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Fundamental Impulses
of Humanity's Development
Throughout World History
GA 216

22 September 1922, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Es war in den vorigen Stunden mein Bemühen, den Zusammenhang der physischen und seelischen Menschenwesenheit mit den geistigen Mächten der Welt im einzelnen zu schildern. Ich möchte das Bild, das so entworfen werden konnte, heute dadurch etwas ergänzen, daß ich in einer ähnlichen Weise, wie das für das physische und seelische Dasein des Menschen geschehen ist, Einzelheiten aus dem geschichtlichen Leben schildere, Zusammenhänge des geschichtlichen Lebens mit den geistigen Welten.

[ 1 ] In the past few hours, I have endeavored to describe in detail the connection between the physical and psychological aspects of human existence and the spiritual forces of the world. Today I would like to supplement the picture that has thus been sketched by describing, in a manner similar to that used for the physical and psychological existence of the human being, details from historical life and the connections between historical life and the spiritual worlds.

[ 2 ] In unserem materialistischen Zeitalter beschränkt sich die Betrachtung der Geschichte des Menschengeschlechtes auf die Außenseite. Man sucht einfach zu verzeichnen, was innerhalb der physisch-sinnlichen Welt spielt, während man keine Aufmerksamkeit darauf wendet, das Hereinspielen der geistigen Welt in das geschichtliche Handeln der Menschheit zu betrachten. Unserem Zeitalter fehlt eigentlich ganz und gar die Möglichkeit, das, was die Menschen im Verlauf der Geschichte tun, im Zusammenhange mit den Wesenheiten und Mächten zu betrachten, die hinter dem Dasein des Menschen stehen.

[ 2 ] In our materialistic age, our view of human history is limited to the external aspects. People simply seek to record what takes place within the physical, sensory world, while paying no attention to the interplay of the spiritual world with humanity’s historical actions. Our age is, in fact, completely lacking the ability to view what people do in the course of history in connection with the beings and forces that underlie human existence.

[ 3 ] Blicken wir heute einmal in ältere Zeiten der Menschheitsentwickelung zurück, zunächst in die Zeiten, die ich in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß» als das urindische, das urpersische Zeitalter der Menschheit bezeichnet habe. Natürlich ist in diesem Zeitalter Mannigfaltiges von den Menschen getan worden, was wir als den Inhalt von Geschichte bezeichnen. Aber wir müssen uns doch klar darüber sein, daß gerade in jenem Zeitalter die Tatsachen am wenigsten aus dem Bewußtsein der Menschen erfolgten, die dann als die äußerlich geschichtlichen wirkten; denn wir wissen ja, daß gerade in den ältesten Zeiten das Bewußtsein der Menschen von einer Art traumhaften Hellsehens durchsetzt und durchzogen war. Den Menschen erschienen in ihrem Bewußtsein Bilder, in deren Inhalt geistige Wesenheiten hineinspielten, die dann die Menschen anregten, das oder jenes zu tun.

[ 3 ] Let us now look back to earlier periods of human development, beginning with the eras that I have described in my book An Outline of Esoteric Science as the Proto-Indian and Proto-Persian ages of humanity. Of course, during this era, people accomplished many things that we refer to as the substance of history. But we must be clear that it was precisely in that era that the events which later appeared as outward historical facts arose least of all from human consciousness; for we know, after all, that in the very earliest times human consciousness was permeated and interwoven with a kind of dreamlike clairvoyance. Images appeared in people’s consciousness, the content of which was influenced by spiritual beings who then inspired people to do this or that.

[ 4 ] Nun spielte in der Zeit, von der ich rede, der Vorgang des Einatmens eine außerordentlich große Rolle im Menschenleben. Schon daraus, daß der ganze Atemprozeß in jenen älteren Zeiten durch die Jogaübungen zu einem bewußten Prozeß, zu einem Wahrnehmungsprozeß geworden ist, kann Ihnen hervorgehen, daß in jenen ältesten Zeiten das Atmen eine große Rolle spielte, vor allen Dingen der Einatmungsvorgang, mehr als der Ausatmungsvorgang. Wir sind uns in unserem heutigen Zeitalter gar nicht klar darüber, daß außer der groben Stofflichkeit, die wir in der Luft suchen, wenn wir einatmen, noch alle möglichen Stoffe, aber in einer außerordentlich feinen Verteilung vorhanden sind. Auch die Stoffe, die wir sonst bei unserem jetzigen Erdendasein in einem festen, mineralischen Zustand auf der Erde antreffen, sind in ganz feiner Weise durch den Luftkreis verbreitet und der Mensch atmet sie ein. Nur haben diese Stoffe in ihrer sehr feinen Verteilung im Luftkreise die eigentümliche Tendenz, Formen zu bilden. Gewiß, auch innerhalb der Erdensubstanz bilden ja die Stoffe Formen. Wir kennen diese Formen als die Kristalle der Mineralien. Aber diese Kristalle meine ich jetzt nicht. Ich meine diejenigen Stoffe, die fein verteilt im Luftkreise, wir können auch sagen im Luftäther sind, insofern dieser den Luftkreis durchspielt. Diese Stoffe bilden auch Formen, aber diese Formen sind nicht wie die mineralischen Formen, sondern sie sind den Formen der menschlichen Organe ähnlich. Das ist eine Eigentümlichkeit des die Luft durchsetzenden Äthers. Wenn wir ihn beobachten können, wie er die Luft durchspielt und wie er uns für das imaginative Erkenntnisleben erscheinen kann, so nehmen wir wahr, daß in diesem Äther gewissermaßen feine, eben ätherische Gebilde umherfliegen, welche Lungenform, Leber- oder Magenform, jedenfalls die Formen innerer menschlicher Organe haben. Wir können, wenn wir in ätherischer Betrachtung geschult sind, alle menschlichen Formen draußen im Weltenäther beobachten. Nur sind in der Regel diese Organformen im Verhältnis zu den physischen Organen, die wir in uns tragen, riesig groß. Wir sehen mächtige ätherische Leberformen, Lungenformen den Raum, der uns im Kosmos umgibt, durchsetzen.

[ 4 ] Now, during the period I am referring to, the act of inhalation played an extraordinarily important role in human life. The very fact that, in those ancient times, the entire breathing process had become a conscious process—a process of perception—through yoga exercises should make it clear to you that breathing played a major role in those earliest times, especially the act of inhalation, more so than the act of exhalation. In our present age, we are not at all aware that, in addition to the coarse material substances we seek in the air when we inhale, all manner of other substances are also present—albeit in an extraordinarily fine dispersion. Even the substances that we otherwise encounter in a solid, mineral state on Earth during our present earthly existence are distributed in a very fine manner throughout the atmosphere, and human beings breathe them in. However, in their very fine dispersion within the atmosphere, these substances have a peculiar tendency to form shapes. Certainly, substances also form shapes within the Earth’s substance. We know these forms as the crystals of minerals. But I am not referring to these crystals now. I am referring to those substances that are finely distributed in the air sphere—we might also say in the air-ether, insofar as it permeates the air sphere. These substances also form shapes, but these shapes are not like mineral forms; rather, they resemble the forms of human organs. This is a peculiarity of the ether that permeates the air. If we can observe how it permeates the air and how it can appear to us in our imaginative life of knowledge, we perceive that in this ether, so to speak, fine, ethereal formations flit about, which take the form of lungs, liver, or stomach—in any case, the forms of internal human organs. If we are trained in etheric observation, we can observe all human forms out there in the world ether. However, these organ forms are generally enormous in comparison to the physical organs we carry within us. We see mighty etheric forms of the liver and lungs permeating the space that surrounds us in the cosmos.

[ 5 ] Was da im Raume draußen gewissermaßen als Formen herumfliegt, das atmet der Mensch ein. Und es ist gut, daß er es einatmen kann, denn indem er es einatmet, wirken diese Formen, die mit der Luft gewissermaßen in uns hineinkommen, immer ausbessernd, gesundend auf unsere Organe. Unsere Organe werden im Verlaufe des Lebens immer schlechter und schlechter. Und gewissermaßen werden sie, wenn ich es etwas grob ausdrücken darf, durch das, was da eingeatmet wird, wiederum ausgeflickt. Wir wissen, wie schwierig es der 'Therapie ist, menschliche Organe auszuflicken. Aber diese hier gemeinte Therapie muß eigentlich fortwährend auf den Menschen wirken und wirkt auch.

[ 5 ] What is, so to speak, floating around in the air outside as forms—that is what a person breathes in. And it is good that they can breathe it in, because as they do so, these forms—which, so to speak, enter us along with the air—always have a restorative, healing effect on our organs. Our organs deteriorate more and more as we go through life. And, if I may put it somewhat crudely, they are, in a sense, patched up again by what we breathe in. We know how difficult it is for “therapy” to patch up human organs. But the therapy referred to here must actually have a continuous effect on the human being—and it does.

[ 6 ] Nun war es in jenen ältesten Zeiten der geschichtlichen Menschheitsentwickelung den Menschen möglich, ohne besondere Schulung, durch ihr ursprüngliches traumhaftes Hellsehen diese ätherischen Formen und namentlich auch ihre Bedeutung für den Menschen zu schauen; zu erschauen, was das zu bedeuten hat, sagen wir, wenn mit dem fein im Ätherischen aufgelösten pepsinartigen Stoffe die menschliche Magenform eingeatmet und von dem menschlichen Magenorgan aufgefangen wird. In solchen Dingen wußte man in alten Zeiten außerordentlich gut Bescheid, und je weiter wir in ältere Zeiten zurückgehen, um so mehr wußte man Bescheid, wie der Mensch zu der feinen Organisation der Umwelt steht.

[ 6 ] In those earliest times of humanity’s historical development, people were able—without any special training—to perceive these etheric forms, and especially their significance for human beings, through their original, dreamlike clairvoyance; to perceive what it means, for example, when the human stomach form is inhaled along with the pepsin-like substance finely dissolved in the etheric realm and is then received by the human stomach organ. In ancient times, people were exceptionally well-informed about such matters, and the further back we go in time, the more they understood the relationship between human beings and the subtle organization of the environment.

[ 7 ] Aber dieser ganze Vorgang — daß da in den Menschen die Ätherform mit dem Einatmen hereinkam — war nicht bloß ein automatischer, war nicht bloß ein solcher, daß der Mensch gewissermaßen die Luft in sich einblasen ließ wie in einen ausgepumpten Luftraum, wenn wir ein Loch in den Rezipienten einer Luftpumpe machen. Es war nicht bloß so, daß der Mensch das einatmete, sondern mit diesem Vorgang, mit diesem gewissermaßen Untertauchen der Weltenformen in den Menschen war verbunden eine Tätigkeit geistiger Wesenheiten. Nehmen wir an, hier wäre solch eine Form (siehe Zeichnung Seite 43), der Mensch atmet sie ein, sie taucht unter in den Menschen (rot); aber gleichzeitig damit ist eine Tätigkeit geistiger Wesenheiten verbunden.

[ 7 ] But this entire process—the entry of the etheric form into human beings through inhalation—was not merely automatic; it was not merely a matter of the human being, so to speak, allowing air to be blown into them as into an evacuated space, as when we make a hole in the receptacle of an air pump. It was not merely a matter of the human being inhaling it; rather, this process—this sort of immersion of the world forms into the human being—was accompanied by the activity of spiritual beings. Let us suppose there is such a form here (see drawing on page 43); the human being inhales it, and it immerses itself into the human being (red); but at the same time, this is accompanied by the activity of spiritual beings.

[ 8 ] Nun haben wir in den Vorträgen, die ich zum Teil öffentlich, zum Teil hier in der allerletzten Zeit gehalten habe, eine besondere Art geistiger Wesenheiten in ihrer Bedeutung für den Menschen kennengelernt. Es sind diejenigen geistigen Wesenheiten hier gemeint, die ihr physisches Abbild in dem Monde und seinem Leuchten haben. Es sind die geistigen Mondenwesen. Diese geistigen Mondenwesen waren es namentlich in jenen Zeiten, von denen ich jetzt spreche, welche ihre Wege aus dem äußeren kosmischen Kreis durch diese Formen in den Menschen hineinbilden konnten. So daß der Mensch also in jenen alten Zeiten seiner geschichtlichen Entwickelung auf der Erde mit dem Einatmungsprozeß den geistigen Mondenkosmos in sich aufsog und die geistigen Mondenwesen zu einer Tätigkeit in sich anregte. Was ich Ihnen da erzähle, das war der Inhalt einer in den ältesten Mysterien der Menschheit viel studierten Wissenschaft und Weisheit. Denn die Eingeweihten dieser Mysterien wußten, daß die Menschen diesem Vorgange unterliegen, daß sie den geistigen Mondenkosmos in sich einsaugen. Sie wußten aber auch, daß dieses Einsaugen vorzugsweise zur Nachtzeit stattfindet, wenn die Menschen schlafen. Aber dadurch, daß bei allen Menschen in der Urzeit ein traumhaftes Hellsehen, ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen vorhanden war, konnte man auch darauf rechnen, daß diese geistigen Mondenwesen während gewisser Tageszeiten in die Menschen einzogen. Und die ganze Leitung, welche die Eingeweihten der alten Mysterien für die Menschheit leisteten, war darauf berechnet, dasjenige, was diese Mondenwesen auf dem Wege des Einatmungsprozesses in den Menschen hineintrugen, zu beherrschen, so daß der Mensch befähigt wurde, die Kräfte dieser Mondenwesen, die ja dadurch eigentlich ihre Wege in das Innere des Menschen machten, in seinem eigenen Tun auszunutzen.

[ 8 ] Now, in the lectures I have given—some of them publicly, some here very recently—we have come to know a particular kind of spiritual being and its significance for human beings. I am referring here to those spiritual beings whose physical image is found in the Moon and its radiance. They are the spiritual beings of the Moon. It was these spiritual lunar beings, particularly during the times I am now speaking of, who were able to form their paths from the outer cosmic circle into human beings through these forms. Thus, in those ancient times of humanity’s historical development on Earth, human beings absorbed the spiritual lunar cosmos into themselves through the process of inhalation and thereby stimulated the spiritual lunar beings to become active within them. What I am telling you here was the substance of a science and wisdom that was extensively studied in the most ancient mysteries of humanity. For the initiates of these mysteries knew that human beings are subject to this process, that they draw the spiritual lunar cosmos into themselves. But they also knew that this drawing in takes place primarily at night, when people are asleep. But because all human beings in primeval times possessed a dreamlike clairvoyance—an intermediate state between waking and sleeping—one could also expect these spiritual lunar beings to enter into human beings during certain times of the day. And the entire guidance that the initiates of the ancient mysteries provided for humanity was designed to master what these lunar beings carried into human beings through the process of inhalation, so that human beings would be enabled to utilize the forces of these lunar beings—which, after all, were thereby actually making their way into the inner being of the human being—in their own actions.

[ 9 ] Sie müssen sich bewußt sein, ein Unterrichten in einer solch intellektuellen Art wie heute, war in jener älteren Zeit nicht vorhanden. Dennoch hatten die Initiierten der Mysterien Mittel und Wege, um die Völker in einer viel intensiveren Weise zu lenken und zu leiten, als das später der Fall war und als es namentlich jetzt der Fall ist. Es war zum Beispiel in den allerältesten Zeiten der Menschheitsentwickelung in den Mysterien durchaus die Kunst ausgebildet, mit diesen Mondenwesen, die der Mensch zur Nachtzeit und während der in seinem Tageswachen regsamen hellseherischen Zwischenzeit einatmete, in den Mysterien zu sprechen und sie anzuregen, etwas ganz Bestimmtes in die Menschheit hineinzubringen. Das war der Weg, durch den in einer großartigen Weise die alten Mysterieninitiierten die Menschen leiten konnten, indem die Mondenwesen auf dem Wege des Einatmens ihre Helfer waren. Von den besonderen, außerordentlich geheimnisvollen Vorgängen, die in allerlei Zeremoniellem ihr äußeres Gegenbild hatten, von diesen Vorgängen, die in älteren Zeiten verwendet wurden, um aus den Mysterienstätten heraus die Menschheit zu leiten, macht sich die Menschheit heute nur sehr ungenügende Begriffe.

[ 9 ] You must be aware that teaching in such an intellectual manner as we see today did not exist in those earlier times. Nevertheless, the initiates of the Mysteries had ways and means of guiding and directing the peoples in a much more intense manner than was later the case and than is particularly the case now. For example, in the very earliest times of human development, the art had been fully developed within the Mysteries of communicating with these lunar beings—whom human beings inhaled at night and during the clairvoyant intervals of their waking hours—and of inspiring them to bring something very specific into humanity. This was the path through which the ancient mystery initiates were able to guide people in a magnificent way, with the lunar beings serving as their helpers through the process of inhalation. Humanity today has only a very inadequate understanding of the special, extraordinarily mysterious processes that found their outward reflection in all manner of ceremonial rites—processes that were used in earlier times to guide humanity from the mystery sites.

[ 10 ] Nun aber kam mit der fortschreitenden Entwickelung der Menschheit eine andere Zeit. Immer mehr und mehr verdunkelte sich das alte Hellsehen, so daß jene besonderen Vorgänge, die in der eben beschriebenen Art von den alten Initiierten für den urindischen und urpersischen Zeitraum bewirkt werden konnten, immer schwieriger wurden. Gewiß, bis zum Mysterium von Golgatha hin und ein paar Jahrhunderte darüber hinaus gab es, namentlich in gewissen Gegenden, noch Überreste des alten Hellsehertums. Aber es war doch sehr abgedämpft, und namentlich wurden die Prozeduren, von denen ich jetzt gesprochen habe, schon im 3. und 2. Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha nicht mehr in jener intensiven Weise ausgeführt, wie das in den urältesten Zeiten der menschlichen Erdenentwickelung, gleich nach der atlantischen Zeit, der Fall war. Ich möchte sagen, die Eingeweihten der Mysterien kamen immer mehr und mehr in Verlegenheit, wenn sie die Kraft der Mondenwesen benützen wollten, um die Menschheit zu lenken. Und wenn ich Ihnen verständlich machen soll, was sich zwischen den Eingeweihten der Mysterien und den Mondenwesen abspielte, die in älteren Zeiten zu den geschilderten Vorgängen benutzt worden sind, so möchte ich das so ausdrücken: Wenn zum Beispiel schon ein Eingeweihter der ägyptisch-chaldäischen Zeit an ein Mondenwesen herantrat und ihm einen Auftrag geben wollte, der dahin ging, nach dem Einziehen dieses Mondenwesens durch das Einatmen dies oder jenes der menschlichen Seele einzuprägen, so sagte gleichsam ein solches Mondenwesen oft zu dem Eingeweihten: Wir haben während der tagwachen Zeit kein Obdach mehr auf der Erde, wir finden nur Obdach noch während der Nachtzeit. — Während der Nachtzeit aber würde es den Eingeweihten außerordentlich bedenklich geschienen haben, auf dem Umwege durch die Mondenwesen auf die Menschen der Erde zu wirken, denn da würden die Menschen gleichsam automatisch behandelt worden sein. Da wäre etwas zustande gekommen, was man in einer gewissen Terminologie durchaus als schwarzmagische Kunst bezeichnet. Das haben natürlich die guten Eingeweihten weit von sich gewiesen; so daß es für sie eine ungeheure Bedeutung hatte, wenn ihnen die Mondenwesen, die ihre Helfer in der Leitung der Menschheit sein sollten, die Erwiderung gaben: Wir haben zur Tageszeit kein Obdach auf der Erde. — Und so standen die Initiierten dieser Mysterien vor der Gefahr, keine Helfer zu haben auf den Wegen, die sie zur Lenkung der Menschheit betreten hatten.

[ 10 ] But now, as humanity continued to evolve, a new era dawned. The ancient clairvoyance grew increasingly dim, so that those special processes—which the ancient initiates had been able to bring about in the manner just described during the primordial Indian and Persian periods—became ever more difficult. Certainly, up until the Mystery of Golgotha and for a few centuries thereafter, remnants of the ancient clairvoyance still existed, particularly in certain regions. But it had become very subdued, and in particular, the procedures I have just described were no longer carried out in the 3rd and 2nd millennia before the Mystery of Golgotha with the same intensity as had been the case in the most ancient times of human earthly evolution, immediately following the Atlantean era. I would say that the initiates of the mysteries found themselves increasingly at a loss whenever they sought to use the power of the lunar beings to guide humanity. And if I am to make clear to you what transpired between the initiates of the mysteries and the lunar beings—who in earlier times were employed in the processes I have described—I would like to express it this way: For example, when an initiate of the Egyptian-Chaldean era approached a lunar being and sought to give it a task—namely, to imprint this or that upon the human soul after the lunar being had entered it through inhalation—such a lunar being would often say, as it were, to the initiate: “We no longer have a refuge on Earth during the waking hours; we find refuge only during the night.” — But during the night, it would have seemed extremely questionable to the initiates to influence the people of Earth indirectly through the lunar beings, for then the people would have been treated, as it were, automatically. This would have resulted in something that, in certain terminology, is certainly described as the art of black magic. The good initiates, of course, rejected this outright; so it was of immense significance to them when the lunar beings—who were to be their helpers in guiding humanity—gave them the reply: “We have no refuge on Earth during the daytime.” — And so the initiates of these mysteries faced the danger of having no helpers on the paths they had embarked upon to guide humanity.

[ 11 ] Aber auf der andern Seite war auch noch nicht da, was dann durch das Christus-Mysterium in die Welt gekommen ist; so daß also eine Zwischenzeit vorhanden war zwischen der uralten Hellseherzeit, in der alles das stattfinden konnte, was ich beschrieben habe, und der Zeit, die dann alles veränderte im geistigen Wirken auf der Erde, der Zeit, die durch das Mysterium von Golgatha inauguriert worden ist. Diese Zwischenzeit können wir ganz besonders studieren an der ägyptischen Entwickelung. Es folgt ja auf die urpersische Zeit die ägyptisch-chaldäische Entwickelung. Die Initiierten der chaldäischen Menschheit wußten sich nur sehr wenig zu helfen in bezug auf die Fragen, von denen ich jetzt spreche. Sie waren in einer gewissen Weise außerordentlich ratlos und suchten infolgedessen das, was sie zur Lenkung der Menschheit brauchten, auf einem ziemlich äußeren Wege: durch ihre Sternenweisheit, durch ihre Sterndeutekunst. Denn was die chaldäischen Eingeweihten durch ihre Astrologie erfuhren, das konnte man gerade in jenen älteren Zeiten auf einem ganz andern Wege durch jene Mondenwesen erfahren, die mit dem Einatmen in die Menschenleiber hineinzogen. Jetzt aber sagten eben diese Wesenheiten, sie finden kein Obdach auf der Erde. Und da ersetzte man das, was sie früher gewissermaßen an innerer Kraft gegeben hatten, durch die Kraft einer äußeren Beobachtung.

[ 11 ] But on the other hand, what later came into the world through the Mystery of Christ was not yet present; so there was an interim period between the ancient age of clairvoyance—in which everything I have described could take place—and the time that then transformed everything in the spiritual working on Earth, the time inaugurated by the Mystery of Golgotha. We can study this interim period particularly closely through the development of Egypt. For the Egyptian-Chaldean development follows the primordial Persian era. The initiates of the Chaldean people were of very little help to themselves with regard to the questions I am now addressing. In a certain sense, they were utterly at a loss and consequently sought what they needed to guide humanity through a rather external means: through their knowledge of the stars, through their art of astrology. For what the Chaldean initiates learned through their astrology could, precisely in those earlier times, be learned in a completely different way through those lunar beings who entered human bodies with the inhalation of breath. But now these very beings said that they could find no refuge on Earth. And so what they had previously provided, in a sense, as inner strength was replaced by the power of external observation.

[ 12 ] In einer ganz andern Weise halfen sich die Initiierten der ägyptischen Welt. Die Initiierten der ägyptischen Welt suchten nach Mitteln und Wegen, den Mondenwesen auf der Erde Obdach zu geben. Den Wesen also, die eigentlich nach den urewigen Gesetzen der Weltenentwickelung jetzt nicht mehr zu einem Obdach auf der Erde bestimmt waren, denen versuchten die Initiierten der ägyptischen Mysterien, dieses Obdach zu verschaffen. Und gerade die ägyptischen Mysterienpriester, die ägyptischen Initiierten fanden die Möglichkeit, den luziferisch gestalteten Mondengeistern Obdach zu geben auf der Erde.

[ 12 ] The initiates of the Egyptian world helped one another in a completely different way. The initiates of the Egyptian world sought ways and means to provide shelter on Earth for the lunar beings. Thus, for those beings who, according to the primeval laws of world evolution, were no longer destined to find a home on Earth, the initiates of the Egyptian mysteries sought to provide such a home. And it was precisely the Egyptian mystery priests, the Egyptian initiates, who found a way to provide a home on Earth for the Luciferic lunar spirits.

[ 13 ] Dieses Geheimnis zu lösen, die Mondengeister wiederum zum Herabsteigen auf die Erde zu bewegen, trotzdem eigentlich nach der urewigen Weltenentwickelung ihnen das nicht mehr bestimmt war, ist den ägyptischen Priestern dadurch gelungen, daß sie die Grabstätten mit Mumien bevölkert haben. Ich habe es in früheren Vorträgen von andern Gesichtspunkten erörtert. Ich möchte es heute von diesem kosmisch-historischen Gesichtspunkt erörtern. Der mumifizierte Leichnam des Menschen wurde das Obdach der luziferisch gestalteten Mondengötter. Was sich in alten Zeiten auf natürliche Art dadurch hat beobachten lassen, daß man einfach mit Menschen zusammengekommen ist und ihr Atmen hellseherisch beobachtet hat was jetzt in diesen natürlichen Vorgängen gar nicht mehr stattfindet, was aber durch das alte Einatmen der Menschen überall im sozialen Leben gewissermaßen herumschwirrte und eine Rolle in der Menschheit spielte —, das fand einen Ersatz an denjenigen Stätten, wo die Geister, die während der Tageszeit kein Obdach in der Menschheit hatten, die obdachlos auf der Erde hätten herumirren müssen und für das historische Erdengeschehen nicht hätten verwendet werden können, wo diese Geister gewissermaßen untergebracht wurden in den mumifizierten Menschen, in den Mumien. Denn die Mumien waren die Wohnhäuser der Mondenwesen. Und wenn der ägyptische Eingeweihte mit vollem Verständnis vor der Mumie stand, dann studierte er an der Mumie, was früher draußen am frischen Leben studiert worden war. Er schaute gewissermaßen auf das hin, was die Mondengötter in den Wohnungen verrichteten, die man ihnen gewährt hatte. Und auf diese Art wurde den Eingeweihten das bewußt, was sie dann durch diese Mondengötter dem historischen Werden der Menschheit auf den mannigfaltigsten Wegen einimpfen konnten.

[ 13 ] The Egyptian priests succeeded in solving this mystery—in persuading the moon spirits to descend once more to Earth, even though, according to the eternal course of cosmic evolution, this was no longer their destiny—by populating the tombs with mummies. I have discussed this in earlier lectures from other perspectives. Today I would like to discuss it from this cosmic-historical perspective. The mummified corpse of the human being became the dwelling place of the Luciferic moon gods. What in ancient times could be observed naturally simply by coming together with people and clairvoyantly observing their breathing—something that no longer takes place at all in these natural processes, but which, through the ancient breathing of human beings, so to speak, permeated all of social life and played a role in humanity— found a substitute in those places where the spirits—who had no refuge in humanity during the daytime, who would otherwise have had to wander homelessly upon the earth and could not have been utilized for historical earthly events—were, so to speak, housed within the mummified human beings, within the mummies. For the mummies were the dwellings of the lunar beings. And when the Egyptian initiate stood before the mummy with full understanding, he studied in the mummy what had formerly been studied out in the living world. He looked, as it were, at what the lunar gods were doing in the dwellings that had been granted to them. And in this way, the initiates became aware of what they could then, through these lunar deities, instill into the historical development of humanity in the most diverse ways.

[ 14 ] So paradox das einem heutigen materialistisch gesinnten Menschen erscheint, wahr ist es doch: Will man verstehen, was sich als historisches Werden innerhalb der ägyptischen Kulturepoche abgespielt hat, so kann man das nicht anders, als indem man nicht bloß die äußeren geschichtlichen Denkmäler studiert, sondern indem man aus jener ewigen Weltenchronik, die im imaginativen und inspirierten Schauen zu lesen ist, studiert, was jene geistigen Mondenwesenheiten getan haben, denen man nicht äußerliche Monumente errichtet hat und die auch nicht historische Dokumente schriftlich hinterlassen haben. Aber was jene Menschen verrichtet haben, denen die äußerlichen Monumente errichtet sind, das war von den geistigen Mondenwesenheiten auf einem Umwege inspiriert, durch die Arbeit der Initiierten mit den Mondenwesen, denen man in den Mumien während des Tages auf der Erde Obdach gewährt hatte. Und was in den schriftlichen Urkunden steht, lernt man seinem Ursprung nach nur richtig erkennen, wenn man in der Weltenchronik die Wesenheiten aufsuchen kann, die einem sagen: Während der Zeit des 3., 2., 1. vorchristlichen Jahrtausends konnten wir nur dadurch die Erde bewohnen, daß uns die ägyptischen initiierten Priester in den Mumien Erdenwohnungen gegeben haben. — Von diesen Mondenwesen können wir erfahren, woraus die Absichten der geschichtlichen Handlungen in jener Zeit entsprungen sind.

[ 14 ] As paradoxical as it may seem to a modern, materialistically minded person, it is nonetheless true: If one wishes to understand what unfolded as a historical process within the Egyptian cultural epoch, one can do so only by not merely studying the external historical monuments, but by studying—from that eternal chronicle of the worlds, which can be read through imaginative and inspired vision—what those spiritual lunar beings did, for whom no external monuments were erected and who left behind no written historical documents. But what those people accomplished for whom the external monuments were erected was inspired by the spiritual lunar beings in a roundabout way, through the work of the initiates with the lunar beings, to whom shelter had been granted in the mummies during the day on Earth. And one can only truly recognize the origin of what is written in the historical records if one can seek out, in the world chronicle, the beings who tell us: “During the 3rd, 2nd, and 1st millennia B.C., we were able to inhabit the Earth only because the Egyptian initiated priests provided us with earthly dwellings within the mummies.” — From these lunar beings, we can learn the origins of the intentions behind the historical events of that time.

[ 15 ] Will man also den Menschen seiner wahren Wesenheit nach erkennen, so muß man zu den Sternen und zu den Hierarchien gehen, wie ich in den letzten zwei Vorträgen hier auseinandergesetzt habe. Will man aber das geschichtliche Werden der Menschheit in richtiger Weise erkennen, dann muß man die geistigen Mächte studieren können, die in dieses geschichtliche Werden der Menschheit hereinspielen. Dann muß man sich dazu bequemen, den Sinn einer so auffälligen Erscheinung, wie es die Mumifizierung des Menschen durch die alten Ägypter ist, zu studieren. Dinge, die oftmals der Menschheit vor der heutigen materialistischen Betrachtungsweise nur wie eine Kuriosität, wie ein Gebrauch erscheinen, lernt man in ihrem inneren Sinn kennen, wenn man sie mit wirklich spiritueller Wissenschaft durchforschen kann. Götterhäuser waren einstens die Mumien. Schon luziferisch gewordene Mondengötter hatten in den Mumien ihre Wohnhäuser.

[ 15 ] If, then, one wishes to understand human beings according to their true nature, one must turn to the stars and the hierarchies, as I have explained in my last two lectures here. But if one wishes to understand the historical development of humanity correctly, one must be able to study the spiritual forces that play a role in this historical development. Then one must be willing to study the meaning of such a striking phenomenon as the mummification of human beings by the ancient Egyptians. Things that, before today’s materialistic perspective, often appear to humanity merely as curiosities or customs can be understood in their inner meaning when one is able to investigate them through true spiritual science. The mummies were once temples of the gods. Even the moon gods, who had already become Luciferic, had their dwellings within the mummies.

[ 16 ] In der griechisch-römischen Zeit, also im vierten nachatlantischen Zeitraum, wurden die Dinge etwas anders. Da hörte überhaupt jenes Überragende der Einatmung auf. Das Einatmen behielt seine Bedeutung, aber es hörte das Überragende des Einatmens auf. Und gewissermaßen wurden Ein- und Ausatmen für den Menschen gleichbedeutende Prozesse, gleichbedeutende Vorgänge. Das ist etwas, worauf die griechischen Initiierten wiederum bei ihrer Arbeit ganz besonders achteten. Und jener wunderbare Gleichgewichtszustand zwischen dem Einatmen und dem Ausatmen, der insbesondere das griechische Volk auszeichnete, der konnte dazu führen, daß gerade die griechische Kunst als vorbildlich in der Weise entstanden ist, wie wir sie in der Geschichte verzeichnet finden.

[ 16 ] In the Greco-Roman era—that is, in the fourth post-Atlantean epoch—things changed somewhat. That was when the transcendent nature of inhalation came to an end. Inhalation retained its significance, but that preeminence of inhalation ceased. And, in a sense, inhalation and exhalation became processes of equal significance for human beings, events of equal importance. This is something to which the Greek initiates, in turn, paid very special attention in their work. And that wonderful state of balance between inhalation and exhalation, which distinguished the Greek people in particular, led to Greek art emerging as exemplary in the form in which we find it recorded in history.

[ 17 ] Die Griechen waren nicht veranlagt, durch die Einatmung die Mondenwesen besonders aufzufangen. Ihnen war es aber eigen, durch ihre Eingeweihten ganz besonders diejenigen Wesen wirksam zu machen, die gewissermaßen ein in der Luft halb Fliegendes, halb Schwimmendes entwickelten und die sich am liebsten in dem Gleichgewichtszustande zwischen Ein- und Ausatmen wiegten. Und wenn man in jene alten Zeiten der griechischen Entwickelung zurückgeht, in denen eigentlich das inspiriert worden ist, was dann später schon in einer mehr äußerlichen Form zum Vorschein gekommen ist, wenn man zurückgeht in die Zeiten, die eigentlich doch aus grandios primitiven Formen heraus der griechischen bildenden Kunst, der griechischen tragischen Kunst und auch der griechischen Philosophie den Ursprung gegeben haben, so findet man, wie gerade die griechischen Mysterieninitiierten die Gabe hatten, jene Wesenheiten bei ihrer Leitung der Menschheit ganz besonders zu benützen, die sich eben leicht wiegten in dem Gleichgewichtsmaß, das zwischen menschlichem Einatmen und Ausatmen herbeigeführt wurde. Und im Grunde genommen lernt man die Kunst des Apollo und die orphische Weisheit nicht kennen, wenn man nicht weiß, daß beide dadurch ihre besondere Beseelung erhielten, daß ihre Helfer elementar-dämonische Wesen waren, welche sich auf diesem Gleichmaß von Ein- und Ausatmen bewegten. Die Saiten der Leier des Apollo waren gestimmt aus dem heraus, was man beobachten konnte, wenn diese Wesenheiten auf dem Gleichmaß zwischen menschlichem Einatmen und Ausatmen zwischen der Monden- und Erdensphäre da, ich möchte sagen, auf den Saiten des Kosmos, die durch Ein- und Ausatmung im Gleichmaße gewoben wurden, tanzten. Die Tänze der Luftdämonen waren es, die nachgeahmt wurden bei der Stimmung, die den Saiten der Leier des Apollo und anderem ähnlichen gegeben wurde. Wir müssen eben in die geistige Welt hineinschauen, wenn wir erkunden wollen, was sich in der äußeren geschichtlichen Welt zugetragen hat.

[ 17 ] The Greeks were not predisposed to particularly attract the lunar beings through inhalation. However, it was characteristic of them, through their initiates, to make particularly effective those beings who, in a sense, developed a state of being half-flying, half-floating in the air, and who preferred to sway in the state of equilibrium between inhalation and exhalation. And if one goes back to those ancient times of Greek development—when what later emerged in a more external form was actually first inspired—if one goes back to the times that, emerging from magnificently primitive forms, gave rise to Greek visual art, Greek tragic art, and also Greek philosophy, one finds that it was precisely the initiates of the Greek Mysteries who possessed the gift of making special use, in their guidance of humanity, of those beings that swayed lightly within the balance established between human inhalation and exhalation. And, fundamentally speaking, one cannot truly understand the art of Apollo and Orphic wisdom unless one knows that both derived their special animating force from the fact that their helpers were elemental-demonic beings who moved within this balance of inhalation and exhalation. The strings of Apollo’s lyre were tuned according to what could be observed when these beings danced on the balance between human inhalation and exhalation—between the lunar and terrestrial spheres—there, I might say, on the strings of the cosmos, which were woven in rhythm by inhalation and exhalation. It was the dances of the air demons that were imitated in the tuning given to the strings of Apollo’s lyre and other similar instruments. We must look into the spiritual world if we wish to explore what has taken place in the outer historical world.

[ 18 ] Stellen wir uns doch einmal vor, was ich vor einiger Zeit hier sagen konnte: daß das Skandieren, das Ausbilden des alten Rezitativs, das Ausbilden des Hexameters auf jenem Verhältnis beruht, in dem im rhythmischen Menschen der Atmungsrhythmus und der Blutzirkulationsrhythmus stehen. Erinnern Sie sich daran, was ich in einem Kurse drüben im Bau in dieser Beziehung gerade mit Bezug auf die Bildung des Hexameters auseinandergesetzt habe. Das Studium, um zu diesem Hexameter zu kommen, war für die griechischen Eingeweihten einmal ein durchaus konkretes Studium. Indem wir einatmen, nehmen wir die Schwingungen des Kosmos in uns auf und passen sie unserem inneren Menschen an.

[ 18 ] Let’s imagine for a moment what I was able to say here some time ago: that recitation, the training in the ancient recitative, and the training in hexameter are based on the relationship between the rhythm of breathing and the rhythm of blood circulation in a person with a sense of rhythm. Remember what I discussed in a course over at the Bau in this regard, specifically with reference to the formation of the hexameter. For the Greek initiates, the study required to arrive at this hexameter was once a thoroughly concrete endeavor. As we inhale, we take in the vibrations of the cosmos and adapt them to our inner being.

[ 19 ] Indem wir wieder ausatmen, geben wir dem Atmungsrhythmus etwas mit von dem Vibrieren unseres Pulses in der Blutzirkulation; so daß wir sagen können, in unserem Einatmen pulsiert die äußere Welt herein, in unserem Ausatmen lebt die Pulsation unseres eigenen Blutes nach außen. So daß im ätherischen Leib des Menschen gerade für den griechischen Eingeweihten, der auf diese Dinge hin geschult war, zu beobachten war, wie sich um den Menschen herum im ätherischen und astralischen Leibe kosmischer Rhythmus und Pulsationsrhythmus begegneten, die ineinanderschwebten und auf denen sich die Luftdämonen wiegten und ihre Tänze ausführten. Das war das Studium, dem Homer oblag, als er insbesondere den Hexameter zur höchsten Blüte entfaltete, denn der ist aus dem Zusammenhange des Menschen mit der Welt herausgeboren.

[ 19 ] As we exhale again, we impart to the breathing rhythm some of the vibration of our pulse in the blood circulation; so that we can say: in our inhalation, the outer world pulses into us; in our exhalation, the pulsation of our own blood radiates outward. Thus, in the human etheric body—especially for the Greek initiate, who was trained to perceive these things—it was possible to observe how, around the human being in the etheric and astral bodies, cosmic rhythms and pulsating rhythms met, intertwined, and upon which the air spirits swayed and performed their dances. This was the study to which Homer was devoted when he brought the hexameter, in particular, to its highest flowering, for it was born out of the human being’s connection with the world.

[ 20 ] Manches wird erst klar, wenn man mit künstlerischem Erkennerblick und erkennendem Künstlerblick die Dinge anschaut, die in der Geschichte erhalten sind. Ich will gar nicht davon sprechen, daß schließlich die materialistische Zeitgesinnung, anstatt eigentlich darüber nachzudenken, auf welche besondere Art etwas wie die homerischen Gesänge zustande gekommen sind, sich dadurch hilft, daß sie sagt: Einen Homer hat es überhaupt nicht gegeben. — Es ist im Grunde genommen das Allereinfachste, was man machen kann vom Standpunkte der materialistischen Zeitgesinnung. Den Homer zu begreifen, das ist für diese materialistische Wissenschaft unmöglich; und was man nicht begreift, das darf eigentlich auch nicht vorhanden sein nach der Gesinnung, die in unserer Zeit so furchtbar eitel und hoffärtig geworden ist. Was man mit seinem Professorenverstand nicht versteht, das darf es nicht geben und das gibt es eben nicht. Den Homer kann man nicht verstehen, also gibt es ihn eben nicht. Aber vielleicht wäre etwas anderes besser! Sie finden überall noch das Homer-Porträt in Museen. Nun will ich gar nicht sagen, daß dieser Homer-Kopf besonders gut ist, aber er ist noch so gut, daß, wenn Sie diesen als blind dargestellten Homer anschauen, der trotz seiner Blindheit einen ganz besonderen Augenausdruck hat und der namentlich in einer gewissen Weise eine merkwürdige Kopfhaltung verrät, wenn Sie sich hineinversetzen in die Haltung dieses Homer-Kopfes, Sie das Gefühl bekommen: der ist vielleicht ganz freiwillig erblindet — ich rede natürlich in Bildern dabei —, um durch das Sehen in einem gewissen Lauschen nicht gestört zu werden. Er lauscht dem, was er da in der Pulsation wahrnimmt, die aus dem Pulse des Kosmos und aus dem Pulse des menschlichen Blutes, des menschlichen Ätherleibes zusammenschwingt und auf der die Luftwesen ihre harmonisch-melodischen Tänze ausführen. Was er da, wo anders geschwirrt wird, als wenn wir einem Mückenschwarm bei seinem Schwirren zuhören, wo eben der Hexameter zum Beispiel geschwirrt wird, was er da bei diesem Schwirren hört, indem er jetzt nicht gestört wird durch das Sehen, durch das gewöhnliche helle Tageslicht, das verdichtet sich für ihn in der Weise, daß er mit seinen Ohren gewissermaßen zugleich tastet.

[ 20 ] Some things only become clear when one looks at the things preserved in history with the discerning eye of an artist and the artist’s discerning gaze. I don’t even want to mention that, ultimately, the materialist worldview—instead of actually reflecting on the specific way in which something like the Homeric epics came into being—resorts to saying: There was no Homer at all. — It is, after all, the simplest thing one can do from the standpoint of the materialistic mindset of our time. To comprehend Homer is impossible for this materialistic science; and what one cannot comprehend is, according to the mindset that has become so terribly vain and arrogant in our time, not allowed to exist at all. Whatever one cannot grasp with one’s scholarly intellect is not allowed to exist—and therefore does not exist. Since one cannot understand Homer, he simply does not exist. But perhaps something else would be better! You can still find portraits of Homer everywhere in museums. Now, I’m not saying that this bust of Homer is particularly good, but it is good enough that when you look at this Homer—depicted as blind—who, despite his blindness, has a very distinctive look in his eyes and, in particular, reveals a peculiar posture of the head in a certain way—when you put yourself in the mindset of this bust of Homer, you get the feeling: perhaps he went blind of his own free will—I am, of course, speaking in figurative terms here—so as not to be disturbed by sight while listening intently. He is listening to what he perceives in the pulsation that resonates from the pulse of the cosmos and from the pulse of human blood, of the human etheric body, and upon which the air beings perform their harmonious, melodic dances. What he hears there—where something is buzzing, as when we listen to a swarm of mosquitoes buzzing, where, for example, the hexameter is being buzzed—what he hears in this buzzing, now that he is not disturbed by sight or by ordinary bright daylight, condenses for him in such a way that he, so to speak, feels his way with his ears at the same time.

[ 21 ] Sehen Sie sich auf das hin den Homer-Kopf an! Das ist ein tastendes Hören, das ist ein hörendes Tasten, das ist ein ganz besonderes Leben, das durch diese Gips- oder Marmorform geht. Da ist in diesem das blinde Auge noch von innen gleichsam durchzuckenden Kopfeswesen etwas ausgespannt, was nicht nur hört, sondern was die Töne tastet und den tastenden Ton aufhält, um überzuführen in das skandierende Stimmorgan, was aus dem Kosmos in den Menschen in einer Zeit hereingenommen ist, in der nicht das Einatmen auf der einen Seite und das Ausatmen auf der andern Seite eine hervorragende Rolle spielte, sondern in der das Ineinanderklingen der beiden, des Ein- und Ausatmens, vorhanden war.

[ 21 ] Take a look at the Homer head! This is a groping act of hearing, a hearing act of groping—a very special kind of life that flows through this plaster or marble form. In it, the blind eye is still somewhat stretched out from within the head’s being, which, as it were, flashes through it, which not only hears, but also feels the sounds and holds back the felt sound in order to transmit to the chanting vocal organ that which has been taken in from the cosmos into the human being at a time when it was not inhalation on the one hand and exhalation on the other that played a prominent role, but rather when the interplay of the two—inhalation and exhalation—was present.

[ 22 ] Die neugierigste Frage, die in dem Menschen entstehen sollte, wenn er diesen Homer-Kopf anschaut, die müßte eigentlich sein: Wie atmete der? — Dieser Kopf ist ganz unbeirrt vom äußeren Lichte. Dieser Kopf ist ganz hingegeben den Mysterien des Atems: Diese Empfindung gegenüber dem Homer-Kopf, der überall gesehen werden kann, wäre klüger, als den alten Homer hinwegzudiskutieren. Die Gründe, um den Homer gelehrt hinwegzudiskutieren, waren so verlockend und versucherisch, daß selbst Goethe nicht recht damit fertig wurde. Der erste, der zur Goethe-Zeit den Homer wegdiskutierte, der da sagte, daß es gar keinen Homer gegeben habe, war der deutsche Philologe Wolf. Aber auch Goethe konnte sich nicht den verlockenden, verführerischen Argumenten dieses Philologen entziehen. Und obwohl er eigentlich immer einen Horror davor hatte, daß den Homer der Wolf gefressen haben sollte, so war er auf der andern Seite doch wiederum zum Teil bestürzt durch die ungeheuer gescheiten Dinge, die da vorgebracht worden sind. Was vermag moderne Gescheitheit nicht alles! Die Menschen sind ja wirklich außerordentlich gescheit geworden. Aber gescheit sein heißt noch nicht, etwas von der Welt wissen.

[ 22 ] The most intriguing question that should arise in a person’s mind when looking at this head of Homer must surely be: How did he breathe? — This head is completely undisturbed by external light. This head is entirely devoted to the mysteries of the breath: This perception of the Homer head, which can be seen everywhere, would be wiser than trying to dismiss the old Homer through argument. The reasons for disproving Homer’s existence through scholarly argument were so alluring and tempting that even Goethe could not quite come to terms with them. The first person in Goethe’s time to dismiss Homer—who claimed that there had never been a Homer at all—was the German philologist Wolf. But even Goethe could not escape the alluring, seductive arguments of this philologist. And although he was actually always horrified by the idea that Homer might have been devoured by a wolf, on the other hand he was nevertheless partly dismayed by the incredibly clever points that had been raised. What can’t modern cleverness accomplish! People have truly become extraordinarily clever. But being clever does not mean knowing anything about the world.

[ 23 ] Später hat dann Herman Grimm versucht — allerdings nicht den Homer wieder lebendig zu machen, denn der war von dem Wolf gar nicht gefressen worden, sondern es war nur ein Bild des Homer gefressen worden, ein Bild, das allmählich entstanden war —, später versuchte dann Herman Grimm das Folgende. Er sagte: Kümmern wir uns zunächst gar nicht um den Homer, kümmern wir uns auch nicht um den Wolf, der ihn gefressen hat, sondern sehen wir uns die Ilias an, die Iliade, das Epos Homers. Versuchen wir einmal, dieses Epos Homers zu lesen, aber nicht so, wie es ein Philologe liest, sondern wie es ein gewöhnlicher Mensch liest. Versuchen wir einmal, den ersten Gesang vorzunehmen und zu sehen, nach welcher Kunst der Eingang gemacht worden ist. Beachten wir dann den Fortgang, die weitere Entwickelung. Gehen wir zum zweiten, zu den folgenden Gesängen über: merkwürdig, wir finden, wie immer wieder eine innere Komposition darinnen ist, wie mit einem wunderbaren inneren Kunstgefühl jeder Gesang ähnlich dem vorigen aufgebaut ist.

[ 23 ] Later, Herman Grimm attempted—not, however, to bring Homer back to life, since Homer had not actually been eaten by the wolf at all, but rather only an image of Homer had been devoured, an image that had gradually taken shape—later, Herman Grimm attempted the following. He said: Let’s not concern ourselves with Homer at all for now, nor with the wolf that devoured him, but let’s look at the Iliad, Homer’s epic. Let’s try reading this epic of Homer’s, but not the way a philologist reads it, rather the way an ordinary person reads it. Let’s try reading the first canto and see what artistic technique was used in its opening. Let’s then observe the progression, the further development. Let’s move on to the second and subsequent cantos: it’s remarkable how, time and again, there is an inner composition within them, how each canto is structured, with a wonderful inner sense of artistry, in a manner similar to the one before it.

[ 24 ] Solch eine Betrachtungsweise führte Herman Grimm durch die ganze Ilias hindurch fort. Nun sagte er: Es wäre doch etwas höchst Eigentümliches, wenn es gar keinen Homer gegeben hätte, sondern wenn im Laufe der Zeit einmal einer, dann ein zweiter, dann ein dritter ein Stückchen der Ilias gemacht hätte, die dann später gesammelt worden wären. So wird vielleicht auch einstmals nach Ansicht der Philologen der «Faust» entstanden sein, weil man Widersprüche darin finden wird. Es stellte sich jedenfalls heraus, daß es eine ganz merkwürdige Geschichte wäre, wenn ein so einheitlich komponiertes Werk wie die Ilias aus allen möglichen Fetzen, die da oder dort entstanden sind, zusammengetragen worden wäre.

[ 24 ] Herman Grimm applied this line of reasoning throughout the entire Iliad. He went on to say: It would indeed be most peculiar if there had never been a Homer at all, but rather if, over the course of time, first one person, then a second, then a third had each composed a small section of the Iliad, which were later compiled. Perhaps, according to philologists, Faust will one day be viewed in the same way, because contradictions will be found in it. In any case, it turned out that it would be a very strange story indeed if a work as uniformly composed as the Iliad had been pieced together from all sorts of fragments that originated here and there.

[ 25 ] Es ist eben nötig, daß man in die Geschichte sich auch so vertieft, daß man sich wirklich das Hereinweben und Hereinwirken der geistigen Wesenheiten in die unmittelbar geschichtlichen Vorgänge vor die Seele führen kann. Das muß auch anthroposophische Geisteswissenschaft versuchen, und ich habe es Ihnen heute zunächst für die ältere Zeit bis ins Griechentum hinein zu verwirklichen versucht. Wir wollen dann morgen sehen, wie sich seit dem Mysterium von Golgatha in unserer eigenen geschichtlichen Gegenwart diese geistigen Wesenheiten in das immer freier und freier werdende Menschenhandeln hinein doch auch wirksam erweisen und wie wir darauf kommen können, was wir selber zu tun haben, wenn es etwa nötig ist, uns in einer ähnlichen Weise zu helfen wie die ägyptischen Eingeweihten, die gewissen Mondenwesen Obdach geben wollten. Vielleicht ist es nötig, daß in unserer Zeit aus einer richtigen Geist-Erkenntnis heraus ein Ähnliches Platz greifen muß.

[ 25 ] It is indeed necessary to delve so deeply into history that one can truly bring to mind the way in which spiritual beings are woven into and influence the immediate historical events. This is also what anthroposophical spiritual science must strive to do, and today I have attempted to bring this to life for you, beginning with the earlier period up to the time of the Greeks. Tomorrow we will then see how, since the Mystery of Golgotha, these spiritual beings have also proven to be active in human actions—which are becoming ever freer—within our own historical present, and how we can come to understand what we ourselves must do if it becomes necessary, for example, to help ourselves in a manner similar to that of the Egyptian initiates, who sought to provide shelter for certain lunar beings. Perhaps it is necessary that, in our time, something similar must take hold, arising from a true understanding of the spirit.