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Die Erkenntnis—Aufgabe der Jugend
Aufsätze und Berichte aus den Jahren 1920 bis 1924 in Ergänzung zum «Pädagogischen Jugendkurs» von 1922
GA 217a

6 April 1924, Nachrichtenblatt

14. In der Freien Hochschule soll das unmittelbar Menschliche zur Geltung kommen

Nachrichtenblatt von der Jugendsektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft

[ 1 ] Diese Institution kann nicht aus abstrakten Überlegungen von «oben her» zustande kommen. Sie muß aus den Bedürfnissen unserer Mitgliedschaft von «unten her» entstehen. Der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft hat den Plan gefaßt, eine Jugendsektion zu bilden, weil diese dem entspricht, was die jungen Menschen in unserer Gesellschaft aus den Tiefen ihres Wesens heraus suchen. Und er wird sie so gestalten, daß diesen Bedürfnissen in dem Maße, in dem sie auftreten, entsprochen werden kann.

[ 2 ] So muß es auch für die anderen Sektionen werden. Dazu aber ist notwendig, daß die Bedürfnisse, welche innerhalb unserer Mitgliederschaft zutage treten, auch wirklich durch die ganze Gesellschaft fließen und zuletzt sich in dem vereinigen, was man vom Vorstand am Goetheanum erwartet. Man sollte sich deshalb immer mehr zum Bewußtsein bringen, daß der Sinn der Weihnachtstagung nicht der war, einen bloßen «Verwaltungsvorstand» zu bilden. Gewiß, die «Verwaltung» muß da sein, und es soll nicht vergessen werden, daß sie notwendig ist und daß sie Sorgfalt und Genauigkeit zu entwickeln hat. Aber die Hauptsache wird sein, daß durch die Gesinnung in der Mitgliederschaft der Vorstand am Goetheanum wirklich in den Mittelpunkt der geistigen Interessen der Gesellschaft gestellt wird. In ihm sollte zusammenfließen, was an solchen geistigen Interessen vorhanden ist.

[ 3 ] Diesem Vorstand soll es ferne liegen, die Initiative in den einzelnen Teilen der Gesellschaft zu dem oder jenem in irgendeiner Art beschränken zu wollen. Aber man sollte es immer mehr als eine Notwendigkeit ansehen, daß alles, was in der Gesellschaft auftaucht, zum Wissen dieses Vorstandes gebracht werde. Er kann dann, was an dem einen Orte, oder von der einen Menschengruppe gewollt ist, in Einklang bringen mit dem, was von anderer Seite beabsichtigt wird. Dieser Vorstand wird nicht in einseitiger Art wie eine Behörde «von oben» wirken wollen; er wird es sich zur Aufgabe machen, offenes Herz und verständnisvollen Sinn zu haben für alles, was aus der Mitgliedschaft heraus nach Verwirklichung strebt. Er möchte in dieser Beziehung nur auch auf Verständnis nach der Richtung hin rechnen dürfen, daß man ihm entgegenkommt, tätig entgegenkommt, wo er aus seiner Initiative, aus den Zielen der anthroposophischen Bewegung heraus, etwas durchführen möchte. In diesem Sinne habe ich bei der Weihnachtstagung gesagt: dieser Vorstand soll ein Initiativ-Vorstand sein.

[ 4 ] Wenn man immer mehr diesen Vorstand in solcher Art wird ansehen wollen, dann wird er in rechter Art der Berater werden können in allen Angelegenheiten der Gesellschaft. Und ein «Berater» möchte er sein; da er wohl weiß, daß es dem Geiste der Anthroposophischen Gesellschaft gründlich widerspräche, wenn er ein «Verfüger» sein wollte. Er wird bei seinen Ratschlägen an nichts anderes appellieren als an die freie Einsicht der Mitglieder; aber er wird auch nur rechter «Berater» sein können, wenn in rechter Gesinnung an seinen Platz gebracht wird, was in den Absichten, in den Bestrebungen der Mitglieder liegt.

[ 5 ] Der Vorstand am Goetheanum möchte, daß so ferne wie möglich läge, in Paragraphen und Programmen eine Verbindung mit dem Wirken in der Gesellschaft herzustellen; er möchte, daß das unmittelbar Menschliche, das in jeder Einzelheit auch individuell wirken kann, zur ganz allgemeinen Geltung innerhalb der Gesellschaft komme. Und er möchte das vor allem bei alle dem erreichen, was für die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft getan werden soll.