Spiritual Connections
in the Structure of the Human Organism
GA 218
7 December 1922, Berlin
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Spiritual Connections in the Makeup of the Human Organism, tr. SOL
15. Die Erlebnisse des Menschen im ätherischen Kosmos
15. Human Experiences in the Ethereal Cosmos
[ 1 ] Es gereicht mir zu einer großen Befriedigung, wieder einmal zu Ihnen sprechen zu können, sprechen zu können in dem Zweige unserer Anthroposophischen Gesellschaft, in welchem ich durch viele Jahre den Hauptteil meiner Tätigkeit entfalten durfte. Ich möchte Ihnen heute sprechen über einiges, wovon ich glauben muß, daß es gerade in der Gegenwart wichtig ist, betrachtet zu werden, ich möchte Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus sprechen über die Beziehungen des Menschen zur übersinnlichen Welt.
[ 1 ] It gives me great satisfaction to be able to speak to you once again, to speak within the branch of our Anthroposophical Society in which I was able to carry out the bulk of my work for many years. Today I would like to speak to you about a few things that I believe are particularly important to consider at the present time; I would like to speak to you, from a certain perspective, about the relationship between human beings and the supersensible world.
[ 2 ] Eigentlich ist ja dies das ständige Thema, über das wir innerhalb der anthroposophischen Bewegung sprechen. Aber Sie werden sich ja schon daran gewöhnt haben, daß die Wahrheiten über die übersinnlichen Welten erst dann in den Vollbesitz des menschlichen Gemütes kommen können, wenn sie von den verschiedensten Gesichtspunkten aus betrachtet werden, so daß sich gewissermaßen, wie ich das oftmals aussprach, durch die Aufnahme von Bildern von den verschiedensten Seiten her ein Gesamteindruck eben ergeben kann.
[ 2 ] Actually, this is the recurring theme we discuss within the anthroposophical movement. But you must have grown accustomed to the fact that truths about the supersensible worlds can only truly take root in the human mind when they are viewed from a wide variety of perspectives, so that—as I have often said—by taking in images from all sides, a comprehensive impression can emerge.
[ 3 ] Sie wissen, daß sich der geisteswissenschaftlichen Betrachtung ergibt, wie das Menschenleben während des Erdendaseins in zwei zeitlich auseinanderliegende Teile zerfällt: in den vollbewußten Wachzustand und in den Schlafzustand. Sie wissen auch, daß während des Schlafzustandes jene Glieder der menschlichen Wesenheit, die wir bezeichnen als den physischen Leib, den ätherischen oder Bildekräfteleib, den astralischen Leib und das Ich, getrennt sind, so daß der Mensch gewissermaßen im physischen Dasein zurückläßt seinen physischen Leib und seinen ätherischen Leib, und daß er in seinem astralischen Leib und in seiner Ich-Wesenheit ein ihm unbewußtes Dasein zunächst führt außerhalb des physischen Leibes und des Ätherleibes. Wenn man zu höheren Erkenntnissen aufsteigt, so ist es ja nicht etwa so, daß man durch dieses Aufsteigen selbst, durch die Erkenntnis, für das menschliche Wesen etwas gewinnt, geradesowenig wie wir für unsere Verdauung dadurch etwas gewinnen, daß wir theoretisches Wissen über diese Verdauung haben, oder wie wir wenigstens nichts gewinnen für das unmittelbare Wesen der Verdauung, wie es in unserem normal organisierten Menschenwesen abläuft. Man kann schon sagen: Höhere Erkenntnis bringt nichts Neues in den Menschen herein. Das ist alles schon im Menschen, was die höhere Erkenntnis liefert. Aber es ist doch so, daß dasjenige, wovon man bestimmt sagen kann, daß es nichts Neues in den Menschen hineinbringt, auf dasjenige hinweist, was dem Menschen für das gewöhnliche Bewußtsein unbekannt bleibt, und was, indem es nicht nur erkannt wird, sondern indem es mit dem vollen Seeleninhalt, mit allen Seelenkräften erlebt wird, allerdings ein Höheres in das Menschenwesen dann hineinträgt: nicht die Erkenntnis als solche, sondern das Erleben dieser Erkenntnis.
[ 3 ] You know that spiritual science reveals how human life during our earthly existence is divided into two distinct phases: the fully conscious waking state and the sleeping state. You also know that during the state of sleep, those components of the human being that we designate as the physical body, the etheric or formative body, the astral body, and the “I” are separated, so that the human being, as it were, leaves behind in physical existence his physical body and his etheric body, and that, in his astral body and in his “I”-essence, he initially leads an existence of which he is unaware, outside the physical body and the etheric body. When one ascends to higher insights, it is certainly not the case that through this ascent itself—through the insight—one gains anything for the human being, any more than we gain anything for our digestion by having theoretical knowledge of it, or at least gain nothing for the immediate nature of digestion as it takes place in our normally organized human being. One might well say: Higher knowledge brings nothing new into the human being. Everything that higher knowledge provides is already within the human being. But it is nevertheless the case that what we can definitely say brings nothing new into the human being points to that which remains unknown to the human being in ordinary consciousness, and which—by being not merely recognized, but experienced with the full content of the soul, with all the soul’s powers— does indeed bring something higher into the human being: not knowledge as such, but the experience of this knowledge.
[ 4 ] Damit aber habe ich auf das hingewiesen, was ich darstellen möchte als ein Dreifaches innerhalb des anthroposophischen Strebens. Zuerst liegt ja das vor, daß einzelne Menschen da sein müssen, welche sich die geisteswissenschaftlichen Methoden so aneignen, daß sie durch das höhere Schauen in den übersinnlichen Welten eine Erkenntnis über diese übersinnlichen Welten bringen können. Wie man das Erwerben dieser Erkenntnisse während des Erdendaseins nennt, darauf kommt es ja weniger an. Wenn man mit dem Ausdrucke Hellsehen nicht diejenigen nebulosen mystischen Vorstellungen verknüpft, die sehr häufig mit diesem Ausdrucke verknüpft werden, so kann man eben von hellseherischer Erkenntnis sprechen. Durch diese kommt also zunächst das zustande, was in unseren heutigen Zeitalter immer mehr und mehr in die Gemüter der Menschen als Lebensinhalt einziehen muß.
[ 4 ] With this, however, I have pointed to what I would like to present as a threefold aspect within the anthroposophical endeavor. First of all, there must be individual human beings who master the methods of spiritual science in such a way that, through higher vision in the supersensible worlds, they can bring forth knowledge of these supersensible worlds. What one calls the acquisition of this knowledge during earthly existence is of lesser importance. If one does not associate the term “clairvoyance” with those nebulous mystical notions that are very often linked to it, then one can indeed speak of clairvoyant knowledge. Through this, therefore, what must increasingly take root in people’s minds as the meaning of life in our present age first comes into being.
[ 5 ] Das zweite ist, daß durch den gewöhnlichen, wie man sagt, gesunden Menschenverstand, wenn er nur unbefangen genug ist, dasjenige eingesehen werden kann, was durch die hellseherische Erkenntnis sich offenbart. Ich habe es ja oft betont: man braucht nicht selbst ein Hellseher zu sein, um das einzusehen, was sich durch die hellseherische Forschung offenbart. Aber es ist auch für den, der selber zur hellseherischen Anschauung kommt, wichtig, daß er das, was er schaut, in die gewöhnlichen menschlichen Begriffe umsetzt. Denn das ist ja gerade die Bedeutung, die das Hellseherische für den Menschen in der gegenwärtigen Zeit seiner Entwickelung hat: daß es sich in jene Begriffe umsetzen läßt, welche wir überhaupt in der heutigen Zivilisation als die Begriffe des Menschen haben. Also man muß, ob man Hellseher oder Nichthellseher ist, das, was sich durch hellseherische Forschung offenbart, verstehen.
[ 5 ] The second point is that, through what is commonly called “common sense”—provided it is open-minded enough—one can grasp what is revealed through clairvoyant insight. As I have often emphasized: one does not need to be a clairvoyant oneself to understand what is revealed through clairvoyant research. But it is also important for those who arrive at clairvoyant perception on their own to translate what they see into ordinary human concepts. For that is precisely the significance that clairvoyance has for human beings at the present stage of their development: that it can be translated into those concepts which we in today’s civilization generally regard as the concepts of humanity. So whether one is a clairvoyant or not, one must understand what is revealed through clairvoyant research.
[ 6 ] Und das dritte ist dieses: was sich nun also aus der hellseherischen Forschung in die Begriffe umsetzt, was vorgestellt werden kann aus der hellseherischen Forschung, das muß innerlicher Lebensinhalt werden, muß so werden, daß der Mensch dadurch begreift: Ich bin ein Wesen, das nicht nur gebunden ist an das Erdendasein zwischen Geburt und Tod, sondern ich bin ein Wesen, für das das Erdendasein nur eine Phase, nur eine vorübergehende Metamorphose ist. — Und es soll ja in die Seele einziehen alles das, was an das menschliche Gemüt dadurch herankommen kann, daß Anthroposophie in diesem Sinne Lebensinhalt wird. Erstens weiß sich der Mensch dadurch als ein Angehöriger der geistigen Welten, und er weiß auch, daß das Erdendasein seine Aufgaben bekommen muß aus den geistigen Welten heraus. Zweitens aber weiß sich der Mensch dadurch verantwortlich gegenüber den geistigen Welten. Das alles hebt ihn über das bloße Erdendasein hinaus, aber nicht so, daß er es schwärmerisch-mystisch verläßt und es gering achtet, sondern indem er gerade aus der übersinnlichen Welt sich für das Erdendasein seine Aufgaben holt und den ganzen Duktus, den ganzen Status seines Erdendaseins dadurch beeinflußt.
[ 6 ] And the third point is this: whatever is thus translated into concepts from clairvoyant research—whatever can be conceptualized from clairvoyant research—must become the inner substance of life; it must become such that the human being thereby comes to understand: I am a being who is not merely bound to earthly existence between birth and death, but I am a being for whom earthly existence is only a phase, only a temporary metamorphosis. — And everything that can reach the human mind through anthroposophy becoming a source of meaning in this sense is meant to take root in the soul. First, through this, a person comes to know themselves as a member of the spiritual worlds, and they also know that earthly existence must receive its tasks from the spiritual worlds. Second, however, the human being thereby recognizes their responsibility toward the spiritual worlds. All of this elevates them beyond mere earthly existence, but not in such a way that they abandon it in a fanciful, mystical manner and regard it as insignificant; rather, it is precisely by drawing their tasks for earthly life from the supersensible world that they influence the entire course and the entire nature of their earthly existence.
[ 7 ] Dieses ist für unsere Zeit ganz besonders wichtig, daß wir erstens hinzuhorchen lernen auf das, was durch die hellseherische Forschung gesagt werden kann; daß wir sodann uns bemühen, durch den gesunden Menschenverstand den Inhalt dieses Erforschten zu begreifen, und daß wir diesen Inhalt zur Lebensarbeit, zur Durchleuchtung des Lebens mit Aufgaben, zur Erhöhung der Verantwortung des Lebens gegenüber den geistigen Welten machen. Indem ich mit diesen Worten gerne, ich möchte sagen, die Farbennuance geben möchte, von der ich meine, daß sie meine heutigen Ausführungen durchdringen soll, möchte ich wieder einiges Ihnen Neue über die Beziehungen des Menschen zur übersinnlichen Welt geben.
[ 7 ] This is particularly important for our time: that we first learn to listen to what can be said through clairvoyant research; that we then strive to understand the content of this research through sound common sense; and that we make this content the work of our lives, a means of illuminating life with tasks, and a way to increase our responsibility toward the spiritual worlds. In offering these words—and I would like to say that I wish to set the tone that I believe should permeate my remarks today—I would like to share with you some new insights regarding humanity’s relationship to the supersensible world.
[ 8 ] Der Mensch, der hier auf der Erde lebt, öffnet seine Sinne der physischen Welt. Er nimmt, indem er in sich hineinblickt, sein Denken, sein Fühlen und sein Wollen in einer gewissen Weise wahr. Was er durch seine Sinne wahrnimmt und zu seinem Seeleninhalt macht, das nennt er seine irdische Umgebung. Beachten Sie, daß, indem wir als Erdenmenschen in dieser physischen Umgebung stehen, wir eigentlich recht gut bekannt sind mit dem, was wir die Außenwelt, die natürliche Außenwelt nennen, soweit sie in unserem Horizonte liegt, daß wir aber im Grunde genommen durch das unmittelbare Bewußtsein recht wenig bekannt sind mit dem, was — sogar oft physisch — innerhalb unserer eigenen Wesenheit liegt. Der Mensch lernt wohl durch eine äußere Wissenschaft seine inneren Organe kennen, aber eben erst dann, wenn er diese inneren Organe auf dem Seziertische oder dergleichen zu äußeren Wesen macht. Durch ein In-sich-Hineinschauen kann der Mensch seine Lungen, sein Herz und so weiter mit der gewöhnlichen Erkenntnis ja nicht kennenlernen. Wir lernen unsere inneren Organe höchstens fühlen, wahrnehmen, wenn sie krank sind. Im gesunden Zustande nimmt der Mensch sein Inneres eigentlich nicht wahr. Er lebt in seinem Inneren, er hat es an sich tätig. Aber gerade indem er darin lebt, gewissermaßen in ihm steckt und es selber ist, nimmt er es nicht so wahr, wie die Außenwelt, die er eben nicht selbst ist.
[ 8 ] Human beings living here on Earth open their senses to the physical world. By looking within themselves, they perceive their thinking, feeling, and willing in a certain way. What they perceive through their senses and make part of their soul’s content, they call their earthly environment. Note that, as earthly human beings standing within this physical environment, we are actually quite familiar with what we call the external world—the natural external world—insofar as it lies within our horizon; yet, fundamentally, through our immediate consciousness, we are quite unfamiliar with what lies—often even physically—within our own being. A person may indeed come to know their internal organs through external science, but only when they transform these internal organs into external entities on a dissection table or the like. Through introspection, a person cannot, of course, come to know their lungs, their heart, and so on, using ordinary cognition. At most, we learn to feel and perceive our internal organs when they are diseased. When healthy, a person does not actually perceive their inner self. They live within it; it is active within them. But precisely because they live within it—are, so to speak, embedded in it and are it themselves—they do not perceive it in the same way as the external world, which they themselves are not.
[ 9 ] Dies zeigt uns, daß wir hier während unseres Erdendaseins den Blick auf die Außenwelt richten und eben eine Welt mit Inhalt um uns herum haben, daß wir dann, wenn wir nach innen blicken, ein allgemeines, unbestimmtes Gefühl von einem Ich haben, von dem wir, wenn wir ehrlich mit uns sind, sagen müssen: Es ist recht dunkel, recht unklar. — Und daß wir wechseln können zwischen diesem Hineinschauen in unser Inneres, wobei uns eben ein ziemlich Unklares, Dunkles in der Seele erlebbar wird, und zwischen dem Erleben der in sich konkreten, überall bestimmten, inhaltvollen Außenwelt. Zwischen beidem können wir mit unserem Bewußtsein wechseln. Das ist im wesentlichen unsere Erfahrung zwischen Geburt und Tod.
[ 9 ] This shows us that, during our earthly existence, we direct our gaze toward the outside world and indeed have a world full of content around us; that when we look inward, we have a general, indefinite sense of a “self,” about which—if we are honest with ourselves—we must say: It is quite dark, quite unclear. — And that we can alternate between this looking inward—in which we experience something rather unclear and dark within our soul—and the experience of the external world, which is concrete in itself, defined in every respect, and rich in content. We can shift our consciousness between the two. This is, in essence, our experience between birth and death.
[ 10 ] Zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist die Erfahrung eine wesentlich andere. Gerade in jenen Zeiten des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt, die sich etwa vergleichen lassen mit dem mittleren Teile unseres Erdenlebens, wo wir etwa als Dreißig-, Vierzigjährige auf der Höhe des Gebrauches unserer physischen Kräfte sind, gerade in der Zeit, die also die mittlere zwischen Tod und neuer Geburt ist, da ist es umgekehrt gegenüber dem Erdenleben. Da blicken wir in unser Inneres durch ein anderes Bewußtsein, das wir dann haben, und indem wir in unser Inneres dann blicken, haben wir ein so Konkretes, ein so Inhaltvolles, wie wenn wir hier auf der Erde in die Außenwelt blicken. Nur, wenn wir hier auf der Erde in die Außenwelt blicken, haben wir die Wesen der drei oder vier Reiche um uns herum, die Wesen des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches und des physischen Menschenreiches. Wir haben sie um uns herum, indem sie sich uns darstellen als sinnenfälliger Inhalt. Wenn wir zwischen Tod und neuer Geburt in der gekennzeichneten Zeit in uns selbst hineinschauen — das ist schon so —, dann haben wir in uns nicht Dinge der Natur, sondern wir haben in uns eine Welt von Wesenheiten, eine Welt von jenen Wesenheiten, die wir beschreiben als die Wesenheiten der höheren, der geistigen Hierarchien. Hier haben wir Weltwahrnehmung, Außenwahrnehmung, Wahrnehmung von Dingen, in der geistigen Welt haben wir Innenwahrnehmung, Wesenswahrnehmung. Wir schauen in uns hinein, aber wir finden nicht solche Organe, wie wir sie hier auf der Erde in uns tragen, sondern wir finden die ganze Welt von Wesenheiten, wenn wir eben das richtige Bewußtsein dafür haben können. Und der, welcher diese Wesenheiten der höheren Hierarchien beschreibt, beschreibt eigentlich nichts anderes als die Außenerfahrung des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt. Und wenn wir so, wie wir hier den Blick von der Außenwelt zurückwenden können auf uns selbst, nun umgekehrt zwischen Tod und neuer Geburt den Blick von innen, wo wir die Wesen der höheren Hierarchien in uns finden, nun hinwenden nach außen, dann finden wir uns selbst, dann kommen wir zu uns selbst. Außenwelt ist dort eigentlich Innenwelt, Innenwesen ist dort Außenwesen, in der Art, wie ich es eben auseinandergesetzt habe.
[ 10 ] Between death and a new birth, the experience is fundamentally different. Precisely during those periods of existence between death and a new birth—which can be roughly compared to the middle phase of our earthly life, when, as thirty- or forty-year-olds, we are at the peak of our physical powers—precisely during this time, which is thus the middle phase between death and a new birth, the situation is the opposite of that in earthly life. There we look into our inner being through a different consciousness that we possess at that time, and as we look into our inner being, what we perceive is as concrete and as rich in content as when we look out into the external world here on Earth. However, when we look out into the external world here on Earth, we are surrounded by the beings of the three or four kingdoms: the beings of the mineral, plant, and animal kingdoms, and the physical human kingdom. We have them around us in that they present themselves to us as sensory content. When we look within ourselves during the period between death and rebirth—and this is indeed the case—we do not have things of nature within us, but rather a world of beings, a world of those beings we describe as the beings of the higher, spiritual hierarchies. Here we have perception of the world, perception of the external, perception of things; in the spiritual world we have inner perception, perception of beings. We look within ourselves, but we do not find organs such as those we carry within us here on Earth; rather, we find the entire world of beings, provided we can attain the proper consciousness for it. And whoever describes these beings of the higher hierarchies is actually describing nothing other than the human being’s outer experience between death and new birth. And just as we can turn our gaze away from the external world and back toward ourselves here, so too, between death and new birth, when we turn our gaze outward from within—where we find the beings of the higher hierarchies within ourselves—we find ourselves; we come to ourselves. The external world there is actually the inner world, and the inner being is the external being, in the way I have just explained.
[ 11 ] Dasjenige aber, was wir dort als eine innere, vollinhaltliche Welt von geistigen Wesenheiten in uns erblicken, das stellt sich uns hier, während des Erdendaseins, in seinem Abbilde dar, stellt sich uns so dar, daß wir die sinnlichen Abbilder jener Wesenheiten sehen, die wir sonst in unserem Inneren zwischen Tod und neuer Geburt wahrnehmen. Allerdings sehen wir hier nicht dieselben Wesen, sondern gewissermaßen die Wohnplätze dieser Wesen, und das ist — weil sich immer eine ganze Anzahl dieser Wesen in Gemeinsamkeit befinden —: die Sternenwelt um uns herum. Also was beschreiben wir, wenn wir voller Erkenntnis — nicht mit jener Maulwurfserkenntnis zwischen Geburt und Tod, die dem gewöhnlichen Bewußtsein eigen ist — von den Sternen, zum Beispiel von der Sonne reden? Die Sonne bietet uns gegenüber dem sinnlichen Anblick ein gewisses Bild: was sich aber hier als das Bild der Sonne uns darstellt, das erleben wir zwischen Tod und neuer Geburt als ein Reich geistiger Wesenheiten. Wir sehen da nicht die Sonne so, wie sie jetzt hier ist, sondern ein Reich geistiger Wesenheiten. Wir haben hier, vom Erdendasein aus, etwas wie eine Art Erinnerung, wodurch wir wissen: dieses Reich geistiger Wesenheiten entspricht, von der Erde aus gesehen, der Sonne. Und so ist es auch für die anderen Sterne. Das heißt, unser geistiges Bewußtsein zwischen Tod und neuer Geburt wird ein kosmisches Bewußtsein. Wir sind da nicht wie innerhalb unserer Haut hier, wir sind wahrhaftig die ganze Welt. Nur darf man es sich nicht räumlich vorstellen. Aber wir sind die ganze Welt, wir tragen den Sternenhimmel in uns. Und es ist so: wie wir hier auf der Erde unsere Lungen, unser Herz, unseren Magen und so weiter in uns tragen, so tragen wir zwischen Tod und neuer Geburt die Sonne, den Mond, den Saturn, die anderen Sterne in uns als unsere inneren Organe, aber sie sind geistige Wesenheiten. Es ist ihr geistiges Korrelat, ihr geistiges Urbild, was wir dann in uns tragen.
[ 11 ] But what we perceive there as an inner, rich world of spiritual beings within ourselves is presented to us here, during our earthly existence, in the form of its reflection; it is presented to us in such a way that we see the sensory reflections of those beings whom we otherwise perceive within ourselves between death and rebirth. However, we do not see the same beings here, but rather, in a sense, the dwelling places of these beings; and this is—because a whole host of these beings always dwell together—the world of the stars around us. So what are we describing when we speak of the stars—for example, of the sun—with full understanding, rather than with that “mole-like” understanding between birth and death that is characteristic of ordinary consciousness? The Sun presents us with a certain image in contrast to the sensory perception: but what appears to us here as the image of the Sun, we experience between death and new birth as a realm of spiritual beings. There we do not see the Sun as it is here now, but rather a realm of spiritual beings. From our earthly existence, we have something like a memory through which we know: this realm of spiritual beings corresponds, as seen from Earth, to the Sun. And so it is with the other stars as well. This means that our spiritual consciousness between death and rebirth becomes a cosmic consciousness. We are not there as we are here within our own skin; we truly are the whole world. Only, one must not imagine this in spatial terms. But we are the whole world; we carry the starry sky within us. And it is this: just as we here on Earth carry our lungs, our heart, our stomach, and so on within us, so between death and rebirth we carry the Sun, the Moon, Saturn, and the other stars within us as our inner organs—but they are spiritual beings. It is their spiritual counterpart, their spiritual archetype, that we then carry within us.
[ 12 ] Wir würden, wenn wir immer in diesem Zustande wären, in der geistigen Welt niemals zu uns kommen, wir würden uns immer eins fühlen mit der Welt der höheren Hierarchien. Aber das kann nicht sein. Das wäre genau so, wie wenn wir hier auf der Erde bloß einatmen wollten und niemals ausatmen. Daher besteht unser Leben zwischen Tod und neuer Geburt in einem rhythmischen Wechsel: in einem Leben in diesen höheren Hierarchien und — im kosmischen Bewußtsein — in einem Herausschauen; das heißt dort: zu uns selbst kommen. Wie wir hier Einatmung und Ausatmung im Wechsel haben ich könnte auch sagen: Wachen und Schlafen —, so wechseln wir dort mit dem Erleben der hierarchischen geistigen Welt, und dem Erleben von uns selbst, wo wir einsam in unsere eigene Seele zusammengezogen sind, wo wir zu uns selbst kommen. So entsteht dadurch der rhythmische Wechsel im Erleben des Menschen zwischen dem Ausgebreitetsein über das ganze Weltensein, und dem Zu-sich-Kommen: Ausgebreitetsein über das ganze Weltensein — Zu-sich-Kommen und so weiter.
[ 12 ] If we were always in this state, we would never come to our senses in the spiritual world; we would always feel at one with the world of the higher hierarchies. But that cannot be. It would be exactly as if, here on Earth, we merely wanted to inhale and never exhale. Therefore, our life between death and rebirth consists of a rhythmic alternation: a life within these higher hierarchies and—in cosmic consciousness—a looking out; that is to say, coming to ourselves. Just as we have alternating inhalation and exhalation here—I could also say: waking and sleeping—so there we alternate between experiencing the hierarchical spiritual world and experiencing ourselves, where we are withdrawn into our own soul, where we return to ourselves. This gives rise to the rhythmic alternation in human experience between being spread out across the entire cosmos and coming to oneself: being spread out across the entire cosmos—coming to oneself, and so on.
[ 13 ] Dieses Leben zwischen Tod und neuer Geburt innerhalb der geistigen Welt, deren physischer Abglanz die Sternenwelt ist, dieses Leben ist wahrhaftig nicht weniger reich als das Erdenleben. Aber wir können im Erdenleben eigentlich nur das Resultat — und zwar in seinem sehr undeutlichen Zustande — dessen erkennen, was wir zwischen Tod und neuer Geburt erleben. Denken wir uns etwa folgendes: Wir leben hier im Erdenleben auf der Erde, der eine verfertigt Schuhe, der andere Röcke, der dritte schneidet den Menschen die Haare, der vierte baut Lokomotiven und so weiter. Indem wir dies hier auf der Erde im physischen Dasein tun, kommt die sogenannte menschliche Kultur, die Zivilisation zustande. Denken Sie sich nun, diese ganze Zivilisation würde in ihren Hervorbringungen von Zeit zu Zeit in eine Art Resultat zusammengefaßt werden auf einem ganz anderen Gebiete, zum Beispiel auf der Sonne, so könnte man ja nicht gleich von dem, was auf der Sonne dort ist, mit einem Sonnenbewußtsein erkennen, daß dies das Ergebnis der Erdenzivilisation ist. Nehmen wir einmal an, alles das, was hier auf der Erde, wie ich es angedeutet habe, zustande kommt, gäbe eben auf der Sonne ein einziges Ergebnis in vielen Exemplaren. So ist es nämlich in Wirklichkeit mit dem, was wir tun im geschilderten Zusammenhange mit den Wesen der höheren Hierarchien zwischen Tod und neuer Geburt: wir arbeiten dort mit diesen Wesen an der Geistform unseres physischen Erdenleibes. Und diese Arbeit, die da verrichtet wird, wo der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt zusammenarbeitet mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, um die Geistform des physischen Erdenleibes zustande zu bringen, diese Arbeit ist wahrhaftig eine reichere, eine vielartigere als das, was wir hier als Kulturarbeit im physischen Dasein vollbringen, wenn auch dann der physische Menschenleib, der vor uns steht, uns nicht gleich verrät, daß er das Ergebnis der Arbeit von Götterwesenheiten im Zusammenhange mit dem Menschen in der Zeit seines Daseins zwischen Tod und neuer Geburt ist. Aber ältere Weltanschauungen haben wohl gewußt, was sie sagten, wenn sie den menschlichen Leib einen «’Tempel der Götter» nannten. Denn dieser menschliche Leib ist tatsächlich, so wenig wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein hier auf der Erde das beachten, das Allerkomplizierteste, das es im Weltenall überhaupt gibt. Und das, was ein einzelner Menschenleib ist, das ist eben die zusammengeflossene Arbeit unzähliger Wesen, zu denen wir aber selbst gehören; denn wir arbeiten mit an dem Leibe, mit dem wir uns in einer Erdeninkarnation umkleiden, nur könnten wir ihn nicht einzeln für uns erarbeiten, sondern wir müssen ihn in Gemeinschaft mit unzähligen geistigen Wesenheiten verschiedenster Rangordnungen erarbeiten.
[ 13 ] This life between death and rebirth within the spiritual world—of which the world of the stars is a physical reflection—is truly no less rich than earthly life. But in our earthly life, we can actually perceive only the result—and that in a very vague form—of what we experience between death and rebirth. Let us imagine the following: We live here on Earth, where one person makes shoes, another makes skirts, a third cuts people’s hair, a fourth builds locomotives, and so on. By doing these things here on Earth in our physical existence, so-called human culture—civilization—comes into being. Now imagine that the products of this entire civilization were, from time to time, synthesized into a kind of result in a completely different realm—for example, on the Sun. In that case, one could not immediately recognize, through a solar consciousness, that what exists there on the Sun is the result of Earthly civilization. Let us suppose, for a moment, that everything that comes into being here on Earth, as I have indicated, were to produce a single result in many copies on the Sun. For this is in fact the reality of what we do in the context described, together with the beings of the higher hierarchies, between death and new birth: there we work with these beings on the spirit form of our physical Earth body. And this work, which is carried out where the human being, between death and new birth, collaborates with the beings of the higher hierarchies to bring about the spiritual form of the physical earthly body, this work is truly richer and more multifaceted than what we accomplish here as cultural work in physical existence, even if the physical human body standing before us does not immediately reveal to us that it is the result of the work of divine beings in connection with the human being during the time of their existence between death and new birth. But older worldviews certainly knew what they were saying when they called the human body a “temple of the gods.” For this human body is in fact—however little we take this into account with our ordinary consciousness here on Earth—the most complex thing that exists in the entire universe. And what a single human body is, is precisely the combined work of countless beings, to which we ourselves belong; for we ourselves contribute to the body with which we clothe ourselves in an earthly incarnation—only we cannot create it individually on our own, but must fashion it in communion with countless spiritual beings of the most diverse ranks.
[ 14 ] Wenn wir vom Gesichtspunkte des Erdenlebens aus sprechen, so sind wir gewohnt, dasjenige einen Keim zu nennen, was anfangs klein ist und dann groß wird im physischen Sinne. Wenn wir das, was da der Mensch ausarbeitet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, den Geistkeim des physischen Leibes nennen, so müssen wir sagen, dieser Geistkeim ist so groß wie das Weltall und wird dann, indem er durch das Embryonalleben des Menschen geht, eben «klein» im physischen Leben. In dem kleinen Menschenkeim steckt ein Abbild des großen Geistkeimes drinnen, der von dem Menschen im Zusammenhange mit den höheren Wesenheiten ausgearbeitet worden ist. So daß wir, indem wir schauend hineinblicken in die Welt, die der Mensch durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt, eigentlich sehen, wie aus den Aufgaben des Makrokosmos heraus der Mikrokosmos, der menschliche Leib, in immer neuen Exemplaren geformt wird. Und das ist eine erhabenere Aufgabe als alle Kulturarbeit, die der Mensch zwischen Geburt und Tod verrichtet. Und das Leben, das der Mensch durchmacht, indem er also aus dem Weltenall heraus an dem Menschenkeim arbeitet, dieses Leben ist ein vielseitigeres, reichhaltigeres als das, welches wir hier auf der Erde verbringen, indem wir etwa Schuhe fabrizieren, Röcke machen, Kinder unterrichten, Staaten regieren und so weiter, ich könnte natürlich das Verzeichnis lange fortsetzen. Es muß eben durchaus derjenige, der die Welt durchschauen will, sich damit bekanntmachen, daß es etwas ungeheuer Erhabenes ist, den Menschen 19 leib, wie er hier im physischen Abbilde da ist, aus den Aufgaben des Weltalls heraus zu gestalten, und daß das Erleben dieses Gestaltens etwas Ungeheures, in bezug auf Erhabenheit, gar nicht mit dem zu Vergleichendes ist, was der Mensch hier vollbringt, wenn er auch die schätzbarsten Kulturprodukte des physischen Erdenlebens mitfabriziert.
[ 14 ] When we speak from the perspective of earthly life, we are accustomed to calling that which is small at first and then grows large in the physical sense a “seed.” If we call what the human being develops between death and a new birth the spiritual seed of the physical body, then we must say that this spiritual seed is as vast as the universe and then, as it passes through the human embryonic life, becomes “small” in physical life. Within the small human germ lies an image of the great spiritual germ that has been developed by the human being in connection with the higher beings. Thus, as we gaze into the world that the human being experiences between death and a new birth, we actually see how, out of the tasks of the macrocosm, the microcosm—the human body—is formed in ever-new instances. And this is a more sublime task than all the cultural work that a human being performs between birth and death. And the life that a human being experiences by working on the human embryo from within the cosmos—this life is more multifaceted and richer than the one we spend here on Earth making shoes, sewing skirts, teaching children, governing states, and so on; I could, of course, go on and on with the list. Anyone who wishes to truly understand the world must come to realize that there is something immensely sublime in shaping the human body—as it exists here in its physical form—out of the tasks of the cosmos, and that the experience of this shaping—in terms of its sublimity—is something so immense that it cannot be compared at all to what human beings accomplish here, even when they help create the most valuable cultural products of physical life on Earth.
[ 15 ] So steht eigentlich der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt drinnen: er hat eine Außenwelt, die ist er selbst; sein Blick geht hin auf das künftige Erdenleben, und in dem Anblick, in der Perspektive dieses künftigen Erdenlebens liegt eben das, daß er sich in sich selbst zusammenzieht, daß er zu sich selbst kommt. In dem Moment, wo sein Bewußtsein erfüllt ist von dem Hinschauen auf sein künftiges Erdenleben und von dem Zurückschauen auf sein früheres Erdenleben, da ist er bei sich. In dem Moment, wo er mit den Wesen der höheren Hierarchien zusammenarbeitet an der Aufgabe, den komplizierten physischen Leib zustande zu bringen im Geistkeim, da ist er gewissermaßen außer sich, aber er ist eins geworden mit der geistigen Wesenheit, er lebt mit in der geistigen Wesenheit draußen. Gerade in diesem Hochpunkt des Erlebens zwischen Tod und neuer Geburt, den ich in einem meiner Mysteriendramen die Mitternachtsstunde des menschlichen Daseins genannt habe, da erlebt der Mensch als sein Inneres das, was er als den Fixsternhimmel hier im Abbilde sieht. Der Fixsternhimmel oder sein Repräsentant — wie es die alten Weltanschauungen auch bezeichnet haben —, der Tierkreis, von hier aus gesehen, ist das physische Abbild der geistigen Welt, in welcher der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt lebt, und die er als seine innere Welt erlebt.
[ 15 ] This is actually how a human being stands in the spiritual world between death and new birth: he has an outer world, which is himself; his gaze is directed toward his future earthly life, and in that vision, in the perspective of this future earthly life, lies precisely the fact that he withdraws into himself, that he comes to himself. At the moment when his consciousness is filled with looking toward his future earthly life and looking back on his past earthly life, he is at one with himself. At the moment when he works together with the beings of the higher hierarchies on the task of bringing the complex physical body into being within the spiritual germ, he is, so to speak, outside of himself, but he has become one with the spiritual being; he lives within the spiritual being outside of himself. It is precisely at this high point of experience between death and new birth—which I have called the midnight hour of human existence in one of my Mystery Dramas—that the human being experiences within himself what he sees here as the image of the fixed-star sky. The fixed-star sky—or its representative, as the ancient worldviews also called it—the zodiac, seen from here, is the physical image of the spiritual world in which the human being lives between death and new birth, and which he experiences as his inner world.
[ 16 ] Das geht dann durch einige Zeit weiter, und der Mensch verläßt dann gewissermaßen dieses lebendige, dieses regsame, dieses vom irdischen Standpunkte aus erhaben zu nennende unmittelbare Arbeiten mit den Geistern der höheren Hierarchien. Und das Nächste, was dann sein Erleben ist, das ist der Standpunkt des Miterlebens mit jenen höheren Wesen, die Offenbarungen höherer Wesen sind. Von einem gewissen Zeitpunkte an weiß der Mensch: Ja, das unmittelbare Mittun mit den höheren Wesen ist nicht mehr da, aber die höheren Wesen zeigen sich mir im Abbilde. Vom Erdenstandpunkte aus gesehen, kann man dies so bezeichnen: der Mensch findet den Übergang von der Fixsternwelt in die Planetenwelt. Indem der Mensch die Planetensphäre durchschreitet beim Vorschreiten gegen ein Erdendasein zu, fühlt er nicht mehr das Leben der höheren Welten als sein inneres Leben; vorher fühlte er es als sein inneres Leben. Hier in der physischen Welt fühlen wir unsere Blutzirkulation, unsere Atmung und so weiter, als unser Innenleben, dort im Leben zwischen Tod und neuer Geburt fühlen wir das Leben und Wesen der höheren Hierarchien als unser Innenleben. Wir stehen in einer geistigen Wirklichkeit drinnen und tun mit. Nun, von einem gewissen Zeitpunkte an sagen wir uns: Jetzt tun wir nicht mehr mit, jetzt erscheint uns wie in einem Bilde dasjenige, woran wir früher mitgetan haben; früher waren wir in der Tatsächlichkeit der geistigen Welt drinnen, jetzt sind wir in ihren Offenbarungen. Das heißt aber in Wirklichkeit: wir sind aus der Sphäre der Fixsternwelt übergetreten in die Planetensphäre.
[ 16 ] This continues for some time, and the human being then, in a sense, leaves behind this living, this active, this—from an earthly standpoint—sublime direct work with the spirits of the higher hierarchies. And the next stage of their experience is the perspective of sharing in the experiences of those higher beings who are manifestations of higher beings. From a certain point onward, the human being knows: Yes, the direct collaboration with the higher beings is no longer present, but the higher beings reveal themselves to me in reflection. Viewed from an earthly perspective, one might describe this as follows: the human being makes the transition from the world of fixed stars to the planetary world. As the human being passes through the planetary sphere on the way toward an earthly existence, he no longer feels the life of the higher worlds as his inner life; previously, he had felt it as his inner life. Here in the physical world, we experience our blood circulation, our breathing, and so on, as our inner life; there, in the life between death and new birth, we experience the life and essence of the higher hierarchies as our inner life. We are immersed in a spiritual reality and are actively participating in it. Now, from a certain point onward, we say to ourselves: Now we are no longer participating; now what we used to participate in appears to us as if in a picture; previously we were actually within the spiritual world, now we are within its manifestations. But in reality this means: we have passed from the sphere of the fixed stars into the sphere of the planets.
[ 17 ] Da haben wir zunächst eine gewisse Schwierigkeit zu überwinden: das ist der Eintritt in die Saturnsphäre. Von dem Saturn strahlen bestimmte geistige Kräfte aus. Wenn wir nämlich durch den Tod gegangen sind, ist es ja so, daß wir zuerst in die Planetensphäre gehen und dann erst in die Fixsternsphäre kommen; denn wir gehen ja dann den Weg, den ich jetzt eben beschrieben habe, in der umgekehrten Folge. So ist, wenn wir durch den Tod aus dem Erdenleben hinausgehen, der Saturn der Wohnplatz derjenigen Wesenheiten, die uns nicht auf der Erde lassen wollen, die uns von der Erde hinwegheben wollen, uns befreien wollen von unseren irdischen Kräften und hinausbefördern wollen in die Welt der reinen Geistigkeit. Ich habe dieses Erleben in meiner «Theosophie» von einem anderen Gesichtspunkt aus beschrieben als den Übergang von dem Leben im Seelenlande in das Geisterland. Es verhalten sich diese beiden Schilderungen so, wie man zum Beispiel auch einen Baum immer von verschiedenen Seiten aus photosraphieren kann: es ist immer dasselbe, schaut aber immer anders aus. Beim Rückgange, einem neuen Erdenleben entgegen, haben wir also diesen Einfluß der Saturnwesen. Und diejenigen Menschen, die durch ihr vorheriges Erdenleben ein solches Karma haben, daß bei ihrer Rückkehr zu einem neuen Erdenleben die Saturnkräfte einen großen Einfluß auf sie haben, werden leicht erdenfremde Menschen; Menschen, die entweder davon schwärmen, wie das Irdische eigentlich wertlos sei, und wie man sich in ein begriffliches Wolkenkuckucksheim hineinflüchten solle, oder Menschen, die, weil sie die menschlichen Verhältnisse nur oberflächlich ansahen, eine Neigung entfalten, spiritistische Sitzungen und dergleichen zu veranstalten, in denen sich die verschiedensten geistigen Wesenheiten tummeln können. Das alles wird dadurch bewirkt, daß der Mensch sich in seinem vorherigen Erdenleben ein solches Karma erworben hatte, durch das er beim Rückgange zur Erdensphäre mit den Saturnkräften in eine stärkere Beziehung kommt.
[ 17 ] First, we have a certain difficulty to overcome: entering the sphere of Saturn. Certain spiritual forces radiate from Saturn. For when we have passed through death, we first enter the planetary sphere and only then reach the sphere of the fixed stars; for we then follow the path I have just described, in reverse order. Thus, when we pass out of earthly life through death, Saturn is the dwelling place of those beings who do not want to let us remain on Earth, who want to lift us away from Earth, free us from our earthly forces, and transport us into the world of pure spirituality. I have described this experience in my *Theosophy* from a different perspective—namely, as the transition from life in the realm of the soul to the realm of the spirits. These two descriptions relate to one another in the same way that, for example, a tree can always be photographed from different angles: it is always the same, yet it always looks different. Upon returning to a new earthly life, we are thus subject to the influence of the Saturn beings. And those people who, due to their previous earthly life, have accumulated such karma that the Saturn forces exert a great influence on them upon their return to a new earthly life, easily become people who are out of touch with the earthly realm; people who either rave about how earthly things are actually worthless and how one should take refuge in a conceptual cloud cuckoo land, or people who, because they viewed human conditions only superficially, develop a tendency to organize spiritualist séances and the like, in which the most diverse spiritual beings can run amok. All of this is brought about by the fact that the person had acquired such karma in their previous earthly life that, upon returning to the earthly sphere, they enter into a stronger relationship with the forces of Saturn.
[ 18 ] Indem aber der Mensch in die Planetensphäre eintritt und der Sonnensphäre sich nähert, kommt er auch unter den Einfluß des Gegenparts der Saturnkräfte, das heißt derjenigen geistigen Wesenheiten, die ihren Wohnplatz im Monde haben. Diese Wesenheiten haben vor allen Dingen die Aufgabe, den Menschen ins Erdendasein wieder hineinzuführen, so daß also derjenige Mensch, der von den Mondenkräften Gewirktes aufnimmt, eben doch fix im Erdendasein steht, obwohl es auf der anderen Seite natürlich die Mondenkräfte wieder sein können, die den Menschen gar zu stark durchdringen mit dem rein physischen Dasein, das heißt mit der Vorliebe, mit der Neigung für dieses rein physische Dasein.
[ 18 ] But as the human being enters the planetary sphere and approaches the solar sphere, he also comes under the influence of the counterpart to the forces of Saturn—that is, those spiritual beings who dwell on the Moon. The primary task of these beings is to guide human beings back into earthly existence, so that the person who absorbs what is wrought by the lunar forces remains firmly grounded in earthly existence—although, on the other hand, it may of course be the lunar forces themselves that imbue human beings too strongly with a purely physical existence, that is, with a preference for, and an inclination toward, this purely physical existence.
[ 19 ] So können wir sagen: Hier im Erdenleben gehen wir herum zwischen Bäumen, Blumen, Gräsern, Tieren und so weiter, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wandeln wir unter Sternen. Und es ist gar nicht so unreal, wenn Sie sich einfach in einem umfassenden Bilde die Vorstellung bilden, daß Sie während des Erdenlebens hier auf der Erde sind, nach dem Tode die Sphären der Planeten passieren, indem Sie die Mondensphäre verlassen, die Neigung für das Erdenleben verlieren, durch den Saturn hinausbefördert werden, in der Fixsternsphäre verhältnismäßig gegenüber dem Erdendasein sogar sehr lange leben, dann wieder zurückkehren, in die Planetensphäre eintreten, und insbesondere, indem Sie in den Mondeneinfluß kommen, wird Ihnen im übersinnlichen Dasein durch dasjenige, was die Mondenkräfte sind, die Veranlassung, ins Erdenleben wieder zurückzukehren. Es drängt Sie wieder, ins Erdenleben zurückzukehren. Wie wir hier auf der Erde in gewissen Beziehungen stehen zu dem, was wir unsere sinnliche Umgebung nennen, so tun wir es auch bei diesem Leben durch die Sternenwelt hindurch. Und das hat alles für unser Arbeiten mit den Wesen der höheren Hierarchien an dem Geistkeim des physischen Menschenleibes eine große Bedeutung. Denn bis wir beim Wiederherabstieg zu einem neuen Erdenleben in die Planetensphäre kommen, bleibt es sogar in unserem Wesen, das wir uns da für das künftige Erdenleben aufbauen, unentschieden, ob wir zum Manne oder zum Weibe werden. Ja, das bleibt sogar noch für eine gewisse Zeit unentschieden, wo wir schon als seelisch-geistige Wesen in der Planetensphäre sind. In der Fixsternsphäre auch nur von etwas Ähnlichem zu reden, wie wir es hier haben als Mann und Weib, wäre sogar der reine Unsinn. Aber in dem Bilde, das ich nun angefangen habe zu malen, können Sie sich, wenn Sie sich von der Erde entfernen, ganz gut vorstellen: hier haben Sie den Mond von vorn gesehen; dann haben Sie ihn von hinten gesehen. Venus, Merkur und Sonne sehen Sie ebenfalls von hinten, dann sehen Sie die Tierkreissphäre und so weiter. Aber indem Sie diese Sphären passieren, verwandelt sich das, was für uns hier sonst physisches Abbild ist, in eine Summe von geistigen Wesenheiten, die Sie anschauen. Indem Sie den Mond von hinten anschauen, sehen Sie geistige Wesenheiten, zum Beispiel diejenigen geistigen Wesenheiten, welche vorzugsweise die Eingeweihten des Alten Testamentes interessiert haben: die Jahvewesenheit und die zu ihr gehörigen Wesenheiten. Wenn Sie aber jetzt wieder zur Erde zurückkehren, können Sie durch Ihr früheres Karma, indem Sie sich der Mondensphäre nähern, denjenigen Zeitpunkt sich aussuchen, wo, von der Erde aus gesehen, am Himmel Vollmond steht; das heißt, Sie sehen, von der Erde aus geschaut, Vollmond, die beleuchtete Mondenscheibe, aber von rückwärts aus gesehen schaut man beim Herannahen an die Erde dann den Mond schwarz. Wählen Sie sich diesen Zeitpunkt für Ihre Annäherung an die Erde gerade so, daß gewissermaßen die schwarze, von der Sonne unbeeinflußte Mondensphäre auf Sie hineinwirkt, wo also auf der Erde Vollmond ist, dann werden Sie mit einem weiblichen Dasein auf der Erde erscheinen. Wählen Sie dagegen jene Zeit, in welcher wir hier auf der Erde den Mond nicht sehen, wo also Neumond ist und wo die Sonnenwirkungen nach allen Seiten frei in den Weltenraum hineingehen, dann richten Sie sich ein männliches Erdendasein ein. Sie sehen also, bis zur Form des Männlichen und Weiblichen müssen wir das, was wir hier auf der Erde im physischen Leibe sind, aus. den Erlebnissen herleiten, die wir gewissermaßen in der Sternensphäre, das heißt in der geistigen Sphäre, von der anderen Seite aus gesehen, zwischen Tod und neuer Geburt haben. In allen Einzelheiten lassen sich diese Dinge verfolgen. So wie wir auf der Erde sagen können, was der Mensch dadurch hat, daß er zum Beispiel Kohl oder Eier oder Ochsenfleisch ißt — denn davon ist auf der Erde sein physisches Dasein abhängig —, so gibt es überall die entsprechenden Beziehungen in den geistigen Welten, deren Ergebnis dann in der Formung und inneren Durchlebung des Menschen auf der Erde auftritt. Hier auf der Erde essen wir Ochsenfleisch oder Eier; in der geistigen Welt, zwischen Tod und neuer Geburt, wählen wir uns, je nachdem es unserem Karma entspricht, für die Zeit des Überganges den Neumonddurchgang oder den Vollmonddurchgang und werden dadurch Mann oder Weib. Aber das volle Menschendasein im Zusammenhange mit dem Weltendasein läßt sich eben nur begreifen, wenn wir nicht bloß das ins Auge fassen, was hier zwischen Geburt und Tod sich abspielt, sondern wenn wir das im Erdenleben sich Abspielende auffassen können im Zusammenhange mit dem, was zwischen dem Tode und einer neuen Geburt für den Menschen vor sich geht.
[ 19 ] So we can say: Here in our earthly life, we walk among trees, flowers, grasses, animals, and so on; between death and a new birth, we walk beneath the stars. And it is not at all unrealistic if you simply form a comprehensive picture in your mind in which, during your earthly life, you are here on Earth; after death, you pass through the spheres of the planets, leaving the lunar sphere, losing your attachment to earthly life, are carried beyond Saturn, live for a relatively long time—even a very long time compared to earthly existence—in the sphere of the fixed stars, then return again, enter the planetary sphere, and, in particular, as you come under the influence of the Moon, the lunar forces in the supersensible realm provide the impetus for you to return to earthly life. It urges you once more to return to earthly life. Just as we here on Earth have certain relationships to what we call our sensory environment, so too do we in this life through the world of the stars. And all of this is of great significance for our work with the beings of the higher hierarchies on the spiritual germ of the physical human body. For until we enter the planetary sphere during our descent to a new earthly life, it remains undecided—even within the being we are building there for our future earthly life—whether we will become a man or a woman. Indeed, this remains undecided for a certain time even when we are already in the planetary sphere as soul-spiritual beings. In the sphere of the fixed stars, it would be sheer nonsense to speak of anything even remotely similar to what we have here as man and woman. But in the picture I have now begun to paint, you can quite well imagine—as you move away from Earth—that here you have seen the Moon from the front; then you have seen it from the back. You also see Venus, Mercury, and the Sun from the back, then you see the zodiacal sphere, and so on. But as you pass through these spheres, what is otherwise a physical image for us here transforms into a multitude of spiritual beings that you behold. As you look at the Moon from behind, you see spiritual beings—for example, those spiritual beings who were of particular interest to the initiates of the Old Testament: the Yahweh Being and the beings associated with it. But when you now return to Earth, through your past karma—as you approach the lunar sphere—you can choose the moment when, as seen from Earth, there is a full moon in the sky; that is, viewed from Earth, you see the full moon, the illuminated lunar disk, but when viewed from the opposite direction as you approach Earth, the moon appears black. Choose this moment for your approach to Earth precisely so that, in a sense, the black lunar sphere—uninfluenced by the Sun—acts upon you, that is, when there is a full moon on Earth; then you will appear on Earth as a female being. If, on the other hand, you choose the time when we here on Earth cannot see the Moon—that is, when it is a new moon and the Sun’s influences radiate freely in all directions into outer space—then you will establish a male existence on Earth. So you see, even down to the form of the male and female, we must derive what we are here on Earth in the physical body from the experiences we have, so to speak, in the stellar sphere—that is, in the spiritual sphere, viewed from the other side—between death and new birth. These things can be traced in every detail. Just as we can say here on Earth what a person gains by eating, for example, cabbage or eggs or beef—for his physical existence on Earth depends on these things—so there are corresponding relationships everywhere in the spiritual worlds, the results of which then manifest in the formation and inner experience of the human being on Earth. Here on Earth we eat beef or eggs; in the spiritual world, between death and rebirth, we choose—depending on our karma—either the new moon phase or the full moon phase for the time of transition, and thereby become male or female. But full human existence in connection with world existence can only be understood if we do not merely focus on what takes place here between birth and death, but if we can grasp what unfolds in earthly life in connection with what takes place for the human being between death and a new birth.
[ 20 ] Das ist nun etwas, was der Mensch heute noch nicht in seiner vollen, realen Bedeutung auch für das Erdenleben einsieht. Aber man kennt ja heute den Menschen eigentlich eben nur so, wie der Maulwurf die Museen kennt. Der Maulwurf, der den Boden unter den Museen durchwühlt, kann vielleicht seine Erfahrungen darüber aufzählen; aber darin wird nicht viel sein von dem, was ja doch über ihm ist. So ungefähr ist der Welt gegenüber in dem, was uns eine Erdenwissenschaft sein kann, solch ein «Maulwurfsstandpunkt» eingenommen; nur daß der Maulwurf auch leben könnte, ohne daß ein Museum über ihm ist — es hat nicht viel Zusammenhang mit ihm —, aber der Mensch ist mit dem, womit er zusammenhängt als mit der übersinnlichen Welt, innig verknüpft, er hängt damit zusammen. Ein Bewußtsein davon muß sich die Menschheit wieder erwerben. Es war einmal ein dumpfes, gedämpftes Bewußtsein für diese Dinge vorhanden, in das hineingeleuchtet wurde in den alten Mysterien, aber auch mit den alten Methoden. Diese alten Mysterien waren nicht einseitige Kultusstätten bloß. Ein Bedürfnis zu einseitigen Kultusstätten hat eigentlich erst die neuere Menschheit. Die neuere Menschheit muß schon abgesonderte Kulte treiben, weil sie egoistisch geworden ist und für das eigene Selbst eine Versicherung für die Unsterblichkeit haben will. Die kann gegeben werden, sie ist ja Tatsache. Aber der Mensch ist heute geneigt, das alles abgesondert voneinander zu treiben. Noch zu Paracelsus’ Zeit war es nicht so, da war die Heilkunde noch Gottesdienst. Wir müssen — obwohl wir Übergänge haben müssen — doch wieder dazu kommen, alles Erdenwirken als eine Vollendung eines geistigen Wirkens anzusehen. Nur obliegt es heute dem Menschen, gewissermaßen abgeschnürt von der geistigen Welt während seines Erdendaseins die Erdenereignisse durchzumachen; er würde sonst sein Freiheitsbewußtsein nicht erringen können. Aber die Zeit ist erfüllt, in welcher der Mensch sich abgeschnürt halten darf vom geistigen Dasein. Er muß wiederum sein Bewußtsein mit innerer Erleuchtung vom geistigen Dasein durchdringen, und dazu kann er heute die alten Methoden nicht benützen. Er muß durchgehen durch das, was ihm in der Gegenwart nach dieser Richtung geoffenbart werden kann.
[ 20 ] This is something that people today do not yet fully grasp in its true, real significance—even as it pertains to life on Earth. But today, people really only know humanity in the same way that a mole knows museums. The mole, burrowing through the ground beneath the museums, might be able to recount its experiences of them; but there won’t be much in that account of what actually lies above it. In much the same way, a “mole’s perspective” is taken toward the world in what can be an earthly science for us; except that the mole could also live without a museum above it—it has little connection to it—but human beings are intimately linked to that with which they are connected, namely the supersensible world; they are bound to it. Humanity must regain an awareness of this. There once existed a dim, subdued awareness of these things, which was illuminated in the ancient mysteries, though also using the ancient methods. These ancient mysteries were not merely one-sided places of worship. It is actually only modern humanity that has a need for one-sided places of worship. Modern humanity must indeed practice separate forms of worship because it has become selfish and wants assurance of its own immortality. This assurance can be given; it is, after all, a fact. But people today are inclined to pursue all these things in isolation from one another. This was not the case even in Paracelsus’s time; back then, medicine was still a form of worship. We must—although we need to go through transitional phases—return to viewing all earthly activity as the fulfillment of a spiritual process. It is simply the case today that human beings, cut off, as it were, from the spiritual world during their earthly existence, must go through earthly events; otherwise, they would not be able to attain their sense of freedom. But the time has come to an end when human beings may remain cut off from spiritual existence. They must once again imbue their consciousness with inner enlightenment from spiritual existence, and to do so, they cannot use the old methods today. They must pass through whatever can be revealed to them in the present in this direction.
[ 21 ] Denn nehmen Sie einmal an: irgendeine alte Mysterienstätte versorgte mit den Angelegenheiten der Mysterien eine umliegende Gegend. Da erstreckte sich die Sorge dieser Mysterienstätte auf alle Angelegenheiten der Menschen, die umher wohnten, auf alle diejenigen Angelegenheiten, die eben nur durch den Zusammenhang des Erdenlebens mit der geistigen Welt erfüllt, geordnet werden konnten. Nehmen wir an, es trat bei einem Menschen eine Krankheit auf. Da fragte man in jenen älteren Zeiten nun nicht: Was haben wir für Stoffe probiert, die eine Wirkung auf den Menschen nach dieser oder jener Richtung geäußert haben? — Am wenigsten fragte man sich nach der Wirkung von Stoffen, die man ausprobiert hat auf Tiere und so weiter. Das alles muß der Mensch heute durchmachen. Es ist jetzt nicht etwa eine abfällige Kritik der Medizin damit gemeint, sondern nur eine Einordnung in den richtigen Ort der Erden- und Menschheitsentwickelung. Aber in den älteren Zeiten suchte ein Kranker, der mit irgend etwas behaftet war, eben seine Zuflucht in den Mysterienstätten; denn die Priester waren auch zugleich Künstler und Ärzte. Kunst, Religion und Wissenschaft waren eines; das wurde in den Mysterien gepflegt. In jenen alten Zeiten gab es noch eine Gesamtanschauung des Menschen. Man wußte: Wenn der Mensch in einem bestimmten Lebensalter von irgend etwas befallen wird, so hängt das nicht bloß mit der chemischen Mischung oder Entmischung seiner Stoffe zusammen, sondern von einem höheren Gesichtspunkte aus hängt es zusammen mit den Erfahrungen und Erlebnissen, die er durchgemacht hat, als er in der Sternenwelt war und von dort aus sein Erdendasein gesucht hat.
[ 21 ] For suppose, for a moment, that some ancient mystery site provided for the affairs of the mysteries in the surrounding region. The concern of this mystery site extended to all matters of the people living in the surrounding area—to all those matters that could only be fulfilled and ordered through the connection between earthly life and the spiritual world. Let’s suppose a person fell ill. In those earlier times, people did not ask: “What substances have we tested that have had an effect on the human being in this or that direction?” — Least of all did people inquire about the effects of substances that had been tested on animals and so on. Today, people must go through all of that. This is not meant as a disparaging criticism of medicine, but merely as a placement within the proper context of the development of the Earth and humanity. But in ancient times, a sick person afflicted with some ailment would seek refuge in the mystery temples; for the priests were at once artists and physicians. Art, religion, and science were one; this was cultivated in the mysteries. In those ancient times, there was still a holistic view of the human being. It was understood that when a person is afflicted by something at a certain stage of life, this is not merely related to the chemical composition or imbalance of their physical substances, but—from a higher perspective—it is connected to the experiences and events they underwent while in the world of the stars and as they sought their earthly existence from there.
[ 22 ] Nehmen wir also an, ein solcher Kranker kam in der Zeit zwischen seinem vierzehnten und einundzwanzigsten Lebensjahre hilfesuchend an eine Mysterienstätte, die zugleich Arztstätte war. Wenn nun in den alten Zeiten, wo auch in den Mysterienstätten nur ein instinktives, halb traumhaftes Wissen wirkte, ein solcher Kranker zur Behandlung kam, so war doch oftmals das Examen, das mit ihm durchgemacht wurde, dennoch heller, als die heutigen Examen sind. Denn ich habe wirklich Ärzte kennengelernt, die, wenn man mit ihnen in ein Gespräch kam über das Allerwichtigste an dem Patienten und sie fragte: Wie alt ist der Patient? — es nicht wußten. Als ob man überhaupt an irgendeines Menschen Gesundheit mitwirken könnte, wenn man nicht eine genaue Vorstellung über sein Lebensalter hat! Denn in jedem Lebensjahre muß der Mensch gewissermaßen anders kuriert werden, weil sich ja das menschliche Leben dauernd ändert. Es wird niemandem einfallen, zum Beispiel ein Blütenblatt zu nehmen, es in die Erde zu senken und zu glauben, es wüchse aus ihm eine neue Pflanze heraus, sondern er wird den Keim aus der Frucht nehmen und in die Erde senken, weil er weiß: die Entwickelung der Pflanze ist etwas. Und so muß auch das menschliche Leben betrachtet werden. Kam also ein hilfesuchender Kranker im Alter von vierzehn bis einundzwanzig Jahren — die Dinge sind approximativ — zu einem Mysterienarzt, so wußte dieser: es gibt eine Anzahl von Erkrankungen, die einfach etwas zu tun haben mit dem Durchgange des Menschen durch die Sonnensphäre bei seinem Heruntersteigen aus der Planetenwelt in die physische Welt. War der Kranke im Alter von fünfunddreißig bis zweiundvierzig Jahren, so wußte der Mysterienpriester, welche Krankheiten etwas zu tun haben mit dem Durchgange des Menschen durch die Saturnsphäre bei seinem Herabsteigen. Also er fragte sich vor allem nach dem Zusammenhang des Erdenlebens mit den Erfahrungen und Erlebnissen des Menschen im Dasein zwischen Tod und neuer Geburt: dann kannte er das, was hier auf der Erde wiederum vom Außenwesen in Beziehung steht zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien beziehungsweise ihren physischen Abbildern, den Sternen. Nun stehen gewisse Pflanzen auf der Erde in einem innigeren Verhältnis zur Sonne als andere, und andere wiederum stehen in einem innigeren Verhältnis zum Saturn und so weiter. Den sprießenden, sprossenden Blütenpflanzen zum Beispiel werden Sie durch einen gesunden Instinkt ansehen können, daß sie in einem anderen Verhältnis zur Sonne stehen als ein Pilz oder eine Flechte an einem Baume. Und jemanden, der zwischen seinem vierzehnten und einundzwanzigsten Jahre beispielsweise von einer Erkrankung seines Magens oder seines Herzens befallen wird, den werden Sie ganz gewiß nicht mit Kramperl-Tee kurieren, wie ihn der alte Mysterienarzt nicht mit Kramperl-Tee behandelt hätte, sondern mit einem sonnenverwandten Pflanzensaft; aber dies aus der Erkenntnis des Zusammenhanges des Menschenlebens mit dem Weltenall heraus.
[ 22 ] Let us suppose, then, that such a patient came seeking help between the ages of fourteen and twenty-one to a mystery site that also served as a medical center. In ancient times, when even at the mystery schools only an instinctive, half-dreamlike knowledge was at work, if such a patient came for treatment, the examination he underwent was often nevertheless more lucid than the examinations of today. For I have actually met doctors who, when one spoke with them about the most important aspect of the patient’s condition and asked, “How old is the patient?”—did not know. As if one could contribute to a person’s health at all without having a precise idea of their age! For in every year of life, a person must, so to speak, be treated differently, because human life is constantly changing. It would never occur to anyone, for example, to take a petal, plant it in the ground, and believe that a new plant would grow from it; rather, they would take the seed from the fruit and plant it in the ground, because they know that the plant’s development is a process. And human life must be viewed in the same way. So if a sick person seeking help—between the ages of fourteen and twenty-one, roughly speaking—came to a mystery physician, the latter knew that there are a number of illnesses that are simply related to the human being’s passage through the solar sphere as they descend from the planetary world into the physical world. If the patient was between the ages of thirty-five and forty-two, the mystery priest knew which illnesses were related to the human being’s passage through the sphere of Saturn during their descent. So he inquired above all into the connection between earthly life and the experiences and events of the human being in the existence between death and new birth; then he understood what here on Earth, in turn, relates from the outer realm to the beings of the higher hierarchies or their physical images, the stars. Now, certain plants on Earth have a more intimate relationship with the Sun than others, and others, in turn, have a more intimate relationship with Saturn, and so on. For example, by relying on a healthy instinct, you will be able to see that sprouting, budding flowering plants have a different relationship to the Sun than a mushroom or a lichen on a tree. And someone who, for example, is afflicted by a stomach or heart ailment between the ages of fourteen and twenty-one—you will certainly not cure them with Kramperl tea, just as the ancient mystery physician would not have treated them with Kramperl tea, but rather with a plant sap related to the sun; but this would stem from an understanding of the connection between human life and the universe.
[ 23 ] Diese Dinge sind sozusagen «verschüttete» Erkenntnis; sie müssen auf einer höheren Stufe, durchleuchtet mit unserer modernen Intelligenz, wiedergefunden werden, nachdem die Menschheit eine Zeitlang durch die Finsternis hindurchgegangen ist. Sie müssen wiedergefunden werden und sie können wiedergefunden werden, und eben die anthroposophische Weltanschauung ist der Anfang dieses Wiederfindens einer geistigen Erleuchtung der Menschheit auf allen Gebieten des Lebens.
[ 23 ] These things are, so to speak, “buried” knowledge; they must be rediscovered on a higher level, illuminated by our modern intelligence, after humanity has passed through a period of darkness. They must be rediscovered, and they can be rediscovered; and it is precisely the anthroposophical worldview that marks the beginning of this rediscovery of spiritual enlightenment for humanity in all areas of life.
[ 24 ] Jetzt habe ich Ihnen dieses Herabsteigen des Menschen geschildert, bis er in die Planetensphäre eintritt. Dann kommt eine Zeit, nachdem schon der Mondeneinfluß da war, eigentlich eben begonnen hat, wo der Mensch jenen Geistkeim seines physischen Leibes, der aber schon sehr stark zusammengeschrumpft ist — die Ausdrücke sind natürlich grob, aber Sie werden sie nicht mißverstehen —, verliert. Dieser Geistkeim des physischen Leibes senkt sich früher herunter als der Mensch selbst, er wird einem Elternpaare übergeben, senkt sich ein in einen befruchteten Menschenkeim, bildet da das Wachstumselement, bevor der Mensch selbst herabgestiegen ist. Es ist also gewissermaßen eine Zeit da, wo der Mensch schon diesen physischen Keim dem Erdenleben übergeben hat, wo er gewissermaßen herunterschaut auf die Erde: Das soll er werden, der Mensch, dem ich zugehören werde —, wo der Mensch selbst aber noch für kurze Zeit frei im Kosmos lebt. Da zieht der Mensch jetzt aus der ätherischen Welt des Kosmos die Kräfte zu seinem Ätherleib zusammen, so daß er dann seinem Wesen nach besteht aus Ich-Wesenheit, astralischem Leib und ätherischem Leib. Und nachdem er sich so seinen Ätherleib erworben hat, schließt er sich nun zusammen mit dem, was sein physischer Keim geworden ist, den er selbst zuerst heruntergeschickt hat.
[ 24 ] I have now described to you this descent of the human being until he enters the planetary sphere. Then comes a time—after the influence of the Moon has already been present, or rather has just begun—when the human being loses that spiritual seed of his physical body, which has, however, already shrunk considerably—the terms are, of course, crude, but you will not misunderstand them. This spiritual seed of the physical body descends earlier than the human being himself; it is entrusted to a pair of parents, settles into a fertilized human embryo, and forms the element of growth there before the human being himself has descended. So there is, in a sense, a time when the human being has already entrusted this physical germ to earthly life, when he, as it were, looks down upon the Earth: “This is what I am to become, the human being to whom I will belong”—yet the human being himself still lives freely in the cosmos for a short time. At this point, the human being draws together the forces from the etheric world of the cosmos into his etheric body, so that he then consists, in his essence, of the I-being, the astral body, and the etheric body. And after he has thus acquired his etheric body, he now unites himself with what has become his physical embryo, which he himself first sent down.
[ 25 ] In diesem Voraussenden des physischen Menschenkeimes und im nachherigen Zusammenballen, wenn ich so sagen darf, des ätherischen Leibes liegt eine ungeheuer tiefe Weisheit. Denn nehmen Sie an, wir behielten unseren physischen Leib, während wir den ätherischen Leib zusammensammeln, und der physische Leib wäre nicht das von physischer Materie Durchdrungene, sondern eben die Kräfte, die von physischer Materie durchdrungen sein könnten im Mutterleibe, aber nehmen Sie an, wir schickten ihn nicht voraus, sondern durchdringen ihn noch mit dem Ätherleibe, bevor wir angekommen sind in die Substanz des physischen Embryos und bei dem, was uns da geboten wird. Was würde dann geschehen? Gerade dadurch, daß man wissen kann, was da geschehen könnte, fängt man an, die weisheitsvolle Lenkung des Weltenalls ungeheuer zu bewundern. Denn wenn das anders wäre, würde fortwährend bei jedem Gedanken, den wir fassen, jede Neigung, die wir zum Bösen haben, vor uns stehen. Es würde gleichsam ein lebendiges Gedächtnis desjenigen fortwährend da sein für das, was wir auch als kleinstes Böses auch nur im Gedanken oder in der Empfindung auf der Erde vollbracht hätten. Wir würden überwuchert sein von dem Inhalt des Gewissens, und zwar besonders von seinen bösen Seiten aus, und wir würden nicht einen neutralen Gedanken fassen können, würden zum Beispiel zu keiner Naturerkenntnis kommen können. Wollten wir neutral die Pflanzen betrachten nach den Naturgesetzen, so würden leicht in die Naturbetrachtung hinein sich etwa solche Gedanken mischen: Ach, was warst du doch damals mit siebzehn Jahren für ein schlechter Kerl, was hast du da vollbracht! — Das würde sich in die Naturbetrachtung hineinleben, und man würde zu keiner neutralen Anschauung kommen. Daß wir auseinanderhalten können unsere einfache neutrale Besonnenheit von dem, was in uns steckt an moralischen oder unmoralischen Instinkten, das verdanken wir der Tatsache, daß wir unseren physischen Geistkeim zuerst herunterschikken und uns erst dann, nachdem wir den Ätherleib gesammelt haben, mit dem physischen Leibe verbinden. Dadurch halten wir diese beiden so weit auseinander, daß im physischen Leibe das Gedächtnis aufgehalten werden kann, daß es nicht immer da ist, daß es uns auch freiläßt, daß nicht immer unser ganzes, namentlich moralisches Leben vor uns steht, und daß wir im Ätherleibe die Gedanken der neutralen Besonnenheit fassen können.
[ 25 ] There is an immensely profound wisdom in this preliminary sending forth of the physical human germ and in the subsequent gathering together—if I may put it that way—of the etheric body. For suppose we retained our physical body while we gathered the etheric body together, and the physical body were not that which is permeated by physical matter, but rather the forces that could be permeated by physical matter in the womb—but suppose we did not send it ahead, but instead still imbued it with the etheric body before we arrived at the substance of the physical embryo and what is presented to us there. What would happen then? It is precisely because we can know what might happen there that we begin to marvel immensely at the wise guidance of the universe. For if it were otherwise, every thought we conceived and every inclination we had toward evil would constantly stand before us. It would be as if a living memory of everything—even the smallest evil we had ever committed on Earth, even if only in thought or feeling—were constantly present. We would be overwhelmed by the contents of our conscience, especially its evil aspects, and we would be unable to form a single neutral thought; for example, we would be unable to gain any understanding of nature. If we were to observe plants neutrally according to the laws of nature, thoughts such as these would easily creep into our observation of nature: “Oh, what a terrible person you were back then at seventeen—what have you done!”—This would seep into our observation of nature, and we would be unable to arrive at a neutral perspective. The fact that we can distinguish our simple, neutral composure from the moral or immoral instincts within us is due to the fact that we first send down our physical spirit germ and only then, after we have gathered the etheric body, unite with the physical body. In this way, we keep these two so far apart that memory can be held back in the physical body—so that it is not always present, so that it also leaves us free, so that not our entire life, especially our moral life, is constantly before us—and so that we can grasp the thoughts of neutral composure in the etheric body.
[ 26 ] Ich habe Ihnen jetzt das Herabsteigen des Menschen aus der geistigen Welt geschildert bis zu dem Momente, wo der Mensch sich mit der physischen Erdensubstanz vereinigt, um sodann weiter auf der Erde zu leben. Was stellt sich nun da heraus, indem wir hier angekommen sind? Ich sagte schon, es stellt sich heraus, daß wir uns sagen müssen: Erkenne ich, daß der Mensch zuerst die Formungskräfte seines physischen Menschenleibes herabschickt und dann nachfolgt, dann werde ich unbedingt zur Bewunderung der weisen Lenkung der Weltenangelegenheiten geführt. Wenn ich mit aller Lebendigkeit dies fasse, kann ich nicht da stehen wie ein Strohkopf, der eine Maschine verfertigt und sie nicht zu bewundern braucht, denn ich müßte ein ganz ausgedörrter Mensch sein, der eine so ungeheure Weisheit der Weltenführung geoffenbart bekommt und nicht die Bewunderung gegenüber dieser Weisheit in sich hervorquellend hätte! Und so ist es bei allen anthroposophischen Erkenntnissen.
[ 26 ] I have now described to you the descent of the human being from the spiritual world up to the moment when the human being unites with the physical substance of the Earth in order to continue living on Earth. What does this reveal now that we have reached this point? As I have already said, it turns out that we must acknowledge: If I recognize that the human being first sends down the formative forces of his physical body and then follows them, I am inevitably led to admire the wise guidance of world affairs. If I grasp this with all my vitality, I cannot stand there like a blockhead who builds a machine and feels no need to admire it; for I would have to be a completely withered human being to be shown such immense wisdom in the governance of the worlds and yet not have admiration for this wisdom welling up within me! And so it is with all anthroposophical insights.
[ 27 ] Mit anderen Worten, die gewöhnliche Erdenerkenntnis, die wir im Wachzustande fassen, wendet sich an unseren Verstand, weniger schon an unser Gefühl. Das ist nicht der Fall bei denjenigen Erkenntnissen, die wir im innerlichen Erleben aus der geistigen Welt heraus bekommen. Die nehmen unseren ganzen Menschen in Anspruch, ja, es wird unser ganzes Wesen anders organisiert, indem wir uns diese Erkenntnisse aneignen. Die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse wollen uns nicht, wie die physischen Erkenntnisse, kalt lassen in unserem Gemüt, aber sie sind indessen nicht weniger objektive Erkenntnisse. Wenn jemand etwa sagen würde: Erkenntnisse, die das Gemüt berühren, sind nicht objektiv, die sind ja subjektiv —, so braucht man sich nur folgendes vorzustellen: Wenn einer vor Raffaels Sixtinischer Madonna steht, so müßte das ja auch ein sonderbarer Kauz sein, wenn er vor diesem Bilde nicht in Bewunderung käme; aber keiner wird sagen können: Das ist bloß subjektiv, die Raffaelsche Madonna ist nicht objektiv. — Denn es handelt sich nicht darum, daß wir keine Sympathie- oder Antipathiekräfte regsam fühlen sollten im Gemüt, wenn wir auf Objektives hinschauen, sondern darum, daß nicht durch unser Subjektives das Objektive gestört wird. Wenn wir freilich etwas deshalb anerkennen, weil es uns paßt, irgend etwas objektiv zu nehmen, dann sind wir nicht objektiv, da wir in diesem Falle etwas annehmen, weil es uns gefällt. Aber wenn etwas so objektiv vor uns träte wie solche Erkenntnisse, und wir dann in Bewunderung darüber ausbrechen, dann würde diese Bewunderung ganz gewiß nicht die Objektivität der Erkenntnis beeinträchtigen. Das ist das Wesentliche an den anthroposophischen, geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, daß sie nicht nur unseren Verstand, unseren Kopf, sondern unseren ganzen Menschen in Anspruch nehmen. Und wer immer mehr und mehr von solchen Wahrheiten kennenlernt, die sich auf das Leben des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt ‚beziehen, dem sprießt ein Gefühlsleben auf und nachher auch ein Willensleben. Das heißt, der Mensch durchdringt die Impulse zu seinen Taten mit dem, was er erkennt aus den geistigen Welten heraus. Er fühlt sich hier auf der Erde als ein Erfüller dessen, was er im geistigen Leben zwischen Tod und neuer Geburt war.
[ 27 ] In other words, the ordinary knowledge of the earth that we acquire in the waking state appeals to our intellect rather than to our feelings. This is not the case with the insights we receive from the spiritual world through inner experience. These engage our whole being; indeed, our entire being is reorganized as we assimilate these insights. Insights from spiritual science do not leave us cold in our hearts, as physical insights do, yet they are no less objective insights. If someone were to say, for example, “Insights that touch the heart are not objective; they are subjective”—one need only imagine the following: If someone stands before Raphael’s Sistine Madonna, they would have to be a strange bird indeed not to be filled with admiration at the sight of this painting; yet no one could say: “That’s merely subjective; Raphael’s Madonna isn’t objective.”—For the point is not that we should not actively feel forces of sympathy or antipathy in our minds when we look at something objective, but rather that the objective is not disturbed by our subjectivity. Of course, if we acknowledge something simply because it suits us to regard it as objective, then we are not being objective, since in that case we are accepting something merely because we like it. But if something were to present itself to us as objectively as such insights do, and we were then to burst into admiration, that admiration would certainly not impair the objectivity of the insight. This is the essence of anthroposophical, spiritual-scientific insights: that they engage not only our intellect, our mind, but our whole being. And whoever comes to know more and more of such truths—which pertain to human life between death and rebirth—will find an emotional life springing up within them, and subsequently a life of will as well. This means that a person infuses the impulses behind their actions with what they recognize from the spiritual worlds. Here on earth, they feel themselves to be fulfilling what they were in the spiritual life between death and rebirth.
[ 28 ] So hat schon dasjenige, was von erlebter Anthroposophie kommt, eine Kraft, den ganzen Menschen von sich aus zu erfüllen, wie einst aus dem ganzen Menschen das instinktive Hellsehen, also der instinktive Zusammenhang mit der geistigen Welt, bei der alten Menschheit vorhanden war. Wodurch sind wir denn heute solche intellektuellen Kerle geworden, und weshalb sind es die alten Menschen nicht gewesen? Weil eben die alten Menschen auch das wußten, was an Vorschriften aus dem ganzen Menschen kam. Heute lernt der Mensch zum Beispiel Geometrie; da wird ihm klargemacht, was eine Senkrechte ist. Nur aber schwebt das — man kann nicht einmal sagen: in der Luft —, was eine Senkrechte ist, das schwebt so im Ideellen, man weiß eben den Zusammenhang nicht. Niemals würde der Mensch zu einem Gefühl für eine Senkrechte gekommen sein, wenn er nicht selbst im Laufe seines Lebens ein Aufrechtgehender geworden wäre, so daß er das, was eine Senkrechte ist, in seinem Bewegungsvorgange fühlt. Und was so der ganze Mensch erlebt, das erlebt sein Kopf mit und macht es zur Senkrechten. Auf dieselbe Weise wird das, was der Mensch erlebt im Ausbreiten seiner Arme, zum Erleben der Waagerechten. Der Mensch, der ursprünglich in seinem Seelenleben als ganzer Mensch tätig war, hat sich allmählich beschränkt auf den Kopf, der alles nur bildlich darstellen kann. Und wie macht es nun der Kopf am Menschen? Ja, wenn ich gehe, so lebe ich anders, als wenn ich in einem Auto fahre: da geht das Auto, und ich bin ruhig. So macht es eigentlich im Menschen der Kopf: der ist faul, der hat sein Vehikel in meinem übrigen Organismus und läßt sich fahren, da kommt alles zur Ruhe, so wie wenn ich in einem Eisenbahnzuge sitze. Daher wird alles bildlich, abstrakt. Zu dieser Abstraktheit sind wir im Laufe des Erdendaseins gekommen. Wir müssen aber wieder zu dem kommen, was uns das Geistige im Dasein ergreifen läßt. Und dieses ergreift dann den ganzen Menschen. Es ist dies der umgekehrte Vorgang, als er beim alten Menschen vor sich ging, aber durch diesen umgekehrten Vorgang können wir wieder zur Erforschung des ganzen Menschen kommen. Auf diese Weise kommen wir dann auch wieder zu einer Kultur, die den ganzen Menschen erfüllt.
[ 28 ] Thus, what arises from lived anthroposophy already possesses the power to fill the whole human being of its own accord, just as instinctive clairvoyance—that is, the instinctive connection with the spiritual world—was once present in ancient humanity as a natural part of the whole human being. How is it, then, that we have become such intellectual types today, and why were the people of antiquity not like that? Precisely because the people of antiquity also knew the principles that arose from the whole human being. Today, for example, people study geometry; there they are taught what a perpendicular is. But what a perpendicular is simply hovers—one cannot even say “in the air”—it hovers in the realm of the ideal; one simply does not know the connection. A person would never have developed a sense of a perpendicular if he had not himself, in the course of his life, become a being who walks upright, so that he feels what a perpendicular is through his own movement. And what the whole human being experiences in this way, the head experiences as well and transforms into the vertical. In the same way, what a person experiences when spreading their arms becomes the experience of the horizontal. Human beings, who originally acted as whole human beings in their soul life, have gradually restricted themselves to the head, which can only represent everything figuratively. And how does the head function in human beings? Well, when I walk, I experience life differently than when I ride in a car: there, the car moves, and I am at rest. That is actually what the head does in a human being: it is lazy; it has its vehicle in the rest of my organism and lets itself be driven; everything comes to rest, just as when I am sitting in a train. That is why everything becomes figurative, abstract. We have arrived at this abstractness in the course of our earthly existence. But we must return to what allows the spiritual to take hold of us in our existence. And this then takes hold of the whole human being. This is the reverse process of what took place in ancient times, but through this reverse process we can once again come to an exploration of the whole human being. In this way, we then also return to a culture that fulfills the whole human being.
[ 29 ] Es gibt nun Menschen, die heute hören, was von der Geisteswissenschaft aus dargestellt werden kann, und die dann sagen: Da gibt es solche sonderbaren Menschen, die verkünden heute eine geisteswissenschaftliche Wahrheit und meinen, die wäre für die Menschheit not Pr} wendig. Wir wollen gar nicht bezweifeln, daß es richtig sein kann, daß es diese Welten alle gibt, wovon die Geisteswissenschafter reden; aber, was gehen sie uns an? Wir können doch ruhig warten, bis wir zum Tode kommen, dann werden wir schon sehen, was es damit auf sich hat. Warum sollen wir uns hier anstrengen, zu begreifen, wie es in der geistigen Welt ist? — Aber so ist die Sache denn doch nicht. Es ist nämlich so: wenn man einsehen will, was die geistige Erkenntnis — eben die, die durch den gesunden Menschenverstand nach den Mitteilungen des Geistesforschers an den Menschen herankommen kann bedeutet, so lernt man es am besten erkennen, wenn einem aus der Geistesforschung erklärt wird, wie die erste Stufe einer übersinnlichen Erkenntnis, die imaginative Erkenntnis erworben wird. Dafür will ich ein paar Züge anführen.
[ 29 ] There are people today who hear what spiritual science has to say and then say: “There are such strange people who proclaim a spiritual scientific truth today and believe it is necessary for humanity.” We don’t want to doubt at all that it might be true that all these worlds exist, the ones spiritual scientists talk about; but what business is it of ours? We can just wait calmly until we die; then we’ll see what it’s all about. Why should we make an effort here to understand what the spiritual world is like? — But that’s not how it is at all. The fact is this: if one wants to understand what spiritual knowledge—specifically, the kind that can reach people through common sense based on the spiritual researcher’s communications—means, one learns to recognize it best when spiritual research explains how the first stage of supersensible knowledge, imaginative knowledge, is acquired. To illustrate this, I will cite a few examples.
[ 30 ] So wie der Mensch gewöhnlich lebt, hat er ja nur ein Gegenwartsbewußtsein. Er hat dieses Bewußtsein durch seinen physischen Leib. Der ist im Raume. Der Raum stellt die Gegenwart dar mit seinen drei Dimensionen. Der Mensch hat daher immer nur ein Gegenwartsbewußtsein. Und wenn er eine Erinnerung hat, so hat er eine Erinnerung von der Gegenwart; er lebt sich nicht hinein in das, was er etwa vor zehn Jahren erlebt hat, sondern nur in das Bild dessen, was er damals erlebte. Das ist daher genügend schattenhaft und abstrakt. Wenn man diejenigen Übungen ernsthaft macht, die ich in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» behufs Erlangung der imaginativen Erkenntnis beschrieben habe, so kommt man dazu, nicht bloß in der Gegenwart zu leben, sondern allmählich das Schattenhafte der Erinnerung zu überwinden und auch in seinen früheren Erlebnissen zu leben; so daß man im Jahre 1922 seine Erlebnisse etwa aus dem Jahre 19Äther noch so mitzuleben vermag, wie man sie 19Äther erlebt hat. Und wer sich insbesondere anstrengt mit einem Leben in Gedanken das ist nicht ein Leben in Abstraktheiten, sondern in einem vollen Konkreten, durch das man in die Lage kommt, zu erfassen, wie das Leben in Gedanken Schicksalswendungen und alles mögliche bringt, tiefe Sympathie und Antipathie, wie sonst nur das derbe materielle Erdenieben —, der gelangt eben auch dazu, seinen Zeitleib zu erleben, wie er seinen Raumleib überhaupt durch das gewöhnliche Bewußtsein erlebt. Wenn ich mich zum Beispiel in die große Zehe schneide, tut mir diese wehe, und ich habe im Kopfe nicht nur eine Erinnerung dieses Wehtuns, weil der Kopf von der großen Zehe weit entfernt ist, sondern ich habe ein unmittelbar erlebtes Schmerzempfinden. Gewiß, der Kopf ist räumlich mit der großen Zehe verbunden, die Zeit erlebt man so nicht. Wenn man als dreißigjähriger Mensch an das zurückdenkt, was man als siebzehnjähriger erlebte, von dem man sich jetzt zeitlich entfernt hat, so ist das abgeblaßt. Wie gewaltig war, wenn Sie vor dreizehn Jahren einen lieben Menschen verloren haben, das Schmerzerlebnis damals gegenüber der heutigen Erinnerung. Aber wer durch die Übungen, wie sie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, diese imaginative Erkenntnis erlangt hat, so daß er versteht, in Gedanken zu leben, namentlich in reinen, sinnlichkeitsfreien Gedanken zu leben, wie ich es in der «Philosophie der Freiheit» geschildert habe, der lebt dann, wie er hier im Raumleib in jedem Teile lebt, so dort in jedem Teile seines Zeitenleibes gleichzeitig und in jeder Stärke. Man sieht, wenn man sich als fünfzig- oder sechzigjähriger Mensch zurückversetzt oder auch als ein achtzigjähriger, nicht nur fünf Jahre zurück — denn es dehnt sich das gegenwärtige Dasein über den ganzen Lebenslauf aus —: Man ist in jedem einzelnen Punkte unmittelbar gegenwärtig. Allerdings erkauft man diese Gegenwärtigkeit mit der Flüchtigkeit. Wenn Sie imstande sind, in noch so lebendiger Weise ein Erlebnis zu haben mit etwas, was in Ihr achtzehntes Jahr fällt: es entschwindet Ihnen zwar nicht so schnell wie ein "Traum, aber Sie können es nicht halten, Sie müssen es vergessen. Und als Geistesforscher könnte man zum Beispiel, wenn es nicht andere Hilfen gäbe, in eine sehr üble Lage kommen. Man könnte die Beziehungen herstellen, durch die man etwas in der ätherischen Welt sehen kann, aber man vergißt es sogleich. Daher muß man auch zu allerlei Hilfen greifen — Einzelheiten darüber habe ich in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» angeführt —, damit dasjenige nicht gleich wieder entschwindet, was man sich auf diese Weise als ein geistig-ätherisches Anschauen erwirbt. Es verschwindet mit großer Sicherheit nach ein paar Tagen, und was der Mensch als seinen Ätherleib noch an sich trägt nach dem Tode, das verschwindet ebenso schnell.
[ 30 ] In the way a person usually lives, he has only an awareness of the present. He has this awareness through his physical body. The body exists in space. Space represents the present with its three dimensions. A person therefore always has only an awareness of the present. And when a person has a memory, it is a memory of the present; they do not immerse themselves in what they experienced, say, ten years ago, but only in the image of what they experienced at that time. This is therefore sufficiently shadowy and abstract. If one earnestly performs the exercises I have described in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* for the purpose of attaining imaginative knowledge, one comes to not merely live in the present, but gradually to overcome the shadowy nature of memory and to live within one’s earlier experiences as well; so that in the year 1922, one is still able to relive one’s experiences from, say, the year 19Äther just as one experienced them in 19Äther. And whoever makes a special effort to live a life in thought—which is not a life of abstractions, but of full concreteness, through which one is enabled to grasp how life in thought brings about twists of fate and all manner of things, deep sympathy and antipathy, as otherwise only the coarse, material earthly existence does— —that person also comes to experience their temporal body just as they experience their spatial body through ordinary consciousness. If, for example, I cut my big toe, it hurts, and I do not merely have a memory of this pain in my head—because the head is far removed from the big toe—but I have an immediately experienced sensation of pain. Certainly, the head is spatially connected to the big toe, but time is not experienced in that way. When, as a thirty-year-old, you think back on what you experienced as a seventeen-year-old—from which you are now temporally removed—it has faded. How intense was the experience of pain thirteen years ago, when you lost a loved one, compared to your memory of it today. But whoever, through the exercises described in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* —so that one understands how to live in thought, namely in pure, senseless thoughts, as I have described in *The Philosophy of Freedom*—then one lives there, just as one lives here in every part of one’s spatial body, simultaneously in every part of one’s temporal body and with the same intensity. One sees, when one transports oneself back as a fifty- or sixty-year-old person—or even as an eighty-year-old, not just five years back—for present existence extends over the entire course of life—that one is immediately present at every single point. Admittedly, one pays for this presence with transience. If you are able to have an experience—no matter how vivid—of something that occurred in your eighteenth year: it does not vanish as quickly as a “dream,” but you cannot hold onto it; you must forget it. And as a researcher of the spiritual realm, one could, for example, find oneself in a very difficult situation if there were no other aids. One could establish the connections that allow one to see something in the etheric world, but one forgets it immediately. Therefore, one must also resort to all sorts of aids—I have provided details on this in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*—so that what one acquires in this way as a spiritual-etheric vision does not vanish again right away. It will almost certainly vanish after a few days, and whatever a person still carries within themselves as their etheric body after death will vanish just as quickly.
[ 31 ] Man lernt nämlich das ganze Wesen des Ätherischen aus diesem Erleben heraus kennen, wie ich es jetzt beschrieben habe. Die Dinge, die man über das Leben nach dem Tode erzählt, sind nicht konstruiert, sondern aus einer lebendigen Erkenntnis heraus gewonnen. Aber wenn man nun solche Hilfen anwenden will, genügt nie eine bloße Kopftätigkeit. Ich scheue mich nicht, da von eigenen Erfahrungen zu reden, die ich machte, als ich bemerkte, wie flüchtig solche Erlebnisse im ätherischen Kosmos sind. Wenn man noch so viel schaut, so nimmt man, um seine Erlebnisse nach einer Woche anderen Menschen zu erzählen, dann seine Zuflucht zu anderem. Aber diese Hilfen nimmt man nicht aus den Kopfmitteln. So war ein Mittel sehr günstig, das darin bestand, das Erlebte, wenn es noch dastand, aufzuschreiben, so daß die Tätigkeit nicht durch den Kopf gegangen ist, sondern durch die schreibende Hand. Es handelt sich in diesem Falle nicht um ein mediales Schreiben, auch nicht um den Zweck, dieSache aufgeschrieben zu haben. Das Aufschreiben — auch das Nachschreiben von Vorträgen — ist einem ohnedies, wenn man auf geistigem Gebiete steht, etwas außerordentlich Unsympathisches. Aber man hat dadurch eine Hilfe, dasjenige, was sonst flüchtig wird, zu fixieren, indem man den ganzen Organismus daran teilnehmen läßt, wie sonst, wenn man eine Zeichnung oder eine Malerei ausführt. Es bleibt dann im eigenen Organismus, man braucht es sich gar nicht wieder nachher anzueignen. Es handelt sich nur darum, die Sachen zu fixieren. Aber dazu kann man nicht Kopfhilfen brauchen. Wenn Sie Geistesforscher sind, können Sie es durch keine Kopfhilfen fixieren; Sie müssen es fixieren durch etwas, was Ihren ganzen Menschen in Anspruch nimmt. Ein solches Mittel wäre es, wenn Sie das Erlebte aufschreiben. Nehmen Sie aber keine Rücksicht darauf, daß Sie eine intellektuelle Tätigkeit hineinverarbeiten, sondern was in Frage kommt, ist nur der Duktus des Schreibens; oder Sie machen sich gar eine symbolische Zeichnung, malen ab oder dergleichen.
[ 31 ] For it is through this experience—as I have just described it—that one comes to know the very essence of the etheric realm. The things that are told about life after death are not mere fabrications, but are derived from a living insight. But if one wishes to make use of such aids, mere intellectual activity is never enough. I do not hesitate to speak here of my own experiences, which I had when I realized how fleeting such experiences in the etheric cosmos are. No matter how much one observes, if one wants to recount these experiences to others a week later, one must resort to other means. But these aids are not drawn from intellectual processes. One very helpful method, for example, was to write down what had been experienced while it was still fresh, so that the activity did not pass through the mind but through the writing hand. In this case, it is not a matter of mediumistic writing, nor is the purpose simply to have the matter written down. Writing things down—including transcribing lectures—is, in any case, something extraordinarily unappealing when one is engaged in spiritual work. But it provides a means of fixing what would otherwise be fleeting by involving the entire organism in the process, just as when one creates a drawing or a painting. It then remains within one’s own organism; there is no need to re-appropriate it afterward. The sole purpose is to capture these things. But one cannot rely on mental aids for this. If you are a spiritual researcher, you cannot capture it through any mental aids; you must capture it through something that engages your entire being. One such means would be to write down what you have experienced. But do not worry about incorporating an intellectual activity into the process; what matters is only the style of writing; or you could even make a symbolic drawing, copy a picture, or something similar.
[ 32 ] Daraus sehen Sie, wie innig mit dem ganzen Menschen das zusammenhängt, was dasein muß, damit man in die gewöhnlichen Vorstellungen herüberführen kann, was man in der geistigen Welt schaut. Wenn man es aber herüberführt, dann kann man es anderen Menschen mitteilen, die nicht selber geistig schauen können und die es dann mit ihrem gewöhnlichen, gesunden Menschenverstand durch dieselben Vorstellungen auffassen, in denen man es ihnen überliefert. Sie haben dann dieselben Vorstellungen über das, was ihnen der Hellseher darstellt. Zum Auffinden der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten braucht man die hellseherische Kunst; um mit diesen Wahrheiten zu leben, braucht man diese hellseherische Kunst nicht, sondern nur das gesunde Verständnis für das Dargestellte.
[ 32 ] From this you can see how intimately connected what is necessary for existence is with the whole human being, so that one can convey to ordinary perceptions what one perceives in the spiritual world. But once it is conveyed, one can share it with others who cannot see spiritually themselves and who then grasp it with their ordinary, sound common sense through the very same concepts in which it is conveyed to them. They then have the same concepts regarding what the clairvoyant presents to them. To discover the truths of spiritual science, one needs the art of clairvoyance; to live with these truths, one does not need this art of clairvoyance, but only a sound understanding of what is presented.
[ 33 ] Aus dem hier Dargestellten sehen Sie aber noch etwas anderes. Was der Mensch geistig ist in seinem Ätherleibe, das lebt nicht im Raume, das lebt in der Zeit. Sehen Sie nun den physischen Organismus an, zum Beispiel das Auge: damit sehen Sie die sichtbaren Dinge. Wenn Sie das Auge ausreißen, sehen Sie die sichtbaren Dinge nicht mehr. Wenn Sie auf den geistigen Menschen hinschauen, so ist er gewissermaßen der ganze Strom, der von Leben zu Leben durchgeht, der einmal im Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt lebt, dann im physischen Erdenleben, dann wieder im Leben zwischen Tod und neuer Geburt und so weiter. Das ist eine Einheit. Die Menschen der alten Zeit bekamen in das Erdenleben ihr instinktives Hellsehen mit, das heißt einen Zusammenhang mit der geistigen Welt durch die Naturkräfte selbst, und das bildete sich bei ihnen so um, daß sie das auch wieder mitnehmen konnten durch den Tod; aber es durfte nicht das Wissen vom Geistigen aufhören. Beim neueren Menschen darf es auch nicht verschwinden. Der Mensch muß sich hier auf der Erde dieses Wissen vom Geistigen aneignen, denn er ist auf der Erde ein fortlaufender Strom. Wenn Sie ein Erdenleben hinter sich haben, das ganz und gar nichts vom Geistigen gewußt hat, so ist das für das geistige Leben gerade so, wie wenn Sie dem physischen Organismus das Auge ausreißen würden. Denn, was Sie sich hier auf der Erde als Wissen vom geistigen Leben erwerben, das gehört Ihnen an, das ist Ihr Auge, mit dem Sie später zwischen Tod und neuer Geburt «sehen». Und bleiben Sie hier auf der Erde «finster» in bezug auf das Wissen des geistigen Lebens, dann haben Sie nach dem Tode kein Auge; dann gehen Sie im Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wie durch ein finsteres Tal. Denn dieses Auge müssen Sie haben durch das, was Sie hier sich erworben haben. Sie reißen das Auge des Geistes aus, indem Sie das Wissen von der geistigen Welt ausschließen.
[ 33 ] But from what has been described here, you can see something else as well. What the human being is spiritually in his etheric body does not exist in space; it exists in time. Now consider the physical organism—for example, the eye: with it, you see visible things. If you remove the eye, you can no longer see visible things. If you look at the spiritual human being, he is, so to speak, the entire stream that flows from life to life—living first in the existence between death and a new birth, then in physical earthly life, then again in the life between death and a new birth, and so on. This is a unity. People of ancient times were born into earthly life with their instinctive clairvoyance—that is, a connection to the spiritual world through the forces of nature themselves—and this developed in them in such a way that they could take it with them again through death; but knowledge of the spiritual realm was not allowed to cease. Nor must it disappear in modern human beings. Human beings must acquire this knowledge of the spiritual here on Earth, for they are a continuous stream on Earth. If you have lived an earthly life in which you knew absolutely nothing of the spiritual, this is, for spiritual life, just as if you were to tear out the eye of your physical body. For whatever knowledge of spiritual life you acquire here on Earth belongs to you; it is your eye, with which you will later “see” between death and a new birth. And if you remain “in the dark” here on Earth with regard to knowledge of spiritual life, then you will have no eye after death; then you will walk through the life between death and a new birth as if through a dark valley. For you must possess this eye through what you have acquired here. You tear out the eye of the spirit by excluding knowledge of the spiritual world.
[ 34 ] Das ist eine Erkenntnis, mit der sich die Menschheit durchdringen muß. Jetzt, wo das alte instinktive Schauen des Geistigen vollständig herabgedämmert ist, muß sich die Menschheit klar werden, daß auf einem Wege, wie er durch die anthroposophische Bewegung angestrebt wird, Organe für das geistige Leben wieder erworben werden müssen. Es handelt sich also nicht darum, daß man sagen könnte: Wir wollen bis nach dem Tode warten, brauchen uns jetzt noch nicht für ein Begreifen der geistigen Welten anzustrengen, denn nach dem Tode werden wir schon sehen, wie es in den geistigen Welten ist. Gewiß, wir werden es nach dem Tode sehen. Aber wie in einem finsteren Kerker wird es für die Seele sein, wenn wir uns hier, im Leben zwischen Geburt und Tod, nicht das Auge für das Leben in den geistigen Welten erworben haben. Daher können Sie sehen, wie unmöglich es ist, wenn der Mensch es geradezu als ein Dogma aufstellt, er brauche sich hier im Erdenleben um das übersinnliche Dasein nicht zu kümmern. Denn wir leben vielmehr in einer Zeit, wo im wahren Sinne des Wortes derjenige seine übersinnliche Pflicht gegenüber dem Weltenrund auch erfüllt, der sich sagt: Hier, im Leben zwischen Geburt und Tod, mußt du dir das Auge erwerben, damit es für dich in der geistigen Welt nach dem Tode nicht finster ist, und damit du das Licht, das dann um dich ist, auch erleben kannst.
[ 34 ] This is a realization that humanity must come to terms with. Now that the old, instinctive perception of the spiritual realm has completely faded away, humanity must realize that, in the way sought by the anthroposophical movement, organs for spiritual life must be regained. It is not, therefore, a matter of saying: “We will wait until after death; we do not need to make an effort now to understand the spiritual worlds, for after death we will see for ourselves what the spiritual worlds are like.” Certainly, we will see it after death. But it will be like a dark dungeon for the soul if we have not, here in the life between birth and death, developed the eye for life in the spiritual worlds. Therefore, you can see how impossible it is when a person virtually establishes as a dogma that he need not concern himself with the supersensible realm here in earthly life. For we live, rather, in a time when, in the true sense of the word, the one who says to himself—“Here, in the life between birth and death, you must develop the ability to see, so that it will not be dark for you in the spiritual world after death, and so that you may also experience the light that will then surround you”—is the one who fulfills his spiritual duty toward the whole world.
[ 35 ] Als ich vor einiger Zeit hier in diesem Kreise sprechen konnte, habe ich von einem gewissen Gesichtspunkte aus den Menschen in seinen Beziehungen zur geistigen Welt dargestellt und damit geschlossen, daß ich sagte: Man sehe aus alledem, wie man im gegenwärtigen Zeitalter an dem Punkt angekommen ist, wo ein Kern von Menschen sich bilden muß, der die Notwendigkeit einer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis einsieht. — Aus dem, was ich heute wieder gesagt habe, kann man erst recht diese Notwendigkeit einsehen. Wir leben heute in einem Zeitalter, wo die geistige Welt sich uns während des Erdenlebens zeigen will. Wir dürfen ihr die Tore und die Fenster, durch die sie hereinkommen kann, nicht verschließen. Wir müssen das Licht der geistigen Welt hereinkommen lassen, müssen es hereinkommen lassen um des Erdenlebens willen, müssen es hereinkommen lassen um des Lebens willen, das wir durchleben zwischen Tod und neuer Geburt. Der Mensch muß die Stimmen hören, die auf geistige Art zu dem Menschen aus der geistigen Welt sprechen, und er muß sich sagen: Es ist an der Zeit, daß der Mensch wahrnehme das Licht des Geistes, daß er höre die Stimme des Geistes. — Und haben wir uns bekanntgemacht mit dem, was man in dieser Weise von einer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis aus als die Notwendigkeiten der Zeit einsehen kann, dann herrscht in einem solchen Arbeitsraume die richtige Gesinnung, wenn man sich betrachtet als verpflichtet, die Menschheit dahin zu führen, daß sie erkennt: jetzt ist es an der Zeit, das Licht des Geistes zu schauen, die Stimme des Geistes zu hören und zu verstehen.
[ 35 ] When I had the opportunity to speak here in this circle some time ago, I described human beings in their relationship to the spiritual world from a certain perspective and concluded by saying: It is clear from all this that in the present age we have reached the point where a core group of people must form who recognize the necessity of spiritual scientific knowledge. — From what I have said again today, one can see this necessity all the more clearly. We are living today in an age in which the spiritual world wishes to reveal itself to us during our earthly lives. We must not close the doors and windows through which it can enter. We must let the light of the spiritual world enter; we must let it enter for the sake of earthly life; we must let it enter for the sake of the life we live between death and rebirth. Human beings must hear the voices that speak to them in a spiritual way from the spiritual world, and they must say to themselves: The time has come for human beings to perceive the light of the Spirit, to hear the voice of the Spirit. — And once we have familiarized ourselves with what can be recognized in this way—based on spiritual scientific insight—as the necessities of the times, then the right attitude prevails in such a workplace when one considers it one’s duty to lead humanity to the realization that now is the time to behold the light of the Spirit, to hear the voice of the Spirit, and to understand it.
[ 36 ] In diesen Gedanken, namentlich in diesem Gefühle und in erster Linie in dieser Gesinnung wollen wir zusammensein und zusammenhalten in den Zeiten, wo wir wieder räumlich getrennt sind. Das ist es, was ich Ihnen als einen Gruß sagen möchte, ein Gruß, dahingehend: Lassen wir das, was wir miteinander sprechen können, wenn uns das Schicksal zusammenführt, den Anlaß sein, daß es als Gedanke unter uns waltet, als eine Zusammengehörigkeit, die im Geistigen da ist, wenn wir auch nicht räumlich zusammensein können! Trotzdem schließt sich daran der Wunsch, daß es mir bald möglich sein möchte, in Ihrer Mitte einiges zur Fortsetzung des heute Dargestellten sprechen zu dürfen.
[ 36 ] In these thoughts, particularly in this feeling, and above all in this spirit, let us be united and stand together during the times when we are once again physically apart. That is what I would like to say to you as a greeting—a greeting to this effect: Let what we can say to one another when fate brings us together be the occasion for this thought to prevail among us—a sense of belonging that exists in the spiritual realm, even when we cannot be together physically! Nevertheless, I would like to add the hope that I will soon be able to speak among you to continue what I have presented today.
