technical manner, carried out by technical machines, will have fulfilled their purpose. All of that will be a thing of the past.
[ 26 ] Aber in dem, was da war, in dem, was menschliche äußere technische Kultur war, darinnen wird etwas anderes vorbereitet sein. Zeichnen wir uns das schematisch hin (siehe Zeichnung). Nehmen wir an, das sei unsere heutige Erde. Dadrinnen gehen die verschiedensten Naturprozesse vor sich(grün); Pflanzendecke und so weiter, Wolken umgeben die Erde (hell), Maschinen sind da, mit denen allerlei geschieht auf der Erde (lila); Tiere laufen herum, physische Menschenkörper (rötlich). Das alles wird weg sein. Aber auf dieser Erde werden in der Zukunft solche Kultushandlungen vollzogen werden, welche aus einem richtigen Erfassen der geistigen Welt hervorgehen. In alledem, was dadrinnen ist, werden Kultushandlungen vollzogen.
[ 26 ] But within what was there—within what constituted human external technological culture—something else will be taking shape. Let’s sketch this out schematically (see drawing). Let’s assume this is our Earth today. Within it, a wide variety of natural processes are taking place (green); vegetation and so on, clouds surround the Earth (light), machines are there, through which all sorts of things happen on Earth (purple); animals roam about, physical human bodies (reddish). All of that will be gone. But on this Earth, cultural acts will be performed in the future that arise from a true understanding of the spiritual world. Within everything that is there, cultural acts will be performed.


[ 27 ] Ich will sie hier schematisch in der verschiedensten Weise zeichnen (siehe Zeichnung). Dadurch, daß diese Kultushandlungen vollzogen werden, werden in die Sphäre dieser Kultushandlungen elementar-geistige Wesenheiten hereingerufen. Ich will sie hier gelb zeichnen. Sie sind unsichtbar für das äußere Auge. Aber eine Zeit wird kommen, in der alles, was an Stoffen heute die Mineralien, die Pflanzen, die Tiere, die Wolken ausfüllt, was da wirkt in Wind und Wetter, fort sein wird. Alles, was Pflanzendecke ist, wird fort sein, zerstäubt sein im Weltenall, selbstverständlich auch die Geräte, mit denen dieKultushandlungen verrichtet werden. Aber was an elementaren geistigen Wesenheiten in die Sphäre der Kultushandlungen gerufen worden ist, das wird darinnenstecken, das wird, wenn diese Erde ihrer Vollendung zugeht, in vollkommener Ausbildung ebenso innerhalb der Erde sein, wie im Herbst der Pflanzenkeim des nächsten Jahres verborgen in der Pflanze steckt. Und wie von der Pflanze die welk gewordenen, dürren Blätter abfallen, so wird in das Weltenall hineinzerfallen all das, was im Mineral-, im pflanzlichen, im tierischen Reiche ist. Und wie ein Same für die Zukunft werden die elementaren Wesen, die sich dann vervollkommnet haben, da sein, weiterlebend ins Jupiterdasein.
[ 27 ] I will depict them here schematically in various ways (see drawing). Through the performance of these ritual acts, elemental-spiritual beings are summoned into the sphere of these ritual acts. I will depict them here in yellow. They are invisible to the physical eye. But a time will come when everything that today fills the material world—the minerals, the plants, the animals, the clouds—and everything that acts in the wind and weather, will be gone. All vegetation will be gone, scattered throughout the cosmos, including, of course, the implements used to perform the ritual acts. But the elemental spiritual beings that have been summoned into the sphere of the ritual acts will remain there; when this Earth approaches its completion, they will be present within the Earth in their fully developed form, just as the plant seed for the following year lies hidden within the plant in the fall. And just as the withered, dry leaves fall from the plant, so will everything in the mineral, plant, and animal kingdoms disintegrate into the cosmos. And like a seed for the future, the elemental beings—who will then have perfected themselves—will be there, living on into the Jupiter existence.


[ 28 ] Und dann kann wiederum, ich möchte sagen, in einer grandiosen Pointe zusammengefaßt werden, was solch ein Eingeweihter seinen Schülern zu sagen hat. Er kann sagen: So wie der ägyptische Eingeweihte an der Mumie alle Geheimnisse des menschlichen Hauptes und damit alle Geheimnisse der Erde und ihrer kosmischen Umgebung seinen Schülern klarmachen konnte, so kann ich euch klarmachen, wie die Erde in ihrer Vernichtung auferstehen wird aus den elementarisch sich erlebenden Wesenheiten, die in dem richtig verstandenen Kultus sich in die Zukunft hinein entwickeln. — Und es gibt in der Entwickelung unserer Zeit für diese Auffassung einen grandiosen Anfang. Dieser Anfang kann sich so vor die Seele hinstellen: Menschen haben ihren Hunger und Durst befriedigt, indem sie vor sich auf ihrer Tafel hatten, was den Hunger und den Durst befriedigt. Dann aber kam das Wesen, das in dem Leibe des Jesus von Nazareth wohnte, versammelte seine intimsten Jünger um sich und sagte zu ihnen: Hier ist das Brot, hier ist der Wein. Seht jetzt nicht auf das, was eure äußeren Augen im Brote und Weine sehen, was eure Gaumen schmecken, was euer physischer Leib verdauen kann. Was auf der Erde ist, das trägt den Keim des Unterganges in sich. Aber wenn ihr in euch den rechten Impuls habt, könnt ihr es erfüllen mit dem, was Geist der Erde ist. Denn das ist dann nicht Brot, das ist nicht Wein, das ist, was als das Tiefste im Menschen selber leben kann, das ist, was im menschlichen Leibe lebt und west, was der Mensch vergeistigen kann und was hinübergetragen wird in die Zukunft, wenn alles das, was hier auf Erden lebt, vergangen ist. — Der Christus ist eingezogen in den Leib des Jesus von Nazareth; alles ist geistig geworden an diesem Jesus von Nazareth. Er konnte hinweisen auf das Brot und auf den Wein und konnte sagen: Das ist nicht die wahre Gestalt von Brot und Wein, die wahre Gestalt ist diese, die im Menschen wohnt. «Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut.» Die Worte bekommen ihre rechte Bedeutung dann, wenn man sie interpretiert durch das andere Christus-Wort.
[ 28 ] And then, in turn, I would say, what such an initiate has to say to his students can be summed up in a magnificent punchline. He can say: Just as the Egyptian initiate was able to make clear to his students, through the mummy, all the mysteries of the human head—and thus all the mysteries of the Earth and its cosmic surroundings—so I can make clear to you how the Earth, in its destruction, will rise again from the elemental beings that are experiencing themselves and that, within the correctly understood cult, will develop into the future. — And in the course of our times, there is a magnificent beginning for this understanding. This beginning can present itself to the soul in this way: People have satisfied their hunger and thirst by having before them on their table what satisfies hunger and thirst. But then the Being who dwelt in the body of Jesus of Nazareth gathered his closest disciples around him and said to them: “Here is the bread; here is the wine.” Do not now look at what your physical eyes see in the bread and wine, what your palates taste, or what your physical body can digest. Whatever is on earth carries within it the seed of destruction. But if you have the right impulse within you, you can fill it with what is the Spirit of the earth. For then it is no longer bread, it is no longer wine; it is what can live as the deepest essence within the human being itself; it is what lives and dwells in the human body, what the human being can spiritualize, and what will be carried over into the future when all that lives here on earth has passed away. — Christ has entered into the body of Jesus of Nazareth; everything became spiritual in this Jesus of Nazareth. He could point to the bread and the wine and say: This is not the true form of bread and wine; the true form is this, which dwells within the human being. “This is my body, this is my blood.” The words take on their true meaning when interpreted through the other words of Christ.
[ 29 ] Ich mußte heute und schon früher oftmals zu Ihnen sagen, daß alles, was auf der Erde als Pflanzenreich, als Tierreich, als Mineralreich ist, was in Wind und Wetter, in Wolken und so weiter lebt, selbst was im Sternenscheine lebt, daß alles das zerstieben wird. Es wird nichts davon da sein, nicht ein Stäubchen. Es zerstiebt im Weltenall, Aber das, was der Mensch geistig vorbereitet, das wird da sein.
[ 29 ] I have had to tell you today—and many times before—that everything on Earth—the plant kingdom, the animal kingdom, the mineral kingdom; everything that lives in the wind and weather, in the clouds, and so on; even that which lives in the starlight—all of that will be scattered. Nothing of it will remain—not even a speck of dust. It will be scattered throughout the universe. But what human beings prepare spiritually—that will remain.
[ 30 ] Der heutige Mensch meint, durch unsere Sprachorgane bewegen wir die Luft, und da werden in der Luft Schwingungen angeschlagen, die trommeln dann auf das Trommelfell — das davon auch den Namen hat, sonst würde man es nicht Trommelfell nennen, wenn nicht darauf getrommelt würde —, und da geschieht so etwas wie die Umsetzung in Nervenbewegung, und da hört es dann auf. Es gab eine Zeit in der Menschheitsentwickelung, in der man noch wußte, wie auf den Worten die elementarischen Geister sich bewegten, in der man noch wußte, daß, wenn der Mensch zum Beispiel das Wort ausspricht in der rituellen Handlung, dasjenige, was er im Worte ausspricht, sich hineinströmend bewegt in die äußere Handlung, die äußere Handlung durchsetzt, und daß der Geist, der im Menschen lebt, sich mit dem, was die äußere Handlung ist, verbindet und dadurch eben das alles geschieht, was ich so ausdrückte: Es werden elementarische Geister, die in die Zukunft hinein sich vervollkommnen, in der Sphäre der Ritualhandlung gegenwärtig sein. — Wer das verfolgt, der kann auch verstehen, was man einstmals meinte, wenn man von dem «Wort» sprach. Heute meint man Schall und Rauch. Daher konnte Goethe mit einem gewissen Recht von Schall und Rauch sprechen lassen. Aber ehedem meinte man mit dem Worte nicht Schall und Rauch, sondern das, was als Geist in dem Worte lebt, nicht das abstrakt begriffliche Vorstellungsmäßige, sondern das wirklich Spirituelle, das im Worte lebt. Und im Worte lebte eben viel Spirituelles. Der Christus machte darauf aufmerksam, daß dasjenige, was der Mensch also im Worte leben läßt, eben in dem steckt, was sich mit der Ritualhandlung als eine Vervollkommnung elementarischer Geister ergibt, und er konnte sagen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.»
[ 30 ] People today believe that we move the air with our speech organs, and that this creates vibrations in the air which then drum on the eardrum—which is named for this very reason; otherwise, it wouldn’t be called the eardrum if it weren’t for the drumming on it—and that this is then converted into nerve impulses, and that’s where it ends. There was a time in human evolution when people still knew how the elemental spirits moved in response to words, when they still knew that, for example, when a person utters a word during a ritual act, what is expressed in the word flows into the external action, permeates the external action, and that the spirit living within the human being unites with the external action, and through this, everything happens that I described as follows: elemental spirits, which are perfecting themselves into the future, will be present in the sphere of the ritual act. — Anyone who follows this line of thought can also understand what was once meant when people spoke of the “word.” Today, people mean mere sound and smoke. That is why Goethe could, with a certain degree of justification, have the “Word” speak of sound and smoke. But in former times, the “Word” did not mean sound and smoke, but rather that which lives as spirit within the Word—not the abstract, conceptual, or imaginary, but the truly spiritual that lives in the Word. And there was indeed much that was spiritual living in the Word. Christ drew attention to the fact that what human beings thus allow to live in the word is precisely contained in what arises through ritual action as a perfection of elemental spirits, and he was able to say: “Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away.”
[ 31 ] Und jetzt nehmen Sie den Ausgangspunkt des Johannes-Evangeliums: Im Urbeginne war der Logos, das Wort. — Stellen Sie sich vor, wie der Logos mit dem Christus eines ist; was sind dann Brot und Wein bei der Einsetzung des Abendmahles? Leib und Blut des Logos. Und wir haben hingeschaut, wie der Logos das Vergehende verläßt, das Werdende ergreift, die Zukunft vorbereiten will.
[ 31 ] And now consider the opening of the Gospel of John: In the beginning was the Logos, the Word. — Imagine how the Logos is one with Christ; what, then, are the bread and wine at the institution of the Lord’s Supper? The body and blood of the Logos. And we have observed how the Logos leaves behind what is passing away, embraces what is coming to be, and seeks to prepare the future.
[ 32 ] So kann gerade auf das Mysterium von Golgatha von einer solchen Betrachtungsweise aus ebenso grandios hingewiesen werden, wie einstmals hingewiesen worden ist auf das Bild des Ätherleibes als einer Mumiengestalt und sein sofortiges wiederum Sich-Verwandeln in eine Gestalt, die ähnlich ist dem menschlichen physischen Leib. Aber der Mensch — das habe ich ja in allen möglichen Zusammenhängen schon betont — wird wiederum seinen Zusammenhang mit der geistigen Welt erringen müssen, wenn die Erde ihr Ziel erreichen soll. Ebenso wie diejenigen, die den Ägyptern vorangegangen sind, innerlich dieses Mumiewerden erlebt haben, das sich gleich wiederum auflöst und das die Wahrnehmung des Atemstoßes darstellte, der in den Organismus sich ausbreitet, so wird in der Zukunft wahrgenommen werden müssen der Ausatmungsprozeß, das Hinaustreten der ausgeatmeten Luft in den äußeren Weltenraum, die Mitteilung von dem, was sich im menschlichen Organismus bildet, die Anschauung der Vergeistigung unserer Umgebung durch den Menschen selber. Der Ägypter sagte sich: Die Mumie stellt mit jedem Atemzuge eine Form dar, die der Mensch innerlich geistig werden will. — Künftige Eingeweihte werden sagen: Jede Ausatmung stellt dar, wie der Mensch ein ganzer Kosmos, eine ganze Welt werden will. Stößt aus dem Kopf die eingeatmete Luft nach dem Organismus, dann wird der Mensch verstanden. Stößt aus dem Menschen die Luft wiederum hinaus in die Welt, so wird im Anstoß der Luft an die Welt der Kosmos verstanden. — Man wird den Kosmos dadurch wieder verstehen, daß man in der Imagination die Welt umfassen wird. Und man wird in der Imagination dasjenige erkennen, was der Mensch selber mit seiner Atemluft in die Außenwelt versetzt. Es wird aber nichts anderes sein als das, was er in dieser Weise für die Zukunft vorbereitet.
[ 32 ] From this perspective, the Mystery of Golgotha can be highlighted just as magnificently as the image of the etheric body—once described as a mummy-like figure—and its immediate transformation back into a form similar to the human physical body was once described. But human beings—as I have already emphasized in all sorts of contexts—will once again have to reestablish their connection with the spiritual world if the Earth is to reach its goal. Just as those who preceded the Egyptians inwardly experienced this process of becoming a mummy—which immediately dissolves again and represented the perception of the breath spreading throughout the organism—so, in the future, it will be necessary to perceive the process of exhalation, the exhaled air stepping out into outer space, the communication of what is forming within the human organism, and the vision of the spiritualization of our surroundings by human beings themselves. The Egyptians said to themselves: With every breath, the mummy represents a form that the human being seeks to become spiritually within. — Future initiates will say: Every exhalation represents how the human being seeks to become a whole cosmos, a whole world. When the inhaled air flows from the head into the organism, then the human being is understood. When the air flows out again from the human being into the world, then the cosmos is understood in the air’s contact with the world. — One will come to understand the cosmos again by embracing the world in one’s imagination. And one will recognize in one’s imagination that which the human being himself projects into the outer world with his breath. But it will be nothing other than what he is preparing in this way for the future.
[ 33 ] So schließt sich zusammen, was der Mensch geschichtlich tut, mit dem, was im Kosmos geschieht. Ohne daß man diese Dinge zusammenschließen kann, kann man zu keinem Weltverständnis kommen, denn der Mensch muß die Geschichte wiederum kosmisch verstehen und den Kosmos geschichtlich verstehen.
[ 33 ] Thus, what human beings do historically is linked to what happens in the cosmos. Without being able to link these things together, one cannot arrive at an understanding of the world, for human beings must, in turn, understand history cosmically and the cosmos historically.
