The Relationship of Man to the Starry World
The Spiritual Communion of Mankind
GA 219
17 December 1922, Dornach
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The Relationship of Man to the Starry World, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Ich habe es des öfteren erwähnt, wie ungefähr seit dem ersten Drittei des 15. Jahrhunderts eine besondere Zeit in der Menschheitsentwickelung angebrochen ist. Man kann sagen, daß die Zeit, die etwa im 8. vorchristlichen Jahrhundert begonnen hat und die dann bis in das erste Drittel des 15. Jahrhunderts herein gedauert hat, die Zeit der griechisch-lateinischen Kulturentwickelung war, und daß die neueste Zeitphase, in der wir jetzt noch immer drinnenstehen, in dem angegebenen Zeitpunkte begonnen hat. Wir wollen heute von einem gewissen Gesichtspunkte aus die Aufgaben der Menschheit in der Gegenwart in Anknüpfung an diese Tatsache ein wenig betrachten.
[ 1 ] I have often mentioned how, starting around the first third of the 15th century, a special era in human development began. It can be said that the period that began around the 8th century B.C. and lasted until the first third of the 15th century was the era of Greco-Latin cultural development, and that the most recent phase, in which we still find ourselves today, began at the time indicated. Today, we would like to consider the tasks facing humanity in the present from a certain perspective, in light of this fact.
[ 2 ] Wir wissen ja und wissen es namentlich aus den Vorträgen, die ich in der letzten Zeit hier gehalten habe, wie der Mensch während seiner Erdenentwickelung, also zwischen der Geburt und dem Tode, sowohl in seiner physischen, wie seelischen, wie geistigen Entwickelung die Erbschaft dessen in sich trägt, was er im vorirdischen Dasein durchgemacht hat. Und wir haben insbesondere vorgängig gesehen, wie das sozial-moralische Leben die Erbschaft jenes Zustandes zwischen Tod und neuer Geburt ist, in welchem der Mensch im innigen Zusammenhange mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien lebt. Der Mensch bringt sich aus diesem Zusammenleben, das er — wie ich dargestellt habe — rhythmisch in Abwechslung mit einem andern Zustande erlebt, die Fähigkeit, die Kraft des Liebens mit, und diese Kraft des Liebens ist die Grundlage der Moralität auf Erden. Der andere Zustand, der mit diesem abwechselt, ist der, wo sich der Mensch auf sich selbst zurückzieht, wo er gewissermaßen sich herausholt aus dem Zusammenleben mit den Wesen der höheren Hierarchien. Und als Erbschaft dieses Zustandes bringt er sich die Kraft der Erinnerung, die Kraft des Gedächtnisses mit, welche allerdings auf der einen Seite in seinem Egoismus zum Ausdrucke kommt, auf der andern Seite aber auch die Veranlagung für die Freiheit, für alles dasjenige ist, was dem Menschen innere Festigkeit und Selbständigkeit gibt. Das aber, wodurch der Mensch von innen heraus seine Zivilisation geordnet hat, war auch bis in diesen griechisch-lateinischen Zeitraum, von dem ich vorhin gesprochen habe, in gewisser Beziehung eine Erbschaft des vorirdischen Daseins.
[ 2 ] We know, of course—and we know this specifically from the lectures I have given here recently—how, during the course of human development on Earth—that is, between birth and death—a person carries within themselves, in their physical, soul, and spiritual development, the legacy of what they experienced in their pre-earthly existence. And we have seen in particular how social and moral life is the legacy of that state between death and rebirth in which the human being lives in intimate connection with the beings of the higher hierarchies. From this coexistence—which, as I have described, the human being experiences rhythmically in alternation with another state—the human being brings with them the capacity for the power of love, and this power of love is the foundation of morality on Earth. The other state, which alternates with this one, is the one in which human beings withdraw into themselves, in which they, so to speak, detach themselves from their coexistence with the beings of the higher hierarchies. And as a legacy of this state, human beings bring with them the power of recollection, the power of memory, which, on the one hand, finds expression in their egoism, but on the other hand is also the predisposition toward freedom—toward everything that gives human beings inner strength and independence. But that which enabled human beings to organize their civilization from within was, even up to this Greco-Latin period of which I spoke earlier, in a certain sense a legacy of pre-earthly existence.
[ 3 ] Wenn wir auf noch ältere Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückgehen, in den urindischen Zeitraum, in den urpersischen, den ägyptischen Zeitraum, so finden wir überall ein Wissen derMenschheit, ein Vorstellungsleben der Menschheit, welches aus dem Innern des Menschen herausquillt, das aber auch mit dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zusammenhängt. Wir finden in der urindischen Zeit, wie der Mensch ein deutliches Bewußtsein hat, daß er eigentlich, man möchte sagen, demselben Geschlechte angehört, dem die göttlich-geistigen Wesenheiten der übrigen Hierarchien angehören. Der Wissende der alten indischen Kultur fühlt sich viel weniger als ein Erdenbürger denn als ein Bürger jener Welt, dem diese göttlich-geistigen Wesen angehören. Er fühlt sich gewissermaßen heruntergeschickt aus der Reihe dieser göttlich-geistigen Wesen auf die Erde, und was er auf Erden als Zivilisation ausbreitet, von dem fühlt dieser Urinder, daß es geschieht, um die Erdentaten der Menschen, auch die Erdengegenstände, die Erdenwesen, so zu gestalten, wie es den göttlich-geistigen Wesen, denen er sich verwandt fühlt, angemessen ist.
[ 3 ] If we go back to even earlier periods of human development—to the ancient Indian, ancient Persian, and Egyptian eras—we find everywhere a human knowledge, an imaginative life of humanity, that springs from within the human being, but which is also connected to the life between death and a new birth. In the ancient Indian period, we find that human beings have a clear awareness that they actually—one might say—belong to the same race as the divine-spiritual beings of the other hierarchies. The sage of ancient Indian culture feels much less like an inhabitant of the earth than like a citizen of that world to which these divine-spiritual beings belong. He feels, as it were, sent down to Earth from the ranks of these divine-spiritual beings, and this ancient Indian feels that what he spreads on Earth as civilization is done in order to shape human deeds on Earth—including earthly objects and earthly beings—in a way befitting the divine-spiritual beings to whom he feels related.
[ 4 ] Schon etwas abgedämmert ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl bei dem urpersischen Menschen, aber auch er fühlt noch deutlich als seine eigentliche Heimat das, was er das Lichtreich nennt, dem er zwischen dem Tode und einer neuen Geburt angehörte, und er will sich zum Kämpfer für die Geister dieses Lichtreiches machen. Er will gewissermaßen diejenigen Wesen bekämpfen, die von der Finsternis der Erde herkommen, so daß diese finsteren Wesen nicht etwas im Gefolge der Geister des Lichtreiches sein können, und er stellt seine ganze Aufgabe in den Dienst dieser Geister des Lichtreiches. Und wenn wir dann vorrücken zu der ägyptischen und chaldäischen Bevölkerung, so sehen wir die Wissenschaft dieser Ägypter und Chaldäer ganz und gar von dem durchzogen, was sich auf die Bewegungen der Sterne bezieht. Die Schicksale der Menschen werden an dem abgemessen, was sich in den Sternen zeigt. Was auf Erden getan wird, wird so getan, daß man vorher die Sterne befragt, ob man dies oder jenes tun soll. Auch diese Wissenschaft, die alles irdische Leben regelt, wird als eine Erbschaft dessen empfunden, was der Mensch zwischen dem Tode und einer neuen Geburt erlebt hat, in welcher Zeit seine Erlebnisse solcher Art sind, daß er mit den Bewegungen, mit den Gesetzmäßigkeiten der Sterne eins ist, so wie er hier auf Erden zwischen der Geburt und dem Tode eins ist mit den Wesen des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches.
[ 4 ] This sense of belonging has already faded somewhat in the ancient Persian, but even he still clearly feels that his true home is what he calls the Realm of Light—to which he belonged between death and a new birth—and he wants to make himself a champion of the spirits of this Realm of Light. In a sense, he wishes to combat those beings who come from the darkness of the Earth, so that these dark beings cannot be part of the retinue of the spirits of the Realm of Light, and he devotes his entire mission to the service of these spirits of the Realm of Light. And when we then turn to the Egyptian and Chaldean peoples, we see that the science of these Egyptians and Chaldeans is thoroughly permeated by what relates to the movements of the stars. People’s destinies are gauged by what is revealed in the stars. Whatever is done on Earth is done only after consulting the stars first to determine whether one should do this or that. This science, too, which governs all earthly life, is perceived as a legacy of what a person has experienced between death and a new birth—a time during which their experiences are such that they are one with the movements and the laws of the stars, just as here on earth, between birth and death, they are one with the beings of the mineral, plant, and animal kingdoms.
[ 5 ] Als dann der vierte nachatlantische, der griechisch-lateinische Zeitraum eintritt, der zwischen dem 8. vorchristlichen und dem 15. nachchristlichen Jahrhundert liegt, da allerdings fühlen sich die Menschen bereits durchaus als Erdenbürger. Sie fühlen, daß in ihrer Vorstellungswelt in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode nicht mehr in einer intensiven Weise ein Nachklang desjenigen vorhanden ist, was im vorirdischen Dasein erlebt wird. Die Menschen streben gewissermaßen dahin, auf dieser Erde heimisch zu sein. Aber wenn man so recht in den Geist der griechischen, auch noch der frühlateinischen Zivilisation eindringt, so ist es doch so, daß man etwa das Folgende behaupten kann. Die Menschen, welche in jener Zeit ein Wissen begründen, sagen sich: Wir wollen alles das kennenlernen, was hier auf Erden in den drei Reichen der Natur sich vollzieht, aber wir wollen es so kennenlernen, daß unser Wissen doch eigentlich etwas ist, was sich auch im außerirdischen Dasein zeigen kann. — Es ist bei den Griechen durchaus das Gefühl vorhanden: durch das Wissen, das den Menschen auf Erden dient, durch das der Mensch auf Erden seine Taten regelt, soll der Mensch zu gleicher Zeit noch etwas wie eine dunkle Erinnerung an die göttlich-geistige Welt haben. Der Grieche weiß zwar, er kann sein Wissen nur aus der Betrachtung der irdischen Welt gewinnen, aber er hat ein deutliches Gefühl davon: was er in den Mineralien, in den Pflanzen, in den Tieren, was er in den Sternen, Bergen, Flüssen und so weiter betrachtet, soll ihm ein Abglanz des Göttlich-Geistigen sein, das er in einer andern Welt als der sinnlichen erleben kann.
[ 5 ] When the fourth post-Atlantean period—the Greco-Latin era—began, spanning from the 8th century B.C. to the 15th century A.D., people already felt themselves to be citizens of the Earth. They feel that in their imagination, in the time between birth and death, there is no longer an intense echo of what is experienced in pre-earthly existence. In a sense, people strive to feel at home on this Earth. But if one truly delves into the spirit of Greek—and even early Latin—civilization, one can assert the following. The people who established knowledge in that era said to themselves: We want to come to know everything that takes place here on Earth in the three kingdoms of nature, but we want to come to know it in such a way that our knowledge is, in fact, something that can also manifest itself in an extraterrestrial existence. — The Greeks certainly harbored the feeling that through the knowledge that serves human beings on Earth—the knowledge by which human beings on Earth govern their actions—human beings should at the same time retain something like a dim memory of the divine-spiritual world. Although the Greek knows that he can gain his knowledge only from observing the earthly world, he has a clear sense that what he observes in minerals, plants, and animals—and in the stars, mountains, rivers, and so on—is meant to be a reflection of the divine-spiritual realm, which he can experience in a world other than the sensory one.
[ 6 ] Das ist deshalb so, weil der Mensch in jener Zeit noch fühlt, er gehört mit dem besten Teil seines Wesens einer übersinnlichen Welt an. Diese übersinnliche Welt hat sich allerdings für die menschliche Beobachtung verdunkelt, so stellt der Mensch sich vor, aber man soll auch während des Erdendaseins nach einer Erhellung des Verdunkelten streben. Und wenn man auch in jenen Zeiten nicht mehr, wie zum Beispiel im alten Ägypten oder im alten Chaldäa, die gewöhnlichen Taten der Erdenmenschheit nach dem Sternenlauf regeln kann, weil man die Sternenwissenschaft nicht in derselben Weise wie die Chaldäer und wie die Ägypter beherrscht, ist man wenigstens doch in einer etwas dunklen Weise bestrebt, durch Erforschung der Willensäußerungen der göttlich-geistigen Wesen etwas Göttlich-Geistiges in die irdische Welt hereinzutragen.
[ 6 ] This is because, at that time, human beings still feel that the best part of their being belongs to a supersensible world. This supersensible world has, however, become obscured from human perception—or so human beings imagine—but one should strive, even during one’s earthly existence, to shed light on what has been obscured. And even if, in those times, one can no longer—as, for example, in ancient Egypt or ancient Chaldea— regulate the ordinary activities of earthly humanity according to the movements of the stars—because one does not master the science of the stars in the same way as the Chaldeans and the Egyptians did—one is at least, in a somewhat obscure way, striving to bring something divine-spiritual into the earthly world through the study of the expressions of will of the divine-spiritual beings.
[ 7 ] In den Orakelstätten, in den Tempelstätten wird durch die entsprechenden Priesterinnen, Weissagerinnen, auf die Weise, die Ihnen aus der Geschichte bekannt ist, der Wille der Götter erforscht. Und wir sehen, wie dieses Erforschen des göttlich-geistigen Willens, in dem der Mensch selbst im vorirdischen Dasein drinnensteht, in jener Zeit, in welcher im Süden Europas die griechisch-lateinische Kultur ist, auch im übrigen Europa üblich ist. Wir sehen zum Beispiel, wie innerhalb der germanisch-mitteleuropäischen Welt Priesterinnen, Prophetinnen hochverehrt werden, wie man zu ihnen pilgert, und wie aus ihrer ekstatischen Seelenverfassung heraus der Wille des Göttlichen dem Menschen kundwerden soll, damit der Mensch sich bei seinen Erdentaten nach diesem Willen richte. Ja, man möchte sagen, wenn auch durchaus abgeschwächt, sehen wir dennoch in deutlicher Weise den Menschen bis in das 12., 13. Jahrhundert herauf während des Mittelalters alles, was er an Wissen sucht, so gestalten, daß dieses Wissen eigentlich den Willen der göttlich-geistigen Welt in sich enthält. Wir können für alle diese Jahrhunderte, noch bis zum 12,, 13. Jahrhundert, in jene Stätten hineinschauen, die dazumal noch als eine Art heiliger Stätten galten, die dann zu unseren abstrakten Laboratorien oder zu unseren abstrakten physikalischen Kabinetten geworden sind. Wir können in jene Stätten hineinschauen, in denen die sogenannten Alchimisten versuchten, die Kräfte der Stoffe und die Kräfte der Naturvorgänge zu ergründen. Wir können diejenigen Schriften aufschlagen, die noch in einer schwachen Weise eine Art von Darstellung der Denkweise enthalten, die in jenen alten Forscherstätten entfaltet wurde, und wir werden überall finden, daß der Wille vorhanden ist, die Stoffe selbst so miteinander in Verbindung und in Wechselwirkung zu bringen, daß Geistig-Göttliches in der Phiole, in der Retorte wirkt.
[ 7 ] At the oracle sites and in the temples, the will of the gods is discerned by the priestesses and soothsayers in the manner familiar to you from history. And we see how this exploration of the divine-spiritual will—in which human beings themselves are immersed even in their pre-earthly existence—was also common throughout the rest of Europe during the period when Greek-Latin culture flourished in southern Europe. We see, for example, how within the Germanic-Central European world priestesses and prophetesses are highly revered, how people make pilgrimages to them, and how, through their ecstatic state of mind, the will of the divine is to be revealed to human beings so that they may align their earthly deeds with this will. Indeed, one might say that, albeit in a considerably less pronounced form, we can still clearly see that throughout the Middle Ages, up through the 12th and 13th centuries, people shaped all the knowledge they sought in such a way that this knowledge actually embodied the will of the divine-spiritual world. For all these centuries, right up to the 12th and 13th centuries, we can look into those places that were once regarded as a kind of sacred site, which have since become our abstract laboratories or our abstract physics laboratories. We can look into those places where the so-called alchemists sought to fathom the forces of matter and the forces of natural processes. We can open those writings that still contain, albeit faintly, a kind of depiction of the way of thinking that unfolded in those ancient places of research, and we will find everywhere that the will is present to bring the substances themselves into connection and interaction with one another in such a way that the spiritual-divine works within the vial, within the retort.
[ 8 ] Wir sehen ja, wie Goethe noch in seinem «Faust» etwas von dieser Seelenverfassung nachklingen läßt da, wo Wagner in seinem Laboratorium an der Darstellung des Homunkulus arbeitet. Wir können sehen, wie eigentlich erst um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert in der abendländischen zivilisierten Welt jene Stimmung entsteht, durch welche der Mensch, auf sich selbst gestützt, ohne seine Vorstellungen in einen unmittelbaren Zusammenhang mit einem göttlich-geistigen Willen zu bringen, der die Welt durchwaltet, ein Wissen für seine Zivilisation begründen will. Wir sehen gewissermaßen erst um diese Zeit ein rein menschliches, ein von dem göttlich-geistigen Willen emanzipiertes Wissen entstehen. Und dieses rein menschliche, von dem göttlich-geistigen Willen emanzipierte Wissen, ist dasjenige, was wir das galileisch-kopernikanische Wissen nennen müssen. Jenes Wissen, dutch das die Welt sich dem Menschen in einem so abstrakten Bilde darstellt, wie das heutige Weltenbild ist, durch das wir uns einen Raum vorstellen, wie ihn etwa Giordano Bruno zuerst im Sinn hatte: in welchem die Sterne als bloß materielle Körper kreisen, oder auch in der Ruhe am Weltengeschehen ihren Anteil nehmen. Dutch dieses Weltenbild stellt man sich vor, daß ein ungeheurer Mechanismus von dem kosmischen Raum herein auf die Erde wirkt, und man bleibt im Grunde genommen auch bei der Betrachtung des Irdischen bei dem stehen, was sich errechnen und ermessen läßt, was also sich auch in einen abstrakten Mechanismus eingliedert. Das aber ist eine Vorstellungswelt, die der Mensch aus sich selber herausspinnen kann im Zusammenhange mit der äußeren Beobachtung und mit dem Experimente, durch das, ich möchte sagen, nur die Stoffe selbst aufeinander wirken sollen, die Vorgänge selbst sich darstellen sollen, die in der Natur sind, und nichts Göttlich-Geistiges mehr in der Natur erforscht werden soll.
[ 8 ] We can see, after all, how Goethe still allows a echo of this state of mind to resonate in his Faust at the very moment when Wagner is working in his laboratory on the depiction of the homunculus. We can see how it was not until the turn of the 14th to the 15th century in the civilized Western world that a certain mood arose through which human beings, relying on themselves and without placing their ideas in a direct connection with a divine-spiritual will that governs the world, sought to establish a body of knowledge for their civilization. It is, so to speak, only around this time that we see the emergence of a purely human knowledge, one emancipated from the divine-spiritual will. And this purely human knowledge, emancipated from the divine-spiritual will, is what we must call Galilean-Copernican knowledge. It is that knowledge through which the world presents itself to humanity in such an abstract image as today’s worldview, through which we imagine a space such as Giordano Bruno first had in mind: in which the stars revolve as mere material bodies, or even participate in the course of world events in a state of rest. Through this worldview, one imagines that an immense mechanism acts upon the Earth from cosmic space, and, fundamentally, even when considering earthly matters, one remains confined to what can be calculated and measured—that is, what can also be integrated into an abstract mechanism. But this is a world of ideas that human beings can spin out of themselves in connection with external observation and experimentation—through which, I would say, only the materials themselves are to interact, the processes themselves are to manifest—those that exist in nature—and nothing divine-spiritual is to be investigated in nature anymore.
[ 9 ] Es ist ein grandioser Unterschied in dieser Vorstellungswelt von allem Früheren in der Menschheitsentwickelung. Erst in dieser Zeit seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts ist die menschliche Vorstellungswelt bloß menschlich geworden, und was seit dieser Zeit von den Menschen in ihrer Vorstellungswelt hauptsächlich herausgearbeitet worden ist, das ist das Räumliche.
[ 9 ] There is a tremendous difference in this world of imagination compared to everything that came before in human development. It is only in this period, beginning in the first third of the 15th century, that the human world of imagination has become purely human, and what people have primarily developed in their world of imagination since that time is the spatial dimension.
[ 10 ] Wenn Sie noch in jene Zeiten zurückgehen, auf die ich auch heute hingedeutet habe, in die Zeiten der urindischen, der urpersischen, der ägyptisch-chaldäischen Kultur, überall werden Sie finden: in diesen Weltanschauungen wird auf Weltenalter verwiesen. Man weist zurück in ein altes Zeitalter, wo die Menschen noch mit den Göttern verkehrt haben, gewissermaßen in ein Goldenes Zeitalter. Man weist in ein anderes Zeitalter zurück, wo die Menschen wenigstens auf Erden noch den Sonnenglanz des Göttlichen erlebt haben, ein Silbernes Zeitalter und so weiter. Die Zeit und ihr Verlauf spielen eine mächtige Rolle in dem Weltbilde der älteren Menschheitsentwickelung. Und auch, wenn Sie noch das griechische Zeitalter betrachten, ja, wenn Sie das Weltbild betrachten, das in der mehr nördlich-mitteleuropäischen Welt gleichzeitig mit diesem griechischen Weltbilde vorhanden war, so werden Sie finden: überall spielt die Zeitvorstellung eine große Rolle. Der Grieche weist auf jenes alte Zeitalter zurück, wo Uranos und Gäa in der Wechselwirkung die Geschehnisse des Kosmos bewirkt haben. Er weist auf das nächste Zeitalter zurück, auf Kronos und Rhea, dann auf das Zeitalter, in dem Zeus mit den übrigen Göttern, die aus der griechischen Mythologie bekannt sind, den Kosmos und das Irdische regelt. Und ebenso finden Sie das in der germanisch-europäischen Mythologie. Die Zeit spielt überall in diesen Weltbildern eine mächtige Rolle.
[ 10 ] If you go back to those times I have alluded to today—the times of the ancient Indian, ancient Persian, and Egyptian-Chaldean cultures—you will find everywhere that these worldviews refer to world ages. They point back to an ancient age when human beings still communed with the gods—a Golden Age, so to speak. They point back to another age when human beings, at least on Earth, still experienced the divine radiance of the sun—a Silver Age, and so on. Time and its passage play a powerful role in the worldview of humanity’s earlier development. And even if you consider the Greek era—indeed, if you consider the worldview that existed in the more northern and Central European world simultaneously with this Greek worldview—you will find that the concept of time plays a major role everywhere. The Greeks look back to that ancient age when Uranus and Gaia, through their interaction, brought about the events of the cosmos. They refer to the next age, that of Cronus and Rhea, and then to the age in which Zeus, together with the other gods known from Greek mythology, governs the cosmos and the earthly realm. And you find the same thing in Germanic-European mythology. Time plays a powerful role throughout these worldviews.
[ 11 ] Eine viel geringere Rolle spielt in diesen Weltbildern der Raum. Wie dunkel bleibt das Räumliche, wenn wir etwa nur das nordisch-germanische Weltenbild mit der Weltesche, mit dem Riesen Ymir und so weiter nehmen. Daß da in der Zeit etwas vor sich geht, ist ganz klar. Aber die Raumesvorstellung dämmert erst herauf. Mit dem Zeitalter des Galilei, des Kopernikus, des Giordano Bruno beginnt eigentlich erst der Raum seine große Rolle in dem Weltenbilde zu spielen. Auch das ptolemäische Weltensystem, das zwar schon mit dem Raum arbeitet, ist dennoch mehr auf die Zeit abgestellt, als dasjenige Weltenbild, das man seit dem 15. Jahrhundert hat, in dem die Zeit eigentlich eine sekundäre Rolle spielt. Wovon man ausgeht, ist die gegenwärtige Verteilung der Sterne im Weltenraume, und man schließt durch Rechnung auf die Art und Weise zurück, wie dieses Weltenbild früher gestaltet war. Zur Hauptsache aber wird das räumliche Vorstellen, das räumliche Weltenbild, und davon wird alles Urteilen des Menschen überhaupt auf den Raum abgestellt.
[ 11 ] Space plays a much smaller role in these worldviews. How obscure the concept of space remains when we consider, for example, the Norse-Germanic worldview with the World Tree, the giant Ymir, and so on. It is quite clear that something is happening there over time. But the concept of space is only just beginning to dawn. It is not until the age of Galileo, Copernicus, and Giordano Bruno that space actually begins to play a major role in the worldview. Even the Ptolemaic system of the world, which does indeed already work with space, is nevertheless more oriented toward time than the worldview that has prevailed since the 15th century, in which time actually plays a secondary role. The starting point is the present distribution of the stars in the cosmos, and through calculation, one deduces the way in which this worldview was previously structured. For the most part, however, it is the spatial conception—the spatial worldview—that becomes central, and all human judgment is based on space in general.
[ 12 ] Der moderne Mensch hat immer mehr und mehr dieses Abstellen nach dem Raum hin ausgebildet, ausgebildet in bezug auf sein äußeres Weltenbild, ausgebildet aber auch in bezug auf alles Denken, und wir stehen eigentlich heute, ich möchte sagen in einem Hochpunkt dieses räumlichen Vorstellens. Denken Sie sich doch, wie schwer es den Menschen der heutigen Zeit wird, rein zeitlich einer Auseinandersetzung zu folgen. Die Menschen sind schon froh, wenn man den Raum dadurch wenigstens zuhilfe nimmt, daß man irgend etwas auf die Tafel zeichnet. Wenn man aber gar noch mit Lichtbildern den Raum herbeizieht, dann empfindet das der moderne Mensch fast so, als ob da überhaupt erst die Anständigkeit des Lehrens beginnen würde. Veranschaulichung, man meint eigentlich Verräumlichung, das ist es, was eigentlich der moderne Mensch für alle Auseinandersetzungen anstrebt. Das Zeitliche, indem es so hinfließt, ist ihm etwas . Unbehagliches geworden. Er läßt es noch eben im musikalischen Elemente gelten, aber sogar im musikalischen Elemente strebt er durchaus nach dem Räumlichen hin.
[ 12 ] Modern human beings have increasingly developed this orientation toward space—not only in terms of their external worldview, but also in terms of all their thinking—and today we actually find ourselves, I would say, at the peak of this spatial conception. Just imagine how difficult it is for people today to follow a discussion purely in terms of time. People are already grateful when space is at least brought into play by drawing something on the board. But when space is further brought in through the use of slides, modern people feel as though that is where proper teaching truly begins. Illustration—or rather, spatialization—is what modern people actually strive for in all discussions. The temporal, as it flows by, has become something uncomfortable to them. They still accept it in the musical realm, but even there they are definitely striving toward the spatial.
[ 13 ] Wir brauchen nur auf ein ganz bestimmtes Element in der Gegenwart hinzuschauen, dann werden wir schon diese Sucht des modernen Menschen sehen, sich an das Räumliche anzulehnen. Im Kino ist es ihm eigentlich schon ganz gleichgültig, ob da etwas Zeitliches zugrunde liegt. Er begnügt sich mit möglichst wenig von dem, was zeitlich zugrunde liegt. Er geht ganz in einer räumlichen Welt auf. Dieses Abgestelltsein der ganzen Seele auf das Räumliche ist die Charakteristik der Gegenwart. Wir haben auf der einen Seite heute diese Sehnsucht nach einer solchen Abstellung auf das Räumliche. Wer mit offenen Augen die gegenwärtige Kultur und Zivilisation betrachtet, wird überall dieses Abgestelltsein auf das Räumliche finden.
[ 13 ] We need only look at one very specific element of the present to see this tendency of modern people to rely on the spatial. In the movies, they are actually quite indifferent to whether there is any temporal element underlying the experience. They are content with as little of that temporal element as possible. They are completely absorbed in a spatial world. This focusing of the entire soul on the spatial is the defining characteristic of the present. On the one hand, we have today this longing for such a focus on the spatial. Anyone who observes contemporary culture and civilization with open eyes will find this focus on the spatial everywhere.
[ 14 ] Aber auf der andern Seite erstreben wir mit dem, was wir die anthroposophische Geisteswissenschaft nennen, ein Herauskommen aus dem Räumlichen. Wir kommen allerdings dem räumlichen Sehnen entgegen, indem wir das Geistige auch versinnlichen. Das kann schon sein, nicht wahr, um zu Hilfe zu kommen dem Vorstellungsvermögen. Allein wir müssen uns doch immer bewußt bleiben, daß dieses nur ein Versinnlichen ist, und daß eigentlich das, worauf es ankommt, ein Streben ist, wenigstens ein Streben sein müßte, aus dem Räumlichen herauszukommen. Manchmal beirren uns allerlei unter uns lebende Raumesfexen, indem sie die aufeinanderfolgenden Zeitalter in allerlei Schemen bringen, aufzeichnen: erstes Zeitalter mit Unterzeitaltern und so weiter, und da stehen dann viele Worte und das Aufeinanderfolgende ist dann ins Räumliche gebracht. Wir streben aber heraus aus diesem Räumlichen. Wir streben in das Zeitliche und auch in das Überzeitliche hinein, in das, was aus dem Sinnlichen überhaupt herausführt.
[ 14 ] But on the other hand, through what we call anthroposophical spiritual science, we strive to transcend the spatial realm. We do, however, accommodate spatial longing by making the spiritual tangible as well. That may well be necessary, may it not, to aid the imagination. Yet we must always remain conscious that this is merely a form of making the spiritual tangible, and that what really matters is a striving—or at least ought to be a striving—to move beyond the spatial. Sometimes we are misled by all sorts of “spatial fanatics” living among us, who organize the successive ages into all kinds of schemes and charts: the first age with sub-ages and so on, and then there are many words, and the sequence is thus reduced to the spatial. But we strive to move beyond this spatial realm. We strive toward the temporal and also toward the supratemporal—toward that which leads us out of the sensory realm altogether.
[ 15 ] Nun ist das Sinnliche in seiner gröbsten Form in dem Räumlichen vorhanden, das geht aber nach einer gewissen Richtung hin. Ich habe es oft charakterisiert, was anthroposophische Geisteswissenschaft eigentlich will. Sie will durchaus nicht geringachten oder gar abweisen, was an menschlicher Denkweise durch das Galileisch-KopernikanischGiordano-Brunosche-Zeitalter heraufgekommen ist. Dieses Urteil, das nach dem Raum hin orientiert ist, will unsere anthroposophische Geisteswissenschaft durchaus gelten lassen. Sie will damit rechnen. Deshalb soll sie auch in alle wissenschaftlichen Vorstellungsgebiete hineinleuchten können. Sie soll sich nicht in laienhafter Weise zu diesen wissenschaftlichen Vorstellungsgebieten verhalten, sondern mit ihrer Art, die Dinge anzusehen, in diese Vorstellungsgebiete hineinleuchten. Aber immer wieder müssen wir betonen, wie durch die anthroposophische Geisteswissenschaft angestrebt wird, dieses auf den Raum hin abgestellte Urteil, dieses rein menschliche Wissen, dieses vom Göttlich-Geistigen emanzipierte Wissen wiederum zu dem Göttlich-Geistigen hinüberzuleiten. Wir wollen nicht zu den alten Seelenverfassungen zurückstreben, sondern wir wollen gerade die neueste Seelenverfassung aus dem Hängen an dem bloßen räumlichen Materiellen in das Geistige hinüberleiten. Wir wollen, mit andern Worten, lernen, so wie man gewohnt worden ist im galileisch-kopernikanischen Zeitalter über Stoffe, über Kräfte zu reden, nun über Geistiges zu reden. So daß tatsächlich diese Geisteswissenschaft durch ihre Art der Betrachtungsweise gewachsen ist der besonderen Art desjenigen, was sich für die äußeren sinnlichen Dinge und Vorgänge seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts eben als Vorstellungsweise herausgebildet hat. Es wird also ein geistiges Wissen angestrebt, das diesem Naturwissen verwandt ist, wenn es ihm auch, weil es auf das Übersinnliche geht, entgegengesetzt ist.
[ 15 ] Now, the sensory realm exists in its coarsest form within the spatial realm, but it tends toward a certain direction. I have often described what anthroposophical spiritual science actually aims to achieve. It by no means seeks to belittle or even reject what has emerged in human thought through the Galilean-Copernican-Giordano Bruno era. Our anthroposophical spiritual science fully acknowledges this perspective, which is oriented toward space. It takes it into account. That is why it should also be able to shed light on all areas of scientific thought. It should not approach these scientific fields in a layman’s manner, but rather shed light on them through its own way of viewing things. But we must emphasize again and again how anthroposophical spiritual science strives to lead this judgment oriented toward space—this purely human knowledge, this knowledge emancipated from the divine-spiritual—back toward the divine-spiritual. We do not wish to return to the old states of mind, but rather we wish to lead precisely the most recent state of mind away from its attachment to the merely spatial and material and toward the spiritual. In other words, we wish to learn to speak of spiritual matters in the same way that we have become accustomed to speaking of matter and forces in the Galilean-Copernican era. Thus, this spiritual science has in fact, through its mode of observation, grown out of the particular approach that has developed since the first third of the 15th century as a way of conceiving external, sensory things and processes. The aim, therefore, is to attain a spiritual knowledge that is related to this natural science, even though it is opposed to it because it concerns the supersensible.
[ 16 ] Innerlich betrachtet, was wird dadurch zu erreichen gesucht? Nun, wenn wir uns einmal in Gedanken in die Lage der göttlich-geistigen Wesen versetzen, in deren Reihen wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben, wie diese, ich möchte sagen, ihr Geistesauge herunterwenden — ich habe das vor einiger Zeit gerade hier beschrieben — und durch die verschiedenen Mittel, die ich beschrieben habe, den Verlauf des Irdischen betrachten, dann finden wir, daß diese Wesenheiten für die älteren Zeiträume der Menschheitsentwickelung, für das urindische, für das urpersische, für das chaldäisch-ägyptische Zeitalter, auf die Erde herunterschauten, was da die Menschen taten und wie die Menschen dasjenige anschauten, was in der Natur und in ihrem eigenen sozialen Leben vorhanden ist. Und da konnten sich die Götter, wenn ich mich so ausdrücken darf, gegenüber dem, was die Menschen taten und vorstellten, sagen: Sie machen da unten dasjenige, was sich ihnen aus der Erinnerung oder aus dem Nachklang dessen ergibt, was sie unter uns hier oben erlebt haben. — Es war noch unter den Chaldäern und bei den Ägyptern ganz klar, daß die Leute unten auf Erden eigentlich nur das ausführen wollten, was oben die Götter gedacht haben oder weiterdenken. Die Götter sahen, wenn sie auf die Erde herunterblickten, gewissermaßen ihnen Verwandtes auf der Erde geschehen, und sie sahen, wenn sie in die Gedanken der Menschen hineinschauten — und Götter können die Gedanken der Menschen durchschauen —, ihnen Verwandtes.
[ 16 ] From an inner perspective, what is the goal here? Well, if we were to mentally place ourselves in the position of the divine-spiritual beings among whose ranks we live between death and a new birth—how they, I might say, turn their spiritual eye downward—as I described right here some time ago—and observe the course of earthly life through the various means I have described, then we find that these beings looked down upon the Earth during the earlier periods of human development—the Proto-Indian, the Proto-Persian, and the Chaldean-Egyptian eras—to see what people were doing there and how they viewed what existed in nature and in their own social life. And there, if I may put it this way, the gods could say to one another, in response to what people were doing and imagining: “Down there, they are doing what arises from their memory or from the echoes of what they experienced here above among us.” — Even among the Chaldeans and the Egyptians, it was still quite clear that the people down on Earth actually only wanted to carry out what the gods above had conceived or were continuing to conceive. When the gods looked down upon the earth, they saw, as it were, things happening on earth that were akin to themselves, and when they looked into the thoughts of human beings—and gods can see through human thoughts—they saw things akin to themselves.
[ 17 ] Das ist anders geworden seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Wenn seit dieser Zeit und insbesondere in der Gegenwart die göttlich-geistigen Wesen auf die Erde herunterschauen, so finden sie im Grunde genommen überall ihnen Fremdes. Die Menschen machen da unten auf der Erde etwas, was sie selber sich aus den Vorgängen und Dingen der Erde zusammenkombinieren. Es ist das den Göttern, mit denen die Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben, ein fremdes Element.
[ 17 ] This has changed since the first third of the 15th century. When, from that time onward—and especially in the present—the divine-spiritual beings look down upon the Earth, they essentially find something foreign to them everywhere. Down there on Earth, human beings are doing something they themselves have pieced together from earthly events and things. This is an element foreign to the gods with whom human beings live between death and a new birth.
[ 18 ] Wenn der Alchimist in seinem Laboratorium noch versuchte, den göttlich-geistigen Willen im Zusammenziehen und Trennen der Elemente zu erforschen, so sah gewissermaßen der Gott noch so in das Laboratorium hinein, daß er etwas Verwandtes in den Taten dieses Alchimisten sah. Wenn der Gott heute in ein Laboratorium hineinschaut, so ist ihm eigentlich alles, was da getrieben wird, furchtbar fremd. Dies ist schon durchaus eine Wahrheit, daß unter Göttern, wenn ich mich so ausdrücken darf, die Ansicht umgeht seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, als ob ihnen das ganze Menschengeschlecht entfallen wäre in einem gewissen Sinne, als ob die Menschen da unten ihre eigenen Allotria auf der Erde trieben, Dinge, welche die Götter eigentlich gar nicht mehr in der richtigen Weise verstehen können — diejenigen Götter ganz gewiß nicht, die noch im griechisch-lateinischen Zeitraum sozusagen die Hand und den Verstand der Menschen gelenkt haben, der Menschen, die unten wissenschaftlich geforscht haben oder dergleichen. Diese göttlich-geistigen Wesenheiten haben ein reges Interesse, aber nicht an demjenigen, was in den heutigen Laboratorien oder gar auf den heutigen Kliniken getan wird. Ich habe bei einer vorhergehenden Betrachtungsweise darauf hinweisen müssen, daß durch die Fenster, wie ich es dazumal genannt habe, die Götter herunterschauen und daß sie da am allerwenigsten dasjenige interessiert, was die Professorenschaft auf der Erde treibt. Aber gerade das ist es, was demjenigen, der in die moderne Initiationswissenschaft hineinschaut, ganz besonders tief zu Herzen geht. Er sagt sich: Wir Menschen sind eigentlich in diesem letzten Zeitraum götterfremd geworden. Wir müssen wiederum nach Verbindungsbrücken zu der göttlich-geistigen Welt hinauf suchen. Und das ist es, was, wenn wir die Dinge innerlich betrachten, den Impuls für die anthroposophische Geisteswissenschaft abgibt. Wir wollen wieder die den Göttern unverständlichen Wissenschaftsvorstellungen so verwandeln, daß sie vergeistigt werden, damit sie wiederum eine Brücke abgeben zu dem Göttlich-Geistigen hin.
[ 18 ] While the alchemist was still attempting in his laboratory to explore the divine-spiritual will through the combination and separation of the elements, God, in a sense, was still looking into the laboratory in such a way that He saw something akin to Himself in the alchemist’s actions. When God looks into a laboratory today, everything that goes on there is, in fact, terribly foreign to Him. It is certainly true that among the gods—if I may put it that way—the view has prevailed since the first third of the 15th century that the entire human race has, in a certain sense, slipped their minds, as if the people down there were pursuing their own fancies on Earth—things that the gods can no longer truly understand in the proper way — certainly not those gods who, during the Greco-Roman period, so to speak, guided the hands and minds of human beings—those who conducted scientific research down below or the like. These divine-spiritual beings have a keen interest, but not in what is done in today’s laboratories or even in today’s hospitals. In a previous reflection, I had to point out that the gods look down through the “windows,” as I called them at the time, and that what the professors on Earth are up to interests them the least of all. But this is precisely what touches the heart particularly deeply for those who look into modern initiatory science. They say to themselves: We humans have actually become estranged from the gods in this most recent period. We must once again seek out bridges connecting us to the divine-spiritual world. And this is what, when we contemplate these matters inwardly, provides the impetus for anthroposophical spiritual science. We want to transform the scientific concepts that are incomprehensible to the gods in such a way that they are spiritualized, so that they may once again serve as a bridge to the divine-spiritual.
[ 19 ] Man sollte schon durchaus sich dessen bewußt sein, daß — in der urpersischen Kulturwelt tritt das besonders stark hervor — das Licht zum Beispiel etwas ist, in dem ein Göttliches lebt. Aber wenn heute der Mensch eine Linse aufzeichnet, einen Lichtpunkt, und dann durch allerlei Linien feststellen will, wie da die Strahlen sich brechen, so ist das eine Raumessprache, die kein Gott versteht, die ganz und gar außergöttlich und ungöttlich ist, die für Götter nicht den geringsten Sinn hat. Das alles muß wiederum zurückgeführt werden in eine solche menschliche Seelenverfassung, daß die Brücke zum Göttlichen wiedergefunden werden kann. Es vertieft sich, wenn man die Sache so betrachtet, ungeheuer das Gefühl dafür, was für eine Aufgabe dem gegenwärtigen Zeitalter mit der Umgestaltung, mit der Metamorphosierung des ungeistigen Vorstellungswesens obliegt.
[ 19 ] One should certainly be aware that—and this is particularly evident in the ancient Persian cultural world—light, for example, is something in which the divine dwells. But when people today draw a lens, a point of light, and then try to determine through all sorts of lines how the rays refract there, this is a language of space that no god understands—one that is entirely non-divine and ungodly, and which makes not the slightest sense to the gods. All of this must, in turn, be traced back to a state of the human soul in which the bridge to the divine can be rediscovered. When one views the matter in this way, one’s sense of the task that falls to the present age—the transformation, the metamorphosis of the non-spiritual realm of imagination—deepens immensely.
[ 20 ] Nun beruht aber dieses Ganze auf einer außerordentlich wichtigen kosmischen Tatsache. Die Raumesanschauung nämlich ist überhaupt eine menschliche Anschauung. Die Götter, mit denen der Mensch in seiner wichtigsten Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zusammenlebt, haben zwar eine ausgesprochene Zeitanschauung, aber diese Raumesanschauung, die der Mensch auf der Erde erwirbt, haben sie überhaupt nicht. Das ist ein spezifisch Menschliches, diese Raumesanschauung. Der Mensch tritt eigentlich erst in den Raum ein, indem er aus der göttlich-geistigen Welt in die physische Erdenwelt heruntergeht. Gewiß, von hier aus angesehen erscheint alles in einer räumlichen Perspektive, aber das Urteil in Dimensionen ist etwas durchaus Irdisches.
[ 20 ] Now, however, all of this is based on an extraordinarily important cosmic fact. Namely, the concept of space is, in fact, a distinctly human concept. The gods with whom human beings live during their most crucial period—between death and a new birth—do indeed have a distinct concept of time, but they lack entirely this concept of space that human beings acquire on Earth. This concept of space is a specifically human trait. Human beings actually only enter into space when they descend from the divine-spiritual world into the physical world of the Earth. Certainly, viewed from here, everything appears in a spatial perspective, but the judgment in terms of dimensions is something thoroughly earthly.
[ 21 ] Im höchsten Maße hat sich der Mensch in der abendländischen Kulturentwickelung seit dem 15. Jahrhundert in dieses Raumesanschauen hineingefunden. Aber wenn es in der richtigen Weise erfaßt wird, dieses Raumesanschauen, wenn also in der eben geschilderten Weise durch die Vergeistigung des reinen Raumeswissens die Brücken zu der göttlichen Welt wiederum geschlagen werden, dann wird das, was der Mensch — gerade in der Zeit, wo er sich am meisten von seiner göttlichen Welt emanzipiert hat, eben seit dem 15. Jahrhundert — an Raumeswissen erworben hat, auch wichtig für die göttlich-geistige Welt. Und der Mensch kann für die Götter ein neues Weltstück erobern, wenn er es in der richtigen Weise tut, wenn er nicht beim Raum stehenbleibt, sondern in die Raumesanschauung wiederum das Geistige hineinbringt. Denn, was geschieht denn da?
[ 21 ] Since the 15th century, Western culture has become deeply immersed in this conception of space. But if this conception of space is grasped in the right way—that is, if bridges to the divine world are once again built in the manner just described through the spiritualization of pure knowledge of space—then what humanity has acquired—precisely during the period when it has most emancipated itself from its divine world, namely since the 15th century — has acquired in terms of spatial knowledge becomes significant for the divine-spiritual world as well. And human beings can conquer a new realm for the gods if they do so in the right way—if they do not stop at space alone, but instead reintroduce the spiritual into their perception of space. For what happens there?
[ 22 ] Für die Götter ist eigentlich nur in der Zeitenlinie vorhanden, was ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» auseinandergesetzt habe: alte Saturnzeit, Sonnenzeit, Mondenzeit, Erdenzeit, die künftigen Zeiten: Jupiter-, Venus-, Vulkanzeit. Das ist für die Götter in der Zeitenfolge vorhanden. Hier auf Erden lebt sich das alles aber auch räumlich aus. Wir leben heute im Erdenzeitalter, das ist richtig. Aber in diesem Geschehen, das der Erde angehört, stecken auch noch die Nachklänge des Monden-, des Sonnen-, des Saturnzeitalters darinnen. Versuchen Sie einmal, die Beschreibung der Saturnzeit, wie ich sie in der «Geheimwissenschaft» gegeben habe, auf sich wirken zu lassen. Da werden Sie sagen: Wir haben allerdings keine Saturnzeit mehr, aber ihre Wärmewirkungen sind auch in unserem Erdengeschehen darinnen. — Es stecken Saturn, Sonne, Mond, Erde ineinander, sie sind gleichzeitig da. Die Götter sehen sie nacheinander. Wir sehen sie gerade, nachdem wir sie früher, auch noch während der chaldäischen Zeit, in ihrem Nacheinander gesehen haben, wir sehen sie jetzt ineinanderstecken, räumlich ineinanderstecken. Ja, das geht noch viel weiter, und gerade wenn wir diese Dinge in den Einzelheiten betrachten, dann kommen wir darauf, was eigentlich hinter diesen Dingen steckt.
[ 22 ] For the gods, what actually exists in the timeline is what I have discussed in my Outline of Esoteric Science: the ancient Saturn Age, the Sun Age, the Moon Age, the Earth Age, and the future ages: the Jupiter Age, the Venus Age, and the Vulcan Age. This is what exists for the gods in the sequence of ages. Here on Earth, however, all of this also plays out spatially. We live today in the Earth Age; that is correct. But within this process, which pertains to the Earth, there are also still echoes of the Lunar, Solar, and Saturn Ages. Try for a moment to let the description of the Saturn Age, as I presented it in Outline of Esoteric Science, sink in. You will then say: We no longer have a Saturn Age, to be sure, but its thermal effects are also present within our earthly events. — Saturn, Sun, Moon, and Earth are intertwined; they exist simultaneously. The gods perceive them one after the other. We see them interlocked—spatially interlocked—precisely because we used to see them in succession, even during the Chaldean era. Yes, this goes much further, and it is precisely when we examine these things in detail that we come to understand what actually lies behind them.
[ 23 ] Nehmen Sie an, Sie strecken Ihre linke Hand aus. In allem Irdischen lebt das Göttliche darinnen. In Ihren Muskeln, in Ihren Nerven lebt das Göttliche. In Ihrem Handausstrecken lebt das Göttliche. Sie berühren jetzt mit den Fingern Ihrer linken Hand die Finger der rechten Hand — das kann nur im Raume ausgeführt werden. Dieses, daß Sie Ihre linke Hand mit der rechten, Ihre rechte Hand mit der linken Hand spüren, das verfolgen die göttlich-geistigen Wesen nicht. Sie verfolgen die linke und die rechte Hand bis zu der Berührung, aber das Gefühl, das zwischen beiden sich abspielt — das Spüren der linken Hand mit der rechten Hand, der rechten mit der linken Hand —, das haben die Götter durch ihre eigenen Fähigkeiten nicht; das ist etwas, was erst durch den Raum herauskommt. Geradesowenig wie die Götter Saturn, Sonne, Mond, Erde zugleich schauen, sondern nur nacheinander schauen, in der Zeit schauen, so haben die Götter alles das nicht, was der Mensch gerade in räumlichster Weise erlebt. Wenn Sie mit Ihrem linken und Ihrem rechten Auge schauen und die Blickrichtung von rechts und von links haben, so haben Sie in dem Blick von rechts die Götterwirkung, in dem Blick von links die Götterwirkung; die Begegnung ist das rein Menschliche. Wir erleben also als Menschen gerade dadurch, daß wir in den Raum herausgestellt sind, etwas, was in Emanzipation von der Götterwirkung erlebt wird.
[ 23 ] Suppose you extend your left hand. The Divine lives within everything earthly. The Divine lives in your muscles, in your nerves. The Divine lives in the act of extending your hand. Now touch the fingers of your right hand with the fingers of your left hand—this can only be done in space. The fact that you feel your left hand with your right, and your right hand with your left—the divine-spiritual beings do not perceive this. They follow the left and right hands up to the moment of contact, but the sensation that takes place between the two—the feeling of the left hand with the right hand, and the right hand with the left hand—the gods do not possess this through their own abilities; this is something that emerges only through space. Just as the gods do not see Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth all at once, but only see them one after the other, within time, so too do the gods lack everything that human beings experience in the most spatial sense. When you look with your left and right eyes and have the lines of sight from the right and from the left, you have the divine effect in the gaze from the right and the divine effect in the gaze from the left; the encounter is purely human. Thus, as human beings, precisely because we are situated in space, we experience something that is experienced in emancipation from the divine effect.
[ 24 ] Sie brauchen dieses Bild, das ich von der rechten und linken Hand gebraucht habe, nur auszudehnen auf weiteres Geschehen im irdischen Menschheitsumkreis, und Sie werden vieles finden, was von den Erlebnissen der Menschen aus den Götteranschauungen herausfällt. Auf alle diese Gebiete, die rein menschlicher Art sind, ist der Mensch in seinem Vorstellen eigentlich erst so recht seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts gekommen, so daß in der Tat für die Götter das Menschheitsvorstellen, wenn sie herunterschauen, immer unverständlicher und unverständlicher geworden ist. Und gerade, wenn wir dies ins Auge fassen, müssen wir auf jenes durchschlagende, wichtige Ereignis im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hinweisen, von dem wir öfter schon gesprochen haben und das sich so ausdrückt, daß wir sagen: Die Herrschaft jener geistigen Wesenheit, die man als Gabriel bezeichnet, ist abgelöst worden durch die Herrschaft jener andern geistigen Wesenheit, die man als Michael bezeichnet.
[ 24 ] You need only extend this image—which I have used to represent the right and left hands—to other events within the earthly sphere of humanity, and you will find much that falls outside the scope of human experiences as viewed through the lens of the gods. It is only since the first third of the 15th century that human beings have truly begun to grasp all these purely human realms in their imagination, so that, in fact, humanity’s conception of the world has become increasingly incomprehensible to the gods as they look down upon it. And precisely when we consider this, we must point to that momentous, significant event in the last third of the 19th century, of which we have spoken often before and which is expressed in the following way: The dominion of that spiritual being known as Gabriel has been replaced by the dominion of that other spiritual being known as Michael.
[ 25 ] Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wird jene geistige Wesenheit, die man als Michael bezeichnet, gewissermaßen Herrscher in allem Geistigen, dem das Menschengeschehen auf der Erde entspricht. Während jenes Gabriel-Wesen mehr ein Wesen ist, das auf die passiven Eigenschaften der Menschen orientiert ist, ist Michael das aktive Wesen, dasjenige Wesen, das gewissermaßen unseren Atem, unsere Adern, unsere Nerven durchpulst, auf daß wir unser Menschheitliches im kosmischen Zusammenhang erarbeiten, aktiv erwerben. Das ist es, was gewissermaßen als eine Aufforderung des Michael vor uns steht, daß wir bis in unsere Gedanken hinein aktiv werden, so daß wir uns unsere Weltanschauung durch innerliche Aktivität als Menschen erarbeiten. Dadurch erst gehören wir dem Michael-Zeitalter an, daß wir uns nicht untätig hinsetzen und über uns kommen lassen wollen die äußeren und inneren Erleuchtungen, sondern daß wir aktiv mitarbeiten an dem, was sich uns an Beobachtungen, an Erlebnissen aus der Welt darbietet.
[ 25 ] In the last third of the 19th century, the spiritual being known as Michael becomes, so to speak, the ruler of all that is spiritual, which corresponds to human events on Earth. While the Gabriel being is more oriented toward the passive qualities of human beings, Michael is the active being—the one who, so to speak, pulses through our breath, our veins, and our nerves—so that we may develop and actively acquire our humanity within the cosmic context. This is what stands before us, so to speak, as a call from Michael: that we become active even in our thoughts, so that we develop our worldview through inner activity as human beings. Only in this way do we truly belong to the Age of Michael—not by sitting idly by and waiting for external and internal insights to come to us, but by actively engaging with the observations and experiences the world presents to us.
[ 26 ] Wenn einer ein Experiment zusammenstellt, so ist das im Grunde genommen keine Tätigkeit, nicht eine Tätigkeit seines Geistes, sondern es ist ein Geschehen wie ein anderes Naturgeschehen, nur daß es von dem menschlichen Verstande orientiert wird. Aber vom Verstande ist auch alles Naturgeschehen orientiert worden. Aber wie benützt der Mensch heute für sein Vorstellen das Experiment? Nicht mit Aktivität, denn er guckt hin und will so wenig wie möglich aktiv sein, er will sich alles von dem Experiment sagen lassen, er findet alles gleich phantastisch, was aus innerer Aktivität hervorgeht. Er ist so wenig wie möglich gerade in seinen wissenschaftlichen Vorstellungen im Michael-Zeitalter drinnen. Er muß hinein in das Michael-Zeitalter, denn dieses Zeitalter hat ein ganz gewisses wichtiges Charakteristikum. Wenn wir uns die Frage stellen: Welchen Sinn hat es denn eigentlich im ganzen kosmischen Zusammenhange, daß, wenn ich so sagen darf, Gabriel das Zepter abgegeben hat an Michael? — so müssen wir uns sagen: Es hat diesen Sinn, daß Michael der Geist ist, der von all den Wesenheiten, die in der Menschheit geistig führend sein können, am ehesten heran kann an das, was die Menschen hier auf Erden in dieser Emanzipation des Wissens seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts treiben.
[ 26 ] When someone sets up an experiment, this is, in essence, not an activity—not an activity of the mind—but rather an event like any other natural phenomenon, except that it is guided by the human intellect. But all natural phenomena have also been guided by the intellect. Yet how does humanity today use the experiment for its conceptualization? Not through active engagement, for people merely observe and wish to be as passive as possible; they want the experiment to reveal everything to them, and they immediately regard anything arising from inner activity as fantastical. They are as little as possible engaged in their scientific conceptualizations within the Michael Age. They must enter the Michael Age, for this age has a very specific and important characteristic. When we ask ourselves: What significance does it actually have, within the entire cosmic context, that—if I may put it this way—Gabriel has handed over the scepter to Michael? — then we must say to ourselves: The meaning is that Michael is the spirit who, of all the beings capable of spiritual leadership within humanity, is best able to relate to what people here on Earth have been pursuing in this emancipation of knowledge since the first third of the 15th century.
[ 27 ] Gabriel steht ganz betroffen vor demjenigen, was irgendwie ein heutiger, gebildeter Mensch zu seinem Vorstellungsinhalt hat. Michael, der den Kräften der Sonne außerordentlich verwandt ist, kann seine Tätigkeit wenigstens in das hineinversetzen, was der Mensch an Gedanken ausarbeitet, die als Impulse für sein freies Handeln bestehen. In all das kann Michael hineinarbeiten, was ich zum Beispiel in meiner «Geheimwissenschaft» das freie, das reine Denken genannt habe, das für das individuelle Wollen des Menschen in Freiheit in der neueren Zeit der eigentliche Impuls sein muß. Und für dasjenige Handeln, das aus dem Impuls der Liebe entspringt, für das hat Michael seine besondere Verwandtschaft. Daher ist er der Sendbote, den die Götter heruntergeschickt haben, damit er gewissermaßen entgegennimmt, was nun herübergeleitet wird aus dem emanzipierten Wissen in das vergeistigte Wissen hinein. Die Wissenschaft, die als anthroposophische Geisteswissenschaft das Raumesurteil wiederum vergeistigt, wiederum übersinnlich macht, arbeitet von unten nach oben, streckt gewissermaßen die Hände von unten nach oben aus, um die von oben nach unten ausgestreckten Hände des Michael zu erfassen. Denn da kann die Brücke geschaffen werden zwischen den Menschen und den Göttern. Und Michael ist der Regent dieses Zeitalters geworden aus dem Grunde, weil er entgegennehmen soll, was die Götter entgegennehmen wollen aus dem, was die Menschen dem bloßen Zeitvorstellen durch das Raumesvorstellen zu dem Götterwissen hinzufügen können.
[ 27 ] Gabriel stands utterly bewildered before what constitutes the content of the imagination of a modern, educated person. Michael, who is extraordinarily attuned to the forces of the sun, can at least direct his activity toward the thoughts that human beings develop—thoughts that serve as impulses for their free action. Michael can work into all of this what I have called, for example, in my Occult Science, free, pure thinking—which in modern times must be the actual impulse for the individual will of human beings in freedom. And Michael has a special affinity for that action which springs from the impulse of love. Therefore, he is the messenger whom the gods have sent down so that he may, as it were, receive what is now being conveyed from emancipated knowledge into spiritualized knowledge. Science—which, as anthroposophical spiritual science, spiritualizes the spatial judgment once again, rendering it supersensory—works from the bottom up, reaching out, as it were, with its hands from below to grasp the hands of Michael, which are extended from above. For it is there that the bridge can be built between human beings and the gods. And Michael has become the ruler of this age for the very reason that he is to receive what the gods wish to receive from what human beings can add to divine knowledge by supplementing the mere concept of time with the concept of space.
[ 28 ] Wir können sagen, die Götter stellen vor: Saturn, Sonne, Mond, Erde in der Zeitenfolge; der Mensch sieht es, wenn er in der richtigen Weise die neueste Phase seines Vorstellens ausbildet, räumlich. Die Götter können vorstellen die linke Hand in ihrem Vorwärtsstrecken, die rechte Hand in ihrem Vorwärtsstrecken. Die Menschen eignen sich an die Berührung. Die Götter können in der Blickrichtung des linken Auges, in der Blickrichtung des rechten Auges leben. Der Mensch stellt räumlich vor, wie sich die Blickrichtung des rechten Auges, die Blickrichtung des linken Auges finden. Michael richtet sein Auge herunter auf die Erde. Er ist imstande, durch Anknüpfung an dasjenige, was die Menschen im reinen Denken ausbilden, im reinen Wollen verwirklichen, Kenntnis zu nehmen von dem, was aus dem Raumesvorstellen hier von den Erdenbürgern, von den Menschen erobert wird, um es in göttliche Welten hinaufzutragen.
[ 28 ] We can say that the gods represent: Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth in chronological order; human beings perceive this spatially when they develop the latest phase of their imagination in the proper way. The gods can visualize the left hand as it reaches forward, the right hand as it reaches forward. Human beings adapt to touch. The gods can live in the line of sight of the left eye, in the line of sight of the right eye. Human beings visualize spatially how the line of sight of the right eye and the line of sight of the left eye meet. Michael directs his gaze down toward the Earth. By connecting with what human beings develop in pure thought and realize in pure will, he is able to take note of what is gained here by the inhabitants of Earth—by human beings—through their spatial imagination, in order to carry it up into the divine worlds.
[ 29 ] Würden die Menschen bloß das Raumeswissen ausbilden, würden sie es nicht vergeistigen, würden sie bei der Anthropologie bleiben und nicht zur Anthroposophie kommen wollen, dann würde das Michael-Zeitalter vorübergehen. Michael würde von seiner Herrschaft abtreten und würde den Göttern die Botschaft bringen: Die Menschheit will sich von den Göttern trennen. — Soll Michael die rechte Botschaft zurückbringen an die Götterwelt, so wird er sagen müssen: Die Menschen haben während meines Zeitalters das, was sie abseits von der göttlich-geistigen Welt an reinen Raumesurteilen ausgebildet haben, in ein Übersinnliches heraufgehoben, und wir können die Menschen wiederum annehmen, denn sie haben ihr Denken, ihr Vorstellen mit unserem Denken, unserem Vorstellen verbunden. — Ja, Michael wird nicht sagen dürfen zu den Göttern, wenn die Menschen ihre richtige Entwickelung durchmachen wollen: Die Menschen haben sich angewöhnt, alles nur räumlich anzuglotzen, sie haben verachten gelernt dasjenige, was nur in der Zeit lebt. — Sondern er wird sagen sollen, wenn die Menschen ihr Erdenziel erreichen wollen: Die Menschen haben sich bemüht, in das Räumliche wiederum das Zeitliche, das Übersinnliche hineinzubringen, und dadurch können die Menschen, die nicht bloß das Räumliche anglotzen wollen, die nicht bloß solche Versinnlichungen hinnehmen wollen, wie man sie im Beginne des 20. Jahrhunderts liebt, wiederum so erfaßt werden, daß ihr Leben an das Götterleben unmittelbar anknüpft.
[ 29 ] If people were to limit themselves to developing their knowledge of space, if they were not to spiritualize it, if they were to remain within anthropology and not seek to move toward anthroposophy, then the Age of Michael would come to an end. Michael would step down from his reign and bring the message to the gods: Humanity wishes to separate itself from the gods. — If Michael is to bring back the correct message to the world of the gods, he will have to say: During my age, human beings have elevated what they developed apart from the divine-spiritual world—their pure spatial judgments—into the supersensible, and we can accept human beings once again, for they have connected their thinking and their imagination with our thinking and our imagination. — Yes, Michael will not be allowed to say to the gods, if humanity is to undergo its proper development: “Humanity has become accustomed to staring at everything merely in spatial terms; they have learned to despise that which lives only in time.” — Rather, he will have to say, if humanity is to achieve its earthly goal: People have striven to bring the temporal and the supersensible back into the spatial realm, and through this, people who do not wish merely to stare at the spatial, who do not wish merely to accept the kind of sensualizations that were popular at the beginning of the 20th century, can once again be grasped in such a way that their lives are directly linked to the life of the gods.
[ 30 ] Wenn man aus dem Geiste der Initiationswissenschaft heraus wirklich Anthroposophie treibt, so ist das ein Sich-Kümmern um kosmische Angelegenheiten, um etwas, was die Menschheit auszumachen hat an Angelegenheiten im Einklange mit der Götterwelt. Und es handelt sich im heutigen Zeitalter im Grunde genommen um vieles. Es handelt sich darum, ob wir den Keim legen wollen zu dem, was das richtige weitere Zusammenleben mit der göttlich-geistigen Welt ist, oder ob wir diesen Keim nicht legen wollen. Und wenn Sie bedenken, welch ungeheuer Bedeutungsvolles damit gesagt ist, dann werden Sie ermessen, mit welchem Ernst, mit welcher innerlichen Festigkeit jene Seelenverfassung begründet werden muß, die Anthroposophie zu ihrem Vorstellungsinhalt machen will.
[ 30 ] If one truly practices anthroposophy in the spirit of the science of initiation, it means engaging with cosmic matters—with what humanity must address in harmony with the world of the gods. And in this present age, there is, in essence, a great deal at stake. The question is whether we wish to sow the seed for what constitutes the proper future coexistence with the divine-spiritual world, or whether we do not wish to sow this seed. And when you consider the immense significance of what has been said here, you will realize with what seriousness, with what inner steadfastness, that state of mind must be established which seeks to make anthroposophy the content of its imagination.



