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The Rudolf Steiner Archive

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The Relationship of Man to the Starry World
The Spiritual Communion of Mankind
GA 219

24 December 1922, Dornach

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Wenn wir der heutigen Zeit gemäß in dieser Festzeit unsere Gedanken vertiefen wollen, so tun wir das wohl am besten in der schon gestern angedeuteten Weise, indem wir den Seelenblick zu der Menschheitsentwickelung hinwenden, um aus der geistigen Führung der Menschheit zu erkennen, welche Aufgaben in der Gegenwart dem Menschen obliegen. Wir dürfen nicht übersehen, wie der wichtigste Teil des Weihnachtsgedankens dieser ist, daß in der Nacht, die eben beginnt, das Licht des Christus in die Menschheitsentwickelung hereingeleuchtet hat in demjenigen Zeitpunkte dieser Menschheitsentwickelung, der durch dieses Ereignis, durch diese Eingliederung des Mysteriums von Golgatha dem Erdenleben, der Menschheit und damit überhaupt dem ganzen Erdenwesen seinen Sinn gibt.

[ 1 ] If we wish to deepen our reflections during this festive season in keeping with the spirit of our times, we would do so best in the manner already hinted at yesterday: by turning our inner gaze toward the evolution of humanity, so that through humanity’s spiritual guidance we may recognize the tasks that fall to us in the present. We must not overlook that the most important aspect of the Christmas message is that, in the night that is just beginning, the light of Christ shone into the development of humanity at that very moment in human history when this event—the incorporation of the Mystery of Golgotha into earthly life—gave meaning to humanity and, thereby, to the entire earthly existence.

[ 2 ] Gestern durfte ich zu Ihnen davon sprechen, wie in den Zeiten, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind, jene Mysterienfeste eine bedeutsame Rolle gespielt haben, die in der Hochsommerszeit gefeiert werden, wo der Mensch mit der Erde selbst sein Wesen den kosmischen Weiten öffnet, wo er mit den außerirdischen Mächten in eine Seelenverbindung kommen kann. Und wir haben uns vor unsere Seele gestellt, wie die Führer der Mysterien in vorchristlichen Zeiten bei gewissen Völkern diesen Weg, den die Menschenseele in der Hochsommerszeit, zu unserer Johannizeit, nehmen kann zu den göttlich-geistigen Welten hin, dadurch gegangen sind, daß sie die Gedankenwelt gefühlsdurchdrungen in dieser Zeit gewissermaßen den göttlich-geistigen Mächten geopfert haben, weil sie sich bewußt waren, daß dasjenige, was sich ihnen offenbarte im Laufe des Jahres, den Versuchungen der luziferischen Mächte ausgesetzt ist, wenn nicht in jener Hochsommerszeit, wo gewissermaßen die Erde weit ihre Flügel in die kosmischen Weiten hinaus öffnet, alles, was mit diesen Gedanken zusammenhängt, opfernd empfunden wird als eine von den göttlich-geistigen Mächten der Menschheit verliehene Gnade.

[ 2 ] Yesterday I had the opportunity to speak to you about how, in the times preceding the Mystery of Golgotha, those mystery festivals celebrated in midsummer played a significant role—a time when human beings, together with the Earth itself, open their beings to the cosmic expanses, and when they can enter into a soul connection with the extraterrestrial powers. And we have envisioned how, in pre-Christian times among certain peoples, the leaders of the mysteries walked this path—the path that the human soul can take toward the divine-spiritual worlds during the height of summer, at our St. John’s time—by, as it were, offering the world of thought, imbued with feeling during this time, to the divine spiritual powers, because they were aware that what was revealed to them throughout the year is exposed to the temptations of the Luciferic powers—unless, during that high summer season, when the Earth, as it were, spreads its wings wide into the cosmic expanses, everything connected with these thoughts is experienced as a sacrifice—a grace bestowed upon humanity by the divine-spiritual powers.

[ 3 ] Ich habe dann gestern darauf hingewiesen, wie es durch die Entwickelung der Menschheit in selbstverständlicher Art gekommen ist, daß wiederum bei einem gewissen Teil der Menschheit an die Stelle der Hochsommerfeier die Tiefwinterfeier getreten ist, und wie selbst in unserem verblaßten Weihnachtsgedanken diese Tiefwinterfeier noch darinnensteckt, indem der Mensch entweder, wie es bei gewissen Kultgemeinden ist, in dieser Tiefwinternacht die Geburt des Heilandes festlich begeht, oder auch indem der Mensch, der erst wiederum die Wege zum Geisteslicht suchen muß, diese Weihenacht in der Stille seines Herzens so begeht, daß er sich bewußt wird, daß er in dieser Zeit der Erde und ihrem Leben am ähnlichsten wird, wenn er ganz in sich selber geht. Denn die Erde ist in dieser Zeit auch abgeschlossen von den kosmischen Weiten, lebt durch ihr Schneegewand und die zusammenziehende Kälte in sich selbst gedrängt im Weltenraum.

[ 3 ] Yesterday I pointed out how, as a natural consequence of human evolution, the midwinter celebration has once again replaced the midsummer celebration for a certain segment of humanity, and how even in our faded conception of Christmas, this midwinter celebration still lies at its core, either because people, as is the case in certain religious communities, festively celebrate the birth of the Savior on this deep-winter night, or because people—who must first seek the paths to spiritual light once more—observe this holy night in the silence of their hearts in such a way that they become aware that, at this time, they most closely resemble the Earth and its life when they turn entirely inward. For at this time, the Earth, too, is cut off from the cosmic expanses; through its mantle of snow and the constricting cold, it lives confined within itself in the vastness of the universe.

[ 4 ] Aber eine gewisse Rolle haben die Weihnachtsgedanken auch in jenen Zeiten schon gespielt, in denen der Mensch hauptsächlich bei gewissen Völkern das Hochsommerfest feierte. Nur hatte in den vorchristlichen Zeiten der Weihnachtsgedanke einen andern Sinn, als er heute hat. Der hohe Sonnengeist gehörte damals noch den kosmischen Weiten an, war noch nicht heruntergestiegen auf die Erde. Die ganze Lage des Menschen in der Tiefwinterszeit, wenn er sich gewissermaßen mit der Erde selber in kosmischer Einsamkeit fühlte, war eine andere als heute. Und wir lernen diese Lage kennen, wenn wir wiederum einen Blick in gewisse Mysterien tun, die namentlich im Süden in sehr alten Zeiten vor dem Mysterium von Golgatha heimisch waren. In der alten Art wurden in solchen Mysterien diejenigen, die es suchen durften, eingeweiht, bekamen die damalige Initiationswissenschaft. Diese Initiationswissenschaft bestand in gewissen alten Zeiten und bei gewissen alten Völkern darin, daß die Einzuweihenden in der Welt lesen lernten, was nicht tote Buchstaben geben, die auf dem Papiere stehen, sondern was die Wesen der Welt selber geben. Wer die Geheimnisse des Kosmos durchschaut, weiß, daß dasjenige, was auf der Erde wächst und gedeiht, durchaus Bild ist dessen, was von den Sternen aus den kosmischen Weltenweiten herunterleuchtet.

[ 4 ] But Christmas traditions already played a certain role even in those times when people—particularly among certain peoples—celebrated the midsummer festival. However, in pre-Christian times, the concept of Christmas had a different meaning than it does today. At that time, the High Sun Spirit still belonged to the cosmic expanses and had not yet descended to Earth. Humanity’s entire situation during the depths of winter—when, in a sense, people felt themselves to be in cosmic solitude with the Earth itself—was different from what it is today. And we come to understand this situation when we once again cast a glance at certain mysteries that were native, particularly in the South, in very ancient times before the Mystery of Golgotha. In the ancient tradition, those who were permitted to seek it were initiated into such mysteries and received the initiatory knowledge of that time. In certain ancient times and among certain ancient peoples, this initiatory knowledge consisted in the initiates learning to read in the world—not what dead letters on paper convey, but what the beings of the world themselves reveal. Anyone who penetrates the mysteries of the cosmos knows that what grows and flourishes on Earth is indeed an image of what shines down from the stars across the vastness of the cosmos.

[ 5 ] Wer das kosmische Lesen lernt, wie man heute das weit einfachere Lesen durch tote Buchstaben lernt, weiß, daß er in jeglicher Pflanze ein Zeichen zu schauen hat, das ihm irgend etwas von den Geheimnissen des Weltenalls enthüllt, und daß, wenn er den Blick zum Beispiel über die Pflanzenwelt oder auch über die vielfältige Tierwelt schweifen läßt, dieses Schweifen des Blickes ein Lesen ist. Und in solcher Art lasen die alten Eingeweihten gewisser Mysterien ihren Schülern vor. Sie lasen ihnen aber so vor, daß sie nicht aus einem Buche lasen, sondern daß sie ihnen mitteilten, was sie unter der Inspiration des sogenannten Jahr-Gottes über die Geheimnisse des Jahreslaufes und seine Bedeutung für das menschliche Leben erfuhren. Eine uralte Weisheit hat das, was sich auf den Menschen bezieht, in dieser Weise im Weltengeschehen und in den Weltenwesen gelesen. Es empfanden da die alten Weisen, indem sie solches ihren Schülern vorlasen, die Inspiration solcher göttlich-geistigen Wesenheiten wie etwa des Jahr-Gottes.

[ 5 ] Anyone who learns cosmic reading—just as people today learn the far simpler art of reading dead letters—knows that in every plant there is a sign to be seen that reveals something of the mysteries of the universe, and that when one lets one’s gaze wander, for example, over the plant world or even over the diverse animal world, this wandering of the gaze is a form of reading. And in this way, the ancient initiates of certain mysteries read to their students. However, they did not read from a book; rather, they imparted to them what they had learned—under the inspiration of the so-called “God of the Year”—about the mysteries of the annual cycle and its significance for human life. An ancient wisdom has interpreted what pertains to human beings in this way within the events of the world and among the beings of the world. As the ancient sages read such things to their students, they perceived the inspiration of such divine-spiritual beings as, for example, the Year God.

[ 6 ] Was war dieser Jahr-Gott, der innerhalb der Hierarchien stand und etwa zu der Rangordnung der Urkräfte gehörte? Er war ein Wesen, zu dem sich gewisse Besitzer der Initiationswissenschaft erhoben und in dieser Erhebung von ihm die Kraft und das innerliche Licht erhielten, um ein anderes aus den im Frühling aufsprossenden Pflanzen zu lesen, ein anderes beim Heranreifen der Sommerfrüchte zu lesen, ein anderes zu lesen, wenn rot werden die Blätter im Herbste, wenn die Früchte reifen, ein anderes auch zu lesen, wenn die Bäume erglitzern in den Schneeflocken und die Erde mit ihrem Gestein bedeckt ist von der Schneehülle. Ein Jahr lang dauerte dieses Lesen, das da ging durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und in diesen; Lesen enthüllten sich zwischen den Lehrern und den Schülern die Geheimnisse des Menschen selber. Dann fing der Kreislauf von neuem an.

[ 6 ] Who was this God of the Year, who stood within the hierarchies and belonged, so to speak, to the order of the primordial forces? He was a being to whom certain masters of the science of initiation ascended, and in this ascent they received from him the power and the inner light to read one from the plants sprouting in spring, to read another as the summer fruits ripened, to read another when the leaves turn red in autumn as the fruits ripen, and to read yet another when the trees glisten in the snowflakes and the earth, with its rocks, is covered by a blanket of snow. This reading lasted a whole year, spanning spring, summer, fall, and winter. And in the course of this reading, the mysteries of humanity itself were revealed between the teachers and the students. Then the cycle began anew.

[ 7 ] Wenn wir uns heute in annähernder Weise eine Vorstellung bilden wollen von dem, was unter der Inspiration des Jahr-Gottes alte Inspirierte und Initiierte ihre Schüler lehrten, so können wir etwa das Folgende sagen: Sie wiesen die Schüler zunächst hin auf dasjenige, was im Frühling, wenn der Schnee abgelaufen ist und die Sonne neue Kraft gewinnt, sich offenbart, indem die ersten Sprossen der Pflanzen aus der wiedererstandenen Erdenkraft herauskommen. Sie machten ihre Schüler darauf aufmerksam, wie anders die Pflanze von dem Geheimnisse des Weltenalls spricht, welche auf der Wiese gedeiht, wie anders diejenige, die im Schatten der Waldbäume wächst. Sie machten ihre Schüler darauf aufmerksam, wie in der einen und in der andern Pflanze die heraufkommende Sonnenwärmeund das heraufkommende Sonnenlicht in den zackigen und den runden Blättern anders aus den Weltenweiten zu den Menschen herein auf dem Erdenrunde spricht. Und was in dieser Weise unter dem Einflusse des Jahr-Gottes durch jene Buchstaben, welche die Erde selbst aus sich heraussprossen läßt, geoffenbart werden konnte, das enthüllte in der damaligen Weise der Mysterienlehrer den Schülern als die Geheimnisse des physischen Menschenleibes.

[ 7 ] If we wish to form a rough idea today of what the ancient inspired ones and initiates taught their students under the inspiration of the Year-God, we might say something like the following: They first drew their students’ attention to what is revealed in spring, when the snow has melted and the sun regains its strength, as the first shoots of plants emerge from the reawakened power of the earth. They drew their students’ attention to how differently the plant that thrives in the meadow speaks of the mystery of the universe compared to the one that grows in the shade of the forest trees. They drew their students’ attention to how, in one plant and in the other, the rising warmth and light of the sun speak to humanity from the vastness of the cosmos in different ways through the jagged and round leaves on the surface of the Earth. And whatever could be revealed in this way under the influence of the God of the Year through those letters that the Earth itself brings forth from within—this the Mystery Teacher unveiled to the students, in the manner of that time, as the mysteries of the physical human body.

[ 8 ] So war es, daß diese Lehrer hindeuteten auf das physische Hervorbringen der Erde, auf die in die Pflanze hineinsprießende Erdenkraft, an jedem einzelnen Orte des Erdenwachstums, auf den die Schüler hingewiesen wurden, stand ein anderer Buchstabe. Die Buchstaben, die lebendige Pflanzenwesen waren, oder auch lebendige Tierformen hatten, formten sich zusammen, wie wir heute die einzelnen Buchstaben in einem Satze zu Worten zusammenformen, sie wurden gesetzt. Man lebte, indem man den Frühling mitlebte, im Lesen der Natur. Darin bestanden die Einweihungen des Jahr-Gottes. Und man hatte, wenn der Frühling zu Ende gegangen war, etwa im Mai, den Rindruck, jetzt verstehe man, wie der menschliche physische Leib aus dem Schoße des Weltenalls heraus gestaltet, geformt ist.

[ 8 ] Thus, these teachers pointed to the physical formation of the earth, to the earth’s power sprouting within the plant; at every single location of growth on earth to which the students were directed, there stood a different letter. The letters—which were living plant beings or took the form of living animals—came together, just as we today combine individual letters in a sentence to form words; they were set. People lived by experiencing spring firsthand, by reading nature. This was the essence of the initiations of the God of the Year. And when spring had come to an end, around May, one had the impression that one now understood how the human physical body is shaped and formed from the womb of the universe.

[ 9 ] Dann kam die Sommerszeit. Es wurden dieselben Buchstaben und Worte des großen Weltenlogos in Anspruch genommen, aber es wurde gezeigt, wie unter den anders einfallenden Sonnenstrahlen, dem anders wirkenden Sonnenlicht, der anders wirkenden Sonnenwärme die Buchstaben ihre Formen veränderten, wie die ersten Sprossen, die von dem Geheimnisse des physischen Menschenleibes erzählt haben, sich der Sonne öffnen in den Blüten. Es wurden die vielfarbigen Blüten gelesen, in deren jeder der Sonnenstrahl die aus der Erde sprossenden Pflanzenkräfte in Liebe küßt. Und es wurde aus dem wunderbaren, feinen und zarten Weben der kosmischen Kräfte über den Erdkräften der blühenden Pflanzen jenes Hinausstreben der Erde in die kosmischen Weiten gelesen. Man lebte mit der Erde, die sich öffnete den kosmischen Weiten, den Sternenweiten, man lebte mit dieser Erde selber in den Unendlichkeiten.

[ 9 ] Then summer arrived. The same letters and words of the great World Logos were used, but it was shown how, under the differently falling rays of the sun, the differently acting sunlight, and the differently acting solar warmth, the letters changed their forms—just as the first shoots, which spoke of the mysteries of the physical human body, open themselves to the sun in blossoms. The multicolored blossoms were interpreted, in each of which the sunbeam lovingly kisses the plant forces sprouting from the earth. And from the wondrous, subtle, and delicate interweaving of the cosmic forces over the earthly forces of the blooming plants, that striving of the earth out into the cosmic expanses was discerned. People lived in harmony with the Earth as it opened itself to the cosmic expanses, to the vastness of the stars; they lived with this Earth itself in the infinities.

[ 10 ] Was aber diese Unendlichkeiten bargen, das enthüllte sich, wenn man auf die blühenden Buchstaben der Pflanzen hinschaute. Da las man aus diesen blühenden Buchstaben der Pflanzen, wie sich der Mensch verhalten hat, als er aus den geistigen Welten zum physischen Erdendasein heruntergestiegen ist, wie er aus allen Himmelsrichtungen die ätherische Substanz zusammengezogen hat, um seinen eigenen Ätherleib zu formen. Und die Geheimnisse dieses Ätherleibes las man auf diese Weise ab aus dem, was sich im Ätherleben wieder später zwischen der Erde und dem Weltenall im Weltenlogos ereignet, der seine Zeichen auf die Erdoberfläche selber hinmalt, indem er die Pflanzen blühen läßt, indem er den Tieren gewisse Lebensarten während der Hochsommerszeit verleiht.

[ 10 ] But what these infinities held was revealed when one looked at the flowering letters of the plants. From these flowering letters of the plants, one could read how humankind behaved when it descended from the spiritual worlds into physical life on Earth, and how it drew together the etheric substance from all directions to form its own etheric body. And in this way, one could read the mysteries of this etheric body from what later occurs in the etheric realm between the Earth and the universe within the World Logos, which paints its own signs upon the Earth’s surface by causing the plants to bloom and by endowing the animals with certain modes of life during the height of summer.

[ 11 ] Beim Herannahen des Herbstes sah man, wie wiederum diese Buchstaben des Weltenlogos sich veränderten, wie die Sonne zurückzieht ihre Wärme und ihre Lichtkraft, wie die Pflanzen ihre Zuflucht nehmen zu dem, was während des Hochsommers die Sonne selber der Erde mitgeteilt hat, wie sie gewissermaßen das blühende, sprossende Leben, das sie während der Hochsommerszeit bekommen haben, aushauchen, dafür aber in ihrem Schoße die reifenden Früchte entwikkeln, welche das Pflanzenleben wiederum zu sich selbst zurückführen, indem es die Samenkräfte in sich birgt. Wiederum enträtselte man dasjenige, was der Weltenlogos auf die Oberfläche der Erde selbst in den reifenden Pflanzen hingeschrieben hat, wiederum enthüllte und enträtselte man, was die Formen des tierischen Lebens im Herbste enthüllen können. Man las die intimsten Geheimnisse des Weltenalls aus dem Zuge der Vögel. Man las diese intimsten Geheimnisse des Weltenalls aus der Art und Weise, wie sich die kleinere Tierwelt, wenn der Herbst herannaht, verändert. In der Insektenwelt las man. Man las in dem Zufluchtsuchen der Insektenwelt bei der Erde, in der Veränderung der Form der Insektenwelt, das Sich-Zusammennehmen der ganzen Erde gegenüber dem toten Schweigen. Man las dasjenige, was man empfand als ein Auf-sich-selbst-Besinnen der Erde im Kosmos.

[ 11 ] As autumn approached, one could see how these letters of the World Logos changed once again, how the sun withdraws its warmth and its light, how the plants take refuge in what the sun itself had imparted to the earth during the height of summer, how they, so to speak, exhale the blossoming, sprouting life they had received during the height of summer, but in return develop within their bosom the ripening fruits, which in turn lead plant life back to itself by harboring the seed forces within. Once again, people deciphered what the World Logos had inscribed on the surface of the Earth itself in the ripening plants; once again, they revealed and deciphered what the forms of animal life can reveal in the fall. One read the innermost secrets of the universe from the flight of the birds. One read these innermost secrets of the universe from the way in which the smaller animal world changes as autumn approaches. One read in the insect world. One read in the insects’ search for refuge near the earth, in the change in the form of the insect world, the whole earth drawing in on itself in the face of the dead silence. One read what one perceived as the earth’s turning inward upon itself within the cosmos.

[ 12 ] Man machte sich dies ganz besonders auch durch gewisse Festlichkeiten klar, welche in der zweiten Hälfte des Septembers gefeiert wurden und welche in bäuerlichen Gegenden noch ihre alten Reste im Michaeli-Fest zurückgelassen haben. Man erinnerte sich durch diese Feste daran, wie man dann, wenn man gewissermaßen als Mensch von allem verlassen ist, was die Menschen in der Erde als Wege in die kosmischen Weiten hinaus finden, wie man sich anschließen muß an etwas, was nicht an das äußere physische und ätherische Geschehen gebunden ist, wie man sich mit seiner Seele an den geistigen Inhalt des Kosmos anlehnen muß. Und noch in dem verblaßten MichaeliFest am Ende des Septembers ist jenes Zufluchtnehmen der Menschheit zu dem Geist der Hierarchien erhalten, der die Menschheit auf geistige Art führen soll, wenn die äußere Führung durch die Sterne und durch die Sonne an Kraft nachgelassen hat.

[ 12 ] This was made particularly clear through certain festivities celebrated in the second half of September, remnants of which can still be found in rural areas in the form of the Michaelmas festival. Through these festivals, people were reminded that when, as human beings, they are, so to speak, abandoned by everything that people on Earth use as paths leading out into the cosmic expanses, they must connect with something that is not bound to external physical and etheric events, and must turn their souls toward the spiritual content of the cosmos. And even in the faded Michaelmas festival at the end of September, that turning of humanity toward the Spirit of the Hierarchies—which is meant to guide humanity in a spiritual way when the outer guidance provided by the stars and the sun has waned in strength—is preserved.

[ 13 ] In alledem, was man da las — ein Lesen, welches sich zu gleicher Zeit in ein Sinnen umwandelte —, durch alles, was man da sann, durchdrang man sich mit den Geheimnissen des menschlichen astralischen Leibes. Und es war in der Herbsteszeit, wo die Inspirierten und Initiierten des Jahr-Gottes aus dem Wesen der Natur heraus lasen und mit ihm zusammen die Geheimnisse des menschlichen astralischen Leibes ersannen. Und in dieser Herbsteszeit war es, wo die Eingeweihten zu ihren Schülern sprachen: Haltet euch an jenes Wesen, das vor dem Antlitz der Sonne steht — an das der Name Michael noch erinnert —, gedenket dieses Wesens, das vor dem Antlitz der Sonne steht. Ihr werdet die Kraft brauchen, wenn ihr durchzugehen habt durch alles das, was ihr in eurem astralischen Wesen zurückbehaltet vom irdischen Dasein, wenn ihr durch die Pforte des Todes eingegangen sein werdet in die übersinnlichen Welten.

[ 13 ] Through everything one read there—a reading that simultaneously transformed into contemplation—and through everything one contemplated there, one became imbued with the mysteries of the human astral body. And it was in the autumn season that the inspired ones and the initiates of the Year-God read from the very essence of nature and, together with it, contemplated the mysteries of the human astral body. And it was in this autumn season that the Initiates spoke to their disciples: Hold fast to that Being who stands before the face of the Sun—whose name Michael still recalls—remember this Being who stands before the face of the Sun. You will need this strength when you must pass through all that you retain in your astral being from your earthly existence, when you have passed through the gate of death into the supersensible worlds.

[ 14 ] Geheimnisse des menschlichen astralischen Leibes wurden herausgeholt aus dem, was als der Logos sich in dem reifenden, aber auch in dem dorrenden Pflanzenwesen offenbarte, in den in die Erde sich verkriechenden Insekten und so weiter. Ja, der Mensch wußte schon, daß er angewiesen war, wenn er für diesen Teil seines Wesens die rechte Menschlichkeit suchen wollte, auf das Hinblicken zur geistigen Welt. Daher richtete man den Seelenblick der zu Initiierenden auf ein solches Wesen, das wir im Namen Michael festhalten können.

[ 14 ] The mysteries of the human astral body were drawn from what manifested as the Logos in the maturing—but also in the withering—plant kingdom, in the insects burrowing into the earth, and so on. Indeed, human beings already knew that if they wished to find true humanity for this part of their being, they had to turn their gaze toward the spiritual world. Therefore, the soul’s gaze of those to be initiated was directed toward a being whom we may designate by the name Michael.

[ 15 ] Dann aber kam die Zeit, deren Mitte unsere jetzige Weihnachtszeit ist. Es kam die Zeit, in welcher die Initiierten und Inspirierten des Jahr-Gottes ihre Schüler auf das Eigentümliche hinwiesen, was sich enthüllt, wenn das Wasser in den künstlerisch gestalteten Schneeflocken die Erde bedeckt. Da wurde das Lesen, das schon im Herbste zum Sinnen geworden war, zu einem inneren Leben, da wurde das Beobachten der Seele, das in früheren Jahreszeiten parallel gegangen war der äußeren physischen Arbeit, innere geistige Arbeit. Mystik, mystische Vertiefung wurde das Lesen. Der Mensch wußte, daß er sich nur dann in seinem tiefsten Wesen, in seinem Ich-Wesen begreifen kann, wenn er sich über dieses Ich-Wesen sagen läßt, was der Weltenlogos hineingeheimnißt in alles, was mit der Natur vor sich geht, wenn die Schneedecke die Erde zuhüllt und Kälte das Leben zusammenzieht im Umkreise der Erde. Die Initiierten und Inspirierten des JahrGottes sollten seine Schrift kennenlernen aus dieser Schrift der Jahreszeit des Winters heraus. Ihr Blick wurde geschärft, damit er dem Samenkorn nachfolgen konnte, das in die Erde hineingesenkt wurde, damit er den Insektentieren nachfolgen konnte, welche zu überwintern versuchten innerhalb der sich selber zusammenziehenden Erdenkräfte. Aus dem physischen Lichte wurden die Blicke hingeführt in das physische Dunkel.

[ 15 ] But then came the time of which our current Christmas season is the midpoint. It was the time when the Initiates and the Inspired Ones of the Year of God pointed out to their disciples the unique phenomenon that reveals itself when water, in the form of artistically shaped snowflakes, covers the earth. There, reading—which had already become a source of reflection in the fall—became an inner life; there, the soul’s observation, which in earlier seasons had proceeded in parallel with external physical work, became inner spiritual work. Reading became mysticism, a mystical deepening. Human beings knew that they could understand their deepest being—their “I”-being—only when they allowed this “I”-being to be revealed through what the World Logos instills in all that takes place in nature, when the blanket of snow covers the earth and the cold contracts life within the earth’s sphere. The initiates and the inspired ones of the Year of God were to come to know His Scripture through this Scripture of the winter season. Their gaze was sharpened so that they might follow the seed that was sown into the earth, so that they might follow the insects that sought to overwinter within the earth’s forces as they contracted upon themselves. From the physical light, their gaze was led into the physical darkness.

[ 16 ] In gewissen Mysterien war es so, daß den Schülern begreiflich gemacht wurde: Jetzt müßt ihr sehen die Sonne um Mitternacht, die mitternächtige Sonne, jetzt müßt ihr sehen die Sonne durch die Erde hindurch. Dadurch, daß sich euer Seelenauge durchdringt mit der Kraft, die den Pflanzen und dem niederen Getier in die Erde hinein folgt, kann die Erde selber für die innere Seelenkraft durchsichtig werden. — Wenn die Erde ihre Kraft dem Weltenall gegenüber am meisten zusammengenommen hat, dann kann sich der Mensch dazu aufschwingen, durch diese Erde hindurch, weil sie gewissermaßen in sich selber ganz vergeistigt ist, die Sonne als mitternächtige Sonne zu schauen, während er sonst in der Hochsommerszeit die Sonne mit den physischen Sinnen erreicht, wenn er den Blick von der Erde ab ins Weltenall hinauslenkt, ohne durch die Erde hindurchzuschauen.

[ 16 ] In certain mysteries, the students were taught to understand: Now you must see the sun at midnight—the midnight sun—now you must see the sun passing through the earth. By allowing your soul’s eye to be permeated by the force that follows the plants and lower forms of life into the earth, the earth itself can become transparent to the inner power of the soul. — When the Earth has concentrated its power most fully in relation to the universe, then the human being can rise up to see, through this Earth—because it is, so to speak, entirely spiritualized within itself—the sun as the midnight sun, whereas otherwise, in the height of summer, he perceives the sun with his physical senses when he turns his gaze away from the earth and out into the universe without looking through the earth.

[ 17 ] Die Sonne zu schauen in mitternächtiger Stunde, in einer Tiefwinternacht, das war etwas, was die Schüler der Eingeweihten des Jahr-Gottes lernen sollten. Und sie sollten dann jene Geheimnisse, die sie der mitternächtigen Sonne abschauten, denen mitteilen, die zwar gläubige Bekenner der Mysterien waren, die aber nicht selber Eingeweihte der Mysterien, nicht Schüler der Mysterien werden konnten.

[ 17 ] To gaze upon the sun at midnight, on a deep winter’s night—that was something the disciples of the initiates of the God of the Year were to learn. And they were then to share those mysteries they had observed from the midnight sun with those who, though devout adherents of the Mysteries, could not themselves become initiates into the Mysteries or disciples of the Mysteries.

[ 18 ] Und immer mehr wurde es so in jenen alten Zeiten, daß die Eingeweihten, indem sie ihre Schüler auf die Sonne zur tiefen Winterszeit in mitternächtiger Stunde hinwiesen, ihnen in einer gewissen Weise künden mußten, wie der Mensch auf der Erde in seinem Ich sich verlassen fühlt. Ein Schmerzensfest wurde immer mehr und mehr gerade bei denjenigen, die zu den Wissendsten gehörten, das Fest der Tiefwinternacht, ein Schmerzens- und ein Leidensfest, durch das der Mensch kennenlernen sollte, wie er innerhalb des physisch-irdischen Daseins zu seinem Ich den Weg nicht finden kann. Lernen sollte er es dadurch, daß er aus den Zeichen ablas, die in der Tiefwinterszeit der Logos auf die Erde schrieb, wie er mit seinem Ich im Weltenlaufe verlassen ist, denn die Erde ward allein empfunden, und wonach sich das Ich sehnen muß, die Sonnenkraft, sie ward dutch die Erde zugedeckt. Es erschien die Sonne zwar in mitternächtiger Stunde, aber der Mensch fühlte immer weniger Kraft, zu diesem Sonnenwesen in mitternächtiger Stunde zu kommen. Aber zu gleicher Zeit war dieses Aufmerksammachen auf die Verlassenheit des Menschen-Ichs im Kosmos der prophetische Hinweis darauf, wie jenes Sonnenwesen an die Erde herankommen sollte, des Menschen Wesen im Lauf der Menschheitsentwickelung durchdringen sollte, erscheinen sollte, um die kranke Menschheit, die am Weltenall in Einsamkeit krankende Menschheit zu heilen.

[ 18 ] And in those ancient times, it became increasingly common for the initiates, as they directed their disciples’ attention to the sun at the height of winter at the hour of midnight, to have to reveal to them, in a certain way, how human beings on Earth feel dependent on their “I.” The festival of the deep winter night became more and more a festival of pain, especially for those who were among the most knowledgeable—a festival of pain and suffering through which human beings were to learn how, within their physical, earthly existence, they cannot find the path to their “I.” He was to learn this by reading the signs that the Logos inscribed upon the Earth during the depths of winter—signs revealing how forsaken he is with his “I” in the course of the world; for the Earth was perceived as solitary, and that which the “I” must yearn for—the power of the Sun—was veiled by the Earth. The sun did indeed appear at the hour of midnight, but human beings felt less and less strength to reach this solar being at that hour. Yet at the same time, this drawing of attention to the abandonment of the human “I” in the cosmos was the prophetic indication of how that solar being was to approach the Earth, was to permeate the human being in the course of human development, and was to appear in order to heal ailing humanity—humanity that was sick with loneliness in the face of the universe.

[ 19 ] Damit ist aber schon auf jene Tatsache in der Menschheitsentwickelung hingedeutet, wodurch ein altes Winter-Leidens- und Schmerzensfest gerade bei südlicheren Völkern durch das Erscheinen des Christus auf Erden ein inneres seelisches Freudenfest wurde. Und was sich da geoffenbart hat, indem das Sonnenwesen aus Weltenweiten in das irdische Dasein heruntergestiegen ist, das zeigen die entsprechenden Verkünder dieses Ereignisses noch in den Symbolen an, indem sie darauf hinweisen, daß allen Menschen auf Erden die Botschaft davon erklang, wie sich das alte Schmerzens- und Leidenstest in ein Freudenfest verwandelt hat. In dem tiefen Inneren der Hirtenherzen, durch das den Hirten die Träume gewoben wurden, erklang das Wort:

[ 19 ] This already points to that fact in human evolution whereby an ancient winter festival of suffering and pain—particularly among the peoples of the south—was transformed into an inner, spiritual festival of joy through the appearance of Christ on Earth. And what was revealed there—when the Sun Being descended from the vastness of the worlds into earthly existence—is still indicated by the heralds of this event through their symbols, as they point out that the message of how the ancient festival of pain and suffering was transformed into a festival of joy resounded to all people on Earth. In the depths of the shepherds’ hearts, through which their dreams were woven, the word resounded:

Es offenbaret sich das Göttliche
In den Höhen der Weltenweiten,
Und Friede wird ersprießen auf der Erde
Den Menschen, die eines guten Willens sind.

The Divine is revealed
In the heights of the vastness of the worlds,
And peace will spring forth on Earth
For people of good will.

[ 20 ] So im Inneren des einfachen Hirtenherzens. — Und auf dem andern Pol der Menschheit, da, wo die bis zur eindringlichsten Magie Geteiften waren, konnte aus den Erbstücken der alten Sternenweisheit die Botschaft von diesem Eindringen des Weltengeistes in den Erdenstoff kommen.

[ 20 ] Such is the inner life of the simple shepherd’s heart. — And at the other pole of humanity, where those who had been initiated into the most profound magic resided, the message of this penetration of the World Spirit into earthly matter could emerge from the heirlooms of the ancient wisdom of the stars.

[ 21 ] Heute, wenn wir von dem Weihnachtsmysterium sprechen, müssen wir das, was wir dabei empfinden, auf dem Hintergrunde jenes alten Leidens- und Schmerzensfestes finden, müssen gedenken, wie innerhalb der Menschheitsentwickelung in diese Entwickelung die Kraft eingetreten ist, durch die der Mensch sich dem entringen kann, was ihn durch die Schwere an die Erde selber fesselt. Wir müssen den Weihnachtsgedanken so gestalten können, daß wir uns sagen: Ja, wahr sind noch immer die Inspirationen des Jahr-Gottes, die er den alten Eingeweihten enthüllte, daß die Erde zu ihrer Selbstbesinnung sich aus dem Weltenall auf sich zurückzieht während der tiefen Winterszeit, daß der Mensch noch immer verstehen kann, wie zusammenhängt mit diesem Jahrgeheimnis das Geheimnis des menschlichen Ichs. Aber aus der menschlichen Einsicht, aus der einsichtsvollen Menschenempfindung, aus der einsichtsvollen menschlichen Herzensweisheit heraus kann sich der Mensch mit den Bildern des in das Erdenmenschenleben einziehenden Christus Jesus umgeben, kann der Mensch den tiefen Gedanken der Weihenacht empfinden lernen. Aber er wird ihn nur in der richtigen Weise empfinden, wenn er auch wirklich den Willen hat, den sich offenbarenden Christus durch alle Zeiten zu verfolgen.

[ 21 ] Today, when we speak of the Christmas mystery, we must find what we feel in it against the backdrop of that ancient festival of suffering and sorrow; we must remember how, within the course of human evolution, a force entered into this development through which human beings can free themselves from what binds them to the earth itself through its heaviness. We must be able to shape the Christmas idea in such a way that we can say to ourselves: Yes, the inspirations of the God of the Year—which He revealed to the ancient initiates—are still true: that the Earth withdraws from the cosmos into itself during the deep winter season to reflect on itself, and that human beings can still understand how the mystery of the human “I” is connected to this mystery of the year. But out of human insight, out of perceptive human feeling, out of the perceptive wisdom of the human heart, a person can surround themselves with the images of Christ Jesus entering into earthly human life; a person can learn to feel the profound meaning of Christmas Eve. But they will only perceive it in the right way if they also truly have the will to follow the revealing Christ through all ages.

[ 22 ] Den alten Eingeweihten der alten Initiationswissenschaft war die Aufgabe, aus dem Kreislauf des Jahres die Geheimnisse der Menschennatur zu enthüllen. Wir müssen verstehen, was das Jahr enthüllt, wir müssen aber auch hineinschauen können in das Innere der Menschennatur. Und wenn man richtig hineinschaut in das Innere der Menschennatur — das zeigt uns anthroposophische Geisteswissenschaft —, dann enthüllen uns die Buchstaben, die in Herz und Lunge, in Hirn und in alle Teile des menschlichen Organismus eingeschrieben sind, die Geheimnisse des Weltenalls, so wie diese Geheimnisse des Weltenalls durch die Zeichen des Logos sich enthüllt hatten den Inspirierten des Jahr-Gottes in den sprießenden Pflanzen, in den geformten Tieren, in dem, was diese geformten Tiere auf dem Erdenrunde erleben. Wir müssen lernen in den Menschen hineinschauen. Das Innere des Menschen selber muß uns Schrift werden. Dann lesen wir aus diesem Inneren des Menschen die Menschheitsentwickelung selber. Dann aber müssen wir uns dem Sinn dieser Menschheitsentwickelung hingeben, dann müssen wir durch eine Innenschau uns mit dem verbinden, was als geistige Kräfte durch die Menschheitsentwickelung hin weben und wallen will. Dann müssen wir, weil diese Menschheitsentwickelung im stetigen Fortschritte ist, das Mysterium von Golgatha, das Mysterium der Weihenacht in jedem Zeitalter neu erleben. Dann müssen wir voll erleben, daß derjenige Geist, der sich ausgesucht hat jenen Organismus, der in der Weihenacht zu Bethlehem geboren ist, daß der gesprochen hat: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten.» Dann müssen wir auch ein geistiges Ohr bekommen für die fortdauernde Offenbarung dieses Logos durch das Menschenwesen selber. Hinhorchen auf die Inspirationen dieses Menschheitsgottes, der der Christus selber ist, muß die Menschheit lernen, wie sie einmal gelernt hatte, hinzuhorchen auf die Inspirationen des Jahr-Gottes.

[ 22 ] The task of the ancient initiates of the ancient science of initiation was to reveal the mysteries of human nature through the cycle of the year. We must understand what the year reveals, but we must also be able to look into the innermost depths of human nature. And when we look deeply into the innermost depths of human nature—as anthroposophical spiritual science shows us— then the letters inscribed in the heart and lungs, in the brain, and in all parts of the human organism reveal to us the mysteries of the universe, just as these mysteries of the universe had revealed themselves through the signs of the Logos to the inspired ones of the God of the Year in the sprouting plants, in the formed animals, and in what these formed animals experience on the Earth. We must learn to look into the human being. The inner being of the human being itself must become a scripture for us. Then we will read the very development of humanity from this inner being of the human being. But then we must surrender ourselves to the meaning of this development of humanity; then, through inner contemplation, we must connect with what, as spiritual forces, seeks to weave and surge through the development of humanity. Then, because this human development is in constant progress, we must experience anew in every age the Mystery of Golgotha, the Mystery of the Night of the Nativity. Then we must fully experience that the Spirit who chose that organism born on the Night of the Nativity in Bethlehem is the one who said: “I am with you always, even to the end of the age.” Then we must also develop a spiritual ear for the ongoing revelation of this Logos through the human being itself. Humanity must learn to listen to the inspirations of this God of humanity—who is Christ himself—just as it once learned to listen to the inspirations of the God of the Year.

[ 23 ] Dann wird die Menschheit nicht dabei stehenbleiben, nur zurückzuschauen auf das, was biblisch überliefert ist über den geistigen Erdenwandel des Christus Jesus, sondern dann wird die Menschheit ein Verständnis, eine Einsicht dafür haben, daß der Christus seit jener Zeit sich mit dem Menschen im Erdenleben verbunden hat und daß er, wenn der Mensch nur hinhorchen will, sich immer offenbart. Dann kann die Menschheit in unserer Zeit ein Verständnis und eine Einsicht dafür gewinnen, daß so, wie einstmals das Weihnachtsfest im Jahreslaufe folgte auf das Michael-Fest des Herbstes, daß auch auf die Michael-Offenbarung, die eingetreten ist in einer Herbsteszeit im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, folgen soll ein Weihefest, ein Weihnachtsfest, durch das wiederum Verständnis für eine Geistgeburt erworben werden soll, für die Geistgeburt, welche die Menschheit braucht, um ihren Erdenweg weiterzuwandeln, damit die Erde einstmals vergeistigt die Umwandelung in künftige Formen finden könne. Jetzt leben wir in einer Zeit, wo gewissermaßen nicht bloß Jahresherbst-, Jahres-Michael-Fest da ist und Jahresweihnachts-Fest da sein soll, jetzt leben wir in einer Zeit, wo wir die Michael-Offenbarung vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts tief in unserer Seele aus dem eigenen Menschenwesen heraus verstehen sollen, und wo wir den Weg zu dem wahren Weihnachtsfeste suchen sollen, nämlich zu der Durchdringung mit dem zu erkennenden Geiste.

[ 23 ] Then humanity will not merely look back on what has been handed down in the Bible regarding the spiritual earthly life of Christ Jesus; rather, humanity will gain an understanding and insight into the fact that Christ has been connected with human beings in their earthly lives ever since that time, and that—if people are only willing to listen—He always reveals Himself. Then humanity in our time can gain an understanding and insight into the fact that, just as Christmas once followed the Feast of St. Michael in the fall within the cycle of the year, so too the Revelation of St. Michael—which occurred in the fall during the last third of the 19th century—is to be followed by a festival of consecration, a Christmas celebration through which an understanding of a spiritual birth is to be gained—the spiritual birth that humanity needs in order to continue its earthly journey, so that the Earth, once spiritualized, may find its transformation into future forms. We now live in a time when, in a sense, it is not merely a matter of the annual autumn festival, the annual Michaelmas festival, and the annual Christmas festival; we now live in a time when we are to understand the Michael Revelation of the last third of the 19th century deeply within our souls, from within our own human being, and when we are to seek the path to the true Christmas festival—namely, to the permeation with the Spirit to be recognized.

[ 24 ] Dann werden wir die Worte verstehen, die in dem Evangelium angeführt sind: «Ich hätte euch noch vieles zu sagen, allein ihr könnet es jetzt noch nicht tragen.» Die Menschheit ist dazu veranlagt, immer mehr und mehr zu ertragen von dem, was der Christus ihr zu sagen hat. Die Menschheit ist nicht dazu veranlagt, immer nur auf diejenigen hinzuhorchen, welche den Fortschritt hindern wollen, und die hinweisen auf das, was einmal mit trockenen Buchstaben niedergeschrieben ist über das Mysterium von Golgatha, die nicht wollen, daß die Kraft dieses Mysteriums von Golgatha in lebendiger Art durch alle Zeitenläufe sich dem Menschen offenbart. Heute ist auch nicht die Zeit, wo noch hinzuhorchen ist auf diejenigen, die bloß stehenbleiben wollen bei der Weltenfrühlingszeit, die die äußere physische Natur im hellsten Glanze zeigt, aber das Geistige nicht zeigen kann. Heute ist die Zeit, wo wir von dem Michael-Fest zu dem Tiefwinterfeste, das aber einen Sonnenaufgang des Geistes enthalten soll, den Weg hinfinden sollen. Wir würden diesen Weg nie finden, wenn wir im Menschen-Erdenwerden selber uns der Illusion hingäben, daß es im äußeren Leben, in der äußeren Erdenzivilisation, in der äußeren Erdenkultur heute Licht gibt, sondern nur, wenn wir uns der Wahrheit hingeben, daß es da Finsternis gibt, daß aber in dieser Finsternis jenes Licht gesucht werden muß, das der Christus durch den Jesus in die Welt bringen wollte.

[ 24 ] Then we will understand the words recorded in the Gospel: “I have much more to say to you, but you cannot bear it now.” Humanity is capable of bearing more and more of what Christ has to say to it. Humanity is not predisposed to listen only to those who seek to hinder progress and who point to what was once written in dry, literal terms about the Mystery of Golgotha—those who do not want the power of this Mystery of Golgotha to be revealed to humanity in a living way throughout the course of time. Nor is today the time to listen to those who wish merely to remain in the world’s springtime—a time when outer physical nature shines in its brightest splendor but cannot reveal the spiritual. Today is the time when we must find our way from the Feast of Michael to the feast of midwinter, which is to contain a sunrise of the spirit. We would never find this path if, in the course of human evolution on Earth, we were to succumb to the illusion that there is light today in outer life, in outer earthly civilization, and in outer earthly culture; rather, we can find it only if we surrender to the truth that there is darkness there, but that within this darkness we must seek the light that Christ sought to bring into the world through Jesus.

[ 25 ] Man folge so mit derselben Andacht, mit der die Hirten, mit der die Magier aus dem Morgenlande einstmals den Weg zur Krippe in der Weihnachtsnacht gesucht haben, man folge so den Spuren, die jetzt in noch verschwommenen Buchstaben, die aber dazu bestimmt sind, immer deutlicher zu werden, aus dem Menschenwesen selber herausgelesen werden können, und man wird das Christus-Geheimnis der Weihenacht wiederum feiern dürfen. Man wird es aber nur feiern dürfen, wenn man in der Finsternis das Licht suchen will.

[ 25 ] Let us follow with the same devotion with which the shepherds and the Magi from the East once sought the way to the manger on Christmas night; let us follow the traces that can now be read from human nature itself—in letters that are still faint but are destined to become ever clearer—and we will once again be able to celebrate the mystery of Christ on Christmas Eve. But one will be allowed to celebrate it only if one is willing to seek the light in the darkness.

[ 26 ] Heute nennt man vielfach Wissenschaft nicht dasjenige, was die Welt erklärt — «erklären» kommt von der Klarheit des Lichtes —, heute nennt man vielfach Wissenschaft, was nicht erklärt, sondern was erdunkelt, erfinstert. Die Finsternisse müssen das Licht begreifen. Man versuche, in dieser Art aus einer Finsternis, die wirklich vorhanden ist, mit innigster Gemütsstimmung, mit stärkster Willenskraft das Licht des Geistes zu finden, dann wird es leuchten, wie geleuchtet haben die Jesu Geburt verkündenden Sterne den Hirten, den Magiern in der großen Weihenacht.

[ 26 ] Today, science is often not understood as that which explains the world—“to explain” comes from the clarity of light—but rather, science is often understood as that which does not explain, but rather obscures and darkens. The darknesses must grasp the light. Let one try, in this way, to find the light of the spirit from a darkness that truly exists—with the deepest inner feeling and the strongest willpower—and then it will shine, just as the stars announcing the birth of Jesus shone for the shepherds and the Magi on that great holy night.

[ 27 ] In das geschichtliche Werden der Menschheit müssen wir den Weihnachtsgedanken hineinstellen lernen. Warten müssen wir nicht etwa auf einen neuen Messias, auf einen neuen Christus, sondern auf dasjenige, was der Menschheit durch die im Laufe der letzten Jahrhunderte tief in das Finstere des Materiellen hineinführende Natur geoffenbart worden ist, was dieser Menschheit geoffenbart werden kann durch den wirklich lebendig verstandenen, lebendig fortwesenden Christus Jesus. So müssen wir den Weihnachtsgedanken nicht verfestigen in einem einmal konventionell im Jahre zu begehenden Feste, so müssen wir ihn flüssig machen, daß er uns leuchte, wie geleuchtet hat der Stern zu Bethlehem.

[ 27 ] We must learn to place the spirit of Christmas within the historical development of humanity. We need not wait for a new Messiah, for a new Christ, but rather for that which has been revealed to humanity through nature—which, over the course of the last few centuries, has led us deep into the darkness of the material world—and for that which can be revealed to humanity through Christ Jesus, truly understood as living and ever-present. Thus, we must not fix the Christmas spirit in a conventional annual celebration; rather, we must make it fluid so that it may shine upon us, just as the Star of Bethlehem shone.

[ 28 ] Von diesem Lichte, von diesem leuchtenden Sterne wollte ich Ihnen am heutigen Weihnachtsabend sprechen und möchte einiges dazu beigetragen haben, daß Sie mit dem Wollen, das in schwacher Weise, aber ernsthaftig anthroposophische Geisteswissenschaft durchseelt, daß Sie mit diesem Wollen jenes andere Wollen verbinden, das da besteht in dem Nachfolgen jenem Sterne, der ganz gewiß die Weihnachtsnacht hindurch in wahrer Weise den Menschen leuchtet.

[ 28 ] It is of this light, of this shining star, that I wanted to speak to you on this Christmas Eve, and I hope to have contributed in some small way to your being able to combine—with the will that, though weak, but earnestly, animates anthroposophical spiritual science—that you might combine this will with that other will which consists in following that star, which most certainly shines upon humanity in a true sense throughout the Christmas night.

[ 29 ] In der Stille, im Intimen sich mit diesem Lichte zu durchdringen von heute zu morgen, das ist für die heutige Zeit die tiefste Weihnachtsweihe. Alles andere sollte im Grunde genommen nur äußeres Zeichen sein für dieses Weihnachtsempfinden, das wir von dem heutigen Abend zu dem nächsten Morgen hinübernehmen können. Dann wird uns diese Nacht nicht nur Symbolum sein können, sondern das Symbolum wird sich zum Lebendigen erkraften, und wir werden uns vielleicht darauf besinnen, wie innig wir uns mit dem Geiststreben verbinden sollen, das in die Zukunft hineingeht bei allen rechten Menschen, und das zu gleicher Zeit das wahre Weihnachtsstreben ist: das Streben zu demjenigen Geiste hin, der in dem Leibe sich verkörpern wollte, der zu Bethlehem in der weltgeschichtlichen Weihenacht geboren worden ist.

[ 29 ] To let this light permeate us in silence and intimacy from this evening into tomorrow—that is the deepest Christmas blessing for our time. Everything else should, in essence, be merely an outward sign of this Christmas spirit, which we can carry with us from this evening into the next morning. Then this night will not merely be a symbol to us, but the symbol will take on a living power, and we may reflect on how deeply we should connect with the spiritual striving that extends into the future for all righteous people, and which is at the same time the true Christmas striving: the striving toward that Spirit who wished to incarnate in the body that was born in Bethlehem on that sacred night in world history.