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The Rudolf Steiner Archive

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The Relationship of Man to the Starry World
The Spiritual Communion of Mankind
GA 219

23 December 1922, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Das Mysterium, das dem Weihnachtsfeste zugrunde liegt, kann Veranlassung geben, es mit den Mysterien zu vergleichen, die aus andern Bedingungen der Menschheitsentwickelung hervorgegangen sind. Das Weihnachtsmysterium, wenn es als Mysterium aufgefaßt wird, drückt sich als ein ausgesprochenes Wintermysterium aus. Es ist aus Anschauungen über die geistige Welt hervorgegangen, welche vor allen Dingen auf jene Beziehungen gesehen haben, die sich zwischen dem Menschen und seinem ganzen Erdenschauplatz im Beginn der Winterszeit herstellen.

[ 1 ] The mystery underlying the Christmas festival may prompt us to compare it with the mysteries that have arisen from other stages of human development. The Christmas mystery, when understood as a mystery, manifests itself as a distinct winter mystery. It has emerged from views of the spiritual world that focused above all on the relationships established between human beings and their entire earthly environment at the beginning of winter.

[ 2 ] Wenn wir unseren Blick auf jene Mysterien wenden, welche auf der einen Seite in einem Teil Asiens lange Zeit vor der Begründung des Christentums gefeiert worden sind und mit großartigen Weltengedanken verknüpft waren, wenn wir das Weihnachtsmysterium vergleichen auch mit jenen Mysterien, welche in Mitteleuropa, in Westeuropa, Nordeuropa, auch in der Zeit vor der Begründung des Christentums gefeiert worden sind, dann fällt uns vor allen Dingen das auf, daß diese Mysterien Sommermysterien waren, daß also bei ihnen es darauf abgesehen war, die Vereinigungen ins Auge zu fassen, welche das menschliche Wesen mit dem verknüpfen, was im irdischen Leben während der Sommerszeit vor sich geht. Man versteht dasjenige, um was es sich dabei handelt, nur dann, wenn man den Blick zunächst auf jenen Teil der Menschheitsentwickelung richtet, der dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist.

[ 2 ] When we turn our attention to those mysteries that, on the one hand, were celebrated in parts of Asia long before the establishment of Christianity and were linked to magnificent cosmic concepts, and when we compare the Christmas mystery with those mysteries that were celebrated in Central Europe, in Western Europe, Northern Europe, were also celebrated in the time before the founding of Christianity, then what strikes us above all is that these mysteries were summer mysteries—that is, they were intended to focus on the connections that link the human being to what takes place in earthly life during the summer season. One can understand what this is all about only by first turning one’s gaze to that part of human development that preceded the Mystery of Golgotha.

[ 3 ] Schauen wir einmal zurück in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung, wie wir das des öftern getan haben, so finden wir das, was in den Mysterien gesagt wurde, in eine Menschheit hineingestellt, die noch ein älteres, instinktives Hellsehen hatte, die noch in gewissen Bewußtseinszuständen, die da zwischen dem vollständigen Schlafzustande und dem Wachzustande lagen, man möchte sagen, die in einem realen Traumzustande eine Einsicht in die geistigen Welten hatte, aus denen der Mensch heruntergestiegen ist, um auf Erden seine physische Organisation zu beziehen.

[ 3 ] If we look back to the very early stages of human evolution, as we have often done, we find that what was taught in the mysteries was addressed to a humanity that still possessed an older, instinctive form of clairvoyance—a humanity that, in certain states of consciousness lying between the state of deep sleep and the waking state, one might say, in a state of real dreaming, had insight into the spiritual worlds from which human beings descended to take on their physical form on Earth.

[ 4 ] Es war das eine Zeit, in der eigentlich jeder Mensch so von den geistigen Welten erzählen konnte, so über die geistigen Welten denken konnte, wie heute der Mensch von demjenigen erzählt, was ihm die gewöhnlichen Erkenntnisse, die er in der Schule lernt, sagen. Ich habe es schon öfters angedeutet: was die Menschen jener alten Zeiten als geistig-übersinnlich schauten, das stellte sich ihnen in Bildern dar. Nicht in Traumbildern, die Bilder waren den Traumbildern nur ähnlich. Aber während man bei den Traumbildern ganz genau weiß, sie sind aus Reminiszenzen des Lebens zusammengewoben, sie steigen aus den menschlichen Organisationen auf, bilden nicht, wie die Gedanken, eine Wirklichkeit ab, so wußte man durch jene Imaginationen des alten Hellsehens, daß sie sich zwar nicht auf eine äußere sinnliche Wirklichkeit, auch nicht auf die geschichtliche Wirklichkeit der Menschen beziehen, daß sie sich aber auf eine geistige Welt beziehen, die hinter der sinnlichen verborgen ist. Die geistige Welt war also dem Menschen zunächst in Bildern gegeben.

[ 4 ] It was a time when virtually everyone could speak of the spiritual worlds and think about them in the same way that people today speak of what they learn through ordinary knowledge acquired in school. I have hinted at this many times before: what people in those ancient times perceived as spiritual and supersensible appeared to them in images. Not in dream images—the images were merely similar to dream images. But while we know quite precisely that dream images are woven together from memories of life, that they arise from the human organism, and do not, like thoughts, represent a reality, it was known through those imaginations of ancient clairvoyance that, although they did not refer to an external sensory reality—nor to the historical reality of human beings—they did refer to a spiritual world hidden behind the sensory world. The spiritual world was thus initially given to human beings in images.

[ 5 ] Aber man soll sich nicht vorstellen, daß diese älteren Menschen etwa keine Gedanken gehabt hätten. Sie haben Gedanken gehabt, aber sie erwarben sich ihre Gedanken nicht so, wie heute der Mensch seine Gedanken erwirbt. Will heute der Mensch Gedanken haben, dann muß er sich innerlich für diese Gedanken anstrengen. Er muß sozusagen innerlich diese Gedanken ausgestalten. Bine ähnliche Tätigkeit verrichteten schon diese älteren Menschen gerade für ihre Bilder, die ihnen ein geistiges Dasein abbildeten. Aber wenn sie die Bilder bekamen, bekamen sie die Gedanken mit. Man kann sogar erstaunt sein, höchst erstaunt sein über die großartigen, leuchtenden Gedanken dieser älteren Menschheit. Sie waren nicht ausgedacht, sie waren empfangen als eine Offenbarung. Geradeso wie wir heute Schulen und Hochschulen haben, so hatte man dazumal Mysterien, in denen Wissenschaft, Kunst, Religion eines waren. Man machte keinen Unterschied zwischen Glauben und Wissen. Das Wissen war bildlich geworden, aber dasjenige, was man glaubte, begründete man durchaus auf das Wissen.

[ 5 ] But one should not imagine that these older people had no thoughts at all. They did have thoughts, but they did not acquire them in the same way that people today acquire their thoughts. If a person today wants to have thoughts, they must make an inner effort to bring them about. They must, so to speak, shape these thoughts from within. These ancient people already engaged in a similar activity, specifically with regard to their images, which depicted a spiritual existence for them. But when they received the images, they received the thoughts along with them. One can even be amazed—highly amazed—at the magnificent, luminous thoughts of this ancient humanity. They were not conceived; they were received as a revelation. Just as we have schools and universities today, people in those days had mysteries in which science, art, and religion were one. No distinction was made between faith and knowledge. Knowledge had become pictorial, but what people believed was firmly grounded in that knowledge.

[ 6 ] Man machte auch keinen Unterschied zwischen demjenigen, was man durch die verschiedenen Stoffe als Kunstwerke ausgestaltete, und demjenigen, was man sich als Weisheit erwarb. Heute macht der Mensch den Unterschied, daß er sagt, was er als Weisheit erwirbt, das muß wahr sein. Dasjenige aber, was er seinen Stoffen als Maler, als Bildhauer, als Musiker einverleibt, das ist eben Phantasie. Man möchte sagen: Goethe war der letzte Nachzügler, der nicht diese Anschauung hatte. Denn Goethe betrachtete dasjenige, was er als Künstler seinem Stoffe einverleibte, durchaus ebenso als Wahrheitsgehalt, wie er dasjenige als Wahrheitsgehalt ansah, was ihm wissenschaftlich war. Die eigentliche Philisterei des Unterschiedes zwischen dem Künstlerischen und dem Pedantisch-Wissenschaftlichen, diese eigentliche Philisterei hat erst später begonnen. Und Goethe hat diese Philisterei noch nicht mitgemacht. Goethe konnte noch das große Wort aussprechen, als er den Kunstwerken, die er in Italien gesehen hat, gegenüberstand: Ich habe die Vermutung, daß die Griechen bei der Schöpfung ihrer Kunstwerke nach denselben Gesetzen verfuhren, nach denen die Natur selbst verfährt, und denen ich auf der Spur bin. — Er hatte in Weimar, bevor er nach Italien gegangen war, mit Herder zusammen sorgfältig die Philosophie des Spinoza studiert, hatte versucht, sich in ein Göttlich-Geistiges hineinzuversenken, das alle Wesenheiten der Menschheitsumgebung durchdringt. Er hat aber versucht, dieses Göttlich-Geistige bis in die Einzelheiten zu verfolgen, bis in das Pflanzenblatt und die Pflanzenblüte. Und die Art und Weise, wie er sich in seinen Pflanzen- und Tierstudien die pflanzliche und tierische Gestalt zurechtbildete, war ihm seelenhaft dasselbe, was er seinen Kunstwerken einbilden wollte.

[ 6 ] Nor was any distinction made between what was created as works of art using various materials and what was acquired as wisdom. Today, people make the distinction by saying that what they acquire as wisdom must be true. But what they incorporate into their materials as painters, sculptors, or musicians is simply imagination. One might say: Goethe was the last holdout who did not share this view. For Goethe regarded what he, as an artist, incorporated into his material as containing truth just as much as he regarded what was scientific to him as containing truth. The true philistinism of distinguishing between the artistic and the pedantic-scientific—this true philistinism—did not begin until later. And Goethe had not yet gone along with this philistinism. Goethe was still able to utter those momentous words when he stood before the works of art he had seen in Italy: “I suspect that the Greeks, in creating their works of art, followed the same laws by which nature itself proceeds, and which I am on the trail of.” — Before he went to Italy, he had carefully studied Spinoza’s philosophy together with Herder in Weimar; he had attempted to immerse himself in a divine-spiritual essence that permeates all beings in the human environment. But he sought to trace this divine-spiritual essence down to the finest details—down to the leaf and the flower of a plant. And the way in which he shaped the forms of plants and animals in his botanical and zoological studies was, in essence, the very same thing he sought to imbue his works of art with.

[ 7 ] Heute gilt es als nichtwissenschaftlich, wenn man von einer Wahrheit in der Kunst, in der Wissenschaft und in der Religion spricht. Wie gesagt, jene älteren Bildungsanstalten der Menschheit waren durchaus so, daß Kunst, Wissenschaft, Religion eine vollständige Einheit bildeten. Und diejenigen, die Leiter dieser Mysterien waren, sie waren es vor allen Dingen, welche allmählich anfingen, dasjenige, was sich den andern Menschen in ihrem instinktiven Hellsehen offenbarte, als Gedanken, als besondere Gedanken herauszunehmen und eine Gedankenweisheit zu begründen. Überall sehen wir in den Mysterien Gedankenweisheit aus der hellseherischen Anschauung hervorspringen. Während der größte Teil der Menschheit im Grunde genommen befriedigt war damit, in einer Bildanschauung zu leben und zu weben, während der größte Teil der Menschheit zufrieden und befriedigt war damit, diese Bildanschauung in Mythen, in Legenden, in Sagen, in Märchen ausgestaltet zu bekommen von denen, die fähig waren, solche Sagen, Mythen, Märchen zu bilden, gestalteten die Leiter der Mysterien die Lehre der Menschheit aus: eine Gedankenweisheit. Aber sie waren sich bewußt: diese Gedankenweisheit ist nicht durch die eigenen Kräfte des Menschen erworben, diese Gedankenweisheit ist geoffenbatt.

[ 7 ] Today, it is considered unscientific to speak of a “truth” in art, science, and religion. As I said, those earlier institutions of human education were such that art, science, and religion formed a complete unity. And those who led these mysteries were, above all, the ones who gradually began to extract what was revealed to other people through their instinctive clairvoyance—as thoughts, as specific thoughts—and to establish a wisdom of thought. Everywhere in the mysteries, we see the wisdom of thought springing forth from the clairvoyant perception. While the majority of humanity was, in essence, content to live and weave within a world of imagery, and while the majority of humanity was satisfied to have this imagery elaborated into myths, legends, sagas, and fairy tales by those capable of creating such sagas, myths, and fairy tales, the leaders of the Mysteries developed the teaching for humanity: a wisdom of thought. But they were aware that this wisdom of thought is not acquired through human beings’ own powers; this wisdom of thought has been revealed.

[ 8 ] Man muß sich nur in diese ganz andersartige Seelenverfassung hineindenken. Diese Seelenverfassung ist so, daß man sagen kann, der heutige Mensch schreibt es seiner eigenen Denktätigkeit zu, wenn er einen Gedanken faßt. Und er gestaltet die Gedankenzusammenhänge nach logischen Regeln, die seine Regeln, die Regeln seiner Denktätigkeit sind. Der alte Mensch empfing die Gedanken. Er dachte gar nicht darüber nach, wie die Zusammenhänge zu gestalten seien, denn er empfing diese Gestaltungen als fertige Offenbarungen. Dafür aber lebte dieser ältere Mensch in seinen Gedanken nicht so, wie wir in diesen Gedanken leben. Wir betrachten diese Gedanken als Eigentum unserer Seele. Wir wissen, wir haben sie uns erarbeitet. Sie sind gewissermaßen aus unserem Seelenwesen hervorgegangen, sind aufgestiegen aus uns selbst. Wir betrachten sie als unser Eigentum. Der ältere Mensch konnte seine Gedanken nicht als sein Eigentum betrachten. Sie waren Erleuchtungen, diese Gedanken. Sie waren mit den erleuchteten Bildern gekommen. Sie erzeugten in diesen älteren Menschen den weisheitsvollen Gedanken gegenüber eine ganz bestimmte Stimmung. Der Mensch sagte sich, indem er auf seine Gedanken hinsah: Ein Göttliches aus einer Überwelt hat sich in mich hineingesenkt. Ich nehme teil an den Gedanken, die eigentlich andere Wesen denken, höhere Wesen als die Menschen sind, und die mich inspirieren, die in mir leben, die mir diese Gedanken geben. Ich kann diese Gedanken nur ansehen, als mir verliehen durch eine Gnade von oben.

[ 8 ] One need only try to imagine this entirely different state of mind. This state of mind is such that one can say: modern people attribute the formation of a thought to their own mental activity. And they structure the connections between thoughts according to logical rules—their own rules, the rules of their mental activity. People of the past received their thoughts. They did not give any thought to how these connections should be structured, for they received these structures as ready-made revelations. However, these people of the past did not live within their thoughts in the same way that we live within ours. We regard these thoughts as the property of our soul. We know that we have worked to acquire them. They have, so to speak, emerged from our soul, rising up from within ourselves. We regard them as our own. The people of old could not regard their thoughts as their own. These thoughts were illuminations. They had come with the illuminated images. They evoked a very specific mood in these people of old in response to the wise thought. As people looked upon their thoughts, they said to themselves: Something divine from a higher world has descended into me. I share in the thoughts that are actually thought by other beings—beings higher than human beings—who inspire me, who live within me, and who give me these thoughts. I can only regard these thoughts as bestowed upon me by a grace from above.

[ 9 ] Weil sich dieser ältere Mensch das sagte, so fühlte er das Bedürfnis, diese Gedanken durch seine Gefühle gewissermaßen zu bestimmten Zeiten den oberen Wesen wiederum zu opfern. Und das geschah in den Sommermysterien. In den Sommermysterien ist der Mensch deshalb, weil die Erde mehr in ihrem Umkreis, in ihrem Dunstkreis, in ihrer Atmosphäre lebt, weil die Erde sich nicht durch die Kälte zusammengezogen hat, weil die Erde gewissermaßen sich nicht mit einem Schneegewand des Winters umschlossen hat, weil sie sich im stetigen atmosphärischen Verkehre mit ihrer atmosphärischen Umgebung öffnet, deshalb ist der Mensch den Weiten der Welt hingegeben. Er fühlte sich im Sommer den oberen Göttern verbunden. Er suchte in diesen älteren Zeiten die Hochsommerszeit, dasjenige, was wir heute die Johannizeit nennen würden, die Zeit, in welcher die Sonne ihren höchsten Sommerstand hat, er suchte diese Zeit, um an gewissen ihm heilig gewordenen Orten sich mit den oberen Göttern in Verbindung zu setzen, er versuchte gewissermaßen, dasjenige, was eine natürliche Verbindung des Menschen mit der ganzen ätherischen Umgebung, mit der Sommerszeit ist, zu benützen, um aus dem Gefühl heraus den Göttern zu opfern, die ihm ihre Gedanken gegeben haben, geoffenbart haben.

[ 9 ] Because this older person told himself this, he felt the need, at certain times, to offer these thoughts back to the higher beings through his feelings, so to speak. And this took place in the Summer Mysteries. In the summer mysteries, human beings are open to the expanses of the world because the Earth lives more fully within its sphere, its sphere of influence, its atmosphere; because the Earth has not contracted due to the cold; because the Earth, so to speak, has not wrapped itself in winter’s snowy mantle; because it opens itself to its atmospheric surroundings through constant atmospheric exchange—that is why human beings are open to the expanses of the world. In summer, he felt connected to the higher gods. In those earlier times, he sought out the height of summer—what we would today call the time of St. John, the time when the sun reaches its highest point in the summer sky—he sought this time to connect with the higher gods at certain places that had become sacred to him, in a sense, they sought to make use of what is a natural connection between human beings and the entire ethereal environment—the summertime—in order to offer sacrifices, out of a sense of gratitude, to the gods who had given them their thoughts and revealed themselves to them.

[ 10 ] Und wenn wir in die Mysterien hineinschauen, hinschauen auf dasjenige, was die Mysterienlehrer ihre Schüler gelehrt haben, so war es etwa das Folgende. Sie sagten: Es muß jedes Jahr zur Hochsommerszeit den Göttern geopfert werden, den oberen Göttern geopfert werden für die Gedanken, die sie den Menschen verleihen, denn sonst mischen sich zu leicht in das Erleben des Denkens beim Menschen luziferische Mächte hinein. — Der Mensch wird von luziferischen Mächten und Kräften durchdrungen. Dem entgeht er, wenn er sich in jedem Sommer erinnert, daß die oberen Götter ihm diese Gedanken gegeben haben, daß er sie gewissermaßen wiederum in dieser Hochsommerszeit zurückfließen läßt. Vor luziferischen Einflüssen sich zu retten, versuchte dieser ältere Mensch, indem die Mysterienleiter diejenigen zusammenriefen, die ihre Bekenner waren, und indem sie vor ihnen jenen Kultus vollbrachten, der darinnen gipfelte, daß man dasjenige, was man an Gedanken geoffenbart erhielt von den oberen Göttern, in zu diesen oberen Göttern aufströmenden Gefühlen hinopferte.

[ 10 ] And when we look into the mysteries—into what the mystery teachers taught their students—it was something like the following. They said: Every year at the height of summer, a sacrifice must be offered to the gods—to the higher gods—for the thoughts they bestow upon human beings; for otherwise, Luciferic forces all too easily interfere with the human experience of thought. — Human beings are permeated by Luciferic powers and forces. They escape this by remembering every summer that the higher gods have given them these thoughts, and by allowing them, as it were, to flow back to the higher gods during this height of summer. This older person sought to protect himself from Luciferic influences by having the leaders of the mysteries summon those who were their adherents and by performing before them that ritual which culminated in offering up to the higher gods, in feelings flowing upward toward them, the very thoughts that had been revealed to them by the higher gods.

[ 11 ] Dasjenige, was äußerlich dabei im Kultus vollzogen wurde — der aufstrebende Rauch, in den hineingesprochen wurde das rezitative Wort, das den Rauch in entsprechende Wellen brachte —, war nur so gemeint, als ob die Menschen dasjenige, was eigentlich als der seelische Opferrauch ihres Inneren zu den oberen Göttern aufstieg, eben in ein äußeres Mittel hineinschreiben würden, in den Opferrauch durch das formgestaltende Wort. Das Gebet schrieb gewissermaßen nur dasjenige in den Opferrauch hinein, was die Seele hinaufschicken wollte an Gefühlen für die geoffenbarten Gedanken. Das war im wesentlichen die Stimmung, aus der die Hochsommer-Mysterienfeiern hervorgingen. Diese Hochsommer-Mysterienfeiern hatten eigentlich nur einen Sinn, solange die Menschen ihre Gedanken geoffenbart erhielten.

[ 11 ] What was performed externally as part of the ritual—the rising smoke into which the recitative words were spoken, causing the smoke to form corresponding waves— was intended only as if people were inscribing into an external medium—into the sacrificial smoke through the form-shaping word—precisely that which actually rose as the spiritual sacrificial smoke from their inner being to the higher gods. In a sense, prayer merely inscribed into the sacrificial smoke what the soul wished to send upward in feelings for the revealed thoughts. This was essentially the mood from which the midsummer mystery celebrations arose. These midsummer mystery celebrations actually had only one purpose as long as people received their thoughts as revelations.

[ 12 ] Aber in den Jahrhunderten, schon vom 8., 9. vorchristlichen Jahrhundert angefangen, in den Jahrhunderten, die vorangingen dem Mysterium von Golgatha, verdunkelten sich die Gedanken von oben, diese geoffenbarten Gedanken, und immer mehr und mehr erwachte in dem Menschen die Fähigkeit, sich seine Gedanken durch seine eigenen Kräfte zu erringen. Dadurch wurde der Mensch in eine ganz andere Stimmung versetzt. Während er früher die Gedanken als etwas empfand, was ihm wie von Weltenweiten zukam, sich in sein Inneres senkte, fing er an, die Gedanken als etwas zu empfinden, was in ihm wächst, was ihm angehört wie sein Blut. In alten Zeiten sah man die Gedanken als etwas an, was einem angehört wie der Atem, den man aus der Atmosphäre empfängt und immer wieder an die Atmosphäre zurückgibt. Wie man die Luft als dasjenige ansieht, was einen umgibt, was man in sich hineinsaugt, aber immer wiederum abgibt, so empfand man die Gedanken als etwas, was man in sich nicht einsog, aber geoffenbart erhielt, was man immer wieder und wieder zur Hochsornmerszeit gewissermaßen an die Götter abzuliefern hatte.

[ 12 ] But in the centuries beginning as early as the 8th and 9th centuries B.C., in the centuries that preceded the Mystery of Golgotha, the thoughts from above—these revealed thoughts—became obscured, and more and more the human being’s ability to attain his own thoughts through his own powers began to awaken. This placed human beings in an entirely different state of mind. Whereas they had previously experienced thoughts as something that came to them as if from the vastness of the cosmos, sinking into their inner being, they began to experience thoughts as something that grows within them, something that belongs to them as much as their own blood. In ancient times, thoughts were regarded as something that belonged to one just as the breath one receives from the atmosphere and constantly returns to it. Just as one regards the air as that which surrounds one, which one draws into oneself but always gives back again, so one perceived thoughts as something one did not draw into oneself but received as a revelation—something one had to deliver, as it were, to the gods again and again during the height of summer.

[ 13 ] Es wurden sogar diese Feiern in entsprechender Weise dramatisch so ausgestaltet, daß die Mysterienleiter zu ihren Opferfeiern gingen, indem sie die Symbole der Weisheit trugen. Indem sie jene Opfer, die ich beschrieben habe, verrichteten, legten sie ein Symbolum nach dem andern ab. Und sie gingen weg von diesen Opferfeiern, indem sie nach Ablegung der Symbole der Weisheit als Toren erschienen, die erst wiederum im Laufe des Jahres sich ihre Weisheit zu holen hatten. Und es war gewissermaßen ein Bekenntnis dieser alten Opferweisen, daß sie, indem sie ihr Opfer vollbracht hatten, bekannten vor der Menge, die ihre Bekenner waren: Wir sind wieder Toren geworden.

[ 13 ] These ceremonies were even staged in a dramatic manner, such that the leaders of the mysteries proceeded to their sacrificial rites while bearing the symbols of wisdom. As they performed the sacrifices I have described, they laid aside one symbol after another. And they departed from these sacrificial rites, appearing—after having laid aside the symbols of wisdom—as fools who would have to reclaim their wisdom again in the course of the year. And it was, in a sense, a confession inherent in these ancient sacrificial rites that, having completed their sacrifice, they declared before the crowd—who were their followers: “We have become fools once more.”

[ 14 ] In der Tat, man fühlte dieses als ein Mittel, nicht den luziferischen Mächten zu verfallen, wenn man den Jahreslauf so mitmachte, daß man gegen die Hochsommerszeit aufrückte in den Besitz der Weisheit, dann in die Torheit überging, um wiederum zur Weisheit zurückzukehren. So wollte man gewissermaßen den Kosmos miterleben. Wie der Kosmos Winter und Sommer abwechseln ließ, so wollte man in sich abwechseln lassen die Weisheitszeit mit der Zeit des Einrückens in die Finsternis der Torheit. Und es war so, daß diejenigen, deren Weisheit man das ganze Jahr brauchte, zum Beispiel die der Mysterienlehrer, welche die Heilkunde ausübten — denn auch die Heilkunde war einbezogen in das Mysterienwesen, war eins mit dem übrigen Mysterienwesen —, das nicht mitmachen konnten. Denn man durfte natürlich nicht — wenn ich mit unseren Monatsbezeichnungen spreche im August, September, als Arzt ein Tor werden. Sie durften die Weisheit natürlich behalten, aber sie brachten dafür das Opfer, nur dienende Glieder in den Mysterien zu sein, während diejenigen, welche gerade die führenden Persönlichkeiten in den Mysterien waren, jedes Jahr in die Torheit eingingen.

[ 14 ] In fact, people saw this as a means of avoiding succumbing to the Luciferic forces by participating in the cycle of the year in such a way that, as midsummer approached, they would ascend into the possession of wisdom, then pass into folly, only to return once more to wisdom. In a sense, this was a way of experiencing the cosmos firsthand. Just as the cosmos alternated between winter and summer, so too did people seek to alternate within themselves between the time of wisdom and the time of entering into the darkness of folly. And it was the case that those whose wisdom was needed throughout the entire year—for example, the Mystery teachers who practiced medicine, since medicine, too, was an integral part of the Mystery system and was one with the rest of it—could not participate in this cycle. For, of course, one was not allowed—if I speak in terms of our months, in August and September—to become a fool as a physician. They were, of course, allowed to retain their wisdom, but in return they made the sacrifice of being merely serving members of the Mysteries, while those who were the leading figures in the Mysteries entered into folly every year.

[ 15 ] Von diesem Eingehen in die Torheit ist dann so etwas geblieben wie dasjenige, was zum Beispiel Goethe beschreibt als den Dreizehnten in seinen «Geheimnissen», wo eigentlich ein Mensch in der Dumpfheit, nicht in der Weisheit, die andern leitete. Das war eine ganz andere Stimmung gegenüber demjenigen, was die führende Weisheit der Menschen war, als die spätere, in der die Menschen dann anfingen, ihre Gedanken als Selbsterrungenes anzusehen. Während, wie gesagt, was man früher als Weisheit durchaus wie die Atemluft empfand, empfand man später die Gedanken als etwas, was in dem Menschen selbst erzeugt wird wie das Blut. Man möchte sagen, der Atemluft ähnlich empfand man die Gedanken in der alten Zeit. Dem Blute ähnlich fing man an, die Gedanken zu empfinden in dem Zeitalter, das dann das Mysterium von Golgatha sah. Aber damit sagte sich der Mensch auch: Dasjenige, was ich als Gedanke erlebe, ist nun nicht mehr himmlisch, ist nicht mehr etwas, was sich von oben heruntergesenkt hat. Es ist etwas, was im Menschen selber entsteht, was irdisch ist.

[ 15 ] What remained of this immersion in folly was something like what Goethe, for example, describes as the Thirteenth in his Mysteries, where a person actually guided others through dullness, not through wisdom. This was a completely different attitude toward what constituted humanity’s guiding wisdom than the later one, in which people began to regard their thoughts as something they had achieved on their own. Whereas, as mentioned, what was once perceived as wisdom—just like the air we breathe—was later perceived as something generated within the human being, much like blood. One might say that in ancient times, thoughts were perceived as being similar to the air we breathe. In the age that then witnessed the Mystery of Golgotha, people began to perceive thoughts as something akin to blood. But with this, people also told themselves: What I experience as a thought is no longer heavenly; it is no longer something that has descended from above. It is something that arises within the human being themselves, something earthly.

[ 16 ] Diese Stimmung, daß man in den Gedanken der Menschen etwas Irdisches hat, war ganz besonders bedeutsam vorhanden bei den alten Nachzüglern der alten Mysterien, auch noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Diejenigen, die dazumal auf der Höhe der Zeitbildung standen, sagten sich: Solche Gedanken kann man nicht mehr haben, wie die alten Weisen sie hatten, die gewissermaßen mit den Göttern zusammenlebten im Hegen ihrer Gedanken, man muß rein menschliche Gedanken entwickeln. — Aber diese rein menschlichen Gedanken stehen in der Gefahr, den ahrimanischen Mächten zu verfallen. So wie diejenigen Gedanken, die von oben sich den Menschen offenbaren, in der Gefahr stehen, den luziferischen Mächten zu verfallen, so stehen die menschlichen Gedanken, die selbsterrungenen Gedanken in der Gefahr, den ahrimanischen Mächten zu verfallen.

[ 16 ] This sentiment—that there is something earthly in human thought—was particularly prominent among the ancient followers of the ancient mysteries, even at the time of the Mystery of Golgotha. Those who were at the forefront of the development of their time said to themselves: One can no longer have thoughts such as those held by the ancient sages, who, in a sense, lived together with the gods in the nurturing of their thoughts; one must develop purely human thoughts. — But these purely human thoughts are in danger of falling prey to the Ahrimanic forces. Just as those thoughts that are revealed to human beings from above are in danger of falling prey to the Luciferic forces, so too are human thoughts—thoughts achieved through one’s own efforts—in danger of falling prey to the Ahrimanic forces.

[ 17 ] Diejenigen, die so denken konnten gerade in der Zeit des Mysteriums von Golgatha — im 4. Jahrhundert ist dieses Empfinden dann verlorengegangen —, empfanden das Mysterium von Golgatha als die wirkliche Erlösung der Menschheit. Sie sagten sich: Diejenige geistige Macht, die mit der Sonne lebt, konnte vorher eigentlich nur von dem Übermenschlichen erreicht werden. Jetzt muß sie erreicht werden von dem Menschlichen, denn der Mensch hat seine Gedanken in sich selber hereinbekommen. Er muß jetzt etwas anderes vollbringen: er muß jetzt diese seine Gedanken innerlich zum Göttlichen erheben. Der Mensch muß, indem er ein Erdendenker ist, die Gedanken mit dem Göttlichen innerlich durchdringen. Das kann er durch seine gefühls- und gedankenmäßige Verbindung mit dem Mysterium von Golgatha.

[ 17 ] Those who were able to think in this way, especially during the time of the Mystery of Golgotha—this sense was then lost in the 4th century—perceived the Mystery of Golgotha as the true redemption of humanity. They said to themselves: The spiritual power that lives with the sun could previously be attained only by the superhuman. Now it must be attained by the human, for human beings have brought their thoughts into themselves. They must now accomplish something else: they must now inwardly elevate these thoughts of theirs to the divine. As an earthly thinker, human beings must inwardly imbue their thoughts with the Divine. They can do this through their emotional and intellectual connection to the Mystery of Golgotha.

[ 18 ] Aber damit wurde die Mysterienfeier aus einer Hochsommerfeier eine Winterfeier. Im Winter, wenn die Erde sich mit ihrem Schneegewande umhüllt, wenn die Erde nicht in der lebhaften Wechselwirkung steht mit ihrer atmosphärischen Umgebung, ist auch der Mensch mehr an die Erde gefesselt. Da lebt der Mensch nicht die Weiten mit, da lebt er aber dasjenige mit, was, ich möchte sagen, unter dem Erdboden wurzelt. Sie müssen nur dieses Wurzeln unter dem Erdboden richtig verstehen. Fortwährend können wir gewahr werden, wie in der Umgebung der Erde nicht nur dasjenige lebt, was von der Sonne unmittelbar kommt, was von der Umgebung kommt, sondern dasjenige, was unter der Erdoberfläche an dem Leben der Erde teilhat. Ich habe diese Sache schon durch sehr einfache Tatsachen hier auseinandergesetzt. Manche von Ihnen, die auf dem Lande gelebt haben, werden wissen, daß die Bauern auf dem Lande in der Winterszeit Gruben aufmachen und ihre Kartoffeln hineintun. Die Kartoffeln überwintern gut darinnen, was sie nicht tun würden, wenn man sie einfach in den Keller legte. Warum?

[ 18 ] But with this, the mystery rite transformed from a midsummer celebration into a winter celebration. In winter, when the earth is cloaked in its mantle of snow, when the earth is not in lively interaction with its atmospheric surroundings, human beings, too, are more bound to the earth. Then human beings do not experience the vastness of the world; rather, they experience that which, I might say, is rooted beneath the earth. You need only understand this “rootedness” beneath the earth correctly. We can constantly become aware of how, in the earth’s surroundings, it is not only that which comes directly from the sun or from the environment that is alive, but also that which, beneath the earth’s surface, participates in the life of the earth. I have already explained this matter here using very simple examples. Some of you who have lived in the countryside will know that farmers in the countryside dig pits in the winter and put their potatoes in them. The potatoes overwinter well in there, which they would not do if they were simply placed in the cellar. Why?

[ 19 ] Wenn Sie sich hier (siehe Zeichnung) ein Stück Erdoberfläche denken: die Erdoberfläche nimmt dasjenige auf, was an Sonnenwärme und Sonnenlicht während des Sommers zufließt. Es senkt sich gewissermaßen in den Erdboden. So daß, wenn wir zur Winterszeit unsere Aufmerksamkeit auf dasjenige richten, was unter dem Erdboden ist, wir noch den Sommer darinnen haben. Während des Winters ist der Sommer unter dem Erdboden. Und dieser Sommer unter dem Erdboden während des Winters, läßt auch die Wurzeln der Pflanzen gedeihen. Die Keime werden zu Wurzeln, der Keim entwickelt sich so, daß, wenn Sie eine Pflanze wachsen sehen heuer, in diesem Jahre, so wächst sie eigentlich heraus aus der Kraft der Sonne vom vorigen Jahre, die erst in die Erde hineingegangen ist.

[ 19 ] If you imagine a section of the Earth’s surface here (see drawing): the Earth’s surface absorbs the solar heat and sunlight that flow in during the summer. It sinks, so to speak, into the ground. So that when we turn our attention in winter to what lies beneath the ground, we still have summer there. During winter, summer is beneath the ground. And this summer beneath the ground during winter also allows the roots of plants to thrive. The seeds become roots; the seed develops in such a way that when you see a plant growing this year, it is actually growing out of the power of the sun from the previous year, which has only just entered the earth.

[ 20 ] Sehen Sie also die Wurzeln an, ja noch einen Teil der Blätter, dann haben Sie den vorigen Sommer in der Pflanze, und den diesjährigen Sommer haben Sie erst in der Blüte hervorgezaubert durch das jetzige Sonnenlicht und die jetzige Sonnenwärme. Wir haben in der Tat in der Pflanze in dem Aufschießen noch das vorige Jahr und in den Blüten erst dieses Jahr. Und wenn Sie in den Fruchtknoten der Pflanze hineinschauen, der in der Mitte der Blüte ist, so müssen Sie sagen: Das ist noch Ergebnis des Winters, eigentlich also des vorigen Sommers, und nur das, was den Fruchtknoten umgibt, ist von diesem Jahre. — Die Zeiten schieben sich ineinander, so wie in einem andern Falle, wie ich Ihnen gestern auseinandergesetzt habe, sich im Menschen durch das Schlafen die Zeiten ineinanderschieben, so schieben sich auch hier die Zeiten ineinander.

[ 20 ] So when you look at the roots—and even some of the leaves—you see last summer in the plant, and this summer has only just been brought to life in the flower by the sunlight and warmth of the present moment. In fact, in the plant’s new growth we still have last year, and in the flowers we have only this year. And if you look inside the plant’s ovary, which is in the center of the flower, you must say: This is still the result of winter—actually, of last summer—and only what surrounds the ovary is from this year. — The times overlap, just as in another case—as I explained to you yesterday—where, in human beings, the times overlap through sleep; so too do the times overlap here.

[ 21 ] So daß Sie sich also vorstellen können: wenn die Erde ihr Winterschneegewand anzieht, so ist unter dem Winterschneegewand die Fortsetzung des Sommers. Der Mensch verbindet sich nun nicht mit dem, was in den Weiten draußen ist, sondern er wendet sein Seelisches hinein in das Erdeninnere. Er wendet sich zu den unteren Göttern. Und das war die Vorstellung gerade bei denjenigen, welche im Besitze der Erbschaft der alten Weisheit waren zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, was diese veranlaßte, sich zu sagen: Wir haben zu suchen in demjenigen, was mit der Erde verbunden ist, die Kraft des Christus, der neuen Weisheit, die das Erdenwerden durchsetzt.

[ 21 ] So you can imagine: when the Earth dons its winter mantle of snow, beneath that mantle lies the continuation of summer. Human beings do not connect with what lies in the vast expanses outside, but rather turn their inner lives inward, toward the Earth’s core. They turn to the lower gods. And this was precisely the view held by those who were the heirs to the ancient wisdom at the time of the Mystery of Golgotha, which led them to say to themselves: We must seek, within that which is connected to the Earth, the power of Christ—the new wisdom that permeates the Earth’s becoming.

[ 22 ] Und indem der Mensch übergegangen ist zu den selbsterrungenen Gedanken, fühlte er das Bedürfnis, diese selbsterrungenen Gedanken jetzt innerlich mit der Gottheit zusammenzubringen, mit andern Worten: sie innerlich zu durchchristen. Das kann er in derjenigen Zeit, in der er der Erde am meisten zugewendet ist, in der tiefen Winterzeit. Das kann er dann, wenn die Erde selbst sich gewissermaßen von dem Kosmos abschließt, wenn er auch abgeschlossen ist. Dann ist er dem Gotte am nächsten, der aus diesen Weiten, von denen man abgeschlossen ist während der Winterzeit, herabgestiegen ist und sich mit der Erde verbunden hat. Und es ist ein schöner Gedanke, die Weihnachtsfesteszeit gerade zu verbinden mit derjenigen Zeit, da die Erde vom Kosmos abgeschlossen ist, wo der Mensch in der Erdeneinsamkeit seine Gemeinschaft mit dem Göttlich-Geistigen-Übersinnlichen sucht für seine selbsterrungenen Gedanken. Und indem er dasjenige, was hier eigentlich gemeint ist, versteht, sucht er sich zu bewahren vor den ahrimanischen Kräften, wie er sich in alten Zeiten durch die Hochsommermysterien vor den luziferischen Kräften bewahrt hatte.

[ 22 ] And as human beings turned to their own hard-won thoughts, they felt the need to now inwardly unite these thoughts with the Divine—in other words, to imbue them inwardly with the spirit of Christ. He can do this during the time when he is most turned toward the earth—in the depths of winter. He can do this when the earth itself, so to speak, shuts itself off from the cosmos, and when he, too, is shut off. Then he is closest to God, who has descended from those vast expanses—from which we are shut off during the winter—and has united Himself with the earth. And it is a beautiful thought to connect the Christmas season precisely with that time when the earth is cut off from the cosmos, when the human being, in the solitude of the earth, seeks communion with the divine, spiritual, and supersensible for his self-won thoughts. And by understanding what is actually meant here, he seeks to protect himself from the Ahrimanic forces, just as in ancient times he had protected himself from the Luciferic forces through the Midsummer Mysteries.

[ 23 ] Und so, wie sich eigentlich der alte Mensch unter der Leitung seiner Mysterienlehrer in einer Dämmerung seiner Gedankenwelt durch die Hochsommerfeste gefühlt hat, so sollte sich der Mensch, der in der richtigen Weise das Weihnachtsmysterium versteht, indem er in der Weihnachtszeit mit solchen Wahrheiten sich durchdringt, wie wir sie wieder angeführt haben, gestärkt fühlen. Er sollte gewissermaßen fühlen, wie er durch das richtige Verhältnis, das er zu dem Mysterium von Golgatha entwickelt, die Gedanken, die er sich innerlich in Finsternis erringt, erleuchtet bekommen kann dadurch, daß er in der Tat einsieht: einmal ist im Erdenwerden das geschehen, daß das Wesen, das sonst nur mit der Sonne in Verbindung gedacht werden konnte in älteren vorchristlichen Zeiten, den Übergang zum Erdenwerden gefunden hat, die Erde mit dem Menschen als Geistwesen bewohnt. Und es sollte eigentlich das Weihnachtsopfer so gedacht werden, daß es im Gegensatze zu den alten Hochsommer-Opferfeiern, die möglichst äußerlich waren, ein möglichstes In-Sich-Gehen des Menschen darstellt, daß gerade das Weihnachtsfest dasjenige ist, wo der Mensch versucht, zu verinnerlichen, innerlich zu vergeistigen, was er als Wissen über die ganze Welt sich anzueignen versucht.

[ 23 ] And just as the people of old, under the guidance of their mystery teachers, felt as though their world of thought were in a twilight during the midsummer festivals, so too should the person who understands the Christmas mystery in the right way—by imbuing themselves during the Christmas season with truths such as those we have just mentioned—feel strengthened. He should, so to speak, feel how, through the proper relationship he develops to the Mystery of Golgotha, the thoughts he inwardly struggles to attain in darkness can be illuminated by his truly realizing: once, in the process of becoming earthly, the being who in earlier pre-Christian times could only be conceived in connection with the sun made the transition to earthly existence and now inhabits the earth with human beings as spiritual beings. And the Christmas sacrifice should actually be conceived in such a way that, in contrast to the ancient midsummer sacrificial festivals—which were as external as possible—it represents the greatest possible turning inward on the part of human beings; that Christmas is precisely the festival during which human beings attempt to internalize and spiritualize within themselves what they seek to acquire as knowledge of the entire world.

[ 24 ] Der alte Mensch fühlte das Wissen nicht als sein Eigentum, sondern als ein Geschenk. Er gab es jedes Jahr wiederum ab. Der Mensch der Gegenwart muß seine Gedankenwelt, sein Gedankenwissen als sein Eigentum betrachten. Daher muß er in sein eigenes Herz hereinnehmen Denjenigen, dem er sich anschließt als dem mit der Erde verbundenen Geistwesen, dem er gewissermaßen in sich seine Gedanken übergibt, um nicht in egoistischer Einsiedelei dazustehen mit seinem Gedankenbesitz, sondern um diesen Gedankenbesitz zu vereinigen mit Dem, der als das Sonnenwesen dutch das Mysterium von Golgatha Erdenwesen geworden ist.

[ 24 ] Ancient people did not regard knowledge as their property, but as a gift. They gave it back each year. People today must regard their world of thought, their intellectual knowledge, as their property. Therefore, they must welcome into their own hearts the One to whom they align themselves—the spirit being connected to the Earth—to whom, in a sense, they surrender their thoughts within themselves, so as not to stand in selfish seclusion with their intellectual possessions, but rather to unite these intellectual possessions with the One who, as the Solar Being, became an earthly being through the Mystery of Golgotha.

[ 25 ] Die alten Mysterien hatten in einer gewissen Beziehung eine Art, man möchte sagen aristokratischen Charakter, ja, alles Aristokratische hat aus diesen alten Mysterien im Grunde genommen seinen Ursprung bekommen, denn die einzelnen Mysterienpriester standen da, und sie verrichteten ja die Opfer für alle übrigen.

[ 25 ] In a certain sense, the ancient mysteries had a sort of—one might say—aristocratic character; indeed, everything aristocratic essentially has its origins in these ancient mysteries, for the individual mystery priests stood there and performed the sacrifices on behalf of everyone else.

[ 26 ] Die Weihnachtsmysterien-Feier hat einen demokratischen Charakter, denn was die Menschen der neueren Zeit als dasjenige erwerben, was sie eigentlich zu Menschen macht, ist der innere Gedankenbesitz. Und das Weihnachtsmysterium wird nur dann in seinem richtigen Lichte gesehen, wenn nicht der eine für den andern das Opfer vollbringt, sondern wenn der eine mit dem andern ein Gemeinschaftliches erlebt: das Gleichwerden der Menschen gegenüber dem Wesen, das als Sonnenwesen auf die Erde heruntergestiegen ist. Und das ist auch dasjenige, was gerade in den ersten Zeiten der christlichen Entwickelung bis hinein ins 4. Jahrhundert etwa als ganz besonders bedeutsam für das Christentum empfunden worden ist. Erst dann haben sich wiederum die alten Mysterienformen von Ägypten herein über das Römertum und nach Westeuropa herauf fortgepflanzt und haben, man möchte sagen, das ursprüngliche Christentum übertüncht und auch in Traditionen eingehüllt, welche wiederum verlassen werden müssen, wenn das Christentum richtig verstanden werden soll. Denn dasjenige Wesen, in das eingekleidet worden ist das Christentum im Römertum, ist durchaus noch altes Mysterienwesen.

[ 26 ] The celebration of the Christmas Mystery has a democratic character, for what people in modern times acquire as that which actually makes them human is their inner world of thought. And the Christmas Mystery is seen in its true light only when one person does not make a sacrifice for another, but when one experiences a sense of community with the other: the becoming equal of human beings in the presence of the being who descended to Earth as a solar being. And this is also what was perceived as particularly significant for Christianity, especially in the early days of Christian development up through the 4th century or so. It was only then that the ancient mystery forms from Egypt, passing through the Roman Empire and spreading up into Western Europe, took root again and, one might say, obscured original Christianity and also shrouded it in traditions that must in turn be abandoned if Christianity is to be properly understood. For the very essence into which Christianity was clothed during the Roman era is still, through and through, the essence of the ancient mysteries.

[ 27 ] Das Christentum selber verlangt durchaus dieses Finden des GeistigÜbersinnlichen im Menschen dann, wenn der Mensch gewissermaßen nicht außer sich kommt und hingegeben ist an den Kosmos, sondern wenn der Mensch in sich ist. Das ist er am meisten, wenn er mit der Erde verbunden ist, in der Zeit, in der die Erde selber abgeschlossen von den kosmischen Weiten ist, also zur Tiefwinterszeit.

[ 27 ] Christianity itself certainly calls for this discovery of the spiritual and supersensible within the human being—not when the human being, so to speak, is lost in the outside world and surrendered to the cosmos, but when the human being is centered within themselves. This is most true when a person is connected to the Earth, during the time when the Earth itself is cut off from the cosmic expanses—that is, in the depths of winter.

[ 28 ] Damit versuchte ich Ihnen zu charakterisieren, warum im Laufe der Zeitentwickelung die Hochsommer-Mysterienfeiern sich verwandelt haben in das Tief-winter-weihnachts-Mysterium. Das muß nur im richtigen Sinne verstanden werden. Und gerade ein Rückblick auf die Entwickelung der Menschheit kann dasjenige, was im Weihnachtsmysterium vorliegen soll, ganz besonders verinnerlichen. Man kann dasjenige, was der Mensch immer mehr und mehr werden muß, indem er die Geheimnisse, die er sonst außer sich gesucht hat, in sich suchen muß, so recht fühlen an dem Gegensatze zu den alten Zeiten.

[ 28 ] With this, I have attempted to explain to you why, over the course of human evolution, the midsummer mystery rituals have transformed into the midwinter Christmas mystery. This must simply be understood in the right sense. And it is precisely a look back at the development of humanity that can help us internalize what the Christmas mystery is meant to embody in a very special way. We can truly feel what a human being must increasingly become—by seeking within themselves the mysteries they would otherwise have sought outside themselves—through the contrast with the old times.

[ 29 ] Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch meine «Geheimwissenschaft im Umriß» geschrieben. Würde ein solches Buch — nun, wenn es ein Buch geworden wäre, es wäre etwas anderes geworden! — in alten Zeiten verfaßt worden sein, so würde man begonnen haben, von den Sternenweiten aus zu beschreiben. In meiner «Geheimwissenschaft» ist ganz vom Menschen ausgegangen: der Mensch gewissermaßen innerlich angeschaut und vom Menschen aus die Welt gesucht, des Menschen Inneres erweitert zur alten Saturn-, zur alten Sonnen-, zur alten Mondenzeit und wiederum zu den zukünftigen Epochen der Erdenentwickelung.

[ 29 ] My Outline of Esoteric Science was also written from this perspective. If such a book—well, if it had become a book, it would have turned out quite differently!—had been written in ancient times, one would have begun by describing the vastness of the stars. In my Occult Science, the starting point is entirely the human being: the human being is, so to speak, contemplated from within, and the world is sought out from the perspective of the human being, with the human inner world expanded to encompass the ancient Saturn, Sun, and Moon eras, and onward to the future epochs of Earth’s evolution.

[ 30 ] Man ging, indem man in alten Zeiten den Wissensinhalt der Welt suchte, von den Sternen aus, die man äußerlich anschaute, und man versuchte dasjenige, was einem die Sterne sagten, in das Menscheninnere aufzunehmen. Man studierte also etwa die Sonne. In der alten imaginativen Erkenntnis ging einem viel auf, wenn man die Sonne kennenlernte. Heute ist die Sonne dem wirklichen Wissenschafter ein Gasball, etwas, was sie natürlich nicht für das unbefangene Anschauen sein kann. Dem älteren Menschen war sie, insofern er sie äußerlich mit dem Auge sah, geradeso der körperliche Ausdruck für ein Geistig-Seelisches, wie der Menschenkörper der körperliche Ausdruck für ein Geistig-Seelisches ist. Der Mensch sah viel an der Sonne. Dann, wenn er gewissermaßen im Kosmos das gelesen hatte, was er an der Sonne sah, konnte er sich an das eigene Herz schlagen und konnte sagen: Jetzt verstehe ich das menschliche Herz. Die Sonne hat mir gesagt, was das Wesen des menschlichen Herzens ist. — Und so auch in den andern Gestirnen fand der Mensch das, was er selber ist.

[ 30 ] In ancient times, when people sought the world’s knowledge, they began with the stars, which they observed from the outside, and tried to take in what the stars told them into the human soul. So, for example, people studied the sun. In the old, imaginative way of knowing, much became clear to them as they came to know the sun. Today, for the true scientist, the sun is a ball of gas—something it naturally cannot be for unbiased observation. For people of the past, insofar as they saw it outwardly with their eyes, it was just as much the physical expression of a spiritual-soul aspect as the human body is the physical expression of a spiritual-soul aspect. People saw much in the sun. Then, once they had, so to speak, read in the cosmos what they saw in the sun, they could lay their hand on their own heart and say: Now I understand the human heart. The sun has told me what the essence of the human heart is. — And in the other celestial bodies, too, people found what they themselves are.

[ 31 ] So konnte nicht in meiner «Geheimwissenschaft» vorgegangen werden. Wenn das dort auch nicht in allen Einzelheiten ausgeführt ist, weil dazu noch nicht die Zeit gekommen ist, so ist aber doch so vorgegangen, daß zunächst der Mensch als Ganzes ins Auge gefaßt wird (es wird gezeichnet), darinnen Herz, Lunge und so weiter, die einzelnen Organe, daß, indem die einzelnen Organe verstanden werden, rechts man das Weltenall versteht. So daß man heute das Herz des Menschen studiert, daß man im Herzen des Menschen liest. Und was man da gelesen hat, das sagt einem, was die Sonne ist, das sagt einem etwas über das Wesen der Sonne. Man lernt also durch das Herz von innen nach außen das Wesen der Sonne kennen. In alten Zeiten lernte man das Wesen der Sonne kennen, und indem man das Wesen der Sonne kannte, wußte man, was das menschliche Herz ist. In neueren Zeiten lernt man, was das Herz ist, was die Lunge ist, und lernt den ganzen Kosmos, das ganze Weltenall vom Menschen aus kennen.

[ 31 ] This approach could not be taken in my Occult Science. Although this is not explained in every detail there—because the time for that has not yet come—the approach taken is nevertheless such that the human being is first considered as a whole (it is drawn), including the heart, lungs, and so on—the individual organs—so that by understanding the individual organs, one can understand the universe. So that today one studies the human heart, one reads within the human heart. And what one has read there tells one what the Sun is; it tells one something about the nature of the Sun. One thus comes to know the nature of the sun from the inside out through the heart. In ancient times, people came to know the nature of the sun, and by knowing the nature of the sun, they knew what the human heart is. In more recent times, people learn what the heart is, what the lungs are, and come to know the entire cosmos, the entire universe, starting from the human being.

[ 32 ] Will man eine empfindende Aufmerksamkeit von dieser Stellung des Menschen zum Weltenall feierlich zum Ausdrucke bringen, so konnte man das als älterer Mensch nur, indem man zur Hochsommerszeit sich hinstellte und recht hinaufsah, weil da am leichtesten und am besten hinaufzusehen war zur Sonne und zu dem übrigen gestirnten Himmel, um da eins zu werden mit dem Kosmos. Will man heute in seine Empfindungswelt intensiv aufnehmen, wie man das Weltenall kennenlernen kann, so muß man tief den Blick in das menschliche Innere wenden. Dazu ist nach dem, was ich Ihnen ausgeführt habe, der richtige Zeitpunkt zur tiefen Winterszeit, zur Weihnachtszeit.

[ 32 ] If one wishes to solemnly express a sensitive awareness of this relationship between humanity and the universe, as an older person one could do so only by standing in the height of summer and looking straight up, because that was when it was easiest and best to gaze upward toward the sun and the rest of the starry sky, in order to become one with the cosmos. If one wishes today to deeply absorb into one’s world of feeling how one can come to know the universe, one must turn one’s gaze deeply inward. According to what I have explained to you, the right time for this is the depths of winter, the Christmas season.

[ 33 ] Versuchen Sie einmal mit diesem Weihnachtsgedanken zurechtzukommen, denn wir haben in der heutigen Zeit schon nötig, daß solche alten Gewohnheiten — denn das sind sie schon geworden eine Belebung erfahren, so daß wir ehrlich wiederum werden gegenüber demjenigen, was wir als Miterlebnis haben mit dem Jahreslaufe zum Beispiel. Wieviel wissen die Menschen vieler Kreise heute von der Weihnachtszeit anderes, als daß man sich da beschenkt, und daß man in einer ziemlich äußerlichen Weise, nun ja, so die Gedanken mitmacht, die halt eben erinnern an das Mysterium von Golgatha!

[ 33 ] Try to come to terms with this Christmas idea, because in today’s world we really need such old customs—for that is what they have become—to be revitalized, so that we can once again be sincere about what we experience as part of the cycle of the year, for example. How much do people in many circles today know about the Christmas season other than that gifts are exchanged, and that, in a rather superficial way, they go along with thoughts that simply remind them of the Mystery of Golgotha!

[ 34 ] Solche Veräußerlichungen sind gerade an dem großen Unglück schuld, in das die Menschheit heute mit ihrer Zivilisation hineingesegelt ist, sie sind die wahre Schuld. Die wahre Schuld liegt in dem gewohnheitsmäßigen Festhalten und in der Abneigung gegenüber der Notwendigkeit, zu erneuern dasjenige, was zum Beispiel auch der Weihnachtsgedanke oder die Weihnachtsempfindung sein soll. Wir brauchen durchaus eine solche Erneuerung. Wir brauchen sie, weil wir nur dadurch wiederum rechte Menschen werden können, daß wir unser geistiges Teil in der Welt finden. Ein Weltenweihnachten, wie ich oftmals gerade in dieser Zeit gesagt habe, ein Weltenweihnachten brauchen wit, eine Geburt des geistigen Lebens. Dann werden wir wiederum als ehrliche Menschen Weihnachten feiern, dann wird es wieder einen Sinn haben, sich gerade dann, wenn die Erde sich mit ihrem Schneegewande umgibt, in der Empfindung der Durchchristung unserer Gedankenwelt nähern zu wollen, die jetzt ist wie das Blut in uns, gegenüber der alten Gedankenwelt, die war wie der Atem in uns,

[ 34 ] Such externalizations are precisely to blame for the great misfortune into which humanity has steered itself today with its civilization; they are the true cause. The true cause lies in our habitual clinging to the past and our aversion to the necessity of renewing what, for example, the spirit of Christmas or the Christmas feeling is meant to be. We certainly need such a renewal. We need it because we can only become truly human again by finding our spiritual aspect in the world. A universal Christmas—as I have often said, especially at this time of year—is what we need: a birth of spiritual life. Then we will once again celebrate Christmas as honest people; then it will once again make sense—especially when the earth is cloaked in snow—to seek to draw closer, in the feeling of the permeation of our world of thought by Christ, which is now like the blood within us, as opposed to the old world of thought, which was like the breath within us,

[ 35 ] Allerdings, man wird wiederum mehr mit der Zeit leben müssen, als man das heute gewöhnt ist. Es ist nicht lange her, zwei Jahrzehnte, da tauchte der Gedanke auf, das Osterfest, das wenigstens noch nach dem Zeitenlauf geordnet ist, immer auf den 1.April zu verlegen, damit man die Kontobücher nicht immer in Unordnung bringt dadurch, daß diese Festeszeit auf einen andern Tag fällt in jedem Jahre. Es sollte alles auch mit Bezug auf das Miterleben des Zeitenlaufes in den materialistischen Gang der Menschheitsentwickelung einbezogen werden. Man konnte verstehen, daß sich das materialistische Denken allmählich auch schließlich zu dem bequemen werde, da man es erlebt hat, daß die Menschen zum Beispiel den Jahreslauf beginnen mit dem jetzigen Neujahr, am 1. Januar, trotzdem der Dezember — decem — der zehnte Monat ist und ganz augenscheinlich der Januar und Februar zum vorigen Jahre gehören, und das neue Jahr höchstens im März beginnen kann, wie es in der römischen Zeit auch begonnen hat. Aber es hat einmal einem blödsinnigen, auch von der Geschichte anerkannt blödsinnigen französischen König gefallen, mitten im Winter, am 1. Januar, das Jahr anzufangen, und die Menschheit hat sich danach gerichtet.

[ 35 ] However, we will once again have to live more in tune with the passage of time than we are accustomed to today. It was not long ago—two decades—that the idea arose to always move Easter, which is at least still aligned with the passage of time, to April 1, so that the ledgers would not constantly be thrown into disarray by this holiday falling on a different day each year. Everything should also be incorporated into the materialistic course of human development with regard to the experience of the passage of time. One could understand that materialistic thinking would gradually—and ultimately—become the norm, since we have seen that people, for example, begin the annual cycle with the current New Year on January 1, even though December—decem—is the tenth month, and January and February quite obviously belong to the previous year, and the new year can begin at the earliest in March, just as it did in Roman times. But once upon a time, a foolish French king—whose folly is even acknowledged by history—decided to start the year in the middle of winter, on January 1, and humanity has followed suit.

[ 36 ] Man muß schon starke Gedanken fassen, wenn man ehrlich sich sagen will: Die Rettung der Menschheitsentwickelung muß dadurch gesucht werden, daß der Mensch sich mit der Weisheit verbindet. Denn es gibt viele Tatsachen, die dafür sprechen, daß der Mensch sich keineswegs immer mit der Weisheit verbunden hat, sondern auch mit der Torheit. Fassen Sie einmal den Weihnachtsgedanken so, daß der Mensch ehrlich werde darinnen, diejenige Macht mit diesem Weihnachtsgedanken zu verbinden, die davon gesprochen hat: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.» Aber der Weg zur Wahrheit und zu dem Leben im Geiste muß gesucht werden. Dazu ist notwendig, wirklich einzutauchen gerade für die gegenwärtige Menschheit in die Tiefen der Mitternacht, um das im Menschen selbst sich entzündende Licht zu finden.

[ 36 ] One must truly grasp profound ideas if one wishes to honestly acknowledge: The salvation of human development must be sought through humanity’s connection with wisdom. For there are many facts that suggest that humanity has by no means always been connected with wisdom, but also with folly. Try to grasp the Christmas message in such a way that you become sincere in connecting it to the power that spoke these words: “I am the way, the truth, and the life.” But the path to truth and to life in the spirit must be sought. To this end, it is necessary—especially for humanity today—to truly plunge into the depths of midnight in order to find the light that kindles within the human being.

[ 37 ] Nicht bei der alten Tradition darf es bleiben, daß nur um die Mitternachtszeit die erste Weihnachtsmesse gelesen wird, sondern es muß wieder dazu kommen, daß der Mensch erlebt, daß sein Bestes, nämlich sein Lichtvolles, aus seiner Finsternis geboren werde. Denn das ist schon eine Wahrheit, daß das wahre Licht aus dem Dunkel geboren wird. Es muß aber aus diesem Dunkel nicht immer weiteres Dunkel, sondern das Licht geboren werden.

[ 37 ] We must not cling to the old tradition of celebrating the first Christmas Mass only at midnight; rather, we must return to a time when people experience how their very best—namely, their light—is born out of their darkness. For it is indeed a truth that true light is born out of darkness. However, it is not necessarily further darkness that must be born from this darkness, but rather the light.

[ 38 ] Versuchen Sie, den Weihnachtsgedanken mit jener Kraft für Ihre Seele zu durchdringen, die daher kommt, daß man mit der Notwendigkeit sich durchdringt, daß die Finsternis des andern Wissens durchdrungen werden muß von dem Lichte geistiger Einsicht und geistiger Anschauung. Dann wird Ihnen in der Weihnacht der Christus als in jedem Ihrer Herzen geboren werden. Und Sie werden wiederum in sich erleben mit den andern Menschen eine Welt-Weihenacht.

[ 38 ] Try to let the spirit of Christmas permeate your soul with that power which comes from the realization that the darkness of other forms of knowledge must be penetrated by the light of spiritual insight and spiritual vision. Then, at Christmas, Christ will be born in each of your hearts. And you will once again experience within yourselves, together with other people, a World Christmas.